Vierter Akt.

Helene verbeugt sich; ab.

Helene verbeugt sich; ab.

Hoffmannmit dem Streichholzetui nach dem Cigarrenkistchen, das auf dem Buffet steht, zuschreitend. Das muß wahr sein ... Du bringst einen in Hitze, ... ordentlich unheimlich.Nimmt eine Cigarre aus der Kiste und läßt sich dann auf das Sopha linksvorn nieder. Er schneidet die Spitze der Cigarre ab und hält während des Folgenden die Cigarre in der linken, das abgetrennte Spitzchen zwischen den Fingern der rechten Hand.Bei alledem ... es amüsirt doch. Und dann: Du glaubst nicht, wie wohl es thut, so’n paar Tage auf dem Lande, abseit von den Geschäften, zuzubringen. Wenn nur nicht heute dies verwünschte ... wie spät ist es denn eigentlich? Ich muß nämlich leider Gottes heute zu einem Essen nach der Stadt. — Es war unumgänglich: dies Diner mußte ich geben. Was soll man machen als Geschäftsmann? — Eine Hand wäscht die andere. Die Bergbeamten sind nun mal d’ran gewöhnt. — Na! eine Cigarre kann man noch rauchen — in aller Gemüthsruhe.Er trägt das Spitzchen nach dem Spucknapf, läßt sich dann abermals auf das Sopha nieder und setzt seine Cigarre in Brand.

Lotham Tisch; blättert stehend in einem Prachtwerk. Die Abenteuer des Grafen Sandor.

Hoffmann.Diesen Unsinn findest Du hier bei den meisten Bauern aufliegen.

Lothunter dem Blättern. Wie alt ist eigentlich Deine Schwägerin?

Hoffmann.Im August einundzwanzig gewesen.

Loth.Ist sie leidend?

Hoffmann.Weiß nicht. - Glaube übrigens nicht — macht sie Dir den Eindruck? —

Loth.Sie sieht allerdings mehr verhärmt als krank aus.

Hoffmann.Na ja! die Scheerereien mit der Stiefmutter ...

Loth.Auch ziemlich reizbar scheint sie zu sein!?

Hoffmann.Unter solchen Verhältnissen ...... Ich möchte den sehen, der unter solchen Verhältnissen nicht reizbar werden würde ...

Loth.Viel Energie scheint sie zu besitzen.

Hoffmann.Eigensinn!

Loth.Auch Gemüth, nicht?

Hoffmann.Zu viel mitunter .......

Loth.Wenn die Verhältnisse hier so mißlich für sie sind — warum lebt Deine Schwägerin dann nicht inDeinerFamilie?

Hoffmann.Frag’ sie, warum! — Oft genug hab ich ihr’s angeboten. Frauenzimmer haben eben ihre Schrullen.Die Cigarre im Munde, zieht Hoffmann ein Notizbuch und summirt einige Posten.Du nimmst es mir doch wohl nicht übel, wenn ich ... wenn ich Dich dann allein lassen muß?

Loth.Nein, gar nicht.

Hoffmann.Wie lange gedenkst Du denn noch ...?

Loth.Ich werde mir bald nachher eine Wohnung suchen. Wo wohnt denn eigentlich Schimmelpfennig? Am besten, ich gehe zu ihm. Der wird mir gewiß etwas vermitteln können. Hoffentlich findet sich bald etwas Geeignetes, sonst würde ich die nächste Nacht im Gasthaus nebenan zubringen.

Hoffmann.Wieso denn? Natürlich bleibst Du dann bis morgen bei uns. Freilich, ich bin selbst nur Gast in diesem Hause — sonst würde ich Dich natürlich auffordern ... Du begreifst ...!

Loth.Vollkommen! ...

Hoffmann.Aber sag’ doch mal — sollte das wirklich Dein Ernst gewesen sein ....?

Loth.Daß ich die nächste Nacht im Gast....?

Hoffmann.Unsinn! ... Bewahre! Was Du vorhin sagtest, meine ich. Die Geschichte da — mit Deiner vertrackten descriptiven Arbeit?

Loth.Weshalb nicht?

Hoffmann.Ich muß Dir gestehen, ich hielt es für Scherz.Er erhebt sich, vertraulich, halb und halb im Scherz.Wie? Du solltest wirklich fähig sein, hier ... gerade hier, wo ein Freund von Dir glücklich festen Fuß gefaßt hat, den Boden zu unterwühlen?

Loth.Mein Ehrenwort, Hoffmann! Ich hatte keine Ahnung davon, daß Du Dich hier befändest. Hätte ich das gewußt ....

Hoffmannspringt auf, hocherfreut. Schon gut! schon gut! Wenn die Sachensoliegen .... siehst Du, das freut michaufrichtig, daß ich mich nicht in Dir getäuscht habe. Also, Du weißt es nun, und selbstredend erhältst Du die Kosten der Reise und alles, was drum und dran baumelt, von mir vergütet. Ziere Dich nicht! Es ist einfach meine Freundespflicht .... Daran erkenne ich meinen alten, biederen Loth! Denke mal an: ich hatte Dich wirklich eine Zeit lang ernstlich im Verdacht .... Aber nun muß ich Dir auch ehrlich sagen, so schlecht, wie ich mich zuweilen hinstelle, bin ich keineswegs. Ich habe Dich immer hochgeschätzt, Dich und Dein ehrliches, consequentes Streben. Ich bin der letzte,der gewisse, — leider, leider mehr als berechtigte Ansprüche der ausgebeuteten, unterdrückten Massen nicht gelten läßt. — Ja, lächle nur, ich gehe sogar so weit zu bekennen, daß es im Reichstag nureinePartei giebt, die Ideale hat: und das ist dieselbe, der Du angehörst! .... Nur — wie gesagt — langsam! langsam! — nichts überstürzen. Es kommt alles, kommt alles, wie es kommen soll. Nur Geduld! Geduld ....

