VI. Kapitel.Allgemeines und Untersuchungen.

VI. Kapitel.Allgemeines und Untersuchungen.

Als kurz nach der Entdeckung Amerikas nach Europa die Kunde gelangte, daß die Eingeborenen von Haïti sich bei ihren Spielen kleiner elastischer Bälle bedienten, die aus dem Safte von Bäumen hergestellt wurden, da konnte wohl niemand ahnen, welche epochemachenden Entdeckungen später noch von diesem vegetabilischen Produkte abhängen sollten und welch ein begehrter Handelsartikel dasselbe noch werden sollte. Nach dem einheimischen Namen des Produktes Caú-cho bildeten sich in Europa bald die Worte Caoutchouc oder Kautschuk aus, und unter diesem Namen wurde es zunächst in Europa als Merkwürdigkeit bekannt. Nachdem man dann seine Fähigkeit entdeckt hatte, Bleistiftstriche auf Papier auszuradieren, wurde es in England allgemein Rubber oder India-Rubber genannt. Auch um Wasserdichtigkeit bei Stoffen zu erzielen, fand der Kautschuk schon vor Ende des letzten Jahrhunderts Verwendung; doch da noch nicht seine Vulkanisationsfähigkeit entdeckt war, hatte man solche Stoffe vor Wärme und vor allen Dingen vor Sonnenstrahlen zu schützen, da dieselben infolge der eintretenden Oxydation des Kautschuks klebrig wurden.

Auch in Indien und später in Afrika gelang es schließlich, Bäume und Lianen ausfindig zu machen, aus deren Milch man Kautschuk herstellen konnte. Es würde zu weit führen, wenn ich hier näher auf die Entdeckungsgeschichte der einzelnen Pflanzen eingehen würde; sie ist schon wiederholt genauer behandelt worden.

Nach der Entdeckung der wunderbaren Fähigkeiten des Kautschuks wuchs natürlich der Bedarf in unerwarteter Weise und mit ihm sein Wert. Infolgedessen suchten die Kautschuksammler die ihnen zugänglichen Kautschukgebiete möglichst auszubeuten, und so kam es, daß die Pflanzen in der rohesten Weise angezapft wurden, sogar derartig, daß ganze Bestände allmählich dahinstarben. Allerdings wurden bei dieser gewissenlosen Ausbeutungsmethode in den folgenden Jahren riesige Quantitäten in den Handel gebracht, doch zeigte sich sehr bald in den darauf von Jahr zu Jahr geringer werdenden Mengen das Endresultat. Mit Ausnahme des Congostaatessind in Afrika die sämtlichen Kautschuk liefernden Kolonien in ihrer Produktion zurückgegangen. Bei dem Congostaate ist das entgegengesetzte Faktum nicht etwa in einer vorsichtigeren Behandlung der Kautschukbestände zu suchen, wie man häufig versucht hat, die Sachlage darzustellen, sondern ist einzig und allein durch das Erschließen immer neuer Gebiete zu erklären. Es werden zwar von der dortigen Regierung den übrigen Handelsgesellschaften, welche Kautschuk exportieren, gewisse Verpflichtungen auferlegt, wie z. B. Anpflanzen neuer Bestände etc., doch erstens werden diese Verordnungen keineswegs sehr streng genommen, zweitens aber dürften lange nicht genügend Sämlinge beschaffbar sein, um die daselbst im Innern allgemein stattfindenden Verwüstungen wieder gut zu machen. Wenn man sieht, wie bereits seit Jahren z. B. in der Lagos-Kolonie der Engländer sowie an der Goldküste die Produktion von Kautschuk infolge des unverantwortlichen Vorgehens der Kautschuksammler zurückgegangen ist, so muß man sich wundern, daß nicht schon lange durch Anpflanzungen dieser Schaden gut zu machen versucht worden ist. Dass man bei solchen Anpflanzungen vor allen Dingen Bäume, welche Kautschuk liefern, den Lianen vorziehen sollte, ist leicht dadurch zu begründen, daß die Lianen erst nach langen Jahren anzapfbar sind und selbst dann nur geringere Quantitäten Kautschuk liefern; außerdem aber lassen sich bei ihnen nicht so leicht Vorkehrungen treffen, um schadloses Anzapfen möglich zu machen. Der Abbau solcher Bestände wird daher stets ein mehr oder minder ausgeprägter Raubbau bleiben. Ganz anders liegen die Verhältnisse bei den Bäumen. Dieselben weisen ein viel schnelleres Dickenwachstum auf und geben entschieden viel größere Quantitäten Kautschuk liefernder Milch. Es sollte aus diesem Grunde nicht allein von Seiten privater Plantagengesellschaften alles versucht werden, ausgedehnte Kautschukplantagen zu schaffen, sondern es sollten auch derartige Unternehmungen in jeder Weise von der Regierung unterstützt werden. An der Goldküste haben im letzten Jahre die Engländer begonnen, dieser Frage ein besonderes Interesse entgegenzubringen, und dort bereits ausgedehnte Kickxia-Anpflanzungen angelegt. Da nun gerade von deutscher Seite viel, man könnte sagen am meisten zur näheren Kenntnis der für derartige Anlagen eventuell brauchbaren Kautschukbäume beigetragen ist, so wäre es doch recht betrübend für unsere Nation, wenn uns auch hierin wieder die Engländer zuvorkommen würden und so gewissermaßen wieder die Früchte deutscher Arbeiten und deutscher Forschungen genießen würden.

Betrachten wir einmal die in Afrika heimischen Kautschuk liefernden Gewächse in Bezug auf ihre Anbaufähigkeiten. Beiweitem der größte Teil des afrikanischen Kautschuks wird von Landolphia-Arten gewonnen. Da die Angaben der Sammler sich häufig widersprechen, ist man in vielen Fällen noch keineswegs genau unterrichtet über die Möglichkeit, aus dem Milchsaft einiger Arten wirklich Kautschuk zu gewinnen. Ganz besonders ist dieses der Fall bei den Arten mit großen Blüten, aus der Verwandtschaft der Landolphia comorensis, und es wäre daher sehr erwünscht, wenn die in Afrika lebenden Sammler gerade dieser Frage spezielle Aufmerksamkeit schenken und von den einzelnen Arten genau feststellen würden, ob sie Kautschuk liefern oder nicht. Als sicher Kautschuk gebend sind uns bisher aus Afrika die folgenden Arten bekannt:

1. Landolphia tomentosa A. Dew. aus Senegambien, welche die größte Menge des dorther stammenden Kautschuks liefern soll.

2. Landolphia Heudelotii D. C., welche vielleicht von L. tomentosa nur als Abart verschieden ist.

3. Landolphia comorensis K. Sch. aus Ostafrika, von der höchst wahrscheinlich die von verschiedenen Autoren als mit ihr identisch betrachtete, keinen Kautschuk liefernde Pflanze spezifisch verschieden ist.

4. Landolphia Klainei Pierre aus dem Flußgebiete des Congo.

5.Landolphia owariensis Pal. de Beauv.mit einer weiten Verbreitung über den westlichen Teil Afrikas und im Sudan. Mit dieser Art ist L. Klainei häufig verwechselt worden.

6. Landolphia Kirkii Th. Dyer aus dem südöstlichen Afrika.

Von diesen hier aufgezählten Arten ist der von Landolphia Klainei gewonnene Kautschuk der beste und wohl überhaupt der beste aus Afrika bisher bekannt gewordene. Von ihr wird auch das als „Kassai rouge“ in den Handel kommende Produkt gewonnen. Im Congostaate hat aus diesem Grunde die Regierung auch da, wo sie Landolphia-Anpflanzungen begonnen hat, hauptsächlich diese Art heranziehen lassen. Es sind meines Wissens Resultate derartiger Anpflanzungen noch nicht bekannt, da dieselben alle viel zu jung sind, um einen Ertrag liefern zu können. Es wird auch noch eine lange Reihe von Jahren vergehen, ehe man mit dem Abernten der Lianen beginnen kann, ohne sogleich einen empfindlichen Schaden herbeizuführen. Ich bin persönlich der Ansicht, daß eine Liane etwa 15 Jahre alt sein müßte, ehe ihr Hauptstamm anzapfungsfähig ist. Bei dem immensen Längenwachstum, welches diese tropischen Lianen besitzen, ist es nicht zu verwundern, daß die Pflanze zu gleicher Zeit ein stärkeres Dickenwachstum nicht aufweisen kann.

