Dreizehnte Scene.

Im Testament rieth mir mein Vater, daß ichAllenBemüht sein müßte zu gefallen:Dem Wirth des Hauses, wo ich im Quartier,Sodann dem Chef, der über mir;Auch dessen Diener, der die Kleider putzt,Dem Schweizer und dem Hausknecht dann —Weil man sie oft benutzt,Und suchen sollte ichDes Knechtes Hund zum Freunde zu bekommen.

Im Testament rieth mir mein Vater, daß ichAllen

Bemüht sein müßte zu gefallen:

Dem Wirth des Hauses, wo ich im Quartier,

Sodann dem Chef, der über mir;

Auch dessen Diener, der die Kleider putzt,

Dem Schweizer und dem Hausknecht dann —

Weil man sie oft benutzt,

Und suchen sollte ich

Des Knechtes Hund zum Freunde zu bekommen.

Lisette.

Ei, ei, da haben Sie viel Arbeit übernommen!

Ei, ei, da haben Sie viel Arbeit übernommen!

Moltschálin.

Und darum stelle ich verliebt mich an,Nur aus Gefälligkeit,Weil sie die Tochter ist von einem solchen Mann.

Und darum stelle ich verliebt mich an,

Nur aus Gefälligkeit,

Weil sie die Tochter ist von einem solchen Mann.

Lisette.

Durch den Sie gastfrei aufgenommenVon dem Sie manchen Rang bekommen?Doch bitt’ ich eilen Sie —!

Durch den Sie gastfrei aufgenommen

Von dem Sie manchen Rang bekommen?

Doch bitt’ ich eilen Sie —!

Moltschálin.

Wohlan, so laß uns zu SophieZu unsrer weinerlichenCoeur-madamMit ihrem Liebesgram.Doch erst erlaub’ mir mit EntzückenDich an dies volle Herz zu drücken. —

Wohlan, so laß uns zu Sophie

Zu unsrer weinerlichenCoeur-madam

Mit ihrem Liebesgram.

Doch erst erlaub’ mir mit Entzücken

Dich an dies volle Herz zu drücken. —

(Er will sie umarmen; sie entzieht sich ihm.)

Warum ist sie nicht Du!

Warum ist sie nicht Du!

(Indem er hinauf gehen will, tritt ihm Sophie entgegen.)

Sophie.

Zurück, ich hab’ genug gehört!O Ungeheuer Sie! So also mußt’ es enden!Ich schäm’ mich vor mir selbst, ich schäm’ mich vor den Wänden.

Zurück, ich hab’ genug gehört!

O Ungeheuer Sie! So also mußt’ es enden!

Ich schäm’ mich vor mir selbst, ich schäm’ mich vor den Wänden.

Moltschálin.

Sie da?Sophie Pawlowna!

Sie da?

Sophie Pawlowna!

Sophie.

Um Himmelswill’n, kein Wort —! Sie schweigen! —Entschieden ist schon alles hier.

Um Himmelswill’n, kein Wort —! Sie schweigen! —

Entschieden ist schon alles hier.

Moltschálin(wirft sich zu ihren Füßen).

Ach Gott, verzeih’n Sie mir,Gedenken Sie, ach seh’n Sie auf mich her!

Ach Gott, verzeih’n Sie mir,

Gedenken Sie, ach seh’n Sie auf mich her!

Sophie.

Ich denk an gar nichts mehr —Und schwiegen Sie, so wär’ es besser.O die Vergangenheit, sie ist ein scharfes Messer!

Ich denk an gar nichts mehr —

Und schwiegen Sie, so wär’ es besser.

O die Vergangenheit, sie ist ein scharfes Messer!

Moltschálin.

Erbarmen Sie sich doch!

Erbarmen Sie sich doch!

Sophie.

Wozu dies Kriechen noch?Wozu am Boden liegen!Kein Wort! Ich weiß wie Sie betrügen.

Wozu dies Kriechen noch?

Wozu am Boden liegen!

Kein Wort! Ich weiß wie Sie betrügen.

Moltschálin.

Die einz’ge Gnade nur! —

Die einz’ge Gnade nur! —

Sophie.

Nein, nein, nein!

Nein, nein, nein!

Moltschálin.

Ich scherzte, sprach ja nur verschlafen,O Gott, wie können Sie so hart mich strafen!

