Bei der großen Abhängigkeit derPflanzenweltvon den Niederschlägen könnte eine Karte der Niederschlagshöhen Indiens beinahe auch zur Darstellung der wechselnden Üppigkeit des Pflanzenkleides dienen. Eigentlichen tropischen, immergrünen Regenwald tragen nur die Westghats (s. S.42die Bemerkungen über die Tropen). Das Innere des Dekhans und dessen Ostabfall sind schon mehr steppenartig und großenteils von lichtem Wald und von Grassavanne überzogen. Hier begegnet man Wäldern ausTeakbäumen, die in der Trockenzeit blattlos stehen, und Hainen der schönenPalmyrapalmen. Üppiger ist die Vegetation wieder in Assam und in Bengalens Niederungen, die großenteils von dichtem, teilweise sumpfigem Wald bedeckt sind, demJungle(Dschangel). In diesen Gebieten wuchert derLotosin den Gewässern und wächst derBanyanfeigenbaum, der aus seinen Ästen rings Luftwurzeln zur Erde sendet und dadurch allmählich einen Säulenhain um sich herum aufbaut, sowie sein Verwandter, derBobaum, ersterer den Brahmanen, letzterer den Buddhisten heilig. In Hindostan wird das Pflanzenkleid westwärts immer spärlicher, die laubabwerfenden Bäume nehmen immer mehr zu, und das Punjab gehört schon ganz dem vorderasiatischen Trockenraum an:Dattelpalme,MangobaumundGummiakaziesind seine Charakterbäume, die lange Dürrezeiten zu überstehen vermögen, in denen sonst alles oberirdische Pflanzenleben abstirbt. Nur in der Regenzeit bedeckt hier frisches Grün die weiten Ebenen, deren Kultur zum großen Teil nur durch künstliche Bewässerung möglich ist. Das untere Indusgebiet ist sogar großenteils gänzlich wüstenhaft und vegetationslos (Wüste Thar). Eigentliche Höhenzonen der Vegetation sind nur im Himalaja vorhanden, wo hinter einem Sumpfgestrüppsaum, dem Tarai, die untersten 1000 m von tropischem Regenwald bedeckt sind, der in den Flußtälern auch tief ins Gebirge eindringt. Darüber folgt bis 2500 m der schönste Teil des Himalajawaldes, ein äußerst mannigfaltig zusammengesetzter tropischer Gebirgswald, in dessen Gebiet unter anderm auch Simla und Darjeeling liegen. Ihm schließen sich bis 3700 m hinauf nichttropische Wälder an, dann die Zone derAlpenrosen(Rhododendren) und Alpenkräuter bis zur Montblanchöhe, und dann erst beginnt der ewige Schnee. Der Artenreichtum der gesamten indischen Flora wird auf etwa 20000 geschätzt.Die hauptsächlichstenCharaktertiereVorderindiens:Elefant,TigerundPfau, sind Bewohner der Urwälder und Dschangeln, die auchAffen,TapirundWildschweine, verschiedeneWildrinder,Fasanen, zahlreichePapageienarten, in Südindien außerdemNashornvögelundHalbaffen(Makis) beherbergen. In den Savannen und lichten Wäldern des Dekhans streifen dasNashorn, verschiedeneAntilopenarten, diegestreifte Hyäne, derLippenbärund dasSchuppentierumher. In den Gewässern hausenKrokodileundGaviale. Zahlreich sind dieSchlangen, namentlich die Giftschlangen (Brillenschlange!) des Dekhans, an deren Biß jährlich etwa 12000 Menschen zugrunde gehen. DerLöwekommt nur noch in den Gebirgen des Indusgebietes vereinzelt vor.DieBevölkerungist so dicht wie kaum sonst in einem großen Ländergebiet der Erde, China und Westeuropa ausgenommen. 1901 lebten im eigentlichen Vorderindien auf 3,5 Mill. qkm etwa 280 Mill. Menschen, d. h. 81 auf 1 qkm (Europa ohne Rußland: 4,4 Mill. qkm, 300 Mill. Einw., etwa 70 auf 1 qkm). Die Volksverdichtung Vorderindiens würde aber viel höher sein, wenn nicht selbst jetzt noch, unter der geordneten Verwaltung der Engländer, Pest, Cholera und Hungersnöte (letztere hervorgerufen durch die namentlich im Nordwesten öfters ausbleibenden Regenzeiten und darauffolgende Mißernten) alljährlich zahlreiche Opfer forderten.Trotz der Abgeschlossenheit der Halbinsel, die von zwei Seiten durch schwer überschreitbare Gebirgszüge, von den beiden andern durch inselarme Meere isoliert ist, ist die heutige indische Nation aus sehr mannigfachen Bestandteilen erwachsen, die größtenteils durch die einzige Zugangsstraße zu Lande, die Kabulpforte im NW., eingedrungen sind; erst seit dem 15. Jahrh. kamen sie übers Meer herüber (Portugiesen, Franzosen, Engländer).
Zu Beginn der geschichtlichen Zeit kam um 2000 v. Chr. das Viehzüchter-und Kriegervolk derArier, die Träger der Sanskritsprache, aus Iran ins Indusgebiet, und ihnen sind im Laufe von vier Jahrtausenden noch viele Völkerwellen—Perser, Griechen, Skythen, Araber, Afghanen, Turktataren —gefolgt. Aber schon die Arier fanden sowohl im Indusgebiet als auch im Gangestal, in das sie vom 14. Jahrh. v. Chr. an vorrückten, zahlreiche ältere Völkerschaften vor, die sie großenteils in die Himalajawälder und ins Dekhan verdrängten. Heute ist daher die Völkergruppierung im wesentlichen die folgende: das ganze Indus-und Gangesgebiet und das nordwestliche Dekhan nehmen dieHinduein, die im Tropenklima schlaff und weichlich gewordenen und stark mit andern Völkerstämmen vermischten Nachkommen der alten Arier. Den Südostteil der Halbinsel bewohnen dieDrawidaoder Südindier, häufig auch nach einem ihrer HauptstämmeTamulengenannt; sie sind länger in Indien heimisch als die Arier. Eine noch ältere Völkerschicht stellen dieMundavölkerin der Nordostecke des Dekhans und dem angrenzenden Stück des Gangestales dar, die noch heute auf ziemlich primitiver Kulturstufe leben, und einige Naturvölker Südindiens, besonders dieTodaim Nilgirigebirge um Ootakamund (S.130).MongolischeVölkerstämme, Verwandte der Tibeter, wohnen im Himalaja, sowohl im W., in Kulu und Spiti, wie namentlich im O., in Nepal, Sikhim und Bhutan. Bei einem Ausflug nach Darjeeling kann man sie kennen lernen.Unter den außerordentlich mannigfaltigen Erscheinungsformen der indischen Halbkultur treten besonders dasKastenwesenund diereligiösen Verhältnissein den Vordergrund. DieKasten, die auf die Berufsteilung und auf die Rassenunterschiede zurückgehen, sind unzählige, vom Brahmanen, dem Angehörigen der einstigen arischen Herrenschicht, bis zum verachteten Paria. Äußerlich unterscheiden sich die Kasten durch gewisse Abzeichen in der Tracht. Viel stärker als die Kasten machen sich die religiösen Gegensätze im Volksleben wie in den Volkstrachten bemerkbar. DieReligionsgeschichteIndiens ist so reich, wie wohl die keines andern Landes der Erde. Am weitesten verbreitet ist heute derBrahmanismusoder richtiger der Neu-Brahmanismus (Hinduismus). Die Idee des Brahma, der Weltseele, geht auf den in den Veden niedergelegten Dämonen-und Naturgötterglauben der alten Arier zurück. Diese Vedenreligion ist einerseits zu einem hochstehenden philosophischen System weitergebildet worden, anderseits aber durch Aufnahme immer neuer Ideen aus den religiösen Vorstellungen der ältern Volksstämme Indiens, wozu namentlich der Seelenwanderungsglaube und die Verehrung von Wischnu und Schiwa und ihrer Gemahlinnen Lakschmi und Kali zu rechnen sind, zu dem heutigen Hinduismus herabgesunken, der sich scheinbar ganz in Äußerlichkeiten, Prozessionen zu den prächtigen Tempeln, religiösen Aufführungen, Bajaderentänzen, Wallfahrten zum heiligen Gangesflusse, Fakirtum, erschöpft und in zahlreiche Sekten zerfällt. Indien ist ferner um 500 v. Chr. die Geburtsstätte desBuddhismusgeworden, der aber nach 1200 Jahren dem ältern Brahmanismus wieder hat weichen müssen; nur Tempel- und Klosterruinen halten die Erinnerung an seine indische Blütezeit wach. Bis heute hat sich dagegen derIslamerhalten, der in Nordwestindien über 60 Mill. Bekenner zählt, und in Bombay und Umgegend die an Mitgliederzahl (etwa 95000) kleine, aber einflußreiche Sekte derParsen, d. h. der Anhänger der Lehren Zoroasters (vgl. S.61). Mohammedaner wie Parsen unterscheiden sich von den Hinduisten scharf durch ihre Kopfbedeckungen, die Mohammedaner durch den Turban, die Parsen durch ihre hohen schwarzen Glanzstoffhüte.Wirtschaftliche Verhältnisse.Die Nahrung der indischen Eingebornenbevölkerung ist fast ausschließlich vegetabilisch, und so ist auch der Bodenbau die Grundlage von Indiens Reichtum.Reis,Weizen,HirseundSorghumsind die wichtigsten angebauten Nahrungspflanzen.