In Kamerun hat HerrGüntherauf der Soppo-Plantage vor einigen Jahren eine Landolphia-Anpflanzung begonnen, welche, als ich sie zum letzten Male zu sehen Gelegenheit hatte, recht gesund aussah, doch hatten die etwa 2½jährigen Stämme noch nicht 1 cm im Durchmesser erreicht; einige derselben hatten dabei allerdings bereits eine Länge von 5 m aufzuweisen. Die Kultur der Lianen wäre keineswegs zu verwerfen, wenn man aus irgend welchen Gründen gezwungen ist, Waldpartien in den Plantagengebieten stehen zu lassen, in denen bereits Kautschuklianen vorhanden sind. Da wäre durch jährliches Nachpflanzen die Möglichkeit vorhanden, mit der Zeit eine regelrechte Landolphia-Schonung zu erziehen, welche dann eine gute Nebeneinnahmequelle für die Plantage bilden würde. Ebenso ist es keineswegs zu übersehen, daß sich Landolphien auch an den Schattenbäumen in den Kakaoplantagen anpflanzen ließen. Da man, wenn die Pflänzchen erst einmal die Höhe von einem Fuß erreicht haben, gar keine Arbeit mit ihnen hat, und die Anpflanzungen somit fast gar nichts kosten würden, so ließe sich eventuell auch diese Art von Kautschuk-Nebenkultur empfehlen. Die Früchte der am Kamerun-Gebirge einen guten Kautschuk liefernden Liane, welche fälschlich wiederholt als Landolphia florida bezeichnet worden ist, sind auf den Märkten der Baquiri unter dem Namen „Maniongo“ in den Monaten Dezember, Januar und Februar mit Leichtigkeit in Mengen zu erstehen; Schwierigkeiten im Beschaffen der Samen lägen also nicht vor. Leider enthalten die Blätter und die jüngeren Teile der Landolphien keinen brauchbaren Kautschuk, sonst ließe sich ja eventuell in ähnlicher Weise, wie der Wurzelkautschuk im Congo- und Angola-Gebiete hergestellt wird, aus ihnen das Produkt gewinnen, und dann würde allerdings eine Landolphiaplantage ein äußerst empfehlenswertes Unternehmen sein. Ich habe während meiner Expedition gerade dieser Frage der Möglichkeit des Ausziehens von Kautschuk aus den jüngeren Teilen der Kautschukpflanzen ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet und habe dabei immer mehr die Überzeugung gewonnen, daß bei Landolphien und Kickxien dieses unmöglich sei. Die Kautschukpflanzen scheiden in sämtlichen jüngeren Teilen einen Milchsaft aus, aus dem sich kein brauchbarer Kautschuk, sondern nur ein dem Vogelleim ähnliches Produkt der Ficusarten gleiches Material herstellen läßt.

Eingeborene von Wangata.

Eingeborene von Wangata.

Inwiefern die amerikanischen Kautschukpflanzen, vor allen Dingen die Hevea, bei Gewinnung von Kautschuk aus den jüngeren Teilen in Betracht kommen können, habe ich bisher leider noch nicht Gelegenheit gehabt, feststellen zu können. Es wäre sehr wünschenswert, daß auch mit dem Ceara-Kautschuk ähnlicheVersuche gemacht werden würden, da bei diesem die Kautschuk liefernde Latex höher in die jüngeren Teile hinaufsteigt als bei Landolphien und Kickxien. Die Verwandlung der Latex in solche, welche wirklich guten Kautschuk liefert, geht also innerhalb der Pflanze vor sich. Sollte sich da nicht ein sehr interessantes und vielleicht auch höchst erfolgreiches Studium für einen sich in den Kautschukgegenden Afrikas aufhaltenden Chemiker darbieten? Aus der Verschiedenheit der chemischen Zusammensetzung der Latex in den verschieden alten Teilen der Pflanze ließen sich da wahrscheinlich höchst wichtige Schlüsse ziehen, die uns der wirklichen Erkenntnis des Kautschuks um ein Beträchtliches näher bringen könnten. Ich entsinne mich übrigens auch, daß bei Landolphia Kirkii die wirklich brauchbare Kautschuk liefernde Milch fast bis in die jüngsten Teile hinein steigt. Ich selbst habe aus den Fruchtschalen dieser Art im Hinterlande von Inhambane einen durchaus brauchbaren Kautschuk herausziehen können. Also auch diese Art dürfte, wenn es sich darum handelt, aus den jüngeren Teilen der Pflanzen Kautschuk zu gewinnen, einer Beachtung wert sein. Ich würde vorschlagen, zu diesem Zwecke eine größere Quantität der jüngeren Zweige mit ihren Blättern und Blüten zu einem Brei zu stampfen oder sonstwie stark zu zermalmen und dann vollständig zu trocknen. Zum Zwecke der Untersuchung wären mindestens 50 Pfund dieses Materials nötig. In Europa ließe sich dann mit Leichtigkeit der etwa in dieser Masse enthaltene Kautschuk auswaschen, und die Qualität und Quantität des gewonnenen Produktes wäre dann leicht festzustellen.

Man hat in letzter Zeit den Gedanken in Erwägung gezogen, ob sich eine vorteilhaftere Kautschukgewinnung ergeben könne, wenn von Kickxien oder Manihot Glaziovii die Rinde geschält würde und dann aus ihr, sei es an Ort und Stelle, sei es in Europa, der darin enthaltene Kautschuk gewonnen würde. Daß dieses Verfahren möglich ist, liegt auf der Hand. Ich bin auch der Überzeugung, daß, obgleich beim Abschälen der Rinde eine enorme Menge des Milchsaftes verloren gehen würde, die in derselben bleibende Quantität eine größere Menge Kautschuk ergeben würde, als man sonst bei einmaligem Anzapfen erhalten könnte. Aber hieße dies nicht den Raubbau, gegen den seit Jahren versucht wird, anzukämpfen, da man bereits zur Genüge kennen gelernt hat, welche Folgen er nach sich zieht, noch bedeutend unterstützen? Welcher Gewinn läge darin, wenn wir allerdings bei einmaligem Abschälen des Baumes eine große Quantität des erwünschten Produktes gewännen, während nach mehrjährigem vorsichtigen Anzapfen derselbe Baum eine bedeutend größere Menge desselben geliefert haben würde? Eskann uns doch nicht daran liegen, möglichst schnell eine bedeutende Kautschukproduktion zu erlangen, sondern vielmehr sollte es meiner Ansicht nach unser Bestreben sein, eine dauernde genügende Produktionsfähigkeit der Kautschukländer zu schaffen.

Meiner Ansicht nach kann nur da ein Abschälen der Rinde zum Zwecke der Kautschukbereitung in Betracht kommen, wo infolge zu hohen Alters oder übermäßiger Anzapfung- durch Anschneiden der Bäume gar kein und nicht genügend Kautschuk gewonnen werden kann.

