3. Capitel.
Amethysten-Verein — Alkohol — Gandruwó, eine Spukgeschichte — Polypragmasie der jungen Aerzte — Verpflegung in einem Fort — Unselbständigkeit der Militärärzte — Malayische Sprache — Vergiftung mit Chloralhydrat und Arsenik — Krankenwärter und Sträflinge — Amoklaufen — Erste Praxis unter den Dajakern — Schwanzmenschen.
Mit mir wurde, wie schon erwähnt, auch ein neuer Commandant nach Muarah Teweh transferirt, welcher gewissermaassen mein Chef in loco war, während der Landessanitäts-Chef in Bandjermasing in allen dienstlichen und wissenschaftlichen Angelegenheiten der eigentliche Chef blieb. Wir Beiden standen den fünften Morgen am Deck, als uns der Schiffs-Capitain am linken Ufer in weiter Ferne das Dach eines Forts sehen liess, mit des Worten: »Das ist Ihr Gefängniss.« Das erste Wort, welches der neue Commandant über Teweh zu mir sagte, war: »Nun zeigen Sie mir hier etwas Interessantes!« — Ein Fort mit zwei Meter hohen Palissaden aus Eisenholz; die Gebäude zeigten das schmutzig-gelb Graue vonaltenBambusmatten und waren mit Holzschindeln gedeckt; hinter dem Fort war Urwald, auf dem jenseitigen Ufer des Baritu war Urwald und auf der Südseite zog der Tewehfluss zum Baritustrome. Mein Vorgänger soll, wie die bösen Zungen behaupteten, sofort nach seiner Ankunft in Teweh geheirathet haben, um die Regierung zu zwingen, ihn aus dieser Garnison abzulösen, weil »siekönnendoch nicht eine europäische Dame in Muarah Teweh wohnen lassen«; er blieb aber doch und hatte zur Zeit seiner Transferirung selbst schon ein kleines Baby; ich kaufte seine ganze Einrichtung, soweit er sie nicht mitnehmen wollte, bezahlte ihm auch den Preis für die Küche, welche er ausserhalb des Forts hatte bauen lassen; ich übernahm den Vorrath der Apotheke, ohne mich natürlich aufs Wägen undMessen der Medicinen einzulassen, bestätigte den Empfang von so viel Flaschen, Töpfen, Instrumenten, Utensilien, so viel Kilo Chinin, Ricinusöl und hundert anderen Medicinen, und zwei Tage später verliessen uns der alte Commandant und Dr. F. mit seiner Frau und drei Kindern (zwei stammten aus erster Ehe) und liessen uns (mit dem 3. Officier) zurück mit den wohlgemeinten Wünschen, die Oede des gesellschaftlichen Lebens mit Kartenspiel und dem Schnapse auszufüllen. Diese zwei Herren hatten es nicht gethan, und auch uns hat das Schicksal vor diesen Dämonen bewahrt.
Ich glaube, dass im Jahre 1894 Dr. Fiebig in Bandjermasing den Amethysten-Verein gegründet hat.
Aber schon seit wenigstens einem Jahrzehnt und zwar seit Einführung des künstlichen Eises hat der Alkohol in Indien viel von seinem verderblichen Einfluss verloren, seine Opfer sind jetzt bei weitem nicht so zahlreich, als sie es waren, wenn auch noch häufig genug, um einem Mässigkeits-Verein raison d’être zu geben. Ich zweifle, obdieserVerein jedoch mit Erfolg Propaganda für seine Theorien machen wird und machen kann.
Dr. Fiebig verurtheilt nämlich den Gebrauch des Alkohols in jeder Form, zu allen Zeiten und unter allen Verhältnissen, d. h. er findet den Alkohol auch in der Hand des Arztes nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich. Dr. Fiebig geht also zu weit, er schiesst über das Ziel und verliert gerade in jenen Kreisen, welche berufen sind, seine Pläne, dem schädlichen Einfluss desMissbrauchs des Alkohols entgegenzutreten, zu unterstützen, eines grossen Theil der Anhänger, welchen er haben würde, wenn er sich an die thatsächlichen Verhältnisse halten würde. Auch Sympathie verlor er für seine Bemühungen durch dieForm, in welcher seine Thätigkeit begann: amethystblaues Ordensband für die Mitglieder seines Vereins und das Losungswort »Los« (wenn ich mich nicht irre), welches die Mitglieder Jedem zurufen sollten oder mussten, wenn sie Jemanden Bier, Wein, Cognac oder Genevre trinkensahen, haben mehr Männer vom Zutritt zum Vereine ferngehalten, als Dr. Fiebig vielleicht dachte oder wusste. Nun, meine Wenigkeit z. B., die 20 Jahre unter den Holländern in Indien wohnte und doch keinen Genevre gewohnheitsmässig trank, welcher principiell kein Bier trank, weil sein Gebrauch (selbst der mässige) in den Tropen schädlich ist, ich selbst, der überzeugt ist, dass der Alkohol zum täglichen Gebrauch entbehrt werden kann, der in dem Alkohol ein Genussmittel sieht, welches als solches keinBedürfnissist, ich selbst hatte alleSympathie für diesen Verein, so lange — ich nicht von den kindischen Spielereien mit einem amethystblauen Band u. s. w. hörte; ich bin also niemals Mitglied dieses Vereins geworden.
Wie gesagt, auch ohne die etwas laute Agitation dieses Vereines wurde der Missbrauch des Alkohols in holländisch Indien sehr vermindert; die Folgen desselben auseinander zu setzen, halte ich für überflüssig, weil sie hinreichend bekannt sind. Auf zwei Factoren möchte ich jedoch aufmerksam machen. Erstens: die meisten Menschen, welche dem Alkohol zum Opfer fielen, vergassen das alte Sprichwort: Principiis obsta. Als ich in Muarah Teweh Verdruss auf Verdruss hatte, verlor ich den Appetit; ein Gläschen Wein regte ihn jedoch so weit an, dass ich etwas essen konnte; bald jedoch zeigte sich diese Dosis zu klein, und ich musste bei Tafel zwei Gläschen Wein nehmen, um dasselbe Ziel zu erreichen; bald jedoch wurde auch dieses Quantum zu klein; ich nahm drei Gläschen, ohne dass für die Dauer mein Appetit rege blieb. Ich kam jedoch zu dem Entschlusse, die Dosis nicht weiter zu vergrössern, weil ich das Gespenst des chronischen Alkoholismus vor mir sah. Eine Zeit lang konnte ich trotz dieser drei Gläschen Wein keinen rechten Appetit bekommen; ich blieb jedoch bei meinem Entschluss und — siegte. Ohne die Dosis Wein zu erhöhen, konnte ich nach und nach wieder Mittag und Abendmahl essen, und auf diese Weise bin ich kein Säufer geworden.