Loth.Geduld muß man allerdings haben. Deshalb ist man aber noch nicht berechtigt, die Hände in den Schooß zu legen!

Hoffmann.Ganz meine Ansicht! — Ich hab’ Dir überhaupt in Gedanken weit öfter zugestimmt als mit Worten. Es ist ’ne Unsitte, ich geb’s zu. Ich hab’ mir’s angewöhnt, im Verkehr mit Leuten, die ich nicht gern in meine Karten sehen lasse .... Auch in der Frauenfrage .... Du hast manches sehr treffend geäußert.Er ist inzwischen an’s Telephon getreten, weckt und spricht theils in’s Telephon, theils zu Loth.Die kleine Schwägerin war übrigens ganz Ohr ...In’s Telephon.Franz! In zehn Minuten muß angespannt sein ...Zu Loth.Es hat ihr Eindruck gemacht ...In’s Telephon.Was? — ach was, Unsinn! — Na, da hört doch aber ..... Dann schirren Sie schleunigst die Rappen an .....Zu Loth.Warum sollte es ihr keinen Eindruck machen? ...In’s Telephon.Gerechter Strohsack, zur Putzmacherin sagen Sie? Die gnädige Frau .... die gnä... Ja — na ja! aber sofort — na ja! — ja! — schön! Schluß!Nachdem er darauf den Knopf der Hausklingelgedrückt, zu Loth.Wart’ nur ab, Du! Laß mich nur erst den entsprechenden Monetenberg aufgeschichtet haben, vielleicht geschieht dann etwas ...Eduard ist eingetreten.Eduard! Meine Gamaschen, meinen Gehrock!Eduard ab.Vielleicht geschieht dann etwas, was Ihr mir alle jetzt nicht zutraut .... Wenn Du in zwei oder drei Tagen — bis dahin wohnst Du unbedingt bei uns — ich müßte es sonst als eine grobe Beleidigung ansehen —er legt den Schlafrock ab— in zwei bis drei Tagen also, wenn Du abzureisen gedenkst, bringe ich Dich mit meiner Kutsche zur Bahn.

Eduard mit Gehrock und Gamaschen tritt ein.

Eduard mit Gehrock und Gamaschen tritt ein.

Hoffmannindem er sich den Rock überziehen läßt. So!Auf einen Stuhl niedersitzend.Nun die Stiefel!Nachdem er einen derselben angezogen.Das wäre einer!

Loth.Du hast mich doch wohl nicht ganz verstanden.

Hoffmann.Ach ja! das ist leicht möglich. Man ist so raus aus all den Sachen. Nur immer lederne Geschäftsangelegenheiten. Eduard! ist denn noch keine Post gekommen? Warten Sie mal! — Gehen Sie doch mal in mein Zimmer! Auf dem Pult links liegt ein Schriftstück mit blauem Deckel, bringen Sie’s raus in die Wagentasche.Eduard ab in die Thür rechts, dann zurück und ab durch die Mittelthür.

Loth.Ich meine ja nur: Du hast mich ineiner Beziehungnicht verstanden.

Hoffmannsich immer noch mit dem zweiten Schuh herumquälend. Upsa! .... So!Er steht auf und tritt die Schuhe ein.Da wärenwir. Nichts ist unangenehmer als enge Schuhe ..... Was meintest Du eben?

Loth.Du sprachst von meiner Abreise .....

Hoffmann.Nun?

Loth.Ich habe Dir doch bereits gesagt, daß ich um eines ganz bestimmten Zweckes willen hier am Ort bleiben muß.

Hoffmannauf’s Äußerste verblüfft und entrüstet zugleich. Hör’ mal ....! Das ist aber beinahenichtswürdig! — Weißt Du denn nicht, was Du mir als Freund schuldest?

Loth.Doch wohl nicht den Verrath meiner Sache!?

Hoffmannaußer sich. Nun, dann ... dann habe ich auch nicht die kleinste Veranlassung, Dir gegenüber als Freund zu verfahren. Ich sage Dir also: daß ich Dein Auftreten hier — gelinde gesprochen — fürfabelhaftdreist halte.

Lothsehr ruhig. Vielleicht erklärst Du mir, was Dich berechtigt, mich mit dergleichen Epitheta .....

Hoffmann.Das soll ich Dir auch noch erklären? Da hört ebenverschiedenesauf! Um so was nicht zu fühlen, muß man Rhinoceroshaut auf dem Leibe haben! Du kommst hierher, genieß’st meine Gastfreundschaft, drisch’st mir ein paar Schock Deiner abgegriffnen Phrasen vor, verdrehst meiner Schwägerin den Kopf, schwatzest von alter Freundschaft und so was gut’s und dann erzählst Du ganz naiv: Du wolltest eine descriptive Arbeit über hiesige Verhältnisse verfertigen. Ja, für washältstDu mich denn eigentlich? Meinst Du vielleicht, ich wüßte nicht, daß solche sogenannte Arbeitennichts als schamlose Pamphlete sind? ... Solch eine Schmähschrift willst Du schreiben und zwar über unseren Kohlendistrict. Solltest Du denn wirklich nicht begreifen, wen diese Schmähschrift am allerschärfsten schädigen müßte? Doch nurmich! — Ich sage: man sollte Euch das Handwerk noch gründlicher legen, als es bisher geschehen ist, Volksverführer! die Ihr seid! Was thut Ihr? Ihr macht den Bergmann unzufrieden, anspruchsvoll, reizt ihn auf, erbittert ihn, macht ihn aufsässig, ungehorsam, unglücklich, spiegelt ihm goldene Berge vor und grapscht ihm unter der Hand seinepaarHungerpfennige aus der Tasche.

Loth.Erachtest Du Dich nun als demaskirt?

Hoffmannroh. Ach was! Du lächerlicher, gespreizter Tugendmeier! Was mir das wohl ausmacht, vor Dir demaskirt zu sein! — Arbeite lieber! Laß Deine albernen Faseleien! — Thu was! Komm zu was! Ich brauche Niemand um zweihundert Mark anzupumpen.Schnell ab durch die Mittelthür.

