19.Anschauungen von Welt, Menschheit und Weltkatastrophen.
Die mythischen und sagenhaften Anschauungen über dieEntstehung der Welt und des Menschenhabe ich in meinem besonderen Buche hierüber dargestellt. Manches ist hier wiederholt, ergänzt und weitergeführt, jedoch nur soweit der Zweck dieses Buches es erforderte. Von allgemeinerer menschlicher Bedeutung ist dabei die Annahme eines Urwesens oder mehrerer Urwesen. Wo nur ein Urwesen in Frage kommt, ist es Gott, Rā, Jehova oder Brahma. Ob Nun (auch Ptah, Rā, Amun usf.) derÄgypterGott oder Urmaterie (Urwasser) bedeutet, ist nicht zu entscheiden. Als „Vater der Götter“, als das er in einem Tempel aus der Zeit Seti I. bezeichnet und mit Federn auf dem Haupte (Zeichen der Beseelung) und der Geißel in der Hand (Zeichen der Leitung) dargestellt ist, möchte man ihn für Gott halten, zumal er auch „nutr“ heißt. Ebenso wenn er der „Herr der Acht“ (S. 132) und unmittelbar „Schöpfer“ genannt wird. Aber Nun heißt auch der Nil zur Zeit seines höchsten Standes, und sogar das Meer; Brugsch bringt Belege dafür. So wird es sich wohl um eine Urmaterie in Verbindung mit einem Urgeist handeln, was der pandeisierenden Richtung der ägyptischen Anschauungen (S. 228) entspricht. Bei zwei und mehr Urwesen kann es sich nur um Gottheiten handeln, oder um Gottheiten in Verbindung mit Materie. Auch hier sind die Anschauungen nicht immer gesichert. Was sind Okeanos und Tethys, Gottheiten oder Urwasser und Urkraft?Homerspricht von ihnen wie von Personen, doch von Okeanos sicher auch wie von einem Weltstrome. Und Chaos und Ge, Tartaros und Eros? Chaos möchte man für Urmaterie halten, doch zeugt Chaos die Finsternis (ἔρεβος) und die Nacht (νύξ). Tartaros scheint mehr ein Begriff zu sein, wie etwa Unendlichkeit; später ist es ein Ort. Ge, Gaia, trägt die Züge einer Göttin, außerdem ist es freilich auch die klobige Erde. Nur Eros ist lediglich Gottheit bei Hesiod, hat aber hier gar keine kosmogonische Bedeutung. DieEranierkannten außer den Gottheiten Ormuzd und Ahriman noch vier andere kosmogonische Urwesen: Twasha, Zrwana akarana, Anaghra raocâo, Anaghra temâa, die als Raum, Zeit, Licht, Finsternis gedeutet werden; die beiden letzteren sollen auch Kraft und Materie darstellen. Sind auch die Amesha Çpenta, zu denen Vohumano, Ashavahista, Kshatra, Aurwatat, Ameretat, Armaiti gehören, als Urwesen aufzufassen, so kämen noch Eigenschaften hinzu: Erhaltung, Wahrheit, Ordnung (Herrschaft), Vollkommenheit, Unsterblichkeit, Weisheit. Die Eranier hätten dann freilich alles, was zur Schaffung, Ordnung, Wirkung und Leitung einer Welt gehört, schon im voraus angenommen. DenGermanengalten als UrweseneineGottheit und Materie, da die Götter Burs Söhne heißen, und aus Ymir, dem Riesen, die Welt gebaut wird, wie bei den Indiern aus Purusha (Person). Ob dieHebräeraußer Jehova auch die Materie als Urwesen ansahen, ist nicht sicher. Es ist nicht nötig, den ganzen Erdball zu durchwandern, wir finden immer Urwesen gleich den hervorgehobenen, bald in dieser, bald in jener Zusammensetzung. Manche Völker haben je nach der Lehre verschiedene Arten von Urwesen angenommen, wie besonders die Indier, außer dem absolut Seienden und dem absolut Sinnenden, Tad und Tapas, auch persönliche Gottheiten und persönliche Weltwerkmeister (z. B. Varuna) und Weltmaterie (was ja Purusha ist). Die noch vor zehn Jahren Modernen haben es versucht, den alten Indiern nachzutun und dichterisch die Welt aus sich zu schaffen. Da wir uns schon so lange mit schwierigen und ernsten Dingen beschäftigen und noch schwierigere undernstere Dinge uns bevorstehen, darf ich vielleicht auch für das Vergnügen des Lesers etwas tun, indem ich ein Gedicht, das die Kreuzzeitung vor mehreren Jahren aus gleichem Grunde mitgeteilt hat, nachdrucke. Der Dichter heißt — ich will’s lieber nicht sagen.
Im Donnersang, da ich erschuf das Meer,War seine Schöpfung alt, schon tausend Jahre her,Und ich selber uralt,Und verlor Halt und Gestalt,Verfiel trübsinnig im Traum,Überspritzt von weißem Wogenschaum.Schreiende Adler, mich beschwirrend,Durch die Höhlen meines Mantels wirrend.Alle meine Seelen schliefen.Da hob sich strahlend die Sonne aus den Tiefen,Ich erschauere.Merkend, wie ich tigerhaft mich belaure:Meine Hand, steil zur Wölbung hochgereckt,Und das Himmelsdach schon abgedeckt,Die Sonne hinaus zu lassenIn ihre goldnen Gassen.Und die Hand schafft ohne den Geist,Ich liege von schreienden Adlern bekreist,Es geschieht alles sonder meinen Willen.
