4. Von Bombay nach Madras.

Ausflüge: 1) NachSikandarah, mit Wagen in3/4St. Man fährt durch die Eingebornenstadt, vorbei amCentral Jail(Hauptgefängnis; Besichtigung der Teppichwebereien der Gefangenen empfehlenswert, man schicke seine Karte dem Inspektor), dann etwa 6 km nw. Der Weg führt an vielen Gräbern vorbei; in Sikandarah liegt dasMausoleum Begum Miriam, der angeblich christlichen Frau Maria des Kaisers Akbar, ein zweistöckiger roter, zurzeit recht verwahrloster Sandsteinbau; im Unterstock 40 Kammern, im Oberstock ein weißer Marmorkenotaph. Ein prachtvolles Tor aus rotem Sandstein, mit Einlagen von weißem Marmor führt zum *Grabe Akbars; von den Minarets zu Seiten des Tores schöne Aussicht bis nach Fatehpur-Sikri. Ein breiter Weg führt zum Mausoleum, einem vierstöckigen Pyramidenbau, die untern drei Stockwerke von rotem Sandstein, das oberste aus weißem Marmor; auf der Plattform steht der weiße Marmorkenotaph genau über der Stelle, wo unten im Kellergeschoß sein Sarkophag, umgeben von andern Gräbern, steht. Am Nordende des *Kenotaphs eine 1 m hohe *Marmorsäule, auf der lange Zeit der berühmte Diamant »Koh-i-Nur« lag, bis ihn der persische Eroberer Nadir Schah raubte (jetzt gehört er zum britischen Kronschatz).— In einem modernen Hause in Sikandarah befindet sich einWaisenhaus. Man tut besser, Sikandarah früher als den Taj zu besuchen.2) Westwärts nach (38 km) *Fatehpur-Sikri(Dâk Bungalow, neu und groß, mit guter Verpflegung, für längern Aufenthalt eingerichtet; für kurzen Aufenthalt Frühstückskorb vom Hotel mitnehmen!) mit Wagen (25 Rup. in 31/2St.) oder Automobil (45 Rup., einzelne Sitze bei Fahrten, die das Hotel unternimmt, 10 Rup., in 1 St.) auf guter, schattiger Landstraße, von Akbar d. Gr. angelegt, wie die alte verlassene Residenzstadt selbst, deren Paläste noch sehr gut erhalten sind. Durch das Agra-Tor einfahrend, sieht man r. von der Straße die alte Münze, gegenüber die Schatzkammer, dann fährt man in den Kaiserpalast hinein, vor denDiwan-i-Am; l. liegen die Räume der Sultana und daneben der Dâk Bungalow (wo man auf Wunsch meistens auch einen Führer erhält); gegenüber sind türkische Bäder.

In der NO.-Ecke des Palastes ist das Haus der türkischen Königin; am Nordende des Hofs eine schöne PrivataudienzhalleDiwan-i-Khas, südl. davon derPanch Mahal(ein »Damenheim« oder Zenana) und sw. von diesem das kleineHaus der Miriam(Akbars angeblich christlicher Gattin, einer Prinzessin von Jaipur) mit Garten und Bad; westl. davon das geschmackvolleBirbal's Haus. Ferner sind zu erwähnen der TurmHarem (Hiran) Minar, mit steinernen Elefantenzähnen geziert, über den Gräbern des kaiserlichen Lieblingselefanten, und die Grabmoschee (weißer Marmor in rotem Sandstein) des heil. *Salim Chistisin der Nähe des großenSiegestorsund dieses selbst.3) Südwärts nach *Gwalior; vonAgra Road Stationmit derIndian Midland Railwaydurch steiniges, hügeliges Gebiet, die nördl. Ausläufer des Malwaplateaus, das schon zum Dekhan gerechnet werden muß, über (35 M)Dholpurund 6 km weiter südl. über eine schöne Brücke aus rotem Sandstein über den FlußChambal(Chumbul) nach(76 M, 122 km) *Gwalior(161 m;Gwalior Hotel[von einem Parsen geführt], außerdem staatliches FremdenhausMusafir Khana, in dem Unterkunft nur bei Empfehlung und Vorausbestellung zu haben ist. Reitelefanten durch Hotelmanager zu bestellen, Bakschisch an den Führer. Droschken, mäßig, zu haben [im Notfall Sänfte nehmen]), Hauptstadt des Vasallenstaats der Mahratten, hat mit der neuen GarnisonstadtLashkar89154 Einw. (5/6 Hindu, 1/6 Mohammedaner), liegt in einer Flußebene zwischen den Ausläufern des Malwaplateaus und hat schmutzige Häuser. Vor den Toren der alten Stadt steht die schöne HauptmoscheeJama Masjid; in der Stadt der prachtvolle *Palast des Maharadschah(einer der schönsten in Indien) sowie mehrere Dschaintempel. Die berühmte *Festung Gwaliorerhebt sich auf einem 110 m hohen senkrechten Sandsteinfelsen (oben 1900 m lang und 600 m breit) an der Westseite der Stadt; sie ist noch jetzt eine der stärksten Indiens. Am NO.-Ende die sechstürmige Zitadelle.Im Innern der Festung sind Acker und Wasserbecken, für 15000 Mann Besatzung ausreichend. Wahrscheinlich wurde sie 275 n. Chr. gegründet von Suraj Sen, der den Sonnentempel baute; jahrhundertelang war die Feste Herrschersitz, viel bestürmt und selten erobert. Englische Truppen nahmen die Festung 1803, 1844 und 1858; 1886 wurde sie an den Maharadschah übergeben. Zum Besuch der Feste ist keine Erlaubnis erforderlich, man schreibt sich ins Fremdenbuch am Eingang ein; der Leiter (»Keeper«) des Fremdenhauses (Musafir Khana) sorgt für Bereitstellung des Elefanten, falls der Maharadschah geneigt ist, solchen für Besucher zur Verfügung zu stellen. Vom Fremdenhaus fährt man bis zum Fuße der Feste, dort wartet dann der Elefant für den steilen Aufstieg. Ein steiler Weg führt durch folgende sechs Tore in die Feste:Alamgiri Gate(das nördlichste Tor, 1660 erbaut), *Badalgarh(oderHindola)Gate, ein schöner Hindubau; r. steht dicht unter dem Felsen der Festung derGujari Mahal, Schloß der Königin von Man Sing, schon sehr verfallen;Bhairon(oderBansur)Gate, 1485 erbaut; dann dasGanesh Gatemit dem Taubenhaus (Kabutarkhana) davor und einem Hindutempel daneben; nun vorbei an dem FelsentempelChatar-bhuj-mandir(erbaut 876), ein Wischnuheiligtum mit Wasserteich (in dessen Nähe sehr alte Skulpturen), durch dasLakhshman Gateweiter hinauf längs der Ostseite der Paläste zum »Elefantentor«Hathiya Pol(Paur), neben dem dasHawa Gatein denMan Singh Mandirführt, der, 1486-1516 erbaut, bunte Mosaikwände hat. Nördl. schließen sich noch vier Paläste an:Vikram Mandir,Karan Mandir,Jahangiri MahalundShah Jahan Mahalam Nordende der Feste. Von den elf Hindutempeln der Feste ist der mittelste,Teli-ka-Mandir(Anfang des 12. Jahrh.), der sehenswerteste; er ist dem Schiwakult gewidmet, auf höchster Berghöhe mit prächtiger *Aussicht erbaut und um 1880 wiederhergestellt. —Die Felsenskulpturen an den Abhängen der Feste, besonders die südwestl. Gruppe in der SchluchtUrwahi, sind ebenfalls sehr sehenswert, weil einzig in ihrer Art in ganz Nordindien; die meisten Skulpturen, im 13. Jahrh. hergestellt (laut Inschrift aus den Jahren 1440, 1453, 1497 etc.), wurden unter dem ersten Großmogul Babar zum Teil stark beschädigt. Es sind fünf Gruppen.

