Neunter Abschnitt.Des Dichters Alter. Seine Religionsansichten.Sein Tod.

Nun wachet! uns geht zu der Tag,Vor dem wohl Angst verspüren magEin Jeglichs: Christen, Juden und auch Heiden.Wir haben der Zeichen viel gesehen,Daran wir seine Kunst wohl spähen,Wie uns die Schrift mit Wahrheit kann bescheiden.Die Sonne hat ihren Schein verkehret,Untreu' ihren Samen ausgeleeretAllenthalben an den Wegen.Der Vater bei dem Kind Untreue findet,Der Bruder seinem Bruder lüget,Geistlicher Orden in Kutten trüget,Der uns zum Himmel sollte stegen.Gewalt geht aufrecht, gut Gerichte schwindet.Wohlauf! hier ist zu viel gelegen.(I 128a)[81]

Nun wachet! uns geht zu der Tag,Vor dem wohl Angst verspüren magEin Jeglichs: Christen, Juden und auch Heiden.Wir haben der Zeichen viel gesehen,Daran wir seine Kunst wohl spähen,Wie uns die Schrift mit Wahrheit kann bescheiden.Die Sonne hat ihren Schein verkehret,Untreu' ihren Samen ausgeleeretAllenthalben an den Wegen.Der Vater bei dem Kind Untreue findet,Der Bruder seinem Bruder lüget,Geistlicher Orden in Kutten trüget,Der uns zum Himmel sollte stegen.Gewalt geht aufrecht, gut Gerichte schwindet.Wohlauf! hier ist zu viel gelegen.(I 128a)[81]

stegen, den Weg weisen oder bahnen.Wohlauf!diePf. Hds.357 hat:wol hin!was die Beziehung auf den Kreuzzug noch näher legt.

Gewaltiger noch ertönt die mahnende Stimme in nachfolgendem Aufruf:

Es kommt ein Wind, das wisset sicherliche,Davon wir Beides hören: singen und sagen.Der soll mit Grimm erfahr'n alle Königreiche,Das höre ich Waller und Pilgerime klagen.Bäume, Thürme liegen vor ihm zerschlagen,Starken Leuten wehet er die Häupter abe.Nun sollen wir fliehen hin zu Gottes Grabe!(I 103b)

Es kommt ein Wind, das wisset sicherliche,Davon wir Beides hören: singen und sagen.Der soll mit Grimm erfahr'n alle Königreiche,Das höre ich Waller und Pilgerime klagen.Bäume, Thürme liegen vor ihm zerschlagen,Starken Leuten wehet er die Häupter abe.Nun sollen wir fliehen hin zu Gottes Grabe!(I 103b)

erfahr'n, befahren, durchfahren.

Ein seltsames Lied ist es, worin der Dichter den Engeln das Lob versagt, so lange sie nicht kräftiger gegen die Heidenschaft mitankämpfen (I 126a).

Hinwider läßt er einen Boten Gottes auftreten, an dessen Vogt, den Kaiser, gesendet, um Klage zu führen über die Heidenschaft, die im Lande seines Sohnes schmählich hause. Der Kaiser hat die Erde, Gott das Himmelreich. Jetzt soll der Kaiser dem Herrn Recht schaffen, Gott wird es gegenseitig thun, da woerVogt ist, und klagte der Kaiser auch über den Teufel in der Hölle (I 135b).

Ein andres Gesätz mahnt den Kaiser, Deutschlands innern Frieden zu befestigen und die ganze Christenheit zu sühnen; das verherrliche ihn und mühe die Heiden sehr. Er habe zwiefache Kaisersstärke: desAaresTugend, desLeuenKraft; die seyen darum Heerzeichen an dem Schilde[82]. Diese zween Heergesellen, wollten sie an die Heidenschaft, was widerstände ihrer Mannheit und ihrer Milde? (Ebd.)

Bei all diesem Eifer für die Sache des Kreuzes bleibt doch Walther seinem kaiserlichen Wohlthäter treu ergeben, auch nachdem dieser wegen der gescheiterten Unternehmung im Jahr 1227, von Gregor IX. mit dem furchtbaren Bannstrale gezeichnet ist. Den Kirchenfluch, der auch die Anhänger des Gebannten traf, weist der Dichter unerschrocken von sich ab, indem er dem Pabst entgegenhält, was dieser bei der Krönung des Kaisers den Völkern geboten:

Herr Pabest! ich mag wohl genesen,Denn ich will euch gehorsam wesen;Wir hörten euch der Christenheit gebieten,Wie wir des Kaisers sollten pflegen,Da ihr ihm gabet den Gottessegen:Daß wir ihn Herren hiessen und vor ihm knieten.Auch sollt ihr nicht vergessen,Ihr sprachet: »wer dich segne, daß der gesegnet sey!Wer dir fluche, der sey verfluchetMit Fluche vollgemessen!«Durch Gott! bedenket euch dabei,Ob ihr der Pfaffen Ehre irgend suchet?(I 105a)

Herr Pabest! ich mag wohl genesen,Denn ich will euch gehorsam wesen;Wir hörten euch der Christenheit gebieten,Wie wir des Kaisers sollten pflegen,Da ihr ihm gabet den Gottessegen:Daß wir ihn Herren hiessen und vor ihm knieten.Auch sollt ihr nicht vergessen,Ihr sprachet: »wer dich segne, daß der gesegnet sey!Wer dir fluche, der sey verfluchetMit Fluche vollgemessen!«Durch Gott! bedenket euch dabei,Ob ihr der Pfaffen Ehre irgend suchet?(I 105a)

genesen, an meinem Seelenheil unbeschädigt bleiben.wesen, seyn.durch Gott!um Gottes willen.

Von neuem läßt Walther den alten Klausner klagen: daß man die Guten banne und den Uebeln singe (I 103a). Dem Kaiser aber räth er, unbekümmert um des Pabstes Irrung, dennoch abzufahren[83].

Die Willkühr, womit die Bannsprüche erlassen wurden, mußte allerdings ihre Wirkung schwächen.ReinmarvonZweter, der gleichfalls politische Gedichte auf Friedrich II. und Gregor IX. verfaßt hat, unterscheidet den Bann, der mit Gott und nach Gott sey, von demjenigen, worin fleischlicher Zorn stecke (II 143b) DerFreigedankbehauptet, der Bann habe keine Kraft, der durch Feindschaft geschehe (V. 4117 f.); auch ereifert sich dieser Dichter sehr über die Schwierigkeiten, welche den Unternehmungen Friedrichs im heiligen Lande, besonders durch den päbstlichen Bann, in den Weg gelegt worden, und daß man den Kaiser selbst dann nicht vom Banne losgesprochen, nachdem er die heiligen Stätten den Christen wieder zugänglich gemacht[84].

Wenn wir Walthers Liedern glauben dürfen, so hat er selbst eine Heerfahrt nach dem heiligen Lande mitgemacht. Entsteht aber die Frage: welchem der verschiedenen Kreuzzüge, die in seine Zeit fallen, er gefolgt sey? so spricht die meiste Wahrscheinlichkeit für den von Friedrich II. im Jahr 1228 unternommenen, von welchem zunächst die Rede war. Daß er nicht im Gefolge Leopolds von Oesterreich in Palästina gewesen, ergiebt sich aus dem Liede, womit er die Rückkehr dieses Fürsten feiert. Auch ist die Kreuzfahrt darum in seine spätere Lebenszeit zu setzen, weil er noch in einem Gedichte, das offenbar den vorgerückten Jahren angehört, seine Sehnsucht nach der frommen Reise ausspricht (I 142a).

Ein Kriegsgesang in schöner, volltönender Weise erhebt sich schon wie aus den Reihen des Kreuzheeres, das begeistert nach dem wogenden Meere hinzieht (I 125b). Aber wirklich auf heiligem Boden stehend zeigt sich uns der Dichter in einem andern Liede. Jetzt erst ist sein Leben ihm werth, seit sein sündig Auge das reine Land sieht und die Erde, der man so viel Ehre zuerkennt. Es ist geschehn, was er stets gebeten, er ist an die Stätte gekommen, wo Gott menschlich wandelte. Was er noch von Ländern gesehen, schönen, hehren und reichen, die Ehre aller ist dieses, wo der göttlichen Wunder so viele geschehen sind. In dieses Land hat auch der Herr jenen angstvollen Tag gesprochen, wo der Waise gerächet wird und die Wittwe klagen mag. Christen, Juden und Heiden sagen, daß dieß ihr Erbe sey. Gott mög' es zu Recht entscheiden, alle Welt streitet darum, aber recht ist, daß erunsgewähre! (I 104 f.)

Den Christen wurde damals gewährt und groß mag Walthers Freude gewesen seyn, wenn ihm vergönnt war, seinen geliebten Kaiser Friedrich im Tempel des heiligen Grabes mit der Krone von Jerusalem gekrönt zu sehen.

Es ist eine Reihe von mehr als dreißig Jahren, durch die wir unsrem Dichter seit den ersten Liedern, denen sich die Zeit ihrer Entstehung nachweisen läßt, d. h. vom Jahr 1198 an, unter dem Fingerzeig der Geschichte gefolgt sind, und schon jene Lieder tragen den Ausdruck männlicher Reife. Wir haben ihn sagen gehört, daß er vierzig Jahre und drüber von Minne gesungen. Sonach ist nicht zu zweifeln, daß er ein ansehnliches Alter erreicht habe.

Wie wenig sein Leben durch äussere Glücksumstände begünstigt war, darüber läßt er sich bald schmerzlich, bald launig vernehmen. Auf letztere Weise in Folgendem:

Frau Sälde theilet rings um michUnd kehret mir den Rücken zu,Da kann sie nicht erbarmen sich;Nun rathet, Freunde, was ich thu'!Sie steht ungerne gegen mir,Geh' ich hinfür, ich bin doch immer hinter ihr,Sie geruhet nicht mich anzusehen;Ich wollte, daß ihr Aug' an ihrem Nacken stünde,So müßt' es ohn' ihren Dank geschehen.(I 119a)

Frau Sälde theilet rings um michUnd kehret mir den Rücken zu,Da kann sie nicht erbarmen sich;Nun rathet, Freunde, was ich thu'!Sie steht ungerne gegen mir,Geh' ich hinfür, ich bin doch immer hinter ihr,Sie geruhet nicht mich anzusehen;Ich wollte, daß ihr Aug' an ihrem Nacken stünde,So müßt' es ohn' ihren Dank geschehen.(I 119a)

Frau Sälde, Frau Glück, die Segensgöttin.gegen mir, mir zugewendet,ohn' ihren Dank, gegen ihren Willen.

In ähnlichem Tone hat er seinen letzten Willen aufgesetzt. Er will, eh' er hinfährt, sein fahrend Gut und Eigen austheilen, damit Niemand darum streite, dem er es nicht zugedacht. All sein Unglück bescheidet er Jenen, die sich dem Haß und Neid ergeben; seinen Kummer den Lügnern; seinen Unverstand denen, die mit Falschheit minnen; den Frauen: nach Herzeliebe sehnendes Leid (I 115b).

Eben die Ungunst des Geschickes, womit er vielfältig zu kämpfen hatte, konnte frühzeitig seinen Sinn auf das Höhere lenken. Die manigfachen Erfahrungen einer langen Lebensbahn waren geeignet, ihm die Nichtigkeit der irdischen Dinge aufzudecken. Mit dem vorrückenden Alter sehen wir ihn auch immermehr in das Gebiet ernster und frommer Betrachtung hingezogen. Wenn wir an einem Theile seiner Minnelieder die Wärme der Empfindung vermißten, so finden wir die Heimath seiner tieferen Begeisterung da, wo es von Sachen des Vaterlandes und der Religion sich handelt. Sein Zeitgenosse Reinmar der Alte ist so sehr Minnesänger, daß er auch noch als Pilgrim seiner Gedanken nicht Meister wird: den Gott, dem er dienen soll, helfen sie ihm nicht so loben, wie er es bedürfte (I 72a)[85]. Unser Dichter dagegen hat mit dem ungetheiltesten Eifer die Sache des Kreuzes ergriffen.

Jetzt, da er sich am Abend seines Lebens befindet, wird es angemessen seyn, eben die religiöse Seite seiner Dichtungen völlig hervorzuheben. Das Irdische schwindet ihm, so wie beim Sinken der Sonne die Thäler sich in Schatten hüllen und bald nur noch die höchsten Gipfel beleuchtet stehen.

Den Vorzug der wahren und daurenden Freuden von den eiteln und flüchtigen bezeichnen nachstehende Lieder:

Ich bin Einer, der nie halben TagMit ganzen Freuden hat vertrieben.Was ich je daher der Freuden pflag,Der bin ich hier entblöst geblieben.Niemand kann hie Freude finden, sie zergeh',Wie der lichten Blumen Schein.Darum soll das Herze meinTrachten nach falschen Freuden nimmermeh.(I 114a)

Ich bin Einer, der nie halben TagMit ganzen Freuden hat vertrieben.Was ich je daher der Freuden pflag,Der bin ich hier entblöst geblieben.Niemand kann hie Freude finden, sie zergeh',Wie der lichten Blumen Schein.Darum soll das Herze meinTrachten nach falschen Freuden nimmermeh.(I 114a)

sie zergeh', sie zergehe denn.

O weh! wir müssigen Leute, wie sind wir versessenZwischen zwei Freuden nieder an die jämmerliche Statt!Aller Arbeit hatten wir vergessen,Da uns der kurze Sommer sein Gesind' zu werden bat.Der brachte uns fahrende Blumen und Blatt,Da trog uns der kurze Vogelsang.Wohl ihm, der nur nach steten Freuden rang!Weh gschehe der Weise, die wir mit den Grillen sangen!Da wir uns sollten warnen gegen des kalten Winters Zeit.Daß wir viel Dummen mit der Ameise nicht rangen,Die nun viel würdiglich bei ihren Arebeiten leit!Das war stets der Welte Streit:Thoren schalten stets der Weisen Rath.Man sieht wohldort, werhiegelogen hat.(I 103b)

O weh! wir müssigen Leute, wie sind wir versessenZwischen zwei Freuden nieder an die jämmerliche Statt!Aller Arbeit hatten wir vergessen,Da uns der kurze Sommer sein Gesind' zu werden bat.Der brachte uns fahrende Blumen und Blatt,Da trog uns der kurze Vogelsang.Wohl ihm, der nur nach steten Freuden rang!

Weh gschehe der Weise, die wir mit den Grillen sangen!Da wir uns sollten warnen gegen des kalten Winters Zeit.Daß wir viel Dummen mit der Ameise nicht rangen,Die nun viel würdiglich bei ihren Arebeiten leit!Das war stets der Welte Streit:Thoren schalten stets der Weisen Rath.Man sieht wohldort, werhiegelogen hat.(I 103b)

versessen, falsch gesessen.zwei Freuden, der irdischen und der ewigen.Da uns&c. Als uns der flüchtige Sommer einlud, sein Gefolge zu seyn.fahrende Blumen, vergängliche, unstete, gleich den fahrenden Leuten (Vgl.Man.I 70a 7, I 170a 7); das Bild entspricht dem obigenGesinde.Blatt, Blätter.gegen, vor.leit, liegt.

Wie der Dichter dem Minnesang absagt, den er so lange Zeit geübt, wie er von der vergänglichen Minne sich zu der ewigen wendet, ist schon oben gezeigt worden.

In einem Zweigespräche mitFrau Welt(I 111b) nimmt er von dieser seiner bisherigen Pflegerin feierlich Abschied. Sie spricht ihm zu, bei ihr zu bleiben; er soll gedenken, was sie ihm Ehren bot und wie sie ihm seinen Willen ließ. Frau Welt! erwidert er, ich habe zu viel gesogen, ich will entwohnen, es ist Zeit. Gott gebe dir, Frau, gute Nacht! Ich will zur Herberge fahren.

Welt! ich habe deinen Lohn ersehen, -- sagt er in einem ähnlichen Gedichte (I 122b) -- was du mir giebst, das nimmst du mir. Wir scheiden alle nackt und bloß von dir. Ich hatte Leib und Seele tausendmal gewagt um dich, nun bin ich alt und hast mit mir dein Spiel, und zürn' ich des, so lachest du. Lach' uns noch eine Weile so! dein Jammertag wird bald auch kommen.

