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Und wie die nächsten Tage kamen, gingen –Ich wüsst es nicht zu sagen. Doch es schien,Als sollte, was ich kaum geglaubt, gelingen.Ich hielt mich fern, just ohne sie zu fliehn;Bemühte mich, wenn wir einander trafen,Besonders höflich meinen Hut zu ziehn,Erfand mir selbst ein ganzes Heer von StrafenFür jeden Blick, der sich zu ihr verfangen,Und konnte wirklich auch ganz ruhig schlafen.Da war ich jüngst, schon spät, hinausgegangenZum Birkenwald. Die Luft war mild und weich,Der Himmel trüb, von Wolken dicht verhangen.Der Wald stand stumm, wie ein verzaubert Reich,Die Birken reckten schweigend schlanke GliederUnd kaum ein Atmen regte das Gezweig.Doch plötzlich ging ein Flüstern hin und wieder –Geheimer Laut, der fernem Meere glich,Und leise rauschend sank ein Regen nieder.Mich focht's nicht an, und anfangs liess es sich,Vom Schirm geschützt, nur desto frischer schreitenIm feuchten Wind, der um die Schläfen strich.Doch immer tiefer hüllte zu den SeitenDer Wald sich in ein regnerisches Grau –Und ratsam schien's, zurückzugehn beizeiten.Da, wie ich so nichts ahnend um mich schau,– Ich muss es diesmal wirklich Zufall nennen –Geht einsam grad vor mir die fremde Frau.Ihr schwarzes Kleid war schon von fern zu kennen,Auch Gang und Haltung täuschten sicher nicht,Wenn uns ein gutes Stück auch mochte trennen.An einer Stelle, wo der Wald sich lichtUm eine Wiese dehnte, blieb sie stehenUnd richtete zum Himmel das Gesicht.Es schien ihr nicht geheuer auszusehen,Denn längre Weile stand sie zögernd daUnd überlegte, wo sie könnte gehen.Was weiter nun – und wie es recht geschah,Ist mir nicht klar. Doch weiss ich noch wie heute,Dass ich sie nie bisher so heiter sah.Sie tat, als sei'n wir altbekannte Leute,Die sich ganz gut sind, ohne sich zu lieben,Gestand, dass sie sich recht des Zufalls freute,Der mich und meinen Schirm ihr zugetrieben,Erkundigte sich auch, was ich getan,Und warum ich so unsichtbar geblieben.Erst wagt' ich ihrer Schulter kaum zu nah'n,Doch später, als die Dunkelheit sich senkte,Nahm ohne Zögern meinen Arm sie an.Wie ich nun ganz nach ihr die Schritte lenkteUnd fühlte, dass die liebliche GestaltZutraulich fest an meinen Arm sich hängteUnd wir so gingen durch den dunklen WaldUnd Regenrauschen – ward mir bunt zumute,Bald ängstlich, bald frohlockend, heiss und kalt.Und wenn ich jetzt mit wieder ruh'gem BluteZurück mir rufe jenen nächt'gen Gang,Dann fürcht ich fast, dass mich die böse GuteUm alles brachte, was mir schon gelang.
Und wie die nächsten Tage kamen, gingen –Ich wüsst es nicht zu sagen. Doch es schien,Als sollte, was ich kaum geglaubt, gelingen.Ich hielt mich fern, just ohne sie zu fliehn;Bemühte mich, wenn wir einander trafen,Besonders höflich meinen Hut zu ziehn,Erfand mir selbst ein ganzes Heer von StrafenFür jeden Blick, der sich zu ihr verfangen,Und konnte wirklich auch ganz ruhig schlafen.Da war ich jüngst, schon spät, hinausgegangenZum Birkenwald. Die Luft war mild und weich,Der Himmel trüb, von Wolken dicht verhangen.Der Wald stand stumm, wie ein verzaubert Reich,Die Birken reckten schweigend schlanke GliederUnd kaum ein Atmen regte das Gezweig.
Und wie die nächsten Tage kamen, gingen –Ich wüsst es nicht zu sagen. Doch es schien,Als sollte, was ich kaum geglaubt, gelingen.
Und wie die nächsten Tage kamen, gingen –
Ich wüsst es nicht zu sagen. Doch es schien,
Als sollte, was ich kaum geglaubt, gelingen.
