IX.JANS ENENKEL(Ved. vol. II, pag.82).
(Ved. vol. II, pag.82).
Ain man ze Rôme saz alsus,Der was genant Virgilius,Der was ze Rôme alsô kluok,Daz er zaubers vant genuok,Als ich eu wil beschaiden,Er was ain rechter haiden,An rechtem glauben was er blint,Er was gar der helle kint,Ich wil eu sagen, wie er gewan,Virgilius der helbe man,Daz er kunde zaubers vil,Vor nieman ich daz heln wil,Ich sage eu ze rechteVon dem selben knechte,Wie er dâ daz zauber vant.Daz ist mir von im bekant:In ainem wein garten haut'erVil gar nâch seines herzen ger,Vil vast er in die erde slouk,Daz ez deu hauwe kaum vertrouk;Sô grôz sein hauwen, sein slag was,Daz er kam auf ain glas,Daz was teuvel alsô vol,Daz ich sein nicht sagen sol;Daz glas er auz der erde nam:«Vil wurme ich in dem glase hân,»Sprach der selb' Virgilius«Ich wil ez hie behalten sus,Des hân ich vrum und êre,Swa ich in dem land' hin kêre.»Dô sprach der teuvel auz dern glas,Der dar in verslozzen was:«Virgilius, lâz uns varn,Wir wellen dich immer bewarnVor aller hande laide:Lâz uns vam auf die haide,Wir wellen dich kunst lêren vil,Daz dû hâst vröude unde spilImmer unz an deinen tôt,In disem glas ist grôzeu nôt,Zwên und sibenzig ist unser schar,Wir sagen dir sicherleich vür wâr.»Dô sprach Virgilius der man:«ich mag mich nicht an euch gelân.Lêrt ir mich granze lêre,Sô swer ich eu des sêre,Daz ich daz glas zerbrechen wil;Lêrt ir mich kunst alsô vil,Daz ich sein vrum gewinnen mak,Ich swer eu noch an disem tak,Daz diz glas von meiner hantZerbresten muoz sâ ze hant.»Ze hant die teuvel alleLêrten in mit schalleDie zauber list ân' ârbait,Als sie noch in der KristenhaitAllenthalben umbe gât,Wer zaubern kan, ân' missetât.Dô er die kunst von in enpfie,Ze ainem staine er dô gie,Er brach daz glas, und lie sie varn,Die teuvel alle mit irn scharn.Ze hant gedâcht' Virgilius:«Ich mouz ir kunst versuochen sus,Seit die teuvel sint von hinnen,Nu getrauw' ich wol gewinnen,Baideu, êre unde guot,Wie wol daz meinem herzen tuot,Daz ich vrum und êreGewinn' ân, herzen sêre!»Virgilius der selbe manBegunde nû ze Rôme gânUnt versuocht' sain maisterschaft,Ob ez waer' wâr der teuvel kraft.Er macht' ze Rôm' ain stainein wei,Von künste deu het ainen leip,Swann' ain schalk, ain bœser manWolte ze ainem weibe gân,Daz er gie ze dem staine,Der bœse, der unraine,Daz im was bei des staines leip,Recht als ob er wær' ain weip.Nicht vür baz ich eu sagen sol,Mein mainung' wizt ir alle wol.Des zaubers traib er genuok,Er was ain man unmâzen kluok,Ich mag ez nicht gar gesagen,Der wârhait muoz ich vil verdagen,Wan ainez waiz ich vür wâr,Daz sag' ich eu offenbâr,Daz er umb ainer vrauwen minWarb, deu was ain burgærinUnd was ze Rôm' in der statGesezzen, wan er sie dikke bat,Daz sie seinen willen tæte:Doch was deu vrauwe stæte,Daz sic in nicht wolte gewern,Des er an sie mochte gern.Doch liez er nicht sein werben,Er jach, er muest'ê sterben,«E daz ich von eu lâze;Eur minne kumt mir ze mâze.»Sie sprach: «euer unsin eu lait gebirt,Wan ich sag' ez meinem Wirt;Und wært ir schœner dann' Absolôn,Mein minne ist eu versaget schôn;Ich wil eu sein gar ze rain;Ez muesten bresten alle stain'E ich eu wærleich wolt' gewern,Des ir welt an mich begern.Gêt hin, lât mich âne nôt,Mein man tuot eu den tôt,Dem wil ich ez sagen sicherleich,Euwer red' ist gar unbilleich.»Virgilius sein nicht enliez,Silber, gold er ir gehiez,Der vrauwen sicherleiche,Er was ân' mâzen reiche.Dô er die vrauwen wol getânVon dem gewerb nicht wolte lân,Dô gie sie zuo irm wirtUnd sprach: «ain weiser man ir birt,Unde seit nicht ze alt;Achtet nû, wie ich behalt'Meine weipleiche êr',Die ich von meiner kinthait herMit züchten hân behalten;Mit êren muoz ich alten,Ob ez nû euwer wille ist.Nû râtet mir in kurzer vrist,Daz ich Virgiliô engê;Der tuot mir nôt unde wêZ'wâr umb meine minne;Nû nemt in euwer sinne,Wie ich sein kunst umbe gê,Daz mir mein êr' von im bestê.»Ir êleich man sprach ze hant:«Vrauw', dein laster und dein schantWære mir von herzen lait;Swie vol er ist der kündikait,Sô wil ich trachten, vrauwe mein,Daz er muoz geschant sein.Nû volg', vrauw', meinem râte,Sende nâch im drâte,Und glob' im, liebeu vrauwe mein,Dû wellest gar den willen seinLaisten heint bei diser nacht,Des habest dû dich vil wol bedachtDû solt im deu mæereSagen, ich sei mit swæreVon dir geriten und mit zorn,Dû habst mein huld umb sust verlorn.Sag' im, er müge nicht schierIn daz haus komen zuo dir,Ich habe dich in starker huot;Sprich: «mich dunket guot,Daz ich eu liez' ainen korp ze tal,Dar in sô sizt ir âne schal;Deu sorge euch vil gar verbirt,Wan sein nie man innen wirt;Eurn willen tuon ich sicherleich,Auf zeuch ich euch vrôleichIn den turn den ich hân,Euwern willen wil ich begân.»Sô er sicht den willen dein,Sô wil ich ân' angest sein.Swaz ir der wirt vor sprach,Deu vrauwe tet ez alleznâch:Sie sante nach Virgilium,Sie sprach: «seit ir ein degen vrum,Daz sült ir mir heint erzaigen:Ich gib' mich eu vür aigenHeinte bei diser nacht;Mein man hât sich nicht bedâcht,Wan er mich sêr geslagen hât:Dâ von sô ist daz mein rât,Daz ir heinte kumt ze mir,Des ir mich bit, daz tuon ich schierHeint bei dirre nachte zeit;Mir ist in den landen weitNicht sô laides, sô mein man;Laides ich im vil wol gan.»Dô der her VirgiliusVon der vrauwen hôrt' alsusDie rede die sie het getân,Er sprach: «sol ich heint zuo eu gân?»Sie sprach: «ich vürchte die huot,Ich râte, daz ir sô wol tuot:Lât euch in ainem korbe schierHer auf sicherleich zuo mirZiehen, daz ist recht getân.»«Vil gerne, vrauwe» sprach der man.«Wan ich ez immer dienen sol,Ir seit aller tugent vol.»Des nachtes dô ez spate wart,Virgilius gie auf die vartZuo dem selben turne hin,Er warf mit ainem stainlinIn daz venster, daz ez erhal.Dô gie deu vrauwe âne schalUnd entslôz daz venster schier,Ir êleich man gie mit ir;Sie sach her ab, und sprach alsus:«Seit ir dâ, her Virgilius?»Er sprach: «vrauwe wol getân,Den korb sült ir her abe lân.Dâ wil ich sizzen in.» —«Ir habt dar an weisen sin.»Ze hand sie den korb liez,Als sie Virgilius dâ hiez.Dâ saz schôn Virgilius in:«Ir habt dar an weisen sin.»Wan sie in auf mit sinne garIn den turn zôch z'wârWol dreier gadem hôch ;Nicht vür baz sie in auf zôch,Sie strikt' in zuo, und liez in hangen;Sein wille was nicht ergangen;Sie was ein vil reinez weip,Keusch und schœne was ir leip.Des morgens dô ez tagte,Den Rômern man ez sagte,Daz der weis' her VirgiliusWær' an ainen turn erhangen sus;Dô sprach vil manig man :«Ich glaub' sein nicht, ich seh' ez an;Wan z'wâre, sein weiser leipIst weiser, denne man oder weip ;Dâ von ez nicht ergên mak,Sein leip ist weise nacht unt tak.»Dô sagt' man in deu mære,Daz ez deu wârhait wære ;Dô giengen die Rômære darUnd nâmen seiner nôt war.Ze jungest kam ir êleich manSchôn zuo im geriten dan,Sam er wær' von dannen gewesen.Virgilius mochte kaum genesen.Wan er het swær' und ungemach.Iegleich Rœmer zuo im sprach:«Wie ist daz komen, Virgilius,Daz ir hie hanget alsus?»Virgilius sprach in stille:«Ez was z'wâr mein wille.»Dô sprach der vrauwen êleich man:«Wer brâcht euch zuo dem turne dan,Daz ir hangt an meiner maur?Ich wæn', ez sei eu worden saur.Doch ist ez mir an eu lait,Ir habet erliten smâchait.»Der wirt ze hand den weisen manLiez in von dem turne dan,Daz in daz volk allez sach.Er het grôzen ungemachUnt vil grôzen smerzenAn leibe und an herzen.Dô man Virgilium her ab geliezAls in des hauses wirt hiez,Dô begund' er sêre trachtenUnd in dem herzen achten,Wie er dem getæteDaz deu vrauwe stæteVon im laid gewünne,Und auch alz ir künneVon dem laid