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»Ich wüsste gern – –« ›Was, Liebchen, willst du wissen?‹»Ich wüsste gern, ob du mich wirklich liebst!Versteh mich recht! Du kannst mich jetzt nicht missen –Das weiss ich wohl, und wenn du Küsse gibst,Glaub ich auch, dass du mein mit Herz und Sinn …«›Und ist das nicht genug? Mir scheint, du schiebstMir heimlich unter, dass ich treulos bin.‹»Das glaub ich nicht, allein ihr Herrn PoetenSeid wunderliche Leut'! Ihr liebt so hin!Sooft ein hübsch Gesicht euch nahgetreten,Gleich brennt ihr lichterloh! und nächstesmal,Kommt's wieder so, seid ihr nicht erst gebeten!«›Natürlich, ja! Wir lieben sonder Wahl!Wir kennen Liebes-Leid nicht wie ihr andern!Statt tiefsten Fühlens steht bei uns die Zahl,Und erst Gesetz ist: lasst die Lippen wandern!‹»Halt an –! Im Ernst: ob jene ew'ge Macht,Die durch das Wasser ehemals LeandernZu Hero trieb, auf schwankem Seil bei NachtRomeo einst zu seiner Julia führte –Ob diese jemals euch das Herz entfacht,Das weiss ich nicht. Was ich davon verspürte,War heiss und stark – und dennoch kann es sein,Dass es genau so andern schon gebührteUnd ich – trat nur in fremde Rechte ein.Hab ich nicht recht? Gesteh! was kannst du sagen?«›Du irrst trotzdem! Der Vorwurf lässt uns rein!Wenn wirklich unsre Herzen schneller schlagen,So ist's, weil Sehnsucht uns den Busen schwellt,Weil wir das Schöne nicht so leicht ertragen.Als andre wohl, weil wir in dieser WeltDas Abbild jener suchen, der wir dienen,Der Schönheit, die das All umfangen hält.Und darum, wenn sie jemals uns erschienen,Sei's, wo es sei – da streben wir ihr zuUnd sagen daraus Honig, wie die Bienen.‹»Sonst nennt man's Schmetterling!« ›Boshafte du!‹»Im Ernst – hör auf! ich leiste gern Verzicht!«›Nur eines noch – dann lass ich dich in Ruh!Wer hat wohl jenes köstliche GedichtVon Romeo, Leandern einst geschrieben,Das dich so tief ergreift? Ein Dichter – nicht?Was hältst du wohl von dessen Herz und Lieben?Ein Schmetterling, nicht wahr? Mich wundert nur,Dass noch bis heut sein flüchtig Wort geblieben.Allein – was geh ich noch auf fremder SpurUnd suche, was vor langer Zeit gewesen!Hier bin ich selbst! Weisst du, was ich erfuhr,Seit ich dich sah? Kannst du im Aug' mir lesen,Was hier getobt? Ahnst du, geliebtes Weib,Wie ich an dir gekrankt? Und wenn genesenIch jetzt nicht von hier fliehe, jetzt noch bleib,Jetzt, da ich weiss, wohin du mich gebracht – –Glaubst du, dass flücht'ger Rausch, ein ZeitvertreibZum Diebe, zum Verbrecher mich gemacht?‹
»Ich wüsste gern – –« ›Was, Liebchen, willst du wissen?‹»Ich wüsste gern, ob du mich wirklich liebst!Versteh mich recht! Du kannst mich jetzt nicht missen –
»Ich wüsste gern – –« ›Was, Liebchen, willst du wissen?‹»Ich wüsste gern, ob du mich wirklich liebst!Versteh mich recht! Du kannst mich jetzt nicht missen –
»Ich wüsste gern – –« ›Was, Liebchen, willst du wissen?‹
»Ich wüsste gern, ob du mich wirklich liebst!