Traum und Spiegelglas -- heißt es anderswo -- gelten bei der Stete dem Winde gleich. Laub und Gras, das stets meine Freude war, dazu Blumen manigfalt, die rothe Heide, der grüne Wald, der Vögelein Sang, der Linde Süssigkeit, haben ein traurig Ende. Den thörichten Wunsch zur Welt, ich sollt' ihn lassen, damit er nicht meiner Seele große Noth bringe. Der Busse wäre hohe Zeit. Nun fürchte ich siecher Mann den grimmen Tod, daß er kläglich über mich komme. Vor Furcht bleichen mir die Wangen. Wie soll ein Mann, der nichts denn sündigen kann, hohen Muth gewinnen? Seit ich an weltlichen Dingen Uebel und Gut zu erkennen begann, griff ich, wie ein Thor, zur linken Hand recht in die Glut und mehrte stets dem Teufel seinen Sieg. Ich war mit sehenden Augen blind und aller guten Dinge ein Kind, wie ich auch meine Missethat der Welt hehlte. Heiliger Christ! mache du mich rein, eh' meine Seele versinke in das verlorne Thal! (I 141b)

Mit tiefschmerzlicher Empfindung ist die Nichtigkeit des Irdischen besonders in dem großen Klaggesange dargelegt, den der Dichter anstimmt, nachdem er in späteren Jahren in das Land seiner Geburt zurückgekommen ist. Alles findet er umgewandelt, er wird an der Wirklichkeit irre, ihm ist jetzt das Leben ein Traum. Lautes Wehe erhebt er über die Verderbniß und den Unbestand der Welt. Er will sich hinüber retten in das Heilige.

O weh! wohin verschwanden alle meine Jahr'?Ist mein Leben mir geträumet oder ist es wahr?Das ich stets wähnte, daß es wäre, war das icht?Darnach hab' ich geschlafen und so weiß ich's nicht.Nun bin ich erwachet, und ist mir unbekannt,Was mir hievor war kundig, wie mein' andre Hand.Leute und Land, dannen ich von Kinde bin geborn,Die sind mir fremde worden, recht als ob es sey verlorn.Die meine Gespielen waren, die sind träge und alt,Bereitet ist das Feld, verhauen ist der Wald,Nur daß das Wasser fließet, wie es weiland floß.Fürwahr! ich wähnte, mein Ungelücke würde groß.Mich grüßet mancher träge, der eh' mich kannte wohl;Die Welt ist allenthalben Ungenaden voll.Wenn ich gedenke an manchen wonniglichen Tag,Die mir entfallen sind, wie in das Meer ein Schlag:Immermehr o weh!O weh! wie jämmerlich die jungen Leute thunt,Denen nun viel traurigliche ihr Gemüthe stund!Die können nichts, denn sorgen; o weh! wie thun sie so?Wo ich zur Welt hinkehre, da ist Niemand froh.Tanzen, Singen, zergeht mit Sorgen gar.Nie Christenmann noch sah so jämmerliche Jahr'.Nun merket, wie den Frauen ihr Gebände staht!Die stolzen Ritter tragen dörfliche Wat.Uns sind unsanfte Briefe her von Rome kommen,Uns ist erlaubet Trauren und Freude gar benommen.Das mühet mich inniglichen sehr, wir lebten sonst viel wohl,Daß ich nun, für mein Lachen, Weinen kiesen soll.Die wilden Vögel betrübet unsre Klage,Was Wunder ist, wenn ich davon verzage!Was spreche ich dummer Mann durch meinen bösen Zorn?WerdieserWonne folget, der hatjenedort verlornImmermehr, o weh!O weh! wie uns mit süßen Dingen ist vergeben!Ich sehe die bittre Galle mitten in dem Honige schweben.Die Welt ist aussen schöne weiß, grüne und roth,Und innen schwarzer Farbe finster, wie der Tod.Wen sie nun verleitet habe, der schaue seinen Trost!Er wird mit schwacher Buße großer Sünde erlost.Daran gedenket, Ritter! es ist euer Ding.Ihr traget die lichten Helme und manchen harten Ring,Dazu die festen Schilde und das geweihte Schwerdt.Wollte Gott, ich wäre solches Sieges werth!So wollte ich nothiger Mann verdienen reichen Sold,Doch meine ich nicht die Huben, noch der Herren Gold:Ich wollte selber Krone ewiglichen tragen,Die möchte ein Söldener mit seinem Speer bejagen.Möchte ich die liebe Reise fahren über See,So wollte ich danne singen: wohl! undnimmermehr: o weh!(I 141b f.)

O weh! wohin verschwanden alle meine Jahr'?Ist mein Leben mir geträumet oder ist es wahr?Das ich stets wähnte, daß es wäre, war das icht?Darnach hab' ich geschlafen und so weiß ich's nicht.Nun bin ich erwachet, und ist mir unbekannt,Was mir hievor war kundig, wie mein' andre Hand.Leute und Land, dannen ich von Kinde bin geborn,Die sind mir fremde worden, recht als ob es sey verlorn.Die meine Gespielen waren, die sind träge und alt,Bereitet ist das Feld, verhauen ist der Wald,Nur daß das Wasser fließet, wie es weiland floß.Fürwahr! ich wähnte, mein Ungelücke würde groß.Mich grüßet mancher träge, der eh' mich kannte wohl;Die Welt ist allenthalben Ungenaden voll.Wenn ich gedenke an manchen wonniglichen Tag,Die mir entfallen sind, wie in das Meer ein Schlag:Immermehr o weh!

O weh! wie jämmerlich die jungen Leute thunt,Denen nun viel traurigliche ihr Gemüthe stund!Die können nichts, denn sorgen; o weh! wie thun sie so?Wo ich zur Welt hinkehre, da ist Niemand froh.Tanzen, Singen, zergeht mit Sorgen gar.Nie Christenmann noch sah so jämmerliche Jahr'.Nun merket, wie den Frauen ihr Gebände staht!Die stolzen Ritter tragen dörfliche Wat.Uns sind unsanfte Briefe her von Rome kommen,Uns ist erlaubet Trauren und Freude gar benommen.Das mühet mich inniglichen sehr, wir lebten sonst viel wohl,Daß ich nun, für mein Lachen, Weinen kiesen soll.Die wilden Vögel betrübet unsre Klage,Was Wunder ist, wenn ich davon verzage!Was spreche ich dummer Mann durch meinen bösen Zorn?WerdieserWonne folget, der hatjenedort verlornImmermehr, o weh!

O weh! wie uns mit süßen Dingen ist vergeben!Ich sehe die bittre Galle mitten in dem Honige schweben.Die Welt ist aussen schöne weiß, grüne und roth,Und innen schwarzer Farbe finster, wie der Tod.Wen sie nun verleitet habe, der schaue seinen Trost!Er wird mit schwacher Buße großer Sünde erlost.Daran gedenket, Ritter! es ist euer Ding.Ihr traget die lichten Helme und manchen harten Ring,Dazu die festen Schilde und das geweihte Schwerdt.Wollte Gott, ich wäre solches Sieges werth!So wollte ich nothiger Mann verdienen reichen Sold,Doch meine ich nicht die Huben, noch der Herren Gold:Ich wollte selber Krone ewiglichen tragen,Die möchte ein Söldener mit seinem Speer bejagen.Möchte ich die liebe Reise fahren über See,So wollte ich danne singen: wohl! undnimmermehr: o weh!(I 141b f.)

icht, irgend etwas.kundig&c. bekannt, geläufig, wie der einen Hand die andre.von Kinde, von Kindheit auf.Ungenaden, Ungunst, Mißgeschick.Immermehr, immerfort.thunt, thun.stund, geworden, beschaffen ist.zur Welt, auf der Welt.unsanfte, unerfreuliche; die Bannbriefe.mühet, betrübet, quälet.vergeben, Gift gegeben.schwacher, geringer.euer Ding, eure Sache.Ring, Panzerring.Huben, Grundstücke, Lehengüter.möchte, könnte.bejagen, erjagen, erwerben.

Es kann mit Recht gefragt werden: was, nach der Verschmähung des Irdischen, dem Dichter das Göttliche sey, das ihn entschädige und erhebe?

Das zuletzt ausgehobene Gedicht benennt uns den Kampf unter der Fahne des Kreuzes. Es ist bemerkenswerth, wie der Dichter, der sonst um das Gold der Fürsten geworben, jetzt, dieses verschmähend, selbst eine Krone, die himmlische, erwerben möchte. Das heilige Land ist ihm die durch Gottes irdischen Wandel verklärte Erde; der Kampf um dieses Land eine höhere Weihe, ein Uebertritt vom Dienste der Welt in den des Himmels; der Tod in diesem Kampfe der geradeste Pfad nach dem Reiche Gottes.

Große Verehrung widmet Walther der Königin der Engel, deren keuscher Leib den umfieng, den Höhe, Breite, Tiefe, Länge nie umgreifen mochte (I 133a).[86]

Er theilt diese besondre Verehrung der heiligen Jungfrau mit den andern Dichtern seiner Zeit. Sie hieng selbst mit dem Minnesange zusammen. »Der Welt Hort -- sagtReinmarvonZweter(II 143a) -- liegt gar an reinen Weiben, ihr Lob, das soll man höhen und treiben; was Gott je erschuf, das übergelten sie, es ward geboren sein selbes Leib von einer Magd, das gab er ihnen zu Steuer.« Und es geht wohl aus dieser Ansicht von der höheren Weihe der Frauen hervor, wenn derselbe Dichter meint: »flüchtete sich ein Wolf zu Frauen, man sollte ihn um ihretwillen leben lassen.« (II 152b)

Auch über den Kriegsheeren schwebte die heilige Jungfrau. In seinem Kreuzgesange (I 125b) ruft Walther die Königin ob allen Frauen an[87]. »St. Marie, Mutter und Magd, unsre Noth sey dir geklagt!« sangen die Heere, wenn sie in die Schlacht zogen (Horneck, Cap. 440 682 83).

Ein vorzüglicher Grund des Mariendienstes im Mittelalter lag in dem Glauben, daß Gott keine Fürbitte seiner Mutter unerhört lasse. Walther singt: »Nun loben wir die süße Magd, der ihr Sohn nimmer nichts versagt! Sie ist des Mutter, der von Hölle uns löste. Das ist uns ein Trost vor allem Troste, daß man da zu Himmel ihren Willen thut.« (I 126a). Aus andern Dichtern könnten ähnliche Stellen angeführt werden. So wie aber der Sohn die Mutter erhört, so wird hinwider die Mutter bei dem Namen des Sohnes gemahnt. »Hilf mir durch deines Kindes Ehre, daß ich meine Sünde büsse!« ruft Walther zu ihr (I 133a)[88].

Es war sonst schon Anlaß, seine Gedichte mit Gemälden zu vergleichen. Wie zuvor den Kirchenzug des Königs oder den Ausgang einer herrlichen Frau, so stellt er uns jetzt geistliche Bilder auf aus der Geschichte Mariens und ihres göttlichen Sohnes. Besonders schön sind zwei derselben, die Kreuzigung und der Tod Jesu, rührend durch die bloße Darstellung, ohne allen Erguß der Empfindung:

Sünder! du sollt an die große Noth gedenken,Die Gott um uns litt, und sollt dein Herz in Reue senken!Sein Leib war mit scharfen Dornen gar versehret,Und noch ward manigfalt sein' Marter an dem Kreuze gemehret.Man schlug ihm dreie Nägel durch Hände und auch durch Füsse.Jammerlichen weinte Maria, die Süsse,Da sie ihrem Kinde das Blut aus beiden Seiten fließen sach.Traurigliche Jesus von dem Kreuze sprach:»Mutter! ist doch euer UngemachMein zweiter Tod. Johann! du sollt der Lieben Schwerebüssen!«(I 133a)

Sünder! du sollt an die große Noth gedenken,Die Gott um uns litt, und sollt dein Herz in Reue senken!Sein Leib war mit scharfen Dornen gar versehret,Und noch ward manigfalt sein' Marter an dem Kreuze gemehret.Man schlug ihm dreie Nägel durch Hände und auch durch Füsse.Jammerlichen weinte Maria, die Süsse,Da sie ihrem Kinde das Blut aus beiden Seiten fließen sach.Traurigliche Jesus von dem Kreuze sprach:»Mutter! ist doch euer UngemachMein zweiter Tod. Johann! du sollt der Lieben Schwerebüssen!«(I 133a)

sach, sah.Schwere büssen, Kummer stillen.

Der Blinde sprach zu seinem Knechte: »Du sollt setzenDen Speer an sein Herze! so will ich die Marter letzen.«Der Speer gegen all der Welte Herren ward geneiget.Maria vor dem Kreuze trauriglichen Klage erzeiget;Sie verlor ihr' Farbe, ihr' Kraft, in bitterlichen Nöthen,Da sie jämmerlich ihr liebes Kind sah tödtenUnd Longinus den Speer ihm in sein' reine Seite stach.Sie sank unmächtig nieder, daß sie nicht hörte und nichtsprach.IndemJammer Christe sein Herz brach.Das Kreuz begunnte sich mit seinem süßen Blute röthen.(Ebd.)

Der Blinde sprach zu seinem Knechte: »Du sollt setzenDen Speer an sein Herze! so will ich die Marter letzen.«Der Speer gegen all der Welte Herren ward geneiget.Maria vor dem Kreuze trauriglichen Klage erzeiget;Sie verlor ihr' Farbe, ihr' Kraft, in bitterlichen Nöthen,Da sie jämmerlich ihr liebes Kind sah tödtenUnd Longinus den Speer ihm in sein' reine Seite stach.Sie sank unmächtig nieder, daß sie nicht hörte und nichtsprach.IndemJammer Christe sein Herz brach.Das Kreuz begunnte sich mit seinem süßen Blute röthen.(Ebd.)

letzen, endigen.Longinus, der h. Longinus ist, nach der Legende, der Kriegsknecht, welcher die Seite Jesu mit dem Speer öffnete. Von dem niederströmenden Blute soll ein Blinder geheilt worden seyn.

Niemand wird sich wundern, den Dichter in den Vorstellungen seiner Zeit befangen zu finden. Aber auch in freier Bewegung zeigt sich uns derselbe.

Von eigener Aufrichtigkeit ist nachfolgende Beichte:

Viel hochgelobter Gott! wie selten ich dich preise!Da ich von dir doch beides habe, Wort und Weise,Wie wag' ich so zu freveln unter deinem Reise!Ich thu' nicht rechte Werke, noch hab' ich wahre MinneZu meinem Nebenchristen, Herre, noch zu dir.So hold noch ward ich ihrer keinem je, als mir.Gott Vater und Gott Sohn, dein Geist berichte meine Sinne!Wie sollt' ich den wohl minnen, der mir übel thut?Mir muß der immer lieber seyn, der mir ist gut.Vergieb mir andre meine Schuld! ich will noch habendenMuth. (I 131a)

Viel hochgelobter Gott! wie selten ich dich preise!Da ich von dir doch beides habe, Wort und Weise,Wie wag' ich so zu freveln unter deinem Reise!Ich thu' nicht rechte Werke, noch hab' ich wahre MinneZu meinem Nebenchristen, Herre, noch zu dir.So hold noch ward ich ihrer keinem je, als mir.Gott Vater und Gott Sohn, dein Geist berichte meine Sinne!Wie sollt' ich den wohl minnen, der mir übel thut?Mir muß der immer lieber seyn, der mir ist gut.Vergieb mir andre meine Schuld! ich will noch habendenMuth. (I 131a)

Von Walthers freimüthigen Aeußerungen gegen die Priesterherrschaft ist umständlich gehandelt worden. Wenn er zum Kampfe für die Erlösung des heiligen Grabes eifrig ermuntert, so ist er darum nicht eben von blindem Hasse gegen nichtchristliche Mitmenschen beherrscht. »Räche, Herr! -- betet er -- dich und deine Mutter an denen, die eures Erblandes Feinde sind! Laß dir den Christen gleich wenig gelten, als den Heiden! Du weißt wohl, daß nicht die Heiden allein dich irren, die sind wider dich dochöffentlichunrein; zeige die in ihrer Unreine, die es mit jenenheimlichgemein haben.« (I 103a)[89]. Als den Vater aller Menschen erkennt er den Herrn, wenn er ausruft: »Ihm dienen Christen, Juden und Heiden, der alle lebende Wunder nährt.« (I 128b) Um Vieles duldsamer und freidenkender, als derFreigedank(V. 481-84), den es gewaltig verdrießt, daß Gott Christen, Juden und Heiden gleiches Wetter giebt.