Der zweite Factor ist, dass die Verführung in Indien zum Missbrauch des Alkohols gross ist. Wenn man dahin kommt, wird man von guten Rathschlägen überhäuft. Man geht in den Club und der Nachbar will sich des Homo novus erbarmen und ihm die Gefahren des Tropenklimas mit lebhaften Farben schildern, und schliesst seinen Vortrag mit den Worten: Ich bin schon 10–15 Jahre in Indien, ich bin niemals krank gewesen, lebe noch, wie Sie sehen; aber ich habe täglich zweimal vor der »Reistafel« und vor dem Abendessen mein Bitterchen getrunken. Sein Nachbar will auch ein Wort darüber sprechen und fügt hinzu: »Der Alkohol setzt ja die innere Temperatur herab, wie Sie wissen, Doctor; also müssen Sie ein Bitterchen trinken.« Ein Dritter fügt wieder hinzu: »In de ›Oost‹ muss man in den ›Pökel‹ gesetzt werden, sonst geht man zu Grunde, wie das Rindfleisch verdirbt, wenn es nicht eingepökelt wird.« Dies alles ist schon darum unrichtig, weil Millionen Menschen in den Tropen leben ohne den Gebrauch des »Genevre«. Alkohol ist eben keinBedürfnissfür den täglichen Gebrauch, ebenso als der Tabak oder das Opium. Es isteinGenussmittel, und zwar ein gefährliches Genussmittel, weil es leicht zum Missbrauch führt und dann gefährlich für Leib und Seele wird. Dies möge jeder bedenken, der zum ersten Gläschen Bittern greift, um in der Monotonie des alltäglichen Lebens »auf dem Posten« einen Ersatz für andere Genüsse oder einen Sorgenbrecher für die Unannehmlichkeiten im häuslichen oder dienstlichen Leben zu finden. Wenn aber Dr. Fiebig mit seinen Anhängern den Alkohol aus dem Arzneischatz verbannen will, dann möchte ich ihm doch ein Halt, ein Ne nimis zurufen. Will vielleicht Dr. Fiebig in dem Moschus oder Campher so ein kräftiges Excitans als in dem Alkohol oder Aether sehen? Dr. Fiebig hat Unrecht, wenn er den Alkohol selbst den Aerzten entreissen möchte. Gänzlich wird ihm dies niemals gelingen. Noch einen Einwand des Dr. Fiebig gegen den »mässigen Gebrauch« des Alkohols möchte ich entkräften. Er wirft nämlich allen jenen, welche in unschädlicher Menge den Alkohol geniessen, vor, dass sie kein Recht hätten, dem Soldaten, dem Arbeiter oder dem Proletarier den Schnaps zu verweigern, weil sie ja auch Alkohol in der Form des Weines, Bieres, Champagners u. s. w. gebrauchen, mit einem Wort: exempla trahunt. Darüber liesse sich vieles zur Antwort geben; aber weder ich noch tausend Andere fühlen den Beruf in sich, von diesem Genussmittel abzusehen, allein — weil der Nachbar davon Missbrauch machen könnte. Wenn ich die Charakterstärke habe oder hatte, trotzdem dass ich den Wein gern trinke, und trotzdem meine Mittel es erlaubten, Wein in beliebig grosser Menge zu trinken, nur einen bescheidenen Gebrauch davon zu machen, dann darf ich mein warnendes Wort jedem zurufen, ein Gleiches zu thun. Für mein Kind, für meinen Freund werde ich vielleicht das Opfer bringen, ein Genussmittel mir zu versagen, wenn es aus pädagogischen Rücksichten nothwendig ist; aber zu Gunsten eines Fremden haben weder ich noch tausend Andere dazu den Beruf. —
Fig. 3. Das Fort Teweh bis zum Jahre 1880.
Fig. 3. Das Fort Teweh bis zum Jahre 1880.
Das Schiff hatte uns verlassen, und jeder von uns drei Officieren zog sich in seine Gemächer zurück; wir zwei neuen Bewohner des Forts, um mit den häuslichen Angelegenheiten einen Anfang zu machen, der dritte, um den Anforderungen des Dienstes gerecht zu werden. Meine Wohnung lag an der Westseite des Hauptgebäudes, und zwar an dem südlichen Ende, so dass die westliche und südliche Seite meiner Wohnung von den Palissaden der Festung, die nördliche von der Bambuswand meines Nachbars und die östliche von der Hinterfront des Gebäudes begrenzt wurde. An diese schloss sich ein kleiner Hofraum und dahinterPulvermagazin und Provostzimmer, und daran grenzte die Caserne, welche ebenfalls (nach Osten) von der Palissadenwand umschlossen wurde (Fig. 3). F. Gerstäcker theilt in der »Gartenlaube« von den 70er Jahren eine in Indien bekannte Spukgeschichte, wenn ich nicht irre, unter dem Namen »Gandruwó« mit, welche seiner Zeit sogar zu einem Duell eines Generals geführt habe. Die gegenwärtige Generation hat sie offenbar schon vergessen, weil man so selten von ihr sprechen hört. Sie zu erzählen, habe ich keine Ursache, weil ich folgenden ähnlichen Fall erlebt habe. Eines Abends sassen wir drei Officiere in unsern Zimmern, als plötzlich in meinem Zimmer ein Stein von der Decke fiel; ich schrieb es einem Zufalle zu und schwieg; es kam ein zweiter, ein dritter, und als endlich sogar ein Kork fiel, und zwar versehen mit dem Namen meines Weinlieferanten, stand ich auf und rief dem militärischen Commandanten zu, ob er die Steine fallen höre; ja, was bedeutet dieses? frug er zurück. Scherzend rief ich zurück: Das ist Gandruwó! Er kam zu mir und nirgends war eine Spur von einer lebenden Seele; vor uns lag das Ufer, es war mondhelle Nacht — kein Mensch, kein Affe zu sehen; vor der Südseite standen zwei grosse Bäume und ein Wachthaus, das geschlossen war; beim hellen Scheine des Mondes konnte man jedes Blatt des Baumes sehen, so dass wir sicher waren, dass auf dem Baume der Schalk nicht sitzen konnte, und nur in der Galerie, welche längs unserer Wohnung sich zog, lief die Schildwache auf und ab. Während wir den Fall besprachen und vor der Schildwache standen, fielen wieder Steine, und zwar immer aus dem Süden kommend. Für den dritten Lieutenant (de mortuis nil nisi bene) war es der ausgesprochene Fall von Gandruwó, weil er in dem jahrelangen Verkehr mit seiner Haushälterin in dem Aberglauben der Eingeborenen aufgegangen war. Nun, auch für uns zweie war es eine mysteriöse Sache: nirgends einen Menschen, nirgends ein lebendes Wesen zu sehen, und vor uns aus dem hohen Dachraume, in dem der Uebelthäter auch nicht sitzen konnte, Steine und Kork fallen zu sehen und zu hören! Nun, Doctor? frug mich der Commandant. In französischer Sprache gab ich ihm zur Antwort (weil die Schildwacht, obzwar ein Eingeborener, vielleicht doch holländisch verstehen konnte): »Ich weiss ein Mittel, um diesen Geisterspuk aufzuklären.« »Nun! welches?« »Drohen Sie der Schildwacht mit acht Tagen Provost, wenn das Fallen der Steine nicht aufhöre.« Der Commandant acceptirte meinen Rath und — die Ruhe war hergestellt. Offenbar hatte der Soldat, während er in strammer Haltung vor uns stand, mit dem Finger die Steine hinaufgeschnellt,ohne dass wir es merkten. In anderen ähnlichen Fällen sind z. B. in geschlossenen Räumen, selbst in Zimmern mit gewöhnlichem Plafond, dubang, d. i. mit Sirih roth gefärbter Speichel, Steine u. s. w. auf den Beobachter gefallen, obschon, wie in dem von Gerstäcker erwähnten Falle, ein Cordon von Soldaten das Haus umstand. Den directen Beweis für die natürliche Entstehungsweise habe ich in meinem Falle auch nicht erbracht; aber ich zweifle nicht, dass es in allen Fällen möglich gewesen wäre, den Betrug aufzudecken, wenn man nur den Mysticismus dieses Vorganges principiell ausgeschlossen hätte.
