Dairen.
Gasthöfe:Yamato Hotelder Südmandschurischen Bahn, komfortabel, sehr gelobt, Pens. 9-12 Yen;Rioto-Hotel;Iwaki-Hotelu. a.—Post u. Telegraph.—Wagen: Droschken, Hotelwagen, Rikschas.Straßenbahnen(elektr.) durchziehen die ganze Stadt.Eisenbahnen: Südmandschurische Bahn (S.324) nach Mukden und Port Arthur.Dampferder Südmandschurischen Bahn (South Manchurian Railway Co.in Dairen: Tel.-Adr.: »Mantetsu-Dairen«), Anschluß an jeden Expreßzug von Moskau nach Schanghai;Osaka Shosen KaishaundNippon Yusen Kaisha, Anschluß nach Korea, Nordchina und Japan mehrmals wöchentlich;Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linienach Tsingtau, Schanghai und Tientsin (S.265).Geldwie in Japan s. S.342.—Bank: Zentrale derYokohama Specie Bankfür die Mandschurei.Deutsches Konsulatgeplant.Klubs: Internationaler Dairen Club; Dairen Golfing Association; Seemannsheim.Ärzte, tüchtige, Deutsch sprechende japanische Ärzte im modern eingerichteten Central Railway Hospital.
Dairen, von den Russen nach großartigem Plan unter Aufwendung großer Geldmittel, aber erst in den Grundzügen angelegt, ist zwar in den letzten Jahren unter japanischer Verwaltung als Hauptausfuhrhafen für die Südmandschurei stark aufgeblüht, doch macht auch heute noch ein großer Teil des Stadtgebiets mit den breiten, nur mit vereinzelten Häusern besetzten Straßen einen recht öden Eindruck. Nur die vom Hauptplatz ausstrahlenden zehn modernen Straßen sind voll bebaut und belebt. Hauptsächlich werden Kohlen und Bohnen ausgeführt. Schon 1909 führte Dairen etwa die Hälfte der mandschurischen Bohnenernte (geschätzt auf 1 Million Tonnen) aus; die Bohnen und Bohnenkuchen gehen nach Japan, Amerika und England in solchen Mengen, daß der Weltschiffahrtsmarkt der Trampdampfer bereits stark durch die Bohnenausfuhr beeinflußt wird. In Dairen sind die Generaldirektion und Werkstätten der Südmandschurischen Bahn. Die Stadt hat elektrische und Gasbeleuchtung sowie gute Straßen. Der Hafen ist mit Trockendock und modernen Kaianlagen ausgestattet, aber den Nordwinden ausgesetzt und noch nicht genügend ausgebaggert. Zementfabrik und große Bohnenmühlen nahe Choushuitzu, auch andre Fabriken. Mehrere ausländische Firmen, auch einige deutsche, sind in Dairen ansässig. Das Klima ist gesund, im Juli bis 33°, im Januar bis-17°. Außerhalb der eigentlichen Stadt liegen das Chinesenviertel und zwei Vergnügungsplätze für japanischen Geschmack: Fushimipark und Yoshiwara. Die Umgegend von Dairen bietet Seebäder am Gelben Meer im SommerbadeortStar Beach(Strandhotel der Südmandschurischen Bahn, billig, gelobt), mit Sommerhäusern. Etwa 5 km sö. von Dairen liegt die SommerfrischeLaohutan(Roko-tan), etwa 8 km sw.Kokusekisho(Blackstone Rock), am Fuß des Berges Dairen Fuji, an sehr schönem Strand mit phantastischen Felsformen; gute Fahrwege führen zu diesen Plätzen.
Von Dairen nach Port Arthurführt die Bahn üher (7 M)Choushuitzuu. (15 M)Hsiachiahotzu(Kakakashi) mit sehr schönem Badestrand am Tschiligolf.(39 M)Port Arthur(japanischRyōjunkō; Gasthöfe:Yamato Hotelder Südmandschurischen Bahn in der Neustadt, komfortabel, gelobt, Pens. 9-12 Yen;
Astor House;Asahi Hotel;Seirinkan. —Yokohama Specie Bank; Droschken, Hotelwagen, Rikschas zu haben; japanische Dampfer nach Tschifu), starkbefestigter Kriegshafen (Photographieren und Zeichnen in der Nähe von Befestigungen ist streng verboten!) auf der Kwangtunghalbinsel, mit nur noch etwa 15000 Einw., davon 10000 Chinesen, aber fast keine Europäer, vom chinesischen Vizekönig Lihungtschang um 1880 angelegt, vom japanischen Heer unter Oyama am 24. Nov. 1894 erstürmt, dann 1895 an China zurückgegeben, 1898 von Rußland »gepachtet« und durch neue, fast sturmfreie Forts stark befestigt, im russisch-japanischen Krieg von den Japanern unter General Nogi seit 6. Juni 1904 belagert und nach schweren verlustreichen Kämpfen am 2. Jan. 1905 zur Übergabe gezwungen (General v. Stössel war der Führer, General Kondratenko [gefallen 1. Dez. 1904] die Seele der Verteidigung), wobei 546 Geschütze u. 20 Kriegsschiffe (darunter 4 Schlachtschiffe) erbeutet wurden. Jetzt ist die Stadt Sitz des japanischen Generalgouvernements und aller Militär-und Marinebehörden für das Kwangtunggebiet. Port Arthur liegt in einer tiefen Einbuchtung des Gelben Meeres mit nur 300 m breiter Einfahrt, auf 38° 48' nördl. Br. (etwa wie Lissabon). Der 4 qkm große, innere, das ganze Jahr eisfreie Hafen ist von Bergen umgeben, die nach der Seeseite starke Befestigungen tragen; er ist jetzt zum Teil als Handelshafen für Ausfuhr der Fushunkohlen (S.325) freigegeben. Die Neustadt mit dem europäischen Stadtteil und Regierungsgebäuden liegt westl. vom Bahnhof (der dicht am Hafen liegt), ist aber jetzt fast völlig verödet, der Handel hat fast aufgehört; die Altstadt, zumeist Chinesenstadt, liegt östl. davon. In den Läden der Altstadt Kriegserinnerungen zu haben. Die Umgebung, insbesondere die Küsten, sind reich an schönen Landschaftsbildern. Die im Krieg von den Japanern erstürmten Befestigungen, besonders das Nordfort desTungchikuanshan(Osthahnenkamm und der 203 m-Hügel sind sehr sehenswert. Nahe der Stadt ein japanisches Kriegsmuseum mit vielen Modellen und Erinnerungen; westl. davon das japanische Kriegerdenkmal, als Leuchtturm gebaut u. mit Tempel, und weiter nw. jenseit der Bahn das russische Denkmal (englischer Führer mit Karte:Descriptive and historical sketch of Port Arthurim Gasthof zu haben). Die teilweise nicht wieder aufgebaute Hauptlinie der Befestigungen wird, von Militärs aller Länder viel besucht. Nur die Seefront darf nicht besichtigt werden.
