LIEBESGEDICHT
Ich wußte es, sie hatte mich betrogen — — —.
Betrogen? Nein. Sie hatte nur vergessen, es mir zu sagen, es mir mitzuteilen — — —.
Denn ich hätte es ihr gestattet; wie einem Kindchen Kugler-Gerbeaud-Bonbons, von denen man nicht wissen kann, wie zart sie schmecken — — —.
Das Stubenmädchen brachte mir ihren, meinen armseligen Ring, zehn Kronen, den sie auf Zimmer 109, im Bett gefunden hatte.
Dann ging ich in die Bergwiesen, in den Wald, zu unserem heiligen Ruheplätzchen.
Hochgelbe Arnika wuchs, weißer Klee, braune Schuppenwurz, lila Orchideen, ein Liebesteppich.
Sie hatte mich betrogen. Nein.
Dort, siehe, war es ein weißes Bett gewesen wie tausend Betten — — —. Ein weißes, weißes, nichtssagendes Bett.
Hier aber war Bergwiesen-Liebesteppich, in Gottes bunter Pracht! Hier blieb sie mir treu!