Versteh mich recht! Du kannst mich jetzt nicht missen –
Das weiss ich wohl, und wenn du Küsse gibst,Glaub ich auch, dass du mein mit Herz und Sinn …«›Und ist das nicht genug? Mir scheint, du schiebstMir heimlich unter, dass ich treulos bin.‹»Das glaub ich nicht, allein ihr Herrn PoetenSeid wunderliche Leut'! Ihr liebt so hin!Sooft ein hübsch Gesicht euch nahgetreten,Gleich brennt ihr lichterloh! und nächstesmal,Kommt's wieder so, seid ihr nicht erst gebeten!«›Natürlich, ja! Wir lieben sonder Wahl!Wir kennen Liebes-Leid nicht wie ihr andern!Statt tiefsten Fühlens steht bei uns die Zahl,Und erst Gesetz ist: lasst die Lippen wandern!‹»Halt an –! Im Ernst: ob jene ew'ge Macht,Die durch das Wasser ehemals LeandernZu Hero trieb, auf schwankem Seil bei NachtRomeo einst zu seiner Julia führte –Ob diese jemals euch das Herz entfacht,
Das weiss ich wohl, und wenn du Küsse gibst,Glaub ich auch, dass du mein mit Herz und Sinn …«›Und ist das nicht genug? Mir scheint, du schiebst
Das weiss ich wohl, und wenn du Küsse gibst,
Glaub ich auch, dass du mein mit Herz und Sinn …«
›Und ist das nicht genug? Mir scheint, du schiebst
Mir heimlich unter, dass ich treulos bin.‹»Das glaub ich nicht, allein ihr Herrn PoetenSeid wunderliche Leut'! Ihr liebt so hin!
Mir heimlich unter, dass ich treulos bin.‹
»Das glaub ich nicht, allein ihr Herrn Poeten
Seid wunderliche Leut'! Ihr liebt so hin!
Sooft ein hübsch Gesicht euch nahgetreten,Gleich brennt ihr lichterloh! und nächstesmal,Kommt's wieder so, seid ihr nicht erst gebeten!«
Sooft ein hübsch Gesicht euch nahgetreten,
Gleich brennt ihr lichterloh! und nächstesmal,
Kommt's wieder so, seid ihr nicht erst gebeten!«
›Natürlich, ja! Wir lieben sonder Wahl!Wir kennen Liebes-Leid nicht wie ihr andern!Statt tiefsten Fühlens steht bei uns die Zahl,
›Natürlich, ja! Wir lieben sonder Wahl!
Wir kennen Liebes-Leid nicht wie ihr andern!
Statt tiefsten Fühlens steht bei uns die Zahl,
Und erst Gesetz ist: lasst die Lippen wandern!‹»Halt an –! Im Ernst: ob jene ew'ge Macht,Die durch das Wasser ehemals Leandern
Und erst Gesetz ist: lasst die Lippen wandern!‹
»Halt an –! Im Ernst: ob jene ew'ge Macht,
Die durch das Wasser ehemals Leandern
Zu Hero trieb, auf schwankem Seil bei NachtRomeo einst zu seiner Julia führte –Ob diese jemals euch das Herz entfacht,
Zu Hero trieb, auf schwankem Seil bei Nacht
Romeo einst zu seiner Julia führte –
Ob diese jemals euch das Herz entfacht,
Das weiss ich nicht. Was ich davon verspürte,War heiss und stark – und dennoch kann es sein,Dass es genau so andern schon gebührteUnd ich – trat nur in fremde Rechte ein.Hab ich nicht recht? Gesteh! was kannst du sagen?«›Du irrst trotzdem! Der Vorwurf lässt uns rein!Wenn wirklich unsre Herzen schneller schlagen,So ist's, weil Sehnsucht uns den Busen schwellt,Weil wir das Schöne nicht so leicht ertragen.Als andre wohl, weil wir in dieser WeltDas Abbild jener suchen, der wir dienen,Der Schönheit, die das All umfangen hält.Und darum, wenn sie jemals uns erschienen,Sei's, wo es sei – da streben wir ihr zuUnd sagen daraus Honig, wie die Bienen.‹»Sonst nennt man's Schmetterling!« ›Boshafte du!‹»Im Ernst – hör auf! ich leiste gern Verzicht!«›Nur eines noch – dann lass ich dich in Ruh!
Das weiss ich nicht. Was ich davon verspürte,War heiss und stark – und dennoch kann es sein,Dass es genau so andern schon gebührte
Das weiss ich nicht. Was ich davon verspürte,
War heiss und stark – und dennoch kann es sein,
Dass es genau so andern schon gebührte
Und ich – trat nur in fremde Rechte ein.Hab ich nicht recht? Gesteh! was kannst du sagen?«›Du irrst trotzdem! Der Vorwurf lässt uns rein!
Und ich – trat nur in fremde Rechte ein.
Hab ich nicht recht? Gesteh! was kannst du sagen?«
›Du irrst trotzdem! Der Vorwurf lässt uns rein!
