5205In dem lufte süeȥem meien,sō der walt gekleidet stāt,sō siht man sich schōne zweienalleȥ daȥ iht liebes hāt,unde ist mit ein ander vrō.210daȥ ist reht: diu zīt wil sō.Swā sich liep ze liebe zweiet,hōhen muot diu liebe gīt.in der beider herzen meieteȥ mit vreuden alle zīt.215trūrens wil diu liebe niht,swā man liep bī liebe siht.Swā zwei liep ein ander meinentherzenlīchen āne wancund sich beidiu sō vereinent220daȥ ir liebe ist āne kranc,die hāt got zesamne gebenūf ein wunneclīcheȥ leben.Stætiu liebe heiȥet minne.liebe, minne, ist al ein:225die kan ich in mīnem sinneniht gemachen wol zuo zwein.liebe muoȥ mir minne sīnimmer in dem herzen mīn.Swā ein stæteȥ herze vindet230stæte liebe, stæten muot,dā von al sīn trūren swindet.stætiu liebe ist alsō guotdaȥ sie stæte freude gītstætem herzen alle zīt.235Möhte ich stæte liebe vinden,der wold’ ich sō stæte sīndaȥ ich dā mit überwindenwolde gar die sorge mīn.stæter liebe wil ich gern240unde unstæte gar verbern.6Disiu liet diu heiȥent vrowen tanz:diu sol niemen singen, er’n sī vrō.swer mit zühten treit der freuden kranz,und dem sīn muot stāt von wīben hō,245dem erloube ich sie ze singen wol:blīdeclīchen man sie tanzen sol.Trūren ist ze wāre niemen guotwan dem einen der sīn sünde klaget,hōhen lop erwirbet hōher muot.250guoten wīben hōchmuot wol behaget:dā von wil ich immer mēre sīnhōchgemuot durch dich, guot vrowe mīn.Vreude gibt mir dīn wol redender munt,hōhen muot dīn reine senfte sit’:255vreuden tou mir ūȥ des herzen gruntkumt von dir in elliu mīniu lit.got hāt sīnen vlīȥ an dich geleit,dā von dī lop ēren krōne treit.Liehtiu ougen, dā bī brūne brā,260hāstu und zwei rōtiu wängelīn.schœne bistu hie und schœne dā.brūn rōt wīȥ, der drīer varwe schīntreit dīn hōchgeborner schœner līp.tugende hāstu vil, guot wīplīch wīp.265Daȥ du alsō manege tugende hāst,dā von bin ich alles trūrens vrī.sō du alsō schœniu vor mir gāst,sō ist mir als ich in dem himel sī.got sō schœnen engel nie gewan270den ich für dich wolde sehen an.VIIDAS NIBELUNGEN-LIED.B. Text.ĀVENTIURE XVII.Wie Kriemhilt ir man klagte und wie er begraben wart.The following extract is from Bartsch’s edition, Leipzig, 1879.Dō erbiten si der nahte und fuoren über Rīn.von heleden kunde nimmer wirs gejaget sīn.ein tier daȥ si dā sluogen, daȥ weinden edeliu kint.4jā muosen sīn engelten vil guote wīgande sint.Von grōȥer übermüete muget ir hœren sagen,und von eislīcher rāche. dō hieȥ Hagene tragenSīfriden alsō tōten von Nibelunge lant8für eine kemenāten dā man Kriemhilde vant.Er hieȥ in tougenlīchen legen an die türe,daȥ sin dā solde vinden so si gienge derfürehim zer mettīne ē daȥ eȥ wurde tac,12der diu vrouwe Kriemhilt vil selten keine verlac.Man lūte dā zem münster nāch gewoneheit.vrou Kriemhilt diu schœne wahte manige meit:ein lieht bat si ir bringen und ouch ir gewant.16dō kom ein kamerære dā er Sīfriden vant.Er sah in bluotes rōten: sīn wāt was elliu naȥ.daȥ eȥ sīn herre wære, nine wesse er daȥ.hin zer kemenāten daȥ lieht truog an der hant20von dem vil leider mære diu vrouwe Kriemhilt ervant.Dō si mit ir vrouwen zem münster wolde gān,dō sprach der kamerære ‘jā sult ir stille stān:eȥ līt vor dem gademe ein ritter tōt erslagen.’24dō begonde Kriemhilt vil harte unmæȥlīche klagen.Ē daȥ si rehte erfunde daȥ iȥ wære ir man,an die Hagenen vrāge denken si began,wie er in solde vristen: dō wart ir ērste leit.28von ir was allen vreuden mitsīmetōde widerseit.Dō seic si zuo der erden, daȥ si niht ensprach:die schœnen vreudelōsen ligen man dō sach.Kriemhilde jāmer wart unmāȥen grōȥ:32do ẹrschrē sināch unkreftedaȥ al diu kemenāte erdōȥ.Dō sprach daȥ gesinde: ‘waȥ ob eȥ ist ein gast?’daȥ bluot ir ūȥ dem munde von herzen jāmer brast.dō sprach si ‘eȥ ist Sīfrit, der mīn vil lieber man:36eȥ hāt gerāten Prünhilt, daȥ eȥ hat Hagene getān.’Diu vrouwebat sich wīsendā si den helt vant.si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant.swie rōt eȥ was von bluote, si het in schiere erkant.40dō lac vil jæmerlīche der helt von Nibelunge lant.Dō rief vil trūreclīche diu küneginne milt:‘owē mir mīnes leides! nu ist dir dīn schiltmit swerten niht verhouwen: du līstermorderōt.44unt wesse ich wer iȥ het getān, ich riete im immer sīnen tōt.’Alleȥ ir gesinde klagete und scrēmit ir lieben vrouwen, wand’ in was harte wēumb’ ir vil edelen herren, den si dā heten verlorn.48dō het gerochen Hagene harte Prünhilde zorn.Dō sprach diu jāmerhafte: ‘ir sult hine gānund wecket harte balde die Sīfrides man.ir sult ouch Sigemunde mīnen jāmer sagen,52ob er mir helfen welle den küenen Sīfriden klagen.’Dō lief ein bote balde da ẹr si ligen vant,die Sīfrides helede von Nibelunge lant.mit den vil leiden mæren ir vreude er in benam.56si wolden’ȥ niht gelouben unz man daȥ weinen vernam.Der bote kom ouch schiere dā der künic lac.Sigemunt der herre des slāfes niht enpflac:ich wæn’ sīn herze im sagete daȥ im was geschehen,60ern möhte sīnen lieben sun lebenden nimmer gesehen.‘Wachet, herre Sigemunt. mich bat nāch iu gānKriemhilt mīn vrouwe. der ist ein leit getāndaȥ ir vor allen leiden an ir herze gāt:64daȥ sult ir klagen helfen, wand’ eȥ iuch sēre bestāt.’Ūf rihte sich dō Sigemunt; er sprach: ‘waȥ sint diu leitder schœnen Kriemhilde, diu du mir hāst geseit?’der bote sprach mit weinen: ‘ine kan iu niht verdagen:68jā ist von Niderlanden der küene Sīfrit erslagen.’Dō sprach der herre Sigemunt: ‘lāt daȥ schimpfen sīnund alsō bœsiu mære durch den willen mīn,daȥ ir daȥ saget iemen daȥ er sī erslagen:72wand’ ine kunde in nimmer unz an mīn ende verklagen.’‘Welt ir mir niht gelouben daȥ ir mich hœret sagen,sō muget ir selbe hœren Kriemhilde klagenunt alleȥ ir gesinde den Sīfrides tōt.’76vil sēre erscrac dō Sigemunt: des gie im wærlīchen nōt.Mit hundert sīnen mannen er von den betten spranc.si zuhten zuo den handen diu scharpfen wāfen lanc,si liefen zuo dem wuofe vil jāmerliche dan.80dō kōmen tūsent recken des küenen Sīfrides man.Dō si sō jæmerlīche die vrouwen hōrten klagen,dō wānden sumelīche, si solden kleider tragen.janẹ mohten si der sinne vor leide niht gehaben:84in wart vil michel swære in ir herzen begraben.Dō kom der künec Sigemunt da ẹr Kriemhilde vant.er sprach: ‘owē der reise here in ditze lant.wer hāt mich mīnes kindes und iuch des iuwern man88bī alsō guoten friunden sus mortlīchāne getān?’‘Hey solde ich den bekennen,’ sprach daȥ vil edele wīp,‘holt enwurde im nimmer mīn herze unt ouch mīn līp:ich geriete im alsō leide daȥ die friunde sīn92von den mīnen schulden müesenweinende sīn.’Sigemunt der herre den fürsten umbeslōȥ.dō wart von sīnen vriunden der jāmer alsō grōȥdaȥ von dem starken wuofe palas unde sal96und ouch diu stat ze Wormeȥ von ir weinen erschal.Donẹ kunde niemen trœsten daȥ Sīfrides wīp.man zōch ūȥ den kleidern den sīnen schœnen līp.man wuosch im sīne wunden unt leit’ in ūf den rē.100dō was sīnen liuten von grōȥem jāmere wē.Dō sprāchen* sīne recken von Nibelunge lant:‘in sol immer rechen mit willen unser hant.er ist in dirre bürge, der iȥ hāt getān.’104dō īlten nāch wāfen alle Sīfrides man.Die ūȥ erwelten degene mit schilden kōmen dar,einlef hundert recken: die hete an sīner scharSigemunt der herre. sīnes sunes tōt108den wolde er gerne rechen: des gie im wærlīchen nōt.Sinẹ wessen wen si solden mit strīte dō bestān,sīne tæten’ȥ Gunther unde sīne man,mit den der herre Sīfrit an daȥ gejegede reit.112Kriemhilt sach si gewāfent: daȥ was ir grœȥlīche leit.Swie michel wær’ ir jāmer und swie starc ir nōt,dō vorhte si harte der Nibelunge tōtvon ir bruoder mannen, daȥ si eȥ understuont.116si warnt’ si güetlīche sō vriunde liebe vriunde tuont.Dō sprach diu jāmers rīche: ‘mīn her Sigemunt,wes welt ir beginnen? iu ist niht rehte kunt.jā hāt der künic Gunther sō manigen küenen man:120ir welt iuch alle vliesen, welt ir die recken bestān.’Mit ūf erbürten schilden in was ze strīte nōt.diu edel küneginne bat und ouch gebōtdaȥ siȥ mīden solden, die recken vil gemeit.124dō siȥ niht lāȥen wolden, daȥ was ir wærlīchen leit.Si sprach: ‘herre Sigemunt, ir sult iȥ lāȥen stānunz eȥ sich baȥ gefüege: sō wil ich mīnen manimmer mit iu rechen. der mir in hāt benomen,128wirde ich des bewīset, ich sol im schedelīche komen.Eȥ ist der übermüeten hie bī Rīne vil:dā von ich iu des strītes rāten niht enwil.si habent wider einen ie wol drīȥec man.132nu lāȥ’ in got gelingen als si umb uns gedienet hān.Ir sult hie belīben, unt dolt mit mir diu leit;als iȥ tagen beginne, ir helde vil gemeit,sō helfet mir besarken den mīnen lieben man.’136dō sprāchen die degene: ‘daȥ sol werden getān.’Iu enkunde niemen daȥ wunder volsagenvon rittern unt von vrouwen, wie man die hōrte klagen,sō daȥ man des wuofes wart in der stat geware.140die edelen burgære die kōmen gāhende dare.Si klageten mit den gesten, want in was harte leit.die Sīfrides schulde in niemen het geseit,durch waȥ der edele recke verlüre den sīnen līp.144dō weinden mit den vrouwen der guoten burgære wīp.Smide hieȥ man gāhen, wurken einen sarc,von silber und von golde, vil michel unde starc.man hieȥ in vaste spengen mit stahel, der was guot.148dō was al den liuten harte trūrec der muot.Diu naht was zergangen: man sagte eȥ wolde tagen.dō hieȥ diu edele vrouwe zuo den münster tragenSīfrit den herren, ir vil lieben man.152swaȥ er dā vriunde hēte, die sach man weinende gān.Dō sị in zem munster brāhten,// vil der gloken klanc.dō hōrt’ man allenthalben vil maniges pfaffen sanc.dō kom der künic Gunther mit den sīnen man156und ouch der grimme Hagene zuo dem wuofe gegān.Er sprach: ‘vil liebiu swester, owē der leide dīn,daȥ wir niht mohten āne des grōȥen schaden sīn.wir müeȥen klagen immer den Sīfrides līp.’160‘daȥ tuot ir āne schulde’, sprach daȥ jāmerhafte wīp.