Loth sieht ihm einige Augenblicke ruhig nach, dann greift er, nicht minder ruhig, in seine Brusttasche, zieht ein Portefeuille und entnimmt ihm ein Stück Papier (den Chec Hoffmann’s), das er mehrmals durchreißt, um die Schnitzel dann langsam in den Kohlenkasten fallen zu lassen. Hierauf nimmt er Hut und Stock und wendet sich zum Gehen. Jetzt erscheintHeleneauf der Schwelle des Wintergartens.

Loth sieht ihm einige Augenblicke ruhig nach, dann greift er, nicht minder ruhig, in seine Brusttasche, zieht ein Portefeuille und entnimmt ihm ein Stück Papier (den Chec Hoffmann’s), das er mehrmals durchreißt, um die Schnitzel dann langsam in den Kohlenkasten fallen zu lassen. Hierauf nimmt er Hut und Stock und wendet sich zum Gehen. Jetzt erscheintHeleneauf der Schwelle des Wintergartens.

Heleneleise. Herr Loth!

Lothzuckt zusammen, wendet sich. Ah! Sie sind es. — Nun — dann — kann ichIhnendoch wenigstens ein Lebewohl sagen.

Heleneunwillkürlich. War Ihnen das Bedürfniß?

Loth.Ja! — es war mir Bedürfniß —! Vermuthlich — wenn Sie da drin gewesen sind — haben Sie den Auftritt hier mit angehört — und dann .....

Helene.Ich habe alles mit angehört.

Loth.Nun — dann — wird es Sie nicht in Erstaunen setzen, wenn ich dieses Haus so ohne Sang und Klang verlasse.

Helene.N — nein! — ich begreife —! ..... Vielleicht kann’s Sie milder gegen ihn stimmen ... mein Schwager bereut immer sehr schnell. Ich hab’s oft ...

Loth.Ganz möglich —! Vielleicht gerade deshalb aber ist das, was er über mich sagte, seine wahre Meinung von mir. — Es ist sogar unbedingt seine wahre Meinung.

Helene.Glauben Sie das im Ernst?

Loth.Ja! — im Ernst! Also ....Er geht auf sie zu und giebt ihr die Hand.Leben Sie recht glücklich!Er wendet sich und steht sogleich wieder still.Ich weiß nicht ....! oder besser: —Helenen klar und ruhig ins Gesicht blickend— ich weiß, weiß erst seit ... seit diesem Augenblick, daß es mir nicht ganz leicht ist, von hier fortzugehen .... und .... ja ... und ... na ja!

Helene.Wenn ich Sie aber — recht schön bäte .... recht sehr ... noch weiter hier zu bleiben —?

Loth.Sie theilen also nicht die Meinung Ihres Schwagers?

Helene.Nein! — und das — wollte ich Ihnenunbedingt ... unbedingt noch sagen, bevor ... bevor — Sie — gingen.

Lothergreift abermals ihre Hand. Das thut mirwirklichwohl.

Helenemit sich kämpfend. In einer sich schnell bis zur Bewußtlosigkeit steigernden Erregung. Mühsam hervorstammelnd.Auch noch mehr w—ollte ich Ihnen ... Ihnen sagen, nämlich ... näm—lich, daß — ich Sie sehr hoch—achte und — verehre — wie ich bis jetzt .... bis jetzt noch — keinen Mann ...., daß ich Ihnen — vertraue, — daß ich be—reit bin, das ..... das zu beweisen — daß ich — etwas für — Dich, Sie fühle ...Sinkt ohnmächtig in seine Arme.

Loth.Helene!

Vorhang fällt schnell.

Vorhang fällt schnell.

Wie im zweiten Akt: der Gutshof. Zeit: eine Viertelstunde nach Helenens Liebeserklärung.MarieundGolisch, der Kuhjunge, schleppen sich mit einer hölzernen Lade die Bodentreppe herunter. Loth kommt reisefertig aus dem Hause und geht langsam und nachdenklich quer über den Hof. Bevor er in den Wirthshaussteg einbiegt, stößt er aufHoffmann, der mit ziemlicher Eile durch den Hofeingang ihm entgegenkommt.

Wie im zweiten Akt: der Gutshof. Zeit: eine Viertelstunde nach Helenens Liebeserklärung.

MarieundGolisch, der Kuhjunge, schleppen sich mit einer hölzernen Lade die Bodentreppe herunter. Loth kommt reisefertig aus dem Hause und geht langsam und nachdenklich quer über den Hof. Bevor er in den Wirthshaussteg einbiegt, stößt er aufHoffmann, der mit ziemlicher Eile durch den Hofeingang ihm entgegenkommt.

Hoffmann,Cylinder, Glacéhandschuhe. Sei mir nicht böse.Er verstellt Loth den Weg und faßt seine beiden Hände.Ich nehme hiermit alles zurück! ... Nenne mir eine Genugthuung! ... Ich bin zu jeder Genugthuung bereit! .... Ich bereue, bereue alles aufrichtig.

Loth.Das hilft Dir und mir wenig.

Hoffmann.Ach! — wenn Du doch ... sieh mal ....! Mehr kann man doch eigentlich nicht thun. Ich sage Dir: mein Gewissen hat mir keine Ruhe gelassen! Dicht vor Jauer bin ich umgekehrt, .... daran solltest Du doch schon erkennen, daß es mir Ernst ist. — Wo wolltest Du hin ....?

Loth.In’s Wirthshaus — einstweilen.

Hoffmann.Ach, das darfst Du mir nicht anthun ...! Das thu mir nur nicht an! Ich glaube ja, daß es Dich tief kränken mußte. ’S ist ja auch vielleicht nichtso — mit ein paar Worten wieder gut zu machen. Nur nimm mir nicht jede Gelegenheit .... jede Möglichkeit, Dir zu beweisen .... hörst Du? Kehr um! .... Bleib wenigstens bis ... bis morgen. Oder bis ... bis ich zurückkomme. Ich muß mich noch einmal in Muße mit Dir aussprechen darüber; — das kannst Du mir nicht abschlagen.