geschant würde,Daz was ain swæreu bürde.Dâ mit der ungeheureSchuof, daz daz veureErlasch, daz in Rôme was;Wunder was, daz icht genas,Man mochte nicht gebachen,Noch ezzen gemachen,Man mocte nicht gebreuwen;Sie beten vil der reuwen,Sie wâren nâch des hungers tôtDa von sie liten grôze nôt.Dô die RômæreLiten grôze swæreDô begunden sie trachten,Wie sie daz gemachten,Daz sie gewunnen veuwer;Daz vas nie man sô teuwer,Der ez betrachten kunde.In der selben stundeSprach ain Rômær' under in:«ich wil eu sagen meinen sin,Ich rât', daz man VirgiliusBite vleizikleich alsus,Der ist gar ain herre,Dem sagen wir, waz uns werre,Sô wirt unser ungemachVerkert» alsô der Rômêr sprach.Der rât begund' in allenVil rechte wol gevallen;Dô giengen leicht' unde vrum,Alle vür Virgilium,Und sprâchen: «herre, euwern râtSuochen wir, umb ain missetât,Sie tuot uns alsô grôze nôt,Vor hunger wellen wir ligen tôt,Wir mügen nicht gebachen,Wir mügen nicht ezzen machen,Des muezen wir verderbenUnd hie ze Rôm' ersterben:Nû wizzen wir, her, dein weistuom,Der ist uns unmâzen vrum.»Virgilius sprach: «ich wil eu sagen,Ir mügt der rede stille dagen,Wan sag' ich eu die wârhait,Daz wurd' eu âne mazen lait,Ir litet ser und ungemach.»Alsus Virgilius gen in sprach.Dô sprâchen gar mit swæreDie weisen Rômære:«Herre, sein ist nicht ze vil,Swaz dü, vreunt und herre, wil,Daz tuon wir gern mit sinnen,Daz wir veur gewinnen,E wir alsus verderbenUnt hie ze Rôme sterben:Der hunger machet uns blint.Uns stirbet weib unde kint.»Er sprach: «ist eu der hunger lait,Sô sweret mir des ainen ait,Daz ich euch haize tuon in zeit,Daz ir da wider nimmer seit,Und daz ich euwer huldeHab' umb die selben schulde,Wan ich durch euwern willenWil hie daz veuwer vinden.»Dô wurden sie ze râte,Daz sie vruo und spâteIm nimmer wolten wider sein.Sie sprâchen: «wir wellen den willen deinTuon vil gar, nâch deinem rât;Ob sich under uns ie man hâtVersaumt gegen dir, daz lâz dû varn,Wir wellen uns gen dir vür baz bewarn.Er sprach: «daz swert mir hie ze stet»Alsus Virgilius gen in ret;Des swuoren sie im mit laideIegleicher zwên' aide. —«Mit hulden ich ez sprechen sol,Euch bewart nie man sô wol,Der euch von laide schaide,Daz sag' ich eu bei mainem aide,Sô deu vrauwe sicherleich,Deu dâ ist in dem turne reich.Dâ ich mit nœten an hienk.»Vil maniger nâch der vrauwen gienk,Die ir mâge wâren,Die sach man nâch ir vâren.Ir man mit vlêge und mit bet'.Doch er ez ungerne tet,Wan er muost' in des günnen,Er und al sein künne,Daz sie zuo her Virgilio gie.Virgilius sie schôn enpfie;Er sprach: vrauwe wol getân,Welt ir daz land nicht lân zergânUnd die leut' dar inne,Sô volget meinem sinneUnt tuot nâch meinem râte.So gewint ir veuwer drâte,Oder ir muezt verderbenUnd mit samt in sterben.»Sie sprach: lieber herre mein,Möcht' ez in euwern hulden sein,Sô bæte ich euch vil gern,Ob ir mich woltet gewern,Sô liezt ez sein ain ander spil:Ich hân doch von eu laides vil.Er sprach: vrauw', des mag nicht gesein,Ez muest ê trukken sein der Rein,Ob ich ez liez' an disem tak:An' euch, ez nie man geschaffen mak.»Deu vrauwe sprach: lât mich sehen,Swaz mir hie sülle geschehen.»Dâ mit Virgilius sprach,Dô er sie schône vor im sach:«Vrauwe, seht ir disen stain,Dar auf sült ir sten al ain,Daz gewant sült ir ab ziehen,Ab dem stain sült ir nicht vliehen,Ir sült nicht haben, wan ain hemdeAnder klaider sint eu vremde,Und sült ir daz after muoder z'wârHinden auf heben gar,Und an allen vieren stân:Ze hand sô sol weib und manZünden vor dem hinder tail.Swer dan gewinnet daz unhail,Der zuo dem andern zünden wil.Sô wirt in baiden nicht ze vil,Wan sie erleschent baid' daz liecht;Daz man ez nimmer brinnen sicht;Wellen sie aber veuwer hânSô muezen sie hin wider gânUnd muezen wider zünden,So beginnet der after lünden.»Dô sprach deu vrauwe wol getân:«Ê wolt' ich den leib lân,E ich hete solhe schant,Ich wolt' ê raumen alleu lant.»Dô sprach Virgilius der man:«Alsô mag ez nicht ergan,Im muoz anders geschehen:Weln sie vröud' und wunne sehen,Sie muezen euch dar zuo twingen,Sô mag in wol gelingen.»Dô daz erhôrten ir mâge,Dô heten sie manige vrâge;Auch sach ez ze hand ir man,Daz ez nicht anders mocht' ergân;Dô griffen sie an mit vleg' mit bet.Deu vrauwe ez ungerne tet,Wan sie schamt' sich sêre,Ir laides des ward mêre;Sie jach: «ich láz' mich tœten ê,Ê ez alsô an mir ergê.»Dô nicht half weder drô, noch bet',Nû hœret, wie ir wirt tet:Er wolt' des nicht erwinden,Er hiez die vrauwen binden,Daz gewand hiez er ir ab ziehen,Des mocht' sie nicht enpfliehen,Er stalt' sie nider auf den stain,Ir scham was da nicht klain:Dâ muost' deu vrauwe mit schalDaz veuwer geben über al,Wan sie muost' auf dem staine stân,Des wolte man sie nicht erlân;Der aine truog ain kerzen dar,Der ander unslit z' wâr,Der dritte truok ainen schaup,Der vierde ainen boschen laup,Der vünfte truog ain buechein her,Der sechste ainen brand swær'.Alsô zunten sie alle samt:Daz was der vrauwen ain bitter amt;Alsô muost' sie ez leidenUnd mocht' ez nicht vermeiden,Sie muost' die scham und die nôtLeiden, sie was nâhen tôt.Dâ mit Virgilius drâtVuor von Rôm, und baut' ain stat,Als sie heute ist bekant,Die ward Napels genant,Mit listen er ez ane vie.Daz ez nâch seinem willen gie,Rechte als er woldeUnd als er mit listen solde,Wan ez ze recht alsô ergienk;Die stat er an dreu eijer hienk,Daz ez von im noch hât die kraftUnt von seiner meisterschaft,Swer sie zerbraech, deu stat versünke,Daz volk vil gar ertrünke.Daz bewart man in der stat wol.Swer gegen dem eije greifen sol,Sô zittert deu stat über alUnd die heuser âne zal.Dar nâch Virgilius der herVant dennoch liste mêr,Er macht' ain bilde êrein,Daz bilde muost' von gold sein,An dem bilde was gegrabenMit guldeinen buoch staben:«Dâ ich hin zaig', daz ist ain hort;Swer in begreift, daz ist ain ortSeiner armuot ab bekomen.»Dô daz die leute heten vernomen,Dô kamen der leut' ain michel tail,Iegleicher versuocht' sein hail,Ob im der hord würde,Daz im der sorgen bürdeMuest' dâ von geringet seinUnd ganzeu vröude werden schein.Die ain band het daz bildeGeleit auf den bauch wilde;Der ander arm stuond gerakt,Des maniger dikke lacht',Daz bilde dâ zaigen beganMit seiner hand wol getânAn ainen berg, der gegen im lak;Alsô zaigt' ez nacht unt tak;Mit dem vinger vür sich hin:Dâ suochte maniger den gewinUnd gruoben den berg umbe,Der weise und der tumbe.Sein vinger im gerekket wasGegen dem berg, als ich ez las;Der ander vinger zaigen beganGegen dem bauch den hort an.Des verstuont sich nie man dâ:Sie vuoren nâch dem vinger sâ,Der dâ stuond nâch dem berk,Dar inne so worchten sie manig werk,Wan sie wânden, daz sie dortVünden in dem berg den hort:Den hort dâ nie man gesach,Aines tages ain trunken man sprach:Wie lang sol uns daz bildeEffen an dem wilde?Ich wil die leut' an im rechenUn wil ez genzleich zerbrechen.»Seinen kolben er bei dem orte vie,Vil trunken er gegen im gie,Und sluog ez dâ an seinen nak,Daz ez auf der erden lak,Seinen hals und seinen nak,Dannoch schain nicht der tak,Wan ez bei der nacht was:Daz golt viel nider auf daz gras.Dar an sol man gesehen wol,Wer grôzez guot haben sol,Dem muoz ez werden beschaffen,Ez sein laijen oder pfaffen;Als dem trunken manne geschach,Der daz bilde dâ zerbrach, —Diz bild' sol nie man effent sein —Der west' nicht, daz daz guot was sein,Unz er daz golt truok von dan:Dâ ward er ain reicher man,Im wart beschert grôzez guot.Owê, wie sanft ez manigem tuot,Daz er gewinnet sæld' und hail.Owê, wurd' uns des auch ain tail!Des helf' uns Got von himel reich,Z'wâr, sô würden wir vröuden reich.