Im Donnersang, da ich erschuf das Meer,War seine Schöpfung alt, schon tausend Jahre her,Und ich selber uralt,Und verlor Halt und Gestalt,Verfiel trübsinnig im Traum,Überspritzt von weißem Wogenschaum.Schreiende Adler, mich beschwirrend,Durch die Höhlen meines Mantels wirrend.Alle meine Seelen schliefen.Da hob sich strahlend die Sonne aus den Tiefen,Ich erschauere.Merkend, wie ich tigerhaft mich belaure:Meine Hand, steil zur Wölbung hochgereckt,Und das Himmelsdach schon abgedeckt,Die Sonne hinaus zu lassenIn ihre goldnen Gassen.Und die Hand schafft ohne den Geist,Ich liege von schreienden Adlern bekreist,Es geschieht alles sonder meinen Willen.
Im Donnersang, da ich erschuf das Meer,War seine Schöpfung alt, schon tausend Jahre her,Und ich selber uralt,Und verlor Halt und Gestalt,Verfiel trübsinnig im Traum,Überspritzt von weißem Wogenschaum.Schreiende Adler, mich beschwirrend,Durch die Höhlen meines Mantels wirrend.Alle meine Seelen schliefen.Da hob sich strahlend die Sonne aus den Tiefen,Ich erschauere.Merkend, wie ich tigerhaft mich belaure:Meine Hand, steil zur Wölbung hochgereckt,Und das Himmelsdach schon abgedeckt,Die Sonne hinaus zu lassenIn ihre goldnen Gassen.Und die Hand schafft ohne den Geist,Ich liege von schreienden Adlern bekreist,Es geschieht alles sonder meinen Willen.
Im Donnersang, da ich erschuf das Meer,
War seine Schöpfung alt, schon tausend Jahre her,
Und ich selber uralt,
Und verlor Halt und Gestalt,
Verfiel trübsinnig im Traum,
Überspritzt von weißem Wogenschaum.
Schreiende Adler, mich beschwirrend,
Durch die Höhlen meines Mantels wirrend.
Alle meine Seelen schliefen.
Da hob sich strahlend die Sonne aus den Tiefen,
Ich erschauere.
Merkend, wie ich tigerhaft mich belaure:
Meine Hand, steil zur Wölbung hochgereckt,
Und das Himmelsdach schon abgedeckt,
Die Sonne hinaus zu lassen
In ihre goldnen Gassen.
Und die Hand schafft ohne den Geist,
Ich liege von schreienden Adlern bekreist,
Es geschieht alles sonder meinen Willen.
Man sieht wie einfach das Schaffen ist, worüber sich die Menschen so sehr den Kopf zerbrechen.
Ein zweiter, allgemeinerer kosmogonischer Gedanke betrifft den Menschen. Dieser ist nun bei manchen Naturvölkern gleichfalls ein Urwesen, und auch ein Schaffensprinzip. Im allgemeinen entsteht er nach der Welt, als Abkömmling der Götter, oder von ihnen besonders hervorgebracht. In derelohistischenSchöpfungsgeschichte der Bibel wird der Mensch von Gott geschaffen: „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn, Mann und Weib schuf er sie.“ Der Mensch ist wie Licht, Sonne, Mond usf. geschaffen; es wird nicht gesagt woraus. Die jehovistisch-elohistische Erzählung gibt aber den Stoff an und fügt den Odem Gottes hinzu. „Und der ewige Gott bildete den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase Odem des Lebens; da wardder Mensch zu belebtem Wesen.“ Aus Erde sind auch alle Tiere gebildet, nur der Odem Gottes fehlt ihnen. Bei denBabyloniernscheint nach Berossos, und übrigens auch nach dem Schöpfungsgedicht Enuma Elis, das Blut der Götter in der Erschaffung des Menschen eine Rolle zu spielen. Bel läßt sich den Kopf abschlagen, und das hervorstürzende Blut wird mit Erde vermischt. Daraus werden Menschen und Tiere geformt. Diese Wendung ist recht verschieden von der biblischen. DieÄgypterdachten sich den Menschen gleichfalls aus Erde gebildet. Wir haben Darstellungen, wo der Gott vor einer Töpferscheibe sitzt und den Menschen formt.Hesiodnimmt, nach den fünf aufeinanderfolgenden Geschlechtern, verschiedene Substanzen an, Gold, Silber, Erz oder Esche, Eisen; für das vierte Geschlecht ist der Stoff nicht angegeben. Dieses nach der Güte der Menschen symbolisch zu deuten liegt nahe, scheint aber nicht ganz zulässig. Bildner sind hier die Götter allgemein bei den beiden ersten Geschlechtern, und ist es Zeus bei den beiden folgenden Geschlechtern. Vom fünften Geschlecht wird ein Bildner nicht genannt, es wird geboren. Nach anderen griechischen Sagen wird der Mensch aus Erde, Schlamm, Lehm oder Ton von Göttern und besonders bekanntlich von Prometheus geformt, dem Athene geistig beisteht; letzteres jedoch erst nach späterer Dichtung. Sonst wachsen die Menschen auch aus Bäumen oder Sträuchern hervor, wie bei denGermanen,Eraniern, auchGriechen(Attis aus dem Mandelbaum, Adonis aus dem Lorbeer),Italikernund anderen Völkern, oder aus Steinen, Felsen, Eisblöcken. Die Sage, daß nach der Flut die Menschen aus Steinen entstanden, die Deukalion und Pyrrha hinter sich warfen, gehört nicht hierher; Zeus belebte die Steine. Ebenso begaben Odin, Hönir und Lodurr Esche und Ulme mit Seele, Atem, Blut und Farben zu lebenden Menschen.