Am reinsten aber und über allen Wahn der Zeit erhaben erscheint seine Anbetung da, wo er vor Gott sich niederwirft, als dem Unbegreiflichen, den zu erforschen alle Mühe bei Tag und bei Nacht verloren ist, den keine Predigt und keine Glaubenssatzung erklärt:

Mächtiger Gott! du bist so lang und bist so breit.Gedächten wir daran, daß wir unsre ArebeitNicht verlören! Dir sind beide ungemessen: Macht undEwigkeit.Ich weiß an mir wohl, was ein Andrer auch drum trachtet,Doch ist es, wie es stets war, unsern Sinnen unbereit.Du bist zu groß, du bist zu klein; es ist ungeachtet.Dummer Gauch, der daran betaget oder benachtet!Will er wissen, was nie ward geprediget noch gepfachtet?(I 102b)

Mächtiger Gott! du bist so lang und bist so breit.Gedächten wir daran, daß wir unsre ArebeitNicht verlören! Dir sind beide ungemessen: Macht undEwigkeit.Ich weiß an mir wohl, was ein Andrer auch drum trachtet,Doch ist es, wie es stets war, unsern Sinnen unbereit.Du bist zu groß, du bist zu klein; es ist ungeachtet.Dummer Gauch, der daran betaget oder benachtet!Will er wissen, was nie ward geprediget noch gepfachtet?(I 102b)

unbereit, unzugänglich.ungeachtet, unermessen, ungeschätzt.daran betaget oder benachtet, Tag oder Nacht darauf wendet, damit hinbringt (Vgl. II 112a).gepfachtet, in Satzungen gefaßt, vonPfacht, Satzung, Gesetz.

Unsre Blicke sind dem Dichter in das Gebiet des Unendlichen gefolgt und hier mag er uns verschwinden. Es ist uns keine Nachricht von den äußeren Umständen seiner letzten Zeit geblieben, gleich als sollten wir ihn nicht mehr mit der Erde befaßt sehen, von der er sich losgesagt, und von seinem Tode nichts erkennen, als das allmählige Hinüberschweben des Geistes in das Reich der Geister.

Davon jedoch ist Kunde vorhanden, wo seine irdische Hülle bestattet worden. In der Würzburger Liederhandschrift, aus der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts[90], findet sich die Nachricht, daß Herr Walther von der Vogelweide zuWürzburgzu dem Neuenmünster in dem Grasehofe begraben liege. In einer handschriftlichen Chronik aber ist eine liebliche Sage mit Folgendem aufbewahrt: im Gange des Neuenmünsters, gewöhnlichLorenzgartengenannt, seyWaltherbegraben unter einem Baume. Dieser habe in seinem Testament verordnet, daß man auf seinem Grabsteine den Vögeln Waizenkörner und Trinken gebe; und, wie noch jetzt zu sehen sey, hab' er in den Stein, unter dem er begraben liege, vier Löcher machen lassen zum täglichen Füttern der Vögel. Das Kapitel des Neuenmünsters aber habe dieses Vermächtniß für die Vögel in Semmeln verwandelt, welche an Walthers Jahrestage den Chorherrn gegeben werden sollten, und nicht mehr den Vögeln. Im Gange des vorbesagten Gartens, gewöhnlich imKreuzgang, sey von diesem Walther noch Folgendes, in lateinischen Versen, in Stein gehauen, zu lesen: »Der du bei Leben, o Walther, derVögel Weidegewesen bist, Blume der Wohlredenheit! Mund der Pallas! du starbest. Damit nun deine Frömmigkeit den himmlischen Kranz erlangen möge, so spreche, wer Dieses liest: sey Gott seiner Seele gnädig!«[91]

Name und Wappen des Dichters mögen zu jener Sage Anlaß gegeben haben.

Der Truchseß von Sankt Gallen betrauert den Tod Walthers auf ähnliche Weise, wie dieser den Tod Reinmars beklagt hat: Uns ist unsres Sanges Meister, den man eh'von der Vogelweidenannte, auf die Fahrt, die nach ihm uns Allen unerlassen bleibt. Was frommet nun, was er eh' der Welt erkannte? Sein hoher Sinn ist worden krank. Nun wünschet ihm um seines werthen, hofelichen Sanges willen, daß sein der süsse Vater nach Gnaden pflege! (Pf. Hds.357 Bl. 20b).