Davon werden die beiden letztgenannten im Lande verbraucht, während der Reis, die Hauptfrucht des östlichen, besonders des nordöstlichen Indiens (Bengalens und Assams), und der Weizen, der besonders im nw. Trockengebiet und den angrenzenden Teilen des Dekhans und des Gangestales angebaut wird, auch in großer Menge ausgeführt werden. Wichtige Zweige der Bodenkultur gelten den Genußmittel liefernden Pflanzen, nämlich demMohn(zur Opiumgewinnung) und dem neuerdings in Assam mit großem Erfolg eingeführtenTeestrauch. Noch weit bedeutungsvoller ist aber der Anbau von Industriepflanzen, nämlich derBaumwollein größern Teilen des Dekhans und des Indusgebiets und derJutepflanzeim untern Gangestal und einigerÖlpflanzen. Jute und Baumwolle und die daraus hergestellten Waren stehen in der Ausfuhr mit mehr als 1 Milliarde Mark Wert an erster Stelle. Ein nicht geringer Teil der Baumwolle und Jute wird nämlich im Lande selbst verarbeitet, die Baumwolle in Bombay, die Jute in und bei Calcutta; beide Industrien beschäftigen zusammen etwa 400000 Arbeiter, und wenn man von Malabar Hill auf den Fabrikteil Bombays herabblickt, kann man sich nach Manchester versetzt glauben.—DieTierzucht(hauptsächlich Büffel und Buckelrind; das Schwein wird von allen Indern verabscheut) liefert große Mengen Häute sowie die berühmte Ziegenwolle aus Kaschmir.Gegenüber den Produkten der Landwirtschaft treten die desMineralreichesin bezug auf volkswirtschaftliche Bedeutung stark zurück; es werden Gold, Steinkohlen, Manganerze und Petroleum gewonnen sowie Edelsteine, während die früher beträchtliche Diamantengewinnung jetzt nur noch sehr geringfügig ist.
Staatswesen.DasBritisch-ostindische Kaiserreichumfaßt an unmittelbaren Besitzungen 2815743 qkm mit 232 Mill. Einw. Die einheimischen Staaten (zus. 1759556 qkm mit 62 Mill. Einw.) sind Vasallen-, Schutz-oder Bundesstaaten; die wichtigsten: Kashmir mit Baltistan, Sikhim, die Fürstentümer der Rajputen und der Mahratten, Hyderabad, Baroda, Mysore, Cochin etc. Die allgemeine Aufsicht des indobritischen Reiches führt (mit Ausnahme von Ceylon, das einen eignen Gouverneur hat) der Generalgouverneur (Vizekönig) in Delhi, dem ein Ausführender und ein Gesetzgebender Rat zur Seite stehen; die Präsidentschaften Madras, Bombay und Bengalen stehen unter selbständigen, nicht vom Vizekönig ernannten Gouverneuren mit besondern Gesetzgebenden Räten, die vereinigten Provinzen von Agra und Audh, das Punjab, Birma und die neue Provinz Behar unter stellvertretenden oder Lieutenant-Governors, endlich die Zentralprovinzen, die nw. Grenzprovinz, Assam, sowie die Andamanen und Nikobaren unter Oberkommissaren.—Armee73668 Mann englische und 166090 Mann einheimische Truppen, außerdem 190000 Mann militärisch organisierte Polizei.Geschichtliches(vgl. auch S.47). DieEuropäerbegannen in Vorderindien alsbald nach Auffindung des Seewegs nach Ostindien (1498) festen Fuß zu fassen. Zahlreiche Forts und Faktoreien wurden an den Küsten Indiens durch die Portugiesen gegründet, die gegen Ende des 16. Jahrh. durch die Holländer und Engländer verdrängt wurden. Letztere stifteten 1600 dieEnglisch-Ostindische Kompanieund kämpften seit dem 18. Jahrh. mit den Franzosen und den einheimischen Fürsten um die Herrschaft in Ostindien. Lord Clive begründete durch den Sieg bei Plassey (26. Juni 1757) über den Nabob von Bengalen die britische Macht in Ostindien. Die englische Macht wuchs dann durch die Kämpfe mit den Mahratten (seit Ende des 18. Jahrh.), die 1818 mit deren Ruin endigten. Ende 1843 wurde auch der Maharadscha Sindiah unterworfen. Das Reich der Sikh im Punjab wurde 1845-46 erobert. Der Aufstand, der im Mai 1857 unter den Sepoys zu Meerut ausbrach und, von den Mohammedanern genährt, sich rasch verbreitete, ward nur durch die größte Energie und Grausamkeit der Engländer bewältigt. Im September wurde Delhi, im März 1858 Lucknow, im Dezember Audh wiedererobert und im Februar 1859 der Aufstand unterdrückt. Schon vorher war 1. Nov. 1858 die Ostindische Kompanie aufgelöst und Ostindien unter Verwaltung der Krone genommen worden.