‘Wær’ iu dar umbe leide, son wær’ es niht geschehen.ir hetet mīn vergeȥȥen, des mag ich wol jehen,da ịch dā wart gescheiden von mīme lieben man.164daȥ wolde got’, sprach Kriemhilt, ‘wær’ iȥ mir selber getān.’Si buten vaste ir lougen. Kriemhilt begonde jehen‘swelher sich unschuldige, der lāȥe daȥ gesehen;der sol zuo der bāre vor den liuten gēn.168dā bī mac man die wārheit harte schiere verstēn.’Daȥ ist ein michel wunder: vil dicke eȥ noch geschiht,swā man den mortmeilen bī dem tōten siht,sō bluotent im die wunden: als ouch dā gescach.172dā von man die sculde dā ze Hagenen gesach.Die wunden vluȥȥen sēre alsam si tāten ē.die ē dā sēre klageten, des wart nu michel mē.dō sprach der künic Gunther ‘ich wil’ȥ iuch wiȥȥen lān.176in sluogen schāchære: Hagene hāt es niht getān.’‘Mir sint die schāchære’, sprach si, ‘vil wol bekant.nu lāȥe eȥ got errechen noch sīner vriunde hant.Gunther unde Hagene, jā habet ir iȥ getān.’180die Sīfrides degene heten dō ze strīte wān.Dō sprach aber Kriemhilt: ‘nu habt mit mir die nōt.’dō kōmen dise beide dā si in funden tōt,Gērnōt ir bruoder und Gīselher daȥ kint.184in triuwen si in klageten mit den anderen sint.Si weinden inneclīche den Kriemhilde man.man solde messe singen: zuo dem münster dangiengen allenthalben man wīp unde kint.188die sīn doch līhte enbāren, die weinden Sīfriden sint.Gērnōt und Gīselher sprāchen: ‘swester mīn,nu trœste dich nāch tōde, als iȥ doch muoȥ sīn.wir wellen dich’s ergetzen die wīle unt wir geleben.’192donẹ kunde ir trōst deheinen zer werlde niemen gegeben.Sīn sarc der was bereitet wol umbe’n mitten tac.man huop in von der bāre dā er ūfe lac.in wolde noch diu frouwe lāȥen niht begraben.196des muosen al die liute michel arebeite haben.In einen rīchen pfellel man den tōten want.ich wæne man dā iemen āne weinen vant.dō klagete herzenlīche Uote, ein edel wīp,200und alleȥ ir gesinde den sīnen wætlīchen līp.Dō man daȥ gehōrte, daȥ man zem münster sanc,unt in gesarket hēte, dō huop sich grōȥ gedranc:durch willen sīner sēle waȥ opfers man dō truoc!204er hete bī den vīnden doch guoter vriunde genuoc.Kriemhilt diu arme zir kameræren sprach:‘si suln durch mīne liebe līden ungemach,die im iht guotes günnen und mir wesen holt;208durch Sīfrides sēle sol man teilen sīn golt.’Dehein kint was sō kleine daȥ witze mohte haben,daȥ muose gēn zem opfer. ē ẹr wurde begraben,baȥ danne hundert messe man dā des tages sanc.212von Sīfrides vriunden wart dō grōȥer gedranc.Dō man dā hete gesungen, daȥ volchuop sich von dan.dō sprach diu vrouwe Kriemhilt ‘irn sult niht eine lānhīnte mich bewachen den ūȥ erwelten degen.216eȥ ist an sīme lībe al mīn vreude gelegen.Drī tage und drī nahte wil ich in lāȥen stān,unz ich mich geniete mīns vil lieben man.waȥ ob daȥ got gebiutet daȥ mich ouch nimet der tōt?220sō wære wol verendet mīn armer Kriemhilde nōt.’Zen herbergen giengen die liute von der stat.pfaffen unde müniche si belīben batund alleȥ sīn gesinde, daȥ des heldes pflac.224si heten naht vil arge unt vil müelīchen tac.Ān eȥȥen und ān trinken beleip dā manic man.die eȥ nemen wolden, den wart daȥ kunt getān,daȥ man’s in den vollen gæbe: daȥ schuof Sigemunt.228dō was den Nibelungen vil michel arebeite kunt.Die drīe tagezīte, sō wir hœren sagen,die dā kunden singen, daȥ si muosen tragenvil der arebeite. waȥ man in opfers truoc!232die vil arme wāren, die wurden rīche genuoc.Swaȥ man vant der armen die es niht mohten hān,die hieȥ man doch zem opfer mit dem golde gānūȥ sīn selbes kamere. do ẹr niht solde leben,236umbe sīne sēle wart manic tūsent marc gegeben.Urbor ūf der erden teilte s’in diu lant,swā sō man diu klōster und guote liute vant.silber unde wæte gap man den armen gnuoc.240si tet dem wol gelīche daȥ sim holden willen truoc.An dem dritten morgen ze rehter messezītsō was bī dem münster der kirchof alsō wītvon den lantliuten weinens alsō vol:244si dienden im nāch tōde als man lieben vriunden sol.In den tagen vieren, man hāt gesaget daȥ,ze drīȥec tūsent marken, oder dannoch baȥ,wart durch sīne sēle den armen dā gegeben.248dō was gelegen ringe sīn grōȥiu schœne und ouch sīn leben.Dō gote dā wart gedienet und daȥ man vol gesanc,mit ungefüegem leide vil des volkes ranc.man hieȥ in ūȥ dem münster zuo dem grabe tragen.252die sīn ungern enbāren, die sah man weinen unde klagen.Vil lūte scrīende daȥ liut gie mit im dan:vrō enwas dā niemen, weder wīp noch man.ē daȥ man in begrüebe, man sanc unde las:256hey waȥ guoter pfaffen ze sīner pīfilde was!Ē daȥ zem grabe kœme daȥ Sīfrides wīp,dō ranc mit solhem jāmer der ir getriuwer līp,daȥ man si mit dem brunnen vil dicke dā vergōȥ.260eȥ was ir ungemüete vil harte unmæȥlīchen grōȥ.Eȥ was ein michel wunder daȥ si ie genas.mit klage ir helfende manic vrouwe was.dō sprach diu küneginne: ‘ir Sīfrides man,264ir sult durch iuwer triuwe an mir genāde begān.Lāt mir nāch mīme leide daȥ kleine liep geschehen,daȥ ich sīn schœne houbet noch eines müeȥe sehen.’dō bat si’s alsō lange mit jāmers sinnen starc,268daȥ man zebrechen muose den vil hērlīchen sarc.Dō brāhte man die vrouwen dā si in ligen vant.si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant;dō kuste s’ alsō tōten den edelen ritter guot.272ir vil liehten ougen vor leide weineten bluot.Ein jæmerlīcheȥ scheiden wart dō dā getān.dō truoc man si von dannen: sine mohte niht gegān.dō vant man sinnelōse daȥ hērlīche wīp.276vor leide möht’ ersterben der ir vil wünneclīcher līp.Dō man den edelen herren hete nu begraben,leit āne māȥe sah man die alle habendie mit im komen wāren von Nibelunge lant.280vil selten vrœlīchen man dō Sigemunden vant.Dō was der etelīcher der drīer tage lancvor dem grōȥem leide niht aȥ noch entranc.doch mohten si dem lībe sō gar geswīchen niht:284si nerten sich nāch sorgen, sō noch genuogen geschiht.VIIIWOLFRAM VON ESCHENBACH.Wolfram von Eschenbach was a native of Bavaria. Of his life little is known, not even the exact dates of his birth and death. He flourished in the latter part of the twelfth and early part of the thirteenth century, and was by far the best and most extensive representative of the Court epic poetry. He is best known by his Parzival, which contains 24,812 lines divided up into sixteen books. The following extract is taken from Book III. For editions of his works, see Lachmann, Wolfram von Eschenbach, Berlin, 1833, fifth edition, Berlin, 1891; Bartsch, Wolfram’s von Eschenbach Parzival und Titurel, Leipzig, 1875.Sich zōch diu frouwe jāmers baltūȥ ir lande in einen walt,zer waste in Soltāne;niht durch bluomen ūf die plāne,5ir herzen jāmer was sō ganz,sinẹ kērte sich an keinen kranz,er wære rōt oder val.sie brāhte dar durch flühtesaldes werden Gahmuretes kint.10liute, die bī ir dā sint,müeȥen būwen unde riuten.sie kunde wol getriutenir sun. ē daȥ sich der versan,ir volc sie gar für sich gewan:15eȥ wære man oder wīp,den gebōt sie allen an den līp,daȥ se iemer rīters wurden lūt.‘wan friesche daȥ mīns herzen trūt,welch rīters leben wære,20daȥ wurde mir vil swære.nu habet iuch an der witze kraft,und helt in alle rīterschaft.’Der site fuor angestlīche vart.der knappe alsus verborgen wart25zer waste in Soltāne erzogen,an küneclīcher fuore betrogen;eȥ ẹnmöhte an eime site sīn:bogen unde bölzelīndie sneit er mit sīn selbes hant,30und schōȥ vil vogele die er vant.swenne ab er den vogel erschōȥ,des schal von sange ē was sō grōȥ,sō weinde er unde roufte sich,an sīn hār kērt’ er gerich.35sīn līp was klār unde fier:ūf dem plān am riviertwuog er sich alle morgen.er’n kunde niht gesorgen,eȥ ẹnwære ob im der vogelsanc,40die suoȥe in sīn herze dranc:daȥ erstracte im sīniu prüstelīn.alweindeer lief zer künegīn.sō sprach sie ‘wer hāt dir getān?du wær’ hin ūȥ ūf den plān.’45er’n kunde es ir gesagen niht,als kinden līhte noch geschiht.dem mære gienc sie lange nāch.eins tages sie in kapfen sachūf die boume nāch der vogele schal.50sie wart wol innen daȥ zeswalvon der stimme ir kindes brust.des twang in art und sīn gelust.frou Herzeloyde kērte ir haȥan die vogele, sine wesse um waȥ:55sie wolte ir schal verkrenken.ir būliutẹ und ir enkendie hieȥ sie vaste gāhen,vogele würgen unde vāhen.die vogele wāren baȥ geriten:60etslīches sterben wart vermiten:der bleip dā lebendic ein teil,die sīt mit sange wurden geil.Der knappe sprach zer künegīn‘waȥ wīȥet man den vogelīn?’65er gerte in frides sā zestunt.sīn muoter kuste in an den munt:diu sprach ‘wes wende ich sīn gebot,der doch ist der hœhste got?suln vogele durch mich fröude lān?’70der knappe sprach zer muoter sān‘owē muoter, waȥ ist got?’‘sun, ich sage dir’ȥ āne spot.er ist noch liehter denn’ der tag,der antlitzes sich bewac75nāch menschen antlitze.sun, merke eine witze,und flēhe in umbe dīne nōt:sīn triwe der werlde ie helfe bōt.sō heiȥet einẹr der helle wirt:80der ịst swarz, untriuwe in niht verbirt.von dem kēr’ dīne gedanke,und och von zwīvels wanke.’sīn muoter underschiet im gardaȥ vinster unt daȥ lieht gevar.85dar nāch sīn snelheit verre spranc.er lerntẹ den gabylōtes swanc,dā mite er manegen hirz erschōȥ:des sīn muoter und ir volc genōȥ.eȥ wære æber oder snē,90dem wilde tet’ sīn schieȥen wē.nu hœret fremdiu mære.swenne er’rschōȥ daȥ swære,des wære ein mūl geladen genuoc,als unzerworht hin heim er’ȥ truoc.95Eins tages gieng er den weidegancan einer halden, diu was lanc:er brach durch blates stimme ‘en zwīc.dā nāhen bī im gienc ein stīc:dā hōrt’ er schal von huofslegen.100sīn gabylōt begund’er wegen:dō sprach er ‘waȥ hān ich vernomen?wan wolte et nu der tiuvel komenmit grimme zorneclīche!den bestüende ich sicherlīche.105mīn muoter freisen von im saget:ich wæne ir ellen sī verzaget.’alsus stuont er in strītes ger.nu seht, dort kom geschūftet herdrī rīter nāch wunsche var,110von fuoȥe ūf gewāpent gar.der knappe wānde sunder spot,daȥ ieslīcher wære ein got.dō stuont ouch er niht langer hie,in’ȥ phat viel er ūf sīniu knie.115lūte rief der knappe sān‘hilf, got: du maht wol helfe hān.’der vorder zornes sich bewac,dō der knappe im phade lac:‘dirre tœrsche Wāleise120unsich wendet gāher reise.’ein prīs den wir Beier tragen,muoȥ ich von Wāleisen sagen:die sint tœrscher denne beiersch her,und doch bī manlīcher wer.125swer in den zwein landen wirt,gefuoge ein wunder an im birt.Dō kom geleischieretund wol gezimieretein rīter, dem was harte gāch.130er reit in strīteclīchen nāch,die verre wāren von im komen:zwēn’ rīter heten im genomenein’ frouwen in sīm’ lande,den helt eȥ dūhte schande:135in müetẹ der juncfrouwen leit,diu jæmerlīche vor in reit.dise drī wāren sīne man.er reit ein schœne kastelān:sīns schildes was vil wēnic ganz.140er hieȥ Karnahkarnanzleh consUlterlec.er sprach ‘wer irret uns den wec?’sus fuor er zuome knappen sān.den dūhte er als ein got getān:145er’n het’ ē sō liehtes niht erkant.