Loth.Wenn Dir daran besonders viel gelegen ist ....

Hoffmann.Alles! ... auf Ehre! — ist mir daran gelegen, alles! .... Also komm! ... komm!! Kneif ja nicht aus! — komm!Er führt Loth, der sich nun nicht mehr sträubt, in das Haus zurück. Beide ab.

Die entlassene Magd und der Kuhjunge haben inzwischen die Lade auf den Schubkarren gesetzt, Golisch hat die Traggurte umgenommen.

Die entlassene Magd und der Kuhjunge haben inzwischen die Lade auf den Schubkarren gesetzt, Golisch hat die Traggurte umgenommen.

Marie,während sie Golisch etwas in die Hand drückt. Doo! Gooschla! hust a woas!

Der Jungeweist es ab. Behaal’ Den’n Biema!

Marie.Ae! tumme Dare!

Der Junge.Na, wegen menner.Er nimmt das Geld und thut es in seinen ledernen Geldbeutel.

Frau Spillervon einem der Wohnhausfenster aus, ruft: Marie!

Marie.Woas wullt Er noo?

Frau Spillernach einer Minute aus der Hausthür tretend. Die gnädige Frau will Dich behalten, wenn Du versprichst ....

Marie.Dreck! war ich er versprecha! — Foahr zu, Goosch!

Frau Spillernäher tretend. Die gnädige Frau will Dir auch etwas am Lohn zulegen, wenn Du .....Plötzlich flüsternd.Mach Der nischt draus, Moad! se werd ok manchmal so’n bisken kullerig.

Mariewüthend. Se maag siich ihre poar Greschla fer sich behahl’n! —Weinerlich.Ehnder derhingern!Sie folgt Gosch, der mit dem Schubkarren vorangefahren ist.Nee, a su woas oaber oo! — Do sool eens do glei’ ...Ab. Frau Spiller ihr nach. Ab.

Durch den Haupteingang kommtBaer, genannt Hopslabaer. Ein langer Mensch mit einem Geierhalse und Kropfe dran. Er geht barfuß und ohne Kopfbedeckung; die Beinkleider reichen, unten stark ausgefranst, bis wenig unter die Knie herab. Er hat eine Glatze; das vorhandene braune, verstaubte und verklebte Haar reicht ihm bis über die Schulter. Sein Gang ist straußenartig. An einer Schnur führt er ein Kinderwägelchen voll Sand mit sich. Sein Gesicht ist bartlos, die ganze Erscheinung deutet auf einen einige Zwanzig alten verwahrlosten Bauernburschen.

Durch den Haupteingang kommtBaer, genannt Hopslabaer. Ein langer Mensch mit einem Geierhalse und Kropfe dran. Er geht barfuß und ohne Kopfbedeckung; die Beinkleider reichen, unten stark ausgefranst, bis wenig unter die Knie herab. Er hat eine Glatze; das vorhandene braune, verstaubte und verklebte Haar reicht ihm bis über die Schulter. Sein Gang ist straußenartig. An einer Schnur führt er ein Kinderwägelchen voll Sand mit sich. Sein Gesicht ist bartlos, die ganze Erscheinung deutet auf einen einige Zwanzig alten verwahrlosten Bauernburschen.

Baermit merkwürdig blökender Stimme. Saaa—a—and! Saa—and!

Er geht durch den Hof und verschwindet zwischen Wohnhaus und Stallgebäude.HoffmannundHeleneaus dem Wohnhaus. Helene sieht bleich aus und trägt ein leeres Wasserglas in der Hand.

Er geht durch den Hof und verschwindet zwischen Wohnhaus und Stallgebäude.HoffmannundHeleneaus dem Wohnhaus. Helene sieht bleich aus und trägt ein leeres Wasserglas in der Hand.

Hoffmannzu Helene. Unterhalt ihn bissel! verstehst Du? — Laß ihn nicht fort — es liegt mir sehr viel daran. — So’n beleidigter Ehrgeiz .... Adieu! — Ach! Soll ich am Ende nicht fahren? — Wie geht’s mit Martha? — Ich hab so’n eigenthümliches Gefühl, als ob’s bald ..... Unsinn! — Adieu! ... höchste Eile!Ruft.Franz! Was die Pferde laufen können!Schnell ab durch den Haupteingang.

Helenegeht zur Pumpe, pumpt das leere Glas voll und leert es auf einen Zug. Ein zweites Glas Wasser leert sie zur Hälfte. Das Glas setzt sie dann auf das Pumpenrohr und schlendert langsam, von Zeit zu Zeit rückwärts schauend, durch den Thorweg hinaus.Baerkommt zwischen Wohnhaus und Stallung hervor und hält mit seinem Wagen vor der Wohnhausthür still, wo Miele ihm Sand abnimmt. Indeß istKahlvon rechts innerhalb des Grenzzaunes sichtbar geworden, im Gespräch mitFrau Spiller, die außerhalb des Zaunes, also auf dem Terrain des Hofeingangs, sich befindet. Beide bewegen sich im Gespräch langsam längs des Zaunes hin.

Helenegeht zur Pumpe, pumpt das leere Glas voll und leert es auf einen Zug. Ein zweites Glas Wasser leert sie zur Hälfte. Das Glas setzt sie dann auf das Pumpenrohr und schlendert langsam, von Zeit zu Zeit rückwärts schauend, durch den Thorweg hinaus.Baerkommt zwischen Wohnhaus und Stallung hervor und hält mit seinem Wagen vor der Wohnhausthür still, wo Miele ihm Sand abnimmt. Indeß istKahlvon rechts innerhalb des Grenzzaunes sichtbar geworden, im Gespräch mitFrau Spiller, die außerhalb des Zaunes, also auf dem Terrain des Hofeingangs, sich befindet. Beide bewegen sich im Gespräch langsam längs des Zaunes hin.

