Chapter 3

Ein weißes Kätzchen voller Schliche,Ging heimlich, weil es gerne schleckt,Des abends in die Nachbarküche.Wo man es leider bald entdeckt.Mit Besen und mit FeuerzangenGejagt in alle Ecken ward's.Es fuhr zuletzt voll TodesbangenZum Schlot hinaus und wurde schwarz.Ja, siehst du wohl, mein liebes Herze?Wer schlecken will, was ihm gefällt,Der kommt nicht ohne Schmutz und SchwärzeHinaus aus dieser bösen Welt.

Es wächst wohl auf der HaideUnd in des Waldes RaumEin Baum zu Nutz und Freude,Genannt der Birkenbaum.Die Schuh, daraus geschnitzet,Sind freundlich von Gestalt.Wohl dem, der sie besitzet,Ihm wird der Fuß nicht kalt.Es ist die weiße RindeZu Tabaksdosen gut,Als theures AngebindeFür den, der schnupfen thut.Man zapfet aus der BirkeSehr angenehmen Wein,Man reibt sich, daß es wirke,Die Glatze damit ein.Dem BirkenreiserbesenGebühret Preis und Ehr;Das stärkste KehrichtwesenDas treibt er vor sich her.Von Birken eine Ruthe,Gebraucht am rechten Ort,Befördert oft das GuteMehr, als das beste Wort.Und kommt das Fest der Pfingsten,Dann schmückt mir fein das Haus,Ihr, meine liebsten Jüngsten,Mit Birkenzweigen aus.

Der Ruhm, wie alle Schwindelware,Hält selten über tausend Jahre.Zumeist vergeht schon etwas ehrDie Haltbarkeit und die Kulör.Ein Schmetterling voll Eleganz,Genannt der Ritter Schwalbenschwanz,Ein Exemplar von erster Güte,Begrüßte jede DoldenblütheUnd holte hier und holte daSich Nektar und Ambrosia.Mitunter macht er sich auch breitIn seiner ganzen HerrlichkeitUnd zeigt den Leuten seine OrdenUnd ist mit recht berühmt geworden.Die jungen Mädchen fanden diesEntzückend, goldig, reizend, süß.Vergeblich schwenkten ihre MützenDie Knaben, um ihn zu besitzen.Sogar der Spatz hat zugeschnapptUnd hätt ihn um ein Haar gehabt.Jetzt aber naht sich ein Student,Der seine Winkelzüge kennt.In einem Netz mit engen MaschenThät er den Flüchtigen erhaschen,Und da derselbe ohne Tadel,Spießt er ihn auf die heiße Nadel.So kam er unter Glas und RahmenMit Datum, Jahreszahl und NamenUnd bleibt berühmt und unvergessen,Bis ihn zuletzt die Motten fressen.Man möchte weinen, wenn man sieht,Daß dies das Ende von dem Lied.

Der schöne Sommer ging von hinnen,Der Herbst, der reiche zog in's Land.Nun weben all die guten SpinnenSo manches feine Festgewand.Sie weben zu des Tages FeierMit kunstgeübtem HinterbeinGanz allerliebste ElfenschleierAls Schmuck für Wiese, Flur und Hain.Ja, tausend Silberfäden gebenDem Winde sie zum leichten Spiel,Die ziehen sanft dahin und schwebenAn's unbewusst bestimmte Ziel.Sie ziehen in das Wunderländchen,Wo Liebe scheu im Anbeginn,Und leis verknüpft ein zartes BändchenDen Schäfer mit der Schäferin.

Habt ihr denn wirklich keinen SchimmerVon Angst, daß ihr noch ruhig schlaft?Wird denn in dieser Welt nicht immerDas Leben mit dem Tod bestraft?Ihr lebt vergnügt trotz dem Verhängniß,Das näher stets und näher zieht.So stiehlt der Dieb, dem das GefängnißUnd später gar der Galgen blüht.Hör auf, entgegnet frech die Jugend,Du altes Jammerinstrument.Man merkt es gleich: du bist die Tugend,Die Keinem sein Vergnügen gönnt.

