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›Schön guten Tag! Ihr könnt vielleicht mir sagen,Wo man hier unterkommt. Soviel ich seh,Mag man getrost an jeder Türe fragen.Nur kein Hotel! Die Kellner – das Diner –Von weitem schon fasst mich geheimes Grausen.Nein – einfach Häuschen lieber, nah der See,Wo zu mir dringt der Wogen köstlich Brausen,Davor ein Plätzchen, wo man schreiben kann –Sonst sei es, wie es sei; so will ich hausen.‹Der biedere Alte sah mich schmunzelnd an,Zog langsam dann die Pfeife aus dem MundeUnd spuckte kräftig aus, eh' er begann:»Das ist hier alles frei schon in der Runde!Am schönsten möcht's ja dort im Giebel sein,Mit Seeblick. Gegenüber ist zur StundeDas Zimmer freilich noch besetzt, alleinIch hoff, das stört Sie nicht!« ›Das ist die Frage.Wer wohnt dort?‹ »Eine Dame.« ›Jung noch?‹ »Nein!Kein junges Mädchen!« ›Also alt – da trageIch doch Bedenken.‹ »Nein, auch noch nicht alt.«›Aha! so Mittelalter! Ob ich's wage?‹»Man merkt sie gar nicht, Herr! Vier Wochen baldIst sie nun hier; sie scheint wohl krank gewesenUnd bleibt tagsüber unsichtbar im Wald.Sie dauert mich beinah. Sie soll genesenUnd lebt so ganz allein.« ›Das kann nicht schaden.Wohl Witwe gar?‹ »Das nicht! Ich konnte lesen,Dass sie an ihren Gatten schrieb nach Baden.«›Nun gut! versuchen wir's! Doch war's gewagt,Auf Ihr Haupt will ich dann die Folgen laden.‹»Die nehm ich gern auf mich! Wenn's sonst behagt,Ich möchte wetten, dass der Herr sich wegenDer stillen schwarzen Dame nicht beklagt.Was ist an einer Fremden auch gelegen?«

›Schön guten Tag! Ihr könnt vielleicht mir sagen,Wo man hier unterkommt. Soviel ich seh,Mag man getrost an jeder Türe fragen.Nur kein Hotel! Die Kellner – das Diner –Von weitem schon fasst mich geheimes Grausen.Nein – einfach Häuschen lieber, nah der See,Wo zu mir dringt der Wogen köstlich Brausen,Davor ein Plätzchen, wo man schreiben kann –Sonst sei es, wie es sei; so will ich hausen.‹Der biedere Alte sah mich schmunzelnd an,Zog langsam dann die Pfeife aus dem MundeUnd spuckte kräftig aus, eh' er begann:»Das ist hier alles frei schon in der Runde!Am schönsten möcht's ja dort im Giebel sein,Mit Seeblick. Gegenüber ist zur StundeDas Zimmer freilich noch besetzt, alleinIch hoff, das stört Sie nicht!« ›Das ist die Frage.Wer wohnt dort?‹ »Eine Dame.« ›Jung noch?‹ »Nein!

›Schön guten Tag! Ihr könnt vielleicht mir sagen,Wo man hier unterkommt. Soviel ich seh,Mag man getrost an jeder Türe fragen.

›Schön guten Tag! Ihr könnt vielleicht mir sagen,

Wo man hier unterkommt. Soviel ich seh,

Mag man getrost an jeder Türe fragen.

Nur kein Hotel! Die Kellner – das Diner –Von weitem schon fasst mich geheimes Grausen.Nein – einfach Häuschen lieber, nah der See,

Nur kein Hotel! Die Kellner – das Diner –

Von weitem schon fasst mich geheimes Grausen.

