Indochina.
Vgl. beifolgende Karte.
Messageries Maritimesalle 14 Tage vonSingaporein 2 Tagen nach (648 Seem.)Saïgon; außerdem eine 14tägige Zweigdampferlinie zwischenSaïgonundSingapore, wo die Dampfer Anschluß haben: nach Europa mit den deutschen Reichspostdampfern oder holländischen Dampfern, nach Ostasien mit englischen Dampfern.— Von Saïgon Anschlußdampfer alle 8 Tage überQuinhoneundTouranenachHaïphong.
Die Fahrt vonSingaporegeht mit NNO.-Kurs durch das Südchinesische Meer (S.214), vorbei an der GranitinselPulo Condor, Strafkolonie für Anamiten und Chinesen, mit Leuchtturm. BeiKap Saint-Jacques, dem SW.-Ende des Gebirgsbogens von Anam, kommt die Küste von Cochinchina in Sicht; das Kap ist ein oben kahler,unten dichtbewaldeter Bergrücken (mit Leuchtturm), an dessen Fuß ein Seebad mit Sanatorium für Offiziere und Beamte (Hôtel de la Plage) liegt. Auf den Höhen starke Küstenbefestigungen. (NB. Man hüte sich, diese zu photographieren, wenn man auf einem französischen Dampfer fährt!) Hübsche Spazierwege sind in der Umgebung des Seebades; in der Nähe liegt eine Pagode an einer Stelle, wo ein Walfisch gestrandet, 1848 von anamitischen Fischern erbaut. Dann fährt der Dampfer in dem schmalen und sehr gewundenenDonnaï-Fluß60 km zwischen flachem Sumpflande, dichten Dschungeln, dann Reisfeldern, Bananen-und Palmenhainen. Bei der Einfahrt in denSaïgonflußsieht man die roten Türme der Kathedrale der StadtSaïgon; auf dem Fluß ist wenig Verkehr.
Indochina.Der östl. Teil Hinterindiens ist unter dem Gesamtnamen Indochina französisches Kolonialgebiet unter einem Generalgouverneur (in Hanoï), das sich in folgende sechs Gebiete gliedert:Cochinchina,Cambodja,Anam,Laos,TonkinundKwangtschou; letzteres liegt außerhalb Hinterindiens an der Ostseite der südchinesischen Halbinsel Leitschou. Cochinchina und Tonkin stehen unter unmittelbarer französischer Verwaltung, Laos und Anam haben noch einheimische Fürsten, die von französischen Oberresidenten geleitet werden. Das ganze Gebiet umfaßt etwa 800000 qkm (annähernd = Deutsches Reich und Österreich) mit 16 Mill. Einw. Es enthält im S. und im NO. zwei Ebenen, die desMekongund desRoten Flusses(Songkoi); erstere umfaßt Cochinchina und den Hauptteil von Cambodja, letztere das Zentrum von Tonkin. Der Hauptteil des französischen Besitzes aber ist Gebirgs-und Hochland und gliedert sich in die Kordillere von Anam und die dahinterliegenden Plateaus und Stufenlandschaften von Laos.—Klimatischgehört ganz Indochina dem südasiatischen Monsungebiet an, doch unterliegt der jährliche Klimaverlauf in den verschiedenen Landesteilen ziemlich starken Abweichungen, von der beständig feuchtheißen Sumpfniederung von Cochinchina bis zu dem schon viel extremern Klima Tonkins und den rauhen Hochebenen des innersten Laoslandes und von dem Sommerregen Saïgons bis zu dem Herbst-und Winterregen von Huë.—Auch dieVegetationsverhältnissesind sehr verschieden, vom tropischen Regenwalde bis zur Wüstensteppe einiger trockener Kalkplateaus im Laoslande.—Die bekanntesten Vertreter derTierweltsind hier wie im übrigen Hinterindien Elefant, Tiger, Panther und der Gibbonaffe. —Die beiden Tiefebenen sind zugleich Mittelpunkte derKulturund Volksverdichtung und wichtige Reisbaugebiete; Reis bildet den Hauptgegenstand der Ausfuhr, dem erst in weitem Abstande Zinn, Fische und Bodenbauprodukte folgen.—DieBevölkerungteilt sich wie im übrigen Hinterindien in Halbkulturvölker, die die leichter zugänglichen Landesteile, namentlich die Küsten und Flußebenen, bewohnen, und in Gebirgsstämme, die noch nicht über das Naturvölkertum hinausgekommen sind. Körperlich und in ihrem Kulturbesitz sind alle diese Völker, wie es der von den Franzosen ihrem Kolonialbesitz gegebene Name sehr glücklich ausdrückt, sowohl von Indien wie von China her vielfältig beeinflußt worden, in diesem Teile Hinterindiens naturgemäß mehr von dem näherliegenden China aus, wie denn auch heute die Chinesen einen wichtigen Bevölkerungsteil ausmachen. Doch haben sich für den alten Einfluß der indischen Kultur auch in diesem Teile Hinterindiens glänzende Zeugen in den Ruinen von Angkor-Thom in Cambodja (S.185) erhalten.Cochinchinabesteht in der Hauptsache aus dem feuchtheißen und ungesunden, aber sehr fruchtbaren und für den Reisbau vorzüglich geeigneten Delta des gewaltigenMekongstromes, das sich rasch weiter ins Meer hinausschiebt und vom Mekong allsommerlich von neuem überschwemmt und befruchtet wird. Ein Stauwerk zur Regelung des Flutverlaufes, wie es die Engländer in Ägypten bei Assuan errichtet haben, brauchten die Franzosen nicht zu bauen, weil der Mekong ein riesiges natürliches Regulierungsbecken imTonlé-sap, einem See, der die Mitte des Beckens vonCambodjaeinnimmt, besitzt.