[A]Das Treffendste, was mir bekannt ist, hat über ihn ein Gelehrter gesprochen, dem man sonst die Ueberschätzung der Dichterwerke des Mittelalters nicht vorwirft,Bouterwek, in seiner Gesch. d. Poes. u. Beredsamk., Bd. IX S. 107 ff.: »Einer der vorzüglichsten unter diesen ersten und unter allen deutschen Minnesingern istWalther von der Vogelweideaus einer adeligen Familie im Thurgau. -- Aus seinen volltönenden, kräftigen und lieblichen Gesängen spricht ein wahrhaft lyrisches Genie. Selbst religiöse Gegenstände behandelt er glücklicher, als die meisten seiner Zeitgenossen. Auch war er reicher an Gedanken, als sie. Ihm schwebte, wie jedem großen Dichter, auch ohne philosophische Meditation, dasGanzedes menschlichen Lebens vor. Gewöhnlich haben seine Darstellungen etwas Mahlerisches. Einige seiner Gesänge in langen Zeilen nähern sich dem metrischen Charakter des Sonetts. Einige nehmen einen hohen feierlichen Schwung; andere gehen den leichten, raschen Schritt des muntern Volksliedes; noch andere sind mit einer fast epigrammatischen Feinheit ausgeführt. Weinerliche Klage war nicht dieses Dichters Sache; aber im Preise der Frauen ist er unerschöpflich. Doch das poetische Verdienst des trefflichen Walthers von der Vogelweide ist einer ausführlichen Analyse werth, zu der sich hier kein Raum findet. Noch verdient seinVaterlandsgefühlbemerkt zu werden. Einige seiner Gedichte haben das öffentliche Wohl Deutschlands zum Gegenstande. Im Volkstone hat er das Lob des deutschen Namens gesungen.«[B]Eine neue Ausgabe sämmtlicher Gedichte Walthers hatKöpke, der Herausgeber von Barlaam und Josaphat, zugesagt. S.BüschingsWöchentl. Nachrichten &c. Bd. IV 1819 S. 12. Vorarbeiten hat auchLachmann, in seiner Auswahl aus den hochdeutschen Dichtern des 13. Jahrh. Berl. 1820 S. 178-203, geliefert.[1]Stumpf, der gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb, erwähnt im 5. Buche seiner Chronik eines Sankt Gallischen Bürgers,Hans Vogelweider, und fügt das Wappen dieser Vogelweider bei. Hierauf folgt in der, vierzig Jahre nach des Verfassers Tod erschienenen Ausgabe von 1606 (Bl. 373b) nachstehender Beisatz, welcher in der ersten Ausgabe von 1548 (II Bl. 31b) noch nicht befindlich ist: »Sonst ist Vogelweide ein alt Schloß geweßt im oberen Turgow gelegen; davon berümpte Leut kommen, an der Herzogen in Schwaben Hof bekannt. Walther v. d. Vogelweid war ein frommer biderber, nothaffter Ritter, an Keysers Philippi Hof: wie sölchs bezeuget sein selbst eigen Lied in einem uralten Buch (sicherlich die Maness. Handschr.) under Keyser Heinrich und König Cunraden dem jungen geschrieben: darinnen auch sein Wappen abgemalet, hat aber nichts mit diesem geleichs.« Dieses ist ohne Zweifel die Hauptstelle, nach welcherBodmerund nachher viele Andre den Ursprung des Dichters in das obere Thurgau setzen.[2]VonSingenberg,LandeggundGöliwird weiterhin die Rede seyn.KraftvonToggenburgist in der Geschichte dortiger Gegend hinlänglich bekannt. Die vonSar, ein ausgestorbenes Geschlecht im Rheinthal, nach welchem noch die Landschaft genannt wird. Ueber die Geschlechter vonHusenund vonThals. v.Arx(Geschichte des Kantons St. Gallen, 2 Bde. St. Gallen1810-11) I 493, 498. Unter den Dienstleuten des Gotteshauses St. Gallen um 1300 zählt ein altes Verzeichniß: die vonAltstetten, vonHardegg, vonHusen, auf.Ebd.I 482. Der MinnesängerFriedrichvonHusen, ein Kreuzfahrer, bezeichnet sich selbst alsum den Rheineinheimisch.Man.I 92b 94a (Im Elsaß sucht ihnOberlin,De poet. Alsat. erot. p. 10). EinWalthervonKlingenkömmt um 1271 urkundlich vor,ArxI 395 (nachDocen,Mus.I 144 schon 1251); ein H.(Heinricus) miles deFrouunberch 1257Ebd.I 544; einCuno miles deTüfin 1279Ebd.I 506. DieRuggenerscheinen noch um die Mitte des 15. Jahrh. als St. Gallische JunkerEbd.II 296. Der vonWengenrichtet ein Lied an die ThurgäuerMan.II 99a. -- Anziehend und anschaulich hat v.Laßbergin der Zueignung des 1. Bands seinesLiedersaals(1820) an die Sänger dortiger Gegend erinnert.[3]Alles Obige hat v.Arxin seinem äußerst lehrreichen Geschichtwerke umständlich ausgeführt und belegt. Von dem MöncheTutilo(st. 912) sagt Ekkehard.Jan. de casib. monast. St. Galli Cap. III: »filios nobilium in loco ab Abbate destinato fidibus edocuit.«[4]Ueber die St. Gallischen Erbämter s.ArxI 320.Konrad, Schenk von Landegg, kömmt von 1281 (oder schon 1271, I 528) bis 1304 in den Urkunden vor.Ebd.I 476. Die Kämmerer hießen:Giele»Rudolf Gielo noster Camerarius.«Ebd.I 320. Vgl.Mus.I 162. Der DichterGöli(Man.II 57a) singt:Bei dem Rheinegrünen Werde und Auen.Ueber die andern Geschlechter s. Anm.[2].[5]Die oftangeführte Geschichte des Kantons St. Gallen giebt eine umständliche geschichtliche Ortsbeschreibung dortiger Gegend, auf die reichhaltigen, in hohes Alterthum hinaufreichenden Urkundensammlungen des St. Gallischen Archivs gegründet. Nirgends aber erwähnt sie einer BurgVogelweide. Um desto sichrer zu gehen, habe ich an Herrn v.Arxselbst mich schriftlich gewendet und von ihm die Bestätigung erhalten, daß ihm von einem Schlosse dieses Namens nie eine Meldung aufgestoßen sey. Möglich wäre eine Verwechslung mitVögelinsbergoderVögeliseck. In dem St. Gallischen Jahrszeitenbuche (Goldast,Script. Rer. Alem. Tom. I), das 1272 geschrieben wurde, kömmt einRuodolfus dispensator de Voegillinsbercvor.NotkerIII., Vorsteher der St. Gallischen Klosterschulen, gest. 1022, hatte bei Speicher, in der Gegend, wo jetzt das weitausschauendeVögelisecksteht, ein Gehege (vivarium), worin er Wild und seltene Vögel, die er am meisten liebte, verwahren und füttern ließ. Es ist vermuthet worden, daß hier die Heimath des Geschlechtes v. d.Vogelweidezu suchen sey, welcher Name im Munde des Volks inVögeliseckumgewandelt worden seyn möchte. Man überzeugt sich leicht, wie sehr es hiebei an einem sichern Halt gebreche.[6]Ueber die St. GallischenVogelweiders.ArxII 196;Leu,Allgem. Helvet. LexiconThl. 18 S. 676. Sie kommen zuerst 1430 vor. Das Schreiben des Herrn v.Arxbesagt darüber Folgendes:»Ich bezweifle es sehr, ob Walther Vogelweider von St. Gallen her sey. Denn nie kömmt dieses Geschlecht in ältern Zeiten, sondern erst im 15. Jahrh. da vor, wo von allen Orten her Leute sich in St. Gallen ansiedelten, oder wieder abzogen. Mir scheintVogelweidereher eine Bedienung ausgedrückt zu haben, und von dieser in einen Geschlechtsnamen übergegangen zu seyn. Nämlich so wieKuchimeistereinen Proviantmeister, undFüller(impletor),Spiser, andre Verrichtungen anzeigten, und nachhin zu (St. Gallischen) Familiengeschlechtern wurden, so warVogelweiderohne Zweifel ein Mann, der sich mit dem Fangen, Füttern, Abrichten der Vögel eines Großen abzugeben hatte, dennFogilweidahieß eben das, wasAviarium,Glossar sec. 10. in. ab Ekhart, und ohne solches Vogelbehältniß und einen Wärter desselben konnte der Falkenjagd wegen und des Finkenfangs kein Fürst oder Graf seyn. Es mußte darum aller OrteVogelweidergeben.«Im Würtembergischen ist der NameVogelwaidnicht selten.[7]BeiWagenseil,Von der Meistersänger holdsel. Kunst, S. 506:Der Fünft Herr Walter hieß,War ein Landherr aus Böhmengewiß[?]Von der Vogelweid &c.In einem andern Meisterliede (Görres,Altt. Volks- und Meisterlieder &c. Frankf.1817 S. 224) heißt er: Herr Walthervon der Wid, der Ziervogel. (Vgl.Man.II 2b)[8]S.König,Genealog. Adelshistorie &c.Thl. II S. 543.[9]Oberthür,Die Minne- und Meistersänger aus Franken&c.Würzb.1818 S. 30.[10]So wird er genannt im Leben der h. Elisabeth (Mencken,Script. Rer. Germ. T. II) und in dem Meisterliede beiGörresS. 224. In der Nachricht, welche die Würzb. Handschr. von seiner Grabstätte giebt, heißt erMiles. Doch ist es zweifelhaft, ob er die Ritterwürde selbst erlangt habe, indem er sich in einem seiner Gedichte mit den Rittern in Gegensatz zu stellen scheint (Man.I 142a:»Daran gedenket, Ritter, es ist euer Ding &c.«)[11]Chron. Claustro-Neoburg.(ap.Pez,Script. Rer. Austr. T. I)ad ann. 1195, 97, 98.[12]Auf die deutsche Heldensage findet sich nirgends eine Beziehung, man müßte es denn für eine Anspielung aufWalther und Hiltegundansehen, wenn auch er, der Sänger Walther, seine GeliebteHiltegundnennt. (I 136b)[13]Registr. Innocent. III. ep. 136 p. 147.[14]Diese Strophe ist nachgeahmt vonBoppo(Man.II 235):Ich saß auf einer Grüne &c.[15]Die Mücken haben König unter ihnen,Die Bienen einen Weissel, dem sie folgen,Kein' Creature lebet ohne Meisterschaft &c.Der Mysnere(BeiMüll.DXCIII)[16]Chron. Abb. Ursperg: »Erat autem Philippus animo lenis, mente mitis, eloquio affabilis, erga homines benignus, largus satis et discretus, debilis quidem corpore, sed satis virilis, in quantum confidere poterat de viribus suorum, facie venusta et decora, capillo flavo, statura mediocri, magis tenui quam grossa.«[17]Richard war zu Ende des Jahres 1192, als er auf der Rückkehr aus dem heiligen Lande durch das Gebiet Leopolds VI. von Oesterreich, den er in Palästina beleidigt hatte, verkleidet reisen wollte, erkannt und festgesetzt worden. Leopold überließ seinen Gefangenen um 60000 Mark Silbers an Kaiser Heinrich, der Richarden wegen dessen Verbindung mit Tankred von Sicilien übel wollte. Nun wurde Richard vom Kaiser in harter Gefangenschaft gehalten, und erst zu Anfang des Jahres 1194 gegen ein Lösegeld von 100,000 Mark, das die Engländer mit großer Anstrengung zusammen gebracht hatten, in Freiheit gesetzt.[18]OranseS. 176b, vgl.TiturelKap. 27 Str. 4096.[19]»De Saxonia quidem habuit (Philippus)Ducem Bernhardum,Marchionem Moesiæ et alios principes sæculares potentissimos, insuper ArchiepiscoposMagdeburgensemet Bremensem et suffraganeos eorumdem.« Chron. Ursp.[20]Diese Zeit vermuthetKöpkea. a. O. S. 16.[21]»Wohlauf! wer tanzen wolle nach der Geigen.«(W. Hds. S. 170) Daß Walther sich derHarfebedient, ist aus der Stelle (I 112) vermuthet worden, wo er von deralten Lehrespricht, daß man nicht in der Mühleharpfensolle. Der Ausdruck ist aber, wie der Dichter selbst andeutet, sprichwörtlich zu verstehen.[22]In den Anreden: »Ja Herre!« (I 109b 124b) »Herren und Freund'!« (I 136b)[23]Das politische Gedicht: »Nu soll der Kaiser hehre« &c. (I 136a) ist auf diese Begebenheit bezogen worden. Es ist jedoch zu bemerken, daß Philipp niemalsKaiserwar, daß Walther ihn sonst überallKönignennt und beiderlei Titel sehr wohl unterscheidet, z. B. in dem Liede:HerreKaiser! ihr seyd willekommen,DesKönigesName ist euch benommen &c.(I 103b)Bei dem damaligen Wechsel der Parteiung kann jenem Gedichte leicht ein späteres Ereigniß zu Grunde liegen.[24]S. den Prolog Albrechts vorWickramsUmarbeitung seiner Verdeutschung. Frankf. 1581.[25]ImTiturel, wo des Landgrafen Hermann mehrmals rühmliche Erwähnung geschieht, heißt es von ihm (Kap. 7):Hermann von Thüringen EhrePflag weiland, die muß immer Preises walten &c.[26]Aus demselben Gedicht V. 19097 f. erhellt, daß damals Thüringen auch für das Vaterland neuer Tanzmusik galt.[27]Dilich, Hessische Chronik 1606 Thl. I S. 33[28]Das Gedicht vom Kriege auf Wartburg erhebt diese fürstliche Tugend zum vorzüglichen Gegenstand des Wettgesangs. DerTanhuser, um die Mitte des 13. Jahrh., mustert in einem besondern Gedichte (Man.II 64) die Fürsten seiner und der nächst vorhergegangenen Zeit nach eben dieser Beziehung.[29]Damit droht derMysner(DXCVI). Mit dem Verfalle der Kunst nimmt die Gemeinheit zu. Sie werden trotziger und niederträchtiger zugleich. Dem Kargen, der sich selbst bedürftig stellt, wünscht derUnverzagte(III), daß seine Hand eines fremden Mannes Kleid auf seines Weibes Bette finden möge. DerUrenheimer(CCVI) sagt gerade heraus: »also man den Meister lohnet, also wischet er das Schwerdt.«Rumelant von Schwaben(CCCLXXXI) verhehlt nicht, daß er mit seinen Lobliedern gelogen habe. Doch hat ihm ein weiser Prediger gesagt, daß hübsche Lüge nicht große Sünde sey. DerUnverzagte(XIX) äussert noch: »Man soll gnädige Heilige fern in fremden Landen suchen, so such' ich werthe Leute, die ihr Gut mit Ehren zehren. Welcher Herr mir Gnade thut, der soll mein Lob hinnehmen. Sie sind heilig, die mir geben um Gottes und der Ehre willen. DielebendenHeiligen müssen selig seyn!«[30]So sagt auch der vonBuwenburg(II 181a):Wer getragener Kleider gehrt,Der ist nicht Minnesanges werth.HerrnGeltardagegen (oderGedrut,Pf. Hds.357 Bl. 24b) ist es noth nachalter Wat(II 119b). Auch derChanzlerzeigt sich lüstern nachreicher Herren alter Wat(II 246b).[31]DiePf. Hds.357 Bl. 20 hat das Lied, welches mit diesem Satze schließt, unter denen des Truchs. von St. Gallen. »Getreuer Freund, versuchtes Schwerdt, die zweene sind in Nöthen gut!« sagt auchBruder Werner(LVIII). Die Rede ist sprichwörtlich, wie jenes Lied selbst andeutet. Walther läßt zuweilen ein Sprichwort (ein alt gesprochen Wort, wieUlrich v. Winterstettensich ausdrückt,Benecke'sErgänz. S. 220. Vgl.Fragm. de bell. Carol. M. contr. Sarac. v. 1011.) einfließen, als: »In der Mühle harpfen.« (I 122) (Vgl.Freigedank, V. 1559 f.) »Guter Mann ist guter Seiden werth.« (I 115a) »Sind je doch Gedanken frei.« (I 121b) Vgl.DietmarvonAst: »Gedanken, die sind ledig frei.« (I 40a)[32]So bezeichnetReinmar d. Alte(Man.I 80b) die geistliche und die weltliche Macht.[33]Auf ihn und seine Sparsamkeit zielt vielleicht auch das weitere Spottgedicht Walthers: »Der König, mein Herre &c.« (I 130a).[34]»--pro eo, quod superbus et stultus, sed fortis videbatur viribus, et statura procerus.« Chron. Ursp. Der Verfasser dieser Chronik ist ein eifriger Anhänger der hohenstaufischen Partei.[35]»Soll ich so bei reicher Kunst verarmen undverderben!«Der Mysnere.(DXCIV)[36]Ein TruchseßUlrichvon Singenberg erscheint in Sankt Gallischen Urkunden von 1219 und 1228 v.ArxI 458, 459.Ulrichhieß auch, nach Tschudy, der Letzte des Geschlechts, der um 1267 starb. »ObitusRudolfiDapiferi militis de Eggon inter Blidegge et Singinberc« kömmt in dem 1272 geschriebenenNecrolog. Tuifburg.(Goldast,Script. Rer. Alam. T. I p. 100) vor. -- In dem scherzhaften Gespräche zwischen Vater und Sohn, welches sich unter den Liedern des Truchsessen von St. Gallen (Pf. Hds.Nr. 357 Bl. 18b) findet, wird der Sohn:Rüdelin! angeredet.[37]In derManess.Samml. I 154a ist die Reimstellung des Lieds auf die Form des Gedichts von Walther zurückgeführt, welchem jenes nachgebildet ist.[38]Eingläsen Fingerleinbezeichnet auch imTristan(v.GrootesAusg. V. 16883) eine Sache von sehr geringem Werth.[39]»Die Weiber hassen graues Haar« -- führt schonHeinrichvonVeldecke(Man.I 20a) als ein altes Sprichwort an.[40]Anderswo singt Walther:Müßte ich noch erleben, daß ich die RosenMit der Minniglichen sollte lesen,So wollt' ich mich so mit ihr erkosen,Daß wir immer Freunde müßten wesen.(I 137b)Ein andrer Dichter wendet sich so an ihn:Hör' an, Walther, wie es mir staht,Mein traut Geselle von der Vogelweide!Hülfe suche ich und Rath,Die Wohlgethane thut mir viel zu Leide.Könnten wir ersingen beide,Daß ich mit ihr müßte brechen Blumen an der lichtenHeide! (I 140a)Vgl.Reinmar, I 81b;Nithart, II 81a;Hadloub, II 194b 195b. Schön sagt KönigWenzelvon Beheim, I 2b:Ich brach der Rosen nicht und hatt' ihr doch Gewalt.[41]Frölich,Specimen Archontologiæ Carinthiæ, Vienn. etc. 1758 p. 4.[42]»Ob mir ein Fürst aus Kärnthen giebt die Miethe.«Titur.Cap. 15Freilich kann derTiturelin seiner jetzigen Gestalt nur mit Vorsicht gebraucht werden.[43]Ueber dasVerkehrendes Gesanges, d. h. das Mißdeuten, Entstellen, wohl auch Parodiren desselben, hat auch derHardeggerzu klagen:Wer mir verkehret, das ich heure von dem Kaiser sang &c.(Man.II 121b)Vgl. v.Singenberg(I 156b 3)[44]Chron. Claustro-Neoburg. ad ann. 1208-1219.[45]Chron. cit. ad ann. 1223.Wer dermilde Welfsey, mit welchem Leopolds Vetter verglichen wird, getraue ich mir nicht zu bestimmen. Auch derTanhuser(Man.II 64a) gedenkt einesWelf von Schwabenunter den verstorbenen Fürsten, welche manchem Mann viel reicher Kleider gaben.[46]Frölich I.c. Tab. IV[47]Frauendienst&c. Nach einer alten Hdschr. bearbeitet und herausgegeben vonLudwig Tieck. Stuttg. u. Tüb. 1811. Ein Abdruck der Urschrift dieses wichtigen Denkmals wird noch immer vermißt.[48]Auch den vorerwähnten Vetter Leopolds würden wir in dem Markgrafen Heinrich von Oesterreich erkennen, bei welchem Ulrich von Lichtenstein Lehrling war und von dem er so viel Schönes zu rühmen weiß.Frauend.Cap. I S. 3-4. Es ist aber zweifelhaft, ob hier nichtIsterreichstattOesterreichzu lesen sey? denn späterhin tritt der Markgraf Heinrich von Isterreich auf.[49]»Solemnitas magna in Wienna fit Duce auctore Liupoldo, cujus etiam filia Duci Saxonum nuptiali thalamo est copulata.«Chron. Cl. Neoburg. ad ann. 1222.[50]Dieser Markgraf Heinrich, aus dem Hause Andechs, ein Bruder des Patriarchen Berthold, war des Antheils an der Ermordung König Philipps verdächtig und wurde deshalb 1209 seiner Würden, Lehen und Einkünfte verlustig erklärt. Das Haus Andechs behauptete aber seine Ansprüche auf die Markgrafschaft. Heinrich starb um 1228.[51]Chron. Ursp. ad ann. 1229, Chron. Cl. Neoburg. ad ann. 1230.[52]Chron. Cl. Neoburg. ad ann. 1230.[53]Im 6. Cap. desTiturelwird derAventeured. h. der romantischen Ueberlieferung, welche von dem seligen Leben der Hüter des heiligen Grales Kunde giebt, entgegengehalten, daß sie mithohen Meisternin Widerspruch gerathe:Ich mein', daß mein Herr Walther konnte sprechen:Hulde Gottes und Gut und weltlich' EhreMitsammt wär' Niemand habende.Das Lied von Walther, worin die angezogene Stelle vorkömmt (Man.I 102), ist zuvor, Abschn. II, ausgehoben worden.[54]Nach v. d.Hagen'sAnführung aus der Kasseler Handschrift (Mus.I 2 S. 563):Nun seyd ihr doch einander gram,Frau Minne und auch die Kindheit,Als uns Meister Walther seitVon der Vogelweide,Der sang, daß ihr beideWäret gar einander gram.Walthers Worte sind diese:Minne und Kindheit sind einander gram.(I 112a)[55]So spricht von ihmKonradvonWürzburgin seinergoldenen Schmiede, V. 97 ff. (Grimm,Altd. Wäld.Bd. II S. 219)[56]Docen(Mus.I 1 S. 167) vermuthet unter dieser Bezeichnung nicht unwahrscheinlichReinmarndenAlten; v.Groote(Anm. zu V. 4778) glaubt, daßHartmannvonAuedarunter verstanden sey, was mir, schon nach dem Zusammenhang der Stelle, bedenklicher scheint.[57]Diesen Meistergesang desLupolt Hornburghat Docen imMus.II 1 S. 18 ff. aus der Würzburger Handschrift geliefert.[58]Docena. a. O. S. 26[59]Z. B. in dem wunderlichen Winterliede (I 125), das durch alle Selbstlauter reimt. Der Truchseß vonSingenberg(I 157b) undRudolfderSchreiber(II 181b) haben es nachgeahmt. Reime an Anfang und Schlusse der Zeilen finden sich in der Strophe: »Ob ich mich selben rühmen soll &c.« (I 121b) und den drei folgenden.[60]Man.I 117b. In derPf. Hds.357 Bl. 38b kömmt die Strophe: »Uns will schiere wohl gelingen« &c. sammt den übrigen des Mailieds unter den LiedernLütoltsvonSevenvor.[61]Chron. Salisb. ad ann. 1200, 1246.[62]Leipz. Literat. Zeitung1812 Nr. 162. -- v. d.Hagen, Briefe in die Heimat &c. I. Bd. Bresl. 1818 S. 65.[63]BeiMan.II 119a ist das Lied HerrnGeltarzugeschrieben.[64]Z. B. Daß ich wäre ihrdulz amis&c.Ein'Ripiereich da gesach (sah),Durch denForesgieng ein BachZuthal über ein'Planüre.Ich schlich ihr nach, bis ich sie fand,Die schöneCreatüre.Bei demFontanesaß die Klare, Süsse vonStatüre. (II 61a)[65]Z. B. Ich bin Gast und selten Wirth, das Leben ist unstete.(II 67b)[66]Die WorteTanhusers: »Der sein' Treue nie zerbrach &c.« entsprechen augenscheinlich dem Schlusse von Walthers Lied: »Von Gotte würde ein Engel eh' verleitet.« Auch die weitere Zeile vonTanhuser: »Er sollte des Reiches Krone tragen &c.« deutet auf die Stelle in einem andern Liede Walthers:Möcht' ich ihn han gekrönet,Die Krone wäre heute sein.(I 136b)Die letztern Worte bezeichnen abermals einenfürstlichenFreund unsres Dichters. So singtTanhuservon Friedrich von Oesterreich:In kurzen Zeiten das geschieht,Daß man wohl eine KroneSchöne auf seinem Haupte sieht.(II 59)Köpke, a. a. O. S. 13, bezieht die politische Strophe: »Herr Kaiser, ihr seyd willekommen &c.« (I 103b) auf Otto IV. und den MarkgrafenDietrich, Heinrichs Vater. Mit der Stelle beiTanhuser(II 64b), soferne man solcher Beweiskraft beilegen will, läßt sich diese Annahme nicht vereinigen. Der Beziehung aufFriedrichII. ist es zwar nicht günstig, daß dieser erst vierzehn Jahre, nachdem er zu Rom gekrönt worden, nach Deutschland zurückkam, und so kann auch gegen die Beziehung aufHeinrichdenErlauchtendie bedeutende Altersverschiedenheit angeführt werden, welche nothwendig zwischen ihm und Walthern stattgefunden; Heinrich ist im Jahre 1218 geboren. Allein auch Otto IV. blieb nach seiner Krönung zum römischen Kaiser noch dritthalb Jahre von Deutschland abwesend und die Verschiedenheit des Alters ist kein entscheidendes Hinderniß. Der junge Markgraf (jugendlich ist er auch in der Maness. Handschrift vor seinen Liedern dargestellt), mag von dem alten Meister gelernt haben. Die Strophe: »Mir hat ein Lied von Franken &c.« (I 111a) beweist, daß der Meißner Walthern mit Achtung behandelte, und in den Liedern Heinrichs von Meissen (I 5, 6) könnten einige Spuren von Walthers Einflusse bemerklich gemacht werden. Man sieht, daß hier weitere Untersuchungen nicht überflüssig sind. Ein Aufsatz über Heinrich den Erlauchten als Minnesänger und Förderer deutschen Minnesangs, von K.Förster, ist neuerlich inKinds Muse, 1821 II 3 erschienen.[67]Albinus, Meißnische Land- und Berg-Chronika. Dresd. 1589 S. 195[68]Diese Strophe steht in derPf. Hds.357 Bl. 41b unmittelbar vor der andern auf Reinmars Tod. Sie ist Walthers nicht unwerth; nur ist der Text in jener Hds. verdorben. Das Lied Reinmars, worauf sie sich bezieht, ist noch vorhanden (I 67a). So finden sich auch unter Walthers Liedern zwei Gesätze (I 137), welche auf Strophen von Reinmar (I 64b Vgl. 68b 7) in der gleichen Tonweise wettstreitend antworten.[69]Vgl.Robyn(CLXIII):Reinmar, mich reuet sehreDein Sinn und auch dein Tod &c.[70]Beispiele sind, besonders in den Anmerkungen, manche ausgehoben worden. Was als Gebrauch dichterischen Gemeinguts und was als wirkliche Nachahmung anzusehen sey, darüber mögen freilich im einzelnen Falle die Ansichten verschieden seyn.[71]Diesen hat J.Grimm(Ueber den altdeutschen Meistergesang, Gött. 1811) überzeugend nachgewiesen; ebenso die Identität der Meister des dreizehnten Jahrhunderts mit sämmtlichen Minnesängern, nicht minder, daß die Meistersängerschule den Grundsatz der Dreitheiligkeit von den ältern Meistern ererbt. Nur scheint es mir, besonders in Betrachtung der Gedichte Walthers, daß die Abtheilung in Stollen und Abgesang bei den Aelteren nicht in dem Maaße herrschend gewesen, alsGrimmannimmt.[72]Das Vorstehende meist nach der trefflichenGeschichte Kaiser Friedrichs des Zweiten. Züllichau und Freist. 1792[73]Ohne Zweifel hatOttokarvonHorneckdas obige Lied vor Augen gehabt, (wie auchSchacht, in dem lebensvollen Buche:Aus und über Ottokar's von Horneck Reimkronik, Mainz, 1821 S. 279 andeutet,) wenn er im Cap. 448 seiner Chronik (Pez,Script. Rer. Austr. T. III p. 446 sq.) ausruft:Ei, Kaiser Konstantin!War thät du dein Sinn,Da du den Pfaffen gebDen Gewalt und das Urleb,Daß Städt, Burge und LandUnterthanig ihr'r HandUnd ihr'm Gewalt sollt wesen?Geistlicher ZuchtebesenIst nu zu scharf worden.Du solltest in dem OrdenDie Pfaffen haben lan,Als sein St. Peter begann,Das wär hoher Miethe werth.Was wolltest du das SchwerdtDen Pfaffen zu der Stol geben,Die damit nichts können leben,Noch zu Recht können walten?Lassen und behalten,Als man mit dem Schwerdt soll,Das können sie nicht wohl.Sie haben es vergramaziertUnd das Reich verirrtManiger Ehr'n und Gewalt,Die ihm vor was bezahlt.Konstantin, nu sieh an!Hättest du zu LatranDen Pabst den Psalter lassen lesenUnd den Kaiser gewaltig wesen,Als er vor deinen Zeiten was &c.[74]»In illis autem Ecclesiis, in quibus convenit processio generalis,truncusstatuatur concavus tribus clavibus consignatus, una penes honestum presbyterum, alia apud laicum devotum, tertia penes aliquem regularem fideliter conservandis, in quo viri et mulieres eleemosynas ponant, in terræ sanctæ subsidium convertendas, secundum dispositionem eorum, quibus fuerit hæc sollicitudo commissa.«Bulla Innocentii III. ad Christianos pro reparanda terra sancta in Chron. Ursp. ad ann. 1212.[75]In derPf. Hds.357 Bl. 9a ist diese Strophe durch derbe Variationen erweitert.[76]In gleichem Sinne spricht auch derFreigedank, ein Spruchdichter des 13ten Jahrhunderts:Sünde Niemand mag vergeben,Wann Gott einig, dar sollen wir streben.(Müll.Ausg. V 3180 f.)Alle Schatzes Flüsse gehnZu Rome (nach Rom) bis sie da bestehn (bleiben),Und doch nimmer wird voll,Das ist ein unsinnig Hohl.So kommet alle Sünde dar,Die nimmt man da den Leuten gar &c.(V. 3185 ff.)Das Netz kam zu Rome nie,Damit Sankt Peter Fische fie (fieng),Das Netz ist ihm verschmähet.Römisch Netz fähetSilber, Gold, Burge und Land;Das war Sankt Petern unbekannt.Sankt Peter war zu Recht ein Degen,Den hieß Gott seiner Schafe pflegen,Er hieß ihn nicht Schafe bescheeren,Nun will man Scheerens nicht entbehren.Unrecht ist zu Rome erhaben,Recht und Gericht ist da abgeschaben.(V. 3880 ff.)ReinmarvonZwetersingt:Der Pabest hat viel reiche Kind (Kinder),Die minnet er, wo sie gesessen in den Landen sind,Mit ihnen theilt er seinen Segen, so theilen sie mitihm ihr Gold.Dieselben Kind sind ihm so traut,Daß er ungerne käme mit Schlägen auf ihrer einesHaut.Wollte Gott, es wären ihm die habelosen Kind halbalso hold (lieb)!Eh' daß der arme Sohn sein Recht behärte,So ist der reiche auf seiner Vorderfährte &c.(Pf. Hds.350)Cf. Odon. Ernest. L. I. p. 317.[77]Vgl.Ottokarv.Horneck, Cap. 821 (Pez, I c. p. 83):Gott Herre, durch dein' Güt'Die Christenheit baß behüt'Und weis' uns auf bessre Spur,Denn uns die Pfaffen gehn vor,Die da Gewalt hie tragen!Als uns die Buch sagen,So sollten sie uns Lehr' gebenMit Worten und mit gutem Leben,Des sie leider thun nicht;Wer ihre Werk' ansicht,Die sind viel wahrleichIhren Worten ungeleich.[78]S. Anm.[73]und[77]. Es könnten aber noch weitere Nachweisungen über Ottokars Bekanntschaft mit Walthers Gedichten beigebracht werden. Die Ansichten des Erstern von Pabst und Klerus hatSchachta. a. O. Abschn. XI bes. S. 276, 278-84, dargelegt.[79]Godefrid.Colon. Annal. (ap.Freher.Germ. rer. Script. T. I) ad ann. 1225, 1226. Chron. Salisb. cit. ad ann. 1226.[80]Es ist zu entscheiden, ob nicht beide Gedichte ironisch gemeint seyen. In beiden scheint die Schlußzeile diese Wendung zu nehmen. Diese ironische Weise ist überhaupt dem Dichter nicht fremd. Sie findet sich namentlich in seinen Gedichten auf Otto IV. Was ihn aber veranlaßt haben mochte, sie gegen den Erzbischof, von dem sonst Gutes gemeldet wird, und selbst auf dessen Ermordung anzuwenden, erhellt nicht. Der Abt von Ursperg setzt diese Begebenheit in Verbindung mit damals neu aufgekommenen, von einem Predigermönch aus Straßburg, Johannes, verkündigten Lehrsätzen, die, an sich nicht verwerflich, in der Anwendung durch Mißverstand verderblich geworden und zu den abscheulichsten Frevelthaten Anlaß gegeben. Hievon findet sich jedoch keine Meldung bei dem Mönche von Köln, der dem Ereigniß näher stand und nach dessen Jahrbüchern dasselbe oben erzählt wurde. Uebrigens scheint das Urtheil der Zeitgenossen nicht einhellig gewesen zu seyn. Nach dem Berichte eines andern Geschichtschreibers kam zu Nürnberg bei der Vermählung des Königs Heinrich mit der Tochter Leopolds von Oesterreich die Ermordung des Erzbischofs zur Klage und es erhob sich über diesen Fall Widerspruch zwischen dem Erzbischof von Trier und dem Grafen von Truhendingen. Man griff zu den Waffen und es kamen in diesem Auflauf gegen sechszig Menschen um.Excerpt. ex Catal. Rom Pontif. et Imp. (ap.Pez,T. II) ad ann. 1225.-- Sonst machen einige Schriftsteller den heiligen Engelbert zum Stifter der Fehmgerichte. Zu wirksamerer Verfolgung der Ketzer soll er diese Gerichte, nach dem Muster der damals aufgekommenen und bestätigten heiligen Inquisition, gestiftet haben. Der geschichtliche Beweis für diese Meinung wir aber vermißt.Berck, Geschichte der Westphäl. Fehmgerichte. Brem. 1815 S. 251[81]Köpkea. a. O. glaubt, daß dieses Gedicht im Jahr 1234, also geraume Zeitnachdem Kreuzzuge Friedrichs II., abgefaßt sey. Er deutet nemlich die Untreue des Kindes gegen den Vater auf die Empörung des römischen Königs Heinrich wider seinen Vater, den Kaiser, und die Worte: »Der Bruder seinem Bruder lüget« auf die Feindschaft zwischen Heinrich und seinem jüngern Bruder Konrad. Diese besondre Beziehung ist mir nicht wahrscheinlich. In dem Lied eines späteren Dichters (Müll.Samml. II Bd. CCCCXLVIII) kömmt die ähnliche Stelle vor:Menschenkind, denket daran! --Es ist in der Welt wohl Schein, daß Endes Tag willkommmen. --Das Kind trauet nicht dem Vater seinNoch Vater seinem Kinde nicht, das haben wir wohlvernommen.(Vgl.Reinm.v.Zwet.II 134a 4.) Das Ganze beruht auf bekannten Stellen der Schrift, wie unser Dichter selbst zu erkennen giebt.[82]DerAdlerist das Wappen des Reichs, derLöwedas Hohenstaufische. Dieser ist den altdeutschen Dichtern das Sinnbild des Muthes, der Kraft, jener der Milde, der Freigebigkeit. So beiReinmarvonZweter, I 140b 146b. Vgl.Eneidt, V. 12416 f. Beide sind Herrscher im Thierreich. Dem Könige der Vögel ist es vermuthlich als Freigebigkeit ausgelegt worden, daß er, wie man beobachtet hat, zuweilen von seiner Beute nur das Beste verzehrt und, was ihm nicht gut genug ist, den geringern Vögeln überläßt.[83]So kann die Strophe: »Bote, sage dem Kaiser &c.« (I 103a) eingereiht werden. Auch das Gedicht: »Ihr Fürsten, die des Königes &c.« (I 131a) betrifft die Kreuzfahrt. Dasselbe ist muthmaßlich schon um 1220 verfaßt, wo Friedrich, noch nicht alsKaisergekrönt, aber längst mit dem Kreuze bezeichnet, Deutschland verließ.[84]Wo gefuhr eh' Kaiser über MeerIm Bann und ohne Fürstenheer?Und ist nun kommen in ein Land,Da Gott noch Mann nie Treue fand.(V. 4026 ff.)Was mag ein Kaiser schaffen,Seit Christen, Heiden und PfaffenStreiten g'nug wider ihn?Da verdürbe Salomons Sinn.(V. 4046 ff.)Der Bann und manche ChristenMit viel manchen ListenWollten sie es erwendet (hintertrieben) han.Nun hat Gott sein Ehre gethan,Daß Sünder sollen das Grab gesehen.Das muß ihm ohn' ihren Dank geschehen.Gott und der Kaiser haben erlostEin Grab, das ist aller Christen Trost.Seit er das Beste hat gethan,So soll man ihn ausser Banne lan.Das wollen Römer leichte nicht;Was ohn' ihren Urlaub Gut's beschicht,Dem wollen sie keiner Stete jehen, (keine Dauerzugestehen)Nun ist das ohn' ihren Dank (gegen ihren Willen)geschehen. (V. 4068 ff.)[85]So gesteht auchFriedrichvonHusen: sein Leib wolle gerne fechten gegen die Heiden, aber seinem Herzen liege ein Weib nahe (Man.I 93b); und der vonJohannsdorfbittet die Minne, ihn so lange frei zu lassen, bis er die reine Gottesfahrt vollendet habe, dann soll sie ihm wieder willkommen seyn (I 176b).[86]So auch MeisterFriedrichvonSunnenburg, CCCXCVIII: »Den all die Welt an Breite, an Länge, nicht umgreifen möchte, den umgriff die Reine alleine.« Vgl.Rumelant, CCCLXXV;Boppo, II 233a 3.[87]Der vonJohannsdorf(I 174b) findet einen gewichtigen Beweggrund für die Kreuzfahrt in der Schmähung der Heiden: daß Gottes Mutter nicht eine Jungfrau sey.[88]Schön führt MeisterStolle(III) dieses aus: wer sie des mahnet, daß sie Christum gebar, dem wird geholfen. Mehr noch ist ihrer Gnaden, wenn sie daran gemahnt wird, wie ihr wehe ward, als sie ihn an das Kreuz schlugen. Wer sie aber der großen Freude mahnt, als ihr Sohn vom Tode aufstand, der machet sich von seinen Sünden bloß.[89]Diese Aeußerungen haben wohl dieselbe Beziehung wie die in der Anm.[84]ausgehobenen desFreigedank.[90]Und zwar in der alten Vorrede zu dem Anm.[56]angeführten Meisterliede desLupolt Hornburg,Mus.II 1 S. 22[91]Oberthürin der Schrift, welche Anm.[9]angeführt worden ist, S. 30, giebt diese Stelle mit der Bemerkung, daßIgnaz Groppsolche in einer geschriebenen Chronik gefunden habe. Die Stelle, worüber die Recension desOberthür'schenBuches in denGötting. Gel. Anz.1818 S. 2054-56 zu vergleichen, lautet so:In novi monasterii ambitu, vulgoLorenzgarten,sepultus estWaltherussub arbore. Hic in vita sua constituit in suo testamento, volucribus super lapide suo dari blanda(blada?)et potum; et quod adhuc die hodierna cernitur, fecit quatuor foramina fieri in lapide, sub quo sepultus est, ad aves quotidie pascendas. Capitulum vero N. M. hoc testamentum volucrum transtulit in semellas, dari canonicis in suo anniversario, et non amplius volucribus. In ambitu præfati horti, vulgoim Creuzgang,de hoc Walthero adhuc ista carmina saxo incisa leguntur:Pascuaquivolucrumvivus Walthere fuisti,Qui flos eloquii,qui Palladis os oblivisti,Ergo quod aureolam probitas tua poscit habere,Qui legit, hic dicat: Deus istius miserere.Nach einer neueren Mittheilung imMorgenblatt1821 Nr. 19 sind diese vier gereimten Hexameter auch in die Würzburger Handschrift, Bl. 212b, eingezeichnet. (Stattoblivistiheißt es hier besserobiisti, stattposcitstehtpossit.) Voran stehen die Worte:De milite Walthero dicto von der Vogelweide, sepulto in ambitu novi monasterii Herbip.; in suo epitaphio sculptum erat: etc.