Ain man ze Rôme saz alsus,Der was genant Virgilius,Der was ze Rôme alsô kluok,Daz er zaubers vant genuok,Als ich eu wil beschaiden,Er was ain rechter haiden,An rechtem glauben was er blint,Er was gar der helle kint,Ich wil eu sagen, wie er gewan,Virgilius der helbe man,Daz er kunde zaubers vil,Vor nieman ich daz heln wil,Ich sage eu ze rechteVon dem selben knechte,Wie er dâ daz zauber vant.Daz ist mir von im bekant:In ainem wein garten haut'erVil gar nâch seines herzen ger,Vil vast er in die erde slouk,Daz ez deu hauwe kaum vertrouk;Sô grôz sein hauwen, sein slag was,Daz er kam auf ain glas,Daz was teuvel alsô vol,Daz ich sein nicht sagen sol;Daz glas er auz der erde nam:«Vil wurme ich in dem glase hân,»Sprach der selb' Virgilius«Ich wil ez hie behalten sus,Des hân ich vrum und êre,Swa ich in dem land' hin kêre.»Dô sprach der teuvel auz dern glas,Der dar in verslozzen was:«Virgilius, lâz uns varn,Wir wellen dich immer bewarnVor aller hande laide:Lâz uns vam auf die haide,Wir wellen dich kunst lêren vil,Daz dû hâst vröude unde spilImmer unz an deinen tôt,In disem glas ist grôzeu nôt,Zwên und sibenzig ist unser schar,Wir sagen dir sicherleich vür wâr.»Dô sprach Virgilius der man:«ich mag mich nicht an euch gelân.Lêrt ir mich granze lêre,Sô swer ich eu des sêre,Daz ich daz glas zerbrechen wil;Lêrt ir mich kunst alsô vil,Daz ich sein vrum gewinnen mak,Ich swer eu noch an disem tak,Daz diz glas von meiner hantZerbresten muoz sâ ze hant.»Ze hant die teuvel alleLêrten in mit schalleDie zauber list ân' ârbait,Als sie noch in der KristenhaitAllenthalben umbe gât,Wer zaubern kan, ân' missetât.Dô er die kunst von in enpfie,Ze ainem staine er dô gie,Er brach daz glas, und lie sie varn,Die teuvel alle mit irn scharn.Ze hant gedâcht' Virgilius:«Ich mouz ir kunst versuochen sus,Seit die teuvel sint von hinnen,Nu getrauw' ich wol gewinnen,Baideu, êre unde guot,Wie wol daz meinem herzen tuot,Daz ich vrum und êreGewinn' ân, herzen sêre!»Virgilius der selbe manBegunde nû ze Rôme gânUnt versuocht' sain maisterschaft,Ob ez waer' wâr der teuvel kraft.Er macht' ze Rôm' ain stainein wei,Von künste deu het ainen leip,Swann' ain schalk, ain bœser manWolte ze ainem weibe gân,Daz er gie ze dem staine,Der bœse, der unraine,Daz im was bei des staines leip,Recht als ob er wær' ain weip.Nicht vür baz ich eu sagen sol,Mein mainung' wizt ir alle wol.Des zaubers traib er genuok,Er was ain man unmâzen kluok,Ich mag ez nicht gar gesagen,Der wârhait muoz ich vil verdagen,Wan ainez waiz ich vür wâr,Daz sag' ich eu offenbâr,Daz er umb ainer vrauwen minWarb, deu was ain burgærinUnd was ze Rôm' in der statGesezzen, wan er sie dikke bat,Daz sie seinen willen tæte:Doch was deu vrauwe stæte,Daz sic in nicht wolte gewern,Des er an sie mochte gern.Doch liez er nicht sein werben,Er jach, er muest'ê sterben,«E daz ich von eu lâze;Eur minne kumt mir ze mâze.»Sie sprach: «euer unsin eu lait gebirt,Wan ich sag' ez meinem Wirt;Und wært ir schœner dann' Absolôn,Mein minne ist eu versaget schôn;Ich wil eu sein gar ze rain;Ez muesten bresten alle stain'E ich eu wærleich wolt' gewern,Des ir welt an mich begern.Gêt hin, lât mich âne nôt,Mein man tuot eu den tôt,Dem wil ich ez sagen sicherleich,Euwer red' ist gar unbilleich.»Virgilius sein nicht enliez,Silber, gold er ir gehiez,Der vrauwen sicherleiche,Er was ân' mâzen reiche.Dô er die vrauwen wol getânVon dem gewerb nicht wolte lân,Dô gie sie zuo irm wirtUnd sprach: «ain weiser man ir birt,Unde seit nicht ze alt;Achtet nû, wie ich behalt'Meine weipleiche êr',Die ich von meiner kinthait herMit züchten hân behalten;Mit êren muoz ich alten,Ob ez nû euwer wille ist.Nû râtet mir in kurzer vrist,Daz ich Virgiliô engê;Der tuot mir nôt unde wêZ'wâr umb meine minne;Nû nemt in euwer sinne,Wie ich sein kunst umbe gê,Daz mir mein êr' von im bestê.»Ir êleich man sprach ze hant:«Vrauw', dein laster und dein schantWære mir von herzen lait;Swie vol er ist der kündikait,Sô wil ich trachten, vrauwe mein,Daz er muoz geschant sein.Nû volg', vrauw', meinem râte,Sende nâch im drâte,Und glob' im, liebeu vrauwe mein,Dû wellest gar den willen seinLaisten heint bei diser nacht,Des habest dû dich vil wol bedachtDû solt im deu mæereSagen, ich sei mit swæreVon dir geriten und mit zorn,Dû habst mein huld umb sust verlorn.Sag' im, er müge nicht schierIn daz haus komen zuo dir,Ich habe dich in starker huot;Sprich: «mich dunket guot,Daz ich eu liez' ainen korp ze tal,Dar in sô sizt ir âne schal;Deu sorge euch vil gar verbirt,Wan sein nie man innen wirt;Eurn willen tuon ich sicherleich,Auf zeuch ich euch vrôleichIn den turn den ich hân,Euwern willen wil ich begân.»Sô er sicht den willen dein,Sô wil ich ân' angest sein.Swaz ir der wirt vor sprach,Deu vrauwe tet ez alleznâch:Sie sante nach Virgilium,Sie sprach: «seit ir ein degen vrum,Daz sült ir mir heint erzaigen:Ich gib' mich eu vür aigenHeinte bei diser nacht;Mein man hât sich nicht bedâcht,Wan er mich sêr geslagen hât:Dâ von sô ist daz mein rât,Daz ir heinte kumt ze mir,Des ir mich bit, daz tuon ich schierHeint bei dirre nachte zeit;Mir ist in den landen weitNicht sô laides, sô mein man;Laides ich im vil wol gan.»Dô der her VirgiliusVon der vrauwen hôrt' alsusDie rede die sie het getân,Er sprach: «sol ich heint zuo eu gân?»Sie sprach: «ich vürchte die huot,Ich râte, daz ir sô wol tuot:Lât euch in ainem korbe schierHer auf sicherleich zuo mirZiehen, daz ist recht getân.»«Vil gerne, vrauwe» sprach der man.«Wan ich ez immer dienen sol,Ir seit aller tugent vol.»Des nachtes dô ez spate wart,Virgilius gie auf die vartZuo dem selben turne hin,Er warf mit ainem stainlinIn daz venster, daz ez erhal.Dô gie deu vrauwe âne schalUnd entslôz daz venster schier,Ir êleich man gie mit ir;Sie sach her ab, und sprach alsus:«Seit ir dâ, her Virgilius?»Er sprach: «vrauwe wol getân,Den korb sült ir her abe lân.Dâ wil ich sizzen in.» —«Ir habt dar an weisen sin.»Ze hand sie den korb liez,Als sie Virgilius dâ hiez.Dâ saz schôn Virgilius in:«Ir habt dar an weisen sin.»Wan sie in auf mit sinne garIn den turn zôch z'wârWol dreier gadem hôch ;Nicht vür baz sie in auf zôch,Sie strikt' in zuo, und liez in hangen;Sein wille was nicht ergangen;Sie was ein vil reinez weip,Keusch und schœne was ir leip.Des morgens dô ez tagte,Den Rômern man ez sagte,Daz der weis' her VirgiliusWær' an ainen turn erhangen sus;Dô sprach vil manig man :«Ich glaub' sein nicht, ich seh' ez an;Wan z'wâre, sein weiser leipIst weiser, denne man oder weip ;Dâ von ez nicht ergên mak,Sein leip ist weise nacht unt tak.»Dô sagt' man in deu mære,Daz ez deu wârhait wære ;Dô giengen die Rômære darUnd nâmen seiner nôt war.Ze jungest kam ir êleich manSchôn zuo im geriten dan,Sam er wær' von dannen gewesen.Virgilius mochte kaum genesen.Wan er het swær' und ungemach.Iegleich Rœmer zuo im sprach:«Wie ist daz komen, Virgilius,Daz ir hie hanget alsus?»Virgilius sprach in stille:«Ez was z'wâr mein wille.»Dô sprach der vrauwen êleich man:«Wer brâcht euch zuo dem turne dan,Daz ir hangt an meiner maur?Ich wæn', ez sei eu worden saur.Doch ist ez mir an eu lait,Ir habet erliten smâchait.»Der wirt ze hand den weisen manLiez in von dem turne dan,Daz in daz volk allez sach.Er het grôzen ungemachUnt vil grôzen smerzenAn leibe und an herzen.Dô man Virgilium her ab geliezAls in des hauses wirt hiez,Dô begund' er sêre trachtenUnd in dem herzen achten,Wie er dem getæteDaz deu vrauwe stæteVon im laid gewünne,Und auch alz ir künneVon dem laid geschant würde,Daz was ain swæreu