7. Von Calcutta nach Rangoon. Birma.

EisenbahnvonCalcuttanach (379 M)Darjeelingin 191/2St. für I. Kl. 49 Rup. 121/2annas; II. Kl. 24 Rup. 141/4annas; Rückfahrkarten mit 14 Tagen Gültigkeit I. Kl. 66 Rup. 6 annas, II. Kl. 33 Rup. 3 annas. Schnellzug: ab Calcutta Nm.; an Darjeeling Mitt.; Bettzeug, wollene Decken und warme Kleidung, auch Schleier oder Rauchbrille mitnehmen. Schlafplätze für den Nachtzug von Sara Ghat aus am besten bei Cook & Son vorausbestellen oder telegraphisch von Calcutta aus.—Die Bahnwirtschaften sind verhältnismäßig gut; bei der Rückfahrt Dinner in Siliguri. —Bei der Ankunft in Siliguri (auf der Bergfahrt) sichere man sich sofort einen Platz in der Kleinbahn, ehe man zum Morgenkaffee in den Wartesaal geht.Geographisches.Durch die heißen, ziemlich einförmigen und kahlen, aber vortrefflich angebauten Ebenen Unterbengalens, die von dem gewaltigen, in seiner Breite fast unüberschaubaren Ganges durchflossen werden, geht es bis an den Fuß des Himalaja. Ein Saum von dicht verfilztem, ziemlich niedrigem Sumpfwald (Tarai) umkleidet ihn und leitet bald in üppigen tropischen Regenwald über, der die untern Berghänge verhüllt. Bei etwa 1000 m Seehöhe beginnt der prächtige subtropische Bergwald mit seiner mannigfaltigen Zusammensetzung (die aber von der des östl. Himalaja in der Gegend von Simla ziemlich stark abweicht) aus mancherlei Laubbäumen, Palmen, Bambus etc., zu denen weiter oberhalb noch die schönen Baumfarne treten. Darjeeling selbst bietet gute Gelegenheit zum Studium dieses Waldes wie der mongolischen Bevölkerung des indisch-tibetischen Grenzgebietes (eine große Straße führt von hier nach Tibet hinein) und des Aufbaues des Himalaja aus einer Reihe schmaler paralleler Gebirgsketten (vgl. S.44).

VonSealdah Stat.im O. von Calcutta mit der »Eastern Bengal State Railway« vorbei am Vororte (5 M)Dum-Dum(spr. damdam), bekannt durch seine Gewehrmunitionsfabrik, in der zuerst die berüchtigten Dum-Dum-Geschosse mit Sprengwirkung angefertigt wurden; dann über (14 M)Barrackpur, mit Landsitz des Vizekönigs und alten Kasernen, nach (46 M)Ranaghat Junction(Bahnwirtsch.) und über (58 M)Bogoola(Bahnwirtsch., 10 Min. Aufenthalt zum Nachmittagstee) nach (103 M)Poradaha Junction(von hier Zweigbahn [47 M] nachGoalanda Ghat, nahe der Vereinigung des Ganges mit dem Brahmaputra, dann mit Flußdampfer und Bahn überDacca, die alte Hauptstadt Bengalens, nach dem SeehafenChittagong).—Die Bahn erreicht denGanges bei (120 M)Damukdia Ghat; hier umsteigen auf die Dampffähre, die in 25 Min. über den sehr breiten Gangeshauptstrom setzt; währenddessen Abendessen an Bord. Die Dampffähre landet bei (132 M)Sara Ghatgegen 21 Uhr; man beachte an den Wagentüren des Zugs die Zettel mit Namen, wenn man telegraphisch Schlafplatz bestellt hat. Dann mit der »Northern Bengal State Railway« in kleinen Wagen von 1 m Spurweite über (156 M)Nattore(bei Rückfahrt wird hier stark geläutet zum Wecken der Fahrgäste, ehe sie zur Fähre kommen) nach

(244 M)Parbatipur(Bahnwirtschaft).

Abstecher nach Assam;Zweigbahnvon Parbatipur nach (90 M)Dhubri Ghat, dann Dampferfahrt (wegen Anschluß vorher bei Cook erkundigen!) auf demBrahmaputra, dem »indischen Rhein«, in 4 Tagen nachDibrugarh(123 m;Dâk Bungalow), das schon nicht mehr allzu weit von der Austrittsstelle des Brahmaputra aus dem Himalaja entfernt liegt. Der Brahmaputra, ein gewaltiger Strom, fließt durch Assam in einem weiten bewaldeten Tale, meist in zahlreiche Arme aufgelöst. Bei Gauhati (s. unten), wo er nicht geteilt ist, ist er 11/2km breit. Sein Hochwasser, gespeist aus der Schneeschmelze im fernen Tibet und aus den gewaltigen Regenmengen, die im Sommer über Assam niedergehen, reicht von Mitte März bis in den September. Nahe seinem l. (südl.) Ufer beginnen die Vorhügel der Khasiaberge, eines schönen, niederschlagsreichen u. gut bewaldeten Gebirges mit reichen Teepflanzungen. An der Südseite, südl. von Shillong, liegt Cherra Punji, der regenreichste Ort der Erde (jährlicher Niederschlag 11600 mm).Die Brahmaputrafahrt gibt Gelegenheit zu Ausflügen nachShillong, Hauptquartier der Regierung von Assam, 1200 m ü. M., und in die prächtigen Waldberge desKhasiagebirges; sie sind aber beschwerlich, langwierig und teuer; nähere Auskunft gibtCook's Officein Calcutta.