Frau Spillerleidend. Ach ja — m — gnädiger Herr Kahl! Ich hab — m — manchmal so an Sie — m — gedacht — m — wenn ... wenn das gnädige Freilein ... Sie ist doch nun mal — m — so zu sagen — m — mit Sie verlobt, und da .... ach! — m — zu meiner Zeit ...!

Kahlsteigt auf die Bank unter der Eiche und befestigt einen Meisekasten auf dem untersten Ast. W — wenn werd denn d.. dd.. doas D... d... d... dukterluder amol sssenner W... wwwege gihn? hä?

Frau Spiller.Ach, Herr Kahl! ich glaube — m — nicht so bald. — A.. ach, Herr — m — Kahl, ich bin zwar so zu sagen — m — etwas — m — herabjekommen, aber ich weiß so zu sagen — m —, was Bildung ist. In dieser Hinsicht, Herr Kahl ...., das Freilein — m — das gnädige Freilein ...., das handeln nicht gut gegen Ihnen — nein! — m — darin, so zu sagen — m —habe ich mir nie etwas zu Schulden kommen lassen — m — mein Gewissen — m — gnädiger Herr Kahl, ist darin so rein ... so zu sagen, wie reiner Schnee.

Baer hat sein Sandgeschäft abgewickelt und verläßt in diesem Augenblick, an Kahl vorübergehend, den Hof.

Baer hat sein Sandgeschäft abgewickelt und verläßt in diesem Augenblick, an Kahl vorübergehend, den Hof.

Kahlentdeckt Baer und ruft. Hopslabaer, hops amool!

Baer macht einen riesigen Luftsprung.

Baer macht einen riesigen Luftsprung.

Kahlvor Lachen wiehernd, ruft ein zweites Mal. Hopslabaer, hops amool!

Frau Spiller.Nun da — m — ja, Herr Kahl! ...... ich meine es nur gut mit Sie. Sie müssen Obacht geben — m — gnädiger Herr! Es — m — es ist was im Gange mit dem gnädigen Fräulein und — m — m —

Kahl.D.. doas Dukterluder ... ok bbbblußig emool vor a Hunden — blußig e.. e.. e.. emool!

Frau Spillergeheimnißvoll. Und was das nun noch — m — für ein Indifidium ist. Ach — m — das gnädige Freilein thut mir auchsooleid. Die Frau — m — vom Polizeidiener, die hat’s vom Amte, glaub ich. Es soll ein ganz — m — gefährlicher Mensch sein. Ihr Mann — m — soll ihn so zu sagen — m — denken Sie nur, soll ihn — m — geradezu im Auge behalten.

Lothaus dem Hause. Sieht sich um.

Lothaus dem Hause. Sieht sich um.

Frau Spiller.Seh’n Sie, nun jeht er dem gnädigen Freilein nach — m —. Aa... ach,zuuleid thut es einem.

Kahl.Na wart’!Ab.

Frau Spillergeht nach der Hausthüre. Als sie anLoth vorbeikommt, macht sie eine tiefe Verbeugung. Ab in das Haus.Lothlangsam durch den Thorweg ab. DieKutschenfrau, eine magere, abgehärmte und ausgehungerte Frauensperson, kommt zwischen Stallgebäude und Wohnhaus hervor. Sie trägt einen großen Topf unter ihrer Schürze versteckt und schleicht damit, sich überall ängstlich umblickend, nach dem Kuhstall. Ab in die Kuhstallthür. Die beidenMägde, jede eine Schubkarre, hoch mit Klee beladen, vor sich herstoßend, kommen durch den Thorweg herein.Beibst, die Sense über der Schulter, die kurze Pfeife im Munde, folgt ihnen nach. Liese hat ihre Schubkarre vor die linke, Auguste vor die rechte Stallthür gefahren, und beide Mädchen beginnen große Arme voll Klee in den Stall hinein zu schaffen.

Frau Spillergeht nach der Hausthüre. Als sie anLoth vorbeikommt, macht sie eine tiefe Verbeugung. Ab in das Haus.

Lothlangsam durch den Thorweg ab. DieKutschenfrau, eine magere, abgehärmte und ausgehungerte Frauensperson, kommt zwischen Stallgebäude und Wohnhaus hervor. Sie trägt einen großen Topf unter ihrer Schürze versteckt und schleicht damit, sich überall ängstlich umblickend, nach dem Kuhstall. Ab in die Kuhstallthür. Die beidenMägde, jede eine Schubkarre, hoch mit Klee beladen, vor sich herstoßend, kommen durch den Thorweg herein.Beibst, die Sense über der Schulter, die kurze Pfeife im Munde, folgt ihnen nach. Liese hat ihre Schubkarre vor die linke, Auguste vor die rechte Stallthür gefahren, und beide Mädchen beginnen große Arme voll Klee in den Stall hinein zu schaffen.

Lieseleer aus dem Stalle herauskommend. Du, Guste! de Marie iis furt.

Auguste.Joa wull doch?!

Liese.Gih nei! freu’ die Kutscha-Franzen, se milkt er an Truppen Milch ei.

Beibsthängt seine Sense an der Wand auf. Na! doa lußt ok de Spillern nee ernt derzune kumma.

Auguste.Oh jechtich! nee ok nee! bei Leibe nich!

Liese.A su a oarm Weib miit achta.

Auguste.Acht kleene Bälge! — die wull’n laba.

Liese.Ne amool an Truppen Milch thun s’ er ginn’n ... meschant iis doas.

Auguste.Wu milkt sie denn?

Liese.Ganz derhinga, de neumalke Fenus!

Beibststopft seine Pfeife; den Tabaksbeutel mit den Zähnen festhaltend, nuschelt er. De Marie wär’ weg?