Ich hielt mich fern, just ohne sie zu fliehn;Bemühte mich, wenn wir einander trafen,Besonders höflich meinen Hut zu ziehn,
Ich hielt mich fern, just ohne sie zu fliehn;
Bemühte mich, wenn wir einander trafen,
Besonders höflich meinen Hut zu ziehn,
Erfand mir selbst ein ganzes Heer von StrafenFür jeden Blick, der sich zu ihr verfangen,Und konnte wirklich auch ganz ruhig schlafen.
Erfand mir selbst ein ganzes Heer von Strafen
Für jeden Blick, der sich zu ihr verfangen,
Und konnte wirklich auch ganz ruhig schlafen.
Da war ich jüngst, schon spät, hinausgegangenZum Birkenwald. Die Luft war mild und weich,Der Himmel trüb, von Wolken dicht verhangen.
Da war ich jüngst, schon spät, hinausgegangen
Zum Birkenwald. Die Luft war mild und weich,
Der Himmel trüb, von Wolken dicht verhangen.
Der Wald stand stumm, wie ein verzaubert Reich,Die Birken reckten schweigend schlanke GliederUnd kaum ein Atmen regte das Gezweig.
Der Wald stand stumm, wie ein verzaubert Reich,
Die Birken reckten schweigend schlanke Glieder
Und kaum ein Atmen regte das Gezweig.
Doch plötzlich ging ein Flüstern hin und wieder –Geheimer Laut, der fernem Meere glich,Und leise rauschend sank ein Regen nieder.Mich focht's nicht an, und anfangs liess es sich,Vom Schirm geschützt, nur desto frischer schreitenIm feuchten Wind, der um die Schläfen strich.Doch immer tiefer hüllte zu den SeitenDer Wald sich in ein regnerisches Grau –Und ratsam schien's, zurückzugehn beizeiten.Da, wie ich so nichts ahnend um mich schau,– Ich muss es diesmal wirklich Zufall nennen –Geht einsam grad vor mir die fremde Frau.Ihr schwarzes Kleid war schon von fern zu kennen,Auch Gang und Haltung täuschten sicher nicht,Wenn uns ein gutes Stück auch mochte trennen.An einer Stelle, wo der Wald sich lichtUm eine Wiese dehnte, blieb sie stehenUnd richtete zum Himmel das Gesicht.
Doch plötzlich ging ein Flüstern hin und wieder –Geheimer Laut, der fernem Meere glich,Und leise rauschend sank ein Regen nieder.
Doch plötzlich ging ein Flüstern hin und wieder –
Geheimer Laut, der fernem Meere glich,
Und leise rauschend sank ein Regen nieder.
Mich focht's nicht an, und anfangs liess es sich,Vom Schirm geschützt, nur desto frischer schreitenIm feuchten Wind, der um die Schläfen strich.
Mich focht's nicht an, und anfangs liess es sich,
Vom Schirm geschützt, nur desto frischer schreiten
Im feuchten Wind, der um die Schläfen strich.
Doch immer tiefer hüllte zu den SeitenDer Wald sich in ein regnerisches Grau –Und ratsam schien's, zurückzugehn beizeiten.
Doch immer tiefer hüllte zu den Seiten
Der Wald sich in ein regnerisches Grau –
Und ratsam schien's, zurückzugehn beizeiten.
Da, wie ich so nichts ahnend um mich schau,– Ich muss es diesmal wirklich Zufall nennen –Geht einsam grad vor mir die fremde Frau.
Da, wie ich so nichts ahnend um mich schau,
– Ich muss es diesmal wirklich Zufall nennen –
Geht einsam grad vor mir die fremde Frau.
Ihr schwarzes Kleid war schon von fern zu kennen,Auch Gang und Haltung täuschten sicher nicht,Wenn uns ein gutes Stück auch mochte trennen.
Ihr schwarzes Kleid war schon von fern zu kennen,
Auch Gang und Haltung täuschten sicher nicht,
Wenn uns ein gutes Stück auch mochte trennen.
An einer Stelle, wo der Wald sich lichtUm eine Wiese dehnte, blieb sie stehenUnd richtete zum Himmel das Gesicht.