Ein Philosoph von ernster ArtDer sprach und strich sich seinen Bart:Ich lache nie. Ich lieb es nicht,Mein ehrenwerthes AngesichtDurch Zähnefletschen zu entstellenUnd närrisch wie ein Hund zu bellen;Ich lieb es nicht durch ein GemeckerZu zeigen, daß ich Witzentdecker;Ich brauche nicht durch WerthvergleichenMit Andern mich herauszustreichen,Um zu ermessen, was ich bin,Denn dieses weiß ich ohnehin.Das Lachen will ich überlassenDen minder hochbegabten Klassen.Ist einer ohne SelbstvertraunIn Gegenwart von schönen Fraun,So daß sie ihn als faden GeckenAbfahren lassen oder necken,Und fühlt er drob geheimen GrollUnd weiß nicht, was er sagen soll,Dann schwebt mit Recht auf seinen ZügenEin unaussprechliches Vergnügen.Und hat er Kursverlust erlitten,Ist er moralisch ausgeglitten,So giebt es Leute, die doch immerNoch dümmer sind als er und schlimmer.Und hat er etwa krumme Beine,So giebt's noch krümmere als seine.Er tröstet sich und lacht darüberUnd denkt: Da bin ich mir doch lieber.Den Teufel lass ich aus dem Spiele.Auch sonst noch lachen ihrer Viele,Besonders jene ewig Heitern,Die unbewusst den Mund erweitern.Die so zu sagen, auserkorenZum Lachen bis an beide Ohren.Sie freuen sich mit Weib und KindSchon bloß, weil sie vorhanden sind.Ich dahingegen, der ich sitzeAuf der Betrachtung höchster Spitze,Weit über allem Was und Wie,Ich bin für mich und lache nie.

Was er liebt, ist Keinem fraglich;Triumphirend und behaglichNimmt es seine Seele einUnd befiehlt: So soll es sein.Suche nie, wo dies geschehen,Widersprechend vorzugehen,Sintemalen im GemüthSchon die höchste Macht entschied.Ungestört in ihren LaubenLass die Liebe, lass den Glauben,Der, wenn man es recht ermisst,Auch nur lauter Liebe ist.

Du liebes Plappermäulchen,Bedenk dich erst ein Weilchen,Und sprich nicht so geschwind.Du bist wie unsre MühleMit ihrem FlügelspieleIm frischen Sausewind.So lang der Müller thätigUnd schüttet auf was nöthig,Geht alles richtig zu;Doch ist kein Korn darinnen,Dann kommt das Werk von Sinnen,Und klappert so wie du.

Des morgens früh, sobald ich mirMein Pfeifchen angezündet,Geh ich hinaus zur Hinterthür,Die in den Garten mündet.Besonders gern betracht ich dannDie Rosen, die so niedlich;Die Blattlaus sitzt und saugt daranSo grün, so still, so friedlich.Und doch wird sie, so still sie ist,Der Grausamkeit zur Beute;Der Schwebefliegen Larve frißtSie auf bis auf die Häute.Schluppwespchen flink und klimperklein,So sehr die Laus sich sträube,Sie legen doch ihr Ei hineinNoch bei lebendgem Leibe.Sie aber sorgt nicht nur mit FleißDurch Eier für Vermehrung;Sie kriegt auch Junge hundertweisAls weitere Bescherung.Sie nährt sich an dem jungen SchaftDer Rosen, eh sie welken;Ameisen kommen, ihr den SaftSanft streichelnd abzumelken.So seh ich in BetriebsamkeitDas hübsche UngezieferUnd rauche während dieser ZeitMein Pfeifchen tief und tiefer.Daß keine Rose ohne Dorn,Bringt mich nicht aus dem Häuschen.Auch sag ich ohne jeden Zorn:Kein Röslein ohne Läuschen!