Von Parbatipur weiter über (305 M)Jalpaigurinach (328 M)Siliguri(Bahnwirtsch., gut;Dâk Bungalow). Hier beginnt dieDarjeeling-Himalayan Railway, eine kleine Gebirgsbahn von 60 cm Spurweite, sehr schmale Wagen, I. und II. Klasse geschlossen oder offen. Rauchbrille oder Schleier zum Schutz gegen den Rauch der Lokomotive sowie warme Decken sind erforderlich. L. sitzen, ein Eckplatz im offenen Wagen gewährt beste Aussicht, man schwebt aber zuweilen über Abgründen; der Mittelplatz ist weniger zugig. Der Temperaturwechsel macht sich stark fühlbar, je höher die Bahn steigt; die Fahrt (51 M) dauert 6 St., anfangs durch Flachland mit Feldern, bald aber Aufstieg in dichtem Urwald (der sogen. »Tarai«) meist längs der alten Fahrstraße; in den Dschungeln hausen Tiger, Elefanten, Rhinozerosse, Leoparden und andres Wild. An Waldlichtungen sieht man auch zuweilen Holz schleppende gezähmte Elefanten. Man übersieht Schluchten mit Himalajazedern (Cedrus Deodara), Palmenwäldern, Feigen-und Mandelbäumen und riesigen Rhododendronbüschen. Bei scharfen Kurven sind Schleifen (loops) angelegt, an andern Stellen Kopfstationen (Spitzkehren), wo die Lokomotive an das Ende des Zugs gesetzt wird. In größerer Höhe werden die Zedern und Eichen seltener, häufiger die Baumfarne (Ferntree, bis 10 m hoch, wie Palmen aussehend).—In (360 M)Kurseong(Bahnwirtsch., gut;Clarendon Hotel;Dâk Bungalow), einem Hauptplatz der Teeplantagen, etwa 1500 m ü. M., ist 19 Min. Aufenthalt zum Frühstück. Der Wald macht Teepflanzungen Platz.(Auf der Rückfahrt kann man von Kurseong einen Teil des Abstieges auf einem Richtweg zu Fuß machen, sehr lohnend; man erkundige sich beim Station Master in Kurseong.)—Auf dem weitern Anstieg wird es kühl. Bald hinter Kurseong erster Blick auf den Kanchanjanga (8582 m), dann noch einmal kurz vor Ghoom.—In (376 M)Ghoom, 2600 m ü. M., erreicht die Bahn den höchsten Punkt; gelegentlich Ausblicke auf die Himalaja-Bergkette, dann bergab nach

(379 M)Darjeeling(2184 m), tibetan.Dar-rgjas-glin(d. h. Land des diamantenen Donnerkeils des Lamas), Stadt mit 13000 Einw., Endstation der Bahn.

Gasthöfe:Woodland's Hotel, gut. —Woodland's Annex Hotel, sehr gut, Pens. 8-15 Rup., 2 Pers. 14-18 Rup., Abfahrt 24 St. vorher anmelden.—Boscolo's Hotel Oakfield(neu), am Chaurasta;Central Hotel(neu), Post Office Road, gut, Pens. von 5 Rup. an. —Drum Druid Hotel.—Grand Hotel Rockville, das ganze Jahr geöffnet; 44 Z., Pens. von 8 Rup. an.—Jones HotelundRestaurant.—Boardinghouses Ada Villa;Bellevue;Himalaya Cottage.—Droschkennach Tarif.—Photographen:Baar, Deutsch-Österreicher;Burlington Smith.—Bank.—Apotheken.—Antiquitätenbei verschiedenen Firmen.—Skating Rink, bei der Kirche, gegen Abend Konzert.

Darjeeling, Hauptstadt des gleichnamigen britisch-indischen Distrikts, an der Grenze von Sikhim, zwischen Nepal und Bhutan, liegt auf den Vorbergen des Himalaja, ist Sommersitz des Lieutenant-Governors von Bengalen, vielbesuchte Sommerfrische (für Reisende, die in Benares oder Calcutta einen Malariaanfall erleiden, ist schleunigste Reise nach Darjeeling die beste und schnellste Kur) mit dem vorzüglichenEden-Sanatorium, mehreren Schulen und einem Pensionat zur Ausbildung von Forschungsreisenden und Dolmetschern. Mittlere Jahrestemperatur 11,5° C (Januar 4,5°, Juli 16,4°), größte Kälte-6,7°, größte Wärme etwa 27° C. Das Klima ist regenreich (3200 mm, etwa das Fünffache wie in Deutschland); die Regenzeit beginnt Anfang Juni. Die HauptstraßeThe Mallmit Musikhalle (April bis November spielt Mi. und Sa. Musik) führt zumObservatory Hill; dort *Aussicht über die Bergketten von Sikhim hinweg auf denKanchanjanga(8582 m) und andre Gipfel des Himalaja (großartigste Hochgebirgslandschaft der Erde). In den Basaren und auf dem Markt *Sonntag früh interessantes Volksleben (Mongolen, Tibetaner, Bhutias, Leptschas, Lopos, Nepalesen neben Hindu, Parsen u. a.). Da die Gebirge bei Tage häufig durch Nebel verdeckt sind, suche man die Aussichtspunkte bei Sonnenauf-oder-Untergang auf.—Etwa 1,5 km östl. und 300 m steil bergab liegt das malerische DorfBhutia Bustimit tibetanischem Tempel, vor dem mannsgroße bunte Gebetsmühlen stehen (auf den Papierstreifen der Mühlen steht das Gebet: »Om mani padme hum' = O, du Kleinod im Lotos, Amen!«; jede Umdrehung rechnet als ein Gebet!). Auf dem Rückwege sieht man eine Stûpa (oder Dagoba = Grabhügel), umgeben von weißer Mauer.— DerBotanische Gartenunterhalb des Eden-Sanatoriums enthält eine Sammlung von Himalajapflanzen, auch schöne Sammlung von Himalajaschmetterlingen, -vögeln und Eiern.

Ausflüge: 1) Nach *Tiger Hill(2600 m), 10 km vor Darjeeling, 500 m Steigung auf Reit-oder Fußwegen, mit Führer in 2 St.; am besten zu Pferde (im Gasthof bestellen, hin und zurück etwa 5 Rup.), Damen im Tragstuhl.