Liese.Ju, ju, ’s iis fer gewiß! — der Pfaarknecht hot gle bein er geschloofa.

Beibstden Tabaksbeutel in die Tasche steckend. Amool wiil jedes! — au’ de Frau.Er zündet sich die Pfeife an, darauf durch den Haupteingang ab. Im Abgehen.Ich gih a wing frihsticka!

Die Kutschenfrauden Topf voll Milch vorsichtig unter der Schürze, guckt aus der Stallthür heraus. Sitt ma Jemanda?

Liese.Koanst kumma, Kutschen, ma sitt ken’n. Kumm! kumm schnell!

Kutschenfrauim Vorübergehen zu den Mägden. Ok fersch Pappekindla!

Lieseihr nachrufend. Schnell! S’ kimmt Jemand.Kutschenfrauzwischen Wohnhaus und Stallung ab.

Auguste.Blußig ok inse Frele.

Die Mägde räumen nun weiter die Schubkarren ab und schieben sie, wenn sie leer sind, unter den Thorweg, hierauf beide ab in den Kuhstall.Loth und Helene kommen zum Thorweg herein.

Die Mägde räumen nun weiter die Schubkarren ab und schieben sie, wenn sie leer sind, unter den Thorweg, hierauf beide ab in den Kuhstall.

Loth und Helene kommen zum Thorweg herein.

Loth.Widerlicher Mensch! dieser Kahl, — frecher Spion!

Helene.In der Laube vorn, glaub ich ...Sie gehen durch das Pförtchen in das Gartenstückchen links vorn und in die Laube daselbst.Es ist mein Lieblingsplatz. — Hier bin ich noch am ungestörtesten, wenn ich mal was lesen will.

Loth.Ein hübscher Platz hier. — Wirklich!Beide setzen sich, ein wenig von einander getrennt, in der Laube nieder. Schweigen. Darauf Loth.Sie haben so sehr schönes und reiches Haar, Fräulein!

Helene.Ach ja, mein Schwager sagt das auch.Er meinte, er hätte es kaum so gesehen — auch in der Stadt nicht ... Der Zopf ist oben so dick wie mein Handgelenk ... Wenn ich es losmache, dann reicht es mir bis zu den Knien. Fühlen Sie mal —! Es fühlt sich wie Seide an, gelt?

Loth.Ganz wie Seide.Ein Zittern durchläuft ihn, er beugt sich und küßt das Haar.

Heleneerschreckt. Ach nicht doch! Wenn ...

Loth.Helene —! War das vorhin nicht Dein Ernst?

Helene.Ach! — ich schäme mich so schrecklich. Was habe ich nur gemacht? — Dir ... Ihnen an den Hals geworfen habe ich mich. — Für was müssen Sie mich halten ...!

Lothrückt ihr näher, nimmt ihre Hand in die seine. Wenn Sie sich dochdarüber beruhigen wollten!

Heleneseufzend. Ach, das müßte Schwester Schmittgen wissen .... ich sehe gar nicht hin!

Loth.Wer ist Schwester Schmittgen?

Helene.Eine Lehrerin aus der Pension.

Loth.Wie können Sie sich nur über Schwester Schmittgen Gedanken machen!

Helene.Sie war sehr gut ....!Sie lacht plötzlich heftig in sich hinein.

Loth.Warum lachst Du denn so auf einmal?

Helenezwischen Pietät und Laune. Ach! .. Wenn sie auf dem Chor stand und sang ... Sie hatte nur noch einen einzigen, langen Zahn .... da sollte es immer heißen: Tröste, tröste mein Volk! und es kam immer heraus: ’Röste, ’röste mein Volk! Das war zu drollig .... damußten wir immer so lachen .... wenn sie so durch den Saal .... ’röste! ’röste!Sie kann sich vor Lachen nicht lassen, Loth ist von ihrer Heiterkeit angesteckt. Sie kommt ihm dabei so lieblich vor, daß er den Augenblick benutzen will, den Arm um sie zu legen. Helene wehrt es ab.Ach nein doch ....! Ich habe mich Dir .... Ihnen an den Hals geworfen.

Loth.Ach! sagen Sie doch nicht so etwas.

Helene.Aber ich bin nicht schuld, Sie haben sich’s selbst zuzuschreiben. Warum verlangen Sie .....

Loth legt nochmals seinen Arm um sie, zieht sie fester an sich. Anfangs sträubt sie sich ein wenig, dann giebt sie sich drein und blickt nun mit freier Glückseligkeit in Loth’s glücktrunkenes Gesicht, das sich über das ihre beugt. Unversehens, aus einer gewissen Schüchternheit heraus küßt sie ihn zuerst auf den Mund. Beide werden roth, dann giebt Loth ihr den Kuß zurück; lang, innig, fest drückt sich sein Mund auf den ihren. Ein Geben und Nehmen von Küssen ist eine Zeit hindurch die einzige Unterhaltung — stumm und beredt zugleich — der beiden. Loth spricht dann zuerst.

Loth legt nochmals seinen Arm um sie, zieht sie fester an sich. Anfangs sträubt sie sich ein wenig, dann giebt sie sich drein und blickt nun mit freier Glückseligkeit in Loth’s glücktrunkenes Gesicht, das sich über das ihre beugt. Unversehens, aus einer gewissen Schüchternheit heraus küßt sie ihn zuerst auf den Mund. Beide werden roth, dann giebt Loth ihr den Kuß zurück; lang, innig, fest drückt sich sein Mund auf den ihren. Ein Geben und Nehmen von Küssen ist eine Zeit hindurch die einzige Unterhaltung — stumm und beredt zugleich — der beiden. Loth spricht dann zuerst.

Loth.Lene, nicht? Lene heißt Du hier so?

Heleneküßt ihn... Nenne mich anders ... Nenne mich, wie Du gern möcht’st.

Loth.Liebste! ............

Das Spiel mit dem Küssetauschen und sich gegenseitig Betrachten wiederholt sich.