Auf die Ordnung meiner Wohnung brauchte ich nicht viel Zeit zu verwenden. Die Wände bestanden aus Matten von 2–3 Meter Höhe, hatten also keine Fenster, denn das Licht fiel über die Palissaden in mein erstes, ich will es Studirzimmer nennen; im zweiten Raume standen mein Bett, Kasten und Waschtafel. In der südlichen Wand war eine Oeffnung, welche in der Nacht oder bei schwerem Regen von einem Thürchen geschlossen werden konnte, also die Rolle eines Fensters spielte, und im letzten Raum stand der Geschirrkasten; eine Thür aus Bambus-Matten führte in den Hofraum. Natürlich war mein Studirzimmer zu gleicher Zeit, venia sit dictu, Empfangs- und Speisezimmer. Vor dem Fort stand am Ufer des Flusses meine Küche, mein Badehaus mit Abort, welche ebenfalls aus Bambus verfertigt waren; später errichtete ich daneben ein Affenhäuschen. Die Marodenzimmer für 6–8 Kranke und eine Apotheke standen im Fort und hatten dieselbe primitive Bauart und dasselbe einfache Baumaterial. Die Apotheke hatte einen grossen Vorrath an Arzneien, welche sich in den Jahren ihres Bestehens aufgehäuft hatten, ohne dass sie in Gebrauch genommen wurden. Die indische Regierung ist diesbezüglich besonders freigebig, oder sagen wir lieber verschwenderisch. Jeder Arzt hat das Recht, um Arzneien ad libitum ersuchen zu können; kein Chef hat den Muth, das »fiat verabfolgen« zu verweigern; wie viele, namentlich junge Aerzte, sehen ihr Heil nur in dem Verabfolgen von zahlreichen Medicinen und vergessen, dass der Arzt sehr viel auch ohne Arzneien helfen kann. Ich hatte einmal einen Patienten mit einem Typhoid — es ist 4 Jahre her — im Spital zu Magelang (Java), dem ich ¾ Gramm Antipyrin dreimal des Tages vorgeschrieben hatte; in meiner Abwesenheit bekam er Nasenbluten, und es wurde der »Doctor der Wacht« (du jour) gerufen; als ich zur Abendvisite kam, erzählte mir dieser Heilkünstler, dass er durch Ergotine sofort das Nasenbluten gestillt hatte (wäre esauch nicht ohne dieses gelungen?) und dass er nebstdem noch Chinin und Phenacetin gegeben hatte!! ein College konnte die Bemerkung nicht unterdrücken: »Dieser Mann lebt noch, trotzdem er Antipyrin, Chinin, Phenacetin und Ergotin erhalten hat!!« Schon vor vielen Jahren hat der damalige Sanitätschef die jüngeren Aerzte aufmerksam gemacht, dass die Kunst des Arztes nicht im Verschreiben grosser oder zahlreicher Recepte bestehe; er hat zu tauben Ohren gepredigt, und die Polypragmasie florirt in Indien jetzt wie zuvor. Selbst in der Verabfolgung von Utensilien und Instrumenten zeigt die Regierung eine gleiche Freigebigkeit. Mikroskope z. B. von 500–600 fl. (mit Abbé, Oelimmersion) sah ich oft jahrelang in einem Winkel einer Apotheke ungebraucht stehen. Dem bacteriologischen Schwindel scheinen jedoch die letzten Jahre ein Ende gemacht zu haben. Auf zahlreiche Ansuchen nämlich von echten Dilettanten, welche vielleicht einmal einen Tuberkelbacillus unter dem Mikroskop gesehen hatten, oder denen es einmal gelungen war, einen solchen, sagen wir nach Gram oder Ehrlich, zu färben, wurden grössere Apparate, als Sterilisirungsöfen u. s. w. verweigert, während z. B. dem Laboratorium so ziemlich alle Hülfsmittel der modernen pathologischen Forschungen zur Verfügung gestellt wurden. Ich muss es wiederholen, dass der Sanitätschef sehr weise thäte, auch gegenüber dem Ansuchen um Medicinen und anderen Instrumenten etwas kritisch sich zu verhalten. Wie viele Tausende Gulden, vielleicht Hunderttausende sind in den einzelnen Apotheken der Marodenhäuser u. s. w. im indischen Archipel aufgehäuft, bis sie endlich von irgend einem Arzte als »verdorben« weggeworfen werden müssen.
Das Mobiliar des Marodenzimmers, das Geschirr, die Krankenwäsche und die Utensilien standen unter der Verwaltung des milit. Commandanten; auch die Kost bekamen die Kranken aus der gemeinsamen Menage; nur hatte ich das Recht, für gewisse Krankheitsfälle eine zweckentsprechende Diät vorzuschreiben, und erhielt dafür auf Ansuchen alles Nothwendige nach feststehendem Tarif, so z. B. durfte ich für jeden europäischen Patienten pro Tag ein halbes Huhn verlangen; wie erhält man jedoch ein halbes Huhn, wenn nur ein Patient im Marodenzimmer sich befindet? Im Archiv fand ich darüber sogar eine Correspondenz, d. h. eine diesbezügliche Anfrage an den Sanitätschef in Bandjermasing. Leider fand ich keine Antwort auf diese Frage vor. Für die Lieferung aller Bedürfnisse für die Truppen, somit auch der Patienten, befand sich ausserhalb des Forts ein Chinese, welcher unter dem Schutze des Häuptlings und der Truppen am linken Ufer derTeweh sein Magazin hatte. Er war natürlich nur der Vertreter einer grossen Gesellschaft, welche die Verpflegung der Truppen auf der S.-O.-Hälfte Borneos auf sich genommen hatte. Die gesetzliche Bestimmung bestimmte die Menge an Lebensmitteln, welche zu jeder Zeit im Fort und welche zu jeder Zeit in seinem Magazin anwesend sein mussten. Neben dem Quantum spielt natürlich auch die Qualität der Lebensmittel eine grosse Rolle in den Verpflichtungen des Lieferanten, welche eine stete Controle von Seiten des Commandanten erfordern. Die Gewissenlosigkeit der Lieferanten kann in Europa gross sein; aber der Chinese ist als Lieferant vielleicht weniger dumm als sein europäischer College, aber darum noch nicht gewissenhafter. Im Jahre 1870 wurden im Lager der französischen Armee Kisten eröffnet, welche Schuhe für die Soldaten enthaltensollten, und man fand — Kinderwagen und anderes Kinderspielzeug. So etwas hat ein chinesischer Lieferant niemals gethan. Womit jedoch der Thee z. B. gefälscht sein kann, welcher den Soldaten geliefert wird, das entzieht sich jeder Beschreibung. Die Butter, welche im Jahre 188... in Atjeh z. B. beim Lieferanten den Officieren zum Kauf angeboten wurde, sah dem