Äußerst lohnend! Um den Sonnenaufgang zu beobachten, ist Aufbruch mit Laternen früh 4 Uhr nötig. Man nehme Feldstecher mit! Bei günstigem Wetter (früh am wenigsten Wolken oder Nebel) ist der Sonnenauf-oder-Untergang unvergleichlich großartig; man übersieht die Hochgipfelkette des Himalaja vomMount Everest(8750 m) im NW. in riesigem Bogen über denKanchanjanga(8582 m) undDonkia Ri(7051 m) bis im O. an die Grenze von Bhutan und Tibet; überraschend ist die Schärfe der Umrisse wie das wunderbare Farbenspiel auf den Schneeflächen. Die Schneegrenze liegt bei 4500 m. Der *Blick auf den Himalaja ist das wunderbarste Hochgebirgsbild der Erde.2) NachPhalut(3600 m), 82 km nördl. von Darjeeling, quer durch Sikhim; beschwerlich, da der Weg quer zu den ostwestl. laufenden Bergketten verläuft, aber sehr lohnend für Alpentouristen zu Fuß, mit Führer, der, zugleich Koch und Dolmetscher, tägl. 2 Rup. erhält, und mindestens 10 Kulis zum Proviant-und Gepäcktragen, für Tag und Mann 12 annas; man kann auch Saumpfade benutzen, dazu ein Pony (mit Wechsel) 4 Rup. tägl. oder für Damen eine Dandy, Tragstuhl mit stellbarem Wachstuchdach nebst 8 Kulis zum Tragen; in dieser Art kostet der Ausflug, in 6-7 Tagen mit dem empfehlenswerten FührerNadar Sirdarund 27 Kulis gemacht, für ein Ehepaar etwa 250 Rup. mit Trinkgeldern etc. Wenn man von Phalut über Rinchinpong durch Sikhim zurückkehrt, dauert der Ausflug 10 Tage: Woodlands Hotel übernimmt die Ausrüstung, Stellung der Pferde etc. für zwei Personen für 440 Rup.; mit Trinkgeldern und Getränken kann man dann 500 Rup. rechnen. Proviant besorgt F. Schonert & Co. in Calcutta, Anwerbung der Pferde und Kulis der zuvorkommende Manager des Woodland-Hotels. Wer selbst die Ausrüstung übernehmen will, nehme einen Führer an (zu empfehlen auchKeschur Sing Markar), der auch Pferde etc. stellt. Ohne Führer kann man weder mit den Pferden (die im Gebirge leicht erkranken) noch mit den Kulis fertig werden, die Sprachkundige zur Beaufsichtigung erfordern.—Paßerlaubnis für Benutzung der Bungalows muß vorher in Darjeeling beimDeputy Commissionereingeholt werden, und zwar je ein Paß für Ausreise und Rückreise für jeden Bungalow, den man besuchen will. Man tut gut, die Kulis mit den Lebensmitteln einen Tag vorauszuschicken. Mitnahme von Verbandstoffen und einer Hausapotheke sowie Jagdgewehren ist zu empfehlen. Die erste Tagereise führt durch einsame Täler und über größere Höhen als Darjeeling bis zum Dâk Bungalow von (37 km)Tanglu(3070 m; jede Person über Nacht 1 Rup. und 2 annas für Brennholz), auf einem schroffen Bergvorsprung mit *Aussicht mitten im Wald. Zweite Tagereise durch wunderbare Gebirgslandschaft über Berg und Tal nach dem Dâk Bungalow von (61 km)Sandakphu(Sindukphu), 3630 m, mit prachtvollem *Ausblick auf Mount Everest und Kanchanjanga. Dritte Tagereise über stellenweise schmalen Berggrad zum Dâk Bungalow von (82 km)Phalut(3600 m). Vor Sonnenunter-und-Aufgang besteige man den höchsten Vorsprung des Bergrückens (etwa 3660 m), wo fünf spitze Steinhaufen mit tibetanischen Inschriften stehen. Die Bergriesen erglühen rosig (Alpenglühen); man befindet sich nur noch einen Tagesmarsch vom Kanchanjanga entfernt, sieht diesen Bergriesen dicht vor sich, dazwischen ein Labyrinth von Tälern unter gigantischen Abhängen, tief unten Dschungeln; *Blick auf Mount Everest.Wer weiter in die Gletscherwelt des Himalaja eindringen will, studiere vorher die Reiseberichte vonFreshfieldim »Alpine Journal« und von Dr.K. Boekin dessen Werk »Indische Gletscherfahrten«; sie rüsteten ihre großen Gebirgsreisen in Darjeeling aus.—Rückreise von Phalut: 1. Tag nach Sandakphu, 2. Tag bis Tanglu, 3. Tag Ankunft in Darjeeling.Viel schöner ist die Rückreise durch das Land Sikhimin 5 Tagen: 1. Tag von Phalut über den Dâk Bungalow von (10 km)Chiabhanjon(3150 m) nach dem Dâk Bungalow von (21 km)Dentam(2000 m); 2. Tag bis Dâk Bungalow von (40 km)Pamiongchi(1500 m); 3. Tag bis Dâk Bungalow von (56 km)Rinchinpong(1520 m); 4. Tag bis Dâk Bungalow von (75 km)Chakang(1550 m); 5. Tag zurück nach (107 km) Darjeeling (2180 m).

3) NachTeesta Bridge, 2 Tage zu Pferd, etwas anstrengend (Paßerlaubnis für Benutzung der Bungalows vorher in Darjeeling beimDeputy Commissionerund beimExecutive Engineereinholen), am 1. Tag zum Bungalow von (12 km)Badatam(760 m), dort übernachten, dann durch das Teesta-Tal überTeesta Bridge(Dâk Bungalow; 210 m) und (27 km)Pashoke(Dâk Bungalow; 1000 m), zurück nach Darjeeling. Man kann auch von Darjeeling über Pashoke ins Teesta-Tal hinabreiten, dann über Teesta Bridge (dort im Bungalow übernachten) nachRiang(Dâk Bungalow) und (51 km)Kalithora(Dâk Bungalow; 170 m) nach Siliguri (S.140) reiten und von da mit der Bahn nach Darjeeling oder Calcutta zurück. (Näheres siehe »Meine indische Reise« vonEugenie Schaeuffelen, Berlin 1906.)

Vgl. Karte S.155.

Dampfer Calcutta-Rangoon, 787 Seem.:British India Steam Nav. Co.(AgentMackinnon, Mackenzie & Co., Calcutta, Strand 16), dreimal wöchentlich, So. Di. Fr., in 50 St. für I. Kl. 75, II. Kl. 371/2Rup. Fahrkarte Calcutta-Singapore mit 4 Wochen Unterbrechung in Rangoon I. Kl. 150, II. Kl. 75 Rup. Verpflegung und Platzbesorgung für deutsche Reisende lassen zu wünschen; man bestelle durch Cook Plätze voraus.

VonCalcuttafährt man den Hooghly abwärts (S.134), durchquert den innersten Teil des Golfs von Bengalen mit SO.-Kurs bis zumKap Negrais, dann mit östlichem Kurs an den Mündungen desIrawaddy(spr. irawadi) entlang, die sich durch lehmfarbige Trübung des Seewassers ebenso wie die Gangesmündungen weit außerhalb der Küste kenntlich machen. Schließlich steuert man mit NO.-Kurs in denGolf von Martabanbis zur Mündung desRangoonflusses, auf dem das Schiff aufwärts nach (787 Seem.)Rangoon(S.145) fährt.

