TEXTSLine numbers have been removed from the prose passages. In the verse passages, some unstressed e’s, and a few i’s, were printed with an under-dot: ẹ ị. This usage is not explained. Some under-dots may be flyspecks, and a few umlauts were uncertain.IBERTHOLD VON REGENSBURG.His name was properly Berthold Lech. He was the most celebrated preacher of the thirteenth century. He died in Regensburg in 1272. The following extract is from a sermon on Matt. v. 8.‘Sælic sint die armen: wan daȥ himelrīch ist ir,’ etc. Mit disen aht tugenden sint alle die ze himelrīche komen, die dā sint, und mit den selben aht tugenden müeȥent noch alle die dar komen, die iemer mēr dar komen süln. Nū wil ich die siben under wegen lān und wil niuwen von ir einer sagen, wan alse vil guoter dinge an ir ieglīcher ist; und von ir ieglīcher wære gar vil und gar lanc sunderlīchen ze sagenne; und wie manigiu untugent uns an disen ahte tugenden irret, daȥ würde eht von ieglīcher gar lanc ze sagenne. Wan man eȥ alleȥ in einer predigen niht verenden mac, noch in vieren, noch in zehenen, sō wil ich iu hiute niuwen sagen von den, die ein reine herze habent, und von den man hiute dā liset in dem heiligen ewangelio ‘sælic sint, die reines herzen sint: diewerdent got sehende.’A Die sint wol von rehte sælic, die dā got sehent. Ein übergülde ist eȥ aller der sælikeit, diu ie wart oder iemer mēr eht werden mac, swer got ansehende eht wirt, alsō süeȥe und alsō wünneclich ist diu gesiht, die man an got siht. Sō wart nie deheiner muoter ir kint nie sō liep, ān unser frouwen, und solte si eȥ drīe tage ane sehen ān underlāȥ,daȥ si anders niht enpflæge, wan eht si ir liebeȥ kint solte an sehen: si æȥe an dem vierden tage vil gerner ein stücke brōtes. Und wolte ich vil gerner, daȥich alsō ein guot mensche wære, als daȥ wār ist, daȥ ich iezuo reden wil. Ob daȥ alsō wære, daȥ man zuo einem menschen spræche, der iezuo bī gote ist, ‘du hāst zehen kint ūf ertrīche, und du solt in koufen allen samt, daȥ sie ēre und guot haben unz an ir tōt, dā mit, daȥ du einigen ougenblic von gotes angesiht tuost, niuwen als lange als einȥ sīn hant möht umbe kēren, und sich danne wider zuo gote, und du solt dīn ougen niemer mēr von im kēren’: der mensche entæte sīn niht. Alse wār, herre, dīn wārheit ist, alse wār ist disiu rede, daȥ er disiu zehen kint unze an ir tōt ē nāch dem almuosen lieȥe gēn, ē danne er sich die kleine wīle von gote wolte wenden. In habent die engel wol sehzic hundert jār an gesehen, und sehent in hiute als gerne als des ērsten tages. Und sie sint ouch alle samt sam des ērsten tages, dō sie got an sehende wurden. Dō wart ir deheiner sīt nie eltlīcher danne des ērsten tages, und sint doch sider wol sehzic hundert jār alt. Swelher hundert jār alt würde under uns, der wære den liuten alse smæhe an ze sehenne von ungestaltheit und von dem gebresten, den daȥ alter an im hæte gemaht: sō mālet man die engele—dā sehet ir wol, swā man sie mālt, daȥ man sie eht anders niht enmālt wan als ein kint von fünf jāren, als junclich, oder von sehsen. Wan alle, die got sehent, die werdent niemer eltlīcher, die in in himelrīche sehent in sīnen freuden und in sīnen ēren. Ūf ertrīche sehen wir in alle tage in sīnem gewalte. Dehein irdenischer muot noch irdenisch līp möhte daȥ niht erlīden, daȥ in dehein irdenisch ouge iemer an gesehen möhte in sīnen freuden und in sīnen ēren, als er ze himelrīche ist. Wir sagen iu ettewenne ein glīchnisse, wie schœne got sī. Seht, alleȥ daȥ wir iemer gesagen künnen oder mügen, daȥ ist rehte dem glīche, als obe ein kint uns solte sagen, ob eȥ müglich wære, von aller der wirde und von aller der gezierde, die diu werlt hāt, von der liehten sunnen, von den liehten sternen, von edelre gesteine craft und von ir maniger slahte varwe, von der edelen würze craft und von dem edelen gesmacke, und von der rīchen gezierde, die man ūȥer sīden und ūȥer golde machet in dirre werlte, und von maniger handesüeȥen stimme, die diu werlt hāt, von vögelīn sange und von seitenspil, und von maniger hande bluomen varwe, und von aller der gezierde, die disiu werlt hāt. Alse unmügelich unde alse unkuntlīchen eime kinde dā von ze redenne ist, als unkunt ist ouch uns dā von ze redenne, von der unsegelīchen wünne, diu dā ze himel ist, und von dem wünneclīchen antlütze des lebendigen gotes. Wan alliu diu freude, diu dā ze himele ist, der ist niht wan von dem schīne, der von unsers herren antlütze gēt. Und rehte als alle sternen ir lieht von der sunnen nement, alsō habent alle heiligen ir gezierde und ir schōnheit von gote, und engele und alleȥ himelische her. Reht als alle die sternen des himeles, der māne und die planēten, grōȥ und kleine, die habent alle samt ir lieht von der sunnen, diu uns dā liuhtet: und alsō hāt alleȥ himelischeȥ her, engel und heiligen, die hœhsten und die minnesten, die habent alle samt ir freude und ir wünne und ir gezierde und dieēreund die wirde und ouch die schœnde, daȥ habent sie alle samt von der angesihte gotes, daȥ sie got an sehent. Die engele, die dā unser hüetent, die sehent in ze aller zīt an, als ob sie bī im wæren. Wan alliu diu freude, diu in himelrīche ist, diu diuhte sie ze nihte, solten sie got niht an sehen. Und dā von ‘sælic sint, die reines herzen sint; wan sie werdent got sehende.’ Nu sehent, wie sælic die sint, die dā reineȥ herze tragent. Ir, junge werlt, die noch unbewollen sint mit sünden, behaltent iuwer herze vor allen tœtlīchen sünden, sō werdent ir got sehende in solīchen freuden und in sō grōȥen ēren, die ouge nie gesach oder ōre nie gehōrte, alse sant Paulus dā sprichet; und alse sant Johannes sprichet: ‘wær eȥ mügelich, daȥ man eȥ alleȥ samt geschrīben möhte, sō möhte diu werlt diu buoch in ir niht behalten, dā eȥ an gestüende, daȥ ich gesach. Und alleȥ, daȥ ich gesach, daȥ was niht wan got alleine.’ Und dar umbe möhten wir doch gerne ze dem himelrīche komen und drumbe arbeiten. Ob uns niht diu minne und diu liebe dar twünge, der wir gote schuldic sīn, seht, sō möhten wir dar umbe dar komen, durch daȥ wunder, daȥ dā ist. Eȥ ist maniger vor mir: der imvon sō getāner freudeseite, daȥ si jenhalp meres wære, er füere gar gerinclīchendar von hinnen über mer, niuwen daȥ erȥ gesæhe. Sō möhtent ir hundertstunt gerner dar umb arbeiten, daȥ irȥ iemer mēre ēwiclīchen nieȥen soltet. Die vil wünneclīchen angesiht des almehtigen gotes und der himelischen küniginne ze der zeswen sīner sīten in guldīner wæte, die möhtet ir gerne an sehen. Wan würde iu einiger anblic, sō wære in alliu diu freude und diu ēre und aller der wollust, den diu werlt ie gewan, daȥ wær iu hinne für als widerzæme und ouch alse unmære, reht als sant Paulus dā sprach. Nu hœret wie er sprach; er sprach: ‘alliu diu ēre und diu freude und daȥ gemach, diu disiu werlt ie gewan von keisern und von künigen, wider der freude, diu in himelrīch ist; als widerzæme einem wære ein diep an einem galgen, als kurz einem diu wīle dā mite wære, daȥ er einen erhangen man triuten solte, wider aller der freude, die diu werlt hāt: alse widerzæme ist mir diu freude aller der werlte wider der ēwigen freude.’ Ei wol iuch wart, daȥ iuch iuwer muoter ie getruoc, die sō getāne freude süln besitzen. Der ist, ob got wil, vil maniger vor mīnen ougen. Ouch ist maniger, der vil kleine freude dar für nimt hie ūf ertrīche, und daȥ dem guoten sante Paulen gar versmāhte, des wirt im der tūsentste teil niht. Und die habent übel kouft, die sō übergrōȥe freude gebent umb ein sō kurzeȥ freudelīn in dirre werlte. Die habent übel gevarn; wan sie habent weder hie noch dort niht. Als ich iezuo sprach, rehte in glīcher wīse, rehte alse alle sternen des himeles ir lieht von der sunnen habent, alsō hāt alleȥ himelisch her ir lieht von dem wāren sunnen, sīt danne unser herre der wāre sunne und daȥ wāre lieht ist, alse der guote sant Johannes dā sprichet. Der hei et in daȥ wāre lieht; als ouch daȥ vil wār ist: wan er ist daȥ wāre lieht, daȥ niemer mēr verlischet. Und alle, die von sīme gotvarwen liehte enzündet werdent, die erleschent ouch niemer mēre von der schōnheit, die sie von dem wāren sunnen hānt. Und als vil diu sunne liehter und gelpfer ist, danne wir dā sehen, rehte als vil diu liehtes und glastes über alle sterne hāt, die an dem himel stēnt: als vil hāt der wāre sunne in himelrīche schīnes und glastes mēr über alle engele und ist geschœnetund gewirdet an allen ēren, alse billich ist. Und dā von sint sie sælic, die ein reineȥ herze habent; wan si werdent got sehende.IITHE SWABIAN LANTREHTBUOCH.This work was compiled by David von Augsburg, about 1280A.D.Hie hebet sich an daȥ Lantrehtbuoch.Herre got, himelischer vater, durch dīne milte güete geschüefe du den menschen in drīvaltiger werdikeit. Diu ērste, daȥ er nāch dir gebildet ist. Daȥ ist ouch ein alsō hōhiu werdikeit, der dir alleȥ menschlich künne sunderlīchen immer danken sol. Wan des haben wir gar michel reht, vil lieber herre, himelischer vater, sīt du uns zuo dīner hōhen gotheit alsō werdiclīchen geedelt hāst. Diu ander werdikeit, dā du, herre got, almähtic schepfer, den menschen zuo geschaffen hāst, daȥ ist diu, daȥ du alle dise werelt, die sunnen unde den mānen, die sterne unde diu vier element, viur, waȥȥer, luft unde die erden, die vogel in den lüften, die vische in dem wāge, diu tier in dem walde, die würme in der erden, golt unde edel gesteine, der edeln würze süeȥen smac, der bluomen liehte varwe, der boume fruht unde ēt alle crēatūre: daȥ hāst du, herre, alleȥ dem menschen ze nutze unde ze dienste geschaffen durch die triuwe unde durch die minne, die du ze dem menschen hetest. Diu dritte werdikeit, dā du, herre, den menschen mit gewirdet unde geedelt hāst, daȥ ist diu, daȥ der mensche die wirde unde die ēre, die vreude unde die wünne immer mit dir ēwiclīchen nieȥen sol. Der werelde dienst unde nuz hāst du, herre, dem menschen umbe sust gegeben ze einer manunge unde ze einem vorbilde. Sīt des sō vil ist, des du, herre, dem menschen umbe sust gegeben hāst, dā bī sol der mensche nu trahten, sōmegedes wol gar übermæȥiclīchen vil sīn, des du dem menschen umbe sīnendienst geben wilt. Unde dar umbe sol ein iegelīch mensche got dienen mit ganzen triuwen; wan der lōn ist alsō übermæȥiclīchen grōȥ, daȥ in herzen sin nie betrahten möhte noch menschen zunge nie gesprechen möhte, noch ougen sehen künde in nie beliuhten, noch ōre nie gehœren. Daȥ wir nu got der hōhen werdikeit gedanken unde den grōȥen lōn verdienen, des helfe uns der almähtige got. āmen.Sīt uns got in sō hōher werdikeit geschaffen hāt, sō wil er ouch, daȥ wir werdeȥ leben haben, unde daȥ wir einander wirde unde ēre erbieten, triuwe unde wārheit, niht haȥ unde nīt einander tragen. Wir sullen mit fride unde mit suone under einander leben. Fridlich leben hāt unser herre got liep. Wan er kom von himelrīche ūf erderīche durch anders niht wan durch den rehten fride, daȥ er uns einen rehten fride schüefe vor der ēwigen marter, ob wir selben wellen. Unde dā von sungen die engel ob der krippen: ‘Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis’—‘Gots ēre in dem himel unde guot fride ūf der erden allen den, die guoten willen habent ūf erderīche!’ Dō unser herre got hie ūf erderīche gie, sō was daȥ ie sīn ellich wort: ‘Pax vobis!’ daȥ sprichet: ‘der fride sī mit iu!’ unde alsō sprach er alle zīt zuo sīnen jungern unde zuo andern liuten. Unde dā bī suln wir merken, wie rehte liep der almehtige got den rehten vride hāt. Wan dō er von erderīche wider ūf zuo himel fuor, dō sprach er aber zuo sīnen jungern: ‘der vride sī mit iu!’ unde enphalh dem guoten Sant Pēter, daȥ er phleger wære über den rehten fride, unde gap im den gewalt, daȥ er den himel ūf slüȥȥe allen den, die den fride hielten, unde swer den fride bræche, daȥ er dem den himel vor beslüȥȥe. Daȥ ist alsō gesprochen: ēt alle, die diu gebot unsers herren zebrechent, die habent ouch den rehten fride gebrochen. Daȥ ist ouch von gote reht, swer diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ man dem den himel vor besliuȥet, sīt uns got nu geholfen hāt, daȥ wir mit rehtem leben unde mit fridlīchem leben daȥ himelrīch verdienen mügen. Wan daȥ was niht vor gotes geburt, swie wol der mensche tæt in aller der werelde, sō mohte er dochze dem himelrīch niht komen. Got geschuof des ērsten himel unde erden, dar nāch den menschen unde sazte in in daȥ paradys. Der zebrach die gehōrsam uns allen ze schaden; dar umbe gienge wir irre sam diu hirtelōsen schāf, daȥ wir in daȥ himelrīch niht mohten, unz an die zīt, daȥ uns got den wec dar wīste mit sīner marter, unde dar umbe solde wir got immer loben unde ēren von allem unserm herzen unde von aller unserre sēle unde von aller unserre maht, daȥ wir nu sō wol ze den ēwigen freuden kæmen, ob wir wolden; daȥ hie vor manigen heiligen patriarken unde prophēten tiure was. Diu genāde unde diu sælikeit ist uns kristen liuten nu widervaren, daȥ wir nu wol daȥ himelrīch mugen verdienen. Unde swer des niht entuot unde diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ richet er billīchen an im.Von vrīen liuten.Wir zelen drīer hande vrīen. Der heiȥent einesempervrīen: daȥ sint die vrīen herren, als fürsten unde die ander frīen ze man hānt. Sō heiȥent die andernmitervrīen: daȥ sint die, die der hōhen vrīen man sint. Die driten vrīen daȥ sint die vrīen lantsæȥen, die gebūren, die dā vrī sint. Der hāt ieglīcher sīn sunder reht, als wir her nāch wol bescheiden.Von tiutscher liute ēren.Die tiutschen kiesent den künic: daȥ erwarb in der künic Karl. Swenne er gewīhet wirt unt ūf den stuol ze Ache gesetzet wirt mit der willen, die in erwelt hānt, sō hāt er küniclīchen gewalt unde namen.—Den künic kiuset man ze rihter umbe eigen unde umbe lēhen unde über ieglīches menschen līp unde umbe alleȥ, daȥ vür in ze klagen kumet. Der keiser mac in allen landen niht gesīn, unde mac alleȥ ungerihte niht verrihten. Dā von līhet er den fürsten unde andern herren wereltlīch gerihte. An die vierten hant mac dehein gerihte nimmer komen mit rehte, dā man umbe menschenbluot rihten sol ode umbe alle vrevel.IIIHARTMAN VON OUWE.He was born somewhere between 1160-1170, in the neighbourhood of Rottenburg in Swabia, and died about 1220.The following extract is taken from Paul’s edition: Der Arme Heinrich, Halle, 1882.Ein ritter sō gelēret wasdaȥ er an den buochen lasswaȥ er dar an geschriben vant.der was Hartman genant,5dienstman was er ze Ouwe.er namimmange schouwean mislīchen buochen:dar an begunde er suochenob er iht des funde10dā mite er swære stundemöhte senfter machen,und von sō gewanten sachendaȥ gotes ēren töhteund dā mite er sich möhte15gelieben den liuten.nu beginnet er in diutenein rede die er geschriben vant.dar umbe hāt er sich genant,daȥ er sīner arbeit20die er dar an hāt geleitiht āne lōn belībe,und swer nāch sīnem lībesī hœre sagen oder lese,daȥ er im bittende wese25der sēle heiles hin ze gote.man seit, er sī sīn selbes boteunde erlœse sich dā mite,swer über des andern schulde bite.Er las ditze mære,30wie ein herre wæreze Swābengeseȥȥen:an dem enwas vergeȥȥendeheiner der tugendedie ein ritter in sīner jugende35ze vollem lobe haben sol.man sprach dō niemen alsō wolin allen den landen.er hete ze sīnen handengeburt und dar zuo rīcheit:40ouch was sīn tugent vil breit.swie ganz sīn habe wære,sīn geburt unwandelbæreund wol den fürsten gelīch,doch was er unnāch alsō rīch45der gebürte und des guotessō der ēren und des muotes.Sīn name der was erkennelich,und hieȥ der herre Heinrich,und was von Ouwe geborn.50sīn herze hāteverswornvalsch und alle törperheit,und behielt ouch vaste den eitstæte unz an sīn ende.