Wagenfett ähnlicher als der Butter! Viel dieser Uebelstände erklären sich leicht durch die Unschlüssigkeit der Regierung. Auf der einen Seitewillsie den Soldaten nur Lebensmittel in erster Qualität verabfolgen lassen, auf der andern Seite möchte sie gern so wenig als möglich dafür bezahlen. Ist der Officier bei der Uebernahme der gelieferten Lebensmittel zu streng, und beklagt sich der Lieferant bei dem Intendanten, so kommt sicher eines Tags die Belehrung an die Officiere, bei der Uebernahme der gelieferten Lebensmittel auch das Interesse des Lieferanten nicht aus dem Auge zu verlieren, weil anders der Preis der folgenden Concurrenzausschreibung zu hoch aufgesetzt werden würde. Kommt jedoch ein Inspecteur die Truppen inspiciren und sieht z. B., dass der gelieferte Reis zu viel mit gebrochenen Körnern gemengt sei, bekommt der Commandant wieder seine Nase. Am besten würden alle diese Schwierigkeiten behoben werden, wenn die Officiere, welche mit der Uebernahme der Lebensmittel u. s. w. betraut sind, wenigstens ebenso viel Waarenkunde besässen, als der Administrateur. In 189.. weigerte ein Lieutenant in Magelang, der kurz vorher von der Kriegsschule in Breda abgegangen war, das gelieferte Rindfleisch auzunehmen, weil die Lunge tuberculös sei; ich wurde geholt, um seine Diagnose zu bestätigen. Dieses konnte ich nicht thun, weil die Lunge nur ungleichmässig pigmentirt war. Der Lieutenant acceptirte meine Diagnose, dasRindfleisch wurde angenommen, und ich nahm ein Stück der Lunge mit, um sie dem Chef zu zeigen. Dieser Mann lebt jetzt als pensionirter Oberstabsarzt in Holland und hatte schon Vieles von Tuberculose des Rindes offenbar gelesen und gehört, und hatte auch schon von Färbung der Tuberkelbacillen und mikroskopischer Untersuchung läuten gehört — aber er hatte noch niemals gegenüber den militärischen Vorgesetzten eineselbständigeAnsicht gehabt. Ohne auch nur die Lunge gut anzusehen, sprach er das Wort, das gewiss verdient der Nachwelt überliefert zu werden: »Wie können Sie oder wie wagen Sie es zu behaupten, dass die Lungenicht tuberculössei; haben Sie dort im Schlachthause nach Tuberkelbacillen gesucht?!« Auf meine Bemerkung, dass Pigmentflecke von der Grösse eines Cents bis zu der einer Hand doch keine Knötchen seien, und dass also nicht einmal ein Anlass in casu bestände, auf Tuberkelbacillen zu untersuchen, wurde ich entlassen, mit der Warnung, dass ich ohne mikroskopische Untersuchung niemals könnte wissen, ob eine Lunge tuberculös sei oder nicht?!
Es ist nämlich unglaublich, wie manche Militärärzte gegenüber dem »Commandanten« unselbständig sind, in der Furcht, Schwierigkeiten mit diesem Herrn zu bekommen, während sie oft ihrem untergeordneten Arzte gegenüber die grösste Strenge zeigen. Der Militär-Commandant ist und bleibt natürlich der Chef von Allen und über Alle: Ueber dem Artillerie- und Genieofficier, den Administratoren und dem Arzt. Keiner von diesen vier Fachleuten in Indien verleugnet aber so oft seine Selbständigkeit als der Arzt. Unglaublich aber wahr. Die Schuld liegt daran, weil, wie ich schon in der »Locomotif« vom 11. December 1896, betreffend »die Reorganisation des militärärztlichen Dienstes«, schrieb, die Aerzte in zahlreichen militärischen und medicinischen Wissenschaften fürchterliche Lücken haben. Von der gerichtlichen Medicin wissen sie nichts, und wenn, wie es häufig geschieht, ihre Hülfe oder vielmehr ihr Gutachten gefordert wird, nehmen sie »Casper« oder »Hoffmann« zur Hand und fabriciren daraus ein Schriftstück, welches den Stempel der Unreifheit deutlich trägt. Die Advocaten Indiens wissen das und halten damit Rechnung! In der Bauhygiene ist es am schlechtesten bestellt; d. h. pro forma werden die Aerzte in Fragen der Bauhygiene um ihr Gutachten angezogen; aber das »Genie« würdigt sie oft nicht einmal einer Antwort. Im Jahre 1891 wurde ein neues Spital in M.... gebaut; alles war fertig, d. h. der Boden abgemessen, Bauplan angenommen u. s. w., man sollte schon mit dem ersten Spatenstich anfangen, als ein neuer Stabsarzt in M.... ankam.Sofort erhob er gegen die Wahl des Grundes sein Veto, weil in der Nähe Sawahfelder (= nasse Reisfelder) sich befänden, welche die Quelle von Fieberepidemien werden könnten, und weil der ausgemessene Grund vor Jahrzehnten ein Kirchhof gewesen sei; die Genie gab ihr Gutachten, dass die nassen Reisfelder natürlich nicht bebaut werden würden, weil sie behufs Trockenlegungschonangekauft seien, und was den »alten Kirchhof« beträfe, so sei seit dreissig Jahren niemand dort begraben worden, der Grund sei also nicht antihygienisch. Der Stabsarzt V... erhob jedoch nochmals seine warnende Stimme; das Armeecommando bestätigte den Plan »der Genie«, das Spital wurde gebaut, und niemals hat sich ein schädlicher Einfluss des Bodens gezeigt.
»Die Militärhygiene ist ganz in den Händen der Compagnie- und Bataillonscommandanten. Allein im Nothfall, d. h. sobald sie Unterstützung für ihre Vorschläge suchen, rufen diese Herren die Hülfe des Arztes an, um ein wissenschaftliches Kleid ihren Vorschlägen zu geben, so als Bacterien, Eiweissgehalt u. s. w. ...« Und immer finden sich Aerzte, welche zu diesem Liebesdienst sich hergeben. Kein Wunder, dass ein Major der Infanterie eine dicke Broschüre über die Prophylaxis der Beri-Beri geschrieben hat!
Die Epidemiologie ist ganz und gar am Gängelband der europäischen Wissenschaft; anstatt selbständig die Verhältnisse des Tropenklimas zu den Epidemien zu beobachten, d. h. den Einfluss der tropischen Temperatur, Feuchtigkeit der Luft und des Bodens, der tropischen Flora und Fauna, Windrichtung, Wald, Höhe und Ebene auf die Ausbreitung gewisser Krankheiten zu studiren, werden kritiklos die Theorien der europäischen Epidemiologen auf Indien angewendet.