Bei der Hauptstadt von Cambodja,Pnom-Penh, beginnt das Mekongdelta mit einem zu diesem See führenden Arm, der während der sommerlichen Hochflut des Stromes der Seemulde einen bedeutenden Teil des Mekongwassers zuführt, so daß der Tonlé-sap im Sommer von 110 auf 200 km Länge, von 1 auf 12 m Tiefe und von 3000 auf 25000 qkm Fläche wächst. Im Herbst, wenn der Mekong fällt, beginnt der Tonlé-sap sich wieder zu entleeren und führt Cochinchina im Winter die nötige Feuchtigkeit zu. —Ein Netz von Kanälen regelt den Zu-und Abfluß des Wassers in der Mekongtiefebene, besonders im Delta, das, so groß wie das rechtsrheinische Bayern, flach und sumpfig, fast ganz dem Reisbau gewidmet ist.Das nw. von Cochinchina angrenzendeCambodjaist in seinem Hauptteil eine Beckenlandschaft, deren Mittelpunkt der Tonlé-sap bildet. Um die Sumpflandschaften in der Umgebung dieses Flachsees, die dichte Waldungen mit vielen Kautschuk liefernden Gewächsen tragen, reihen sich fruchtbare Reisbaugebiete, die nur in der Regenzeit überschwemmt sind. Weiter nach außen folgt eine Steppenzone mit Lateritboden und endlich eine niedrige Gebirgsumrahmung, die wieder bewaldet ist; sie besteht im SW. aus dem Küstengebirge, bis 1000 m hoch, und im N. aus demPnom-dangrek, dem Steilabfall des nördl. gelegenen Plateaus von Nieder-Laos.Das feuchtheißeKlimaCochinchinas ist als sehr wenig günstig bekannt. Man unterscheidet auch hier drei Jahreszeiten, die kühle, die heiße und die Regenzeit; letztere dauert vom Mai bis zum November, solange der SW.-Monsun weht, und erreicht ihren Höhepunkt im September; sie bringt täglich Gewitter. Gesundheitlich am gefährlichsten ist die Zeit nach der Regenzeit, bis der Boden ausgetrocknet ist. Saïgon hat eine mittlere Jahrestemperatur von 27,4°, am kühlsten ist der Dezember mit 25,4°, am wärmsten der April mit 29,3°, die Wärmeschwankung ist also sehr gering.Cochinchina umfaßt 57000 qkm mit 2,9 Mill. Einw., Cambodja 175000 qkm mit 1,2 Mill. Einw. Seine Hauptstadt ist Pnom-Penh, wo der König Sisowath residiert. Die Hauptmasse derBevölkerungCochinchinas wird vonAnamitengebildet, die als vorzügliche Reisbauern, Handwerker und Soldaten gerühmt werden, den ganzen Handel jedoch, wie die Siamesen, den Chinesen überlassen haben.Reisen in Indochina.Beste Zeit ist Dezember bis Februar. Der Sommer ist nur an der Küste und im Hochgebirge erträglich. Paß ist von Nutzen; chinesische Diener müssen mit Paß versehen sein. Für längere Reisen ins Innere sind mehrere Diener nötig, die sorgfältig ausgewählt werden müssen; Koch und Dolmetscher der Landessprache ist nötig. In Anam verschafft man sich Träger beim Ortsvorstand oder Postverwalter. Europäer finden an Orten, wo Gasthäuser fehlen, meist im Gemeindehaus Unterkunft. Bei Schwierigkeiten wende man sich an die anamitischen Behörden und, wenn nötig, an den französischen Residenten. Man reist, wo es keine Pferde gibt, meist im Tragsessel oder im Palankin; Sessel ist vorzuziehen. Zur Ausrüstung gehören Feldbett, Zelt, Moskitonetz, Medikamente gegen Malaria und giftige Stiche, Lebensmittel und Kochgeschirr. Unterwegs sind Eier und Geflügel zu haben. Man benutze nach Möglichkeit die Flußdampfer.Reiseliteratur:Gräfin Montgelas, Bilder aus Südasien (München 1906);Madrolle, Indo-Chine (Paris 1902).
Vgl. den Plan S.180.
Ankunft zur See.Der Dampfer macht an einer Landungsbrücke fest; Zolldurchsicht ist streng. Man fährt mit Rikscha in 15 Min. zum Gasthof.
Plan von Saïgon.Plan von Saïgon.
Gasthöfe:Grand Hôtel Continental, Rue Catinat; 100 Z. 4, F. 0,75, Déj. 2, Dîn. 3, Pens. von $ 8 an; zu empfehlen. —De l'Univers, Rue Turc; 70 Z., Dîn. $ 1,50, Pens. $ 4-9.—Des Nations, Boulevard Charner, ganz bescheiden.—Des Colonies, Rue Nationale, nur als Restaurant zu benutzen.Restaurants:Grand Hôtel Restaurant de l'Hôtel de Ville, guter Mittagstisch $ 1,50.—Caféssind viele vorhanden.Post und Telegraph: Place de la Cathédrale.—Telephonim Stadtgebiet.Wagen: Zweispänner und Einspänner (Malabar) nach Tarif (Fahrt nachCholon70 bzw. 50 c.).—Rikschas(Poussepousse) nach Cholon 40 c., hin und zurück mit 1 St. Aufenthalt 80 cents.—Sampans(Boote) mit zwei Ruderern nachCholon40 cents.Dampfstraßenbahn: Nach (6 km)Cholonzwei Linien, davon eine bis (5 km)Bin-dong; eine nach (18km)Hok-monmit Zweiglinien nach Da-kao. —Eisenbahnen: Von Saïgon überCholonnachMytho71 km; von Saïgon überBienhoaundGiaray(79 km) nachTanh-linh, 132 km, und nachPhanthietsoll an der Küste bisVinh(im nördl. Anam) geführt werden (dann Anschluß bis Yünnanfu in China, S.189).Automobilewerden bei den guten Straßen viel, auch zu Postfahrten (z. B. nachTay-ninh[100 km nw.], nach [23 km]Bienhoaund [120 km]St.