Abschied

Abschied

O Täler weit, o Höhen,O schöner grüner Wald,Du meiner Lust und WehenAndächt’ger Aufenthalt!Da draußen, stets betrogen,Saust die geschäftige Welt,Schlag noch einmal die BogenUm mich, du grünes Zelt!Wenn es beginnt zu tagen,Die Erde dampft und blinkt,Die Vögel lustig schlagen,Daß dir dein Herz erklingt:Da mag vergehn, verwehenDas trübe Erdenleid,Da sollst du auferstehenIn junger Herrlichkeit!Da steht im Wald geschriebenEin stilles, ernstes WortVon rechtem Tun und LiebenUnd was des Menschen Hort.Ich habe treu gelesenDie Worte schlicht und wahr,Und durch mein ganzes WesenWard’s unaussprechlich klar.Bald werd ich dich verlassen,Fremd in die Fremde gehn,Auf buntbewegten GassenDes Lebens Schauspiel sehn;Und mitten in dem LebenWird deines Ernsts GewaltMich Einsamen erheben:So wird mein Herz nicht alt.

O Täler weit, o Höhen,O schöner grüner Wald,Du meiner Lust und WehenAndächt’ger Aufenthalt!Da draußen, stets betrogen,Saust die geschäftige Welt,Schlag noch einmal die BogenUm mich, du grünes Zelt!Wenn es beginnt zu tagen,Die Erde dampft und blinkt,Die Vögel lustig schlagen,Daß dir dein Herz erklingt:Da mag vergehn, verwehenDas trübe Erdenleid,Da sollst du auferstehenIn junger Herrlichkeit!Da steht im Wald geschriebenEin stilles, ernstes WortVon rechtem Tun und LiebenUnd was des Menschen Hort.Ich habe treu gelesenDie Worte schlicht und wahr,Und durch mein ganzes WesenWard’s unaussprechlich klar.Bald werd ich dich verlassen,Fremd in die Fremde gehn,Auf buntbewegten GassenDes Lebens Schauspiel sehn;Und mitten in dem LebenWird deines Ernsts GewaltMich Einsamen erheben:So wird mein Herz nicht alt.

O Täler weit, o Höhen,O schöner grüner Wald,Du meiner Lust und WehenAndächt’ger Aufenthalt!Da draußen, stets betrogen,Saust die geschäftige Welt,Schlag noch einmal die BogenUm mich, du grünes Zelt!

O Täler weit, o Höhen,

O schöner grüner Wald,

Du meiner Lust und Wehen

Andächt’ger Aufenthalt!

Da draußen, stets betrogen,

Saust die geschäftige Welt,

Schlag noch einmal die Bogen

Um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,Die Erde dampft und blinkt,Die Vögel lustig schlagen,Daß dir dein Herz erklingt:Da mag vergehn, verwehenDas trübe Erdenleid,Da sollst du auferstehenIn junger Herrlichkeit!

Wenn es beginnt zu tagen,

Die Erde dampft und blinkt,

Die Vögel lustig schlagen,

Daß dir dein Herz erklingt:

Da mag vergehn, verwehen

Das trübe Erdenleid,

Da sollst du auferstehen

In junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschriebenEin stilles, ernstes WortVon rechtem Tun und LiebenUnd was des Menschen Hort.Ich habe treu gelesenDie Worte schlicht und wahr,Und durch mein ganzes WesenWard’s unaussprechlich klar.

Da steht im Wald geschrieben

Ein stilles, ernstes Wort

Von rechtem Tun und Lieben

Und was des Menschen Hort.

Ich habe treu gelesen

Die Worte schlicht und wahr,

Und durch mein ganzes Wesen

Ward’s unaussprechlich klar.

Bald werd ich dich verlassen,Fremd in die Fremde gehn,Auf buntbewegten GassenDes Lebens Schauspiel sehn;Und mitten in dem LebenWird deines Ernsts GewaltMich Einsamen erheben:So wird mein Herz nicht alt.

Bald werd ich dich verlassen,

Fremd in die Fremde gehn,

Auf buntbewegten Gassen

Des Lebens Schauspiel sehn;

Und mitten in dem Leben

Wird deines Ernsts Gewalt

Mich Einsamen erheben:

So wird mein Herz nicht alt.

Joseph von Eichendorff


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