Chapter 6

Carpodinus lanceolatusK. Sch.A Habitusbild, B Knospen, C Blüte, D dieselbe geöffnet, E durchgeschnittener Fruchtknoten, F Griffelkopf, G Anthere.

Carpodinus lanceolatusK. Sch.

A Habitusbild, B Knospen, C Blüte, D dieselbe geöffnet, E durchgeschnittener Fruchtknoten, F Griffelkopf, G Anthere.

Nach einer infolge der hier in Milliarden umherschwärmenden Moskitos schlaflos verbrachten Nacht nahm ich am nächsten Tage meine Versuche wieder von neuem auf. Immer wieder ließ ich neues Material heranschaffen, um nun die verschiedensten Koagulationsmethoden zu probieren, alle mir zur Verfügung stehenden Säuren wendete ich an. Sämtliche Bemühungen blieben erfolglos. Von einem meiner Träger, welcher den Wurzelkautschuk zuzubereiten verstehen sollte, ließ ich nun nach der hier üblichen Methode die Wurzelstöcke zerschneiden und in Wasser setzen, um nach Eintritt der Fäulnis durch Schlagen den Kautschuk zu gewinnen. Das bei dieser Behandlung erzielte Produkt war zwar infolge seiner Vermischung mit Rindenstückchen und anderen Pflanzenteilchen fast gar nicht klebrig, war aber dennoch so minderwertig, daß ich es für ausgeschlossen halten mußte, von dieser Lokalität aus Carpodinus lanceolatus Kautschuk zu erhalten. An Ort und Stelle ließ sich natürlich Weiteres über die Ursache dazu nicht feststellen. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß es auch hier zwei verschiedene einander ähnliche Carpodinus-Arten giebt, von denen nur eine brauchbaren Kautschuk liefert; nicht ausgeschlossen ist natürlich auch, daß die chemische Zusammensetzung des Bodens eine nicht unbedeutende Rolle dabei spielt, um so mehr, als eine solche Einwirkung auf die Güte des Produktes bereits wiederholt bei Ficus elastica und bei Manihot Glaziovii festgestellt ist. Ich möchte das Studium dieser ebenso wichtigen wie interessanten Fragen den am Congo in den Wurzelkautschuk-Distrikten ansässigen Europäern sehr warm ans Herz legen. Ich selbst wurde leider durch die Macht der Verhältnisse gezwungen, von der Lösung dieser Frage abzustehen, denn für mich war die Zeit zu einer Expedition in die den Wurzelkautschuk liefernden Distrikte am Kwango zu knapp bemessen. Wie ich auf meine eifrigen Erkundigungen hin kurz darauf in Kinchassa erfuhr, hatte man schon einmal versucht, in der Umgebung von Leopoldville aus der Carpodinus lanceolatus Kautschuk zu gewinnen, hatte aber ein ebenso ungünstiges Resultat erhalten wie ich selbst und infolgedessen bald darauf wieder davon Abstand genommen.

Am 5. Juni zog ich wieder aus jenen Gegenden fort, um dann nach kurzem Aufenthalte in Kinchassa noch am Nachmittage desselben Tages bis Leopoldville weiterzumarschieren. Da wir erst mit Anbruch der Dunkelheit in Leopoldville anlangten, ließ ich mein Lager in der Nähe der Eisenbahnstation aufschlagen in der Absicht, am folgenden Tage einen geeigneteren Lagerplatz zu suchen, um daselbst, bis zur Abfahrt des Dampfers nach dem oberen Congo, zu bleiben.

Am nächsten Tage machte ich mich auf den Weg, um dem Distriktsvorsteher, HerrnCostermans, meine Rückkehr nach Leopoldville anzuzeigen und ihn um Erlaubnis zu bitten, mein Lager in die Nähe des Stanley-Pool verlegen zu dürfen. Natürlich wurde mir letzteres sofort gestattet, ebenso wurde ich aufgefordert, zur Verproviantierung meiner Leute zweimal in der Woche Schiquangas, d. h. große aus zerstampftem und gekochtem Maniok hergestellte, in Blätter eingewickelte Kuchen, von der Station abholen zu lassen. In jeder Weise bemühte sich also HerrCostermans, mich während meines Aufenthaltes in seinem Bezirke zu unterstützen. Ich erfuhr hier auch, daß die „Hainaut“, der Dampfer, mit welchem ich den Congo hinaufzufahren gedachte, etwa am 10. Juni erwartet werde. Am Nachmittage ließ ich an meinem alten Lagerplatze wieder alles einpacken und das Zelt abbrechen, um dann an den Ufern des Stanley-Pool, dicht bei der englischen Mission, mein Lager wieder aufzubauen. Mit eintretender Dunkelheit war alles glücklich unter Dach und Fach gebracht. Die nächsten Tage meines Aufenthaltes bei Leopoldville benutzte ich nun dazu, die Umgebung botanisch zu erforschen und die Bacongo-Sprache, ohne welche ich hier nicht auskommen konnte, wenigstens soweit zu erlernen, als zur allgemeinen Verständigung mit den Eingeborenen nötig war. Besonders zu Dank verpflichteten mich bei dieser Gelegenheit die beiden damals dort sich aufhaltenden Missionare Mr.Woollingsund Mr.Gilchrist, welche mich in jeder Weise darin zu unterstützen suchten. Auf verschiedenen Exkursionen hatte ich Gelegenheit, die Flora der Umgebung näher kennen zu lernen, fand aber sehr wenige Pflanzen, welche in irgend einer Weise von den Eingeborenen verwendet werden, sei es als Medizin oder als Nahrungsmittel, oder um zur Gewinnung von Kautschuk oder Kopal von Nutzen zu sein. Eine Dissotis- (Melastomaceae-) Art schien bei Augenkrankheiten eine große Rolle zu spielen; die wenig fleischigen Blätter wurden auf der Handfläche zerrieben und der so erhaltene Brei dann auf die Augen gestrichen. Nach Angaben der Leute soll der in diesem Brei enthaltene Saft sehr scharf sein und häufig für kurze Zeit das betreffende Auge erst fast unbrauchbar werden, danach aber sehr schnell heilen. Einige Monate später hatte ich Gelegenheit, einen Europäer zu sprechen, welcher selbst an seinen Augen zur Heilung einer Krankheit diese Medizin angewendet hatte und nun behauptete, dieselbe sei vorzüglich in solchen Fällen zu gebrauchen. Unter den als Nahrungsmittel verwendeten Pflanzen war es besonders eine Podostemonacee, welche mir interessant war. Diese unter Wasser auf Steinen bei den Stromschnellen im Stanley-Pool wachsende Pflanze wurde von meinen Leuten in ganzen Lasten herbeigetragenund dann teils roh, teils weichgekocht mit großem Gefallen verzehrt. Es fiel mir überhaupt auf, daß die Eingeborenen eine nicht geringe Quantität von gewissermaßen als Kohl gekochten Kräutern und jungen Trieben von Sträuchern zu ihrer Ernährung verwendeten. War Palmenöl zur Hand, so wurden die meisten Nahrungsmittel erst darin eingetaucht, so z. B. aßen alle mit Vorliebe ihre Schiquanga in dieser Weise.

Kopalbäume scheinen nur selten bis zum Stanley-Pool hinunterzukommen. Auf den Sandbänken hier im Mittellaufe findet man nicht selten Kopalstücke, doch stammen diese hauptsächlich oder fast nur von den im Oberlaufe häufigen Bäumen her und sind alle vom Strom hinuntergeschwemmt worden. Ich sah unterhalb der Mündung des Kassai nur sehr wenige Kopalbäume, so stand ein Exemplar z. B. in der Nähe meines Lagers am Stanley-Pool.

Kautschukbäume traten in der Umgebung von Leopoldville nur vereinzelt auf, also nirgendwo in zahlreicherer Menge. Eine eigenartige Landolphia ist in dem Steppengebiet dieser Gegend verbreitet, dieselbe hat nur dünne, kurze Zweige und besitzt etwa apfelgroße orangegelbe Früchte. Nicht selten sendet sie auch nur etwa 1½ Fuß lange aufrechte Schößlinge aus dem Boden, welche sich dann allmählich umlegen, aber doch die Fähigkeit des Kletterns der anderen Landolphien verloren zu haben scheinen. Diese zur Verwandtschaft der L. owariensis gehörende Art liefert keinen Kautschuk.

Die französische Seite des Congo, gegenüber Leopoldville, hatte ich auch wiederholt zu besuchen, da ich meine Güter zur späteren Durchreise nach dem Ngoko zu deklarieren hatte. Im allgemeinen herrschen auf jener Seite dieselben Zustände wie auf der Seite des Congostaates. Da die französische Regierung den Eingeborenen bis jetzt aber zu viel Selbstregierung überlassen hat und daher noch weniger Erwerbsbetrieb unter denselben sich geltend gemacht hat, so finden sich Landolphien daselbst noch häufiger. Jetzt, nachdem die französische Regierung aber begonnen, sich etwas mehr um diese Gebiete zu kümmern und das Land zum großen Teile in Kommissionen aufgeteilt ist, deren Inhaber sich häufig bemühen, in möglichst rücksichtsloser Weise alle vorhandenen Naturprodukte auszubeuten, so wird auch hier bald die Kautschukliane bedeutend seltener werden. Die Gefahr einer vollständigen Ausrottung ist allerdings wohl weniger zu fürchten, da diese Lianen ein ziemlich zähes Leben haben und leicht wieder aus den zurückgebliebenen unterirdischen Teilen neu aussprossen, außerdem aber in jedem Jahre reichlich Samen ansetzen, aus welchen, wenn auch nur ein geringer Prozentsatz, wieder neue Pflänzchen erstehen. Inder Umgebung von Victoria, wo vor Jahren durch dort ansässige schwedische Händler am Kamerun-Gebirge Kautschuk-Raubbau im wahrsten Sinne des Wortes betrieben worden sein soll, fangen die dort in den Wäldern vorhandenen Lianen jetzt wieder an, Kautschuk zu liefern, so daß die Eingeborenen daselbst bereits hin und wieder einigen Kautschuk zu den Kaufleuten bringen.