Vgl. die Karten bei S.215und S.271.
Ostchinesische Bahnvon Charbin nachChangchunund von hierSüdmandschurische BahnnachMukden, vgl. S.324. Von Mukden nach (524 M)Pekingzweigt dieNordchinesische Eisenbahn(Imperial Railways of North China) westwärts ab; Schnellzüge ab südmandschurischer Bahnhof in Mukden im Anschluß an die Expreßzüge von Charbin (S.323), Fahrzeit Mukden-Peking 23 St., Fahrpreise I. $ 31,70, II. 19,85, Zuschlag für Luxusexpreß $ 7 bzw. 5. —Über direkte Fahrkarten Berlin-Peking (rund 11090 km) vgl. S.302.
Bahnfahrt von Charbin nach Mukden vgl. S.324. Von Mukden fährt die Nordchinesische Bahn in westl. Richtung durch die steppenartige Liaoebene, die nicht besonders fruchtbar, aber wichtig durch ihre riesigen Schweineherden ist, die bis Peking exportiert werden, und überschreitet den Liaoho. Dann südwestl. weiter in der Liaohoebene nachKoupangtze.
Zweigbahnsüdl. nachYingkou,Inkau,Niutschwang(Hotel Manchuria House; 30 Z., Pens. $ 8), dem wichtigsten Handelsplatz der südl. Mandschurei, auf 40° 44' nördl. Br., etwa 26 km oberhalb der Mündung des Liaoflusses in den Golf von Liaotung in der mandschurischen Provinz Schöngking; Yingkou hat etwa 52000 Einw. und ist seit 1858 dem Fremdhandel geöffnet, aber nur für kleinere Seeschiffe erreichbar.
Landungsbrücken für Seeschiffe bei der europäischen Niederlassung am l. Ufer. Der Bahnhof der chinesischen Nordbahn liegt am r. Ufer, der Bahnhof der südmandschurischen Bahn (die 30 km östl. beiTashihchiaoin die Hauptlinie Charbin-Mukden-Port Arthur [S.326] mündet) am l. Ufer.Russisch-Asiatische Bank;Yokohama Specie Bank(Korrespondent der Berliner Disconto-Gesellschaft), beide Korrespondenten der Deutschen Bank.—Deutsches Konsulat(Vizekonsul J. Jaspersen).—DampferderNippon Yusen Kaishanach Taku, Tschifu, Tschimulpo, Nagasaki, Moji etc.;China Merchants-Dampfernach Taku, Tschifu und Schanghai wöchentlich Agenten desNorddeutschen Lloyd: Bandinel & Co. —Der Liaofluß ist für Flußfahrzeuge bis nach Mukden schiffbar. An ihm liegt 48 km stromaufwärts die alte ChinesenstadtNiutschwang(Ying-tse-kou), mit bedeutendem Handel.
Die Hauptbahn läuft von Koupangtze südwestl. weiter überKintschou(Chinchowfu, vgl. S.318) undNingjuendurch die schmale, zwischen der Nordwestseite des Golfs von Liaotung und dem Gebirge sich entlangziehende hügelige Küstenebene (Liaohsi), die als einzige bequeme Verbindung zwischen der Mandschurei und der Großen Ebene eine wichtige Rolle in der Geschichte Chinas gespielt hat (vgl. unten).
(261 M)Schanhaikuan(Railway Hotel), nahe am Meer, stark befestigte, 1368 erbaute chinesische Grenzstadt; hier beginnt die große Chinesische Mauer (S.296) und steigt in malerischen Zickzacklinien, mit Wachttürmen besetzt, auf die Kämme der Hügelketten im Hinterlande; Höhe der Mauer etwa 10 m, Breite oben 8 m und mehr. Die ebenfalls ummauerte Stadt liegt westl., also innerhalb der Großen Mauer. Einen bessern Schutz bieten jetzt fünf moderne Forts. Der Bahnhof liegt vor dem Südtore der Stadt und etwa 4 km vom Meer.
Mehrfach sind Völkerstämme, aus Norden und Nordosten stammend, in derLiaoebenezeitweise seßhaft geworden, dort erstarkt und später durch Liaohsi nach China vorgedrungen. So eroberte um 900 n. Chr. der Stamm derKitan, tungusischer Herkunft, Nordchina und begründete dort die von 905-1125 regierende Liaodynastie, der bis 1234 die stammverwandte Kin-Dynastie folgte. Die später in China zur Herrschaft gelangten Mongolenkaiser suchten daher die schmalste Stelle von Lioahsi durch eine das Ostende der Großen Mauer bildende Befestigungsanlage, das »Große Tor« (Schanhaikuan) gegen weitere Einfälle vom Liaotale her zu schützen. Trotzdem wurde Liaohsi noch einmal die Einfallspforte für fremde Eroberer, nämlich für den jetzt noch in China herrschenden tungusischen Stamm derMandschu, die 1584 ins Liaotal kamen, 1616 Mukden und 1644 an Stelle von Mukden Peking zu ihrer Hauptstadt machen konnten.