An einer Stelle, wo der Wald sich licht
Um eine Wiese dehnte, blieb sie stehen
Und richtete zum Himmel das Gesicht.
Es schien ihr nicht geheuer auszusehen,Denn längre Weile stand sie zögernd daUnd überlegte, wo sie könnte gehen.Was weiter nun – und wie es recht geschah,Ist mir nicht klar. Doch weiss ich noch wie heute,Dass ich sie nie bisher so heiter sah.Sie tat, als sei'n wir altbekannte Leute,Die sich ganz gut sind, ohne sich zu lieben,Gestand, dass sie sich recht des Zufalls freute,Der mich und meinen Schirm ihr zugetrieben,Erkundigte sich auch, was ich getan,Und warum ich so unsichtbar geblieben.Erst wagt' ich ihrer Schulter kaum zu nah'n,Doch später, als die Dunkelheit sich senkte,Nahm ohne Zögern meinen Arm sie an.Wie ich nun ganz nach ihr die Schritte lenkteUnd fühlte, dass die liebliche GestaltZutraulich fest an meinen Arm sich hängte
Es schien ihr nicht geheuer auszusehen,Denn längre Weile stand sie zögernd daUnd überlegte, wo sie könnte gehen.
Es schien ihr nicht geheuer auszusehen,
Denn längre Weile stand sie zögernd da
Und überlegte, wo sie könnte gehen.
Was weiter nun – und wie es recht geschah,Ist mir nicht klar. Doch weiss ich noch wie heute,Dass ich sie nie bisher so heiter sah.
Was weiter nun – und wie es recht geschah,
Ist mir nicht klar. Doch weiss ich noch wie heute,
Dass ich sie nie bisher so heiter sah.
Sie tat, als sei'n wir altbekannte Leute,Die sich ganz gut sind, ohne sich zu lieben,Gestand, dass sie sich recht des Zufalls freute,
Sie tat, als sei'n wir altbekannte Leute,
Die sich ganz gut sind, ohne sich zu lieben,
Gestand, dass sie sich recht des Zufalls freute,
Der mich und meinen Schirm ihr zugetrieben,Erkundigte sich auch, was ich getan,Und warum ich so unsichtbar geblieben.
Der mich und meinen Schirm ihr zugetrieben,
Erkundigte sich auch, was ich getan,
Und warum ich so unsichtbar geblieben.
Erst wagt' ich ihrer Schulter kaum zu nah'n,Doch später, als die Dunkelheit sich senkte,Nahm ohne Zögern meinen Arm sie an.
Erst wagt' ich ihrer Schulter kaum zu nah'n,
Doch später, als die Dunkelheit sich senkte,
Nahm ohne Zögern meinen Arm sie an.
Wie ich nun ganz nach ihr die Schritte lenkteUnd fühlte, dass die liebliche GestaltZutraulich fest an meinen Arm sich hängte
Wie ich nun ganz nach ihr die Schritte lenkte
Und fühlte, dass die liebliche Gestalt
Zutraulich fest an meinen Arm sich hängte
Und wir so gingen durch den dunklen WaldUnd Regenrauschen – ward mir bunt zumute,Bald ängstlich, bald frohlockend, heiss und kalt.Und wenn ich jetzt mit wieder ruh'gem BluteZurück mir rufe jenen nächt'gen Gang,Dann fürcht ich fast, dass mich die böse GuteUm alles brachte, was mir schon gelang.
Und wir so gingen durch den dunklen WaldUnd Regenrauschen – ward mir bunt zumute,Bald ängstlich, bald frohlockend, heiss und kalt.
Und wir so gingen durch den dunklen Wald
Und Regenrauschen – ward mir bunt zumute,
Bald ängstlich, bald frohlockend, heiss und kalt.
Und wenn ich jetzt mit wieder ruh'gem BluteZurück mir rufe jenen nächt'gen Gang,Dann fürcht ich fast, dass mich die böse Gute
Und wenn ich jetzt mit wieder ruh'gem Blute
Zurück mir rufe jenen nächt'gen Gang,
Dann fürcht ich fast, dass mich die böse Gute
Um alles brachte, was mir schon gelang.
Um alles brachte, was mir schon gelang.