Von der militärischen Rechtspflege wissen die Militärärzte ebenso viel und ebenso wenig als von der Administration, obzwar oft eine Compagnie von Militär-Krankenwärtern unter ihrem Commando steht. »Ist es daher ein Wunder, dass bei solch mangelhaftem Wissen von Allem, was nicht direct den fachmännischen Theil betrifft, die Militär-Aerzte gegenüber dem Militär-Commandanten beinahe absolut unselbständig sind und oft genug auch in rein medicinischen Angelegenheiten keine Anerkennung finden?«
Sieben Personen von dem Fort standen direct unter meinem Befehl; ein europäischer Krankenwärter von dem Range eines Corporals (Hospitalbediende heisst sein Rang), zwei Handlanger und vier Sträflinge. Die »Handlangers« und die Sträflinge (dwangarbeiders) warenjedoch Eingeborene und zwar theils Javanen und theils Malayen, welche natürlich nicht der holländischen und noch weniger der deutschen Sprache mächtig waren. Im Anfange meiner indischen Carrière und zwar im Spitale zu Surabaya war mir sogar eine Abtheilung mit eingeborenen Soldaten zur Behandlung angewiesen worden. Einen meiner Krankenwärter gebrauchte ich also als Dolmetsch, da er genug der malayischen Sprache mächtig war, um sich mit den eingeborenen Soldaten verständigen zu können. Bei meiner Ankunft in Muarah Teweh ging es mir nicht viel besser. Ich hatte während meines Aufenthaltes in Surabaya die malayische Sprache kaum in ihren Elementen erlernt, so dass ich mich nur mangelhaft mit meinen Bedienten verständigen konnte und bei meiner Ankunft in Teweh vor denselben Schwierigkeiten stand. Ich frug also meinen »Hospitalbedienten«, welcher Sprache ausser der holländischen er mächtig sei? Ich spreche alle Sprachen des Archipels: Malayisch, Javanisch, Buginesisch, Chinesisch u. s. w., war seine Antwort. Einen colossalen Respect bekam ich vor diesem polyglotten Krankenwärter, der leider nicht lange anhielt. Es war eben eine Aufschneiderei im grossen Stile; in der chinesischen Sprache wusste er nur von 1–10 zu zählen; von der buginesischen Sprache wusste er ungefähr ein Dutzend Worte, ebenso viel von der javanischen Sprache, und nur in der malayischen hatte er die Wahl von 2–300 Wörtern.
Eine ähnliche Grosssprecherei mit etwas komischem Beigeschmack hörte ich acht Jahre später in Wien. Ich war auf meiner Urlaubsreise in Wien und stand mit einigen Philologen und der Frau eines indischen Collegen im Gespräch über indische Sprachen. Auf die Frage des einen Philologen, welche Sprachen auf den Inseln des indischen Archipels gesprochen würden, antwortete ich: »Es giebt zahlreiche Dialekte des polynesischen Sprachstammes, welche unter einander grösseren Unterschied zeigen als z. B. Deutsch und Englisch. (1000 Jahr v. Ch. ungefähr schieden die Malayer in westliche, von Madagascar bis zu den Philippinen, und in östliche Malayer, welchen der Name Polynesier heutzutage am häufigsten gegeben wird und die Inseln Süd-Australiens bis zu den Sandwichinseln bewohnen.) Malayer, Javanen und Sundanesen (in Malakka und Sumatra ist die ursprüngliche malayische Sprache am reinsten erhalten) können sich vielleicht mit einander verständigen, aber mit den Buginesen, Battakern, Dajakern, Alfuren u. s. w. ist dies beinahe unmöglich. Aber an allen Küsten des indischen Archipels wird malayisch gesprochen, welches von den malayischen Handelsleuten dahin verbreitet wurde; ja oft wird man im Innernaller Inseln hin und wieder einen Eingeborenen finden, der die malayische Sprache wenigstens etwas versteht. Es spielt also die malayische Sprache in Indien dieselbe Rolle wie die französische in Europa. Alle Europäer also, welche in Java u. s. w. sich aufhalten, müssen sich diese Sprache aneignen und wäre es nur, um mit den Bedienten sprechen zu können. Jedoch nur die wenigsten Europäer haben diese Sprache grammatikalisch gelernt. Wenn wir von wenigen Beamten und einzelnen Officieren absehen, so ist das Malayische, welches von den Europäern im indischen Archipel gesprochen wird, ein wahres Kauderwelsch, welches unter dem Namen Casernenmalayisch bekannt ist. Es werden nämlich die einzelnen Worte ohne Conjugation und ohne Declination, ohne Präfixe und ohne Suffixe hinter einander ausgesprochen, und dann spricht man von einem »sprechen« der malayischen Sprache!! Es ist natürlich nur ein Kauderwelsch.« »Ach!« fiel mir diese Dame ins Wort, »Sie sprechen natürlich nur von sich selbst;Ichbin der malayischen Sprache vollkommen mächtig!«
Von den zwei Handlangern war der eine ein Javane, der andere ein Malaye; die vier Sträflinge waren wegen Diebstahl und Mord (zwei von ihnen) aus ihrer Heimath (Java und Sumatra) verbannt und verurtheilt zu »Zwangsarbeit« und waren dem Marodensaal zu Teweh zugewiesen, Kulidienste zu leisten. Der eine der beiden »Handlangers« war ein langer, magerer Malaye, Namens Amat. Eines Tages untersuchte ich den Inhalt der »Feldmedicin-Kiste« und sah eine grosse viereckige Flasche mit einer Flüssigkeit gefüllt, ohne Etiquette. Dem Geruch nach zu urtheilen, hielt ich es für Chloralhydrat in Lösung, und bevor ich es sehen und verhindern konnte, hatte mein Amat zur Probe einen Schluck genommen. Ich wusste nicht, was in der Flasche war; ich wusste nicht, wieviel er davon getrunken hatte; die Grösse der Flasche liess zwar nicht an ein schweres Gift denken, aber ich befahl ihm, sofort den Finger in den Hals zu stecken, und er erbrach eine Flüssigkeit von demselben Geruch als dem in der Flasche. Theilweise war ich schon um das Schicksal meines dienstbeflissenen Krankenwärters beruhigt, als er in auffallender Weise fröhlich und ausgelassen wurde.
Ich kann für diese komische Scene kaum Worte finden. Ein langer, magerer Malaye, welcher betrunken zu sein scheint!! Auf dieses Stadium excitationis folgte bald die narcotische Wirkung, und nachdem er einige Stunden lang fest geschlafen hatte, war sein Chloralhydrat-Rausch geschwunden.