[A]Das Treffendste, was mir bekannt ist, hat über ihn ein Gelehrter gesprochen, dem man sonst die Ueberschätzung der Dichterwerke des Mittelalters nicht vorwirft,Bouterwek, in seiner Gesch. d. Poes. u. Beredsamk., Bd. IX S. 107 ff.: »Einer der vorzüglichsten unter diesen ersten und unter allen deutschen Minnesingern istWalther von der Vogelweideaus einer adeligen Familie im Thurgau. -- Aus seinen volltönenden, kräftigen und lieblichen Gesängen spricht ein wahrhaft lyrisches Genie. Selbst religiöse Gegenstände behandelt er glücklicher, als die meisten seiner Zeitgenossen. Auch war er reicher an Gedanken, als sie. Ihm schwebte, wie jedem großen Dichter, auch ohne philosophische Meditation, dasGanzedes menschlichen Lebens vor. Gewöhnlich haben seine Darstellungen etwas Mahlerisches. Einige seiner Gesänge in langen Zeilen nähern sich dem metrischen Charakter des Sonetts. Einige nehmen einen hohen feierlichen Schwung; andere gehen den leichten, raschen Schritt des muntern Volksliedes; noch andere sind mit einer fast epigrammatischen Feinheit ausgeführt. Weinerliche Klage war nicht dieses Dichters Sache; aber im Preise der Frauen ist er unerschöpflich. Doch das poetische Verdienst des trefflichen Walthers von der Vogelweide ist einer ausführlichen Analyse werth, zu der sich hier kein Raum findet. Noch verdient seinVaterlandsgefühlbemerkt zu werden. Einige seiner Gedichte haben das öffentliche Wohl Deutschlands zum Gegenstande. Im Volkstone hat er das Lob des deutschen Namens gesungen.«

[B]Eine neue Ausgabe sämmtlicher Gedichte Walthers hatKöpke, der Herausgeber von Barlaam und Josaphat, zugesagt. S.BüschingsWöchentl. Nachrichten &c. Bd. IV 1819 S. 12. Vorarbeiten hat auchLachmann, in seiner Auswahl aus den hochdeutschen Dichtern des 13. Jahrh. Berl. 1820 S. 178-203, geliefert.