-Jacques) verwendet. Automobile zum Besuch der Umgebung sind zu mieten, einschl. Chauffeur $ 30 für den Tag.Dampferagenturen:Messageries Maritimes: de Baillou (Tel.-Adresse: Messageries Saïgon).—Messageries fluviales de Cochinchine.—Norddeutscher Lloyd: Speidel & Co. (Tel.-Adresse: Speidel, Saïgon).Geld.Amtlich französisches Geld: 1 Fr. =100 Centimes; im Landesverkehr ist die Hauptmünze der Dollar (Piastregenannt) zu 100 cents; vgl. S.219. Ein Silberdollar etwa = 2 Fr. 15 c. = 1,80 Mk.—Banken:Banc de l'Indo-Chine, Korr. der Deutschen Bank.—Hongkong & Shanghai Banking Corporation, beide am Kai des Arroyo chinois, beide Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft.—Chartered Bank of India, Australia and China.Spracheder Anamiten ist einsilbig, isolierend mit sechs Tonakzenten und stark mit chinesischen Lehnwörtern durchsetzt. Grammatik vonDignet(Paris 1897) undDirr(Wien 1894), Wörterbuch (anamitisch-französisch) vonBonet(Paris 1899-1900). In den Gasthöfen, Bahnhöfen und Agenturen wird Französisch und Englisch gesprochen.Theater.Théâtre municipal, französische Truppe, Spielzeit Oktober bis April, Vorstellungen am Di. Do. Sa. So., Logenplatz $ 2, Fauteuil $ 1,50.—Anamitische Theater, sehenswert!Militärkonzerte: Mi. abds. am Boulevard Charner, So. Nm. im Jardin de Ville oder Jardin Zoologique.Konsulate:Deutsches Reich, Konsul Reinsdorf.—Österreich-Ungarn, Konsul Franz Fischer.—Deutscher Klub.—Polizeiamt: Ecke Quai du Commerce und Boulevard Charner.Ärzte: französische Zivil-u. Militärärzte. GroßesMilitärhospital.—Buchhandlungen:Schneider, im Continental Hotel;Rey & Curiol;Claude, die beiden letztern Rue Catinat.—Zeitungen;Opinion;Courrier Saïgonnais;Nam-ky. —Geschäftein der Rue Catinat.Zeiteinteilung: 1. Tag: Vm. Markt, Stadt und Zoologischer Garten; Nm. nach Cholon und zurück.—2. Tag: Ausflüge in die Umgebung.—3.-10. Tag (oder länger): Reise über Pnom-penh nach Angkor-Thom.Geschichte.Die anamitische Ortschaft wurde von Chinesen besiedelt; 1789-1811 war Saïgon Hauptstadt des anamitischen Kaisers Hia-long, der, durch den Taysonsaufstand aus Hué vertrieben, erst 1811 wieder sein altes Reich eroberte. Seitdem nennen die Anamiten die StadtGia-dinh; 1790 befestigte Oberst Ollivier, ein Franzose im Dienste Anams, die Stadt. 1859 nahm Admiral Rigault de Genouilly Saïgon, das bis 1902 Hauptstadt Indochinas blieb und wichtiger Kriegshafen wurde.
Saïgon, Hauptstadt von Cochinchina, liegt nahe dem Ostrande des Mekongdeltas, 55 km vom Meer entfernt, am r. Ufer des Saïgonflusses, der im Gegensatz zu den verschlammten Mündungsarmen des Mekong für Dampfer befahrbar ist, auf 10° 40' nördl. Br. und hat etwa 51000 Einw., darunter 5500 Franzosen, 300 andre Europäer und 12000 Chinesen. Die Stadt ist sorgfältig und geschmackvoll gebaut mit reinlichen Straßen, der Sumpfboden ist durch Kanäletrockengelegt. Als Hafen dient der Fluß; Warenschuppen und Kohlenlager der Messageries Maritimes (BC5) liegen am Südende, die Marinewerft mit großem Trockendock am Nordende der Stadt. An die Marinewerft grenzt der Zoologische und Botanische Garten (BC1, 2); letzterer reicht bis zu der großenZitadelle(mit europäischen Kasernen; B2). Von der Ostseite der Zitadelle führt der breiteBoulevard Norodom(AB2, 3[see above]) zu dem mitten in großem Park gelegenenPalast des Gouverneurs(A3), hinter dem sich derVolkspark(A4;Jardin de Ville) anschließt. Saïgon hat eine großeKathedrale(A3) in romanischem Stil, eine Sternwarte, mehrere Schulen und verschiedene Denkmäler. Das Klima ist für Europäer nicht gesund. Hauptausfuhr: Reis, gesalzene Fische, Baumwolle, Pfeffer, Gummi, Kopra, Häute, Felle, Hörner und Kautschuk. Einfuhr: Textilwaren, Maschinen, Chemikalien u. a.—Rundfahrt.Um das Volksleben kennen zu lernen, fahre man frühmorgens auf den Markt (B4;Marché) in der Nähe des Arroyo chinois, dann durch die hübschen Anlagen desJardin de Ville; nördl. von diesem Volkspark liegt dasCollège Chasseloup-Laubat(A3), wo Eingeborne als Dolmetscher ausgebildet werden; dann nach r. um den Park des Gouverneurs herum durch denBoulevard Norodom, vorbei r. amDenkmal Gambettas(A3) und der Kathedrale, l. der Zitadelle, zumBotanischen Garten(Jardin Botanique), der reich an tropischen Zier-und Nutzpflanzen ist (mit Baumschule und botanischer Versuchsstation); im daranschließendenZoologischen Garten(Jardin Zoologique) sind sehr große Königstiger, Leoparden, Bären, Elefanten, Pelikane sowie Schlangen. Nm. besuche man die Promenaden in der Umgebung (A1;Tour de l'Inspection), wenn man das Villenviertel und die vornehme Welt Saïgons sehen will.
