Elftes Kapitel.Wieder auf der Erde.

Stiller schwieg. Seine kleine Rede hatte ihre Wirkung auf die beiden Freunde nicht verfehlt. In Gedanken versunken, saßen sie da. Inzwischen war auch in dem Zimmer die Dämmerung der Nacht gewichen.

„Glänzt dort drüben am südlichen Himmel nicht Mars?“ fragte Brummhuber, der zufällig aus seinem tiefen Sinnen erwacht war und einen Blick durchs Fenster geworfen hatte.

„Wahrhaftig, er scheint es wirklich zu sein,“ rief Piller, der dem Beispiele Brummhubers gefolgt war.

„Ihr habt recht, liebe Freunde, es ist Mars, der nun wieder in die Nähe der Erdbahn gelangt ist. Ich lade euch ein, mit mir hinüber in mein Observatorium zu kommen und den Planeten durch das Teleskop näher zu betrachten.“

„Mit dem größten Vergnügen,“ erwiderten die Freunde wie aus einem Munde.

„So laßt uns gehen! Ich habe euch Interessantes zu zeigen, das ich schon seit einiger Zeit am Lichtentsprossenen beobachtete.“

Bald nachher befanden sich die Herren in dem Stillerschen Arbeitsraume. Das große Teleskop wurde eingestellt, und die Betrachtung des fernen Weltkörpers begann.

„Fällt dir nichts am Mars auf, Piller?“ fragte Stiller seinen Freund, nachdem dieser lange den Planeten durch das Fernrohr angesehen.

„Täuschen mich meine Augen nicht, so sehe ich neben den uns ja persönlich bekannten Kanälen feine, dunkle Linien.“

„Sehr richtig. Und vielleicht sonst noch etwas?“

„Halt, ja, noch große, weiße, flächenartige Punkte, zu denen strahlenförmig die dunkeln Linien hinführen. Was dies wohl alles zu bedeuten hat? Das existierte doch noch nicht, als wir oben waren.“

„Nein. Ich will es dir nachher zu erklären suchen. Mein Kompliment aber für dein scharfes Auge und dein gutes Unterscheidungsvermögen.“

Piller wurde jetzt von Brummhuber am Instrumente abgelöst.

„Wirklich es ist so, wie Piller sagte. Mir kommt es auch noch vor, als ob die Eismassen der polaren Zonen gegen früher ganz bedeutend zurückgegangen wären,“ äußerte Brummhuber nach sorgfältiger Prüfung.

„Auch du siehst vollkommen richtig, Brummhuber. Wir wollen jetzt ins warme Haus zurückkehren und nachher diese neuen, eigenartigen Erscheinungen auf dem Mars besprechen.“

In dem Speisezimmer nahmen die drei Freunde zunächst ein bescheidenes Abendessen ein. Dann zogen sie sich wieder in das Balkonzimmer zu gemütlicher Plauderei zurück.

„So, Freund Stiller, erkläre uns nun das, was uns am Mars aufgefallen ist,“ bat Piller, sich bequem in seinem Lehnstuhle ausstreckend.

„Auch ich bin außerordentlich gespannt darauf,“ bemerkte Brummhuber.

„Das, was ihr heute abend gesehen habt, entdeckte ich schon vor längerer Zeit. Ja, ich darf ohne Übertreibung sagen, daß ich die euch ausgefallenen Veränderungen gewissermaßen in ihrem Entwicklungsgange verfolgt habe.“

„Was du nicht sagst! Aber warum sprachst du uns niemals davon?“ warf Piller überrascht ein.

„Weil ich das Ende erst abwarten, mir vor allem aber zuerst selbst eine möglichst einwandfreie Erklärung dieser Veränderungen geben wollte.“

„Und hast du sie gefunden?“ fragte Brummhuber.

„Ich glaube, ja!“

„Wie interessant! Stiller, du bist und bleibst ein Kapitalmensch.“

„Danke für deine gute Meinung, Freund Piller. Die Reduktion, der Schluß vom Allgemeinen auf das Besondere war aber im vorliegenden Falle keine allzu große Schwierigkeit, zumal wir ja unsern schönsten Lebensabschnitt dort oben verlebt und die eigenartigen Verhältnisse des Planeten aus eigener Anschauung kennen gelernt haben.“

„Immer derselbe bescheidene Mann,“ brummte Piller. „Doch, bitte, fahre fort.“

„Jene feinen Linien, die ihr längs den alten Kanälen gesehen habt, sind neue Wasserstraßen, die flächenartigen Punkte erkläre ich mir als überdeckte Sammelbecken oder Stauwerke riesigster Konstruktion, alles ausgeführt, um einer drohenden Wassersnot zu begegnen. Daß eine solche auf dem Mars tatsächlich vorhanden sein muß, beweist mir die starke Abnahme der Eismassen an den beiden Polen. Eure Beobachtungen glaube ich somit mit wenigen Worten ziemlich richtig gedeutet zu haben.“

„Alle Wetter, du magst recht haben,“ erwiderte Piller. „Ich empfinde aufrichtiges Mitgefühl mit den Marsiten, die so schwer um die Grundbedingung ihrer Existenz kämpfen müssen. Aber eine Frage! Ändert sich die Lage nicht auch wieder einmal zum Guten da oben?“

„Diese Frage glaube ich bejahen zu dürfen nach dem, was ich auf dem Mars selbst gehört habe,“ antwortete Stiller.

„Eine wahre Beruhigung! Aber mit Bewunderung muß uns erfüllen, was wir geschaut haben. Das neue Kanalsystem konnte gewiß nur durch die Arbeit aller ausgeführt worden sein,“ äußerte sich Brummhuber.

„Ohne Zweifel. Dafür sind es eben die Marsiten. Nur ein solches Volk von dieser hohen Kultur kann Bauten dieser gewaltigen Art für das allgemeine Wohl ausführen.“

„So ist es, wie du sagst, Stiller,“ bestätigte Piller.

„Unser Fridolin wird da wohl auch mitgearbeitet haben,“ lachte Brummhuber. „Seine Paradiesesidylle hat dadurch einen bösen Stoß erhalten.“

„Wer weiß?“ entgegnete Stiller. „In der strengen Arbeit liegt der Segen. Sie allein berechtigt uns, als Gegenwert eine gewisse Summe an Freuden und Annehmlichkeiten vom Leben zu erwarten. Dies gilt auch für unsern Frommherz. Gerade dieser Riesenkampf ums Dasein dort oben, den ich in den stillen Stunden der Nacht von hier aus mit meinem Fernrohre verfolgen konnte, machte auf mich, nachdem ich über seine Ursache endlich klar geworden war, einen außerordentlich tiefen Eindruck. Ein Volk, dessen Solidaritätsgefühl eine derartige Probe auf seine Echtheit auszuhalten vermag, muß aus aller Not und Gefahr stets siegreich hervorgehen. Welch ein Vorbild für uns! Ob wir es wohl jemals erreichen werden?“

Piller mußte sich nach diesen Worten seines Freundes wieder kräftig schneuzen. „Pygmäen sind und bleiben wir dagegen,“ knurrte er.

„Hältst du dich vielleicht für einen?“ fragte Brummhuber spottend.

„Nimm dich in acht, Brummhuber! Fordere meinen Zorn nicht heraus!“

„Die Frage hatte eine gewisse Berechtigung,“ bemerkte Stiller. „Das Vorwärtsschreiten menschlichen Geistes kannst du nicht bestreiten. Nimm es dir selbst ab, Freund Piller. Jeder Fortschritt in der tieferen Erkenntnis der Wahrheit bedeutet zugleich den Fortschritt in der höheren Ausbildung unserer menschlichen Vernunft. Nur durch Vernunft und Wahrheit können wir des Menschen schlimmste Feinde, die Unwissenheit und den Aberglauben, bekämpfen. Nur dadurch steigen wir höher auf der Leiter der sittlichen Vervollkommnung.“

„Stiller, alter Freund, ich lasse dir ja gerne das letzte Wort, so laß mir für heute wenigstens den letzten Trunk!“

„Sollst ihn haben, du ewig Durstiger. Aber dann zu Bett. Der morgige Tag ruft uns wieder nach Tübingen, und es ist schon sehr spät geworden.“

„Gut, daß wir bei dir zu Hause sind,“ lachte Piller fröhlich, als der Wein vor ihm stand. „So läßt sich ein Schlummerschöpplein noch gemütlich schlürfen. Prosit!“

Ein Frühling mit all seiner Pracht hüllte in ein Meer von Blüten die Bäume und Sträucher auf den Wiesen und in den Gärten des gesegneten Neckartales. Mai war es geworden. Ein schöner, warmer Morgen folgte einer Nacht voll Milde und Wohlgeruch. Die Sonne war noch nicht aufgegangen.Die Rötung des östlichen Himmels verkündete aber ihr baldiges Nahen. Die Distelfinken begannen bereits ihre ungestümen Triller zu schmettern; die Amseln sangen da und dort auf der Spitze eines Baumes sitzend ihr melodisches Morgenlied; die Sperlinge trieben sich in gewohnter Weise lärmend und mit einander zankend in Scharen herum, als ein ungewohnt heftiges Rauschen in der Luft die Vogelwelt auf Cannstatts Wasen in ihrem lauten Tun und Treiben plötzlich innehalten und erschreckt die Flucht ergreifen ließ.