Von den Pflanzen, welche im Rufe stehen, den Wurzelkautschuk von Angola und vom Congo zu liefern, hatte ich nur Gelegenheit, Carpodinus lanceolatus K. Sch. kennen zu lernen. Diese Pflanze wächst in sandigen, kurzgrasigen Savannen, in denen sie während des ganzen Tages den vollen Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. Für eine Kolonie wie Kamerun kann sie also als anbaufähig gar nicht in Betracht kommen. Der Kautschuk, welcher von ihr gewonnen wird, ist keineswegs von so guter Qualität wie häufig geschildert wird. Überhaupt sind in neuerer Zeit die Angaben über die Güte dieses sowohl wie auch ähnlicher Produkte recht häufig übertrieben worden. Die Art der Gewinnung des Kautschuks von Carpodinus lanceolatus ist außerdem eine solche, die viele Arbeitskräfte erfordert, und daher schon wäre der Verdienst für den Europäer zu gering, wenn er nicht die fertige Ware von dem Eingeborenen kaufen kann, der die zur Herstellung derselben nötige Zeit und Arbeit beim Verkaufe nicht rechnet. Was die Pflanze aber besonders für Kulturen ungeeignet erscheinen läßt, ist ihre auffallende Empfindlichkeit gegen jede Wachstumsstörung. Selbst Wurzelstöcke von bedeutender Länge sterben bei leichter Verletzung bald ab, vielleicht an Verblutung durch Austreten des Milchsaftes. Während meines Aufenthaltes in Dolo-Ebenen am Stanley-Pool habe ich diesbezüglich die verschiedensten Versuche gemacht. Selbst Pflanzen mit über fußlangen Wurzelstöcken starben trotz reichlicher Bewässerung in wenigen Tagen ab. Keinen besseren Erfolg hatte ich beim Ausstechen von Rasenstücken mit Carpodinus, die etwa einen Fuß im Durchmesser hatten. Die darin enthaltenen Pflanzen siechten auch allmählich dahin. Auch einige nach Kamerun geschickte Rasen und Wurzelstöcke starben trotz guter Pflege in Victoria wie in Buea langsam ab. Entgegen verschiedenen Behauptungen enthält der oberirdische Teil von Carpodinus lanceolatus keine Milch, die zur Bereitung eines guten Kautschuks verwendet werden kann. Ich habe denselben mit den verschiedensten Koagulationsmitteln behandelt und konnte doch nie ein besseres Produkt herstellen als von den als nicht kautschukgebend bekannten anderen Apocynaceen.Ich also kann diese Pflanze für Kulturen irgend welcher Art nicht empfehlen. Das aus den Wurzelstöcken gewonnene Quantum Kautschuks ist außerdem ein geringes und entspricht in keiner Weise der Mühe und Arbeit, welche zu seiner Herstellung erforderlich sind.

Nach den Angaben von verschiedenen Reisenden sollen im Kwango-Gebiete und Angola Wurzelkautschuk-Arten vorkommen, die ein wirklich gutes Produkt liefern, doch bin ich davon überzeugt, daß es sich dann um andere Pflanzen handeln muß als um Carpodinus lanceolatus. Einige getrocknete Wurzelstöcke des Carpodinus lanceolatus, welche ich im Berliner botanischen Museum untersuchte, zeigten auch nur geringe Spuren ihres Kautschukgehaltes.

Von den übrigen windenden Carpodinusarten, deren im Stromgebiete des Congo eine größere Anzahl vorkommt, ist mir keine begegnet, welche brauchbaren Kautschuk liefert. Die Milchsäfte sämtlicher Apocynaceen und Asclepiadaceen enthalten eine gewisse Quantität Kautschuk, doch ist bei fast allen eine so große Menge von Harzen vorhanden, daß die wirkliche Kautschuknatur der koagulierten Milch durch die zähen, klebrigen Harze vollständig verdrängt wird.

Mit Ausnahme der Ficus Vogelii sind bis jetzt aus Afrika noch keine Feigenbäume bekannt geworden, deren Milchsaft sich zur Kautschukfabrikation eignet. Bei allen diesen ist die Latex sehr stark mit Harzen vermischt, welche das durch die Koagulation gewonnene Produkt zu einem zähen Leim verwandeln, welcher sogar in einigen Gegenden Afrikas als Vogelleim verwendet wird. Hin und wieder werden von einigen Firmen der Westküste einige Tonnen dieses Stoffes nach Europa geschickt und finden dort, da sie ja selten kommen, in einigen Kautschukfabriken Absatz. Allerdings zu einem geringen Preise, da sie nur für wenige Artikel zu verwenden sind. So zum Beispiel, um Wasserdichtigkeit von Stoffen etc. zu erzeugen. Von einer unserer ersten Autoritäten in der Kautschukfabrikation erfuhr ich diesbezüglich, daß es billiger sei, durch Hinzufügung von Harzen, wie z. B. Kolophonium zu gutem Kautschuk, diese vogelleimähnliche Masse in Europa herzustellen, als sie von Afrika zu importieren, wo dann noch die Frachtspesen etc. bezahlt werden müssen. Es scheint also, als ob für das Produkt jener Ficusarten kein großer Absatz zu erwarten ist. Anders würde es allerdings sein, wenn nicht mehr genügend guter Kautschuk auf den Markt gebracht werden würde, dann müßte man natürlich auch diesen mit Harzen vermischten Kautschuk verwenden, um den besseren Kautschuk für besondere Artikel verarbeiten zu können. In einer Kautschukfabrik sah ich einst ganze Fässer dieses klebrigenProduktes der Ficusarten, und hörte damals, daß dasselbe für die Herstellung verschiedener Artikel zu verwenden sei. Man hatte 1,50 Mark für das Kilo dieses Kautschuks bezahlt und teilte mir mit, daß sich bei diesem Preise eine Einfuhr nach Europa wohl bezahlt machen könnte. Wo also genügend solcher Ficusarten vorhanden sind, so daß von den in Afrika ansässigen Firmen diese Ware zum Preise von 75 Pfennigen pro Pfund auf den europäischen Markt gebracht werden kann, wäre es daher vielleicht empfehlenswert, dem Abbau der Ficuswaldungen (wie z. B. im Hinterlande von Inhambane) einiges Interesse entgegenzubringen, doch vorher ist es erwünscht, festzustellen, wie viel dieser Ware absetzbar sein würde.

Bei Ficus Vogelii liegen die Verhältnisse etwas günstiger. Diese Art liefert einen Kautschuk, der zwar nicht harzfrei ist, aber doch nicht klebt. Infolge seines doch noch bedeutenden Harzgehaltes hat dieser Kautschuk weniger Elastizität als der der Landolphien und Kickxia und kann nicht in derselben Weise verwendet werden. Er ist aber bedeutend besser als der anderer afrikanischer Ficusarten. Nach den Angaben verschiedener Reisenden wird aus der Ficus Vogelii in den Gebieten südlich des Niger viel Kautschuk bereitet. Ich habe selbst nie während meiner Reisen gesehen, daß Eingeborene aus dem reinen Milchsafte dieses Baumes Kautschuk anfertigten, noch habe ich von den Kaufleuten gehört, daß dieser minderwertige Kautschuk auch nur die geringste Rolle im Handel spielte. Daß häufig die Milch mit der der Kickxia elastica vermischt koaguliert wird und als reiner „Silk-Rubber“ in den Handel kommt, haben mir die Eingeborenen, welche doch derartige Fälschungen selbst vornehmen, wiederholt eingestanden. Ob der „Silk-Rubber“ durch diese Beimischung des Milchsaftes der Ficus Vogelii sehr leidet, habe ich nicht feststellen können, da ich keine Proben einer solchen Kautschukart gesehen. Die Kaufleute versicherten mir, daß sie mit Ausnahme grober Fälschungen an dem „Silk-Rubber“ nie Spuren gesehen haben, welche als derartige Milchsaftmischungen gedeutet werden könnten. Im Yoruba-Lande sowohl wie in unserer Kolonie Togo ist diese Ficusart sehr verbreitet, und daher wären leicht größere Quantitäten Milch zu erhalten. Es wäre daher wünschenswert, daß von seiten dort lebender Interessenten Versuche dieser Art unternommen werden würden. Ich konnte dieselben nicht ausführen, da mir im Yoruba-Lande wie in Togo keine Kickxiamilch, wenigstens nicht in der nötigen Quantität, zur Verfügung stand.

Ähnlich wie dieser Kautschuk von Ficus Vogelii ist der von einer bei Buea wachsenden Ficusart beschaffen, von der ich leiderkein Fruchtmaterial besitze. Die Art gehört offenbar auch in die Verwandtschaft des Ficus Vogelii. Auch der aus ihr gewonnene Kautschuk ist infolge seines Harzgehaltes sehr wenig elastisch und wenig klebrig und dürfte daher auch nur geringe Preise erzielen. Natürlich, zu Anlagen ausgedehnterer Art sind diese beiden Ficusarten nicht geschaffen, da das aus ihnen gewonnene Produkt in größeren Quantitäten auf dem europäischen Markte wohl schwerlich Absatz finden dürfte. Wenn eine Vermischung mit dem Milchsafte der Kickxien oder Landolphien zulässig wäre, würden die Arten allerdings an Bedeutung gewinnen, da sie große Mengen Milchsaft geben. Als Alleebaum ist die Ficus Vogelii für Plantagen schon seines dichten Schattens wegen zu empfehlen. Die Buëa-Ficusart habe ich nur epiphytisch auf Bäumen angetroffen, doch beweisen Exemplare, welche ich nach Victoria brachte, daß auch sie im reinen Boden gedeihen würde. Für Kamerun scheint sich Ficus Vogelii dagegen nicht zu eignen. Das Klima scheint ihr zu feucht zu sein. Einige Stecklinge, welche ich von Lagos nach Victoria überführte, siechten, obgleich sie anfangs ganz gut anwuchsen, allmählich dahin. Auf Ficus elastica, welche auch in Kamerun angepflanzt ist, werde ich weiter unten Gelegenheit haben, näher einzugehen.