Der Vizekönig Lord Lytton proklamierte 1. Jan. 1877 in Delhi die Erhebung zum Kaiserreich Indien und begann 1878 Krieg mit Afghanistan, in dem ein Grenzstrich am Chaiberpaß erworben wurde. 1886 kam Birma hinzu.Reiseliteratur für Indien:Katharina Zitelmann, Indien (Leipzig 1905);Dahlmann, Indische Fahrten (Freiburg 1908);Eustace Reynolds-Ball, The Tourist's India (London 1907);Murray, Handbook for Travellers in India, Burma and Ceylon (7. Aufl., London 1911);O. Kaufmann, Aus Indiens Dschungeln (Leipzig):H. Zache, Mit dem Kronprinzen durch Indien (Berlin 1911);Winternitz, Geschichte der indischen Literatur (Leipzig 1909);Fergusson, History of Indian and Eastern Architecture (London 1910);Havell, Ideals of Indian Art (London 1911).Reisen in Indien.BesteReisezeit, s. S.2.Reiseausrüstungwie für jede Tropengegend. Vm. Leinen-oder Rohseideanzug u. Tropenhelm, nach 4 Uhr leichter wollener Jackettanzug und Strohhut, abds. Frack oder Smoking; schwarzer Rock und Zylinder sind nicht gebräuchlich. Für Winterreisen ins Innere sind dicke Überröcke nötig, dazu wasserdichte Reitmäntel. Man beachte, daß der Abendtau die Kleidung naß macht, und daß Nächte und Morgen kalt sein können, wenn auch der Tag heiß war. Im südlichen Indien und an der Küste genügt leichtere Kleidung; Anzüge erhält man billig und gut überall von tüchtigen Schneidern und in guten Geschäften für europäische Bedürfnisse. Für Gebirgsreisen ist wollenes Unterzeug und lange wollene Leibbinde (»Kummurbund«) unentbehrlich. Derbe Reithosen nicht vergessen; Tropenhelm ist überall in indischen Häfen zu haben. In Ceylon ist leichteste Kleidung erforderlich, nur in den Bergen ist es kühl. Bettzeug (ein Kopfkissen, zwei Steppdecken nebst Laken sowie einige warme Decken, das Ganze in wasserdichtem Sack verpackt) muß man stets mit sich führen, auch auf der Eisenbahn (Razais, s. S.16) und wenn man Bekannte besucht. In den Gasthäusern und den Dâk Bungalows im Innern findet man meist gar kein oder unsauberes Bettzeug. Wegen der Feuchtigkeit schimmeln verpackte Gegenstände leicht, das gesamte Gepäck, Kleidung, Wäsche, Bettzeug, Schuhzeug, muß also oft in der Sonne an trockenen Tagen gelüftet werden, Vorräte und Medikamente etc. müssen luftdicht verpackt sein. Auch Bücher und Papiere sehe man gelegentlich nach, damit sie nicht schimmeln. Moskitonetz findet man in den meisten Hotels und Bungalows vor.Geld.Goldwährung; Einheit ist dieRupie, 1,33-1,38 Mark. 15 Rupies = 1 £ = 20,40 M. 1 Rup. = 16 annas; 1 anna = 12 Pie (= 4 Pice). Silbermünzen zu 2, 4, 8 annas und 1 Rupie. Nickelmünzen zu 1 anna (etwa 8 Pf.), Kupfermünzen zu 1 Pie, 1 Pice (1/4anna),1/2anna. Goldmünze (Pfund Sterling) kann nur in größern Geschäften gewechselt werden. Der Gold-Mohur (= 16 Rup.) ist nur noch im Sprachgebrauch (wie die englische Guinea) vorhanden. Banknoten zu 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Rupies gibt es von Bombay, Calcutta, Madras und Rangoon, deren Noten über 50 Rupies meist nur in der betreffenden Provinz ohne Abzug genommen werden. Man lasse sich bei größern Summen nur die jetzt für ganz Indien gültigen Banknoten mitrotemAufdruck,payable at any office, geben!—Kreditbriefe(Letters of credit,circular notes), zahlbar beiThos. Cook's Offices, sind für Reisende sehr bequem (vgl. auch S.7); sie werden von Cook's Banking Department (London, Ludgate Circus) ausgegeben. Die Agenturen wechseln indisches Geld.Zoll.Eigne Kleidung ist frei; sonst zahlt alles, auch Bettwäsche und Handtücher, photographische Geräte nebst Zubehör etc., etwa 5 Proz. vom Werte (in Bombay); Sportswaffen 10 Proz.; Tabak, Wein etc. wird ebenfalls höher verzollt; Opium 12 Rupien das Pfund.Eisenbahn.Das Bahnnetz ist weit verzweigt, das Reisen trotz der großen Entfernungen bequem und billig. Man sei mindestens 10 Min. vor Abfahrt zur Stelle; auf einigen Hauptstationen sind die Schalter den ganzen Tag offen zum Verkauf von Fahrkarten und zur Gepäckaufgabe.
Man benutze stets den neuesten Fahrplan, da häufig Änderungen in den Zeiten und Wegen eintreten. Am besten sindNewman's Indian Bradshaw(9 annas), erscheint monatlich neu; fernerIndian ABC-GuideundIndian Railway Traveller's Guide; sie geben auch Auskunft über Fahrposten und andre Fahrgelegenheiten sowie über Flußdampferfahrten und andres mehr.EinenPlatzim Zuge bestelle man sich, besonders für Nachtfahrten, schon einen Tag oder an der Abgangsstelle des Zugs mehrere Stunden vor Antritt der Reise beim Stationsvorsteher; auf Zwischenstationen so frühzeitig, daß telegraphische Bestellung bei der AbgangsstellevorAbfahrt des Zugs noch möglich ist. Am Zuge weist der Stationsvorsteher (station master), nicht der Schaffner, die Plätze an. Wenn man zu viert reist oder vier Fahrkarten I. Kl. bezahlt, kann man ein Abteil für sich haben, in II. Kl. zu sechs. Die Abteile I. Kl. haben geräumige Längssitze und Liegestätten (2 obere, 2 untere), II. Kl. hat noch eine Mittelbank; Waschraum etc. ist neben jedem Abteil I. und II. Kl. Es gibt Damenabteile (Ladies only) I. und II. Kl. in allen Schnellzügen und vielen andern Zügen. In Schnellzügen dürfen Reisende I. Kl. drei eingeborne Diener, solche II. Kl. zwei Diener zum Preise III. Kl. in besondern Räumen mitführen. Alle Wagen sind hoch und luftig, mit Doppeldach und Jalousiefenstern. Für richtiges Aussteigen muß man selbst sorgen, die Stationen werden nicht ausgerufen, die Türen auch nicht überall geöffnet. Die Sicherheit des Reisenden und seines Gepäcks ist so gut wie in Deutschland.Eisenbahnzeit(Indian Standard Time) geht 41/2St. vor gegen mitteleuropäische Zeit, 39 Min. vor gegen Bombay-Ortszeit, 9 Min. vor gegen Madras-Ortszeit, 24 Min. nach gegen Calcutta-Ortszeit.Man achte also auf die Bahnhofsuhren!Die Eisenbahngesellschaften und ihre Fahrpläne rechnen den Tag (wie in Italien) zu 24 St., von Mitternacht zu Mitternacht gezählt (also 12 Uhr ist Mittag, 24 Uhr ist Mitternacht).Fahrkarten.Gültigkeitsdauer für Strecken bis 25 M (40 km) 2 Tage, bis 300 M (483 km) 4 Tage, bis 450 M (724 km) 9 Tage, bis 600 M (966 km) 12 Tage, bis 750 M (1207 km) 15 Tage und auf größern Strecken 18 Tage.Außer den einfachen Fahrkarten gibt es zusammengestellteFahrscheinhefte (Specimen Tours)mit zweimonatiger Gültigkeit, die Fahrtunterbrechung an allen interessanten Plätzen unterwegs gestatten. Bei gewöhnlichen Fahrkarten (single journey tickets) ist Fahrtunterbrechung nur für einen Tag für je 100 M (161 km) und auch nur an Orten, die mindestens 101 M vom Abfahrtsort entfernt sind, erlaubt; deshalb sollten sich Vergnügungsreisende stets vonCooks Reisebureauein Fahrscheinheft (Specimen Tours) zusammenstellen lassen, weil sie dann billiger reisen, als wenn sie abschnittweise die Fahrkarten von Ort zu Ort (wo längerer Aufenthalt geplant ist) nehmen.Gepäck.Jeder Reisende hat in I. Kl. 11/2maund (etwa 56 kg) frei, in II. Kl. 30 seers (etwa 28 kg). Überfracht kostet zwischen Bombay und Calcutta über Delhi etwa 15 Rup. das maund (für je 37 kg), über Nagpur nur 7 Rup. 6 annas, zwischen Bombay-Delhi, Bombay-Madras, Delhi-Calcutta etwa 71/2Rup. Schweres Gepäck, Deckstühle etc. übergebe manCookzur Versendung als Frachtgut (etwa halber Preis). Gepäck, das man unterwegs nicht braucht, kann gleich bis zur Endstation aufgegeben werden und lagert dort frei, solange der Fahrschein gültig ist; später kostet Tag und Stück 4 annas Lagergeld. Gepäckaufbewahrung für kurze Zeit auf Zwischenstationen übernehmen die Stationsvorsteher gegen Gepäckschein.Handgepäck.Erforderlich für längere Fahrten sind ein wasser-und staubdichter Sack mit Bettzeug (weil Nachtfahrten oft sehr kühl sind), wollene Decken, eine seidene Decke und ein »Razai« (Baumwollsteppdecke, als Matratze dienend, zu 6 Rup., einige weiße Laken und Handtücher, Kopfkissen aus Leder mit Überzug; gesamte Reisebettausrüstung ist in den größern europäischen Geschäften der Hafenstädte für 20-25 Rup. zu kaufen); sehr zu empfehlen ist die Mitnahme von Mundvorrat in geschlossenem Frühstückskorb (tiffin basket), auch Rotwein, Sodawasser, einer Flasche mit abgekochtem Wasser zum Mundspülen (in den Zügennichtzu haben), Kognak und Teekocher oder kaltem Tee sowie Körbchen mit Früchten, denn nur die Schnellzüge (mail trains) haben zuweilen Speisewagen.
