III. Chinesen, chinesische Mestizen, Japanen.1. Chinesen.Der Verkehr zwischen China und den Philippinen muss in das frühe Mittelalter hineinreichen, denn schon 1372 wird in chinesischen Werken—und zwar in dem Buche Ming-tsche—erwähnt, dass eine Gesandtschaft von Liú-sung, d. i. Luzon, in China angelangt wäre, und dass schon vor diesem Zeitpunkt Sulu in Intervallen von fünf zu fünf Jahren Tribut nach Amoy gesandt hätte (Ilustr. del Oriente 1877, n. 12, p. 10). Man hat auch in Visayergräbern, welche aus einer Zeitperiode lange vor der Conquista herstammen, bunt gemalte chinesische Schüsseln gefunden (Jagor 209). Der Handelsverkehr zwischen China und den Philippinen muss später stark zurückgegangen sein, denn als Don Miguel Lopez de Legazpi 1565 in den Visayern anlangte, da erfuhr er daselbst, dass die chinesischen Schiffe nur Luzon besuchten (Fr. Gaspar de S. Augustin, p. 95 f.). Die ersten Chinesen trafen die Spanier 1571 bei Mindoro, und die freundliche Behandlung, welche ihnen zu Theil wurde, bewirkte, dass im folgenden Jahre drei Dschunken in Manila erschienen (Fr. Gaspar 251). Von da an fand ein regelmässiger Verkehr zwischen ihnen und den Spaniern Statt, die Zahl der chinesischen Schiffe wuchs mit jedem Jahre, und dieses freundliche Verhältniss erlitt selbst keine Trübung, als 1574 der chinesische Piratenkönig Limahon drei Mal Manila angriff, welches nur durch die Energie und Tapferkeit des ritterlichen Salcedo vor dem Untergange gerettet wurde. Erst 1575 gelang es Salcedo, Limahon aus dem Golfe von Lingayen, wohin er sich nach der Niederlage von Manila zurückgezogen hatte, zu verjagen. Erst im Jahre 1585 wird erwähnt, dass in Manila eine Niederlassung von chinesischen Krämern, Sangleyes genannt, existire, und zwar zählte selbe über 1000 Köpfe (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 640). Sie handelten mit chinesischen Waaren und waren ferner Fischer, Gärtner, Handwerker, Apotheker (!) und Maler. Schon damals mussten die Chinesen Abgaben entrichten, denn in dem Decrete, mit welchem 1588 Philipp II. sämmtliche Angelegenheiten der neuen Colonie regelte, wird die Hälfte der Abgaben, welche von den Chinesen gezahlt wurden, dem Municipium der Stadt Manila als Einnahme zugewiesen (Fr. Juan de la Concepcion II, 132).Die Ermordung des Gouverneurs Gomez Perez Dasmariñas durch die chinesische Bemannung seines Admiralschiffes (1593) flösste zuerst Misstrauen gegen die Sangleyes ein, bis dann im Jahre 1603 in Manila die Chinesen, welche bereits 30 000 Seelen zählten, sich gegen die Spanier erhoben. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, 23 000 Chinesen waren auf dem Schlachtfelde gefallen oder am Richtplatze gestorben. Trotzdem waren 1605 16 000 Chinesen wieder im Parian (Ghetto und Bazar) von Manila angesiedelt, deren Zahl im Jahre 1639 bis auf 40 000 angeschwollen war (Fr. Gaspar, 374). Im November dieses Jahres erhoben sich die Chinesen von Neuem, gerade in einer Zeit, wo die Spanier mit Holland und den Sultanen von Sulu und Mindanao im Kriege lagen. Erst im März 1640 wurde derAufstand bewältigt, nur 7000 Chinesen überlebten das Ende desselben. Die spanischen Behörden liessen sich durch diese Vorfälle zu keinem Verbote der chinesischen Einwanderung bewegen, und so verbreiteten sich dieselben in allen Provinzen. Einzelne Chinesen nahmen Antheil an dem Aufstande der Pampangos vom Jahre 1660, dadurch wurde die Erbitterung gegen sie allgemein. Als bald darauf der König Kogseng von Formosa den Gobernador Manrique Lara mit Krieg bedrohte, erhoben sich neuerdings die Chinesen Manila’s, wurden aber besiegt und die Überlebenden, ausgenommen die Christen, ausgewiesen. Die Chinesen-Einwanderung nahm zwar geringere Dimensionen an, hörte jedoch nicht auf. Um der Gefahr eines nochmaligen Aufstandes zu begegnen, ordnete ein kgl. Erlass vom 17. Juni 1679 an, dass alle heidnischen und die ledigen christlichen Sangleyes Manila’s in dem ihnen zugewiesenen Parian oder Ghetto, die verheiratheten aber in den Vorstädten Binondo und Santa Cruz sich niederlassen sollten. Auch die in den Provinzen lebenden Chinesen sollten womöglich in besonderen Quartieren vereinigt werden. Diese Verordnung scheint nicht befolgt worden zu sein, oder es haben vielleicht die Colonialbehörden Vorstellungen beim Rathe von Indien dagegen erhoben, denn sie wurde am 14. November 1686 neuerdings erlassen. Als 1709 der kühne Eroberer von Verapaz, der Graf Lizarraga, Gouverneur der Philippinen wurde, vertrieb er alle Chinesen, welche nicht im Dienste der Regierung standen oder sonst für Gewerbe und Industrie unentbehrlich waren. 1721 plünderten sieben chinesische Dschunken in den Calamianen, sie wurden zwar von den Spaniern genommen, auch waren die Sangleyes von Manila an dem Vorfalle unschuldig, aber man begann sie immer argwöhnischer zu beobachten, zumal ihre Zahl im steten Wachsthum begriffen war.Man suchte nun durch hohe Auflagen die unentbehrlich gewordenen Chinesen von massenhafter Zuwanderung abzuschrecken, im Jahre 1732 allein trug die Licenzengebühr, welche die chinesischen Krämer für die Ausübung ihres Handels zahlten, 24 000 Dollar dem Staatsschatze ein, abgesehen davon, was die mit der Chinesenaufsicht betrauten Organe unterschlugen. 1745 verbreitete sich in Manila das falsche Gerücht, die Chinesen wollen die Spanier niedermetzeln, weshalb man eine grosse Anzahl Verdächtiger auswies. Bereits 1747 war ein Decret erlassen worden, welches alle heidnischen Chinesen von den Philippinen verbannte, erst 1757 wurde es aber ausgeführt und zugleich der Handel mit China durch Erlass einer Anzahl Verordnungen geregelt. Die meisten der aus Manila vertriebenen Chinesen, 4000 an der Zahl, wanderten nach Sulu aus. Obwohl 1759 neuerdings Ausweisungen vorkamen, so war bereits 1762 der Parian wieder stark bevölkert. Als die Briten Manila’s sich bemächtigten, schlossen sich die Sangleyes ihnen an und fochten gegen die Spanier, weshalb der spanische Generalissimus Anda alle in den Provinzen lebenden Chinesen aufknüpfen liess. Als 1763 die Briten Manila räumten, zogen auch die Chinesen ab, und eine kurze Zeit hindurch gab es keine Chinesen auf den Philippinen. Da sie aber unentbehrlich geworden waren, so gestattete man ihnen wieder, sich niederzulassen. Der Gobernador Basco (1778–87) suchte durch die Anlage eines neuen Chinesenviertels den Handel Manila’s noch mehr zu heben, stiess aber dabei auf so heftige Opposition, dass er den Gedanken aufgeben musste. Dagegen gründete er bei Candava eine Ackerbaucolonie von 200 christlichen Chinesen (Diaz Arenas 114), doch ging selbe unter seinen Nachfolgern ein. 1790 richtete der Gouverneur Marquina ein Gesuch an den Hof, in welchem er die Erlaubniss unbeschränkter Importation und Einwanderung von Chinesen verlangte. In Madrid aber erneuerte man 1804 die alten Ausweisungsdecrete, nur die verheiratheten Chinesen und jene, welche mit der Bebauung des Landes beschäftigt waren, durften bleiben. Bei Gelegenheit der Cholera-Epidemie im Jahre 1819 fand wieder ein grosses Chinesenmassacre Statt, welches die ausgerückten Truppen nicht zu hindern vermochten. 1828 wurde das Steuerwesen und die Selbstverwaltung der Chinesen und Chinesengemeinden neu regulirt, ebenso 1839 Anordnungen getroffen, um die Ertheilung der Licenzen für chinesische Krämer zu reformiren. Die weisen Maassregeln wurden durch ein Gesetz im Jahre 1843 vervollständigt, von nun an sollten die chinesischen Schiffe im Hafen- und Zoll-Verkehr den übrigen ausländischen gleichgestellt werden. 1850 erliess die Colonialbehörde ein Decret, welches vor Allem die Einwanderung chinesischer Ackerbauer und Feldarbeiter befördern wollte, es blieb jedoch ohne ein Resultat.Die Chinesen, welche nach Manila kamen und kommen, waren und sind entweder Krämer oder Handwerker, es giebt nur wenige Ackerbauer und Feldarbeiter unter ihnen, so 1867 unter 20 293 nur 425 Ackerbauer. Diess ist um so merkwürdiger, als die Leyes de Indias nur die Niederlassung von ackerbautreibenden und Dienerstellen einnehmenden Chinesen gestatten (Cañamaque, Recu. I, 278;Scheidnagel 71). Nach Jagor (Reisen 274) hindert sie die Feindseligkeit der Indier daran, welche den Chinesen mit grimmigem Hasse und Neide begegnen1. Nach einigen Werken (Cañamaque, Recu. I, 202;Scheidnagel 70) ist die Einwanderung chinesischer Frauen gesetzlich untersagt, es muss aber wohl ein Irrthum der resp. Verfasser oder eine Nachlässigkeit derBehörden vorliegen, denn nicht allein Dr. Jagor (Reiseskizzen 227) erwähnt die Anwesenheit derselben; nach den statistischen Angaben in Cavada (I, 373, II, 339) lebten 1870 unter den 23 242 Chinesen der Philippinen 193 Frauen.Die Chinesen pflegen sehr jung nach den Philippinen zu kommen, wo sie zuerst bei einem reich gewordenen Landmanne als Commis oder Lehrling einzutreten pflegen. So lange er die spanische oder tagalische Sprache noch nicht erlernt hat, beschäftigt sich der Neuling lediglich mit Handlanger- und Packer-Arbeiten. Hat er sich hinreichende Sprach- und Geschäftskenntniss erworben, dann beginnt er mit dem Hausirhandel, um sich dann später einen Laden einzurichten. In verhältnissmässig kurzer Zeit hat sich der betriebsame Zopfträger ein kleines Capital erworben, mit dem er sich in die Heimath zurückzieht. Der gesammte Kleinhandel ist in ihren Händen vereinigt, „den Aufkauf der Colonialproducte in den Provinzen für die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen” (Jagor, Reisen 274). In jedem grösseren Pueblo ist wenigstens ein Chinese anzutreffen. Über die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden sind sie stets gut unterrichtet (Ilustracion 1860, n. 14, 158). Alle Handwerke werden von ihnen betrieben, selbst das unedle Gewerbe der Kurpfuscherei und Charlatanerie findet unter ihnen zahlreiche, vielgesuchte Vertreter (Buzeta, I, 20).Da die spanischen Gesetze nur christlichen Chinesen gestattet zu ehelichen, und die Aufmerksamkeit der Geistlichkeit Concubinate unmöglich macht oder wenigstens sehr erschwert, so lassen sich viele taufen, sobald sie einen „guten” Pathen finden. Die Abschliessung einer Ehe hindert aber den Chinesen nicht, sobald er ein Vermögen sich erworben, Weib und Kinder im Stiche zu lassen und in sein Vaterland zurückzukehren, weshalb die Indierinnen, wenn sie mit einem Chinesen eine Ehe eingehen wollen, sich ein Capital sicherstellen lassen.Die Chinesen der Philippinen theilen alle Laster ihrer Nation, insbesondere huldigen sie übermässigem Genusse des Opiums, welcher in den bekannten Opiumpfeifen geraucht wird. Nur den Chinesen gestattet die spanische Regierung den Genuss dieses gefährlichen Reizmittels, für welche Erlaubniss sie eine Abgabe zahlen müssen, welche für 1877 auf 2 345 340 Reales de vellon veranschlagt wurde (Illustration de l’Oriente 1877, n. 3, p. 9).Wo die Chinesen in grösserer Anzahl vorhanden sind, wie in Manila-extramuros, bilden sie autonome politische Gemeinden, welche nach Art der Indier-Pueblos gegliedert sind. Sie zahlen einen bedeutend höheren Tribut als die Indier, und 50 Tributzahler bilden auch hier eine Cabecería, deren Tribut der Cabecilla del Tributo oder Champan einzunehmen hat. An der Spitze der Gemeinde steht der