ān alle missewende55stuont sī ēre und sīn leben.im was der rehte wunsch gegebenze werltlīchen ēren:die kunde er wol gemērenmit aller hande reiner tugent.60er was ein bluome der jugent,der werlte fröude ein spiegelglas.stæter triuwe ein adamas,ein ganziu krōne der zuht.er was der nōthaften fluht,65ein schilt sīner māge,der milte ein glīchiu wāge:im enwart über noch gebrast.er truoc den arbeitsamen lastder ēren über rücke.70er was des rātes brücke,und sanc vil wol von minnen.alsus kund er gewinnender werlte lop unde prīs.er was hübesch und dar zuo wīs.75Dō der herre Heinrichalsō geniete sichēren unde guotesund frœlīches muotesund werltlīcher wünne80(er was für al sīn künnegeprīset unde geēret),sīn hōher muot wart verkēretin ein leben gar geneiget.an im wart erzeiget,85also ouch an Absolōne,daȥ diu üppige krōnewerltlīcher süeȥevellet under füeȥeab ir besten werdekeit,90als uns diu schrift hāt geseit.eȥ spricht an einer stete dā,‘mēdiā vītāin morte sumus’:daȥ bediutet sich alsus,95daȥ wir in dem tōde swebensō wir aller beste wænen leben.Dirre werlte veste,ir stæte, unde ir besteunde ir grœste magenkraft,100diu stāt āne meisterschaft.des muge wiran der kerzen sehenein wāreȥ bilde geschehen,daȥ sī zeiner aschen wirtenmitten dō sī lieht birt.105wir sīn von brœden sachen.nūsehentwie unser lachenmit weinen erlischet.unser süeȥe ist vermischetmit bitterre gallen.110unser bluome der muoȥ vallenso er allergrüenest wænet sīn.an hern Heinrīche wart wol schīn,der in dem hœhsten werdelebet ūf dirre erde,115derst der versmæhete vor gote.er viel von sīme geboteab sīner besten werdekeitin ein versmæhelīcheȥ leit:in ergreif diu miselsuht.120dō man die swæren gotes zuhtgesach an sīnem lībe,manne unde wībewart er dō widerzæme.nū sehent wie genæme125er ē der werlte wære,und wart nū alse unmæredaȥ in niemen gerne an sach:alse ouch Jōbe geschach,dem edeln und dem rīchen,130der ouch vil jæmerlīchendem miste wart ze teilemitten in sīme heile.Unddō der arme Heinrichalrēst verstuont sich135daȥ er der werlte widerstuont,als alle sīne gelīchen tuont,dō schiet in sīn bitter leitvon Jōbes gedultikeit.wan eȥ leit Jōb der guote140mit gedultigem muote,do eȥ ime ze līdenne geschach,durch der sēle gemach.den siechtuom und die smācheitdie er von der werlte leit,145des lobet er got und fröute sich.dō tet der arme Heinrichleider niender alsō:wan er was trūrec unde unfrō.sīn swebendeȥ herze daȥ verswanc,150sīn swimmendiu fröude ertranc,sīn hōchvart muoste vallen,sīn honic wart ze gallen,ein swinde vinster donreslaczerbrach im sīnen mitten tac,155ein trüebeȥ wolken unde dicbedaht’ im sīner sunnen blic.er sente sich vil sēredaȥ er sō manege ērehinder im müeste lāȥen.160verfluochet und verwāȥenwart vil ofte der tacdā sīn geburt ane lac.Ein wēnic fröuwet er sich dochvoneimetrōste dannoch:165wan im wart dicke geseitdaȥ disiu selbe siecheitwære vil mislichund etelīchiu gnislich.des wart vil maneger slahte170sīn gedinge und sīn ahte.er gedāhte daȥ er wærevil līhte genisbære,und fuor alsō drātenāch der arzāte rāte175gegen Munpasiliere.dā vant er vil schiereniht wan den untrōstdaȥ er niemer würde erlōst.Daȥ hōrte er vil ungerne,180und fuor gegen Sālerneund suochte ouch dā durch genistder wīsen arzāte list.den besten meister er dā vant.der seite ime zehant185ein seltsæne mære,daȥ er genislich wæreund wære doch iemer ungenesen.dō sprach er ‘wie mac daȥ wesen?diu rede ist harte unmügelich.190bin ichgnislich, sō genise ich:und swaȥ mir für wirt geleitvon guote oder von arbeit,daȥ trūwe ich vollebringen.’‘nū lāt daȥ gedingen’195sprach der meister aber dō:‘iuwẹrre sühte ist alsō(waȥ frumet daȥ ichȥ iu kunt tuo?):dā hœret arzenīe zuo:des wæret ir genislīch.200nu enist ab nieman sō rīchnoch von sō starken sinnender sī müge gewinnen.des sint ir iemer ungenesen,got enwellẹ der arzāt wesen.’205Dō sprach der arme Heinrich‘war umbe untrœstent ir mich?jā hān ich guotes wol die kraft:ir enwellent iuwer meisterschaftund iuwer reht ouch brechen210und dar zuo versprechenbeidiu mīn silber und mīn golt,ich mache iuch mir alsō holtdaȥ ir mich harte gerne ernert.’‘mir wærẹ der wille unrewert’215sprach der meister aber dō:‘und wærẹ der arzenīe alsōdaȥ man sī veile fundeoder daȥ man sī kundemit deheinen dingẹn erwerben,220ich enlieȥe iuch niht verderben.nu enmac des leider niht sīn:dā von muoȥ iu diu helfe mīndurch alle nōt sīn versaget.ir müesent haben eine maget225diu vollen ērbæreund ouch des willen wæredaȥ sī den tōt durch iuch lite.nu enist eȥ niht der liute sitedaȥ eȥ iemen gerne tuo.230sō hœrt ouch anders niht dar zuoniwan der megede herzen bluot:daȥ wærẹ für iuwer suht guot.’Nu erkantẹ der arme Heinrichdaȥ daȥ wære unmügelich235daȥ iemen den erwürbeder gerne für in stürbe.alsus was im der trōst benomenūf den er dar was komen,und dar nāchfür die selben frist240hāt er ze sīner genistdehein gedinge mēre.des wart sīn herzesērealsō kreftic unde grōȥdaȥ in des aller meist verdrōȥ,245ob er langer solte leben.nū fuor er heim und begunde gebensīn erbe und ouch sīn varnde guot,als in dō sīn selbes muotund wīser rāt lērte,250da erȥ aller bestẹ bekērte.er begundẹ bescheidenlīchensīn armen friunde rīchenund trōste ouch frömde armen,daȥ sich got erbarmen255geruochte über der sēle heil:gotes hiusern viel daȥ ander teil.alsus sōtet er sich abebescheidenlīchen sīner habeunz an ein geriute:260dar flōch er die liute.disiu jæmerlīchẹ geschihtdiu was sīn eines klage niht:in klageten elliu diu lantdā er inne was erkant,265und ouch von vrömden landendie in nāch sage erkanden.Der ē ditz geriuteund der eȥ dannoch biute,daȥ was ein frīer būman270der vil selten ie gewandehein grōȥ ungemach,daȥ andẹrn gebūren doch geschach,die wirs geherret wāren,und sī die niht verbāren275beidiu mit stiure und mit bete.swaȥ dirrẹ gebūre gerne tete,des dūhte sīnen herren gnuoc:dar zuo er in übertruocdaȥ er dehein arbeit280von frömdem gewalte leit.des was deheiner sīn gelīchin dem lande alsō rīch.zuo deme zōch sichsīn herrẹ, der arme Heinrich.285swaȥ er in het ē gespart,wie wol daȥ nū gedienet wartund wie schōne er sīn genōȥ!wan in vil lützel des verdrōȥswaȥ im geschach durch in.290er hete die triuwe und ouch den sindaȥ er vil willeclīche leitden kumber und die arbeitdiu ime ze līdenne geschach.er schuof ime rīch gemach.295Got hete dem meiger gegebennāch sīner ahte ein reineȥ leben.er hete ein wol erbeiten līpund ein wol werbendeȥ wīp,dar zuo het er schœniu kint,300diu gar des mannes fröude sint,unde hete, sō man saget,undẹr den kinden eine maget,ein kint von ahte jāren:daȥ kunde wol gebāren305sō rehte güetlīchen:sī wolte nie entwīchenvon ir herren einen fuoȥ:umb sīne hulde und sīnen gruoȥsō diente si ime alle wege310mit ir güetlīchen pflege.sī was ouch sō genæmedaȥ sī wol gezæmeze kinde deme rīchean ir wætlīche.315Die andern heten den sindaȥ sī ze rehter māȥe inwol gemīden kunden:sō flōch sī zallen stundenzuo ime und niender anders war.320sī was sīn kurzewīle gar.sī hete gar ir gemüetemit reiner kindes güetean ir herren gewant,daȥ man sī zallen zīten vant325undẹr ir herren fuoȥe.mit süeȥer unmuoȥewonte sī ir herren bī.dar zuo sō liebte er ouch sīswā mite sō er mohte,330und daȥ der meide tohtezuo ir kintlīchen spil,des gab der herre ir vil.ouch half in sēre daȥ diu kintsō līhte ze gewenenne sint.335er gewan ir swaȥ er veile vant,spiegel unde hārbant,gürtel unde vingerlīnund swaȥ kinden liep solte sīn.mit dienste brāhte er s’ ūf die vart340daȥ sī im alsō heimlich wartdaȥ er sī sīn gemahele hieȥ.diu guote maget in lieȥbelīben selten eine:er dūhte sī vil reine.345swie starke ir daȥ gerietediu kindische miete,iedoch geliebte irȥ aller meistvon gotes gebe ein süeȥer geist.Ir dienst war sō güetlich.350dō dō der arme Heinrichdriu jār dāgetwelteunde im got gequeltemit grōȥem jāmer den līp,nū saȥ der meier und sīn wīp355unde ir tohter, diu magetvon der ich iu ē hān gesaget,bī im in ir unmüeȥekeitund begunden klagen ir herren leit.diu klage tet in michel nōt:360wan sī vorhten daȥ sīn totsī sēre solte letzenund vil gar entsetzenēren unde guotesund daȥ herters muotes365würde ein ander herre.si gedāhten alsō verreunz dirre selbe būmanalsus frāgen began.Er sprach ‘lieber herre mīn,370möht eȥ mit iuwern hulden sīn,ich frāgte vil gerne,sō vil ze Sālernevon arzenīen meister ist,wie kumet daȥ ir deheines list375ze iuwerme ungesundeniht gerātenkunde?herre, des wundert mich.’dō holtẹ der arme Heinrichtiefen sūft von herzen380mit bitterlīchem smerzen:mit solher riuwe er dō sprachdaȥ ime der sūft daȥ wort zerbrach.