bürde.Dâ mit der ungeheureSchuof, daz daz veureErlasch, daz in Rôme was;Wunder was, daz icht genas,Man mochte nicht gebachen,Noch ezzen gemachen,Man mocte nicht gebreuwen;Sie beten vil der reuwen,Sie wâren nâch des hungers tôtDa von sie liten grôze nôt.Dô die RômæreLiten grôze swæreDô begunden sie trachten,Wie sie daz gemachten,Daz sie gewunnen veuwer;Daz vas nie man sô teuwer,Der ez betrachten kunde.In der selben stundeSprach ain Rômær' under in:«ich wil eu sagen meinen sin,Ich rât', daz man VirgiliusBite vleizikleich alsus,Der ist gar ain herre,Dem sagen wir, waz uns werre,Sô wirt unser ungemachVerkert» alsô der Rômêr sprach.Der rât begund' in allenVil rechte wol gevallen;Dô giengen leicht' unde vrum,Alle vür Virgilium,Und sprâchen: «herre, euwern râtSuochen wir, umb ain missetât,Sie tuot uns alsô grôze nôt,Vor hunger wellen wir ligen tôt,Wir mügen nicht gebachen,Wir mügen nicht ezzen machen,Des muezen wir verderbenUnd hie ze Rôm' ersterben:Nû wizzen wir, her, dein weistuom,Der ist uns unmâzen vrum.»Virgilius sprach: «ich wil eu sagen,Ir mügt der rede stille dagen,Wan sag' ich eu die wârhait,Daz wurd' eu âne mazen lait,Ir litet ser und ungemach.»Alsus Virgilius gen in sprach.Dô sprâchen gar mit swæreDie weisen Rômære:«Herre, sein ist nicht ze vil,Swaz dü, vreunt und herre, wil,Daz tuon wir gern mit sinnen,Daz wir veur gewinnen,E wir alsus verderbenUnt hie ze Rôme sterben:Der hunger machet uns blint.Uns stirbet weib unde kint.»Er sprach: «ist eu der hunger lait,Sô sweret mir des ainen ait,Daz ich euch haize tuon in zeit,Daz ir da wider nimmer seit,Und daz ich euwer huldeHab' umb die selben schulde,Wan ich durch euwern willenWil hie daz veuwer vinden.»Dô wurden sie ze râte,Daz sie vruo und spâteIm nimmer wolten wider sein.Sie sprâchen: «wir wellen den willen deinTuon vil gar, nâch deinem rât;Ob sich under uns ie man hâtVersaumt gegen dir, daz lâz dû varn,Wir wellen uns gen dir vür baz bewarn.Er sprach: «daz swert mir hie ze stet»Alsus Virgilius gen in ret;Des swuoren sie im mit laideIegleicher zwên' aide. —«Mit hulden ich ez sprechen sol,Euch bewart nie man sô wol,Der euch von laide schaide,Daz sag' ich eu bei mainem aide,Sô deu vrauwe sicherleich,Deu dâ ist in dem turne reich.Dâ ich mit nœten an hienk.»Vil maniger nâch der vrauwen gienk,Die ir mâge wâren,Die sach man nâch ir vâren.Ir man mit vlêge und mit bet'.Doch er ez ungerne tet,Wan er muost' in des günnen,Er und al sein künne,Daz sie zuo her Virgilio gie.Virgilius sie schôn enpfie;Er sprach: vrauwe wol getân,Welt ir daz land nicht lân zergânUnd die leut' dar inne,Sô volget meinem sinneUnt tuot nâch meinem râte.So gewint ir veuwer drâte,Oder ir muezt verderbenUnd mit samt in sterben.»Sie sprach: lieber herre mein,Möcht' ez in euwern hulden sein,Sô bæte ich euch vil gern,Ob ir mich woltet gewern,Sô liezt ez sein ain ander spil:Ich hân doch von eu laides vil.Er sprach: vrauw', des mag nicht gesein,Ez muest ê trukken sein der Rein,Ob ich ez liez' an disem tak:An' euch, ez nie man geschaffen mak.»Deu vrauwe sprach: lât mich sehen,Swaz mir hie sülle geschehen.»Dâ mit Virgilius sprach,Dô er sie schône vor im sach:«Vrauwe, seht ir disen stain,Dar auf sült ir sten al ain,Daz gewant sült ir ab ziehen,Ab dem stain sült ir nicht vliehen,Ir sült nicht haben, wan ain hemdeAnder klaider sint eu vremde,Und sült ir daz after muoder z'wârHinden auf heben gar,Und an allen vieren stân:Ze hand sô sol weib und manZünden vor dem hinder tail.Swer dan gewinnet daz unhail,Der zuo dem andern zünden wil.Sô wirt in baiden nicht ze vil,Wan sie erleschent baid' daz liecht;Daz man ez nimmer brinnen sicht;Wellen sie aber veuwer hânSô muezen sie hin wider gânUnd muezen wider zünden,So beginnet der after lünden.»Dô sprach deu vrauwe wol getân:«Ê wolt' ich den leib lân,E ich hete solhe schant,Ich wolt' ê raumen alleu lant.»Dô sprach Virgilius der man:«Alsô mag ez nicht ergan,Im muoz anders geschehen:Weln sie vröud' und wunne sehen,Sie muezen euch dar zuo twingen,Sô mag in wol gelingen.»Dô daz erhôrten ir mâge,Dô heten sie manige vrâge;Auch sach ez ze hand ir man,Daz ez nicht anders mocht' ergân;Dô griffen sie an mit vleg' mit bet.Deu vrauwe ez ungerne tet,Wan sie schamt' sich sêre,Ir laides des ward mêre;Sie jach: «ich láz' mich tœten ê,Ê ez alsô an mir ergê.»Dô nicht half weder drô, noch bet',Nû hœret, wie ir wirt tet:Er wolt' des nicht erwinden,Er hiez die vrauwen binden,Daz gewand hiez er ir ab ziehen,Des mocht' sie nicht enpfliehen,Er stalt' sie nider auf den stain,Ir scham was da nicht klain:Dâ muost' deu vrauwe mit schalDaz veuwer geben über al,Wan sie muost' auf dem staine stân,Des wolte man sie nicht erlân;Der aine truog ain kerzen dar,Der ander unslit z' wâr,Der dritte truok ainen schaup,Der vierde ainen boschen laup,Der vünfte truog ain buechein her,Der sechste ainen brand swær'.Alsô zunten sie alle samt:Daz was der vrauwen ain bitter amt;Alsô muost' sie ez leidenUnd mocht' ez nicht vermeiden,Sie muost' die scham und die nôtLeiden, sie was nâhen tôt.Dâ mit Virgilius drâtVuor von Rôm, und baut' ain stat,Als sie heute ist bekant,Die ward Napels genant,Mit listen er ez ane vie.Daz ez nâch seinem willen gie,Rechte als er woldeUnd als er mit listen solde,Wan ez ze recht alsô ergienk;Die stat er an dreu eijer hienk,Daz ez von im noch hât die kraftUnt von seiner meisterschaft,Swer sie zerbraech, deu stat versünke,Daz volk vil gar ertrünke.Daz bewart man in der stat wol.Swer gegen dem eije greifen sol,Sô zittert deu stat über alUnd die heuser âne zal.Dar nâch Virgilius der herVant dennoch liste mêr,Er macht' ain bilde êrein,Daz bilde muost' von gold sein,An dem bilde was gegrabenMit guldeinen buoch staben:«Dâ ich hin zaig', daz ist ain hort;Swer in begreift, daz ist ain ortSeiner armuot ab bekomen.»Dô daz die leute heten vernomen,Dô kamen der leut' ain michel tail,Iegleicher versuocht' sein hail,Ob im der hord würde,Daz im der sorgen bürdeMuest' dâ von geringet seinUnd ganzeu vröude werden schein.Die ain band het daz bildeGeleit auf den bauch wilde;Der ander arm stuond gerakt,Des maniger dikke lacht',Daz bilde dâ zaigen beganMit seiner hand wol getânAn ainen berg, der gegen im lak;Alsô zaigt' ez nacht unt tak;Mit dem vinger vür sich hin:Dâ suochte maniger den gewinUnd gruoben den berg umbe,Der weise und der tumbe.Sein vinger im gerekket wasGegen dem berg, als ich ez las;Der ander vinger zaigen beganGegen dem bauch den hort an.Des verstuont sich nie man dâ:Sie vuoren nâch dem vinger sâ,Der dâ stuond nâch dem berk,Dar inne so worchten sie manig werk,Wan sie wânden, daz sie dortVünden in dem berg den hort:Den hort dâ nie man gesach,Aines tages ain trunken man sprach:Wie lang sol uns daz bildeEffen an dem wilde?Ich wil die leut' an im rechenUn wil ez genzleich zerbrechen.»Seinen kolben er bei dem orte vie,Vil trunken er gegen im gie,Und sluog ez dâ an seinen nak,Daz ez auf der erden lak,Seinen hals und seinen nak,Dannoch schain nicht der tak,Wan ez bei der nacht was:Daz golt viel nider auf daz gras.Dar an sol man gesehen wol,Wer grôzez guot haben sol,Dem muoz ez werden beschaffen,Ez sein laijen oder pfaffen;Als dem trunken manne geschach,Der daz bilde dâ zerbrach, —Diz bild' sol nie man effent sein —Der west' nicht, daz daz guot was sein,Unz er daz golt truok von dan:Dâ ward er ain reicher man,Im wart beschert grôzez guot.Owê, wie sanft ez manigem tuot,Daz er gewinnet sæld' und hail.Owê, wurd' uns des auch ain tail!Des helf' uns Got von himel reich,Z'wâr, sô würden wir vröuden reich.