Für alle Züge geben die Fahrpläne die Aufenthaltsorte für Frühstück und Mittagessen an, aber die Bahnhofswirtschaften (refreshment rooms) sind nur auf Hauptlinien gut, sonst oft schlecht und gesundheitsgefährlich; rohe Milch sollte man stets selbst abkochen. Mahlzeiten bestelle man in den Bahnhofswirtschaften telegraphisch (gratis) beim Zugführer, Schaffner oder Bahnhofsvorsteher voraus, da bei großem Andrang diese Wirtschaften nicht genügend vorbereitet sind; meist wird einige Stationen vorher angefragt, ob Vorausbestellung gewünscht wird.Gepäckträgererhalten etwa 2 annas für nicht schweres Gepäck.DieGasthöfesind in letzter Zeit besser geworden, auch in kleinen Orten findet man jetzt meist gute Hotels. Man erkundige sich unterwegs bei europäischen Geschäftsreisenden, die das Land öfters besuchen, welche Häuser zurzeit am besten sind. Das Reisen ist in Indien nicht unverhältnismäßig teuer, aber man braucht viel Fahrgelegenheit, weil vieles Gehen in der Hitze gesundheitsschädlich ist.DieUnterkunftshäuserfür Reisende (Dâk Bungalows) in den Dörfern gehören der Regierung; man erkundige sich vorher, ob sie frei sind, meist muß man nach 24 Stunden seinen Platz an Neuankommende abgeben; einzelne haben einen Wärter, der gute Verpflegung (Tee und Eier fast stets vorhanden) liefert sowie Beleuchtung, aber manche sind fast leer und ohne Bedienung.EinReisediener(Boy) muß mit Sorgfalt, womöglich durch Vermittelung des Konsuls oder eines Reiseagenten (S.54), am besten durchCookoder den Hotelmanager ausgewählt werden und zuverlässige Zeugnisse beibringen; man miete nur nach genauer Prüfung des Dienstbuches, gebe außer 10 Rup. für Kleidung keinen Gehaltsvorschuß und nur Geld für kleine Auslagen, die der Boy billiger als man selbst macht. Auch als Dolmetscher muß der Boy dienen. Gute Boys, die Englisch, Singhalesisch, Tamulisch, Hindostanisch und Malaiisch sprechen, sind kaum unter 11/2Rup. tägl. zu haben; es empfiehlt sich (außer wenn man besonders zufrieden ist), den jeweiligen Boy in Indien, Ceylon, Birma, Siam etc. zu entlassen, um Reisekosten (hin und zurück für den Boy) zu sparen. Der gewöhnliche Monatslohn ist 35-40 Rup., worin Selbstbeköstigung inbegriffen, dazu beim Dienstantritt 10 Rup. für »warme Kleidung«. Fahrkarte für den Boy auf den indischen Bahnen kostet ein Viertel der Fahrkarte I. Kl.; Heimreise muß ihm voll gezahlt werden. Einzelne gewandte Reisende mit nicht zu hohen Ansprüchen sehen neuerdings vom Mieten eines Boys ab; sie helfen sich für Gepäck etc. mit den in allen Hotels herumlungernden Boys, die gegen kleines Trinkgeld sehr dienstwillig sind und meist auch etwas Englisch verstehen. Nach Erfahrung einzelner Reisenden sind die Fremdenboys »eine dauernd auf den Geldbeutel ihrer Herren schielende, mit allen Hunden gehetzte Tagediebkaste« — also ist Vorsicht mit ihnen geboten. Bei gutem Dienst verspreche man ein Extrageschenk zum Schluß. Diener aus dem Innern (Up-country servants) sind oft zuverlässiger und billiger als die der Hafenstädte; doch die Madras-Boys gelten als die besten in Indien. Hat man solchen sprachkundigen Eingebornen als Diener, kann man mit englischen Sprachkenntnissen überall auskommen. Den vollen Lohn zahle man erst bei der Entlassung.DieVerpflegungist in Indien meist nicht gut, der Genuß frischer Milch und Butter ist gefährlich, Wasser muß filtriert und abgekocht werden (Filter allein genügt nicht!). Abseits von Hauptreisewegen führe man stets gut gefüllten Eßkorb (tiffin basket, in allen Ausrüstungsgeschäften zu haben) und Sodawasser mit, vgl. oben.
Bombay.
DieLebensweisesoll in allem mäßig sein; nicht zu viel Schlaf; gymnastische Bewegungen zur Förderung des Blutumlaufs nicht versäumen, aber nur morgens vor der großen Hitze; früh aufstehen, zeitig zu Bett. Morgenspaziergänge und -ritte sind am besten, abends kann man sich im starken Tau leicht erkälten. Nach den Mahlzeiten ruhe man! Man bade täglich, aber nie mehr als zweimal. Wollene Leibbinde sollte man namentlich nachts tragen; sie schützt gegen Darmerkrankungen. Nachts schlafe man in Nachtanzug (Pyjamas) aus Rohseide oder leichtem Wollen-oder Baumwollenstoff und nie auf fremden Matratzen oder Kissen ohne reine Bezüge. Man hüte sich vor Zugwind, weil Europäer in Indien viel unter Rheumatismus zu leiden haben, und sitze nicht im Abendtau im Freien! Nicht zu schwere Fleischkost, nicht viel Bier, überhaupt wenig Alkohol. Unreife Früchte und rohe Früchte, deren Wirkung man nicht kennt, saure Weine, auch rohe indische Austern, trotzdem sie wohlschmeckend sind, sollte man stets meiden. Sehr stärkend für den Magen ist der indische Curry mit Reis, auch wenn er dem, der ihn noch nicht aß, zu scharf schmeckt. Sekt auf Ei (»Scrupkin«) wird als Mittel gegen Dysenterie empfohlen. Durchfall soll man nicht gleich stopfen, sondern nur durch Diät (nur Reis essen und gekochtes Reiswasser trinken!) mildern; wo ein Arzt ist, ziehe man ihn rechtzeitig zu Rate, weil er die klimatischen Einflüsse zu beurteilen versteht; auch Verstopfung nicht vernachlässigen! Tee genügt als Stimulans völlig.Landreisensind auf Hauptstraßen im Anschluß an die Bahn mit Postwagen (Dâk) oder andern ortsüblichen Fuhrwerken ausführbar. Die eigne Verpflegung nehme man mit, für die Eingebornen ist fast in jedem Dorfe das Nötigste zu haben. Moskitonetz; übrige Ausrüstung dem Reiseziel anpassen. Chinin ist nötig. Als Vorbeugungsmittel wird Chinin in größerer Dosis (bis zu 1 g) an zwei aufeinanderfolgenden Tagen wöchentlich oder jeden fünften Tag1/2g zu nehmen empfohlen; kleine Dosen täglich sind unwirksam. Während Fieberanfall nehme man Phenazetin nach ärztlicher Vorschrift.—Empfehlungsbriefean englische Beamte oder Klubs und an Radschas sind nützlich und bei Reisen in Birma unentbehrlich.Gefahren für Reisende.Bisse wilder Tiere(Pariahunde, Schakale) muß man, falls Wutverdacht vorliegt, im Pasteur-Institut in Kasauli nahe bei Kalka (S.75) und in Coonoor (Nilgiris) behandeln lassen. In Bombay wird ein Pasteur-Institut eingerichtet. —Schlangen (namentlich Cobras, Brillenschlangen) zeigen sich gelegentlich (auch noch auf Malabar Hill in Bombay), Europäer verscheuchen die Tiere aber meist durch das Geräusch ihrer Schuhe. Schlangenbisse werden ähnlich wie Kreuzotterbisse behandelt: man verhüte, daß das Gift zum Herzen gelangt, durch Abschnüren des gebissenen Gliedes; die Wunde öffnen, ausbluten lassen, auswaschen mit Lösung von übermangansaurem Kali oder (falls dies nicht zur Hand ist) mit heißem Eisen oder Pulver ausbrennen, dazu tüchtig Bewegungen machen, Alkohol trinken etc., um das Gift »auszuschwitzen«. Als Gegengift erhält man in Indien »Calmette's Antivenene Serum« oder Chlorpastillen. — Skorpionbisse sind schmerzhaft, aber selten gefährlich; man wasche sie mit Ammoniak oder Essig aus.—Bestreichen mit Eukalyptusöl schützt vor den wegen Malaria-Ansteckung gefährlichen Moskitostichen, die man auch mit Ammoniak oder Essig behandelt.Krankheiten, denen Reisende in Indien ausgesetzt sind: Cholera (Ansteckung meist durch Wasser); Verstopfung (man nehme Cascara-Tabletten); Durchfall (nie vernachlässigen); Dysenterie; Malariafieber; Augenentzündung; Typhus; Geschlechtskrankheiten. —Die Pest (engl.plague) ist fast überall in Indien heimisch, tritt unter den Eingebornen mehr oder minder stark auf, im März am schlimmsten. Europäer bleiben ziemlich verschont, wenn sie nicht in nahe Berührung mit dem Volke kommen. Die religiösen Feste der Hindus tragen viel zur Verbreitung der Pest bei.