Das Spiel mit dem Küssetauschen und sich gegenseitig Betrachten wiederholt sich.

Helenevon Loth’s Armen fest umschlungen, ihren Kopf an seiner Brust mit verschleierten, glückseligen Augen, flüstert im Ueberschwang. Ach! — wie schön! Wie schön —!

Loth.So mit Dir sterben!

Helenemit Inbrunst. Leben! ...Sie löst sich aus seinen Armen.Warum denn jetzt sterben? .... jetzt ...

Loth.Das mußt Du nicht falsch auffassen. Von jeher berausche ich mich ... besonders in glücklichen Momenten berausche ich mich in dem Bewußtsein, es in der Hand zu haben, weißt Du!

Helene.Den Tod in der Hand zu haben?

Lothohne jede Sentimentalität. Ja! und so hat er gar nichts Grausiges, im Gegentheil, so etwas Freundschaftliches hat er für mich. Man ruft und weiß bestimmt, daß er kommt. Man kann sich dadurch über alles Mögliche hinwegheben, Vergangenes — und Zukünftiges ....Helenen’s Hand betrachtend.Du hast eine so wunderhübsche Hand.Er streichelt sie.

Helene.Ach ja! — so .....Sie drückt sich auf’s Neue in seine Arme.

Loth.Nein, weißt Du! ich hab’ nicht gelebt! ... bisher nicht!

Helene.Denkst Du ich? ... Mir ist fast taumelig ..... taumelig bin ich vor Glück. Gott! wie ist das — nur so auf einmal .....

Loth.Ja, so aufein—mal...

Helene.Hör’ mal! so ist mir: die ganze Zeit meines Lebens — ein Tag! — gestern und heut — ein Jahr! gelt?

Loth.Erst gestern bin ich gekommen?

Helene.Ganz gewiß! — eben! — natürlich! .... Ach, ach! Du weißt es nicht mal!

Loth.Es kommt mir wahrhaftig auch vor .......

Helene.Nicht —? Wie ’n ganzes, geschlagnes Jahr! — Nicht —?Halb aufspringend.Wart’ ....! —Kommt — da nicht ....Sie rücken aus einander..... Ach! es ist mir auch — egal. Ich bin jetzt — so muthig.Sie bleibt sitzen und muntert Loth mit einem Blick auf näher zu rücken, was dieser sogleich thut.

Helenein Loth’s Armen. ... Du! — Was thun wir denn nu zuerst?

Loth.Deine Stiefmutter würde mich wohl — abweisen.

Helene.Ach, meine Stiefmutter .... das wird wohl gar nicht .... gar nichts geht’s die an! Ich mache, was ich will ..... Ich hab mein mütterliches Erbtheil, mußt Du wissen.

Loth.Deshalb meinst Du .....

Helene.Ich bin majorenn. Vater muß mir’s auszahlen.

Loth.Du stehst wohl nicht gut — mit allen hier? — Wohin ist denn Dein Vater verreist?

Helene.Verr... Du hast ...? Ach, Du hast Vater noch nicht gesehen?

Loth.Nein! Hoffmann sagte mir ....

Helene.Doch! ... hast Du ihn schon einmal gesehen.

Loth.Ich wüßte nicht! ... Wo denn, Liebste?

Helene.Ich ...Sie bricht in Thränen aus.Nein, ich kann — kann Dir’s noch nicht sagen .... zu furchtbar schrecklich ist das.

Loth.Furchtbar schrecklich? Aber Helene! ist denn Deinem Vater etwas ...

Helene.Ach! — frag’ mich nicht! Jetzt nicht! Später!

Loth.Was Du mir nicht freiwillig sagen willst, danach werde ich Dich auch gewiß nicht mehr fragen ... Sieh mal, was das Geld anlangt ... im schlimmsten Falle .... ich verdiene ja mit dem Artikelschreiben nicht gerade überflüssig viel, aber ich denke, es müßte am Ende für uns beide ganz leidlich hinreichen.

Helene.Und ich würde doch auch nicht müßig sein. Aber besser ist besser. Das Erbtheil ist vollauf genug — Und Du sollst Deine Aufgabe .... nein, die sollst Du unter keiner Bedingung aufgeben, jetzt erst recht ....! jetzt sollst Du erst recht die Hände frei bekommen.

Lothsie innig küssend. Liebes, edles Geschöpf! ......

Helene.Hast Du mich wirklich lieb ...? ... Wirklich? ... wirklich?

Loth.Wirklich.

Helene.Sag hundert Mal wirklich?

Loth.Wirklich, wirklich und wahrhaftig.

Helene.Ach, weißt Du! Du schummelst!

Loth.Das wahrhaftig gilt hundert wirklich.

Helene.So!? wohl in Berlin?

Loth.Nein, eben in Witzdorf.

Helene.Ach, Du! ... Sieh meinen kleinen Finger und lache nicht.

Loth.Gern.

Helene.Hast Du au—ßer Dei—ner er—sten Braut noch andere ge....? Du! Du lachst.

Loth.Ich will Dir was im Ernst sagen, Liebste, ich halte es für meine Pflicht .... Ich habe mit einer großen Anzahl Frauen ...

Heleneschnell und heftig auffahrend, drückt ihm den Mund zu. Um Gott ...! sag’ mir das einmal — später — wenn wir alt sind .... nach Jahren — wenn ich Dir sagen werde: jetzt — hörst Du! nicht eher.

Loth.Gut! wie Du willst.

Helene.Lieber was Schönes jetzt! ... Paß auf: sprich mir mal das nach:

Loth.Was?

Helene.„Ich hab’ Dich —

Loth.„Ich hab’ Dich —

Helene.„und nur immer Dich —

Loth.„und nur immer Dich —

Helene.„geliebt — geliebt Zeit meines Lebens —

Loth.„geliebt — geliebt Zeit meines Lebens —

Helene.„und werde nur Dich allein Zeit meines Lebens lieben.“

Loth.„und werde nur Dich allein Zeit meines Lebens lieben,“ und das ist wahr, so wahr ich ein ehrlicher Mann bin.

