Ankunft.Der Dampfer legt im Stadtgebiet nicht weit von der Insel Schamien an; man gelangt mit Tragsessel oder wegen des Gepäcks mit Sampan (5-10 cents) nach dem Gasthof. Für eintägigen Aufenthalt (genügt!) vermittelt der Dampferkapitän Führer mit Tragsessel; der Dampfer gibt Tiffin mit (das man an der fünfstöckigen Pagode verzehrt), in der Stadt erhält man nichts für Europäer Eßbares.Gasthof:Hotel Victoria, auf der Insel Schamien; 20 Z., Pens. $ 8-12, Ged. $ 11/2, Hausboot zum Dampfer 50 c.; als Nachtquartier nicht zu empfehlen. Die sogen.Blumenboote(Flower Boats), wo halb chinesische, halb europäische Gastmahle zu haben waren, sind 1909 abgebrannt und nicht erneuert worden.HandEuropäer werden dringend davor gewarnt, sich ohne Begleitung bekannter Chinesen in einem Boot auf dem Fluß aufzuhalten!Post: Deutsches, englisches, französisches, japanisches Postamt auf der Insel Schamien, chinesisches in der Stadt.—Telegraphchinesisch auf Schamien.Tragsessel(chair) mit 3 Trägern $ 11/2-21/4für den Tag.—Sampans(Boote) für Flußfahrten nach Zeit, etwa $ 1 stündlich.DampfernachHongkong: Abfahrt 8 Uhr Vm. (Fahrzeit 7 St.); 5 Uhr Nm. (Fahrzeit 7-12 St.). Fahrpreise: englische Dampfer $ 8, französische 5, chinesische 4, ohne Mahlzeiten;— nachMacao: jeden Wochentag 8 Uhr Vm. für $ 5;—nach den VertragshäfenSamschuiundWutschauam Westfluß dreimal wöchentl., für $ 15, hin und zurück $ 25.Eisenbahn: Kanton-Samschui in 2 St.; Kanton-Hankau im Bau, 90 km im Betrieb; Kanton-Kaulun (S.224).
Plan von Kanton.Plan von Kanton.
Banken:Hongkong & Shanghai Banking Corp.;Banque de l'Indochine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft;Deutsch-Asiatische Bankim Hause der Herren Arnold Karberg & Co.;Carlowitz & Co., Korr. der Deutsch-Asiatischen Bank, sämtlich auf der Fremdenniederlassung Schamien.Fremdenführersind unentbehrlich, man nehme aber nur solche mit guten Empfehlungen durch Vermittelung von Thos. Cook in Hongkong (s. S.221), der die alte FührerfamilieAh-Cum(JohnundAh-On) als zuverlässigste empfiehlt, oder des Dampferkapitäns oder des Gasthofs; sie erhalten etwa $ 2 und einen Tragsessel für den Tag, größere Gesellschaften nach Übereinkunft; man überträgt ihnen am besten die Gestellung der Tragsessel nebst je drei Kuli (zu etwa $ 2); Besichtigungsplan verabrede man vorher mit dem Führer womöglich mit Hilfe eines ortsansässigen Europäers. Der Führer ist auch bei Einkäufen nicht gut zu entbehren, aber nicht stets zuverlässig; auch chinesische Speise-und Spielhäuser kann man mit ihm besuchen.HandWegen des oft fremdenfeindlichen Pöbels gehe man nicht ohne Führer und Tragsessel in die Stadt und meide jede Volksansammlung. Besuch öffentlicher Hinrichtungen ist des gebildeten Europäers unwürdig und ekelhaft.Konsulate:Deutsches Reich, Konsul. Dr. W. Rößler, Dolmetscher Tigges.Klub:Canton Club, auf Schamien, international für Europäer, Einführung durch Mitglieder.Krankenhaus: Ein französisches und ein amerikanisches Hospital.Einkäufe: Die Gewerbe liegen meist gassenweise zusammen. Man findet: Jade-Schmucksachen (Nephrit), Silber, alte und neue Seidenstickereien, Specksteinschnitzereien, Schwarzholz- und Elfenbeinschnitzereien u. a. Die Preise sind meist billiger als in Hongkong und Schanghai; viele der dortigen Waren werden in Kanton hergestellt, doch ist in Schanghai die Auswahl für europäischen Geschmack leichter. Für Europäergeschmack bestimmte Waren (Seide, Silber, Elfenbein) in der Sai Hing Gei (2 Minuten von der Brücke).
Kanton,Canton(chines.Kwang-tschou-fu), die wichtigste Handelsstadt Südchinas, zweitgrößte Stadt des chinesischen Reiches und Hauptstadt der Provinz Kwangtung, liegt unter 23° 8' nördl. Br. am l. Ufer desPerl-oderKantonflusses, nahe dem Nordrande des Sikiangdeltas, in einem Gebiete, das noch üppige, tropenartige Vegetation besitzt, aber im Winter zuweilen schon Nachtfröste erleidet. Durch sein Straßenleben ist es die interessanteste Stadt Chinas. Die Stadt ist von der üblichen rechteckigen Backsteinmauer (nebst Graben) umgeben, die hier 10 km lang, 12 m hoch und an der Krone 7 m breit ist, und zerfällt in die dem Fluß zugekehrte Neustadt und die durch Mauer mit Graben von ihr getrennte, fünf Sechstel der Gesamtfläche einnehmende alte Tatarenstadt. Hervorzuheben sind hier die Yamen (Residenzen) des Generalgouverneurs und des Tatarengenerals, das Kungfutszekollegium und der kaiserliche Tempel, die Fünfstockpagode, 120 andre Tempel, eine Moschee, mehrere buddhistische Klöster, die Münze, der große Exerzierplatz und die französische katholische Kirche. Neu-und Weststadt sind das Geschäftsviertel. Ein interessantes Wirrwarr von Straßen, Gassen, Sackgassen und Wassergraben, 1,2-4 m breit, mit Granitquadern belegt, darunter meist Wasser-oder Schlammgräben, darüber von April bis Oktober Strohmatten oder »Himmelsfenster« (mosaikartige Schiebefenster aus Muschelschalen), darin Menschenknäuel wie in keiner ändern Großstadt (vor den Essenszeiten in den Märkten!), Gewimmel, Gelärm, Geschrei, Geruch. Auf dem flachen, durch zahllose Kanäle durchkreuzten Ufer (außerhalb der Mauer), auf Pfahlbauten, sowie in den bis nahe an die Flußmitte verankerten Booten der »Wasserstadt«wohnt gleichfalls eine zahlreiche Bevölkerung. Die Fremdenniederlassung befindet sich auf der InselSchamien, die, ehemals eine Schlammbank, 1859-61 erhöht und ummauert wurde und jetzt mit ihren breiten Banyanalleen angenehmen Eindruck macht; die Engländer erhielten4/5, die Franzosen1/5. Unter den erstern haben sich auch Deutsche, Amerikaner, Niederländer niedergelassen. Die Einwohnerzahl wird auf 900000 angegeben, darunter 2000 Mönche und Nonnen (9/10 buddhistische); mehr als 100000 Menschen wohnen auf etwa 84000 Fahrzeugen im Strom.