Mit großer Geschwindigkeit senkte sich von oben herab ein eigenartig gebautes Luftschiff, wie es in dieser Form und Größe hier noch niemals vorher gesehen worden war. Ohne auch nur die geringsten Schwankungen zu zeigen oder sich zu überstürzen, erfolgte der fallartige Abstieg des Flugschiffes mitten auf dem großen Platz des Cannstatter Wasens. Es mußte meisterhaft gesteuert werden; denn mit einem Ruck hielt das gewaltige Fahrzeug, auf dem Boden angekommen, still, ohne irgendwelche Befestigung durch Taue oder Anker. Die Gondel lag direkt auf dem Boden.

Von verschiedenen Seiten, so vom nahen Untertürkheim und von Cannstatt aus, war die verblüffend sichere Landung des eigentümlichen Luftschiffes bemerkt worden. Man sah auch ferner, daß der Gondel ein Mann in sonderbarer Kleidung entstieg. Kaum hatte der Angekommene die Gondel verlassen, als das Fahrzeug sich wieder hob und mit einer staunenerregenden Schnelligkeit im Luftmeere verschwand. Dies alles war das Werk von wenigen Augenblicken.

Der Mann, der hier gelandet worden, war stehen geblieben und schaute dem sich entfernenden Flugschiffe nach, solange es noch gesehen werden konnte. Dann erst wandte er sich um undbetrachtete, langsam vorwärtsschreitend, die Gegend. Sie schien ihm bekannt zu sein, denn er lenkte seine Schritte gegen Cannstatt zu. Da fiel sein Blick auf einen mächtigen Obelisken, der sich auf der linken Seite seines Weges erhob und von einem hohen Eisengitter umgeben war.

Professor Fridolin Frommherz, denn das war der der Gondel entstiegene Fremdling, schritt, neugierig geworden durch das imposante Denkmal, auf den Gedenkstein zu. Überrascht und freudig berührt blieb er vor dem Obelisken stehen. Auf der ihm zugewandten Seite des Monumentes las er die eingemeißelten und vergoldeten Worte:

ZU EWIGEM RUHM UND ANDENKENAN DIE UNVERGLEICHLICH KÜHNEIN IHREM ERFOLGE EINZIG DASTEHENDEFAHRT SCHWÄBISCHER SÖHNE DURCH DEN WELTENRAUM.DAS DANKBARE VATERLAND.

Auf der zweiten Seite war zu lesen:

VON DIESEM PLATZE HIER FUHRENDIE WELTENSEGLER NACH DEM FERNENPLANETEN MARS AB 7. XII. 19 . . .IHRE NAMEN LAUTEN:S. STILLER, P. PILLER,D. DUBELMEIER, H. HAEMMERLE,B. BRUMMHUBER, T. THUDIUM,FR. FROMMHERZ.

Die dritte Seite trug die Mitteilung:

NACH NAHEZU DREIJÄHRIGER ABWESENHEITUND ZWEIJÄHRIGEM AUFENTHALT AUF DEM MARSKEHRTEN SECHS DER KÜHNEN WELTENSEGLERGLÜCKLICH WIEDER IN DIE HEIMAT ZURÜCK.OKTOBER A. D. 19 . . .

Und hier auf der vierten Seite, da wahrhaftig, da war ja von ihm selbst die Rede. Frommherz las:

ZUR ERDE NICHT MEHR ZURÜCKGEKEHRT,FÜR IMMER AUF DEM MARS GEBLIEBENDER SIEBENTE TEILNEHMER DER WELTENFAHRTFRIDOLIN FROMMHERZ.

„Der erste Gruß der Heimat und wahrlich kein übler,“ sprach Herr Frommherz vor sich hin, als er den Obelisken sattsam von allen Seiten betrachtet hatte.

„Wie froh bin ich, gleich bei meinem Betreten des heimatlichen Bodens vernehmen zu dürfen, daß meine Gefährten glücklich wieder heimgekehrt sind. Ich fasse dies als ein gutes Vorzeichen auf.“

Ohne daß Frommherz es bemerkte, hatte sich inzwischen eine Anzahl Neugieriger um ihn versammelt, die den Mann mit den langen, wirren Haaren und dem großen ungepflegten Bart und seine auffallende und sonderbare Kleidung voll Staunen betrachteten. Woher der wohl gekommen sein mochte? Keiner wagte dem sichtbar Verwahrlosten näher zu treten und ihn direkt zu fragen. Ein unbestimmtes Gefühl respektvoller Scheu hielt die Leute zurück.

In ruhiger Würde und edler Haltung, die auf die sich mehrenden Neugierigen ihren Eindruck nicht verfehlte, wandte sich Frommherz von dem Denkmal weg und schritt weiter Cannstatt zu, hinter ihm der Menschenhaufen, der in dem Maße anschwoll, als die Stadt näher kam. Schutzmann Dietrich begann eben gegen den Wasen zu die erste Morgenrunde zu machen. Nach neuer Abwechslung in seinem Berufe lüstern und in jedem ihm nicht näher bekannten menschlichen Individuum wenigstenseinen halben Gauner witternd, stürzte er sich, mit nur schwer unterdrücktem Freudenschrei, auf den ahnungslos daherschreitenden Frommherz.

„Halt, Mann!“ gebot er, den Fremdling von oben bis unten mit finstern Blicken musternd, eine Prüfung, die sehr zu Ungunsten des Wandersmannes auszufallen schien, trotz oder gerade wegen der auffallend schönen Gepäcktasche, die der Fremde bei sich trug, und die zu seinem saloppen Äußern durchaus nicht passen wollte. Des Schutzmanns Gesicht verdüsterte sich in drohendster Weise.

„Woher des Wegs?“ fragte er kurz und grob.

„Von da oben!“ Mit diesen Worten wies Frommherz gen Himmel.

Der Handbewegung des Gelehrten folgte unwillkürlich der Blick des Schutzmannes. „Machen Sie keinen Unsinn! Ich verbitte mir das!“ schrie er. „Also nochmals, woher kommen Sie?“

„Von jenseits des Erdenkreises,“ antwortete Frommherz lächelnd.

Diese Antwort ging über Schutzmann Dietrichs schwaches Begriffsvermögen.

„Der Mann hier ist mit einem Luftschiffe gekommen. Ich sah es von weitem,“ mischte sich jetzt einer der neugierigen und freiwilligen Begleiter des Gelehrten in das Verhör.

„So, so, ist das also ein solcher Reisender?“ erwiderte der Schutzmann etwas gedehnt. „Ja, jetzt fahren sie öfters über die Grenzen weg in unser Land hinein und stellen allerlei Unfug an.“ Wieder traf Frommherz ein finsterer Blick unverhohlenen Mißtrauens.

„Wer sind Sie?“ inquirierte der Schutzmann weiter.

„Ein engerer Landsmann, ein Schwabe wie Sie!“

„Das glaub’ ich nicht. Sie sehen gar nicht so aus. Wo sind Ihre Ausweispapiere?“

„Ich führe keine bei mir.“

„Das genügt! Also schriftenlos und herumvagabundierend. Sie kommen mit mir zur Polizei,“ entschied der Vertreter der heiligen Hermandad.

„Die Sache wird sich bald klären,“ erwiderte Frommherz und folgte seinem grimmigen Führer. Die Geschichte fing an, ihm Spaß zu machen, war sie doch so recht heimatlich.

Herr Polizeikommissarius Gustav Grobschmiedle, zu dessen Abteilung Schutzmann Dietrich gehörte, war nicht wenig überrascht, als die Tür seines Amtszimmers aufging und über dessen Schwelle ein höchst merkwürdig gekleideter Mann trat, hinter ihm der Polizist mit schlauem Lächeln.

„Ein richtiger Vagabund im Fastnachtsanzug,“ brummte Herr Grobschmiedle vor sich hin, als er den sonderbaren Fremden von der Seite mit stolzer, verächtlicher Amtsmiene gestreift hatte.

„Rapportiere gehorsamst, Herr Kommissär, daß ich diesen Mann hier, weil schriftenlos und in unpassendem Aufzug sich am frühesten Morgen auf dem Wasen herumtreibend, als verdächtig aufgegriffen habe.“

Während der Schutzmann seinen Bericht herausschmetterte, legte Frommherz in aller Seelenruhe, sein elegantes Bündel auf die Bank an der Wand. Der Kommissär und der Schutzmann hatten sein Tun scharf beobachtet. Ihre Blicke begegneten sich. „Diese kostbare Tasche muß der Kerl irgendwo gestohlen haben,“ drückte die Augensprache der beiden deutlich aus.

Der Eingelieferte wandte sich nun nach dem Beamten um. In seinen klaren, blauen Augen lag ein so hoher, zur Achtung zwingender Ausdruck, daß der Kommissär unwillkürlich etwashöflicher, als es sonst seine Gepflogenheit war, das Verhör begann.

„Ihr Name?“

„Fridolin Frommherz.“

„Geboren?“

„26. September 19 . .“

„Wo?“

„In Cannstatt.“

„Beruf?“

„Früher Professor an der Landesuniversität in Tübingen.“

„Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, nur streng der Wahrheit entsprechende Angaben zu machen.“

„Für mich ganz selbstverständlich!“

„Letzter Aufenthaltsort?“

„Lumata.“

„Lu—Lu—Lu—ma—mata?“

„Lumáta! Das a scharf gesprochen,“ korrigierte Frommherz.

„Kenn’ ich nicht. Wo liegt denn der Flecken?“

„Auf dem Mars.“

„Mars? Was ist denn das für ein Land?“

„Das ist ein Planet, ähnlich unserer Erde, nur einige Millionen Kilometer von ihr entfernt.“

„Herr, Sie wollen mich scheint’s nur zum besten haben?“ brauste Herr Grobschmiedle auf.