In Brazzaville, dem Regierungssitze des Hinterlandes des Congo français, hatte man in den Straßen Manihot Glaziovii als Alleebäume (häufig abwechselnd mit Mangobäumen) angepflanzt. Als ich die Pflänzchen sah, waren dieselben etwa sechs Monate alt und hatten sich bereits sehr schön entwickelt. Als Schattenbaum würde ich Manihot Glaziovii entschieden nicht empfehlen, da die alten Blätter gegen Ende der Trockenzeit häufig fast alle abfallen, ehe sich neue entwickelt haben, die Stämme also einige Zeit hindurch vollständig blattlos dastehen. Brauchbaren Kautschuk liefert der Baum in der Umgebung des Stanley-Pool entschieden, wie ich an einigen Exemplaren bei Leopoldville feststellen konnte. Allerdings ist der Ertrag kein reichlicher, daher dürften natürlich keine großen Unkosten vorhanden sein, um den Abbau des Kautschuks rentabel zu machen. Dies würde nur in sonst wertlosen Steppengebieten bei einer von Eingeborenen betriebenen Kultur möglich, welche dann für die Zukunft sich selbst überlassen werden müßte. Der Baum würde sich dann durch Samen leicht weiter fortpflanzen, wie ich es in Kamerun und am Stanley-Pool gesehen. Von den bei Leopoldville verwilderten Manihotstämmen ließ ich einige tausend Samen sammeln, um sie eventuell später an geeigneten Stellen in unseren Schutzgebieten auszusäen.

Da die „Hainant“ erst mit bedeutender Verspätung in Leopoldville eintraf, außerdem infolge eines an Bord ausgebrochenen Feuers reparaturbedürftig geworden war, so verzögerte sich meine Abreise immer mehr. Endlich, am 20. Juni, erhielt ich von dem Kommandanten von Leopoldville die Nachricht, daß ich mich zum 22. Juni morgens zur Abreise mit der „Hainant“ bereithalten könnte. Natürlich packte ich sogleich meine sämtlichen Lasten zusammen und ließ alles fertig machen zum sofortigen Abbruch des Lagers, in dem wir alle uns nunmehr recht heimisch zu fühlen begonnen hatten. Am 21. Juni ließ ich meine sämtlichen Lasten mit Ausnahme der allernötigsten Sachen, welche ich auch bis zum nächsten Morgen gebrauchte, an Bord der „Hainant“ schaffen, um den Rest am nächsten Morgen in aller Frühe nachfolgen zu lassen. Bei der Regierung erfuhr ich zu meiner nicht geringen Überraschung, daß man mir für die Träger sowie die Ernährung derselben nichts abnehmen wollte, ich solle mich auf meiner Reise nach dem Innern,solange ich auf dem Gebiete des Staates sei, als Gast desselben betrachten, man halte dieses für selbstverständlich. Ein größeres Entgegenkommen, als ich es hier im Congostaate gefunden, wäre wohl kaum möglich gewesen. Ich kann der Regierung desselben daher nicht genug Dank für die Aufnahme sagen, welche ich erhalten, ohne Unterstützung der Regierung wäre die Expedition, soweit sie sich im Gebiete des Congostaates bewegte, sicher erfolglos verlaufen.

Am frühen Morgen des 22. Juni schaffte ich noch den letzten Rest meiner Lasten zum Dampfer hinüber, da dieser bereits um 7 Uhr abfahren sollte. Auch hier sah ich wieder das Entgegenkommen der Regierung, denn man hatte mir meinen Platz in der besten Kabine angewiesen.

Um 7½ Uhr ertönte endlich das Signal zur Abfahrt, in einem großen Bogen ging es, die Sandbänke und Felsen zu vermeiden, der Mitte des Stromes zu. Der Dampfer war vollständig besetzt, teils von Angestellten des Congostaates, teils von jungen Kaufleuten, welche auf die verschiedenen Handelsstationen ins Innere geschickt wurden. Da die „Hainaut“ zu den größten Dampfern gehört, welche den Congo befahren, war die Anzahl der Passagiere für die Verhältnisse im Congo keine geringe. Nach den mir gemachten Mitteilungen ist der Dampfer im stande, 150 Tonnen zu tragen, für einen Flußdampfer auf dem Congo ein enormes Gewicht. Er ist natürlich sehr breit und flach gebaut, wie die meisten Heckraddampfer. Für die Passagiere sind die Kabinen auf dem oberen Deck eingerichtet. Die Eingeborenen liegen zusammengepfercht in Scharen auf dem unteren Deck herum. Da die „Hainaut“ deren immer eine sehr bedeutende Menge mitführt (wir hatten etwa 250 Mann), so hat sie bei den Stämmen am Strome den Namen „Bangala mingi“ (viele Menschen) erhalten.

Nach kurzer Fahrt legten wir noch einmal in Kinchassa an, wo wir noch eine größere Menge von Gütern für die Handelsstationen im Innern mitnehmen mußten, denn die Regierung verbietet einigen größeren Gesellschaften, welche selbst Dampfer besitzen, auf dem eigentlichen Congo für ihren eigenen Gebrauch Waren zu transportieren. Diese Maßregel ist gewissermaßen als Abgabe für die Dampfer zu betrachten, da die Regierung durch den Transport der Waren für diese Handelsgesellschaften ihre bei der Fahrt stromauf sonst häufig leeren Dampfer füllen kann. Die Gesellschaften haben für den Transport ihrer Waren der Regierung pro Tonne eine bestimmte Abgabe zu zahlen. Die auf den Handelsstationen im Innern erworbenen Produkte schaffen sie dann auf den eigenen Dampfern nach dem Stanley-Pool hinunter. Von Kinchassafuhren wir erst gegen 1 Uhr fort, so daß wir noch während des ganzen Nachmittags zu fahren hatten, ehe wir aus dem Stanley-Pool hinauskamen. Oberhalb des Stanley-Pool wird der Congo infolge der hügeligen Natur seiner Ufer sehr bedeutend eingeengt. Die Scenerie ändert sich hier plötzlich, die Hügel sind im Flußthale mit dichtem Walde bedeckt, während die Ufer des Stanley-Pool zum großen Teile Savannenflora zeigten. Elefanten soll es hier in noch großen Mengen geben. Da der Mond heute sehr hell schien, fuhren wir bis gegen 8½ Uhr am Abend, obgleich dies sonst nicht üblich ist. Unserem Kapitän lag aber sehr viel daran, um Zeit zu ersparen, noch den ersten Holzposten zu erreichen. Daselbst angelangt, mußten sämtliche Eingeborenen das Schiff verlassen, um am Lande zu schlafen, denn der Aufenthalt wird ihnen über Nacht auf dem Schiffe nicht gestattet. Die Holzposten sind in gewissen Abständen längs des Congo vom Staate errichtet worden, um die vorbeifahrenden Dampfer der Regierung mit Holz zu versehen, denn alle diese sind natürlich auf Holzfeuerung eingerichtet, da der Kohlentransport zu teuer sein würde. Während der Nacht werden die Dampfer dann stets, soweit dies möglich ist, wieder mit Holz gefüllt. Zu diesem Zwecke führen alle diese Schiffe auf dem Strome eine Anzahl von Holzschlägern und Holzträgern bei sich, welche auch in den Gegenden, wo sich keine Holzposten befinden, für den Dampfer Holz schlagen müssen. Infolge der großen Zahl der jetzt bereits auf dem Congo fahrenden Dampfer fängt in häufiger besuchten Stellen diese Holzfrage bereits an, für die Dampfer der Gesellschaften etwas kritischer Natur zu werden. Diese Dampfer haben nicht das Recht, auf den vom Staate eingerichteten Posten Holz einzunehmen, sondern müssen durch ihre Holzhacker jede Nacht dasselbe mühsam zusammensuchen lassen. Das in den Wäldern vorhanden gewesene tote Holz ist natürlich dann bald abgetragen, so daß es den Dampfern oft schwer wird, die nötigen Quantitäten ohne zu großen Zeitverlust zusammenzubringen. Das grüne, lebende Holz der Bäume ist mit Ausnahme desjenigen vom Kopalbaume frisch natürlich nicht für Heizungszwecke zu verwenden.

Am nächsten Tage fuhren wir früh mit Tagesanbruch weiter. Die Vegetation war im großen und ganzen dieselbe wie am vorhergehenden Tage, d. h. im Thale des Stromes Galeriewald mit abwechselnden kleineren und größeren Savannen, welche nicht selten mit Hunderten von Borassuspalmen geschmückt waren. Die Spitzen der Hügel waren selten bewaldet, meist sogar nur mit kurzem Grase bedeckt, während die im Stromthale liegenden nicht selten mit riesigen Andropogon- oder Setaria-Arten bestanden waren. Der Strom blieb noch immer so eng, Inseln waren gar nicht vorhanden,höchstens hier und dort eine kleine Sandbank, welche infolge des enorm tiefen Wasserstandes zu Tage getreten war. Ohne anzulegen, fuhren wir den ganzen Tag hindurch bis gegen Abend, da wir dann gezwungen waren, uns wieder mit frischem Holz zu versehen. In den Wäldern hier waren allenthalben Elefanten- und Büffelspuren zu sehen. Die Nacht war so empfindlich kalt gewesen, daß ich mich, da ich unvorsichtig gewesen war, gehörig erkältete und am nächsten Tage mich durchaus nicht wohl fühlte. Eine tüchtige Schwitzkur half diesem Zustande jedoch bald ab, so daß ich schon am Nachmittage mich wieder vollständig in Ordnung fühlte. Als wir am nächsten Tage Kwamuth an der Mündung des Kassai erreichten, hatten wir zugleich das Ende des als „Kanal“ gezeichneten eingeengten Teiles des Congo erreicht, denn von dort an erweitert sich der Strom allmählich immer mehr, bis er schließlich bei Bumba an seinem Oberlaufe seine größte Breite erreicht.