Auch die Anschauung von einerEntwicklung der Weltist weit verbreitet. Wir haben hier verschiedenes zu betrachten. Das erste betrifft den Menschen. Hier spielt die Neigung, die Vergangenheit in günstigem Licht der Gegenwart gegenüberzustellen, eine große Rolle. An die herrlicheParadiesgeschichte der Bibelund den verhängnisvollenSündenfallbrauche ich nur zu erinnern. Einen Sündenfall kannten auch dieEranier. Das erste Menschenpaar, Maschiah und Maschianeh (Mensch und Menschin), wird von Ahura Mazda vermahnt, gute Gedanken zu denken, gute Worte zu reden, gute Werke zu tun und den Devs (den bösen Geistern) nicht zu opfern. Und gehorsam und guten Sinnes sagt es: „Ahura hat Wasser, Erde, Bäume und Tiere, Sterne, Mond und Sonne und alle Annehmlichkeiten geschaffen, welche von der Reinigkeit offenbar sind samt und sonders.“ Hierauf lief der Feind in ihr Denken und verfinsterte ihr Denken, und sie logen sodann: „Ahriman hat geschaffen Wasser, Erde, Bäume und Tiere und das übrige.“ Durch diese gottlose Rede wurden beide Gottlose (Darvand’s) und ihre Seele ist bis zum zukünftigen Körper in der Hölle. So lautet es im Bundehesh. Es wird dann geschildert, wie ihre Speisen geschmacklos und ihr Leben mühselig wird, wie sie in Sünde fortfahren und dadurch die Devs immer mächtiger werden. In einer anderen eranischen Sage spielt auch das Paradies eine gewisse Rolle. Vîvanhão, den man mit dem indischen Vivasvân gleichsetzt, doch ohne das Dunkel, das auf dieser Persönlichkeit ruht, zu erhellen, ist der erste Mensch, der den heiligen Haoma grüßt (S. 112). Sein Sohn ist Yima, entsprechend dem Yama, Sohn des indischen Vivasvân. Ihm schon (vor Zarathustra) wird von Ahura die mazdajaçnische Lehre kundgetan. Darauf lebt er mit seiner ganzen menschlichen Nachkommenschaft auf paradiesischer Erde, bei paradiesischem Klima unsterblich und unschuldsvoll. Und wie die Erde zu klein wird, sie alle zu fassen, gräbt er die westliche Grenze wiederholt mit goldener Schaufel und spricht: „Sei freundlich, Çpenta-Armaiti, gehe auseinander und dehne dich aus zum Tragen des Viehes, der Zugtiere und der Menschen.“ Und jedesmal dehnt sich die Erde um ein Drittel größer als sie war. So lebt Yima mit Allen tausend Jahre. Darauf folgt ein Ereignis, das der Flut entspricht, worüber später gesprochen wird. Unsterblichkeit und die Gnaden verliert aber Yima mit seiner ganzen Nachkommenschaft wegen einer Lüge. Er wird Opfer des Drachen Dahâka. Yima ist Firdusis Dschemschid (Dschem der „Glänzende“), der untergeht, weil er sich anbeten ließ; Dahâka der arabische Tyrann Dhohhak (Zohak) mit Schlangen, die ihm aus den Schultern wuchsen.
Babylonisches Siegelbild
DiebabylonischenTexte kennen zwar die Sünde gegen Gottes Gebote und Bußpsalmen, aber der Sündenfall ist bei ihnen nicht erzählt. Ein Siegelbild, das hier wiederholt sein mag, ist auf diesen Sündenfall gedeutet worden. Zwei Personen sitzen zu beiden Seiten eines Baumes, hinter der Person links ringelt eine Schlange in die Höhe. Die Personen sind voll bekleidet (sogar mit Hüten), da doch Adam und Eva nackt sind, vor und bei dem Sündenfall. Schlangen, zusammen mit Gottheiten, finden sich bei den Babyloniern auch sonst. Will man die beiden Darstellungen (Fig. 27 und 70) bei Jeremias „Das Alte Testament“, S. 81 und 203 nicht gelten lassen, weil die erste vielleicht nicht babylonisch, sondern persisch, die zweite vielleicht nicht Original, sondern Kopie oder freie moderne Erfindung ist, so bleibt doch noch die nach Fig. 35, S. 100, in der Sin (Mondgott) und Istar einander gegenüberstehen, und zwischen ihnen, außer anderen Zeichen, zweifellos auch das Bild einer sich emporringelnden Schlange sich befindet. Es sind im wiedergegebenen Siegelbild zwei Gottheiten — eine sicher eine Gottheit, weil sie eine gehörnte Kopfbedeckung trägt, die, wie Jeremias sagt, „bei den Babyloniern ausschließlich göttliches Abzeichen ist“ — mit dem bekannten mystischen Baum zwischen ihnen; eine Darstellung, die sich so außerordentlich oft und vielfach variiert auf babylonischen, assyrischen (auch persischen) Denkmälern findet. Die eine Gottheit hat eine Schlange zum Symbol, oder die Schlange kann auch ein feindliches Wesen sein, da ja Drachenkämpfe der Gottheiten bei den Babyloniern so gewöhnlich sind. Und es kennensogar die Babylonier einen ewig lebenden Menschen, der nach dem Sündenfalle ja nicht möglich sein sollte. Wir werden ihm bei der Flutsage begegnen.
Bei anderen Völkern scheint von einem Sündenfall im Sinne der biblischen Erzählung ursprünglich überhaupt nicht die Rede zu sein. Selbst was Hesiodos von den mehrmals berührten fünf Menschengeschlechtern erzählt, gehört nicht hierher. So möchten es nur die Hebräer und die Eranier sein, denen ein solcher in allen Einzelheiten geläufig war, freilich in ganz verschiedener Ausführung. Selbst die nächsten Verwandten der Eranier, dieIndier, kennen den eigentlichen Sündenfall nicht; das Bewußtsein seiner Göttlichkeit hat der Mensch durch Avidyâ, Nichtwissen, verloren. Gerne übergeht man die Bedeutung des Sündenfalles eines einzelnen Menschenpaares für die ganze Menschheit. Die Bibel kennt als Folge die Mühsale des Lebens und den Tod; der Sündenfall ist eine Erklärung dafür, wie viele Völker für beides eine Erklärung gesucht und in der mannigfachsten Weise gefunden haben. Die unterschiedslose Belastung der Menschheit in alle Zeit mit der Sünde als solcher, ist, soweit ich sehen kann, in der Bibel nicht vorhanden; bei den Eraniern könnte sie eher nachgewiesen werden. Unterschieden davon ist der Sündenfall Luzifers im Engelschore, wovon schon gesprochen ist (S. 150).