Ausflüge: 1) Nach der EingebornenstadtCholon, 5 km sw. Dampfstraßenbahn (2 Linien) alle 20 und 30 Min. in 14 Min.; Eisenbahn in 9 Min.; oder mit Wagen auf verschiedenen Wegen. Man fährt am Arroyo chinois entlang durch die anamitischen Vororte, vorher am Hospital vonChoquanüber mehrere Brücken über den mit Sampans und Dschunken besetzten Arroyo (Kanal). —Ein andrer Weg, die »Route stratégique«, führt vorbei an europäischen Gärten sowie an chinesischen und anamitischen Gemüsegärten; dann vorüber an den Trümmern einer Königspagode bei derFerme des Mares(einem Landgut) und über dieGräberebene(Plaine des tombeaux) mit vielen Grabhügeln.Cholon(Bahnwirtschaft;Café de Paris, Avenue Jaccareo.—Juweliere:Chan Binh, Rue Gia-long 78;Ngo Phuoc, Rue des Jardins 47;Taquang Thanh, Rue de Canton 80; Holzschnitzereien, Möbel mit Perlmuttereinlagen; Stickereien:Duyet-hoa Xuong, genanntO-chau, Rue de Canton 73), Stadt von 138000 Einw., die wichtigste Gewerbe-und Handelsstadt von Cochinchina und Hauptstapelplatz für den Reishandel; von Chinesen 1780 gegründet, sieht Cholon ganz chinesisch aus, mit chinesischen und anamitischen Theatern und buntem Straßenleben sowie mehreren Pagoden. Das Drachenfest wird jährlich wie in China sehr gefeiert.— In der Nähe von Cholon liegt die TonwarenfabrikCaï-maï.2)Eisenbahnüber (23 km nö.)Bienhoa(am Donnai) nach dem 800 m hohen, prächtig bewaldeten BergeNui-Chuachan, mit Observatorium und landwirtschaftlicher Versuchsstation, unweit des derzeitigen Endpunktes der Bahn (Giaray). Man nehme Verpflegung mit.
3) MitAutomobil: a) Über Bienhoa nach den Wasserfällen desDonnai, oberhalbTrian, 48 km; Mundvorrat mitnehmen.—b) Über Bienhoa undBaria(Gasthof) nachKap St.-Jacques(S.177), 120 km.—c) Nach (30 km nördl.)Thudau mot(Gasthof, gute Küche) am Saïgonfluß, Hauptstadt der wegen intensiver Tropenkulturen bekannten Provinz gleichen Namens.
Vgl. die Karte auf S.177.
Für Weltreisende lohnt der Besuch Saïgons nur, wenn damit eine Reise nach Cambodja (beste Zeit November, Dezember, Januar) zum Besuch der berühmtenKhmer-Bauten in Angkor-Thomverbunden wird.DieSociété des Études Indochinoises, an deren Spitze gebildete Franzosen stehen, welche die Reise nach Angkor selbst gemacht haben (Adresse im Museum und in der Stadtbibliothek zu erfragen), macht sich eine Ehre daraus, den Reisenden mit Auskünften zu helfen. Die DampfergesellschaftMessageries fluvialeshat zwei Ausflüge eingerichtet (Nr. 1 für 8 Tage zu 350 Fr., Nr. 2 für 12 Tage zu 450 Fr.) nach folgenderZeiteinteilung:Ausflug für 8 Tage: Dampferabfahrt von Saïgon Do. abds. (man kann auf eigne Kosten, I. Kl. $ 2,55, II $ 1,70, Fr. Nm. mit Bahn ab Saïgon fahren nach [71 km]Mytho[Hotelrestaurant Viol], wichtige Hafenstadt in der Cua Tieu-Mündung des Mekong-Deltas mit 6950 Einw.; Ausfuhr von Reis, Mais, Tabak und Kopra. In Mytho erreicht man den Dampfer);— Sa. früh Ankunft in Pnom-Penh;— So. früh ab Pnom-Penh;—Mo. früh an Siem-Reap-Mündung, mittags an Angkor-Wat, Tempelbesuch;—Di. früh nach Angkor-Thom, Nm. Rückkehr nach Angkor-Wat;—Mi. früh ab Angkor, nachts an Pnom-Penh;— Do. ab Pnom-Penh Vm.;—Fr. früh an Saïgon.Ausflug für 12 Tage: Fr., Sa., So. wie vorher;—Mo. Angkor-Wat; —Di. Angkor-Thom;—Mi. Preah-Khan; —Do. Ta-Prohm;—Fr. Bat Choum;—Sa. Me-Bom etc.;—So. Abfahrt und nachts an Pnom-Penh; —Mo. ab Pnom-Penh;—Di. früh an Saïgon. Die Zeiten stimmen gut mit den Dampfergelegenheiten nach und von Hongkong und Singapore.DieKhmervölkerbilden den östlichen Zweig der Austroasiaten, einer sehr alten Bevölkerungsschicht Südasiens, die im Gesichtstypus zwischen den Mongolen und den Malaien steht, aber mit keiner dieser beiden Völkergruppen näher verwandt ist. Die heutigen Khmer (die Cambodjaner) sind liebenswürdig, friedlich, heiter, gastlich, sehr wahrheitsliebend, mit starkem Nationalgefühl, stehen aber in ihren wirtschaftlichen Leistungen weit hinter den Anamiten zurück. Ihre Ehen meist monogamisch, die Frauen sehr frei; der Bräutigam dient um die Braut und lebt im Hause der Eltern der Frau.Die Blütezeit ihrerKunstund die Zeit ihrer politischen Vormachtstellung liegen weit zurück. Ihre Kunst blühte im 10.-14. Jahrh. und war eine Tochter der vorderindischen (neubrahmanischen) Kunst; von dieser hat sie die Grundlagen für die bauliche Anordnung ihrer Pagoden und Paläste übernommen, diese aber durchaus selbständig und glücklich weiterentwickelt, so daß Bauten entstanden sind, die sowohl durch die Großartigkeit der Gesamtanlage wie die Schönheit der Einzelteile und den reichen Schmuck an Bildwerken noch heute als Ruinen unser Staunen wachrufen und sehr vorteilhaft von der überladenen neusiamesischen Baukunst abstechen. Besonders merkwürdig ist das Durcheinander brahmanischer und buddhistischer Darstellungen und Götterbilder in diesen Tempeln, die als brahmanische Verehrungsstätten errichtet, aber später vom Buddhismus in Besitz genommen worden sind.DasKhmer-Reichbegründete in der zweiten Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr. der sagenhafte HeldPreah Thong(lebt noch in Volksliedern), der die jungfräuliche KöniginNeangheiratete.