ūfẹm towe der wāpenroc erwant.mit guldīn schellen kleinevor ietwederem beinewārn die stegreife erklenget150unt ze rehter māȥe erlenget.sīn zeswer arm von schellen klanc,swar er’n bōt oder swanc.der was durch swertslege sō hel:der helt was gein prīse snel.155sus fuor der fürste rīche,gezimiert wünneclīche.Aller manne schœne ein bluomen kranz,den vrāgte Karnahkarnanz‘junchērre, sāht ir für iuch varen160zwēn’ rīter die sich niht bewarenkunnen an rīterlīcher zunft?sie ringent mit der nōtnunftund sint an werdekeit verzaget:sie füerent roubes eine maget.’165der knappe wānde, swaȥ er sprach,eȥ wære got, als ime verjachfrou Herzeloyd’ diu künegīn,do s’im underschiet den liehten schīn.dō rief er lūte sunder spot170‘nu hilf mir, helfe rīcher got.’vil dicke viel an sīn gebetfil li royGahmuret.der fürste sprach ‘ich pin niht got,ich leiste ab gerne sīn gebot.175du maht his vier rīter sehen,ob du ze rehte kundest spehen.’der knappe frāgte fürbaȥ‘du nennest rīter: waȥ ist daȥ?hāstu niht gotelīcher kraft,180sō sage mir, wer gīt rīterschaft.’‘daȥ tuot der künec Artūs.junchērre, komet ir in des hūs,der bringet iuch an rīters namen,daȥ ir’s iuch niemer durfet schamen.185ir muget wol sīn von rīters art.’von den helden er geschouwet wart:dō lac diu gotes kunst an ime.von der āventiurẹ ich daȥ nime,diu mich mit wārheit des beschiet:190nie mannes varwe baȥ gerietvor ime sīt Adāmes zīt.des wart sīn lop von wīben wīt.Aber sprach der knappe sāndā von ein lachen wart getān.195‘ay rīter got, waȥ mahtu sīn?du hāst sus manec vingerlīnan dīnen līp gebunden,dort oben unt hie unden.’aldā begreif des knappen hant200swaȥ er īsers ame fürsten vant:des harnasch begunder schouwen.‘mīner muoter juncfrouwenir vingerīn an snüeren tragent,diu niht sus an ein ander ragent.’205der knappe sprach durch sīnen muot‘war zuo ist ditze guot,daȥ dich sō wol kan schicken?i’ne mages niht abe gezwicken.’der fürste im zeigete sā sīn swert:210‘nu sich, swer an mich strītes gert,des selben wer ich mich mit slegen:für die sīne muoȥ ich an mich legen,und für den schuȥ und für den stichmuoȥ ich alsus wāpen mich.’215aber sprach der knappe snel‘ob die hirze trüegen sus ir vel,son’ verwunt’ ir niht mīn gabylōt.der vellet manger vor mir tōt.’Die rīter zurnden daȥ er hielt220bi dem knappen der vil tumpheit wielt.der fürste sprach ‘got hüete dīn.ōwī wan wær’ dīn schœne mīn!dir hete got den wunsch gegeben,ob du mit witzen soldest leben.225diu gotes kraft dir virre leit.’die sīne und och er selbe reit,unde gāheten baldez’einem velde in dem walde.dā vant der gefüege230frōn Herzeloyden phlüege.ir volke leider nie geschach;die er balde eren sach:si bẹgunden sæn, dar nāch egen,ir gart ob starken ohsen wegen.235der fürste in guoten morgen bōt,und frāgte sẹ, op sie sæhen nōteine juncfrouwen līden,sine kunden niht vermiden,swes er vrāgt’, daȥ wart gesaget.240‘zwēne rīter und ein magetdā riten hiute morgen.diu frouwe fuor mit sorgen:mit sporen sie vaste ruorten,die die juncfrouwen fuorten.’245eȥ was Meljahkanz.den ergāhte Karnachkarnanz,mit strīte er ime die frouwen nam:diu was dā vor fröuden lam.sie hieȥ Īmāne250von der Bēāfontāne.Die būliute verzageten,dō die helde für sie jageten.sie sprāchen ‘wie’st uns sus geschehen?hāt unser junchērre ersehen255ūf disen rītern helme schart,sonẹ hān wir uns niht wol bewart.wir sulen der küneginne haȥvon schulden hœren umbe daȥ,wand’ er mit uns dā her lief260hiute morgen dō sie dannoch slief.’der knappe enruochte ouch wer dō schōȥdie hirze kleine unde grōȥ:er huop sich gein der muoter wider,und sagete ir mær’. dō viel sie nider:265sīner worte sie sō sēre erschrac,daȥ sị unversunnen vor im lac.dō diu küneginnewider kom z’ir sinne,swie sie dā vor wær’ verzaget,270dō sprach sie ‘sun, wer hāt gesagetdir von rīters orden?wā bist du’s innen worden?’‘muoter, ich sach vier mannoch liehter danne got getān:275die sageten mir von rīterschaft.Artūses küneclīchiu kraftsol mich nāch rīters ērenan schildes ambet kēren.’sich huop ein niuwer jāmer hie.280diu frouwe enwesse rehte, wiedaȥ sie ir den list erdæhteunde in von dem willen bræhte.Der knappe tump unde wertiesch von der muoter dicke ein pfert.285daȥ begunde sẹ in ir herzen klagen.sie dāhte ‘i’n wil im niht versagen:eȥ muoȥ aber vil bœse sīn.’dō gedāhte mēr diu künegīn‘der liute vil bī spotte sint.290tōren kleider sol mīn kintob sīme liehten lībe tragen.wirt er geroufet unt geslagen,sō kumet er mir her wider wol.’ōwē der jæmerlīchen dol!295diu frouwe nam ein sactuoch:sie sneit im hemede unde bruoch,daȥ doch an eime stücke erschein,unz enmitten an sīn blankeȥ bein.daȥ wart für tōren kleit erkant.300ein gugel man obene drūfe vant.al frisch rūch kelberīnvon einer hūt zwei ribbalīnnāch sīnen beinen wart gesniten.dā wart grōȥ jāmer niht vermiten.305diu künegīn was alsō bedāht,sie bat belīben in die naht.‘dunẹ solt niht hinnen kēren,ich wil dich list ē lēren.an ungebanten strāȥen310soltu tunkel fürte lāȥen:die sīhte unde lūter sīn,dā solte al balde rīten īn.du solt dich site nieten,der werelde grüeȥen bieten.315ob dich ein grā wīse manzuht wil lērn als er wol kan,dem soltu gerne volgen,und wis im niht erbolgen.sun, lā dir bevolhen sīn,320swa du guotes wībes vingerlīnmügest erwerben unt ir gruoȥ,daȥ nim: eȥ tuot dir kumbers buoȥ.du solt z’ir kusse gāhenund ir līp vast’ umbevāhen:325daȥ gīt gelücke und hōhen muot,op sie kiusche ist unde guot.du solt och wiȥȥen, sun mīn,der stolze küene Lähelīndīnen fürsten abe ervaht zwei lant,330diu sollen dienen dīner hant,Wāleis und Norgāls.ein dīn fürste Turkentalsden tōt von sīner hende enphienc:dīn volc er sluoc unde vienc.’335‘diz riche ich, muoter, ruocht es got:in verwundet noch mīn gabylōt.’Des morgens dō der tag erschein,der knappe balde wart enein,im was gein Artūse gāch.340frou Herzeloyde in kuste und lief im nāch.der werelde riuwe aldā geschach.dō sie ir sun niht langer sach(der reit enwec: wem’st deste baȥ?),dō viel diu frouwe valsches laȥ345ūf die erde, aldā sie jāmer sneitdō daȥ se ein sterben niht vermeit.ir vil getriulīcher tōtder frouwen wert’ die hellenōt.ōwol sie daȥ se ie muoter wart!350sus fuor die lōnes bernden vartein wurzel der güeteund ein stam der diemüete.ōwē daȥ wir nu niht enhānir sippe unz an den eilften spān!355des wirt gevelschet manec līp.doch solten nu getriuwiu wīpheiles wünschen disem knaben,der sich hie von ir hāt erhaben.
5205In dem lufte süeȥem meien,sō der walt gekleidet stāt,sō siht man sich schōne zweienalleȥ daȥ iht liebes hāt,unde ist mit ein ander vrō.210daȥ ist reht: diu zīt wil sō.Swā sich liep ze liebe zweiet,hōhen muot diu liebe gīt.in der beider herzen meieteȥ mit vreuden alle zīt.215trūrens wil diu liebe niht,swā man liep bī liebe siht.Swā zwei liep ein ander meinentherzenlīchen āne wancund sich beidiu sō vereinent220daȥ ir liebe ist āne kranc,die hāt got zesamne gebenūf ein wunneclīcheȥ leben.Stætiu liebe heiȥet minne.liebe, minne, ist al ein:225die kan ich in mīnem sinneniht gemachen wol zuo zwein.liebe muoȥ mir minne sīnimmer in dem herzen mīn.Swā ein stæteȥ herze vindet230stæte liebe, stæten muot,dā von al sīn trūren swindet.stætiu liebe ist alsō guotdaȥ sie stæte freude gītstætem herzen alle zīt.235Möhte ich stæte liebe vinden,der wold’ ich sō stæte sīndaȥ ich dā mit überwindenwolde gar die sorge mīn.stæter liebe wil ich gern240unde unstæte gar verbern.
In dem lufte süeȥem meien,
sō der walt gekleidet stāt,
sō siht man sich schōne zweien
alleȥ daȥ iht liebes hāt,
unde ist mit ein ander vrō.
daȥ ist reht: diu zīt wil sō.
Swā sich liep ze liebe zweiet,
hōhen muot diu liebe gīt.
in der beider herzen meiet
eȥ mit vreuden alle zīt.
trūrens wil diu liebe niht,
swā man liep bī liebe siht.
Swā zwei liep ein ander meinent
herzenlīchen āne wanc
und sich beidiu sō vereinent
daȥ ir liebe ist āne kranc,
die hāt got zesamne geben
ūf ein wunneclīcheȥ leben.
Stætiu liebe heiȥet minne.
liebe, minne, ist al ein:
die kan ich in mīnem sinne
niht gemachen wol zuo zwein.
liebe muoȥ mir minne sīn
immer in dem herzen mīn.
Swā ein stæteȥ herze vindet
stæte liebe, stæten muot,
dā von al sīn trūren swindet.
stætiu liebe ist alsō guot
daȥ sie stæte freude gīt
stætem herzen alle zīt.
Möhte ich stæte liebe vinden,
der wold’ ich sō stæte sīn
daȥ ich dā mit überwinden
wolde gar die sorge mīn.
stæter liebe wil ich gern
unde unstæte gar verbern.
6Disiu liet diu heiȥent vrowen tanz:diu sol niemen singen, er’n sī vrō.swer mit zühten treit der freuden kranz,und dem sīn muot stāt von wīben hō,245dem erloube ich sie ze singen wol:blīdeclīchen man sie tanzen sol.Trūren ist ze wāre niemen guotwan dem einen der sīn sünde klaget,hōhen lop erwirbet hōher muot.250guoten wīben hōchmuot wol behaget:dā von wil ich immer mēre sīnhōchgemuot durch dich, guot vrowe mīn.Vreude gibt mir dīn wol redender munt,hōhen muot dīn reine senfte sit’:255vreuden tou mir ūȥ des herzen gruntkumt von dir in elliu mīniu lit.got hāt sīnen vlīȥ an dich geleit,dā von dī lop ēren krōne treit.Liehtiu ougen, dā bī brūne brā,260hāstu und zwei rōtiu wängelīn.schœne bistu hie und schœne dā.brūn rōt wīȥ, der drīer varwe schīntreit dīn hōchgeborner schœner līp.tugende hāstu vil, guot wīplīch wīp.265Daȥ du alsō manege tugende hāst,dā von bin ich alles trūrens vrī.sō du alsō schœniu vor mir gāst,sō ist mir als ich in dem himel sī.got sō schœnen engel nie gewan270den ich für dich wolde sehen an.
Disiu liet diu heiȥent vrowen tanz:
diu sol niemen singen, er’n sī vrō.
swer mit zühten treit der freuden kranz,
und dem sīn muot stāt von wīben hō,
dem erloube ich sie ze singen wol:
blīdeclīchen man sie tanzen sol.