„Durchaus nicht, mein Lieber.“

„Ich bin nicht Ihr Lieber. Verstehen sie mich?“ brüllte der Kommissar.

„Gewiß! Ich habe ja noch glücklicherweise ein gutes Gehör.“

„Der Mann soll mit einem Luftschiffe gekommen sein,“ warf Schutzmann Dietrich ein.

„Sie hab’ ich nicht danach gefragt,“ schnaubte Herr Grobschmiedle seinen Untergebenen an.

„Es ist so, wie der Mann sagt,“ bestätigte Frommherz.

„Und Sie haben nur zu antworten, wenn ich Sie frage,“ schrie der Kommissär zornig. „Sie stehen hier vor einem Vertreter der Staatsgewalt und haben sich dementsprechend zu benehmen.“

Über das Gesicht Frommherz’ huschte ein spöttisches Lächeln.

„Warum lachen Sie?“

„Nur über die Art meines ersten Empfanges in der teuren Heimat nach mehr als vierzehnjähriger Abwesenheit.“

„Sie haben keine Ausweispapiere bei sich?“ fuhr der Beamte fort, ohne die Bemerkung Frommherz’ zu beachten.

„Nein, ich sagte dies bereits dem Schutzmann.“

„Das ist sehr verdächtig. Zu ihrem anstößigen Aufzug paßt überdies die Tasche nicht, die Sie da mitbrachten. Und . . . hm . . . und Ihre übrigen Angaben glaube ich Ihnen einfach nicht.“

„Das verüble ich Ihnen nicht im geringsten, zumal dieser Glaube Ihre Privatsache ist,“ erwiderte der Gelehrte.

„So geben Sie also zu, unwahre Angaben gemacht zu haben?“

Aber der Kommissär hatte kaum diese verletzenden Worte gesprochen, als sich Frommherz in voller Größe stolz aufrichtete.

„Mein Herr!“ redete er den Kommissär an. „Sie mögen meine Angaben in Zweifel ziehen, das ist, wie ich sagte, Ihre persönliche Angelegenheit. Ihre Pflicht aber ist es, diese Angaben zunächst ruhig und sachlich auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Das muß ich auf das entschiedenste verlangen. Es ist ein Akt selbstverständlicher Billigkeit. Bis jetzt bereitete mir die Art, wie ich hier nach meiner Rückkehr von einem fernen Weltkörper empfangen und behandelt wurde, einen gewissen Spaß. Es ist höchste Zeit, ihm nun ein Ende zu machen. Haben Sie dieGüte, sofort nach Tübingen an Herrn Professor Stiller zu depeschieren. Dieser Herr wird nicht nur umgehend die Angaben über meine Person als völlig richtig bestätigen, sondern auch jede gewünschte Bürgschaft Ihnen gegenüber leisten, damit ich aus dieser geradezu unwürdigen Behandlung tunlichst schnell befreit werden kann.“

Staunend hatte der Kommissär dieser Rede gelauscht. So wie dieser Mann da hatte noch niemals vorher ein Eingelieferter mit ihm zu sprechen gewagt. Sein sonst so stark ausgeprägter Beamtendünkel hatte zum ersten Male eine kräftige Erschütterung erfahren. Verlegen kratzte sich Grobschmiedle hinter dem Ohre. Wenn der Kerl nun doch kein Spitzbube wäre? Der Kommissär erinnerte sich plötzlich, daß ihm schon mancher gewandte und wohlgekleidete Gauner aus den Fingern geschlüpft war, und daß er sich umgekehrt schon an manchem Unschuldigen vergangen hatte, nur weil er verschüchtert war und äußerlich einen weniger günstigen Eindruck gemacht hatte. Verschiedene Klagen waren hin und wieder gegen seinen Übereifer laut geworden und hatten ihm derbe Nasenstüber und Warnungen von seiten seiner Vorgesetzten eingetragen.

Der augenblickliche Fall war verzwickt und mahnte zur Vorsicht. So viel stand fest. Aber das Mißtrauen war nun einmal in ihm rege. Fortlassen konnte und durfte er doch nicht ohne weiteres einen Menschen, der nicht einmal das geringste glaubwürdige Ausweispapier mit sich führte.

„Ich bin zu meinem Vorgehen Ihnen gegenüber kraft des Gesetzes berechtigt,“ erklärte er endlich nach längerer Überlegung.

„Das mag sein. Dieses Gesetz hindert Sie aber gewiß nicht, meinem Wunsche zu entsprechen und sogleich Erkundigungen über mich einzuziehen,“ entgegnete Frommherz bestimmten Tones.

„Hm, hm, nein, das allerdings nicht. Wer zahlt aber die Depesche?“

„Natürlich ich!“ Frommherz schloß seine Tasche auf, entnahm ihr eine alte seidene Börse, in der er noch einige Dutzend deutscher Goldstücke aufbewahrt hatte.

„So setzen Sie selbst die Depesche auf,“ antwortete Grobschmiedle auffallend milder gestimmt, als er die gut gefüllte Börse des Fremden erblickte, und schob ihm ein Telegrammformular mit Feder und Tinte zu.

Frommherz warf mit kräftigen Zügen folgende Depesche auf das Papier: „Professor Dr. Stiller, Universität Tübingen. Heute früh vom Mars hier gelandet, wurde ich von Cannstatts Polizei in Verwahr genommen, weil keinen befriedigenden Ausweis über meine Person in Marsitenkostüm besitzend. Befreie mich sofort aus der komisch-kritischen Lage, in die ich geraten.

Herzlichen Freundes- und BrudergrußFridolin Frommherz.“

„Besorgen Sie die Depesche, Dietrich,“ befahl der Kommissär.

„Ich habe noch eine kleine Bitte!“

„Was soll’s sein?“ brummte der Beamte.

„Würden Sie mir nicht eine Tasse Tee oder Kaffee nebst einigen Brötchen gestatten?“

„Warum nicht,“ entgegnete der Kommissär, der inzwischen die Depesche gelesen und durch ihren Inhalt sich mehr und mehr aus der Rolle des Anklägers und Beschuldigers in die des unbewußt Schuldigen fallen fühlte.

Das Telegramm war aufgegeben. Frommherz hatte mit Behagen sein erstes frugales Frühstück auf Erden wieder im Amtszimmer des Polizeigewaltigen verzehrt und machte nun in seinem Tagebuche die letzten Notizen. So waren gegen zweiStunden ruhig verflossen, als in sausender Geschwindigkeit ein Autoelektrik in Cannstatts Mauern einfuhr und vor dem Polizeikommissariat hielt. Dem Wagen entstiegen drei Herren. Die Türe des Amtszimmers wurde hastig aufgerissen, und herein stürzte als erster Piller.

„Ha, er ist’s, er ist’s tatsächlich! Ich kenn’ ihn an der Narbe auf seiner Stirn. Her an meine Brust, Fridolin, Freund und Bruder!“ schrie Piller voll freudiger Aufregung und umarmte den von seinem Sitze Aufgestandenen.

Auch Stiller und Brummhuber begrüßten den so unerwartet wiedergekehrten Freund auf das innigste. In Piller aber kochte es wie in einem Vulkane über den seinem Freunde angetanen Schimpf.

„So, also da herein in dieses übelriechende Wachtlokal haben sie dich geschleppt, nachdem du kaum den Boden des teuren Schwabenlandes betreten?“ wetterte er. „O heilige Einfalt, dreimal gebenedeite Dummheit!“

„Der Herr hatte keine Ausweispapiere,“ suchte sich der Kommissär zu entschuldigen. „Auch der ganze Aufzug war uns verdächtig, kurz . . .“ aber Piller ließ Herrn Grobschmiedle nicht ausreden.

„Mensch, ihre pyramidale Dummheit hat Sie heute zu einem weltberühmten Mann gemacht und Ihnen die Unsterblichkeit gesichert. Hier steht der Gelehrte, der nach vierzehnjährigem Aufenthalte auf dem Planeten Mars wieder zur Erde zurückkehrte, und den zuerst zu empfangen und zu begrüßen Sie die hohe Ehre hatten. Und wie würdig haben Sie sich dieser Ehre gezeigt!“ brüllte Piller heraus und wand sich förmlich vor Lachen. „So etwas an Tollheit kann wahrlich nur bei uns vorkommen! Ein Schwabenstreich, wie er im Buche steht!“

„Laß gut sein,“ bat Frommherz den Aufgeregten. „Der Mann tat ja nur seine Pflicht. Jetzt ist ja alles wieder gut. Das einzig Richtige ist, wir lachen über die Sache.“

„Fridolin hat recht. Freuen wir uns, daß er wieder bei uns ist, und verzeihen wir den Mißgriff des Beamten,“ riet Stiller.

Der Kommissär, der schon die Dienstentlassung vor Augen sah, atmete erleichtert auf, als er diese Worte hörte. Und als Frommherz auf ihn zutrat und ihm mit freundlichem Zuspruche die Hand zum Abschiede reichte, da schimmerte es feucht aus den Augen des Gefühlsregungen sonst wenig zugänglichen Polizeibeamten.

„Nun heraus aus der Bude und nach dem Kursaal!“ drängte Piller.

„Ich habe das dringende Bedürfnis nach einem Bade,“ erklärte Frommherz.

„Sollst es haben! Währenddessen bestellen wir ein ordentliches Essen und besorgen dir hier einen modern irdischen Anzug; denn im Marsitenkostüm, an dem die Spuren deiner Reise kleben, kannst du nicht unbelästigt unter Erdenmenschen wandeln,“ bemerkte Piller.