Ende des 5. Jahrh. führteKambu, ein indischer oder nach Indien verbannt gewesener cambodjanischer Prinz, indische Religion und Sitten ein; ihm folgten andre bedeutende Herrscher, deren Reich sich auf ganz Hinterindien bis an den Golf von Bengalen und auf die Malakkahalbinsel ausdehnte; 811 wurde die prächtige HauptstadtAngkor-Thomeingeweiht, die nach noch vorhandenen chinesischen Schilderungen nirgends ihresgleichen gehabt hat. Die Erbauung vonAngkor-Watunter KönigSuryavarman II.fällt schon in den Beginn des Verfalls (12. Jahrh.); 200jährige blutige Kriege zwischen Cambodja und den Thaï (jetzigen Siamesen und Laoten) im 13.-15. Jahrh. verursachten den Zusammenbruch des Khmer-Reiches, dessen Hauptstadt Angkor-Thom 1462 nach dreimaliger Zerstörung endgültig verlassen wurde. Die zur Herrschaft gelangtenThaï, die dem Buddhismus anhingen, machten Angkor-Wat zum buddhistischen Heiligtum (ob es im Khmer-Reich nur Tempelstadt oder auch Königspalast war, ist zweifelhaft, doch wahrscheinlich). Cambodja hütet die alten Überlieferungen des Khmer-Reiches; die alte hohe Kultur ist noch überall sichtbar und unterscheidet das interessante, noch zu wenig bekannte Land sehr von allen andern hinterindischen Ländern.
Von Mytho (s. S.183) fährt man mit Flußdampfer überVinhlong, hübsche Niederlassung am r. Ufer, und überSadec, den »Garten von Cochinchina«, vorbei an Ortschaften in fruchtbaren Niederungen mit bergigem Hinterland und erreicht
Pnom-Penh(Grand Hôtel[Unterbringung im Hotel auf Kosten der Messageries fluviales. Das Hotel gibt für den Aufenthalt in Angkor einen Boy als Koch sowie Proviant, Wein und Mineralwasser mit. Zur Stadtbesichtigung ist 1 Tag Zeit];Banque de l'Indo-Chine, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; Post und Tel.; viele französische Geschäfte; Agent des Norddeutschen Lloyd:Speidel & Co.), Hauptstadt des Königreichs Cambodja mit 46000 Einw., darunter 360 Europäer (meist Franzosen), 6800 Chinesen; einige Stadtteile haben modernen Zuschnitt, im Khmerstil gebaut. Viele Spielhöllen, von Chinesen geleitet, wo »ba-quan« gespielt wird. Eine große Allee führt parallel zum Flusse durch die Stadt zum *Königspalast, mit vielen Gebäuden mit Perlmutterornamentik, großem Thronsaal mit Deckengemälden (Nymphen und Göttinnen). Sehr sehenswert ist das Ballett der Bajaderen des Königs, mit anmutigen Körperbewegungen von klassischer Schönheit. Mitten in der Stadt liegt der *Pnom, ein Hügel mit einer 986 erbauten Pagode, umgeben von schattigemVolksparkmit Käfigen wilder Tiere und Vogelhäusern. Prächtige Steintreppe mit Löwen- und Kriegerfiguren führt zur Pagode, *Aussicht auf Fluß und Umgegend. Modern sind dasHeiligtum des großen Bonzenund derKönigstempel Vaht Phrakeo; auch die Leichenverbrennungsstätte ist sehenswert.
Die Fahrt geht von Pnom-Penh in den Ausfluß desTonlé-sap(S.179) und erreicht den großen See beiKompong Luong, dem Landungsplatz für den 6 km westlichern alten KönigssitzOu-dong, mit seltsamen Mausoleen und einem Riesenbuddha sowie mehreren reich mit Figuren, Reliefs etc. geschmückten Pagoden. Am r. Ufer liegt flußaufwärts das MalaiendorfLo-vekund 8 km westl. davon die Ruinen vonLo-vek, einer noch ältern Hauptstadt Cambodjas als Ou-dong. Am NW.-Ende des großen Sees liegt die Mündung desSiem-Réap; dort liegen l. Sampans bereit für Reisende und Gepäck. Man fährt etwa 41/2St. mit Sampan je nach Wasserstand den kleinenFluß hinauf, bis man die Ochsenkarren erreicht, die den Reisenden zumRasthause(ganz neu, mit 10 Z. und 14 Betten sowie Speisesaal) beiAngkor-Watbringt; Mitnahme von Decken für die zuweilen sehr kühlen Morgenstunden im Boot ist zu empfehlen. Nm. Besuch des wenige Schritte vom Rasthaus entfernten, noch gut erhaltenen, von Prea-ket Mealea im J. 57 n. Chr. erbauten Tempel *Angkor-Wat, etwa 3 km nördl. von Siem-Réap; er steht in einem Park, zeigt viele brahmanische Inschriften, Denkmäler, seltsame Tiergestalten, Säulenhallen, große Gopuratürme, prächtige Tore etc. Von da Besuch des Königspalastes von *Angkor-Thom, 4 km nördl. vom Rasthaus; er ist von einem Mauerviereck mit 4 km Seitenlänge umgeben, das fünf Tore mit Türmen und Terrassen hat; im Innern stehen sonderbare Zeugen der alten Khmerkunst: derBhan-yong(Bayon), ein mehrstöckiger Hallenbau mit 14 Türen sowie andere fast rätselhafte Bauwerke, die als Paläste und Tempel dienten. Nach Angkor-Wat wallfahrten jetzt noch zahlreiche Pilger; die Tempelstätten werden von Priestern gepflegt. Die ganze Umgegend ist reich an Tempelruinen.
Die Dampfer fahren noch weiter bisBattambangam Seng-ke; die Stadt ist des Handels wegen wichtig, hat auch viele alte Tempel im Innern und in der Umgegend.Von Pnom-penh nachKhôn(276 Seem.) auf dem Mekong aufwärts mit Dampfern der »Messageries fluviales« im August bis Dezember in 4 Tagen, zurück in 18 St. Auf dem obern Mekong Dampfer je nach Wasserstand bisPak-moun, dann Bootsfahrt in 15 bis 20 Tagen bisLuang-prabangim obernLaos. Sehr interessante und landschaftlich lohnende Fahrt durch das meist ziemlich enge, stellenweise schluchtartige, tief (bis 1000 m) ins Gebirge eingesenkte, aber infolgedessen auch ziemlich heiße Mekongtal. Die Strombreite wechselt zwischen1/2km und 50 m; mehrfach sind Stromschnellen zu überwinden. Man treffe Vereinbarungen mit den »Messageries fluviales«.