Trūren ist ze wāre niemen guot
wan dem einen der sīn sünde klaget,
hōhen lop erwirbet hōher muot.
guoten wīben hōchmuot wol behaget:
dā von wil ich immer mēre sīn
hōchgemuot durch dich, guot vrowe mīn.
Vreude gibt mir dīn wol redender munt,
hōhen muot dīn reine senfte sit’:
vreuden tou mir ūȥ des herzen grunt
kumt von dir in elliu mīniu lit.
got hāt sīnen vlīȥ an dich geleit,
dā von dī lop ēren krōne treit.
Liehtiu ougen, dā bī brūne brā,
hāstu und zwei rōtiu wängelīn.
schœne bistu hie und schœne dā.
brūn rōt wīȥ, der drīer varwe schīn
treit dīn hōchgeborner schœner līp.
tugende hāstu vil, guot wīplīch wīp.
Daȥ du alsō manege tugende hāst,
dā von bin ich alles trūrens vrī.
sō du alsō schœniu vor mir gāst,
sō ist mir als ich in dem himel sī.
got sō schœnen engel nie gewan
den ich für dich wolde sehen an.
B. Text.
The following extract is from Bartsch’s edition, Leipzig, 1879.
Dō erbiten si der nahte und fuoren über Rīn.von heleden kunde nimmer wirs gejaget sīn.ein tier daȥ si dā sluogen, daȥ weinden edeliu kint.4jā muosen sīn engelten vil guote wīgande sint.Von grōȥer übermüete muget ir hœren sagen,und von eislīcher rāche. dō hieȥ Hagene tragenSīfriden alsō tōten von Nibelunge lant8für eine kemenāten dā man Kriemhilde vant.Er hieȥ in tougenlīchen legen an die türe,daȥ sin dā solde vinden so si gienge derfürehim zer mettīne ē daȥ eȥ wurde tac,12der diu vrouwe Kriemhilt vil selten keine verlac.Man lūte dā zem münster nāch gewoneheit.vrou Kriemhilt diu schœne wahte manige meit:ein lieht bat si ir bringen und ouch ir gewant.16dō kom ein kamerære dā er Sīfriden vant.Er sah in bluotes rōten: sīn wāt was elliu naȥ.daȥ eȥ sīn herre wære, nine wesse er daȥ.hin zer kemenāten daȥ lieht truog an der hant20von dem vil leider mære diu vrouwe Kriemhilt ervant.Dō si mit ir vrouwen zem münster wolde gān,dō sprach der kamerære ‘jā sult ir stille stān:eȥ līt vor dem gademe ein ritter tōt erslagen.’24dō begonde Kriemhilt vil harte unmæȥlīche klagen.Ē daȥ si rehte erfunde daȥ iȥ wære ir man,an die Hagenen vrāge denken si began,wie er in solde vristen: dō wart ir ērste leit.28von ir was allen vreuden mitsīmetōde widerseit.Dō seic si zuo der erden, daȥ si niht ensprach:die schœnen vreudelōsen ligen man dō sach.Kriemhilde jāmer wart unmāȥen grōȥ:32do ẹrschrē sināch unkreftedaȥ al diu kemenāte erdōȥ.Dō sprach daȥ gesinde: ‘waȥ ob eȥ ist ein gast?’daȥ bluot ir ūȥ dem munde von herzen jāmer brast.dō sprach si ‘eȥ ist Sīfrit, der mīn vil lieber man:36eȥ hāt gerāten Prünhilt, daȥ eȥ hat Hagene getān.’Diu vrouwebat sich wīsendā si den helt vant.si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant.swie rōt eȥ was von bluote, si het in schiere erkant.40dō lac vil jæmerlīche der helt von Nibelunge lant.Dō rief vil trūreclīche diu küneginne milt:‘owē mir mīnes leides! nu ist dir dīn schiltmit swerten niht verhouwen: du līstermorderōt.44unt wesse ich wer iȥ het getān, ich riete im immer sīnen tōt.’Alleȥ ir gesinde klagete und scrēmit ir lieben vrouwen, wand’ in was harte wēumb’ ir vil edelen herren, den si dā heten verlorn.48dō het gerochen Hagene harte Prünhilde zorn.Dō sprach diu jāmerhafte: ‘ir sult hine gānund wecket harte balde die Sīfrides man.ir sult ouch Sigemunde mīnen jāmer sagen,52ob er mir helfen welle den küenen Sīfriden klagen.’Dō lief ein bote balde da ẹr si ligen vant,die Sīfrides helede von Nibelunge lant.mit den vil leiden mæren ir vreude er in benam.56si wolden’ȥ niht gelouben unz man daȥ weinen vernam.Der bote kom ouch schiere dā der künic lac.Sigemunt der herre des slāfes niht enpflac:ich wæn’ sīn herze im sagete daȥ im was geschehen,60ern möhte sīnen lieben sun lebenden nimmer gesehen.‘Wachet, herre Sigemunt. mich bat nāch iu gānKriemhilt mīn vrouwe. der ist ein leit getāndaȥ ir vor allen leiden an ir herze gāt:64daȥ sult ir klagen helfen, wand’ eȥ iuch sēre bestāt.’Ūf rihte sich dō Sigemunt; er sprach: ‘waȥ sint diu leitder schœnen Kriemhilde, diu du mir hāst geseit?’der bote sprach mit weinen: ‘ine kan iu niht verdagen:68jā ist von Niderlanden der küene Sīfrit erslagen.’Dō sprach der herre Sigemunt: ‘lāt daȥ schimpfen sīnund alsō bœsiu mære durch den willen mīn,daȥ ir daȥ saget iemen daȥ er sī erslagen:72wand’ ine kunde in nimmer unz an mīn ende verklagen.’‘Welt ir mir niht gelouben daȥ ir mich hœret sagen,sō muget ir selbe hœren Kriemhilde klagenunt alleȥ ir gesinde den Sīfrides tōt.’76vil sēre erscrac dō Sigemunt: des gie im wærlīchen nōt.Mit hundert sīnen mannen er von den betten spranc.si zuhten zuo den handen diu scharpfen wāfen lanc,si liefen zuo dem wuofe vil jāmerliche dan.80dō kōmen tūsent recken des küenen Sīfrides man.Dō si sō jæmerlīche die vrouwen hōrten klagen,dō wānden sumelīche, si solden kleider tragen.janẹ mohten si der sinne vor leide niht gehaben:84in wart vil michel swære in ir herzen begraben.Dō kom der künec Sigemunt da ẹr Kriemhilde vant.er sprach: ‘owē der reise here in ditze lant.wer hāt mich mīnes kindes und iuch des iuwern man88bī alsō guoten friunden sus mortlīchāne getān?’‘Hey solde ich den bekennen,’ sprach daȥ vil edele wīp,‘holt enwurde im nimmer mīn herze unt ouch mīn līp:ich geriete im alsō leide daȥ die friunde sīn92von den mīnen schulden müesenweinende sīn.’Sigemunt der herre den fürsten umbeslōȥ.dō wart von sīnen vriunden der jāmer alsō grōȥdaȥ von dem starken wuofe palas unde sal96und ouch diu stat ze Wormeȥ von ir weinen erschal.Donẹ kunde niemen trœsten daȥ Sīfrides wīp.man zōch ūȥ den kleidern den sīnen schœnen līp.man wuosch im sīne wunden unt leit’ in ūf den rē.100dō was sīnen liuten von grōȥem jāmere wē.Dō sprāchen* sīne recken von Nibelunge lant:‘in sol immer rechen mit willen unser hant.er ist in dirre bürge, der iȥ hāt getān.’104dō īlten nāch wāfen alle Sīfrides man.Die ūȥ erwelten degene mit schilden kōmen dar,einlef hundert recken: die hete an sīner scharSigemunt der herre. sīnes sunes tōt108den wolde er gerne rechen: des gie im wærlīchen nōt.Sinẹ wessen wen si solden mit strīte dō bestān,sīne tæten’ȥ Gunther unde sīne man,mit den der herre Sīfrit an daȥ gejegede reit.112Kriemhilt sach si gewāfent: daȥ was ir grœȥlīche leit.Swie michel wær’ ir jāmer und swie starc ir nōt,dō vorhte si harte der Nibelunge tōtvon ir bruoder mannen, daȥ si eȥ understuont.116si warnt’ si güetlīche sō vriunde liebe vriunde tuont.Dō sprach diu jāmers rīche: ‘mīn her Sigemunt,wes welt ir beginnen? iu ist niht rehte kunt.jā hāt der künic Gunther sō manigen küenen man:120ir welt iuch alle vliesen, welt ir die recken bestān.’Mit ūf erbürten schilden in was ze strīte nōt.diu edel küneginne bat und ouch gebōtdaȥ siȥ mīden solden, die recken vil gemeit.124dō siȥ niht lāȥen wolden, daȥ was ir wærlīchen leit.Si sprach: ‘herre Sigemunt, ir sult iȥ lāȥen stānunz eȥ sich baȥ gefüege: sō wil ich mīnen manimmer mit iu rechen. der mir in hāt benomen,128wirde ich des bewīset, ich sol im schedelīche komen.Eȥ ist der übermüeten hie bī Rīne vil:dā von ich iu des strītes rāten niht enwil.si habent wider einen ie wol drīȥec man.132nu lāȥ’ in got gelingen als si umb uns gedienet hān.Ir sult hie belīben, unt dolt mit mir diu leit;als iȥ tagen beginne, ir helde vil gemeit,sō helfet mir besarken den mīnen lieben man.’136dō sprāchen die degene: ‘daȥ sol werden getān.’Iu enkunde niemen daȥ wunder volsagenvon rittern unt von vrouwen, wie man die hōrte klagen,sō daȥ man des wuofes wart in der stat geware.140die edelen burgære die kōmen gāhende dare.Si klageten mit den gesten, want in was harte leit.die Sīfrides schulde in niemen het geseit,durch waȥ der edele recke verlüre den sīnen līp.144dō weinden mit den vrouwen der guoten burgære wīp.Smide hieȥ man gāhen, wurken einen sarc,von silber und von golde, vil michel unde starc.man hieȥ in vaste spengen mit stahel, der was guot.148dō was al den liuten harte trūrec der muot.Diu naht was zergangen: man sagte eȥ wolde tagen.dō hieȥ diu edele vrouwe zuo den münster tragenSīfrit den herren, ir vil lieben man.152swaȥ er dā vriunde hēte, die sach man weinende gān.Dō sị in zem munster brāhten,// vil der gloken klanc.dō hōrt’ man allenthalben vil maniges pfaffen sanc.dō kom der künic Gunther mit den sīnen man156und ouch der grimme Hagene zuo dem wuofe gegān.Er sprach: ‘vil liebiu swester, owē der leide dīn,daȥ wir niht mohten āne des grōȥen schaden sīn.wir müeȥen klagen immer den Sīfrides līp.’160‘daȥ tuot ir āne schulde’, sprach daȥ jāmerhafte wīp.‘Wær’ iu dar umbe leide, son wær’ es niht geschehen.ir hetet mīn vergeȥȥen, des mag ich wol jehen,da ịch dā wart gescheiden von mīme lieben man.164daȥ wolde got’, sprach Kriemhilt, ‘wær’ iȥ mir selber getān.’Si buten vaste ir lougen. Kriemhilt begonde jehen‘swelher sich unschuldige, der lāȥe daȥ gesehen;der sol zuo der bāre vor den liuten gēn.168dā bī mac man die wārheit harte schiere verstēn.’Daȥ ist ein michel wunder: vil dicke eȥ noch geschiht,swā man den mortmeilen bī dem tōten siht,sō bluotent im die wunden: als ouch dā gescach.172dā von man die sculde dā ze Hagenen gesach.Die wunden vluȥȥen sēre alsam si tāten ē.die ē dā sēre klageten, des wart nu michel mē.dō sprach der künic Gunther ‘ich wil’ȥ iuch wiȥȥen lān.176in sluogen schāchære: Hagene hāt es niht getān.’