Aber freilich, die Bosheit und Gewalttat der Menschen auf der Erde steigt, und schließlich sendet Gott die Flut, alles Lebende, mit Ausnahme des Noah und dessen, das ihm mitzunehmen befohlen ist, zu vernichten.Flutsagensind bekanntlich überall nachzuweisen. Als der Erzählung der Bibel am nächsten stehend, muß man die Sage derBabylonieransehen. Wir haben vier Berichte darüber (die Bibel enthält bekanntlich zwei). Einer ist im Gîlgames-Epos enthalten, zwei scheinen nur andere Rezensionen dieses Berichtes zu sein, der vierte ist der von Berossos überlieferte. Im wesentlichen stimmen diese Berichte überein. Der babylonische Noah heißt im ersten Bericht Ut-Napistim, den wir oben kennen gelernt haben, mit dem Beinamen Atra-hasis (der „Hochgescheite“, nach Greßmann), woraus vielleichtder Xisuthros des Berossos entstanden sein möchte, wie sein Vater Opartes aus dem babylonischen Ubar-Tutu. Der eigentliche Urheber der Flut ist Ellil, Gottheit der Erde, auch des Tierkreises, der früher als Bel gelesen wurde. Drei andere Götter (Anu, Ninib, Ennugi) lassen sich im Ratschluß der Götter dazu bereden. Den Grund für die Flut können wir nur aus den Vorwürfen, die später Ea dem Ellil macht, entnehmen. Demnach handelt es sich anscheinend um Sünden einzelner gegen Ellil; denn jener sagt, er hätte dem Sünder seine Sünde, dem Frevler seinen Frevel auflegen sollen, er hätte ja Löwen, Wölfe, Hungersnot oder Pest senden können die Menschen zu verringern, statt der Sintflut, die alle vernichtete. Istar ist auf Seiten Ea’s. Aber an einer anderen Stelle sagt sie, sie hätte die Sintflut den Göttern geraten. Die Götter spielen übrigens dabei eine traurige Rolle. Wie die Sintflut wächst, bekommen sie Furcht. „Sie entwichen und stiegen empor zum Himmel Anus. Wie ein Hund drückten sich die Götter, an der Mauer lagernd.“ Ea, der immer den Menschen Wohlmeinende rettet Ut-Napistim, indem er ihm rät, ein Schiff zu bauen. Daß er ihn aber auch veranlaßt, den Anderen eine bösartige Lüge zu sagen und sie dadurch in ihr Verderben zu reißen, klingt häßlich. Im übrigen stimmt vieles mit der biblischen Erzählung; so namentlich das Schiff (in der Bibel ein Kasten, die Arche), seine Ausrüstung samt Inhalt, das Landen an oder auf einem Berg (Nisir oder Nimus statt Ararat), das Aussenden einer Taube und eines Raben (bei den Babyloniern auch noch einer Schwalbe), das Opfer Ut-Napistims, Noahs, nach der Flut. Das spätere Schicksal des babylonischen Noah ist aber ein ganz anderes als das des biblischen; denn er wird der Menschheit entrückt und lebt unsterblich, wie wir gesehen haben, im weiten Westen.
Bei denEraniernsagt Ahura Mazda dem Yima die Flut an. Aus hier gänzlich fehlenden Gründen soll harter Frost die Erde ergreifen und Schnee alles verhüllen. Um sich und alles andere vor den beim Schmelzen der Eis- und Schneemassen entstehenden Fluten zu schützen, soll Yima sich ein „Varem“, eine Wohnung, machen. DieIndierhaben dieFlutsage in mehreren Versionen, ihr Noah ist Manu (Manu = Mensch). Die Voraussagung der Flut, die Warnung und der Rat, ein Schiff zu bauen, wird diesem von einem Fisch (er wird als Gott-Fisch gedeutet, wie etwa der Ea der Babylonier), den er klein gefangen hat, und auf dessen Bitte, daß er nicht von anderen Fischen verzehrt werde, in einem Topf, dann in einem Loch aufwachsen läßt, bis er ihn ins Meer tut. Das Schiff wird an das „Horn“ des Fisches gebunden und dieser führt es zum nördlichen Gebirge. In einer späteren Sage nimmt Manu, wie Noah, auch Pflanzen und Tierpaare in das Schiff, und wird die Flut wie in der Bibel sieben Tage voraus verkündet. Als Grund für die Flut ist in der Mahabharata die Sühnung der Erde überhaupt angegeben. In einer anderen Sage aber, in mir nicht verständlicher Weise, die Rettung der Vedas und der sie bewahrenden sieben Rishis (Seher, Sänger). Die Rettung heiliger Schriften aus gleichem oder ähnlichem Anlaß spielt auch bei den Eraniern, Germanen und Babyloniern eine Rolle. Die von Zeus wegen der Frevel des „ehernen“ Geschlechts verhängte Flut, der Kasten (λάρναξ), den Deukalion-Noah auf Rat seines Vaters Prometheus baut und in dem er sich mit seiner Gattin Pyrrha nach dem Berge Othrys rettet, gehören der bekanntengriechischenFlutsage an. Diese deukalionische Flutsage ist viel ausgeschmückt und später auch von Plutarchos und Lukianos mit orientalischen Zügen bereichert worden, wodurch sie sich der biblischen oder babylonischen näherte. Pausanias, in seiner Beschreibung Attikas, erzählt auch, daß die Athener im Umkreise ihrer Stadt einen Erdspalt zeigten, durch den