Stoffel hackte mit dem Beile.Dabei that er sich sehr wehe,Denn er traf in aller EileGanz genau die große Zehe.Ohne jedes Schmerzgewimmer,Nur mit Ruh, mit einer festen,Sprach er: Ja, ich sag es immer,Nebenzu trifft man am besten.

Die Mutter plagte ein Gedanke.Sie kramt im alten Kleiderschranke,Wo Kurz und Lang, obschon gedrängt,Doch friedlich, bei einander hängt.Auf einmal ruft sie: Ei sieh da,Der Schwalbenschwanz, da ist er ja!Den blauen, längst nicht mehr benützten,Den hinten zwiefach zugespitzten,Mit blanken Knöpfen schön geschmückt,Der einst so manches Herz berückt,Ihn trägt sie klug und überlegtDahin, wo sie zu schneidern pflegt,Und trennt und wendet, näht und misst,Bis daß das Werk vollendet ist.Auf die Art aus des Vaters FrackeKriegt Fritzchen eine neue Jacke.Grad so behilft sich der Poet.Du liebe Zeit, was soll er machen?Gebraucht sind die GedankensachenSchon alle, seit die Welt besteht.

Als ich in JugendtagenNoch ohne Grübelei,Da meint ich mit Behagen,Mein Denken wäre frei.Seitdem hab ich die StirneOft auf die Hand gestütztUnd fand, daß im GehirneEin harter Knoten sitzt.Mein Stolz der wurde kleiner.Ich merkte mit Verdruss:Es kann doch UnsereinerNur denken, wie er muss.

Im Hochgebirg vor seiner HöhleSaß der Asket;Nur noch ein Rest von Leib und SeeleInfolge äußerster Diät.Demüthig ihm zu Füßen knietEin Jüngling, der sich längst bemüht,Des strengen Büßers strenge LehrenNachdenklich prüfend anzuhören.Grad schließt der Klausner den SermonUnd spricht: Bekehre dich, mein Sohn.Verlass das böse Weltgetriebe.Vor allem unterlass die Liebe,Denn grade sie erweckt auf's NeueDas Leben und mit ihm die Reue.Da schau mich an. Ich bin so leicht,Fast hab ich schon das Nichts erreicht,Und bald verschwind ich in das reineZeit- raum- und traumlos Allundeine.Als so der Meister in Ekstase,Sticht ihn ein Bienchen in die Nase.Oh, welch ein Schrei!Und dann das Mienenspiel dabei.Der Jüngling stutzt und ruft: Was seh ich?Wer solchermaßen leidensfähig,Wer so gefühlvoll und empfindlich,Der, fürcht ich, lebt noch viel zu gründlichUnd stirbt noch nicht zum letzten Mal.Mit diesem kühlen Wort empfahlDer Jüngling sich und stieg herniederIns tiefe Thal und kam nicht wieder.

Nachbar Nickel ist verdrießlich,Und er darf sich wohl beklagen,Weil ihm seine Pläne schließlichAlle gänzlich fehl geschlagen.Unsre Ziege starb heut Morgen.Geh und sag's ihm, lieber Knabe!Daß er nach so vielen SorgenAuch mal eine Freude habe.

Er war nicht unbegabt. Die GeisteskräfteGenügten für die laufenden Geschäfte.Nur hatt er die Marotte,Er sei der Papst. Dies sagt er oft und gern,Für jedermann zum Ärgerniss und Spotte,Bis sie zuletzt ins Narrenhaus ihn sperrn.Ein guter Freund, der ihn daselbst besuchte,Fand ihn höchst aufgeregt. Er fluchte:Zum Kuckuck, das ist doch zu dumm.Ich soll ein Narr sein und weiß nicht warum.Ja, sprach der Freund, so sind die Leute.Man hat an einem Papst genug.Du bist der zweite.Das eben kann man nicht vertragen.Hör zu, ich will dir mal was sagen:Wer schweigt, ist klug.Der Narr verstummt, als ob er überlege.Der gute Freund ging leise seiner Wege.Und schau, nach vierzehn Tagen gradeDa traf er ihn schon auf der Promenade.Ei, rief der Freund, wo kommst du her?Bist du denn jetzt der Papst nicht mehr?Freund, sprach der Narr und lächelt schlau,Du scheinst zur Neugier sehr geneigt.Das, was wir sind, weiß ich genau.Wir alle haben unsern Sparren,Doch sagen thun es nur die Narren.Der Weise schweigt.