Den Posten Kwamuth besuchte ich zusammen mit dem KommandantenMaréchal, welcher auf dem Dampfer Passagier war und nach dem Tanganyika wollte, um sich dem BaronDhaniszur Disposition zu stellen. Der Ort ist auf einem Hügel an der Mündung des Kassai erbaut und ist, wie sämtliche Stationen im Innern, zugleich Militärposten. Man hatte hier ziemliche Plantagen von Coffea liberica angelegt, die eben in Blüte waren, es war ein prachtvoller Anblick. Da sich bei uns an der Kamerun-Küste selbst Kaffeeplantagen nicht bezahlbar machen, so sollte man kaum annehmen, daß es hier so weit im Innern der Fall sein dürfte. Allerdings arbeitet der Congostaat hier mit bedeutend billigerem Arbeitermaterial, doch ist dabei der Transport nicht außer Acht zu lassen, denn derselbe würde bis zur Küste nicht unbedeutende Kosten verursachen, während wir in Kamerun von vielen Plantagen den Kaffee direkt auf die Dampfer verladen könnten. Die Eisenbahnfracht allein beträgt 17 Ctms. pro Kilo, bei den jetzt sehr niedrigen Preisen, welche der Liberia-Kaffee erzielt, viel zu große Unkosten. Gegenüber dem Posten Kwamuth liegt eine belgische Missionsstation, Berghe St. Marie, welche wohl die bedeutendste derartige Station im Innern sein dürfte. Gegen Mittag fuhren wir weiter. Noch immer wechselten Savannen und Urwald, doch bald wurden die Ufer immer niedriger, und kurz darauf kamen die ersten Inseln in Sicht. Von nun an bot der Congo ein ganz anderes Bild dar; allenthalben sah man dicht bewaldete Inseln aus dem Wasserspiegel hervorragen. Wo die Ufer zu sehen waren, ragten sie höchstens einige Fuß über dem Wasserspiegel hervor, Urwald trat häufiger und in größeren Komplexen auf. An einer Insel von ziemlicher Ausdehnung warfen wir am Abend Anker, um wieder Holz schlagen zu lassen.

Am Vormittage des 26. Juni erreichten wir die amerikanische Missionsstation Tschumbiri, welcher gegenüber wir inmitten des Fahrwassers etwa eine Stunde lang vor Anker liegen blieben, um Post abzugeben und etwas Proviant zu kaufen. Nicht weit davon entfernt machten wir wieder an einem Holzposten Halt. Als wir dann gegen Mittag fort wollten, stellte sich heraus, daß der Dampfer ein kleines Leck bekommen habe, welches erst ausgebessert werden mußte. Wir waren daher gezwungen, für den Rest des Tages hier zu verbleiben. Leider bot der Platz nichts Interessantes dar, nicht eine Landolphia war zu sehen. Die neuen Ankömmlinge benutzten hier natürlich die Gelegenheit, ihren ersten Jagdeifer etwas zu stillen, ein Leguan (große 1½ m lange Eidechse) und einige Tauben waren das Resultat ihres Jagdzuges. Elefanten- und Büffelspuren waren reichlich zu sehen, doch schienen sich die Tiere wohl zu hüten, sich einer solchen Zahl von Nimroden zu zeigen.

Während der Fahrt am nächsten Tage sahen wir häufig Nilpferde, welche sich aber stets in zu großer Entfernung vom Dampfer hielten, um eine sichere Zielscheibe zu bieten, ebenso waren die Krokodile sehr scheu. Es ist unglaublich, welche große Mengen von Flußpferden hier noch im Congo vorhanden sind, obgleich jährlich eine große Zahl derselben geschossen und auch von den Eingeborenen harpuniert wird. Meist halten sich die Tiere in kleinen Trupps von 5 bis 10 Stück auf und tauchen sogleich unter, wenn ein Dampfer sich ihnen nähert, um dann nur hin und wieder an der Oberfläche zu erscheinen, um Luft zu schöpfen. Sobald sich ein solches Tier in der Nähe des Dampfers zeigt, wird darauf geschossen, obgleich man die angeschossenen Tiere nur selten bekommen kann.

Als wir gegen Mittag an dem Posten Bolobo eintrafen, hatten wir ein sehr lebendiges Bild vor uns; es wurde gerade Markt abgehalten. Die Eingeborenen aus der Umgebung waren zu diesem Zwecke recht reichlich zusammengekommen. Es wurden fast nur Eßwaren feilgeboten, welche mit Mitakus, der hier üblichen Münze, d. h. Messingdrahtstücken von ungefähr 20 cm Länge, zu kaufen waren. Die Verkaufenden standen hinter einem kleinen Zaune in einer eigens zu dem Zwecke aufgebauten Hürde, in welche der Kauflustige nicht hineinkommen durfte, sondern sich die gekauften Sachen über den Zaun hinwegreichen lassen mußte. Man hat diese Regelung des Marktverkehrs wohl hauptsächlich eingeführt, um die Verkäufer vor Diebstählen zu schützen, denn alle diese Congo-Völker gehören zu den gewandtesten Dieben, welche es giebt. Von seiten unseres Schiffes wurden große Mengen von Lebensmitteln erstanden, welche teils mit Mitakus, teils mit Zeug, Salz oder sonstigen Tauschartikelnerhandelt wurden. Noch am Nachmittage setzten wir unsere Reise fort. Wir waren jetzt vollständig im Bereiche der Congo-Inseln, welche zum großen Teile von Sümpfen mit Wassergräsern durchzogen waren und daher viele Nilpferde beherbergten. Es wurde natürlich auch jetzt wieder tüchtig auf die Tiere geschossen und einige auch vielleicht verwundet, doch konnten wir die Körper natürlich nicht bekommen, da zum Jagen der verwundeten Tiere viel Zeit gehört, welche uns nicht zur Verfügung stand. Als wir gegen 5½ Uhr anlegten, um für die Nacht Holz schlagen zu lassen, benutzte ich die Gelegenheit wieder zu einer kleinen Exkursion, während der ich zwei Landolphien ohne Blüten sah, die beide aber keinen brauchbaren Kautschuk lieferten.

Mit jedem Tage wurde der Fluß nun breiter, so daß wir häufig durch die Inseln, welche immer zahlreicher wurden, von einem oder gar von beiden Ufern nichts mehr sehen konnten. Die für die Dampfer mit größerem Tiefgange wie die „Hainant“ einzig mögliche Fahrstraße schien stellenweise schon sehr gefährlich, da das Wasser in diesem Jahre bedeutend mehr gefallen war, als es sonst zu geschehen pflegte. Bei der Fahrt stromauf ist die Gefahr nun allerdings nicht so groß als im entgegengesetzten Falle, denn dann werden die Dampfer von der gewaltigen Strömung im Congo nicht mitgerissen und auf die Sandbänke gesetzt, wo sie sich dann, durch die Strömung getrieben, immer tiefer einbohren. Als wir am Nachmittage des 28. Juni wieder anlegten, um Holz schlagen zu lassen, betrat ich einen Wald, welcher trotz des niedrigen Wasserstandes noch immer stellenweise unter Wasser stand, dessen Bäume also sicher fast während des ganzen Jahres direkt im Wasser stehen, und dennoch wuchsen hier Kautschuk liefernde Landolphien. Viele der Bäume stehen ähnlich wie die Mangroven und Pandanus, welche letzteren hier übrigens auch auftraten, auf Stützwurzeln, so daß dadurch die Stämme über Wasser gehalten werden.

Am 29. Juni befanden wir uns gegenüber der Sanga-Mündung, von der natürlich infolge der vielen davor gelagerten Inseln nichts zu sehen war. Der Fluß verengt sich von hier bis Coquilhatville wieder etwas und ist weniger inselreich als unterhalb und oberhalb dieser Strecke. Noch am Abend desselben Tages erreichten wir den Posten Lukulela, welcher infolge seiner prachtvollen Wälder und des daselbst gewonnenen Nutzholzes bekannt ist. Ich sah hier den schönsten Wald, welchen ich je im Congo zu beobachten Gelegenheit gehabt hatte. Leider war es damals schon zu dunkel, um die Anpflanzungen der Station in Augenschein nehmen zu können, doch tröstete ich mich damit, daß ich wußte, bei meiner Rückkehr bessere Gelegenheit dazu zu haben.

Wie gewöhnlich setzten wir am folgenden Tage mit Tagesanbruch unsere Reise stromaufwärts fort. Da ich sehr bald eingesehen, daß ich später nicht im Lande umherreisen dürfte, ohne das Bangala, die hier übliche Verkehrssprache, zu verstehen, so begann ich bereits auf dem Dampfer, tüchtig Vokabeln zu lernen, um mich wenigstens einigermaßen mit den Eingeborenen verständigen zu können. Es wurde während der Mittagsstunden hier auf dem vollständig windstillen Congo so heiß, daß ein jeder bei dem müßigen Leben, welches man an Bord des Dampfers zu führen gezwungen war, erschlaffen mußte; wie sehr sehnte ich daher das Ende der Fahrt herbei, um doch wenigstens wieder etwas thätig sein zu können.