die Flut abgelaufen sei. Vor die deukalionische Flut ist die ogygische zu setzen, die Boiotien betraf und Attika, und in der die sonderbaren Städte Athen und Eleusis am Kopaissee untergegangen sein sollen. Aber eine Sintflut war es nicht. Der alte Buttmann sieht in Ogyges den Okeanos, also den Wassergott überhaupt, und erklärt, freilich in seiner Vorliebe für seltsame Etymologien — z. B. Tubalkain ist Vulkan — auch Noah für einen Wassergott (wegen des hebräischen Nahar, das Fluß bedeutet). Eine Flutsage derGermanenistschwer zu erweisen. Die jüngere Edda erzählt, daß, als die Götter (Odin, Wili, We) den Riesen Ymir, den wir schon kennen, töteten, aus ihm soviel Blut ausgeflossen sei, daß das ganze Riesengeschlecht ertrank. Ein Riese nur rettete sich mit seinem Weibe auf einem Boot (Lûdr) und erzeugte das Menschengeschlecht. Dieser Noah heißt Bergelmir. Jakob Grimm nennt diese Flutsage gegenüber der biblischen „roh und unausgebildet“. Diese germanische Sage erinnert jedoch an eine ähnliche der Babylonier, wo Ellil den Löwen Labbu tötet, und dessen Blut „drei Monate, einen Tag und zehn Stunden“ fließt. Flutsagen finden sich noch weit auf der Erde verbreitet. Bei denLitauernist die Arche eine Nußschale, die der höchste Gott Pramzinas, der die Flut zur Vertilgung der Bösen herabgesandt hatte, da er Nüsse aß, aus dem Himmelsfenster auf die Erde warf.
Andere Völker erzählen anderes, so Indianerstämme, Neger, Ozeanier, Peruaner usf. Richard Andree hat sich die große Mühe gemacht, alle Flutsagen zu sammeln und führt 88 auf. Aber in wirklichem Zusammenhang dürften nur die biblische und babylonische stehen, wie auch Andree meint. Von diesen wird letztere, wegen ihrer viel roheren Züge, wohl die ältere sein. Die dichterische Erzählung vom Regenbogen ist der Bibel eigen. Sonst werden Flutsagen zu verschiedensten Zeiten lokal entstanden sein, da ja Überflutungen und Überschwemmungen überall vorkommen und aus den verschiedensten Ursachen. Das Wesentliche ist das ethische Motiv und die Rettung eines Menschenpaares.Chinascheint eine Flutsage nicht ausgebildet zu haben. Die Überschwemmungen des Nils sind der Segen des Landes. Die des Hoangho jedoch der „Fluch Chinas“. Sie sind aber von je als natürlich angesehen worden, und uralt sind die Versuche, den Fluß einzudämmen. ObJapaneine Flutsage hat, weiß ich nicht; bei den gewaltigen Beben (Japan ist das erdbebenreichste Land der Erde) und den damit oft in Verbindung stehenden Meerüberstürmungen sollte man Flutsagen erwarten.
Sehr wunderlich — wenn der Gegenstand nicht so ernst wäre, fast wie eine Spotterzählung — klingt eine aus etwa1300 v. Chr. uns überlieferteägyptischeSage aus dem „Buche von der Himmelskuh.“ Es ist eine Inschrift in einer Kammer Seti I. in Bibân el Moluk. Die Menschen müssen über den Gott Rā schlecht gesprochen und gegen ihn Anschläge gemacht haben. Das nimmt er ihnen gewaltig übel. Ganz im Stile eines Herrschers versammelt er, Rats zu pflegen, die anderen Götter, die sich völlig wie Hofschranzen ihm nähern. Der älteste Gott, Rā’s Vater Nun, wird zuerst gefragt und erwidert: „Mein Sohn Rā, du Gott, der größer ist als sein Schöpfer und gewaltiger als sein Erzeuger, bleib auf deinem Throne sitzen! Die Furcht vor dir ist groß, wenn dein Auge (es ist damit die Göttin Hathor gemeint) sich gegen die richtet, die dich lästern.“ Rā sagt nun: „Seht, sie laufen davon in die Wüste, aus Furcht wegen dessen, was sie gesagt haben.“ „Laß dein Auge hingehen, daß es sie für dich schlage, die boshaft gelästert haben“, ermahnt Nun. Hathor eilt hinter die Menschen nach der Wüste und tötet sie alle. Ein Teil ist aber nach Süden geflüchtet, diesen will Rā retten. Er läßt von Elefantine Didi (?) holen, dieses, sowie Getreide, von dem „Lockigen“ zu Heliopolis und seinen Dienerinnen mahlen und zu Bier verarbeiten und das Bier an den Ort bringen, wo Menschen noch weilen. Dann steht „die Majestät des Rā in der Frühe unter dem Schutze der Nacht auf, um diesen Schlaftrunk auszugießen.“ „Da wurden die Gefilde vier Spannen hoch mit der Flüssigkeit angefüllt, durch die Macht der Majestät dieses Gottes.“ Hathor aber, die hinkommt den Rest der Menschen zu töten, findet alles mit dem Bier überschwemmt. „Da trank sie und es schmeckte ihr gut, und sie kehrte trunken heim, ohne die Menschen erkannt zu haben.“ Eine wunderliche Menschenvernichtungs- und Flutsage! Die Flut aus Bier und zur Rettung des Menschenrestes! Übrigens ist doch Rā’s Weilen auf Erden nicht mehr. Die Göttin Nut als Kuh hebt ihn in die Höhe und bildet den Himmel, dort bleibt Rā.