Als Kind von angenehmen ZügenWar Röschen ein gar lustig Ding.Gern zupfte sie das Bein der Fliegen,Die sie geschickt mit Spucke fing.Sie wuchs, und größere ObjekteLockt sie von nun an in ihr Garn,Nicht nur die jungen, nein, sie neckteUnd rupft auch manchen alten Narrn.Inzwischen that in stillem WaltenDie Zeit getreulich ihre Pflicht.Durch wundersame BügelfaltenVerziert sie Röschens Angesicht.Und locker wurden Röschens Zähne.Kein Freier stellte sich mehr ein.Und schließlich kriegt sie gar Migräne,Und die pflegt dauerhaft zu sein.Dies führte sie zum Aberglauben,Obwohl sie sonst nicht gläubig schien.Sie meinte fest, daß TurteltaubenDen Schmerz der Menschen an sich ziehn.Zwei Stück davon hat sie im Bauer,Ein Pärchen, welches zärtlich girrt;Jetzt liegt sie täglich auf der Lauer,Ob ihnen noch nicht übel wird.

Ein Dornstrauch stand im Wiesenthal,An einer Stiege, welche schmal,Und ging vorüber irgend wer,Den griff er an und kratzte er.Ein Lämmlein kam daher gehupft.Das hat er ebenfalls gerupft.Es sieht ihn traurig an und spricht:Du brauchst doch meine Wolle nicht,Und niemals that ich dir ein Leid.Weßhalb zerrupfst du denn mein Kleid?Es thut mir weh und ist auch schad.Ei, rief der Freche, darum grad.

Miezel, eine schlaue Katze,Molly, ein begabter Hund,Wohnhaft an demselben Platze,Hassten sich aus Herzensgrund.Schon der Ausdruck ihrer Mienen,Bei gesträubter Haarfrisur,Zeigt es deutlich: Zwischen ihnenIst von Liebe keine Spur.Doch wenn Miezel in dem Baume,Wo sie meistens hin entwich,Friedlich dasitzt, wie im Traume,Dann ist Molly außer sich.Beide lebten in der Scheune,Die gefüllt mit frischem Heu.Alle beide hatten Kleine,Molly zwei und Miezel drei.Einst zur Jagd ging Miezel wiederAuf das Feld. Da geht es bumm.Der Herr Förster schoß sie nieder.Ihre Lebenszeit ist um.Oh, wie jämmerlich miauenDie drei Kinderchen daheim.Molly eilt, sie zu beschauen,Und ihr Herz geht aus dem Leim.Und sie trägt sie kurz entschlossenZu der eignen Lagerstatt,Wo sie nunmehr fünf GenossenAn der Brust zu Gaste hat.Mensch, mit traurigem Gesichte,Sprich nicht nur von Leid und Streit,Selbst in Brehms NaturgeschichteFindet sich Barmherzigkeit.

Nachdem er am SonntagmorgenVor seinem Spiegel gestanden,Verschwanden die letzten SorgenUnd Zweifel, die noch vorhanden.Er wurde so verwegen,Daß er nicht länger schwankte.Er schrieb ihr. Sie dagegenErwidert: Nein, sie dankte.Der Schreck, den er da hatte,Hätt ihn fast umgeschmissen,Als hätt ihn eine RattePlötzlich ins Herz gebissen.