Ain man ze Rôme saz alsus,Der was genant Virgilius,Der was ze Rôme alsô kluok,Daz er zaubers vant genuok,Als ich eu wil beschaiden,Er was ain rechter haiden,An rechtem glauben was er blint,Er was gar der helle kint,Ich wil eu sagen, wie er gewan,Virgilius der helbe man,Daz er kunde zaubers vil,Vor nieman ich daz heln wil,Ich sage eu ze rechteVon dem selben knechte,Wie er dâ daz zauber vant.Daz ist mir von im bekant:In ainem wein garten haut'erVil gar nâch seines herzen ger,Vil vast er in die erde slouk,Daz ez deu hauwe kaum vertrouk;Sô grôz sein hauwen, sein slag was,Daz er kam auf ain glas,Daz was teuvel alsô vol,Daz ich sein nicht sagen sol;Daz glas er auz der erde nam:«Vil wurme ich in dem glase hân,»Sprach der selb' Virgilius«Ich wil ez hie behalten sus,Des hân ich vrum und êre,Swa ich in dem land' hin kêre.»Dô sprach der teuvel auz dern glas,Der dar in verslozzen was:«Virgilius, lâz uns varn,Wir wellen dich immer bewarnVor aller hande laide:Lâz uns vam auf die haide,Wir wellen dich kunst lêren vil,Daz dû hâst vröude unde spilImmer unz an deinen tôt,In disem glas ist grôzeu nôt,Zwên und sibenzig ist unser schar,Wir sagen dir sicherleich vür wâr.»Dô sprach Virgilius der man:«ich mag mich nicht an euch gelân.Lêrt ir mich granze lêre,Sô swer ich eu des sêre,Daz ich daz glas zerbrechen wil;Lêrt ir mich kunst alsô vil,Daz ich sein vrum gewinnen mak,Ich swer eu noch an disem tak,Daz diz glas von meiner hantZerbresten muoz sâ ze hant.»Ze hant die teuvel alleLêrten in mit schalleDie zauber list ân' ârbait,Als sie noch in der KristenhaitAllenthalben umbe gât,Wer zaubern kan, ân' missetât.Dô er die kunst von in enpfie,Ze ainem staine er dô gie,Er brach daz glas, und lie sie varn,Die teuvel alle mit irn scharn.Ze hant gedâcht' Virgilius:«Ich mouz ir kunst versuochen sus,Seit die teuvel sint von hinnen,Nu getrauw' ich wol gewinnen,Baideu, êre unde guot,Wie wol daz meinem herzen tuot,Daz ich vrum und êreGewinn' ân, herzen sêre!»Virgilius der selbe manBegunde nû ze Rôme gânUnt versuocht' sain maisterschaft,Ob ez waer' wâr der teuvel kraft.Er macht' ze Rôm' ain stainein wei,Von künste deu het ainen leip,Swann' ain schalk, ain bœser manWolte ze ainem weibe gân,Daz er gie ze dem staine,Der bœse, der unraine,Daz im was bei des staines leip,Recht als ob er wær' ain weip.Nicht vür baz ich eu sagen sol,Mein mainung' wizt ir alle wol.Des zaubers traib er genuok,Er was ain man unmâzen kluok,Ich mag ez nicht gar gesagen,Der wârhait muoz ich vil verdagen,Wan ainez waiz ich vür wâr,Daz sag' ich eu offenbâr,Daz er umb ainer vrauwen minWarb, deu was ain burgærinUnd was ze Rôm' in der statGesezzen, wan er sie dikke bat,Daz sie seinen willen tæte:Doch was deu vrauwe stæte,Daz sic in nicht wolte gewern,Des er an sie mochte gern.Doch liez er nicht sein werben,Er jach, er muest'ê sterben,«E daz ich von eu lâze;Eur minne kumt mir ze mâze.»Sie sprach: «euer unsin eu lait gebirt,Wan ich sag' ez meinem Wirt;Und wært ir schœner dann' Absolôn,Mein minne ist eu versaget schôn;Ich wil eu sein gar ze rain;Ez muesten bresten alle stain'E ich eu wærleich wolt' gewern,Des ir welt an mich begern.Gêt hin, lât mich âne nôt,Mein man tuot eu den tôt,Dem wil ich ez sagen sicherleich,Euwer red' ist gar unbilleich.»Virgilius sein nicht enliez,Silber, gold er ir gehiez,Der vrauwen sicherleiche,Er was ân' mâzen reiche.Dô er die vrauwen wol getânVon dem gewerb nicht wolte lân,Dô gie sie zuo irm wirtUnd sprach: «ain weiser man ir birt,Unde seit nicht ze alt;Achtet nû, wie ich behalt'Meine weipleiche êr',Die ich von meiner kinthait herMit züchten hân behalten;Mit êren muoz ich alten,Ob ez nû euwer wille ist.Nû râtet mir in kurzer vrist,Daz ich Virgiliô engê;Der tuot mir nôt unde wêZ'wâr umb meine minne;Nû nemt in euwer sinne,Wie ich sein kunst umbe gê,Daz mir mein êr' von im bestê.»Ir êleich man sprach ze hant:«Vrauw', dein laster und dein schantWære mir von herzen lait;Swie vol er ist der kündikait,Sô wil ich trachten, vrauwe mein,Daz er muoz geschant sein.Nû volg', vrauw', meinem râte,Sende nâch im drâte,Und glob' im, liebeu vrauwe mein,Dû wellest gar den willen seinLaisten heint bei diser nacht,Des habest dû dich vil wol bedachtDû solt im deu mæereSagen, ich sei mit swæreVon dir geriten und mit zorn,Dû habst mein huld umb sust verlorn.Sag' im, er müge nicht schierIn daz haus komen zuo dir,Ich habe dich in starker huot;Sprich: «mich dunket guot,Daz ich eu liez' ainen korp ze tal,Dar in sô sizt ir âne schal;Deu sorge euch vil gar verbirt,Wan sein nie man innen wirt;Eurn willen tuon ich sicherleich,Auf zeuch ich euch vrôleichIn den turn den ich hân,Euwern willen wil ich begân.»Sô er sicht den willen dein,Sô wil ich ân' angest sein.Swaz ir der wirt vor sprach,Deu vrauwe tet ez alleznâch:Sie sante nach Virgilium,Sie sprach: «seit ir ein degen vrum,Daz sült ir mir heint erzaigen:Ich gib' mich eu vür aigenHeinte bei diser nacht;Mein man hât sich nicht bedâcht,Wan er mich sêr geslagen hât:Dâ von sô ist daz mein rât,Daz ir heinte kumt ze mir,Des ir mich bit, daz tuon ich schierHeint bei dirre nachte zeit;Mir ist in den landen weitNicht sô laides, sô mein man;Laides ich im vil wol gan.»Dô der her VirgiliusVon der vrauwen hôrt' alsusDie rede die sie het getân,Er sprach: «sol ich heint zuo eu gân?»Sie sprach: «ich vürchte die huot,Ich râte, daz ir sô wol tuot:Lât euch in ainem korbe schierHer auf sicherleich zuo mirZiehen, daz ist recht getân.»«Vil gerne, vrauwe» sprach der man.«Wan ich ez immer dienen sol,Ir seit aller tugent vol.»Des nachtes dô ez spate wart,Virgilius gie auf die vartZuo dem selben turne hin,Er warf mit ainem stainlinIn daz venster, daz ez erhal.Dô gie deu vrauwe âne schalUnd entslôz daz venster schier,Ir êleich man gie mit ir;Sie sach her ab, und sprach alsus:«Seit ir dâ, her Virgilius?»Er sprach: «vrauwe wol getân,Den korb sült ir her abe lân.Dâ wil ich sizzen in.» —«Ir habt dar an weisen sin.»Ze hand sie den korb liez,Als sie Virgilius dâ hiez.Dâ saz schôn Virgilius in:«Ir habt dar an weisen sin.»Wan sie in auf mit sinne garIn den turn zôch z'wârWol dreier gadem hôch ;Nicht vür baz sie in auf zôch,Sie strikt' in zuo, und liez in hangen;Sein wille was nicht ergangen;Sie was ein vil reinez weip,Keusch und schœne was ir leip.Des morgens dô ez tagte,Den Rômern man ez sagte,Daz der weis' her VirgiliusWær' an ainen turn erhangen sus;Dô sprach vil manig man :«Ich glaub' sein nicht, ich seh' ez an;Wan z'wâre, sein weiser leipIst weiser, denne man oder weip ;Dâ von ez nicht ergên mak,Sein leip ist weise nacht unt tak.»Dô sagt' man in deu mære,Daz ez deu wârhait wære ;Dô giengen die Rômære darUnd nâmen seiner nôt war.Ze jungest kam ir êleich manSchôn zuo im geriten dan,Sam er wær' von dannen gewesen.Virgilius mochte kaum genesen.Wan er het swær' und ungemach.Iegleich Rœmer zuo im sprach:«Wie ist daz komen, Virgilius,Daz ir hie hanget alsus?»Virgilius sprach in stille:«Ez was z'wâr mein wille.»Dô sprach der vrauwen êleich man:«Wer brâcht euch zuo dem turne dan,Daz ir hangt an meiner maur?Ich wæn', ez sei eu worden saur.Doch ist ez mir an eu lait,Ir habet erliten smâchait.»Der wirt ze hand den weisen manLiez in von dem turne dan,Daz in daz volk allez sach.Er het grôzen ungemachUnt vil grôzen smerzenAn leibe und an herzen.Dô man Virgilium her ab geliezAls in des hauses wirt hiez,Dô begund' er sêre trachtenUnd in dem herzen achten,Wie er dem getæteDaz deu vrauwe stæteVon im laid gewünne,Und auch alz ir künneVon dem laid geschant würde,Daz was ain swæreu bürde.Dâ mit der ungeheureSchuof, daz daz veureErlasch, daz in Rôme was;Wunder was, daz icht genas,Man mochte nicht gebachen,Noch ezzen gemachen,Man mocte nicht gebreuwen;Sie beten vil der reuwen,Sie wâren nâch des hungers tôtDa von sie liten grôze nôt.Dô die RômæreLiten grôze swæreDô begunden sie trachten,Wie sie daz gemachten,Daz sie gewunnen veuwer;Daz vas nie man sô teuwer,Der ez betrachten kunde.In der selben stundeSprach