Bei (281 M) Stat.TangholiegtTshinwangtau(Resthouse Hotel, bequem, 9 Z., Pens. $ 5), seit 1898 dem Fremdhandel geöffneter kleiner Hafen mit guter Landungsbrücke, 5000 Einw.; im Winter (November bis März), wenn die Takubarre gefroren ist, landen hier die für Tientsin bestimmten Postdampfer.—Die Bahn entfernt sich nunmehr von der Küste und geht überPeitaiho(Seebad) undTschanglinachLwantschou(Lanchow), alter Hauptstadt der Han-Dynastie, am r. Ufer des Lwanho, an dem etwa 160 km flußauf Jehol (S.298) liegt. [Etwa 17 km nördl. von Lwantschou liegt die alte große Stadt Yungpingfu.]—Dann folgtKaipingund (355 M)Tangschan, Stadt mit 40000 Einw. und wichtigen Kohlenbergwerken der chinesischen Regierung. Nun weiter überLutaiundPeitangnach (394 M)Tongku. Weiterfahrt nach Peking S.280und277.
Vgl. die Karten bei S.271und337.
DieHalbinsel Korea, im NW. durch das wegen seiner rostförmigen Gliederung schwer überschreitbare Gebirgsland von Liaotung und den Yalufluß, im NO. durch die bis 2450 m hohe Schranke des Tschangpaischan wirksam vom asiatischen Festland abgeschlossen, war seit alter Zeit ein Zankapfel zwischen China und Japan und zuletzt Rußland gewesen, hat sich aber meist selbständig erhalten, bis es 1910 japanische Kolonie geworden ist. Die ganze Ostseite der Halbinsel fällt steil, felsig und fast buchtenlos ins Japanische Meer ab, die Süd-und Westseite sind niedriger, offen, stark gegliedert und inselreich, aber schwer zugänglich, da alle die Felseninselchen und Buchtenränder in einen dicken Schlammantel gehüllt sind. Die Halbinsel hat drei verkehrsreiche Hafenplätze, Tschimulpo im W., Fusan im S., Gensan im O. Das Innere ist meist mit Hügel-und Gebirgsland erfüllt; von der Ostküste aus erhebt sich steil ein Gebirgszug, der nicht über 1500 m hoch ist und nach S. niedriger wird, aber wegen hoher (900-1000 m) Pässe auf große Strecken schwer überschreitbar ist. Nach W. fällt er in einem buckligen, einförmigem Berg-und Hügelland langsam ab. GrößereFlüssekonnten sich auf der Halbinsel nicht entwickeln, und die auf der Westseite vorhandenen kommen als Wasserstraßen höchstens so weit in Betracht, als die hohen Gezeitenwellen des Gelben Meeres in ihnen aufwärtsdringen. Dazu ist ihre Wasserführung sehr schwankend, und die nördlichen frieren im Winter zu. Dies gilt auch für den Yalu, den 800 km langen Grenzfluß gegen NW., der sich an seiner Mündung auf 4 km verbreitert, aber nur auf 60 km schiffbar (auf eine viel größere Strecke allerdings flößbar) ist.Korea liegt in der Breite Unteritaliens und Algeriens, aber der Winter ist in Mittelkorea keineswegs so mild wie in Algier oder Malta, sondern so rauh wie in Königsberg. Freilich ist er in der Mandschurei und im Liaotale noch viel strenger, die Winterkälte nimmt südwärts rasch ab (Januartemperatur in Charbin-18,7°, in Mukden -13,6°, in Tschimulpo-2,6° [Königsberg i. Pr.-2,9°], in Fusan 4,2°; dagegen in Malta und Algier 11,9°). Nordkorea ist den ganzen Winter über in Schnee gehüllt, im S. fällt Schnee nur auf den Bergen. Die Sommer sind in ganz Korea, Nordchina und der Mandschurei ungefähr gleich heiß, mit einer Mitteltemperatur des Juli oder August von etwa 24-25°, und zugleich die Zeit der Hauptniederschläge, die von Juli bis September fallen.DasPflanzenkleidder Halbinsel wechselt vom S. zum N. stark wegen der Verschiedenheit in der Strenge der Winter. Im Südteile erscheinen schon immergrüne Pflanzen, wie Kamelien und Bambus. Das Waldkleid der Berge ist aber schon sehr stark gelichtet, und im trocknen Winter sieht daher ganz Süd-und Mittelkorea steppenartig kahl aus, während der warmfeuchte Sommer eine üppige Vegetation hervorbringt. Wald-und wildreich sind noch die Gebirge des Nordteils der Halbinsel und besonders des Nordostens; sie tragen unten Laub-, oben Nadelwälder.DieBevölkerungist, entsprechend der zentralen Lage der Halbinsel zwischen der Mandschurei, China und Japan, eine mongolische Mischrasse von sehr alter, aber stark herabgekommener Kultur. Das einst hochstehende Kunstgewerbe (Porzellan und Metall) ist ganz verschwunden. Die Kleidung der untern Stände ist weiß, die der Vornehmen farbig; die Frauen leben streng abgeschlossen. Die obern und untern Stände unterscheiden sich sehr scharf durch Typus, Kleidung und Kasten. Die Vornehmen haben schöne, feine Gesichtszüge und für Mongolen stattliche Körpergröße und tragen bunte Gewänder; die Gesichtszüge des niedern Volkes, das helle Kleider tragen muß, sind viel gröber, im N. tungusenähnlich mit flacher Nase und vorstehenden Backenknochen.Die Koreaner haben eine eigne mehrsilbigeSprachemit chinesischen Lehnwörtern, aber Buchstabenschrift (vgl.Imbault-Huart: »Manuel de la langue coréenne parlée«; Paris 1889).