[1]Stumpf, der gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb, erwähnt im 5. Buche seiner Chronik eines Sankt Gallischen Bürgers,Hans Vogelweider, und fügt das Wappen dieser Vogelweider bei. Hierauf folgt in der, vierzig Jahre nach des Verfassers Tod erschienenen Ausgabe von 1606 (Bl. 373b) nachstehender Beisatz, welcher in der ersten Ausgabe von 1548 (II Bl. 31b) noch nicht befindlich ist: »Sonst ist Vogelweide ein alt Schloß geweßt im oberen Turgow gelegen; davon berümpte Leut kommen, an der Herzogen in Schwaben Hof bekannt. Walther v. d. Vogelweid war ein frommer biderber, nothaffter Ritter, an Keysers Philippi Hof: wie sölchs bezeuget sein selbst eigen Lied in einem uralten Buch (sicherlich die Maness. Handschr.) under Keyser Heinrich und König Cunraden dem jungen geschrieben: darinnen auch sein Wappen abgemalet, hat aber nichts mit diesem geleichs.« Dieses ist ohne Zweifel die Hauptstelle, nach welcherBodmerund nachher viele Andre den Ursprung des Dichters in das obere Thurgau setzen.

[2]VonSingenberg,LandeggundGöliwird weiterhin die Rede seyn.KraftvonToggenburgist in der Geschichte dortiger Gegend hinlänglich bekannt. Die vonSar, ein ausgestorbenes Geschlecht im Rheinthal, nach welchem noch die Landschaft genannt wird. Ueber die Geschlechter vonHusenund vonThals. v.Arx(Geschichte des Kantons St. Gallen, 2 Bde. St. Gallen1810-11) I 493, 498. Unter den Dienstleuten des Gotteshauses St. Gallen um 1300 zählt ein altes Verzeichniß: die vonAltstetten, vonHardegg, vonHusen, auf.Ebd.I 482. Der MinnesängerFriedrichvonHusen, ein Kreuzfahrer, bezeichnet sich selbst alsum den Rheineinheimisch.Man.I 92b 94a (Im Elsaß sucht ihnOberlin,De poet. Alsat. erot. p. 10). EinWalthervonKlingenkömmt um 1271 urkundlich vor,ArxI 395 (nachDocen,Mus.I 144 schon 1251); ein H.(Heinricus) miles deFrouunberch 1257Ebd.I 544; einCuno miles deTüfin 1279Ebd.I 506. DieRuggenerscheinen noch um die Mitte des 15. Jahrh. als St. Gallische JunkerEbd.II 296. Der vonWengenrichtet ein Lied an die ThurgäuerMan.II 99a. -- Anziehend und anschaulich hat v.Laßbergin der Zueignung des 1. Bands seinesLiedersaals(1820) an die Sänger dortiger Gegend erinnert.

[3]Alles Obige hat v.Arxin seinem äußerst lehrreichen Geschichtwerke umständlich ausgeführt und belegt. Von dem MöncheTutilo(st. 912) sagt Ekkehard.Jan. de casib. monast. St. Galli Cap. III: »filios nobilium in loco ab Abbate destinato fidibus edocuit.«

[4]Ueber die St. Gallischen Erbämter s.ArxI 320.Konrad, Schenk von Landegg, kömmt von 1281 (oder schon 1271, I 528) bis 1304 in den Urkunden vor.Ebd.I 476. Die Kämmerer hießen:Giele»Rudolf Gielo noster Camerarius.«Ebd.I 320. Vgl.Mus.I 162. Der DichterGöli(Man.II 57a) singt:Bei dem Rheinegrünen Werde und Auen.Ueber die andern Geschlechter s. Anm.[2].

Bei dem Rheinegrünen Werde und Auen.

[5]Die oftangeführte Geschichte des Kantons St. Gallen giebt eine umständliche geschichtliche Ortsbeschreibung dortiger Gegend, auf die reichhaltigen, in hohes Alterthum hinaufreichenden Urkundensammlungen des St. Gallischen Archivs gegründet. Nirgends aber erwähnt sie einer BurgVogelweide. Um desto sichrer zu gehen, habe ich an Herrn v.Arxselbst mich schriftlich gewendet und von ihm die Bestätigung erhalten, daß ihm von einem Schlosse dieses Namens nie eine Meldung aufgestoßen sey. Möglich wäre eine Verwechslung mitVögelinsbergoderVögeliseck. In dem St. Gallischen Jahrszeitenbuche (Goldast,Script. Rer. Alem. Tom. I), das 1272 geschrieben wurde, kömmt einRuodolfus dispensator de Voegillinsbercvor.NotkerIII., Vorsteher der St. Gallischen Klosterschulen, gest. 1022, hatte bei Speicher, in der Gegend, wo jetzt das weitausschauendeVögelisecksteht, ein Gehege (vivarium), worin er Wild und seltene Vögel, die er am meisten liebte, verwahren und füttern ließ. Es ist vermuthet worden, daß hier die Heimath des Geschlechtes v. d.Vogelweidezu suchen sey, welcher Name im Munde des Volks inVögeliseckumgewandelt worden seyn möchte. Man überzeugt sich leicht, wie sehr es hiebei an einem sichern Halt gebreche.

[6]Ueber die St. GallischenVogelweiders.ArxII 196;Leu,Allgem. Helvet. LexiconThl. 18 S. 676. Sie kommen zuerst 1430 vor. Das Schreiben des Herrn v.Arxbesagt darüber Folgendes:»Ich bezweifle es sehr, ob Walther Vogelweider von St. Gallen her sey. Denn nie kömmt dieses Geschlecht in ältern Zeiten, sondern erst im 15. Jahrh. da vor, wo von allen Orten her Leute sich in St. Gallen ansiedelten, oder wieder abzogen. Mir scheintVogelweidereher eine Bedienung ausgedrückt zu haben, und von dieser in einen Geschlechtsnamen übergegangen zu seyn. Nämlich so wieKuchimeistereinen Proviantmeister, undFüller(impletor),Spiser, andre Verrichtungen anzeigten, und nachhin zu (St. Gallischen) Familiengeschlechtern wurden, so warVogelweiderohne Zweifel ein Mann, der sich mit dem Fangen, Füttern, Abrichten der Vögel eines Großen abzugeben hatte, dennFogilweidahieß eben das, wasAviarium,Glossar sec. 10. in. ab Ekhart, und ohne solches Vogelbehältniß und einen Wärter desselben konnte der Falkenjagd wegen und des Finkenfangs kein Fürst oder Graf seyn. Es mußte darum aller OrteVogelweidergeben.«Im Würtembergischen ist der NameVogelwaidnicht selten.

»Ich bezweifle es sehr, ob Walther Vogelweider von St. Gallen her sey. Denn nie kömmt dieses Geschlecht in ältern Zeiten, sondern erst im 15. Jahrh. da vor, wo von allen Orten her Leute sich in St. Gallen ansiedelten, oder wieder abzogen. Mir scheintVogelweidereher eine Bedienung ausgedrückt zu haben, und von dieser in einen Geschlechtsnamen übergegangen zu seyn. Nämlich so wieKuchimeistereinen Proviantmeister, undFüller(impletor),Spiser, andre Verrichtungen anzeigten, und nachhin zu (St. Gallischen) Familiengeschlechtern wurden, so warVogelweiderohne Zweifel ein Mann, der sich mit dem Fangen, Füttern, Abrichten der Vögel eines Großen abzugeben hatte, dennFogilweidahieß eben das, wasAviarium,Glossar sec. 10. in. ab Ekhart, und ohne solches Vogelbehältniß und einen Wärter desselben konnte der Falkenjagd wegen und des Finkenfangs kein Fürst oder Graf seyn. Es mußte darum aller OrteVogelweidergeben.«

[7]BeiWagenseil,Von der Meistersänger holdsel. Kunst, S. 506:Der Fünft Herr Walter hieß,War ein Landherr aus Böhmengewiß[?]Von der Vogelweid &c.In einem andern Meisterliede (Görres,Altt. Volks- und Meisterlieder &c. Frankf.1817 S. 224) heißt er: Herr Walthervon der Wid, der Ziervogel. (Vgl.Man.II 2b)

Der Fünft Herr Walter hieß,War ein Landherr aus Böhmengewiß[?]Von der Vogelweid &c.

[8]S.König,Genealog. Adelshistorie &c.Thl. II S. 543.

[9]Oberthür,Die Minne- und Meistersänger aus Franken&c.Würzb.1818 S. 30.

[10]So wird er genannt im Leben der h. Elisabeth (Mencken,Script. Rer. Germ. T. II) und in dem Meisterliede beiGörresS. 224. In der Nachricht, welche die Würzb. Handschr. von seiner Grabstätte giebt, heißt erMiles. Doch ist es zweifelhaft, ob er die Ritterwürde selbst erlangt habe, indem er sich in einem seiner Gedichte mit den Rittern in Gegensatz zu stellen scheint (Man.I 142a:»Daran gedenket, Ritter, es ist euer Ding &c.«)

»Daran gedenket, Ritter, es ist euer Ding &c.«)

[11]Chron. Claustro-Neoburg.(ap.Pez,Script. Rer. Austr. T. I)ad ann. 1195, 97, 98.

[12]Auf die deutsche Heldensage findet sich nirgends eine Beziehung, man müßte es denn für eine Anspielung aufWalther und Hiltegundansehen, wenn auch er, der Sänger Walther, seine GeliebteHiltegundnennt. (I 136b)

[13]Registr. Innocent. III. ep. 136 p. 147.

[14]Diese Strophe ist nachgeahmt vonBoppo(Man.II 235):Ich saß auf einer Grüne &c.

Ich saß auf einer Grüne &c.

[15]Die Mücken haben König unter ihnen,Die Bienen einen Weissel, dem sie folgen,Kein' Creature lebet ohne Meisterschaft &c.Der Mysnere(BeiMüll.DXCIII)

Die Mücken haben König unter ihnen,Die Bienen einen Weissel, dem sie folgen,Kein' Creature lebet ohne Meisterschaft &c.Der Mysnere(BeiMüll.DXCIII)

[16]Chron. Abb. Ursperg: »Erat autem Philippus animo lenis, mente mitis, eloquio affabilis, erga homines benignus, largus satis et discretus, debilis quidem corpore, sed satis virilis, in quantum confidere poterat de viribus suorum, facie venusta et decora, capillo flavo, statura mediocri, magis tenui quam grossa.«

[17]Richard war zu Ende des Jahres 1192, als er auf der Rückkehr aus dem heiligen Lande durch das Gebiet Leopolds VI. von Oesterreich, den er in Palästina beleidigt hatte, verkleidet reisen wollte, erkannt und festgesetzt worden. Leopold überließ seinen Gefangenen um 60000 Mark Silbers an Kaiser Heinrich, der Richarden wegen dessen Verbindung mit Tankred von Sicilien übel wollte. Nun wurde Richard vom Kaiser in harter Gefangenschaft gehalten, und erst zu Anfang des Jahres 1194 gegen ein Lösegeld von 100,000 Mark, das die Engländer mit großer Anstrengung zusammen gebracht hatten, in Freiheit gesetzt.

[18]OranseS. 176b, vgl.TiturelKap. 27 Str. 4096.

[19]»De Saxonia quidem habuit (Philippus)Ducem Bernhardum,Marchionem Moesiæ et alios principes sæculares potentissimos, insuper ArchiepiscoposMagdeburgensemet Bremensem et suffraganeos eorumdem.« Chron. Ursp.

[20]Diese Zeit vermuthetKöpkea. a. O. S. 16.

[21]»Wohlauf! wer tanzen wolle nach der Geigen.«(W. Hds. S. 170) Daß Walther sich derHarfebedient, ist aus der Stelle (I 112) vermuthet worden, wo er von deralten Lehrespricht, daß man nicht in der Mühleharpfensolle. Der Ausdruck ist aber, wie der Dichter selbst andeutet, sprichwörtlich zu verstehen.

»Wohlauf! wer tanzen wolle nach der Geigen.«

[22]In den Anreden: »Ja Herre!« (I 109b 124b) »Herren und Freund'!« (I 136b)

[23]Das politische Gedicht: »Nu soll der Kaiser hehre« &c. (I 136a) ist auf diese Begebenheit bezogen worden. Es ist jedoch zu bemerken, daß Philipp niemalsKaiserwar, daß Walther ihn sonst überallKönignennt und beiderlei Titel sehr wohl unterscheidet, z. B. in dem Liede:HerreKaiser! ihr seyd willekommen,DesKönigesName ist euch benommen &c.(I 103b)Bei dem damaligen Wechsel der Parteiung kann jenem Gedichte leicht ein späteres Ereigniß zu Grunde liegen.

HerreKaiser! ihr seyd willekommen,DesKönigesName ist euch benommen &c.(I 103b)

[24]S. den Prolog Albrechts vorWickramsUmarbeitung seiner Verdeutschung. Frankf. 1581.

[25]ImTiturel, wo des Landgrafen Hermann mehrmals rühmliche Erwähnung geschieht, heißt es von ihm (Kap. 7):Hermann von Thüringen EhrePflag weiland, die muß immer Preises walten &c.

Hermann von Thüringen EhrePflag weiland, die muß immer Preises walten &c.

[26]Aus demselben Gedicht V. 19097 f. erhellt, daß damals Thüringen auch für das Vaterland neuer Tanzmusik galt.

[27]Dilich, Hessische Chronik 1606 Thl. I S. 33

[28]Das Gedicht vom Kriege auf Wartburg erhebt diese fürstliche Tugend zum vorzüglichen Gegenstand des Wettgesangs. DerTanhuser, um die Mitte des 13. Jahrh., mustert in einem besondern Gedichte (Man.II 64) die Fürsten seiner und der nächst vorhergegangenen Zeit nach eben dieser Beziehung.

[29]Damit droht derMysner(DXCVI). Mit dem Verfalle der Kunst nimmt die Gemeinheit zu. Sie werden trotziger und niederträchtiger zugleich. Dem Kargen, der sich selbst bedürftig stellt, wünscht derUnverzagte(III), daß seine Hand eines fremden Mannes Kleid auf seines Weibes Bette finden möge. DerUrenheimer(CCVI) sagt gerade heraus: »also man den Meister lohnet, also wischet er das Schwerdt.«Rumelant von Schwaben(CCCLXXXI) verhehlt nicht, daß er mit seinen Lobliedern gelogen habe. Doch hat ihm ein weiser Prediger gesagt, daß hübsche Lüge nicht große Sünde sey. DerUnverzagte(XIX) äussert noch: »Man soll gnädige Heilige fern in fremden Landen suchen, so such' ich werthe Leute, die ihr Gut mit Ehren zehren. Welcher Herr mir Gnade thut, der soll mein Lob hinnehmen. Sie sind heilig, die mir geben um Gottes und der Ehre willen. DielebendenHeiligen müssen selig seyn!«

[30]So sagt auch der vonBuwenburg(II 181a):Wer getragener Kleider gehrt,Der ist nicht Minnesanges werth.HerrnGeltardagegen (oderGedrut,Pf. Hds.357 Bl. 24b) ist es noth nachalter Wat(II 119b). Auch derChanzlerzeigt sich lüstern nachreicher Herren alter Wat(II 246b).

Wer getragener Kleider gehrt,Der ist nicht Minnesanges werth.