Diese Unvorsichtigkeit im Untersuchen der Medicamente ist mir in den spätern Jahren noch oft vorgekommen. Die Medicinen sind in Indien theuer, so dass sie von den Patienten aufgehoben werden, wenn sie momentan nicht nöthig sind. Sie schreiben z. B. auf das Fläschchen »gegen Husten« oder »gegen Nervosität« u. s. w., um sie eventuell später wieder benutzen zu können. Nun geschieht es manchmal, dass die Signatur abgefallen ist; nun, dann wird der behandelnde Arzt einfach ersucht zu kosten und zu sagen, was für eine Medicin dies sei!! Ich weigerte zu allen Zeiten, dieses zu thun, wenn ich auch keinen Augenblick fürchtete, von einigen Tropfen vergiftet zu werden, welche aus einem gewöhnlichen Medicinfläschchen getrunken werden. Einmal hätte eine solche Probe für mich verhängnissvoll werden können. Im Jahre 1890 lebte ich in Tjilatjap (Süden von Java) und hatte nur ein Marodenzimmer, obwohl sich anschliessend die Räume eines alten Spitals befanden. Auf der benachbarten Insel Nussah Gambangan lebte ein europäischer Aufseher des Leuchtthurms, welcher damals bei einem Ritte bergabwärts über den Kopf seines ungarischen Sattels gefallen war. Die Haut hing in Fetzen auf den Schenkeln herab. In einer Sänfte wurde er zu mir gebracht, und ich bot ihm ein Zimmer des alten Spitals zum Aufenthalt für ihn und seine Familie an. Die Beköstigung sollte seine Frau und seine Tochter auf sich nehmen. Dankbar nahm er das Anerbieten an, erfreute sich dadurch einer sorgsamen Pflege und die Heilung ging hübsch von Statten. Eines Tages stand ich in der Apotheke, als seine Tochter mit einem Glas Milch zu mir kam und mich ersuchte, die Milch zu kosten und ihr zu sagen, »ob und was der Milch fehle«, weil ihrem Vater bei dem Gebrauch derselben übel geworden sei. Ueberrascht sah sie mich an, als ich ihr zur Antwort gab: »Wenn Ihr Vater von der Milch übel wurde, brauche ich es doch nicht zu werden«. Kaum hatte sie mich darauf ersucht, »die Milch also chemisch zu untersuchen,« als ein fürchterlicher Schrei um Hülfe zu meinen Ohren drang. Ich eilte dahin und fand ihren Vater in einem fürchterlichen Zustande. Ich habe im Jahre 1873 in Ungarn und auch späterhin zahlreiche Cholerapatienten gesehen, aber keiner derselben zeigte so heftigen Krampf der Gedärme als dieser Patient. Erbrochen hatte er schon viel, wie ich sah, und ich dachte also sofort an eine Vergiftung mit Warângan (= Arsenik). Bei Vergiftungen mit mineralischen Giften wird man in Java am besten thun, in erster Reihe an Arsenikpräparate zu denken, weil dieses Gift täglich und in jeder Marktbude zu bekommen ist.Die Dolche der Javanen (Kris genannt), werden nämlich mit einer Lösung von Warângan und Citronensaft u. s. w. bearbeitet, um der Klinge ein schön damascirtes Aussehen zu geben.
Auch unser Patient war mit Warângan von einem der Sträflinge vergiftet, welcher täglich von seiner Wohnung die Milch gebracht hatte. Es gelang mir, ihn auch von dieser Heimsuchung zu befreien. Das Schicksal verfolgte ihn jedoch ohne Erbarmen. Er ging kurz darauf nach Samarang, wo er von einem tollen Hunde gebissen wurde. Damals existirte in Batavia noch nicht das Pasteur’sche Institut; diese unglücklichen Patienten mussten damals nach Saigon gehen; auch er that dies, kehrte zurück, starb jedoch kurz darauf an Lyssa humana.
Der Bestand meiner Krankenwärter war also sieben Mann, obzwar ich kaum jemals sieben Patienten zu gleicher Zeit im Marodenzimmer hatte; dieses hatte jedoch seine guten Ursachen. Das Fort war eben durch seine isolirte Lage gezwungen, immer kriegsbereit zu sein; die Sträflinge mussten im gegebenen Falle Kulidienste leisten, d. h. bei einer etwaigen Expedition Feldverbandskisten und Feldmedicinkisten tragen, die Tragbahre für Verwundete u. s. w. führen; sie mussten Lebensmittel und Trinkwasser mitnehmen oder mit dem Messer in der Hand einen Weg in den Urwald bahnen u. s. w. In Friedenszeiten mussten sie natürlich das gröbste Werk im Spital verrichten, die Aborte reinigen, die Wäsche der Patienten waschen, die Krankenkost in der Küche bereiten u. s. w. Natürlich war es für mich schwer, für sie immer Beschäftigung zu haben, und darum benützte ich sie gegen eine kleine geldliche Entschädigung auch zu Privatzwecken, obzwar dies ausdrücklich verboten war. Dies gab einmal Anlass zu einer Anklage gegen mich und zwar von Seiten des Commandanten des Forts. Ich vertheidigte mich in der erwähnten Weise und fügte hinzu, dass ich es nicht aus Gewinnsucht thäte, weil ich die Sträflinge bezahle, dass ich diese Leute lieber für mich arbeiten lassen müsse, als sie müssig im Fort herumgehen zu lassen, dass sie mir nur bei wissenschaftlichen Arbeiten, und zwar beim Ausstopfen der Thiere, behülflich seien, und dass unter den herrschenden Verhältnissen ich keinen Bürger miethen könnte, weil eben auf ganz Teweh kein Bedienter oder Kuli zu bekommen wäre. Der Commandant des Forts bekam seine Nase und mir wurde ausdrücklich von Bandjermasing erlaubt, die Sträflinge in ihrer freien Zeit zu wissenschaftlichen Arbeiten gebrauchen zu können. Ich kann nicht umhin, den Heroismus eines solchen Sträflings zu besprechen,als er mir half, das Zibeth aus einer Zibethkatze (Viverra Zibetha) herauszunehmen. Er sollte die Katze bei den vier Füssen so halten, dass ich das Zibeth aus der Drüse, welche sie zwischen den hintern Extremitäten hat, mit dem beinernen Löffel herausdrücken konnte. Er hielt jedoch die Katze in einer so eigenthümlichen Weise, dass ich darauf aufmerksam wurde; ich blickte auf seine Hand und —die Katze hatte sich in seinen Finger verbissen, ohne dass er auch nur mit der Miene gezuckt hatte oder auch nur eine Schmerzensäusserung von sich gab. Sofort befreite ich ihn aus seiner erzwungenen Haltung, indem ich die Katze mit starkem Griff im Nacken fasste, und — legte einen silbernen Gulden in seine Hand. Da diese Sträflinge nebst der Kost nur 4 Kreuzer täglich bekommen, so ist ein solcher Nebenverdienst immerhin für sie sehr erwünscht. Zu einer ähnlichen heroischen That habe ich später einen europäischen Krankenwärter, mit dem Range eines Feldwebels, entschlossen gesehen. Ich bekam nämlich vier Jahre später in Batavia einen Soldaten in Behandlung, der Monate vorher von einem Pferde im Rücken gebissen war, und dessen Wunde zu gross war, um heilen zu können; ich entschloss mich zur Transplantation und entnahm ein Stück Haut zu diesem Zwecke aus dem Arme eines Sträflings, weil der Patient, ein Europäer, sich nicht dazu hergeben wollte und gab ihm (dem Sträfling) einen Reichsthaler (2 Fl. 50) dafür. Den andern Tag ersuchte mich der Sergeant, ihn und nicht den Sträfling den Reichsthaler verdienen zu lassen, wenn ich wieder ein Stückchen Haut nöthig hätte.