Das durchfahrene Gebiet gehört zu den reichsten Kulturgebieten Indiens; Audh, der Ostteil der »Vereinigten Provinzen«, ist schon so weit in Kultur genommen, daß die Wälder großenteils (außer im nördl. Randgebiet gegen den Himalajastaat Nepal hin) verschwunden sind und mit ihnen auch viele wilde Tiere, wie der Tiger. Dabei hat das Land, das großenteils von Natur genügend befeuchtet ist (der künstlich bewässerte Anteil des Kulturlandes wird, je weiter ostwärts, um so kleiner), schon ganz tropischen Charakter.

Eisenbahn: Agra-Cawnpore in 51/2St.; Cawnpore-Lucknow in 2 St.; Lucknow-Allahabad in 51/2St.; Allahabad-Benares in 31/2St.; Agra-Allahabad in 9 St.

VonAgra Fort Station(S.83) mit der East Indian Railway (am besten mit Nachtzug, der etwa3/4-12 Uhr abfährt) über die prächtige Jumna-Brücke mit 16 Bogen nach (15 M)Tundla; dort meist umsteigen in den von Delhi kommenden Zug, dann östl. weiter überFerozabadnach (72 M) Stat.Etawah,Itawah(Bahnwirtschaft mit Gastzimmer;Dâk Bungalow, 1 km vom Bahnhof), Stadt mit 40000 Einw. in malerischer Lage zwischen Schluchten und Abhängen am Nordufer der Jumna, mit schöner Hauptmoschee; *Aussicht vom teilweise zerstörten Fort auf dem Hügel über der Stadt; unterhalb vom *Fort Bathing Gatsam Flußufer.—Die Bahn erreicht im weitern Verlaufe das rechte Gangesufer bei

(158 M, 254 km) Stat.Cawnpore,Khanpur(Bahnwirtsch., gut;Civil and Military Hotel, gut;Empress Hotel, Pens. 7-9 Rup.;Victoria Hotel; dieBank of Bengalund dieNational Bank of India Ltd.sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank;Droschkennach Tarif), Knotenpunkt von fünf Bahnlinien und an der untern Einmündungsstelle des östl. Gangeskanals in den Ganges gelegen, mit enger, schmutziger Eingebornenstadt von 197170 Einw. (1/4Mohammedaner), wo auf den Basaren gute Früchte, Leder-und Juwelierarbeiten feilgehalten werden und interessantes Leben und Treiben herrscht. Die Stadt ist ohne andre Sehenswürdigkeiten als solche, die an den Aufstand erinnern; in Cawnpore ließ Nana-Sahib im Mai und Juni 1857: 446 englische Soldaten, Frauen und Kinder hinmorden, wofür die Engländer im November weit blutigere Rache nahmen. Wo General Wheeler sich gegen Nana-Sahib verschanzt hatte, steht dieMemorial Church; etwa 3 km nördl. liegt nahe dem Gangesufer derMemorial GardenmitGedächtnisbrunnen, in dessen Mitte ein Friedensengel (von Marochetti) aus Marmor.

Seitentour.Von Cawnpore mit der Indian Midland Railway oder mit einer Zweiglinie der Oudh and Rohilkhand Railway über die Ganges-Eisenbahnbrücke durch die reichbebaute Ebene von Audh nach (44 M, 71 km) Stat.LucknowoderLakhnau(122 m; Bahnwirtschaft;Wutzler's Royal Hotel[Bes. Deutscher], eins der besten in Indien, 21/4km vom Bahnhof;Savoy and Imperial Hotel, Abbott Road, Pens. 7 Rup.;Civil and Military Hotel;Prince of Wales Hotel; mehrere Klubs;Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft;Droschkennach Tarif), Knotenpunkt von 6 Bahnlinien, Stadt mit 264049 Einw. (1/3Mohammedaner), amGumti, einem schiffbaren l. Nebenflusse des Ganges; großstädtisches Leben, aber weniger sehenswert als Delhi und Agra. Auch die großen Prachtbauten von Lucknow sind architektonisch dürftig; von Engländern ebenso wie Cawnpore nur wegen der Ruinen und Gedächtnisstellen aus der Aufstandszeit (es wurden hier 2000 Engländer getötet) besucht.

—Rundfahrt: Nw. von derResidency, den Regierungsgebäuden, liegt imMachhi Bhawan Fortdie interessante große HalleGreat Imambarahin altem Palast, jetzt Zeughaus; man gelangt dann über dieIron Bridgezum LichttempelHussainabad, der nur von außen sehenswert ist. In der Nähe der interessanteKaisar Bagh(Kaisergarten mit Palästen). In der Stadt sind die Basare, besonders derNakhkhasoder Vogelbasar, sehenswert. Filigran-und Goldschmiedearbeiten, Pfeifenmacher, Tonfiguren. Auch die Elefantenställe der Regierung sind sehenswert sowie das Museum (bis 31/2Uhr offen; Fr. geschlossen) mit buddhistischen Reliquien aus Muttra (S.83) etc., und viele schöne Gärten.

VonCawnporeweiter mit der »East Indian Railway« sö. nach

(277 M, 445 km)Allahabad(61 m;Kellner's Rooms, am Bahnhof, mit guter Schlafgelegenheit, Chota-hazri im Zimmer, andre Mahlzeiten in der Bahnwirtsch.;Laurie's Great Northern Hotel, Pens. 6 Rup.;Central Hotel;Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft;Droschkennach Tarif; die Zeitung »Pioneer« ist eine der wichtigsten in Indien, »Pioneer Mail« Wochenausgabe für Europa). Besuch von Allahabad ist nur bei reichlicher Zeit zu empfehlen; Benares, Agra und Delhi bieten weit mehr indische Kulturbilder.