Messageries Maritimesalle 8 Tage vonSaïgonnachTouranefür I. Kl. 128, II. 891/2Fr. und weiter nachHaïphongfür I. 192, II. 140 Fr. Dann 101 kmEisenbahnvon Haïphong nachHanoï.Anam.Das unter französischer Oberherrschaft stehende KönigreichAnam, 160000 qkm groß mit 5,5 Mill. Einw., Hauptstadt Hué, besteht größtenteils aus Gebirgsland, das im südlichen Teil steil unmittelbar zur Küste abfällt und erst von Hué ab nordwärts einer schmalen, sehr fruchtbaren Küstenebene Raum läßt. Die etwa 1200 km lange Küste von Anam ist der Schiffahrt sehr ungünstig; häufig von Stürmen und im Herbst und Winter von starker Brandung heimgesucht, bietet sie in ihrem südlichen Teil durch Felsriffe, im nördlichen durch Sandbarren der Annäherung von Schiffen gefährliche Hindernisse, enthält aber viele gute Häfen, darunter dieBucht von Tourane; Tourane hat sich schnell zur Hafenstadt für die etwa 80 km nördl. gelegene HauptstadtHuéentwickelt, die ihrerseits ihre Vorrangstellung der Lage am Südende der Küstenebene und am Ausgangspunkte eines bequemen Überganges über das Gebirge hinüber nachLaos(Paß von Ailao, 410 m) verdankt. Das Gebirge, die »Kordillere« von Anam, erhebt sich durchschnittlich bis 600 oder 700 m, doch mit einigen Gipfeln auf 2500 m. Es zeigt zwar eine Reihe von durch tiefe Täler getrennten Ketten, ist aber wahrscheinlich nicht, wie die Gebirgsketten des westlichen Teils von Hinterindien, ein Faltungsgebirge, sondern durch Bruchbildung entstanden; es besteht meist aus alten und widerstandsfähigen Gesteinen und ist gut bewaldet.
Nordwärts von Hué beherbergt es noch viele Naturvölker. DasKlimader nördlichem Küstenstrecke Anams weicht von dem Cochinchinas ziemlich stark ab; der jährliche Temperaturverlauf ist weniger gleichmäßig, der Winter kühler, die heiße Zeit um einige Monate verschoben (Hué Jahr 25,4°; Februar 19,7°, Juni und August 29,5°), die Regenzeit wird nicht vom SW.-Monsun, sondern vom NO.-Monsun gebracht und fällt in die Monate September bis Dezember, Höhepunkt im Oktober.
Die Seefahrt vom Kap Saint-Jacques (S.177) längs der Küste von Anam bietet vom Leuchtturm des KapPadaran(mit Blitzfeuer von 32 Seem. Sichtweite) schöne Gebirgslandschaft. Ein sehr schöner Hafen liegt in der Bucht vonCam-ranh, der als Schutz bei stürmischem Wetter dient. Manche Dampfer laufen den Hafen vonNha-Trangan, in dessen Laboratorium 1897 Dr. Yersin den Pestbazillus entdeckte. Man passiert dannKap Varellamit Leuchtturm und gelangt nachQuinhone, Hafenplatz in einer großen geschützten Bucht; in der Ebene viele Baudenkmäler der Khmer (S.183); 18 km nw. liegt die Zitadelle vonBinh-dinh(15000 Einw.). Auf 16° 15' nördl. Breite erreicht man die schöne Bucht von
Tourane(Tourane HôteloderHôtel Morir, 40 Z. 4, Ged. 3,50, Pens. 12 Fr.;—Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Deutschen Bank und der Berliner Disconto-Gesellschaft); moderne Stadt (vgl. S.185) mit 4300 Einw. (100 Europäer); Ausfuhrplatz der Kohlengruben vonNang-Son;Eisenbahnvon hier überHuénachQuangtri, 175 km. Im Volkspark Skulpturen von Khmerbauten. Der Hafen mit 8 m Wassertiefe liegt3/4St. von der Stadt. Ausflug im Palankin mit Trägern (durch die französische Residentschaft vorher zu bestellen), die alle 10 km gewechselt werden (Preis 10 c. für jeden Mann), über den 470 m hohen BergkammCol des Nuagesbis (107 km)Hué; soll sehr lohnend sein. Schneller gelangt man mit derEisenbahn(s. S.185) nach
Hué(Grand Hôtel Guérin Hué), Hauptstadt des Königreichs Anam, mit 50000 Einw., auf 16° 35' nördl. Br. am l. Ufer desHuong-giangoder Huéflusses; gegenüber liegt die französische Oberresidentschaft (Résidence supérieure) und ein kleines französisches Viertel. Sehenswert sind die Königsstadt und die Königsgräber, zur Besichtigung ist Erlaubnis durch die Residentschaft zu erwirken. Der *Palastdes KönigsDuy-Tanist mit hoher Mauer umgeben, viele Gebäude liegen innen in Gärten. Die Stadt umgibt die Königsstadt, hat viele Pagoden, Schulen, Zeughäuser und ist mit Festungsmauern nach Vaubans System umgeben. Gewerbe und Handel sind unbedeutend. Bahn nachHanoï. Beim Ausflug nach den *Königsgräbern(1 Tag, Mundvorrat mitnehmen!) fährt man von Hué im Wagen bis zum Fluß und nimmt hier Sampan zum Besuch der flußaufwärts gelegenen Gräber (es ist verboten, durch die Mittelpforte der Mausoleen einzutreten, die nur für den König da ist). Man besichtigt zuerst das Mausoleum vonGia-long, dann das hervorragend schön gepflegte von *Minh-mang(mit Gärten). Dann zurück zum Wagen und Besichtigung der interessanten Totenstadt von *Tu-ducin der Nähe vonThieu-tri.
Von Tourane (s. oben) steuert der Dampfer mit NNW.-Kurs durchden Golf von Tonkin auf die kleine InselHon-daumit Leuchtfeuer zu, die vor derCua-Cam-Mündungdes Roten Flusses liegt; r. läßt man dieNorwayinselnmit 22 Seem. weit sichtbarem Blitzfeuer, die den großem Inseln vor der Alongbucht vorgelagert sind. BeiDo-Son(Grand Hôtel;Doson Hôtel, gut), 22 km so. von Haïphong, ist auf einer Halbinsel ein hübsches, vielbesuchtes Seebad mit vielen Villen angelegt. In die Mündung desCua-Nam-trieu, dem neuen Hauptfahrwasser nach Haïphong, das durch denDinh-Vu-Durchstich mit dem Cua-Cam (oberhalb dessen Mündung) verbunden ist, können jetzt große Dampfer bis 8,5 m Tiefgang einsteuern.