Vgl. den beifolgenden Plan.
Ankunft zur See.Die meisten Dampfer ankern auf der Reede; Reisende werden mit Dampfboot gelandet. Zolluntersuchung in der Halle bei der Landungsbrücke. Schußwaffen, auch gebrauchte, zahlen hohen Zoll (s. S.49), wenn man sie nicht im selben Jahre schon in Indien verzollt hat. Der Zoll wird bei der Abreise gegen Vorzeigen der Quittung (Receipt) zurückerstattet. Meist erhält man schon auf dem Dampfer oder im Zollamt ein Formular, in das jeder Reisende Zahl der Gepäckstücke, Inhalt und Wert anzugeben hat. Wenn das schwere Gepäck innerhalb 24 St. nicht untersucht ist, wird es nach dem städtischen Zollamt (Town Custom House; C4) gebracht. 5 St., nachdem die Ankunft eines P. & O.-Dampfers signalisiert ist, gehen Schnellzüge für Durchreisende nach dem Osten ab.—Beauftragte der bessern Hotels sowie von Thos. Cook & Son kommen mit den Zollbeamten an Bord und übernehmen Aufträge zur Besorgung des Gepäcks. Falls der Dampfer nachts ankommt, bleibt man am besten bis Tagesanbruch an Bord.HandMan hüte sich vor aufdringlichen Agenten unbekannter Firmen!Gasthöfe:Taj Mahal Palace Hôtel(Pl. e, C5), erstklassiges Prachthotel (meist deutscher Direktor) mit europäischer Einrichtung, der größte und schönste Gasthof in Indien, elektr. Licht, Fahrstühle etc.; 400 Z., Pens. (bei 7 Tagen Aufenthalt) von 10 Rup. an.—Majestic(Pl. e, B5), Wodehouse Road, 95 Z., Pens. 10-25 Rup., modern eingerichtet.—Great Western Hotel(Pl. b, C4), Apollostraße; bequem; Fahrstuhl, elektr. Licht.—Apollo Hotel(Pl. c, B5), Colaba Causeway, nahe dem gleichnamigen Bootshafen. —Die größern Gasthöfe habenBars, an denen man Bier erhält.Restaurants:Victoria Station Restaurant, im Hauptbahnhof.—W. B. Green & Co.—The Apollo Hotel Restaurant(Pyrke).—The Majestic(gegenüber Apollo Hotel).—Mongini, Church Gate Street.—Cornaglia, Konditorei, Meadow Street 83.Diener.Je nach Bedürfnis nimmt man sofort nach Ankunft einen Diener (Boy), jeder Europäer in Bombay hat ihn; Gehalt vgl. S.51. Doch können Reisende in Bombay ohne Diener durchkommen, je nach Ansprüchen auf Bequemlichkeit. Über Annahme etc. vgl. S.51(wichtig!).Post, Telegraph, Telephon(B4) neben dem Victoria Terminus (Hauptbahnhof) und in der Esplanade Road, etwa 10 Min. sw. vom Hauptbahnhof. EinPost Office Guideund einIndian Telegraph Guide(zu je 4 annas) sind bei jedem Amt zu haben.Wagen und Droschken:Man frage den Hotelportier, wieviel man zahlen soll, weil die Tarife zuweilen unverständlich sind. DieAutodroschken(Taxicabs) haben Fahrpreisanzeiger.Straßenbahnenwerden von Europäern wenig benutzt; ihre Endpunkte sind Colaba Station und Sailors Home am Südende der Stadt; sie laufen bis zum Nordende der Stadt, über Grant Road, nach Parell und nach den Docks.Eisenbahnen.Zwei Hauptlinien: 1) DieGreat Indian Peninsula Railway(G. I. P.) vom Hauptbahnhof Victoria Terminus (C3) für Fahrten nach Allahabad, Cawnpore, Lucknow, Agra und Delhi, Benares, Calcutta, Poona, Hyderabad, Madras und nach dem Süden. Schnellzüge nach Calcutta via Jubbulpore in 46 St., via Nagpur in 48 St.—2) DieBombay, Baroda & Central Indian Railway(B. B. & C. I.), von Colaba Station (B5) für Fahrten nach Ahmedabad, Ajmer, Jaipur, Agra, Delhi, Lahore und nach dem Norden, hat mehrere Bahnhöfe in Bombay; Reisende, die nahe dem Fort wohnen, benutzenChurch Gate Station(B4) oderColaba Station(B5); die auf Malabar Hill oder in Byculla wohnen, benutzenGrant Road Station. Man erhält Rundreisekarten bei Thos. Cook & Son, s. S.54.Dampfer:Österreichischer Lloyd, Agentur: W. Denso (Telegrammadr.: »Lloydiano-Bombay«, Church Gate Street 50; nach Triest jeden Monat zweimal (Mai bis August nur einmal) in 16 Tagen; ferner nach Colombo, Penang, Singapore, Hongkong und Schanghai monatl.—Messageries Maritimes, alle 4 Wochen nach Marseille, Agentur: Hornby Road, Albert Buildings; beide Gesellschaften haben gemeinschaftliche Rückfahrkarten (S.9).
—Peninsular & Oriental S. N. Co.(P. & O.), Agentur: 3 Rampart Row; jeden So. nach Brindisi und London, 14tägig nach Colombo, China, Japan und Australien; ähnlichEllerman LineundAnchor Line.—Società Nazionale di Servizi Marittimi, Agentur Hornby Road 59, nach Neapel und Genua.—British India S. N. Co., Agentur: Mackinnon, Mackenzie & Co., Ballard Road; wöchentl. nach indischen Küstenhäfen, Calcutta, Karachi, dem Persischen Golf, Birma und der Ostküste von Afrika.—Deutsche Ostafrika-Linie(Hamburg), Agentur A. Strandes, 14tägig nach Ostafrika (Daressalam etc.).—Fahrpläne geben die Tageszeitungen.Bankgeschäfte:Hongkong and Shanghai Banking Corporation Ltd., Church Gate Street 40;—Chartered Bank of India Australia & China Ltd., Elphinstone Circle, gegenüber Telegraphenamt. —National Bank of India Ltd.(Korr. der Deutschen Bank und der Allgem. Deutschen Creditanstalt in Leipzig), Rampart Row;—Mercantile Bank of India, Esplanade Road; alle Korr. der Berl. Disconto-Gesellschaft.Sprache.Englisch wird in allen Hotels, auch in den meisten Rasthäusern (Dâk Bungalows) gesprochen. Von den vielen neuindischen Sprachen, die in den verschiedenen Gebieten Vorderindiens gesprochen werden, ist dasHindostanioderUrdudie verbreitetste; es ist ein Hindudialekt mit vielen persischen und arabischen Beimischungen, auch einigen malaiischen, portugiesischen und englischen Wörtern. Grammatik und Wörterbuch vonForbes(London 1855 und 1846) gelten noch jetzt als beste Sprachführer. Zum Gebrauch für Reisende genügt aber der »Hindustani Manual for Beginners« (Times of India-Press, Bombay), der viele Wörter und Sätze enthält; ferner: »Marlborough's Hindustani Self Taught« (2 Rup. 4 annas); »How to speak Hindustani in a Month« (1 Rup.).—Betreffs der Aussprache englisch geschriebener geographischer Namen sei bemerkt, daß u im allgemeinen wie a gesprochen wird: Kalkatta (geschrieben Calcutta), Dschamna (geschrieben Jumna), Lackno (geschrieben Lucknow) etc.Reisebureaus, Agenten.Norddeutscher Lloyd:Thos. Cook & Son.—Hamburg-Amerika Linie, Volkart Brothers. —Thos. Cook & Son(B4), Esplanade Road 13 (Lesezimmer); geben »Cooks India. Information for Travellers landing at Bombay and Calcutta« mit Angaben über Reisewege und Fahrpreise heraus, ein sehr nützliches Heft. Fahrkarten sind oft für die Bahn billiger und schneller in Cooks Office zu haben als auf den Bahnhöfen. Cook gibt auch Hotelcoupons, für ganz Indien gültig, aus, seine Fahrkarten können getauscht oder zurückgegeben werden. Es empfiehlt sich, Briefe aus der Heimat an Cook schicken zu lassen, der sie dem Reisenden nach Verabredung nachschickt (Deutsch wird aber im Bureau nicht gesprochen!).—Reiseagenten, die Reise-und Geldgeschäfte, auch eingeborne Diener besorgen, Briefe nachsenden etc., sind:Latham & Co.(empfohlen), Apollo Street;King King & Co., Standard Buildings, Hornby Row;Grindlay, Groom & Co., Hornby Road. (Vorsicht ist bei Agenten geboten!)Konsulate:Deutsches Reich(B5), Konsul Dr. Heyer.—Österreich-Ungarn(B5), Konsul Graf Thurn.Polizei(Police Courts; C3) gegenüber dem Victoria-Bahnhof. Polizeiwache neben Apollo Hotel. Polizeipräsidium gegenüber Crawford Market.Bäderin allen Gasthöfen. Seewasserbäder zum Schwimmen inBack Bay(B5) undBreach Candy(im NW.); Badezeit im Hotel erfragenÄrzte:Dr.Alphons Mayr(Deutscher), Konsulatsarzt, Roosevelt House, Apollo Reclamation (gegenüber Taj Mahal Hotel), zu empfehlen.—Zahnärzte: Dr.Barr, Mayo Road; Dr.Davison, Landsdowne Road.Apotheken:Thompson & Taylor, Esplanade Road;Kemp & Co., Elphinstone Circle (C4), Sassoon House und im Taj Mahal Hotel.Buchhandlungen:Taraporevala, Meadow Street;Thacker & Co.; Esplanade Road (B4);—Combridge & Co., Esplanade Road.—Presse:The Times of India;The Bombay Gazette;Advocate of India(Abendblatt).