‘Mir sint die schāchære’, sprach si, ‘vil wol bekant.nu lāȥe eȥ got errechen noch sīner vriunde hant.Gunther unde Hagene, jā habet ir iȥ getān.’180die Sīfrides degene heten dō ze strīte wān.Dō sprach aber Kriemhilt: ‘nu habt mit mir die nōt.’dō kōmen dise beide dā si in funden tōt,Gērnōt ir bruoder und Gīselher daȥ kint.184in triuwen si in klageten mit den anderen sint.Si weinden inneclīche den Kriemhilde man.man solde messe singen: zuo dem münster dangiengen allenthalben man wīp unde kint.188die sīn doch līhte enbāren, die weinden Sīfriden sint.Gērnōt und Gīselher sprāchen: ‘swester mīn,nu trœste dich nāch tōde, als iȥ doch muoȥ sīn.wir wellen dich’s ergetzen die wīle unt wir geleben.’192donẹ kunde ir trōst deheinen zer werlde niemen gegeben.Sīn sarc der was bereitet wol umbe’n mitten tac.man huop in von der bāre dā er ūfe lac.in wolde noch diu frouwe lāȥen niht begraben.196des muosen al die liute michel arebeite haben.In einen rīchen pfellel man den tōten want.ich wæne man dā iemen āne weinen vant.dō klagete herzenlīche Uote, ein edel wīp,200und alleȥ ir gesinde den sīnen wætlīchen līp.Dō man daȥ gehōrte, daȥ man zem münster sanc,unt in gesarket hēte, dō huop sich grōȥ gedranc:durch willen sīner sēle waȥ opfers man dō truoc!204er hete bī den vīnden doch guoter vriunde genuoc.Kriemhilt diu arme zir kameræren sprach:‘si suln durch mīne liebe līden ungemach,die im iht guotes günnen und mir wesen holt;208durch Sīfrides sēle sol man teilen sīn golt.’Dehein kint was sō kleine daȥ witze mohte haben,daȥ muose gēn zem opfer. ē ẹr wurde begraben,baȥ danne hundert messe man dā des tages sanc.212von Sīfrides vriunden wart dō grōȥer gedranc.Dō man dā hete gesungen, daȥ volchuop sich von dan.dō sprach diu vrouwe Kriemhilt ‘irn sult niht eine lānhīnte mich bewachen den ūȥ erwelten degen.216eȥ ist an sīme lībe al mīn vreude gelegen.Drī tage und drī nahte wil ich in lāȥen stān,unz ich mich geniete mīns vil lieben man.waȥ ob daȥ got gebiutet daȥ mich ouch nimet der tōt?220sō wære wol verendet mīn armer Kriemhilde nōt.’Zen herbergen giengen die liute von der stat.pfaffen unde müniche si belīben batund alleȥ sīn gesinde, daȥ des heldes pflac.224si heten naht vil arge unt vil müelīchen tac.Ān eȥȥen und ān trinken beleip dā manic man.die eȥ nemen wolden, den wart daȥ kunt getān,daȥ man’s in den vollen gæbe: daȥ schuof Sigemunt.228dō was den Nibelungen vil michel arebeite kunt.Die drīe tagezīte, sō wir hœren sagen,die dā kunden singen, daȥ si muosen tragenvil der arebeite. waȥ man in opfers truoc!232die vil arme wāren, die wurden rīche genuoc.Swaȥ man vant der armen die es niht mohten hān,die hieȥ man doch zem opfer mit dem golde gānūȥ sīn selbes kamere. do ẹr niht solde leben,236umbe sīne sēle wart manic tūsent marc gegeben.Urbor ūf der erden teilte s’in diu lant,swā sō man diu klōster und guote liute vant.silber unde wæte gap man den armen gnuoc.240si tet dem wol gelīche daȥ sim holden willen truoc.An dem dritten morgen ze rehter messezītsō was bī dem münster der kirchof alsō wītvon den lantliuten weinens alsō vol:244si dienden im nāch tōde als man lieben vriunden sol.In den tagen vieren, man hāt gesaget daȥ,ze drīȥec tūsent marken, oder dannoch baȥ,wart durch sīne sēle den armen dā gegeben.248dō was gelegen ringe sīn grōȥiu schœne und ouch sīn leben.Dō gote dā wart gedienet und daȥ man vol gesanc,mit ungefüegem leide vil des volkes ranc.man hieȥ in ūȥ dem münster zuo dem grabe tragen.252die sīn ungern enbāren, die sah man weinen unde klagen.Vil lūte scrīende daȥ liut gie mit im dan:vrō enwas dā niemen, weder wīp noch man.ē daȥ man in begrüebe, man sanc unde las:256hey waȥ guoter pfaffen ze sīner pīfilde was!Ē daȥ zem grabe kœme daȥ Sīfrides wīp,dō ranc mit solhem jāmer der ir getriuwer līp,daȥ man si mit dem brunnen vil dicke dā vergōȥ.260eȥ was ir ungemüete vil harte unmæȥlīchen grōȥ.Eȥ was ein michel wunder daȥ si ie genas.mit klage ir helfende manic vrouwe was.dō sprach diu küneginne: ‘ir Sīfrides man,264ir sult durch iuwer triuwe an mir genāde begān.Lāt mir nāch mīme leide daȥ kleine liep geschehen,daȥ ich sīn schœne houbet noch eines müeȥe sehen.’dō bat si’s alsō lange mit jāmers sinnen starc,268daȥ man zebrechen muose den vil hērlīchen sarc.Dō brāhte man die vrouwen dā si in ligen vant.si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant;dō kuste s’ alsō tōten den edelen ritter guot.272ir vil liehten ougen vor leide weineten bluot.Ein jæmerlīcheȥ scheiden wart dō dā getān.dō truoc man si von dannen: sine mohte niht gegān.dō vant man sinnelōse daȥ hērlīche wīp.276vor leide möht’ ersterben der ir vil wünneclīcher līp.Dō man den edelen herren hete nu begraben,leit āne māȥe sah man die alle habendie mit im komen wāren von Nibelunge lant.280vil selten vrœlīchen man dō Sigemunden vant.Dō was der etelīcher der drīer tage lancvor dem grōȥem leide niht aȥ noch entranc.doch mohten si dem lībe sō gar geswīchen niht:284si nerten sich nāch sorgen, sō noch genuogen geschiht.
Dō erbiten si der nahte und fuoren über Rīn.
von heleden kunde nimmer wirs gejaget sīn.
ein tier daȥ si dā sluogen, daȥ weinden edeliu kint.
jā muosen sīn engelten vil guote wīgande sint.
Von grōȥer übermüete muget ir hœren sagen,
und von eislīcher rāche. dō hieȥ Hagene tragen
Sīfriden alsō tōten von Nibelunge lant
für eine kemenāten dā man Kriemhilde vant.
Er hieȥ in tougenlīchen legen an die türe,
daȥ sin dā solde vinden so si gienge derfüre
him zer mettīne ē daȥ eȥ wurde tac,
der diu vrouwe Kriemhilt vil selten keine verlac.
Man lūte dā zem münster nāch gewoneheit.
vrou Kriemhilt diu schœne wahte manige meit:
ein lieht bat si ir bringen und ouch ir gewant.
dō kom ein kamerære dā er Sīfriden vant.
Er sah in bluotes rōten: sīn wāt was elliu naȥ.
daȥ eȥ sīn herre wære, nine wesse er daȥ.
hin zer kemenāten daȥ lieht truog an der hant
von dem vil leider mære diu vrouwe Kriemhilt ervant.
Dō si mit ir vrouwen zem münster wolde gān,
dō sprach der kamerære ‘jā sult ir stille stān:
eȥ līt vor dem gademe ein ritter tōt erslagen.’
dō begonde Kriemhilt vil harte unmæȥlīche klagen.
Ē daȥ si rehte erfunde daȥ iȥ wære ir man,
an die Hagenen vrāge denken si began,
wie er in solde vristen: dō wart ir ērste leit.
von ir was allen vreuden mitsīmetōde widerseit.
Dō seic si zuo der erden, daȥ si niht ensprach:
die schœnen vreudelōsen ligen man dō sach.
Kriemhilde jāmer wart unmāȥen grōȥ:
do ẹrschrē sināch unkreftedaȥ al diu kemenāte erdōȥ.
Dō sprach daȥ gesinde: ‘waȥ ob eȥ ist ein gast?’
daȥ bluot ir ūȥ dem munde von herzen jāmer brast.
dō sprach si ‘eȥ ist Sīfrit, der mīn vil lieber man:
eȥ hāt gerāten Prünhilt, daȥ eȥ hat Hagene getān.’
Diu vrouwebat sich wīsendā si den helt vant.
si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant.
swie rōt eȥ was von bluote, si het in schiere erkant.
dō lac vil jæmerlīche der helt von Nibelunge lant.
Dō rief vil trūreclīche diu küneginne milt:
‘owē mir mīnes leides! nu ist dir dīn schilt
mit swerten niht verhouwen: du līstermorderōt.
unt wesse ich wer iȥ het getān, ich riete im immer sīnen tōt.’
Alleȥ ir gesinde klagete und scrē
mit ir lieben vrouwen, wand’ in was harte wē
umb’ ir vil edelen herren, den si dā heten verlorn.
dō het gerochen Hagene harte Prünhilde zorn.
Dō sprach diu jāmerhafte: ‘ir sult hine gān
und wecket harte balde die Sīfrides man.
ir sult ouch Sigemunde mīnen jāmer sagen,
ob er mir helfen welle den küenen Sīfriden klagen.’
Dō lief ein bote balde da ẹr si ligen vant,
die Sīfrides helede von Nibelunge lant.
mit den vil leiden mæren ir vreude er in benam.
si wolden’ȥ niht gelouben unz man daȥ weinen vernam.
Der bote kom ouch schiere dā der künic lac.
Sigemunt der herre des slāfes niht enpflac:
ich wæn’ sīn herze im sagete daȥ im was geschehen,
ern möhte sīnen lieben sun lebenden nimmer gesehen.
‘Wachet, herre Sigemunt. mich bat nāch iu gān
Kriemhilt mīn vrouwe. der ist ein leit getān
daȥ ir vor allen leiden an ir herze gāt:
daȥ sult ir klagen helfen, wand’ eȥ iuch sēre bestāt.’
Ūf rihte sich dō Sigemunt; er sprach: ‘waȥ sint diu leit
der schœnen Kriemhilde, diu du mir hāst geseit?’
der bote sprach mit weinen: ‘ine kan iu niht verdagen:
jā ist von Niderlanden der küene Sīfrit erslagen.’
Dō sprach der herre Sigemunt: ‘lāt daȥ schimpfen sīn
und alsō bœsiu mære durch den willen mīn,
daȥ ir daȥ saget iemen daȥ er sī erslagen:
wand’ ine kunde in nimmer unz an mīn ende verklagen.’
‘Welt ir mir niht gelouben daȥ ir mich hœret sagen,
sō muget ir selbe hœren Kriemhilde klagen
unt alleȥ ir gesinde den Sīfrides tōt.’
vil sēre erscrac dō Sigemunt: des gie im wærlīchen nōt.
Mit hundert sīnen mannen er von den betten spranc.
si zuhten zuo den handen diu scharpfen wāfen lanc,
si liefen zuo dem wuofe vil jāmerliche dan.
dō kōmen tūsent recken des küenen Sīfrides man.
Dō si sō jæmerlīche die vrouwen hōrten klagen,
dō wānden sumelīche, si solden kleider tragen.
janẹ mohten si der sinne vor leide niht gehaben:
in wart vil michel swære in ir herzen begraben.
Dō kom der künec Sigemunt da ẹr Kriemhilde vant.
er sprach: ‘owē der reise here in ditze lant.
wer hāt mich mīnes kindes und iuch des iuwern man
bī alsō guoten friunden sus mortlīchāne getān?’
‘Hey solde ich den bekennen,’ sprach daȥ vil edele wīp,
‘holt enwurde im nimmer mīn herze unt ouch mīn līp:
ich geriete im alsō leide daȥ die friunde sīn
von den mīnen schulden müesenweinende sīn.’
Sigemunt der herre den fürsten umbeslōȥ.
dō wart von sīnen vriunden der jāmer alsō grōȥ
daȥ von dem starken wuofe palas unde sal
und ouch diu stat ze Wormeȥ von ir weinen erschal.
Donẹ kunde niemen trœsten daȥ Sīfrides wīp.
man zōch ūȥ den kleidern den sīnen schœnen līp.
man wuosch im sīne wunden unt leit’ in ūf den rē.
dō was sīnen liuten von grōȥem jāmere wē.
Dō sprāchen* sīne recken von Nibelunge lant:
‘in sol immer rechen mit willen unser hant.
er ist in dirre bürge, der iȥ hāt getān.’
dō īlten nāch wāfen alle Sīfrides man.
Die ūȥ erwelten degene mit schilden kōmen dar,
einlef hundert recken: die hete an sīner schar
Sigemunt der herre. sīnes sunes tōt
den wolde er gerne rechen: des gie im wærlīchen nōt.
Sinẹ wessen wen si solden mit strīte dō bestān,
sīne tæten’ȥ Gunther unde sīne man,
mit den der herre Sīfrit an daȥ gejegede reit.
Kriemhilt sach si gewāfent: daȥ was ir grœȥlīche leit.
Swie michel wær’ ir jāmer und swie starc ir nōt,
dō vorhte si harte der Nibelunge tōt
von ir bruoder mannen, daȥ si eȥ understuont.
si warnt’ si güetlīche sō vriunde liebe vriunde tuont.
Dō sprach diu jāmers rīche: ‘mīn her Sigemunt,
wes welt ir beginnen? iu ist niht rehte kunt.
jā hāt der künic Gunther sō manigen küenen man:
ir welt iuch alle vliesen, welt ir die recken bestān.’