Haïphong, Stadt mit 27000 Einw., ist der Haupthafen von Tonkin, wie Saïgon der von Cochinchina ist, und hat in seiner Lage Ähnlichkeit mit jenem; es liegt nicht im Delta des Hauptflusses von Tonkin, des Roten Flusses, dessen Mündungsarme zum Teil wie die des Mekong verschlammt sind, sondern etwas seitlich am Zusammenfluß desSong Tam-bacmit demCua-Cam, 37 km vom Meere.
Gasthöfe:De Commerce.—De l'Univers, beide ersten Ranges; einfacherDe Marseille;De l'Europe.—Post u. Tel.—Telephonnach Hanoï; Kabel nach Saïgon und Hongkong.—Eisenbahnnach Hanoï und weiter, vgl. unten. —Dampfer:Messageries Maritimesnach Saïgon und Marseille;Correspondances fluviales du Tonkinnach Hanoï zweimal wöchentl., außerdem nach vielen Plätzen in Tonkin;Norddeutscher Lloyd: Agent Speidel & Co.—Geld: S.181.—Banken:Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank;Hongkong Shanghai Banking Corporation;Chartered Bank of India, Australia and China(Agent Speidel & Co.).Sprache, vgl. S.181.—Theatermit französischer Truppe; Societé musicale. —Ärzte:Dr. Forest;Mazot.—Apotheken:Brousmiche;Pharmacie Coupard.—Buchhandlung:Schneider. —Zeitungen:Courrier de Haïphongetc.—Photographen:Bonal & Co.;A-kit, Rue du Commerce 3;A-dong, Rue du Commerce 59.
Die Stadt macht europäischen Eindruck; an den Flußufern liegen Warenschuppen und Schiffswerften, gute Kai-Anlagen und ein Trockendock. Haïphong ist Ein-und Ausfuhrhafen für Tonkin und die chinesische Provinz Yünnan, bis zu deren Hauptstadt eine Eisenbahn führt. Deutsche Frachtdampfer der Hamburg-Amerika Linie und der Reederei Jebsen laufen Haïphong regelmäßig an. Ausfuhr: Reis, Zinn, Farbhölzer (Gambir), Mais, Paddy (ungeschälter Reis), Maniok (Manihot), Galmei (Zinkspat), Wolfram. Außer einem Denkmal Jules Ferrys keine Sehenswürdigkeiten.
Ausflugin die *Alongbuchtund den *Faitsilong-Archipelist sehr lohnend, doch beschwerlich; man fährt am besten mit Küstendampfer von Haïphong bisHongay(kleiner Gasthof) und mietet dort einen großen Sampan (mit Schlafgelegenheit); bequemer, doch teurer ist das Mieten einer Dampfbarkasse in Haïphong. Zur Fahrt ist ein ortskundiger Schiffer unentbehrlich. Thos. Cook's Office in Hongkong stellt Heckraddampfer für 2-4tägigen Ausflug von Haïphong aus; Kosten nach Zahl der Teilnehmer. Die grotesken Felseninseln der Bucht sind Naturwunder größter Sehenswürdigkeit, besonders folgende:Ile de la Surprise,Grottes des Merveilles,le Cirque,le Tunnel(2 km lange, enge Tropfsteinhöhle, durch die man hindurchfährt) und viele andre seltsam geformte, meist steile Klippen und Inseln, deren grüne Kalkfelsen mit Orchideen, Gräsern und Gebüsch prachtvoll bewachsen ist. Vor der Fahrt beschaffe man sich Seekarten der Bucht beim Hafenkapitän in Haïphong. Photographien sind in Haïphong und Hanoï zu haben.
Eisenbahnnach Hanoï, 101 km in 3 St. 40 Min. für I. $ 7,07, II. $ 5,05. Man fährt um Haïphong herum, dann über eine 90 m lange Drehbrücke durch die Flußniederung vorbei an der Zitadelle von (44 km)Haïduong, Stadt mit 8000 Einw., 25 m hohem Uhrturm und schönem Park; dann über (60 km)Cam-giang, (76 km)Lac-daound (95 km)Gia-lamund über die prächtige, 1682 m lange BrückePont Doumerüber den Roten Fluß nach
Hanoï, Hauptstadt Indochinas, auchKescho(d. i. Markt) genannt.
Gasthöfe:Grand Hôtel Métropole, Boulevard Henri Rivière, gute Pens. 15-25 Fr.—Hanoï-Hôtel, Rue Paul Bert.—De la Paix, Rue Paul Bert.—Du Lac, Rue Jules Ferry.—Post u. Tel.: Square Paul Bert.—Telephon, auch nach Haïphong.—Elektrische Straßenbahnvon Place de Négrier nach Bac-moi-phuong,Village du Papierund Tan-ap; I. Kl. 5 cents.—Eisenbahn: nachHaïphong; nachLang-sonund noch 465 km über die chinesische Grenze bis Yünnanfu soll zum Yangtse-Tal geführt werden (S.189); nachNinh-binhim Bau bis Vinh und weiter nach Anam; im Bau nachSontay.—DampferderCorrespondances fluvialesnach Haïphong, Nam-dinh und Laokay. —Bank:Banque de l'Indo-Chine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. —Theater:Théâtre municipal, französische Truppe am Boulevard Amiral Courbet; chinesisches Theater. —Konzerte: Militärmusik Do. abds. Square Paul Bert, So. Nm. im Botanischen Garten;Société philharmonique. —Militärhospital.—Buchhandlungen:Schneider;Crébassac, beide Rue Paul Bert.—Zeitungen:Avenir du Tonkin;Indépendance tonkinoise;Indo-Chinois;Tribune;Revue indochinoise.Geschichte.Hanoï wurde angeblich 767 n. Chr. von Chinesen gegründet und lag damals dem Meere ganz nahe, ist ihm aber durch Anwachsen des Flußdeltas entrückt worden. 1427 wurde Hanoï durch die Le-Dynastie Hauptstadt von Anam und Tonkin. Infolge Vertrags von 1874 wurde neben zwei ändern Häfen auch Hanoï dem Fremdhandel eröffnet und ein französischer Konsul mit militärischer Bedeckung in der Stadt zugelassen, die in dem Kriege von 1882 beschossen, besetzt und mit Tonkin 1883 unter französisches Protektorat gestellt wurde.Tonkin.Die Ebene desRoten FlussesoderSongkoi, dessen Mittelpunkt Hanoï bildet, ist nur so groß wie Sachsen oder Baden, aber von den Bewohnern mit chinesischem Fleiß bestellt und darum sehr volkreich. Die Reisproduktion des Songkoideltas würde freilich noch viel bedeutender sein, wenn der Songkoi nicht während seines Hochwassers, das seinen Wasserstand um 8-9 m erhöht, häufig ausbräche und sich ein neues Bett suchte; auch die Ausbildung des die Wasserverteilung im Delta regelnden Kanalnetzes ist infolge dieser Unbeständigkeit des Flusses zurückgeblieben.— DasKlimaTonkins ist insofern dem Cochinchinas ähnlich, als die Regenzeit wie dort vom SW.-Monsun gebracht wird und in den Sommer fällt (Höhepunkt Juli). Dagegen macht sich die nördlichere Lage im Winter schon ziemlich bemerkbar: die Junitemperatur beträgt noch 28,7°, aber die Februartemperatur nur noch 16,5°, der mittlere jährl. Tiefstand der Temperatur 6,7°.