Photographien:Metzker(Deutscher, gelobt), Hornby Road, Whiteways Building.—Bourne & Shepherd, Esplanade Road 18, liefern Films und Platten jeder Art;—Clifton & Co.(Mitbesitzer: Schultz), Meadow Street, sprechen Deutsch.Geschäftsadressen.Indische Kuriositäten:Tarachund, Meadow Street;—Ramswamy, ebenda;—Hurjimuliund in den Läden in der Kalbadevi Road und deren Nebenstraßen. —Reiseausrüstung:Army & Navy Stores;Badham & Pile;Asquith & Co.;Whiteway, Laidlaw & Co.;Hoar & Co.; sämtlich Esplanade Road.Vergnügungen, Theater(nur zeitweise):Royal Opera House, Queens Road;Gaiety TheatreundNovelty Theatre(BC 3), nahe Victoria-Bahnhof. —Native Theatre(A1), Grant Road.—Öffentliche Musikan bestimmten Tagen im Yacht Club und am »Bandstand« (Musiktempel); Sa. in Byculla, Victoria Gardens; ebendaBotanischerundZoologischer GartenundMuseum.Klubs, Vereine:Deutscher Klub, Kennedy Sea Face.—Byculla Club, Bellasis Road, Byculla, mit Schlafgelegenheit.Bombay Club, 26 Esplanade.—Yacht Club, Apollo Bandar (C5).—Bombay Gymkhana and Golf Club, Esplanade Road.—Ladies' Gymkhana, The Ridge, Malabar Hill, abds. sehr besucht.Zeiteinteilung.1. Tag Vm.: Wagenfahrt Fort, Europäerstadt und Native Town (Eingebornenstadt), bequem in 4-5 St. zu durchfahren; Nm. 2 Uhr: Mit Cooks Dampfer (s. S.61) nach Elephanta, zurück 7 Uhr;—2. Tag Vm.: Wagenfahrt nach Malabar Hill zu den Türmen des Schweigens (71/2-9) mit Eintrittskarte vom Hotelportier; Nm.: Native Town-Basar »shopping« und Wagenfahrt nach Victoria Gardens und Museum. Abendspaziergang zum Studium des Volkslebens gegen 6 Uhr;—3. und 4. Tag: Ausflug nach Ellora (S.61);—5. Tag früh: Autofahrt nach Mahim und Vehar Lake. Weitere Ausflüge s. S.62.Geschichtliches.Bombay wurde 1530 vom Sultan Balladur, dem König von Gujarat, an die Portugiesen abgetreten, die dort eine befestigte Handelsfaktorei einrichteten. Bei der Heirat Karls II. von England mit der portugiesischen Infantin Katharina ging Bombay als Mitgift an die englische Krone über, wurde aber schon 1668 der Ostindischen Kompanie gegen einen Pachtschilling von 10 £ jährlich übergeben. Diese Kompanie verstand die günstige Lage des Platzes zu würdigen und auszunutzen; schon 1686 wurde der Sitz der westlichen indischen Statthalterei aus Surate nach Bombay verlegt, gleichzeitig Postamt und Münze errichtet. Durch geschickte Maßregeln, Zoll-und Religionsfreiheit für die Ansiedler, Ausbau des Hafens entwickelte sich der Platz und übertraf schließlich den alten Handelsplatz Surate bedeutend. Im 19. Jahrh. bewirkte die Steigerung der Baumwollausfuhr infolge des nordamerikanischen Sezessionskrieges schnelles Aufblühen Bombays. Seit Eröffnung des Suezkanals ist Bombay die zweite Handelsstadt Indiens geworden, hat aber seit 1896 durch Mißernten und Pest gelitten.DasKlimavon Bombay ist in der Trockenzeit nicht so heiß wie in andern indischen Plätzen. Der SW.-Monsun (Regenzeit) setzt etwa in der zweiten Juniwoche ein, der Regen dauert regelmäßig bis Ende September. Mai und Oktober sind die heißesten Monate, aber auch dann wird die Hitze durch kühle Seebrise gemildert, anderseits macht sie sich infolge der großen Luftfeuchtigkeit und der geringen nächtlichen Abkühlung oft fühlbarer als im Innern des Landes. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 26,3° C, zwischen 23,6° im Januar und 29,2° im Mai. Die mittlere jährliche Regenmenge beträgt 1880 mm, wovon 1800 mm allein in der Zeit von Juni bis Ende September fallen.
Bombay, nach der Göttin Mumba benannt, wichtigster Seehafen der indischen Westküste und Hauptstadt der gleichnamigen Präsidentschaft des britisch-indischen Kaiserreichs, unter 18° 55' nördl. Br., liegt auf der 55 qkm großen InselBombay, die durch einen schmalen Sund von den InselnSalsetteundTrombaygetrennt ist; von Bombay führen zwei Eisenbahnbrücken und eine Straßenbrücke (Sion Causeway) über diesen Sund. Der Ghodbandar-Fluß trenntdie Salsette-Insel vom Festlande. Die Südküste der Bombay-Insel ist tief eingebuchtet; die malerische, aber seichteBack Bay, mit gefährlichen Riffen, begrenzt die eigentliche Stadt Bombay nach W.;Malabar Hill, der SW.-Zipfel der Insel Bombay, schließt die Back Bay nach NW. ab. An der Ostseite der Stadt liegt die Reede mit Ankerplätzen für die größten Schiffe, mit Hafenanlagen, Werften und Trockendocks. AmApollo Bandar(C5) ist das neue Europäerviertel; dort liegt der Yacht Club. Die Hauptgeschäftsstraße,Esplanade Road(B3, 4), trennt das (östliche) Geschäftsviertel,The Fort(BC3, 4) genannt, von den öffentlichen Gebäuden an der Westseite. Nördl. vomVictoria-Bahnhof(Terminus; C3) dehnt sich bis zu den FabrikvorstädtenMazagonundByculla, die dichtbevölkerte Eingebornenstadt (Native TownA-C1), aus. Nördl. davon liegt der VorortParel.—Der gesündeste und malerischste Vorort liegt aufMalabar Hill; dort ist das Villenviertel der Europäer und wohlhabender Eingeborner, in dessen Mitte die Türme des Schweigens (S.60) liegen. Nahe der Südspitze von Malabar Hill, aufMalabar Point, steht das Haus des Statthalters (Government House) neben dem heiligen Hindutempel vonWalkeshwar(S.60).—Küstenbefestigungswerke liegen aufElefanta, aufOyster Rocköstl. von Colaba, aufMiddle Ground Shoal, aufCross Islandund aufColaba Point; ferner im W. der Stadt beiMahalakschmiund aufMalabar Point(man hüte sich, in der Nähe der Festungswerke zu photographieren). Nö. von Malabar Hill, aufCamballa Hillund an dessen Seeseite,Breach Candy, liegen ebenfalls Villen.