Ich scherzte, sprach ja nur verschlafen,

O Gott, wie können Sie so hart mich strafen!

Sophie.

Auf, sage ich — sonst wecke ich das HausUnd dann ist’s mit uns beiden aus.

Auf, sage ich — sonst wecke ich das Haus

Und dann ist’s mit uns beiden aus.

(Moltschálin steht schnell auf.)

Von heute an will ich von Ihnen nicht mehr wissen;Und daß Sie es zu denken selbst nicht wagen,Als ob mit Thränen und mit KlagenSie von mir würden je beehrt —Das sind Sie wahrlich gar nicht werth.Und daß Sie sich nicht untersteh’nIhr Auge länger hier zu zeigen.

Von heute an will ich von Ihnen nicht mehr wissen;

Und daß Sie es zu denken selbst nicht wagen,

Als ob mit Thränen und mit Klagen

Sie von mir würden je beehrt —

Das sind Sie wahrlich gar nicht werth.

Und daß Sie sich nicht untersteh’n

Ihr Auge länger hier zu zeigen.

Moltschálin.

Was Sie befehlen soll gescheh’n.

Was Sie befehlen soll gescheh’n.

Sophie.

Ich würde nichts verschweigen,Ich sagte Alles meinem Vater frei,Mein Schicksal wär’ mir einerlei.Sie können gehn! Nein, halt! — Es ist Ihr GlückDaß Feigheit mehr Sie hielt zurückWenn ich in tiefster Nacht Sie sah,Als selbst, wenn es am Tag geschah;Sie sind so kühn nicht, wie gemein.O ich bin froh, daß es jetzt Nacht und wir allein;Daß Augenzeugen nicht zugegen!Welch eine Meinung müßt’ man von mir hegen;Wenn, wie heut’ Vormittag,Als ich in Ohnmacht lag,Hier Tschatzki wär’.

Ich würde nichts verschweigen,

Ich sagte Alles meinem Vater frei,

Mein Schicksal wär’ mir einerlei.

Sie können gehn! Nein, halt! — Es ist Ihr Glück

Daß Feigheit mehr Sie hielt zurück

Wenn ich in tiefster Nacht Sie sah,

Als selbst, wenn es am Tag geschah;

Sie sind so kühn nicht, wie gemein.

O ich bin froh, daß es jetzt Nacht und wir allein;

Daß Augenzeugen nicht zugegen!

Welch eine Meinung müßt’ man von mir hegen;

Wenn, wie heut’ Vormittag,

Als ich in Ohnmacht lag,

Hier Tschatzki wär’.

Tschatzki

(hinter dem Pfeiler rasch hervortretend).

Hier ist er, Heuchlerin!

Hier ist er, Heuchlerin!

Lisette und Sophie.

Ach! — Ach! —

Ach! — Ach! —

(Lisette läßt das Licht vor Schrecken fallen. Moltschálin läuft in sein Zimmer und verschließt es.)

Tschatzki. Lisette. Sophie.

Tschatzki.

Jetzt schnell in Ohnmacht hin!Denn mehr als heute früh, wär’s grade jetzt am Ort.Das also war das große Räthselwort!Und diesem bin ich aufgeopfert!Ich weiß nicht, wie ich michUnd meine Wuth bezähmte — ha —Ich sah und schaut’ und glaubt’ nicht was ich sah!Und dieses Herzblatt, das mir vorgezogen,Für den Sie Ihren alten Freund betrogen,Der Mensch, durch den Gefühl und SchamVon Ihrer Wange kam,Der läuft jetzt fort voll Angst und SchreckenSich hinter Schloß und Riegel zu verstecken.Wer faßt des Schicksals launenhaftes Spiel!Der Mann von Seele und GefühlWird unter einer Last von Leiden fast erdrückt,Und die Moltschálin’s — sind beglückt.

Jetzt schnell in Ohnmacht hin!

Denn mehr als heute früh, wär’s grade jetzt am Ort.

Das also war das große Räthselwort!

Und diesem bin ich aufgeopfert!

Ich weiß nicht, wie ich mich

Und meine Wuth bezähmte — ha —

Ich sah und schaut’ und glaubt’ nicht was ich sah!

Und dieses Herzblatt, das mir vorgezogen,

Für den Sie Ihren alten Freund betrogen,

Der Mensch, durch den Gefühl und Scham

Von Ihrer Wange kam,

Der läuft jetzt fort voll Angst und Schrecken

Sich hinter Schloß und Riegel zu verstecken.