—Als Industriestadt nimmt Kanton in China den ersten Rang ein als Hauptsitz der Seidenspinnerei und-weberei und Seidenstickerei, durch Borten-und Schnurenfabrikation, Färberei, Glasbläserei, Glas-und Steinschleiferei, Lackwaren- und Papierfabrikation, Holz-und Elfenbeinschnitzerei, Möbelschreinerei; in der Umgebung beschäftigt die Seiden-, Metall-und Porzellanindustrie ganze Dörfer, zur Zeit der Zuckerernte arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in den Zuckermühlen.—Der Handel Kantons liegt zum größten Teil in englischen und deutschen Händen. Werden die meist für Kanton bestimmten, in Kaulun und Lappa verzollten Waren eingerechnet, so beläuft sich der Gesamtwert des Handels von Kanton auf etwa 900 Mill. Mark. Hauptposten der Ausfuhr sind Tee, Rohseide und Seidenwaren (für 31,4 Mill. Taels), Matten, Zucker, Kassia, Porzellan, Feuerwerkskörper; der Einfuhr Opium (für 5,3 Mill. Taels), Baumwollenzeuge, Baumwollengarne, Wollwaren, Metalle, Petroleum, Kohlen, Erdnüsse. Der Handel wird stark durch Hongkong beeinflußt, wo der Schwerpunkt des auswärtigen Geschäfts liegt.—Stadt und Hafen sind durch Forts und Batterien geschützt; auf den im N. der Stadt gelegenen Bergen liegen fünf kleine Forts, auf der Südseite vier, darunterDutch Folly, jetzt Station für drahtlose Telegraphie, auf einer kleinen Felseninsel mitten im Fluß, am Westende der Insel Whampoa das Haukwa-, Napier- und Barrierenfort. Die Forts an der Bocca Tigris (S.225), mit vielen Geschützen bewaffnet, aber ungeschickt gebaut, wurden in den Kämpfen mit England 1841, 1847 und 1857 leicht genommen.
DasKlimavon Kanton zeigt starke Extreme, das Thermometer steigt im Sommer bis 38° C und sinkt im Winter bis 4,5°, Schnee und Eis sollen als Seltenheit vorgekommen sein (z. B. 1893).
Rundfahrtmit Führer (S.227) und im Tragsessel (kaltes Frühstück sowie an Kleingeld etwa $ 2 für Priester und Händler mitnehmen, dessen Verteilung man dem Führer überlasse; Trinkgelder nur, wo Wächter Türen öffnen: im Wa Lam Tse, in der Fünfstockpagode, in Tsans Ahnenhalle, etwa 5-10 cents). Beim Gasthof über die Brücke in die engen Gassen der Chinesenstadt. Durch die Schuhmacherstraße geradeaus zumHung Sing-Tempel, dort r. in die Ha Gao Po (Hauptstraße für chinesische Seidenstoffe, am Anfang der Straße, r., Läden mit Sänften für Hochzeiten-und Begräbnisse), dann l. durch die Sai Loi Tso Te (Schwarzholzmöbel mit Marmor-und Perlmuttereinlagen) zum *Tempel der 500 Götzen(Wa Lam Tse; »Tse« = buddhistische, »Kün« = taoistische Klöster). Am Eingang die sagenumsponnenen Torwächter, buntbemalte Figuren aus gebrannter Erde hinter schmutzigen Holzgittern. Erste Halle: die drei Buddha.Zweite Halle: siebenstöckige Marmorpagode, Geschenk des Kaisers Kien Lung. Dann l.:Halle der 500 »Lohan«(Schüler Buddhas): 500 lebensgroße Tonfiguren sitzen in langen Reihen an den Wänden. Dem Eingange gegenüber Kaiser Kien Lung in goldschimmerndem Gewande. Rechts von ihm zeigt der Tempelwächter »Marco Polo«. Wer will, kann sich die Priesterwohnungen ansehen. Zurück zur Ha Gao Po, durch die Ta Tung Gei (chinesische Banken, Apotheken; Seidenfaden) nach der Tsong Yün Fong (Seidenstickereien, Bilder in Schwarzholzrahmen). In Nachbarstraßen alle Arten Laternen. Die nächste Straße, Dai Sann Gei, ist eine Haupthandelsstraße (Elfenbein, Kuriositäten, Fächer; Nephrit = »Jadestone« fast nur hier echt zu haben). In der Parallelstraße Ho Bunn Gei Schwarzholzmöbel, Musikinstrumente und Felle. Durch das »Tor der Tugend« (Kwai Tak Mun) in dieAltstadt. Am Tor viele Läden mit Käfigvögeln, Schlangen, Affen und anderm Getier. L. durch die Dai See Gei in das Mandschuviertel. Hier der »Tempel der fünf Genien« (Ng Sin Gunn). »Die fünf Genien flogen auf Rammblöcken durch die Luft nach Kanton. Die Balken wurden in Steine verwandelt und hier aufbewahrt«. Eine große Glocke (5000 kg schwer) hängt hier: »ihr Klang bringt Unglück über die Stadt«; 1857, bei der Belagerung durch Franzosen und Engländer, schlug eine Granate ein Stück aus ihr heraus und machte sie tönen. Im Tempelhof eine Fußspur Buddhas.—Nordwestl., ganz nahe, die älteste Moschee (Wai Sing Tse) in China, um 626 gegründet; über ihr der »Nackte Turm« (Kwong Tap) als Minaret; die Moschee soll von einem Onkel Mohammeds gebaut sein, dessen Grab sich in einer andern der drei Moscheen Kantons befindet. In der Nähe der »Kwong Tap« wohnen meist Mohammedaner, deren Gesamtzahl auf 3000 angegeben wird.—Nördl. anschließend das Reservat der Bannertruppen, auch Mandschu. Ihre Häuser sind meist klein, unordentlich, weiß gestrichen mit schwarzgemalten »Querbalken« über der Tür. Keine Läden hier, die Männer sind Soldaten, Wächter oder ohne Gewerbe. Die Mandschufrauen fallen durch lange, hellblaue Gewänder auf, während Chinesenfrauen Obergewänder, die nur bis zum Rumpfende reichen, tragen.—Nach N., durch die Fa Tap Gei nach der *Blumenpagode(Fa Tap, richtiger »Geschmückter Turm«, im Gegensatz zum »Nackten Turm«, Kwong Tap), einem achtseitigen, neunstöckigen, rosaübertünchten Turm von 51 m Höhe; 505 n. Chr. erbaut; ins Innere kein Zutritt.— Weiter nördl. bis zum großen Nordtor (Dai Pak Mun); unterwegs hübscher Blick auf das Wachthaus über dem Tor.—Von hier besuche man ein »Totenhaus« (z. B. das BuddhistenklosterSao San).
