GESANG
In allem hatte sie treffsicheres Urteil.
In allem. Nur sein Gesang gefiel ihr,
obzwar die Töne wie laues Regenwasser seinem geziert ovalen Mund enttropften.
Er sang mit ihr, sie spielte das Klavier, er sangfür sie!
Und deshalb fand sie seine Stimme lieblich,
obzwar sie selbst das C-moll-Adagio Beethovens unaussprechlich zärtlich spielen konnte,
und für allessonstaristokratisch-feine Ohren hatte.
Und einmal sagte sie zu mir:
„Ist es Ihr Ernst, daß Sie seine Stimme für tonlos halten, oder steckt da etwas dahinter, Lieber?!“
„Es steckt etwas dahinter!“ sagte ich, „das Vorurteil des dummen Weibchens!“