1. Kapitel. Allgemeine Lebensbedingungen

[pg 9]1. Kapitel. Allgemeine LebensbedingungenUm Blattpflanzen mit Erfolg im Zimmer kultivieren zu können, d. h. sie zur höchsten Entwickelung zu bringen, ist es nötig, daß man im Auge behält, daß es die Blätter sind, welche, und zwar nur im Lichte, die Hauptmasse der festen Pflanzensubstanz, den Kohlenstoff, aus der Luft in Gestalt von Kohlensäure, aufnehmen und aus dieser den Kohlenstoff abscheiden. Ohne Licht ist diese Arbeit der Blätter nicht möglich. Sie findet am intensivsten im Sonnenlichte, weniger stark im zerstreuten Tageslichte statt und vermindert sich in dem Maße, wie das Licht abnimmt. Im Zimmer erhält nun jede Pflanze sehr viel weniger Licht als im Freien. Schon in einer Entfernung von einem Meter vom Fenster hat die Pflanze nur noch ein Fünftel der Lichtmenge, welche eine Pflanze im Garten erhält. Sie kann also hier nur ein Fünftel der Arbeit verrichten. Je näher wir die Pflanze an das Fenster stellen, desto mehr Licht erhält sie, desto besser wird sie sich entwickeln.Die Kohlensäure ist in der Luft nur in geringer Menge enthalten. In 10,000 Teilen Luft sind nur etwa 4 Teile Kohlensäure. Außerdem braucht die Pflanze aber[pg 10]noch aus der Luft Sauerstoff, ein Gas, von welchem in 100 Teilen Luft nur 21 Teile enthalten sind. Um der Pflanze diese beiden Bestandteile recht reichlich zuführen zu können, müssen wir ihr also recht viel frische Luft geben.Die Hauptmasse der frischen Pflanze bildet Wasser. Ohne Wasser kann die Pflanze nicht leben. Die großen Blattflächen verdunsten beständig Wasser, um so mehr, je trockener die Luft ist. Zimmerluft ist, besonders im Winter im geheizten Zimmer, außerordentlich trocken. Die Wasser-Verdunstung der Pflanze ist dann eine besonders starke. Den durch die Verdunstung entstehenden Wasserverlust müssen wir durch Begießen ersetzen.Mit dem Wasser nimmt die Pflanze aus dem Boden Nährstoffe auf, die sie während der Vegetationsperiode braucht. Während der Ruheperiode braucht die Pflanze diese Nährstoffe nicht oder nur in sehr beschränktem Maße. Deshalb müssen wir dafür sorgen, daß die Pflanze während der Ruheperiode möglichst wenig verdunstet, damit sie nicht gezwungen ist, mit dem Wasser viel Nährstoffe aufzunehmen. Die Verdunstung wird eingeschränkt durch feuchte Luft und niedere Temperatur. Wenn wir die Blätter häufig bespritzen, bildet sich um dieselben eine feuchte, kühle Luft. Außerdem können wir die Pflanzen dadurch vor zu starker Verdunstung bewahren, daß wir sie während der Nacht mit einem über einige Stäbe gebreiteten Stück nasser Leinwand, Gaze oder dergl. bedecken. Während der Vegetationsperiode müssen wir andererseits für reichliche Verdunstung und reichlichen Wasserersatz sorgen, damit die Pflanzen mit dem Wasser recht viel Nährstoffe aus dem[pg 11]Boden aufnehmen. Die Wasseraufnahme erfolgt nur durch Wurzeln und zwar um so stärker, je wärmer die die Wurzeln umgebende Erde ist. Je kühler der Boden ist, desto geringer ist die Wurzeltätigkeit. Während der Vegetationsperiode begießen wir die Pflanzen deshalb mit Wasser, das wärmer ist als die Zimmertemperatur. Zartere kann man nach und nach an Wasser von 25 bis 30° R [31,25 bis 37,5° C] gewöhnen. Sie befinden sich dann dabei sehr wohl. Niemals sollte man Wasser zum Begießen verwenden, das kühler als die Zimmertemperatur ist.Die Erde im Topfe soll stets eine bestimmte Menge Luft enthalten. Erde, welche dauernd so naß ist, daß keine Luft darin Platz hat, ist nicht geeignet für das Wachstum der Pflanzen. Die Wurzeln ersticken in solcher Erde und verfaulen, die Pflanze geht zu Grunde. Deshalb muß man dafür sorgen, daß das überschüssige Gießwasser schnell aus dem Topf abfließen kann. Das Loch im Boden des Topfes darf niemals durch Erde verstopft sein. Andrerseits darf die Erde nicht zu trocken werden, weil sonst die Pflanzen nicht genügend Wasser finden, ganz trockene Erde aber häufig nur sehr schwer wieder Wasser annimmt. Wenn die Pflanzen täglich mit zu wenig Wasser begossen werden, dann tritt nicht selten der Fall ein, daß die Erde im Topfe nach und nach von unten her trocken wird, während sie oben feucht ist. Die Wurzeln vertrocknen dann leicht. Pflanzen, deren Erde zu trocken geworden ist, stellt man mehrere Stunden bis an den Topfrand in eine Schüssel Wasser von etwa 30 Grad R [37,5° C]. Um eine gleichmäßige, nicht zu starke und[pg 12]nicht zu geringe Feuchtigkeit der Erde im Topfe zu erhalten, begießt man nur dann, wenn die Pflanze Wasser braucht, d. h. wenn die Blätter anfangen schlaff zu werden; dann aber gießt man so reichlich, bis das Wasser aus dem Abflußloche herausfließt. Wenn das Wasser sofort nach dem Begießen abfließt, dann ist das ein Zeichen, daß die Erde an einer Stelle so trocken ist, daß sie kein Wasser mehr annimmt. Der Topf ist dann sofort in Wasser zu stellen.Alle Pflanzen brauchen zu ihrem Gedeihen eine bestimmte Temperatur. Jede Pflanze hat im Laufe des Jahres eine bestimmte Ruheperiode. Während dieser Periode kann die Temperatur niedriger sein, als während der Zeit der Wachstums. Je nach der Heimat der betreffenden Pflanze muß die Temperatur während der Ruheperiode kälter oder wärmer sein. Pflanzen der Tropen wollen auch während der Nuheperiode eine Temperatur von 12–15° R. [15–18°C], sie sind also im geheizten Wohnzimmer zu halten. Pflanzen der Subtropen und der diesem Klima entsprechenden tropischen Gebirge hält man am besten bei 6–10° R. [7–12°C], also in ungeheizten, aber mit geheizten Räumen in Verbindung stehenden Zimmern. Pflanzen der warmen gemäßigten Zone werden am besten bei 2 biz 4° R. überwintert, also im frostfreien hellen Keller, auf hellen Korridoren etc. Pflanzen der kalten gemäßigten Zone müssen im Winter ganz kalt stehen, leichter Frost ist ihnen nicht schädlich. Nur soll man die in Töpfen stehenden Pflanzen nicht zu strenger Kälte auösetzen.[pg 13]2. Kapitel. Die Standorte für ZimmerpflanzenDer beste Platz für die Zimmerpflanzen ist das Fensterbrett eines vorspringenden Erkers, der von drei Seiten Licht erhält. In einem solchen Erker können die Pflanzen auch noch ohne Schaden etwas vom Fenster entfernt stehen. Demnächst ist das Fensterbrett eines gewöhnlichen Zimmers am vorteilhaftesten. Für härtere Pflanzen, namentlich diejenigen des Kaplandes und Australiens, ist das Doppelfenster ein guter Platz. Leider sind die Fensterbretter und die Doppelfenster in unseren modernen Häusern so schmal, daß Pflanzen daselbst wenig Platz haben. Die Fensterbretter verbreitert man am einfachsten durch ein Brett, welches man durch zwei Streben stützt. Um die durch jedes Fenster eindringende kalte Luft von den Töpfen fern zu halten, legt man auf das Fensterbrett quer einige Stäbe und auf diese ein der Länge nach rechtwinklig gebogenes Stück Pappe, so, daß die hochstehende Hälfte dem Fenster zugewendet ist. Die kalte Luft fließt dann unter der Pappe ab.Für den Erker sowohl als auch für das Zimmer am Fenster ist sodann der Blumentritt sehr zu empfehlen.[pg 14]Derselbe soll nicht zu schmale Stufen haben. Um das lästige Abtropfen beim Begießen zu vermeiden, werden auf die Stufen am besten flache Zinkkästen gesetzt. Blumentritte lassen sich mit Blattpflanzen sehr schön bestellen. Sie gewähren auf kleinem Raum einer großen Anzahl Pflanzen Platz.Weniger empfehlenswert sind Blumentische. Ganz zu verwerfen sind die runden Tische, weil auf ihnen die Pflanzen nur teilweise Licht erhalten. Etwas besser sind lange, schmale Tische, auf denen die Pflanzen nur in einer, höchstens in zwei Reihen stehen können. Eine schöne Anordnung der Pflanzen auf solchen Tischen ist jedoch selten möglich. Besser sind da schon die Blumenständer für einzelne Pflanzen. Die denselben in der Regel mitgegebenen großen Töpfe aus Porzellan oder Majolika sind aber unbrauchbar, weil die Luft nicht an die hineingestellten Töpfe kommen kann.Für ganz zarte Pflanzen, welche beständig feuchte Luft brauchen, kommt die Glasglocke und der Glaskasten in Anwendung. Glasglocken sollen keinen Knopf haben. Da aber größere Dimensionen derselben teuer sind, empfiehlt sich mehr der Glaskasten. Die einfachste Form desselben besteht aus 5 Scheiben, welche mit Papierstreifen und Eiweiß zusammengeklebt werden. Mit einem solchen Kasten bedeckt man Pflanzen, deren Töpfe in einem flachen Holz- oder Blechkasten stehen. Will man etwas mehr anwenden, so lasse man sich vom Klempner ein einfaches Gestell aus Zinkblech, in das Glasscheiben eingeschoben werden können, anfertigen. Das Gestell ist mit einem[pg 15]Blechkasten aus Zinkblech fest verbunden. In einem solchen Kasten kann man die empfindlichsten Blattpflanzen halten. Er läßt sich auch leicht heizen, wenn der Boden von Eisenblech ist. Als Heizmaterial verwendet man am einfachsten Brennöl. Ein Nachtlicht