Ein hof-oder gartenartiger Raum, oft im Anschluß an ein Kloster, ist mit Längs-und Quermauern durchzogen, an jeder Wandseite liegen Zimmerfluchten; das Ganze gleicht einer Miniaturstadt aus kleinen viereckigen Grabkapellen. Gegen Eintrittsgeld und jährliche Miete lassen reiche Leute hier ihre Toten niederlegen, bis der Wahrsager Ort und Zeit für die Beerdigung bestimmt hat, was Jahrzehnte dauern kann. Die Ausstattung des Raumes ist verschieden; meist ist in der Mitte ein Altartisch, dahinter hängt ein Vorhang oder Teppich zum Verhüllen des Sarges. Auf oder neben dem Altar sind Opfergefäße, Räucherstäbchen, Speisen, große Figuren aus buntem Papier, an den Wänden Bilder, an der Decke hängen Lampen und, senkrecht oder wagerecht, gestickte oblongische Läufer.
Oft ist auch ein Diener anwesend, wohnt oder schläft in einem Nebenraum der »Totenstadt« und sorgt für frisches Essen und Wasser. »Bei Kindersärgen steht Spielzeug, bei Frauensärgen Spiegel, Salbentöpfe, kostbare Kleider. Zuweilen wird der Tote betrogen und erhält Speisen aus Wachs, die haltbarer sind. In manchen Kapellen lesen in weiße Trauerkleider gehüllte Chinesen aus Folianten laut Totengebete, während ein buddhistischer Priester den Takt in Pentametern auf einer kleinen Topftrommel schlägt«(nachHans Meyer). Die Herstellung der Papierwaren für Toten-und Opferkult (Papierblumen,-sänften,-treppen, -figuren,-tabakspfeifen,-geld,-opferschnitzel) ist eine bedeutende Industrie der Stadt.
Nahe beim Nordtor derKun Yam-Berg, einer der heiligen Orte Kantons. Kun Yam ist die buddhistische Göttin der Barmherzigkeit (SanskritAvalokitêshvara) und eine der häufigsten Bildsäulen hier. 1858-62 war am Berg das Hauptquartier der Engländer und Franzosen. Unten das TaoistenklosterSam Yün Kung, einer der saubersten und schönsten Tempel der Stadt; eine lange Flucht breiter Granitstufen führt empor zum Kun Yam-Tempel; vom Tempelhof schöner Blick über die Stadt.—Zwei Minuten weiter dieFünfstockpagode(Ng Tsang Lao), keine Pagode, sondern ein mächtiger Burgturm von Hausgröße, rechteckig, fünfstöckig, aus rotem Gestein, die Simse weit vorspringend, erbaut unter dem ersten Ming-Kaiser (zwischen 1366 und 1399). Vom Obergeschoß weiter *Ausblick: Im S. die Stadt, der Perlfluß als schimmerndes Band, an seinen Ufern zwei Neunstockpagoden, in der Ferne dieSai Siu-Hügel. Im O. und W. die dörferbesäte Ebene, im N. und NO. dicht hinter der Stadtmauer die »Weißen Wolkenberge« (ein andrer heiliger Ort; hier findet der Totenkult sein letztes Ziel: vom Fuße bis zum Gipfel liegen die Hufeisengräber neben-und übereinander). Im Oberstock zwei Bildsäulen:Kun YüundWan Tsèng(heilig gesprochener Kultusminister aus dem 7. Jahrh.), denen die Prüflinge opfern, um gut zu bestehen. Höhe und Lage auf der schon an sich 10 m hohen Stadtmauer machen die Fünfstockpagode zu einer Landmarke. Die Chinesen sagen: Kanton gleicht einer mächtigen Dschunke, die Fünfstockpagode ist der Hintermast mit gespreiteten Segeln, die Blumenpagode der Vordermast (Zeichen des steigenden Handels und steigenden Wohlstandes der Stadt).
Auf derStadtmauer(zu Fuß) oder durch die Stadt (in Sänfte) nach dem kleinen Nordtor (Siu Pak Mun). Geradeaus, immer nach S., bis zur Hauptstraße der Altstadt, der etwa 1 St. langenWei Ngoi Gei(»Straße der Wohltätigkeit und Liebe«), dann r. zum »Tempel des Schreckens« (Sing Wong Miu, »Sing Wong« ist der Schutzgott der ummauerten Städte, deshalb findet sich sein Tempel ebenso in jeder Stadt wie der des Kungfutsze).
DerSing Wong Miuist ein typisch-kantonesischer Tempel: klein, neuerdings renoviert. Er wird von Frauen, Landleuten, Soldaten besucht, gleichzeitig von »Bauernfängern«; Bettler, Spieler, Wahrsager, Hausierer drängen sich hier, zumal an Festtagen. An den Wänden des Hofes werden die Strafen der buddhistischen Hölle in Bildern vorgeführt (r. und l. je fünf).
»Da wird ein Kerl lebendig in Öl gesotten, während grausige Ungeheuer die Glut des Ofens anfachen; dort wird ein armer Sünder aufgeschraubt wie ein Korkzieher, an andrer Stelle wird ein Bösewicht Zoll für Zoll zerstückelt, am dritten Ort ein andrer unter einer Riesenglocke zu Tode geläutet, und so geht es fort durch alle erdenklichen Stufen der raffiniertesten Grausamkeit« (Hans Meyer). Das Ganze erinnert an ein Panoptikum.