Irebu war unser nächstes Ziel, welches wir noch am Abend desselben Tages erreichten. Hier befand sich ein Camp d’Instruction, in welchem die Soldaten, welche die verschiedenen Stämme für die Schutztruppe des Staates liefern müssen, vorgebildet und gedrillt werden. Es befanden sich damals etwa 400 dieser Soldaten auf Irebu. KommandantJouniaux, der Kommandant der Station, führte uns am nächsten Tage, als der Dampfer, um Holz einzunehmen, den Ausfluß des Tumba-Sees hinaufgefahren war, umher und zeigte uns die ziemlich bedeutenden Kaffeeplantagen, welche von der Regierung hier angelegt worden waren. Man stand gerade vor der Haupternte. Die Plantagen waren in gutem Zustande gehalten, was insofern für die Regierung nicht schwer fällt, als sie Arbeiter in Überzahl erhalten kann, indem sie einfach aus den umherliegenden Dörfern die nötigen Leute requiriert, welche dann für eine geringe Bezahlung und für ihre Beköstigung für eine gewisse Zeit Arbeiten zu leisten haben. Nach allem, was ich hier in Irebu wie auch später in Equateur sah, schienen sich die Leute bei dieser Behandlung durchaus wohl zu fühlen.

Auf der Weiterfahrt wurde gegen Mittag noch einmal Halt gemacht, um wieder Holz einzunehmen. Am Abend legten wir kurz unterhalbWangatafür die Nacht an, um dann in aller Frühe erst bis Wangata, der Hauptniederlassung der Société Anonyme Belge, weiterzufahren. Von Wangata bis Coquilhatville oder Equateurville hatten wir nur eine kurze Zeit zu fahren, so daß wir bereits um 11 Uhr daselbst anlangten. Ich war natürlich froh, daß ich nun an meinem Ziele angelangt war und den Dampfer verlassen konnte. Am Nachmittage ließ ich meine Lasten in das mir angewiesene Haus hineinschaffen und richtete mich dann darin so behaglich ein, als es eben ging.

Coquilhatville ist eine der größten Stationen im Innern und gehört wohl entschieden auch mit zu den wichtigsten; die Eingeborenenin dem Distrikte sind immer mehr oder minder im Aufstande begriffen. Man hat auf der Station riesige Kaffeeplantagen angelegt, in denen eine sehr große Zahl von Arbeitern thätig ist. Der Chef des Cultures auf der Station schien sich nach seinen Berechnungen einen sehr großen Verdienst von den Kaffeeplantagen zu versprechen, doch wird man das Resultat abwarten müssen, denn der hier angepflanzte Liberia-Kaffee erzielt sehr geringe Preise auf dem europäischen Markte.

Zur Besichtigung der Kautschukpflanzungen unternahm ich in Begleitung des Chefs des Cultures eine Exkursion, auf welcher ich alles sah, was davon vorhanden war. Hevea hatte man meiner Meinung nach auf zu trockenem Terrain angepflanzt, die Pflanzen wuchsen zwar recht kräftig, doch ist zu befürchten, daß man mit ihnen dieselbe Erfahrung machen wird, wie es in Kamerun der Fall war. Manihot Glaziovii war auch in einigen hundert Exemplaren vorhanden und hatte sich stellenweise sogar schon selbst ausgesät. VonKickxia latifolia Stapfhatte man eine Plantage von etwa 5000 Pflänzchen angelegt, welche auch sehr gut zu gedeihen schienen, doch giebt diese Art, wie ich bald festzustellen Gelegenheit hatte, ebenso wenig Kautschuk wieKickxia africana Bth., ist also deshalb vollständig zu verwerfen. Von Castilhoa elastica war ein kleines Exemplar unter großen Schwierigkeiten und mit vieler Mühe hierher geschafft worden; dasselbe war erst vor einigen Tagen ausgepflanzt worden, so daß man noch nicht einmal sehen konnte, wie sich die Pflanze entwickeln würde. In einem sumpfigen Walde hatte man das Unterholz etwas weggeschlagen und eine Landolphia-Anpflanzung begonnen. Die Pflänzchen waren in Abständen von 5 bis 7 m einzeln oder zu zweien am Fuße der Bäume ausgesetzt und schienen sich in diesem feuchten Boden recht wohl zu fühlen. Auch diese Anpflanzung war erst sehr jungen Datums, so daß die Pflänzchen erst drei bis vier Blätter entwickelt hatten. Ich halte es nicht für möglich, daß eine solche Landolphia-Anpflanzung in sechs bis sieben Jahren anzapfbar sein wird, wie häufig vermutet wird. Es ist nicht zu bestreiten, daß dieselbe, wenn sie erst einmal zum Anzapfen reif ist, einen gewissen Wert repräsentiert, doch wird trotz aller Vorsichtsmaßregeln in wenigen Jahren der Kautschukertrag derselben bedeutend herabsinken, da bei der äußerst runzeligen und ungleich dicken Rinde die Schnitte nur zu leicht bis in die Cambiumschichten hineindringen. Hier im Congostaate weicht die Landolphia mit der fortschreitenden Civilisation in erschrecklicher Weise zurück. In größeren Quantitäten finden sich Kautschuklianen an leichter zugänglichen Lokalitäten nur noch da, wo der Europäer noch nicht dem Eingeborenen den Wert des Kautschukshat klarmachen können. Die Verordnungen, welche die Regierung erlassen hat, werden natürlich, da sie unbequem sind, bei jeder möglichen Gelegenheit umgangen, denn dadurch würde der Ertrag der Kautschuk-Liane bedeutend verringert werden, und der Neger würde verlieren.

Die Bossanga- oder, wie sie hier allgemein genannt wurde, Bossassangapflanze, sah ich auch in der Umgebung der Station, besonders am Rande der Wälder, sehr häufig. Wie ich vermutet hatte, waren esCostusarten, von denen ich zwei verschiedene Spezies unter diesem Namen feststellen konnte. Die bis acht Fuß hohen Stengel werden entblättert und dann in etwa fußlange Stücke geschnitten; durch Drehung und Auswringen dieser Stücke erhält man den Saft in reichlicher Menge, und kann ihn in diesem Zustande sofort bei der Koagulation der Kautschukmilch verwenden. Dieselben Costus-Arten hatte ich bereits in Kamerun viel gesehen und schon damals die Plantagenleiter darauf aufmerksam gemacht, daß ich in ihnen die Bossangapflanze des Congo vermute. Zur Untersuchung in Europa ließ ich zwei Flaschen mit Bossassangasaft füllen; da derselbe sehr reichlich fließt, war das eine Arbeit von einer halben Stunde.

Ich machte nun im Laufe der folgenden Tage einige Exkursionen in die Umgebung der Station, soweit dieses auf dem sumpfigen Terrain möglich war. Die Kautschuk liefernden Landolphien sind alle ausgeschlagen, so daß man zu neuen Anpflanzungen nicht einmal genügend Samen erhalten kann. Einige Ficusarten und einen großen Stamm der Kickxia latifolia zapfte ich an, konnte aber trotz aller Versuche und Anwendung der verschiedensten Säuren keinen brauchbaren Kautschuk gewinnen. Es gelang mir auch, einige Früchte der Kickxia latifolia zu finden, die bis dahin noch nicht bekannt waren. Auch die Stämme der Manihot Glaziovii ließ ich anzapfen und erhielt kleine Quantitäten guten Kautschuks, welche aber zu gering waren, um ein plantagenmäßiges Anbauen hier zu rechtfertigen. Mit den mir häufig gerühmten Kautschuk-Anpflanzungen in Coquilhatville stand es also zur Zeit meines Aufenthalts keineswegs besser als in Kamerun, im Gegenteil sind wir den Belgiern durch unsere Kickxiaplantagen weit vorausgeeilt. Die Landolphia-Anpflanzungen in Soppo sind auch bedeutend weiter entwickelt, als die im Congo angelegten.

Costus LukanusianusK. Sch.A Oberes Stengelstück, B Blüte, C Staubblatt, D Griffelkopf, E derselbe von der Seite, F Längsschnitt durch den Fruchtknoten.

Costus LukanusianusK. Sch.

A Oberes Stengelstück, B Blüte, C Staubblatt, D Griffelkopf, E derselbe von der Seite, F Längsschnitt durch den Fruchtknoten.

Man begann auch im Equateur-Distrikte Kakaopflanzungen in größerem Maßstabe anzulegen; inwieweit sich diese rentieren werden, muß die Zukunft beweisen, es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Niederschläge zu unbedeutend sind, um eine gute Frucht erzielen zu können. Wie ich später von den katholischen Missionarenam Ruki hörte, sollen Proben von Kakaobohnen, welche sie zur Begutachtung nach Europa geschickt hatten, als sehr minderwertig („13. oder 14. Qualität“) bezeichnet worden sein. Sei es nun, daß die Fermentation oder das Dörren nicht richtig vor sich gegangen ist, sei es, daß der Boden nicht fruchtbar genug oder die Spielart an und für sich minderwertig gewesen ist, dort hat man jedenfalls aufgehört, neue Pflanzungen anzulegen. Hier in Equateur versprach sich der Chef des Cultures ein gutes Resultat. Viel wird natürlich auch davon abhängen, welchen Frachtsatz die Eisenbahngesellschaft für den Transport vom Stanley-Pool bis Matadi ansetzen wird, denn für derartige Qualitäten würden die Transportunkosten sehr leicht zu hoch werden.

Von Coquilhatville aus wollte ich gern eine kleine Expedition ins Innere nach der Gegend des Tumba-Sees machen, von wo eine nicht geringe Menge von Kautschuk des Equateur-Distriktes kommt.

Da der Kommissar des Distriktes zur Zeit sich auf einem Zuge gegen die Eingeborenen jener Gegend befand, welche einen Aufstand begonnen hatten, glaubte sein Stellvertreter, mir nicht die nötigen Träger geben zu können. So war ich denn gezwungen, bis zur Rückkehr des Kommissars zu warten.

Um meine Zeit möglichst auszufüllen, unternahm ich am 8. Juli eine Fahrt in einem Canoe den Ruki hinauf nach der Missionsstation der Trappisten. Die Missionare hatten hier verschiedene Kulturen begonnen und waren eben dabei, die Station zu vergrößern. Der Kaffee stand recht gut, Kakao war mit dem Kakao von Kamerun nicht zu vergleichen, doch waren die Pflanzungen recht schön sauber gehalten, wie überhaupt die Station einen recht netten Eindruck machte. Diese Leute leben dort äußerst einfach und bleiben bis zu ihrem Tode in Afrika, wenn sie nicht etwa beständiger Krankheiten halber nach Europa zurückkehren müssen; doch das kommt selten vor. In dem mit der Missionsstation verbundenen Kloster lebten drei Nonnen, welchen die Erziehung der Mädchen oblag.