liefert genügend Wärme.3. Kapitel. Hilfsmittel für die KulturDie den Pflanzen in den Töpfen gebotene Nahrung reicht gewöhnlich nicht lange aus, um sie zur höchsten Entwickelung zu bringen. Wir behelfen uns deshalb in der Weise, daß wir die Pflanzen häufiger in größere Töpfe pflanzen und ihnen bei dieser Gelegenheit frische, nahrhafte Erde geben, oder in der Weise, daß wir die Pflanzen düngen. Im Zimmer sind für die Düngung am besten die reinen Pflanzennährsalze geeignet und zwar in Gestalt von phosphorsaurem Kali und salpetersaurem Kali, welche man zu gleichen Teilen mischt. Man erhält diese beiden Salze in jeder Apotheke, sowie bei jedem Drogisten. Von dem Gemisch gibt manein halbesGramm in jedes Liter Gießwasser. Da es zu umständlich sein würde, jedesmal diese Menge abzuwiegen, fertigt[pg 16]man sich eine konzentrierte Vorratslösung an, von welcher man etwas zum Gießwasser zugießt. Bringt man z. B. in eine Weinflasche 75 Gramm des Gemisches und füllt die Flasche dann voll Wasser, so erhält man eine Zehntellösung. Um die richtige Verdünnung zu erhalten, muß man also jeden Kubikzentimeter mit 199 Kubikzentimeter reinem Wasser verdünnen. Man mißt zunächst den Inhalt der zum Begießen verwendeten Gießkanne aus. Soviel Liter Wasser die Kanne enthält, soviel mal fünf Kubikzentimeter der Vorratslösung muß man dem Gießwasser zusetzen. Da ein Kaffeelöffel etwa 3 Kubikzentimeter enthält, so kann man auch in jedem Liter Gießwasser zwei Kaffeelöffel der Vorratslösung zuschütten. Mit dieser Vorratslösung reicht man eine ganze Weile. Man gießt mit der Düngerlösung während der Vegetationsperiode anfänglich wöchentlich zweimal, später täglich und läßt allmählich nach, wenn die Pflanze zur Ruhe kommt.Man hüte sich, mehr als die angegebene Menge zu geben, weil man der Pflanze durch ein Mehr nicht nützt, sondern ihr nur schadet.Zerstäuberspritze "Komplett"Zu einem guten Gedeihen der Blattpflanzen im Zimmer ist ein häufiges Überbrausen unbedingt erforderlich. Je feiner das Wasser zerstäubt wird, desto besser ist es. Man hat im Handel viele Zerstäuber, die aber meist den Fehler haben, daß sie leicht versagen oder zu grob zerstäuben, was für das Zimmer nicht vorteilhaft ist. Ich möchte deshalb auf die ganz aus Metall gearbeitete Zerstäuberspritze »Komplett« des Klempnermeisters[pg 17]E. Hildebrandtin Lankwitz-Berlin hinweisen, welche sich nach meinen Erfahrungen als absolut zuverlässig bewährt hat. Sie faßt etwa zwei Liter und zerstäubt sehr fein. Die ersten Anschaffungskosten sind zwar etwas hoch (17,50 Mk.); aber sie machen sich bald bezahlt, weil die Spritze nicht nur zum Zerstäuben von reinem Wasser, sondern auch zum Zerstäuben von Insekticiden vorzüglich zu brauchen ist. Als bestes Insekticid empfehle ich Thripsolin, das alle an Zimmerpflanzen auftretende[pg 18]Schädlinge schnell und sicher tötet. Es eignet sich, mit der Komplettspritze zerstäubt, auch vorzüglich zur Bekämpfung aller tierischen Schädlinge im Garten.Heinemann'sche ZimmergießkanneZum Begießen der Pflanzen im Zimmer eignet sich am besten die Heinemann'sche Zimmergießkanne, welche etwa ein Liter Wasser faßt. Der Gummischlauch gestattet es, auch bei dicht stehenden Pflanzen jedem Topfe das nötige Wasser zu geben, ohne auch nur einen Tropfen Wasser daneben zu gießen. Ich habe die Kanne bereits über ein Jahrzehnt im täglichen Gebrauch. Zu beziehen ist die Kanne vonF. C. Heinemannin Erfurt.4. Kapitel. Anzucht und VermehrungDie Anzucht der Blattpflanzen aus Samen bereitet in den meisten Fällen keine besonderen Schwierigkeiten. Sie hat nicht selten den Nachteil, daß es ziemlich lange dauert, bis man einigermaßen ansehnliche Pflanzen erlangt. Schneller kommt man im allgemeinen durch vegetative Vermehrung: Teilung oder Stecklinge zum Ziele. Leider lassen sich aber viele Blattpflanzen auf letztere Weise nicht vermehren.Für die Anzucht aus Samen ist möglichst frischer Samen unbedingt notwendig. Man bestelle deshalb stets nur ganz frischen Samen und warte lieber mit der Aussaat, bis der Samenhändler frische Saat erhalten hat, als daß man alten Samen Verwendet. Das Geld für letzteren ist in weitaus den meisten Fällen fortgeworfen und alle aufgewendete Mühe umsonst. Die Keimung der Samen wird stets durch etwas erhöhte Temperatur beschleunigt. Samen von Pflanzen aus den Tropen brauchen sogar meist eine etwas erhöhte Bodentemperatur, um zu keimen. Will man sich seine Blattpflanzen aus Samen heranziehen, so ist es deshalb sehr vorteilhaft, wenn man sich einen kleinen[pg 20]Kasten baut, der heizbar ist. Am einfachsten verwendet man eine Kiste Von etwa 25 cm Höhe, in welche man ein Stück starkes Schwarzblech auf vier in den Ecken festgeschraubte Klötze von 8 cm Höhe aufnagelt. Die Kiste wird mit einer Glasscheibe bedeckt. Auf das Schwarzblech bringt man Erde, in welche man die Töpfe mit den Samen bis zum Rande einsenkt. Der Raum zwischen dem Schwarzblech und dem Boden der Kiste, der Heizraum, wird durch ein an einer Seite ausgesägtes Stück zugänglich gemacht und außerdem durch eine Anzahl Löcher von etwa 2–3 cm Durchmesser an allen vier Seiten ventiliert. Zum Heizen verwendet man ein Nachtlicht. Ein kleines Thermometer im oberen Raume ist zur Beobachtung der Temperatur notwendig. In einem solchen Wärmkasten kann man die zartesten Pflanzen aus Samen heranziehen.Außer Wärme ist zur Keimung der Samen eine recht gleichmäßige, mäßige Feuchtigkeit notwendig. Die Erde, in der die Samen ruhen, darfniemalstrocken werden. Deshalb bedeckt man die Töpfe, wenn sie frei im Zimmer stehen, mit einer Glasscheibe, wodurch ein zu schnelles Austrocknen der obersten Schicht vermieden wird. Ferner brauchen die Samen zur Keimung auch Luft. Aus diesem Grunde wird die Glasscheibe auf dem Topfe jeden Tag kurze Zeit abgenommen; die Samen aber werden nur so tief in die Erde gebracht, wie sie dick sind. Noch empfehlenswerter ist es, die Samenaufdie Erde zu legen und mit zerriebenem Torfmoos leicht zu bedecken. Sehr feine Samen, z. B. von Begonien, streut man auf die[pg 21]zuvor mit einem Brettchen leicht angedrückte, völlig geebnete Erde und drückt sie dann leicht an. Sporen von Farnen streut man auf ein Stückchen glattgeschnittenen Moostorf (Insektenkastentorf), dessen Oberfläche man mit einem Hölzchen etwas gelockert hat und legt dann das Torfstück in ein mit etwas Wasser gefülltes Gefäß. Das Wasser ist von Zeit zu Zeit zu erneuern.Stecklinge lassen sich von Zweigen und Blättern machen. Zweigstecklinge steckt man am besten in recht sandige Erde oder in Torfmull. Auch Kokosfaserabfall eignet sich sehr zur Stecklingsvermehrung. Der Steckling soll stets so geschnitten sein, daß die untere Schnittfläche durch den Blattknoten geht. Man steckt die Stecklinge möglichst nahe an den Rand des Topfes, weil sie sich hier erfahrungsgemäß leichter bewurzeln. Es scheint, als ob die durch die Topfwandung eindringende Luft die Wurzelbildung befördert; wenigstens deutet der Umstand, daß, wenn man in den Topf einen kleineren verkehrt stellt und ihn dann mit Erde füllt, Stecklinge an den Wandungen, sowohl denen des kleineren als auch des größeren leichter Wurzeln bilden als in der Mitte der Erde, darauf hin. Da die unterirdischen Stengel, die Rhizome, ebenfalls Zweige sind, so können auch sie zur Stecklingsvermehrung verwendet werden. Stets sollen die Stecklinge in einer gleichmäßig feuchten Luft gehalten werden. Kann man etwas Bodenwärme geben, so ist es um so besser.Eine ganze Anzahl Pflanzen mit fleischigen oder dickadrigen Blättern lassen sich verhältnismäßig leicht durch Blattstecklinge vermehren. Es gehören hierher buntblättrige[pg 22]Begonien,Peperomien,Gesneraceen,Bryophyllum,Sansevieraetc. Während Blätter normal keine Laubknospen bilden, besitzen die der genannten Pflanzen die Eigenschaft, unter bestimmten Verhältnissen Knospen und Wurzeln zu bilden. Diese Verhältnisse sind: gleichmäßig feuchte Luft und Erde und etwas erhöhte Temperatur. Die Vermehrung durch Blattstecklinge ist also nur in einem heizbaren Kasten auszuführen. Die Methoden der Vermehrung sind verschieden. Im einfachsten Falle steckt man das Blatt, dem man ein Stück des Blattstieles gelassen hat, in sandige Erde (Peperomien). Begonienblätter legt man entweder auf feuchten Sand, wobei der Blattstielstumpf in den Sand kommt, durchsticht die Hauptadern an den Gabelstellen und drückt die Blattfläche durch kleine /\ gebogene Holzstückchen fest an den Sand an. Oder man schneidet die Blattfläche bis auf ein kleines Dreieck von etwa 5 cm Länge fort und steckt dieses Dreieck in den Sand. Außer beiBryophyllumwelches an den Kanten des Blattrandes Knospen bildet, entwickeln sich nach bald längerer, bald kürzerer Zeit an den Schnittflächen Knospen, welche, wenn sie bewurzelt sind, einzeln in kleine Töpfe gepflanzt werden.