Birma(oderBarma, engl.Burma) erstreckt sich zwischen 27° und 10° nördl. Br. von der Ostküste des Golfs von Bengalen aus nordwärts in die hinterindische Halbinsel hinein.Niederbirma(Lower Burma) ist seit 1826 und 1852,Oberbirma(Upper Burma) erst seit 1886 englisch. Zu letzterm rechnen noch Luschai-und Katschinland sowie die Schanstaaten, so daß die gesamte jetzige Provinz Burma, die einen Teil des Kaiserreichs Indien bildet, etwa 613000 qkm (Deutsches Reich 540778 qkm) mit 10500000 Einw. umfaßt. Oberbirma und auch die Gebirgszüge Unterbirmas sind noch wenig erforscht, so daß Touristenreisen im Lande sich auf die wenigen unten beschriebenen Linien beschränken müssen. Das ganze Land gliedert sich in nordsüdlich verlaufende Gebirgsketten und dazwischen eingesenkte Täler, von denen nur eins, das untere Irawaddytal, eine große Ebene bildet, die sich südwärts durch die Deltabildung des Flusses noch ständig vergrößert. Der zweite große Strom des Landes, der Salween, der wie der Irawaddy fern im N. im Grenzgebirge Tibets seinen Ursprung hat, durchfließt bis zu seiner Mündung ein verhältnismäßig schmales Gebirgstal.DasKlimaweicht von dem Vorderindiens wenig ab. Wie dort unterscheidet man drei Jahreszeiten: die kühle (Mitte November bis Anfang März), die heiße (März bis Mai) und die Regenzeit. Das Küstengebiet wird von Ende Mai bis Anfang Oktober durch den Südwestmonsun mit großen Regenmengen überschüttet. Landeinwärts läßt die Regenfülle, abgesehen von den Gebirgen, rasch nach, da ein küstennaher Gebirgszug einen großen Teil der Feuchtigkeit abfängt.

DieTemperaturnimmt in der kühlen Jahreszeit landeinwärts ab (Rangoon Januar 23,7°, Mandalay 20,4°), in der heißen aber zu (Rangoon April 29,4°, Mandalay 31,8°). DieVegetationdes Küstengebiets ist sehr üppig; die Inseln des Irawaddydeltas sind großenteils von Sumpfwald und Röhricht bedeckt, die Berge von tropischem Regenwald. Die dichten Wälder, die einen großen Teil des Innern bedecken, bestehen vielfach aus Teakbäumen, die weniger Regen bedürfen; ihr Holz bildet einen Hauptausfuhrgegenstand; daneben gibt es Feigen-und Magnolienbäume sowie Brotfruchtbäume.Tierweltwie in Ostindien, dazu vier Arten Nashörner. Vögel und Reptilien sind sehr farbenprächtig.Bevölkerung.Das herrschende Halbkulturvolk derBirmanenist wohl ein Mischvolk aus mongolischen, vorderindischen und malaiischen Elementen. Sie sind klein, hellbraun, wohlgestaltet, sehr lebhaft und geschäftlich rührig, gegen Fremde meist höflich und gastfrei, aber unzuverlässig und verschlagen. Männer und Frauen sind sehr putz-und vergnügungssüchtig und in ihrem Leben und Gebräuchen wesentlich von den Hindu verschieden. DieKulturist vom benachbarten Vorderindien aus stärker beeinflußt als von China her. Aus Vorderindien ist sowohl der Brahmanismus gekommen, der zahlreiche schöne Tempelbauten, namentlich in Oberbirma, hinterlassen hat, wie auch der heute herrschende Buddhismus, der übrigens mit brahmanischen Ideen ganz durchsetzt ist. Jeder Mann muß eine Zeitlang als Mönch leben; Klöster,Phoongyi-Kyaung, findet man in jeder Stadt und jedem Dorf, ältere sind oft prächtig aus Teakholz geschnitzt und mit Spitztürmen,Pyathats, geziert. Die Priester, kahlgeschoren und mit gelben Seidengewändern, sind hochangesehen, worauf der Reisende stets Bedacht nehmen muß, um sich vor Unannehmlichkeiten zu bewahren. Der Oberpriester,P'ha-T'hena-Baing, ein hoher Reichswürdenträger, hat seinen Sitz in Mandalay. Die Tempel,Phra, sind Prachtbauten, die Pagoden stets pyramidenförmig. Die Priester sind gegen höfliche Fremde sehr artig und zeigen alles gern. Öffentliche Theateraufführungen (Pwe), die abds. 8 Uhr im Freien beginnen und oft über Nacht dauern, sind sehenswerte Volksfeste.Denkulturellen Mittelpunktdes Landes bildet dasIrawaddytal, in dessen Ebenen große Mengen von Reis, Baumwolle, in viel geringerm Umfang auch Erdnüsse, Tabak, Zuckerrohr und Sesam gebaut werden; die Ausfuhr von Reis (nach China) ist sehr stark. Im nördl. Gebiet kultiviert man Mais, Weizen, Hirse, Hülsenfrüchte, Ölsaat; im Gebirge auch Tee, der teils als Gemüse gegessen, teils eingesalzen zur Getränkbereitung benutzt wird. Viehzucht ist unbedeutend, man hält nur Zug-und Lasttiere: Pferde, Büffel, Elefanten, Rinder. Wichtig ist derBergbauauf Edelsteine (besonders Rubine und Saphire), Petroleum und Kohle.DerHandelsverkehrfindet vorwiegend auf den schiffbaren Flüssen statt, auf dem Irawaddy mit Dampfern der Irawaddy Flotilla Co. bis Bhamo, 1180 km von der Mündung, und auf dem Chindwin. Außerdem mehrere Bahnlinien, s. S.145und150.Der Ostteil Oberbirmas wird von dem wilden Gebirgslande der sogen.Schanstaateneingenommen, die erst in ihrem Nordteil durch die bis nahe an die Grenze der chinesischen Provinz Yünnan führende Eisenbahn ein wenig erschlossen, im ganzen aber noch ziemlich unerforscht sind. Die Staaten der Schanvölker, die dieses Gebiet hauptsächlich bewohnen, stehen zu England im Verhältnis von Schutzstaaten. Die Schan sind ein Naturvolk, aber mit einer nicht ganz geringen Kultur, und leisten im Ackerbau (Tee und Baumwolle) und Viehzucht Tüchtiges. Sie sind mongolischen Ursprungs, also Verwandte der Chinesen.BesteReisezeitnach der Regenzeit, etwa von Mitte November bis Ende Februar; aber auch der März ist oft noch angenehm kühl und sehr geeignet für Ausflüge.Die Hauptreize einer Reise ins Innere Birmas bestehen in der Fahrt auf dem majestätischen Irawaddystrom, die den Genuß der Tropennatur unter den angenehmsten Verhältnissen ermöglicht, und im Studium der äußerst liebenswürdigen Bewohner und ihrer Kultur, besonders ihrer religiösen Bauwerke.

Vgl. den Plan S.147.

