„Hu! mich schaudert, wenn ich daran denke.“
„Was Sie gestern noch als Tücke des Schicksals verfluchten, zeigt sich heute als wohlwollendes Geschick des Himmels. So ist’s in diesem sublunarischen Leben: was wir oft für das größte Unheil halten, ist nicht selten der Anker unseres Heils.“
Ich mußte dem Fürsten alle Details der schauerlichen Begebenheit ausmalen; gewiß ist es, daß er, der kaum mit Hilfe einer Krücke in der Stube herumhinken konnte, unfehlbar verbrannt wäre, wenn er dem Fest beigewohnt hätte. Fürst Kurakin hatte seine Rettung hauptsächlich seinem goldenen Rock mit Diamantknöpfen zu danken, der ihn wie ein Harnisch gegen Flammen und Kohlen schützte, und es wurde so dem Doktor Koreff mit noch anderer Hilfe möglich, ihn aus der Masse zu schleifen, nachdem er schon gestürzt und mit Füßen getreten worden war.
Dies war das Ende der Vermählungsfeste, man hatte genug daran. Außer dem Fest, das die Stadt Paris dem Kaiser gegeben, hatte sie ihm auch noch sehr kostbare Hochzeitsgeschenke gemacht, nämlich ein Tafelservice von Vermeuil von ungeheurem Wert, das später Ludwig XVIII. als dem Kronschatz zugehörig erklärte. Marie Louise erhielt eine Toilettegarnitur von erstaunenswerter kunstreicher Arbeit.
Kurze Zeit nach der unglücklichen Begebenheit verbreitete sich plötzlich das Gerücht zu Paris von der Abdankung des Königs Ludwig von Holland, das eben nicht geeignet war, die etwas getrübte Stimmung der Franzosen zu erheitern, denn dieser Bruder Napoleons war auch in Frankreich geachtet und geliebt. Nach und nach gewann aber der Pariser Leichtsinn wieder die Oberhand, man vergaß die traurigen Begebenheiten und unterhielt sich mit Anekdoten und Erzählungen von der neuen Kaiserin, zum Teil Erfindungen müßiger Salonköpfe, die von Mund zu Mund die Runde durch ganz Frankreich machten. Sie war übrigens fast nur das Echo ihres Gatten,den sie, so sehr es sich tun ließ, in allen Stücken nachahmte. So fragte sie, dessen Beispiel befolgend, die Personen, die ihr vorgestellt wurden, jedesmal:„Sind Sie verheiratet? Haben Sie Kinder?“ Diese Fragen hatte sie sich so angewöhnt, daß sie den nämlichen Personen, so oft diese Audienz bei ihr hatten, dieselben wiederholte. Ein Gesandter äußerte deshalb einmal: „Die Kaiserin sollte doch endlich wissen, daß ich nicht verheiratet bin und keine Kinder habe, denn sie hat mich heute zum zehntenmal darnach gefragt.“ Marie Louise hatte eine sehr frische, fast hochrote Gesichtsfarbe und die Fähigkeit, ihre Ohren nach Gefallen bewegen zu können; beides gab zu mancherlei Spöttereien Anlaß, wozu auch die Unerfahrenheit und Unbekanntschaft der jungen Kaiserin mit den französischen Sitten manchen Stoff liefern mußte. Von ihren französischen Umgebungen wurde Marie Louise nicht geliebt, sie war ihnen zu wenig mitteilend, zu kalt, frostig und zeremoniell, unterhielt sich nie vertraulich mit ihren Damen, weshalb man sie für steif, unbeholfen und selbst stupid verschrie. Ihre Hauptbeschäftigungen waren: etwas Klavierspielen, weibliche Tapisseriearbeiten, Reiten, wenn es das Wetter gestattete, fast immer im Galopp. Dabei sagte man ihr nach, daß sie sechs Mahlzeiten des Tages zu sich nehme, namentlich sehr viel Creme esse, überhaupt einen Appetit für drei französische Grenadiere habe und nicht imstande sei, eine nur einigermaßen geistreiche oder wissenschaftliche Unterhaltung zu führen oder ihr nur zu folgen, sondern statt zu antworten mit dem Kopf nicke und höchstens von den unbedeutendsten Vorgängen im Palast spreche. Hierbei mag nun viel übertrieben gewesen sein, auch war ihr das Französische nicht so ganz geläufig. So viel ist aber gewiß, daß das Äußere der jungen Kaiserin sowie ihr Benehmen besonders für Franzosen viel Abschreckendes hatte. Ich habe sie nur gesehen, aber fast nie sprechen gehört, freilich kam ich nie auch nur in die entfernteste Berührung mit ihr.