Als zuerst der Silk-Rubber von Lagos bekannt wurde, von dem es hieß, daß er von einem Baume herrühre, gelang es nach vielen Bemühungen, als Stammpflanze dieses Produktes die Kickxia zu ermitteln. Anfangs glaubte man stets, es hier mit der Kickxia africana zu thun zu haben. Bald aber wurden Behauptungen laut, daß die als Kickxia africana vonBenthambeschriebene Pflanze keinen Kautschuk gebe. Diese Behauptung wurde von Dr.Preußsowohl wie von MonsieurChalot, dem Direktor des botanischen Gartens zu Gabun, bestätigt. Trotzdem wurde von englischer Seite noch stets behauptet, daß die Kickxia africana im Hinterlande von Lagos sowohl wie in der Gold-Coast-Colony guten Kautschuk liefere. Als ich damals aufgefordert wurde, die Kautschuk-Expedition zu führen, sollte eine der Aufgaben der Expedition sein, diese Frage endgültig zu lösen. Da, im Januar 1899, etwa 10 Tage vor meiner Abreise von Europa, traf Dr.Preußaus Kamerun ein mit der Nachricht, daß er die Frage bereits gelöst habe. Am Mungo in Kamerun habe er die Kautschuk liefernde Kickxia gefunden und feststellen können, daß dieselbe spezifisch von der Kickxia africana verschieden sei; die Früchte sowohl wie die Blätter seien verschieden. Nun konnte auch festgestellt werden, daß die bisherigen Abbildungen der Kickxia africana falsch seien. Man hatte gewöhnlich die Früchte der Kautschuk liefernden Art zusammen mit Zweigen und Blättern der Kickxia africana abgebildet. Dr.Preußbeschrieb dann imJuli-Hefte des Notizblattes des Königlichen Botanischen Gartens zu Berlin noch in demselben Jahre die von ihm neu entdeckte Kickxia als Kickxia elastica und gab zugleich eine gute Beschreibung der beiden anderen bekannten Arten, der Kickxia africana Benth. und Kickxia latifolia Stapf, welch letztere besonders der Kickxia elastica nahe steht. Herr Dr.Stapfvom Kew Herbarium wies bald darauf hin, daß die afrikanischen Kickxiaarten nicht mit der vonBlumeaufgestellten Gattung Kickxia kongenerisch seien, wieBenthamglaubte, als er die erste afrikanische Art, Kickxia africana, beschrieb. Auf Grund einer Anzahl von ihm im Kew Bull. näher ausgeführten Merkmale trennte Dr.Stapfdie afrikanischen Kickxiaarten ab und stellte die neue Gattung Funtuma auf, mit den drei Arten: F. africana, F. latifolia und F. elastica. Den Namen Funtuma leitete er von dem Namen der Fantis für die Kickxia „ofuntum“ ab. Wenngleich ich mit Herrn Dr.Stapfvollständig darin übereinstimme, daß die afrikanischen Arten von der malayischen Gattung Kickxia generisch verschieden sind, so habe ich dennoch in dieser Arbeit wie in meinen Berichten den Namen Kickxia beibehalten, da die Pflanze unter diesem Namen schon weit bekannt ist, während selbst in wissenschaftlichen Kreisen der Name Funtuma wenig Verbreitung gefunden hat.

Was nun die geographische Verbreitung der drei Kickxiaarten anbelangt, so ist Kickxia africana von Liberia an nach Osten vorgehend in den Wäldern bis Kamerun zu finden, von wo aus sie dann bis in das Gabun-Gebiet nach Süden vordringt. Kickxia latifolia ist bisher nur aus dem Stromgebiete des Mittelcongo und seiner Nebenflüsse bekannt. Die weiteste Verbreitung scheint Kickxia elastica zu haben. Ihr Verbreitungsgebiet scheint mit dem der Kickxia africana im Norden zusammenzufallen. Nach Süden aber dehnt es sich bis in die äußerste Südostecke des Kamerun-Gebietes am Sanga und Ngoko aus. Auch im Gabun-Gebiete in den Hinterländern von Corisko-Bai soll es letzthin geglückt sein, diese Art festzustellen. Im Congo-Gebiete sollen am Mungala-Flusse auch Kickxiabestände vorhanden sein, aus denen ein guter Kautschuk gewonnen wird, doch bedarf dieses Gerücht noch der Bestätigung. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, daß es sich in dem Falle um eine andere Art handelt als um Kickxia elastica. In Ostafrika soll in letzterer Zeit auch eine Kickxia aufgefunden worden sein, doch habe ich Exemplare dieser Art noch nicht zu Gesicht bekommen.[1]Auffallend in der geographischen Verbreitung der Kickxia elasticaist der Umstand, daß es bis jetzt noch nicht gelungen ist, sie in Togo südlich von dem Kratschi-Distrikte nachzuweisen. Ob die bei Kratschi von dem Herrn GrafenZechaufgefundene Kickxia wirklich zu Kickxia elastica zu rechnen ist, kann erst festgestellt werden, wenn Blüten vorliegen. Die an das Berliner botanische Museum gesandten Zweige, welche ich gesehen habe, enthalten weder Blüten noch Früchte.

Von den drei Kickxiaarten, welche somit bis jetzt aus Afrika bekannt geworden sind, enthält nur die Kickxia elastica einen Milchsaft, aus dem guter Kautschuk gewonnen werden kann. Das aus der koagulierten Milch der anderen beiden Arten gewonnene Produkt ist infolge seines sehr großen Harzgehaltes und seiner Klebrigkeit nur wie die Ficussäfte verwendbar, auf welche ich bereits oben aufmerksam gemacht habe.

Die einzigen Versuche, festzustellen, wie viel Milchsaft eine Kickxia im Jahre geben kann, dürften wohl diejenigen sein, welche ich am Ngoko unternahm, als es mir gelungen, daselbst ganze Bestände dieses wichtigen Baumes aufzufinden. Ich ließ damals einen etwa siebenjährigen Stamm von einem Fanti anzapfen, welcher ein sehr geschickter Kautschuksammler war und schon von seiner Heimat her die Kickxia sehr wohl kannte. Die Anzapfung geschah in der rohesten Art, doch so, daß die Cambiumschichten unter der Rinde des Stammes nicht beschädigt wurden. Der Ertrag war ein solcher, daß ich damals meine kühnsten Hoffnungen übertroffen sah. Es gelang, nicht weniger als gegen 3400 ccm Milchsaft von dem einen Baume zu gewinnen, aus denen sich gegen 2000 g Kautschuk herstellen ließen. Auf 150 ccm Milchsaft erhielt ich im Ngoko-Gebiete stets etwa 90 g frischen Kautschuks. Durch gutes Austrocknen dieses Produktes würden etwa noch 20% Wasser entfernt werden, so daß man aus 150 ccm Milchsaft 70 g guten Kautschuks erhalten würde. Auf der Reise nach Europa geht durch Oxydation und sonstige Schäden davon natürlich noch einiges verloren, doch wäre dennoch der Gewinn als ein recht vorteilhafter zu bezeichnen. Durch vorsichtigeres, wiederholtes Anzapfen wäre es nicht unmöglich, jährlich eine ebenso große Menge Milchsaft zu gewinnen, ohne dem Baume dadurch besonderen Schaden zuzufügen. Der von dem Fanti damals angezapfte Stamm, der allerdings vorher noch vollständig unversehrt war, hatte, als ich die Ngoko-Station etwa 1½ Monate später verließ, noch dasselbe gesunde Aussehen wie vorher. Ich muß allerdings hier hinzufügen, daß die Zeit infolge häufiger Regen für das fernere Gedeihen des Baumes günstig gewesen war. Um zu sehen, wie viel Latex die Leute täglich einzusammeln im stande sein würden, schickte ich zwei Leute aus. Dieselben brachten nachetwa neunstündiger Abwesenheit so viel Milchsaft ein, daß ich aus ihm etwa 2500 g Kautschuk anfertigen konnte.