[31]DiePf. Hds.357 Bl. 20 hat das Lied, welches mit diesem Satze schließt, unter denen des Truchs. von St. Gallen. »Getreuer Freund, versuchtes Schwerdt, die zweene sind in Nöthen gut!« sagt auchBruder Werner(LVIII). Die Rede ist sprichwörtlich, wie jenes Lied selbst andeutet. Walther läßt zuweilen ein Sprichwort (ein alt gesprochen Wort, wieUlrich v. Winterstettensich ausdrückt,Benecke'sErgänz. S. 220. Vgl.Fragm. de bell. Carol. M. contr. Sarac. v. 1011.) einfließen, als: »In der Mühle harpfen.« (I 122) (Vgl.Freigedank, V. 1559 f.) »Guter Mann ist guter Seiden werth.« (I 115a) »Sind je doch Gedanken frei.« (I 121b) Vgl.DietmarvonAst: »Gedanken, die sind ledig frei.« (I 40a)

[32]So bezeichnetReinmar d. Alte(Man.I 80b) die geistliche und die weltliche Macht.

[33]Auf ihn und seine Sparsamkeit zielt vielleicht auch das weitere Spottgedicht Walthers: »Der König, mein Herre &c.« (I 130a).

[34]»--pro eo, quod superbus et stultus, sed fortis videbatur viribus, et statura procerus.« Chron. Ursp. Der Verfasser dieser Chronik ist ein eifriger Anhänger der hohenstaufischen Partei.

[35]»Soll ich so bei reicher Kunst verarmen undverderben!«Der Mysnere.(DXCIV)

»Soll ich so bei reicher Kunst verarmen undverderben!«Der Mysnere.(DXCIV)

[36]Ein TruchseßUlrichvon Singenberg erscheint in Sankt Gallischen Urkunden von 1219 und 1228 v.ArxI 458, 459.Ulrichhieß auch, nach Tschudy, der Letzte des Geschlechts, der um 1267 starb. »ObitusRudolfiDapiferi militis de Eggon inter Blidegge et Singinberc« kömmt in dem 1272 geschriebenenNecrolog. Tuifburg.(Goldast,Script. Rer. Alam. T. I p. 100) vor. -- In dem scherzhaften Gespräche zwischen Vater und Sohn, welches sich unter den Liedern des Truchsessen von St. Gallen (Pf. Hds.Nr. 357 Bl. 18b) findet, wird der Sohn:Rüdelin! angeredet.

[37]In derManess.Samml. I 154a ist die Reimstellung des Lieds auf die Form des Gedichts von Walther zurückgeführt, welchem jenes nachgebildet ist.

[38]Eingläsen Fingerleinbezeichnet auch imTristan(v.GrootesAusg. V. 16883) eine Sache von sehr geringem Werth.

[39]»Die Weiber hassen graues Haar« -- führt schonHeinrichvonVeldecke(Man.I 20a) als ein altes Sprichwort an.

[40]Anderswo singt Walther:Müßte ich noch erleben, daß ich die RosenMit der Minniglichen sollte lesen,So wollt' ich mich so mit ihr erkosen,Daß wir immer Freunde müßten wesen.(I 137b)Ein andrer Dichter wendet sich so an ihn:Hör' an, Walther, wie es mir staht,Mein traut Geselle von der Vogelweide!Hülfe suche ich und Rath,Die Wohlgethane thut mir viel zu Leide.Könnten wir ersingen beide,Daß ich mit ihr müßte brechen Blumen an der lichtenHeide! (I 140a)Vgl.Reinmar, I 81b;Nithart, II 81a;Hadloub, II 194b 195b. Schön sagt KönigWenzelvon Beheim, I 2b:Ich brach der Rosen nicht und hatt' ihr doch Gewalt.

Müßte ich noch erleben, daß ich die RosenMit der Minniglichen sollte lesen,So wollt' ich mich so mit ihr erkosen,Daß wir immer Freunde müßten wesen.(I 137b)

Hör' an, Walther, wie es mir staht,Mein traut Geselle von der Vogelweide!Hülfe suche ich und Rath,Die Wohlgethane thut mir viel zu Leide.Könnten wir ersingen beide,Daß ich mit ihr müßte brechen Blumen an der lichtenHeide! (I 140a)

Ich brach der Rosen nicht und hatt' ihr doch Gewalt.

[41]Frölich,Specimen Archontologiæ Carinthiæ, Vienn. etc. 1758 p. 4.

[42]»Ob mir ein Fürst aus Kärnthen giebt die Miethe.«Titur.Cap. 15Freilich kann derTiturelin seiner jetzigen Gestalt nur mit Vorsicht gebraucht werden.

»Ob mir ein Fürst aus Kärnthen giebt die Miethe.«Titur.Cap. 15

[43]Ueber dasVerkehrendes Gesanges, d. h. das Mißdeuten, Entstellen, wohl auch Parodiren desselben, hat auch derHardeggerzu klagen:Wer mir verkehret, das ich heure von dem Kaiser sang &c.(Man.II 121b)Vgl. v.Singenberg(I 156b 3)

Wer mir verkehret, das ich heure von dem Kaiser sang &c.(Man.II 121b)

[44]Chron. Claustro-Neoburg. ad ann. 1208-1219.

[45]Chron. cit. ad ann. 1223.Wer dermilde Welfsey, mit welchem Leopolds Vetter verglichen wird, getraue ich mir nicht zu bestimmen. Auch derTanhuser(Man.II 64a) gedenkt einesWelf von Schwabenunter den verstorbenen Fürsten, welche manchem Mann viel reicher Kleider gaben.

[46]Frölich I.c. Tab. IV

[47]Frauendienst&c. Nach einer alten Hdschr. bearbeitet und herausgegeben vonLudwig Tieck. Stuttg. u. Tüb. 1811. Ein Abdruck der Urschrift dieses wichtigen Denkmals wird noch immer vermißt.

[48]Auch den vorerwähnten Vetter Leopolds würden wir in dem Markgrafen Heinrich von Oesterreich erkennen, bei welchem Ulrich von Lichtenstein Lehrling war und von dem er so viel Schönes zu rühmen weiß.Frauend.Cap. I S. 3-4. Es ist aber zweifelhaft, ob hier nichtIsterreichstattOesterreichzu lesen sey? denn späterhin tritt der Markgraf Heinrich von Isterreich auf.

[49]»Solemnitas magna in Wienna fit Duce auctore Liupoldo, cujus etiam filia Duci Saxonum nuptiali thalamo est copulata.«Chron. Cl. Neoburg. ad ann. 1222.

[50]Dieser Markgraf Heinrich, aus dem Hause Andechs, ein Bruder des Patriarchen Berthold, war des Antheils an der Ermordung König Philipps verdächtig und wurde deshalb 1209 seiner Würden, Lehen und Einkünfte verlustig erklärt. Das Haus Andechs behauptete aber seine Ansprüche auf die Markgrafschaft. Heinrich starb um 1228.

[51]Chron. Ursp. ad ann. 1229, Chron. Cl. Neoburg. ad ann. 1230.

[52]Chron. Cl. Neoburg. ad ann. 1230.

[53]Im 6. Cap. desTiturelwird derAventeured. h. der romantischen Ueberlieferung, welche von dem seligen Leben der Hüter des heiligen Grales Kunde giebt, entgegengehalten, daß sie mithohen Meisternin Widerspruch gerathe:Ich mein', daß mein Herr Walther konnte sprechen:Hulde Gottes und Gut und weltlich' EhreMitsammt wär' Niemand habende.Das Lied von Walther, worin die angezogene Stelle vorkömmt (Man.I 102), ist zuvor, Abschn. II, ausgehoben worden.

Ich mein', daß mein Herr Walther konnte sprechen:Hulde Gottes und Gut und weltlich' EhreMitsammt wär' Niemand habende.

[54]Nach v. d.Hagen'sAnführung aus der Kasseler Handschrift (Mus.I 2 S. 563):Nun seyd ihr doch einander gram,Frau Minne und auch die Kindheit,Als uns Meister Walther seitVon der Vogelweide,Der sang, daß ihr beideWäret gar einander gram.Walthers Worte sind diese:Minne und Kindheit sind einander gram.(I 112a)

Nun seyd ihr doch einander gram,Frau Minne und auch die Kindheit,Als uns Meister Walther seitVon der Vogelweide,Der sang, daß ihr beideWäret gar einander gram.

Minne und Kindheit sind einander gram.(I 112a)

[55]So spricht von ihmKonradvonWürzburgin seinergoldenen Schmiede, V. 97 ff. (Grimm,Altd. Wäld.Bd. II S. 219)

[56]Docen(Mus.I 1 S. 167) vermuthet unter dieser Bezeichnung nicht unwahrscheinlichReinmarndenAlten; v.Groote(Anm. zu V. 4778) glaubt, daßHartmannvonAuedarunter verstanden sey, was mir, schon nach dem Zusammenhang der Stelle, bedenklicher scheint.

[57]Diesen Meistergesang desLupolt Hornburghat Docen imMus.II 1 S. 18 ff. aus der Würzburger Handschrift geliefert.

[58]Docena. a. O. S. 26

[59]Z. B. in dem wunderlichen Winterliede (I 125), das durch alle Selbstlauter reimt. Der Truchseß vonSingenberg(I 157b) undRudolfderSchreiber(II 181b) haben es nachgeahmt. Reime an Anfang und Schlusse der Zeilen finden sich in der Strophe: »Ob ich mich selben rühmen soll &c.« (I 121b) und den drei folgenden.

[60]Man.I 117b. In derPf. Hds.357 Bl. 38b kömmt die Strophe: »Uns will schiere wohl gelingen« &c. sammt den übrigen des Mailieds unter den LiedernLütoltsvonSevenvor.

[61]Chron. Salisb. ad ann. 1200, 1246.

[62]Leipz. Literat. Zeitung1812 Nr. 162. -- v. d.Hagen, Briefe in die Heimat &c. I. Bd. Bresl. 1818 S. 65.

[63]BeiMan.II 119a ist das Lied HerrnGeltarzugeschrieben.

[64]Z. B. Daß ich wäre ihrdulz amis&c.Ein'Ripiereich da gesach (sah),Durch denForesgieng ein BachZuthal über ein'Planüre.Ich schlich ihr nach, bis ich sie fand,Die schöneCreatüre.Bei demFontanesaß die Klare, Süsse vonStatüre. (II 61a)

Ein'Ripiereich da gesach (sah),Durch denForesgieng ein BachZuthal über ein'Planüre.Ich schlich ihr nach, bis ich sie fand,Die schöneCreatüre.Bei demFontanesaß die Klare, Süsse vonStatüre. (II 61a)

[65]Z. B. Ich bin Gast und selten Wirth, das Leben ist unstete.(II 67b)

(II 67b)

[66]Die WorteTanhusers: »Der sein' Treue nie zerbrach &c.« entsprechen augenscheinlich dem Schlusse von Walthers Lied: »Von Gotte würde ein Engel eh' verleitet.« Auch die weitere Zeile vonTanhuser: »Er sollte des Reiches Krone tragen &c.« deutet auf die Stelle in einem andern Liede Walthers:Möcht' ich ihn han gekrönet,Die Krone wäre heute sein.(I 136b)Die letztern Worte bezeichnen abermals einenfürstlichenFreund unsres Dichters. So singtTanhuservon Friedrich von Oesterreich:In kurzen Zeiten das geschieht,Daß man wohl eine KroneSchöne auf seinem Haupte sieht.(II 59)Köpke, a. a. O. S. 13, bezieht die politische Strophe: »Herr Kaiser, ihr seyd willekommen &c.« (I 103b) auf Otto IV. und den MarkgrafenDietrich, Heinrichs Vater. Mit der Stelle beiTanhuser(II 64b), soferne man solcher Beweiskraft beilegen will, läßt sich diese Annahme nicht vereinigen. Der Beziehung aufFriedrichII. ist es zwar nicht günstig, daß dieser erst vierzehn Jahre, nachdem er zu Rom gekrönt worden, nach Deutschland zurückkam, und so kann auch gegen die Beziehung aufHeinrichdenErlauchtendie bedeutende Altersverschiedenheit angeführt werden, welche nothwendig zwischen ihm und Walthern stattgefunden; Heinrich ist im Jahre 1218 geboren. Allein auch Otto IV. blieb nach seiner Krönung zum römischen Kaiser noch dritthalb Jahre von Deutschland abwesend und die Verschiedenheit des Alters ist kein entscheidendes Hinderniß. Der junge Markgraf (jugendlich ist er auch in der Maness. Handschrift vor seinen Liedern dargestellt), mag von dem alten Meister gelernt haben. Die Strophe: »Mir hat ein Lied von Franken &c.« (I 111a) beweist, daß der Meißner Walthern mit Achtung behandelte, und in den Liedern Heinrichs von Meissen (I 5, 6) könnten einige Spuren von Walthers Einflusse bemerklich gemacht werden. Man sieht, daß hier weitere Untersuchungen nicht überflüssig sind. Ein Aufsatz über Heinrich den Erlauchten als Minnesänger und Förderer deutschen Minnesangs, von K.Förster, ist neuerlich inKinds Muse, 1821 II 3 erschienen.

Möcht' ich ihn han gekrönet,Die Krone wäre heute sein.(I 136b)

In kurzen Zeiten das geschieht,Daß man wohl eine KroneSchöne auf seinem Haupte sieht.(II 59)

[67]Albinus, Meißnische Land- und Berg-Chronika. Dresd. 1589 S. 195

[68]Diese Strophe steht in derPf. Hds.357 Bl. 41b unmittelbar vor der andern auf Reinmars Tod. Sie ist Walthers nicht unwerth; nur ist der Text in jener Hds. verdorben. Das Lied Reinmars, worauf sie sich bezieht, ist noch vorhanden (I 67a). So finden sich auch unter Walthers Liedern zwei Gesätze (I 137), welche auf Strophen von Reinmar (I 64b Vgl. 68b 7) in der gleichen Tonweise wettstreitend antworten.

[69]Vgl.Robyn(CLXIII):Reinmar, mich reuet sehreDein Sinn und auch dein Tod &c.

Reinmar, mich reuet sehreDein Sinn und auch dein Tod &c.

[70]Beispiele sind, besonders in den Anmerkungen, manche ausgehoben worden. Was als Gebrauch dichterischen Gemeinguts und was als wirkliche Nachahmung anzusehen sey, darüber mögen freilich im einzelnen Falle die Ansichten verschieden seyn.

[71]Diesen hat J.Grimm(Ueber den altdeutschen Meistergesang, Gött. 1811) überzeugend nachgewiesen; ebenso die Identität der Meister des dreizehnten Jahrhunderts mit sämmtlichen Minnesängern, nicht minder, daß die Meistersängerschule den Grundsatz der Dreitheiligkeit von den ältern Meistern ererbt. Nur scheint es mir, besonders in Betrachtung der Gedichte Walthers, daß die Abtheilung in Stollen und Abgesang bei den Aelteren nicht in dem Maaße herrschend gewesen, alsGrimmannimmt.

[72]Das Vorstehende meist nach der trefflichenGeschichte Kaiser Friedrichs des Zweiten. Züllichau und Freist. 1792

[73]Ohne Zweifel hatOttokarvonHorneckdas obige Lied vor Augen gehabt, (wie auchSchacht, in dem lebensvollen Buche:Aus und über Ottokar's von Horneck Reimkronik, Mainz, 1821 S. 279 andeutet,) wenn er im Cap. 448 seiner Chronik (Pez,Script. Rer. Austr. T. III p. 446 sq.) ausruft:Ei, Kaiser Konstantin!War thät du dein Sinn,Da du den Pfaffen gebDen Gewalt und das Urleb,Daß Städt, Burge und LandUnterthanig ihr'r HandUnd ihr'm Gewalt sollt wesen?Geistlicher ZuchtebesenIst nu zu scharf worden.Du solltest in dem OrdenDie Pfaffen haben lan,Als sein St. Peter begann,Das wär hoher Miethe werth.Was wolltest du das SchwerdtDen Pfaffen zu der Stol geben,Die damit nichts können leben,Noch zu Recht können walten?Lassen und behalten,Als man mit dem Schwerdt soll,Das können sie nicht wohl.Sie haben es vergramaziertUnd das Reich verirrtManiger Ehr'n und Gewalt,Die ihm vor was bezahlt.Konstantin, nu sieh an!Hättest du zu LatranDen Pabst den Psalter lassen lesenUnd den Kaiser gewaltig wesen,Als er vor deinen Zeiten was &c.