Geschichtliches.Allahabad kommt um 250 v. Chr. unter dem NamenPrayâga(»Opferstätte«) vor. Akbar baute 1572 hier sein FortIlâhabâs, das Schah Jahan I. (1632-56) dann Allahabad (»Stadt Gottes«) nannte. Die Stadt gehörte zum Reiche des Großmoguls, bis sie 1753 durch den Wesir Safter Jang von Audh erobert ward. Aber schon 1765 wurde sie von den Briten besetzt und dem Großmogul Schah Alam zur Residenz angewiesen. Nachdem dieser 1771 Allahabad verlassen hatte, überließen es die Engländer durch den Vertrag vom Jahre 1773 dem Naib von Audh, der es endlich an die Ostindische Kompanie abtrat.

Die StadtAllahabad, Hauptstadt der Nordwestprovinzen, mit 172032 Einw. (etwa2/3Hindu,1/3Mohammedaner, 6000 Christen), liegt auf der Landzunge an der Mündung der Jumna in den Ganges, an deren Spitze das große, von Akbar erbaute, von den Briten umgestalteteFortliegt (Besichtigung nur mit Erlaubnis der Militärbehörde; längere Wagenfahrt dazu erforderlich); es umschließt Kasernen, Pulvermagazin, Arsenal für 30000 Mann, die berühmte Säule desAsoka(240 v. Chr.), einen unterirdischen Tempel mit dem ewigen Feigen-oder Banyanbaum. Allahabad besteht aus dem engen Eingebornenviertel mit ärmlichen Lehmhütten neben prächtigen Palästen und dem schönen, gartenreichen europäischen Viertel. Hervorragende Bauten hat die Stadt wenige, z. B. den Palast des Gouverneurs, Kasernen, Verwaltungs-und Gerichtsgebäude, die Große Moschee, das Serail von Khusru zur unentgeltlichen Aufnahme von Reisenden, denKhusru Bagh(mit malerischem, hohem Festungstor, durch das man in die gepflegten Gärten mit drei Mausoleen gelangt), katholische und anglikanische Kirche, Bibliothek und Museum, Stadthaus, das Muir Central College, das große Zentralgefängnis zu Náini. Allahabad ist berühmter Wallfahrtsort, wo sich, um im Ganges zu baden, im Dezember und Januar 250000, alle 12 Jahre aber eineMillion Pilger versammeln. Dann wird hier dieMagh Mela, eine religiöse uralte Messe, abgehalten.

Mit der Bahn über (363 M)Mughalo Sarai Junction Station(Speiseraum im Bahnhof), hier umsteigen! Dann über die fast 1,5 km lange Stahlbrücke über den Ganges nach (373 M, 560 km)Benares(82 m).

Vgl. den Plan S.91.

AnkunftaufCantonment Stationder Oudh and Rohilkhand Railway; auch direkt vonLucknow(S.88) über (88 M)Fyzabadund (118 M)Jampurnach (199 M, 320 km)Benares; letztere Strecke ist etwa 88 km kürzer.Gasthöfe(beide liegen 4,5 km landeinwärts vom Ganges und von der Eingebornenstadt):Clark's Hotel, 25 Z., Pens. von 7 Rup. an, gelobt;Hôtel de Paris, 60 Z., gelobt; beide Hotels mit Garten.—Bank:Bank of Bengal, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft. —Führerzum Besuch der Eingebornenstadt und Basare sind unentbehrlich wegen der engen, wirren Straßen.—Wagenbesorgt das Hotel, Zweispänner 8 Rup. für 1, 4 Rup. für1/2Tag;Droschkennach Tarif; empfohlenen Fremden stellt zuweilen der Maharadschah von Vijayanagrum seinen Staatswagen.—Kuriositäten: Seidenstickereien, Schals, Messinggefäße, indische Nippsachen, Malereien, Goldschmiedearbeiten in den Basaren der Eingebornenstadt.Geschichtliches.Benares war schon im 6. Jahrh. v. Chr. der Mittelpunkt der Religion des Buddha, der hier zuerst »das Rad seiner Lehre drehte«, was durch eine riesige Stûpa (Reliquienbehälter) 5 km nördl. von Benares der Nachwelt überliefert wurde. Später, nach dem Untergang des indischen Buddhismus, war es einer der Hauptsitze des Brahmanismus und wurde dann nach seiner Einnahme durch die Mogulkaiser (1194) 600 Jahre lang von Mohammedanern beherrscht. Diese vermochten den Brahmanismus nicht ganz zu unterdrücken, der sich seit dem 18. Jahrhundert, nach dem Sturz der Herrschaft der Großmoguln, rasch von neuem erhob und heute in Benares wieder eine der Hauptpflegestätten brahmanischer Philosophie verehrt. So ist Benares durch die Mannigfaltigkeit der in seinen Mauern gepflegten Religionen wie seiner Denkmäler religiöser Baukunst eine der merkwürdigsten Städte der Erde geworden: Buddhismus, Brahmanismus und Islam haben ihre Andachtsstätten hier errichtet, Brahmanismus (Hindu-Religion) und Islam blühen noch heute, dazu der Schiwa-Kult, der in ziemlich starkem Gegensatze zum Brahmanismus steht, da seine Anhänger (die Lingaiten, nach dem Symbol des Schiwa, dem Lingam, genannt) die Vorrechte der Brahmanen verwerfen, und schließlich die Sekte der Dschain, die ebenso alt wie der Buddhismus ist und diesem in mancher Hinsicht ähnelt.Zeiteinteilung.1. Tag: Vor Sonnenaufgang Stromfahrt auf dem Ganges vom Dasaswamedh Ghat aufwärts mit Besichtigung der Leichenverbrennungsstätte Manikarnika Ghat, der Aurangzeb-Moschee und des nur vom Boot aus besuchbaren Nepalese-Tempels (Boot für 2 St. 3 Rup.—Frühstück mitnehmen). Nach Frühstück mit Boot zum Affentempel, Goldenen Tempel, kleine Aurangzeb-Moschee, andere Tempel, denBrass Market(Messingarbeiten sind Spezialität von Benares). Dann Lunch im Hotel; nachher Fahrt nach Sarnath (Museum).—2. Tag: Droschkenfahrt zum Kuhtempel Annapurna, dann verschiedene Tempel, Brunnen des Wissens, Anand-Bagh-Garten, Annie Besant's Hindu College (theosophische Gesellschaft), Basare in der Eingebornenstadt.—Nm. Fahrt nach Belipur, Spazierfahrt im englischen Viertel.

Plan von Benares.Plan von Benares.