Gobernadorcillo oder Capitan, dessen Amtsgehülfen der Teniente, Alguacil mayor und die Bilangos (gleich den Jueces der Indiergemeinden) sind. Die Wahl dieser Magistratspersonen erfolgt in derselben Weise, wie jene der Indiergemeinden. Der Gobernadorcillo, der Teniente und der Alguacil mayor müssen immer Christen sein.Was die Zahl der Chinesen anbelangt, so betrug sie:15851 000Seelen160330 000Seelen (in Manila allein)163940 000Seelen (nach Fr. Gaspar, nach Anderen nur über 30 000)18155 000Seelen allein in der Provinz Tondo18285 708Seelen davon in der Prov. Tondo (Manila) 527918308 640Seelen18345 000Seelen18369 038Seelen allein in der Prov. Tondo183710 168183810 877183911 57518405 729184210 000Seelen18475 736allein in der Prov. Tondo18487 42218499 331Seelen18509 158Seelen nach Diaz Arenas9 901Seelen nach Buzeta und Bravo187023 242Seelen187630 797Seelen1880ca 20 000Seelen in Manila allein.2. Chinesische Mestizen.Die Mischlinge von Chinesen und Malaiinnen wurden früher Mestizos de Sangley genannt, jetzt beginnt dieser Name allmählig durch die Bezeichnung Mestizos chinos verdrängt zu werden. Diese Mischlinge sind kräftig gebaut und besitzen die väterliche Sparsamkeit und Gewerbfleiss, weshalb ein grosser Theil des Kleinhandels, ja selbst der Bankgeschäfte (im kleinen Umfange) in ihren Händen ruht. In Tracht und Gewandung nähern sie sich den vornehmen Indiern oder spanischen Mestizen, von der Mutter haben sie die leidenschaftliche Vorliebe für den Tabak und das Buyokauen geerbt, vom Vater aber stammt ihr Hang zum Opiumrauchen her (Cañamaque, Recu. II, 195). Wo die chinesischen Mestizen in grösserer Anzahl zusammen wohnen, bilden sie autonome Gemeinden, wie die Chinesen. Bei ihnen genügen 25 bis 30 Tributos zur Constituirung eines Baranguay. Vor 1783 zahlten sie denselben Tribut wie die Indier, damals aber wurde er um das Doppelte erhöht,und seit jener Zeit zahlen sie Abgaben, welche stets höher sind als die der Indier, aber niedriger als jene der Chinesen. Ihre Zahl ist eine verhältnissmässig grosse, sie bilden den Bürgerstand der Philippinen, im Gegensatze zu den Weissen und deren Abkömmlingen, von denen die ersteren den militärischen oder bureaukratischen, die letzteren den Landadel darstellen. 1842 zählte man 240 000, 1850 180 000, 1867 210 816 chinesische Mestizen, wobei zu bemerken ist, dass man diesen Zahlenangaben kein unbedingtes Vertrauen schenken darf, denn bei der Volkszählung werden nur die Tributos, wenigstens bis vor Kurzem, gezählt; ein Tributo ist aber die Steuer, welche zwei erwachsene Personen, quasi ein Ehepaar, zusammen entrichten, es sind also die Kinder, die erwerbsunfähigen und über 60 Jahre alten Personen bei der Tributzahlung nicht berücksichtigt, weil sie von der Zahlung des Tributes befreit sind. Um nun die Bevölkerungsziffer herzustellen, multipliciren die spanischen Statistiker die Zahl der Tribute mit 4½, manche mit 5, andere mit 6, wodurch die oft widersprechenden Zahlenangaben hinreichend aufgeklärt sind. Nach meinen mühseligen und langwierigen Untersuchungen verhält sich im Allgemeinen die Zahl der spanischen Mestizen (diese zahlen keinen Tribut) zu jener der chinesischen durchschnittlich wie 1:16, nach älteren Daten berechnet, da in der neueren Zeit die spanischen Mestizen nicht mehr besonders in den Censuslisten geführt werden.3. Japanen.Zu Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts existirte in Manila und zwar in der Vorstadt Dilao eine Japanen-Niederlassung2. Von derselben hat sich jetzt keine Spur erhalten, die Japanen gingen in den Tagalen auf.1„Alle Versuche, grössere Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung vertreiben” (Jagor 252).2Nähere Details in meinem Aufsatze über diesen Gegenstand in den Nummern 1–3 des Jahrgangs 1881 der Österreichischen Monatsschrift für den Orient.
III. Chinesen, chinesische Mestizen, Japanen.1. Chinesen.Der Verkehr zwischen China und den Philippinen muss in das frühe Mittelalter hineinreichen, denn schon 1372 wird in chinesischen Werken—und zwar in dem Buche Ming-tsche—erwähnt, dass eine Gesandtschaft von Liú-sung, d. i. Luzon, in China angelangt wäre, und dass schon vor diesem Zeitpunkt Sulu in Intervallen von fünf zu fünf Jahren Tribut nach Amoy gesandt hätte (Ilustr. del Oriente 1877, n. 12, p. 10). Man hat auch in Visayergräbern, welche aus einer Zeitperiode lange vor der Conquista herstammen, bunt gemalte chinesische Schüsseln gefunden (Jagor 209). Der Handelsverkehr zwischen China und den Philippinen muss später stark zurückgegangen sein, denn als Don Miguel Lopez de Legazpi 1565 in den Visayern anlangte, da erfuhr er daselbst, dass die chinesischen Schiffe nur Luzon besuchten (Fr. Gaspar de S. Augustin, p. 95 f.). Die ersten Chinesen trafen die Spanier 1571 bei Mindoro, und die freundliche Behandlung, welche ihnen zu Theil wurde, bewirkte, dass im folgenden Jahre drei Dschunken in Manila erschienen (Fr. Gaspar 251). Von da an fand ein regelmässiger Verkehr zwischen ihnen und den Spaniern Statt, die Zahl der chinesischen Schiffe wuchs mit jedem Jahre, und dieses freundliche Verhältniss erlitt selbst keine Trübung, als 1574 der chinesische Piratenkönig Limahon drei Mal Manila angriff, welches nur durch die Energie und Tapferkeit des ritterlichen Salcedo vor dem Untergange gerettet wurde. Erst 1575 gelang es Salcedo, Limahon aus dem Golfe von Lingayen, wohin er sich nach der Niederlage von Manila zurückgezogen hatte, zu verjagen. Erst im Jahre 1585 wird erwähnt, dass in Manila eine Niederlassung von chinesischen Krämern, Sangleyes genannt, existire, und zwar zählte selbe über 1000 Köpfe (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 640). Sie handelten mit chinesischen Waaren und waren ferner Fischer, Gärtner, Handwerker, Apotheker (!) und Maler. Schon damals mussten die Chinesen Abgaben entrichten, denn in dem Decrete, mit welchem 1588 Philipp II. sämmtliche Angelegenheiten der neuen Colonie regelte, wird die Hälfte der Abgaben, welche von den Chinesen gezahlt wurden, dem Municipium der Stadt Manila als Einnahme zugewiesen (Fr. Juan de la Concepcion II, 132).Die Ermordung des Gouverneurs Gomez Perez Dasmariñas durch die chinesische Bemannung seines Admiralschiffes (1593) flösste zuerst Misstrauen gegen die Sangleyes ein, bis dann im Jahre 1603 in Manila die Chinesen, welche bereits 30 000 Seelen zählten, sich gegen die Spanier erhoben. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, 23 000 Chinesen waren auf dem Schlachtfelde gefallen oder am Richtplatze gestorben. Trotzdem waren 1605 16 000 Chinesen wieder im Parian (Ghetto und Bazar) von Manila angesiedelt, deren Zahl im Jahre 1639 bis auf 40 000 angeschwollen war (Fr. Gaspar, 374). Im November dieses Jahres erhoben sich die Chinesen von Neuem, gerade in einer Zeit, wo die Spanier mit Holland und den Sultanen von Sulu und Mindanao im Kriege lagen. Erst im März 1640 wurde derAufstand bewältigt, nur 7000 Chinesen überlebten das Ende desselben. Die spanischen Behörden liessen sich durch diese Vorfälle zu keinem Verbote der chinesischen Einwanderung bewegen, und so verbreiteten sich dieselben in allen Provinzen. Einzelne Chinesen nahmen Antheil an dem Aufstande der Pampangos vom Jahre 1660, dadurch wurde die Erbitterung gegen sie allgemein. Als bald darauf der König Kogseng von Formosa den Gobernador Manrique Lara mit Krieg bedrohte, erhoben sich neuerdings die Chinesen Manila’s, wurden aber besiegt und die Überlebenden, ausgenommen die Christen, ausgewiesen. Die Chinesen-Einwanderung nahm zwar geringere Dimensionen an, hörte jedoch nicht auf. Um der Gefahr eines nochmaligen Aufstandes zu begegnen, ordnete ein kgl. Erlass vom 17. Juni 1679 an, dass alle heidnischen und die ledigen christlichen Sangleyes Manila’s in dem ihnen zugewiesenen Parian oder Ghetto, die verheiratheten aber in den Vorstädten Binondo und Santa Cruz sich niederlassen sollten. Auch die in den Provinzen lebenden Chinesen sollten womöglich in besonderen Quartieren vereinigt werden. Diese Verordnung scheint nicht befolgt worden zu sein, oder es haben vielleicht die Colonialbehörden Vorstellungen beim Rathe von Indien dagegen erhoben, denn sie wurde am 14. November 1686 neuerdings erlassen. Als 1709 der kühne Eroberer von Verapaz, der Graf Lizarraga, Gouverneur der Philippinen wurde, vertrieb er alle Chinesen, welche nicht im Dienste der Regierung standen oder sonst für Gewerbe und Industrie unentbehrlich waren. 1721 plünderten sieben chinesische Dschunken in den Calamianen, sie wurden zwar von den Spaniern genommen, auch waren die Sangleyes von Manila an dem Vorfalle unschuldig, aber man begann sie immer argwöhnischer zu beobachten, zumal ihre Zahl im steten Wachsthum begriffen war.Man suchte nun durch hohe Auflagen die unentbehrlich gewordenen Chinesen von massenhafter Zuwanderung abzuschrecken, im Jahre 1732 allein trug die Licenzengebühr, welche die chinesischen Krämer für die Ausübung ihres Handels zahlten, 24 000 Dollar dem Staatsschatze ein, abgesehen davon, was die mit der Chinesenaufsicht betrauten Organe unterschlugen. 1745 verbreitete sich in Manila das falsche Gerücht, die Chinesen wollen die Spanier niedermetzeln, weshalb man eine grosse Anzahl Verdächtiger auswies. Bereits 1747 war ein Decret erlassen worden, welches alle heidnischen Chinesen von den Philippinen verbannte, erst 1757 wurde es aber ausgeführt und zugleich der Handel mit China durch Erlass einer Anzahl Verordnungen geregelt. Die meisten der aus Manila vertriebenen Chinesen, 4000 an der Zahl, wanderten nach Sulu aus. Obwohl 1759 neuerdings Ausweisungen vorkamen, so war bereits 1762 der Parian wieder stark bevölkert. Als die Briten Manila’s sich bemächtigten, schlossen sich die Sangleyes ihnen an und fochten gegen die Spanier, weshalb der spanische Generalissimus Anda alle in den Provinzen lebenden Chinesen aufknüpfen liess. Als 1763 die Briten Manila räumten, zogen auch die Chinesen ab, und eine kurze Zeit hindurch gab es keine Chinesen auf den Philippinen. Da sie aber unentbehrlich geworden waren, so gestattete man ihnen wieder, sich niederzulassen. Der Gobernador Basco (1778–87) suchte durch die Anlage eines neuen Chinesenviertels den Handel Manila’s noch mehr zu heben, stiess aber dabei auf so heftige Opposition, dass er den Gedanken aufgeben musste. Dagegen gründete er bei Candava eine Ackerbaucolonie von 200 christlichen Chinesen (Diaz Arenas 114), doch ging selbe unter seinen Nachfolgern ein. 1790 richtete der Gouverneur Marquina ein Gesuch an den Hof, in welchem er die Erlaubniss unbeschränkter Importation und Einwanderung von Chinesen verlangte. In Madrid aber erneuerte man 1804 die alten Ausweisungsdecrete, nur die verheiratheten Chinesen und jene, welche mit der Bebauung des Landes beschäftigt waren, durften bleiben. Bei Gelegenheit der Cholera-Epidemie im Jahre 1819 fand wieder ein grosses Chinesenmassacre Statt, welches die ausgerückten Truppen nicht zu hindern vermochten. 1828 wurde das Steuerwesen und die Selbstverwaltung der Chinesen und Chinesengemeinden neu regulirt, ebenso 1839 Anordnungen getroffen, um die Ertheilung der Licenzen für chinesische Krämer zu reformiren. Die weisen Maassregeln wurden durch ein Gesetz im Jahre 1843 vervollständigt, von nun an sollten die chinesischen Schiffe im Hafen- und Zoll-Verkehr den übrigen ausländischen gleichgestellt werden. 