ain Rômær' under in:«ich wil eu sagen meinen sin,Ich rât', daz man VirgiliusBite vleizikleich alsus,Der ist gar ain herre,Dem sagen wir, waz uns werre,Sô wirt unser ungemachVerkert» alsô der Rômêr sprach.Der rât begund' in allenVil rechte wol gevallen;Dô giengen leicht' unde vrum,Alle vür Virgilium,Und sprâchen: «herre, euwern râtSuochen wir, umb ain missetât,Sie tuot uns alsô grôze nôt,Vor hunger wellen wir ligen tôt,Wir mügen nicht gebachen,Wir mügen nicht ezzen machen,Des muezen wir verderbenUnd hie ze Rôm' ersterben:Nû wizzen wir, her, dein weistuom,Der ist uns unmâzen vrum.»Virgilius sprach: «ich wil eu sagen,Ir mügt der rede stille dagen,Wan sag' ich eu die wârhait,Daz wurd' eu âne mazen lait,Ir litet ser und ungemach.»Alsus Virgilius gen in sprach.Dô sprâchen gar mit swæreDie weisen Rômære:«Herre, sein ist nicht ze vil,Swaz dü, vreunt und herre, wil,Daz tuon wir gern mit sinnen,Daz wir veur gewinnen,E wir alsus verderbenUnt hie ze Rôme sterben:Der hunger machet uns blint.Uns stirbet weib unde kint.»Er sprach: «ist eu der hunger lait,Sô sweret mir des ainen ait,Daz ich euch haize tuon in zeit,Daz ir da wider nimmer seit,Und daz ich euwer huldeHab' umb die selben schulde,Wan ich durch euwern willenWil hie daz veuwer vinden.»Dô wurden sie ze râte,Daz sie vruo und spâteIm nimmer wolten wider sein.Sie sprâchen: «wir wellen den willen deinTuon vil gar, nâch deinem rât;Ob sich under uns ie man hâtVersaumt gegen dir, daz lâz dû varn,Wir wellen uns gen dir vür baz bewarn.Er sprach: «daz swert mir hie ze stet»Alsus Virgilius gen in ret;Des swuoren sie im mit laideIegleicher zwên' aide. —«Mit hulden ich ez sprechen sol,Euch bewart nie man sô wol,Der euch von laide schaide,Daz sag' ich eu bei mainem aide,Sô deu vrauwe sicherleich,Deu dâ ist in dem turne reich.Dâ ich mit nœten an hienk.»Vil maniger nâch der vrauwen gienk,Die ir mâge wâren,Die sach man nâch ir vâren.Ir man mit vlêge und mit bet'.Doch er ez ungerne tet,Wan er muost' in des günnen,Er und al sein künne,Daz sie zuo her Virgilio gie.Virgilius sie schôn enpfie;Er sprach: vrauwe wol getân,Welt ir daz land nicht lân zergânUnd die leut' dar inne,Sô volget meinem sinneUnt tuot nâch meinem râte.So gewint ir veuwer drâte,Oder ir muezt verderbenUnd mit samt in sterben.»Sie sprach: lieber herre mein,Möcht' ez in euwern hulden sein,Sô bæte ich euch vil gern,Ob ir mich woltet gewern,Sô liezt ez sein ain ander spil:Ich hân doch von eu laides vil.Er sprach: vrauw', des mag nicht gesein,Ez muest ê trukken sein der Rein,Ob ich ez liez' an disem tak:An' euch, ez nie man geschaffen mak.»Deu vrauwe sprach: lât mich sehen,Swaz mir hie sülle geschehen.»Dâ mit Virgilius sprach,Dô er sie schône vor im sach:«Vrauwe, seht ir disen stain,Dar auf sült ir sten al ain,Daz gewant sült ir ab ziehen,Ab dem stain sült ir nicht vliehen,Ir sült nicht haben, wan ain hemdeAnder klaider sint eu vremde,Und sült ir daz after muoder z'wârHinden auf heben gar,Und an allen vieren stân:Ze hand sô sol weib und manZünden vor dem hinder tail.Swer dan gewinnet daz unhail,Der zuo dem andern zünden wil.Sô wirt in baiden nicht ze vil,Wan sie erleschent baid' daz liecht;Daz man ez nimmer brinnen sicht;Wellen sie aber veuwer hânSô muezen sie hin wider gânUnd muezen wider zünden,So beginnet der after lünden.»Dô sprach deu vrauwe wol getân:«Ê wolt' ich den leib lân,E ich hete solhe schant,Ich wolt' ê raumen alleu lant.»Dô sprach Virgilius der man:«Alsô mag ez nicht ergan,Im muoz anders geschehen:Weln sie vröud' und wunne sehen,Sie muezen euch dar zuo twingen,Sô mag in wol gelingen.»Dô daz erhôrten ir mâge,Dô heten sie manige vrâge;Auch sach ez ze hand ir man,Daz ez nicht anders mocht' ergân;Dô griffen sie an mit vleg' mit bet.Deu vrauwe ez ungerne tet,Wan sie schamt' sich sêre,Ir laides des ward mêre;Sie jach: «ich láz' mich tœten ê,Ê ez alsô an mir ergê.»Dô nicht half weder drô, noch bet',Nû hœret, wie ir wirt tet:Er wolt' des nicht erwinden,Er hiez die vrauwen binden,Daz gewand hiez er ir ab ziehen,Des mocht' sie nicht enpfliehen,Er stalt' sie nider auf den stain,Ir scham was da nicht klain:Dâ muost' deu vrauwe mit schalDaz veuwer geben über al,Wan sie muost' auf dem staine stân,Des wolte man sie nicht erlân;Der aine truog ain kerzen dar,Der ander unslit z' wâr,Der dritte truok ainen schaup,Der vierde ainen boschen laup,Der vünfte truog ain buechein her,Der sechste ainen brand swær'.Alsô zunten sie alle samt:Daz was der vrauwen ain bitter amt;Alsô muost' sie ez leidenUnd mocht' ez nicht vermeiden,Sie muost' die scham und die nôtLeiden, sie was nâhen tôt.Dâ mit Virgilius drâtVuor von Rôm, und baut' ain stat,Als sie heute ist bekant,Die ward Napels genant,Mit listen er ez ane vie.Daz ez nâch seinem willen gie,Rechte als er woldeUnd als er mit listen solde,Wan ez ze recht alsô ergienk;Die stat er an dreu eijer hienk,Daz ez von im noch hât die kraftUnt von seiner meisterschaft,Swer sie zerbraech, deu stat versünke,Daz volk vil gar ertrünke.Daz bewart man in der stat wol.Swer gegen dem eije greifen sol,Sô zittert deu stat über alUnd die heuser âne zal.Dar nâch Virgilius der herVant dennoch liste mêr,Er macht' ain bilde êrein,Daz bilde muost' von gold sein,An dem bilde was gegrabenMit guldeinen buoch staben:«Dâ ich hin zaig', daz ist ain hort;Swer in begreift, daz ist ain ortSeiner armuot ab bekomen.»Dô daz die leute heten vernomen,Dô kamen der leut' ain michel tail,Iegleicher versuocht' sein hail,Ob im der hord würde,Daz im der sorgen bürdeMuest' dâ von geringet seinUnd ganzeu vröude werden schein.Die ain band het daz bildeGeleit auf den bauch wilde;Der ander arm stuond gerakt,Des maniger dikke lacht',Daz bilde dâ zaigen beganMit seiner hand wol getânAn ainen berg, der gegen im lak;Alsô zaigt' ez nacht unt tak;Mit dem vinger vür sich hin:Dâ suochte maniger den gewinUnd gruoben den berg umbe,Der weise und der tumbe.Sein vinger im gerekket wasGegen dem berg, als ich ez las;Der ander vinger zaigen beganGegen dem bauch den hort an.Des verstuont sich nie man dâ:Sie vuoren nâch dem vinger sâ,Der dâ stuond nâch dem berk,Dar inne so worchten sie manig werk,Wan sie wânden, daz sie dortVünden in dem berg den hort:Den hort dâ nie man gesach,Aines tages ain trunken man sprach:Wie lang sol uns daz bildeEffen an dem wilde?Ich wil die leut' an im rechenUn wil ez genzleich zerbrechen.»Seinen kolben er bei dem orte vie,Vil trunken er gegen im gie,Und sluog ez dâ an seinen nak,Daz ez auf der erden lak,Seinen hals und seinen nak,Dannoch schain nicht der tak,Wan ez bei der nacht was:Daz golt viel nider auf daz gras.Dar an sol man gesehen wol,Wer grôzez guot haben sol,Dem muoz ez werden beschaffen,Ez sein laijen oder pfaffen;Als dem trunken manne geschach,Der daz bilde dâ zerbrach, —Diz bild' sol nie man effent sein —Der west' nicht, daz daz guot was sein,Unz er daz golt truok von dan:Dâ ward er ain reicher man,Im wart beschert grôzez guot.Owê, wie sanft ez manigem tuot,Daz er gewinnet sæld' und hail.Owê, wurd' uns des auch ain tail!Des helf' uns Got von himel reich,Z'wâr, sô würden wir vröuden reich.
Ain man ze Rôme saz alsus,
Der was genant Virgilius,
Der was ze Rôme alsô kluok,
Daz er zaubers vant genuok,
Als ich eu wil beschaiden,
Er was ain rechter haiden,
An rechtem glauben was er blint,
Er was gar der helle kint,
Ich wil eu sagen, wie er gewan,
Virgilius der helbe man,
Daz er kunde zaubers vil,
Vor nieman ich daz heln wil,
Ich sage eu ze rechte
Von dem selben knechte,
Wie er dâ daz zauber vant.
Daz ist mir von im bekant:
In ainem wein garten haut'er
Vil gar nâch seines herzen ger,
Vil vast er in die erde slouk,
Daz ez deu hauwe kaum vertrouk;
Sô grôz sein hauwen, sein slag was,
Daz er kam auf ain glas,
Daz was teuvel alsô vol,
Daz ich sein nicht sagen sol;
Daz glas er auz der erde nam:
«Vil wurme ich in dem glase hân,»
Sprach der selb' Virgilius
«Ich wil ez hie behalten sus,
Des hân ich vrum und êre,
Swa ich in dem land' hin kêre.»