Die Sittenlehre des Kungfutsze ist weit verbreitet, doch auch der Buddhismus hat noch Bedeutung. Viele Mönchs-und Nonnenklöster findet man in den Gebirgen. Das Unterrichtswesen gleicht dem japanischen; die Kunst des Lesens und Schreibens ist allgemein verbreitet.Die Grundlage der koreanischenVolkswirtschaftbildet der Ackerbau, weniger die Viehzucht, sowie an der Küste der Fischfang. Da der Ackerbau ganz im Gegensatz zum chinesischen in sehr primitiver Weise betrieben wird, so ist die Volkszahl nicht groß; sie beträgt jetzt auf 218650 qkm 93/4Mill. Menschen (davon 126168 Japaner, 12332 Chinesen, 464 Amerikaner, 153 Engländer, 87 Franzosen, 33 Deutsche, 40 andre Europäer). Angebaut werden vor allem Reis, Hülsenfrüchte und Getreide sowie im N. die vor allem in China als Allheilmittel sehr geschätzte Ginsengwurzel. Der Teestrauch wird nicht kultiviert, da die Koreaner, im Gegensatz zu den Chinesen und Japanern, keine Teetrinker sind; dagegen wird die Seidenraupe gezogen, und von Nutzpflanzen sind die Baumwolle und der Tabak im S. verbreitet.Geschichte.Die Legende vom Ursprung des Königreichs Korea greift bis 2333 v. Chr. zurück; später bestanden verschiedene, sich befehdende Königreiche, bis Korea von 109 v. Chr. bis 314 n. Chr. zum erstenmal unter chinesische Gewalt fiel. Seit 37 v. Chr. bis 668 n. Chr. kämpften drei Königreiche um ihre Unabhängigkeit gegen China und Japan, später mit Japan gegen China. Von 668-935 blühte das Land geeinigt auf; von 918-1392 wurde es von der eingebornen Wang-Dynastie beherrscht, wobei die buddhistischen Priester und der Adel zu großem Einfluß gelangten, was viele Aufstände erzeugte; gleichzeitig wurden die Herrscher durch Heiraten von Mongolenprinzessinnen allmählich zu Mandschus. Kriegsschauplatz fremder Mächte war Korea zuerst 1268-1280, als Kublai Chan gegen Japan kämpfte. Seit 1392 gelangte infolge eines Palastaufstandes eine ältere Dynastie zur Herrschaft, die das Land Tschausian nannte; 1394 wurde Söul Hauptstadt. 1592-98 blutiger Krieg mit den gelandeten Japanern; 1627 und 1637 überfielen die Mandschu das Land und brachten es in Abhängigkeit zur Tsing-Dynastie. Trotzdem verstand Korea sich nach außen abzuschließen. Erst 1876 wurden für Japan einige Häfen geöffnet, 1884 auch für europäische Staaten. 1894 wurde das Land japanischer Kriegsschauplatz gegen China (wobei 1895 die Mutter des Kaisers von Korea von Japanern ermordet wurde), 1904 gegen Rußland. Seit 1910 ist Korea japanische Kolonie unter dem Namen Chosen (spr. tschosön, d. h. Land der Morgenröte). Der Generalgouverneur residiert in Söul. Die führende Aristokratie wurde dem japanischen Adel angegliedert, der Kaiser von Korea nach Japan ins Exil geführt. Der Besitz Koreas war für Japan eine Lebensfrage; es braucht das wenig bevölkerte Land als Siedelungskolonie.
NB. Bester Weg für Japanreisende, welche die Seefahrt scheuen, vgl. S.334.
Mit derSüdmandschurischen Bahn(S.324) von Mukden nachAntung, 186 M, Fahrzeit 7 St., von da mit derKoreanischen Bahn(Korean Railway) über die seit 1912 betriebsfertige Eisenbahndrehbrücke über den Yalu nachSöul, 312 M von Antung, Fahrzeit 12 St.Die Strecke Mukden-Antung, während des russisch-japanischen Kriegs als Kleinbahn schnell gebaut, ist inzwischen auf normale Spurweite ausgebaut; durchgehende Züge von Mukden (wie für die Strecke nach Dairen, vgl. S.324) sollen seit 1912 im Betrieb sein. Es wird empfohlen, sich für die Bahnfahrt mit Lebensmitteln für drei Tage und reichlich mit warmen Decken zu versehen. Sie führt durch das Gebirgsland des nördl. Liaotung, das, aus den verschiedensten Gesteinen aufgebaut, eine entsprechende Mannigfaltigkeit der Oberflächenformen zeigt und, um als landschaftlich schön bezeichnet werden zu können, nur des Waldmantels großenteils entbehrt.
Die Bahn führt von Mukden südostwärts, schneidet die Kohlenbahn nachFushun(S.325), dann über (47 M)Penchihu, eine ruhige Kleinstadt mit Kohlenfeldern in der Nähe, tritt ins GebirgeFöngschuilingmit sehr malerischer Landschaft zwischen (58 M)Chiaotouund (84 M)Lienshankuan; 16 km westl. davon der im Kriege hart umstrittene PaßMotienling.—In (98 M)Tsaohokou(Gasthöfe:Nisshin, japanisch, teuer; außerdem ein chinesischer, beide mäßig) bleibt der Zug liegen bis zum nächsten Morgen, dann über (120 M)Chiumuchuangund (136 M)Chikuanshanin steilem Gelände nach (150 M)Fenghuangcheng, Stadt mit 8500 Einw., in deren Landschaft man den vielgipfeligenPhönixberg(Fenghuang = Phönix) erblickt.—Bei (172 M)Wulungpeiwerden heiße Quellen passiert, dann erreicht man (186 M)Shahochen, chinesische Stadt mit 21490 Einw., und daneben, nur durch einen Graben von der alten Stadt getrennt, (189 M)Antung(Anju,Ngantung), die neue japanische Hafenstadt mit 5264 Einw., am r. Ufer, 8 km oberhalb der Yalu-Mündung; der Hafen wird von Dschunken und kleinen Küstendampfern viel besucht. Gasthöfe:Kikuya Hotel;Gempokan;Yokohama Specie Bank.Konsulate: Amerika, England und Japan sind vertreten. Chinesische Zollstation. Aus dem waldigen Hinterland werden auf dem Yalu große Mengen Holz herabgeflößt; Antung ist der Sitz derYalu Timber Co.(japanisch-chinesischer Betrieb).—Das Flußgebiet des Yalu (Japan. Amunyoku Kan) ist mit Urwald bestanden und 90 km aufwärts von Antung bis Chanson (Changseng) für Küstendampfer, 370 km aufwärts bis Maserhshan trotz Stromschnellen für kleine Dschunken schiffbar.