Schon wenige Tage nach meiner Ankunft in Muarah Teweh kam der erste Dajaker in meine Behandlung. Ich stand an der Palissade und sah einen Mann einen Kahn verlassen und das sanft abfallende Ufer heransteigen. Der »Commandant der Wacht«, ein Feldwebel, nahm ihm sein Messer (Mandau) ab, liess ihn warten und meldete ihn bei mir an. Es war ein Mann mittlerer Grösse, von leicht brauner Hautfarbe, schwarzen Haaren, braunen Augen, grossen Löchern in den Ohrläppchen und war nur bekleidet mit dem Djawat, das ist einem Gürtel aus Baumbast, welcher mit einer schmalen Schürze vom Bauche herabhing; er sprach etwas Malayisch, und so hatte ich keinen Dolmetsch nöthig, um mich mit ihm zu verständigen. Am rechten Ufer des Baritu, gegenüber der Mündung der Teweh (etwas südlich), läge sein Kampong, von welchem sein Vater Häuptling sei; dieser sei schonseit längerer Zeit krank, obwohl die Bassirs und die Bliams ihre Opfer an den Radja-ontong schon zu wiederholten Malen gebracht hatten, und leide so fürchterlich, dass er käme, meine Hülfe anzurufen, weil er gehört habe, dass ich so ein gewaltiger Bassir sei. Nun, wenn ich damals gewusst hätte, dass ein solcher Bassir nicht nur ein Priester, Zauberer und Teufelsbeschwörer, sondern auch ein publiker Paederast sei, ich hätte mich für diese Titulatur bedankt. Seine Absicht war jedoch gut, denn als ich ihn frug, was denn ein Bassir sei, antwortete er: »So was, als ein Jesus!!?!« Wie ich später erfuhr, hatte er kurz vorher einen Soldaten vor einem Christusbilde beten gesehen, und auf seine Frage, wer dies sei, die Antwort erhalten: »Tuwan-Allah-Jesus«. Aus seiner weiteren Mittheilung entnahm ich, dass es sich bei seinem Vater um einen Tumor vesicae handle mit consecutiver Retentio urinae. Mit Nelaton-Katheter und Pravatz’scher Spritze ausgerüstet und begleitet von dem europäischen Krankenwärter, dem langen Amat und zwei Sträflingen, bestieg ich den Kahn des Dajakers. Der Fluss ist bei Teweh ungefähr 400 Meter breit; da aber unser Ziel stromabwärts lag, erreichten wir bald den Kampong, ohne dass die Ruderer thätig waren; der Strom riss uns einfach mit. Ans Ufer gekommen, sah ich vor mir ein langes Haus, welches auf Pfählen von ungefähr 1½ Meter stand. Eine breite Leiter stand in der Mitte. Ich stieg mit meinem Gefolge hinauf und fand sofort im Entrée den Patienten auf dem Boden liegen. Im Hintergrund tanzte ein Bassir vor einem Altar, und zur Seite des Kampongs sassen die Musikanten mit der Tote (eine Art Panpfeife), mit Pauken, malayischen Violinen (râbab genannt) und einer Art Dudelsack aus der Schale der Labufrucht, der sie wehmüthige Klänge zu entlocken wussten. Als ich mich niederbückte, um den Patienten zu untersuchen, begann der Bassir vor dem Altar hin und her zu trippeln, wobei er die halb ausgestreckten Arme schüttelte, welche zahlreiche kupferne grosse Ringe trugen. Nicht unharmonisch fiel draussen der Chor der Pauken und der anderen Instrumente ein, und die Beschwörungen der Bliams übertönten Alles, die Tote, die râbab, den Glockenschall der Ringe u. s. w. Die Untersuchung bestätigte mein Vermuthen, dass ein Tumor die Urethra unwegsam machte, so dass ich palliativ die Punctio vesicae machen wollte. Ich theilte der Umgebung mit, dass ein Stich in die Blase sehr viel Erleichterung in seine Schmerzen bringen würde, und Alle, wie auch der Patient, gaben zu dieser kleinen Operation die Zustimmung. Kaum hatte ich jedoch den Troicart auf den Unterbauch angesetzt, als der Patient und seine Frau einen leisenSchrei ausstiessen, seine Frau rief, die Krankenwärter mich erfassten, von dem Patienten hinwegrissen, mich zur Thüre und die Leiter hinabdrängten und am Ufer mich sofort den Kahn zu besteigen ersuchten. So rasch folgte eins auf das andere, dass ich keine Zeit zum Fragen hatte, was dies bedeute. Bevor ich jedoch in den Kahn stieg, um was mich die Krankenwärter ersuchten, sah ich mich noch einmal um und sah nichts, was die Aufregung meines Gefolges erklären konnte. Die Spieler schlugen ihre Pauken, die Mädchen bliesen ihre Tote, dazwischen hörte ich manche Seufzer des Patienten, gemischt mit den Worten seiner Frau; unter dem Kampong, zwischen den Pfählen, grunzten die Schweine, suchten ruhig in den Abfällen, welche zwischen den Latten des Hausflurs herabfielen, einen Leckerbissen, und dasselbe thaten die Hühner. Ich frug also meine Krankenwärter, was dieser Rückzug bedeute, der mehr eine übereilte Flucht, als ein ehrenhafter Rückzug war. »Haben Sie nicht »Amok« rufen gehört?« bekam ich zur Antwort. Dies war nicht der Fall. Der Patient hatte beim Ansehen des Troicart einen unwillkürlichen Angstschrei ausgestossen, weil er sich vor dem Stiche fürchtete; seine Frau hatte ebenfalls unwillkürlich und reflectorisch dasselbe gethan; meine Krankenwärter hielten diese zwei Schreie für »Amok«, ergriffen die Flucht und zogen mich mit, der keine Ahnung von der Gefahr hatte, welche mir in der Einbildung dieser Helden (?) drohte.
Ich hatte nämlich schon früher vom »Amok rufen« hin und wieder sprechen gehört. Nach dieser Zeit hatte ich einige Male Gelegenheit, mit dieser Sache mich zu beschäftigen. In der ursprünglichen Bedeutung des Wortes (amoq = Mord) hört man es beinahe jeden Tag gebrauchen; wenn zwei Soldaten raufen und einer von ihnen zieht das Messer, wird durch Schlagen auf den Holzblock in dem Wachthause die Polizei herbeigerufen, und dann spricht man von Amok; ein eifersüchtiger Ehemann prügelt seine untreue Frau, welche so fürchterlich schreit, dass wieder von Amok gesprochen wird u. s. w. Aber das eigentliche »Amok machen« bedeutet eine Mordmanie: Der betreffende Malaye läuft wie ein Rasender durch die Strassen mit einer Waffe in der Hand (in der Regel mit einem Kris) und stösst jedem, der ihm entgegenkommt, Alt oder Jung, Mann oder Frau, Feind oder Freund, das Messer in die Brust, ohne sich weiter aufzuhalten, oder nach seinem Opfer sich umzusehen, so lange, bis er von der herbeigeeilten Menschenmenge erstochen oder auf andere Weise unschädlich gemacht ist. Allgemein wird behauptet, dass dieses unter dem Einfluss des Opiumrauchens geschehe. Der eine Fall, welchen ich zu untersuchen Gelegenheithatte, betraf einen Mann von ungefähr 30 Jahren. Seine Verwandten erzählten mir, dass er schon eine Woche vorher am Fieber gelitten habe und dass ihn offenbar der Teufel (setan) gepackt hätte, weil er immer ein ruhiger, gelassener und ordnungsliebender Mann gewesen sei. Da er an dem bewussten Tage kurz vor seinem Anfall von Raserei hohe Temperatur hatte (»er war glühend heiss«, erzählte mir seine Frau), so war zweifellos das Fieberdelirium der Anlass zu diesem »Amok machen«. Man sieht in diesem »Amok machen« oft einen eigenthümlichen Selbstmordversuch, weil sie beinahe immer ermordet werden; Menschen also, welche des Lebens überdrüssig sind, würden Amok laufen, um so ihr Ziel zu erreichen, d. h. ohne eigentlich Hand an sich zu legen, von der Last des Lebens befreit zu werden, und doch der Freuden des Himmels theilhaftig zu werden, welche den Selbstmördern versagt bleiben. Oft wird behauptet, dass Rachsucht das Motiv der »Amokmacher« sei, dass der Beleidigte durch Opiumrauchen sich den Muth verschaffe, gerade wie die Europäer durch Schnaps dies thun, und dann mit seinem Feinde noch andere unschuldige Opfer treffe. Wenn ich noch hinzufüge, dass bei Frauen das Amok machen niemals vorkommt, dass Rasch es für eine Mania transitoria auf epileptischer Basis hält, so habe ich alles mitgetheilt, was mir hierüber bekannt wurde.