Helenefreudig. Das hab ich nicht gesagt.

Loth.Aber ich.Küsse....

Helenesummt ganz leise. Du, Du liegst mir im Her—zen ....

Loth.Jetzt sollst Du auch beichten.

Helene.Alles, was Du willst.

Loth.Beichte! Bin ich der erste?

Helene.Nein.

Loth.Wer?

Heleneübermüthig herauslachend. Koahl-Willem.

Lothlachend. Wer noch?

Helene.Ach nein! weiter ist es wirklich Keiner. Du mußt mir glauben ... Wirklich nicht. Warum sollte ich denn lügen ...?

Loth.Also doch noch Jemand?

Heleneheftig. Bitte, bitte, bitte, bitte, frag’ mich jetzt nicht darum.Versteckt das Gesicht in den Händen, weint scheinbar ganz unvermittelt.

Loth.Aber ..... aber Lenchen! ich dringe ja durchaus nicht in Dich.

Helene.Später! alles, alles später.

Loth.Wie gesagt, Liebste ....

Helene.S’ war Jemand — mußt Du wissen — den ich, ... weil ... weil er unter schlechten mir weniger schlecht vorkam. Jetzt ist das ganz anders.Weinend an Loth’s Halse, stürmisch.Ach, wenn ich doch gar nicht mehr von Dir fort müßte! Am liebsten ginge ich gleich auf der Stelle mit Dir.

Loth.Du hast es wohl sehr schlimm hier im Hause?

Helene.Ach, Du! — Es ist ganz entsetzlich, wie es hier zugeht; ein Leben wie — das ..... wie das liebe Vieh, — ich wäre darin umgekommen ohne Dich — mich schaudert’s!

Loth.Ich glaube, es würde dich beruhigen, wenn Du mir alles offen sagtest, Liebste!

Helene.Ja freilich! aber — ich bring’s nicht über mich. Jetzt nicht ..... jetzt noch nicht! — Ich fürcht’ mich förmlich.

Loth.Du warst in der Pension?

Helene.Die Mutter hat es bestimmt — auf dem Sterbebett noch.

Loth.Auch Deine Schwester war ....?

Helene.Nein! — die war immer zu Hause ... Und als ich dann nun vor vier Jahren wiederkam, da fand ich — einen Vater — der .... eine Stiefmutter — die .... eine Schwester ... rath mal, was ich meine!

Loth.Deine Stiefmutter ist zänkisch. — Nicht? — Vielleicht eifersüchtig? — lieblos?

Helene.Der Vater ....?

Loth.Nun! — der wird aller Wahrscheinlichkeit nach in ihr Horn blasen. — Tyrannisirt sie ihn vielleicht?

Helene.Wenn’sweiternichts wär ... Nein! ... es ist zu entsetzlich! — Du kannst nicht darauf kommen — daß .... daßder— mein Vater .... daß es mein Vater war — den — Du ....

Loth.Weine nur nicht, Lenchen! .... siehst Du — nun möcht ich beinah ernstlich darauf dringen, daß Du mir ...

Helene.Nein! es geht nicht! Ich habe noch nicht die Kraft — es — Dir ....

Loth.Du reibst Dich auf, so.

Helene.Ich schäme mich zu bodenlos! — Du ... Du wirst mich fortstoßen, fortjagen ....! Es ist über alle Begriffe .... Ekelhaft ist es!

Loth.Lenchen, Du kennst mich nicht — sonst würd’st Du mir so etwas nicht zutrauen. — Fortstoßen! fortjagen! Komme ich Dir denn wirklich so brutal vor?

Helene.Schwager Hoffmann sagte: Du würdest —kaltblütig .... Ach nein! nein! nein! das thust Du doch nicht! gelt? — Du schreitest nicht über mich weg? thu es nicht!! — Ich weiß nicht — was — dann noch aus — mir werden sollte.

Loth.Ja, aber das ist ja Unsinn! Ich hätte ja gar keinen Grund dazu.

Helene.Also Du hältst es doch für möglich?!

Loth.Nein! — ebennicht.

Helene.Aber wenn Du Dir einen Grund ausdenken kannst.

Loth.Es gäbe allerdings Gründe, aber — die stehen nicht in Frage.

Helene.Und solche Gründe?

Loth.Nur, wer mich zum Verräther meiner selbst machen wollte, über den müßte ich hinweggehen.

Helene.Das will ich gewiß nicht — aber ich werde halt das Gefühl nicht los.

Loth.Was für ein Gefühl, Liebste?

Helene.Es kommt vielleicht daher: ich bin so dumm! — Ich hab’ gar nichts in mir. Ich weiß nicht mal, was das ist, Grundsätze. — Gelt? das ist doch schrecklich. Ich lieb’ Dich nur so einfach! — aber Du bist so gut, so groß — und hast so viel in Dir. Ich habe solche Angst, Du könntest doch noch mal merken — wenn ich was Dummes sage — oder mache — daß es doch nicht geht, .... daß ich doch viel zu einfältig für Dich bin .... Ich bin wirklich schlecht und dumm wie Bohnenstroh.

Loth.Was soll ich dazu sagen?! Du bist miralles in allem! Alles in allem bist Du mir! Mehr weiß ich nicht.

Helene.Und gesund bin ich ja auch .....

Loth.Sag’ mal! sind Deine Eltern gesund?

Helene.Ja, das wohl! das heißt: die Mutter ist am Kindbettfieber gestorben. Vater ist noch gesund; er muß sogar eine sehr starke Natur haben. Aber ....

Loth.Na! — siehst Du; also ...

Helene.Und wenn die Eltern nun nicht gesund wären —?

Lothküßt Helene. Sie sind’s ja doch, Lenchen.

Helene.Aber wenn sie es nicht wären —?


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