Unterdessen hatte ich noch einige neue Intrigen mit mehreren anmutigen Pariserinnen angeknüpft, wie man sie bei einiger Gewandtheit und savoir faire zu Dutzenden daselbst mit verheirateten Frauen haben kann, nicht so mit Mädchen aus den höheren Ständen, die hier selbst strenger als in Italien gehütet werden und gehütet werden müssen. Dafürrevanchieren sie sich auf das reichlichste einmal unter der Haube und lassen ihren Leidenschaften und Kapricen freien Lauf. Einer dieser Damen konnte ich nur durch den Kamin meine Aufwartung machen, da sie ihr Mann, so oft er sie allein lassen mußte, einschloß; ein Grund mehr, alles daran zu setzen, ihn zu hintergehen. Glücklicherweise war der Kamin sehr geräumig und eine Öffnung in einem oberen Stock in demselben angebracht, durch die ich mich hinabließ; da es im Sommer war, so wurde ich auch nicht vom Rauch inkommodiert, doch gab ich diese Kaminbesuche bald wieder auf. – Noch immer bombardierte mich Miollis mit Briefen und wollte endlich durchaus wissen, woran er sei; auf seine Veranlassung und Briefe hatte ich noch eine ziemlich lange Unterredung mit dem Herzog von Feltre, den ich endlich fragte, ob er nicht glaube, daß durch die Prinzessin Borghese, mit der ich bekannt sei, der Kaiser für das Gesuch des Gouverneurs von Rom zu stimmen sei. Clarke erwiderte mir lächelnd: „Ich und alle Minister haben strenge Befehle, kein Gesuch seiner schönen Schwester zu berücksichtigen; und was Ihren persönlichen Wunsch, zu den Garden versetzt zu werden, anbelangt, so würden Sie, wenn ich es durchsetzte, dennoch einen sehr schwierigen Stand haben. Sie müßten sich mindestens durch das ganze Korps der Leutnants des Regiments, dem sie zugeteilt würden, schlagen und würden, so gut sie auch den Degen führen mögen, endlich doch Ihren Mann finden und noch andere Unannehmlichkeiten treffen; ich rate Ihnen deshalb als Freund, von diesem Gesuch abzustehen.“ Bei der ersten Gelegenheit teilte ich Paulinen mit, was mir der Minister hinsichtlich ihrer gesagt hatte. Lachend erwiderte sie: „Aber das wußte ich schon längst; müssen es denn gerade die Garden des Kaisers sein?“ fuhr sie fort. „Suchen Sie doch lieber zu denen meines Schwagers Murat zu kommen, die sind ja weit schöner und prächtiger, und die Offiziere meistens Franzosen; wenn Sie dies wollen, das kostet mich nur ein paar Worte an Murat, und die Sache ist im reinen.“ – Anfänglich wollte mir zwar dieser Tausch nicht sehr zusagen, bald betrachtete ich aber die Sache in einem anderen Licht.Schön war die Garde des Königs von Neapel, und der Aufenthalt daselbst in mancher Hinsicht dem zu Paris vorzuziehen. Ich bequemte mich, die französischen Dienste zu verlassen, und bat die Prinzessin, die nötigen Demarchen zu machen, wozu sie sich sogleich bereitwillig fand. Sie selbst war indessen wegen einer kleinen Unart, die sie sich gegen Marie Louise erlaubt hatte, bei ihrem kaiserlichen Bruder in Ungnade gefallen, so daß sie noch weit weniger für mich bei ihm hätte wirken können. Sie hatte nämlich eines Tages der Kaiserin hinter ihrem Rücken allerlei Grimassen gemacht und unter anderm zwei Finger ihrer rechten Hand, den Zeigefinger und den kleinen, hörnerartig in die Höhe gestreckt, um so anzudeuten, daß sie Hörner tragen werde. Marie Louise hatte dies in einem großen Spiegel sowie auch ihr Gatte bemerkt, der nun voll Zorn seiner Schwester das Erscheinen in den kaiserlichen Gemächern untersagte.
In der Erwartung meiner baldigen Versetzung besuchte ich die noch nicht gesehenen Umgebungen von Paris, Bondy, St. Denis, wo ich die Überreste der in der Revolution verwüsteten königlichen Gräber in der Abtei daselbst heimsuchte und so weiter.