Dô sprach der teuvel auz dern glas,
Der dar in verslozzen was:
«Virgilius, lâz uns varn,
Wir wellen dich immer bewarn
Vor aller hande laide:
Lâz uns vam auf die haide,
Wir wellen dich kunst lêren vil,
Daz dû hâst vröude unde spil
Immer unz an deinen tôt,
In disem glas ist grôzeu nôt,
Zwên und sibenzig ist unser schar,
Wir sagen dir sicherleich vür wâr.»
Dô sprach Virgilius der man:
«ich mag mich nicht an euch gelân.
Lêrt ir mich granze lêre,
Sô swer ich eu des sêre,
Daz ich daz glas zerbrechen wil;
Lêrt ir mich kunst alsô vil,
Daz ich sein vrum gewinnen mak,
Ich swer eu noch an disem tak,
Daz diz glas von meiner hant
Zerbresten muoz sâ ze hant.»
Ze hant die teuvel alle
Lêrten in mit schalle
Die zauber list ân' ârbait,
Als sie noch in der Kristenhait
Allenthalben umbe gât,
Wer zaubern kan, ân' missetât.
Dô er die kunst von in enpfie,
Ze ainem staine er dô gie,
Er brach daz glas, und lie sie varn,
Die teuvel alle mit irn scharn.
Ze hant gedâcht' Virgilius:
«Ich mouz ir kunst versuochen sus,
Seit die teuvel sint von hinnen,
Nu getrauw' ich wol gewinnen,
Baideu, êre unde guot,
Wie wol daz meinem herzen tuot,
Daz ich vrum und êre
Gewinn' ân, herzen sêre!»
Virgilius der selbe man
Begunde nû ze Rôme gân
Unt versuocht' sain maisterschaft,
Ob ez waer' wâr der teuvel kraft.
Er macht' ze Rôm' ain stainein wei,
Von künste deu het ainen leip,
Swann' ain schalk, ain bœser man
Wolte ze ainem weibe gân,
Daz er gie ze dem staine,
Der bœse, der unraine,
Daz im was bei des staines leip,
Recht als ob er wær' ain weip.
Nicht vür baz ich eu sagen sol,
Mein mainung' wizt ir alle wol.
Des zaubers traib er genuok,
Er was ain man unmâzen kluok,
Ich mag ez nicht gar gesagen,
Der wârhait muoz ich vil verdagen,
Wan ainez waiz ich vür wâr,
Daz sag' ich eu offenbâr,
Daz er umb ainer vrauwen min
Warb, deu was ain burgærin
Und was ze Rôm' in der stat
Gesezzen, wan er sie dikke bat,
Daz sie seinen willen tæte:
Doch was deu vrauwe stæte,
Daz sic in nicht wolte gewern,
Des er an sie mochte gern.
Doch liez er nicht sein werben,
Er jach, er muest'ê sterben,
«E daz ich von eu lâze;
Eur minne kumt mir ze mâze.»
Sie sprach: «euer unsin eu lait gebirt,
Wan ich sag' ez meinem Wirt;
Und wært ir schœner dann' Absolôn,
Mein minne ist eu versaget schôn;
Ich wil eu sein gar ze rain;
Ez muesten bresten alle stain'
E ich eu wærleich wolt' gewern,
Des ir welt an mich begern.
Gêt hin, lât mich âne nôt,
Mein man tuot eu den tôt,
Dem wil ich ez sagen sicherleich,
Euwer red' ist gar unbilleich.»
Virgilius sein nicht enliez,
Silber, gold er ir gehiez,
Der vrauwen sicherleiche,
Er was ân' mâzen reiche.
Dô er die vrauwen wol getân
Von dem gewerb nicht wolte lân,
Dô gie sie zuo irm wirt
Und sprach: «ain weiser man ir birt,
Unde seit nicht ze alt;
Achtet nû, wie ich behalt'
Meine weipleiche êr',
Die ich von meiner kinthait her
Mit züchten hân behalten;
Mit êren muoz ich alten,
Ob ez nû euwer wille ist.
Nû râtet mir in kurzer vrist,
Daz ich Virgiliô engê;
Der tuot mir nôt unde wê
Z'wâr umb meine minne;
Nû nemt in euwer sinne,
Wie ich sein kunst umbe gê,
Daz mir mein êr' von im bestê.»
Ir êleich man sprach ze hant:
«Vrauw', dein laster und dein schant
Wære mir von herzen lait;
Swie vol er ist der kündikait,
Sô wil ich trachten, vrauwe mein,
Daz er muoz geschant sein.
Nû volg', vrauw', meinem râte,
Sende nâch im drâte,
Und glob' im, liebeu vrauwe mein,
Dû wellest gar den willen sein
Laisten heint bei diser nacht,
Des habest dû dich vil wol bedacht
Dû solt im deu mæere
Sagen, ich sei mit swære
Von dir geriten und mit zorn,
Dû habst mein huld umb sust verlorn.
Sag' im, er müge nicht schier
In daz haus komen zuo dir,
Ich habe dich in starker huot;
Sprich: «mich dunket guot,
Daz ich eu liez' ainen korp ze tal,
Dar in sô sizt ir âne schal;
Deu sorge euch vil gar verbirt,
Wan sein nie man innen wirt;
Eurn willen tuon ich sicherleich,
Auf zeuch ich euch vrôleich
In den turn den ich hân,
Euwern willen wil ich begân.»
Sô er sicht den willen dein,
Sô wil ich ân' angest sein.
Swaz ir der wirt vor sprach,
Deu vrauwe tet ez alleznâch:
Sie sante nach Virgilium,
Sie sprach: «seit ir ein degen vrum,
Daz sült ir mir heint erzaigen:
Ich gib' mich eu vür aigen
Heinte bei diser nacht;
Mein man hât sich nicht bedâcht,
Wan er mich sêr geslagen hât:
Dâ von sô ist daz mein rât,
Daz ir heinte kumt ze mir,
Des ir mich bit, daz tuon ich schier
Heint bei dirre nachte zeit;
Mir ist in den landen weit
Nicht sô laides, sô mein man;
Laides ich im vil wol gan.»
Dô der her Virgilius
Von der vrauwen hôrt' alsus
Die rede die sie het getân,
Er sprach: «sol ich heint zuo eu gân?»
Sie sprach: «ich vürchte die huot,
Ich râte, daz ir sô wol tuot:
Lât euch in ainem korbe schier
Her auf sicherleich zuo mir
Ziehen, daz ist recht getân.»
«Vil gerne, vrauwe» sprach der man.
«Wan ich ez immer dienen sol,
Ir seit aller tugent vol.»
Des nachtes dô ez spate wart,
Virgilius gie auf die vart
Zuo dem selben turne hin,
Er warf mit ainem stainlin
In daz venster, daz ez erhal.
Dô gie deu vrauwe âne schal
Und entslôz daz venster schier,
Ir êleich man gie mit ir;
Sie sach her ab, und sprach alsus:
«Seit ir dâ, her Virgilius?»
Er sprach: «vrauwe wol getân,
Den korb sült ir her abe lân.
Dâ wil ich sizzen in.» —
«Ir habt dar an weisen sin.»
Ze hand sie den korb liez,
Als sie Virgilius dâ hiez.
Dâ saz schôn Virgilius in:
«Ir habt dar an weisen sin.»
Wan sie in auf mit sinne gar
In den turn zôch z'wâr
Wol dreier gadem hôch ;
Nicht vür baz sie in auf zôch,
Sie strikt' in zuo, und liez in hangen;
Sein wille was nicht ergangen;
Sie was ein vil reinez weip,
Keusch und schœne was ir leip.
Des morgens dô ez tagte,
Den Rômern man ez sagte,
Daz der weis' her Virgilius
Wær' an ainen turn erhangen sus;
Dô sprach vil manig man :
«Ich glaub' sein nicht, ich seh' ez an;
Wan z'wâre, sein weiser leip
Ist weiser, denne man oder weip ;
Dâ von ez nicht ergên mak,
Sein leip ist weise nacht unt tak.»
Dô sagt' man in deu mære,
Daz ez deu wârhait wære ;
Dô giengen die Rômære dar
Und nâmen seiner nôt war.
Ze jungest kam ir êleich man
Schôn zuo im geriten dan,
Sam er wær' von dannen gewesen.
Virgilius mochte kaum genesen.
Wan er het swær' und ungemach.
Iegleich Rœmer zuo im sprach:
«Wie ist daz komen, Virgilius,
Daz ir hie hanget alsus?»
Virgilius sprach in stille:
«Ez was z'wâr mein wille.»
Dô sprach der vrauwen êleich man:
«Wer brâcht euch zuo dem turne dan,
Daz ir hangt an meiner maur?
Ich wæn', ez sei eu worden saur.
Doch ist ez mir an eu lait,
Ir habet erliten smâchait.»
Der wirt ze hand den weisen man
Liez in von dem turne dan,
Daz in daz volk allez sach.
Er het grôzen ungemach
Unt vil grôzen smerzen
An leibe und an herzen.
Dô man Virgilium her ab geliez
Als in des hauses wirt hiez,
Dô begund' er sêre trachten
Und in dem herzen achten,
Wie er dem getæte
Daz deu vrauwe stæte
Von im laid gewünne,
Und auch alz ir künne
Von dem laid geschant würde,
Daz was ain swæreu bürde.
Dâ mit der ungeheure
Schuof, daz daz veure
Erlasch, daz in Rôme was;
Wunder was, daz icht genas,
Man mochte nicht gebachen,
Noch ezzen gemachen,
Man mocte nicht gebreuwen;
Sie beten vil der reuwen,
Sie wâren nâch des hungers tôt
Da von sie liten grôze nôt.