Von Antung nach Söul.Die Koreanische Staatsbahn (Expreßzug nur an bestimmten Tagen, mit Speisewagen, Fahrpreis Antung-Söul etwa 20 Yen; koreanische Bahnzeit ist 30 Min. später als südmandschurische, vgl. S.324), die dem japanischen Generalgouverneur in Söul unterstellt ist, führt von Antung (s. oben) über die neue Yalu-Brücke nachShin-Gishu(New Wiju) am l. Yalu-Ufer, Stadt mit etwa 15000 Einw., davon1/3Japaner; Handel mit Goldsand, Fellen und Ginseng (Kraftwurzel); Hafen für Küstenfahrzeuge; in der Nähe Goldwäschereien. BeiPingyang(Phyöngyang), Provinzialhauptstadt mit 43000 Einw., am r. Ufer des hier nur für kleine Fahrzeuge schiffbaren Taitongkang; von hier Zweigbahn nach dem SeehafenChinampoan der wattenreichen Mündung des Taitongkang mit etwa 1000 Einw., dem Fremdhandel seit 1897 geöffnet, aber von geringer Handelsbedeutung; japanische Dampferlinien nach koreanischen, japanischen und nordchinesischen Häfen.—Die Hauptlinie führt überKaisengundLungshannach (312 M von Antung)Söul(S.333).—HandAnschlußstreckeSöul-Fusannebst Dampferanschluß nachShimonosekis. S.337.
Ankunft zur See.VonTschifu(S.278) kommend, fährt man an Weihaiwai (S.278) vorbei und dann auf die bis 125 m hohen Inseln zu, die der koreanischen Küste auf etwa 371/2° nördl. Br. vorgelagert sind; man steuert dann durch schwieriges, klippenreiches Fahrwasser zwischen vielen Inseln hindurch auf die Reede, wo die großen Dampfer etwa 4 km sw. vom Hafen ankern, während kleine im innern Hafen nicht weit von der Landungsbrücke für die Boote ankern.
Man benutzt Sampan oder Dampfboot zum Landen, Preis etwa 1 Yen. Zollamt an der Landungsbrücke.Gasthöfe:Yinsen Club Hotel.—Steward Hotel.—Post u. Tel.—Rikschas, Tragstühle, Reitpferde sind zu haben. —Eisenbahnnach Söul, 7 Züge tägl. in 11/2St.; Bahnhof im europäischen Stadtteil am Hafen. Agent der Internationalen Schlafwagengesellschaft für die Sibirische Bahn:L. Rondon & Co.Dampfer:Hamburg-Amerika Linienur gelegentlich.—Nippon Yusen Kaisha14tägig über Fusan, Nagasaki nach Kobe und nach Tschifu.—Andre japanische Dampferlinien nach Japan, Tschifu, Dairen, Port Arthur.—Agentur desNorddeutschen Lloydund derHamburg-Amerika Linieim Hause Karl Wolter & Co.Geldwie in Japan, vgl. S.342.Banken:Karl Wolter & Co., Korresp. der Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Chartered Bank of India, Austr. & China.—Hongkong & Shanghai Banking Co.—Sprache: s. S.330.EnglischesMissionshospitalund japanischeKrankenhäuser.—Größtes Handelshaus ist die deutsche FirmaKarl Wolter & Co.—Tschimulpo Club.
Tschimulpo(Japan.Chemurupo], als Seehafen für die Hauptstadt Söul die wichtigste Hafenstadt Koreas, ist seit dem russ.-japanischen Kriege bedeutend gewachsen und hat jetzt etwa 30500 Einw. (15000 Koreaner, 13100 Japaner, 2000 Chinesen, 50 Europäer), ist seit 1883 dem Fremdhandel geöffnet und war vorher ein armseliges Fischerdorf. Jetzt sind hier eine japanische, eine chinesische sowie eine internationale Niederlassung im Aufblühen. Letztere ist die größte, sie nimmt einen Teil der Wasserseite, wo der Bau eines mit Schleuse geschlossenen Hafenbeckens geplant ist, sowie das ganze Hinterland ein; hier liegt auf einem Hügel mitten in schönen Gartenanlagen das schloßartige Haus des Hrn. Wolter, Chefs des HandelshausesKarl Wolter & Co., sowie das neue stattliche Haus eines Engländers. Von der Höhe *Aussicht auf Stadt und Hafen. Die Umgebung ist gebirgig, doch gut bebaut. Die Flußfahrt nach Söul ist langwierig, doch stellenweise sehr malerisch. Etwa 10 km sö. von Tschimulpo liegt die alte StadtIntschön, deren Mauern aus der Zeit vor Christi Geburt stammen.
Eisenbahn Tschimulpo-Söul(11/2St. für I. 1,41, II. 0,94 Yen; Gepäck 15 sen für 20 Pfund, dann 5 sen für je 20 Pfund mehr). Abfahrt vom Hafenbahnhof in Tschimulpo; Hst.Saalijam SO.-Ende der Stadt, hinter der französischen Kirche, für das koreanische Viertel. Dann Fahrt durch die Ebene überPup-hyöngnach (30 km)Eitoho, wo r. die Südkoreanische Bahn (S.336) nach Fusan abzweigt. Hinter (34 km)Nodolauf einer Brücke mit 10 Bogen über denHangangfluß. —(37 km)Yungsan, wichtiger Flußhafen, mit katholischer Kirche; dann mehren sich die Dörfer, die Bahn läuft in die Hauptstat.Nandaimunam Südtor und weiter zur (42 km) Endstat.Saidaimunam Westtor, dicht an der Stadtmauer von
Söul(sprich schaul, ssaul oder siul), d. h. Hauptstadt, japanischKeijo, chinesischWangking.