„Habe es bereits erfahren,“ entgegnete Frommherz lächelnd.

Dann stiegen die Herren in das Auto, und hinaus ging es an Cannstatts schönsten Ort.

Mit Blitzesschnelle hatte sich inzwischen von der Vorstadt Cannstatt aus in ganz Stuttgart das Gerücht verbreitet, der siebente und letzte der Gelehrten, der einst auf dem Mars zurückgeblieben, sei heute in aller Frühe von dort wieder zurückgekehrt und auf dem Wasen aus einem Fahrzeuge gestiegen, wie es in dieser Form und Größe bisher hier noch nicht erblickt worden sei. Nach der Landung habe sich das Luftschiff schleunigst wiederentfernt. Anfänglich wollte man die Nachricht nicht glauben. Aber als es hieß, der Zurückgekehrte sei von der Polizei einige Stunden hindurch zurückgehalten worden, wurden von vielen Seiten Anfragen an das Kommissariat gerichtet, das das Gerücht als vollkommen wahr bestätigte. Auch das Erscheinen der drei berühmten Weltensegler und allgemein gekannten Tübinger Professoren auf dem Polizeiamte in Cannstatt hatte begreifliches Aufsehen erregt, das um so größer wurde, als kurz darauf mit den drei gelehrten Herren zusammen eine vierte Persönlichkeit im Kostüm eines alten Griechen mit wirrem Kopf- und Barthaar das Kommissariat verließ und gegen den Kursaal zu abfuhr. Nun war es vollkommen klar, daß diese vierte Persönlichkeit niemand anders als Professor Frommherz sein könne.

Als die vier Freunde sich soeben am einladend gedeckten Tische im Kursaal niedergelassen und ihrer Freude über die endliche Wiedervereinigung von neuem Ausdruck verliehen hatten, erschien der Oberbürgermeister von Stuttgart Dr. Graus mit dem Bürgerausschuß-Obmann Dr. Herlanger, um Professor Frommherz wenigstens von sich aus, wie er betonte, zu begrüßen und zugleich sein Bedauern über den Übereifer der Polizei auszusprechen.

„Hätten wir auch nur die leiseste Ahnung von Ihrer Rückkehr gehabt, wir würden Sie in gleich ehrender offizieller Weise bei uns willkommen geheißen haben wie seiner Zeit Ihre Freunde,“ sprach der Stadtgewaltige.

„Daran zweifle ich nicht,“ entgegnete Frommherz, „aber es entspricht mehr meinem innern Empfinden, einfach und still, ohne öffentliche Feier und Begrüßung zur Heimat zurückgekommen zu sein. Im übrigen wäre es mir schlechterdings auch nicht möglich gewesen, Ihnen vorher meine Ankunft anzuzeigen.“

„Er hätte eben außerhalb Deutschlands landen müssen wie wir, dann wäre es gegangen,“ schmunzelte Piller vergnügt. „Nehmen Sie an unserm Tische Platz, Herr Oberbürgermeister, und feiern Sie mit uns zusammen des Freundes unverhoffte Rückkehr.“

Doch der Oberbürgermeister lehnte dankend ab und empfahl sich.

„Herr Ober,“ rief Piller, „bitte, kommen Sie einmal hierher.“ Der Oberkellner gehorchte. „Lassen Sie niemand, wer es auch sei, in unser Zimmer herein. Wir wollen ungestört für uns sein.“

„Ich verstehe,“ erwiderte der Befrackte dienstbeflissen.

„Gut gemacht!“ lobte Brummhuber. „Wir könnten sonst kein Wort mehr ruhig miteinander sprechen.“

„Und nachher fahren wir zu mir in mein Heim auf den Bopser. Das soll nun auch einstweilen das deine sein, Fridolin. Von Tübingen lassen wir uns für die nächsten Tage Dispens erteilen,“ schlug Stiller vor. Die Freunde waren damit einverstanden.

„Den ersten Gruß der Heimat brachte mir gewissermaßen der Obelisk,“ erzählte Frommherz. „In seiner Nähe landete unser Luftschiff, und so erfuhr ich durch seine Inschrift, daß ihr alle einst glücklich und wohlbehalten wieder zurückgekommen seid, was mich außerordentlich gefreut hat. Was machen Hämmerle, Thudium und Dubelmeier?“

„Sind leider inzwischen gestorben,“ antwortete Brummhuber.

„Wie sehr bedaure ich diese traurige Kunde!“

„Wir werden dir gelegentlich das Nähere darüber erzählen. In dieser Stunde des Wiedersehens wollen wir alles Traurige von uns fernhalten,“ bemerkte Stiller.

„Stiller hat recht! Sage mir aber zunächst, Fridolin, bist du absichtlich oder unabsichtlich auf dem Wasen niedergegangen?“ fragte Piller.

„Mit vollster Absicht, schon des großen Platzes wegen, auf dem das gewaltige, für ununterbrochene Hin- und Rückfahrt eingerichtete Fahrzeug mit aller Sicherheit landen konnte.“

„Das ist ein Grund, der gelten kann. Wieviel Marsiten begleiteten dich?“

„Fünf in jeder Hinsicht ausgezeichnete Männer, darunter auch Zaran, Erans Neffe.“

„Einige Stunden oder Tage hätten sich deine Begleiter ohne Schaden auf der Erde und in unserm Schwabenlande aufhalten können. Daß sie uns keiner weiteren Beachtung würdigten und sofort wieder dahin den Kurs lenkten, woher sie gekommen waren, das hätte kein Sterblicher unseres Planeten fertig gebracht. Welch ein Mangel an Neugierde, vor allem aber, welch große Nichtachtung liegt auch in diesem hastigen, einer Flucht gleichkommenden Verschwinden!“ urteilte Piller.

„Sie wollten mit der Erde nichts zu tun haben, nicht einmal berührt, gestreift werden durch den Hauch ihres Lebens,“ entschuldigte Frommherz seine Begleiter.

„Kein Kompliment für uns,“ lachte Brummhuber.

„Sicherlich nicht. Aber sie handelten korrekt, folgerichtig,“ antwortete Frommherz.

„Und taten ungefähr dasselbe, was du vorhin selbst getan hast, Piller,“ fügte Stiller hinzu.

„Ich? Wieso?“ fragte Piller erstaunt.

„Ja, du. Du verbatst dir ja auch, nachdem der Oberbürgermeister von Stuttgart hier gewesen, jeden weitern Besuch und Verkehr von außen her und wolltest dadurch unsere geschlosseneGesellschaft vor aller Profanierung schützen. Just so machten es aber auch die Marsiten,“ erwiderte Stiller.

Die Herren lachten.

„Stiller ist immer noch derselbe,“ erklärte Piller seinem Freunde Frommherz. „Seiner Dialektik bin ich nicht gewachsen.“

„Wie lange warst du unterwegs?“ forschte Brummhuber.

„Genau nach Erdenmaß gemessen drei Monate.“

„Nur?“

„Lange genug, trotzalledem.“

„Gewiß! Und die furchtbaren Gefahren und Entbehrungen, die wir bei unserem Fluge durch den Weltenraum einst durchgemacht, werde ich niemals vergessen, und würde ich so alt wie Methusalem,“ gestand Brummhuber offen.

„Wie ging es denn dir unterwegs? Eine etwas verspätete Frage, nicht?“ fragte Stiller herzlichen Tones.

„Verhältnismäßig erträglich. Doch gab es auch allerlei Gefahren zu bestehen, und ich glaube, daß meine Marsiten bei aller Kühnheit, Unerschrockenheit und Geschicklichkeit, die sie bewiesen, froh sein werden, wenn sie glücklich wieder auf ihrem wunderschönen Planeten angelangt sein werden.“

„Ja, es ist ein irdisches Paradies, dieses Land des Mars. Wie oft hat uns danach schon das Heimweh, die Sehnsucht gepackt!“ seufzte Piller.

„Es war aber doch besser, meine Freunde, daß ihr nicht oben geblieben seid.“

„Mein lieber Fridolin, damals, als wir fortzogen, warst du völlig anderer Meinung,“ entgegnete Brummhuber.

„Gewiß. Ich habe sie aber seitdem geändert, nicht infolge äußerer, veränderter Lebensbedingungen auf dem Mars, nein, von Innen nach langen, schweren Kämpfen, langsam aus mirselbst heraus. Ich fand, daß Freund Stiller recht hatte, daß er eine sittliche Tat vollbrachte, als er mit euch zur Erde wieder zurückkehrte und ein Leben voll Mühe und Enttäuschung dem ruhiger und angenehmer Beschaulichkeit vorzog. Und als ich mich endlich zu dieser Erkenntnis durchgerungen hatte, da reifte in mir der Entschluß, dem gegebenen Beispiele zu folgen. So kam ich wieder und bekenne ohne Zögern, daß ich dadurch den Fehler, den ich einst durch meine Abtrennung von euch beging, wieder gut zu machen suchte.“

„Ich weiß nicht, ob du recht getan hast,“ bemerkte Piller. „Oft war ich der Meinung, als ob du den besten Teil gewählt, wir aber töricht gehandelt hätten, deinem Beispiele nicht gefolgt und oben geblieben zu sein.“

„Wir mußten fortgehen. Wie oft sagte ich das schon!“ rief Stiller. „Daß Freund Fridolin sich im Laufe der Jahre meine Anschauung auf dem Mars zu eigen gemacht und sich ebenfalls zur Rückkehr entschlossen hat, ist der schönste Beweis für die Richtigkeit unserer Handlungsweise.“

„Dagegen läßt sich nun so wie so nichts mehr einwenden,“ warf Brummhuber ein. „Jetzt sind wir wieder unten auf der Erde und werden wohl auch für immer hier unten bleiben müssen.“

„Wir passen auch nicht zu den Marsiten. Das wußten unsere Gastgeber ebenfalls ganz genau. Ihr Wesen, in vielem mit dem unsern verwandt, ist, wenn ich mich so ausdrücken darf, ätherischer, feiner geprägt. Dadurch war schon eine Scheidewand zwischen ihnen und uns gezogen. Und was konnten wir ihnen, den so Hochstehenden, bieten? Doch nur sehr wenig, lange nicht genügend, um ihre großartig geübte Gastfreundschaft auch nur einigermaßen befriedigend wieder auszugleichen,“ sprach Frommherz.