1850 erliess die Colonialbehörde ein Decret, welches vor Allem die Einwanderung chinesischer Ackerbauer und Feldarbeiter befördern wollte, es blieb jedoch ohne ein Resultat.Die Chinesen, welche nach Manila kamen und kommen, waren und sind entweder Krämer oder Handwerker, es giebt nur wenige Ackerbauer und Feldarbeiter unter ihnen, so 1867 unter 20 293 nur 425 Ackerbauer. Diess ist um so merkwürdiger, als die Leyes de Indias nur die Niederlassung von ackerbautreibenden und Dienerstellen einnehmenden Chinesen gestatten (Cañamaque, Recu. I, 278;Scheidnagel 71). Nach Jagor (Reisen 274) hindert sie die Feindseligkeit der Indier daran, welche den Chinesen mit grimmigem Hasse und Neide begegnen1. Nach einigen Werken (Cañamaque, Recu. I, 202;Scheidnagel 70) ist die Einwanderung chinesischer Frauen gesetzlich untersagt, es muss aber wohl ein Irrthum der resp. Verfasser oder eine Nachlässigkeit derBehörden vorliegen, denn nicht allein Dr. Jagor (Reiseskizzen 227) erwähnt die Anwesenheit derselben; nach den statistischen Angaben in Cavada (I, 373, II, 339) lebten 1870 unter den 23 242 Chinesen der Philippinen 193 Frauen.Die Chinesen pflegen sehr jung nach den Philippinen zu kommen, wo sie zuerst bei einem reich gewordenen Landmanne als Commis oder Lehrling einzutreten pflegen. So lange er die spanische oder tagalische Sprache noch nicht erlernt hat, beschäftigt sich der Neuling lediglich mit Handlanger- und Packer-Arbeiten. Hat er sich hinreichende Sprach- und Geschäftskenntniss erworben, dann beginnt er mit dem Hausirhandel, um sich dann später einen Laden einzurichten. In verhältnissmässig kurzer Zeit hat sich der betriebsame Zopfträger ein kleines Capital erworben, mit dem er sich in die Heimath zurückzieht. Der gesammte Kleinhandel ist in ihren Händen vereinigt, „den Aufkauf der Colonialproducte in den Provinzen für die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen” (Jagor, Reisen 274). In jedem grösseren Pueblo ist wenigstens ein Chinese anzutreffen. Über die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden sind sie stets gut unterrichtet (Ilustracion 1860, n. 14, 158). Alle Handwerke werden von ihnen betrieben, selbst das unedle Gewerbe der Kurpfuscherei und Charlatanerie findet unter ihnen zahlreiche, vielgesuchte Vertreter (Buzeta, I, 20).Da die spanischen Gesetze nur christlichen Chinesen gestattet zu ehelichen, und die Aufmerksamkeit der Geistlichkeit Concubinate unmöglich macht oder wenigstens sehr erschwert, so lassen sich viele taufen, sobald sie einen „guten” Pathen finden. Die Abschliessung einer Ehe hindert aber den Chinesen nicht, sobald er ein Vermögen sich erworben, Weib und Kinder im Stiche zu lassen und in sein Vaterland zurückzukehren, weshalb die Indierinnen, wenn sie mit einem Chinesen eine Ehe eingehen wollen, sich ein Capital sicherstellen lassen.Die Chinesen der Philippinen theilen alle Laster ihrer Nation, insbesondere huldigen sie übermässigem Genusse des Opiums, welcher in den bekannten Opiumpfeifen geraucht wird. Nur den Chinesen gestattet die spanische Regierung den Genuss dieses gefährlichen Reizmittels, für welche Erlaubniss sie eine Abgabe zahlen müssen, welche für 1877 auf 2 345 340 Reales de vellon veranschlagt wurde (Illustration de l’Oriente 1877, n. 3, p. 9).Wo die Chinesen in grösserer Anzahl vorhanden sind, wie in Manila-extramuros, bilden sie autonome politische Gemeinden, welche nach Art der Indier-Pueblos gegliedert sind. Sie zahlen einen bedeutend höheren Tribut als die Indier, und 50 Tributzahler bilden auch hier eine Cabecería, deren Tribut der Cabecilla del Tributo oder Champan einzunehmen hat. An der Spitze der Gemeinde steht der Gobernadorcillo oder Capitan, dessen Amtsgehülfen der Teniente, Alguacil mayor und die Bilangos (gleich den Jueces der Indiergemeinden) sind. Die Wahl dieser Magistratspersonen erfolgt in derselben Weise, wie jene der Indiergemeinden. Der Gobernadorcillo, der Teniente und der Alguacil mayor müssen immer Christen sein.Was die Zahl der Chinesen anbelangt, so betrug sie:15851 000Seelen160330 000Seelen (in Manila allein)163940 000Seelen (nach Fr. Gaspar, nach Anderen nur über 30 000)18155 000Seelen allein in der Provinz Tondo18285 708Seelen davon in der Prov. Tondo (Manila) 527918308 640Seelen18345 000Seelen18369 038Seelen allein in der Prov. Tondo183710 168183810 877183911 57518405 729184210 000Seelen18475 736allein in der Prov. Tondo18487 42218499 331Seelen18509 158Seelen nach Diaz Arenas9 901Seelen nach Buzeta und Bravo187023 242Seelen187630 797Seelen1880ca 20 000Seelen in Manila allein.2. Chinesische Mestizen.Die Mischlinge von Chinesen und Malaiinnen wurden früher Mestizos de Sangley genannt, jetzt beginnt dieser Name allmählig durch die Bezeichnung Mestizos chinos verdrängt zu werden. Diese Mischlinge sind kräftig gebaut und besitzen die väterliche Sparsamkeit und Gewerbfleiss, weshalb ein grosser Theil des Kleinhandels, ja selbst der Bankgeschäfte (im kleinen Umfange) in ihren Händen ruht. In Tracht und Gewandung nähern sie sich den vornehmen Indiern oder spanischen Mestizen, von der Mutter haben sie die leidenschaftliche Vorliebe für den Tabak und das Buyokauen geerbt, vom Vater aber stammt ihr Hang zum Opiumrauchen her (Cañamaque, Recu. II, 195). Wo die chinesischen Mestizen in grösserer Anzahl zusammen wohnen, bilden sie autonome Gemeinden, wie die Chinesen. Bei ihnen genügen 25 bis 30 Tributos zur Constituirung eines Baranguay. Vor 1783 zahlten sie denselben Tribut wie die Indier, damals aber wurde er um das Doppelte erhöht,und seit jener Zeit zahlen sie Abgaben, welche stets höher sind als die der Indier, aber niedriger als jene der Chinesen. Ihre Zahl ist eine verhältnissmässig grosse, sie bilden den Bürgerstand der Philippinen, im Gegensatze zu den Weissen und deren Abkömmlingen, von denen die ersteren den militärischen oder bureaukratischen, die letzteren den Landadel darstellen. 1842 zählte man 240 000, 1850 180 000, 1867 210 816 chinesische Mestizen, wobei zu bemerken ist, dass man diesen Zahlenangaben kein unbedingtes Vertrauen schenken darf, denn bei der Volkszählung werden nur die Tributos, wenigstens bis vor Kurzem, gezählt; ein Tributo ist aber die Steuer, welche zwei erwachsene Personen, quasi ein Ehepaar, zusammen entrichten, es sind also die Kinder, die erwerbsunfähigen und über 60 Jahre alten Personen bei der Tributzahlung nicht berücksichtigt, weil sie von der Zahlung des Tributes befreit sind. Um nun die Bevölkerungsziffer herzustellen, multipliciren die spanischen Statistiker die Zahl der Tribute mit 4½, manche mit 5, andere mit 6, wodurch die oft widersprechenden Zahlenangaben hinreichend aufgeklärt sind. Nach meinen mühseligen und langwierigen Untersuchungen verhält sich im Allgemeinen die Zahl der spanischen Mestizen (diese zahlen keinen Tribut) zu jener der chinesischen durchschnittlich wie 1:16, nach älteren Daten berechnet, da in der neueren Zeit die spanischen Mestizen nicht mehr besonders in den Censuslisten geführt werden.3. Japanen.Zu Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts existirte in Manila und zwar in der Vorstadt Dilao eine Japanen-Niederlassung2. Von derselben hat sich jetzt keine Spur erhalten, die Japanen gingen in den Tagalen auf.1„Alle Versuche, grössere Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung vertreiben” (Jagor 252).2Nähere Details in meinem Aufsatze über diesen Gegenstand in den Nummern 1–3 des Jahrgangs 1881 der Österreichischen Monatsschrift für den Orient.
III. Chinesen, chinesische Mestizen, Japanen.1. Chinesen.Der Verkehr zwischen China und den Philippinen muss in das frühe Mittelalter hineinreichen, denn schon 1372 wird in chinesischen Werken—und zwar in dem Buche Ming-tsche—erwähnt, dass eine Gesandtschaft von Liú-sung, d. i. Luzon, in China angelangt wäre, und dass schon vor diesem Zeitpunkt Sulu in Intervallen von fünf zu fünf Jahren Tribut nach Amoy gesandt hätte (Ilustr. del Oriente 1877, n. 12, p. 10). Man hat auch in Visayergräbern, welche aus einer Zeitperiode lange vor der Conquista herstammen, bunt gemalte chinesische Schüsseln gefunden (Jagor 209). Der Handelsverkehr zwischen China und den Philippinen muss später stark zurückgegangen sein, denn als Don Miguel Lopez de Legazpi 1565 in den Visayern anlangte, da erfuhr er daselbst, dass die chinesischen Schiffe nur Luzon besuchten (Fr. Gaspar de S. Augustin, p. 95 f.). Die ersten Chinesen trafen die Spanier 1571 bei Mindoro, und die freundliche Behandlung, welche ihnen zu Theil wurde, bewirkte, dass im folgenden Jahre drei Dschunken in Manila erschienen (Fr. Gaspar 251). Von da an fand ein regelmässiger Verkehr zwischen ihnen und den Spaniern Statt, die Zahl der chinesischen Schiffe wuchs mit jedem Jahre, und dieses freundliche Verhältniss erlitt selbst keine Trübung, als 1574 der chinesische Piratenkönig Limahon drei Mal Manila angriff, welches nur durch die Energie und Tapferkeit des ritterlichen Salcedo vor dem Untergange gerettet wurde. Erst 1575 gelang es Salcedo, Limahon aus dem Golfe von Lingayen, wohin er sich nach der Niederlage von Manila zurückgezogen hatte, zu verjagen. Erst im Jahre 1585 wird erwähnt, dass in Manila eine Niederlassung von chinesischen Krämern, Sangleyes genannt, existire, und zwar zählte selbe über 1000 Köpfe (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 640). Sie handelten mit chinesischen Waaren und waren ferner Fischer, Gärtner, Handwerker, Apotheker (!) und Maler. Schon damals mussten die Chinesen Abgaben entrichten, denn in dem Decrete, mit welchem 1588 Philipp II. sämmtliche Angelegenheiten der neuen Colonie regelte, wird die Hälfte der Abgaben, welche von den Chinesen gezahlt wurden, dem Municipium der Stadt Manila als Einnahme zugewiesen (Fr. Juan de la Concepcion II, 132).Die Ermordung des Gouverneurs Gomez Perez Dasmariñas durch die chinesische Bemannung seines Admiralschiffes (1593) flösste zuerst Misstrauen gegen die Sangleyes ein, bis dann im Jahre 1603 in Manila die Chinesen, welche bereits 30 000 Seelen zählten, sich gegen die Spanier erhoben. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, 23 000 Chinesen waren auf dem Schlachtfelde gefallen oder am Richtplatze gestorben. Trotzdem waren 1605 16 000 Chinesen wieder im Parian (Ghetto und Bazar) von Manila angesiedelt, deren Zahl im Jahre 1639 bis auf 40 000 angeschwollen war (Fr. Gaspar, 374). Im November dieses Jahres erhoben sich die Chinesen von Neuem, gerade in einer Zeit, wo die Spanier mit Holland und den Sultanen von Sulu und Mindanao im Kriege lagen. Erst im März 1640 wurde derAufstand bewältigt, nur 7000 Chinesen überlebten das Ende desselben. Die spanischen Behörden liessen sich durch diese Vorfälle zu keinem Verbote der chinesischen Einwanderung bewegen, und so verbreiteten sich dieselben in allen Provinzen. Einzelne Chinesen nahmen Antheil an dem Aufstande der Pampangos vom Jahre 1660, dadurch wurde die Erbitterung gegen sie allgemein. Als bald darauf der König Kogseng von Formosa den Gobernador Manrique Lara mit Krieg bedrohte, erhoben sich neuerdings die Chinesen Manila’s, wurden aber besiegt und die Überlebenden, ausgenommen die Christen, ausgewiesen. Die Chinesen-Einwanderung nahm zwar geringere Dimensionen an, hörte jedoch nicht auf. Um der Gefahr eines nochmaligen Aufstandes zu begegnen, ordnete ein kgl. Erlass vom 17. Juni 1679 an, dass alle heidnischen und die ledigen christlichen Sangleyes Manila’s in dem ihnen zugewiesenen Parian oder Ghetto, die verheiratheten aber in den Vorstädten Binondo und Santa Cruz sich niederlassen sollten. Auch die in den Provinzen lebenden Chinesen sollten womöglich in besonderen Quartieren vereinigt werden. Diese Verordnung scheint nicht befolgt worden zu sein, oder es haben vielleicht die Colonialbehörden Vorstellungen beim Rathe von Indien dagegen erhoben, denn sie wurde am 14. November 1686 neuerdings erlassen. Als 1709 der kühne Eroberer von Verapaz, der Graf Lizarraga, Gouverneur der Philippinen wurde, vertrieb er alle Chinesen, welche nicht im Dienste der Regierung standen oder sonst für Gewerbe und Industrie unentbehrlich waren. 1721 plünderten sieben chinesische Dschunken in den Calamianen, sie wurden zwar von den Spaniern genommen, auch waren die Sangleyes von Manila an dem Vorfalle unschuldig, aber man begann sie immer argwöhnischer zu beobachten, zumal ihre Zahl im steten Wachsthum begriffen war.Man suchte nun durch hohe Auflagen die unentbehrlich gewordenen Chinesen von massenhafter Zuwanderung abzuschrecken, im Jahre 1732 allein trug die Licenzengebühr, welche die chinesischen Krämer für die Ausübung ihres Handels zahlten, 24 000 Dollar dem Staatsschatze ein, abgesehen davon, was die mit der Chinesenaufsicht betrauten Organe unterschlugen. 1745 verbreitete sich in Manila das falsche Gerücht, die Chinesen wollen die Spanier niedermetzeln, weshalb man eine grosse Anzahl Verdächtiger auswies. Bereits 1747 war ein Decret erlassen worden, welches alle heidnischen Chinesen von den Philippinen verbannte, erst 1757 wurde es aber ausgeführt und zugleich der Handel mit China durch Erlass einer Anzahl Verordnungen geregelt. Die meisten der aus Manila vertriebenen Chinesen, 4000 an der Zahl, wanderten nach Sulu aus. Obwohl 1759 neuerdings Ausweisungen vorkamen, so war bereits 1762 der Parian wieder stark bevölkert. Als die Briten Manila’s sich bemächtigten, schlossen sich die Sangleyes ihnen an und fochten gegen die Spanier, weshalb der spanische Generalissimus Anda alle in den Provinzen lebenden Chinesen aufknüpfen liess. Als 1763 die Briten Manila räumten, zogen auch die Chinesen ab, und eine kurze Zeit hindurch gab es keine Chinesen auf den Philippinen. Da sie aber unentbehrlich geworden waren, so gestattete man ihnen wieder, sich niederzulassen. Der Gobernador Basco (1778–87) suchte durch die Anlage eines neuen Chinesenviertels den Handel Manila’s noch mehr zu heben, stiess aber dabei auf so heftige Opposition, dass er den Gedanken aufgeben musste. Dagegen gründete er bei Candava eine Ackerbaucolonie von 200 christlichen Chinesen (Diaz Arenas 114), doch ging selbe unter seinen Nachfolgern ein. 1790 richtete der Gouverneur Marquina ein Gesuch an den Hof, in welchem er die Erlaubniss unbeschränkter Importation und Einwanderung von Chinesen verlangte. In Madrid aber erneuerte man 1804 die alten Ausweisungsdecrete, nur die verheiratheten Chinesen und jene, welche mit der Bebauung des Landes beschäftigt waren, durften bleiben. Bei Gelegenheit der Cholera-Epidemie im Jahre 1819 fand wieder ein grosses Chinesenmassacre Statt, welches die ausgerückten Truppen nicht zu hindern vermochten. 1828 wurde das Steuerwesen und die Selbstverwaltung der Chinesen und Chinesengemeinden neu regulirt, ebenso 1839 Anordnungen getroffen, um die Ertheilung der Licenzen für chinesische Krämer zu reformiren. Die weisen Maassregeln wurden durch ein Gesetz im Jahre 1843 vervollständigt, von nun an sollten die chinesischen Schiffe im Hafen- und Zoll-Verkehr den übrigen ausländischen gleichgestellt werden. 1850 erliess die Colonialbehörde ein Decret, welches vor Allem die Einwanderung chinesischer Ackerbauer und Feldarbeiter befördern wollte, es blieb jedoch ohne ein Resultat.Die Chinesen, welche nach Manila kamen und kommen, waren und sind entweder Krämer oder Handwerker, es giebt nur wenige Ackerbauer und Feldarbeiter unter ihnen, so 1867 unter 20 293 nur 425 Ackerbauer. Diess ist um so merkwürdiger, als die Leyes de Indias nur die Niederlassung von ackerbautreibenden und Dienerstellen einnehmenden Chinesen gestatten (Cañamaque, Recu. I, 278;Scheidnagel 71). Nach Jagor (Reisen 274) hindert sie die Feindseligkeit der Indier daran, welche den Chinesen mit grimmigem Hasse und Neide begegnen1. Nach einigen Werken (Cañamaque, Recu. I, 202;Scheidnagel 70) ist die Einwanderung chinesischer Frauen gesetzlich untersagt, es muss aber wohl ein Irrthum der resp. Verfasser oder eine Nachlässigkeit derBehörden vorliegen, denn nicht allein Dr. Jagor (Reiseskizzen 227) erwähnt die Anwesenheit derselben; nach den statistischen Angaben in Cavada (I, 373, II, 339) lebten 1870 unter den 23 242 Chinesen der Philippinen 193 Frauen.Die Chinesen pflegen sehr jung nach den Philippinen zu kommen, wo sie zuerst bei einem reich gewordenen Landmanne als Commis oder Lehrling einzutreten pflegen. So lange er die spanische oder tagalische Sprache noch nicht erlernt hat, beschäftigt sich der Neuling lediglich mit Handlanger- und Packer-Arbeiten. Hat er sich hinreichende Sprach- und Geschäftskenntniss erworben, dann beginnt er mit dem Hausirhandel, um sich dann später einen Laden einzurichten. In verhältnissmässig kurzer Zeit hat sich der betriebsame Zopfträger ein kleines Capital erworben, mit dem er sich in die Heimath zurückzieht. Der gesammte Kleinhandel ist in ihren Händen vereinigt, „den Aufkauf der Colonialproducte in den Provinzen für die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen” (Jagor, Reisen 274). In jedem grösseren Pueblo ist wenigstens ein Chinese anzutreffen. Über die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden sind sie stets gut unterrichtet (Ilustracion 1860, n. 14, 158). Alle Handwerke werden von ihnen betrieben, selbst das unedle Gewerbe der Kurpfuscherei und Charlatanerie findet unter ihnen zahlreiche, vielgesuchte Vertreter (Buzeta, I, 20).Da die spanischen Gesetze nur christlichen Chinesen gestattet zu ehelichen, und die Aufmerksamkeit der Geistlichkeit Concubinate unmöglich macht oder wenigstens sehr erschwert, so lassen sich viele taufen, sobald sie einen „guten” Pathen finden. Die Abschliessung einer Ehe hindert aber den Chinesen nicht, sobald er ein Vermögen sich erworben, Weib und Kinder im Stiche zu lassen und in sein Vaterland zurückzukehren, weshalb die Indierinnen, wenn sie mit einem Chinesen eine Ehe eingehen wollen, sich ein Capital sicherstellen lassen.Die Chinesen der Philippinen theilen alle Laster ihrer Nation, insbesondere huldigen sie übermässigem Genusse des Opiums, welcher in den bekannten Opiumpfeifen geraucht wird. Nur den Chinesen gestattet die spanische Regierung den Genuss dieses gefährlichen Reizmittels, für welche Erlaubniss sie eine Abgabe zahlen müssen, welche für 1877 auf 2 345 340 Reales de vellon veranschlagt wurde (Illustration de l’Oriente 1877, n. 3, p. 9).Wo die Chinesen in grösserer Anzahl vorhanden sind, wie in Manila-extramuros, bilden sie autonome politische Gemeinden, welche nach Art der Indier-Pueblos gegliedert sind. Sie zahlen einen bedeutend höheren Tribut als die Indier, und 50 Tributzahler bilden auch hier eine Cabecería, deren Tribut der Cabecilla del Tributo oder Champan einzunehmen hat. An der Spitze der Gemeinde steht der Gobernadorcillo oder Capitan, dessen Amtsgehülfen der Teniente, Alguacil mayor und die Bilangos (gleich den Jueces der Indiergemeinden) sind. Die Wahl dieser Magistratspersonen erfolgt in derselben Weise, wie jene der Indiergemeinden. Der Gobernadorcillo, der Teniente und der Alguacil mayor müssen immer Christen sein.Was die Zahl der Chinesen anbelangt, so betrug sie:15851 000Seelen160330 000Seelen (in Manila allein)163940 000Seelen (nach Fr. Gaspar, nach Anderen nur über 30 000)18155 000Seelen allein in der Provinz Tondo18285 708Seelen davon in der Prov. Tondo (Manila) 527918308 640Seelen18345 000Seelen18369 038Seelen allein in der Prov. Tondo183710 168183810 877183911 57518405 729184210 000Seelen18475 736allein in der Prov. Tondo18487 42218499 331Seelen18509 158Seelen nach Diaz Arenas9 901Seelen nach Buzeta und Bravo187023 242Seelen187630 797Seelen1880ca 20 000Seelen in Manila allein.2. Chinesische Mestizen.Die Mischlinge von Chinesen und Malaiinnen wurden früher Mestizos de Sangley genannt, jetzt beginnt dieser Name allmählig durch die Bezeichnung Mestizos chinos verdrängt zu werden. Diese Mischlinge sind kräftig gebaut und besitzen die väterliche Sparsamkeit und Gewerbfleiss, weshalb ein grosser Theil des Kleinhandels, ja selbst der Bankgeschäfte (im kleinen Umfange) in ihren Händen ruht. In Tracht und Gewandung nähern sie sich den vornehmen Indiern oder spanischen Mestizen, von der Mutter haben sie die leidenschaftliche Vorliebe für den Tabak und das Buyokauen geerbt, vom Vater aber stammt ihr Hang zum Opiumrauchen her (Cañamaque, Recu. II, 195). Wo die chinesischen Mestizen in grösserer Anzahl zusammen wohnen, bilden sie autonome Gemeinden, wie die Chinesen. Bei ihnen genügen 25 bis 30 Tributos zur Constituirung eines Baranguay. Vor 1783 zahlten sie denselben Tribut wie die Indier, damals aber wurde er um das Doppelte erhöht,und seit jener Zeit zahlen sie Abgaben, welche stets höher sind als die der Indier, aber niedriger als jene der Chinesen. Ihre Zahl ist eine verhältnissmässig grosse, sie bilden den Bürgerstand der Philippinen, im Gegensatze zu den Weissen und deren Abkömmlingen, von denen die ersteren den militärischen oder bureaukratischen, die letzteren den Landadel darstellen. 1842 zählte man 240 000, 1850 180 000, 1867 210 816 chinesische Mestizen, wobei zu bemerken ist, dass man diesen Zahlenangaben kein unbedingtes Vertrauen schenken darf, denn bei der Volkszählung werden nur die Tributos, wenigstens bis vor Kurzem, gezählt; ein Tributo ist aber die Steuer, welche zwei erwachsene Personen, quasi ein Ehepaar, zusammen entrichten, es sind also die Kinder, die erwerbsunfähigen und über 60 Jahre alten Personen bei der Tributzahlung nicht berücksichtigt, weil sie von der Zahlung des Tributes befreit sind. Um nun die Bevölkerungsziffer herzustellen, multipliciren die spanischen Statistiker die Zahl der Tribute mit 4½, manche mit 5, andere mit 6, wodurch die oft widersprechenden Zahlenangaben hinreichend aufgeklärt sind. Nach meinen mühseligen und langwierigen Untersuchungen verhält sich im Allgemeinen die Zahl der spanischen Mestizen (diese zahlen keinen Tribut) zu jener der chinesischen durchschnittlich wie 1:16, nach älteren Daten berechnet, da in der neueren Zeit die spanischen Mestizen nicht mehr besonders in den Censuslisten geführt werden.3. Japanen.Zu Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts existirte in Manila und zwar in der Vorstadt Dilao eine Japanen-Niederlassung2. Von derselben hat sich jetzt keine Spur erhalten, die Japanen gingen in den Tagalen auf.