Benares(82 m),Banaras,Warânasi(»im Besitz des besten Wassers«, früher auchKasigenannt), Bezirkshauptstadt mit 209331 Einw. (vorwiegend Hindu), ist seit 21/2Jahrtausenden Hauptsitz brahmanischer Gelehrsamkeit und als heiligste Stadt der Hindu der besuchteste indische Wallfahrtsort. Viele reiche Hindu haben sich hier Paläste erbaut, wo sie ihre letzten Tage hinbringen; wer in der heiligen Stadt in der Gunst der Brahmanen stirbt, ist sicher, unmittelbar in den Schoß der Gottheit aufgenommen zu werden. Täglich pilgern Tausende, an Festtagen Hunderttausende hierher, um im Ganges Gebete und Waschungen zu verrichten oder Krüge mit dem Wasser des heiligen Stromes zu füllen, das bis zur Südspitze Indiens getragen wird; seine Versendung ist ein wichtiger Industriezweig. Kranke lassen sich hierhertragen, um angesichts des heiligen Stromes zu sterben. Benares hat 1454 meist kleine Hindutempel, 272 Moscheen, mehrere Dschaintempel, einen buddhistischen Tempel. NB.Eintritt in alle Tempel, außer Affentempel und Kuhtempel, ist Europäern verboten!Die prächtigste Ansicht gewährt die Stadt von dem 540-780 m breiten Ganges aus, an dessen weitem Bogen sie sich hinzieht. Alle andern Gebäude überragt dieMoschee Aurangzebsmit ihren schlanken, 35 m hohen Minarets.Ein mächtiger Bau ist auch die 1693 errichtete Sternwarte (s. unten). Zwischen Paläste und Tempel drängen sich elende Hütten, das Innere der Stadt ist ein Gewirr enger, schmutziger Gassen. Das saubere englische Viertel (Sikraul) enthält eine Kirche, ein Hospital, Kasernen, 3 höhere Schulen, 3 englische Missionsanstalten, eine Bank. Die durch den Fremdenverkehr geförderte Industrie erzeugt Seidenstoffe, Schals, Gold-und Silberstickereien, Juwelierwaren, Messinggefäße (berühmt auf dem Messingmarkt,Brass market), Lackwaren. Der Handel, unterstützt durch Dampfschiffahrt auf dem Ganges und die Bahnen, vertreibt heimischen Zucker, Indigo, Salpeter und führt europäische Waren ein. Benares enthält eine höhere Hindu-und eine höhere Sanskritschule, das Benaresinstitut, eine Gesellschaft meist eingeborner Männer, und die Carmichael-Bibliothek.

Die Stadt zeigt das indische Leben unverfälscht;Hans Meyersagt von Benares: »Da ist der unfaßbare Wust bizarrer Häuser und Häuschen. Da sind die Hunderte und aber Hunderte von wunderlichen Tempeln mit Kuppeln, Pagoden, Götzenfratzen, Rüsselschnörkeleien, mit farbigen, silbernen, kupfernen und goldenen Anhängseln und Bedachungen. Da sind die massiven, aus dem Strom aufsteigenden Paläste der einheimischen Prinzen und Radschas, da tobt und windet sich die endlose Menschenmenge aus dem Gewühl enger Gassen nach dem heiligen Fluß und zurück ... —Heilige Stiere wandeln an den Häuserreihen entlang und setzen die Gemüsekrämer in Schrecken, Affen sitzen auf den Sonnenzelten u. Dachgesimsen, schreiend, fressend oder spielend, unter Tamburin-und Schellenbegleitung werden Götzen auf Tragbahren herumgeschleppt, feierlichen Aufzügen begegnet man in jeder Straße.« An Festtagen ist das Menschengewühl beängstigend: trotz der Scheu der Hindu vor Europäern empfiehlt es sich, einen indischen Schutzmann (gegen guten Bakschisch) zur Begleitung mitzunehmen und keine Innenräume der Tempel zu betreten.

Rundfahrtdurch dieEingebornenstadt, 3 km vom englischen Viertel. Man kann überBelipurfahren und dort denPalast des Maharadschah von Vijayanagrumbesichtigen, falls Erlaubnis erteilt wird; *Aussicht vom Terrassendach des Palastes über den Ganges; man sieht Aurangzebs Moschee und den Goldenen Tempel. Dicht beim Palast liegen Dschain-Tempel.—Etwa 1 km südl. vom Palast liegt derDurga-Tempel, der finstern Gattin Schiwas geweiht, die täglich blutige Opfer (früher Menschen, jetzt Ziegen) fordert, *Affentempelgenannt, weil darin die heiligen Hum-man (Semnopithecus entellus) zu Hunderten hausen; der Tempel aus rotem Stein mit gelben Ornamenten ist umgeben von hohen Mauern; im Haupteingang ein Raum mit Musikinstrumenten: Glocken, Trommeln, Tamtams u. a.; neben dem Tempel ein schöner Wasserbehälter.— Man fahre bis zumDasaswamedh Ghat, eine der heiligsten Pilgerstätten von Benares (»Ghât« sind die mit Tempeln, Palästen, Pavillons und Badeplätzen eingefaßten langen Badetreppen, die zum Gangesufer führen), wo Brahma zehn Pferde geopfert haben soll.— In der Nähe dieSternwarte, ein schöner Bau mit seltsamen Instrumenten (darunter ein Mauerquadrant Bhittiyantra, zwei große Steinkreise, zwei Samrat Yantra zur Bestimmung der Polhöhe, ein Chakrayantra zur Bestimmung der Deklination, ein Digamsayantra zur Azimutbestimmung).—Auf dem Wege zum Dasaswamedh Ghat liegt der Tempel des RegengottesDalbhyeswar, dessen Abbild ineinen Wasserbehälter versenkt wird, solange der Gott seine Pflicht versäumt; seine GefährtinSitalaheilt die Blattern.—Am bequemsten steigt man vom Dasaswamedh Ghat in ein Boot (flacher Prahm mit Stühlen, von etwa sechs Mann gerudert) und läßt sich zunächst eine Strecke stromauf rudern, um die etwa zwei Dutzend Ghats oberhalb von Dasaswamedh Ghat vom Strom aus zu betrachten; unter ihnen gehört dasAsi Ghat(das äußerste stromaufwärts, 1. von oben) ebenfalls zu einer der fünf heiligsten Pilgerstätten in Benares. Eins der schönsten und besuchtesten ist dasShivala Ghat(6. von oben); vieleYogin(Dschogin), d. h. brahmanische Büßer (meist mit den Fakiren, den indisch-mohammedanischen Büßern verwechselt), sieht man auf den Badetreppen, deren Bußübungen schon in den Sanskritwerken beschrieben und angeordnet sind. BeimMachan Ghat(9. von oben) ist eine Leichenverbrennungsstätte, die aber weniger berühmt als die unten beschriebene beim Manikarnika Ghat ist.—BeimKedar Ghat(11. von oben) liegt derKedarnath-Tempelmit vielen Heiligtümern, dem BrunnenGauri Kundund demMansarovar-Wasserbehälter, umgeben von 60 Heiligenschreinen. BeimChauki Ghat(12. von oben) werden unter einem Pippalbaum Schlangen verehrt; viele Schlangenbilder ringsum.—Die Stufen des (13. von oben)Chatr GhatoderRajah Ghatführen zu einem großen Rasthause für Fremde, vomRajah Amrita Raoerbaut.—BeimKomeshwar Ghat(14. von oben) steht derMondtempel, der jede Krankheit heilt. Eine der ältesten Badetreppen istChausathi Ghat(20. von oben); die malerischste ist dasMunshi Ghat(22. von oben) mit schönem Bau am obern Ende.Dasaswamedh Ghat(s. oben) ist das 25. von oben, stromabwärts daneben liegtMan Nandat Ghat. Wenn Zeit, oder bei zweiter Fahrt fahre man stromabwärts längs der untern Hälfte der Ghats bis zur Schiffbrücke.