„Das stimmt,“ bestätigte Piller.

„Was von der Erde stammt, ist eben anders geartet als das dem Mars Entsprossene,“ fuhr Frommherz fort. „Die feinen, aber doch merkbar trennenden Unterschiede lernte ich in den langen Jahren meines Aufenthaltes nach und nach kennen. So wage ich denn zu sagen, daß wir uns oben als alleinstehende Männer, ohne Familie, ohne die Möglichkeit in dem Marsvolke selbst aufzugehen, am Ende innerlich als Fremde gefühlt haben würden, trotz der Schönheit des Daseins, der Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit unserer Freunde.“

„Was Fridolin soeben ausgesprochen, vertrat ich in ähnlicher Weise einst in Angola. Ganz besonders danke ich unserm Freunde für sein offenes Bekenntnis. Die Gefühle reinen Glückes bei der Erinnerung an jene unvergeßlich schöne Zeit auf dem Mars bleiben bestehen, solange wir noch atmen dürfen, aber das tief Schmerzliche, das nun einmal jeder großen Entsagung anhaftet, es ist durch Fridolins Worte, durch seine freiwillige Rückkehr zu uns wesentlich gemildert worden,“ bemerkte Stiller.

Piller schneuzte sich wieder kräftig. „Finden wir uns damit ab, soweit es möglich ist,“ entgegnete er nach kurzer Pause. „Unser irdisches Leben scheint sich nun einmal nicht harmonisch gestalten lassen zu wollen. Die wirklich schönste Melodie des Lebens, die meinen Enthusiasmus erweckt, die mich, den realen Praktiker der Wissenschaft, in holde Träume zu wiegen vermocht, ich hörte sie niemals hier unten, sondern wohl zum ersten und auch letzten Male oben auf dem Lichtentsprossenen.“

Erstaunt blickte Fridolin Frommherz auf Piller. Eine solche Sprache hatte er früher, in alter Zeit, von dem allem Idealen so wenig geneigten Manne niemals gehört.

„Ja, ja, unser Freund Piller hat sich seit seinem Aufenthalteauf dem Mars in dieser Richtung etwas gebessert,“ erklärte Stiller, der den erstaunten Blick Fridolins bemerkt und richtig verstanden hatte.

„Es ging uns allen mehr oder weniger gleich,“ ergänzte Brummhuber.

Eine tiefe Stille trat ein. Da schlugen zuerst leise, dann immer kräftiger anschwellende Akkorde einer ausgezeichneten Musik außen vor dem Kursaale an ihr Ohr. Sie formten sich zu einer imposanten Melodie, der die vier Gelehrten, angenehm überrascht, lauschten. Es war die Hymne, die Kapellmeister Klingler vor elf Jahren bei Anlaß des Einzuges der sechs zurückgekehrten Schwabensöhne in Stuttgart komponiert hatte, und die er nun Frommherz zu Ehren mit seiner Kapelle da draußen vortrug.

„Dahinter steckt der Oberbürgermeister! Jetzt begreife ich, warum er unsere Einladung zum Bleiben ablehnte und so hastig verschwand,“ rief Piller.

„Eine liebenswürdige Aufmerksamkeit, fürwahr, die ich dankbar anerkenne,“ lobte Frommherz.

Einige weitere, ausgesucht schöne Musikvorträge folgten der „Hymne an Schwabens kühnste Söhne“. Dann zog die Kapelle wieder ab.

„Für uns ist es nun auch Zeit, an den Aufbruch zu denken,“ mahnte Stiller.

Als die Herren aus dem Gebäude traten, wurden sie durch eine zweite Aufmerksamkeit des Oberbürgermeisters von Stuttgart überrascht. Die weißgekleidete Tochter des städtischen Oberhauptes in Gesellschaft einiger anderer ebenfalls festlich geputzter Mädchen übergab mit einer kurzen Ansprache Frommherz einen frischen Lorbeerkranz, dessen seidene Schleifen die Farben der Residenz und des Landes trugen. Frommherz nahm den Lorbeerkranzmit Worten herzlichen Dankes entgegen und schüttelte jedem der blühenden, ihn mit scheuer Ehrfurcht betrachtenden Menschenkinder warm die Hand.

Stiller war unterdessen ins Haus zurückgeeilt und hatte ein kurzes Zwiegespräch mit dem Wirte gehalten. Nun kam er wieder zurück und lud die Mädchen im Namen des Gefeierten zu einer Erfrischung ein, die von ihnen mit Jubel angenommen wurde.

„In unserm großen Auto haben die Kinder auch noch Platz. Wir bringen sie hinauf nach Stuttgart,“ schlug Stiller vor.

Gern willigten die andern Freunde ein. Mit welch stolzer Befriedigung fuhren nachher die Mädchen, die nun jede Scheu verloren hatten, mit ihren berühmten Begleitern durch Cannstatt, über die Karlsbrücke und durch die im Gewande des Frühlings prangenden Anlagen nach Stuttgart! Die Freude über die ihnen erwiesene Auszeichnung leuchtete aus den strahlenden Augen der Kinder, als sie auf dem Schloßplatze aus dem Auto stiegen und sich von den Gelehrten verabschiedeten. Unter den brausenden Hochrufen einer rasch sich ansammelnden Menschenmenge fuhren die Freunde Stillers Heim zu.

„Einfach, aber würdig war der Empfang. Er hat mir gefallen und mich vollkommen befriedigt,“ erklärte Frommherz.

„Wahrhaftig, mir machte er einen besseren Eindruck als der unsere damals, als wir auf dem Hasenberge ankamen,“ meinte Brummhuber.

„Weil er sich unvorbereitet, so ganz aus sich selbst heraus vollzog,“ bemerkte Stiller.

Die Herren hatten es sich im Hause ihres Freundes bequem gemacht und saßen in anregendem Gespräche in dem bekannten großen Balkonzimmer.

„Wenn große Ereignisse mein seelisches Empfinden berühren, so fühle ich stets einen merkwürdigen Durst und . . .“ Doch Stiller ließ seinen Freund Piller nicht ausreden. „Ich verstehe dich auch ohne diese Einleitung,“ lachte er fröhlich. „Piller ist nämlich immer noch derselbe Durstige wie früher,“ erklärte er Frommherz. „Du sollst deinen Trunk haben, lieber Piller. Wir alle wollen ein Glas auf das Wohl des teuren, uns wiedergeschenkten Freundes leeren.“

Der Wein wurde gebracht. Die Gläser hatten ausgeklungen. Der Abend senkte langsam seine Schatten auf das Häusermeer im Tale, während die Bopserhöhe sich noch in den Strahlen der untergehenden Sonne golden badete. Da begannen unten in der Stadt die Glocken anzuschlagen.

„Wir haben doch meines Wissens morgen keinen Festtag, der am Abend vorher eingeläutet werden sollte?“ fragte Brummhuber.

„Nicht daß ich wüßte,“ erwiderte Piller.

„Es gilt ohne Zweifel unserm Freunde Fridolin,“ bemerkte Stiller. „Die alte Heimat will ihrem wiedergekehrten Sohne durch den ehernen Mund der Glocken lauten Willkomm bieten.“

„Du magst recht haben,“ erklärte Brummhuber.

Eine volle halbe Stunde währte das harmonische Geläute, dann verstummte es . . .

Und die Sonne, die Spenderin alles Lichtes und Lebens, war inzwischen im Westen verglüht. Leise bewegten sich im leichten Abendwinde die blühenden Bäume an der Talseite und sandten ihren Duft herauf zu den Gelehrten, die da an den offenen Fenstern des Gemaches saßen und die Lieblichkeit des Landschaftsbildes still genossen.

„Was kommt denn da die Weinsteige herauf?“ fragte Brummhuber erstaunt und machte seine Freunde auf eine Masse von Lampions aufmerksam, die sich einer feurigen Schlange gleich gegen die Bopserhöhe zu bewegten.

„Fridolin, das gilt dir,“ lachte Piller.

„Ich bin wirklich begierig, was dir und uns noch diesen Abend bevorsteht,“ äußerte sich Stiller. „Unser Oberbürgermeister scheint die kurze Zeit heute fieberhaft ausgenützt zu haben, um deine Rückkehr würdig zu ehren.“

„Das kommt mir auch so vor,“ antwortete Frommherz. „Ich würde aber am liebsten auf jede weitere Ehrung verzichten. Ähnlich äußerte ich mich dem Oberbürgermeister gegenüber ja schon am Kursaale.“

„Ergib dich in dein unvermeidliches Schicksal, Freund Fridolin! Ohne Sang und Klang darf dieser denkwürdige Tag nicht in der unwiederbringlich verlorenen Vergangenheit verschwinden,“ sprach Piller.