Mit ūf erbürten schilden in was ze strīte nōt.
diu edel küneginne bat und ouch gebōt
daȥ siȥ mīden solden, die recken vil gemeit.
dō siȥ niht lāȥen wolden, daȥ was ir wærlīchen leit.
Si sprach: ‘herre Sigemunt, ir sult iȥ lāȥen stān
unz eȥ sich baȥ gefüege: sō wil ich mīnen man
immer mit iu rechen. der mir in hāt benomen,
wirde ich des bewīset, ich sol im schedelīche komen.
Eȥ ist der übermüeten hie bī Rīne vil:
dā von ich iu des strītes rāten niht enwil.
si habent wider einen ie wol drīȥec man.
nu lāȥ’ in got gelingen als si umb uns gedienet hān.
Ir sult hie belīben, unt dolt mit mir diu leit;
als iȥ tagen beginne, ir helde vil gemeit,
sō helfet mir besarken den mīnen lieben man.’
dō sprāchen die degene: ‘daȥ sol werden getān.’
Iu enkunde niemen daȥ wunder volsagen
von rittern unt von vrouwen, wie man die hōrte klagen,
sō daȥ man des wuofes wart in der stat geware.
die edelen burgære die kōmen gāhende dare.
Si klageten mit den gesten, want in was harte leit.
die Sīfrides schulde in niemen het geseit,
durch waȥ der edele recke verlüre den sīnen līp.
dō weinden mit den vrouwen der guoten burgære wīp.
Smide hieȥ man gāhen, wurken einen sarc,
von silber und von golde, vil michel unde starc.
man hieȥ in vaste spengen mit stahel, der was guot.
dō was al den liuten harte trūrec der muot.
Diu naht was zergangen: man sagte eȥ wolde tagen.
dō hieȥ diu edele vrouwe zuo den münster tragen
Sīfrit den herren, ir vil lieben man.
swaȥ er dā vriunde hēte, die sach man weinende gān.
Dō sị in zem munster brāhten,// vil der gloken klanc.
dō hōrt’ man allenthalben vil maniges pfaffen sanc.
dō kom der künic Gunther mit den sīnen man
und ouch der grimme Hagene zuo dem wuofe gegān.
Er sprach: ‘vil liebiu swester, owē der leide dīn,
daȥ wir niht mohten āne des grōȥen schaden sīn.
wir müeȥen klagen immer den Sīfrides līp.’
‘daȥ tuot ir āne schulde’, sprach daȥ jāmerhafte wīp.
‘Wær’ iu dar umbe leide, son wær’ es niht geschehen.
ir hetet mīn vergeȥȥen, des mag ich wol jehen,
da ịch dā wart gescheiden von mīme lieben man.
daȥ wolde got’, sprach Kriemhilt, ‘wær’ iȥ mir selber getān.’
Si buten vaste ir lougen. Kriemhilt begonde jehen
‘swelher sich unschuldige, der lāȥe daȥ gesehen;
der sol zuo der bāre vor den liuten gēn.
dā bī mac man die wārheit harte schiere verstēn.’
Daȥ ist ein michel wunder: vil dicke eȥ noch geschiht,
swā man den mortmeilen bī dem tōten siht,
sō bluotent im die wunden: als ouch dā gescach.
dā von man die sculde dā ze Hagenen gesach.
Die wunden vluȥȥen sēre alsam si tāten ē.
die ē dā sēre klageten, des wart nu michel mē.
dō sprach der künic Gunther ‘ich wil’ȥ iuch wiȥȥen lān.
in sluogen schāchære: Hagene hāt es niht getān.’
‘Mir sint die schāchære’, sprach si, ‘vil wol bekant.
nu lāȥe eȥ got errechen noch sīner vriunde hant.
Gunther unde Hagene, jā habet ir iȥ getān.’
die Sīfrides degene heten dō ze strīte wān.
Dō sprach aber Kriemhilt: ‘nu habt mit mir die nōt.’
dō kōmen dise beide dā si in funden tōt,
Gērnōt ir bruoder und Gīselher daȥ kint.
in triuwen si in klageten mit den anderen sint.
Si weinden inneclīche den Kriemhilde man.
man solde messe singen: zuo dem münster dan
giengen allenthalben man wīp unde kint.
die sīn doch līhte enbāren, die weinden Sīfriden sint.
Gērnōt und Gīselher sprāchen: ‘swester mīn,
nu trœste dich nāch tōde, als iȥ doch muoȥ sīn.
wir wellen dich’s ergetzen die wīle unt wir geleben.’
donẹ kunde ir trōst deheinen zer werlde niemen gegeben.
Sīn sarc der was bereitet wol umbe’n mitten tac.
man huop in von der bāre dā er ūfe lac.
in wolde noch diu frouwe lāȥen niht begraben.
des muosen al die liute michel arebeite haben.
In einen rīchen pfellel man den tōten want.
ich wæne man dā iemen āne weinen vant.
dō klagete herzenlīche Uote, ein edel wīp,
und alleȥ ir gesinde den sīnen wætlīchen līp.
Dō man daȥ gehōrte, daȥ man zem münster sanc,
unt in gesarket hēte, dō huop sich grōȥ gedranc:
durch willen sīner sēle waȥ opfers man dō truoc!
er hete bī den vīnden doch guoter vriunde genuoc.
Kriemhilt diu arme zir kameræren sprach:
‘si suln durch mīne liebe līden ungemach,
die im iht guotes günnen und mir wesen holt;
durch Sīfrides sēle sol man teilen sīn golt.’
Dehein kint was sō kleine daȥ witze mohte haben,
daȥ muose gēn zem opfer. ē ẹr wurde begraben,
baȥ danne hundert messe man dā des tages sanc.
von Sīfrides vriunden wart dō grōȥer gedranc.
Dō man dā hete gesungen, daȥ volchuop sich von dan.
dō sprach diu vrouwe Kriemhilt ‘irn sult niht eine lān
hīnte mich bewachen den ūȥ erwelten degen.
eȥ ist an sīme lībe al mīn vreude gelegen.
Drī tage und drī nahte wil ich in lāȥen stān,
unz ich mich geniete mīns vil lieben man.
waȥ ob daȥ got gebiutet daȥ mich ouch nimet der tōt?
sō wære wol verendet mīn armer Kriemhilde nōt.’
Zen herbergen giengen die liute von der stat.
pfaffen unde müniche si belīben bat
und alleȥ sīn gesinde, daȥ des heldes pflac.
si heten naht vil arge unt vil müelīchen tac.
Ān eȥȥen und ān trinken beleip dā manic man.
die eȥ nemen wolden, den wart daȥ kunt getān,
daȥ man’s in den vollen gæbe: daȥ schuof Sigemunt.
dō was den Nibelungen vil michel arebeite kunt.
Die drīe tagezīte, sō wir hœren sagen,
die dā kunden singen, daȥ si muosen tragen
vil der arebeite. waȥ man in opfers truoc!
die vil arme wāren, die wurden rīche genuoc.
Swaȥ man vant der armen die es niht mohten hān,
die hieȥ man doch zem opfer mit dem golde gān
ūȥ sīn selbes kamere. do ẹr niht solde leben,
umbe sīne sēle wart manic tūsent marc gegeben.
Urbor ūf der erden teilte s’in diu lant,
swā sō man diu klōster und guote liute vant.
silber unde wæte gap man den armen gnuoc.
si tet dem wol gelīche daȥ sim holden willen truoc.
An dem dritten morgen ze rehter messezīt
sō was bī dem münster der kirchof alsō wīt
von den lantliuten weinens alsō vol:
si dienden im nāch tōde als man lieben vriunden sol.
In den tagen vieren, man hāt gesaget daȥ,
ze drīȥec tūsent marken, oder dannoch baȥ,
wart durch sīne sēle den armen dā gegeben.
dō was gelegen ringe sīn grōȥiu schœne und ouch sīn leben.
Dō gote dā wart gedienet und daȥ man vol gesanc,
mit ungefüegem leide vil des volkes ranc.
man hieȥ in ūȥ dem münster zuo dem grabe tragen.
die sīn ungern enbāren, die sah man weinen unde klagen.
Vil lūte scrīende daȥ liut gie mit im dan:
vrō enwas dā niemen, weder wīp noch man.
ē daȥ man in begrüebe, man sanc unde las:
hey waȥ guoter pfaffen ze sīner pīfilde was!
Ē daȥ zem grabe kœme daȥ Sīfrides wīp,
dō ranc mit solhem jāmer der ir getriuwer līp,
daȥ man si mit dem brunnen vil dicke dā vergōȥ.
eȥ was ir ungemüete vil harte unmæȥlīchen grōȥ.
Eȥ was ein michel wunder daȥ si ie genas.
mit klage ir helfende manic vrouwe was.
dō sprach diu küneginne: ‘ir Sīfrides man,
ir sult durch iuwer triuwe an mir genāde begān.
Lāt mir nāch mīme leide daȥ kleine liep geschehen,
daȥ ich sīn schœne houbet noch eines müeȥe sehen.’
dō bat si’s alsō lange mit jāmers sinnen starc,
daȥ man zebrechen muose den vil hērlīchen sarc.
Dō brāhte man die vrouwen dā si in ligen vant.
si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant;
dō kuste s’ alsō tōten den edelen ritter guot.
ir vil liehten ougen vor leide weineten bluot.
Ein jæmerlīcheȥ scheiden wart dō dā getān.
dō truoc man si von dannen: sine mohte niht gegān.
dō vant man sinnelōse daȥ hērlīche wīp.
vor leide möht’ ersterben der ir vil wünneclīcher līp.
Dō man den edelen herren hete nu begraben,
leit āne māȥe sah man die alle haben
die mit im komen wāren von Nibelunge lant.
vil selten vrœlīchen man dō Sigemunden vant.
Dō was der etelīcher der drīer tage lanc
vor dem grōȥem leide niht aȥ noch entranc.
doch mohten si dem lībe sō gar geswīchen niht:
si nerten sich nāch sorgen, sō noch genuogen geschiht.
Wolfram von Eschenbach was a native of Bavaria. Of his life little is known, not even the exact dates of his birth and death. He flourished in the latter part of the twelfth and early part of the thirteenth century, and was by far the best and most extensive representative of the Court epic poetry. He is best known by his Parzival, which contains 24,812 lines divided up into sixteen books. The following extract is taken from Book III. For editions of his works, see Lachmann, Wolfram von Eschenbach, Berlin, 1833, fifth edition, Berlin, 1891; Bartsch, Wolfram’s von Eschenbach Parzival und Titurel, Leipzig, 1875.