[pg 9]1. Kapitel. Allgemeine LebensbedingungenUm Blattpflanzen mit Erfolg im Zimmer kultivieren zu können, d. h. sie zur höchsten Entwickelung zu bringen, ist es nötig, daß man im Auge behält, daß es die Blätter sind, welche, und zwar nur im Lichte, die Hauptmasse der festen Pflanzensubstanz, den Kohlenstoff, aus der Luft in Gestalt von Kohlensäure, aufnehmen und aus dieser den Kohlenstoff abscheiden. Ohne Licht ist diese Arbeit der Blätter nicht möglich. Sie findet am intensivsten im Sonnenlichte, weniger stark im zerstreuten Tageslichte statt und vermindert sich in dem Maße, wie das Licht abnimmt. Im Zimmer erhält nun jede Pflanze sehr viel weniger Licht als im Freien. Schon in einer Entfernung von einem Meter vom Fenster hat die Pflanze nur noch ein Fünftel der Lichtmenge, welche eine Pflanze im Garten erhält. Sie kann also hier nur ein Fünftel der Arbeit verrichten. Je näher wir die Pflanze an das Fenster stellen, desto mehr Licht erhält sie, desto besser wird sie sich entwickeln.Die Kohlensäure ist in der Luft nur in geringer Menge enthalten. In 10,000 Teilen Luft sind nur etwa 4 Teile Kohlensäure. Außerdem braucht die Pflanze aber[pg 10]noch aus der Luft Sauerstoff, ein Gas, von welchem in 100 Teilen Luft nur 21 Teile enthalten sind. Um der Pflanze diese beiden Bestandteile recht reichlich zuführen zu können, müssen wir ihr also recht viel frische Luft geben.Die Hauptmasse der frischen Pflanze bildet Wasser. Ohne Wasser kann die Pflanze nicht leben. Die großen Blattflächen verdunsten beständig Wasser, um so mehr, je trockener die Luft ist. Zimmerluft ist, besonders im Winter im geheizten Zimmer, außerordentlich trocken. Die Wasser-Verdunstung der Pflanze ist dann eine besonders starke. Den durch die Verdunstung entstehenden Wasserverlust müssen wir durch Begießen ersetzen.Mit dem Wasser nimmt die Pflanze aus dem Boden Nährstoffe auf, die sie während der Vegetationsperiode braucht. Während der Ruheperiode braucht die Pflanze diese Nährstoffe nicht oder nur in sehr beschränktem Maße. Deshalb müssen wir dafür sorgen, daß die Pflanze während der Ruheperiode möglichst wenig verdunstet, damit sie nicht gezwungen ist, mit dem Wasser viel Nährstoffe aufzunehmen. Die Verdunstung wird eingeschränkt durch feuchte Luft und niedere Temperatur. Wenn wir die Blätter häufig bespritzen, bildet sich um dieselben eine feuchte, kühle Luft. Außerdem können wir die Pflanzen dadurch vor zu starker Verdunstung bewahren, daß wir sie während der Nacht mit einem über einige Stäbe gebreiteten Stück nasser Leinwand, Gaze oder dergl. bedecken. Während der Vegetationsperiode müssen wir andererseits für reichliche Verdunstung und reichlichen Wasserersatz sorgen, damit die Pflanzen mit dem Wasser recht viel Nährstoffe aus dem[pg 11]Boden aufnehmen. Die Wasseraufnahme erfolgt nur durch Wurzeln und zwar um so stärker, je wärmer die die Wurzeln umgebende Erde ist. Je kühler der Boden ist, desto geringer ist die Wurzeltätigkeit. Während der Vegetationsperiode begießen wir die Pflanzen deshalb mit Wasser, das wärmer ist als die Zimmertemperatur. Zartere kann man nach und nach an Wasser von 25 bis 30° R [31,25 bis 37,5° C] gewöhnen. Sie befinden sich dann dabei sehr wohl. Niemals sollte man Wasser zum Begießen verwenden, das kühler als die Zimmertemperatur ist.Die Erde im Topfe soll stets eine bestimmte Menge Luft enthalten. Erde, welche dauernd so naß ist, daß keine Luft darin Platz hat, ist nicht geeignet für das Wachstum der Pflanzen. Die Wurzeln ersticken in solcher Erde und verfaulen, die Pflanze geht zu Grunde. Deshalb muß man dafür sorgen, daß das überschüssige Gießwasser schnell aus dem Topf abfließen kann. Das Loch im Boden des Topfes darf niemals durch Erde verstopft sein. Andrerseits darf die Erde nicht zu trocken werden, weil sonst die Pflanzen nicht genügend Wasser finden, ganz trockene Erde aber häufig nur sehr schwer wieder Wasser annimmt. Wenn die Pflanzen täglich mit zu wenig Wasser begossen werden, dann tritt nicht selten der Fall ein, daß die Erde im Topfe nach und nach von unten her trocken wird, während sie oben feucht ist. Die Wurzeln vertrocknen dann leicht. Pflanzen, deren Erde zu trocken geworden ist, stellt man mehrere Stunden bis an den Topfrand in eine Schüssel Wasser von etwa 30 Grad R [37,5° C]. Um eine gleichmäßige, nicht zu starke und[pg 12]nicht zu geringe Feuchtigkeit der Erde im Topfe zu erhalten, begießt man nur dann, wenn die Pflanze Wasser braucht, d. h. wenn die Blätter anfangen schlaff zu werden; dann aber gießt man so reichlich, bis das Wasser aus dem Abflußloche herausfließt. Wenn das Wasser sofort nach dem Begießen abfließt, dann ist das ein Zeichen, daß die Erde an einer Stelle so trocken ist, daß sie kein Wasser mehr annimmt. Der Topf ist dann sofort in Wasser zu stellen.Alle Pflanzen brauchen zu ihrem Gedeihen eine bestimmte Temperatur. Jede Pflanze hat im Laufe des Jahres eine bestimmte Ruheperiode. Während dieser Periode kann die Temperatur niedriger sein, als während der Zeit der Wachstums. Je nach der Heimat der betreffenden Pflanze muß die Temperatur während der Ruheperiode kälter oder wärmer sein. Pflanzen der Tropen wollen auch während der Nuheperiode eine Temperatur von 12–15° R. [15–18°C], sie sind also im geheizten Wohnzimmer zu halten. Pflanzen der Subtropen und der diesem Klima entsprechenden tropischen Gebirge hält man am besten bei 6–10° R. [7–12°C], also in ungeheizten, aber mit geheizten Räumen in Verbindung stehenden Zimmern. Pflanzen der warmen gemäßigten Zone werden am besten bei 2 biz 4° R. überwintert, also im frostfreien hellen Keller, auf hellen Korridoren etc. Pflanzen der kalten gemäßigten Zone müssen im Winter ganz kalt stehen, leichter Frost ist ihnen nicht schädlich. Nur soll man die in Töpfen stehenden Pflanzen nicht zu strenger Kälte auösetzen.[pg 13]2. Kapitel. Die Standorte für ZimmerpflanzenDer beste Platz für die Zimmerpflanzen ist das Fensterbrett eines vorspringenden Erkers, der von drei Seiten Licht erhält. In einem solchen Erker können die Pflanzen auch noch ohne Schaden etwas vom Fenster entfernt stehen. Demnächst ist das Fensterbrett eines gewöhnlichen Zimmers am vorteilhaftesten. Für härtere Pflanzen, namentlich diejenigen des Kaplandes und Australiens, ist das Doppelfenster ein guter Platz. Leider sind die Fensterbretter und die Doppelfenster in unseren modernen Häusern so schmal, daß Pflanzen daselbst wenig Platz haben. Die Fensterbretter verbreitert man am einfachsten durch ein Brett, welches man durch zwei Streben stützt. Um die durch jedes Fenster eindringende kalte Luft von den Töpfen fern zu halten, legt man auf das Fensterbrett quer einige Stäbe und auf diese ein der Länge nach rechtwinklig gebogenes Stück Pappe, so, daß die hochstehende Hälfte dem Fenster zugewendet ist. Die kalte Luft fließt dann unter der Pappe ab.Für den Erker sowohl als auch für das Zimmer am Fenster ist sodann der Blumentritt sehr zu empfehlen.[pg 14]Derselbe soll nicht zu schmale Stufen haben. Um das lästige Abtropfen beim Begießen zu vermeiden, werden auf die Stufen am besten flache Zinkkästen gesetzt. Blumentritte lassen sich mit Blattpflanzen sehr schön bestellen. Sie gewähren auf kleinem Raum einer großen Anzahl Pflanzen Platz.Weniger empfehlenswert sind Blumentische. Ganz zu verwerfen sind die runden Tische, weil auf ihnen die Pflanzen nur teilweise Licht erhalten. Etwas besser sind lange, schmale Tische, auf denen die Pflanzen nur in einer, höchstens in zwei Reihen stehen können. Eine schöne Anordnung der Pflanzen auf solchen Tischen ist jedoch selten möglich. Besser sind da schon die Blumenständer für einzelne Pflanzen. Die denselben in der Regel mitgegebenen großen Töpfe aus Porzellan oder Majolika sind aber unbrauchbar, weil die Luft nicht an die hineingestellten Töpfe kommen kann.Für ganz zarte Pflanzen, welche beständig feuchte Luft brauchen, kommt die Glasglocke und der Glaskasten in Anwendung. Glasglocken sollen keinen Knopf haben. Da aber größere Dimensionen derselben teuer sind, empfiehlt sich mehr der Glaskasten. Die einfachste Form desselben besteht aus 5 Scheiben, welche mit Papierstreifen und Eiweiß zusammengeklebt werden. Mit einem solchen Kasten bedeckt man Pflanzen, deren Töpfe in einem flachen Holz- oder Blechkasten stehen. Will man etwas mehr anwenden, so lasse man sich vom Klempner ein einfaches Gestell aus Zinkblech, in das Glasscheiben eingeschoben werden können, anfertigen. Das Gestell ist mit einem[pg 15]Blechkasten aus Zinkblech fest verbunden. In einem solchen Kasten kann man die empfindlichsten Blattpflanzen halten. Er läßt sich auch leicht heizen, wenn der Boden von Eisenblech ist. Als Heizmaterial verwendet man am einfachsten Brennöl. Ein Nachtlicht liefert genügend Wärme.3. Kapitel. Hilfsmittel für die KulturDie den Pflanzen in den Töpfen gebotene Nahrung reicht gewöhnlich nicht lange aus, um sie zur höchsten Entwickelung zu bringen. Wir behelfen uns deshalb in der Weise, daß wir die Pflanzen häufiger in größere Töpfe pflanzen und ihnen bei dieser Gelegenheit frische, nahrhafte Erde geben, oder in der Weise, daß wir die Pflanzen düngen. Im Zimmer sind für die Düngung am besten die reinen Pflanzennährsalze geeignet und zwar in Gestalt von phosphorsaurem Kali und salpetersaurem Kali, welche man zu gleichen Teilen mischt. Man erhält diese beiden Salze in jeder Apotheke, sowie bei jedem Drogisten. Von dem Gemisch gibt manein halbesGramm in jedes Liter Gießwasser. Da es zu umständlich sein würde, jedesmal diese Menge abzuwiegen, fertigt[pg 16]man sich eine konzentrierte Vorratslösung an, von welcher man etwas zum Gießwasser zugießt. Bringt man z. B. in eine Weinflasche 75 Gramm des Gemisches und füllt die Flasche dann voll Wasser, so erhält man eine Zehntellösung. Um die richtige Verdünnung zu erhalten, muß man also jeden Kubikzentimeter mit 199 Kubikzentimeter reinem Wasser verdünnen. Man mißt zunächst den Inhalt der zum Begießen verwendeten Gießkanne aus. Soviel Liter Wasser die Kanne enthält, soviel mal fünf Kubikzentimeter der Vorratslösung muß man dem Gießwasser zusetzen. Da ein Kaffeelöffel etwa 3 Kubikzentimeter enthält, so kann man auch in jedem Liter Gießwasser zwei Kaffeelöffel der Vorratslösung zuschütten. Mit dieser Vorratslösung reicht man eine ganze Weile. Man gießt mit der Düngerlösung während der Vegetationsperiode anfänglich wöchentlich zweimal, später täglich und läßt allmählich nach, wenn die Pflanze zur Ruhe kommt.Man hüte sich, mehr als die angegebene Menge zu geben, weil man der Pflanze durch ein Mehr nicht nützt, sondern ihr nur schadet.Zerstäuberspritze "Komplett"Zu einem guten Gedeihen der Blattpflanzen im Zimmer ist ein häufiges Überbrausen unbedingt erforderlich. Je feiner das Wasser zerstäubt wird, desto besser ist es. Man hat im Handel viele Zerstäuber, die aber meist den Fehler haben, daß sie leicht versagen oder zu grob zerstäuben, was für das Zimmer nicht vorteilhaft ist. Ich möchte deshalb auf die ganz aus Metall gearbeitete Zerstäuberspritze »Komplett« des Klempnermeisters[pg 17]E. Hildebrandtin Lankwitz-Berlin hinweisen, welche sich nach meinen Erfahrungen als absolut zuverlässig bewährt hat. Sie faßt etwa zwei Liter und zerstäubt sehr fein. Die ersten Anschaffungskosten sind zwar etwas hoch (17,50 Mk.); aber sie machen sich bald bezahlt, weil die Spritze nicht nur zum Zerstäuben von reinem Wasser, sondern auch zum Zerstäuben von Insekticiden vorzüglich zu brauchen ist. Als bestes Insekticid empfehle ich Thripsolin, das alle an Zimmerpflanzen auftretende[pg 18]Schädlinge schnell und sicher tötet. Es eignet sich, mit der Komplettspritze zerstäubt, auch vorzüglich zur Bekämpfung aller tierischen Schädlinge im Garten.Heinemann'sche ZimmergießkanneZum Begießen der Pflanzen im Zimmer eignet sich am besten die Heinemann'sche Zimmergießkanne, welche etwa ein Liter Wasser faßt. Der Gummischlauch gestattet es, auch bei dicht stehenden Pflanzen jedem Topfe das nötige Wasser zu geben, ohne auch nur einen Tropfen Wasser daneben zu gießen. Ich habe die Kanne bereits über ein Jahrzehnt im täglichen Gebrauch. Zu beziehen ist die Kanne vonF. C. Heinemannin Erfurt.4. Kapitel. Anzucht und VermehrungDie Anzucht der Blattpflanzen aus Samen bereitet in den meisten Fällen keine besonderen Schwierigkeiten. Sie hat nicht selten den Nachteil, daß es ziemlich lange dauert, bis man einigermaßen ansehnliche Pflanzen erlangt. Schneller kommt man im allgemeinen durch vegetative Vermehrung: Teilung oder Stecklinge zum Ziele. Leider lassen sich aber viele Blattpflanzen auf letztere Weise nicht vermehren.Für die Anzucht aus Samen ist möglichst frischer Samen unbedingt notwendig. Man bestelle deshalb stets nur ganz frischen Samen und warte lieber mit der Aussaat, bis der Samenhändler frische Saat erhalten hat, als daß man alten Samen Verwendet. Das Geld für letzteren ist in weitaus den meisten Fällen fortgeworfen und alle aufgewendete Mühe umsonst. Die Keimung der Samen wird stets durch etwas erhöhte Temperatur beschleunigt. Samen von Pflanzen aus den Tropen brauchen sogar meist eine etwas erhöhte Bodentemperatur, um zu keimen. Will man sich seine Blattpflanzen aus Samen heranziehen, so ist es deshalb sehr vorteilhaft, wenn man sich einen kleinen[pg 20]Kasten baut, der heizbar ist. Am einfachsten verwendet man eine Kiste Von etwa 25 cm Höhe, in welche man ein Stück starkes Schwarzblech auf vier in den Ecken festgeschraubte Klötze von 8 cm Höhe aufnagelt. Die Kiste wird mit einer Glasscheibe bedeckt. Auf das Schwarzblech bringt man Erde, in welche man die Töpfe mit den Samen bis zum Rande einsenkt. Der Raum zwischen dem Schwarzblech und dem Boden der Kiste, der Heizraum, wird durch ein an einer Seite ausgesägtes Stück zugänglich gemacht und außerdem durch eine Anzahl Löcher von etwa 2–3 cm Durchmesser an allen vier Seiten ventiliert. Zum Heizen verwendet man ein Nachtlicht. Ein kleines Thermometer im oberen Raume ist zur Beobachtung der Temperatur notwendig. In einem solchen Wärmkasten kann man die zartesten Pflanzen aus Samen heranziehen.Außer Wärme ist zur Keimung der Samen eine recht gleichmäßige, mäßige Feuchtigkeit notwendig. Die Erde, in der die Samen ruhen, darfniemalstrocken werden. Deshalb bedeckt man die Töpfe, wenn sie frei im Zimmer stehen, mit einer Glasscheibe, wodurch ein zu schnelles Austrocknen der obersten Schicht vermieden wird. Ferner brauchen die Samen zur Keimung auch Luft. Aus diesem Grunde wird die Glasscheibe auf dem Topfe jeden Tag kurze Zeit abgenommen; die Samen aber werden nur so tief in die Erde gebracht, wie sie dick sind. Noch empfehlenswerter ist es, die Samenaufdie Erde zu legen und mit zerriebenem Torfmoos leicht zu bedecken. Sehr feine Samen, z. B. von Begonien, streut man auf die[pg 21]zuvor mit einem Brettchen leicht angedrückte, völlig geebnete Erde und drückt sie dann leicht an. Sporen von Farnen streut man auf ein Stückchen glattgeschnittenen Moostorf (Insektenkastentorf), dessen Oberfläche man mit einem Hölzchen etwas gelockert hat und legt dann das Torfstück in ein mit etwas Wasser gefülltes Gefäß. Das Wasser ist von Zeit zu Zeit zu erneuern.Stecklinge lassen sich von Zweigen und Blättern machen. Zweigstecklinge steckt man am besten in recht sandige Erde oder in Torfmull. Auch Kokosfaserabfall eignet sich sehr zur Stecklingsvermehrung. Der Steckling soll stets so geschnitten sein, daß die untere Schnittfläche durch den Blattknoten geht. Man steckt die Stecklinge möglichst nahe an den Rand des Topfes, weil sie sich hier erfahrungsgemäß leichter bewurzeln. Es scheint, als ob die durch die Topfwandung eindringende Luft die Wurzelbildung befördert; wenigstens deutet der Umstand, daß, wenn man in den Topf einen kleineren verkehrt stellt und ihn dann mit Erde füllt, Stecklinge an den Wandungen, sowohl denen des kleineren als auch des größeren leichter Wurzeln bilden als in der Mitte der Erde, darauf hin. Da die unterirdischen Stengel, die Rhizome, ebenfalls Zweige sind, so können auch sie zur Stecklingsvermehrung verwendet werden. Stets sollen die Stecklinge in einer gleichmäßig feuchten Luft gehalten werden. Kann man etwas Bodenwärme geben, so ist es um so besser.Eine ganze Anzahl Pflanzen mit fleischigen oder dickadrigen Blättern lassen sich verhältnismäßig leicht durch Blattstecklinge vermehren. Es gehören hierher buntblättrige[pg 22]Begonien,Peperomien,Gesneraceen,Bryophyllum,Sansevieraetc. Während Blätter normal keine Laubknospen bilden, besitzen die der genannten Pflanzen die Eigenschaft, unter bestimmten Verhältnissen Knospen und Wurzeln zu bilden. Diese Verhältnisse sind: gleichmäßig feuchte Luft und Erde und etwas erhöhte Temperatur. Die Vermehrung durch Blattstecklinge ist also nur in einem heizbaren Kasten auszuführen. Die Methoden der Vermehrung sind verschieden. Im einfachsten Falle steckt man das Blatt, dem man ein Stück des Blattstieles gelassen hat, in sandige Erde (Peperomien). Begonienblätter legt man entweder auf feuchten Sand, wobei der Blattstielstumpf in den Sand kommt, durchsticht die Hauptadern an den Gabelstellen und drückt die Blattfläche durch kleine /\ gebogene Holzstückchen fest an den Sand an. Oder man schneidet die Blattfläche bis auf ein kleines Dreieck von etwa 5 cm Länge fort und steckt dieses Dreieck in den Sand. Außer beiBryophyllumwelches an den Kanten des Blattrandes Knospen bildet, entwickeln sich nach bald längerer, bald kürzerer Zeit an den Schnittflächen Knospen, welche, wenn sie bewurzelt sind, einzeln in kleine Töpfe gepflanzt werden.