Dem Sing Wong-Tempel gegenüber durch die Fu Hog Tung Gei nach dem *Kungfutsze-Tempel(Kuong Tsao Fu Hog Kung). Kanton hat drei Kungfutsze-Tempel, dieser ist der erste. An bestimmten Tagen im Frühling und Herbst versammeln sich hier alle Zivil-und Militärbeamten, an ihrer Spitze der Generalgouverneur. Die Verehrung des großen Weisen besteht im Räuchern, Verbrennen von Kerzen, Opfern von Reis, Wein, Fleisch, Musik, Niederknien u. a.—Nicht weit davon, in derSöng Mun Dai Gei(Hauptstraße der chinesischen Buchhändler) die *Wasseruhr. Sie besteht aus vier Kupferkübeln, die auf Stufen stehen. Das Wasser tropft von einem zum andern; im untersten schwimmt ein Anzeiger, der angibt, wie lange das Wasser fließt. Nach 12 St. wird es ins oberste Gefäß zurückgegossen. Erbaut wurde die Wasseruhr um 1320.—Nördl. zurück zurWei Ngoi Geiund diese entlang bis zumWesttor(Sai Mun). Auf dem Weg mehrere Yamen (Amtsgebäude). Das Schatzmeistersyamen (der Einmündungsstelle in die Wei Ngoi Gei gegenüber), dann ein wenig weiter, r., das Präfektsyamen, zuletzt das des Tatargenerals (die Straße führt durch die großen Tore des Vorhofs, l. eine Wand mit dem kaiserlichen Drachen).—Nach Schamien zurück durch die Sap Tsat Po und Sap Bat Po (wichtige Handelsstraßen, hier auch viele europäische Waren).
Kürzere Rundfahrt: Wem diese Fahrt zu lang ist, gehe von der Ha Gao Po zum Westtor und hier auf die Stadtmauer: schöne Blicke auf den Tempel der fünf Genien, den »Nackten Turm«, die Blumenpagode, den Kun Yam San, die Fünfstockpagode. (Vom Nackten Turm auf der Stadtmauer zum Großen Nordtor; uralte Geschütze auf der Stadtmauer, Schweine und Hühner liegen darunter, menschliche Faulenzer schlafen darauf, daneben kochen die Wächter ihr Essen; auch l. durch die Mauerluken manch hübsches Bild; bis zum Großen Nordtor 25 Minuten zu Fuß, vom Tor aus gehe man wie bei der ersten Fahrt beschrieben.)
Zwei hervorragend schöne Gebäude erfordern weitere Ausflüge: 1)die Ahnenhalle der Familie Tsan. Man fahre mit der Nordbahn (7 Min.) nach der ersten Station Hgai Chim. L. vom Bahnhof die Hochschule der beiden Kuong-Provinzen (mauer-und grabenumzogenes Viereck, mit vielen Gebäuden und Baumgruppen, einer kleinen Stadt ähnlich). Mit Sänfte nach der Ahnenhalle (15 Min.), einem der schönsten Gebäude in Südchina, drei Reihen Hallen hintereinander. Überreiche Stuckarbeiten an Dach und Mauerwerk, die weiten stillen Höfe erinnern an die Alhambra; in der letzten Halle viele kleine Ahnentafeln.—2)Der Kungfutsze-Tempel des Pünjü-Distrikts(Pun Yü Hog Kung), großer Bau, prächtig gelbrotes Ziegeldach, ornamentale Drachen über dem Eingang zur Haupthalle (nur an Kungfutszes Geburtstag geöffnet, sonst Eingang durch Seitentüren), im Innern seltsame Riesenfigur des großen Philosophen. —Daneben die Amtsgebäude des Pun Yü-Magistrat; Besuch der Gefängnisse (Erlaubnis des Beamten!) nicht uninteressant. Die Schauerszenen, früher häufig, sind jetzt unterdrückt. Am Flußufer derRichtplatz, in »Friedenszeiten« werden hier Töpfe getrocknet.Soviel Hinrichtungen am Tage stattfinden, soviel Holzkreuze werden vorher dort etwas erhöht aufgebaut; das Schauspiel (meist Kopfabschlagen) ist widerlich.—Unter den vielen Tempeln der Stadt sind noch zu erwähnen: derMedizintempel, vor dessen Eingang eine vergoldete Holzschnitzerei hängt; im Innern schöne Reliefs und im Nebensaal 60 Götzenbilder, von denen jedes ein Jahr des Menschenlebens und der 60jährigen Kalenderperiode darstellt; vor jedem steht eine Vase zum Opfern von Räucherkerzen. Eine kreisrunde Tür führt in einen andern Saal mit zwei Altären.—Einer der ältesten Tempel, 362 erbaut, liegt im NW. der alten Stadt, nahe der Blumenpagode, imKloster der glänzenden Elternliebe(Kwang hiao tse); er hat zwei kleine siebenstöckige, eiserne Türme mit Inschriften aus dem 10. Jahrh.—Bemerkenswert ist noch derKaiser-Tempel(Wan tscheu kong) ein Staatsgotteshaus, wo die Zivil-und Militärbeamten Kantons an Kaisers Geburtstag, beim Neujahrsfest und bei Verheiratung des Kaisers Festgottesdienst abhalten. Auf dem kahlen Altar steht eine Tafel, auf der der goldene Namenszug des Kaisers auf grünem Lack angebracht ist.—Für weitere Auskunft ist zu empfehlen: »A Guide to the city and suburbs of Canton, by Dr. Kerr« (Hongkong, Kelly and Walsh).
Ausflug.Kanton gegenüber, am Südufer des Perlflusses, die VorstadtHonamauf gleichnamiger Insel; Bootsbauerei, Hauptsitz der Mattenindustrie, etwa 200000 Einw. Mit Sampan fährt man (nicht ohne ortskundigen Europäer!) über den Fluß. Sehenswert sind eine großeTempelanlage(Hoi tswang tse) imKloster des Meer-Banners, zu der man durch eine lange Reihe von Toren und Holzstatuen gelangt, zwei Hauptpagoden und drei riesige Buddhafiguren; am interessantesten sind die vielen Bonzen, die man in ganzen Rotten trifft (listige Augurenphysiognomien). —Dann fährt man flußaufwärts zur InselFati, gegenüber von Schamien, wo sehenswerteZiergärtenliegen; sie enthalten außer vielen Blütengewächsen, Palmen, Dracaenen auch absonderliche Buschpflanzen, die zu allerlei Figuren (Menschen, Drachen, Fische, Fächer u. a.) zurechtgestutzt sind, denen mit Glas und Porzellanansätzen nachgeholfen wird; sehr eigenartig sind auch die Miniaturlandschaften, meist Berge mit Häusern, Grotten, Brücken, Menschen, Bäumen. Bei der Wasserfahrt kann man gelegentlich beobachten, wie Priester auf großen Dschunken Andachten abhalten; auch das Treiben auf dem Wasser, das Familienleben in den Fahrzeugen bietet Sehenswertes. Am angenehmsten sind Fahrten mit »Hausboot« der auf Schamien ansässigen Europäer; sie sind für Ausflüge zu Wasser bestimmt.