Sich zōch diu frouwe jāmers baltūȥ ir lande in einen walt,zer waste in Soltāne;niht durch bluomen ūf die plāne,5ir herzen jāmer was sō ganz,sinẹ kērte sich an keinen kranz,er wære rōt oder val.sie brāhte dar durch flühtesaldes werden Gahmuretes kint.10liute, die bī ir dā sint,müeȥen būwen unde riuten.sie kunde wol getriutenir sun. ē daȥ sich der versan,ir volc sie gar für sich gewan:15eȥ wære man oder wīp,den gebōt sie allen an den līp,daȥ se iemer rīters wurden lūt.‘wan friesche daȥ mīns herzen trūt,welch rīters leben wære,20daȥ wurde mir vil swære.nu habet iuch an der witze kraft,und helt in alle rīterschaft.’Der site fuor angestlīche vart.der knappe alsus verborgen wart25zer waste in Soltāne erzogen,an küneclīcher fuore betrogen;eȥ ẹnmöhte an eime site sīn:bogen unde bölzelīndie sneit er mit sīn selbes hant,30und schōȥ vil vogele die er vant.swenne ab er den vogel erschōȥ,des schal von sange ē was sō grōȥ,sō weinde er unde roufte sich,an sīn hār kērt’ er gerich.35sīn līp was klār unde fier:ūf dem plān am riviertwuog er sich alle morgen.er’n kunde niht gesorgen,eȥ ẹnwære ob im der vogelsanc,40die suoȥe in sīn herze dranc:daȥ erstracte im sīniu prüstelīn.alweindeer lief zer künegīn.sō sprach sie ‘wer hāt dir getān?du wær’ hin ūȥ ūf den plān.’45er’n kunde es ir gesagen niht,als kinden līhte noch geschiht.dem mære gienc sie lange nāch.eins tages sie in kapfen sachūf die boume nāch der vogele schal.50sie wart wol innen daȥ zeswalvon der stimme ir kindes brust.des twang in art und sīn gelust.frou Herzeloyde kērte ir haȥan die vogele, sine wesse um waȥ:55sie wolte ir schal verkrenken.ir būliutẹ und ir enkendie hieȥ sie vaste gāhen,vogele würgen unde vāhen.die vogele wāren baȥ geriten:60etslīches sterben wart vermiten:der bleip dā lebendic ein teil,die sīt mit sange wurden geil.Der knappe sprach zer künegīn‘waȥ wīȥet man den vogelīn?’65er gerte in frides sā zestunt.sīn muoter kuste in an den munt:diu sprach ‘wes wende ich sīn gebot,der doch ist der hœhste got?suln vogele durch mich fröude lān?’70der knappe sprach zer muoter sān‘owē muoter, waȥ ist got?’‘sun, ich sage dir’ȥ āne spot.er ist noch liehter denn’ der tag,der antlitzes sich bewac75nāch menschen antlitze.sun, merke eine witze,und flēhe in umbe dīne nōt:sīn triwe der werlde ie helfe bōt.sō heiȥet einẹr der helle wirt:80der ịst swarz, untriuwe in niht verbirt.von dem kēr’ dīne gedanke,und och von zwīvels wanke.’sīn muoter underschiet im gardaȥ vinster unt daȥ lieht gevar.85dar nāch sīn snelheit verre spranc.er lerntẹ den gabylōtes swanc,dā mite er manegen hirz erschōȥ:des sīn muoter und ir volc genōȥ.eȥ wære æber oder snē,90dem wilde tet’ sīn schieȥen wē.nu hœret fremdiu mære.swenne er’rschōȥ daȥ swære,des wære ein mūl geladen genuoc,als unzerworht hin heim er’ȥ truoc.95Eins tages gieng er den weidegancan einer halden, diu was lanc:er brach durch blates stimme ‘en zwīc.dā nāhen bī im gienc ein stīc:dā hōrt’ er schal von huofslegen.100sīn gabylōt begund’er wegen:dō sprach er ‘waȥ hān ich vernomen?wan wolte et nu der tiuvel komenmit grimme zorneclīche!den bestüende ich sicherlīche.105mīn muoter freisen von im saget:ich wæne ir ellen sī verzaget.’alsus stuont er in strītes ger.nu seht, dort kom geschūftet herdrī rīter nāch wunsche var,110von fuoȥe ūf gewāpent gar.der knappe wānde sunder spot,daȥ ieslīcher wære ein got.dō stuont ouch er niht langer hie,in’ȥ phat viel er ūf sīniu knie.115lūte rief der knappe sān‘hilf, got: du maht wol helfe hān.’der vorder zornes sich bewac,dō der knappe im phade lac:‘dirre tœrsche Wāleise120unsich wendet gāher reise.’ein prīs den wir Beier tragen,muoȥ ich von Wāleisen sagen:die sint tœrscher denne beiersch her,und doch bī manlīcher wer.125swer in den zwein landen wirt,gefuoge ein wunder an im birt.Dō kom geleischieretund wol gezimieretein rīter, dem was harte gāch.130er reit in strīteclīchen nāch,die verre wāren von im komen:zwēn’ rīter heten im genomenein’ frouwen in sīm’ lande,den helt eȥ dūhte schande:135in müetẹ der juncfrouwen leit,diu jæmerlīche vor in reit.dise drī wāren sīne man.er reit ein schœne kastelān:sīns schildes was vil wēnic ganz.140er hieȥ Karnahkarnanzleh consUlterlec.er sprach ‘wer irret uns den wec?’sus fuor er zuome knappen sān.den dūhte er als ein got getān:145er’n het’ ē sō liehtes niht erkant.ūfẹm towe der wāpenroc erwant.mit guldīn schellen kleinevor ietwederem beinewārn die stegreife erklenget150unt ze rehter māȥe erlenget.sīn zeswer arm von schellen klanc,swar er’n bōt oder swanc.der was durch swertslege sō hel:der helt was gein prīse snel.155sus fuor der fürste rīche,gezimiert wünneclīche.Aller manne schœne ein bluomen kranz,den vrāgte Karnahkarnanz‘junchērre, sāht ir für iuch varen160zwēn’ rīter die sich niht bewarenkunnen an rīterlīcher zunft?sie ringent mit der nōtnunftund sint an werdekeit verzaget:sie füerent roubes eine maget.’165der knappe wānde, swaȥ er sprach,eȥ wære got, als ime verjachfrou Herzeloyd’ diu künegīn,do s’im underschiet den liehten schīn.dō rief er lūte sunder spot170‘nu hilf mir, helfe rīcher got.’vil dicke viel an sīn gebetfil li royGahmuret.der fürste sprach ‘ich pin niht got,ich leiste ab gerne sīn gebot.175du maht his vier rīter sehen,ob du ze rehte kundest spehen.’der knappe frāgte fürbaȥ‘du nennest rīter: waȥ ist daȥ?hāstu niht gotelīcher kraft,180sō sage mir, wer gīt rīterschaft.’‘daȥ tuot der künec Artūs.junchērre, komet ir in des hūs,der bringet iuch an rīters namen,daȥ ir’s iuch niemer durfet schamen.185ir muget wol sīn von rīters art.’von den helden er geschouwet wart:dō lac diu gotes kunst an ime.von der āventiurẹ ich daȥ nime,diu mich mit wārheit des beschiet:190nie mannes varwe baȥ gerietvor ime sīt Adāmes zīt.des wart sīn lop von wīben wīt.Aber sprach der knappe sāndā von ein lachen wart getān.195‘ay rīter got, waȥ mahtu sīn?du hāst sus manec vingerlīnan dīnen līp gebunden,dort oben unt hie unden.’aldā begreif des knappen hant200swaȥ er īsers ame fürsten vant:des harnasch begunder schouwen.‘mīner muoter juncfrouwenir vingerīn an snüeren tragent,diu niht sus an ein ander ragent.’205der knappe sprach durch sīnen muot‘war zuo ist ditze guot,daȥ dich sō wol kan schicken?i’ne mages niht abe gezwicken.’der fürste im zeigete sā sīn swert:210‘nu sich, swer an mich strītes gert,des selben wer ich mich mit slegen:für die sīne muoȥ ich an mich legen,und für den schuȥ und für den stichmuoȥ ich alsus wāpen mich.’215aber sprach der knappe snel‘ob die hirze trüegen sus ir vel,son’ verwunt’ ir niht mīn gabylōt.der vellet manger vor mir tōt.’Die rīter zurnden daȥ er hielt220bi dem knappen der vil tumpheit wielt.der fürste sprach ‘got hüete dīn.ōwī wan wær’ dīn schœne mīn!dir hete got den wunsch gegeben,ob du mit witzen soldest leben.225diu gotes kraft dir virre leit.’die sīne und och er selbe reit,unde gāheten baldez’einem velde in dem walde.dā vant der gefüege230frōn Herzeloyden phlüege.ir volke leider nie geschach;die er balde eren sach:si bẹgunden sæn, dar nāch egen,ir gart ob starken ohsen wegen.235der fürste in guoten morgen bōt,und frāgte sẹ, op sie sæhen nōteine juncfrouwen līden,sine kunden niht vermiden,swes er vrāgt’, daȥ wart gesaget.240‘zwēne rīter und ein magetdā riten hiute morgen.diu frouwe fuor mit sorgen:mit sporen sie vaste ruorten,die die juncfrouwen fuorten.’245eȥ was Meljahkanz.den ergāhte Karnachkarnanz,mit strīte er ime die frouwen nam:diu was dā vor fröuden lam.sie hieȥ Īmāne250von der Bēāfontāne.Die būliute verzageten,dō die helde für sie jageten.sie sprāchen ‘wie’st uns sus geschehen?hāt unser junchērre ersehen255ūf disen rītern helme schart,sonẹ hān wir uns niht wol bewart.wir sulen der küneginne haȥvon schulden hœren umbe daȥ,wand’ er mit uns dā her lief260hiute morgen dō sie dannoch slief.’der knappe enruochte ouch wer dō schōȥdie hirze kleine unde grōȥ:er huop sich gein der muoter wider,und sagete ir mær’. dō viel sie nider:265sīner worte sie sō sēre erschrac,daȥ sị unversunnen vor im lac.dō diu küneginnewider kom z’ir sinne,swie sie dā vor wær’ verzaget,270dō sprach sie ‘sun, wer hāt gesagetdir von rīters orden?wā bist du’s innen worden?’‘muoter, ich sach vier mannoch liehter danne got getān:275die sageten mir von rīterschaft.Artūses küneclīchiu kraftsol mich nāch rīters ērenan schildes ambet kēren.’sich huop ein niuwer jāmer hie.280diu frouwe enwesse rehte, wiedaȥ sie ir den list erdæhteunde in von dem willen bræhte.Der knappe tump unde wertiesch von der muoter dicke ein pfert.285daȥ begunde sẹ in ir herzen klagen.sie dāhte ‘i’n wil im niht versagen:eȥ muoȥ aber vil bœse sīn.’dō gedāhte mēr diu künegīn‘der liute vil bī spotte sint.290tōren kleider sol mīn kintob sīme liehten lībe tragen.wirt er geroufet unt geslagen,sō kumet er mir her wider wol.’ōwē der jæmerlīchen dol!295diu frouwe nam ein sactuoch:sie sneit im hemede unde bruoch,daȥ doch an eime stücke erschein,unz enmitten an sīn blankeȥ bein.daȥ wart für tōren kleit erkant.300ein gugel man obene drūfe vant.al frisch rūch kelberīnvon einer hūt zwei ribbalīnnāch sīnen beinen wart gesniten.dā wart grōȥ jāmer niht vermiten.305diu künegīn was alsō bedāht,sie bat belīben in die naht.‘dunẹ solt niht hinnen kēren,ich wil dich list ē lēren.an ungebanten strāȥen310soltu tunkel fürte lāȥen:die sīhte unde lūter sīn,dā solte al balde rīten īn.du solt dich site nieten,der werelde grüeȥen bieten.315ob dich ein grā wīse manzuht wil lērn als er wol kan,dem soltu gerne volgen,und wis im niht erbolgen.sun, lā dir bevolhen sīn,320swa du guotes wībes vingerlīnmügest erwerben unt ir gruoȥ,daȥ nim: eȥ tuot dir kumbers buoȥ.du solt z’ir kusse gāhenund ir līp vast’ umbevāhen:325daȥ gīt gelücke und hōhen muot,op sie kiusche ist unde guot.du solt och wiȥȥen, sun mīn,der stolze küene Lähelīndīnen fürsten abe ervaht zwei lant,330diu sollen dienen dīner hant,Wāleis und Norgāls.ein dīn fürste Turkentalsden tōt von sīner hende enphienc:dīn volc er sluoc unde vienc.’335‘diz riche ich, muoter, ruocht es got:in verwundet noch mīn gabylōt.’Des morgens dō der tag erschein,der knappe balde wart enein,im was gein Artūse gāch.340frou Herzeloyde in kuste und lief im nāch.der werelde riuwe aldā geschach.dō sie ir sun niht langer sach(der reit enwec: wem’st deste baȥ?),dō viel diu frouwe valsches laȥ345ūf die erde, aldā sie jāmer sneitdō daȥ se ein sterben niht vermeit.ir vil getriulīcher tōtder frouwen wert’ die hellenōt.ōwol sie daȥ se ie muoter wart!350sus fuor die lōnes bernden vartein wurzel der güeteund ein stam der diemüete.ōwē daȥ wir nu niht enhānir sippe unz an den eilften spān!355des wirt gevelschet manec līp.doch solten nu getriuwiu wīpheiles wünschen disem knaben,der sich hie von ir hāt erhaben.
Sich zōch diu frouwe jāmers balt
ūȥ ir lande in einen walt,
zer waste in Soltāne;
niht durch bluomen ūf die plāne,
ir herzen jāmer was sō ganz,
sinẹ kērte sich an keinen kranz,
er wære rōt oder val.
sie brāhte dar durch flühtesal
des werden Gahmuretes kint.
liute, die bī ir dā sint,
müeȥen būwen unde riuten.
sie kunde wol getriuten
ir sun. ē daȥ sich der versan,
ir volc sie gar für sich gewan:
eȥ wære man oder wīp,
den gebōt sie allen an den līp,
daȥ se iemer rīters wurden lūt.
‘wan friesche daȥ mīns herzen trūt,
welch rīters leben wære,
daȥ wurde mir vil swære.
nu habet iuch an der witze kraft,
und helt in alle rīterschaft.’