[pg 9]1. Kapitel. Allgemeine LebensbedingungenUm Blattpflanzen mit Erfolg im Zimmer kultivieren zu können, d. h. sie zur höchsten Entwickelung zu bringen, ist es nötig, daß man im Auge behält, daß es die Blätter sind, welche, und zwar nur im Lichte, die Hauptmasse der festen Pflanzensubstanz, den Kohlenstoff, aus der Luft in Gestalt von Kohlensäure, aufnehmen und aus dieser den Kohlenstoff abscheiden. Ohne Licht ist diese Arbeit der Blätter nicht möglich. Sie findet am intensivsten im Sonnenlichte, weniger stark im zerstreuten Tageslichte statt und vermindert sich in dem Maße, wie das Licht abnimmt. Im Zimmer erhält nun jede Pflanze sehr viel weniger Licht als im Freien. Schon in einer Entfernung von einem Meter vom Fenster hat die Pflanze nur noch ein Fünftel der Lichtmenge, welche eine Pflanze im Garten erhält. Sie kann also hier nur ein Fünftel der Arbeit verrichten. Je näher wir die Pflanze an das Fenster stellen, desto mehr Licht erhält sie, desto besser wird sie sich entwickeln.Die Kohlensäure ist in der Luft nur in geringer Menge enthalten. In 10,000 Teilen Luft sind nur etwa 4 Teile Kohlensäure. Außerdem braucht die Pflanze aber[pg 10]noch aus der Luft Sauerstoff, ein Gas, von welchem in 100 Teilen Luft nur 21 Teile enthalten sind. Um der Pflanze diese beiden Bestandteile recht reichlich zuführen zu können, müssen wir ihr also recht viel frische Luft geben.Die Hauptmasse der frischen Pflanze bildet Wasser. Ohne Wasser kann die Pflanze nicht leben. Die großen Blattflächen verdunsten beständig Wasser, um so mehr, je trockener die Luft ist. Zimmerluft ist, besonders im Winter im geheizten Zimmer, außerordentlich trocken. Die Wasser-Verdunstung der Pflanze ist dann eine besonders starke. Den durch die Verdunstung entstehenden Wasserverlust müssen wir durch Begießen ersetzen.Mit dem Wasser nimmt die Pflanze aus dem Boden Nährstoffe auf, die sie während der Vegetationsperiode braucht. Während der Ruheperiode braucht die Pflanze diese Nährstoffe nicht oder nur in sehr beschränktem Maße. Deshalb müssen wir dafür sorgen, daß die Pflanze während der Ruheperiode möglichst wenig verdunstet, damit sie nicht gezwungen ist, mit dem Wasser viel Nährstoffe aufzunehmen. Die Verdunstung wird eingeschränkt durch feuchte Luft und niedere Temperatur. Wenn wir die Blätter häufig bespritzen, bildet sich um dieselben eine feuchte, kühle Luft. Außerdem können wir die Pflanzen dadurch vor zu starker Verdunstung bewahren, daß wir sie während der Nacht mit einem über einige Stäbe gebreiteten Stück nasser Leinwand, Gaze oder dergl. bedecken. Während der Vegetationsperiode müssen wir andererseits für reichliche Verdunstung und reichlichen Wasserersatz sorgen, damit die Pflanzen mit dem Wasser recht viel Nährstoffe aus dem[pg 11]Boden aufnehmen. Die Wasseraufnahme erfolgt nur durch Wurzeln und zwar um so stärker, je wärmer die die Wurzeln umgebende Erde ist. Je kühler der Boden ist, desto geringer ist die Wurzeltätigkeit. Während der Vegetationsperiode begießen wir die Pflanzen deshalb mit Wasser, das wärmer ist als die Zimmertemperatur. Zartere kann man nach und nach an Wasser von 25 bis 30° R [31,25 bis 37,5° C] gewöhnen. Sie befinden sich dann dabei sehr wohl. Niemals sollte man Wasser zum Begießen verwenden, das kühler als die Zimmertemperatur ist.Die Erde im Topfe soll stets eine bestimmte Menge Luft enthalten. Erde, welche dauernd so naß ist, daß keine Luft darin Platz hat, ist nicht geeignet für das Wachstum der Pflanzen. Die Wurzeln ersticken in solcher Erde und verfaulen, die Pflanze geht zu Grunde. Deshalb muß man dafür sorgen, daß das überschüssige Gießwasser schnell aus dem Topf abfließen kann. Das Loch im Boden des Topfes darf niemals durch Erde verstopft sein. Andrerseits darf die Erde nicht zu trocken werden, weil sonst die Pflanzen nicht genügend Wasser finden, ganz trockene Erde aber häufig nur sehr schwer wieder Wasser annimmt. Wenn die Pflanzen täglich mit zu wenig Wasser begossen werden, dann tritt nicht selten der Fall ein, daß die Erde im Topfe nach und nach von unten her trocken wird, während sie oben feucht ist. Die Wurzeln vertrocknen dann leicht. Pflanzen, deren Erde zu trocken geworden ist, stellt man mehrere Stunden bis an den Topfrand in eine Schüssel Wasser von etwa 30 Grad R [37,5° C]. Um eine gleichmäßige, nicht zu starke und[pg 12]nicht zu geringe Feuchtigkeit der Erde im Topfe zu erhalten, begießt man nur dann, wenn die Pflanze Wasser braucht, d. h. wenn die Blätter anfangen schlaff zu werden; dann aber gießt man so reichlich, bis das Wasser aus dem Abflußloche herausfließt. Wenn das Wasser sofort nach dem Begießen abfließt, dann ist das ein Zeichen, daß die Erde an einer Stelle so trocken ist, daß sie kein Wasser mehr annimmt. Der Topf ist dann sofort in Wasser zu stellen.Alle Pflanzen brauchen zu ihrem Gedeihen eine bestimmte Temperatur. Jede Pflanze hat im Laufe des Jahres eine bestimmte Ruheperiode. Während dieser Periode kann die Temperatur niedriger sein, als während der Zeit der Wachstums. Je nach der Heimat der betreffenden Pflanze muß die Temperatur während der Ruheperiode kälter oder wärmer sein. Pflanzen der Tropen wollen auch während der Nuheperiode eine Temperatur von 12–15° R. [15–18°C], sie sind also im geheizten Wohnzimmer zu halten. Pflanzen der Subtropen und der diesem Klima entsprechenden tropischen Gebirge hält man am besten bei 6–10° R. [7–12°C], also in ungeheizten, aber mit geheizten Räumen in Verbindung stehenden Zimmern. Pflanzen der warmen gemäßigten Zone werden am besten bei 2 biz 4° R. überwintert, also im frostfreien hellen Keller, auf hellen Korridoren etc. Pflanzen der kalten gemäßigten Zone müssen im Winter ganz kalt stehen, leichter Frost ist ihnen nicht schädlich. Nur soll man die in Töpfen stehenden Pflanzen nicht zu strenger Kälte auösetzen.