‘Ich hān disen schemelīchen spotvil wol gedienet umbe got.385wan dū sæhe wol hie vordaȥ hōh offen stuont mīn tornāch werltlīcher wünneund daȥ niemen in sīnem künnesīnen willen baȥ hete dan ich:390und was daȥ doch unmügelich,wan ich enhete niht gar.dō nam ich sīn vil kleine warder mir daȥ selbe wunschlebenvon sīnen gnāden hete gegeben.395daȥ herze mir dō alsō stuontals alle werlttōren tuont,den daȥ saget ir muotdaȥ sī ēre unde guotāne got mügen hān.400sus troug ouch mich mīn tumber wān,wan ich in lützel ane sachvon des genāden mir geschachvil ēren unde guotes.dō dō des hōhen muotes405den hōhen portenærẹ bedrōȥ,die sælden porte er mir beslōȥ.dane kum ich leider niemer in:daȥ verworhte mir mīn tumber sin.got hāt durch rāche an mich geleit410ein sus gewante siecheitdie niemen mag erlœsen,nū versmæhent mich die bœsen,die biderben ruochent mīn niht.swie bœse er ist der mich gesiht,415des boeser muoȥ ich dannoch sīn.sīn unwert tuot er mir schīn:erwirfẹtdiu ougen abe mir.nū schīnet ērste an dirdīn triuwe die dū hāst,420daȥ dū mich siechen bī dir lāstund von mir niht enfliuhest.swie dū mich niht enschiuhest,swie ich niemen liep sī danne dir,swie vil dīns heiles stē an mir,425du vertrüegest doch wol mīnen tōt.nū wes unwert und wes nōtwart ie zer werlte merre?hie vor was ich dīn herreund bin dīn dürftige nū.430mīn lieber friunt, nu koufest dūund mīn gemahele und dīn wīpan mir den ēwigen līpdaȥ dū mich siechen bī dir lāst.des dū mich gefrāget hāst,435daȥ sage ich dir vil gerne.ichn kunde ze Sālerneeinen meister niender vindender sich mīn underwindengetörste oder wolte.440wan dā mite ich soltemīner sühte genesen,daȥ müeste ein solhiu sache wesendie in der werlte niemanmit nihte gewinnen kan.445mir wart niht anders dā gesagetwan ich müeste haben eine magetdiu vollen manbæreund ouch des willen wæredaȥ sī den tōt durch mich lite450und man sī zuo dem herzen snite,und mir wærẹ niht anders guotwan von ir herzen daȥ bluot.nū ist genuoc unmügelichdaȥ ir deheiniu durch mich455gerne līde den tōt.des muoȥ, ich schemelīche nōttragen unz an mīn ende.daȥ mirȥ got schiere sende!’Daȥ er dem vater hete gesagt,460daȥ erhōrte ouch diu reine magt:wan eȥ hete diu vil süeȥeir lieben herren füeȥestānde in ir schōȥen,man möhte wol genōȥen465ir kintlīch gemüetehin ze der engel güete.sīner rede nam sī warunde marhte sī ouch gar:sī enkam von ir herzen nie470unz man des nahtes slāfen gie.dō sī zir vater füeȥen lacund ouch ir muoter, sō sī pflac,und sī beide entsliefen,manegen sūft tiefen475holte sī von herzen.umbe ir herren smerzenwart ir riuwe alsō grōȥdaȥ ir ougen regen begōȥder slāfenden füeȥe,480sus erwahte sī diu süeȥe.Dō sī der trehene enpfunden,si erwachten und begundensī frāgen waȥ ir wæreund welher hande swære485sī alsō stille möhte klagen.nu enwolte sīesin niht sagen,wan daȥ ir vater aber tetevil manege drō unde betedaȥ sī eȥ ime wolte sagen.490sī sprach ‘ir möhtent mit mir klagen.waȥ möhte uns mē gewerrendanne umb unsern herren,daȥ wir den suln verliesenund mit ime verkiesen495beide guot und ēre?wir gewinnen niemer mēredeheinen herren alsō guotder uns tuo daȥ er uns tuot.’Sī sprāchen ‘tohter, dū hāst wār.500nū frumet uns leider niht ein hārunser riuwe und dīn klage:liebeȥ kint, dā von gedage.eȥ ist uns alsō leit sō dir.leider nū enmuge wir505ime ze keinen staten komen.got der hāt in uns benomen:het eȥ iemen anders getān,der müese unsern fluoch hān.’Alsus gesweigẹten sī sī dō.510die naht beleip sī unfrōund morne allen den tac.swes iemen anders pflac,diz enkam von ir herzen nieunz man des andern nahtes gie515slāfen nāch gewonheit.dō sī sich hete geleitan ir alte bettestat,sī bereite aber ein batmit weinenden ougen:520wan sī truoc tougennāhe in ir gemüetedie aller meisten güetedie ich von kinde ie vernam.welch kint getete ouch ie alsam?525des einen sī sich gar verwac,gelebetẹ sī morne den tac,daȥ sī benamen ir lebenumbe ir herren wolte geben.Von dem gedanke wart sī dō530vil ringes muotes unde frō,und hete deheine sorge mē,wan ein vorhtẹ diu tete ir wē,sō sīȥ ir herren sagte,daȥ er dar an verzagte,535und swenne sīȥ in allen dringetæte kunt, daȥ sī an inder gehenge niht enfundedaȥ mans ir iht gunde.Des wart sō grōȥ ir ungehabe540daȥ ir muoter dar abeunde ir vater wart erwahtals ouch an der vordern naht.sī rihten sich ūf zuo irund sprāchen ‘sich, waȥ wirret dir?545dū bist vil alwæredaȥ du dich sō manege swærevon solher klage hāst an genomender niemen mac zeim ende komen.war umbẹ lāstu uns niht slāfen?’550sus begunden sī sī strāfen.waȥ ir diu klage töhte,die niemen doch enmöhteverenden noch gebüeȥen?sus wānden sī die süeȥen555gesweigen an der selben stunt:dō was ir wille in vil unkunt.Sus antwurte in diu maget.‘als uns mīn herre hāt gesaget,sō mac man in vil wol ernern.560zewāre, ir welt mirȥ danne wern,sō bin ich ze der arzenīe guot.ich bin ein maget und hān den muot,ē ich in sihe verderben,ich wil ē für in sterben.’565Von dirre rede wurden dōtrūric unde unfrōbeide muoter unde vater.sīne tohter die bat erdaȥ sī die rede lieȥe570und ir herren gehieȥedaȥ sī geleisten möhte,wand ir diz niht entöhte.Er sprach ‘tohter, du bist ein kintund dīne triuwe die sint575ze grōȥ an disen dingen.du enmaht es niht für bringenals dū uns hie hāst verjehen.dū hāst des tōdes niht gesehen.swenn eȥ dir kumet ūf die frist580daȥ des dehein rāt ist,dū enmüeȥest sterben,und möhtest dūȥ erwerben,dū lebetest gerner dannoch:wan dun kæme nie in leider loch.585dā von tuo zuo dīnen munt:und wirstū für dise stuntder rede iemer mēre lūt,eȥ gāt dir ūf dīne hūt.’Alsus sō wānde er sī dō590bēdiu mit bete und mit drōgesweigen: dōenmohter.sus antwurt ime sīn tohter.‘Vater mīn, swie tump ich sī,mir wonet iedoch diu witze bī595daȥ ich von sage wol die nōterkenne daȥ des lībes tōtist starc unde strenge.swer ouch dannẹ die lengemit arbeiten leben sol,600dem ist iedoch niht ze wol.wan swenne er hie geringetund ūf sīn alter bringetden līp mit michelre nōt,sō muoȥ er līden doch den tōt.605ist ime diu sēle dannẹ verlorn,sō wære er beȥȥer ungeborn.eȥ ist mir komen ūf daȥ zil,des ich got iemer loben wil,daȥ ich den jungen līp mac geben610umbẹ daȥ ēwige leben.nū sult ir mirȥ niht leiden.ich wil mir unde iu beidenvil harte wol mite varn.ich mag iuch eine wol bewarn615vor schaden und vor leide,als ich iu nū bescheide.ir hānt ēre unde guot:daȥ meinet mīnes herren muot;wan er iu leit nie gesprach620und ouch daȥ guot nie abe gebrach.die wīle daȥer leben solsō stēt iuwer sache wol:und lāȥe wir den sterben,sō müeȥen wir verderben.625den wil ich uns fristenmit alsō schœnen listendā mite wir alle sīn genesen.nū gunnet mirs, wan eȥ muoȥ wesen.’Diu muoter weinende sprach,630dō sī der tohter ernst ersach,‘gedenke, tohter, liebeȥ kint,wie grōȥ die arbeite sintdie ich durch dich erliten hān,und lā mich beȥȥern lōn enpfān635dan ich dich hœre sprechen.dū wilt mīn herze brechen.senfte mir der rede ein teil.jā wiltū alleȥ dīn heilan uns verwürken wider got.640wangedenkest dū an sīn gebot?jā gebōt er unde bat erdaȥ man muoter unde vaterminne und ēre biete,und geheiȥet daȥ ze miete645daȥ der sēle rāt werdeund lanclīp ūf der erde.dū gihst, dū wellest dīn lebenumb unser beider fröude geben:dū wilt uns beiden650daȥ leben vaste leiden.daȥ dīn vater unde ichgerne leben, daȥ ist durch dich.awaȥ solte uns līp unde guot,bwaȥ solte uns werltlich muot,cswenne wir dīn enbæren?ddune. . . . . .jā soltū, liebiu tohter mīn,unser beider fröude sīn,655gar unsers lībes wünne,ein bluome in dīme künne,unsers alters ein stap.und lāstū uns über dīn grapgestēn von dīnen schulden,660dū muost von gotes huldeniemer sīn gescheiden:daȥ koufest an uns beiden.’a‘wiltu uns tohter wesen guot,bsō soltū rede und den muotcdurch