Von viel größerer Bedeutung ist es natürlich, wenn nicht bloß die Lebewesen untergehen, sondern die ganzeWeltvernichtet wird.
Bei densemitischen Stämmenkenne ich nur einen Hinweis des Babyloniers Berossos darauf, den Seneca erhalten hat. Die Welt soll verbrennen, wenn die Planeten im Krebs sich zusammenfinden, „so daß eine gerade Linie durch die Kreise aller gehen kann“. Das ist astrologische Ansicht, nicht Mythe, doch weben sich bei den Babyloniern freilich Astrologie und Mythos durcheinander.WeltuntergangundWeltbrandsind sonst spezifischarischeAnschauungen. DenjenigenIndiern, die die Welt nur als eine Täuschung (Maja) oder als einen Traum Brahmas ansehen, ging die Welt unter, sobald der Gott die Täuschung erkannte oder vom Traum erwachte. Eine Stelle in der Bhagavad-Gîtâ lautet:
Wer weiß, daß schon ein Tag bei Gott der Weltenalter tausend macht,Und tausend Alter eine Nacht; der Sterbliche kennt Tag und Nacht.Wann einstens Gottes Tag anbricht, dann tritt, was dunkel war ans Licht;In Finsternis verlischt das Licht, sobald die Gottesnacht anbricht.Und jedes Wesen, das entstand, verschwindet, wann die Nacht anbricht,Doch kehret wieder, was verschwand, wann anbricht Gottes Tageslicht.
Wer weiß, daß schon ein Tag bei Gott der Weltenalter tausend macht,Und tausend Alter eine Nacht; der Sterbliche kennt Tag und Nacht.Wann einstens Gottes Tag anbricht, dann tritt, was dunkel war ans Licht;In Finsternis verlischt das Licht, sobald die Gottesnacht anbricht.Und jedes Wesen, das entstand, verschwindet, wann die Nacht anbricht,Doch kehret wieder, was verschwand, wann anbricht Gottes Tageslicht.
Wer weiß, daß schon ein Tag bei Gott der Weltenalter tausend macht,Und tausend Alter eine Nacht; der Sterbliche kennt Tag und Nacht.Wann einstens Gottes Tag anbricht, dann tritt, was dunkel war ans Licht;In Finsternis verlischt das Licht, sobald die Gottesnacht anbricht.Und jedes Wesen, das entstand, verschwindet, wann die Nacht anbricht,Doch kehret wieder, was verschwand, wann anbricht Gottes Tageslicht.
Wer weiß, daß schon ein Tag bei Gott der Weltenalter tausend macht,
Und tausend Alter eine Nacht; der Sterbliche kennt Tag und Nacht.
Wann einstens Gottes Tag anbricht, dann tritt, was dunkel war ans Licht;
In Finsternis verlischt das Licht, sobald die Gottesnacht anbricht.
Und jedes Wesen, das entstand, verschwindet, wann die Nacht anbricht,
Doch kehret wieder, was verschwand, wann anbricht Gottes Tageslicht.
So schwer der Sinn zu durchdringen ist, so wird doch zweifellos von höheren Weltzeitaltern gesprochen; Zeitaltern des Lichtes wechselnd mit Zeitaltern der Finsternis. Die gewöhnlichen Weltenalter betragen ein Kalpa, gleich 432 Millionen Jahre. Je nach Verlauf einer solchen Kalpa geht die Welt unter und wird neu gebildet. Es ist die Lehre der Râmânuga-Schule des Vedânta, die wir noch genauer kennen lernen werden. Gottes Tag und Nacht betrügen je tausend solche Kalpa, wenn in der obigen Stelle unter Weltenalter die Kalpa verstanden sind. Vielleicht aber sollen die tausend Weltenalter selbst eine Kalpa sein, dann würde nach der obigen Stelle die Welt abwechselnd eine Kalpa bestehen und darauf eine Kalpa nicht bestehen. Der Untergang (Mahapralajas) betrifft nicht nur die ganze Welt, sondern auch alle Götter, bis auf den Einen und Einzigen. Einen Untergang der Welt kannten auch dieEranier: der Komet Muspar, indem er auf die Erde stürzt und alles schmelzt, verbrennt sie. Es steht dieses allerdings mit der Reinigung der Welt von Bösem in Verbindung. Allein, es heißt im Bundehesh doch auch ausdrücklich: „Ahura wird auf seinem herrlichen Thron ohne Schöpfung sein, denn Werke wird er nicht vollbringen, während jene (die Amesha-Çpenta?) den Toten bereiten.“ Den Weltbrand derGriechen— der durch Phaethon veranlaßte, gehört nicht wohl hierher — werden wir später kennen lernen.
Wir wenden uns sogleich zu denGermanen, von denen wir darüber die eingehendsten Nachrichten haben. Der Weltuntergang (ragna rök, der Waltenden Verrauchung) ist in der Edda als ein Kampf, der Kampf der Götter gegen Surtur (der Schwarze, Hüter des Feuerlandes Muspelheim) geschildert, in dem jene untergehen und die Welt verbrennt. Die Wala in der Voluspa erzählt:
Von Osten fährt der Kiel; Kommen werden MuspillsSöhne übers Meer, Aber Loki steuert.Fifl’s (Loki’s) Söhne fahren Mit dem Wolf allesamt,Zugleich ist der Bruder Byleists (Loki’s) bei der Fahrt. —Surtur fährt von Süden Mit flammendem Schwert,Es blitzt von dem Schwerte Die Sonne der Schlachtgötter;Die Felsberge stürzen, Riesinnen schreiten einher,Es betreten die Menschen den Helweg; Der Himmel aber klafft.