Um Blattpflanzen mit Erfolg im Zimmer kultivieren zu können, d. h. sie zur höchsten Entwickelung zu bringen, ist es nötig, daß man im Auge behält, daß es die Blätter sind, welche, und zwar nur im Lichte, die Hauptmasse der festen Pflanzensubstanz, den Kohlenstoff, aus der Luft in Gestalt von Kohlensäure, aufnehmen und aus dieser den Kohlenstoff abscheiden. Ohne Licht ist diese Arbeit der Blätter nicht möglich. Sie findet am intensivsten im Sonnenlichte, weniger stark im zerstreuten Tageslichte statt und vermindert sich in dem Maße, wie das Licht abnimmt. Im Zimmer erhält nun jede Pflanze sehr viel weniger Licht als im Freien. Schon in einer Entfernung von einem Meter vom Fenster hat die Pflanze nur noch ein Fünftel der Lichtmenge, welche eine Pflanze im Garten erhält. Sie kann also hier nur ein Fünftel der Arbeit verrichten. Je näher wir die Pflanze an das Fenster stellen, desto mehr Licht erhält sie, desto besser wird sie sich entwickeln.

Die Kohlensäure ist in der Luft nur in geringer Menge enthalten. In 10,000 Teilen Luft sind nur etwa 4 Teile Kohlensäure. Außerdem braucht die Pflanze aber[pg 10]noch aus der Luft Sauerstoff, ein Gas, von welchem in 100 Teilen Luft nur 21 Teile enthalten sind. Um der Pflanze diese beiden Bestandteile recht reichlich zuführen zu können, müssen wir ihr also recht viel frische Luft geben.

Die Hauptmasse der frischen Pflanze bildet Wasser. Ohne Wasser kann die Pflanze nicht leben. Die großen Blattflächen verdunsten beständig Wasser, um so mehr, je trockener die Luft ist. Zimmerluft ist, besonders im Winter im geheizten Zimmer, außerordentlich trocken. Die Wasser-Verdunstung der Pflanze ist dann eine besonders starke. Den durch die Verdunstung entstehenden Wasserverlust müssen wir durch Begießen ersetzen.

Mit dem Wasser nimmt die Pflanze aus dem Boden Nährstoffe auf, die sie während der Vegetationsperiode braucht. Während der Ruheperiode braucht die Pflanze diese Nährstoffe nicht oder nur in sehr beschränktem Maße. Deshalb müssen wir dafür sorgen, daß die Pflanze während der Ruheperiode möglichst wenig verdunstet, damit sie nicht gezwungen ist, mit dem Wasser viel Nährstoffe aufzunehmen. Die Verdunstung wird eingeschränkt durch feuchte Luft und niedere Temperatur. Wenn wir die Blätter häufig bespritzen, bildet sich um dieselben eine feuchte, kühle Luft. Außerdem können wir die Pflanzen dadurch vor zu starker Verdunstung bewahren, daß wir sie während der Nacht mit einem über einige Stäbe gebreiteten Stück nasser Leinwand, Gaze oder dergl. bedecken. Während der Vegetationsperiode müssen wir andererseits für reichliche Verdunstung und reichlichen Wasserersatz sorgen, damit die Pflanzen mit dem Wasser recht viel Nährstoffe aus dem[pg 11]Boden aufnehmen. Die Wasseraufnahme erfolgt nur durch Wurzeln und zwar um so stärker, je wärmer die die Wurzeln umgebende Erde ist. Je kühler der Boden ist, desto geringer ist die Wurzeltätigkeit. Während der Vegetationsperiode begießen wir die Pflanzen deshalb mit Wasser, das wärmer ist als die Zimmertemperatur. Zartere kann man nach und nach an Wasser von 25 bis 30° R [31,25 bis 37,5° C] gewöhnen. Sie befinden sich dann dabei sehr wohl. Niemals sollte man Wasser zum Begießen verwenden, das kühler als die Zimmertemperatur ist.