1. Chinesen.Der Verkehr zwischen China und den Philippinen muss in das frühe Mittelalter hineinreichen, denn schon 1372 wird in chinesischen Werken—und zwar in dem Buche Ming-tsche—erwähnt, dass eine Gesandtschaft von Liú-sung, d. i. Luzon, in China angelangt wäre, und dass schon vor diesem Zeitpunkt Sulu in Intervallen von fünf zu fünf Jahren Tribut nach Amoy gesandt hätte (Ilustr. del Oriente 1877, n. 12, p. 10). Man hat auch in Visayergräbern, welche aus einer Zeitperiode lange vor der Conquista herstammen, bunt gemalte chinesische Schüsseln gefunden (Jagor 209). Der Handelsverkehr zwischen China und den Philippinen muss später stark zurückgegangen sein, denn als Don Miguel Lopez de Legazpi 1565 in den Visayern anlangte, da erfuhr er daselbst, dass die chinesischen Schiffe nur Luzon besuchten (Fr. Gaspar de S. Augustin, p. 95 f.). Die ersten Chinesen trafen die Spanier 1571 bei Mindoro, und die freundliche Behandlung, welche ihnen zu Theil wurde, bewirkte, dass im folgenden Jahre drei Dschunken in Manila erschienen (Fr. Gaspar 251). Von da an fand ein regelmässiger Verkehr zwischen ihnen und den Spaniern Statt, die Zahl der chinesischen Schiffe wuchs mit jedem Jahre, und dieses freundliche Verhältniss erlitt selbst keine Trübung, als 1574 der chinesische Piratenkönig Limahon drei Mal Manila angriff, welches nur durch die Energie und Tapferkeit des ritterlichen Salcedo vor dem Untergange gerettet wurde. Erst 1575 gelang es Salcedo, Limahon aus dem Golfe von Lingayen, wohin er sich nach der Niederlage von Manila zurückgezogen hatte, zu verjagen. Erst im Jahre 1585 wird erwähnt, dass in Manila eine Niederlassung von chinesischen Krämern, Sangleyes genannt, existire, und zwar zählte selbe über 1000 Köpfe (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 640). Sie handelten mit chinesischen Waaren und waren ferner Fischer, Gärtner, Handwerker, Apotheker (!) und Maler. Schon damals mussten die Chinesen Abgaben entrichten, denn in dem Decrete, mit welchem 1588 Philipp II. sämmtliche Angelegenheiten der neuen Colonie regelte, wird die Hälfte der Abgaben, welche von den Chinesen gezahlt wurden, dem Municipium der Stadt Manila als Einnahme zugewiesen (Fr. Juan de la Concepcion II, 132).Die Ermordung des Gouverneurs Gomez Perez Dasmariñas durch die chinesische Bemannung seines Admiralschiffes (1593) flösste zuerst Misstrauen gegen die Sangleyes ein, bis dann im Jahre 1603 in Manila die Chinesen, welche bereits 30 000 Seelen zählten, sich gegen die Spanier erhoben. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, 23 000 Chinesen waren auf dem Schlachtfelde gefallen oder am Richtplatze gestorben. Trotzdem waren 1605 16 000 Chinesen wieder im Parian (Ghetto und Bazar) von Manila angesiedelt, deren Zahl im Jahre 1639 bis auf 40 000 angeschwollen war (Fr. Gaspar, 374). Im November dieses Jahres erhoben sich die Chinesen von Neuem, gerade in einer Zeit, wo die Spanier mit Holland und den Sultanen von Sulu und Mindanao im Kriege lagen. Erst im März 1640 wurde derAufstand bewältigt, nur 7000 Chinesen überlebten das Ende desselben. Die spanischen Behörden liessen sich durch diese Vorfälle zu keinem Verbote der chinesischen Einwanderung bewegen, und so verbreiteten sich dieselben in allen Provinzen. Einzelne Chinesen nahmen Antheil an dem Aufstande der Pampangos vom Jahre 1660, dadurch wurde die Erbitterung gegen sie allgemein. Als bald darauf der König Kogseng von Formosa den Gobernador Manrique Lara mit Krieg bedrohte, erhoben sich neuerdings die Chinesen Manila’s, wurden aber besiegt und die Überlebenden, ausgenommen die Christen, ausgewiesen. Die Chinesen-Einwanderung nahm zwar geringere Dimensionen an, hörte jedoch nicht auf. Um der Gefahr eines nochmaligen Aufstandes zu begegnen, ordnete ein kgl. Erlass vom 17. Juni 1679 an, dass alle heidnischen und die ledigen christlichen Sangleyes Manila’s in dem ihnen zugewiesenen Parian oder Ghetto, die verheiratheten aber in den Vorstädten Binondo und Santa Cruz sich niederlassen sollten. Auch die in den Provinzen lebenden Chinesen sollten womöglich in besonderen Quartieren vereinigt werden. Diese Verordnung scheint nicht befolgt worden zu sein, oder es haben vielleicht die Colonialbehörden Vorstellungen beim Rathe von Indien dagegen erhoben, denn sie wurde am 14. November 1686 neuerdings erlassen. Als 1709 der kühne Eroberer von Verapaz, der Graf Lizarraga, Gouverneur der Philippinen wurde, vertrieb er alle Chinesen, welche nicht im Dienste der Regierung standen oder sonst für Gewerbe und Industrie unentbehrlich waren. 1721 plünderten sieben chinesische Dschunken in den Calamianen, sie wurden zwar von den Spaniern genommen, auch waren die Sangleyes von Manila an dem Vorfalle unschuldig, aber man begann sie immer argwöhnischer zu beobachten, zumal ihre Zahl im steten Wachsthum begriffen war.Man suchte nun durch hohe Auflagen die unentbehrlich gewordenen Chinesen von massenhafter Zuwanderung abzuschrecken, im Jahre 1732 allein trug die Licenzengebühr, welche die chinesischen Krämer für die Ausübung ihres Handels zahlten, 24 000 Dollar dem Staatsschatze ein, abgesehen davon, was die mit der Chinesenaufsicht betrauten Organe unterschlugen. 1745 verbreitete sich in Manila das falsche Gerücht, die Chinesen wollen die Spanier niedermetzeln, weshalb man eine grosse Anzahl Verdächtiger auswies. Bereits 1747 war ein Decret erlassen worden, welches alle heidnischen Chinesen von den Philippinen verbannte, erst 1757 wurde es aber ausgeführt und zugleich der Handel mit China durch Erlass einer Anzahl Verordnungen geregelt. Die meisten der aus Manila vertriebenen Chinesen, 4000 an der Zahl, wanderten nach Sulu aus. Obwohl 1759 neuerdings Ausweisungen vorkamen, so war bereits 1762 der Parian wieder stark bevölkert. Als die Briten Manila’s sich bemächtigten, schlossen sich die Sangleyes ihnen an und fochten gegen die Spanier, weshalb der spanische Generalissimus Anda alle in den Provinzen lebenden Chinesen aufknüpfen liess. Als 1763 die Briten Manila räumten, zogen auch die Chinesen ab, und eine kurze Zeit hindurch gab es keine Chinesen auf den Philippinen. Da sie aber unentbehrlich geworden waren, so gestattete man ihnen wieder, sich niederzulassen. Der Gobernador Basco (1778–87) suchte durch die Anlage eines neuen Chinesenviertels den Handel Manila’s noch mehr zu heben, stiess aber dabei auf so heftige Opposition, dass er den Gedanken aufgeben musste. Dagegen gründete er bei Candava eine Ackerbaucolonie von 200 christlichen Chinesen (Diaz Arenas 114), doch ging selbe unter seinen Nachfolgern ein. 1790 richtete der Gouverneur Marquina ein Gesuch an den Hof, in welchem er die Erlaubniss unbeschränkter Importation und Einwanderung von Chinesen verlangte. In Madrid aber erneuerte man 1804 die alten Ausweisungsdecrete, nur die verheiratheten Chinesen und jene, welche mit der Bebauung des Landes beschäftigt waren, durften bleiben. Bei Gelegenheit der Cholera-Epidemie im Jahre 1819 fand wieder ein grosses Chinesenmassacre Statt, welches die ausgerückten Truppen nicht zu hindern vermochten. 1828 wurde das Steuerwesen und die Selbstverwaltung der Chinesen und Chinesengemeinden neu regulirt, ebenso 1839 Anordnungen getroffen, um die Ertheilung der Licenzen für chinesische Krämer zu reformiren. Die weisen Maassregeln wurden durch ein Gesetz im Jahre 1843 vervollständigt, von nun an sollten die chinesischen Schiffe im Hafen- und Zoll-Verkehr den übrigen ausländischen gleichgestellt werden. 1850 erliess die Colonialbehörde ein Decret, welches vor Allem die Einwanderung chinesischer Ackerbauer und Feldarbeiter befördern wollte, es blieb jedoch ohne ein Resultat.Die Chinesen, welche nach Manila kamen und kommen, waren und sind entweder Krämer oder Handwerker, es giebt nur wenige Ackerbauer und Feldarbeiter unter ihnen, so 1867 unter 20 293 nur 425 Ackerbauer. Diess ist um so merkwürdiger, als die Leyes de Indias nur die Niederlassung von ackerbautreibenden und Dienerstellen einnehmenden Chinesen gestatten (Cañamaque, Recu. I, 278;Scheidnagel 71). Nach Jagor (Reisen 274) hindert sie die Feindseligkeit der Indier daran, welche den Chinesen mit grimmigem Hasse und Neide begegnen1. Nach einigen Werken (Cañamaque, Recu. I, 202;Scheidnagel 70) ist die Einwanderung chinesischer Frauen gesetzlich untersagt, es muss aber wohl ein Irrthum der resp. Verfasser oder eine Nachlässigkeit derBehörden vorliegen, denn nicht allein Dr. Jagor (Reiseskizzen 227) erwähnt die Anwesenheit derselben; nach den statistischen Angaben in Cavada (I, 373, II, 339) lebten 1870 unter den 23 242 Chinesen der Philippinen 193 Frauen.Die Chinesen pflegen sehr jung nach den Philippinen zu kommen, wo sie zuerst bei einem reich gewordenen Landmanne als Commis oder Lehrling einzutreten pflegen. So lange er die spanische oder tagalische Sprache noch nicht erlernt hat, beschäftigt sich der Neuling lediglich mit Handlanger- und Packer-Arbeiten. Hat er sich hinreichende Sprach- und Geschäftskenntniss erworben, dann beginnt er mit dem Hausirhandel, um sich dann später einen Laden einzurichten. In verhältnissmässig kurzer Zeit hat sich der betriebsame Zopfträger ein kleines Capital erworben, mit dem er sich in die Heimath zurückzieht. Der gesammte Kleinhandel ist in ihren Händen vereinigt, „den Aufkauf der Colonialproducte in den Provinzen für die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen” (Jagor, Reisen 274). In jedem grösseren Pueblo ist wenigstens ein Chinese anzutreffen. Über die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden sind sie stets gut unterrichtet (Ilustracion 1860, n. 14, 158). Alle Handwerke werden von ihnen betrieben, selbst das unedle Gewerbe der Kurpfuscherei und Charlatanerie findet unter ihnen zahlreiche, vielgesuchte Vertreter (Buzeta, I, 20).Da die spanischen Gesetze nur christlichen Chinesen gestattet zu ehelichen, und die Aufmerksamkeit der Geistlichkeit Concubinate unmöglich macht oder wenigstens sehr erschwert, so lassen sich viele taufen, sobald sie einen „guten” Pathen finden. Die Abschliessung einer Ehe hindert aber den Chinesen nicht, sobald er ein Vermögen sich erworben, Weib und Kinder im Stiche zu lassen und in sein Vaterland zurückzukehren, weshalb die Indierinnen, wenn sie mit einem Chinesen eine Ehe eingehen wollen, sich ein Capital sicherstellen lassen.Die Chinesen der Philippinen theilen alle Laster ihrer Nation, insbesondere huldigen sie übermässigem Genusse des Opiums, welcher in den bekannten Opiumpfeifen geraucht wird. Nur den Chinesen gestattet die spanische Regierung den Genuss dieses gefährlichen Reizmittels, für welche Erlaubniss sie eine Abgabe zahlen müssen, welche für 1877 auf 2 345 340 Reales de vellon veranschlagt wurde (Illustration de l’Oriente 1877, n. 3, p. 9).Wo die Chinesen in grösserer Anzahl vorhanden sind, wie in Manila-extramuros, bilden sie autonome politische Gemeinden, welche nach Art der Indier-Pueblos gegliedert sind. Sie zahlen einen bedeutend höheren Tribut als die Indier, und 50 Tributzahler bilden auch hier eine Cabecería, deren Tribut der Cabecilla del Tributo oder Champan einzunehmen hat. An der Spitze der Gemeinde steht der Gobernadorcillo oder Capitan, dessen Amtsgehülfen der Teniente, Alguacil mayor und die Bilangos (gleich den Jueces der Indiergemeinden) sind. Die Wahl dieser Magistratspersonen erfolgt in derselben Weise, wie jene der Indiergemeinden. Der Gobernadorcillo, der Teniente und der Alguacil mayor müssen immer Christen sein.Was die Zahl der Chinesen anbelangt, so betrug sie:15851 000Seelen160330 000Seelen (in Manila allein)163940 000Seelen (nach Fr. Gaspar, nach Anderen nur über 30 000)18155 000Seelen allein in der Provinz Tondo18285 708Seelen davon in der Prov. Tondo (Manila) 527918308 640Seelen18345 000Seelen18369 038Seelen allein in der Prov. Tondo183710 168183810 877183911 57518405 729184210 000Seelen18475 736allein in der Prov. Tondo18487 42218499 331Seelen18509 158Seelen nach Diaz Arenas9 901Seelen nach Buzeta und Bravo187023 242Seelen187630 797Seelen1880ca 20 000Seelen in Manila allein.