Wer faßt des Schicksals launenhaftes Spiel!

Der Mann von Seele und Gefühl

Wird unter einer Last von Leiden fast erdrückt,

Und die Moltschálin’s — sind beglückt.

Sophie

(in Thränen zerfließend).

Nichts mehr, ich bin voll Schuld — ich sag’ es frei —Doch konnt’ ich’s ahnen wohl, daß er so schändlich sei?

Nichts mehr, ich bin voll Schuld — ich sag’ es frei —

Doch konnt’ ich’s ahnen wohl, daß er so schändlich sei?

Lisette.

Man kommt! Ihr Vater ist’s, ach Gott, das ganze Haus!Der Alte wird sich freu’n, nun ist auch alles aus!

Man kommt! Ihr Vater ist’s, ach Gott, das ganze Haus!

Der Alte wird sich freu’n, nun ist auch alles aus!

Die Vorigen. Famussoff(kommt mit mehreren Dienern, die Fackeln, Lichte und Laternen tragen).

Famussoff.

Hierher! Mir nach! Geschwind, geschwind!Mehr Licht! Laternen! Nun, wo sindDenn die Gespenster? Wie? Was seh’ ich da?Wie? meine Tochter? Ha!Verworfne Dirne, ohne Scham!Und wo? Und sag’ mit wem? Infam!Ja! Topp auf Topp! Ganz auf ein HaarWie meine sel’ge Frau, wie ihre Mutter war.Kehrt’ ich den Rücken nur, so wußt’ ich’s schon’Gleich steckt’ sie irgendwo mit einer Mannsperson.Du! fürchte Gott!Wie hat Dich dieser Mensch denn so berückt?Du selbst erklärtest ihn ja für verrückt;Ja so!! — Ich war ja blind und dumm!Erfunden war’s und alle wußten drum.Er selbst war im ComplottMit allen meinen Gästen.Wodurch verdient’ ich, lieber Gott,Daß man mich also hält zum Besten!

Hierher! Mir nach! Geschwind, geschwind!

Mehr Licht! Laternen! Nun, wo sind

Denn die Gespenster? Wie? Was seh’ ich da?

Wie? meine Tochter? Ha!

Verworfne Dirne, ohne Scham!

Und wo? Und sag’ mit wem? Infam!

Ja! Topp auf Topp! Ganz auf ein Haar

Wie meine sel’ge Frau, wie ihre Mutter war.

Kehrt’ ich den Rücken nur, so wußt’ ich’s schon’

Gleich steckt’ sie irgendwo mit einer Mannsperson.

Du! fürchte Gott!

Wie hat Dich dieser Mensch denn so berückt?

Du selbst erklärtest ihn ja für verrückt;

Ja so!! — Ich war ja blind und dumm!

Erfunden war’s und alle wußten drum.

Er selbst war im Complott

Mit allen meinen Gästen.

Wodurch verdient’ ich, lieber Gott,

Daß man mich also hält zum Besten!

Tschatzki(zu Sophie).

Das Mährchen also haben Sie erdacht?

Das Mährchen also haben Sie erdacht?

Famussoff.

Schatz, keine Finten hier gemacht!Ich lass’ mich länger nicht betrügenUnd würdet ihr euch hier gleich in den Haaren liegen.

Schatz, keine Finten hier gemacht!

Ich lass’ mich länger nicht betrügen

Und würdet ihr euch hier gleich in den Haaren liegen.

(Zum Portier.)

Du, Philipp, bist ein Klotz, wie ich nun deutlich seh’ —Ein Rindvieh macht’ ich zum Portier.Er hört und sieht nicht; — sag’ — wo hast Du denn gesteckt?Wie hast Du denn nicht alles gleich entdeckt?Warum verschlosst Du nicht die Thüre jetzt?Und warum passest Du nicht auf bis ganz zuletzt?

Du, Philipp, bist ein Klotz, wie ich nun deutlich seh’ —

Ein Rindvieh macht’ ich zum Portier.

Er hört und sieht nicht; — sag’ — wo hast Du denn gesteckt?

Wie hast Du denn nicht alles gleich entdeckt?

Warum verschlosst Du nicht die Thüre jetzt?