HandZur Beachtung: Unmittelbar vor Sonnenaufgang ist die Stromfahrt am lohnendsten, weil dann das Baden und Beten der Büßer und Pilger am lebhaftesten ist, während Vm. die Ghats von Händlern mit Blumen, Obst, Futter (für die heiligen Kühe) etc. besetzt sind. Bei Sonnenaufgang steigen zahllose Brahmanenpriester ins Wasser, dann folgen die Pilger und daran schließen sich Andachten vor den Priestern an; alles feierlich und schön, auch das züchtige Baden der Hindumädchen.

BeimBachhraj Ghat(27. von oben) ist einShivala-Götzenbild, daneben ein Hundebild; ein Brahmane mit Pfauenwedel beschützt durch sein Wedeln die Besucher vor bösen Geistern und fordert dafür Opfergeld. In der Nähe werden täglich Hunde gefüttert, an Festtagen mit Butterkuchen und Zucker. VomMir Ghat(28. von oben) aus kann man nur zu Boot denNepalese-Tempelbesuchen; malerisch, aber mit sehr derb-naturalistischen Schnitzereien; viel von Frauen besucht, um Nachkommenschaft zu erbitten. Hinter dem Tempel eine sehenswerte Ringkämpferschule.—ZwischenLalita GhatundJal Sain Ghat(31. von oben) liegt der berühmteGoldene Tempel, demBisheshwar(Bisheshwar = Herr der Welt) geweiht, einer der ältesten und wichtigsten Tempel für den Lingam-(= Phallus-)Kult zur Ehre Schiwas, dessen Kuppeln mit dünnem Goldblech gedeckt sind, der aber leider in Gassen und Mauern eingebaut ist. Gegenüber dem Eingang verkauft ein Priester Opferblumen; man gebe Bakschisch,wenn er Blumen oder andres als Geschenk überreicht. Der Bisheshwar-Tempel gilt als der heiligste Hindutempel in Indien, weil er an der Stelle steht, wo das Gangeswasser am heiligsten ist.—Neben dem goldenen Turme des Bisheshwar-Tempels steht der rote, kegelspitzeMahadeo-Tempel, umgeben von zahlreichen kleinen Spitzkuppeln,SikrasoderVimanasgenannt, wie sie bei Hindutempeln häufig sind. Zwischen beiden Tempeln hängen neun prächtige Glocken an steinernem Rahmenwerk. Im Hofe auf einer Plattform stehen aufrechte, ziemlich formlose Steinklötze (Lingam), uralte Gegenstände der Anbetung. —Im Viereck zwischen dem Goldenen Tempel und der schönen *Aurangzeb-Moschee(*Aussicht von den Minarets, eine steile Mitteltreppe führt bis zum Dache) liegt auch die kleineAurangzeb-Moscheeund der *Brunnen des Wissens,Gyan Kup, in dem Schiwa sitzen soll; ein Götzenbild soll von einem Priester hineingeworfen sein, daher riesiger Pilgerzustrom zu dem stinkigen Wasser; man hüte sich, in das Gedränge von Pilgern, Frauen und Kühen auf der Plattform des Brunnens zu kommen. Interessante Pilgerbräuche sind beim Brunnen zu beobachten. Der Blick in den Brunnen ist nur Hindu erlaubt, und nur barfuß.— Dicht außerhalb des Goldenen Tempels ist derSanichar-Schreinund einige Schritte weiter der Tempel der Nahrung spendenden GöttinAnnapurna, bei dem sich viele lästige Bettler aufhalten; je ein Schrein des Tempels ist der Sonne, dem Elefanten-und Glücksgotte Ganesh, dem Gauri Shankar und dem Affengotte Hanuman geweiht. —Zwischen diesem Tempel und dem Weissagungstempel,Sakhi Vinayak, ist ein seltsames rotes Standbild von Ganesh mit silbernen Händen und Rüssel auf einer Plattform.—Eins der fünf größten Heiligtümer von Benares, von Hindupilgern stets besucht (am stärksten im November), ist das *Manikarnika Ghat(33. von oben); über seiner Treppenflucht steht derManikarnika-Brunnen, voll fauliger Blumenopfer zum Himmel stinkend, aber von Millionen Pilgern jährlich besucht.—Daneben steht derTarkeshwara-Tempelund an dessen Wasserseite die größteLeichenverbrennungsstätte von Benares(Anblick und Geruch für schwache Nerven nicht zu empfehlen!), wo ohne Feierlichkeit die Leichen zunächst ans Ufer mit den Füßen ins Wasser gelegt werden, dann von den Angehörigen der (oft nur kleine) Scheiterhaufen errichtet wird.

Sechs Mann der untersten Kaste (Domra, die aber reich werden wegen ihres Monopols des Scheiterhaufenansteckens, wofür sie bis 1000 Rup. Abgabe erhalten) heben auf Bambusstangen den Toten aus dem Fluß, einer flößt ihm den letzten Trunk Gangeswasser ein, dann wird er auf den Scheiterhaufen gelegt und dieser angezündet. Während das Feuer brennt, werden die Körperteile nach Bedarf mit Bambusstangen ins Feuer gestoßen; schließlich wird die Asche, oft auch nur halbverkohlte Stücke, in den Fluß geworfen. Totenkult kennt der Brahmane nicht, die Leiche ist ihm nur unreiner Stoff, der zur Läuterung der Seele von den Elementen vernichtet werden muß. Trotz der Leichenwäsche baden und trinken die Hindu unmittelbar stromabwärts davon im Fluß, weil die Stelle als besonders heilig gilt.