Dô die Rômære
Liten grôze swære
Dô begunden sie trachten,
Wie sie daz gemachten,
Daz sie gewunnen veuwer;
Daz vas nie man sô teuwer,
Der ez betrachten kunde.
In der selben stunde
Sprach ain Rômær' under in:
«ich wil eu sagen meinen sin,
Ich rât', daz man Virgilius
Bite vleizikleich alsus,
Der ist gar ain herre,
Dem sagen wir, waz uns werre,
Sô wirt unser ungemach
Verkert» alsô der Rômêr sprach.
Der rât begund' in allen
Vil rechte wol gevallen;
Dô giengen leicht' unde vrum,
Alle vür Virgilium,
Und sprâchen: «herre, euwern rât
Suochen wir, umb ain missetât,
Sie tuot uns alsô grôze nôt,
Vor hunger wellen wir ligen tôt,
Wir mügen nicht gebachen,
Wir mügen nicht ezzen machen,
Des muezen wir verderben
Und hie ze Rôm' ersterben:
Nû wizzen wir, her, dein weistuom,
Der ist uns unmâzen vrum.»
Virgilius sprach: «ich wil eu sagen,
Ir mügt der rede stille dagen,
Wan sag' ich eu die wârhait,
Daz wurd' eu âne mazen lait,
Ir litet ser und ungemach.»
Alsus Virgilius gen in sprach.
Dô sprâchen gar mit swære
Die weisen Rômære:
«Herre, sein ist nicht ze vil,
Swaz dü, vreunt und herre, wil,
Daz tuon wir gern mit sinnen,
Daz wir veur gewinnen,
E wir alsus verderben
Unt hie ze Rôme sterben:
Der hunger machet uns blint.
Uns stirbet weib unde kint.»
Er sprach: «ist eu der hunger lait,
Sô sweret mir des ainen ait,
Daz ich euch haize tuon in zeit,
Daz ir da wider nimmer seit,
Und daz ich euwer hulde
Hab' umb die selben schulde,
Wan ich durch euwern willen
Wil hie daz veuwer vinden.»
Dô wurden sie ze râte,
Daz sie vruo und spâte
Im nimmer wolten wider sein.
Sie sprâchen: «wir wellen den willen dein
Tuon vil gar, nâch deinem rât;
Ob sich under uns ie man hât
Versaumt gegen dir, daz lâz dû varn,
Wir wellen uns gen dir vür baz bewarn.
Er sprach: «daz swert mir hie ze stet»
Alsus Virgilius gen in ret;
Des swuoren sie im mit laide
Iegleicher zwên' aide. —
«Mit hulden ich ez sprechen sol,
Euch bewart nie man sô wol,
Der euch von laide schaide,
Daz sag' ich eu bei mainem aide,
Sô deu vrauwe sicherleich,
Deu dâ ist in dem turne reich.
Dâ ich mit nœten an hienk.»
Vil maniger nâch der vrauwen gienk,
Die ir mâge wâren,
Die sach man nâch ir vâren.
Ir man mit vlêge und mit bet'.
Doch er ez ungerne tet,
Wan er muost' in des günnen,
Er und al sein künne,
Daz sie zuo her Virgilio gie.
Virgilius sie schôn enpfie;
Er sprach: vrauwe wol getân,
Welt ir daz land nicht lân zergân
Und die leut' dar inne,
Sô volget meinem sinne
Unt tuot nâch meinem râte.
So gewint ir veuwer drâte,
Oder ir muezt verderben
Und mit samt in sterben.»
Sie sprach: lieber herre mein,
Möcht' ez in euwern hulden sein,
Sô bæte ich euch vil gern,
Ob ir mich woltet gewern,
Sô liezt ez sein ain ander spil:
Ich hân doch von eu laides vil.
Er sprach: vrauw', des mag nicht gesein,
Ez muest ê trukken sein der Rein,
Ob ich ez liez' an disem tak:
An' euch, ez nie man geschaffen mak.»
Deu vrauwe sprach: lât mich sehen,
Swaz mir hie sülle geschehen.»
Dâ mit Virgilius sprach,
Dô er sie schône vor im sach:
«Vrauwe, seht ir disen stain,
Dar auf sült ir sten al ain,
Daz gewant sült ir ab ziehen,
Ab dem stain sült ir nicht vliehen,
Ir sült nicht haben, wan ain hemde
Ander klaider sint eu vremde,
Und sült ir daz after muoder z'wâr
Hinden auf heben gar,
Und an allen vieren stân:
Ze hand sô sol weib und man
Zünden vor dem hinder tail.
Swer dan gewinnet daz unhail,
Der zuo dem andern zünden wil.
Sô wirt in baiden nicht ze vil,
Wan sie erleschent baid' daz liecht;
Daz man ez nimmer brinnen sicht;
Wellen sie aber veuwer hân
Sô muezen sie hin wider gân
Und muezen wider zünden,
So beginnet der after lünden.»
Dô sprach deu vrauwe wol getân:
«Ê wolt' ich den leib lân,
E ich hete solhe schant,
Ich wolt' ê raumen alleu lant.»
Dô sprach Virgilius der man:
«Alsô mag ez nicht ergan,
Im muoz anders geschehen:
Weln sie vröud' und wunne sehen,
Sie muezen euch dar zuo twingen,
Sô mag in wol gelingen.»
Dô daz erhôrten ir mâge,
Dô heten sie manige vrâge;
Auch sach ez ze hand ir man,
Daz ez nicht anders mocht' ergân;
Dô griffen sie an mit vleg' mit bet.
Deu vrauwe ez ungerne tet,
Wan sie schamt' sich sêre,
Ir laides des ward mêre;
Sie jach: «ich láz' mich tœten ê,
Ê ez alsô an mir ergê.»
Dô nicht half weder drô, noch bet',
Nû hœret, wie ir wirt tet:
Er wolt' des nicht erwinden,
Er hiez die vrauwen binden,
Daz gewand hiez er ir ab ziehen,
Des mocht' sie nicht enpfliehen,
Er stalt' sie nider auf den stain,
Ir scham was da nicht klain:
Dâ muost' deu vrauwe mit schal
Daz veuwer geben über al,
Wan sie muost' auf dem staine stân,
Des wolte man sie nicht erlân;
Der aine truog ain kerzen dar,
Der ander unslit z' wâr,
Der dritte truok ainen schaup,
Der vierde ainen boschen laup,
Der vünfte truog ain buechein her,
Der sechste ainen brand swær'.
Alsô zunten sie alle samt:
Daz was der vrauwen ain bitter amt;
Alsô muost' sie ez leiden
Und mocht' ez nicht vermeiden,
Sie muost' die scham und die nôt
Leiden, sie was nâhen tôt.
Dâ mit Virgilius drât
Vuor von Rôm, und baut' ain stat,
Als sie heute ist bekant,
Die ward Napels genant,
Mit listen er ez ane vie.
Daz ez nâch seinem willen gie,
Rechte als er wolde
Und als er mit listen solde,
Wan ez ze recht alsô ergienk;
Die stat er an dreu eijer hienk,
Daz ez von im noch hât die kraft
Unt von seiner meisterschaft,
Swer sie zerbraech, deu stat versünke,
Daz volk vil gar ertrünke.
Daz bewart man in der stat wol.
Swer gegen dem eije greifen sol,
Sô zittert deu stat über al
Und die heuser âne zal.
Dar nâch Virgilius der her
Vant dennoch liste mêr,
Er macht' ain bilde êrein,
Daz bilde muost' von gold sein,
An dem bilde was gegraben
Mit guldeinen buoch staben:
«Dâ ich hin zaig', daz ist ain hort;
Swer in begreift, daz ist ain ort
Seiner armuot ab bekomen.»
Dô daz die leute heten vernomen,
Dô kamen der leut' ain michel tail,
Iegleicher versuocht' sein hail,
Ob im der hord würde,
Daz im der sorgen bürde
Muest' dâ von geringet sein
Und ganzeu vröude werden schein.
Die ain band het daz bilde
Geleit auf den bauch wilde;
Der ander arm stuond gerakt,
Des maniger dikke lacht',
Daz bilde dâ zaigen began
Mit seiner hand wol getân
An ainen berg, der gegen im lak;
Alsô zaigt' ez nacht unt tak;
Mit dem vinger vür sich hin:
Dâ suochte maniger den gewin
Und gruoben den berg umbe,
Der weise und der tumbe.
Sein vinger im gerekket was
Gegen dem berg, als ich ez las;
Der ander vinger zaigen began
Gegen dem bauch den hort an.
Des verstuont sich nie man dâ:
Sie vuoren nâch dem vinger sâ,
Der dâ stuond nâch dem berk,
Dar inne so worchten sie manig werk,
Wan sie wânden, daz sie dort
Vünden in dem berg den hort:
Den hort dâ nie man gesach,
Aines tages ain trunken man sprach:
Wie lang sol uns daz bilde
Effen an dem wilde?
Ich wil die leut' an im rechen
Un wil ez genzleich zerbrechen.»
Seinen kolben er bei dem orte vie,
Vil trunken er gegen im gie,
Und sluog ez dâ an seinen nak,
Daz ez auf der erden lak,
Seinen hals und seinen nak,
Dannoch schain nicht der tak,
Wan ez bei der nacht was:
Daz golt viel nider auf daz gras.
Dar an sol man gesehen wol,
Wer grôzez guot haben sol,
Dem muoz ez werden beschaffen,
Ez sein laijen oder pfaffen;
Als dem trunken manne geschach,
Der daz bilde dâ zerbrach, —
Diz bild' sol nie man effent sein —
Der west' nicht, daz daz guot was sein,
Unz er daz golt truok von dan:
Dâ ward er ain reicher man,
Im wart beschert grôzez guot.
Owê, wie sanft ez manigem tuot,
Daz er gewinnet sæld' und hail.
Owê, wurd' uns des auch ain tail!
Des helf' uns Got von himel reich,
Z'wâr, sô würden wir vröuden reich.