1. Chinesen.
Der Verkehr zwischen China und den Philippinen muss in das frühe Mittelalter hineinreichen, denn schon 1372 wird in chinesischen Werken—und zwar in dem Buche Ming-tsche—erwähnt, dass eine Gesandtschaft von Liú-sung, d. i. Luzon, in China angelangt wäre, und dass schon vor diesem Zeitpunkt Sulu in Intervallen von fünf zu fünf Jahren Tribut nach Amoy gesandt hätte (Ilustr. del Oriente 1877, n. 12, p. 10). Man hat auch in Visayergräbern, welche aus einer Zeitperiode lange vor der Conquista herstammen, bunt gemalte chinesische Schüsseln gefunden (Jagor 209). Der Handelsverkehr zwischen China und den Philippinen muss später stark zurückgegangen sein, denn als Don Miguel Lopez de Legazpi 1565 in den Visayern anlangte, da erfuhr er daselbst, dass die chinesischen Schiffe nur Luzon besuchten (Fr. Gaspar de S. Augustin, p. 95 f.). Die ersten Chinesen trafen die Spanier 1571 bei Mindoro, und die freundliche Behandlung, welche ihnen zu Theil wurde, bewirkte, dass im folgenden Jahre drei Dschunken in Manila erschienen (Fr. Gaspar 251). Von da an fand ein regelmässiger Verkehr zwischen ihnen und den Spaniern Statt, die Zahl der chinesischen Schiffe wuchs mit jedem Jahre, und dieses freundliche Verhältniss erlitt selbst keine Trübung, als 1574 der chinesische Piratenkönig Limahon drei Mal Manila angriff, welches nur durch die Energie und Tapferkeit des ritterlichen Salcedo vor dem Untergange gerettet wurde. Erst 1575 gelang es Salcedo, Limahon aus dem Golfe von Lingayen, wohin er sich nach der Niederlage von Manila zurückgezogen hatte, zu verjagen. Erst im Jahre 1585 wird erwähnt, dass in Manila eine Niederlassung von chinesischen Krämern, Sangleyes genannt, existire, und zwar zählte selbe über 1000 Köpfe (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 640). Sie handelten mit chinesischen Waaren und waren ferner Fischer, Gärtner, Handwerker, Apotheker (!) und Maler. Schon damals mussten die Chinesen Abgaben entrichten, denn in dem Decrete, mit welchem 1588 Philipp II. sämmtliche Angelegenheiten der neuen Colonie regelte, wird die Hälfte der Abgaben, welche von den Chinesen gezahlt wurden, dem Municipium der Stadt Manila als Einnahme zugewiesen (Fr. Juan de la Concepcion II, 132).Die Ermordung des Gouverneurs Gomez Perez Dasmariñas durch die chinesische Bemannung seines Admiralschiffes (1593) flösste zuerst Misstrauen gegen die Sangleyes ein, bis dann im Jahre 1603 in Manila die Chinesen, welche bereits 30 000 Seelen zählten, sich gegen die Spanier erhoben. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, 23 000 Chinesen waren auf dem Schlachtfelde gefallen oder am Richtplatze gestorben. Trotzdem waren 1605 16 000 Chinesen wieder im Parian (Ghetto und Bazar) von Manila angesiedelt, deren Zahl im Jahre 1639 bis auf 40 000 angeschwollen war (Fr. Gaspar, 374). Im November dieses Jahres erhoben sich die Chinesen von Neuem, gerade in einer Zeit, wo die Spanier mit Holland und den Sultanen von Sulu und Mindanao im Kriege lagen. Erst im März 1640 wurde derAufstand bewältigt, nur 7000 Chinesen überlebten das Ende desselben. Die spanischen Behörden liessen sich durch diese Vorfälle zu keinem Verbote der chinesischen Einwanderung bewegen, und so verbreiteten sich dieselben in allen Provinzen. Einzelne Chinesen nahmen Antheil an dem Aufstande der Pampangos vom Jahre 1660, dadurch wurde die Erbitterung gegen sie allgemein. Als bald darauf der König Kogseng von Formosa den Gobernador Manrique Lara mit Krieg bedrohte, erhoben sich neuerdings die Chinesen Manila’s, wurden aber besiegt und die Überlebenden, ausgenommen die Christen, ausgewiesen. Die Chinesen-Einwanderung nahm zwar geringere Dimensionen an, hörte jedoch nicht auf. Um der Gefahr eines nochmaligen Aufstandes zu begegnen, ordnete ein kgl. Erlass vom 17. Juni 1679 an, dass alle heidnischen und die ledigen christlichen Sangleyes Manila’s in dem ihnen zugewiesenen Parian oder Ghetto, die verheiratheten aber in den Vorstädten Binondo und Santa Cruz sich niederlassen sollten. Auch die in den Provinzen lebenden Chinesen sollten womöglich in besonderen Quartieren vereinigt werden. Diese Verordnung scheint nicht befolgt worden zu sein, oder es haben vielleicht die Colonialbehörden Vorstellungen beim Rathe von Indien dagegen erhoben, denn sie wurde am 14. November 1686 neuerdings erlassen. Als 1709 der kühne Eroberer von Verapaz, der Graf Lizarraga, Gouverneur der Philippinen wurde, vertrieb er alle Chinesen, welche nicht im Dienste der Regierung standen oder sonst für Gewerbe und Industrie unentbehrlich waren. 1721 plünderten sieben chinesische Dschunken in den Calamianen, sie wurden zwar von den Spaniern genommen, auch waren die Sangleyes von Manila an dem Vorfalle unschuldig, aber man begann sie immer argwöhnischer zu beobachten, zumal ihre Zahl im steten Wachsthum begriffen war.Man suchte nun durch hohe Auflagen die unentbehrlich gewordenen Chinesen von massenhafter Zuwanderung abzuschrecken, im Jahre 1732 allein trug die Licenzengebühr, welche die chinesischen Krämer für die Ausübung ihres Handels zahlten, 24 000 Dollar dem Staatsschatze ein, abgesehen davon, was die mit der Chinesenaufsicht betrauten Organe unterschlugen. 1745 verbreitete sich in Manila das falsche Gerücht, die Chinesen wollen die Spanier niedermetzeln, weshalb man eine grosse Anzahl Verdächtiger auswies. Bereits 1747 war ein Decret erlassen worden, welches alle heidnischen Chinesen von den Philippinen verbannte, erst 1757 wurde es aber ausgeführt und zugleich der Handel mit China durch Erlass einer Anzahl Verordnungen geregelt. Die meisten der aus Manila vertriebenen Chinesen, 4000 an der Zahl, wanderten nach Sulu aus. Obwohl 1759 neuerdings Ausweisungen vorkamen, so war bereits 1762 der Parian wieder stark bevölkert. Als die Briten Manila’s sich bemächtigten, schlossen sich die Sangleyes ihnen an und fochten gegen die Spanier, weshalb der spanische Generalissimus Anda alle in den Provinzen lebenden Chinesen aufknüpfen liess. Als 1763 die Briten Manila räumten, zogen auch die Chinesen ab, und eine kurze Zeit hindurch gab es keine Chinesen auf den Philippinen. Da sie aber unentbehrlich geworden waren, so gestattete man ihnen wieder, sich niederzulassen. Der Gobernador Basco (1778–87) suchte durch die Anlage eines neuen Chinesenviertels den Handel Manila’s noch mehr zu heben, stiess aber dabei auf so heftige Opposition, dass er den Gedanken aufgeben musste. Dagegen gründete er bei Candava eine Ackerbaucolonie von 200 christlichen Chinesen (Diaz Arenas 114), doch ging selbe unter seinen Nachfolgern ein. 1790 richtete der Gouverneur Marquina ein Gesuch an den Hof, in welchem er die Erlaubniss unbeschränkter Importation und Einwanderung von Chinesen verlangte. In Madrid aber erneuerte man 1804 die alten Ausweisungsdecrete, nur die verheiratheten Chinesen und jene, welche mit der Bebauung des Landes beschäftigt waren, durften bleiben. Bei Gelegenheit der Cholera-Epidemie im Jahre 1819 fand wieder ein grosses Chinesenmassacre Statt, welches die ausgerückten Truppen nicht zu hindern vermochten. 1828 wurde das Steuerwesen und die Selbstverwaltung der Chinesen und Chinesengemeinden neu regulirt, ebenso 1839 Anordnungen getroffen, um die Ertheilung der Licenzen für chinesische Krämer zu reformiren. Die weisen Maassregeln wurden durch ein Gesetz im Jahre 1843 vervollständigt, von nun an sollten die chinesischen Schiffe im Hafen- und Zoll-Verkehr den übrigen ausländischen gleichgestellt werden. 1850 erliess die Colonialbehörde ein Decret, welches vor Allem die Einwanderung chinesischer Ackerbauer und Feldarbeiter befördern wollte, es blieb jedoch ohne ein Resultat.Die Chinesen, welche nach Manila kamen und kommen, waren und sind entweder Krämer oder Handwerker, es giebt nur wenige Ackerbauer und Feldarbeiter unter ihnen, so 1867 unter 20 293 nur 425 Ackerbauer. Diess ist um so merkwürdiger, als die Leyes de Indias nur die Niederlassung von ackerbautreibenden und Dienerstellen einnehmenden Chinesen gestatten (Cañamaque, Recu. I, 278;Scheidnagel 71). Nach Jagor (Reisen 274) hindert sie die Feindseligkeit der Indier daran, welche den Chinesen mit grimmigem Hasse und Neide begegnen1. Nach einigen Werken (Cañamaque, Recu. I, 202;Scheidnagel 70) ist die Einwanderung chinesischer Frauen gesetzlich untersagt, es muss aber wohl ein Irrthum der resp. Verfasser oder eine Nachlässigkeit derBehörden vorliegen, denn nicht allein Dr. Jagor (Reiseskizzen 227) erwähnt die Anwesenheit derselben; nach den statistischen Angaben in Cavada (I, 373, II, 339) lebten 1870 unter den 23 242 Chinesen der Philippinen 193 Frauen.Die Chinesen pflegen sehr jung nach den Philippinen zu kommen, wo sie zuerst bei einem reich gewordenen Landmanne als Commis oder Lehrling einzutreten pflegen. So lange er die spanische oder tagalische Sprache noch nicht erlernt hat, beschäftigt sich der Neuling lediglich mit Handlanger- und Packer-Arbeiten. Hat er sich hinreichende Sprach- und Geschäftskenntniss erworben, dann beginnt er mit dem Hausirhandel, um sich dann später einen Laden einzurichten. In verhältnissmässig kurzer Zeit hat sich der betriebsame Zopfträger ein kleines Capital erworben, mit dem er sich in die Heimath zurückzieht. Der gesammte Kleinhandel ist in ihren Händen vereinigt, „den Aufkauf der Colonialproducte in den Provinzen für die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen” (Jagor, Reisen 274). In jedem grösseren Pueblo ist wenigstens ein Chinese anzutreffen. Über die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden sind sie stets gut unterrichtet (Ilustracion 1860, n. 14, 158). Alle Handwerke werden von ihnen betrieben, selbst das unedle Gewerbe der Kurpfuscherei und Charlatanerie findet unter ihnen zahlreiche, vielgesuchte Vertreter (Buzeta, I, 20).Da die spanischen Gesetze nur christlichen Chinesen gestattet zu ehelichen, und die Aufmerksamkeit der Geistlichkeit Concubinate unmöglich macht oder wenigstens sehr erschwert, so lassen sich viele taufen, sobald sie einen „guten” Pathen finden. Die Abschliessung einer Ehe hindert aber den Chinesen nicht, sobald er ein Vermögen sich erworben, Weib und Kinder im Stiche zu lassen und in sein Vaterland zurückzukehren, weshalb die Indierinnen, wenn sie mit einem Chinesen eine Ehe eingehen wollen, sich ein Capital sicherstellen lassen.Die Chinesen der Philippinen theilen alle Laster ihrer Nation, insbesondere huldigen sie übermässigem Genusse des Opiums, welcher in den bekannten Opiumpfeifen geraucht wird. Nur den Chinesen gestattet die spanische Regierung den Genuss dieses gefährlichen Reizmittels, für welche Erlaubniss sie eine Abgabe zahlen müssen, welche für 1877 auf 2 345 340 Reales de vellon veranschlagt wurde (Illustration de l’Oriente 1877, n. 3, p. 9).Wo die Chinesen in grösserer Anzahl vorhanden sind, wie in Manila-extramuros, bilden sie autonome politische Gemeinden, welche nach Art der Indier-Pueblos gegliedert sind. Sie zahlen einen bedeutend höheren Tribut als die Indier, und 50 Tributzahler bilden auch hier eine Cabecería, deren Tribut der Cabecilla del Tributo oder Champan einzunehmen hat. An der Spitze der Gemeinde steht der Gobernadorcillo oder Capitan, dessen Amtsgehülfen der Teniente, Alguacil mayor und die Bilangos (gleich den Jueces der Indiergemeinden) sind. Die Wahl dieser Magistratspersonen erfolgt in derselben Weise, wie jene der Indiergemeinden. Der Gobernadorcillo, der Teniente und der Alguacil mayor müssen immer Christen sein.Was die Zahl der Chinesen anbelangt, so betrug sie:15851 000Seelen160330 000Seelen (in Manila allein)163940 000Seelen (nach Fr. Gaspar, nach Anderen nur über 30 000)18155 000Seelen allein in der Provinz Tondo18285 708Seelen davon in der Prov. Tondo (Manila) 527918308 640Seelen18345 000Seelen18369 038Seelen allein in der Prov. Tondo183710 168183810 877183911 57518405 729184210 000Seelen18475 736allein in der Prov. Tondo18487 42218499 331Seelen18509 158Seelen nach Diaz Arenas9 901Seelen nach Buzeta und Bravo187023 242Seelen187630 797Seelen1880ca 20 000Seelen in Manila allein.