Gasthöfe:Sontag Hotel, in der Legation Street, nahe den Konsulaten und gegenüber dem Club; 25 Z., französische Küche, Pens. 7-8 Yen.—Astor House Hotel(früher Station Hotel), am Bahnhof; 20 Z., Pens. 61/2-8 Yen.
Post u. Tel.japanisch.—Rikschas(50 sen stündl.), Sänften, Reitpferde sind zu haben.—Straßenbahnen: 1. Von der Westvorstadt durch die Hauptstraße und das Osttor zum Grabe der Kaiserin; 2. Von Tjongno nach Ryong-san.—Eisenbahnen: nachTschimulpo(s. oben); Südbahn nachFusan750 km; Nordbahn über Pingyang nach Antung (S.332) mit Anschluß an die Mukden-Antung-Linie der Südmandschurischen Bahn (S.324) und damit an die Sibirische Bahn (S.316). Bester Reiseweg für Japanreisende, die das Seefahren nicht vertragen und auf diesem Wege, indem sie von Söul mit Bahn weiter bis Fusan (S.336) fahren, nur die kurze Überfahrt von Fusan nach Shimonoseki,etwa 7 St. Seefahrt, durchzumachen brauchen. Im Bau Zweigbahnen nachKunsanpoundMokpoin Südwestkorea sowie die strategische Linie Söul-Gensan (Wönsan). Geplant ist eine Querbahn von Pingyang nach Gensan. —Geldwie Japan (S.342).—Banken:Bank von Korea, mehrere japanische. —Sprache: S.330.—Konsulate:Deutsches Reich, Generalkonsul Dr. Krüger.—InternationalerClub.— JapanischesKrankenhaus.—Zeitung: »Seoul Preß« (Regierungsorgan). —Europäische Geschäfte und Agenturen.
Söulist seit 1394 Hauptstadt und geistiger Mittelpunkt Koreas; es liegt auf etwa 37,5° nördl. Br. (wie Sevilla), etwa 4 km nördl. vom rechten Ufer des Hangang in einer kesselförmigen Mulde und ist von Bergen bis zu 800 m Höhe eingeschlossen, auf deren Abhängen sich die mächtigen steinernen Stadtmauern von mehr als 20 km Länge hinziehen. Innerhalb der Stadtmauern erhebt sich der steile, 400 m hoheNordberg(Puksan) und der 260 m hohe, dichtbewaldeteSüdberg(Namsan), an dessen Fuß das japanische Stadtviertel liegt. Außerhalb der 8 Tore von Söul liegen noch große Vororte. Die Stadt ist sehr weitläufig gebaut, zwei Hauptstraßen führen von N. nach S. und von O. nach W. hindurch. Die Stadt hat 230939 Einw. (davon 35000 Japaner, 2000 Chinesen und 100 Europäer). Das Klima ist kontinental, bis 36° C im Sommer, -15° C im Winter; beste Jahreszeit zum Besuch sind Frühjahr und Herbst, da dann auch die Landschaft besonders schön und regenfrei ist.—Rundfahrt.Man besichtigt zunächst bei der Einfahrt vom Bahnhof die mächtigeStadtmauernebst Torpagode des Südwesttors mit tiefer Torwölbung. Von dem Platz, auf dem der Himmelsaltar (Wenku) steht, gelangt man zumNeuen Kaiserpalast, mit Seitenflügeln, zwischen denen die Anfahrtstraße zum Haupteingang liegt; die Stirnwand hat 3 Torbogen, vor denen 2 riesige, bizarre Steinlöwen stehen; das geschwungene Dach hat dunkelgrüne Ziegel; im innern Hof l. ein Gartenpalast, r. Beamtenwohnungen (Adelsgenossenschaft).—Man fahre dann an den Häusern der fremden Gesandtschaften vorbei zum Westtor, bei dem nördl. derMaulbeerpalast(Kjenghökung) steht, 1616 erbaut, jetzt eine ausgebrannte Ruine.—Von da durch die östl. Hauptstraße zumGlockenpavillon Tjongno, dessen Glocke 1396 gegossen wurde und seitdem abends und morgens das Schließen und Öffnen der Stadttore ankündete; die Glocke hat etwa 3 m Durchmesser und 31/2m Höhe. Der Glockenpavillon liegt in der Mitte der Stadt im koreanischen Geschäftsviertel; dort sind große Basare und die besten Kramläden. In der Nähe die alte weißeMarmorpagodemit 13 Stockwerken (14. Jahrh.) und im Hofe eines Hauses ein alter Grabstein auf dem Rücken einer Schildkröte.—Dann folgt man der östlichen Hauptstraßebis zum AhnentempelHtaimyo, biegt dann l. und gelangt zum*Alten Kaiserpalast(Tschyangkekkung), dessen riesige Anlage sich bis zu den Hügeln beim Nordtor ausdehnt und viele prächtige Granitbauten in einem schönen Park enthält (zum Besuch vorher Erlaubnis durch den deutschen Konsul auswirken); der Palast ist der glänzendste Bau rein koreanischen Stils und enthält eine prachtvolle Audienzhalle, einen schönen Thronsaal und geschmackvolle Pavillons an den Lotosteichen des Parks. In dem Kiefernpark wurde auf einer Stelle, die einem Musikpavillon ähnelt, die Leiche der von den Japanern ermordeten Kaiserinmutter 1895 verbrannt.— Nö. vom Alten Palast liegt der 1764 erbaute TempelKyengmokungund nördl. von diesem der aus dem 14. Jahrh. stammendeKungfutszetempel(Munmyo Munsyeng Wangmyo), mit uralten Bäumen im Hofe.—In wenigen Minuten gelangt man nun zum prächtigen Nordosttore der Stadt, vor dem in dem BonzenheimHöngtyenin einem Nebensaale sehenswerte Gemälde der buddhistischen Hölle (myeng pu tyen) sind.—Nur wenig weiter liegt das Grabmal einer Königin,Tjöngröng, die 1396 starb und 1409 dort beerdigt wurde, ein merkwürdiger Bau in schöner Lage.—Außerhalb der Stadtmauern liegen viele Königsgräber in entzückender Landschaft. Sehr lohnend ist ein Ausflug (3 St.) auf der westwärts laufenden Südmauer der Stadt bis an ihren höchsten Punkt; dort *Aussicht über Stadt, Gebirge und bis Tschimulpo.