Wenn wirklich unsre Herzen schneller schlagen,So ist's, weil Sehnsucht uns den Busen schwellt,Weil wir das Schöne nicht so leicht ertragen.
Wenn wirklich unsre Herzen schneller schlagen,
So ist's, weil Sehnsucht uns den Busen schwellt,
Weil wir das Schöne nicht so leicht ertragen.
Als andre wohl, weil wir in dieser WeltDas Abbild jener suchen, der wir dienen,Der Schönheit, die das All umfangen hält.
Als andre wohl, weil wir in dieser Welt
Das Abbild jener suchen, der wir dienen,
Der Schönheit, die das All umfangen hält.
Und darum, wenn sie jemals uns erschienen,Sei's, wo es sei – da streben wir ihr zuUnd sagen daraus Honig, wie die Bienen.‹
Und darum, wenn sie jemals uns erschienen,
Sei's, wo es sei – da streben wir ihr zu
Und sagen daraus Honig, wie die Bienen.‹
»Sonst nennt man's Schmetterling!« ›Boshafte du!‹»Im Ernst – hör auf! ich leiste gern Verzicht!«›Nur eines noch – dann lass ich dich in Ruh!
»Sonst nennt man's Schmetterling!« ›Boshafte du!‹
»Im Ernst – hör auf! ich leiste gern Verzicht!«
›Nur eines noch – dann lass ich dich in Ruh!
Wer hat wohl jenes köstliche GedichtVon Romeo, Leandern einst geschrieben,Das dich so tief ergreift? Ein Dichter – nicht?Was hältst du wohl von dessen Herz und Lieben?Ein Schmetterling, nicht wahr? Mich wundert nur,Dass noch bis heut sein flüchtig Wort geblieben.Allein – was geh ich noch auf fremder SpurUnd suche, was vor langer Zeit gewesen!Hier bin ich selbst! Weisst du, was ich erfuhr,Seit ich dich sah? Kannst du im Aug' mir lesen,Was hier getobt? Ahnst du, geliebtes Weib,Wie ich an dir gekrankt? Und wenn genesenIch jetzt nicht von hier fliehe, jetzt noch bleib,Jetzt, da ich weiss, wohin du mich gebracht – –Glaubst du, dass flücht'ger Rausch, ein ZeitvertreibZum Diebe, zum Verbrecher mich gemacht?‹
Wer hat wohl jenes köstliche GedichtVon Romeo, Leandern einst geschrieben,Das dich so tief ergreift? Ein Dichter – nicht?
Wer hat wohl jenes köstliche Gedicht
Von Romeo, Leandern einst geschrieben,
Das dich so tief ergreift? Ein Dichter – nicht?
Was hältst du wohl von dessen Herz und Lieben?Ein Schmetterling, nicht wahr? Mich wundert nur,Dass noch bis heut sein flüchtig Wort geblieben.
Was hältst du wohl von dessen Herz und Lieben?
Ein Schmetterling, nicht wahr? Mich wundert nur,
Dass noch bis heut sein flüchtig Wort geblieben.
Allein – was geh ich noch auf fremder SpurUnd suche, was vor langer Zeit gewesen!Hier bin ich selbst! Weisst du, was ich erfuhr,
Allein – was geh ich noch auf fremder Spur
Und suche, was vor langer Zeit gewesen!
Hier bin ich selbst! Weisst du, was ich erfuhr,
Seit ich dich sah? Kannst du im Aug' mir lesen,Was hier getobt? Ahnst du, geliebtes Weib,Wie ich an dir gekrankt? Und wenn genesen
Seit ich dich sah? Kannst du im Aug' mir lesen,
Was hier getobt? Ahnst du, geliebtes Weib,
Wie ich an dir gekrankt? Und wenn genesen
Ich jetzt nicht von hier fliehe, jetzt noch bleib,Jetzt, da ich weiss, wohin du mich gebracht – –Glaubst du, dass flücht'ger Rausch, ein Zeitvertreib
Ich jetzt nicht von hier fliehe, jetzt noch bleib,
Jetzt, da ich weiss, wohin du mich gebracht – –
Glaubst du, dass flücht'ger Rausch, ein Zeitvertreib
Zum Diebe, zum Verbrecher mich gemacht?‹
Zum Diebe, zum Verbrecher mich gemacht?‹