Ankunft zur See.BeiChina Bakirkommt der Lotse an Bord, dann dampft man auf demRangoonfluß(dem östlichsten Mündungsarm des Irawaddy) aufwärts und ankert nach etwa 2 St. Fahrt vor der Stadt, 24 Seem. oberhalb der Mündung. Beide Flußufer zeigen reichen Pflanzenwuchs; von weitem sieht man Schornsteine und die goldglitzernde Dachspitze der Shwe Dagon-Pagode, später erkennt man Warenschuppen und Holzlager und Häuser der Stadt. Landung erfolgt mit Dampfbarkassen der betr. Dampfergesellschaft oder mit Booten der Eingebornen (»sampans«; 4 annas für 10 Min. Fahrt). Bei hohem Wasserstand legt der Dampfer am Ufer vor der Mitte der Stadt an. Zolluntersuchung wie in Indien (S.49); von indischen Häfen kommende Reisende haben keinen Zoll zu zahlen.Gasthöfe:Minto Mansions Hotel, im Cantonment nahe Gymkhana; 80 Z., neu und besteingerichtet, gute Verpflegung, Din. 3 Rup., Pens. 9-15 Rup., Oktober bis April 15-17 Rup.—Strand Hotel(Pl. a), in schöner Lage, empfohlen. —Royal(Pl. b), Pens. von 10 Rup. an.—Criterion Hotel.—VieleBoarding Houses:Allendale, im Cantonment,Aberdeen Houseu. a.; Pens. 5-11 Rup. Vorausbestellung von Zimmern ist zweckmäßig. Man kann auch auf den Irawaddy-Dampfern gut übernachten. —Restaurantsin den großen Gasthöfen; fernerChiesa, italienische Konditorei;Vienna Bakery, Fytche Square.Post u. Tel.in Strand Road.Wagen:Ticca gharriesnach Tarif. Man beachte, daß die Kutscher meist »Madrassis« sind, die Hindostanisch verstehen, aber weder Straßen-noch Geschäftsnamen kennen! Man nehme den Stadtplan mit!Straßenbahnen(elektr. Bahn mit 2 Klassen). Eine Linie von Strand Road zur großen Shwe Dagon-Pagode; eine andre zum Dalhousie Park, eine dritte Linie nach Pazundaung.Eisenbahnen:Burma Railway, Hauptlinie nach Mandalay und Myitkyina mit Zweiglinien nach Moulmein, Myingyan, Alon, Lashio und Katha; außerdem Linie Rangoon-Prome mit Zweiglinie nach Bassein (vgl. Karte »China und Japan« und die bei S.155). Der Hauptbahnhof (Terminus) liegt Ecke Phayre Street und Montgomery Street; die Prome-Linie hat noch Nebenstationen bei Godwin Road, Prome Road und Alon sowie eine große Station im Vorort Kemmendine; die Mandalay-Linie hat den Bahnhof Pazundaung.—Lokalverkehr besteht zwischen Rangoon-Hauptbahnhof-Pagoda Road-Lanmadaw-Cantonment-Gymkhana-Mission Road-Kemmendine-Kamayut-Okkyin-Tamaing-Gyogon und Insein und zurück.Dampfer:British India Steam Nav. Co.(Agent Bulloch Bros., Strand Road), nach Calcutta 3mal wöchentl.; nach Madras (Fahrzeit 4 Tage), nach Tavoy und Mergui, nach Penang und Singapore wöchentl.—Norddeutscher Lloyd(Agent: Krüger & Co., Ltd., Tel.-Adr. »Nordlloyd, Rangoon«), durch Zweiglinie der British India Steam Nav. Co. alle 14 Tage nach Penang (Fahrzeit 3 Tage, Aufenthalt in Penang etwa 3 Tage), dort Anschluß an die aus-und heimreisenden Reichspostdampfer.—Bibby Line, nach Colombo alle 14 Tage (Fahrzeit 4 Tage).—Österreichischer Lloyd(Agent Società an. Coloniale di Trieste, Tel.-Adr.: »Lloydiano-Rangoon«), einmal monatl. nach Calcutta (von Colombo und Madras kommend) und von da nach Triest.—Henderson Line, 14tägig über Port Said nach London.Geldwie in Indien, s. S.49; aber indisches Papiergeld muß in Birma mit Verlust gewechselt werden; Banknoten des Rangoon Treasury gelten in ganz Birma. 1 £ = 15 Rup.—Banken:Bank of Bengal, Strand Road. —Hongkong and Shanghai Banking Corporation; Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig.—National Bank of India, Phayre Street; Korr. der Deutschen Bank; alle drei der Berl. Disconto-Gesellschaft.—Nederlandsche Handels Maatschappij.—Cook's Office(s. unten) besorgt ebenfalls Bankgeschäfte.DieSpracheder Birmanen ist ein Glied der indochinesischen Sprachfamilie. Man beachteJudson, »Grammar of the Burmese language« und dessen »Dictionary«. Englisch wird jedoch in den Gasthöfen und auf den Eisenbahnen gesprochen.