Am 9. Juli traf der Kommissar des Distrikts ein. Als ich ihn von meinem Wunsche in Kenntnis setzte, sprach er mir sein Bedauern aus, daß er mir nicht erlauben dürfe, meine geplante Expedition ins Innere auszuführen, da die Gegend zu unsicher sei, und er mir augenblicklich die zu meiner Expedition nötigen Soldaten nicht geben könne. Ich versuchte ihn umzustimmen, sah aber bald ein, daß es nichts half. Die Gründe zu dieser Weigerung sind mir unklar geblieben, genug, ich sah ein, daß man mich nicht nach dem Tumba-See hineinlassen wollte, denn der Eingeborenen-Aufstand war damals schon erledigt.

Da ich nun keinen Grund hatte, noch mehr Zeit zu verlieren, so packte ich meine Sachen bald ein, um dann am 11. Juli meine Reise nach der Sanga-Mündung den Congo hinunter anzutreten. Ich hatte ein großes Canoe mit zwölf Ruderern bekommen, welches mich zunächst bis Irebu bringen sollte. Gern hätte ich selbst hier ein größeres Canoe käuflich erworben, doch das war leider nicht möglich, da die sämtlichen großen Canoes der Eingeborenen von der Regierung in Beschlag genommen waren und die Leute nun natürlich keine großen Canoes mehr bauen wollten, um sich nicht noch einmal derselben Gefahr auszusetzen.

Nach etwa 1½stündiger Fahrt erreichten wir die amerikanische Missionsstation bei Wangata, wo ich bei den sehr liebenswürdigen Missionaren mich eine kurze Zeit aufhielt. Auf der Weiterfahrt ging es über einige Stellen hinweg, welche infolge der starken Strömung eine große Zahl von Strudeln bildeten. Hier wurde dann immer das Kommando gegeben „koruka makessi“ (schnell rudern), um darüber hinwegzukommen und nicht von den Strudeln mitgerissen zu werden. Längs der Ufer waren Kopalbäume in riesigen Mengen vorhanden. Der hier helle Kopal, welcher einer geringeren Qualität angehört, wird von den Eingeborenen meist im Wasser gesammelt oder bei niedrigem Wasserstande auf den Sandbänken, wo er oft in ziemlichen Mengen angeschwemmt wird. Man hat hin und wieder versucht, größere Quantitäten nach Europa zu schicken, doch sollen die Transportkosten zu hoch sein, so daß der Export den jetzt noch durch die hohen Verdienste am Kautschuk und Elfenbein verwöhnten Handelsgesellschaften noch nicht rentabel genug erscheint. Der Frachtsatz für diesen sogenannten „weißen“ Kopal ist auf der Congo-Eisenbahn vom Stanley-Pool bis Matadi auf 18 Ctms. pro Kilo angesetzt worden; da hierzu noch die nicht unbedeutenden Transportkosten auf den Dampfern bis Stanley-Pool kommen und ferner auch noch die Fracht von Matadi nach Europa nicht gering ist, so läßt sich natürlich verstehen, daß ein großer Verdienst bei minderwertigem Kopal nicht herauskommt.

Landolphia florida Bth.A Zweig, B Knospe, C Blüte, D Längsschnitt durch den unteren Teil der Blüte. E Kelch und Griffel, F Querschnitt durch den Fruchtknoten, G Griffelkopf, H Anthere.

Landolphia florida Bth.

A Zweig, B Knospe, C Blüte, D Längsschnitt durch den unteren Teil der Blüte. E Kelch und Griffel, F Querschnitt durch den Fruchtknoten, G Griffelkopf, H Anthere.

Die keinen Kautschuk liefernde Landolphia florida, welche hier im Congo in einer besonders schönen, großblütigen Varietät auftritt, war allenthalben längs der Ufer reichlich vorhanden. Ich stellte sowohl hier wie später in Bonga die möglichsten Versuche an, um Kautschuk davon zu gewinnen, doch alles war vergeblich, obgleich die Standorte häufig recht verschieden waren. Für mich ist die Frage für Kamerun und für den Congo so weit erledigt; Landolphia florida giebt daselbst keinen guten Kautschuk; wo andere Angaben vorhanden sind, dürften sie sich wohl auf einen Irrtum, sei es in der Art, sei es in der Bezeichnung des Produktes,zurückführen lassen; da viele Landolphien einander sehr ähnliche Blätter haben, so kann man sich leicht in der Art täuschen, zumal in den Wäldern häufig Kautschuk liefernde Arten mit anderen vermischt wachsen. Als Kautschuk sind mir häufig Produkte gezeigt worden, welche besser als Vogelleim bezeichnet werden würden; außerdem neigt der Laie dazu, gern eine jede in den Tropen weißen Milchsaft liefernde Pflanze, wie z. B. Ficusarten etc., als Kautschukpflanze anzusehen. Auch Asclepiadaceen stehen häufig bei Laien im Verdachte, Kautschuk zu liefern. So giebtBaillonnach aus dem Congo kommenden Notizen bei einer seiner neuen Tacazea-Arten an, daß eine nicht geringe Quantität des Congo-Kautschuks von dieser Pflanze herstammen solle. Ich habe nach eigenen Versuchen sowie trotz eifriger Erkundigungen keine Tacazea-Art zu Gesicht bekommen, welche wirklich Kautschuk lieferte.

Der Congo und seine Nebenflüsse sind ungeheuer reich an Fischen, doch wird von den Eingeborenen, deren einzige Fleischnahrung lange Zeit hindurch die Fische bilden, der Fang derselben ziemlich vernachlässigt. Ein jeder kleine Wasserlauf bietet den Leuten eben eine so reichliche Ausbeute, daß sie sich gar nicht dabei anstrengen brauchen. In vielen Gegenden wäre es für die Handelsgesellschaften vielleicht von großem Nutzen, wenn sie zur Ernährung ihrer eingeborenen Arbeiter durch Leute, welche den Fischfang wirklich kennen, täglich die nötigen Mengen fangen lassen würden, ganz besonders in solchen Gegenden, wo man von den Eingeborenen nur schwerlich Nahrung erkaufen kann, wie z. B. im Sanga-Ngoko-Gebiete.

Am 11. Juni gegen Mittag erreichten wir Ikenge, einen Holzposten des Staates, wo ich für meine Ruderer etwas Mais erstehen konnte, denn dieselben hatten seit dem Morgen noch nichts gegessen. Der Uferwald, welcher nur wenige Fuß über dem Niveau des jetzt ausnahmsweise tiefen Wasserstandes lag, war äußerst interessant. Wir hielten uns immer, soweit nur irgend möglich, an dem Ufer des Flusses, um uns nicht in den vielen Kanälen und Armen des Stromes zu verfahren. Affen und Wasservögel (Reiher, Enten und Wasserhühner) gab es in großen Mengen. Es gelang mir, verschiedene derselben für die Leute zu schießen, ebenso einige Affen, von denen ich auf der Fahrt bis Irebu allein fünf verschiedene Arten beobachtete. Im Wasser gab es viele Krokodile, doch konnte ich nicht zum Schuß kommen, da die Tiere ungemein scheu waren. Nilpferde sahen wir gar nicht. Es war mir übrigens schon vorher aufgefallen, daß wir auf der Reise von Irebu bis Coquilhatville nichts von den sonst so häufigen Tieren gesehen. An vielen Stellen, wo ichanlegen lassen konnte, benutzte ich die Gelegenheit, den Wald etwas zu untersuchen, fand aber immer dieselben Zustände: die Kautschuklianen waren alle ausgeschlagen. Calamusarten waren häufig, besonders am Flußrande bildeten sie nicht selten undurchdringliches Gestrüpp. Ein jeder Versuch, sich ohne Cutlas durch diese Gebüsche hindurchzuarbeiten, würde scheitern, die zurückgebogenen Haken an der verlängerten Blattspitze halten einen jeden Eindringling zurück. Da ich, wenn irgend möglich, am folgenden Tage in Irebu eintreffen wollte, so ließ ich bis gegen 7 Uhr abends rudern. In der bereits eingetretenen Dunkelheit war es dann nicht leicht, einen geeigneten Landungsplatz zu finden, außerdem machen die vielen Baumstämme im Strome eine Canoereise bei der Dunkelheit sehr gefährlich. Als wir eben das Zelt aufstellen wollten, fing es plötzlich an in Strömen zu regnen, so daß noch alle Lasten nass wurden, ehe wir sie bergen konnten. Auch mein bereits draußen aufgestelltes Feldbett wurde derartig durchnäßt, daß ich an Schlaf nicht denken konnte, da mir keine trockenen Decken zur Verfügung standen. Nachdem ich mich daher selbst trocken umgezogen hatte, ließ ich ein Feuer im Zelte unterhalten, um mich zu erwärmen und die in Scharen erscheinenden Moskitos durch den Rauch fortzujagen.