Ausflügein die landschaftlich reizvolle Umgebung zu Pferde, besonders nach den fünf Präfekturfestungen, werden sehr empfohlen. NachPukhanetwa 12 km nördl. vom Westtor; nachKwangdschu(Zitadelle vonNamhan) etwa 25 km sö. vom Südosttor von Söul auf einem Berge, 1626 erbaut, mit neun Klöstern kriegerischer Bonzen, einem Königspalast, verschiedenen Yamen und Tempeln. Man braucht 2 Tage, übernachte (gegen Geldgeschenk) in einem der gastfreien Klöster.Der Ausflug in die*Diamantbergeerfordert etwa 8-14 Tage Zeit, Ausrüstung mit Reitpferd und etwa 2 Packpferden nebst Führer und Mundvorrat, Bettzeug etc. (Nach Fertigstellung der südl. Bahnstrecke der Linie Söul-Gensan benutze man diese bis Kimsöng.) Man reitet auf der großen Landstraße, die von Söul nordostwärts nachGensanführt (Bahn im Bau), am 1. Tage 50 km bisYongpöng, am 2. Tage etwa 60 km bisKimsöng(d. h. Goldstadt), ein verfallener Ort. [Von hier 30 km wnw. lag das GoldbergwerkTangkukaeeines deutschen Syndikats in waldigen, wasserreichen Bergen, seit 1906 wieder aufgelassen.]—Von Kimsöng wende man sich zu Fuß östl. in die Berge über mehrere steile Pässe zum reißenden FlußThaetsingang, dann im Tale von dessen Nebenfluß nach NO.; bald führt ein schmaler Felspfad über eine Bergkette und wieder hinab in ein enges Tal, bis man auf dessen Paß die gewaltige Bergmasse der Diamantberge von Korea, mit dem höchsten GipfelKimkangsan(1830 m), erblickt, zu denen man auf ausgetretenen, aber doch oft schwierigen, von vielen Pilgern besuchten Felspfaden gelangt. Mehr als 100 buddhistische Tempel und Pagoden sind auf den Hängen und in den Tälern der Diamantberge, meist in sehr malerischer Lage. Die koreanischen Mönche, die dort teils als Einsiedler, meist aber in großen Klöstern hausen (sie griffen 1592 zu den Waffen und halfen die Japaner aus dem Lande schlagen), sind sehr gastfrei (aber arm und anspruchslos) und dienen gern als Führer. —Von Kimsöng bis zum KlosterTschanganso(Tempel des ewigen Friedens) kann man Packpferde mitführen. Dort übernachte man und klettere am nächsten Morgen (in starken koreanischen Leinenstrümpfen mit zähen Bastschuhen und festem Bergstock) mit Führern am Bergstrom bergauf, zum Teil an fast senkrechten Felswänden empor und am KlosterPiohunsa(Tempel der Erklärung der Gebote) vorbei.
An der Felswand hoch über dem Weg haust in einem Tempelchen eine alte Nonne. Nach 3 St. Steigen gelangt man zu einem Kloster im Urwald. Bei einer Lichtung sieht man eine Buddhafigur an hoher Felswand, aus dem Felsen herausgehauen. Bald erreicht man den 1340 m hohen Kamm der Kette, der 790 m über dem Kloster Tschanganso liegt; einige felsige Kuppen in der Nähe sind noch höher. Wunderbare *Aussichtbis zum Japanischen Meer und über die Gebirgsketten. Anstrengender Abstieg durch prächtige Eichen-und Buchenwälder, vorbei an einem buddhistischen Friedhof in einer runden Lichtung, in dessen Nähe das größte und älteste Kloster *Yüchömsa(Tempel der Ulmenberge) liegt, wo man übernachtet.—Am 5. Tage auf bequemem Wege zurück nachTschanganso, am 6. nachKimsöng, am 8. oder 9. nachSöul.—Auf Gasthofsverpflegung muß man in dieser wilden Natur verzichten. (Nach Dr.O. Franke.)
Japan und Korea.
Mit derSüdkoreanischen Bahn(Fusanbahn) nachFusan, 445 km, Fahrzeit etwa 10 St., Fahrpreis I. 14,70, II. 10,29 Yen, gute Expreßzüge mit Speisewagen.—Von Fusan mitDampferder japanischen Staatsbahnen nachShimonoseki, täglich früh und abends, 122 Seem., Überfahrtszeit 7-10 St.; große, bequeme Schiffe, direkter Anschluß. —Söul-Shimonoseki, Fahrzeit 22 St.; Fahrpreis I. 26,70, II. 17,29 Yen; Söul-Kobe, Fahrzeit 37 St. für I. 32,70, II. 21,79 Yen; Söul-Tōkyō, Fahrzeit 53 St., für I. 41,98, II. 26,46 Yen. Rückfahrkarten für diese Strecken 20 % weniger als das Doppelte.
Von Söul (Saidaimun, s. S.333) führt die Bahn über (12 km)Eitoho(Abzweigung der Linie nach Tschimulpo, s. S.333), (50 km)Suigen, ummauerte Stadt am Fuße bewaldeter Hügel, (93 km)Seikwan, mit Schlachtfeld aus dem japanisch-chinesischen Krieg von 1894; hinter der Stadt setzt die Bahn auf 116 m langer eiserner Brücke über den Anjogawa, weiter über (211 km)Shinsen, Sommerfrische mit 72 m hohem, schmalem Wasserfall, erreicht in (243 km)Shufureiden höchsten Punkt im Gebirge, dann (323 km)Taiku, große ummauerte Stadt mit etwa 46000 Einw. (davon 1000 Japaner).— Weiterhin folgt (428 km)Sanroshin.
