Analyse des vierten Akts.
Personen: Sämmtliche Personen des dritten Akts undRepetíloff. Die Herren N. und D. brauchen nicht wieder zu erscheinen. Die Scene ist eine Vorhalle mit Säulen und einer im Hintergrunde sichtbaren oberen Treppe, die zur Thür des Balllokals im zweiten Stock führt; außer dieser Thür sind noch drei Thüren unten zu merken, die Aussenthür und neben ihr die des Portiers und gegenüber die Thür zu Moltschálins Zimmer. Es ist etwa drei Uhr Morgens; der Ball ist zu Ende und die Gesellschaft zieht sich nach und nach zurück. So begegnen wir allen nochmals und in kurzen Worten prägt sich der Character eines jeden aufs wahrste und ergötzlichste aus. Tschatzki kommt sehr unglücklich über diesen fatalen, ersten Tag die Treppe herab, noch ahnt er nichts davon, was die Gesellschaft über ihn erfunden hat. Er muß unten etwas auf seinen Wagen warten und indem öffnet sich die Aussenthür und der Wüstling Repetíloff fällt, so lang er ist, hinein. In einer starken Weinlaune überhäuft er Tschatzki mit Freundschaftsversicherungen und Zärtlichkeiten und beschwört ihn, mit ihm zu einer Compagnie von Bacchusbrüdern zu kommen, in deren meisterhafter Schilderung man eine zu jener Zeit berüchtigte Gesellschaft junger, unruhiger und unzufriedener Köpfe zu erkennen gemeint hat. — Tschatzki weiß nicht, wie er sich losmachen soll, da kommt Scalosúb herbei; mit einer ähnlichen Aufforderung und gleicher Zärtlichkeit geht Repetíloff auf diesen los und den Moment benutzt Tschatzki um in die Loge des Portiers zu schlüpfen. — Von hier hört er mit seinen eigenen Ohren, was die fortgehenden Gäste über den angeblichen Verlust seines Verstandes äußern. Als alle fort sind, tritt Tschatzki empört hervor — er kann es zuerst nicht fassen — aber bald denkt er sich den Zusammenhang, nur das ahnt er nicht, daß Sophie die Urheberin des Gerüchts war, und daß diese mit wenigen Worten die Lächerlichkeit desselben darthun konnte und es nicht that, ist auch das, was man ihr nicht wohl verzeihen kann.
Indem er der Quelle dieser Bosheit noch nachsinnt, erscheint Sophie oben auf der Treppe, glaubt in ihm Moltschálin zu erkennen und ruft ihn leise an, — wie sie sieht, daß sie sich getäuscht hat, verliert sie ihre gewöhnliche Geistesgegenwart und eilt schnell zurück. Diese Eile verräth sie, — denn jetzt erst entdeckt Tschatzki den wahren Zusammenhang der Sache; — er bleibt um keine Zweifel mehr zu haben, und versteckt sich hinter einer Säule. Bald erscheint Lisa um sich nach Tschatzki umzusehen und Moltschálin zum Fräulein zu beordern. Moltschálin kommt aus seiner Stube und macht Lisettenein aufrichtiges Bekenntniß von seinem Verhältniß zu Sophien; oben horcht Sophie, die ihrer Soubrette leise gefolgt war, wahrscheinlich auch aus Unruhe über Tschatzki’s Erscheinung; Tschatzki hinter dem Pfeiler verborgen, hört ebenso wie Sophie alles mit an. Sophie wird empört über Moltschálin und behandelt ihn überhaupt so, daß man sieht, es war nicht Liebe was sie zu ihm fühlte, sie liebte sich nur selbst in ihm. — Sie gebietet ihm für immer das Haus zu verlassen. Nun tritt Tschatzki vor; Moltschálin entflieht; Tschatzki überhäuft Sophie mit den bittersten Vorwürfen. — Auf die lauten Reden erscheint der Alte und glaubt an einRendez-vous, und in seiner tragi-komischen Wuth droht er die Sache bis vor Senat und Kaiser zu bringen. Tschatzki entfernt sich mit tiefgekränktem Gefühl im Herzen und beissendem Spott auf den Lippen; er fühlt, daß seine Bildung ihn aus diesem Kreise verbannt, und gekränkt in seinen heiligsten Empfindungen einer glühenden Liebe zu Sophien und seiner Vaterstadt, entflieht er beiden.