Näher dem Hause kam der Zug. Es war die Liedertafel von Stuttgart, die da durch den Garten zog und sich vor dem Hause aufstellte. Eine feierliche Stille trat ein. Dann intonierte der große Männerchor das prachtvolle Lied: „Des Vaterlandes Gruß.“

Frommherz, tief bewegt durch den vollendet schönen Vortrag, war mit seinen Freunden zu den Sängern getreten und dankte ihnen mit innigen Worten. Stiller lud die Sänger zu einem kühlen Trunke ein. Piller sorgte, unterstützt durch die Dienerschaft des Hauses, für das Getränk, und bald entwickelte sich in dem Garten ein feucht-fröhliches Sängerleben. Noch ein Lied zum Abschied, dann ein Hoch auf den Zurückgekehrten, und der Männerchor bewegte sich in der gleichen Weise, wie er gekommen,abwärts, der Stadt wieder zu. Am mitternächtigen Himmel aber stand in strahlender Schönheit Mars, das freiwillig aufgegebene Paradies der Söhne Schwabens.

Während die führenden Zeitungen am Tage nach Frommherz’ Rückkehr den Gelehrten in achtungsvoll gehaltenen Leitartikeln begrüßten und feierten, saßen die Freunde in Stillers gemütlichem Balkonzimmer und lauschten dem Berichte des Weltenseglers. Aber ohne Mißton in der Begrüßung durch die Presse sollte es leider nicht abgehen.

Das seit kurzer Zeit bestehende Organ „Der Volksmund“, das seine Unbedeutendheit durch maßloses Schimpfen auf alles, was ihm nicht in den Kram paßte, zu decken suchte, brachte einen Artikel, der nicht nur gegen Frommherz allein, sondern auch gegen die übrigen kühnen Marsbesucher gerichtet war. „Warum,“ so fragte das Organ, „ist dieser Mann zurückgekommen? Entweder hat man ihn fortgewiesen, wo er war, oder er ist selbst gegangen — was wir annehmen wollen — weil eben auf jenem Planeten die Lebensbedingungen doch nicht die sind, von denen seine Freunde einst vor Jahren so viel Aufhebens machten. Schon damals war es zu verwundern gewesen, daß die Herren ein Eldorado verlassen haben, in dem ihren eigenen Aussagen nach Milch und Honig fließen und alles vollkommen sein sollte. Ihre Behauptungen konnte man natürlich nicht widerlegen, undso mußte man sie eben achselzuckend und zweifelnd für einstweilen annehmen.

Nun aber, da Fridolin Frommherz wieder auf die Erde niedergestiegen, hat er seinen großsprecherischen Freunden unwillkürlich eine höchst derbe Lektion erteilt und sie durch seine Rückkehr gewissermaßen Lügen gestraft. Kein vernünftiger Mensch kann allen Ernstes mehr glauben, daß Mars das sogenannte Paradies sein soll. Eva und Adam sind, biblisch gesprochen, auch nicht freiwillig aus dem Paradiese fortgegangen, noch weniger aber ziehen Männer, die, wie die Weltreisenden, von Jugend auf nur an Wohlleben gewöhnt sind, von einem Orte weg, der angeblich das wirkliche Schlaraffenland vorstellt. Da steckt anderes dahinter, das man natürlich nicht zu gestehen wagt, um sich billige Lorbeeren um den kecken Kopf zu legen,“ schloß der Artikel.

Das Blatt war mit der Morgenpost Stiller zugesandt worden. Er würde es gar nicht weiter beachtet haben, da aber der Artikel selbst mit dicken roten Strichen umgeben war, so erregte dies Stillers Interesse. Er überflog den Inhalt kurz und wandte sich dann dem zurückgekehrten Freunde zu.

„Fridolin, bitte, eine kleine Unterbrechung in deiner Erzählung. Das Machwerk, das ich hier in der Hand habe, verdient allerdings keine besondere Beachtung, das wäre gewissermaßen eine Ehrung, aber es zeigt doch, auf welchem Tiefstand der Gesinnung sich noch manche Menschen bewegen, die sich anmaßen, legitime Vertreter der öffentlichen Meinung zu sein.“

Stiller las den Artikel vor. Er regte nur Piller auf. „Giftkröten, die man zertreten sollte,“ schimpfte er.

„Leichtfertige Menschen dieser Art sind mehr zu bedauern als zu verdammen,“ antwortete Stiller.

„Ach was bedauern,“ knurrte Piller. „Ausreißen muß man das Unkraut.“

„Damit bin ich nur insofern einverstanden, als es sich um wirklichen Auswurf des Menschengeschlechtes handelt. In vorliegendem Falle aber ist es tatsächlich der Mangel an Einsicht, an wirklicher Bildung, dieser fundamentalen Grundlage der vernünftigen Selbstkritik, der uns hier gegenübertritt, und das ist es, was ich bedaure.“

„Ich stimme dir bei,“ sprach Frommherz. „Ein Mensch, der sich seiner Würde als solcher bewußt ist, wird niemals niedrig denken und handeln. Die Menschen auf die Höhe des wahren Menschentums zu heben, an dieser Arbeit kräftig mitzuwirken, war ja einer der treibenden Gründe meiner Rückkehr.“

„Eine Sisyphusarbeit,“ rief Piller.

„Ausdauer und fester Wille werden sie bewältigen und ihr schließlich zum Erfolge helfen. Nicht uns wird sie gelingen, nein, dazu bedarf es der Zeit von Jahrhunderten, aber als Arbeiter im Dienste des Wahren, Guten und Schönen müssen wir schon jetzt unser Bestes zur Verwirklichung des Menschheitsideales beizutragen suchen. Doch nun fahr in deinem Berichte fort, Fridolin,“ bat Stiller.

Frommherz schilderte seinen Freunden, wie die ihrer Abreise folgenden Jahre auf dem Mars mit der Bearbeitung des Wörterbuches vorübergegangen seien, wie er im Hause Bentans in Angola gelebt und auch dort einen zarten Liebestraum geträumt habe. Er verschwieg nicht den Schmerz, den die Entsagung, der Verzicht auf die Erfüllung seiner sehnsüchtigen Wünsche ihm zuerst verursacht habe, in der Arbeit aber habe er den besten Trost und Wiederaufrichtung gefunden und später Bentans ablehnende Haltung seinem Herzenswunsche gegenüberals völlig berechtigt und nur seinem eigenen Wohle dienend anerkennen müssen. Dann berichtete er ausführlich von dem Riesenwerke, das die Marsiten ausgeführt.

Mit außerordentlicher Teilnahme hörten die drei Freunde von dieser gewaltigen Tat des Solidaritätsgefühles der Marsiten.

„Großartig, wirklich großartig!“ rief Piller, erregt vom Stuhle aufspringend und mit hastigen Schritten das Zimmer messend. „Und denke dir, Fridolin, Stiller hat das von hier aus mit dem Fernrohre verfolgt! Noch vor wenigen Monaten, am 7. Dezember letzten Jahres, sprachen wir in diesem selben Zimmer davon, und unser Freund zeigte uns nachher das veränderte Kanalsystem auf dem Mars durch das Teleskop.“

„Benötigst du nicht wieder eines Schöppleins?“ foppte Brummhuber.

„Warum nicht? Doch ich werde dir brummigem Huber mit dem vortrefflichen Namen einmal beweisen, daß auch ich verzichten kann. Fridolin, fahre fort!“

Frommherz erzählte von der umformenden Wirkung, die die gemeinsame Arbeit mit den Marsiten, ihr Näherkennenlernen in den Jahren der Not in seinem Denk- und Empfindungsvermögen nach und nach hervorgebracht, und wie dadurch von ihm endlich auch die frühere Handlungsweise des Freundes Stiller begriffen worden sei. Mit dem Begreifen sei dann der Entschluß in ihm gereift, dem gegebenen Beispiele zu folgen und in gleichem Sinne wie Stiller auf der Erde zu wirken. Nach Anans Tode sei Bentan an dessen Stelle getreten, und in der ersten Versammlung des Stammes der Weisen unter Bentans Vorsitz habe er sein Anliegen vorgebracht, das von den Marsiten auf das günstigste aufgenommen worden sei.

„Es war in demselben Saale des Palastes in Angola, indem wir sieben einst zum letzten Male zusammen waren,“ fuhr Frommherz fort. „Dort befinden sich eure Bilder mit den nähere Angaben tragenden Marmortafeln. In hohem, ehrendem Andenken lebt ihr dort oben weiter. Und von allen Seiten, besonders aber von dem ehrwürdigen Eran, wurden mir für euch die innigsten Grüße und die besten Wünsche für euer Wohlergehen mitgegeben. Und nun hat der Tod drei von uns weggerafft, die ich nicht mehr sehen durfte.