Weiter stromabwärts liegt das allmählich sinkendeSindhia's Ghat(34. von oben); groß und schön istGhosla Ghat(37. von oben).— OberhalbPanchganga Ghat(39. von oben) erhebt sich die stolzeAurangzeb-Moschee(S.94), mit zwei Minarets.—Viele heilige Kühe benutzen dasGai Ghat(42. von oben), wo auch ein steinernes Kuhstandbild steht.—Nebenan dasTrilochana Ghatsoll zwischen seinen Türmchen besonders heiliges Wasser haben.—Das unterste (47.) ist dasRaj Ghat, neben der Schiffbrücke.—Von da kann man zu Wagen noch denPalast Nandeshwar Kothides Maharadschah von Benares (mit hübschem Garten) auf der Rückfahrt durch Grand Trunk Road sehen (historisch merkwürdig).

Vom Affentempel (S.92) fahre man, falls Zeit genug, in denAnand-Bagh-Garten, wo im 19. Jahrh. der Heilige von Benares,Swami Saraswati, lebte, dessen Schüler, gelehrte Panditen, die zu seinen Ehren errichteteSanskritschuleleiten.—DasHindu College, wo Frau Annie Besant ihre Theosophie unter jungen Hindu-Mystikern verbreitete, ist des Besuchs wert; es ist in einem Palast des Maharadschah von Benares.—Auch das christlicheMissionswaisenhaus(von einer Deutschen geleitet) wird manchem sehenswert sein.

Ausflüge: 1) NachSarnath, 6,5 km nördl. von Benares, der Stätte, wo die alte Stadt Benares stand und Buddha lehrte; der Weg führt über die Barnabrücke und längs der Ghazipur Road bis zum 3. Meilenstein, dann l.; bald kommen zwei Türme, einer auf einem Hügel, in Sicht. Ein Turm (39 m hoch) liegt in einem frühern Wildpark, wo Buddha mit seinen fünf Jüngern im Beginn seiner Lehrtätigkeit lebte und später (im 11. Jahrh.) ein großes buddhistisches Kloster stand; er ist von Asoka alsTopeoderDhamek Stûpaerbaut und enthält im Innern Buddhabilder und Reliquien; er gilt als besterhaltener Tope in Bengalen. Nicht weit davon ein zweiter Turm (33 m hoch), ebenfalls eine ehemalige Stûpa.—Westl. von Dhamek Stûpa liegt ein Dschaintempel, bei dessen Ostende der Torso eines Buddhagötzen; in der Nähe ein Brunnen,Ranis Bad. In Sarnath finden jetzt Ausgrabungen statt, ein archäologischesMuseumist im Entstehen. —2) NachRamnagar(dazu vorher Erlaubnis beim Sekretär des Maharadschah einholen) am Gangesufer; beim Ramnagar Ghat Überfahrt über den Strom; vom Palast *Blick auf Benares. Ein Wasserbehälter liegt 2 km nö. vom Palast, daneben ein Tempel.

487 M (784 km)East Indian RailwayvonBenaresbisCalcuttaSchnellzug in 141/2St. für I. Kl. etwa 36, II. Kl. 18 Rup.—Die Fahrt geht durch die regenreichen, echt tropischen, äußerst fruchtbaren (vor allem Reis-, Mohn-, Indigo- und Jute-Anbau) und dicht besiedelten, aber auch cholera-und fiebergefährlichen EbenenBengalensbis an den Westrand des ausgedehnten Gangesdeltas.

VonBenares, Cantonment Stat., über die prächtige, fast 1,5 km lange stählerne Brücke nach (10 M)Mughal Sarai(Bahnwirtschaft; man erkundige sich, ob Umsteigen nötig); von da nach (149 M)Bankipur(52 m;Bahnwirtschaft; guterDâk Bungalow, nahe Bahnhof), am rechten Gangesufer, mit dem Grab Schah Arganis (wo bei dem Maharremfest 100000 Menschen zusammenströmen); es ist westliche Vorstadt und Sitz der Behörden der großen HandelsstadtPatna(53 m;Dâk Bungalow) mit 136470 Einw.; Patna hat neun Geschäftsviertel mit vielen Basaren; Handel mit Opium, Indigo, Töpfer-und Baumwollwaren.Bank of Bengal, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft in Bankipur. Patna war 450 v. Chr. die wichtigste Stadt Indiens, jetzt schmutzig und eng, ohne Sehenswürdigkeiten.

Ostindien, südl. Teil.Ostindien, südl. Teil.

Seitentournach *Buddh Gaya. Mit der Patna Gaya Railway vonBankipursüdl. nach (57 M, 92 km) Stat.Gaya(Dâk Bungalow, fast 2 km vom Bahnhof, Wagen 21/2Rup. für1/2Tag), Stadt mit 71288 Einw.; 5 km östl. vom Bahnhof liegt ein Hindutempel und 2,5 km von diesem der TempelBishn Pad(Wischnus Fußtritt) in der alten Stadt. Hauptziel für Buddhaforscher und Archäologen ist derTempel von Buddh Gaya(11 km südl. von der Stadt Gaya), eine neunstöckige Pagode (nahebei ein Dâk Bungalow. Betten, Essen und Sodawasser mitbringen!); er ist 543 v. Chr. erbaut und ist als Wiege des Buddhismus die heiligste Stätte für einen großen Teil der Menschheit; von Pilgern viel besucht. Der Tempel ist voll von Überlieferungen aus dem Leben Buddhas. Man fährt in 2 St. bis vor den Tempel, meist durch schattige Straße; zur Besichtigung etwa 11/2St. erforderlich. Asoka umgab den Tempel mit prächtiger Pfeilermauer (älteste indische Skulpturen: Kentauren, Lotosornamentik, Seejungfrauen, märchenhafte Krokodile mit Elefantenohren, Pferdekopfmenschen). Hinter dem Tempel auf einer Plattform der heiligeBo-oderPippalbaum(Ficus religiosa). In der Nähe der Palast eines Maharadschah, wo Fremde um 4 Uhr empfangen werden.—Nw. ein kleiner, sehr alter Tempel mit stehendem Buddhastandbild.

Von Bankipur sö. weiter nach (305 M, 490 km) Stat.Madhupur.

Ausflüge von hier insParasnath-Gebirgeauf tempelreicher Pilgerstraße bis 1365 m ü. M. in malerischer Landschaft mit vielen Aussichtspunkten; Eisenbahn (24 M, 39 km) bisGiridh, dann guter Fahrweg 29 km bis zum Fuß der Berge; Träger zum Aufstieg (23/4St.) sind inMadhubanzu haben.

Dann über (366 M) Stat.Raniganj, am Ostende der großen Kohlenfelder von Bengalen (viele Fossilien, besonders Farren, ähnlich denen in den australischen und englischen Kohlenflözen, sind dort gefunden). —Bei (463 M)Hooghly Junction Stationüberschreitet die Eastern Bengal Railway auf schöner Brücke den Hooghly-Fluß, während unsre East Indian Railway auf dem rechten Ufer bleibt und über (466 M)Chandernagore(S.139) undSeramporedie Endstation (487 M, 784 km)Calcutta,Howrah Terminus(S.135), erreicht.