Theater: Reisende europäische Gesellschaften geben zuweilen in derJubilee Hallin Pagoda Road Vorstellungen. —Nationale Vergnügungen (Pwes) suche man zu erkunden:Zat Pweist Vorstellung mit Gesang, Tanz und Ulk;Yokthwe Pweein Marionettentheater;Yein Pwe, Ballettänze mit Musik und Gesang, finden nur bei besondern Festlichkeiten statt, sind frei (werden vom Veranstalter des Festes bezahlt) im Freien von 8 Uhr abds. die Nacht hindurch.Reisebureau.Thos. Cook & Son, östl. Ecke der Phayre Street und Merchant Street (Tel.-Adresse: »Coupon, Rangoon«), besorgt zusammenstellbare Fahrscheine für alle Ausflüge mit Bahn oder Flußdampfer und erledigt auch alle Geldgeschäfte. (Nützlich istCook's Handbook Burma.)—Scott & Co., Merchant Street.Konsulate:Deutsches Reich, Konsul C. Kauffeld.—Österreich-Ungarn, Konsul Michael Sevastopulo.—Deutscher Klubin Commissioners Road.Polizeiamtin der Pagoda Road beim Bahnübergang und an andern Plätzen.Ärzte: Die Zivilärzte im Cantonment; Dr.de Souza, Dalhousie Street; Dr.Pearse, Dr.Pedley, beide Signal Pagoda Road. Die Ärzte haben Sprechstunden in den Apotheken.—Zahnärzte: Dr.Panhans(deutsch), Solay Pagoda Road;Osborn(Amerikaner), Phayre Street.—Apotheken:De Souza & Co., Dalhousie Street 215.—Rangoon Medical Hall, Merchant Street 72. —Krankenhaus:General Hospitalin der Commissioners Road; Ärzte: MajorBarry, MajorRöst.Buchhandlung:Myles Standish & Co., Merchant Street 75.—Zeitungen:Rangoon Gazette;Rangoon Times;Burma Herald.—Photographien:P. Klier & Co., Signal Pagoda Road 3 und Merchant Str., Ecke der Phayre Street. —D. A. Ahuja(für photographische Artikel), Sule Pagoda Road.Geschäftsadressen.Reiseartikel und europäische Bedürfnisse:Laidlaw & Whiteway.—Rowe & Co., Fytche Square.—Watson, Allen & Roberts, Merchant Street 73.—W. Macfie &Co., Merchant Street 16.—Kuriositäten, Ebenholzschnitzereien, Elfenbein-, Gold-und Silberwaren:Klier & Co., Merchant Str., Ecke der Phayre Street.—Goldschmiede und Holzschnitzer in Godwin Road; gute Schnitzarbeiten liefert auch das Hauptgefängnis (Central Jail), Old South Boundary Road; Buddhafiguren in Bronze und Alabaster und andre Spezialitäten im Vorort Kemendine.—Basare:Suratee Bazaarin China Street.—Rangoon Bazaargegenüber; außerdem öffentliche Märkte (Municipal Bazaars), Strand Road u. in Kemendine.Zeiteinteilung für Birma.a)Für 10 Tage(die gewöhnliche Zwischenzeit zwischen zwei Dampferabfahrten): Ankunftstag früh Stadt Rangoon, Nm. Bahnfahrt nach Katha, von da am 3. Tag früh mit Dampfer nach Bhamo;— 4. Tag Bhamo;—mit demselben Expreßdampfer am 5. Tag früh zurück, Nm. an Katha, mit Bahn von da nach Mandalay;—6. Tag: Mandalay;—7. Tag: früh ab nach Gokteik Gorge, Nm. dort an;—8. Tag: Vm. ab Gokteik Gorge nach Rangoon;—9. Tag: abds. Ankunft Rangoon;—10. Tag: Vm. Rangoon, mitt. Abfahrt mit Dampfer.b)Bei längerm Aufenthalt:1. Tag: Rangoon;—2. Tag: Bahnfahrt nach Mandalay;—3. u. 4. Tag: Mandalay; —5. Tag: Amarapura und Ava; —6. u. 7. Tag: Gokteik Gorge;— 8. Tag: Bahnfahrt nach Katha;—9. Tag: Dampferfahrt nach Bhamo;— 10. Tag: Bhamo;—11. bis etwa 20. Tag: Dampferfahrt Bhamo-Mandalay-Prome-Rangoon. Der Reiseplan ist abhängig vom Fahrplan der Irawaddy Flotilla Co.Geschichte.Der Platz, wo Rangoon steht, ist seit alters heilig durch die Shwe Dagon-Pagode. In den Kämpfen zwischen den Ländern Ama und Pegu vertrieb der Bauer Alompra die Bewohner Pegus und machte 1753 Rangoon zur Hauptstadt der letzten Königsdynastie von Birma. Der Übermut des Königs Phagyidan führte zum Kriege mit England, Rangoon wurde 1824 von den Engländern erobert, aber erst 1852 zur Hauptstadt von Britisch-Birma gemacht. Seitdem hat sich die Stadt zu einem wichtigen Ausfuhrhafen für Reis und Teakholz entwickelt.

Lageplan von Rangoon.Lageplan von Rangoon.

Rangoon, Hauptstadt von Britisch-Birma und Sitz des Lieutenant Governor's, mit 234881 Einw., liegt auf 16° 47' nördl. Br. am Ostrande des Irawaddydeltas, am linken Ufer desRangoonflusses(Hlaing), des östlichsten Mündungsarmes des Irawaddy, dicht oberhalb der Einmündung desPeguflussesund nach O. begrenzt von dem schmalen WasserarmPazundaung Creek(an dessen Ufern die meisten Reismühlen liegen). Die Stadt ist weitläufig gebaut mit regelmäßigen Straßen. Im W. liegt dasChinesenviertel, im NW. dasCantonment, zugleich Europäerviertel, mit breiten Straßen und schönen Gärten sowie vielen Kasernen. Im nördlichen Teile dieses Viertels liegt die große Tempelanlage der*Shwe Dagon-Pagode(s. unten) und östl. davon der prächtige*Dalhousie Parkmit den*Royal Lakes. Südl. angrenzend der*Victoria Park, in dem sich dieAgri-Horticultural Gardens, das kleinePhayre Museumund derZoologische Gartenbefinden. Erwähnenswerte Gebäude sind das Seemannsheim (Sailor's Home) und derChinesische Tempelin Strand Road, dasSekretariatin der Dalhousie Street, dasGeneral Hospitalin Commissioners Road, dasGouvernment Housein Kemmendine Road, dieKathedraleund dasRangoon Collegemit Bibliothek, alten Pali-und Birmahandschriften auf Palmenblättern in China Street. Nicht alle Straßen haben Namen und Hausnummern, was das Zurechtfinden in der Stadt erschwert. Die Sägewerke für Teakholz (in denen Elefanten zum Lastentragen verwendet werden) liegen meist in Aloon, am Westende der Strand Road. Man versäume nicht, die arbeitenden Elefanten (wood piling elephants) am Fluß anzusehen, früh 6-9, dann 3 Uhr bis abends.