Ei, Kaiser Konstantin!War thät du dein Sinn,Da du den Pfaffen gebDen Gewalt und das Urleb,Daß Städt, Burge und LandUnterthanig ihr'r HandUnd ihr'm Gewalt sollt wesen?Geistlicher ZuchtebesenIst nu zu scharf worden.Du solltest in dem OrdenDie Pfaffen haben lan,Als sein St. Peter begann,Das wär hoher Miethe werth.Was wolltest du das SchwerdtDen Pfaffen zu der Stol geben,Die damit nichts können leben,Noch zu Recht können walten?Lassen und behalten,Als man mit dem Schwerdt soll,Das können sie nicht wohl.Sie haben es vergramaziertUnd das Reich verirrtManiger Ehr'n und Gewalt,Die ihm vor was bezahlt.Konstantin, nu sieh an!Hättest du zu LatranDen Pabst den Psalter lassen lesenUnd den Kaiser gewaltig wesen,Als er vor deinen Zeiten was &c.

[74]»In illis autem Ecclesiis, in quibus convenit processio generalis,truncusstatuatur concavus tribus clavibus consignatus, una penes honestum presbyterum, alia apud laicum devotum, tertia penes aliquem regularem fideliter conservandis, in quo viri et mulieres eleemosynas ponant, in terræ sanctæ subsidium convertendas, secundum dispositionem eorum, quibus fuerit hæc sollicitudo commissa.«Bulla Innocentii III. ad Christianos pro reparanda terra sancta in Chron. Ursp. ad ann. 1212.

[75]In derPf. Hds.357 Bl. 9a ist diese Strophe durch derbe Variationen erweitert.

[76]In gleichem Sinne spricht auch derFreigedank, ein Spruchdichter des 13ten Jahrhunderts:Sünde Niemand mag vergeben,Wann Gott einig, dar sollen wir streben.(Müll.Ausg. V 3180 f.)Alle Schatzes Flüsse gehnZu Rome (nach Rom) bis sie da bestehn (bleiben),Und doch nimmer wird voll,Das ist ein unsinnig Hohl.So kommet alle Sünde dar,Die nimmt man da den Leuten gar &c.(V. 3185 ff.)Das Netz kam zu Rome nie,Damit Sankt Peter Fische fie (fieng),Das Netz ist ihm verschmähet.Römisch Netz fähetSilber, Gold, Burge und Land;Das war Sankt Petern unbekannt.Sankt Peter war zu Recht ein Degen,Den hieß Gott seiner Schafe pflegen,Er hieß ihn nicht Schafe bescheeren,Nun will man Scheerens nicht entbehren.Unrecht ist zu Rome erhaben,Recht und Gericht ist da abgeschaben.(V. 3880 ff.)ReinmarvonZwetersingt:Der Pabest hat viel reiche Kind (Kinder),Die minnet er, wo sie gesessen in den Landen sind,Mit ihnen theilt er seinen Segen, so theilen sie mitihm ihr Gold.Dieselben Kind sind ihm so traut,Daß er ungerne käme mit Schlägen auf ihrer einesHaut.Wollte Gott, es wären ihm die habelosen Kind halbalso hold (lieb)!Eh' daß der arme Sohn sein Recht behärte,So ist der reiche auf seiner Vorderfährte &c.(Pf. Hds.350)Cf. Odon. Ernest. L. I. p. 317.

Sünde Niemand mag vergeben,Wann Gott einig, dar sollen wir streben.(Müll.Ausg. V 3180 f.)Alle Schatzes Flüsse gehnZu Rome (nach Rom) bis sie da bestehn (bleiben),Und doch nimmer wird voll,Das ist ein unsinnig Hohl.So kommet alle Sünde dar,Die nimmt man da den Leuten gar &c.(V. 3185 ff.)Das Netz kam zu Rome nie,Damit Sankt Peter Fische fie (fieng),Das Netz ist ihm verschmähet.Römisch Netz fähetSilber, Gold, Burge und Land;Das war Sankt Petern unbekannt.Sankt Peter war zu Recht ein Degen,Den hieß Gott seiner Schafe pflegen,Er hieß ihn nicht Schafe bescheeren,Nun will man Scheerens nicht entbehren.Unrecht ist zu Rome erhaben,Recht und Gericht ist da abgeschaben.(V. 3880 ff.)

Der Pabest hat viel reiche Kind (Kinder),Die minnet er, wo sie gesessen in den Landen sind,Mit ihnen theilt er seinen Segen, so theilen sie mitihm ihr Gold.Dieselben Kind sind ihm so traut,Daß er ungerne käme mit Schlägen auf ihrer einesHaut.Wollte Gott, es wären ihm die habelosen Kind halbalso hold (lieb)!Eh' daß der arme Sohn sein Recht behärte,So ist der reiche auf seiner Vorderfährte &c.(Pf. Hds.350)

[77]Vgl.Ottokarv.Horneck, Cap. 821 (Pez, I c. p. 83):Gott Herre, durch dein' Güt'Die Christenheit baß behüt'Und weis' uns auf bessre Spur,Denn uns die Pfaffen gehn vor,Die da Gewalt hie tragen!Als uns die Buch sagen,So sollten sie uns Lehr' gebenMit Worten und mit gutem Leben,Des sie leider thun nicht;Wer ihre Werk' ansicht,Die sind viel wahrleichIhren Worten ungeleich.

Gott Herre, durch dein' Güt'Die Christenheit baß behüt'Und weis' uns auf bessre Spur,Denn uns die Pfaffen gehn vor,Die da Gewalt hie tragen!Als uns die Buch sagen,So sollten sie uns Lehr' gebenMit Worten und mit gutem Leben,Des sie leider thun nicht;Wer ihre Werk' ansicht,Die sind viel wahrleichIhren Worten ungeleich.

[78]S. Anm.[73]und[77]. Es könnten aber noch weitere Nachweisungen über Ottokars Bekanntschaft mit Walthers Gedichten beigebracht werden. Die Ansichten des Erstern von Pabst und Klerus hatSchachta. a. O. Abschn. XI bes. S. 276, 278-84, dargelegt.

[79]Godefrid.Colon. Annal. (ap.Freher.Germ. rer. Script. T. I) ad ann. 1225, 1226. Chron. Salisb. cit. ad ann. 1226.

[80]Es ist zu entscheiden, ob nicht beide Gedichte ironisch gemeint seyen. In beiden scheint die Schlußzeile diese Wendung zu nehmen. Diese ironische Weise ist überhaupt dem Dichter nicht fremd. Sie findet sich namentlich in seinen Gedichten auf Otto IV. Was ihn aber veranlaßt haben mochte, sie gegen den Erzbischof, von dem sonst Gutes gemeldet wird, und selbst auf dessen Ermordung anzuwenden, erhellt nicht. Der Abt von Ursperg setzt diese Begebenheit in Verbindung mit damals neu aufgekommenen, von einem Predigermönch aus Straßburg, Johannes, verkündigten Lehrsätzen, die, an sich nicht verwerflich, in der Anwendung durch Mißverstand verderblich geworden und zu den abscheulichsten Frevelthaten Anlaß gegeben. Hievon findet sich jedoch keine Meldung bei dem Mönche von Köln, der dem Ereigniß näher stand und nach dessen Jahrbüchern dasselbe oben erzählt wurde. Uebrigens scheint das Urtheil der Zeitgenossen nicht einhellig gewesen zu seyn. Nach dem Berichte eines andern Geschichtschreibers kam zu Nürnberg bei der Vermählung des Königs Heinrich mit der Tochter Leopolds von Oesterreich die Ermordung des Erzbischofs zur Klage und es erhob sich über diesen Fall Widerspruch zwischen dem Erzbischof von Trier und dem Grafen von Truhendingen. Man griff zu den Waffen und es kamen in diesem Auflauf gegen sechszig Menschen um.Excerpt. ex Catal. Rom Pontif. et Imp. (ap.Pez,T. II) ad ann. 1225.-- Sonst machen einige Schriftsteller den heiligen Engelbert zum Stifter der Fehmgerichte. Zu wirksamerer Verfolgung der Ketzer soll er diese Gerichte, nach dem Muster der damals aufgekommenen und bestätigten heiligen Inquisition, gestiftet haben. Der geschichtliche Beweis für diese Meinung wir aber vermißt.Berck, Geschichte der Westphäl. Fehmgerichte. Brem. 1815 S. 251

[81]Köpkea. a. O. glaubt, daß dieses Gedicht im Jahr 1234, also geraume Zeitnachdem Kreuzzuge Friedrichs II., abgefaßt sey. Er deutet nemlich die Untreue des Kindes gegen den Vater auf die Empörung des römischen Königs Heinrich wider seinen Vater, den Kaiser, und die Worte: »Der Bruder seinem Bruder lüget« auf die Feindschaft zwischen Heinrich und seinem jüngern Bruder Konrad. Diese besondre Beziehung ist mir nicht wahrscheinlich. In dem Lied eines späteren Dichters (Müll.Samml. II Bd. CCCCXLVIII) kömmt die ähnliche Stelle vor:Menschenkind, denket daran! --Es ist in der Welt wohl Schein, daß Endes Tag willkommmen. --Das Kind trauet nicht dem Vater seinNoch Vater seinem Kinde nicht, das haben wir wohlvernommen.(Vgl.Reinm.v.Zwet.II 134a 4.) Das Ganze beruht auf bekannten Stellen der Schrift, wie unser Dichter selbst zu erkennen giebt.

Menschenkind, denket daran! --Es ist in der Welt wohl Schein, daß Endes Tag willkommmen. --Das Kind trauet nicht dem Vater seinNoch Vater seinem Kinde nicht, das haben wir wohlvernommen.

[82]DerAdlerist das Wappen des Reichs, derLöwedas Hohenstaufische. Dieser ist den altdeutschen Dichtern das Sinnbild des Muthes, der Kraft, jener der Milde, der Freigebigkeit. So beiReinmarvonZweter, I 140b 146b. Vgl.Eneidt, V. 12416 f. Beide sind Herrscher im Thierreich. Dem Könige der Vögel ist es vermuthlich als Freigebigkeit ausgelegt worden, daß er, wie man beobachtet hat, zuweilen von seiner Beute nur das Beste verzehrt und, was ihm nicht gut genug ist, den geringern Vögeln überläßt.

[83]So kann die Strophe: »Bote, sage dem Kaiser &c.« (I 103a) eingereiht werden. Auch das Gedicht: »Ihr Fürsten, die des Königes &c.« (I 131a) betrifft die Kreuzfahrt. Dasselbe ist muthmaßlich schon um 1220 verfaßt, wo Friedrich, noch nicht alsKaisergekrönt, aber längst mit dem Kreuze bezeichnet, Deutschland verließ.

[84]Wo gefuhr eh' Kaiser über MeerIm Bann und ohne Fürstenheer?Und ist nun kommen in ein Land,Da Gott noch Mann nie Treue fand.(V. 4026 ff.)Was mag ein Kaiser schaffen,Seit Christen, Heiden und PfaffenStreiten g'nug wider ihn?Da verdürbe Salomons Sinn.(V. 4046 ff.)Der Bann und manche ChristenMit viel manchen ListenWollten sie es erwendet (hintertrieben) han.Nun hat Gott sein Ehre gethan,Daß Sünder sollen das Grab gesehen.Das muß ihm ohn' ihren Dank geschehen.Gott und der Kaiser haben erlostEin Grab, das ist aller Christen Trost.Seit er das Beste hat gethan,So soll man ihn ausser Banne lan.Das wollen Römer leichte nicht;Was ohn' ihren Urlaub Gut's beschicht,Dem wollen sie keiner Stete jehen, (keine Dauerzugestehen)Nun ist das ohn' ihren Dank (gegen ihren Willen)geschehen. (V. 4068 ff.)

Wo gefuhr eh' Kaiser über MeerIm Bann und ohne Fürstenheer?Und ist nun kommen in ein Land,Da Gott noch Mann nie Treue fand.(V. 4026 ff.)Was mag ein Kaiser schaffen,Seit Christen, Heiden und PfaffenStreiten g'nug wider ihn?Da verdürbe Salomons Sinn.(V. 4046 ff.)Der Bann und manche ChristenMit viel manchen ListenWollten sie es erwendet (hintertrieben) han.Nun hat Gott sein Ehre gethan,Daß Sünder sollen das Grab gesehen.Das muß ihm ohn' ihren Dank geschehen.Gott und der Kaiser haben erlostEin Grab, das ist aller Christen Trost.Seit er das Beste hat gethan,So soll man ihn ausser Banne lan.Das wollen Römer leichte nicht;Was ohn' ihren Urlaub Gut's beschicht,Dem wollen sie keiner Stete jehen, (keine Dauerzugestehen)Nun ist das ohn' ihren Dank (gegen ihren Willen)geschehen. (V. 4068 ff.)

[85]So gesteht auchFriedrichvonHusen: sein Leib wolle gerne fechten gegen die Heiden, aber seinem Herzen liege ein Weib nahe (Man.I 93b); und der vonJohannsdorfbittet die Minne, ihn so lange frei zu lassen, bis er die reine Gottesfahrt vollendet habe, dann soll sie ihm wieder willkommen seyn (I 176b).

[86]So auch MeisterFriedrichvonSunnenburg, CCCXCVIII: »Den all die Welt an Breite, an Länge, nicht umgreifen möchte, den umgriff die Reine alleine.« Vgl.Rumelant, CCCLXXV;Boppo, II 233a 3.

[87]Der vonJohannsdorf(I 174b) findet einen gewichtigen Beweggrund für die Kreuzfahrt in der Schmähung der Heiden: daß Gottes Mutter nicht eine Jungfrau sey.

[88]Schön führt MeisterStolle(III) dieses aus: wer sie des mahnet, daß sie Christum gebar, dem wird geholfen. Mehr noch ist ihrer Gnaden, wenn sie daran gemahnt wird, wie ihr wehe ward, als sie ihn an das Kreuz schlugen. Wer sie aber der großen Freude mahnt, als ihr Sohn vom Tode aufstand, der machet sich von seinen Sünden bloß.

[89]Diese Aeußerungen haben wohl dieselbe Beziehung wie die in der Anm.[84]ausgehobenen desFreigedank.

[90]Und zwar in der alten Vorrede zu dem Anm.[56]angeführten Meisterliede desLupolt Hornburg,Mus.II 1 S. 22

[91]Oberthürin der Schrift, welche Anm.[9]angeführt worden ist, S. 30, giebt diese Stelle mit der Bemerkung, daßIgnaz Groppsolche in einer geschriebenen Chronik gefunden habe. Die Stelle, worüber die Recension desOberthür'schenBuches in denGötting. Gel. Anz.1818 S. 2054-56 zu vergleichen, lautet so:In novi monasterii ambitu, vulgoLorenzgarten,sepultus estWaltherussub arbore. Hic in vita sua constituit in suo testamento, volucribus super lapide suo dari blanda(blada?)et potum; et quod adhuc die hodierna cernitur, fecit quatuor foramina fieri in lapide, sub quo sepultus est, ad aves quotidie pascendas. Capitulum vero N. M. hoc testamentum volucrum transtulit in semellas, dari canonicis in suo anniversario, et non amplius volucribus. In ambitu præfati horti, vulgoim Creuzgang,de hoc Walthero adhuc ista carmina saxo incisa leguntur:Pascuaquivolucrumvivus Walthere fuisti,Qui flos eloquii,qui Palladis os oblivisti,Ergo quod aureolam probitas tua poscit habere,Qui legit, hic dicat: Deus istius miserere.Nach einer neueren Mittheilung imMorgenblatt1821 Nr. 19 sind diese vier gereimten Hexameter auch in die Würzburger Handschrift, Bl. 212b, eingezeichnet. (Stattoblivistiheißt es hier besserobiisti, stattposcitstehtpossit.) Voran stehen die Worte:De milite Walthero dicto von der Vogelweide, sepulto in ambitu novi monasterii Herbip.; in suo epitaphio sculptum erat: etc.

Pascuaquivolucrumvivus Walthere fuisti,Qui flos eloquii,qui Palladis os oblivisti,Ergo quod aureolam probitas tua poscit habere,Qui legit, hic dicat: Deus istius miserere.


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