Ach, wie eilte so geschwindeDieser Sommer durch die Welt.Herbstlich rauscht es in der Linde,Ihre Blätter mit dem WindeWehen über's Stoppelfeld.Hörst du in den Lüften klingendSehnlich klagend das Kuru?Wandervögel, flügelschwingend,Lebewohl der Heimath singend,Ziehn dem fremden Lande zu.Morgen muß ich in die Ferne.Liebes Mädchen, bleib mir gut.Morgen lebt in der Kaserne,Daß er exerziren lerne,Dein dich liebender Rekrut.

Es war die erste Maiennacht.Kein Mensch im Dorf hat mehr gewacht.Da hielten, wie es stets der Fall,Die Thiere ihren Frühlingsball.Die Gans, die gute Adelheid,Fehlt nie bei solcher Festlichkeit,Obgleich man sie nach altem BrauchZu necken pflegt. So heute auch.Frau Schnabel, nannte sie der Kater,Frau Plattfuß, rief der Ziegenvater;Doch sie, zwar lächelnd, aber kühl,Hüllt sich in sanftes Selbstgefühl.So saß sie denn in ödem SchweigenAllein für sich bei Spiel und Reigen,Bei Freudenlärm und Jubeljux.Sieh da, zum Schluß hat auch der FuchsSich ungeladen eingedrängelt.Schlau hat er sich herangeschlängelt.Ihr Diener, säuselt er galant,Wie geht's der Schönsten in Brabant?Ich küss der gnäd'gen Frau den Fittig.Ist noch ein Tänzchen frei, so bitt ich.Sie nickt verschämt: O Herr Baron!Indem so walzen sie auch schon.Wie trippeln die Füße, wie wippeln die SchwänzeIm lustigen Kehraus, dem letzten der Tänze.Da tönt es vier mit lautem Schlag.Das Fest ist aus. Es naht der Tag, —Bald drauf, im frühsten Morgenschimmer,Ging Mutter Urschel aus, wie immer,Mit Korb und Sichel, um verstohlenSich etwas fremden Klee zu holen.An einer Hecke bleibt sie stehn:Herrjeh, was ist denn hier geschehn?Die Füchse, sag ich, soll man rädern.Das sind wahrhaftig Gänsefedern.Ein frisches Ei liegt dicht daneben.Ich bin so frei es aufzuheben.Ach, armes Thier, sprach sie bewegt.Dies Ei hast du vor Angst gelegt.

Ach, wie vieles muß man rügen,Weil es sündlich und gemein,So, zum Beispiel, das Vergnügen,Zuzusehn bei Prügelein.Noch vor kurzem hab ich selberMir zwei Gockel angesehn,Hier ein schwarzer, da ein gelber,Die nicht gut zusammen stehn.Plötzlich kam es zum Skandale,Denn der schwarze macht die Kur,Was dem gelben alle MalePeinlich durch die Seele fuhr.Mit den Krallen, mit den Sporen,Mit dem Schnabel, scharf gewetzt,Mit den Flügeln um die OhrenHat es Hieb auf Hieb gesetzt.Manche Feder aus dem LederReißen und zerschleißen sie,Und zum Schlusse ruft ein jederTriumphirend Kickriki!Voller Freude und mit wahremEifer sah ich diesen Zwist,Während jedes Huhn im HaremHöchst gelassen weiter frisst.Solch ein Weibervolk mit FlügelnMeint, wenn Gockel früh und spätSeinetwegen sich verprügeln,Daß sich das vonselbst versteht.