unsers herren hulde lān,ddie ich von dir vernomen hān.’Si sprach ‘muoter, ich getrūwe dirund mīnem vater her ze mir665aller der genāden wolder vater unde muoter solleisten ir kinde,als ich eȥ wol bevindean iu allertegelich.670von iuwern gnāden hān ichdie sēle und einen schœnen līp.mich lobet man unde wīp,und alle die mich sehende sint,ich sī daȥ schœneste kint675daȥ sī zir lebene haben gesehen.wem soll ich der genāden jehenniuwan iu zwein nāch gote?des sol ich ze iuwerm geboteiemer vil gerne stān:680wie michel reht ich des hān!muoter, sæligeȥ wīp,sīt ich nū sēle unde līpvon iuwern genāden hān,sō lāntȥ an iuwern hulden stān685daȥ ich ouch die beidevon dem tiuvel scheideund mich gote müeȥe geben.jā ist dirre werlte lebenniuwan der sēle verlust.690ouch hāt mich werltlīch gelustunz her noch niht berüeret,der hin zer helle füeret.nū wil ich gote genāde sagendaȥ er in mīnen jungen tagen695mir die sinne hāt gegebendaȥ ich ūf diz brœde lebenahte harte kleine.ich wil mich alsus reineantwürtẹn in gotes gewalt.700ich fürhte, solt ich werden alt,daȥ mich der werlte süeȥezuhte under füeȥe,als sī vil manegen hāt gezogenden ouch ir süeȥe hāt betrogen:705sō würde ich līhte gote entsaget.gote müeȥe eȥ sīn geklagetdaȥ ich unz morne leben sol:mir behaget diu werlt niht sō wol.ir meiste liep ist herzeleit710(daȥ sī iu für wār geseit),ir süeȥer lōn ein bitter nōt,ir lancleben ein gæher tōt.wir hān niht gewisses mēwan hiute wol und morne wē715und ie ze jungest der tōt.daȥ ist ein jæmerlīchiu nōt.eȥ enschirmet geburt noch guot,schœne, sterke, hōher muot,eȥ enfrumt tugent noch ēre720für den tōt niht mēredann ungeburt und untugent.unser leben und unser jugentist ein nebel unde ein stoup,unser stæte bibent als ein loup.725er ist ein vil verschaffen gouchder gerne in sich vaȥȥt den rouch,eȥ sī wīp oder man,der diz niht wol bedenken kanund ouch der werlt nāch volgende ist.730wan uns ist über den fūlen mistder pfeller hie gespreitet:swen nū der blic verleitet,der ist zuo der hellẹ gebornunde enhāt niht mē verlorn735wan beidiu sēle unde līp.nu gedenkent, sæligeȥ wīp,müeterlīcher triuweund senftent iuwer riuwedie ir dā habent umbe mich:740so bedenket ouch der vater sich.ich weiȥ wol daȥ er mir heiles gan.er ist ein alsō biderber mandaȥ er erkennet wol daȥ irunlange doch mit mir745iuwer fröude mügent hān,ob ich joch lebende bestān.belībe ich āne man bī iuzwei jār oder driu,sō ist mīn herre līhte tōt,750und kument in sō grōȥe nōtvil līhte von armuotdaȥ ir mir alsolheȥ guotzeinem man niht mugent geben,ich enmüeȥe alse swache leben755daȥ ich iu lieber wære tōt.nuverswīgẹ wiraber der nōt,daȥ uns niht enwerreund uns mīn lieber herrewere und alsō lange lebe760unz daȥ man mich zeim manne gebeder rīche sī unde wert:sō ist geschehen des ir dā gertund wænent mir sī wol geschehen.anders hāt mir mīn muot verjehen.765wirt er mir liep, daȥ ist ein nōt:wirt er mir leit, daȥ ist der tōt.wan sō hān ich iemer leitund bin mit ganzer arbeitgescheiden von gemache770mit maneger hande sachediu den wīben wirretund sī ze fröuden irret.nū setzt mich in den vollen rātder dā niemer zergāt.775mīn gert ein frīer būmandem ich wol mīnes lībes gan.zwāre, dem sult ir mich geben,sō ist geschaffet wol mīn leben.im gēt sīn pfluoc harte wol,780sīn hof ist alles rātes vol,da enstirbet ros noch daȥ rint,da enmüent diu weinenden kint,da enist ze heiȥ noch ze kalt,dā wirt von jāren niemen alt,785der alte wirt junger,da enist frost noch hunger,da enist deheiner slahte leit,da ist ganziu fröude ān arbeit.ze dem wil ich mich ziehen790und solhen bū fliehenden daȥ fiur und der hagel slehtund der wāc abe tweht,mit dem man ringet unde ie ranc.swaȥ man daȥ jār alse lanc795dar ūf gearbeiten mac,daȥ verliuset schiere ein halber tac.den bū den wil ich lāȥen:er sī von mir verwāȥen.ir minnent mich: deist billich.800nū sihe ich gerne daȥ michiuwer minne iht unminne.ob ir iuch rehter sinnean mir verstān kunnentund ob ir mir gunnent805beide guotes unde ēren,sō lāȥet mich kērenze unserm herren Jēsū Krist,des gnāde alsō stæte istdaȥ sī niemer zergāt,810unde ouch zuo mir armen hātalsō grōȥe minneals zeiner küniginne.ich sol von mīnen schuldenūȥ iuwern hulden815niemer komen, wil eȥ got.eȥ ist gewisse sīn gebotdaȥ ich iu sī undertān,wan ich den līp von iu hān:daȥ leist ich āne riuwe.820ouch sol ich māne triuwean mir selber niht brechen.ich hōrte ie daȥ sprechen,swer den andern fröuwet sōdaȥ er selbe wirt unfrō,825und swer den andern krœnetund sich selben hœnet,der triuwen sī ze vil.wie gerne ich iu des volgen wildaȥ ich iu triuwe leiste,830mir selber doch die meiste.welt ir mir wenden mīn heil,sō lāȥ ich iuch ein teilē nāch mir geweinen,ich enwelle mir erscheinen835wes ich mir selber schuldic bin.ich wil iemer dā hinda ich volle fröude vinde.ir hānt doch mē kinde:diu lānt iuwer fröude sīn840und getrœstent ir iuch mīn.wan mir mac daȥ nieman erwern,zwāre, ich enwelle ernernmīnen herren unde mich.muoter, jā hōrte ich dich845klagen unde sprechen ē,eȥ tætedīmeherzen wē,soltest dū ob mīme grabe stān.des wirst du harte wol erlān:dū stāst ob mīme grabe niht.850wan dā der tōt geschiht,daȥ enlāt dich niemen sehen:eȥ sol ze Sālerne geschehen.adā sol uns viere der tōtblœsẹen von aller slahte nōt.des tōdes des genese wir,und ich doch verre baȥ dan ir.’855Dō sī daȥ kint dō sāhenze dem tōde sō gāhen,und eȥ sō wīslīchen sprachunde menschlich reht zerbrach,si begunden ahten under in860daȥ die wīsheit und den sinniemer erzeigen kundedehein zunge in kindes munde.sī jāhen daȥ der heiliggeistder rede wære ir volleist,865der ouch sante Niklauses pflacdō er in der wagen lacund in die wīsheit lērtedaȥ er ze gote kērtesīne kintlīche güete:870und bedāhtẹn sich in ir gemüetedaȥ sī niht enwoldensī wenden noch ensoldendes sī sich hete an genomen:der willẹ sī ir von gote komen.875von jāmẹr erkalte in der līp,dō der meiger und sīn wīpan dem bette sāȥenund vil gar vergāȥendurch des kindes minne880der zungen und der sinnesā ze der selben stunde.ir enwederȥ enkundeeinic wort gesprechen.daȥ gegihtẹ begunde brechen885die muoter von leide.sus gesāȥen sī beideriuwic unde unfrōunz sī sich bedāhten dōwaȥ in ir trūren töhte:890sō man ir doch niht enmöhtebenemen ir willen unde ir muot,sō enwære in niht alsō guotsō daȥ sī irs wol gunden,wan sī doch niht enkunden895ir niemer werden āne baȥ;enpfiengen sī der rede haȥ,eȥ möhte in umbe ir herrenvil harte wol gewerren,und verviengen anders niht dā mite.900mit vil willeclīchem sitesprāchen sī beide dōdaȥ sī der rede wæren frō.Des fröute sich diu reine maget.dō eȥ vil kūme was getaget905dō gie sī dā ir herre slief.sīn trūtgemahele ime rief,sī sprach ‘herre, slāfent ir?’‘nein ich, gemahele, sage mir,wie bistū hiute alsō fruo?’910‘herrẹ, dā twinget mich derzuoder jāmer iuwerr siecheit.’er sprach ‘gemahelẹ, daȥ ist dir leit:daȥ erzeigest du an mir wol,als eȥ dir got vergelten sol.915nune mag es dehein rāt sīn.’