Am nächsten Morgen ließ ich bereits um 5½ Uhr weiterfahren. Nach dem Regen hatte sich die Temperatur gehörig abgekühlt, auch lag ein feiner Nebel auf dem Flusse, der sich erst mit Aufgang der Sonne hob. Es war ein herrlicher Morgen. Nach einer Stunde erreichten wir das Nachtlager eines Inspektors der Telegraphenlinie, welche längs des rechten Ufers vom Stanley-Pool nach Coquilhatville im Bau begriffen war. Der Herr war am Tage vor mir von Coquilhatville abgefahren und wollte auch nach Irebu zurückkehren. Da sein Canoe schneller lief als das meinige, lud er mich ein, mit ihm zu fahren und mein Canoe nachkommen zu lassen. Wir machten unterwegs einige Fahrtunterbrechungen, er, um die Linie zu inspizieren, ich, um mir die Zusammensetzung des Waldes anzusehen. Als wir gegen 12½ Uhr in Irebu anlangten, war von meinem Canoe noch nichts zu sehen, dasselbe traf erst gegen 2 Uhr ein; natürlich hatten sich die Leute, da ich nicht dabei war, auch nicht übermäßig angestrengt. Da in Irebu zur Zeit kein größeres Canoe zu finden war, wurde ich leider gezwungen, daselbst einige Tage Rast zu machen, bis ein solches eintraf. KommandantJouniauxversuchte, mir den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen; er führte mich auf der Station umher und gab mir Aufklärung über die verschiedensten Dinge, welche mich interessierten. Auf einigen kleinen Exkursionen, welche ich in der Umgegend unternahm, hatte ich Gelegenheit, den Charakter der Wälder in der Umgegend kennenzu lernen. Da es ziemlich ausgedehnte Grassteppen in Fülle hier gab, in denen diese Wälder, selten größere Komplexe bildend, zerstreut umherlagen, so war natürlich auch die Vegetation dieser Buschwälder eine ganz andere, als ich sie im Congo vorher kennen gelernt hatte. Landolphien waren hier und da vereinzelt anzutreffen, aber nur in dünnstämmigen Exemplaren, welche von den Eingeborenen noch nicht angeschnitten wurden. Landolphia florida war längs der Flußufer sehr verbreitet. Die orangegelben Früchte werden von den Affen gern gefressen, da die Samen von einer süßen Pulpa umgeben sind. Costus- (Bossassanga-) Arten waren allenthalben am Rande der Wälder und Gebüsche reichlich vorhanden. Da wo frisch Urwald geschlagen wird, stellen sich die Pflanzen gewöhnlich sehr bald ein. Ein nicht unerheblicher Teil der Grassavannen war mit Borassuspalmen bedeckt, was der ganzen Landschaft einen recht imposanten Anblick verlieh. Die Früchte der Borassuspalme werden nur selten von den Eingeborenen gesammelt, da sie von einem süßlichen Fruchtfleische umgeben sind, doch wird in vielen Gegenden der Stamm direkt unterhalb der Krone angebohrt zur Gewinnung von Palmenwein. Nicht selten sieht man Strecken, in denen die Borassuspalmen durch dieses Anbohren getötet sind.

Endlich, am 17. Juli, traf das langersehnte Canoe ein, so daß ich am 18. Juli abreisen konnte. Das Canoe war sehr dick gebaut und hatte vorn und hinten eine kleine Plattform, auf welcher noch einige Ruderer stehen konnten; es ist dieses eine Eigentümlichkeit der Ubangi-Canoes, von denen die größeren sogar Plattformen für sechs bis sieben Ruderer vorn und hinten besitzen sollen. Infolge langjährigen Gebrauches war das Fahrzeug an den Seiten etwas defekt geworden, so daß ich zweifelte, meine sämtlichen Lasten unterbringen zu können. Als wir dann am Nachmittage abfuhren, ragte, nachdem sich noch meine zehn Ruderer (Congostaat-Soldaten und ein Sergeant) hineingesetzt hatten, eben nur noch der oberste Rand an den Seiten empor, so daß ich sehr bezweifelte, richtig in Lukulela anzukommen. Noch länger in Irebu warten wollte ich auch nicht, da das nächste größere Canoe, welches man mir zur Verfügung hätte stellen können, erst nach einer weiteren Woche erwartet wurde. Das Wetter war für die Reise in dem defekten Canoe nicht gerade das beste, denn es wehte eine ziemlich steife Brise auf dem Strome. Von Insel zu Insel weiter zur Mitte des Flusses fahrend, machten wir allmählich schnelleren Fortschritt, je mehr wir in den Strom hineingelangten. Wir waren kaum eine Stunde von Irebu fortgefahren, als sich plötzlich ein riesiges Nilpferd etwa zehn Schritte vor dem Canoe aus dem Wasser hob und brüllte. Da wir inmitten des Flusses waren, war die Lage nichtsehr angenehm, um so mehr, als ein Stoß des Tieres genügt hätte, uns mit sämtlichen Lasten umzuwerfen. Ich ließ den Kurs etwas ändern und hielt mein Gewehr in Bereitschaft. Das Tier tauchte sogleich wieder unter und erschien kurz darauf wieder hinter dem Canoe. Nun glaubte ich feuern zu müssen, denn das wütende Tier hatte offenbar die Absicht, uns anzugreifen. Ein Schuß ertönte, und mit furchtbarem Geheul tauchte der Riese wieder unter, ohne sich zu einer zweiten Salve sehen zu lassen, denn nun hatte ich den Soldaten befohlen, auch ihre Gewehre in Bereitschaft zu halten. Die Leute meinten zwar, daß ich das Tier tödlich verletzt habe und daß es nach etwa einer Stunde wieder oben an der Wasserfläche erscheinen würde, doch war ich nicht meines Schusses sicher genug, um deshalb Zeit zu verlieren, zumal, da es dann sehr fraglich gewesen wäre, ob wir noch einen Lagerplatz für die Nacht gefunden hätten, und in meinem Canoe mir die Fahrt die Nacht hindurch zu gefahrvoll vorkam. Von Insel zu Insel weiter vordringend, kamen wir gegen Abend in Sicht des französischen Congo-Ufers, auf dem mir meine Leute bald die Missionsstation Lironga zeigten. Da es bereits zu dunkeln anfing, ließ ich auf die Station zusteuern und traf auch gegen 6½ Uhr wohlbehalten daselbst ein. Die französischen Missionare luden mich ein, bei ihnen über Nacht zu bleiben.

Bevor ich nächsten Morgen weiterfuhr, machte ich einen kleinen Rundgang auf der Station. Alles war vorzüglich in Ordnung gehalten, besonders die verschiedenen Anpflanzungen. Hier sah ich auch seit längerer Zeit einmal wieder ein Batatenfeld. Die Negerjungen, welche hier erzogen werden, werden sehr streng gehalten und sollen vor allen Dingen zu guten Arbeitern herangebildet werden. Nach allem, was ich hier sah, schien es, als ob man den Knaben auch schon etwas Tüchtiges beigebracht habe. Bei Frühstück erzählten mir die Herren einige ihrer Jagderlebnisse mit Elefanten, von denen diese Gegend noch voll ist. Da die Tiere die Anpflanzungen nicht selten zerstören sollen, ist es natürlich eine große Freude für die Station, wenn eins derselben erlegt wird, ganz abgesehen davon, daß dadurch riesige Mengen von Fleisch gewonnen werden, welches dann unter die Eingeborenen verteilt wird, denn dasselbe wird sehr geschätzt. Als ich gegen 7 Uhr aufbrach, war das Wasser des Stromes derartig bewegt, daß mir die Missionare rieten, noch länger zu bleiben, ich mußte es aber ausschlagen, denn ich wollte nicht zu viel Zeit verlieren.

Die Fahrt über den Congo an jenem Tage werde ich nicht vergessen. Anfangs ging alles gut, das Canoe wurde zwar immer hin und her geschleudert, doch schlugen die Wellen selten über den Rand; je mehr wir aber nach der Mitte des Stromes kamen, destofurchtbarer wurde die Fahrt. Die Leute wußten vor Furcht kaum mehr meinen Befehlen zu gehorchen, denn das Getöse war betäubend, ebenso schlugen die Wellen beständig in das Canoe hinein, so daß zwei Leute nur immer das eindringende Wasser ausschöpfen mußten; ich selbst glaubte nicht mehr daran, daß wir das andere Ufer erreichen würden, denn mehr als einmal sah ich Wellen kommen, von denen ich sicher glaubte, umgeworfen zu werden, und nur durch plötzliche Wendungen des Canoes wurde dieses vermieden. Ich selbst ruderte mit allen Kräften und arbeitete mich dabei trotz des starken, kalten Windes, welcher wehte, tüchtig in Schweiß, dabei hatte ich noch auf alles aufzupassen, denn die Leute selbst waren ganz kopflos geworden. Es waren einige aufregende Stunden. Endlich gegen 10 Uhr gelang es uns, eine Sandbank zu erreichen, wo ich anlaufen ließ, um mich nicht noch einmal der Gefahr auszusetzen, mit Mann und Maus zu ertrinken oder den Krokodilen zum Opfer zu fallen. Kaum hatten wir das Canoe auf den Sand gezogen, als sich ein furchtbarer Tornado mit einem echten Tropenregen erhob, der uns in Kürze alle bis auf die Haut durchnäßte. Wären wir noch eine halbe Stunde länger auf dem Wasser gewesen, so wäre das Canoe sicher untergegangen. Wie ich richtig vermutet hatte, legte sich nach dem Regen der Sturm auch bald, und das Wasser wurde allmählich ruhiger, so daß wir um 12 Uhr unsere Fahrt wieder aufnehmen konnten. Die Leute fanden denn auch bald ihre Courage wieder, besonders da ich auf der Sandbank drei Enten geschossen hatte, welche ich ihnen schenkte, denn wenn der Neger seinen Magen gefüllt hat, so ist er noch einmal so gut zu gebrauchen. Als kurz darauf die Sonne wieder erschien, zeigten sich bald die verschiedensten Wasservögel und Affen wieder. Es gelang mir auch noch, einige derselben zu erlegen, worüber meine Leute derartig in Freude gerieten, daß sie sogleich einen Gesang auf den „Mundele na niama mingi“ (weißen Herrn, der viel Fleisch giebt) anstimmten. Da die Leute wußten, daß sie am Abend das Fleisch der erlegten Tiere bekommen würden, ruderten sie mit doppeltem Eifer, so daß wir im Laufe des Nachmittags eine große Strecke zurücklegen konnten. Die Vegetation am Flußrande blieb dieselbe, wie ich sie bereits früher beobachtet hatte. Nilpferde wurden immer häufiger, hin und wieder zeigte sich auch ein Krokodil auf den Sandbänken oder träge im Wasser schwimmend. Eine Kugel, welche ich immer für diese Tiere in Bereitschaft hielt, trieb dieselben bald aus ihrer Ruhe. Als ich am Abend einen geeigneten Lagerplatz gefunden und mein Zelt aufgestellt war, ging ich sogleich, ohne erst ein Abendesssen einzunehmen, zur Ruhe und verfiel sofort in einen tiefen Schlaf, so war ich von der Aufregung des heutigen Tages erschöpft; selbst die vielen Moskitos, welche mich umschwärmten, konnten mich nicht aufwecken.Wieder vollständig erfrischt, ließ ich am folgenden Tage, nachdem das Zelt schnell eingepackt war, gegen 6 Uhr weiterfahren. Wir trafen heute mehr Nilpferde, als ich je vorher gesehen; häufig schien es fast, als ob sie uns entgegenkommen wollten, um uns anzugreifen. In solchem Falle wurde unter großem Lärm tüchtig fortgerudert, ich stellte mich bereit, um etwa zu nahe herankommende Tiere mit einer Kugel zu empfangen. Es ist mir merkwürdigerweise nie passiert, daß mein Canoe von Nilpferden umgeworfen wurde, obgleich das auf Reisen im Congo nicht selten vorkommt, und einige Herren daselbst nur zu häufig das Unglück zu haben scheinen. — In den Gegenden, wo die Europäer noch nicht häufig vorgedrungen sind und den Nilpferden daher noch nicht derartig nachgestellt worden ist, sind dieselben natürlich lange nicht so bösartig als im viel befahrenen Congo. Es ist sicher, daß der Jahre des Vorhandenseins von Nilpferden in den afrikanischen Flüssen nicht mehr sehr viele kommen werden, wenn man fortfährt, diese Tiere in derselben Weise zu vernichten, wie es jetzt geschieht. Die Jagd auf Nilpferde ist leicht und kaum sehr gefahrvoll, denn die Tiere sind sehr dumm, es gehört also gar kein besonderer Heldenmut dazu, eins zu töten. Am Vormittage fuhren wir zum großen Teile am Rande großer, häufig sumpfiger Savannen entlang, in denen offenbar viele Büffel vorhanden waren, wie die zahlreichen Spuren am Flußrande bewiesen.