Eines Abends bemerkte ich in der Oper in einer benachbarten Loge ein recht freundliches Frauengesicht, das mir sehr bekannt vorkam, ich wußte aber nicht gleich, wo ich es schon gesehen hatte. Ich lorgnettierte die Dame, wurde endlich auch von ihr bemerkt, und sie nickte mir lächelnd zu. Ich begab mich nun während eines Zwischenakts in jene Loge und fand – Madame Viriot, dieselbe, die ihr Gemahl vor ungefähr fünf Jahren in Nancy entführt hatte. Schnell war die alte Bekanntschaft erneuert; ihr Gatte war wieder in den Militärstand getreten, stand jetzt als Kapitän bei der Armee in Spanien, und sie lebte bei einer reichen Tante zu Paris und hatte ein niedliches vierjähriges Mädchen. Ich begleitete sie noch denselben Abend nach Haus, wurde auf den anderen Tag zum Besuch eingeladen, wobei sie mich der Tante als einen alten Freund ihres Mannes vorstellte. Ich suchte mich bei der alten Dame durch Artigkeiten zu insinuieren und warbald im Haus gern gesehen und Hahn im Korb, solange ich noch zu Paris verweilte.
Ende Juli hatte Napoleon für gut befunden, den Parisern zur Abwechslung auf seine Vermählungsfeierlichkeiten ein höchst pomphaftes und prunkendes Trauerfest zu geben, nämlich die Leichenfeier des bei Eßlingen gebliebenen Marschalls Lannes, dessen irdische Reste im Pantheon beigesetzt wurden. Das Gepränge dieser Zeremonie war außerordentlich. Mehrere Tage wehte eine schwarze, weiß eingefaßte Fahne von der Kuppel des Pantheons, in dem Tempel selbst war ein Katafalk in Form einer hohen Pyramide errichtet, an deren vier Ecken die Bildsäulen der Mäßigkeit, der Klugheit, der Gerechtigkeit und der Stärke angebracht waren, ihre Spitze krönte eine Urne mit einer eisernen Krone. Medaillen, die ausgezeichnetsten Taten des Marschalls darstellend, wurden von Genien gehalten, unter der Pyramide stand der Sarkophag, bereit, die Leiche des Verblichenen aufzunehmen. Auf den Stufen ringsherum brannten unzählige Kerzen auf silbernen Kandelabern. An den beiden Seiten des Altars sah man die Bildsäulen des heiligen Ludwig und des heiligen Napoleon, die ganze Kirche war mit schwarzen Teppichen belegt und behängt, auf der schwarz drapierten Kanzel saß ein kolossaler Adler, für den Erzkanzler hatte man einen Sitz von Ebenholz, mit silbernen Sternen und Fransen verziert, errichtet. Alle Sitze der Kardinäle, Bischöfe, der Behörden und so weiter waren auf ähnliche Weise geschmückt; auch alle Fenster waren schwarz behangen, mit weißem Saum. Von dem endlosen Zug aller Zivil- und Militärbehörden gefolgt, wurde die Leiche des Marschalls vom Hotel der Invaliden in das Pantheon mit großer Feierlichkeit und mit imponierender Trauermusik gebracht; auf dem Sarg lag der Marschallsstab, das Wappen und Lorbeerkronen. Achtzehn silberne Grabeslampen hingen an gleichen Ketten an dem Feinde abgenommenen Lanzen herab; überall waren Trophäen von eroberten Waffen und Fahnen angebracht. Die Waffen des Toten nebst Siegespalmen hielten zwei über dem Altar schwebende Renomeen in der Hand. Über ihnenlas man die Worte:Napoléon à la memoire du Duc de Montebello, mort glorieusement aux champs d’Essling, le 22. Mai 1809.