Die Erde im Topfe soll stets eine bestimmte Menge Luft enthalten. Erde, welche dauernd so naß ist, daß keine Luft darin Platz hat, ist nicht geeignet für das Wachstum der Pflanzen. Die Wurzeln ersticken in solcher Erde und verfaulen, die Pflanze geht zu Grunde. Deshalb muß man dafür sorgen, daß das überschüssige Gießwasser schnell aus dem Topf abfließen kann. Das Loch im Boden des Topfes darf niemals durch Erde verstopft sein. Andrerseits darf die Erde nicht zu trocken werden, weil sonst die Pflanzen nicht genügend Wasser finden, ganz trockene Erde aber häufig nur sehr schwer wieder Wasser annimmt. Wenn die Pflanzen täglich mit zu wenig Wasser begossen werden, dann tritt nicht selten der Fall ein, daß die Erde im Topfe nach und nach von unten her trocken wird, während sie oben feucht ist. Die Wurzeln vertrocknen dann leicht. Pflanzen, deren Erde zu trocken geworden ist, stellt man mehrere Stunden bis an den Topfrand in eine Schüssel Wasser von etwa 30 Grad R [37,5° C]. Um eine gleichmäßige, nicht zu starke und[pg 12]nicht zu geringe Feuchtigkeit der Erde im Topfe zu erhalten, begießt man nur dann, wenn die Pflanze Wasser braucht, d. h. wenn die Blätter anfangen schlaff zu werden; dann aber gießt man so reichlich, bis das Wasser aus dem Abflußloche herausfließt. Wenn das Wasser sofort nach dem Begießen abfließt, dann ist das ein Zeichen, daß die Erde an einer Stelle so trocken ist, daß sie kein Wasser mehr annimmt. Der Topf ist dann sofort in Wasser zu stellen.

Alle Pflanzen brauchen zu ihrem Gedeihen eine bestimmte Temperatur. Jede Pflanze hat im Laufe des Jahres eine bestimmte Ruheperiode. Während dieser Periode kann die Temperatur niedriger sein, als während der Zeit der Wachstums. Je nach der Heimat der betreffenden Pflanze muß die Temperatur während der Ruheperiode kälter oder wärmer sein. Pflanzen der Tropen wollen auch während der Nuheperiode eine Temperatur von 12–15° R. [15–18°C], sie sind also im geheizten Wohnzimmer zu halten. Pflanzen der Subtropen und der diesem Klima entsprechenden tropischen Gebirge hält man am besten bei 6–10° R. [7–12°C], also in ungeheizten, aber mit geheizten Räumen in Verbindung stehenden Zimmern. Pflanzen der warmen gemäßigten Zone werden am besten bei 2 biz 4° R. überwintert, also im frostfreien hellen Keller, auf hellen Korridoren etc. Pflanzen der kalten gemäßigten Zone müssen im Winter ganz kalt stehen, leichter Frost ist ihnen nicht schädlich. Nur soll man die in Töpfen stehenden Pflanzen nicht zu strenger Kälte auösetzen.

[pg 13]2. Kapitel. Die Standorte für ZimmerpflanzenDer beste Platz für die Zimmerpflanzen ist das Fensterbrett eines vorspringenden Erkers, der von drei Seiten Licht erhält. In einem solchen Erker können die Pflanzen auch noch ohne Schaden etwas vom Fenster entfernt stehen. Demnächst ist das Fensterbrett eines gewöhnlichen Zimmers am vorteilhaftesten. Für härtere Pflanzen, namentlich diejenigen des Kaplandes und Australiens, ist das Doppelfenster ein guter Platz. Leider sind die Fensterbretter und die Doppelfenster in unseren modernen Häusern so schmal, daß Pflanzen daselbst wenig Platz haben. Die Fensterbretter verbreitert man am einfachsten durch ein Brett, welches man durch zwei Streben stützt. Um die durch jedes Fenster eindringende kalte Luft von den Töpfen fern zu halten, legt man auf das Fensterbrett quer einige Stäbe und auf diese ein der Länge nach rechtwinklig gebogenes Stück Pappe, so, daß die hochstehende Hälfte dem Fenster zugewendet ist. Die kalte Luft fließt dann unter der Pappe ab.Für den Erker sowohl als auch für das Zimmer am Fenster ist sodann der Blumentritt sehr zu empfehlen.[pg 14]Derselbe soll nicht zu schmale Stufen haben. Um das lästige Abtropfen beim Begießen zu vermeiden, werden auf die Stufen am besten flache Zinkkästen gesetzt. Blumentritte lassen sich mit Blattpflanzen sehr schön bestellen. Sie gewähren auf kleinem Raum einer großen Anzahl Pflanzen Platz.Weniger empfehlenswert sind Blumentische. Ganz zu verwerfen sind die runden Tische, weil auf ihnen die Pflanzen nur teilweise Licht erhalten. Etwas besser sind lange, schmale Tische, auf denen die Pflanzen nur in einer, höchstens in zwei Reihen stehen können. Eine schöne Anordnung der Pflanzen auf solchen Tischen ist jedoch selten möglich. Besser sind da schon die Blumenständer für einzelne Pflanzen. Die denselben in der Regel mitgegebenen großen Töpfe aus Porzellan oder Majolika sind aber unbrauchbar, weil die Luft nicht an die hineingestellten Töpfe kommen kann.Für ganz zarte Pflanzen, welche beständig feuchte Luft brauchen, kommt die Glasglocke und der Glaskasten in Anwendung. Glasglocken sollen keinen Knopf haben. Da aber größere Dimensionen derselben teuer sind, empfiehlt sich mehr der Glaskasten. Die einfachste Form desselben besteht aus 5 Scheiben, welche mit Papierstreifen und Eiweiß zusammengeklebt werden. Mit einem solchen Kasten bedeckt man Pflanzen, deren Töpfe in einem flachen Holz- oder Blechkasten stehen. Will man etwas mehr anwenden, so lasse man sich vom Klempner ein einfaches Gestell aus Zinkblech, in das Glasscheiben eingeschoben werden können, anfertigen. Das Gestell ist mit einem[pg 15]Blechkasten aus Zinkblech fest verbunden. In einem solchen Kasten kann man die empfindlichsten Blattpflanzen halten. Er läßt sich auch leicht heizen, wenn der Boden von Eisenblech ist. Als Heizmaterial verwendet man am einfachsten Brennöl. Ein Nachtlicht liefert genügend Wärme.

Der beste Platz für die Zimmerpflanzen ist das Fensterbrett eines vorspringenden Erkers, der von drei Seiten Licht erhält. In einem solchen Erker können die Pflanzen auch noch ohne Schaden etwas vom Fenster entfernt stehen. Demnächst ist das Fensterbrett eines gewöhnlichen Zimmers am vorteilhaftesten. Für härtere Pflanzen, namentlich diejenigen des Kaplandes und Australiens, ist das Doppelfenster ein guter Platz. Leider sind die Fensterbretter und die Doppelfenster in unseren modernen Häusern so schmal, daß Pflanzen daselbst wenig Platz haben. Die Fensterbretter verbreitert man am einfachsten durch ein Brett, welches man durch zwei Streben stützt. Um die durch jedes Fenster eindringende kalte Luft von den Töpfen fern zu halten, legt man auf das Fensterbrett quer einige Stäbe und auf diese ein der Länge nach rechtwinklig gebogenes Stück Pappe, so, daß die hochstehende Hälfte dem Fenster zugewendet ist. Die kalte Luft fließt dann unter der Pappe ab.

Für den Erker sowohl als auch für das Zimmer am Fenster ist sodann der Blumentritt sehr zu empfehlen.[pg 14]Derselbe soll nicht zu schmale Stufen haben. Um das lästige Abtropfen beim Begießen zu vermeiden, werden auf die Stufen am besten flache Zinkkästen gesetzt. Blumentritte lassen sich mit Blattpflanzen sehr schön bestellen. Sie gewähren auf kleinem Raum einer großen Anzahl Pflanzen Platz.

Weniger empfehlenswert sind Blumentische. Ganz zu verwerfen sind die runden Tische, weil auf ihnen die Pflanzen nur teilweise Licht erhalten. Etwas besser sind lange, schmale Tische, auf denen die Pflanzen nur in einer, höchstens in zwei Reihen stehen können. Eine schöne Anordnung der Pflanzen auf solchen Tischen ist jedoch selten möglich. Besser sind da schon die Blumenständer für einzelne Pflanzen. Die denselben in der Regel mitgegebenen großen Töpfe aus Porzellan oder Majolika sind aber unbrauchbar, weil die Luft nicht an die hineingestellten Töpfe kommen kann.

Für ganz zarte Pflanzen, welche beständig feuchte Luft brauchen, kommt die Glasglocke und der Glaskasten in Anwendung. Glasglocken sollen keinen Knopf haben. Da aber größere Dimensionen derselben teuer sind, empfiehlt sich mehr der Glaskasten. Die einfachste Form desselben besteht aus 5 Scheiben, welche mit Papierstreifen und Eiweiß zusammengeklebt werden. Mit einem solchen Kasten bedeckt man Pflanzen, deren Töpfe in einem flachen Holz- oder Blechkasten stehen. Will man etwas mehr anwenden, so lasse man sich vom Klempner ein einfaches Gestell aus Zinkblech, in das Glasscheiben eingeschoben werden können, anfertigen. Das Gestell ist mit einem[pg 15]Blechkasten aus Zinkblech fest verbunden. In einem solchen Kasten kann man die empfindlichsten Blattpflanzen halten. Er läßt sich auch leicht heizen, wenn der Boden von Eisenblech ist. Als Heizmaterial verwendet man am einfachsten Brennöl. Ein Nachtlicht liefert genügend Wärme.

