Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen;Ihr durchstudiert die groß’ und kleine Welt,Um es am Ende gehn zu lassenWie’s Gott gefällt.“
Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen;Ihr durchstudiert die groß’ und kleine Welt,Um es am Ende gehn zu lassenWie’s Gott gefällt.“
Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen;Ihr durchstudiert die groß’ und kleine Welt,Um es am Ende gehn zu lassenWie’s Gott gefällt.“
Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen;
Ihr durchstudiert die groß’ und kleine Welt,
Um es am Ende gehn zu lassen
Wie’s Gott gefällt.“
„Ach, das ist albernes Zeug.“
„Ei, ei, Herr Doktor, Sie blamieren sich. – Doch allen Scherz beiseite, ich werde mein möglichstes tun, den Doktor bei der Apothekerin beliebt zu machen.“ –
Wir trennten uns nun, und jeder ging seinen Weg, der meinige führte mich nach Giesù nuovo zur Probe eines neu einzustudierenden Vaudevilles, das ich mit Madame Gasqui zusammengeflickt, „Les français à Naple“ betitelt hatte und das den Beifall unseres Publikums und selbst Seiner Majestät erhielt, obgleich es manchen Seitenhieb auf dessen Gouvernement gab, den Joseph jedoch nicht zu verstehen schien oder nicht verstehen wollte. Übrigens fing es an, wenigstens etwas leidlicher in der Verwaltung zu gehen, namentlich seit Röderer das Finanzwesen und ein neues Abgabensystem organisiert hatte; aber verhindern konnte er die fortdauernde unnütze Prodigalität nicht.
Schon den folgenden Tag besuchte ich meinen braven Apotheker wieder und musizierte mit seiner Frau, die bald das Steckenpferd, mit dem ich alle meine Intrigencon amoreeinleitete, Don Juans Duettino, mit mir singen konnte, worüber sich Herr Golia königlich freute. – Ich dachte: ‚Nun sage mir noch einer, die neapolitanischen Ehemänner seien Teufel der Eifersucht!‘ Aber es war noch nicht aller Tage Abend. Mein guter Doktor war doch bald überzeugt, daß ich ihn zum besten gehabt, und setzte nun dem Mann Flöhe ins Ohr, so daß dieser mich immer kälter empfing und auch ein paarmal unter dem Vorwand, seine Frau sei ausgegangen und er sehr beschäftigt, ganz kurz abwies. Das erstemal blieb ich jedoch noch eine geraume Zeit in der Apotheke, die Zurückkunft der Signora abwartend, brachte bei dieser Gelegenheitdie Sprache auf die italienischen Gifte und namentlich auf das berüchtigte Aqua Tofana, ein Thema, das den Signor Golia ansprach, über welches er, trotzdem daß er mich bereits nicht mehr mit den wohlwollendsten Augen ansah, so gefällig war, mir manche Aufklärung zu geben. Ich erzählte ihm nun, welche abenteuerlichen Vorstellungen man sich in Deutschland von demselben mache, daß man glaube, es werde aus dem Schaum rasend gewordener Menschen fabriziert, die man, um sie zum höchsten Grad der Wut zu bringen, unter den Fußsohlen kitzle, daß man vermittelst dieses Giftes genau Tag, Stunde und Minute, in welcher der seit Monaten schon Vergiftete seinen Geist aufgeben müsse, bestimmen könne und so weiter. Der Apotheker lächelte über diese Mitteilung und erklärte mir, daß die Hauptingredienzien des Acquetta, wie man hier dieses Gift nennt, aus Arseniksäure, mit etwas Laudanum, bitterer Mandelessenz und einigen anderen Liquiden vermischt, um die Bestandteile desselben besser zu verbergen, bestände; daß man allerdings nach der Quantität der beigebrachten Dosis den Tod des Vergifteten früher oder später herbeiführen, aber nie genau den Tag, viel weniger die Stunde angeben könne, in welcher dieser erfolgen müsse, da dies von gar mancherlei Umständen abhinge, wie von der Konstitution, der Nahrung und sogar der Beschäftigung des Vergifteten. Ich erkundigte mich später noch bei anderen Personen nach diesem berühmten Gift, mehrere leugneten dessen Bestehen gänzlich, andere sagten, die Kunst, es zu bereiten, sei längst verloren gegangen, Moritz versicherte mir, es sei durchaus nichts weiter als künstlich präpariertes Arsenik. Dies Resultat ergab auch später eine unter Mürat auf meine Veranlassung angestellte polizeiliche Untersuchung, und die über dasselbe verbreiteten Märchen sind nichts weiter als Erfindungen abenteuerlicher Reisebeschreibungen und Romanschreiber.