Von Osten fährt der Kiel; Kommen werden MuspillsSöhne übers Meer, Aber Loki steuert.Fifl’s (Loki’s) Söhne fahren Mit dem Wolf allesamt,Zugleich ist der Bruder Byleists (Loki’s) bei der Fahrt. —Surtur fährt von Süden Mit flammendem Schwert,Es blitzt von dem Schwerte Die Sonne der Schlachtgötter;Die Felsberge stürzen, Riesinnen schreiten einher,Es betreten die Menschen den Helweg; Der Himmel aber klafft.
Von Osten fährt der Kiel; Kommen werden MuspillsSöhne übers Meer, Aber Loki steuert.Fifl’s (Loki’s) Söhne fahren Mit dem Wolf allesamt,Zugleich ist der Bruder Byleists (Loki’s) bei der Fahrt. —Surtur fährt von Süden Mit flammendem Schwert,Es blitzt von dem Schwerte Die Sonne der Schlachtgötter;Die Felsberge stürzen, Riesinnen schreiten einher,Es betreten die Menschen den Helweg; Der Himmel aber klafft.
Von Osten fährt der Kiel; Kommen werden Muspills
Söhne übers Meer, Aber Loki steuert.
Fifl’s (Loki’s) Söhne fahren Mit dem Wolf allesamt,
Zugleich ist der Bruder Byleists (Loki’s) bei der Fahrt. —
Surtur fährt von Süden Mit flammendem Schwert,
Es blitzt von dem Schwerte Die Sonne der Schlachtgötter;
Die Felsberge stürzen, Riesinnen schreiten einher,
Es betreten die Menschen den Helweg; Der Himmel aber klafft.
Nun folgt der Kampf der Götter: Odin steht gegen den Wolf Fenrir, von dem er verschlungen wird, Thor gegen die Midgardschlange, die ihn vergiftet, Freyr gegen Surtur, von dem er getötet wird. Zuletzt sinkt die Erde ins Meer, die Sterne fallen vom Himmel:
Es wütet Feuer und zehrende Flamme,Hoch leckt die Lohe gegen den Himmel selbst.
Es wütet Feuer und zehrende Flamme,Hoch leckt die Lohe gegen den Himmel selbst.
Es wütet Feuer und zehrende Flamme,Hoch leckt die Lohe gegen den Himmel selbst.
Es wütet Feuer und zehrende Flamme,
Hoch leckt die Lohe gegen den Himmel selbst.
Andere nordische Sagen stimmen mit der obigen Erzählung überein, nur daß sie mehr ausführen. InDeutschlandselbst haben wir die Götterdämmerung in dem Althochdeutschen, im neunten Jahrhundert aufgezeichneten Lied Muspilli. Elias steht anstelle der Asen, der Antichrist und Satanas für Loki und Surtur. Elias wird verwundet und das weitere lautet in der Übersetzung von Johannes Scherr: „Die Berge entbrennen, kein Baum bleibt stehen auf der Erde, die Wasser trocknen aus, das Meer verdampft, in Lohen vergeht derHimmel, der Mond fällt hernieder, Midgard flammt auf, kein Fels steht fest. Der Tag der Vergeltung fährt über die Lande, fährt über die Völker mit Feuer. Da kann kein Verwandter dem anderen helfen vor dem Muspille.“ Einzelnes stimmt auffallend mit dem Bericht der Wala.
Der zerstörten alten Welt (nur das Meer bleibt) muß eine neue folgen. Auch nach germanischer Sage ist diese neue Welt besser als die frühere. Die Wala schaut:
Heraufkommen seh ich Zum anderen MaleAus dem Meer eine Erde, Eine wieder grüne;Es fallen die Fluten, Ein Aar fliegt darüber,Welcher am Felsen Nach Fischen jagt.Es versammeln sich die Asen Auf IdafeldenUnd von Moldthinur (die Midgardschlange?), Der wuchtigen, sprechen sieUnd erinnern sich da An frühere TatenUnd an Fimbultyrs (Odins) Uralte RunenDa werden sich dann Die wundersamenGoldenen Tafeln (Runentafeln?) Im Grase finden,Welche sie damals In der Urzeit hatten.Es werden ungesät Die Äcker da wachsen,Alles Übel wird weichen; Baldr wird kommen;Vereint werden Hodr und Baldr Unter den Dächern des Hropt (Odins),Die beiden Kampfgötter ...Einen Saal sah ich stehen, Schöner als die Sonne,Mit Gold gedeckt, Auf Gimles (Himmels-) Flur,Da sollen die fröhlichen Scharen (guten Menschen?) wohnen,Und Freude genießen Bis ans Ende der Tage.
Heraufkommen seh ich Zum anderen MaleAus dem Meer eine Erde, Eine wieder grüne;Es fallen die Fluten, Ein Aar fliegt darüber,Welcher am Felsen Nach Fischen jagt.Es versammeln sich die Asen Auf IdafeldenUnd von Moldthinur (die Midgardschlange?), Der wuchtigen, sprechen sieUnd erinnern sich da An frühere TatenUnd an Fimbultyrs (Odins) Uralte RunenDa werden sich dann Die wundersamenGoldenen Tafeln (Runentafeln?) Im Grase finden,Welche sie damals In der Urzeit hatten.Es werden ungesät Die Äcker da wachsen,Alles Übel wird weichen; Baldr wird kommen;Vereint werden Hodr und Baldr Unter den Dächern des Hropt (Odins),Die beiden Kampfgötter ...Einen Saal sah ich stehen, Schöner als die Sonne,Mit Gold gedeckt, Auf Gimles (Himmels-) Flur,Da sollen die fröhlichen Scharen (guten Menschen?) wohnen,Und Freude genießen Bis ans Ende der Tage.