Rundfahrt.Morgens1/2-8 Uhr beginne man mit den Basaren (S.146), insbesondere demSuratee Bazaarin der China Street und demMunicipal Bazaaram Strand; dann ist die beste Zeit, um die Tätigkeit der sehr geschäftsgewandten, Riesenzigarren rauchenden interessanten Birmaninnen zu bewundern; die Basare werden viel besucht, nur um Erkundigungen einzuziehen, zu schwatzen und zu flirten. Dann fahre man durch China Street bis zur Commissioners Road, in diese l. zum sehenswerten neuenGeneral Hospital, gegenüber dasRangoon Collegeund derDeutsche Klub; von da weiter zumCentral Jail(eins der größten Zuchthäuser im britischen Reich), das Verkaufsräume der Sträflingsarbeiten (meist schöne Holzschnitzereien) hat und auch innen sehenswert sein soll; Erlaubnis zur Besichtigung beim Superintendent im Gefängnis.—Dann durch Dalhousie Street bis zum Fytche Square, wo die achteckigeSule-(Solay-)Pagodesteht; ihr äußerer Bau ist kaum 70 Jahre alt, aber die Stûpa im Innern soll aus dem 1. Jahrh. stammen und schließt noch eine kleinere Stûpa von der Königin Schinsobu ein. Auf der Terrasse der Pagode interessante Reliquienschreine und Statuen.—Die Hauptsehenswürdigkeit Rangoons, die*Shwe Dagon-Pagode, besichtigt man am besten 4 Uhr Nm. Man fährt vom Strand durch China Street und Pagoda Road bis vor ihren nach S. gelegenen Haupteingang. Sie ist der heiligste Buddhatempel in ganz Hinterindien, wahrscheinlich fast 21/2Jahrtausende alt (588 v. Chr. erbaut) und steht mitten auf befestigten Terrassen auf einem Hügel des Pegu Jomagebirges. Eineschöne Allee führt von der Stadt zum Haupteingang mit reich verziertem, von fabelhaften Ungetümen aus weißem Stuck bewachtem Tor, zu dem man auf breiter Freitreppe hinansteigt. Auf der Treppe Verkäufer aller Art; Gebetfähnchen, Opferkerzen, Puppen, Tempelblumen, Gongs und Glocken, Eßwaren, dazu Führer und Bettler in Menge. Innerhalb des Tores öffnet sich der farbenprächtige Tempelplatz, in dessen Mitte die große, im untern Teil mit Blattgold, im obern Teil mit Goldplatten bedeckte Pagode über achteckiger Grundfläche von 413 m Umfang sich in vielen Abstufungen flaschenförmig 98 m hoch erhebt. Ihre Spitze trägt als Herrscherzeichen ein goldenes Schirmgestell, reich mit Edelsteinen, besonders den prächtigen birmanischen Rubinen, verziert und mit goldenen und silbernen Glöckchen behängt, und »Ti« genannt; der letzte Ti von 14 m Höhe und 4 m Durchmesser und 1,2Mill. Mk. Wert wurde 1871 vom König Mindun Min von Oberbirma gestiftet. Acht Haupthaare Gautamas (Buddhas) im Innern der Pagode werden von unzähligen Pilgern jährlich verehrt.

Die Vergoldung der Pagode ist verschwenderisch dick, die Edelsteine, mit denen die Pagode und ihre zahlreichen Buddhastatuen und andern Figuren u. Tempel früher geschmückt waren, sind seit Besitznahme des Landes durch die Engländer fast sämtlich verschwunden. Die Pagode (auf deren Sockel noch im Jahre 1903 ein wilder Tiger, der sich zur Stadt verlaufen hatte, geschossen wurde) ist rings umgeben von kleinern Tempeln und Altären mit Buddhastatuen aus Teakholz geschnitzt oder aus Stuck oder Marmor; dazwischen stehen Elefanten, Löwen und phantastische Manotthika-Figuren aus Stein und reichem Holzschnitzwerk, ferner heilige Pfosten, wie Flaggenstangen mit langen Eisenbändern, und gekrönt mit dem Adler Wischnus, Karaweik; dazwischen wachsen heilige Bo-Bäume und Palmyra-Palmen.—Diese seltsame Tempelanlage wird von Priestern und Mönchen, Bettlern, Musikanten, Wahrsagerinnen, hübschen, aber geschwätzigen Weibern, Krähen und Hunden bevölkert, während stets zahllose Glöckchen läuten. Man besuche dieses »Märchenbild« öfters und zu verschiedenen Tages-und Abendstunden und wird stets neue Reize entdecken.—Am Osteingang steht die fast 40 Tonnen schwere Glocke, die in den Fluß fiel, als die Engländer sie als Beute mitnehmen wollten, später aber wieder von den Birmanen gefischt und zum Tempel gebracht wurde.

Noch vor Sonnenuntergang sollte man eine Spazierfahrt durch den künstlerisch angelegten*Victoria ParkmitZoologischem GartenundAgri-Hortikultur-Garten, dann durch den schönenDalhousie-Parkum denRoyal Lakeherum machen, der durch Bougainvillea-Hecken eingerahmt ist und kaum 1 km östl. von der großen Pagode liegt; die goldene Pagodenspitze ist im Hintergrund des Parks zu sehen.—Umbirmanische Klösterkennen zu lernen, wende man sich an den liebenswürdigen alten MönchUthilawuntha, der dicht beim Bahnhof Pazundaung eine gute Schule leitet und gern europäische Besucher empfängt. Dort ist man in der Nähe der Reismühlen, deren Besichtigung zu empfehlen ist; Erlaubnis wird meist gern gegeben.

Ausflüge:1) Nach demVictoria-See, etwa 13 km nördl. der Stadt, an der Landstraße (in der trocknen Jahreszeit sehr staubig) nach Prome; die Landschaft ist hübsch, man fährt durch große, schattige Ananasgärten zurück auf der Kokine-Straße, insgesamt 24 km in etwa 4 St.—2) NachSyriam, wo die Raffinerien derBurma Oil Co.liegen, mit Dampfbarkasse, von der Landungsbrücke beim Zollamt, Strand Road, etwa 5,5 km östl. zum l. Peguufer, wo eine Landungsbrücke ist; das jetzige Dorf war die erste portugiesische Ansiedelung in Birma, später holländische Faktorei (1631-77); Ruinen dieser Niederlassung sind noch zu sehen.—10 km von Syriam steht eine große Pagode auf einem Hügel.—3) NachPegu(sehr lohnend) s. unten.

Zusammenstellung von Fahrscheinheften besorgtCook's Officein Rangoon (S.146); z. B. die Tour Nr. 5 für 10 Tage: Bahnfahrt Rangoon-Mandalay-Katha; Dampferfahrt Katha-Bhamo-Mandalay-Prome; Bahnfahrt Prome-Rangoon; Fahrpreis I. Kl. 1573/4, II. Kl. 83 Rup.Burma Railway, Expreßzug vonRangoon(ab 11 Uhr Vm.) nach (386 M, 620 km)Mandalay(an früh) in 20 St., für I. Kl. 30 Rup. 3 annas, II. Kl. 18 Rup. 11/2annas. (Man achte auf sein Gepäck und verriegele das Abteil, wenn man schläft, es wird viel gestohlen!)— Die Bahn läuft nicht in der Irawaddy-Ebene aufwärts, sondern wendet sich über die südl. Ausläufer des die Irawaddy-Ebene ostwärts begrenzendenPegu-Yoma-Gebirgesdem zwischen diesem und dem ostbirmanischen Gebirgslande verlaufenden breiten Talzuge zu. Dieser wird in seinem größern Südteile (von Yamethin ab) durch denSittangflußsüdwärts zum Golf von Martaban entwässert, im Nordteil aber nordwärts durch denIsamonfluss, der bei Ava (S.153) in den Irawaddy mündet.

Abfahrt inRangoonvom Terminus (Phayre Street) über (1 M)Pazundaung Stat.durch wasserreiches, gut bebautes Flachland, aus dessen üppigem Pflanzenwuchs viele Pagoden aufragen.