Als ich am anderen Tag wiederkam, wurde ich noch kälter von dem Signor Speziale empfangen, der mir diesmal fast gar kein Gehör gab, welches Thema ich auch immer aufs Tapet bringen mochte. Aber es war zu spät; der gute Mann,der anfänglich mit Entzücken zuhörte, wenn ich seiner Frau Singunterricht ohne Noten erteilte, hatte erst Lunte gerochen, als das Feuer schon lichterloh brannte. Längst wußte ich, daß Signora Golia alle Morgen die Messe bei den Karmelitern besuchte, und sprach sie nun hier, ohne daß es ihr Mann oder der Doktor ahnten. Dagegen besuchte ich die Apotheke nur noch sehr selten und auf einen Augenblick im Vorübergehen. Gewiß waren beide erfreut, mich so schnell losgeworden zu sein, während ich so weit schneller zum Ziel gelangte. Die Signora mochte den Merluzzo (Stockfisch) von einem Doktor, der kein gescheites Wort mit ihr reden konnte, nicht leiden, war über ihren Marito (Eheherrn) erbost, daß er mich so auswies, und gab mir Rendezvous bei einer Amica, die sich Signora Rapisarda nannte, in der Strada Pignosecca, deren Adresse sie mir auf einem mit Bleifeder beschriebenen Papierchen mitteilte. Ich suchte das angegebene Haus zur bestimmten Stunde auf und fand in einem Gemach des dritten Stockes beide mich erwartenden Freundinnen, graziös auf einem Sofa sitzend. Als sie mich erblickten, standen beide auf, und Giulietta, dies war der Taufname der Apothekerin, sprang auf mich zu und ließ mir kaum Zeit, der Dame des Hauses meine schuldige Höflichkeit zu bezeigen. Sie stellte mir diese endlich als die Frau eines Beamten vor, welcher dem Hof Ferdinand IV. nach Sizilien gefolgt sei, und seine Gattin, die sich nicht von Neapel habe trennen wollen, wo sie alle ihre Freunde und Bekannten habe, verlassen hätte. Die Amica war so aufmerksam, uns mit Rosolio undPane di Spagnaaufzuwarten und sich dann zu entfernen. – Nun wurde die Türe verschlossen, und wir schwelgten ein paar Stunden im Hochgenuß, nach denen sich die Amica wieder einfand, die zwar äußerst angenehm, aber doch schon etwas verblüht war, und die ich nicht reizend genug fand, um ihr zu Gefallen eine Untreue gegen meine neue Freundin zu begehen, was nur zuweilen bei demtête-à-têtemit der Madame Gasqui geschah, die dann immer so liebenswürdig war, daß schwerlich der heilige Antonius selbst der Versuchung widerstanden haben würde.
Als Krönung unseres heiteren Lebens in Neapel beschlossen wir, den Vesuv zu besteigen; aber anders hatte es das Schicksal oder vielmehr das Gouvernement beschlossen, und ich sollte abermals Neapel verlassen, ohne zu meinem großen Leidwesen nähere Bekanntschaft mit dem alten Feuerspeier gemacht zu haben; denn das Bataillon erhielt Order, nach dem Kirchenstaat und zwar nach Civita-Vecchia abzumarschieren. Ich tröstete mich indessen damit, Rom wiederzusehen, von dem ich kaum erst einen Schatten im Vorübergehen erblickt hatte.