Bombay hatte 1911: 972930 Einw. (davon 20000 Europäer, 50000 Parsen,2/3Hindu,1/5Mohammedaner). Die Industrie umfaßt Baumwollfabriken, Kunstgewerbe, Holzschnitzereien. Bombay ist Ausfuhrhafen für die Präsidentschaft Bombay und für das westliche Dekhan; die Ausfuhr umfaßt Baumwolle, Getreide (besonders Weizen) und Hülsenfrüchte, Ölsamen, Opium, Schafwolle, Häute und Felle; die Einfuhr Baumwollwaren, Wollen-und Seidenstoffe, Metallwaren, Glas, Porzellan, Leder, Zucker, rohe Seide, Tee u. a. Im Jahre 1909 liefen 897 Schiffe von 1963000 Registertonnen in den Hafen von Bombay ein.
Rundfahrt(zu Fuß gehen ist für den Europäer gegen die Sitte und wegen der Sonnenhitze gesundheitschädlich, man benutze die billigen Droschken; nur Abendspaziergänge sind üblich und nicht nachteilig). VorColaba Point, der Südspitze der Halbinsel, auf der die Stadt Bombay erbaut ist, sieht man auf einem Riff denProngs-Leuchtturm, der nachts ein weißes Blinkfeuer zeigt, das wichtigste Hafenfeuer für die Einsteuerung in den Hafen bei Nacht. Auf der äußersten Landspitze liegt der alte englische Kirchhof und nördl. von ihm ein Irrenhaus (Lunatic Asylum). Neben einem alten Leuchtturm steht östl. vom Kirchhofe das magnetische, astronomische und meteorologischeObservatorium. Folgt man der HauptstraßeColaba Roadnördl., so sieht man an beiden Seiten die Kasernen (Barracks) der europäischen Besatzungstruppen mit Familienwohnhäusern, Gärten und Schießplätzen; r. liegt eine Landungsbrücke (Pilots Bandar) für Lotsenboote sowie der Schuppen für das Rettungsboot.Dicht l. an der Straße folgt dann die hübscheSt. John's-Kirche(»Afghan Memorial Church of John the Evangelist«), zum Andenken an den Feldzug in Afghanistan (1838-43) erbaut; der Kirchturm ist zum Teil vom Parsen Cowasjee Jehangir 1864 gestiftet. Eine andre Stiftung der sehr wohltätigen und liberalen Parsen ist dasParsi-Sanatoriuml. am schmalsten Teile der Colaba Road, dicht an der Back Bay, mit Palmen umgeben. An dieser Stelle wird die Halbinsel plötzlich breiter; l. breitet sich das neue VillenviertelColaba Reclamationdicht am Meere aus, das durch die BrückeWodehouse Bridgemit Queens Road verbunden ist; r. von der Straße liegt dasSassoon Dock, das älteste künstliche Hafenbecken, jetzt fast nur zum Landen von Truppen benutzt. Daneben liegen Baumwollager, in denen die Baumwolle, zur Verschiffung in feste Ballen mit hydraulischen Pressen (bis zu 800 Ton. Druck auf jeden Ballen) zugerichtet, aufgestapelt liegt. Ein Baumwollballen hat über 100 Rup. (etwa 150 M.) Wert. Andre Fabriken und Warenlager liegen in der Nähe des Colaba-Bahnhofs, dessen Gleise bis zum Hafen führen. Colaba Station (B5) ist Endpunkt derBombay, Baroda & Central Indian Railway(S.53).—Nördl. von diesem Bahnhof heißt die HauptstraßeColaba Causeway; sie führt am Schuppen der Straßenbahn vorbei, wo der sehenswerte Baumwollmarkt (jährlich über 4 Mill. Zentner) abgehalten wird. L. am Nordende des Colaba Causeway stehen dasApollo Hotel(Pl. c) und dasMajestic Hotelan einem großen freien Platz mit dem neuenMuseumund den Standbildern desKönigs Eduard VII.(Pl. 13) und desKönigs Georg IV.Unweit davon in Wodehouse Road die römisch-katholische Kathedrale und der Wohnsitz des (deutschen) Erzbischofs Dr. Juergens, S.J.—R. dasRoyal Alfred Sailor's Home(BC5), Seemannsheim mit Schlafstätten, und einige noch freie Bauplätze, daran schließt sich dieMarinewerft(Dockyard, C5), 1767 vom Parsen Lowji Naushir begründet; hier wurden von parsischen Schiffbaumeistern und Zimmerleuten viele vorzügliche große Segellinienschiffe aus Teakholz erbaut; jetzt enthält die Werft 6 Docks und mehrere Schiffbauhelgen.— Eine Seitenstraße führt vom Seemannsheim sö. nach demApollo Bandar(C5), Bootsanlegeplatz mit Flutmesserhäuschen, vor dem dasHaus des Jachtklubs(C 5) mit Signalmast steht und vor dessen Strand nur Jachten ankern dürfen; an zwei Abenden der Woche versammelt sich dort bei Musik die »Gesellschaft« Bombays.—Vom Seemannsheim führt der Weg um den vorerwähnten Platz zurRampart Row, an deren SO.-Ende, Ecke der Marine Street, die 1818 erbaute schottischeSt. Andrew's Kirk(C4) steht. Daneben der ehemalige Eiskeller aus der Zeit, als das Eis noch in Segelschiffen von Nordamerika nach Indien gebracht wurde. Gegenüber der Rampart Row liegtSassoon's Mechanic's Institute(Pl. 14, B4), eine Gewerbeschule mit guter Bibliothek (auch für Fremde benutzbar), neben Watson's Hotel. Dicht dabei stehtElphinstone College(B4) zur höheren Bildung Eingeborner, nach dem berühmten Gouverneur Sir Mountstuart Elphinstone benannt und hauptsächlich von dem Parsen Sir Cowasjee Jehangir Readymoney gestiftet, mit Freistellen für begabte unbemittelte Schüler. Die Rundfahrt führt um das SüdendedesInstitute of Sciencein die Mayo Road, wo der erste Prachtbau r. in venezianisch-gotischem Stil dasPresidential Secretariat(B 4) ist, der Regierungspalast des Governor und der Members of Council, zugleich die Amtsräume der Finanz-und Rechtsverwaltung. Sw. davon liegt am Strande der Back Bay die Schwimmanstalt (B 5) und die Station für drahtlose Telegraphie; auf dem Platz in der Nähe ist eine Halle für die Musikkapelle, die hier abends spielt. Dahinter einige Sportklubs:Commercial Gymkhana,Princess Victoria Gymkhana,Japanese Club.—Der nächste Prachtbau neben dem Regierungspalast ist dieUniversität(University Hall, B 4), auch von Sir Cowasjee Jehangir gestiftet; ihr prächtiger Glockenturm (oben hübsche Rundsicht über Bombay) ist gestiftet vom Parsen Premchand Raichand und zum Andenken an dessen MutterRajabai Towergenannt; die Halle neben dem Turm enthält die Universitätsbibliothek. Diese »Universität« ist nur eine Prüfungsanstalt; Vorlesungen werden nicht gehalten; in den hübschen Gartenanlagen zwischen ihr und Esplanade Road sollen große Prüfungshallen erbaut werden.—Der nächste Prachtbau, in englischer Frühgotik, ist derHigh Court of Justice(höchster Gerichtshof, Pl. 6); hinter ihm liegt an der Esplanade Road der Bombayklub (S.55). Der nächste Bau in Mayo Road ist dasPublic Works Secretariat(Pl. 7), Regierungsamt für öffentliche Arbeiten (in der Nähe Standbilder von Sir Rich. Temple [Pl. 5] und Lord Reay [Pl. 4]), dessen Vorderseite nach der Querstraße Church Gate Street zeigt, an deren Westende dicht am StrandeChurch Gate Station, Verwaltungsgebäude und Bahnhof der B. B. & C. I.-Bahn, B 4) liegt. Folgt man nördl. der Mayo Road, so passiert man r. das altePostamt(Post Office, B 4) mit drei weiten Hallen in venezianisch-gotischem Stil (Hauptamt östl. vom Victoria-Bahnhof kürzlich fertiggestellt), dann folgt das modern-gotischeTelegraphenamt(Telegraph Office), vor dessen Nordende ein gutesMarmorstandbild der Königin Victoria(B3/4) von Noble steht, gestiftet von dem indischen Fürsten Khande Rao Gaekwar.