Dampfer, s. S.221. 40 Seem.; Fahrzeit etwa 31/2St., Ausflug auf 1 Tag (besser 2 Tage). Fahrpreis $ 4; So. Sonderschiffe hin und zurück $ 2, 6 St. Aufenthalt (genügt für Rickschafahrt, Besuch der Spielhöllen und aller Sehenswürdigkeiten). (NB. Man kann auch von Kanton direkt nach Macao in etwa 8 St. fahren [Fahrpreis $ 5], doch sind die Dampfer [S.225] sehr klein, daher bei Seegang unbequem.)
Die Fahrt vonHongkongostwärts, je nach dem Wetter dicht längs der Nord-oder Südküste der großen InselLantao, ist reizvoll; dann durch die ziemlich offene Mündung desKantonflusses, vorbei an kleinen Inseln nach dem versandenden Hafen von Macao, der an landschaftlicher Schönheit mit Hongkong wetteifert, trotzdem die Felsenhalbinsel Macao nur 100 m hoch ist. Auf dem FortNossaSenhora da Guiasteht der erste europäische Leuchtturm, der in China brannte; die Hügel tragen alte Festungswerke. Die kleine Stadt sieht von See mit ihren Kirchen, Terrassen, Arkaden und Balustraden malerisch aus. Im Hafen liegen meist nur Fischerfahrzeuge.
(vgl. den Karton auf der Karte S.219).
Gasthöfe:Hotel Boa Vista, über der Stadt in schönster Lage, Rua do Tanque do Mainato 1, gut, allein zu empfehlen; Pens. $ 8.—Macao-Hotelan der Grande Promenade, mäßige Preise.—Post u. Tel.(Kabel) portugiesisch. —Rikschas: 1 St. 10 cents in der Stadt, 15 cents außerhalb.—Tragsesselmit 2 Trägern ein Weg 15 cents; 6 St. 50 cents; für den Tag $ 1.—Dampfer: nachHongkongtägl. früh, Sa. und So. 2mal tägl., für $ 4-2; nachKantonMo. Mi. Fr. früh.—Spracheportugiesisch, doch kommt man mit Englisch überall durch.—Geldportugiesisch; 1Milreis(1000reis) etwa 4,53 M., also 100 reis = 45 Pf. Es gelten Banknoten der Hongkong-Schanghai Banking Co. und das in Hongkong umlaufende Kleingeld. Der Goldkurs schwankt täglich.—Spielhöllen(mit Roulette):Fantam;Wong hang;Wong wo; Einsatz von $ 1 an, man gewinnt beim »fan tam« den vierfachen Einsatz, weniger 10 Proz.; Spielzeit den ganzen Tag, das Spiel ist primitiv (man wird enttäuscht sein).Macaowurde 1517 von den Portugiesen besetzt und diente einst als alleiniger Vermittelungsplatz des europäischen Handels mit China. Seitdem aber die Fremden in Kanton selbst Zutritt gefunden, und vollends, seitdem die Engländer die Insel Hongkong und die Halbinsel Kaulun besetzt haben, ist Macao als Handelsplatz völlig bedeutungslos geworden, zumal auch der Hafen durch die Sinkstoffe des Hsikiang ganz verschlammt ist. Der Besuch des Ortes lohnt aber auch heute noch wegen seiner herrlichen, an Monte Carlo erinnernden Lage auf einer kleinen Felsenhalbinsel und wegen der zahlreichen Zeugen der einstigen portugiesischen Kolonialherrlichkeit. Es ist kein größerer Gegensatz denkbar als zwischen dem reichen Leben, das in Honkongs Straßen und Hafen pulsiert, und dem menschenleeren Macao. Die Portugiesen selbst haben hier wie überall in ihren Kolonien ihr Volkstum nicht rein erhalten, sondern sind zu einer Mischrasse herabgesunken. Der Baucharakter der Europäerstadt ist dagegen noch rein portugiesisch.—DasKlimaist im Sommer weniger heiß, angenehmer und gesünder als auf Hongkong.
Macao(spr.-kāu) liegt 60 km westl. von Hongkong auf einer felsigen Halbinsel, die eine nur 100 m breite Landzunge mit der flachen chinesischen InselHeongschan, des Südteils des Hsikiang-Deltas, verbindet. Die Grenzmauer, deren Tor früher chinesische Soldaten bewachten, ist jetzt verfallen. Macao hat 63991 Einw. Der Handel ist sehr im Niedergang (Waffenschmuggel) und ganz in Händen von Chinesen.—DieStadt Macaoist malerisch auf einer Hügelreihe erbaut, die bis 100 m vom Strand aufsteigt; die Straßen sind vielfach steil. Auf den Höhen mehrere alte Forts, die mit je einer Kompanie Festungsartillerie und Infanterie besetzt sind. Macao scheidet sich in die regelmäßig gebaute portugiesische (jetzt verödete) Stadt mit fünf Kirchen, darunter die St. Pauls-Kathedrale, zahlreichen Kapellen und (seit 1834 aufgehobenen) Klöstern, aber auch nicht minder zahlreichen Spielhöllen, und das chinesische Viertel mit großem Basar und engen, schmutzigen Gassen. Macao ist Sitz des Gouverneurs, eines Bischofs und eines chinesischen Mandarins und Hauptsitz der französischen Missionen in China.—Der äußereHafenist ungenügend geschützt, zwei innere Häfen sind eng und verschlammen, daher nur für Flußdampfer und Dschunken brauchbar, währendgroße Seeschiffe 9-10 km von Macao ankern müssen. Eingeführt wird aus China: Seide, Matten, Tee, Zucker, Schweine, Tabakblätter, Bambus; aus Hongkong: Reis, Erdnußöl, Petroleum, Kohle, Mehl. Ausgeführt werden nach China Opium, Baumwollengarn und Reis.—Die Portugiesen erhielten bereits 1557 gegen jährliche Zahlung von 500 Taels an China das Recht zur Niederlassung; diese Summe wurde bis 1848 entrichtet.—Seit 1845 ist Macao Freihafen, konnte sich aber neben Hongkong nicht behaupten, besonders seit 1873 der Kulihandel verboten wurde.