3. Kapitel. Hilfsmittel für die KulturDie den Pflanzen in den Töpfen gebotene Nahrung reicht gewöhnlich nicht lange aus, um sie zur höchsten Entwickelung zu bringen. Wir behelfen uns deshalb in der Weise, daß wir die Pflanzen häufiger in größere Töpfe pflanzen und ihnen bei dieser Gelegenheit frische, nahrhafte Erde geben, oder in der Weise, daß wir die Pflanzen düngen. Im Zimmer sind für die Düngung am besten die reinen Pflanzennährsalze geeignet und zwar in Gestalt von phosphorsaurem Kali und salpetersaurem Kali, welche man zu gleichen Teilen mischt. Man erhält diese beiden Salze in jeder Apotheke, sowie bei jedem Drogisten. Von dem Gemisch gibt manein halbesGramm in jedes Liter Gießwasser. Da es zu umständlich sein würde, jedesmal diese Menge abzuwiegen, fertigt[pg 16]man sich eine konzentrierte Vorratslösung an, von welcher man etwas zum Gießwasser zugießt. Bringt man z. B. in eine Weinflasche 75 Gramm des Gemisches und füllt die Flasche dann voll Wasser, so erhält man eine Zehntellösung. Um die richtige Verdünnung zu erhalten, muß man also jeden Kubikzentimeter mit 199 Kubikzentimeter reinem Wasser verdünnen. Man mißt zunächst den Inhalt der zum Begießen verwendeten Gießkanne aus. Soviel Liter Wasser die Kanne enthält, soviel mal fünf Kubikzentimeter der Vorratslösung muß man dem Gießwasser zusetzen. Da ein Kaffeelöffel etwa 3 Kubikzentimeter enthält, so kann man auch in jedem Liter Gießwasser zwei Kaffeelöffel der Vorratslösung zuschütten. Mit dieser Vorratslösung reicht man eine ganze Weile. Man gießt mit der Düngerlösung während der Vegetationsperiode anfänglich wöchentlich zweimal, später täglich und läßt allmählich nach, wenn die Pflanze zur Ruhe kommt.Man hüte sich, mehr als die angegebene Menge zu geben, weil man der Pflanze durch ein Mehr nicht nützt, sondern ihr nur schadet.Zerstäuberspritze "Komplett"Zu einem guten Gedeihen der Blattpflanzen im Zimmer ist ein häufiges Überbrausen unbedingt erforderlich. Je feiner das Wasser zerstäubt wird, desto besser ist es. Man hat im Handel viele Zerstäuber, die aber meist den Fehler haben, daß sie leicht versagen oder zu grob zerstäuben, was für das Zimmer nicht vorteilhaft ist. Ich möchte deshalb auf die ganz aus Metall gearbeitete Zerstäuberspritze »Komplett« des Klempnermeisters[pg 17]E. Hildebrandtin Lankwitz-Berlin hinweisen, welche sich nach meinen Erfahrungen als absolut zuverlässig bewährt hat. Sie faßt etwa zwei Liter und zerstäubt sehr fein. Die ersten Anschaffungskosten sind zwar etwas hoch (17,50 Mk.); aber sie machen sich bald bezahlt, weil die Spritze nicht nur zum Zerstäuben von reinem Wasser, sondern auch zum Zerstäuben von Insekticiden vorzüglich zu brauchen ist. Als bestes Insekticid empfehle ich Thripsolin, das alle an Zimmerpflanzen auftretende[pg 18]Schädlinge schnell und sicher tötet. Es eignet sich, mit der Komplettspritze zerstäubt, auch vorzüglich zur Bekämpfung aller tierischen Schädlinge im Garten.Heinemann'sche ZimmergießkanneZum Begießen der Pflanzen im Zimmer eignet sich am besten die Heinemann'sche Zimmergießkanne, welche etwa ein Liter Wasser faßt. Der Gummischlauch gestattet es, auch bei dicht stehenden Pflanzen jedem Topfe das nötige Wasser zu geben, ohne auch nur einen Tropfen Wasser daneben zu gießen. Ich habe die Kanne bereits über ein Jahrzehnt im täglichen Gebrauch. Zu beziehen ist die Kanne vonF. C. Heinemannin Erfurt.

Die den Pflanzen in den Töpfen gebotene Nahrung reicht gewöhnlich nicht lange aus, um sie zur höchsten Entwickelung zu bringen. Wir behelfen uns deshalb in der Weise, daß wir die Pflanzen häufiger in größere Töpfe pflanzen und ihnen bei dieser Gelegenheit frische, nahrhafte Erde geben, oder in der Weise, daß wir die Pflanzen düngen. Im Zimmer sind für die Düngung am besten die reinen Pflanzennährsalze geeignet und zwar in Gestalt von phosphorsaurem Kali und salpetersaurem Kali, welche man zu gleichen Teilen mischt. Man erhält diese beiden Salze in jeder Apotheke, sowie bei jedem Drogisten. Von dem Gemisch gibt manein halbesGramm in jedes Liter Gießwasser. Da es zu umständlich sein würde, jedesmal diese Menge abzuwiegen, fertigt[pg 16]man sich eine konzentrierte Vorratslösung an, von welcher man etwas zum Gießwasser zugießt. Bringt man z. B. in eine Weinflasche 75 Gramm des Gemisches und füllt die Flasche dann voll Wasser, so erhält man eine Zehntellösung. Um die richtige Verdünnung zu erhalten, muß man also jeden Kubikzentimeter mit 199 Kubikzentimeter reinem Wasser verdünnen. Man mißt zunächst den Inhalt der zum Begießen verwendeten Gießkanne aus. Soviel Liter Wasser die Kanne enthält, soviel mal fünf Kubikzentimeter der Vorratslösung muß man dem Gießwasser zusetzen. Da ein Kaffeelöffel etwa 3 Kubikzentimeter enthält, so kann man auch in jedem Liter Gießwasser zwei Kaffeelöffel der Vorratslösung zuschütten. Mit dieser Vorratslösung reicht man eine ganze Weile. Man gießt mit der Düngerlösung während der Vegetationsperiode anfänglich wöchentlich zweimal, später täglich und läßt allmählich nach, wenn die Pflanze zur Ruhe kommt.Man hüte sich, mehr als die angegebene Menge zu geben, weil man der Pflanze durch ein Mehr nicht nützt, sondern ihr nur schadet.

Zerstäuberspritze "Komplett"

Zerstäuberspritze "Komplett"

Zu einem guten Gedeihen der Blattpflanzen im Zimmer ist ein häufiges Überbrausen unbedingt erforderlich. Je feiner das Wasser zerstäubt wird, desto besser ist es. Man hat im Handel viele Zerstäuber, die aber meist den Fehler haben, daß sie leicht versagen oder zu grob zerstäuben, was für das Zimmer nicht vorteilhaft ist. Ich möchte deshalb auf die ganz aus Metall gearbeitete Zerstäuberspritze »Komplett« des Klempnermeisters[pg 17]E. Hildebrandtin Lankwitz-Berlin hinweisen, welche sich nach meinen Erfahrungen als absolut zuverlässig bewährt hat. Sie faßt etwa zwei Liter und zerstäubt sehr fein. Die ersten Anschaffungskosten sind zwar etwas hoch (17,50 Mk.); aber sie machen sich bald bezahlt, weil die Spritze nicht nur zum Zerstäuben von reinem Wasser, sondern auch zum Zerstäuben von Insekticiden vorzüglich zu brauchen ist. Als bestes Insekticid empfehle ich Thripsolin, das alle an Zimmerpflanzen auftretende[pg 18]Schädlinge schnell und sicher tötet. Es eignet sich, mit der Komplettspritze zerstäubt, auch vorzüglich zur Bekämpfung aller tierischen Schädlinge im Garten.

Heinemann'sche Zimmergießkanne

Heinemann'sche Zimmergießkanne

Zum Begießen der Pflanzen im Zimmer eignet sich am besten die Heinemann'sche Zimmergießkanne, welche etwa ein Liter Wasser faßt. Der Gummischlauch gestattet es, auch bei dicht stehenden Pflanzen jedem Topfe das nötige Wasser zu geben, ohne auch nur einen Tropfen Wasser daneben zu gießen. Ich habe die Kanne bereits über ein Jahrzehnt im täglichen Gebrauch. Zu beziehen ist die Kanne vonF. C. Heinemannin Erfurt.