‘entriuwen, lieber herre mīn,iuwer wirt vil guot rāt.sīt eȥ alsus umbe iuch stātdaȥ man iu gehelfen mac,920ichn gesūme iuch niemer tac.herre, ir hānt uns doch gesaget,ob ir hetent eine magetdiu gernẹ den tōt durch iuch lite,dā soltent ir genesen mite.925diu wil ich weiȥgot selbe sīn:iuwer leben ist nützer dan daȥ mīn.’Dō gnādẹte ir der herredes willen harte verre.und ervollẹten im diu ougen930von jāmer alsō tougen.er sprach ‘gemahelẹ, ja ist der tōtiedoch niht ein senftiu nōt,als dū dir līhte hāst gedāht.du hāst mich des wol innen brāht,935möhtestū, dū hülfest mir.des genüegẹt mich wol von dir.ich erkenne dīnen süeȥen muot:dīn wille ist reine unde guot.ichn sol ouch niht mē von dir gern.940dū maht mich des niht wol gewerndaȥ dū dā gesprochen hāst.die triuwe die du an mir begāst,die sol dir vergelten got.ditz wærẹ der lantliute spot,945swaȥ ich mich für dise stundearzenīen underwunde,und mich doch niht verviengewan als eȥ doch ergienge.gemahele, dū tuost als diu kint950diu dā gæhes muotes sint:swaȥ den kumet in den muot,eȥ sī übel oder guot,dar zuo ist in allen gāch,und geriuwẹt sī sēre dar nāch.955gemahele, alsō tuost ouch dū.der rede ist dir ze muote nū:derd evon dir nemen wolte,sō manȥ danne enden solte,so geriuweȥ dich vil līhte doch.’960und daȥ sī sich ein teil nochbaȥ bedæhte des bat er.er sprach ‘dīn muoter und dīn vaterdie enmugen dīn niht wol enbern.ich sol ouch niht ir leides gern965die mir ie gnāde tāten.swaȥ sī dir beide rāten,liebẹ gemahele, daȥ tuo.’hie mite lachete er dar zuo,wan er lützel sich versach970daȥ doch sider dō geschach.Sus sprach er zuo der guoter.der vater und diu muotersprāchen ‘lieber herre,ir hānt uns vil verre975geliebet und geēret:daȥ enwærẹ niht wol bekēret,wir engültenȥ iu mit guote.unser tohter ist ze muotedaȥ sī den tōt durch iuch dol:980des gunne wir ir harte wol.eȥ ist hiutẹ der dritte tacdaȥ sī uns alleȥ ane lacdaȥ wir ir sīn gunden:nū hāt sīȥ an uns funden.985nū lāȥe iuch got mit ir genesen:wir wellen ir durch iuch entwesen.’Do im sīn gemahele dō bōtfür sīnen siechtuom ir tōtund man ir ernest ersach,990dō wart dō michel ungemachund jæmerlīch gebærde.manc mislīchiu beswærdehuop sich dō under in,zwischẹn dem herren unde in drin.995ir vater unde ir muoter dieerhuoben michel weinen hie:des weinens tet in michel nōtumb ir vil lieben kindes tōt.nū begunde ouch der herre1000gedenken alsō verrean des kindes triuwe,und begreif in ein riuwe,daȥ er sēre weinen began,und zwīvelte vaste dran1005weder eȥ beȥȥer getānmöhte sīn oder verlān.von vorhten weinte ouch diu maget:sī wānde er wære dran verzaget.sus wārens alle unfrō.1010sī gerten keines dankes dō.Ze jungest dō bedāhte sichir herrẹ, der arme Heinrich,und begunde sagen ingrōȥe gnāde allen drin1015der triuwen und des guotes(diu maget wart rīches muotesdaȥ ers gevolgẹte gerne),und bereitẹ sich ze Sālernesō er schiereste mohte.1020swaȥ ouch der megede tohte,daȥ wart vil schiere bereit:schœniu pfert und rīchiu kleit,diu sī getruoc nie vor der zīt:hermin unde samīt,1025den besten zobel den man vant,daȥ was der megede gewarit.Nū wer möhte volgesagendie herzeriuwe und daȥ klagen,der muoter grimmigeȥ leit1030und ouch des vater arbeit?eȥ wærẹ wol undẹr in beidenein jæmerliīcheȥ scheiden,dō sī ir liebeȥ kint von ingefrumten sō gesundeȥ hin1035niemer mē ze sehenne in den tōt,wan daȥ in senftet ir nōtdiu reine gotes güete,von der doch daȥ gemüeteouch dem jungen kinde quam1040daȥ eȥ den tōt gerne nam.eȥ was āne ir rāt kōmen:dā von wart von ir herzẹn genomenalliu klage und swære,wan eȥ anders wunder wære1045daȥ in ir herze niht zerbrach.ze liebe wart ir ungemach,daȥ sī dar nāch deheine nōtliten umbe ir kindes tōt.IVWALTHER VON DER VOGELWEIDE.The exact dates of his birth and death are unknown. His chief poems were written between the years 1187 and 1230.The best edition of his works is: Walther von der Vogelweide, herausgegeben und erklärt von W. Wilmanns, Halle, 1883 (2nd edit.).
Line numbers have been removed from the prose passages. In the verse passages, some unstressed e’s, and a few i’s, were printed with an under-dot: ẹ ị. This usage is not explained. Some under-dots may be flyspecks, and a few umlauts were uncertain.
His name was properly Berthold Lech. He was the most celebrated preacher of the thirteenth century. He died in Regensburg in 1272. The following extract is from a sermon on Matt. v. 8.
‘Sælic sint die armen: wan daȥ himelrīch ist ir,’ etc. Mit disen aht tugenden sint alle die ze himelrīche komen, die dā sint, und mit den selben aht tugenden müeȥent noch alle die dar komen, die iemer mēr dar komen süln. Nū wil ich die siben under wegen lān und wil niuwen von ir einer sagen, wan alse vil guoter dinge an ir ieglīcher ist; und von ir ieglīcher wære gar vil und gar lanc sunderlīchen ze sagenne; und wie manigiu untugent uns an disen ahte tugenden irret, daȥ würde eht von ieglīcher gar lanc ze sagenne. Wan man eȥ alleȥ in einer predigen niht verenden mac, noch in vieren, noch in zehenen, sō wil ich iu hiute niuwen sagen von den, die ein reine herze habent, und von den man hiute dā liset in dem heiligen ewangelio ‘sælic sint, die reines herzen sint: diewerdent got sehende.’A Die sint wol von rehte sælic, die dā got sehent. Ein übergülde ist eȥ aller der sælikeit, diu ie wart oder iemer mēr eht werden mac, swer got ansehende eht wirt, alsō süeȥe und alsō wünneclich ist diu gesiht, die man an got siht. Sō wart nie deheiner muoter ir kint nie sō liep, ān unser frouwen, und solte si eȥ drīe tage ane sehen ān underlāȥ,daȥ si anders niht enpflæge, wan eht si ir liebeȥ kint solte an sehen: si æȥe an dem vierden tage vil gerner ein stücke brōtes. Und wolte ich vil gerner, daȥich alsō ein guot mensche wære, als daȥ wār ist, daȥ ich iezuo reden wil. Ob daȥ alsō wære, daȥ man zuo einem menschen spræche, der iezuo bī gote ist, ‘du hāst zehen kint ūf ertrīche, und du solt in koufen allen samt, daȥ sie ēre und guot haben unz an ir tōt, dā mit, daȥ du einigen ougenblic von gotes angesiht tuost, niuwen als lange als einȥ sīn hant möht umbe kēren, und sich danne wider zuo gote, und du solt dīn ougen niemer mēr von im kēren’: der mensche entæte sīn niht. Alse wār, herre, dīn wārheit ist, alse wār ist disiu rede, daȥ er disiu zehen kint unze an ir tōt ē nāch dem almuosen lieȥe gēn, ē danne er sich die kleine wīle von gote wolte wenden. In habent die engel wol sehzic hundert jār an gesehen, und sehent in hiute als gerne als des ērsten tages. Und sie sint ouch alle samt sam des ērsten tages, dō sie got an sehende wurden. Dō wart ir deheiner sīt nie eltlīcher danne des ērsten tages, und sint doch sider wol sehzic hundert jār alt. Swelher hundert jār alt würde under uns, der wære den liuten alse smæhe an ze sehenne von ungestaltheit und von dem gebresten, den daȥ alter an im hæte gemaht: sō mālet man die engele—dā sehet ir wol, swā man sie mālt, daȥ man sie eht anders niht enmālt wan als ein kint von fünf jāren, als junclich, oder von sehsen. Wan alle, die got sehent, die werdent niemer eltlīcher, die in in himelrīche sehent in sīnen freuden und in sīnen ēren. Ūf ertrīche sehen wir in alle tage in sīnem gewalte. Dehein irdenischer muot noch irdenisch līp möhte daȥ niht erlīden, daȥ in dehein irdenisch ouge iemer an gesehen möhte in sīnen freuden und in sīnen ēren, als er ze himelrīche ist. Wir sagen iu ettewenne ein glīchnisse, wie schœne got sī. Seht, alleȥ daȥ wir iemer gesagen künnen oder mügen, daȥ ist rehte dem glīche, als obe ein kint uns solte sagen, ob eȥ müglich wære, von aller der wirde und von aller der gezierde, die diu werlt hāt, von der liehten sunnen, von den liehten sternen, von edelre gesteine craft und von ir maniger slahte varwe, von der edelen würze craft und von dem edelen gesmacke, und von der rīchen gezierde, die man ūȥer sīden und ūȥer golde machet in dirre werlte, und von maniger handesüeȥen stimme, die diu werlt hāt, von vögelīn sange und von seitenspil, und von maniger hande bluomen varwe, und von aller der gezierde, die disiu werlt hāt. Alse unmügelich unde alse unkuntlīchen eime kinde dā von ze redenne ist, als unkunt ist ouch uns dā von ze redenne, von der unsegelīchen wünne, diu dā ze himel ist, und von dem wünneclīchen antlütze des lebendigen gotes. Wan alliu diu freude, diu dā ze himele ist, der ist niht wan von dem schīne, der von unsers herren antlütze gēt. Und rehte als alle sternen ir lieht von der sunnen nement, alsō habent alle heiligen ir gezierde und ir schōnheit von gote, und engele und alleȥ himelische her. Reht als alle die sternen des himeles, der māne und die planēten, grōȥ und kleine, die habent alle samt ir lieht von der sunnen, diu uns dā liuhtet: und alsō hāt alleȥ himelischeȥ her, engel und heiligen, die hœhsten und die minnesten, die habent alle samt ir freude und ir wünne und ir gezierde und dieēreund die wirde und ouch die schœnde, daȥ habent sie alle samt von der angesihte gotes, daȥ sie got an sehent. Die engele, die dā unser hüetent, die sehent in ze aller zīt an, als ob sie bī im wæren. Wan alliu diu freude, diu in himelrīche ist, diu diuhte sie ze nihte, solten sie got niht an sehen. Und dā von ‘sælic sint, die reines herzen sint; wan sie werdent got sehende.’ Nu sehent, wie sælic die sint, die dā reineȥ herze tragent. Ir, junge werlt, die noch unbewollen sint mit sünden, behaltent iuwer herze vor allen tœtlīchen sünden, sō werdent ir got sehende in solīchen freuden und in sō grōȥen ēren, die ouge nie gesach oder ōre nie gehōrte, alse sant Paulus dā sprichet; und alse sant Johannes sprichet: ‘wær eȥ mügelich, daȥ man eȥ alleȥ samt geschrīben möhte, sō möhte diu werlt diu buoch in ir niht behalten, dā eȥ an gestüende, daȥ ich gesach. Und alleȥ, daȥ ich gesach, daȥ was niht wan got alleine.’ Und dar umbe möhten wir doch gerne ze dem himelrīche komen und drumbe arbeiten. Ob uns niht diu minne und diu liebe dar twünge, der wir gote schuldic sīn, seht, sō möhten wir dar umbe dar komen, durch daȥ wunder, daȥ dā ist. Eȥ ist maniger vor mir: der imvon sō getāner freudeseite, daȥ si jenhalp meres wære, er füere gar gerinclīchendar von hinnen über mer, niuwen daȥ erȥ gesæhe. Sō möhtent ir hundertstunt gerner dar umb arbeiten, daȥ irȥ iemer mēre ēwiclīchen nieȥen soltet. Die vil wünneclīchen angesiht des almehtigen gotes und der himelischen küniginne ze der zeswen sīner sīten in guldīner wæte, die möhtet ir gerne an sehen. Wan würde iu einiger anblic, sō wære in alliu diu freude und diu ēre und aller der wollust, den diu werlt ie gewan, daȥ wær iu hinne für als widerzæme und ouch alse unmære, reht als sant Paulus dā sprach. Nu hœret wie er sprach; er sprach: ‘alliu diu ēre und diu freude und daȥ gemach, diu disiu werlt ie gewan von keisern und von künigen, wider der freude, diu in himelrīch ist; als widerzæme einem wære ein diep an einem galgen, als kurz einem diu wīle dā mite wære, daȥ er einen erhangen man triuten solte, wider aller der freude, die diu werlt hāt: alse widerzæme ist mir diu freude aller der werlte wider der ēwigen freude.’ Ei wol iuch wart, daȥ iuch iuwer muoter ie getruoc, die sō getāne freude süln besitzen. Der ist, ob got wil, vil maniger vor mīnen ougen. Ouch ist maniger, der vil kleine freude dar für nimt hie ūf ertrīche, und daȥ dem guoten sante Paulen gar versmāhte, des wirt im der tūsentste teil niht. Und die habent übel kouft, die sō übergrōȥe freude gebent umb ein sō kurzeȥ freudelīn in dirre werlte. Die habent übel gevarn; wan sie habent weder hie noch dort niht. Als ich iezuo sprach, rehte in glīcher wīse, rehte alse alle sternen des himeles ir lieht von der sunnen habent, alsō hāt alleȥ himelisch her ir lieht von dem wāren sunnen, sīt danne unser herre der wāre sunne und daȥ wāre lieht ist, alse der guote sant Johannes dā sprichet. Der hei et in daȥ wāre lieht; als ouch daȥ vil wār ist: wan er ist daȥ wāre lieht, daȥ niemer mēr verlischet. Und alle, die von sīme gotvarwen liehte enzündet werdent, die erleschent ouch niemer mēre von der schōnheit, die sie von dem wāren sunnen hānt. Und als vil diu sunne liehter und gelpfer ist, danne wir dā sehen, rehte als vil diu liehtes und glastes über alle sterne hāt, die an dem himel stēnt: als vil hāt der wāre sunne in himelrīche schīnes und glastes mēr über alle engele und ist geschœnetund gewirdet an allen ēren, alse billich ist. Und dā von sint sie sælic, die ein reineȥ herze habent; wan si werdent got sehende.
This work was compiled by David von Augsburg, about 1280A.D.
Hie hebet sich an daȥ Lantrehtbuoch.
Herre got, himelischer vater, durch dīne milte güete geschüefe du den menschen in drīvaltiger werdikeit. Diu ērste, daȥ er nāch dir gebildet ist. Daȥ ist ouch ein alsō hōhiu werdikeit, der dir alleȥ menschlich künne sunderlīchen immer danken sol. Wan des haben wir gar michel reht, vil lieber herre, himelischer vater, sīt du uns zuo dīner hōhen gotheit alsō werdiclīchen geedelt hāst. Diu ander werdikeit, dā du, herre got, almähtic schepfer, den menschen zuo geschaffen hāst, daȥ ist diu, daȥ du alle dise werelt, die sunnen unde den mānen, die sterne unde diu vier element, viur, waȥȥer, luft unde die erden, die vogel in den lüften, die vische in dem wāge, diu tier in dem walde, die würme in der erden, golt unde edel gesteine, der edeln würze süeȥen smac, der bluomen liehte varwe, der boume fruht unde ēt alle crēatūre: daȥ hāst du, herre, alleȥ dem menschen ze nutze unde ze dienste geschaffen durch die triuwe unde durch die minne, die du ze dem menschen hetest. Diu dritte werdikeit, dā du, herre, den menschen mit gewirdet unde geedelt hāst, daȥ ist diu, daȥ der mensche die wirde unde die ēre, die vreude unde die wünne immer mit dir ēwiclīchen nieȥen sol. Der werelde dienst unde nuz hāst du, herre, dem menschen umbe sust gegeben ze einer manunge unde ze einem vorbilde. Sīt des sō vil ist, des du, herre, dem menschen umbe sust gegeben hāst, dā bī sol der mensche nu trahten, sōmegedes wol gar übermæȥiclīchen vil sīn, des du dem menschen umbe sīnendienst geben wilt. Unde dar umbe sol ein iegelīch mensche got dienen mit ganzen triuwen; wan der lōn ist alsō übermæȥiclīchen grōȥ, daȥ in herzen sin nie betrahten möhte noch menschen zunge nie gesprechen möhte, noch ougen sehen künde in nie beliuhten, noch ōre nie gehœren. Daȥ wir nu got der hōhen werdikeit gedanken unde den grōȥen lōn verdienen, des helfe uns der almähtige got. āmen.
Sīt uns got in sō hōher werdikeit geschaffen hāt, sō wil er ouch, daȥ wir werdeȥ leben haben, unde daȥ wir einander wirde unde ēre erbieten, triuwe unde wārheit, niht haȥ unde nīt einander tragen. Wir sullen mit fride unde mit suone under einander leben. Fridlich leben hāt unser herre got liep. Wan er kom von himelrīche ūf erderīche durch anders niht wan durch den rehten fride, daȥ er uns einen rehten fride schüefe vor der ēwigen marter, ob wir selben wellen. Unde dā von sungen die engel ob der krippen: ‘Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis’—‘Gots ēre in dem himel unde guot fride ūf der erden allen den, die guoten willen habent ūf erderīche!’ Dō unser herre got hie ūf erderīche gie, sō was daȥ ie sīn ellich wort: ‘Pax vobis!’ daȥ sprichet: ‘der fride sī mit iu!’ unde alsō sprach er alle zīt zuo sīnen jungern unde zuo andern liuten. Unde dā bī suln wir merken, wie rehte liep der almehtige got den rehten vride hāt. Wan dō er von erderīche wider ūf zuo himel fuor, dō sprach er aber zuo sīnen jungern: ‘der vride sī mit iu!’ unde enphalh dem guoten Sant Pēter, daȥ er phleger wære über den rehten fride, unde gap im den gewalt, daȥ er den himel ūf slüȥȥe allen den, die den fride hielten, unde swer den fride bræche, daȥ er dem den himel vor beslüȥȥe. Daȥ ist alsō gesprochen: ēt alle, die diu gebot unsers herren zebrechent, die habent ouch den rehten fride gebrochen. Daȥ ist ouch von gote reht, swer diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ man dem den himel vor besliuȥet, sīt uns got nu geholfen hāt, daȥ wir mit rehtem leben unde mit fridlīchem leben daȥ himelrīch verdienen mügen. Wan daȥ was niht vor gotes geburt, swie wol der mensche tæt in aller der werelde, sō mohte er dochze dem himelrīch niht komen. Got geschuof des ērsten himel unde erden, dar nāch den menschen unde sazte in in daȥ paradys. Der zebrach die gehōrsam uns allen ze schaden; dar umbe gienge wir irre sam diu hirtelōsen schāf, daȥ wir in daȥ himelrīch niht mohten, unz an die zīt, daȥ uns got den wec dar wīste mit sīner marter, unde dar umbe solde wir got immer loben unde ēren von allem unserm herzen unde von aller unserre sēle unde von aller unserre maht, daȥ wir nu sō wol ze den ēwigen freuden kæmen, ob wir wolden; daȥ hie vor manigen heiligen patriarken unde prophēten tiure was. Diu genāde unde diu sælikeit ist uns kristen liuten nu widervaren, daȥ wir nu wol daȥ himelrīch mugen verdienen. Unde swer des niht entuot unde diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ richet er billīchen an im.