Rundfahrt in der Stadtmit Rikscha vom Gasthof Boa Vista hinunter in die Hauptstraße der Stadt,Praia Grande, wo derPalast des Gouverneursund andre Regierungsgebäude liegen und am Nordende einPark, in dem Nm. Musik spielt, während ganz Macao dort promeniert.—Dann l. den Berg hinauf zur Ruine derSão Paolo-Jesuitenkirchemit schönem Portal und etwas weiterhin zumCamões-Garten, wo der verbannte Dichter seine »Lusiaden« vollendet haben soll und eine Büste des Dichters steht, mit mehreren Inschriften, darunter einer sehr stimmungsvollen Widmung eines Franzosen.— Ein guter Weg, die Avenida Vasco da Gama, führt nördl. zur chinesischen Grenze; auf einer Anhöhe sieht man einen terrassenförmigen Parsenfriedhof.—Jenseit des kleinen Grenztores 8 km weiter liegt eine reiche chinesische Besitzung mit sehenswertem Park.—In dem fleißigen, aber häßlichen Chinesenviertel von Macao ist eine Opiumfabrik sehenswert.—DieSpielhöllen(Casa do Jogo,Gambling saloon) liegen meist in der Rua da Felicidade. Macao gewährt wegen seiner idyllischen Ruhe und malerischen Umgebung genußreichen Aufenthalt für 2-8 Tage.—26 km von Macao liegen die heißen Quellen vonYo muh.
(vgl. Karte s. 155).
DampferderChina Navigation Co.und derIndo-China Steam Navigation Co.(wöchentl.), derPhilippine Steamship Co.(14tägig) laufen von Hongkong nach Manila (640 Seem.) in 21/2Tagen; Fahrpreise veränderlich, je nach Güte der Dampfer $ 30-50, Hin-und Rückfahrt $ 50-80. DerNorddeutsche Lloyd(Austral-Japan Linie) läuft Manila alle 28 Tage an. Es ist notwendig, einen Paß bei sich zu haben, der vom amerikanischen Konsul in Hongkong visiert ($ 1 Gold) wird. Bei der Passagebelegung in Hongkong wird von allen Dampferlinien die auf den Philippinen verlangte Immigration Tax von 8 Pesos = $ 4 Gold hinzugerechnet. Bleibt der Reisende weniger als 3 Monate auf den Philippinen, kann er diese Summe durch die Agentur der Linie, mit der er nach Manila fuhr, reklamieren. Das Beste ist, dies 14 Tage oder 3 Wochen vor der Abreise zu veranlassen, da es solange dauert, bis das Zollamt den Betrag zurückzahlt.
Die Fahrt vonHongkong(S.220) mit südöstl. Kurs durch das Südchinesische Meer (S.214) ist sowohl im NO.-wie im SW.-Monsun des Seeganges wegen unbequem und besonders unruhig beim Monsunwechsel. Bei Ansteuerung der Westküste vonLuzonerkennt man meist zuerst den 1070 m hohenMonte Agudoauf der Halbinsel, hinter der die kleine Bucht vonSubicliegt, und erst später die 1300 m hoheSierra de Marivelesauf der großen Halbinsel, die die große Bai von Manila nach W. abschließt. Zwischen dem Kap Marivelesund der gefährlichen KlippeLa Monjaund der 1 km östlichern FelseninselCorregidor(mit Leuchtturm; diese Insel und die Inseln Caballo, Carabao, Fraile in der Einfahrt sind sehr stark befestigt) hindurch steuert man in die geräumige Bucht ein, deren Küstenumfang etwa 150 km mißt. Der Leuchtturm auf der San Nicholas-Bank bleibt r., dann erscheint r. die flache Waldküste vonCavite, und voraus sieht man auf künstlichem Ufer neue große Gebäude der Manila Hotel Co., des Army und Navy Club und Elk Club, dahinter die düstern Festungsmauern, Kirchtürme und Häuser der StadtManila, im Hintergrunde die Höhen vonSan Mateo.
DiePhilippinen, die nördlichste Inselgruppe des Indischen Archipels, im W. vom Chinesischen Südmeer, im O. vom Stillen Ozean begrenzt, besteht aus 3146 größern und kleinen Inseln, darunter die größten:Luzon,Mindanao,Samar,Negros,Palawan,Mindoro,Leyte,Cebu,Bóhol,Basilan,Panay,Masbate, mit (einschließlich der Suluinseln) 296310 (Italien 286682) qkm Gesamtfläche. Die Küsten sind meist zerrissen und von Korallenriffen umrahmt. Die Inseln werden von dichtbewaldeten Bergketten durchzogen, die, wo sie nicht von Laven, Aschen und Tuffen der Vulkane überdeckt sind, aus kristallinischen Schiefern bestehen. Die zum Teil noch tätigen Vulkane bilden zwei Reihen, eine östliche, die mit dem erloschenenButulan(1097 m) auf Mindanao beginnt und sich über die erloschenen VulkaneMalutun(2000 m) undApo(3200 m) bis zu der erst 1871 entstandenen, 1627 m hohen InselCamiguinund bis zu demBulusan, dem 2530 m hohen, noch tätigenMayonoderAlbayin Südluzon fortsetzt, und eines westliche, die von demCotabotoauf Mindanao über den tätigenCanloon(2497 m) auf Negros und über denHalcon(2700 m) auf Mindoro bis zu den Vulkanen bei Manila hin und weiter nördl. sich erstreckt. Einige Vulkane sind erst in jüngster Zeit entstanden, Erdbeben sind ziemlich häufig. Der Reichtum an Metallen ist groß, aber noch wenig ausgenutzt, Gold ist auf fast allen größern Inseln nachgewiesen; einige zwanzig amerikanische Gesellschaften sind an der Arbeit. Mit Gold kommen Silber, Platin (Kizal), Eisen, Kupfer, Blei und Zink (Camarines) vor, außerdem Zinnober, Schwefel, Petroleum, Steinsalz, Kaolin u. a. Das wichtigste Fossil ist eine treffliche Braunkohle, die auf der Insel Batan gefördert und von den Küstendampfern viel benutzt wird.DasKlimaist ein tropisch-insulares Monsunklima mit gleichmäßig hoher mittlerer Wärme und zwei Jahreszeiten, einer Regen-und einer Trockenzeit. Die Periode des NO.- Monsuns (Oktober bis April), der für die Nord-und Ostküsten regnerisch ist, ist die kühlere, die des SW.-Monsuns, der hauptsächlich der Westseite Regen bringt, die wärmere Jahreszeit. Die Verteilung der Regen über das Jahr ist an den einzelnen Orten je nach ihrer Lage zu den Gebirgszügen sehr verschieden; Manila hat seine Regenzeit, in der jeden Nachmittag ein starker Gewitterregen niedergeht, vom Juni bis September. Sprichwörtlich (aber übertrieben): 6 Monate Staub, 6 Monate Schlamm. Manila: Januar 25°, Mai 28,6°; mittlere Jahresextreme 36,3° und 17,1°; Regenmenge 1927 mm (davon Juni bis November 1700 mm). Der Wechsel der Monsune (Mai-Juni und September-Oktober) ist mit heftigen Wirbelstürmen verbunden. Die nördlichen Inseln sind häufiger, die südlichen seltener furchtbaren Zyklonen (Taifunen) ausgesetzt.DiePflanzenweltist die malaiisch-tropische der Sundainseln und besonders reich an Palmen; die Tierwelt gehört zwar ebenso der malaiischen an, doch fehlen ihr fast sämtliche, auf den übrigen Sundainseln allgemein verbreitete Großtiere; die Raubtiere sind nur durch eine Viverre und eine Marderart vertreten.DieBevölkerungzählt (1909) 8189760, davon 30000 Amerikaner, 100000 Chinesen, 650000 Negritos, d. h. Ureinwohner, die in den entlegenern Gebirgsteilen leben; die Hauptmasse der Eingebornen besteht aus (stark mit fremdem Blut gemischten) Malaien mit zahlreichen Stämmen.