Nein – einfach Häuschen lieber, nah der See,

Wo zu mir dringt der Wogen köstlich Brausen,Davor ein Plätzchen, wo man schreiben kann –Sonst sei es, wie es sei; so will ich hausen.‹

Wo zu mir dringt der Wogen köstlich Brausen,

Davor ein Plätzchen, wo man schreiben kann –

Sonst sei es, wie es sei; so will ich hausen.‹

Der biedere Alte sah mich schmunzelnd an,Zog langsam dann die Pfeife aus dem MundeUnd spuckte kräftig aus, eh' er begann:

Der biedere Alte sah mich schmunzelnd an,

Zog langsam dann die Pfeife aus dem Munde

Und spuckte kräftig aus, eh' er begann:

»Das ist hier alles frei schon in der Runde!Am schönsten möcht's ja dort im Giebel sein,Mit Seeblick. Gegenüber ist zur Stunde

»Das ist hier alles frei schon in der Runde!

Am schönsten möcht's ja dort im Giebel sein,

Mit Seeblick. Gegenüber ist zur Stunde

Das Zimmer freilich noch besetzt, alleinIch hoff, das stört Sie nicht!« ›Das ist die Frage.Wer wohnt dort?‹ »Eine Dame.« ›Jung noch?‹ »Nein!

Das Zimmer freilich noch besetzt, allein

Ich hoff, das stört Sie nicht!« ›Das ist die Frage.

Wer wohnt dort?‹ »Eine Dame.« ›Jung noch?‹ »Nein!

Kein junges Mädchen!« ›Also alt – da trageIch doch Bedenken.‹ »Nein, auch noch nicht alt.«›Aha! so Mittelalter! Ob ich's wage?‹»Man merkt sie gar nicht, Herr! Vier Wochen baldIst sie nun hier; sie scheint wohl krank gewesenUnd bleibt tagsüber unsichtbar im Wald.Sie dauert mich beinah. Sie soll genesenUnd lebt so ganz allein.« ›Das kann nicht schaden.Wohl Witwe gar?‹ »Das nicht! Ich konnte lesen,Dass sie an ihren Gatten schrieb nach Baden.«›Nun gut! versuchen wir's! Doch war's gewagt,Auf Ihr Haupt will ich dann die Folgen laden.‹»Die nehm ich gern auf mich! Wenn's sonst behagt,Ich möchte wetten, dass der Herr sich wegenDer stillen schwarzen Dame nicht beklagt.Was ist an einer Fremden auch gelegen?«

Kein junges Mädchen!« ›Also alt – da trageIch doch Bedenken.‹ »Nein, auch noch nicht alt.«›Aha! so Mittelalter! Ob ich's wage?‹

Kein junges Mädchen!« ›Also alt – da trage

Ich doch Bedenken.‹ »Nein, auch noch nicht alt.«

›Aha! so Mittelalter! Ob ich's wage?‹

»Man merkt sie gar nicht, Herr! Vier Wochen baldIst sie nun hier; sie scheint wohl krank gewesenUnd bleibt tagsüber unsichtbar im Wald.

»Man merkt sie gar nicht, Herr! Vier Wochen bald

Ist sie nun hier; sie scheint wohl krank gewesen

Und bleibt tagsüber unsichtbar im Wald.

Sie dauert mich beinah. Sie soll genesenUnd lebt so ganz allein.« ›Das kann nicht schaden.Wohl Witwe gar?‹ »Das nicht! Ich konnte lesen,

Sie dauert mich beinah. Sie soll genesen

Und lebt so ganz allein.« ›Das kann nicht schaden.

Wohl Witwe gar?‹ »Das nicht! Ich konnte lesen,

Dass sie an ihren Gatten schrieb nach Baden.«›Nun gut! versuchen wir's! Doch war's gewagt,Auf Ihr Haupt will ich dann die Folgen laden.‹

Dass sie an ihren Gatten schrieb nach Baden.«

›Nun gut! versuchen wir's! Doch war's gewagt,

Auf Ihr Haupt will ich dann die Folgen laden.‹

»Die nehm ich gern auf mich! Wenn's sonst behagt,Ich möchte wetten, dass der Herr sich wegenDer stillen schwarzen Dame nicht beklagt.

»Die nehm ich gern auf mich! Wenn's sonst behagt,

Ich möchte wetten, dass der Herr sich wegen

Der stillen schwarzen Dame nicht beklagt.

Was ist an einer Fremden auch gelegen?«

Was ist an einer Fremden auch gelegen?«


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