Nachwort.

Nachwort.

Das Buch, das hier, um Weitschweifigkeiten und Wiederholungen verkürzt, seit ungefähr 65 Jahren zum ersten Male wieder erscheint, hat wie der Verfasser mehrere Uniformen getragen. Unter dem Titel „Vierzig Jahre aus dem Leben eines Toten“ erschien es Ende der vierziger Jahre bei Osiander in Tübingen, im Jahre 1853 gefolgt von einem sehr interessanten Schlußband „Noch fünfzehn Jahre aus dem Leben eines Toten“, der in einiger Zeit auch unsre Neuausgabe ergänzen soll. Unter dieser Marke war es ein Lieblingsbuch der jungen Frankfurter, wie mir seit dem Erscheinen des Werks von manchen berichtet wurde, die heute recht alte Frankfurter sind. Aber der Titel scheint dem Absatzbedürfnis des Herrn Friedrich – dieser sein wahrer Name wurde durch eine Stelle des Buches selbst bekannt, wo er ihn aus Flüchtigkeit einmal gebraucht – nicht genügt zu haben. Fedor von Zobeltitz hat in seiner Bibliothek das verschollene Buch wieder aufgestöbert, aber unter dem verlockenden Titel „Casanovas Nachfolger oder Abenteuer, Liebschaften und Erlebnisse eines galanten Offiziers“, der eine gute Spekulation in der Zeit war, wo Casanovas Memoiren zum ersten Mal in deutscher Übersetzung erschienen und verschlungen wurden. Zu allemhin erschien das Buch in Paris, im Verlag von Heideloff und Campe. Noch zweimal rasch hintereinander erschienen die „Vierzig Jahre“, einmal unter diesem ursprünglichen Titel, aber mit dem Pseudonym C. Strahlheim, das anderemal aufs neue in dem Pariser Verlag, aber als „Neuer Casanova“. Dann wird es still um Verfasser und Buch, sie verstauben in Familienbücherschränken, kaum die Bibliographen kennen den nun wirklich Toten.

Das Meiste, wenn auch es nur wenig ist, was über Friedrichs Lebensgang bekannt ist, steht in Andreas Gottfried Schmidts „Galerie deutscher pseudonymer Schriftsteller vorzüglich des letzten Jahrzehnts“ (Grimma 1840), also vor der Drucklegung unsres Werks erschienen, was dokumentarisch wichtig ist, da Schmidt den Gang der Handlung in den „Vierzig Jahren“ bestätigt. Dort wird gesagt, C. Strahlheim heiße C. Friederich, privatisierend in Rödelheim bei Frankfurt, geboren in Frankfurt 1790 von angesehenen Kaufmannseltern, wollte Schauspieler werden, durfte es aber nicht, trat in französischen Militärdienst, machte die Feldzüge in Italien und Spanien bis zur Abdankung Napoleons mit, wurde hierauf preußischer Offizier, nahm den Abschied und widmete sich literarischen Arbeiten; er begründete in Offenbach eine satirische Zeitschrift, die aber nach zwei Jahren einer beigegebenen politischen Karikatur halber verboten wurde, und lebte dann abwechselnd in Mainz, Köln, Aachen und Mannheim. 1825 war er in Stuttgart, um dort seine „Geschichte unserer Zeit“ herauszugeben; 1830 finden wir ihn wieder in Frankfurt. Schmidt führt zugleich eine Anzahl seiner Schriften an, meist kompilatorische Arbeiten, eine „Universal-Chronik der Zeit“, eine „Allgemeine Weltgeschichte“, die schon erwähnte „Geschichte unserer Zeit oder Übersicht der merkwürdigsten Ereignisse von 1789 bis 1830“, die in 120 Heften erschien und von Ernst Freymund (dem Bibliothekar A. Fr. Gfrörer in Stuttgart) fortgesetzt wurde; schließlich machte Friedrich den Versuch eines Konversations-Lexikons: „General-Lexikon oder vollständiges Wörterbuch alles menschlichen Wissens“ (Frankfurt 1836 bis 1839), von dem 85 Hefte (A–Bartrania) auf den Markt kamen.

U. R.


Back to IndexNext