Als wir uns gegen 12 Uhr eben an Land begeben wollten, ging eine Büffelherde trabend davon, die ganze Gegend war offenbar äußerst wildreich. Ich schoß mir noch zum Frühstück eine prachtvolle große Ente. Wir lagerten in einem herrlichen Wäldchen, dessen Bäume von den Blüten einer wundervollen rosenroten Milletia bedeckt waren. Einige in der Nähe unseres Lagerplatzes stehende Ficusarten untersuchte ich, doch, wie ich erwartet, ohne ein günstiges Resultat zu erzielen. Als wir uns eben wieder auf der Fahrt befanden, brach plötzlich ein Tornado aus, der von einem starken Regen begleitet wurde und mich also zwang, wieder an Land anlaufen zu lassen und das Canoe mit dem ausgebreiteten Zelte zu überdecken. Wir wurden alle arg durchnäßt, doch das hielt uns nicht ab, sogleich nachdem sich der Tornado gelegt hatte, weiter zu fahren. Am Abend fanden wir einen wundervollen Lagerplatz, der aber von Büffeln und Nilpferden vollständig zertreten war. Im Wasser vor uns schwammen etwa 10 Nilpferde umher, welche uns eifrig beobachteten, hier und da erhob sich eins derselben brüllend, um dann wieder für einige Zeit zu verschwinden. Ich streifte mit einem meiner Leute noch umher, um mir einen Abendbraten zu schießen, und hatte auch das Glück, mich mehrmals an einen Schwarm Enten heranschleichen zu können, von denen ich fünf erlegen konnte. Dasgab wieder ein Fest für die Leute. In der Nacht wurden wir derartig durch die sich immer näher an uns heranwagenden Nilpferde, welche durch ihr Gebrüll uns im Schlafe störten, belästigt, daß ich beschloß, den Tieren ein Andenken zu geben. Ich schoß auf das uns im Wasser am nächsten schwimmende Tier, das übrigens kaum 20 Meter entfernt war, und traf es so günstig, daß es mit einem furchtbaren Geheul unterging. Ich hatte keinen Zweifel, daß ich das Tier tödlich verwundet hatte, wodurch seine Genossen sich denn auch wohlweislich in besserer Entfernung hielten. Meine Leute mußten dann während der Nacht noch wiederholt auf einige allzu freche Exemplare schießen, um dieselben wieder zu verscheuchen.

Am nächsten Morgen befürchtete ich zwar einen Angriff seitens der Hippopotamen auf mein Canoe, dieselben ließen uns aber ruhig abziehen, offenbar froh darüber, nun auch auf die Weide gehen zu können.

Das Wasser war wieder sehr bewegt, außerdem hatten wir eine sehr starke Brise gegen uns, so daß wir nur langsam fortkamen. Das Flußbett war zum Überflusse reichlich mit Felsen besät, so daß wir nicht selten in Gefahr kamen, unser Canoe zu zerschellen, und häufig genug konnten wir hören, wie wir eben an die Spitzen eines solchen scharfen Felsens anstreiften. Gegen 9 Uhr kam der Posten Lukulela in Sicht, nach einer weiteren Stunde trafen wir daselbst ein. Die „Hainaut“, welche bei dem Tornado am vorhergehenden Tage etwas Havarie erlitten, lag hier vor Anker und wurde für die Fahrt nach dem Stanley-Pool etwas repariert. LeutnantSerulea, der Kommandant des Postens, empfing mich sehr liebenswürdig und wies mir eine recht angenehme Wohnung an.

Nachdem die „Hainaut“ gegen Mittag abgefahren war, machte ich mit HerrnJacquier de Longprès, dem Stationsassistenten, einen Rundgang auf der Station. Der Kakao stand hier besser als in Coquilhatville, was ich dem offenbar besseren Boden zuschreibe; der Kaffee war auch gut gehalten; die ganze Station machte überhaupt einen recht netten Eindruck, eine Thatsache, die um so anerkennenswerter ist, als man hier nur eine geringere Zahl von Arbeitern beschäftigte. Kautschuksamen waren erst ausgelegt worden, daher also war noch nichts von den Pflanzen zu sehen. Einige alte Kautschuklianen hatte man beim Umlegen des Waldes geschont, dieselben waren ziemlich alt und gaben guten Kautschuk. Wenn die Eingeborenen im Walde eine solche Liane finden, so machen sie zunächst den Baum oben von den Zweigen möglichst frei, bis sie die ganze Liane herunterziehen können, dieselbe wird darauf längs des Bodens möglichst ausgebreitet und durch Astgabeln oder Unterlagen von Holzklötzen und Steinen etwa einen Fuß über den Boden erhoben, dannerst werden in Abständen von etwa einem Fuß Einschnitte gemacht, aus denen dann die Latex in die zu diesem Zwecke untergesetzten Gefäße (meist Lehm- oder Thontöpfe) hineinläuft. Natürlich werden die Lianen von den Eingeborenen gewöhnlich so tief angeschnitten, daß sie bereits nach einmaligem Anzapfen zu Grunde gehen. Trotz der verschiedenen Behauptungen und Veröffentlichungen diesbezüglich, habe ich mich während meiner Reise überzeugen können, daß man im Congo den Kautschukpflanzen auch nicht mehr Schonung angedeihen läßt als in den anderen Ländern Afrikas. Die Regierung versucht zwar, durch Erlasse aller Art gegen den Raubbau zu arbeiten, doch sind es zum Teil die Ausführenden selbst, welche den Raubbau ermutigen, da sie dadurch einen großen momentanen Gewinn erzielen, der sonst ihren Nachfolgern in die Hände fallen würde. Leider waren an den Kautschuklianen hier in Lukulela weder Blüten noch Früchte zu finden, so daß ich nicht die Art feststellen konnte.

Am Nachmittage des nächsten Tages lud mich der Kommandant zu einer Jagd auf Büffel und Elefanten ein. Wissend, daß ich somit tiefer in die Wälder hineinkommen würde und daselbst vieles mir Neue zu sehen bekommen würde, sagte ich sehr gern zu. Wir fuhren daher noch am Nachmittage über den Congo hinüber und landeten zunächst an einer mit hohem Grase bedeckten Ebene, wo wir Büffelspuren in Menge fanden. Nachdem die nötigsten Vorbereitungen zur Errichtung des Lagers für die Nacht getroffen waren, brachen wir sogleich zur Jagd auf. Trotz der ganz frischen Spuren gelang es uns jedoch dennoch nicht, innerhalb der ersten zwei Stunden eines der Tiere zu sehen. Als dann ein plötzlich aufgejagter Leguan noch geschossen wurde, gaben wir die Jagd auf die Büffel auf, da die durch den Schuß gewarnte Herde sich nunmehr sicher doppelt vorsichtig bewegen würde, wenn sie nicht überhaupt entflohen war. Nachdem wir einen Sumpf überschritten hatten, drangen wir in einen daran angrenzenden dichten Wald ein. Nach verschiedenen Streifzügen, auf welchen wir sehr viele frische Elefanten- und Büffelspuren antrafen, wurden wir von unserem eingeborenen Fährtenfinder plötzlich gewarnt und stießen auch wirklich auf eine Herde von Wildschweinen. Im nächsten Augenblicke krachten schon unsere Schüsse auf die Tiere nieder. Die meisten wurden verwundet, drei gelang es zu töten. Unterdessen war es nun auch Zeit geworden, an den Rückweg zu denken, damit wir noch die Flußufer vor Anbruch der Dunkelheit erreichen könnten. Erst spät am Abend kamen auch unsere Leute mit den erlegten Wildschweinen an, von denen wir uns dann noch zum Abendessen einige saftige Stücke braten ließen. Der Mond war bereits in seiner vollen Pracht aufgegangen, als wir uns zum Abendessenniedersetzten, um sofort durch unsere Leute auf einige auf dem Flusse dahinschießende Canoes aufmerksam gemacht zu werden. Da uns diese fluchtähnliche Fahrt der Canoes verdächtig vorkam, riefen wir die Insassen der Canoes an. Dieselben ruderten daraufhin jedoch noch schneller. LeutnantSerulea, welcher bereits einige Zeit in der Gegend war, vermutete daher sehr richtig, daß die Insassen des Canoes desertierte Soldaten aus Irebu seien, welche nach dem französischen Posten Lukulela (français) entweichen wollten, und sandte ihnen daher einige Kugeln nach. Auch wurde sofort unser Canoe zum Einfangen der Leute nachgeschickt. Diesen gelang es jedoch, sich im Schatten einer Insel zu verbergen, wo sie dann nicht mehr zu finden waren. Erfolglos kehrten daher unsere Leute zurück.