Und warum passest Du nicht auf bis ganz zuletzt?

(Zu den übrigen Dienern.)

Wo war’t ihr alle hingelaufen? —Zur Arbeit — nach Sibirien mit euch!Für einen Groschen wär’t ihr fertig gleichMich zu verrathen und mich zu verkaufen.

Wo war’t ihr alle hingelaufen? —

Zur Arbeit — nach Sibirien mit euch!

Für einen Groschen wär’t ihr fertig gleich

Mich zu verrathen und mich zu verkaufen.

(Zu Lisette.)

Und das, Du Falkenaug’, sind deine Schelmenstücke!Da haben wir die SchmiedebrückeUnd Putz und Modennarrethei.Da hast Du es gelerntWie man den Seladon läßt einUnd wieder ihn entfernt.Wart’ nur, Dir leg’ ich Deine Suiten,Auf’s Dorf mit Dir, da kannst Du Gänse hüten!

Und das, Du Falkenaug’, sind deine Schelmenstücke!

Da haben wir die Schmiedebrücke

Und Putz und Modennarrethei.

Da hast Du es gelernt

Wie man den Seladon läßt ein

Und wieder ihn entfernt.

Wart’ nur, Dir leg’ ich Deine Suiten,

Auf’s Dorf mit Dir, da kannst Du Gänse hüten!

(Zu Sophie.)

Auch Du, Mamsell, Du bleibst nicht länger hier.Zwei Tage Zeit noch geb’ ich Dir,Dann wirst Du fort aus Moskau gehnUnd nicht mehr Menschen sehn.Ich halte Dich schon fernVon solchen abgefeimten Herrn.Zur Muhme, nach Saratow — in die Wüste hin,Das wird kuriren Deinen Sinn.Da kannst Du seufzen in der Oede,Von Liebelein ist dort nicht mehr die Rede;Da kannst Du Dich am Rahmen dehnenUnd hinter der Postille gähnen.

Auch Du, Mamsell, Du bleibst nicht länger hier.

Zwei Tage Zeit noch geb’ ich Dir,

Dann wirst Du fort aus Moskau gehn

Und nicht mehr Menschen sehn.

Ich halte Dich schon fern

Von solchen abgefeimten Herrn.

Zur Muhme, nach Saratow — in die Wüste hin,

Das wird kuriren Deinen Sinn.

Da kannst Du seufzen in der Oede,

Von Liebelein ist dort nicht mehr die Rede;

Da kannst Du Dich am Rahmen dehnen

Und hinter der Postille gähnen.

(Zu Tschatzki.)

Erlauben Sie, mein Herr, daß ich Sie ernstlich bitteZu unterlassen alle weitern Schritte,In jeder Art, nicht grad’, nicht krumm —Sie werden schon für Ihre Streiche büßen,Und hier im ganzen PublikumWird jede Thür vor Ihnen sich verschließen —Denn ich versprech’s — ich werde Lärmen schlagen,Ich werde jedermann in Moskau fragenWie solch Betragen ihm gefällt.Erfahren soll es alle Welt,Ich schrei’ es aus in alle Häuser,Ich reich’ es ein in den Senat,Ich klag’ es dem Ministerrath,Ich gehe bis zum Kaiser!

Erlauben Sie, mein Herr, daß ich Sie ernstlich bitte

Zu unterlassen alle weitern Schritte,

In jeder Art, nicht grad’, nicht krumm —

Sie werden schon für Ihre Streiche büßen,

Und hier im ganzen Publikum

Wird jede Thür vor Ihnen sich verschließen —

Denn ich versprech’s — ich werde Lärmen schlagen,

Ich werde jedermann in Moskau fragen

Wie solch Betragen ihm gefällt.

Erfahren soll es alle Welt,

Ich schrei’ es aus in alle Häuser,

Ich reich’ es ein in den Senat,

Ich klag’ es dem Ministerrath,

Ich gehe bis zum Kaiser!

Tschatzki.