Das Konservatorium führte eine großartige Trauermusik auf, die von Zeit zu Zeit durch die Töne der schwarz verhüllten Orgel unterbrochen wurde; hierzu hatte man die herrlichsten Kompositionen Mozarts gewählt. Der Trauerwagen, auf dem die Leiche gebracht wurde, war mit vier Faszes, aus Fahnen bestehend, welche das von Lannes befehligte Armeekorps erobert hatte, geschmückt. Der ganze Zug bestand aus vier Abteilungen, einer geistlichen, einer militärischen, einem Trauerzug und einem Ehrenzug. Bei dem militärischen waren die Truppen aller Waffengattungen, Kanonen und Pulverkarren, die Tambours, Trompeter und Musikchöre der ganzen Garnison, die Lüfte mit lugubern Klagetönen erfüllend. Der ganze Generalstab mit den Fürsten von Neufchatel und Wagram, denen die Generalität, alle Stabsoffiziere und andere Offiziere folgten, waren an der Spitze des militärischen Zuges. Bei dem religiösen Zug, der sich vor dem militärischen bewegte, befand sich die ganze hohe und niedere Geistlichkeit von Notre-Dame und aller Kirchsprengel von Paris, mit unzähligen Kirchenfahnen, Kreuzen und so weiter, auch viele Greise und Kinder aus mildtätigen Anstalten und Pflegehäusern. Vier Marschälle, unter denen Moncey und Davoust, hielten die Zipfel des Bahrtuchs, auf beiden Seiten des Wagens trugen Lannes Adjutanten Standarten. Der Ehrenzug bestand aus des Marschalls leerem Wagen, zu dessen beiden Seiten wieder zwei seiner Adjutanten ritten; diesem folgten vier Trauerwagen für die Familie des Verblichenen, diesen die Wagen der Prinzen, Großwürdenträger, Marschälle, Generalobersten, Minister und höchsten Behörden. Sämtliche Züge schloß eine starke Abteilung der Gardekavallerie mit Trauermusik zu Pferde. So lange die Zeremonie währte, läuteten alle Glocken von Paris, und in kleinen Zwischenräumen fielen jedesmal dreizehn Kanonenschüsse. Als der Sarg in die Gruft gesenkt wurde, gab sämtliches Militär Gewehrsalven, und die Legionäre übergaben ihre Ehrenkreuze dem Großalmosenier, der sie durch den Erzpriester mit hinabsenkenließ. Davoust hielt eine kurze Rede, in welcher er die tiefe Trauer des Heeres über diesen Verlust aussprach, und nachdem der Erzkanzler eine zum Andenken an diese Totenfeier geschlagene Medaille dem Sarge folgen ließ, war sie beendigt, und die Truppen zogen mit lustig klingendem Spiel wieder ab. In ganz Frankreich, Italien und wo französische Truppen standen, wiederholte sich diese Totenfeier, durch welche Napoleon der Welt beweisen wollte, wie sehr er seine Helfershelfer zu ehren wisse, hauptsächlich um dadurch auf das Militär zu wirken.
Wenige Tage später gab die am Napoleonsfest, den 15. August 1810, erfolgte Vollendung der Siegessäule auf dem Platz Vendome, die man zum Ruhm der französischen Armee im Jahre 1806 begonnen hatte und die eine Nachahmung der Trajanssäule zu Rom ist, den Parisern abermals Stoff zur Unterhaltung und zu Festivitäten. Die zweihundertundzwanzig Fuß hohe Säule wurde aus eintausendzweihundert, den Österreichern und Russen 1805 abgenommenen Kanonen errichtet und stellte nach Art der römischen die hauptsächlichsten Taten der Franzosen aus dem Feldzug von 1805 dar; sie steht auf der Stelle, wo die während der Revolution zertrümmerte Bildsäule Ludwig XIV. stand. An zwei Millionen Pfund Erz sind zu dieser Säule verwendet worden. Auf einer in ihrem Innern angebrachten Schneckentreppe gelangt man zu ihrer Spitze, auf die Napoleons zehn Fuß hohe Statue gestellt wurde.