—Nun fahre man die Esplanade Road südl. zurück bis zurFloral-Fontäne(Pl. 8), dann l. in die Church Gate Street bis zu dem PlatzElphinstone Circle(C 4) mit Gartenanlagen, vor derTown Hall(C 4), die große Versammlungsräume enthält, darunter einen für die wissenschaftlicheBombay Asiatic Society, mit großer, 10-5 Uhr auch für Fremde (mit Empfehlungen) geöffneter Bibliothek und Museum mit Gemälden und Standbildern verschiedener Governors. DieAnthropological SocietyundBombay Geographical Societysind mit der Bombay Asiatic Society verbunden. Auch Konzerte finden in der Town Hall statt.— Gegenüber der Town Hall liegt dieKathedrale,Cathedral of St. Thomas(Pl. 9, C 4), erbaut 1718; im Schiff historische Gedenksteine: für den Governor Duncan; für Kapitän Hardinge, der 1808 in einem siegreichen Seegefecht fiel; für Oberst Campbell, der die Festung Mangalur monatelang gegen Tippu Sahibs Übermacht hielt; für den Admiral Sir Frederic Maitland, der Napoleon I. auf dem Bellerophon nach St. Helena brachte, u. a.—Nahebei in der Apollo Street Nr. 6 das kleine Museum derNatural History Society. Südl. neben der Town Hall dasZollamt(C 4), wohl das älteste GebäudeBombays, das 1665 noch portugiesische Kaserne war. Dicht nördl. von der Town Hall dieMünze(The Mint, C4); daneben an der Ballard Road ist dasHafenamt(Port Trust, C4) mit Signalmast und vor diesem die alte Landungsbrücke (Ballard Pier, C4); dort werden Sturmsignale und andre Hafensignale gegeben, die am Centre Dock-Signalmast am Victoria Dock wiederholt werden. Nördl. von Ballard Pier wird ein riesiges neues Hafenbecken,Alexandra Docks, ausgeschachtet.—Vor der Münze liegt ein rundes Süßwasserbecken, südl. davon die alteZitadelle(The Castle, C4), von der nur noch die Seeseite erhalten ist; auf dem Uhrturm fällt täglich 2 Uhr indischer Einheitszeit (Indian Standard Time) der Zeitball zum Uhrvergleich für Schiffe und Stadt. Mit dem Castle verbunden ist einArsenal(C4), Zeughaus mit Waffensammlung. Nun zurück durch Church Gate Street zurFloral-Fontäne, dann nördl. in die Straße r., die Hornby Row, bis zumRathaus(Municipal Buildings, BC3) mit 76 m hohem Turm. Daneben in Cruikshank Road dasPolizeigericht(Police Court), dann dasKamahospital(Stiftung von Pestonji Hormusjee Kama, für Frauen und Kinder, von weiblichen Ärzten geleitet), weiterSt. Xavier's College(Pl. 1, B3), eine vorzügliche Jesuitenschule; weiterhin folgenElphinstone High School, eine Hochschule mit 28 Klassen für den Mittelstand der Eingebornen, wo unterrichtet wird in Englisch, Guzerati, Sanskrit, Latein und Parsisch; danebenSt. Xavier's High School, von deutschen Patres geleitet, an der Carnac Road.—Weiter dasGokaldas Tejpal-Hospital(nach dem Stifter benannt), für Eingeborne bestimmt, das jährlich an 13000 Kranke behandelt. Das Eckhaus von Carnac und Hornby Road ist das Polizeipräsidium; ihm gegenüber an der Hornby Road liegt derCrawford Market(C2) mit Markthallen, in deren Mitte ein Brunnen, gestiftet von Sir Cowasjee Jehangir Readymoney; sehenswerte Verkaufsstände mit indischen Früchten, Blumen, Gemüsen und Fischen (den Bombay duck [gedörrter Fisch] ißt man zum Curry; sehr gut ist auch der Sargutali oder Pomfret). In derselben Straße folgen dieSchool of Arts(C2), eine 1857 errichtete Kunst-und Kunstgewerbeschule, und daneben, gegenüber dem Victoria-Bahnhof, dieAnjuman-i-Islam School(Pl. 3, C3), eine mohammedanische höhere Schule (eröffnet 1893). An der Ostseite der Hornby Road liegt *Victoria Terminus(C3), ein gotisch-indischer Prachtbau; er gibt ein Bild vom Reichtum der Stadt und ist einer der schönsten Bahnhöfe der Erde. Gegenüber vom Bahnhof liegt der Neubau des Hauptpostamts und weiterhin, östl. vom Bahnhof, an der Frere Road, liegt das auch für Reisende empfehlenswerte KrankenhausSt. George's General Hospital, begründet 1889. Rückfahrt über Esplanade Road zum Hotel.
Native Town(Black Town; A-C1), die Eingebornenstadt, dicht bevölkert, mit meist engen, oft krummen Gassen, beginnt nördl. vom Crawford Market; sehenswerteBasare, allerdings mit viel Trödel, aber mit interessantem Menschengetriebe an Indern (Hindus und Mohammedaner), Parsen, Afghanen, Arabern. Man achte auf die verschiedenen Kopfbedeckungen. Gelegenheit zur Teilnahme an parsischen Hochzeitsfesten oder hinduistischen Götterfesten (z. B. zuEhren der Glücksspenderin Lakschmi) sollte man ausnutzen, um das Volk kennen zu lernen. Mitten im Eingebornenviertel liegtPinjrapol(B1/2), ein Tierasyl (sehenswert, aber nichts für schwache Nerven), wo altes Rindvieh, Ziegen, Schafe, Esel, Büffel und Hunde das Gnadenbrot erhalten; als Weihgeschenke sind auch gesunde starke Tiere dort. Verschiedene Wasserbehälter mitten in der Stadt sind mit Tempeln umgeben.—Im nördlichen Teile der Native Town liegt dasGrant Medical College(C1), eine medizinische Hochschule zur Ausbildung von Indern zu Ärzten; damit verbunden ist das großeSir Jamsetjee Jeejeebhoy Hospital(für Parsen getrennt, doch auch für Brahmanen und Mohammedaner), ein Hospital für Unheilbare mit Baracken für ansteckende Krankheiten.—An der Queen's Road, 10 Min. nördl. von Marine Lines Station, sind dieLeichenverbrennungsstätten(A2, Hindu Burning Ground), längliche Höfe mit Warteräumen, in deren Mitte auf eisernen Gabelständern der Leichnam mit Holz umgeben wird (bei Reichen kostbare Hölzer!); Asche und Knochenreste werden nachher ins Meer geworfen.
Umgebung:1)Malabar Hill(etwa 6 km von Colaba Station, zu erreichen mit Wagen vom Hotel aus, oder mit Bahn von Colaba bis Grant Road Station, wo man frühmorgens in der Bellasis Road die Araberställe und-pferde besichtige, die von Arabern nach Bombay zum Verkauf gebracht werden, dann mit Wagen) auf der Halbinsel an der Westseite der Back Bay; Fahrweg dahin sehr schön längs des Strandes. Auf der Südspitze der HalbinselMalabar Pointstehen die Villengebäude des Gouverneurs; in ihrer Nähe eine Batterie. Die Spazierfahrt längs der Westseite des Malabar-Hügels bis nach Breach Candy ist eine der schönsten von Bombay und abends von Wagen und Reitern viel besucht. Auf Malabar Hill ist das gesündeste und vornehmste Viertel mit Villen und Gärten. Dicht beim Gouvernements-Bungalow sind die malerischen Tempelanlagen vonWalkeshwar, ein berühmtes Hinduheiligtum. Gibbs Road, die nördliche Fortsetzung der Ridge Road, führt nach dem Gipfel des Malabar Hill. Dort nordöstlich der Villenanlage die
*Türme des Schweigens(Towers of Silence), die Begräbnisstätte der Parsen, die größte Sehenswürdigkeit Bombays (Eintrittskarten zur Besichtigung [71/2-9, 21/2-41/2Uhr] besorgt der Hotelportier). Der Eingang führt durch ein modernes eisernes Tor, eine steinerne Freitreppe hinauf in einen schönen Garten durch eine innere Mauer; von da nimmt ein Parsi-Priester die Führung. Bei dem steinernen Bethaus, in dem das ewige heilige Feuer brennt, hat man einen prächtigen Rundblick über ganz Bombay und die See. Der Führer zeigt ein Modell der Türme.