Meine Reise war lang, aber sehr erträglich. Einige Male kam unser Fahrzeug in die gefährliche Nähe einer Kometenbahn; fast wären wir mit einem Meteoriten von gewaltigen Dimensionen zusammengestoßen, und beim Eintritt in die Erdatmosphäre drohten die Blitze des schrecklichsten Gewitters, das ich je erlebt, unser Luftschiff zu entzünden; sonst aber verlief der Flug durch den ungeheuren Weltenraum günstig. Ein Blick auf Eros und ein Besuch auf dem Monde bot eine Fülle des Interessanten, von dem ich euch einmal eingehend berichten werde. In Sibirien, beim Baikalsee, trafen wir auf die Erde. Von dort nahm das Luftschiff den Kurs nach Westen. Vorgestern abend kamen wir über Stuttgart an, das ich sofort trotz der bedeutenden Höhe, in der unser Luftschiff schwebte, an seiner eigenartigen Lage wiedererkannte. In aller Frühe wurde ich gestern, meinem Wunsche entsprechend, auf dem Wasen abgesetzt.“

Eine lange Pause trat ein, als Frommherz seine inhaltreiche Erzählung beendigt hatte. Stiller berichtete nun über seine und seiner Gefährten Rückkehr zur Erde vor elf Jahren, den Empfang an den verschiedenen Orten der Welt und schließlich den Einzug in Stuttgart. Dann erzählte er von dem Tode der drei Freunde. Hämmerle sei drei Jahre nach der Rückkehr gestorben, nachdem er lange gemütskrank gewesen. Dann seiThudium ganz plötzlich, unvermittelt eingegangen in das Schattenreich. Ihm sei Dubelmeier gefolgt, der an Arterienverkalkung gelitten, obgleich Piller dies nicht gelten lasse, sondern behaupte, Dubelmeier sei lediglich aus Mangel an Durst vorzeitig in die Grube gefahren.

Seit Jahren schon hätten sie in Tübingen einen Bund gegründet, der in Wort und Schrift für das wahre Menschentum und die natürliche Moral eintrete und den Kampf gegen alles Unwahre energisch und mit sichtbarem Erfolge aufgenommen habe. Hier in seinem Heim sei die Stätte, wo sich die ehemaligen Gefährten der Planetenfahrt zeitweise immer zusammenfänden, um alten Erinnerungen an den Aufenthalt auf dem prächtigen Mars in ungestörter Weise zu leben.

Jetzt sei er, Fridolin, das vierte hochwillkommene Mitglied in diesem engsten Bruderbunde, der, einem Mutterkristalle vergleichbar, aus dem Strome des ihn umfließenden Lebens noch manchen andern edlen Kristall zur Angliederung anziehen werde.

Während Frommherz’ und Stillers Berichten waren die Stunden in raschem Fluge herumgegangen. Nach dem Mittagessen wollten die Freunde einen kleinen Spaziergang durch den Bopserwald machen, als der Diener die Ankunft von zwei Herren meldete, die Stiller in einer dringenden Angelegenheit zu sprechen wünschten. Die abgegebenen Karten lauteten auf Julius Schnabel und Adolf Blieder.

„So, so, die sind es, die Pfuscher am „Weltensegler“ von ehemals,“ bemerkte Piller spöttisch, als er einen raschen Blick auf die Karten geworfen hatte.

„Ich kann sie nicht gut ablehnen,“ entgegnete Stiller. „Da ich aber vor euch kein Geheimnis zu wahren habe, so mögen sie mir in eurer Gegenwart sagen, was sie von mir wollen.“

„Wird was Gescheites sein,“ brummte Piller. „Doch immerhin, laß sie eintreten.“

Die beiden Herren, die im Laufe der Jahre, dank ihrem Wohlleben, körperlich sehr gewichtige Männer geworden waren, betraten das Zimmer und begrüßten Stiller freundlich.

„Die Herren Piller und Brummhuber kennt ihr. Dies hier ist Herr Frommherz, der gestern vom Mars zurückkam und auf dem Wasen landete,“ stellte Stiller vor.

„Seinetwegen kommen wir ja zu dir,“ trompetete Schnabel, sich vor Frommherz verneigend, so gut es eben seine Körperfülle zuließ.

„Nun, so setzt euch zunächst und dann bringt euer Begehr vor,“ bat Stiller. Die Herren folgten der Einladung.

„Du weißt, daß wir vor Jahren schon in den Vorstand der Kommission für das Denkmal gewählt wurden, das dir und deinen berühmten Herren Begleitern auf deiner Marsreise zu Ehren gesetzt wurde.“

„Nicht meinen Begleitern, sondern meinen Gefährten und Freunden und nicht auf meiner, sondern auf unserer gemeinsamen Marsreise, mein lieber Blieder,“ korrigierte Stiller.

„Nun ja, also . . . . hm, was wollte ich gleich sagen?“

„Das kann ich doch nicht wissen,“ antwortete Stiller lächelnd.

„Von dem Denkmal,“ kam Schnabel dem Verlegenen zu Hilfe.

„Ja, von dem Denkmal. Nun, das macht uns der Rückkehr des Herrn Frommherz wegen rechte Sorgen.“

„Wieso?“ fragte Stiller erstaunt.

„Es entsteht die Frage einer Änderung, und letztere ist eine kostspielige Sache.“

„Eine Änderung?“

„Ja,“ nahm jetzt Schnabel das Wort, „diese völlig unerwarteteRückkehr des Herrn Frommherz stellt uns vor eine schwierige Entscheidung.“

„Deshalb kommt ihr zu mir, nicht wahr?“

„Ja!“

„Wo liegt denn diese Schwierigkeit?“ forschte Piller.

„In der Inschrift der vierten Seite,“ gestand Herr Blieder.

„Ah, jetzt verstehe ich. Natürlich ein höchst schwieriger Fall,“ erwiderte Piller nicht ohne Hohn.

„Gewiß,“ antwortete Herr Schnabel, Pillers Hohn nicht bemerkend. „Es handelt sich möglicherweise um eine Abtragung des ganzen Denkmals, denn die einmal eingehauenen Worte lassen sich von dem Obelisken nicht so einfach, wie Sie vielleicht glauben mögen, wegmeißeln, ohne dem Ganzen ein verändertes und unschönes Aussehen zu geben.“

„Was wissen denn Sie, was ich deshalb glaube?“ entgegnete Piller grob.

„An uns, als die Vorsitzenden des Denkmalkomitees,“ fuhr Herr Schnabel fort, „ist seit gestern die Aufgabe herangetreten, umgehend einen Vorschlag dem Stadtrat einzureichen zwecks Änderung, und da befürchten wir recht lebhafte und unangenehme Debatten.“

„Ja, aber lieber Schnabel, was berührt denn mich das?“ meinte Stiller lächelnd.

„Vielleicht weißt du uns einen praktischen Rat oder Ausweg aus der Sache.“

„Eine verzweifelt dumme Geschichte,“ spottete Piller.

„Nicht wahr?“ klagte Herr Blieder in aufrichtiger Verlegenheit.

„Das will ich meinen,“ bestätigte Piller ernsten Tones.

Frommherz und Brummhuber mußten über die komischtraurigen Gesichter der beiden Besucher unwillkürlich lächeln. Stiller selbst schien in Gedanken verloren.

„So laßt doch auf der fraglichen Seite des Obelisken, auf der es sich um Frommherz handelt, die weitern Worte einmeißeln: Nach 14 ½ jähriger Abwesenheit am 5. Mai . . . wieder vom Mars zurückgekehrt. Sollte das nicht gehen?“

„Das Ei des Columbus,“ rief Herr Schnabel voll Freude. „Du hast es getroffen! Wie einfach und klar lag eigentlich die Lösung, so daß es mir jetzt schon ganz unbegreiflich erscheint, nicht von selbst darauf gekommen zu sein.“

„Ja, das Allereinfachste ist mitunter das, was uns am meisten Kopfzerbrechen verursacht,“ erwiderte Herr Stiller, seine ehemaligen Schulgenossen mit überlegenem Lächeln betrachtend. „Wir haben dies ebenfalls bei der Konstruktion des ‚Weltenseglers‘ vor fünfzehn Jahren erlebt, nicht wahr?“

„Gewiß, gewiß,“ beeilte sich Herr Blieder zu bestätigen.

„Dafür haben aber auch die Herren Ruhm und Ehre geerntet, dank Columbus Stiller,“ rief Piller.

Herr Schnabel und Herr Blieder sahen bei diesen Worten etwas verdutzt auf Piller. Es wurde ihnen vor dem Gelehrten mit seinen scharfen Augen und dem spöttischen Lächeln um die Mundwinkel unbehaglich zumute, und so beeilten sie sich mit Worten des Dankes für den erteilten Rat zu gehen.

„Die gehören zu jener Klasse von Parasiten, die auf Kosten anderer leben,“ äußerte sich Brummhuber, als die beiden das Zimmer verlassen hatten.

„Du hast recht,“ bestätigte Piller. „Mir sind Leute, die sich immer mit den Federn anderer zu schmücken suchen, im Grunde der Seele zuwider.“

„Harmlose Strohköpfe,“ suchte sie Stiller zu entschuldigen.

„Nur bedingt harmlos, lieber Stiller,“ entgegnete Piller. „Die Dummheitpaart sich oft genug mit der Heimtücke, und von letzterer sind Schnabel und Blieder nicht gänzlich frei.“

„Verlassen wir das Thema!“ bat Stiller. „Es lohnt sich wirklich nicht, darüber weiter zu sprechen; denn die beiden sind tatsächlich zu unbedeutend für uns.“

Als die Gelehrten ihren geplanten Spaziergang ausführen wollten und soeben aus dem Hause traten, fuhr ein elegantes Autoelektrik vor. Ihm entstieg der Graf von Neckartal.

„Gut, daß ich Sie noch treffe, meine verehrten Herren,“ rief er heiter. „Ich sauste hier herauf, um unsern berühmten, der Heimat wiedergeschenkten Professor Frommherz zu begrüßen. Lassen Sie mich Ihnen die Hand zum Willkomm drücken. Dem goldenen Lorbeerkranz entgehen Sie nicht,“ erklärte der Graf, Frommherz umarmend und mit ihm und den übrigen Herren ins Haus eintretend.