Am 25. August, denselben Tag an dem man früher das Fest des heiligen Ludwigs feierte, fand jetzt das der Marie Louise statt und wurde zum erstenmal mit außerordentlicher Pracht und großer Ostentation begangen. Einige Tage darauf hielt Napoleon im Bois de Boulogne Musterung über die holländischen Garden, die er nach Paris beordert hatte, und die hierauf in dem Gehölz so gut bewirtet und namentlich mit Wein so reichlich versehen wurden, als sie nur Lust zu trinken hatten, was für die Pariser abermals ein neues Schauspiel war, das aber wieder ein sehr schmutziges Ende nahm. Die holländischen Plexums betranken sichen canaille,fingen dann zuerst Stänkereien und Streit unter sich selbst und dann mit den Zuschauern an, und als ein Gewitter und starker Regen die letzteren schnell verscheuchte, hielten die Soldaten alle Frauen und Mädchen an, während sie die sie begleitenden Männer mißhandelten und zum Zeitvertreib die Bäume des Gehölzes umhieben, wodurch sich einige hundert kleine Gefechte, die zum Teil blutig ausfielen, entspannen. Einige der Zuschauer hatten sich nach St. Cloud geflüchtet und daselbst die fatale Mär hinterbracht. Napoleon geriet in Zorn über die Brutalität der Holländer und gab Order, sogleich viele und starke Patrouillen abzusenden, welche die Betrunkenen zur Räson bringen sollten, deren Anführern er selbst Verhaltungsbefehle gab, um die Ruhe wieder herzustellen. Ich hatte mich ebenfalls zu Pferd in das Boulogner Wäldchen begeben, die holländischen Garden tafeln zu sehen, und es gelang mir, einige Mädchen aus den Klauen dieser Trunkenbolde zu befreien. Diese Burschen waren nur Bier und Schnaps gewöhnt, der Wein war ihnen eine gar zu verführerische Neuigkeit. Als die Patrouillen ankamen, war es schon fast Nacht, und sie würden vielleicht wenig ausgerichtet haben, wenn sich nicht plötzlich das Gerücht unter den Soldaten verbreitet hätte, Napoleon selbst sei soeben angekommen, was die Burschen etwas nüchterner und gelassener machte, dieser hatte jedoch St. Cloud nicht verlassen. Die unmittelbaren Folgen dieses Gerüchts waren aber, daß sich die Holländer Hals über Kopf aus dem Staub machten und eiligst in ihre Kaserne zu kommen suchten, indessen wurden einige fünfzig verhaftet, und mehrere, die manen flagrant délitertappt hatte, wurden streng bestraft.
Um diese Zeit oder bald darauf verbreitete sich auch das Gerücht von der Schwangerschaft Marie Louisens, und da schon beinahe sechs Monate verflossen waren, ehe man etwas davon hörte, so glaubte man allgemein den Hauptzweck von Napoleons Ehescheidung und Wiedervermählung verfehlt und war um so mehr über diese Trennung und Ehe ungehalten. Ein Teil des Publikums hielt Napoleon für impotent, während der andere seiner Gattin Unfruchtbarkeit zur Last legte;ja viele Personen wollten durchaus nicht an diese Schwangerschaft glauben oder hielten sie für fingiert und supponierten, daß der Kaiser damit umginge, ein fremdes Kind unterzuschieben und zu seinem Thronerben zu machen; selbst nach der Geburt des Königs von Rom gab es noch viele Personen, die denselben für untergeschoben halten wollten und diese Meinung unter dem Volk zu verbreiten suchten. Die Ursache, warum Marie Louise nicht früher guter Hoffnung geworden, soll der zu häufige Gebrauch von Bädern gewesen sein, die ihr nun untersagt wurden.
Es war Anfangs September, als ich meine Entlassung aus den französischen Diensten und mein Patent als Kapitän bei der neapolitanischen Garde zu Pferd,Cavalli leggieri, erhielt. Ich hatte besonders darum gebeten, bei der Reiterei angestellt zu werden, mich deshalb während der letzten Zeit meines Aufenthaltes zu Paris noch mehr mit den Manövern dieser Waffengattung vertraut gemacht, und allen Kavallerie-Übungen zu Pferde beigewohnt. Da jetzt mein Schicksal entschieden war, so eilte ich nun, Paris zu verlassen, wo es zwar alle Tage etwas Neues, aber auch manche eben nicht angenehme Neuigkeiten gab. Ich machte meine Abschiedsvisiten, empfahl mich besonders dem noch immer leidenden Fürsten Y., durch den ich doch manche vergnügte Stunde gehabt, und ging meiner neuen Bestimmung entgegen, den Weg über Orleans einschlagend, das ich noch nicht gesehen und doch gerne besuchen wollte. An Miollis hatte ich schon geschrieben, ihm die Äußerung hinsichtlich der Prinzessin Pauline gemeldet, und daß durch diesen Kanal nichts zu machen sei. Von Madame Bonnier nahm ich ebenfalls Abschied und Briefe an ihre Verwandten zu Pesaro mit, die ich persönlich zu übergeben versprach, sowie zu versuchen, daß sie die Dame bis zur Zurückkunft ihres Mannes in ihrem Schoß aufnehmen möchten, da sie sich so isoliert in dem gefährlichen Paris befinde. Dem Fürsten Y. tat meine Abreise wirklich leid, auch er fand sich verlassen in der großen Stadt und hatte sich an meinen Umgang gewöhnt.