Wie gesagt, bestand das »Amokrufen« in unserem Falle nur in der Phantasie meines Gefolges; wenigstens niemals habe ich gehört, dass unter den Dajakern diese Volksunsitte herrsche, obzwar ich 3½ Jahr unter ihnen gelebt habe, und alle Fälle, welche mir bekannt wurden, waren von echten Malayen (Buginesen oder Maduresen u. s. w.) ausgeführt. Vielleicht glaubte mein malayischer Krankenwärter nur, dass es am sichersten sei, sobald als möglich aus diesem Kampong wegzukommen, und hat also zu diesem Mittel seine Zuflucht genommen. Er war zu dieser Furcht gewissermaassen gerechtfertigt, weil wir damals jede Woche, einmal von dem Residenten, das zweite Mal vom Militär-Commandanten, die Warnung erhielten, vorsichtig zu sein. Im Jahre 1873 hatte der damalige Häuptling Mangkosari den Argwohn der Holländischen Regierung so erregt, dass sie dem damaligen Militär-Commandanten von Teweh den Auftrag gab, ihn dafür zu tadeln u. s. w. Dieser liess ihn ins Fort kommen und zeigte eine solche Vertrautheit mit den verrätherischen Plänen dieses Häuptlings, dass er für die Sicherheit seiner Person bange wurde, über die Palissade hinweg ins Freie sprang und sich nie mehr sehen liess. Es wurde also ein andererzum Häuptling der »Boven Dusson« ernannt, und zwar sein früherer Schreiber Namens Dakop, welcher ein Malaye war. Drei Jahre hat auf diese Weise Mangkosari im Gebirge gelebt, und erst Anfang 1876 war er zurückgekommen und hat die Holländische Regierung um Vergebung gebeten. Nun hatte Dakop sowohl als Malaye und Mohammedaner, als auch durch jeden Mangel einer ausgesprochenen Individualität absolut keinen Einfluss in dieser Gegend. Mangkosari dagegen war ein Dajaker von Geburt und Religion, war ein Neffe des Antasari, welcher im Jahre 1859 mit Suropatti in dem Aufstand gegen die Holländer eine grosse Rolle gespielt hat, er war schlau, intelligent, muthig und reich, und doch ... hat ihn die damalige indische Regierung nicht in sein früheres Amt eingesetzt; sie hat ihn aber auch nicht nach Bandjermasing kommen lassen, um sich zu rechtfertigen für sein früher verrätherisches Treiben, sie hat ihn auch nicht gefangen nehmen lassen; was denn? sie gab ihm Pardon und liess ihn »als Bürger und als Kaufmann« unter einem Häuptling leben, welcher früher sein Schreiber war!! Welcher Missgriff einer Regierung!
Dies alles war die Ursache, dass wir jede Woche gewarnt wurden, vorsichtig zu sein, weil Mangkosari »ein solcher verrätherischer Mann« sei. Was sollten solche warnenden Worte für mich jedoch bedeuten? Sollte ich niemals das Fort verlassen und höchstens vor der Palissade und auf der Schiessstätte spazieren gehen, welche sich im Norden an die Festung anschloss? Sollte ichausserhalbdes Forts niemandem meine ärztliche Hülfe leisten? Das eine wäre zu langweilig, das andere inhuman gewesen. Nebstdem erfreute ich mich der Freundschaft (?) des Mangkosari, dem ich viel verdankte; er führte mich in die Religion und Liturgie der Dajaker ein; ihm verdankte ich ausführlichen Bericht über das Leben und Treiben der Waldmenschen (Olo-Ott); ja, er erklärte sich s. Z. selbst bereit, mir das Skelett oder die Leiche einesSchwanzmenschen zu besorgen, wenn es mir gelänge, ihm volle Begnadigung zu erwirken, so dass er wieder Districts-Häuptling werden würde. Ich wandte mich auch an den Residenten, als er im Jahre 1878 in Teweh war, aber bekam zur Antwort: Mit solchen Sachen bemühen wir uns nicht. In dieser Frage gab ich mir damals viel Mühe, ohne zu einem Resultate in positiver oder negativer Richtung zu gelangen. Jedermann behauptete nämlich deren Existenz; ich bot darum 1000 Fl. für das Skelett eines solchen Menschen; ein Chinese bot sich mir an, ein solches zu holen, wenn ich ihm einen Reisevorschuss von 3–500 Fl. geben wollte.
Dazu konnte ich mich nicht entschliessen, weil ich mit mehr oder weniger Recht fürchten musste, dass der Chinese nicht weiter als bis um die nächste Ecke des Stromes fahre, dort einige Tage liegen bleiben würde und dann mit einer oder der anderen fabelhaften Erzählung, aber ohne das gewünschte Skelett zurückkommen würde. Das Anerbieten Mangkosaris jedoch war so bestimmt, dass ich unmöglich die Existenz in das Reich der Fabel verweisen konnte. Ich habe jedoch keinen solchen Schwanzmenschen gesehen; ich darf also von der Existenz dieser Menschen als Thatsache nicht sprechen. Nach allen gewonnenen Berichten sollten diese Menschen zwischen dem Quellengebiet des Baritu und dem des Mahakamflusses wohnen und ein Rudiment von einem Schwanze haben, der ungefähr 2–3 cm lang sei, so dass sie, wenn sie auf dem Boden hocken, eine Grube in dem sandigen Boden zurücklassen.Ich muss jedoch bemerken, dass nach der Ansicht einiger Bewohner von Teweh die Schwanzmenschen — ein Schimpfwort für die primitiven Menschen des genannten Gebietes sein sollte.[6]Der Zufall kann manchmal auch ein Schalk sein. Zur Zeit, als ich mich mit dieser Frage beschäftigte, kam ein javanischer Soldat zur Reengagirung zu mir. Beim Assentiren sah ich gerade am Ende der Wirbelsäule einen — Schwanz (?). Ich rief schon mein heureka; als ich jedoch den Zusammenhang des Schwanzes (?) mit der Wirbelsäule untersuchte, sah ich, dass es nur ein cornu cutaneum (= Hauthorn) war, welches mit dem Steissbein in gar keiner Verbindung war.