Heraufkommen seh ich Zum anderen MaleAus dem Meer eine Erde, Eine wieder grüne;Es fallen die Fluten, Ein Aar fliegt darüber,Welcher am Felsen Nach Fischen jagt.Es versammeln sich die Asen Auf IdafeldenUnd von Moldthinur (die Midgardschlange?), Der wuchtigen, sprechen sieUnd erinnern sich da An frühere TatenUnd an Fimbultyrs (Odins) Uralte RunenDa werden sich dann Die wundersamenGoldenen Tafeln (Runentafeln?) Im Grase finden,Welche sie damals In der Urzeit hatten.Es werden ungesät Die Äcker da wachsen,Alles Übel wird weichen; Baldr wird kommen;Vereint werden Hodr und Baldr Unter den Dächern des Hropt (Odins),Die beiden Kampfgötter ...Einen Saal sah ich stehen, Schöner als die Sonne,Mit Gold gedeckt, Auf Gimles (Himmels-) Flur,Da sollen die fröhlichen Scharen (guten Menschen?) wohnen,Und Freude genießen Bis ans Ende der Tage.
Heraufkommen seh ich Zum anderen Male
Aus dem Meer eine Erde, Eine wieder grüne;
Es fallen die Fluten, Ein Aar fliegt darüber,
Welcher am Felsen Nach Fischen jagt.
Es versammeln sich die Asen Auf Idafelden
Und von Moldthinur (die Midgardschlange?), Der wuchtigen, sprechen sie
Und erinnern sich da An frühere Taten
Und an Fimbultyrs (Odins) Uralte Runen
Da werden sich dann Die wundersamen
Goldenen Tafeln (Runentafeln?) Im Grase finden,
Welche sie damals In der Urzeit hatten.
Es werden ungesät Die Äcker da wachsen,
Alles Übel wird weichen; Baldr wird kommen;
Vereint werden Hodr und Baldr Unter den Dächern des Hropt (Odins),
Die beiden Kampfgötter ...
Einen Saal sah ich stehen, Schöner als die Sonne,
Mit Gold gedeckt, Auf Gimles (Himmels-) Flur,
Da sollen die fröhlichen Scharen (guten Menschen?) wohnen,
Und Freude genießen Bis ans Ende der Tage.
Nach Vafthrudnismal in der älteren Edda heißen die neuen Asen Vidar und Veli, Modi und Magni, Nachkommen von Odin und Thor, die nicht mit der Welt untergegangen sind. Aber Baldr ist ja die poetischere und höhere Figur mit seinem blinden Bruder Hödr. Das neue Menschenpaar ist Lif und Lifthrasir; sie hatten sich während des Weltunterganges (?) in Hoddmimirs (der Weltesche) Grün geborgen, ihre Speise war Morgentau. Als Sonne leuchtet nach der jüngeren Edda eine Tochter der früheren Sonne. Damit vergleiche man den Weltuntergang und Weltneubau nach der Offenbarung Johannis, namentlich Kap. 6, 7 und 20, 21. Man wird sehr erhebliche Ähnlichkeiten zwischen beiden Erzählungen finden. Auch die Sybillinischen Orakel, Buch V, 345 ff., gehören hierher.
Die Menschheit hat immer gerne an kommende bessere Zeiten geglaubt. War die Welt in Sünde und Gewalttat versunken und in Ärmlichkeit und Verkommenheit, so sollte die Gottheit eingreifen, nicht bloß strafend wie früher, sondern helfend und schaffend. Die Indier haben zu diesem Behufe dieInkarnationen,Awatars(S. 139), einer Gottheit (Wischnu’s) erdacht, semitische Völker denMessias, andere Völker Wiederkehr lange vergangener Wohltäter oder von Göttern auf Erden. An diesem Glauben sind die Peruaner und Mexikaner zugrunde gegangen, da sie in solchen Bluthunden wie Pizarro und Cortes mit ihrem spanischen Gesindel diese erwarteten Wohltäter und Götter (Viracocha bei den Peruanern, Quetzalcoatl bei den Mexikanern) sahen. Aber die Juden haben sich an dem Messiasglauben gewaltig aufgerichtet und ihm ihre Erhaltung durch Jahrtausende zu danken. Und das Christentum ist durch ihn Weltreligion geworden. Kaum ein Gedanke der Menschheit hat sich von so enormer Bedeutung, ideeller und praktischer, erwiesen, wie dieser vom Messias, den der zweite Jesaias so liebevoll ausführt, der Indier so phantastisch begabt. Steigen wir von der hohen Messiasidee herab, so sind es Helden und Herrscher, deren Wiederkehr vom Volke erwartet wird, und die inzwischen irgendwo verborgen oder schlafend vorgestellt werden. Unser Friedrich I., Barbarossa (eigentlich nicht er, sondern Friedrich II.) gehört hierher als die markanteste Gestalt. Aber andere Völker der Erde besitzen ähnliche Gestalten. Stanley — „Through the dark Continent“ — erzählt aus den Sagen von Uganda, daß der erste König Kintu als milder und Blutvergießen scheuender Herrscher im hohen Alter, da er seine Nachkommen allen Grausamkeiten frönen sah, mit seinem Weibe geflohen sei. Das Volk war überzeugt, daß er sich verborgen halte, und alle späteren Herrscher suchten ihn. Einem der spätesten, dem siebenundzwanzigsten (Mtesa war der fünfunddreißigste), Ma’anda ward es zuteil, ihn mit seiner Gefolgschaft in einem tiefen Walde sehen zu dürfen.Er sollte nur mit seiner Mutter und dem führenden Bauern kommen. Sein treuer Katekiro folgte ihm aber, um ihn vor etwaigem Verrat zu schützen. Kintu erkannte des letzteren Anwesenheit und machte Ma’anda Vorwürfe. Als Katekiro darauf hinter einem Baume vortrat, tötete Ma’anda ihn durch einen Speerwurf. Da entschwand Kintu mit allen um ihn.