4. Kapitel. Anzucht und VermehrungDie Anzucht der Blattpflanzen aus Samen bereitet in den meisten Fällen keine besonderen Schwierigkeiten. Sie hat nicht selten den Nachteil, daß es ziemlich lange dauert, bis man einigermaßen ansehnliche Pflanzen erlangt. Schneller kommt man im allgemeinen durch vegetative Vermehrung: Teilung oder Stecklinge zum Ziele. Leider lassen sich aber viele Blattpflanzen auf letztere Weise nicht vermehren.Für die Anzucht aus Samen ist möglichst frischer Samen unbedingt notwendig. Man bestelle deshalb stets nur ganz frischen Samen und warte lieber mit der Aussaat, bis der Samenhändler frische Saat erhalten hat, als daß man alten Samen Verwendet. Das Geld für letzteren ist in weitaus den meisten Fällen fortgeworfen und alle aufgewendete Mühe umsonst. Die Keimung der Samen wird stets durch etwas erhöhte Temperatur beschleunigt. Samen von Pflanzen aus den Tropen brauchen sogar meist eine etwas erhöhte Bodentemperatur, um zu keimen. Will man sich seine Blattpflanzen aus Samen heranziehen, so ist es deshalb sehr vorteilhaft, wenn man sich einen kleinen[pg 20]Kasten baut, der heizbar ist. Am einfachsten verwendet man eine Kiste Von etwa 25 cm Höhe, in welche man ein Stück starkes Schwarzblech auf vier in den Ecken festgeschraubte Klötze von 8 cm Höhe aufnagelt. Die Kiste wird mit einer Glasscheibe bedeckt. Auf das Schwarzblech bringt man Erde, in welche man die Töpfe mit den Samen bis zum Rande einsenkt. Der Raum zwischen dem Schwarzblech und dem Boden der Kiste, der Heizraum, wird durch ein an einer Seite ausgesägtes Stück zugänglich gemacht und außerdem durch eine Anzahl Löcher von etwa 2–3 cm Durchmesser an allen vier Seiten ventiliert. Zum Heizen verwendet man ein Nachtlicht. Ein kleines Thermometer im oberen Raume ist zur Beobachtung der Temperatur notwendig. In einem solchen Wärmkasten kann man die zartesten Pflanzen aus Samen heranziehen.Außer Wärme ist zur Keimung der Samen eine recht gleichmäßige, mäßige Feuchtigkeit notwendig. Die Erde, in der die Samen ruhen, darfniemalstrocken werden. Deshalb bedeckt man die Töpfe, wenn sie frei im Zimmer stehen, mit einer Glasscheibe, wodurch ein zu schnelles Austrocknen der obersten Schicht vermieden wird. Ferner brauchen die Samen zur Keimung auch Luft. Aus diesem Grunde wird die Glasscheibe auf dem Topfe jeden Tag kurze Zeit abgenommen; die Samen aber werden nur so tief in die Erde gebracht, wie sie dick sind. Noch empfehlenswerter ist es, die Samenaufdie Erde zu legen und mit zerriebenem Torfmoos leicht zu bedecken. Sehr feine Samen, z. B. von Begonien, streut man auf die[pg 21]zuvor mit einem Brettchen leicht angedrückte, völlig geebnete Erde und drückt sie dann leicht an. Sporen von Farnen streut man auf ein Stückchen glattgeschnittenen Moostorf (Insektenkastentorf), dessen Oberfläche man mit einem Hölzchen etwas gelockert hat und legt dann das Torfstück in ein mit etwas Wasser gefülltes Gefäß. Das Wasser ist von Zeit zu Zeit zu erneuern.Stecklinge lassen sich von Zweigen und Blättern machen. Zweigstecklinge steckt man am besten in recht sandige Erde oder in Torfmull. Auch Kokosfaserabfall eignet sich sehr zur Stecklingsvermehrung. Der Steckling soll stets so geschnitten sein, daß die untere Schnittfläche durch den Blattknoten geht. Man steckt die Stecklinge möglichst nahe an den Rand des Topfes, weil sie sich hier erfahrungsgemäß leichter bewurzeln. Es scheint, als ob die durch die Topfwandung eindringende Luft die Wurzelbildung befördert; wenigstens deutet der Umstand, daß, wenn man in den Topf einen kleineren verkehrt stellt und ihn dann mit Erde füllt, Stecklinge an den Wandungen, sowohl denen des kleineren als auch des größeren leichter Wurzeln bilden als in der Mitte der Erde, darauf hin. Da die unterirdischen Stengel, die Rhizome, ebenfalls Zweige sind, so können auch sie zur Stecklingsvermehrung verwendet werden. Stets sollen die Stecklinge in einer gleichmäßig feuchten Luft gehalten werden. Kann man etwas Bodenwärme geben, so ist es um so besser.Eine ganze Anzahl Pflanzen mit fleischigen oder dickadrigen Blättern lassen sich verhältnismäßig leicht durch Blattstecklinge vermehren. Es gehören hierher buntblättrige[pg 22]Begonien,Peperomien,Gesneraceen,Bryophyllum,Sansevieraetc. Während Blätter normal keine Laubknospen bilden, besitzen die der genannten Pflanzen die Eigenschaft, unter bestimmten Verhältnissen Knospen und Wurzeln zu bilden. Diese Verhältnisse sind: gleichmäßig feuchte Luft und Erde und etwas erhöhte Temperatur. Die Vermehrung durch Blattstecklinge ist also nur in einem heizbaren Kasten auszuführen. Die Methoden der Vermehrung sind verschieden. Im einfachsten Falle steckt man das Blatt, dem man ein Stück des Blattstieles gelassen hat, in sandige Erde (Peperomien). Begonienblätter legt man entweder auf feuchten Sand, wobei der Blattstielstumpf in den Sand kommt, durchsticht die Hauptadern an den Gabelstellen und drückt die Blattfläche durch kleine /\ gebogene Holzstückchen fest an den Sand an. Oder man schneidet die Blattfläche bis auf ein kleines Dreieck von etwa 5 cm Länge fort und steckt dieses Dreieck in den Sand. Außer beiBryophyllumwelches an den Kanten des Blattrandes Knospen bildet, entwickeln sich nach bald längerer, bald kürzerer Zeit an den Schnittflächen Knospen, welche, wenn sie bewurzelt sind, einzeln in kleine Töpfe gepflanzt werden.

Die Anzucht der Blattpflanzen aus Samen bereitet in den meisten Fällen keine besonderen Schwierigkeiten. Sie hat nicht selten den Nachteil, daß es ziemlich lange dauert, bis man einigermaßen ansehnliche Pflanzen erlangt. Schneller kommt man im allgemeinen durch vegetative Vermehrung: Teilung oder Stecklinge zum Ziele. Leider lassen sich aber viele Blattpflanzen auf letztere Weise nicht vermehren.

Für die Anzucht aus Samen ist möglichst frischer Samen unbedingt notwendig. Man bestelle deshalb stets nur ganz frischen Samen und warte lieber mit der Aussaat, bis der Samenhändler frische Saat erhalten hat, als daß man alten Samen Verwendet. Das Geld für letzteren ist in weitaus den meisten Fällen fortgeworfen und alle aufgewendete Mühe umsonst. Die Keimung der Samen wird stets durch etwas erhöhte Temperatur beschleunigt. Samen von Pflanzen aus den Tropen brauchen sogar meist eine etwas erhöhte Bodentemperatur, um zu keimen. Will man sich seine Blattpflanzen aus Samen heranziehen, so ist es deshalb sehr vorteilhaft, wenn man sich einen kleinen[pg 20]Kasten baut, der heizbar ist. Am einfachsten verwendet man eine Kiste Von etwa 25 cm Höhe, in welche man ein Stück starkes Schwarzblech auf vier in den Ecken festgeschraubte Klötze von 8 cm Höhe aufnagelt. Die Kiste wird mit einer Glasscheibe bedeckt. Auf das Schwarzblech bringt man Erde, in welche man die Töpfe mit den Samen bis zum Rande einsenkt. Der Raum zwischen dem Schwarzblech und dem Boden der Kiste, der Heizraum, wird durch ein an einer Seite ausgesägtes Stück zugänglich gemacht und außerdem durch eine Anzahl Löcher von etwa 2–3 cm Durchmesser an allen vier Seiten ventiliert. Zum Heizen verwendet man ein Nachtlicht. Ein kleines Thermometer im oberen Raume ist zur Beobachtung der Temperatur notwendig. In einem solchen Wärmkasten kann man die zartesten Pflanzen aus Samen heranziehen.

Außer Wärme ist zur Keimung der Samen eine recht gleichmäßige, mäßige Feuchtigkeit notwendig. Die Erde, in der die Samen ruhen, darfniemalstrocken werden. Deshalb bedeckt man die Töpfe, wenn sie frei im Zimmer stehen, mit einer Glasscheibe, wodurch ein zu schnelles Austrocknen der obersten Schicht vermieden wird. Ferner brauchen die Samen zur Keimung auch Luft. Aus diesem Grunde wird die Glasscheibe auf dem Topfe jeden Tag kurze Zeit abgenommen; die Samen aber werden nur so tief in die Erde gebracht, wie sie dick sind. Noch empfehlenswerter ist es, die Samenaufdie Erde zu legen und mit zerriebenem Torfmoos leicht zu bedecken. Sehr feine Samen, z. B. von Begonien, streut man auf die[pg 21]zuvor mit einem Brettchen leicht angedrückte, völlig geebnete Erde und drückt sie dann leicht an. Sporen von Farnen streut man auf ein Stückchen glattgeschnittenen Moostorf (Insektenkastentorf), dessen Oberfläche man mit einem Hölzchen etwas gelockert hat und legt dann das Torfstück in ein mit etwas Wasser gefülltes Gefäß. Das Wasser ist von Zeit zu Zeit zu erneuern.

Stecklinge lassen sich von Zweigen und Blättern machen. Zweigstecklinge steckt man am besten in recht sandige Erde oder in Torfmull. Auch Kokosfaserabfall eignet sich sehr zur Stecklingsvermehrung. Der Steckling soll stets so geschnitten sein, daß die untere Schnittfläche durch den Blattknoten geht. Man steckt die Stecklinge möglichst nahe an den Rand des Topfes, weil sie sich hier erfahrungsgemäß leichter bewurzeln. Es scheint, als ob die durch die Topfwandung eindringende Luft die Wurzelbildung befördert; wenigstens deutet der Umstand, daß, wenn man in den Topf einen kleineren verkehrt stellt und ihn dann mit Erde füllt, Stecklinge an den Wandungen, sowohl denen des kleineren als auch des größeren leichter Wurzeln bilden als in der Mitte der Erde, darauf hin. Da die unterirdischen Stengel, die Rhizome, ebenfalls Zweige sind, so können auch sie zur Stecklingsvermehrung verwendet werden. Stets sollen die Stecklinge in einer gleichmäßig feuchten Luft gehalten werden. Kann man etwas Bodenwärme geben, so ist es um so besser.

Eine ganze Anzahl Pflanzen mit fleischigen oder dickadrigen Blättern lassen sich verhältnismäßig leicht durch Blattstecklinge vermehren. Es gehören hierher buntblättrige[pg 22]Begonien,Peperomien,Gesneraceen,Bryophyllum,Sansevieraetc. Während Blätter normal keine Laubknospen bilden, besitzen die der genannten Pflanzen die Eigenschaft, unter bestimmten Verhältnissen Knospen und Wurzeln zu bilden. Diese Verhältnisse sind: gleichmäßig feuchte Luft und Erde und etwas erhöhte Temperatur. Die Vermehrung durch Blattstecklinge ist also nur in einem heizbaren Kasten auszuführen. Die Methoden der Vermehrung sind verschieden. Im einfachsten Falle steckt man das Blatt, dem man ein Stück des Blattstieles gelassen hat, in sandige Erde (Peperomien). Begonienblätter legt man entweder auf feuchten Sand, wobei der Blattstielstumpf in den Sand kommt, durchsticht die Hauptadern an den Gabelstellen und drückt die Blattfläche durch kleine /\ gebogene Holzstückchen fest an den Sand an. Oder man schneidet die Blattfläche bis auf ein kleines Dreieck von etwa 5 cm Länge fort und steckt dieses Dreieck in den Sand. Außer beiBryophyllumwelches an den Kanten des Blattrandes Knospen bildet, entwickeln sich nach bald längerer, bald kürzerer Zeit an den Schnittflächen Knospen, welche, wenn sie bewurzelt sind, einzeln in kleine Töpfe gepflanzt werden.


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