Ich ging zur Bahn. Der AbendzugKam erst um halber zehn.Wer zeitig geht, der handelt klug,Er kann gemüthlich gehn.Der Frühling war so warm und mild,Ich ging wie neubelebt,Zumal ein werthes FrauenbildMir vor der Seele schwebt.Daß ich sie heut noch sehen soll,Daß sie gewiß noch wach,Davon ist mir das Herz so voll,Ich steh und denke nach.Ein Häslein, das vorüber stiebt,Ermahnt ich: Lass dir Zeit,Ein guter Mensch, der glücklich liebt,Thut keinem was zu leid.Von ferne aus dem WiesenteichErklang der Frösche Chor,Und überm Walde stieg zugleichDer goldne Mond empor.Da bist du ja, ich grüße dich,Du traulicher Kumpan.Bedächtig wandelst du wie ichDahin auf deiner Bahn.Dies lenkte meinen DenkersinnAuf den Geschäftsverlauf;Ich überschlug mir den Gewinn.Das hielt mich etwas auf.Doch horch, da ist die Nachtigall,Sie flötet wunderschön.Ich flöte selbst mit sanftem SchallUnd bleib ein wenig stehn.Und flötend kam ich zur Station,Wie das bei mir Gebrauch.O weh, was ist das für ein Ton?Der Zug der flötet auch.Dort saust er hin. Ich stand versteint.Dann sah ich nach der Uhr,Wie jeder, der zu spät erscheint.So will es die Natur.

Fritz, der mal wieder schrecklich träge,Vermuthet, heute giebt es Schläge,Und knöpft zur Abwehr der AttackeEin Buch sich unter seine Jacke,Weil er sich in dem Glauben wiegt,Daß er was auf den Buckel kriegt.Die Schläge trafen richtig ein.Der Lehrer meint es gut. AlleinDie Gabe wird für heut gespendetMehr unten, wo die Jacke endet,Wo Fritz nur äußerst leicht bekleidetUnd darum ganz besonders leidet.Ach, daß der Mensch so häufig irrtUnd nie recht weiß, was kommen wird!

Ein Mensch, der etwas auf sich hält,Bewegt sich gern in feiner Welt,Denn erst in weltgewandten KreisenLernt man die rechten Redeweisen,Verbindlich, aber zugespitzt,Und treffend, wo die Schwäre sitzt.Es ist so wie mit Rector Knaut,Der immer lächelt, wenn er haut.Auch ist bei Knaben weit berüchtigtDas Instrument, womit er züchtigt.Zu diesem Zweck bedient er nämlich,Als für den Sünder gut bekömmlich,Sich einer schlanken Haselgerte,Zwar biegsam, doch nicht ohne Härte,Die sich, von rascher Hand bewegt,Geschmeidig um die Hüfte legt.Nur wer es fühlte, der begreift es:Vorn schlägt er zu und hinten kneift es.

Sag Atome, sage Stäubchen.Sind sie auch unendlich klein,Haben sie doch ihre LeibchenUnd die Neigung da zu sein.Haben sie auch keine Köpfchen,Sind sie doch voll Eigensinn.Trotzig spricht das Zwerggeschöpfchen:Ich will sein so wie ich bin.Suche nur, sie zu bezwingen,Stark und findig, wie du bist.Solch ein Ding hat seine Schwingen,Seine Kraft und seine List.Kannst du auch aus ihnen schmiedenDeine Rüstung als Despot,Schließlich wirst du doch ermüden,Und dann heißt es: Er ist todt.

Lange warst du im Gedrängel,Aller Dinge tief versteckt,Bis als einen kleinen BengelUnser Auge dich entdeckt.Schreiend hast du Platz genommen,Zum Genuß sofort bereit,Und wir hießen dich willkommen,Pflegten dich mit Zärtlichkeit.Aber eh du recht empfunden,Was daheim für Freuden blühn,Hast dein Bündel du gebunden,Um in fremdes Land zu ziehn.Leichte lustige GesellenFinden sich an jedem Ort.Weiber schelten, Hunde bellen,Lachend zogst du weiter fort.Sahst die Welt an beiden Enden,Hast genippt und hast genascht.Endlich fest mit KlammerhändenHat die Liebe dich erhascht.Und du zogst den Kinderwagen,Und du trugst, was dir bestimmt,Seelenlast und Leibesplagen,Bis der Rücken sich gekrümmtNur Geduld. Es steht ein FliederAn der Kirche grau und alt.Dort für deine müden GliederIst ein kühler Aufenthalt.


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