Die StadtHanoï, unter 21° 2' nördl. Br. am r. Ufer des Songkoi, 175 km von dessen Mündung, malerisch gelegen, ist terrassenförmig angelegt, mit breiten, modernen Straßen und hübschen Promenaden, hat schöne Wohnhäuser, Geschäftshäuser, Villen und große moderne Magazine (Debeaux frères, Union commerciale indo-chinoise etc.) im europäischen, andre Häuser aus Stein und Ziegeln im chinesischen Stil. Hanoï ist Sitz des französischen Generalgouverneurs und Oberresidenten, mit 103188, mit Nachbarorten 150000 Einw., darunter 2000 Chinesen, 1088 Europäer (ohne Militär). Die eingeborne Industrie erzeugt Baumwollen-und Seidenstoffe, schöne Seidenstickereien,Perlmutterarbeiten (Inkrustationen), Filigranarbeiten aus Gold und Silber, lackierte Waren. Der Handel, meist in den Händen von Chinesen, neuerdings auch von Europäern, ist bedeutend; Ausfuhr: Reis, Zuckerrohr, Seide, Mais, Bohnen, Schellack, Erze. Fahrzeuge können bis Hanoï hinaufgelangen, Boote (in der guten Jahreszeit auch Dampfschaluppen) bis Laokay. Außerhalb der Stadt liegt die hohe alte, für den damaligen Herrscher von Anam nach Vaubans System durch französische Offiziere erbaute Zitadelle mit schöner Pagode, Wohnungen der Mandarinen, Kasernen, Magazinen, Arsenal, Schatzkammer etc.—Rundfahrt.Morgens besuche man dieMarkthallenin der Eingebornenstadt, in der Rue du Riz; dicht dabei, in der Rue des Voiles, ist diePagode des Kriegsgottes Ba Mãmit *Bronzestatue auf Drachenthron. Beim Teich vonTruc-bachliegt die *Pagode des Großen Buddhamit schöner Riesenbronzestatue Buddhas; auch die Pagode der beiden SchwesternTrung(Trung-Liet, zweier tonkinesischer Jungfrauen von Orléans, die Anam 38 n. Chr. vom chinesischen Joch befreiten) ist sehenswert. Im Kleinen See (Petit Lac) liegt die *Pagode de l'île de Jade(auchNgoc Songenannt). Von da fahre man an derKathedralevorbei zum *Museumbeim Bahnhof am Boulevard Gambetta, worin Baudenkmäler der hinterindischen Kunststile gesammelt sind; in Nebenhallen sind permanente Ausstellungen von Kunst-, Gewerbe-und Handelsgegenständen. Vor dem Museumsplatz steht am Boulevard Gambetta ein schönesDenkmal(von Rivière): »Frankreich beschützt Indochina«.—Nun zumBotanischen Garten(Jardin Botanique), in dessen Mitte der kleine HügelNui-saliegt; oben *Aussicht über Stadt und Roten Fluß. Außer Pflanzensammlung findet man Käfige mit Tigern, Hirschen, Vögeln, Schlangen etc.—Neben dem Botanischen Garten liegt in schönem Park derPalast des Generalgouverneurs.—Südl. vom Botanischen Garten die LotospagodeChua Mot-cot, aus dem 11. Jahrh.— Die bis zur Hauptstadt der benachbarten chinesischen Provinz Yünnan seit 1910 fertiggestellte Bahn (s. unten) ermöglicht einen bequemen Besuch des südwestlichen China.
Vgl. die Karte bei S.215.>
Eisenbahn: DieTonkin-Yünnanbahn(von der Compagnie française de chemin de fer de l'Indochine et du Yunnan erbaut und 1. April 1910 dem Verkehr übergeben) verbindet die Tiefebene von Tonkin durch das großartige Erosionstal desSongkoi(Roter Fluß) mit der südwestlichsten chinesischen ProvinzYünnan. Wegen der prächtigen Naturbilder und der zahlreichen kühnen Bauwerke dieser Gebirgsbahn ist ihre Befahrung zu empfehlen trotz zurzeit noch vorkommender Betriebsstörungen.HandÜber Fahrzeiten, Fahrpreise, Unterkunft etc. erkundige man sich in Hanoï oder Haïphong.Den größern Ostteil derchinesischen Provinz Yünnanbildet ein im Mittel 2000 m hohes, von Gebirgszügen überragtes Kalksteinhochland, das wegen seiner Wasserarmut eine ziemlich dürftige Vegetation hat; die Bergzüge tragen jedoch vielfach Laub-und Nadelwälder. Die Talmulden sind teilweise mit rotem Ton, den Zersetzungsprodukten des Kalksteins, ausgekleidet und zuweilen von Seen eingenommen. —DasKlimasoll für Europäer angenehm sein.