Kickxia africanaBth.A Blühender Zweig, B Kelchblatt von innen, C Längsschnitt durch die Blüte, D Antheren, E Fruchtknoten mit Griffel, F Frucht, G dieselbe im Querschnitt, H dieselbe aufgesprungen, J Samen, K Samenquerschnitt.

Kickxia africanaBth.

A Blühender Zweig, B Kelchblatt von innen, C Längsschnitt durch die Blüte, D Antheren, E Fruchtknoten mit Griffel, F Frucht, G dieselbe im Querschnitt, H dieselbe aufgesprungen, J Samen, K Samenquerschnitt.

Über die Schnelligkeit des Dickenwachstums der Kickxia liegen bestimmte Angaben bis jetzt nicht vor. Ich habe versucht, einiges darüber festzustellen, konnte natürlich aber nur zu mehr oder minder vagen Vermutungen kommen. Unter den Leuten des Herrn Oberleutnant Dr.Plehnwar es auch nur jener Fanti, welcher sich schon vorher in seiner Heimat mit Einsammeln von Kickxia-Kautschuk abgegeben hatte. Von diesem hörte ich, daß etwa sechsjährige Stämme anzapfbar seien und etwa zehnjährige beim ersten Anzapfen den reichsten Ertrag lieferten. Das Alter der Anzapfungsfähigkeit stimmte mit meinen Vermutungen überein; erstaunt war ich dagegen über die Mitteilung, daß ältere Bäume allmählich ganz aufhören sollten, Kautschuk zu liefern. Sowohl den Angaben, welche ich im Yoruba-Lande gesammelt, wie meinen eigenen Beobachtungen in der Ngoko-Region widersprach dieses entschieden. Die vier- bis fünfjährigen Stämme von Kickxia africana, welche ich auf derKüderlingschen Plantage bei Campo gesehen habe, die aber wohl infolge zu starker Sonne sich mehr buschartig entwickelt hatten, hatten trotzdem Hauptstämme von einem halben Fuß Durchmesser. Wenn man nun bedenkt, daß durch die unzähligen Seitenstämme und Zweige ein großer Teil der Wachstumskraft vom Hauptstamme abgelenkt wird, so ist wohl anzunehmen, daß bei regulärer Entwickelung die Stämme in diesem Zeitraum bedeutend dicker sein dürften. Hevea brasiliensis, eine Pflanze, welche auch anfangs mehr Längen- als Dickenwachstum aufweist, hat, nach den Exemplaren im botanischen Garten zu Victoria zu urteilen, auch nach fünfjährigem Wachstum schon recht ansehnliche Stämme gebildet. Ein solches Wachstum, wie ich es auf der Campo-Plantage bei den drei bereits früher erwähntenelf Monate alten Bäumchenvon Kickxia elastica gesehen und hier abgebildet habe, dürfte allerdings nicht normal sein, doch beweist es, welche Wachstumskraft in der Pflanze steckt, sobald sie unter günstigen Verhältnissen aufwachsen kann.

Nach den Erfahrungen, welche uns jetzt betreffs Anlagen von Kickxia-Plantagen zu Gebote stehen, und das sind allerdings nur sehr geringe, scheint es, als ob die Pflanze durch Auspflanzen aus den Samenbeeten bedeutend leidet, und daher wäre es sehr wünschenswert, daß, sobald genügend Samen zu beschaffen sind, auch Versuche gemacht werden sollten, die Pflanze sogleich an Ort und Stelle auszusäen, ähnlich wie es jetzt auf vielen Kakaoplantagen mit der Kakaosaat gemacht wird. Die Pflanzen würden so nicht durch Verpflanzen in ihrem Wachstum gestört werden und schon früher genügend festen Fuß fassen, um besser äußeren Einflüssen Widerstand leisten zu können.

Was die Anzapfungsmethoden für Kickxia anbetrifft, so sind in den Ländern, wo dieser Baum ausgebeutet wird, bis jetzt nur zwei Arten der Gewinnung des Milchsaftes bekannt. Die eine derselben, das Umschlagen der Bäume, ist natürlich von vornherein verwerflich. In den Ländern, wo dieses geschieht, also hauptsächlich bei den Völkern im Osten und Nordosten des Kamerun-Gebirges um den Barombi-See herum, werden die Stämme umgeschlagen und mehr oder minder ihrer Kronen beraubt. Durch untergeschobene Steine oder Holzblöcke wird dann der gefällte Stamm ein wenig über den Boden gehalten und in mehr oder minder großen Abständen (gewöhnlich von etwa einem Fuße) werden quer um den Stamm herum Ringe ausgeschnitten. Der infolge dieser Verwundungen austretende Milchsaft wird in den unter den Ringen aufgestellten Gefäßen aufgefangen. Natürlich bleibt bei dieser Methode eine große Menge von Milchsaft in der dem Stamm noch anhaftenden Rinde zurück, und selbst durch nochmaliges Anzapfen der unversehrten Teile kann nur ein geringer Teil desselben herausgezogen werden. Natürlich ist diese Art von Raubbau, bei welcher auf Kosten einer unzureichenden einmaligen Anzapfung ein ganzer Stamm getötet wird, die verwerflichste Art der Kautschukgewinnung, welche bekannt ist, und daher wäre es sehr wünschenswert, wenn von seiten der Regierung Schritte gegen ein derartiges unverantwortliches Vorgehen seitens der Kautschuksammler gethan und eventuell durch strenge Strafen die an den Tag kommenden Fälle dieser Art von Ausbeutung der in unseren Kolonien vorhandenen Schätze gerügt würden. Schon Dr.Preußhat vor einigen Jahren darauf aufmerksam gemacht, daß der Kautschukbaum in der Nähe der Barombi-Station infolge dieser rohen Art der Gewinnung des Produktes fast gänzlich verschwunden sei. Ich weiß sehr gut, daß mir auf meinen Vorschlag geantwortet werden könnte, daß ein solches Vorgehen seitens der Regierung noch nicht möglich wäre, weil nicht genügend Europäer im Lande seien, um die Aufsicht über die Eingeborenen zu führen. Das ist aber kein Grund, das Verbot des Abschlagens der Kickxiastämme nicht zu erlassen, denn wenn ein solches nicht existiert, ist ein jeder Neger berechtigt, öffentlich in frevelhafter Weise die Bäume zu töten, während im anderen Falle bei den eventuell zu Tage kommenden Fällen durch die Bestrafung der Übelthäter ein Exempel statuiert werden würde, das auf die Negerbevölkerung jener Gebiete nicht ohne Eindruck bleiben würde.

Die andere, jetzt schon weit verbreitete Anzapfungsmethode bei den Kickxien ist die aus Amerika stammende Methode des Grätenschnittes. Um die schlanken Stämme der Kickxia ersteigen zu können, bedienen sich die Fantis eines ebenso praktischen wie vorzüglichenKletterapparates. Derselbe besteht aus zwei Ringen, von denen der eine den Oberkörper des Hinaufkletternden und den Baumstamm zugleich umspannt, der andere aber nur um den Stamm geschlungen wird. Von beiden hängen in ungleicher Höhe gewissermaßen Steigbügel herab, welche zur Sicherheit als Ruhepunkt für die Füße dienen. Durch abwechselndes Emporschieben dieser beiden Ringe und der daran befindlichen Steigbügel erklettert der Fanti mit bedeutender Geschwindigkeit selbst hohe Baumstämme, sofern er im stande ist, mit seinen Ringen dieselben zu umspannen. Oben beginnend, wird zum Zwecke des Grätenschnittes zunächst eine Längsrinne aus der Rinde ausgeschnitten, in welche dann die verschiedenen zu beiden Seiten der Längsrinne aufsteigenden, den Stamm von jeder Seite halb umspannenden Querrinnen einmünden. Wenn man sich diese Rinnen plastisch dargestellt denken würde, so erhielte man also etwa das Bild eines Rückgrates mit den Rippen. In einem dicht oberhalb des Grundes des Baumstammes angebrachten Gefäße wird dann die Milch aufgefangen. Da die Eingeborenen beim Einschneiden der Rinnen in die Rinde meist nicht vorsichtig genug zu Werke gehen und daher die unter der Rinde liegenden Cambiumschichten versehren, gehen viele Exemplare der Kickxia schon nach einmaligem Anzapfen zu Grunde. Die Instrumente, welche ich mitgenommen hatte, d. h. die Messer und Äxte, auf welche ich die Blechhülsen aufsetzen konnte, um ein zu tiefes Eindringen der Schneide in die Rinde zu verhüten, bewährten sich daher sehr gut. Es ist allerdings bei Stämmen verschiedenen Alters nötig, diese Schneiden zu ändern, da die jüngeren Bäume eine dünnere Rinde haben als die älteren.