Eine große Rolle spielen die Mestizen (Mischlinge aus Malaien und Spaniern). Die christlichen Malaien von Luzon nennt man Tagalen. Sie haben die Niederungen und Gebirge zwischen ihren unter Kokospalmen versteckten Pfahlbaudörfern gut angebaut mit Nahrungspflanzen (vor allem Reis), Zuckerrohr, Tabak und der Bananenart Musa textilis, der Lieferantin der Manilahanffasern. Gewerbebetriebe: Schnitzarbeiten, Manilahanfverarbeitung zu Stoffen und Matten; Trepang-und Perlenfischerei, Entenzucht. Ausfuhr: Manilahanf, Kopra, Zucker, Tabak, Kaffee, Farbholz, Ilang-Ilang, Aloefaser, Gold. Der Straßenbau in den Provinzen schreitet rüstig vorwärts. Auf Luzon sind bis jetzt 600 km, auf Cebu 110 km, auf Panay 125 km Eisenbahnen im Betrieb. Unter dem Zivilgouverneur stehen das Oberhaus, bestehend aus neun von Washington aus ernannten Beamten, das Unterhaus aus 81 gewählten Abgeordneten, ferner die 40 Provinzen mit vom Volke gewählten Gouverneuren; die Städte haben Selbstverwaltung.Geschichtliches.Magalhãesentdeckte und besetzte die Inseln 1521 und taufte sie Inseln des heiligen Lazarus; 1543 wurde der Name nach dem Kronprinzen (spätern König Philipp II.) in »Islas Filipinas« umgeändert. 1645 erlitten die Philippinen ein schweres Erdbeben. Im 18. Jahrh. begannen die Spanier eifrige Plantagenwirtschaft und Missionstätigkeit durch geistliche Orden (Augustiner, Dominikaner und Jesuiten); die Ordensgeistlichen machten sich durch Härte verhaßt, so daß seit 1876 Aufstände unter Führung aufgeklärter Filipinos kein Ende nahmen. Nach Beendigung des spanisch-amerikanischen Kriegs 1898 trat Spanien die Philippinen an die Vereinigten Staaten ab, die aber in der kurzen seitdem verflossenen Zeit trotz großer Geldopfer die schweren, dem Wirtschaftsleben der Inseln durch die spanische Mißwirtschaft geschlagenen Wunden und das tiefgewurzelte Mißtrauen der Eingebornen gegen die weißen Beherrscher noch nicht beseitigen konnten. Die Eingebornen sind auch jetzt noch recht unruhig.BesteReisezeitJanuar und Februar.
(vgl. den Plan S.237).
Ankunft zur See.Seedampfer ankern innerhalb des Wellenbrechers, Küstendampfer im Pasigfluß. Schiffe bis zu 10 m Tiefgang können Passagiere und Ladung in den beiden Landungshallen absetzen. Strenge Zolluntersuchung; Waffen werden, solange keine Erlaubnis zum Tragen eingeholt ist, zurückbehalten.Gasthöfe(sehr mäßig):Delmonico Hôtel, das beste am Platz, Deutsch gesprochen;—Hôtel Métropole, Plaza Goiti;—Hôtel Bay View, San José, Ermita;—Hôtel de France, Escolta, in allen Pens. 5-10 Pesos.—Manila Hotel, modern, im Bau.—H. Wechsler, deutsche Gastwirtschaft und Bierhalle, Anloague (an der deutschen Flagge kenntlich); Mitt. $ 1 (2,10 M.).Post.Brief nach Deutschland 10, Postkarte 4 centavos, über Sibirien (besonders zu vermerken) 20 u. 8 centavos.Telegraph:Eastern Extension, überall hin;Pacific Cable Co.nach Manila, Schanghai und San Francisco. Sämtliche Philippinen-Inseln sind durch Kabel miteinander verbunden.Mietswagenkosten für die erste St. 40 cts., jede folgende St. 30 cts.—Elektrische Straßenbahnbis Malabon und Fort Mac Kinley.—Eisenbahnvon Manila nach Camp I und San Fernando mit Zweigbahnen, Manila-Batangas, Manila-Cavite, Manila-Antipolo, etwa 600 km.Dampfer: Nach Hongkong s. S.234;—Great Northern Steamship Co., monatl. über Hongkong, Schanghai nach Seattle;—Pacific Mail S. S. Co.(Agentur Castle Bros. Wolf & Sons) undTojo Kisen Kaisha, monatl. über Hongkong, Schanghai nach San Francisco; —Norddeutscher Lloyd(Agentur Behn, Meyer & Co., Ltd., Tel.-Adr. Nordlloyd Manila), alle 4 Wochen nach Australien und Neuguinea;—Küstendampfer derPhilippine Steamship Co.(Agentur Warner, Barnes & Co.), nach allen Inseln des Archipels.—Außerdem Agenturen derHamburg-Amerika Linie,Messageries Maritimesu. a.
Karte der Umgebung und Lageplan von Manila.Karte der Umgebung und Lageplan von Manila.