Ich fass’ es nicht, ich muß gestehn,Ich hör’ es zwar, doch kann ich’s nicht begreifen.Betäubt davon was hier geschehnSteh’ ich noch da und die Gedanken schweifen.Ich Thor! Wo suchte ich den Preis für meine Leiden?Ich eilte, flog, ich zitterte vor Freuden,Dem Glück schon nah mich wähnend;Nur Eines wünschend, Eins nur sehnendVerschwendet’ ich der Liebe heißes Flehn,Und Sie — Sie wählten — wen?! —Und wollten Sie mich denn verschmäh’n —Warum denn heuchelnUnd mir mit Hoffnung schmeicheln?Warum mir denn nicht deutlich sagen:Hin sei der Traum aus jenen Jugendtagen,Und nur noch Gegenstand für Ihren Spott!Warum mir denn nicht sagen,Daß lau geworden die Erinnerung sogarAn die Gefühle, die wir theilten,Und die in mir nicht Trennung, nicht die Zeit,Zerstreuung nicht und weite Reisen heilten;Die jedem Athemzug verwebt —Mit denen ich gelitten — mit denen ich gelebt!Ach hätten Sie die Wahrheit nicht gescheut,Daß meine schnelle Rückkehr, mein Betragen,Mein Anblick, meine Worte Ihnen nicht behagen,Ich hätte Sie sogleich von mir befreit.Ich hätte nicht in meinem blinden WähnenNachdemgestrebt, was er, Ihr Liebling da —

Ich fass’ es nicht, ich muß gestehn,

Ich hör’ es zwar, doch kann ich’s nicht begreifen.

Betäubt davon was hier geschehn

Steh’ ich noch da und die Gedanken schweifen.

Ich Thor! Wo suchte ich den Preis für meine Leiden?

Ich eilte, flog, ich zitterte vor Freuden,

Dem Glück schon nah mich wähnend;

Nur Eines wünschend, Eins nur sehnend

Verschwendet’ ich der Liebe heißes Flehn,

Und Sie — Sie wählten — wen?! —

Und wollten Sie mich denn verschmäh’n —

Warum denn heucheln

Und mir mit Hoffnung schmeicheln?

Warum mir denn nicht deutlich sagen:

Hin sei der Traum aus jenen Jugendtagen,

Und nur noch Gegenstand für Ihren Spott!

Warum mir denn nicht sagen,

Daß lau geworden die Erinnerung sogar

An die Gefühle, die wir theilten,

Und die in mir nicht Trennung, nicht die Zeit,

Zerstreuung nicht und weite Reisen heilten;

Die jedem Athemzug verwebt —

Mit denen ich gelitten — mit denen ich gelebt!

Ach hätten Sie die Wahrheit nicht gescheut,

Daß meine schnelle Rückkehr, mein Betragen,

Mein Anblick, meine Worte Ihnen nicht behagen,

Ich hätte Sie sogleich von mir befreit.

Ich hätte nicht in meinem blinden Wähnen

Nachdemgestrebt, was er, Ihr Liebling da —

(Er lacht.)

Haha!Sie werden sich versöhnen!Wenn reiflich Sie’s bedenken,Wozu sich selber kränken?Und dann — Sie können windeln ihn und plagenUnd in Geschäften aus dem Hause jagen,Solch Ehejüngelchen, solch einen Eheknecht —Zum Pagen wie geschaffenFür’s ganze weibliche Geschlecht,Der Eheherren hohes IdealIn Moskau — o — ein sauberer Gemahl.Genug! Es ist mein Stolz Sie zu vergessen.

Haha!

Sie werden sich versöhnen!

Wenn reiflich Sie’s bedenken,

Wozu sich selber kränken?

Und dann — Sie können windeln ihn und plagen

Und in Geschäften aus dem Hause jagen,

Solch Ehejüngelchen, solch einen Eheknecht —

Zum Pagen wie geschaffen

Für’s ganze weibliche Geschlecht,

Der Eheherren hohes Ideal

In Moskau — o — ein sauberer Gemahl.

Genug! Es ist mein Stolz Sie zu vergessen.

(Zu Famussoff.)