Eine dritte Methode, welche allerdings bis jetzt meines Wissens nicht versucht worden ist, aber empfehlenswert erscheint, ist die Pickiermethode. Ich konnte persönlich in dieser Hinsicht nur schwache Versuche machen, da sich der Pickierapparat, welchen ich mitgenommen, an der zähen Kickxiarinde als zu schwach erwies. Da schon bei Stichen von geringer Tiefe der Saft reichlich fließt, könnte man durch wiederholtes Pickieren jährlich eine nicht unbedeutende Menge Kautschuk gewinnen, ohne den Baum ernstlich zu verletzen. Der am Stamme herunterlaufende Milchsaft könnte, wie es beim Gewinnen des Para-Milchsaftes häufig gehandhabt wird, unten am Stamm durch eine Lehmrinne aufgefangen und in ein Gefäß hineingeleitet werden. Das am Stamm koagulierte Produkt müßte dann natürlich extra abgewickelt werden. Geschieht diese Art der Ausbeutung jährlich verschiedene Male, so dürfte sich wohl eine gute Ernte erwarten lassen, ohne daß der Baum in seinem Wachstum empfindlich gestört werden würde. Das Anzapfen der horizontalabstehenden Äste dürfte mit größeren Schwierigkeiten verknüpft sein, als das der senkrechten Stämme, und es werden sich in diesem Falle wohl keine anderen Methoden ausfindig machen lassen, als das Auffangen des Milchsaftes in darunter aufgehängte Gefäße. Zu diesem Zwecke würde es am vorteilhaftesten sein, in gewissen Abständen die Äste zu verwunden und unter jeder dieser Anzapfungsstellen ein Gefäß zum Auffangen des Milchsaftes anzubringen. Wie ich schon weiter oben angab, enthalten die noch nicht verholzten Teile der Kickxia elastica keinen Milchsaft, aus dem sich brauchbarer Kautschuk bereiten läßt. Es kommen beim Anzapfen der Äste und Zweige daher also nur die älteren in Betracht. An etwa senkrecht stehenden Ästen ließen sich natürlich auch die an den Stämmen praktizierten Anzapfungsmethoden zur Anwendung bringen.

Die Umwandlung des gewonnenen Milchsaftes in Kautschuk kann in verschiedener Weise betrieben werden. Nach den von mir selbst im Sanga-Ngoko-Gebiete erprobten Methoden dürfte sich das Kochen der Milch am besten empfehlen lassen. Zu diesem Zwecke müßte man sich irdene Gefäße anschaffen, da an den Metalltöpfen die sehr bald anhaftende Milch leicht anbrennt und dann eine schnelle Oxydation des Kautschuks zur Folge haben würde. Nachdem die zu koagulierende Milch, um ein zu schnelles Kochen und Anbrennen zu verhüten, mit der drei- bis sechsfachen Menge Wasser vermischt worden ist, muß sie in den irdenen Töpfen unter einem nicht zu scharfen Feuer langsam zum Kochen gebracht werden. Sobald sich dann ein zartes Häutchen auf der Oberfläche der kochenden Flüssigkeit bildet, muß sie stets durch Rühren in Bewegung gehalten werden, damit sich keine koagulierenden Teile an dem heißen Topf ansetzen können und daselbst anbrennen. Bald wird sich die Flüssigkeit in ein helles, milchiges Wasser und eine schneeweiße, flockige Masse gesondert haben, welche man nun behufs Abkühlung in ein Bassin mit kaltem Wasser wirft. Durch weiteres Kochen des Rückstandes wird sich derselbe infolge weiterer Koagulation allmählich klären und noch weitere Partikel der flockigen Masse absondern, die dann der bereits entfernten hinzugefügt oder für sich gehalten werden können, da sie gewöhnlich ein offenbar weniger gutes, wenn auch noch vorzüglich verwendbares Produkt darstellen. Sind die flockigen Massen genügend durchgekühlt, so werden sie am besten möglichst stark zusammengepreßt und in wurstähnliche Formen ausgezogen, wodurch die größte Menge des noch eingeschlossenen Wassers ausgepreßt und somit ein gleichmäßiges Material erzeugt wird. Nachdem so aus dem Kautschuk das Wasser soweit als möglich entfernt ist, werden jene wurstähnlichen Stücke zerschnitten und sollten dann eine geraume Zeit ausgetrocknet werden, ehe sie nach Europa verschifft,werden. Wenn es sich um Ausbeutung von Plantagen handelt, wo man dann größere Quantitäten Kautschuks zur Zeit anfertigt, wäre es vielleicht sehr praktisch, nachdem die erkaltete Masse in Kuchenform gepreßt ist, dieselbe behufs besserer Entwässerung durch eine Walze gehen zu lassen und dann die dadurch entstehenden Kautschukfelle hängend zu trocknen. Je dünner dann diese Felle hergestellt würden, desto schneller und besser würden sie natürlich durchtrocknen und dadurch die Güte des Kautschuks bedeutend erhöht werden, und desto besser würde sich der Kautschuk bei seiner Verschiffung nach Europa halten.

Ob es angebracht ist, beim Kochen etwaige Koagulationsmittel, wie den Saft der Bossassangapflanze, oder Säuren hinzuzufügen, muß später die Praxis lehren. Die von mir nach Zusatz derartiger Koagulationsmittel angefertigten Proben unterschieden sich an Güte in keiner Weise von denjenigen, welche einfach durch Kochen hergestellt worden waren. Bei meinen Versuchen fand ich dagegen, daß es besser sei, möglichst viel Wasser der Milch beizusetzen, bevor sie gekocht wird. Der Kautschukgehalt bleibt ja dessenungeachtet in der Masse derselbe, und die koagulierenden Kautschukflocken sind weniger der Gefahr ausgesetzt, anzubrennen.

Eine zweite Methode der Bereitung des Kickxia-Kautschuks, welche sich vielleicht bewähren dürfte, ist die folgende: Auf möglichst große Schalen, welche von unten gleichmäßig warm gehalten werden könnten, gieße man die Kautschukmilch aus und lasse die darin enthaltenen Wassermengen allmählich verdunsten. Natürlich dürfen diese Schalen nie derartig erhitzt werden, daß sie die Milch zum Kochen bringen würden, da sonst sofort der sich bildende Kautschuk verbrennen würde. Auch in dieser Weise würde man dünne Kautschukfelle erhalten, welche dann schnell durchgetrocknet werden könnten.

Dieser letzteren ist eine Methode verwandt, für welche sich insofern einiges sagen läßt, da nur wenig Arbeitskräfte dazu nötig sind, doch ist sie ebenso wie die eben beschriebene langwieriger als die des Einkochens der Milch. Ein größeres Gefäß mit trichterförmigem Boden, welcher durch einen Abflußhahn geöffnet werden kann, fülle man mit der frischen Kickxiamilch und lasse es dann einige Tage ruhig stehen. Nach etwa acht Tagen werden sich dann die in der Milch enthaltenen Kautschukkügelchen nach der Oberfläche der Flüssigkeit zusammendrängen, und allmählich kann man das am Grunde des Gefäßes fast reine Wasser durch das verschließbare Abzugrohr herausfließen lassen, so daß man nach etwa zwei Wochen nur die mehr oder minder zusammenhängende Kautschukmasse zurückbehält, welche dann durch Pressen von dem größerenTeile der sich darin noch befindenden Wassermengen befreit werden kann. Die sich zuerst an der Oberfläche bildende Kautschukhaut scheint einen großen Teil der Kautschukharze zu enthalten und könnte deshalb, vielleicht gesondert, als andere Qualität in den Handel gebracht werden. Leider ist es ohne Laboratorium nicht möglich, in Westafrika die Berechtigung dieser meiner Vermutung zu prüfen und festzustellen, wie weit die Kautschukmasse von Harzen befreit ist, nachdem die sich zuerst bildende obere Schicht entfernt worden ist. Auch mit Wasser kann man die Milch verdünnen, doch scheint dadurch das Abscheiden der Kautschukkügelchen nicht eher vor sich zu gehen.