Zweigbahnüber den breiten FlußRakutōkonach (24 km)Masanpho(japanischer Gasthof), wichtigem, im Ausbau begriffenen japanischen Kriegshafen mit Marinewerft, Trockendocks, mit etwa 40000 Einw., in einer malerischen Förde, von Bergen umschlossen, mit vorzüglicher Reede.
Die Hauptlinie erreicht (445 km)Fusan(Pusan), den zweitwichtigsten Seehafen Koreas mit 46000 Einw. (die Hälfte Japaner);Hotel Oike,Hotel Fusan, in beiden Pens. etwa 6 Yen; zwei japanische Banken. Japanische Dampferlinien nach Shimonoseki, Nagasaki, Wladiwostok, koreanischen und nordchinesischen Häfen. Das deutsche Handelshaus Karl Wolter & Co. ist in Fusan vertreten; außerdem viele japanische, chinesische und einzelne europäische Firmen. In der japanischen Stadt Militärhospital, PT. Fusan ist mit saubern Straßen gut angelegt, mit Wasserleitung, elektrischer Beleuchtung, schönen Läden, großen Reisspeichern versehen und besitzt ein sehenswertes *Handelsmuseum. Ein Telegraphenkabel führt nach der japanischen Insel Kyūshū. Der Hafen ist durch Inseln geschützt, im Binnenhafen sind Anlegebrücken für die Postdampfer. Ausfuhr umfaßthauptsächlich Reis und Bohnen. Das Klima ist sehr gesund, die Temperatur schwankt zwischen 35° und-5° C; Taifune sind selten. Fusan ist beliebt als Seebad. Die bergige Umgegend ist sehr malerisch; 2 km nördl. von der Stadt liegt nahe der Bahn beiFusan-Chinein ummauertes koreanisches Schloß aus dem 17. Jahrh.
Von Fusan nach Shimonoseki(Dampferverbindung vgl. S.336) läuft der Dampfer mit osö. Kurs quer durch die 120 Seem. breiteKoreastraße, die Verbindungsstraße zwischen Japanischem und Ostchinesischem Meer, passiert r.Maru saki, das Nordende der bis 666 m hohen InselgruppeTsushima, in deren Nähe 27. und 28. Mai 1905 die russische Flotte vom japanischen Admiral Togo fast völlig vernichtet wurde, und erreicht nach 7-10stündiger Fahrt (122 Seem.)Shimonoseki(S.355).
Das KaiserreichJapanim äußersten Osten Asiens, dasNipponoderNihonder Japaner, bei Marco PoloZipangugenannt, chines.Dschipönnkwo, das »Land der aufgehenden Sonne«, erstreckt sich in einer langen, aus drei großen Bogen mit 3850 großen und kleinen Inseln und Klippen bestehenden Reihe zwischen den verhältnismäßig flachen ostasiatischen Randmeeren und dem rasch zu außerordentlich großen Tiefen (bis 8500 m) absinkenden Stillen Ozean über 30 Breitengrade, von Formosa bis Schumschir, der nördlichsten der Kurilen. Die Inselreihe gliedert sich in sechs Gruppen: 1)Alt-Japanzwischen Colnett-und Tsugarustraße, in ältester ZeitŌ-yashima(»die großen acht Inseln«) genannt, die Inseln Hondo (Honshū), Kyūshū, Shikoku, Awaji, Sado, Okishima, Iki und Tsushima umfassend. 2) Die InselYezo(Yeso), seit der RestaurationHokkaidōgenannt, nördl. von Hondo zwischen der Tsugaru-und der Lapérousestraße. 3) DieKurilen(Japan.Chishima, »Tausendinseln«), 36 größere Inseln zwischen Yezo und Kap Lopatka. 4) DieRyū-kyū-Inseln(Luchu,Liukiu), amtlichOkinawa, zwischen der Colnettstraße und der Insel Formosa. 5) Die InselTaiwanoderFormosa(S.245) und diePescadores(S.245). 6) DieBonininseln, jetztOgasa-wara-shimagenannt, im Stillen Ozean. Hierzu kommen seit 1905 die HalbinselKwangtungmitDairen(Dalny) und Port Arthur, die südliche Hälfte vonSachalin, sowie neuerdingsKorea. —Die Gesamtfläche des Landes beträgt 454868 qkm (Deutsches Reich 540742 qkm).—Für den Besuch seitens der Weltreisenden kommt im allgemeinen nur der Süden und die Mitte von Alt-Japan, bis nordwärts zur Mitte von Hondo, in Betracht. Auf diese allein bezieht sich daher die nachfolgende kurze Schilderung der Landesnatur. —Alt-Japan ist ganz vorwiegend ein Gebirgsland von sehr mannigfaltiger Gesteinszusammensetzung u. sehr verwickeltem Bau, der schon in der unregelmäßigen und zerrissenen Gestalt der Inseln zum Ausdruck kommt. An dem Aufbau des Landes haben außer Massen-und Schichtgesteinen aller Altersstufen auch jungvulkanische Ablagerungen einen bedeutenden Anteil, Vulkankegel beherrschen im mittlern Hondo die Landschaft. In dem vulkanischen Gürtel, der den Stillen Ozean umgibt, bildet Japan ein wichtiges Glied mit etwa 20 ab und zu noch tätigen und Hunderten von erloschenen Vulkanen. Von erstern liegen Asotake und Kirishima (Ausbruch 1896) auf Kyūshū, Asamayama, Shirane-san und Bandaisan im mittlern Hondo, Komagatake auf Yezo. Zu den erloschenen oder ruhenden gehören viele Gipfel auf Hondo, wie der berühmteFuji-no-yama, dessen beschneiter Gipfel in die Lüfte ragt (S.384).Erdbebensind sehr häufig und ein Zeichen dafür, daß die Verschiebungen in der Erdrinde, denen auch die Vulkane ihr Dasein verdanken, hier am Außenrande des asiatischen Festlandsockels noch fortdauern.