Sie, alter Herr, auf Rang stets so versessen,O träumen Sie unwissend — glücklich fort!Ich gebe Ihnen hier mein Ehrenwort:Ich werbe nie um Ihrer Tochter Hand,Weil sich ein andrer Ritter fand.Ein Männlein sehr erfahren und geschickt,Ein Speichellecker, der sich ewig bückt,Und der auch ganz, so wie mir däucht,Dem künft’gen Schwiegervater gleicht.Die Schuppen ha, sind mir vom Aug’ gefallen,Die Binde sank — die Täuschung hörte auf!Jetzt thäte es mir wohl, zu gießen meine GalleUnd meinen HohnAuf Vater, Tochter, Schwiegersohn,Mit einem Wort — auf Alle!Zu welchen Menschen führte michDas Schicksal doch so wunderlich!Verfolgung, Spott, des Hohnes KlängeErfuhr ich nur von dieser blinden Menge;Verräther an der Treu und Liebe,Und unersättlich in des Hasses Triebe.Unbänd’ge Schwätzer, boshaft alte Weiber,Dummkluge Weise,Verschmitzte tück’sche Pinsel, matte Greise,Die zum KindHerabgesunken unter Possen sind! —Ihr habt posaunt in vollem Chor,Daß ich Verstand und Sinn verlor!Und Ihr habt Recht! — Wenn ein verständ’ger MannNur einen Tag mit Euch durchleben kannUnd es gelingt Euch nicht den Kopf ihm zu verdreh’nSo kann er dreist durch’s Feuer gehn.Aus Moskau fort!Nein, Moskau ist nicht mehr das Ziel von meinen Reisen.Ich suche nichts als einen stillen OrtUm hin mein wundes Herz zu tragen.Mein Wagen, schnell, wo ist mein Wagen!

Sie, alter Herr, auf Rang stets so versessen,

O träumen Sie unwissend — glücklich fort!

Ich gebe Ihnen hier mein Ehrenwort:

Ich werbe nie um Ihrer Tochter Hand,

Weil sich ein andrer Ritter fand.

Ein Männlein sehr erfahren und geschickt,

Ein Speichellecker, der sich ewig bückt,

Und der auch ganz, so wie mir däucht,

Dem künft’gen Schwiegervater gleicht.

Die Schuppen ha, sind mir vom Aug’ gefallen,

Die Binde sank — die Täuschung hörte auf!

Jetzt thäte es mir wohl, zu gießen meine Galle

Und meinen Hohn

Auf Vater, Tochter, Schwiegersohn,

Mit einem Wort — auf Alle!

Zu welchen Menschen führte mich

Das Schicksal doch so wunderlich!

Verfolgung, Spott, des Hohnes Klänge

Erfuhr ich nur von dieser blinden Menge;

Verräther an der Treu und Liebe,

Und unersättlich in des Hasses Triebe.

Unbänd’ge Schwätzer, boshaft alte Weiber,

Dummkluge Weise,

Verschmitzte tück’sche Pinsel, matte Greise,

Die zum Kind

Herabgesunken unter Possen sind! —

Ihr habt posaunt in vollem Chor,

Daß ich Verstand und Sinn verlor!

Und Ihr habt Recht! — Wenn ein verständ’ger Mann

Nur einen Tag mit Euch durchleben kann

Und es gelingt Euch nicht den Kopf ihm zu verdreh’n

So kann er dreist durch’s Feuer gehn.

Aus Moskau fort!

Nein, Moskau ist nicht mehr das Ziel von meinen Reisen.

Ich suche nichts als einen stillen Ort

Um hin mein wundes Herz zu tragen.

Mein Wagen, schnell, wo ist mein Wagen!

(Schnell ab.)

Die Vorigen(ohne Tschatzki).

Famussoff.

Nun siehst Du! Ist’s nicht sonnenklar,Daß niemand je verrückter war?Sag’ selbst, im Ernst, — was sprach er gleichFür tolles abgeschmacktes Zeug!Von Speichelleckern fing er anVon einem Schwiegervater dann;Und das war sonderbar,Was er auf Moskau böse war.Doch Du — Du bringst mich um — ja Du!Bin ich nichtsoschon zu beklagen?Ach großer Gott, was wird dazuNun unsre alte Fürstin sagen!!

Nun siehst Du! Ist’s nicht sonnenklar,

Daß niemand je verrückter war?

Sag’ selbst, im Ernst, — was sprach er gleich

Für tolles abgeschmacktes Zeug!

Von Speichelleckern fing er an

Von einem Schwiegervater dann;

Und das war sonderbar,

Was er auf Moskau böse war.

Doch Du — Du bringst mich um — ja Du!

Bin ich nichtsoschon zu beklagen?

Ach großer Gott, was wird dazu

Nun unsre alte Fürstin sagen!!

(Gruppe. Der Vorhang fällt.)

Ende des vierten und letzten Akts.


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