Während meines Aufenthaltes auf der Ngoko-Station in Südost-Kamerun machte ich auch Versuche, Kickxia-Kautschuk nach der Para-Räuchermethode herzustellen. Ich ließ mir zu diesem Zwecke aus hartem Holze eine ruderförmige Spatel anfertigen, ähnlich wie sie in Para gebräuchlich ist. Leider standen mir damals keine Palmennüsse zur Verfügung, so daß ich gezwungen war, über einem einfachen Holzfeuer die Räucherversuche zu machen. Dieselben fielen durchaus nicht zu meiner Zufriedenheit aus. Die Milch der Kickxia koaguliert offenbar zu langsam, um sich für diese Methode zu eignen. Ich war trotz eifriger Arbeit nach mehreren Stunden erst im stande, eine kaum 4 mm dicke Kautschukschicht um die Spatel herumzulegen. Die Eingeborenen, welche ich dann mit dieser Arbeit betraute, hatten schon gar keine Lust dazu, da eine solche mühsame Methode ihnen von Natur aus zuwider ist. Selbst wenn man die Leute zu dieser Arbeit fände, dürfte sich doch das Resultat in kein Verhältnis zu dem Kostenaufwand an Arbeitermaterial stellen. Es ist wissenschaftlich interessant, daß sich der Kickxia-Kautschuk in dieser Weise anfertigen läßt und auch von brauchbarer Qualität ist, doch befürchte ich, daß wir uns mit diesem Resultat zufriedenstellen müssen. Nach meinen Erfahrungen ist also diese Methode für Westafrika nicht angebracht. Ob eventuell über einem Feuer von Palmennüssen ein besseres Resultat herbeigeführt werden kann, muß ich noch dahingestellt sein lassen, doch glaube ich, daß ein solches auch nicht besonders zu einer schnelleren Koagulation führen wird, da die Kickxiamilch, abweichend von den Milchsäften der meisten anderen Kautschukarten, gegen Einfluß von den gewöhnlichen Koagulationsmitteln vollständig unverändert bleibt, solange nicht ein gewisser Wärmegrad hinzutritt.

Um auch dieBiffensche Centrifugiermethode anwenden zu können, hatte ich auf der Expedition eine kleine Rahm-Centrifuge mitgeführt. Mit dieser Centrifuge stellte ich auf der Ngoko-Station auch Versuche an. Ich fand, daß sich die Kickxiamilch leicht centrifugieren läßt, abernur bis zu einem gewissen Grade. Man hatte die sich oben an den Tuben sammelnde flockige Masse stets wieder zu entfernen, um eine einigermaßen gute Scheidung der Kautschukkügelchen zu erzielen, und dennoch enthielt schließlich der Rückstand noch so viel Kautschuk, daß ich gezwungen war, die letzten Reste durch Kochen auszuziehen. Man hatte also trotz langwieriger Arbeit nachher noch die zuerst geschilderte Methode zu wiederholen, um das zu erreichen, was man durch Abkochen in wenigen Minuten erreicht hätte. Es scheint also, als ob das Centrifugieren praktisch von geringem Werte und nur als wissenschaftliches Experiment interessant ist, da durchaus nicht alle Milchsäfte durch Centrifugieren in dieser Weise sich behandeln lassen. Ich muß hier allerdings erwähnen, daß meine Centrifuge zu klein war, um Experimente in größerem Maßstabe zuzulassen, doch ist kaum zu erwarten, daß hier, wo sich die Koagulation in dieser Weise nicht einmal im kleinen lohnt, eine solche in größerem Maßstabe betrieben, zu anderen Resultaten führen würde.

Aus dem oben Gesagten scheint also hervorzugehen, daß die Methode des Einkochens der Kickxiamilch zur Koagulation derselben die empfehlenswerteste ist. Ich würde ihr jedenfalls vor jeder anderen den Vorzug geben. Inwieweit die Methode des Eintrocknens sich bewähren wird, müssen weitere Versuche feststellen.

Ich habe bereits wiederholt Vorschläge über Anlagen von Kickxiaplantagen und deren Instandhaltung gemacht und bin stets dafür eingetreten, daß man möglichst bald dieser Frage nähertreten solle. Es ist mir ja gelungen, im Victoria-Gebiete in Kamerun einige Plantagenleiter für eine solche Unternehmung günstig zu stimmen und sie zur Inangriffnahme des Planes zu bewegen. Doch bis jetzt sind solche Pflanzungen nur am Kamerun-Gebirge entstanden, obgleich die Regionen südlich des Kamerun-Flusses für derartige Unternehmungen auch durchaus günstig, wenn nicht sogar infolge ihres weniger schweren Bodens noch günstiger sind. Jedenfalls müßte das Projekt eine viel weitere Verbreitung finden.

Da bis jetzt das Beschaffen großer Quantitäten von Samen noch immer mit einigen Schwierigkeiten verknüpft ist, so hatte ich bisher vorgeschlagen, dieselben erst in Saatbeeten auszusäen, damit möglichst wenig verloren gehen können; doch wenn wir erst Verbindungen besitzen, durch welche die Samen in größeren Quantitäten leicht zu erhalten sind, so wäre es vielleicht ratsam, an Ort und Stelle einige derselben auszusäen, um dann die kräftigste Pflanze der aufgegangenen stehen zu lassen, die anderen könnten dann ja zum Ausfüllen etwaiger Lücken verwendet werden. Sind die Pflanzen in Saatbeeten ausgesät, so müssen sie, anfangs beschattet,in denselben verbleiben, bis sie vier bis sechs Blättchen entwickelt haben. Dann könnten sie im Walde ausgepflanzt werden. Um den Pflänzchen in ihrer Jugend genügend Luft und Licht angedeihen zu lassen, muß der Wald zu diesem Zwecke etwas gelichtet, d. h. das Unterholz und die jüngeren Stämme, soweit sie mit wenigen Axtschlägen zu fällen sind, entfernt werden. Eine solche Lichtung des Waldes zum Zwecke von Kickxiaplantagen würde also nicht mit sehr großen Kosten verknüpft sein. Zusammen mit HerrnStammler, dem Leiter der Moliwe-Pflanzung, berechnete ich die dadurch entstehenden Unkosten. Er hatte gefunden, daß er mit fünfzig guten Arbeitern in der oben vorgeschlagenen Weise ein Hektar zur Aufnahme der jungen Pflänzchen in einem Tage herrichten konnte. Da er zu diesem Zwecke die teuren Togo-Arbeiter verwendet hatte, welche alles in allem 1,35 Mk. pro Tag kosteten, so würden sich die Ausgaben für die Arbeiter selbst auf 67 Mk. 50 Pf. belaufen. Da zur Aufsicht dieser Arbeiter ein Europäer nötig ist, der einschließlich seiner Beköstigung ungefähr 12 Mk. pro Tag kosten würde, so ergäbe sich als Endresultat eines Kostenanschlages für die Lichtung eines Hektars die Summe von 79 Mk. 50 Pf., also rund 80 Mk. In Abständen von etwa fünf Metern könnten die Pflänzchen in den so gelichteten Wald eingepflanzt werden, da die Kickxia ein Baum ist, der nur eine kleine aufrechte Krone besitzt. Es wäre vielleicht sehr angebracht, wenn man die einzelnen Samen in tütenförmig aufgerollte, mit Erde gefüllte Kakaoblätter oder in kleine Körbchen aus Ölpalmen-Blattfiedern, in deren Anfertigung die Eingeborenen eine große Geschicklichkeit besitzen, aussäen würde, in denen sie dann an Ort und Stelle übertragen werden könnten, sobald sie das nötige Alter erreicht haben. Da das Kakaoblatt oder das Körbchen aus Palmen-Blattfiedern im Boden bald verfaulen würde, würden die Wurzeln keinen Widerstand an der ehemaligen Wandung finden und somit gar keine Wachstumsstörung eintreten. Bei Kakao habe ich diese Methode mit großem Erfolge zur Anwendung bringen sehen. HerrStammlerteilte mir mit, daß zum Bepflanzen eines Hektares des so gelichteten Waldes auch wieder fünfzig Leute unter Aufsicht eines Europäers einen Tag thätig sein würden. Die Bepflanzungskosten würden sich mithin also auch auf 79 Mk. 50 Pf., also rund 80 Mk. belaufen. Ein eben mit Kickxia elastica bepflanzter Hektar würde somit also eine Auslage von 159 bezw. 160 Mk. erfordern. Da bei einem Abstande von fünf Metern auf einem Hektar Landes 400 Pflänzchen stehen würden, so würde eine Pflanze 40 Pf. kosten. Wenn man bedenkt, welche riesigen Unkosten das Urbarmachen des Landes bei Anlage einer Kakaoplantage erfordert, da nur ein verhältnismäßig kleiner Teil derstärkeren Urwaldbäume stehen bleiben kann, so ist es leicht erklärlich, daß eine Kakaopflanze, an Ort und Stelle ausgepflanzt, bedeutend mehr kosten muß. Bis die so ausgepflanzten Kickxien eine genügende Stärke erreicht haben, um sich selbst überlassen zu werden, d. h. bis zu Beginn ihres dritten Lebensjahres, müßte die Pflanzung in der Nähe der jungen Bäumchen genügend rein gehalten werden, damit dieselben nicht von den aufsprießenden Unkräutern überwuchert und erstickt werden. In einem nur mäßig gelichteten Urwalde wird der Kampf gegen etwa aufsprießende Unkräuter ein nicht so schwieriger sein als in einem offenen, sonnigen Terrain, daher dürfte eine Reinigung der Plantage nur drei- oder viermal im Jahre nötig sein. Also auch hier wären die Unkosten nur geringe, denn zur Reinigung des Hektars würden nach HerrnStammleretwa zehn Leute einen Tag lang beschäftigt werden müssen.