Der Verkehr zwischen China und den Philippinen muss in das frühe Mittelalter hineinreichen, denn schon 1372 wird in chinesischen Werken—und zwar in dem Buche Ming-tsche—erwähnt, dass eine Gesandtschaft von Liú-sung, d. i. Luzon, in China angelangt wäre, und dass schon vor diesem Zeitpunkt Sulu in Intervallen von fünf zu fünf Jahren Tribut nach Amoy gesandt hätte (Ilustr. del Oriente 1877, n. 12, p. 10). Man hat auch in Visayergräbern, welche aus einer Zeitperiode lange vor der Conquista herstammen, bunt gemalte chinesische Schüsseln gefunden (Jagor 209). Der Handelsverkehr zwischen China und den Philippinen muss später stark zurückgegangen sein, denn als Don Miguel Lopez de Legazpi 1565 in den Visayern anlangte, da erfuhr er daselbst, dass die chinesischen Schiffe nur Luzon besuchten (Fr. Gaspar de S. Augustin, p. 95 f.). Die ersten Chinesen trafen die Spanier 1571 bei Mindoro, und die freundliche Behandlung, welche ihnen zu Theil wurde, bewirkte, dass im folgenden Jahre drei Dschunken in Manila erschienen (Fr. Gaspar 251). Von da an fand ein regelmässiger Verkehr zwischen ihnen und den Spaniern Statt, die Zahl der chinesischen Schiffe wuchs mit jedem Jahre, und dieses freundliche Verhältniss erlitt selbst keine Trübung, als 1574 der chinesische Piratenkönig Limahon drei Mal Manila angriff, welches nur durch die Energie und Tapferkeit des ritterlichen Salcedo vor dem Untergange gerettet wurde. Erst 1575 gelang es Salcedo, Limahon aus dem Golfe von Lingayen, wohin er sich nach der Niederlage von Manila zurückgezogen hatte, zu verjagen. Erst im Jahre 1585 wird erwähnt, dass in Manila eine Niederlassung von chinesischen Krämern, Sangleyes genannt, existire, und zwar zählte selbe über 1000 Köpfe (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 640). Sie handelten mit chinesischen Waaren und waren ferner Fischer, Gärtner, Handwerker, Apotheker (!) und Maler. Schon damals mussten die Chinesen Abgaben entrichten, denn in dem Decrete, mit welchem 1588 Philipp II. sämmtliche Angelegenheiten der neuen Colonie regelte, wird die Hälfte der Abgaben, welche von den Chinesen gezahlt wurden, dem Municipium der Stadt Manila als Einnahme zugewiesen (Fr. Juan de la Concepcion II, 132).
Die Ermordung des Gouverneurs Gomez Perez Dasmariñas durch die chinesische Bemannung seines Admiralschiffes (1593) flösste zuerst Misstrauen gegen die Sangleyes ein, bis dann im Jahre 1603 in Manila die Chinesen, welche bereits 30 000 Seelen zählten, sich gegen die Spanier erhoben. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, 23 000 Chinesen waren auf dem Schlachtfelde gefallen oder am Richtplatze gestorben. Trotzdem waren 1605 16 000 Chinesen wieder im Parian (Ghetto und Bazar) von Manila angesiedelt, deren Zahl im Jahre 1639 bis auf 40 000 angeschwollen war (Fr. Gaspar, 374). Im November dieses Jahres erhoben sich die Chinesen von Neuem, gerade in einer Zeit, wo die Spanier mit Holland und den Sultanen von Sulu und Mindanao im Kriege lagen. Erst im März 1640 wurde derAufstand bewältigt, nur 7000 Chinesen überlebten das Ende desselben. Die spanischen Behörden liessen sich durch diese Vorfälle zu keinem Verbote der chinesischen Einwanderung bewegen, und so verbreiteten sich dieselben in allen Provinzen. Einzelne Chinesen nahmen Antheil an dem Aufstande der Pampangos vom Jahre 1660, dadurch wurde die Erbitterung gegen sie allgemein. Als bald darauf der König Kogseng von Formosa den Gobernador Manrique Lara mit Krieg bedrohte, erhoben sich neuerdings die Chinesen Manila’s, wurden aber besiegt und die Überlebenden, ausgenommen die Christen, ausgewiesen. Die Chinesen-Einwanderung nahm zwar geringere Dimensionen an, hörte jedoch nicht auf. Um der Gefahr eines nochmaligen Aufstandes zu begegnen, ordnete ein kgl. Erlass vom 17. Juni 1679 an, dass alle heidnischen und die ledigen christlichen Sangleyes Manila’s in dem ihnen zugewiesenen Parian oder Ghetto, die verheiratheten aber in den Vorstädten Binondo und Santa Cruz sich niederlassen sollten. Auch die in den Provinzen lebenden Chinesen sollten womöglich in besonderen Quartieren vereinigt werden. Diese Verordnung scheint nicht befolgt worden zu sein, oder es haben vielleicht die Colonialbehörden Vorstellungen beim Rathe von Indien dagegen erhoben, denn sie wurde am 14. November 1686 neuerdings erlassen. Als 1709 der kühne Eroberer von Verapaz, der Graf Lizarraga, Gouverneur der Philippinen wurde, vertrieb er alle Chinesen, welche nicht im Dienste der Regierung standen oder sonst für Gewerbe und Industrie unentbehrlich waren. 1721 plünderten sieben chinesische Dschunken in den Calamianen, sie wurden zwar von den Spaniern genommen, auch waren die Sangleyes von Manila an dem Vorfalle unschuldig, aber man begann sie immer argwöhnischer zu beobachten, zumal ihre Zahl im steten Wachsthum begriffen war.
Man suchte nun durch hohe Auflagen die unentbehrlich gewordenen Chinesen von massenhafter Zuwanderung abzuschrecken, im Jahre 1732 allein trug die Licenzengebühr, welche die chinesischen Krämer für die Ausübung ihres Handels zahlten, 24 000 Dollar dem Staatsschatze ein, abgesehen davon, was die mit der Chinesenaufsicht betrauten Organe unterschlugen. 1745 verbreitete sich in Manila das falsche Gerücht, die Chinesen wollen die Spanier niedermetzeln, weshalb man eine grosse Anzahl Verdächtiger auswies. Bereits 1747 war ein Decret erlassen worden, welches alle heidnischen Chinesen von den Philippinen verbannte, erst 1757 wurde es aber ausgeführt und zugleich der Handel mit China durch Erlass einer Anzahl Verordnungen geregelt. Die meisten der aus Manila vertriebenen Chinesen, 4000 an der Zahl, wanderten nach Sulu aus. Obwohl 1759 neuerdings Ausweisungen vorkamen, so war bereits 1762 der Parian wieder stark bevölkert. Als die Briten Manila’s sich bemächtigten, schlossen sich die Sangleyes ihnen an und fochten gegen die Spanier, weshalb der spanische Generalissimus Anda alle in den Provinzen lebenden Chinesen aufknüpfen liess. Als 1763 die Briten Manila räumten, zogen auch die Chinesen ab, und eine kurze Zeit hindurch gab es keine Chinesen auf den Philippinen. Da sie aber unentbehrlich geworden waren, so gestattete man ihnen wieder, sich niederzulassen. Der Gobernador Basco (1778–87) suchte durch die Anlage eines neuen Chinesenviertels den Handel Manila’s noch mehr zu heben, stiess aber dabei auf so heftige Opposition, dass er den Gedanken aufgeben musste. Dagegen gründete er bei Candava eine Ackerbaucolonie von 200 christlichen Chinesen (Diaz Arenas 114), doch ging selbe unter seinen Nachfolgern ein. 1790 richtete der Gouverneur Marquina ein Gesuch an den Hof, in welchem er die Erlaubniss unbeschränkter Importation und Einwanderung von Chinesen verlangte. In Madrid aber erneuerte man 1804 die alten Ausweisungsdecrete, nur die verheiratheten Chinesen und jene, welche mit der Bebauung des Landes beschäftigt waren, durften bleiben. Bei Gelegenheit der Cholera-Epidemie im Jahre 1819 fand wieder ein grosses Chinesenmassacre Statt, welches die ausgerückten Truppen nicht zu hindern vermochten. 1828 wurde das Steuerwesen und die Selbstverwaltung der Chinesen und Chinesengemeinden neu regulirt, ebenso 1839 Anordnungen getroffen, um die Ertheilung der Licenzen für chinesische Krämer zu reformiren. Die weisen Maassregeln wurden durch ein Gesetz im Jahre 1843 vervollständigt, von nun an sollten die chinesischen Schiffe im Hafen- und Zoll-Verkehr den übrigen ausländischen gleichgestellt werden. 1850 erliess die Colonialbehörde ein Decret, welches vor Allem die Einwanderung chinesischer Ackerbauer und Feldarbeiter befördern wollte, es blieb jedoch ohne ein Resultat.
Die Chinesen, welche nach Manila kamen und kommen, waren und sind entweder Krämer oder Handwerker, es giebt nur wenige Ackerbauer und Feldarbeiter unter ihnen, so 1867 unter 20 293 nur 425 Ackerbauer. Diess ist um so merkwürdiger, als die Leyes de Indias nur die Niederlassung von ackerbautreibenden und Dienerstellen einnehmenden Chinesen gestatten (Cañamaque, Recu. I, 278;Scheidnagel 71). Nach Jagor (Reisen 274) hindert sie die Feindseligkeit der Indier daran, welche den Chinesen mit grimmigem Hasse und Neide begegnen1. Nach einigen Werken (Cañamaque, Recu. I, 202;Scheidnagel 70) ist die Einwanderung chinesischer Frauen gesetzlich untersagt, es muss aber wohl ein Irrthum der resp. Verfasser oder eine Nachlässigkeit derBehörden vorliegen, denn nicht allein Dr. Jagor (Reiseskizzen 227) erwähnt die Anwesenheit derselben; nach den statistischen Angaben in Cavada (I, 373, II, 339) lebten 1870 unter den 23 242 Chinesen der Philippinen 193 Frauen.
Die Chinesen pflegen sehr jung nach den Philippinen zu kommen, wo sie zuerst bei einem reich gewordenen Landmanne als Commis oder Lehrling einzutreten pflegen. So lange er die spanische oder tagalische Sprache noch nicht erlernt hat, beschäftigt sich der Neuling lediglich mit Handlanger- und Packer-Arbeiten. Hat er sich hinreichende Sprach- und Geschäftskenntniss erworben, dann beginnt er mit dem Hausirhandel, um sich dann später einen Laden einzurichten. In verhältnissmässig kurzer Zeit hat sich der betriebsame Zopfträger ein kleines Capital erworben, mit dem er sich in die Heimath zurückzieht. Der gesammte Kleinhandel ist in ihren Händen vereinigt, „den Aufkauf der Colonialproducte in den Provinzen für die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen” (Jagor, Reisen 274). In jedem grösseren Pueblo ist wenigstens ein Chinese anzutreffen. Über die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden sind sie stets gut unterrichtet (Ilustracion 1860, n. 14, 158). Alle Handwerke werden von ihnen betrieben, selbst das unedle Gewerbe der Kurpfuscherei und Charlatanerie findet unter ihnen zahlreiche, vielgesuchte Vertreter (Buzeta, I, 20).