Vgl. die Karte S.96.

Eisenbahnvon Bombay nach (793 M, 1278 km) Madras: Great Indian Peninsula Railway und Madras and Southern Mahratta Railway nächster Weg; Schnellzüge (mail trains) mit durchgehenden Wagen I. und II. Kl. in 32 St. für I. Kl. etwa 59, II. Kl. 291/2Rup.Die Bahnstrecke führt in sö. Richtung quer durch das südl.Dekhan, dessen Aufbau man gut verfolgen kann: die schmale westl. Küstenebene, den hohen gebirgsartigen Westrand, das langsam gegen O. sich senkende Hochland, das keinen eigentlichen Gebirgscharakter trägt, und den im Verhältnis zu den Westghats niedrigen Ostrand, dem aber eine breite Küstenebene vorgelagert ist.—Der Einfluß der wechselnden Niederschlagshöhen macht sich in der Vegetation geltend, die am üppigsten an den feuchten Westghats, auf dem Hochland aber streckenweise beinahe steppenartig ist.

VonBombay(S.53), Victoria Stat., bis (34 M)Kalyans. S.61; hier zweigt die Madraslinie sö. ab, erreicht (54 M)Neral(gute Bahnwirtschaft mit Bädern etc.).

Kleinbahnvon Neral in 2 St. nach (13 M) *Matheran(Gasthöfe:Rugby Hotel, in freier Lage;Gymkhana Hotel, mit schöner Aussicht;Granville Hotel; Reitpferde zu haben), 800-1100 m ü. M.; sehr lohnender und beliebter Ausflug von Bombay, vgl. S.63(im Sommer Sa. bis Mo. stark besucht), bewaldetes Hochland mit prachtvollen Ausblicken auf wilde Felspartien, in die Ebene und bis zum Meer. Schönste Punkte: *Panorama Pointim N., *Chaux Pointim S.; außerdem lohnend zu besuchen:Louisa PointundAlexandra Point.

Nun steigt die Bahn nach Maschinenwechsel bei (62 M)KarjatdasBore Ghat(550 m; Wasserscheide) steil (1:42 bis 1:37) hinauf durch schöne Gebirgslandschaft (bei Tage fahren!). Bei 410 m ü. M. hält der Zug, um die Maschine ans andre Ende zu setzen, und erreicht dann (78 M) Stat.Khandala(550 m;Dâk Bungalowam Rande der Schlucht;Glendale Hotel, gut;Khandala Hotel;Convalescent Hospitalder All Saints-Schwestern), schöne Sommerfrische (Wasserfall von 90 m Höhe, sehr schön in der Regenzeit) der reichen Bewohner Bombays. Nahebei liegt (80 M)Lonauli(LanaulioderLonavla; Bahnwirtschaft; zwei Gasthöfe 5 Min. vom Bahnhof), der Platz, von wo man nach dem Höhlentempel von Karli in Tonga fährt.

Der *Höhlentempel (Karli Cave), einer der größten und besterhaltenen Indiens, ist in eine fast senkrechte, über 250 m hohe Felswand 38 m tief hineingearbeitet; er liegt etwa 3,5 km nw. vom Dâk Bungalow und 11 km vom Bahnhof Karli (ebenso weit vom Bahnhof Lonauli). Der Bau erinnert sehr an frühchristliche Kirchen mit Chor etc.; er ist wahrscheinlich um 200 v. Chr. errichtet und künstlerisch ausgeschmückt.— 5 km südl. vom Karli-Bahnhof liegen die alten HügelfestungenLohogarhundVisapur.—Andre sehr alte Höhlentempel liegen 3 km südl. von Karli inBhajaund inBedsa, 9 km östl. von Bhaja.

Von Lonauli mit der Hauptbahnlinie über (85 M) Karli (Dâk Bungalow) durch malerische Landschaft mit blühenden Dörfern.— (119 M)Poona, Puna (554 m;Connaught Hotel, bestes;Royal Family Hotel;Napier HotelundPoona Hotel;Bombay Bank;Droschkennach Tarif;Automobilenach Mahabaleshwar derWest India Motor Co., 3 Pers. 75 Rup., 6 Pers. 120 Rup.; Zeitung: »Deccan Herald«; Photographen:Metzker,Stewart; europäische Geschäfte;Western India Clubu. a.), ein Hauptsitz der Brahmanenkaste, mit Angehörigen über ein Drittel der einheimischen Bevölkerung), alte Mahrattenhauptstadt, jetzt Residenz des Gouverneurs von Bombay während der Regenzeit und das größte Militärkantonnement für die Bombay-Armee, seitdem die Pest in Bombay herrscht (ist aber auch nicht pestfrei), hat 157666 Einw., berühmte Gold-und Silberarbeiten; auch Fächer und Tonfiguren sind zu kaufen.

Ausflüge: 1) Mit Wagen (sehr anstrengend) nach (24 km sw.)Sinhgarh, einer berühmten Hügelfeste in schöner Landschaft.—2) Nach *Mahabaleshwar. Mit Auto (s. unter Poona) oder der »Southern Mahratta Railway«, die bei Poona abzweigt, bis (109 km) Stat.Wathar(Bahnwirtsch., Mittagessen vorausbestellen!); von da mit vorausbestelltem Wagen (beim Postagenten in Mahabaleshwar für 20-30 Rup.) in 5 St., schöner, doch sehr anstrengender Bergweg; durch (29 km)Wai(guter Dâk Bungalow), schönes Landstädtchen mit riesigem Banyanbaum in 13 km Entfernung am Fuße des Hügels Wairatgarh (der 30 Ar Schatten wirft); dann ins Gebirge steigend durch das große, von Europäern viel bewohnte DorfPanchganninach(64 km) *Mahabaleshwar(1438 m;Race View Hotel, Pens. 7 Rup.;Fountain Hotel, ebenso, beide gut, *Aussicht;Mahabaleshwar Hotel;Ripon Hotel;Klub mit Schlafgelegenheit; Postagent [Mail Contractor]Ardeshir Framjee, in Poona Civil Lines), eine gesunde und regenreiche Sommerfrische; in der Nähe dieYena-Wasserfälleund die *AussichtspunkteLodwick PointundElphinstone Point. An letzterm stürzt der Felsen etwa 600 m sehr steil zum Tiefland ab. Prachtvoller Ausblick gegen Sonnenuntergang auf die wilde Felslandschaft und das Meer.Ausflug von Mahabaleshwar nachPratabgarh; hübsche Fahrt 10 km zum Fuß des Felsenhügels, dann steiler und schwieriger Aufstieg zu der malerischen Burg des Mahrattenkönigs Shivaji;Pratabgarhist um 1656 erbaut.