Der site fuor angestlīche vart.
der knappe alsus verborgen wart
zer waste in Soltāne erzogen,
an küneclīcher fuore betrogen;
eȥ ẹnmöhte an eime site sīn:
bogen unde bölzelīn
die sneit er mit sīn selbes hant,
und schōȥ vil vogele die er vant.
swenne ab er den vogel erschōȥ,
des schal von sange ē was sō grōȥ,
sō weinde er unde roufte sich,
an sīn hār kērt’ er gerich.
sīn līp was klār unde fier:
ūf dem plān am rivier
twuog er sich alle morgen.
er’n kunde niht gesorgen,
eȥ ẹnwære ob im der vogelsanc,
die suoȥe in sīn herze dranc:
daȥ erstracte im sīniu prüstelīn.
alweindeer lief zer künegīn.
sō sprach sie ‘wer hāt dir getān?
du wær’ hin ūȥ ūf den plān.’
er’n kunde es ir gesagen niht,
als kinden līhte noch geschiht.
dem mære gienc sie lange nāch.
eins tages sie in kapfen sach
ūf die boume nāch der vogele schal.
sie wart wol innen daȥ zeswal
von der stimme ir kindes brust.
des twang in art und sīn gelust.
frou Herzeloyde kērte ir haȥ
an die vogele, sine wesse um waȥ:
sie wolte ir schal verkrenken.
ir būliutẹ und ir enken
die hieȥ sie vaste gāhen,
vogele würgen unde vāhen.
die vogele wāren baȥ geriten:
etslīches sterben wart vermiten:
der bleip dā lebendic ein teil,
die sīt mit sange wurden geil.
Der knappe sprach zer künegīn
‘waȥ wīȥet man den vogelīn?’
er gerte in frides sā zestunt.
sīn muoter kuste in an den munt:
diu sprach ‘wes wende ich sīn gebot,
der doch ist der hœhste got?
suln vogele durch mich fröude lān?’
der knappe sprach zer muoter sān
‘owē muoter, waȥ ist got?’
‘sun, ich sage dir’ȥ āne spot.
er ist noch liehter denn’ der tag,
der antlitzes sich bewac
nāch menschen antlitze.
sun, merke eine witze,
und flēhe in umbe dīne nōt:
sīn triwe der werlde ie helfe bōt.
sō heiȥet einẹr der helle wirt:
der ịst swarz, untriuwe in niht verbirt.
von dem kēr’ dīne gedanke,
und och von zwīvels wanke.’
sīn muoter underschiet im gar
daȥ vinster unt daȥ lieht gevar.
dar nāch sīn snelheit verre spranc.
er lerntẹ den gabylōtes swanc,
dā mite er manegen hirz erschōȥ:
des sīn muoter und ir volc genōȥ.
eȥ wære æber oder snē,
dem wilde tet’ sīn schieȥen wē.
nu hœret fremdiu mære.
swenne er’rschōȥ daȥ swære,
des wære ein mūl geladen genuoc,
als unzerworht hin heim er’ȥ truoc.
Eins tages gieng er den weideganc
an einer halden, diu was lanc:
er brach durch blates stimme ‘en zwīc.
dā nāhen bī im gienc ein stīc:
dā hōrt’ er schal von huofslegen.
sīn gabylōt begund’er wegen:
dō sprach er ‘waȥ hān ich vernomen?
wan wolte et nu der tiuvel komen
mit grimme zorneclīche!
den bestüende ich sicherlīche.
mīn muoter freisen von im saget:
ich wæne ir ellen sī verzaget.’
alsus stuont er in strītes ger.
nu seht, dort kom geschūftet her
drī rīter nāch wunsche var,
von fuoȥe ūf gewāpent gar.
der knappe wānde sunder spot,
daȥ ieslīcher wære ein got.
dō stuont ouch er niht langer hie,
in’ȥ phat viel er ūf sīniu knie.
lūte rief der knappe sān
‘hilf, got: du maht wol helfe hān.’
der vorder zornes sich bewac,
dō der knappe im phade lac:
‘dirre tœrsche Wāleise
unsich wendet gāher reise.’
ein prīs den wir Beier tragen,
muoȥ ich von Wāleisen sagen:
die sint tœrscher denne beiersch her,
und doch bī manlīcher wer.
swer in den zwein landen wirt,
gefuoge ein wunder an im birt.
Dō kom geleischieret
und wol gezimieret
ein rīter, dem was harte gāch.
er reit in strīteclīchen nāch,
die verre wāren von im komen:
zwēn’ rīter heten im genomen
ein’ frouwen in sīm’ lande,
den helt eȥ dūhte schande:
in müetẹ der juncfrouwen leit,
diu jæmerlīche vor in reit.
dise drī wāren sīne man.
er reit ein schœne kastelān:
sīns schildes was vil wēnic ganz.
er hieȥ Karnahkarnanz
leh consUlterlec.
er sprach ‘wer irret uns den wec?’
sus fuor er zuome knappen sān.
den dūhte er als ein got getān:
er’n het’ ē sō liehtes niht erkant.
ūfẹm towe der wāpenroc erwant.
mit guldīn schellen kleine
vor ietwederem beine
wārn die stegreife erklenget
unt ze rehter māȥe erlenget.
sīn zeswer arm von schellen klanc,
swar er’n bōt oder swanc.
der was durch swertslege sō hel:
der helt was gein prīse snel.
sus fuor der fürste rīche,
gezimiert wünneclīche.
Aller manne schœne ein bluomen kranz,
den vrāgte Karnahkarnanz
‘junchērre, sāht ir für iuch varen
zwēn’ rīter die sich niht bewaren
kunnen an rīterlīcher zunft?
sie ringent mit der nōtnunft
und sint an werdekeit verzaget:
sie füerent roubes eine maget.’
der knappe wānde, swaȥ er sprach,
eȥ wære got, als ime verjach
frou Herzeloyd’ diu künegīn,
do s’im underschiet den liehten schīn.
dō rief er lūte sunder spot
‘nu hilf mir, helfe rīcher got.’
vil dicke viel an sīn gebet
fil li royGahmuret.
der fürste sprach ‘ich pin niht got,
ich leiste ab gerne sīn gebot.
du maht his vier rīter sehen,
ob du ze rehte kundest spehen.’
der knappe frāgte fürbaȥ
‘du nennest rīter: waȥ ist daȥ?
hāstu niht gotelīcher kraft,
sō sage mir, wer gīt rīterschaft.’
‘daȥ tuot der künec Artūs.
junchērre, komet ir in des hūs,
der bringet iuch an rīters namen,
daȥ ir’s iuch niemer durfet schamen.
ir muget wol sīn von rīters art.’
von den helden er geschouwet wart:
dō lac diu gotes kunst an ime.
von der āventiurẹ ich daȥ nime,
diu mich mit wārheit des beschiet:
nie mannes varwe baȥ geriet
vor ime sīt Adāmes zīt.
des wart sīn lop von wīben wīt.
Aber sprach der knappe sān
dā von ein lachen wart getān.
‘ay rīter got, waȥ mahtu sīn?
du hāst sus manec vingerlīn
an dīnen līp gebunden,
dort oben unt hie unden.’
aldā begreif des knappen hant
swaȥ er īsers ame fürsten vant:
des harnasch begunder schouwen.
‘mīner muoter juncfrouwen
ir vingerīn an snüeren tragent,
diu niht sus an ein ander ragent.’
der knappe sprach durch sīnen muot
‘war zuo ist ditze guot,
daȥ dich sō wol kan schicken?
i’ne mages niht abe gezwicken.’
der fürste im zeigete sā sīn swert:
‘nu sich, swer an mich strītes gert,
des selben wer ich mich mit slegen:
für die sīne muoȥ ich an mich legen,
und für den schuȥ und für den stich
muoȥ ich alsus wāpen mich.’
aber sprach der knappe snel
‘ob die hirze trüegen sus ir vel,
son’ verwunt’ ir niht mīn gabylōt.
der vellet manger vor mir tōt.’
Die rīter zurnden daȥ er hielt
bi dem knappen der vil tumpheit wielt.
der fürste sprach ‘got hüete dīn.
ōwī wan wær’ dīn schœne mīn!
dir hete got den wunsch gegeben,
ob du mit witzen soldest leben.
diu gotes kraft dir virre leit.’
die sīne und och er selbe reit,
unde gāheten balde
z’einem velde in dem walde.
dā vant der gefüege
frōn Herzeloyden phlüege.
ir volke leider nie geschach;
die er balde eren sach:
si bẹgunden sæn, dar nāch egen,
ir gart ob starken ohsen wegen.
der fürste in guoten morgen bōt,
und frāgte sẹ, op sie sæhen nōt
eine juncfrouwen līden,
sine kunden niht vermiden,
swes er vrāgt’, daȥ wart gesaget.
‘zwēne rīter und ein maget
dā riten hiute morgen.
diu frouwe fuor mit sorgen:
mit sporen sie vaste ruorten,
die die juncfrouwen fuorten.’
eȥ was Meljahkanz.
den ergāhte Karnachkarnanz,
mit strīte er ime die frouwen nam:
diu was dā vor fröuden lam.
sie hieȥ Īmāne
von der Bēāfontāne.
Die būliute verzageten,
dō die helde für sie jageten.
sie sprāchen ‘wie’st uns sus geschehen?
hāt unser junchērre ersehen
ūf disen rītern helme schart,
sonẹ hān wir uns niht wol bewart.
wir sulen der küneginne haȥ
von schulden hœren umbe daȥ,
wand’ er mit uns dā her lief
hiute morgen dō sie dannoch slief.’
der knappe enruochte ouch wer dō schōȥ
die hirze kleine unde grōȥ:
er huop sich gein der muoter wider,
und sagete ir mær’. dō viel sie nider:
sīner worte sie sō sēre erschrac,
daȥ sị unversunnen vor im lac.
dō diu küneginne
wider kom z’ir sinne,
swie sie dā vor wær’ verzaget,
dō sprach sie ‘sun, wer hāt gesaget
dir von rīters orden?
wā bist du’s innen worden?’
‘muoter, ich sach vier man
noch liehter danne got getān:
die sageten mir von rīterschaft.
Artūses küneclīchiu kraft
sol mich nāch rīters ēren
an schildes ambet kēren.’
sich huop ein niuwer jāmer hie.
diu frouwe enwesse rehte, wie
daȥ sie ir den list erdæhte
unde in von dem willen bræhte.
Der knappe tump unde wert
iesch von der muoter dicke ein pfert.
daȥ begunde sẹ in ir herzen klagen.
sie dāhte ‘i’n wil im niht versagen:
eȥ muoȥ aber vil bœse sīn.’
dō gedāhte mēr diu künegīn
‘der liute vil bī spotte sint.
tōren kleider sol mīn kint
ob sīme liehten lībe tragen.
wirt er geroufet unt geslagen,
sō kumet er mir her wider wol.’
ōwē der jæmerlīchen dol!
diu frouwe nam ein sactuoch:
sie sneit im hemede unde bruoch,
daȥ doch an eime stücke erschein,
unz enmitten an sīn blankeȥ bein.
daȥ wart für tōren kleit erkant.
ein gugel man obene drūfe vant.
al frisch rūch kelberīn
von einer hūt zwei ribbalīn
nāch sīnen beinen wart gesniten.
dā wart grōȥ jāmer niht vermiten.
diu künegīn was alsō bedāht,
sie bat belīben in die naht.
‘dunẹ solt niht hinnen kēren,
ich wil dich list ē lēren.
an ungebanten strāȥen
soltu tunkel fürte lāȥen:
die sīhte unde lūter sīn,
dā solte al balde rīten īn.
du solt dich site nieten,
der werelde grüeȥen bieten.
ob dich ein grā wīse man
zuht wil lērn als er wol kan,
dem soltu gerne volgen,
und wis im niht erbolgen.
sun, lā dir bevolhen sīn,
swa du guotes wībes vingerlīn
mügest erwerben unt ir gruoȥ,
daȥ nim: eȥ tuot dir kumbers buoȥ.
du solt z’ir kusse gāhen
und ir līp vast’ umbevāhen:
daȥ gīt gelücke und hōhen muot,
op sie kiusche ist unde guot.
du solt och wiȥȥen, sun mīn,
der stolze küene Lähelīn
dīnen fürsten abe ervaht zwei lant,
diu sollen dienen dīner hant,
Wāleis und Norgāls.
ein dīn fürste Turkentals
den tōt von sīner hende enphienc:
dīn volc er sluoc unde vienc.’
‘diz riche ich, muoter, ruocht es got:
in verwundet noch mīn gabylōt.’
Des morgens dō der tag erschein,
der knappe balde wart enein,
im was gein Artūse gāch.
frou Herzeloyde in kuste und lief im nāch.
der werelde riuwe aldā geschach.
dō sie ir sun niht langer sach
(der reit enwec: wem’st deste baȥ?),
dō viel diu frouwe valsches laȥ
ūf die erde, aldā sie jāmer sneit
dō daȥ se ein sterben niht vermeit.
ir vil getriulīcher tōt
der frouwen wert’ die hellenōt.
ōwol sie daȥ se ie muoter wart!
sus fuor die lōnes bernden vart
ein wurzel der güete
und ein stam der diemüete.
ōwē daȥ wir nu niht enhān
ir sippe unz an den eilften spān!
des wirt gevelschet manec līp.
doch solten nu getriuwiu wīp
heiles wünschen disem knaben,
der sich hie von ir hāt erhaben.