„Wer hätte geglaubt, daß Sie den herrlichen Mars gegen die in Extremen sich bewegende Erde je wieder eintauschen würden!“ fuhr Herr von Neckartal fort, als sich die Herren gesetzt hatten. „Wie eine Bombe schlug gestern die Nachricht ein. Ich sage Ihnen, die erstaunten und verblüfften Gesichter hätten Sie sehen sollen, als es hieß, unser letzter Marsreisender sei wieder auf schwäbischem Boden erschienen. Einfach zum Heulen vor Vergnügen! Frommherz, ich will gewiß kein Unkraut säen, aber mancher wünschte Sie im ersten Augenblicke wieder dahin zurück, woher Sie kamen.“

„Kenn’ ich doch meine lieben Deutschen und kann’s mir also in etwas vorstellen,“ warf Piller lachend ein. „Unser Freund kam eben gegen alle Regeln der Gesellschaft unangemeldet zurück, ohne vorherige Erlaubnis.“

„Daß Sie gerade auf dem Wasen landen mußten, würde man schließlich noch hingenommen haben, aber das blitzschnelle Verschwinden Ihres Luftschiffes von hier wurde zuerst als eine grobe Beleidigung der Hauptstadt empfunden. Einige Tage wenigstens hätte es sich mit seinen Insassen unsern guten Stuttgartern schon zeigen dürfen. Gerade auf die Bekanntschaft mit den Marsiten war man allgemein gespannt, und die Enttäuschung, diese merkwürdigen Menschen nicht gesehen zu haben, war groß.“

„Gekränkte Neugier und Eitelkeit, nichts anderes,“ bemerkte Stiller. „Ich habe doch meinen Landsleuten schon öfters erklärt, daß die Bewohner des Mars gewichtige Gründe hätten, den Verkehr mit uns abzulehnen.“

„Nun, der erste Unmut darüber ist rasch verflogen gewesen. Viel dazu trug bei, als das Abenteuer unseres lieben Frommherz mit der Polizei bekannt wurde.“

„So etwas kann vorkommen,“ entschuldigte Frommherz.

„Immerhin ein gelungener, unsterblich lächerlicher Streich. Aber jetzt komme ich mit einer Bitte zu Ihnen, mein lieber Frommherz,“ fuhr der Graf fort. „Halten Sie sich nicht fern von uns, sondern schenken Sie uns die Ehre Ihres baldigen Besuches. Wir sind außerordentlich begierig auf das, was Sie uns sagen wollen, und möchten von Ihnen schon heute abend, falls Sie nicht zu müde sind, einige Mitteilungen entgegennehmen. Ich wurde gestern in unserm Vereine von allen Seiten bestürmt, Sie darum zu bitten.“

„Ich werde Ihrem Wunsche in bescheidenem Umfange zu entsprechen suchen,“ antwortete Frommherz. „Wann soll ich erscheinen?“

„Um acht Uhr in der Liederhalle.“

„Gut! Ihr kommt doch mit mir, meine Freunde?“

„Selbstverständlich,“ knurrte Piller, ehrlich zornig über die seinem Freunde gemachte wenig rücksichtsvolle Zumutung.

„Also bis heute abend, meine Herren. Auf Wiedersehen und besten Dank für Ihr Entsprechen!“ Damit verabschiedete sich der Graf von Neckartal.

„Kaum zurück, wirst du zu einem Vortrage gepreßt, mit dem es wahrlich keine Eile gehabt hätte,“ polterte Piller, als der Graf gegangen war.

„Er wird kurz genug ausfallen, laß mich nur machen,“ erwiderte Frommherz lächelnd. „Ihr habt ja durch eure Publikationen über den Mars und seine Bewohner, wie ihr mir gesagt, genügende und erschöpfende Schilderungen gegeben. Somit bleibt mir glücklicherweise nur wenig mehr zu erklären übrig.“

„Es ist gut, daß du meine Größe hast, Fridolin. So kann ich dir mit entsprechender Kleidung für heute abend aushelfen. Auch mein Diener Hans, ein ehemaliger Haarkünstler, wird dir deine Marsitenmähne nach augenblicklicher Erdenmode um- und zustutzen,“ sprach Stiller. „Und nun laßt uns noch ein wenig den schönen Tag genießen und durch Wald und Flur streifen!“

Pünktlich um acht Uhr betraten die berühmten Gelehrten die festlich bekränzte und erleuchtete Liederhalle. Graf von Neckartal führte Herrn Frommherz in den großen Saal, der bis auf den letzten Platz von Stuttgarts bestem Publikum besetzt war. Minutenlanges Händeklatschen und Bravorufen empfing Frommherz, als er mit seinem Führer langsam und würdevoll dem Podium zuschritt, auf dessen Hintergrund seine drei Freunde Platz genommen.

Eine kurze, offizielle Begrüßungsrede des Vorsitzenden schloß mit einer scharfen Verurteilung des heutigen, im „Volksmund“ erschienenen Artikels. Nun erhielt Frommherz das Wort.

„Verehrte Anwesende!“ hub er mit seiner klangvollen Stimme zu sprechen an. „Nehmen Sie zuerst meinen verbindlichen Dank für den Willkomm, den Sie mir geboten. Daß mein Fortgehen vom Mars, auf dem ich während vierzehn Jahren gelebt, Ihnen eine große Überraschung bereitet hat, ist nach dem, was Sie von jenem Planeten durch meine Freunde gehört haben, nur zu leicht begreiflich. Es werden Sie daher die Gründe besonders interessieren, die mich zur Rückkehr in die alte schwäbische Heimat veranlaßten. Ich muß dabei etwas weiter ausholen.

Wie Sie wissen, war ich einst Professor religiöser Ethik an der Universität in Tübingen, als ich diese Professur aufgab, um mit meinen Gefährten und treuen Freunden die gewagte Reise nach dem fernen Kinde des Lichtes zu unternehmen. Meine Beschäftigung mit der Pflege des Geistes in ethisch-religiöser Richtung hatte mir meinen Glauben an den Wert unserer Kultur wie auch an die der führenden Nationen der Mutter Erde in starkes Wanken gebracht. Was sah ich in dieser Richtung überall hier unten? Eine Ablösung des Menschen von seiner natürlichen Basis. Als Folge davon ein künstliches Dasein mit Tausenden von Bedürfnissen, mit tausendfachen Abhängigkeitsverhältnissen und einer dadurch bedingten untergehenden individuellen Selbständigkeit.

Eine Weichlichkeit der Seele, ein betrübendes Siechtum der Kraft und des Selbstvertrauens bei zunehmendem Raffinement des Lebens. Immer weniger wurde das Leben hier eigenes Leben und bei allem Prunke äußerer Erfolge wurde es mehr und mehr ein unglückliches, haltloses Dasein. Ob dies heute gegen früher um vieles besser geworden ist? Ich wage zu zweifeln.

Ein schrankenloser Egoismus beherrschte alle und alles. Dem heftigsten Kampfe um die materiellen Güter, um Macht und Erwerb und um die Sicherheit für die Zukunft folgten ebenso heftige, rasch wirkende Genüsse, die Körper und Geist der Menschen gleich verderblich schädigten. Das Ich war der Götze, dem auch die ideellen Güter geopfert wurden. Das war die Signatur unserer so sehr gepriesenen Kultur, und ich fürchte, daß sie es wahrscheinlich auch noch heute ist.

Und nun kamen wir nach dem Mars. Was wir dort sahen und erlebten, wissen Sie ja zur Genüge aus den Schilderungen meiner Freunde. Die hohe Kultur des Marsvolkes aber bannte mich in ihren wunderbar schönen Zauberkreis. Ich war unsagbar glücklich darüber, das Ideal des Daseins da oben in vollendeter Form vorgefunden zu haben. Die Erde reizte mich nicht mehr zur Rückkehr, und so ließ ich meine Freunde fortziehen und blieb allein, gegen ihren Willen, zurück.

Welch ein Gegensatz besteht zwischen dem Leben dort und hier! Das Prinzip des naturgemäßen Lebens, das ich hier unten vertrat, dort oben traf ich es verwirklicht. Und das Resultat ist daher keine kranke, sondern eine gesunde, frohe und frische Kultur, getragen von jener wahren, echten Menschlichkeit, die nur im Wohle des Nächsten das eigene Glück erblickt. Auf dem Mars ist jeder einzelne von Jugend auf gewöhnt, sich geistig und körperlich zu beschäftigen. Er findet daher keine Zeit, allzuviel an sich selbst zu denken, sein eigenes Ich in den Vordergrund zu stellen, einem Subjektivismus zu frönen, der hier unten eine so große und verderbliche Rolle spielt.

Die Pflege des Idealen, die Gattungsliebe, nur von dem Wunsche beseelt, der Gesamtheit zu dienen, lediglich beeinflußt von der Rücksicht auf das Wohl aller, schafft bei den Marsitenals natürliche Folge jenes wunderbare Gleichgewicht des Innern, das ihrer materiellen Tätigkeit, dem auch auf dem Mars bestehenden Kampfe ums Dasein jegliches Schädigende, Verletzende und Giftige vorwegnimmt. Ein gereiftes, hochstehendes Volk, gleich kräftig und gesund an Körper wie an Geist, ein Volk, bei dem die Solidarität die Haupttriebkraft seines ganzen Handelns bildet.


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