Vorausgesetzt nun, daß der Baum erst nach sechs Jahren angezapft werden kann, so stände der Bruttoertrag desselben, wenn er nur ein Kilo Kautschuk lieferte, in einem so hohen Verhältnisse zu den geringen Ausgaben, daß man die Kickxiakultur nur als eine ungeheuer lohnende bezeichnen könnte.

Wenn wir dann erst einmal so weit gekommen sind, daß wir in den Plantagen Kautschuk gewinnen können, dann werden sich auch noch viele Verbesserungen in der rationellen Anzapfungsmethode der Bäume und in der Bereitung eines guten Kautschuks finden, denn dann können an Ort und Stelle wichtige Versuche gemacht werden, für welche der Reisende nicht genügend Zeit hat.

Ich möchte gerade die Kickxia zum Anbau in Westafrika besonders empfehlen, da sie im Lande heimisch ist und deshalb sicher mehr Aussicht auf Erfolg zu bieten scheint, als die verschiedenen Kautschukbäume anderer Erdteile.

Bei Gelegenheit der Schilderung meiner Togo-Reise habe ich bereits des Manihot Glaziovii Erwähnung gethan und Vorschläge für seine Anpflanzung gemacht. Die Pflanze ist meiner Ansicht nach mit Unrecht in letzterer Zeit häufig als wertlos bezeichnet worden. Wenn sie nur richtig angepflanzt und ausgebeutet wird, dann wäre eine größere mit Manihot Glaziovii bedeckte Fläche eine durchaus nicht zu verachtende Besitzung, welche sicher mehr einbringen dürfte, als viele der afrikanischen Kaffeeplantagen, deren Unterhaltung ganz bedeutende Kosten verursacht. Ich möchte hier noch einmal betonen, daß ich nur dann für die Anpflanzung des Manihot Glaziovii eintrete, wenn diese sowohl wie das Abernten der Bestände in der von mir vorgeschlagenen Weise betrieben wird. Sobald die Anlage größere Kosten verursacht, kann ManihotGlaziovii nicht als Kulturpflanze in Betracht kommen, denn bei den geringen Mengen Kautschuk, welche der Baum liefert, würde sich ein regelrechter Plantagenbetrieb nie lohnen. Für die sehr regenreichen Gebiete am Kamerun-Gebirge würde ich den Baum, welcher in seiner Heimat eine Steppenpflanze ist, nicht empfehlen. In den Gegenden, wo, wie z. B. in den Steppen Togos, die Eingeborenen alljährlich das Gras niederbrennen, müßten die Brände natürlich in der Nähe solcher Manihotbestände verboten und im Falle der Übertretung die den Brand verursachenden Eingeborenen bestraft werden. Überhaupt wäre es sehr wünschenswert, daß diese vollständig nutzlosen Grasbrände, die besonders in Togo, wo schon an und für sich die Bewaldung des Gebietes eine sehr spärliche ist, in den Baumbeständen riesige Verheerungen anrichten, verboten oder doch bedeutend erschwert würden. Es wäre doch ein großer Triumph europäischer Kultur, wenn es uns gelänge, die sonst vollständig wertlosen immensen Steppengebiete durch Bepflanzung mit nützlichen Gewächsen wertvoll machen zu können. Manihot Glaziovii ist eine Pflanze, die bei dieser Frage große Beachtung verdient. Auch in anderer Hinsicht wäre ein Bepflanzen der Steppen mit diesem Kautschukbaume von Wichtigkeit. Da bekanntlich der Baum ziemlich große Laubblätter besitzt, die, wenn sie herabfallen, allmählich den Boden mit einer Humusschicht überdecken würden, so würde mit der Zeit der Steppencharakter der mit diesem bepflanzten Gebiete vollständig verloren gehen und schon dadurch der Wert der Gebiete bedeutend erhöht werden.

Auch der Ficus elastica habe ich bereits Erwähnung gethan. Entgegen der Manihot Glaziovii haben wir in ihr eine Pflanze vor uns, welche zu ihrem Gedeihen einer feuchteren Atmosphäre bedarf. Dennoch ist es merkwürdig, daß die bisher in Kamerun vorhandenen Exemplare einen recht minderwertigen Kautschuk liefern, obgleich auch dort der Baum vorzüglich gedeiht. Sollte dieses etwa in der chemischen Zusammensetzung des Bodens liegen? Oder sollten die im Victoria-Garten vorhandenen Exemplare von einer bereits degenerierten Pflanze abstammen? Es wird nötig sein, um dieser Frage auf den Grund zu gehen, mit möglichst guten Spielarten neue Versuche zu machen. Schlagen auch diese nicht ein, dann dürfte wohl erwiesen sein, daß die Pflanze in Kamerun nur einen minderwertigen Kautschuk hervorzubringen im stande ist. Wie einige aus Kairo entstammende, von Herrn Prof.Schweinfurthangefertigte Proben beweisen, liefern die dort angezapften Bäume ein wirklich vorzügliches Produkt, das wohl mit den besten Penang-Qualitäten konkurrieren könnte. Sollten sich Spielarten dieser Ficus findenlassen, welche auch in Kamerun ein wirklich gutes Produkt erzeugen. so sollte mit ihrer Anpflanzung nicht gezögert werden.

Zur Zeit meiner Anwesenheit in Westafrika waren von Castilhoa elastica in Kamerun nur einige wenige, sehr junge Exemplare vorhanden, aus deren Alter natürlich gar nicht zu schließen war, ob sie sich gut bewähren würden oder nicht. Nach den letzthin von Kamerun eingetroffenen Nachrichten sollen sich die Exemplare sehr gut entwickeln. Inwieweit sich ein Kautschukertrag späterhin rentieren wird, muß natürlich der Zukunft überlassen werden zu entscheiden.

Im botanischen Garten zu Victoria standen die einzigen Bäume von Hevea, welche bereits anzapfbar waren. Der Boden, in dem diese Exemplare wuchsen, war ziemlich trocken, und diesem Umstande ist es wohl zuzuschreiben, daß die Stämme auffallend wenig Kautschuk gaben. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Pflanze in feuchterer Lage oder in höherem Alter, wie es sich in Ceylon zeigte, einen bedeutend besseren Ertrag bringen und sich dann bezahlt machen würde. Außerdem ist es noch nicht erwiesen, daß die in Victoria stehenden Bäume wirklich einer besseren Hevea-Art angehören, die auch in der Heimat größere Erträge liefert. Also auch über sie läßt sich, soweit Kamerun in Betracht kommt, noch nicht viel sagen.


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