Von Poona führt die Eisenbahn weiter durch bergige Gegend über (283 M) Stat.Sholapur(483 m;Dâk Bungalow), Stadt mit 55212 Einw., nach (292 M)Hotgi Junction Station.

Seitentourmit der »Southern Mahratta Railway« nach (59 M, 95 km) Stat. *Bijapur,Vidjajapuraim Sanskrit = Siegesstadt (510 m;Dâk Bungalow, in der Stadt;Bahnwirtsch.; Tongas 2 Rup. für 1 Tag), Distriktshauptort mit 17000 Einw. Bijapur, eine uralte Siedelung, gelangte erst unter den Fürsten der Adil Shahi-Dynastie (1489-1686) zu hoher Blüte als Millionenhauptstadt, die in ihren hohen Steinmauern einst 1600 Moscheen und viele prächtige Paläste einschloß; begründet 1489 vom Adil Shah Jusaf Khan, verlor sie die Selbständigkeit durch den Mogulkaiser Aurangzeb. Sehenswert der rundeDom Gol Gumbazdicht beim Bahnhof (innerhalb der Stadtmauer; seine Grundfläche ist größer als die des Pantheon in Rom); dieHauptmoschee Jama Masjid; ferner das SchloßGagan Mahalund das Mausoleum (Ibrahim Roza) von Ibrahim II. Adil Shah nebst Königin Taj Sultana, ein großes Fort mit 109 Türmen innerhalb der Ringmauer, u. a. Die Umgebung der Stadt ist sehenswert.

Hinter Hotgi tritt die Bahn in das Gebiet des größten Vasallenstaats des britisch-indischen Kaiserreichs, in das Reich des Nizam vonHyderabad(111/2Mill. Einw., 82000 engl. QM.; die Dynastie regiert seit 1740), und führt durch gutbewässerte Ebenen über die Stadt (353 M)Gulbarga(Dâk Bungalow) nach (376 M)Wadi Junction Station(427 m; Bahnwirtsch.); Umsteigen in die »Nizam's State Railway« und über (420 M) Stat.Tandur(Bahnwirtsch.) nach

(491 M)Hyderabad,Haidarabad(620 m;Bahnwirtsch.;Montgomery Hotel, gegenüber dem Bahnhof, gut, Pens. 7 Rup.;Brind's Hotel, Pens. 7 Rup.; wegen Hotelwagen vorher vereinbaren;Droschkennach Secunderabad I. Kl. 1 Rup. die Stunde, 9 Rup. den Tag, II. Kl. 41/2Rup. den Tag), Hauptstadt des Nizam mit 499840 Einw. sehr verschiedener Völkerschaften (Hauptsprachen: Telugu und Mahratti, außerdem hört man Kanaresisch, Hindustani, Hindi, Marwori, Gondi u. a.) und dem buntesten *Straßenlebenvon malerischstem Reiz, mit beachtenswerten *Basaren(Bidriwork, d. h. Silbereinlegearbeit aus Bidri). Die Bevölkerung trägt noch Waffen. Die Stadt liegt am Musi-Flusse zwischen Gärten und ist mit einer bastionierten Mauer umgeben. Im Herbst 1908 wurde die Stadt durch Überschwemmung des Flusses infolge von Dammbrüchen der oberhalb gelegenen Stauseen schwer geschädigt. Baumwoll-und Papierfabrikation bedeutend.Bank of Bengal(Korrespondent der Berliner Disconto-Gesellschaft).—Rundfahrt.Zum Besuche der Sehenswürdigkeiten in Hyderabad und Golkonda hole man (vor der Rundfahrt morgens im gewöhnlichen Anzug) bei der Palastwache am Palast des Nizam einen Erlaubnisschein der Adjutantur Sr. Hoheit des Nizam; der Besuch gilt dem Flügeladjutanten (Empfehlungen sind wertvoll); gewöhnlich schickt der Adjutant den Paß durch einen Soldaten; man kann auch durch die Hotels Erlaubnisscheine auswirken. Die englischeResidencyliegt außerhalb der Stadtmauern inChadar Ghat; zwischen ihr und der Stadt ist eine 180 m langeGranitbrücke, dieOliphant Bridge. Man kreuze den Fluß über die nächste nach W., dieAfzal Ganj Bridge, dann gelangt man durch dasAfzal Ganj Gatein eine breite Straße, die fast durch die ganze Stadt führt. In der Nähe des Tores liegt dieAfzal Ganj-Moscheemit vier Minarets neben dem städtischen Hospital; etwa 100 m innerhalb des Tores ist der Palast des berühmten Ministers SirSalar Jang Bahadur(gest. 1883), der dem Lande viel genützt hat.—Weiter in der Hauptstraße trifft man an einer Straßenkreuzung, wo jede Straße mit einem 15 m hohen Bogen überwölbt ist, auf denChar Minar, eine alte Gelehrtenschule mit vier schlanken Minarets, 1591 erbaut.—Östl. davon liegt dieMecca-Moschee, groß und finster, mit vier Minarets und sechs Bogen.—DerNizam's Palastliegt westl. vom Char Minar; er ist modern eingerichtet und reichlich mit unzugänglichen, durch sechsfache konzentrische Einfriedigung von der Stadt getrennten Harems versehen, und noch reichlicher mit Dienerschaft. Man besuche den Elefantenhof, wo meist etwa 60 Elefanten angefesselt stehen. Am 5. Muharreni (erster Monat des mohammedanischen Jahres) findet derLangar, ein Umzug der gesamten Truppen des Nizam um den Palast, statt (der Nizam und gegen 100000 Einw. der Hauptstadt sind Mohammedaner). —Sehenswerter ist derFelikan-Palast(Falak Numa), 1 km südl. von der Stadt, mit reizendem Terrassengarten, auf einem Hügel mit *Aussicht; es ist ein moderner Prunkbau zur Aufnahme fürstlicher Besucher (im Innern ein Saal mit Lachspiegeln).—Öffentlicher Gartenmit kleinem Zoologischen Garten (Fr. Abend Konzert).

10 km nördl. von Hyderabad (Bahn dahin) liegtSecunderabad,Sikanderabad(Montgomery Hotel, sehr gut, Pens. 7 Rup.;Brind's Parade Hotel;Wagen10 Rup. für 1 Tag, nach Golkonda und zurück 12 Rup.), das stärkste Militärlager der Engländer im mittlern Indien, weitläufig auf 50 qkm angelegt; mehrere Kantonnements sind in der Nähe inBolaramundTrimalgiri(mit befestigtem Rückzugslager). Hier stehen etwa 10000 Mann englische Truppen. DerParade Groundliegt südl. vom Bahnhof.


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