Geld: 1 Peso =1/2$ Gold (Vereinigte Staaten, II. Teil, S. 2) = 2,10 M.—Banken:Hongkong & Shanghai Banking CorporationundChartered Bank of India, Australia & China; beide Korrespondenten der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank;International Banking Corporation;Banco Español Filipino.Sprache.Mit Englisch kommt man gut aus.Vergnügungen: Militärkonzerte an der Luneta (Reede), Hahnenkämpfe etc.Konsulate:Deutsches Reich, Dr. Zitelmann, Calle Real 346, Malate etc. —Österreich-Ungarn, Konsul Peter Krafft.Deutscher Klub: General Solano 402, San Miguel, im Villenviertel; von seiner Terrasse *Aussicht.DiePolizeiist gut; die amerikanischen Polizisten geben höflich Auskunft und zeigen den Weg.Deutscher Arzt:Dr. Bartels, Calle Marina 67, Ermita.Deutsche Apotheken:Stahl & Rümcker, Escolta 83;Santos & Jährling, Plaza Goiti.Zeitungen.Englisch:Manila Times, Abendzeitung;Cablenews American,Daily Bulletin, Morgenzeitungen.Spanisch:El Comercio,El Mercantil.Sehenswürdigkeiten: Kathedrale und die alten Kirchen in Intramuros, Museen, alte Festungswälle in Cavite, Bilibid Prison.Geschäftsadressen.Viele deutsche Kaufleute leben in Manila; man frage im Gasthof nach dem »Directory«.Zeiteinteilung.Für Manila genügen einige Tage; für Ausflüge nach Baguio 4 Tage, nach den Majayjay-Fällen 3 Tage, zur Insel und dem Vulkan Taal 4 Tage, nach Sibul Springs 3 Tage, nach Los Baños 11/2Tag.Geschichtliches.Manila wurde 1572 begründet, 1590 als Festung ausgebaut; 1643 wurde es von den Holländern, später von asiatischen Piraten und aufständischen Eingebornen bedroht, aber nie eingenommen. Am 1. Mai 1898 erzwang der amerikanische Admiral Dewey die Einfahrt in die Bucht von Manila, zerstörte in der Bucht von Cavite das aus kleinen, alten Schiffen bestehende spanische Geschwader und blockierte Manila von der Seeseite, während die verbündeten Filipinos sie von der Landseite einschlossen, so daß die spanische Besatzung 13. Aug. 1898 kapitulieren mußte. Auch während der Kämpfe, die bald zwischen den Amerikanern und den Filipinos ausbrachen, wurde Manila wiederholt von letztern angegriffen.
Manila, Hauptstadt und Haupthandelshafen der Philippinen, liegt im Südteile der größten, nördlichsten Insel des Archipels, Luzon, am Ostufer der prächtigen Bai von Manila, unter 14° 35' nördl. Br., hat 234409 Einw. (Tagalen, Mestizen, Spanier und etwa 30000 Ausländer, meist Chinesen), macht den Eindruck einer südeuropäischen Stadt. Die meisten Häuser sind wegen der Erdbeben aus Holz (nur das Erdgeschoß aus Stein), aber darum den Wirkungen der Wirbelstürme preisgegeben; der letzte Zyklon (1882) verwüstete in einer Stunde die halbe Stadt. Manila besteht aus der alten, von moosbewachsenen Ringmauern umgebenen innern Stadt (Intramuros) und den durch eine Stein-und drei eiserne Brücken mit dieser verbundenen Vorstädten (Extramuros). Erstere, am l. Ufer der Pasig, hat gerade Straßen, Palast des Erzbischofs, Rathaus, 10 reichgeschmückte Kirchen, viele Klöster, Hospitäler, Kasernen, Observatorium (von dem berühmten Meteorologen und Taifunspezialisten JesuitenpaterJosé Algué, Verfasser des Werks »The Cyclones of the Far East«, vorzüglich geleitet). Die innere Stadt, an die sich die VororteErmita,PacoundMalateund dasFort Santiagoeng anschließen, ist Sitz des Zivilgouverneurs und des obersten Gerichtshofs und hat nur etwa 20000 Einw.
Manila, Plan der Innern Stadt.Manila, Plan der Innern Stadt.
Die VorstädteBinondoundSanta Cruzam r. Pasigufer sind Sitze des europäischen, amerikanischen und chinesischen Handelsverkehrs, dagegen blüht in dem von Mestizen und Fremden bewohntenTondoder Kleinhandel. Hauptindustrie ist Zigarrenfabrikation und Verarbeitung von Manilahanf; daneben Verfertigung von Nanking, Flechtarbeiten, Teppichen, Goldschmiedearbeiten und andern Metallwaren; durch europäische und amerikanische Unternehmer sind Zuckerraffinerie, Maschinenfabriken, Brennereien und Zündhölzchenfabrik entstanden. Der Handel liegt meist in den Händen von Engländern, Deutschen und Amerikanern. Die Einfuhr umfaßt Baumwollengewebe, Eisenwaren, Petroleum, Seiden- und Wollwaren, Papier, Kohlen, Kupfer, Reis, Wein, Schirme etc., Ausfuhr Zucker, Hanf, Tabak, Zigarren, Kopra, Kokosnußöl u.a. Der Handel richtet sich größtenteils nach den Vereinigten Staaten und England. Von Unterrichtsanstalten besitzt Manila eine Universität, höhere Schulen, Lehrerseminar für Eingeborne, Sternwarte, bürgerliches und militärisches Hospital. Das Klima ist trotz Feuchtigkeit gesund (Durchschnittstemperatur 27°, Januar 25°, Mai 28,6°), Cholera und Pest aber haben zahlreiche Opfer gefordert. Zyklone und Erdbeben haben die Stadt wiederholt schwer heimgesucht. —Rundfahrt.Man besuche die GeschäftsstraßeLa Escolta; sie ist Hauptsitz des Handels-und Schiffsverkehrs, lebhafter Verkehr bei Geschäftsschluß an der großen Pasigbrücke, Puente de España; von dort wandert man zum Strande. DerBagumbayanund dieLuneta, wo Militärmusik spielt, sind beliebte Spaziergänge. AufderPlazasteht dasStandbild Isabellas II., in der Nähe der alten Festung, bei der Brücke, dieMagalhães-Säuleund vor dem frühern erzbischöflichen Palast, jetzt Sitz des amerikanischen Truppenbefehlshabers, dasDenkmal Karls IV. Sehenswert sind die Zigarrenfabriken und die Barbierläden sowie die Vororte der Eingebornen, die Tabakpflanzungen, Bambushaine und Kokospalmenhaine in der Umgebung.