Da die spanischen Gesetze nur christlichen Chinesen gestattet zu ehelichen, und die Aufmerksamkeit der Geistlichkeit Concubinate unmöglich macht oder wenigstens sehr erschwert, so lassen sich viele taufen, sobald sie einen „guten” Pathen finden. Die Abschliessung einer Ehe hindert aber den Chinesen nicht, sobald er ein Vermögen sich erworben, Weib und Kinder im Stiche zu lassen und in sein Vaterland zurückzukehren, weshalb die Indierinnen, wenn sie mit einem Chinesen eine Ehe eingehen wollen, sich ein Capital sicherstellen lassen.
Die Chinesen der Philippinen theilen alle Laster ihrer Nation, insbesondere huldigen sie übermässigem Genusse des Opiums, welcher in den bekannten Opiumpfeifen geraucht wird. Nur den Chinesen gestattet die spanische Regierung den Genuss dieses gefährlichen Reizmittels, für welche Erlaubniss sie eine Abgabe zahlen müssen, welche für 1877 auf 2 345 340 Reales de vellon veranschlagt wurde (Illustration de l’Oriente 1877, n. 3, p. 9).
Wo die Chinesen in grösserer Anzahl vorhanden sind, wie in Manila-extramuros, bilden sie autonome politische Gemeinden, welche nach Art der Indier-Pueblos gegliedert sind. Sie zahlen einen bedeutend höheren Tribut als die Indier, und 50 Tributzahler bilden auch hier eine Cabecería, deren Tribut der Cabecilla del Tributo oder Champan einzunehmen hat. An der Spitze der Gemeinde steht der Gobernadorcillo oder Capitan, dessen Amtsgehülfen der Teniente, Alguacil mayor und die Bilangos (gleich den Jueces der Indiergemeinden) sind. Die Wahl dieser Magistratspersonen erfolgt in derselben Weise, wie jene der Indiergemeinden. Der Gobernadorcillo, der Teniente und der Alguacil mayor müssen immer Christen sein.
Was die Zahl der Chinesen anbelangt, so betrug sie:
15851 000Seelen160330 000Seelen (in Manila allein)163940 000Seelen (nach Fr. Gaspar, nach Anderen nur über 30 000)18155 000Seelen allein in der Provinz Tondo18285 708Seelen davon in der Prov. Tondo (Manila) 527918308 640Seelen18345 000Seelen18369 038Seelen allein in der Prov. Tondo183710 168183810 877183911 57518405 729184210 000Seelen18475 736allein in der Prov. Tondo18487 42218499 331Seelen18509 158Seelen nach Diaz Arenas9 901Seelen nach Buzeta und Bravo187023 242Seelen187630 797Seelen1880ca 20 000Seelen in Manila allein.
2. Chinesische Mestizen.Die Mischlinge von Chinesen und Malaiinnen wurden früher Mestizos de Sangley genannt, jetzt beginnt dieser Name allmählig durch die Bezeichnung Mestizos chinos verdrängt zu werden. Diese Mischlinge sind kräftig gebaut und besitzen die väterliche Sparsamkeit und Gewerbfleiss, weshalb ein grosser Theil des Kleinhandels, ja selbst der Bankgeschäfte (im kleinen Umfange) in ihren Händen ruht. In Tracht und Gewandung nähern sie sich den vornehmen Indiern oder spanischen Mestizen, von der Mutter haben sie die leidenschaftliche Vorliebe für den Tabak und das Buyokauen geerbt, vom Vater aber stammt ihr Hang zum Opiumrauchen her (Cañamaque, Recu. II, 195). Wo die chinesischen Mestizen in grösserer Anzahl zusammen wohnen, bilden sie autonome Gemeinden, wie die Chinesen. Bei ihnen genügen 25 bis 30 Tributos zur Constituirung eines Baranguay. Vor 1783 zahlten sie denselben Tribut wie die Indier, damals aber wurde er um das Doppelte erhöht,und seit jener Zeit zahlen sie Abgaben, welche stets höher sind als die der Indier, aber niedriger als jene der Chinesen. Ihre Zahl ist eine verhältnissmässig grosse, sie bilden den Bürgerstand der Philippinen, im Gegensatze zu den Weissen und deren Abkömmlingen, von denen die ersteren den militärischen oder bureaukratischen, die letzteren den Landadel darstellen. 1842 zählte man 240 000, 1850 180 000, 1867 210 816 chinesische Mestizen, wobei zu bemerken ist, dass man diesen Zahlenangaben kein unbedingtes Vertrauen schenken darf, denn bei der Volkszählung werden nur die Tributos, wenigstens bis vor Kurzem, gezählt; ein Tributo ist aber die Steuer, welche zwei erwachsene Personen, quasi ein Ehepaar, zusammen entrichten, es sind also die Kinder, die erwerbsunfähigen und über 60 Jahre alten Personen bei der Tributzahlung nicht berücksichtigt, weil sie von der Zahlung des Tributes befreit sind. Um nun die Bevölkerungsziffer herzustellen, multipliciren die spanischen Statistiker die Zahl der Tribute mit 4½, manche mit 5, andere mit 6, wodurch die oft widersprechenden Zahlenangaben hinreichend aufgeklärt sind. Nach meinen mühseligen und langwierigen Untersuchungen verhält sich im Allgemeinen die Zahl der spanischen Mestizen (diese zahlen keinen Tribut) zu jener der chinesischen durchschnittlich wie 1:16, nach älteren Daten berechnet, da in der neueren Zeit die spanischen Mestizen nicht mehr besonders in den Censuslisten geführt werden.
2. Chinesische Mestizen.
Die Mischlinge von Chinesen und Malaiinnen wurden früher Mestizos de Sangley genannt, jetzt beginnt dieser Name allmählig durch die Bezeichnung Mestizos chinos verdrängt zu werden. Diese Mischlinge sind kräftig gebaut und besitzen die väterliche Sparsamkeit und Gewerbfleiss, weshalb ein grosser Theil des Kleinhandels, ja selbst der Bankgeschäfte (im kleinen Umfange) in ihren Händen ruht. In Tracht und Gewandung nähern sie sich den vornehmen Indiern oder spanischen Mestizen, von der Mutter haben sie die leidenschaftliche Vorliebe für den Tabak und das Buyokauen geerbt, vom Vater aber stammt ihr Hang zum Opiumrauchen her (Cañamaque, Recu. II, 195). Wo die chinesischen Mestizen in grösserer Anzahl zusammen wohnen, bilden sie autonome Gemeinden, wie die Chinesen. Bei ihnen genügen 25 bis 30 Tributos zur Constituirung eines Baranguay. Vor 1783 zahlten sie denselben Tribut wie die Indier, damals aber wurde er um das Doppelte erhöht,und seit jener Zeit zahlen sie Abgaben, welche stets höher sind als die der Indier, aber niedriger als jene der Chinesen. Ihre Zahl ist eine verhältnissmässig grosse, sie bilden den Bürgerstand der Philippinen, im Gegensatze zu den Weissen und deren Abkömmlingen, von denen die ersteren den militärischen oder bureaukratischen, die letzteren den Landadel darstellen. 1842 zählte man 240 000, 1850 180 000, 1867 210 816 chinesische Mestizen, wobei zu bemerken ist, dass man diesen Zahlenangaben kein unbedingtes Vertrauen schenken darf, denn bei der Volkszählung werden nur die Tributos, wenigstens bis vor Kurzem, gezählt; ein Tributo ist aber die Steuer, welche zwei erwachsene Personen, quasi ein Ehepaar, zusammen entrichten, es sind also die Kinder, die erwerbsunfähigen und über 60 Jahre alten Personen bei der Tributzahlung nicht berücksichtigt, weil sie von der Zahlung des Tributes befreit sind. Um nun die Bevölkerungsziffer herzustellen, multipliciren die spanischen Statistiker die Zahl der Tribute mit 4½, manche mit 5, andere mit 6, wodurch die oft widersprechenden Zahlenangaben hinreichend aufgeklärt sind. Nach meinen mühseligen und langwierigen Untersuchungen verhält sich im Allgemeinen die Zahl der spanischen Mestizen (diese zahlen keinen Tribut) zu jener der chinesischen durchschnittlich wie 1:16, nach älteren Daten berechnet, da in der neueren Zeit die spanischen Mestizen nicht mehr besonders in den Censuslisten geführt werden.
Die Mischlinge von Chinesen und Malaiinnen wurden früher Mestizos de Sangley genannt, jetzt beginnt dieser Name allmählig durch die Bezeichnung Mestizos chinos verdrängt zu werden. Diese Mischlinge sind kräftig gebaut und besitzen die väterliche Sparsamkeit und Gewerbfleiss, weshalb ein grosser Theil des Kleinhandels, ja selbst der Bankgeschäfte (im kleinen Umfange) in ihren Händen ruht. In Tracht und Gewandung nähern sie sich den vornehmen Indiern oder spanischen Mestizen, von der Mutter haben sie die leidenschaftliche Vorliebe für den Tabak und das Buyokauen geerbt, vom Vater aber stammt ihr Hang zum Opiumrauchen her (Cañamaque, Recu. II, 195). Wo die chinesischen Mestizen in grösserer Anzahl zusammen wohnen, bilden sie autonome Gemeinden, wie die Chinesen. Bei ihnen genügen 25 bis 30 Tributos zur Constituirung eines Baranguay. Vor 1783 zahlten sie denselben Tribut wie die Indier, damals aber wurde er um das Doppelte erhöht,und seit jener Zeit zahlen sie Abgaben, welche stets höher sind als die der Indier, aber niedriger als jene der Chinesen. Ihre Zahl ist eine verhältnissmässig grosse, sie bilden den Bürgerstand der Philippinen, im Gegensatze zu den Weissen und deren Abkömmlingen, von denen die ersteren den militärischen oder bureaukratischen, die letzteren den Landadel darstellen. 1842 zählte man 240 000, 1850 180 000, 1867 210 816 chinesische Mestizen, wobei zu bemerken ist, dass man diesen Zahlenangaben kein unbedingtes Vertrauen schenken darf, denn bei der Volkszählung werden nur die Tributos, wenigstens bis vor Kurzem, gezählt; ein Tributo ist aber die Steuer, welche zwei erwachsene Personen, quasi ein Ehepaar, zusammen entrichten, es sind also die Kinder, die erwerbsunfähigen und über 60 Jahre alten Personen bei der Tributzahlung nicht berücksichtigt, weil sie von der Zahlung des Tributes befreit sind. Um nun die Bevölkerungsziffer herzustellen, multipliciren die spanischen Statistiker die Zahl der Tribute mit 4½, manche mit 5, andere mit 6, wodurch die oft widersprechenden Zahlenangaben hinreichend aufgeklärt sind. Nach meinen mühseligen und langwierigen Untersuchungen verhält sich im Allgemeinen die Zahl der spanischen Mestizen (diese zahlen keinen Tribut) zu jener der chinesischen durchschnittlich wie 1:16, nach älteren Daten berechnet, da in der neueren Zeit die spanischen Mestizen nicht mehr besonders in den Censuslisten geführt werden.
3. Japanen.Zu Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts existirte in Manila und zwar in der Vorstadt Dilao eine Japanen-Niederlassung2. Von derselben hat sich jetzt keine Spur erhalten, die Japanen gingen in den Tagalen auf.
3. Japanen.
Zu Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts existirte in Manila und zwar in der Vorstadt Dilao eine Japanen-Niederlassung2. Von derselben hat sich jetzt keine Spur erhalten, die Japanen gingen in den Tagalen auf.
Zu Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts existirte in Manila und zwar in der Vorstadt Dilao eine Japanen-Niederlassung2. Von derselben hat sich jetzt keine Spur erhalten, die Japanen gingen in den Tagalen auf.
1„Alle Versuche, grössere Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung vertreiben” (Jagor 252).2Nähere Details in meinem Aufsatze über diesen Gegenstand in den Nummern 1–3 des Jahrgangs 1881 der Österreichischen Monatsschrift für den Orient.
1„Alle Versuche, grössere Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung vertreiben” (Jagor 252).
2Nähere Details in meinem Aufsatze über diesen Gegenstand in den Nummern 1–3 des Jahrgangs 1881 der Österreichischen Monatsschrift für den Orient.