(47 M)Pegu(Bahnwirtsch.;Wagen zu haben), Stadt von 14000 Einw., angeblich 573 begründet, war im 16. Jahrh. eine blühende Großstadt, wovon noch sehenswerte Spuren vorhanden. Vom Bahnhof sieht man an der Westseite die ruhende Riesenfigur Buddhas, denShwethayaung(55 m lang, 15 m hoch) und nahebei die 1476 erbaute Ordinationshalle für Mönche,Kalyanisima, mit Pali-und Talainginschriften, sowie dieKyaikpun-Pagodemit vier Buddhafiguren, 27 m hoch, mit den Rücken gegeneinander sitzend. Größtes Heiligtum ist dieShwemodo-Pagode, auf einem Hügel malerisch gelegen und von 128 kleinen Pagoden umgeben. In der SO.-Ecke der Stadtmauer steht dieShweaungyo-Pagode, *Aussicht über Pegu und Vorstädte. —Etwa 1,5 km westl. liegt dieShweguzale-Pagodemit 64 Buddhafiguren, 1588 erbaut. (Zur Besichtigung von Pegu fahre man mit dem Frühzug von Rangoon ab, dann hat man bis zur Ankunft des Expreßzugs etwa 4 St. Zeit.)

Der Expreßzug fährt dann über (88 M)Pyuntaza, (166 M)Toungoo, (226 M)Pyinmana, (275 M)Yamethin, (306 M)Thazi Junction(Zweigbahn nach Myingyan am Irawaddy), (359 M)Kyaukse, sämtlich mit Bahnwirtschaften, nach (383 M)Myohaung Junction(Zweigbahn nach Amarapura, S.153).

Zweigbahnvon hier nö. nach (181 M)Lashio, Hauptstadt der nördl. Schanstaaten, undKung-Lonam Salween, nahe der Grenze der chinesischen Provinz Yünnan. Ein sehr empfehlenswerter 11/2tägiger Ausflug von Mandalay (s. unten) führt auf dieser Zweigbahn mit Kehren durch sehr schöne Gebirge (ähnlich Darjeeling, S.141) bis (83 M)**Gokteik Gorge(Rasthaus der Bahngesellschaft auf vorherige Anmeldung beim Station Master der Abfahrtstation verfügbar, doch nehme man Lebensmittel mit), einer großen Schlucht in wunderbarer Landschaft, überbrückt von einem der höchsten Bahnviadukte der Erde, einem Meisterwerk der Technik, etwa 700 m lang, 100 m hoch, auf etwa 15 schlanken Pfeilern. Darunter eine herrliche Schlucht, worin der Fluß die Felswand in einer Höhle mit zahllosen Stalaktiten und Stalagmiten durchbricht; man steigt steil etwa 300 m zur Höhle hinab, deren Ein-und Ausgang man sieht; sie ist etwa 1200 m lang, 100 m hoch und 60 m breit.

Fahrzeit von Myohaung bisGokteik Viaductetwa 8 St., bisLashioetwa 23 St., weil der Zug in (124 M)Hsipawübernachtet, auch auf der Rückfahrt von Lashio.

Der Expreßzug von Rangoon erreicht nach 20 St. (386 M)Mandalay.

Gasthöfe:Salween House Hotel, Pens. 12 Rup.—Gale's Hotel, neben dem Postamt, beide mäßig.—Schlafgelegenheit auch imDâk Bungalow, gut, gegenüber dem Bahnhof (nur mit Erlaubnis des Distriktskommissars), und imUpper Burma Clubim Palastviertel, wenn man Empfehlung hat (auch Damen können eingeführt werden). Wer mit Dampfer weiterfährt, kann sofort auf dem Dampfer (sehr gut) wohnen.Wagen:Minderwertige Ticca gharries zu festen Preisen.—DampferderIrawaddy Flotilla Co.zweimal in der Woche flußaufwärts bisBhamo, flußabwärts bisRangoon.—Bank:National Bank of India, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank in Berlin.—Theater:Gelegentlich sehenswerte Yein Pwes (S.146).—Ärzte:mehrere englische.—Apotheken:Burma Medical Hall;Mandalay Medical Hall.—Zeitungen:Mandalay Herald;Mandalay Times.—Photograph:Johannes & Co.Geschäftsadressen:Reiseartikel und europäische Bedürfnisse:Moses & Friends;E. Solomon & Co.;Rowe & Co.Kunstsachen:Samuels. Seidenstoffe (feinste, handgewebte Seide der Erde):Makkim.

Die StadtMandalay (Pattaniapura), 96 m, hat 183816 Einw. und war 1857-85 Hauptstadt des Königreichs Birma; die Stadt besteht aus drei ineinandergeschobenen Vierecken, von denen die innern noch mit Mauern umgeben sind. Stark befestigt und bewacht ist das englische Cantonment,*Fort Dufferingenannt, das alte Palastviertel, von den Birmanen »Mitte des Weltalls« genannt, vom König Mindon Min 1857 erbaut; die alten Paläste des Königs, der Königinnen, die geheime Ratskammer, das Königskloster, die Audienzhallen sind mit reich vergoldeten Schnitzereien geziert und werden von den Engländern als Regierungsgebäude und Kasernen benutzt. DasGovernment Houseliegt im großen Wachtturm auf der Mauer des Palastviertels. Eine 2,5 km lange, 9 m hohe weiße Zinnenmauer umgibt die Königsstadt, über den sie umschließenden Graben führen fünf Brücken, davon die nördliche, die »Brücke des Todes«, nur für Leichenzüge. Im breiten Wassergraben wachsen rote Lotosblumen. Schöne Reste von Ziergärten. Von einem runden Aussichtsturm überblickt man das Palastviertel.—Vom*Mandalayhügelprachtvoller Überblick über die*450 Pagoden(jetzt 729 kleine weiße Pavillonpagoden, die am Fuße des Hügels einen großen Mitteltempel umgeben); man sieht bis Amarapura (S.153); in der Nähe dasGlasskloster.—Nahe dem Bahnhof das schönste und größte Kloster von Birma, das*Goldene Kloster der Königin(mit unzähligen Tis, phantastischen Figuren, Balkonen und Säulenpfosten, ein Musterwerk birmanischer Holzschneidekunst), Priester dienen gern als Führer. In derselben 85. Straße liegt dieSaik Yah Theehahpagodemit großer Marmorfigur Buddhas.—Der*Basarist wegen seiner Volkstypen sehenswert, und weil man sehr gute Seidenstoffe und gelegentlich auch Antiquitäten preiswert kauft; Gelegenheit zu photographischen Aufnahmen des Volkslebens.—


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