Schon um 4 Uhr setzten wir am nächsten Morgen unsere Jagd weiter fort. Da wir vermuteten, daß das durch unsere Schüsse gewarnte Wild sich nun weiter fort begeben habe, fuhren wir den Strom etwa eine Stunde weiter hinauf. Am Rande eines Sumpfes wurde dann ein Lager aufgeschlagen. Das Überschreiten dieses Sumpfes, welcher uns von dem Walde trennte, war mit einigen Schwierigkeiten verknüpft, schon bei den ersten Schritten sank man bis über die Kniee ein. Nachdem wir endlich in dem etwas trockneren Walde angelangt waren, gingen wir sehr vorsichtig vor, da wir frische Elefantenspuren in Menge bemerkten und daher die Tiere in unmittelbarer Nähe vermuteten. Nach etwa 1½ Stunden gab unser führender eingeborener Elefantenjäger, welcher weniger ein guter Schütze als ein vorzüglicher Fährtenfinder war, ein Zeichen, woraufhin wir unseren Leuten zurückzubleiben befahlen und nun mit doppelter Vorsicht vorschlichen. Bald sahen wir zwei fressende Elefanten vor uns, welche uns noch nicht bemerkt hatten. Bis auf 40 m gelang es uns unbemerkt heranzukommen, als das Männchen sich plötzlich wendete und uns bemerkte. Eben schien sich das Tier mit weitabstehenden Ohren auf uns werfen zu wollen, als auch schon unsere Schüsse erklangen und der Riese lautlos zusammenbrach, die Zähne in den Boden stoßend. Es war ein Anblick, den niemand vergessen wird, der je etwas ähnliches gesehen. Das Weibchen gab nun sofort Fersengeld. Einige ihm nachgesandte Schüsse verwundeten es zwar, konnten ihm aber keinen besonderen Schaden zufügen, da wir nur den hinteren Teil des Tieres zum Ziel nehmen konnten. Dem gestürzten Elefanten jagten wir nun nochmals drei Kugeln in den Kopf, um ihm vollends den Garaus zu machen. Unsere unterdessen herbeigekommenen Leute benahmen sich wie toll vor Freude auf die Aussicht, nun einmal wieder tüchtig Elefantenfleisch zu essen zu bekommen, und führten einen wahren Freudentanz um den gefällten Riesen herum auf. Nachdemwir darauf den Befehl gegeben, das Tier zu zerlegen und die Teile in unser Lager zu bringen, brachen wir auf, um nach weiterer Beute zu suchen. Bald traten wir in einen wundervollen Wald hinein, welcher von Elefantenpfaden nach allen Richtungen hin durchkreuzt war. An einigen sumpfigen Stellen sah man, daß sich noch kurz vor uns die Tiere darin herumgewälzt hatten, genug, wir sahen hier, daß wir uns inmitten eines von Elefanten dicht belebten Striches befanden. Unser Jagdeifer wuchs natürlich nun nach dem erfolgreichen Morgen sehr bedeutend. An einem Baum, dessen sehr saftreiche Rinde die Elefanten sehr gern zu fressen schienen, sahen wir sowohl an der ganz frisch abgeschälten Rinde wie an den noch rauchenden Exkrementen, daß wir den Tieren sehr nahe sein mußten. Eine über uns in den Bäumen sich aufhaltende Affenherde verdarb uns aber das Vergnügen durch das wüste Geschrei, welches die Gesellschaft, die offenbar nie vorher einen weißen Menschen zu Gesicht bekommen, ausstieß, als sie uns bemerkte. Wir wurden so ärgerlich über die uns nun von Baum zu Baum verfolgende Herde, daß wir schließlich beschlossen, die Tiere zu verjagen, da sonst weitere Erfolge unmöglich waren. Es blieb uns daher nichts anderes übrig, als einige der Tiere herunterzuknallen. Ruhig blieben dieselben sitzen, als unsere Kugeln um sie herumpfiffen. Als sie aber, nachdem einige heruntergefallen, doch einsahen, daß unsere Gewehre nicht ganz harmlose Dinge waren, entflohen sie unter entsetzlichem Geheul. Nun erst konnten wir weiter den Spuren der Elefanten folgen. Gegen Mittag gelang es uns denn auch wieder, an einige Tiere heranzukommen, welche wir allerdings wegen des sehr dichten Unterholzes nur zum Teil sehen konnten. Wir verwundeten das eine offenbar sehr schwer, denn der Blutverlust des Tieres mußte nach den Spuren, welchen wir nachher folgten, sehr bedeutend sein, und an verschiedenen Stellen schien es, als sei das Tier zusammengebrochen, aber es gelang uns dennoch nicht, die Spuren weiter zu verfolgen, da sie sich allmählich in der alten Spur wiederfanden und uns so immer wieder irre leiteten. Nach einigen Stunden vergeblichen Suchens nach dem verwundeten Elefanten, von dem wir berechtigt waren zu glauben, daß er unterdessen bereits vollständig zusammengebrochen sei, war es denn auch Zeit, an die Rückkehr zu denken, besonders da sich in unseren Magen bald eine bedeutende Leere bemerkbar machte. Nach einem Kompaß durch Dick und Dünn marschierend, gelangten wir, nachdem wir einige Sümpfe überschritten hatten, in welche wir bis über die Hüften einsanken, endlich etwa eine Meile unterhalb unseres Lagers an die Flußufer.

Wir arbeiteten uns nun bis auf Hörweite auf unser Lager zu durch und wurden schließlich im Canoe abgeholt. Unser Koch hatte während unserer Abwesenheit das Essen, bestehend aus Wildschweinbraten,für uns zurechtgemacht, so daß wir sogleich unseren Hunger stillen konnten. Erst um 5 Uhr hatten unsere Leute den zerlegten Elefanten vollständig bis zum Flusse geschafft und in das Canoe eingeladen. Natürlich stellte sich bald heraus, daß die nichtswürdigen Kerle wieder große Mengen Fleisch im Busch versteckt hatten, um es dann über Nacht oder am nächsten Tage abzuholen. Einige Leute, welche wir dabei ertappen konnten, wurden bestraft, das versteckte Fleisch, welches wir nach einigem Suchen doch bald fanden, ihnen natürlich auch wieder abgenommen. Auf der Rückfahrt hatten wir noch das Glück, einige Nilpferde auf einer Sandbank, vollständig außerhalb des Wassers, beobachten zu können. Ziemlich ermüdet kamen wir am Abend in Lukulela (bèlge) wieder an. Natürlich war der folgende Tag, an welchem das Fleisch verteilt wurde, ein Festtag für die Leute der Station. Ein jeder bekam da seinen Teil und hatte auch Grund, zufrieden zu sein, denn an einem ausgewachsenen Elefanten sitzt eine enorme Masse von Fleisch; dazu hatten wir dann ja auch noch die drei erlegten ziemlich großen Wildschweine, von denen wir drei Europäer doch nur sehr wenig hatten verzehren können.

Da ich in Lukulela hörte, daß sich vielleicht bald eine Gelegenheit finden werde, den Sanga von Bonga aus zu befahren, so lag mir natürlich daran, möglichst bald nach Bonga zu kommen. LeutnantSeruleawollte mich bis Bonga hinübergeleiten, da er dort den Herren einen Besuch versprochen hatte. Wir hatten unsere Abreise von Lukulela auf den 25. Juli angesetzt, konnten aber erst am Nachmittage fortfahren, da das Wasser im Congo am Vormittage so hohe Wellen schlug, daß gar nicht daran zu denken war, das andere Ufer zu erreichen. Trotz des noch immer gefährlichen Wellenganges erreichten wir bald das französische Ufer und sprachen dort auf dem französischen Lukulela-Posten vor. Nach kurzem Aufenthalte fuhren wir bald in den Likensi-Arm des Congo, welcher zum Sanga hinüberführt, ein, mußten aber für die Nacht unser Lager aufschlagen, ohne Bonga erreichen zu können, da wir von der Dunkelheit überrascht wurden und das Fahren in dem engen, von Nilpferden wimmelnden Kanale nicht ohne Gefahr war. In dieser Nacht bekamen wir dann auch schon einen Vorgeschmack von den Bonga-Moskitos, so daß wir nicht an schlafen denken konnten. Mit Tagesgrauen brachen wir am 26. Juli wieder auf. Nach etwa einstündigem Rudern erreichten wir den Sanga. Um 7 Uhr kam Bonga in Sicht. Ich fand bei dem Vertreter der Société Anonyme Belge Aufnahme für die Zeit meines Aufenthaltes bis zur Abreise nach dem Ngoko. Bis dahin sollte allerdings noch eine geraume Zeit vergehen.


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