Von vrīen liuten.
Wir zelen drīer hande vrīen. Der heiȥent einesempervrīen: daȥ sint die vrīen herren, als fürsten unde die ander frīen ze man hānt. Sō heiȥent die andernmitervrīen: daȥ sint die, die der hōhen vrīen man sint. Die driten vrīen daȥ sint die vrīen lantsæȥen, die gebūren, die dā vrī sint. Der hāt ieglīcher sīn sunder reht, als wir her nāch wol bescheiden.
Von tiutscher liute ēren.
Die tiutschen kiesent den künic: daȥ erwarb in der künic Karl. Swenne er gewīhet wirt unt ūf den stuol ze Ache gesetzet wirt mit der willen, die in erwelt hānt, sō hāt er küniclīchen gewalt unde namen.—Den künic kiuset man ze rihter umbe eigen unde umbe lēhen unde über ieglīches menschen līp unde umbe alleȥ, daȥ vür in ze klagen kumet. Der keiser mac in allen landen niht gesīn, unde mac alleȥ ungerihte niht verrihten. Dā von līhet er den fürsten unde andern herren wereltlīch gerihte. An die vierten hant mac dehein gerihte nimmer komen mit rehte, dā man umbe menschenbluot rihten sol ode umbe alle vrevel.
He was born somewhere between 1160-1170, in the neighbourhood of Rottenburg in Swabia, and died about 1220.
The following extract is taken from Paul’s edition: Der Arme Heinrich, Halle, 1882.
Ein ritter sō gelēret wasdaȥ er an den buochen lasswaȥ er dar an geschriben vant.der was Hartman genant,5dienstman was er ze Ouwe.er namimmange schouwean mislīchen buochen:dar an begunde er suochenob er iht des funde10dā mite er swære stundemöhte senfter machen,und von sō gewanten sachendaȥ gotes ēren töhteund dā mite er sich möhte15gelieben den liuten.nu beginnet er in diutenein rede die er geschriben vant.dar umbe hāt er sich genant,daȥ er sīner arbeit20die er dar an hāt geleitiht āne lōn belībe,und swer nāch sīnem lībesī hœre sagen oder lese,daȥ er im bittende wese25der sēle heiles hin ze gote.man seit, er sī sīn selbes boteunde erlœse sich dā mite,swer über des andern schulde bite.Er las ditze mære,30wie ein herre wæreze Swābengeseȥȥen:an dem enwas vergeȥȥendeheiner der tugendedie ein ritter in sīner jugende35ze vollem lobe haben sol.man sprach dō niemen alsō wolin allen den landen.er hete ze sīnen handengeburt und dar zuo rīcheit:40ouch was sīn tugent vil breit.swie ganz sīn habe wære,sīn geburt unwandelbæreund wol den fürsten gelīch,doch was er unnāch alsō rīch45der gebürte und des guotessō der ēren und des muotes.Sīn name der was erkennelich,und hieȥ der herre Heinrich,und was von Ouwe geborn.50sīn herze hāteverswornvalsch und alle törperheit,und behielt ouch vaste den eitstæte unz an sīn ende.ān alle missewende55stuont sī ēre und sīn leben.im was der rehte wunsch gegebenze werltlīchen ēren:die kunde er wol gemērenmit aller hande reiner tugent.60er was ein bluome der jugent,der werlte fröude ein spiegelglas.stæter triuwe ein adamas,ein ganziu krōne der zuht.er was der nōthaften fluht,65ein schilt sīner māge,der milte ein glīchiu wāge:im enwart über noch gebrast.er truoc den arbeitsamen lastder ēren über rücke.70er was des rātes brücke,und sanc vil wol von minnen.alsus kund er gewinnender werlte lop unde prīs.er was hübesch und dar zuo wīs.75Dō der herre Heinrichalsō geniete sichēren unde guotesund frœlīches muotesund werltlīcher wünne80(er was für al sīn künnegeprīset unde geēret),sīn hōher muot wart verkēretin ein leben gar geneiget.an im wart erzeiget,85also ouch an Absolōne,daȥ diu üppige krōnewerltlīcher süeȥevellet under füeȥeab ir besten werdekeit,90als uns diu schrift hāt geseit.eȥ spricht an einer stete dā,‘mēdiā vītāin morte sumus’:daȥ bediutet sich alsus,95daȥ wir in dem tōde swebensō wir aller beste wænen leben.Dirre werlte veste,ir stæte, unde ir besteunde ir grœste magenkraft,100diu stāt āne meisterschaft.des muge wiran der kerzen sehenein wāreȥ bilde geschehen,daȥ sī zeiner aschen wirtenmitten dō sī lieht birt.105wir sīn von brœden sachen.nūsehentwie unser lachenmit weinen erlischet.unser süeȥe ist vermischetmit bitterre gallen.110unser bluome der muoȥ vallenso er allergrüenest wænet sīn.an hern Heinrīche wart wol schīn,der in dem hœhsten werdelebet ūf dirre erde,115derst der versmæhete vor gote.er viel von sīme geboteab sīner besten werdekeitin ein versmæhelīcheȥ leit:in ergreif diu miselsuht.120dō man die swæren gotes zuhtgesach an sīnem lībe,manne unde wībewart er dō widerzæme.nū sehent wie genæme125er ē der werlte wære,und wart nū alse unmæredaȥ in niemen gerne an sach:alse ouch Jōbe geschach,dem edeln und dem rīchen,130der ouch vil jæmerlīchendem miste wart ze teilemitten in sīme heile.Unddō der arme Heinrichalrēst verstuont sich135daȥ er der werlte widerstuont,als alle sīne gelīchen tuont,dō schiet in sīn bitter leitvon Jōbes gedultikeit.wan eȥ leit Jōb der guote140mit gedultigem muote,do eȥ ime ze līdenne geschach,durch der sēle gemach.den siechtuom und die smācheitdie er von der werlte leit,145des lobet er got und fröute sich.dō tet der arme Heinrichleider niender alsō:wan er was trūrec unde unfrō.sīn swebendeȥ herze daȥ verswanc,150sīn swimmendiu fröude ertranc,sīn hōchvart muoste vallen,sīn honic wart ze gallen,ein swinde vinster donreslaczerbrach im sīnen mitten tac,155ein trüebeȥ wolken unde dicbedaht’ im sīner sunnen blic.er sente sich vil sēredaȥ er sō manege ērehinder im müeste lāȥen.160verfluochet und verwāȥenwart vil ofte der tacdā sīn geburt ane lac.Ein wēnic fröuwet er sich dochvoneimetrōste dannoch:165wan im wart dicke geseitdaȥ disiu selbe siecheitwære vil mislichund etelīchiu gnislich.des wart vil maneger slahte170sīn gedinge und sīn ahte.er gedāhte daȥ er wærevil līhte genisbære,und fuor alsō drātenāch der arzāte rāte175gegen Munpasiliere.dā vant er vil schiereniht wan den untrōstdaȥ er niemer würde erlōst.Daȥ hōrte er vil ungerne,180und fuor gegen Sālerneund suochte ouch dā durch genistder wīsen arzāte list.den besten meister er dā vant.der seite ime zehant185ein seltsæne mære,daȥ er genislich wæreund wære doch iemer ungenesen.dō sprach er ‘wie mac daȥ wesen?diu rede ist harte unmügelich.190bin ichgnislich, sō genise ich:und swaȥ mir für wirt geleitvon guote oder von arbeit,daȥ trūwe ich vollebringen.’‘nū lāt daȥ gedingen’195sprach der meister aber dō:‘iuwẹrre sühte ist alsō(waȥ frumet daȥ ichȥ iu kunt tuo?):dā hœret arzenīe zuo:des wæret ir genislīch.200nu enist ab nieman sō rīchnoch von sō starken sinnender sī müge gewinnen.des sint ir iemer ungenesen,got enwellẹ der arzāt wesen.’205Dō sprach der arme Heinrich‘war umbe untrœstent ir mich?jā hān ich guotes wol die kraft:ir enwellent iuwer meisterschaftund iuwer reht ouch brechen210und dar zuo versprechenbeidiu mīn silber und mīn golt,ich mache iuch mir alsō holtdaȥ ir mich harte gerne ernert.’‘mir wærẹ der wille unrewert’215sprach der meister aber dō:‘und wærẹ der arzenīe alsōdaȥ man sī veile fundeoder daȥ man sī kundemit deheinen dingẹn erwerben,220ich enlieȥe iuch niht verderben.nu enmac des leider niht sīn:dā von muoȥ iu diu helfe mīndurch alle nōt sīn versaget.ir müesent haben eine maget225diu vollen ērbæreund ouch des willen wæredaȥ sī den tōt durch iuch lite.nu enist eȥ niht der liute sitedaȥ eȥ iemen gerne tuo.230sō hœrt ouch anders niht dar zuoniwan der megede herzen bluot:daȥ wærẹ für iuwer suht guot.’Nu erkantẹ der arme Heinrichdaȥ daȥ wære unmügelich235daȥ iemen den erwürbeder gerne für in stürbe.alsus was im der trōst benomenūf den er dar was komen,und dar nāchfür die selben frist240hāt er ze sīner genistdehein gedinge mēre.des wart sīn herzesērealsō kreftic unde grōȥdaȥ in des aller meist verdrōȥ,245ob er langer solte leben.nū fuor er heim und begunde gebensīn erbe und ouch sīn varnde guot,als in dō sīn selbes muotund wīser rāt lērte,250da erȥ aller bestẹ bekērte.er begundẹ bescheidenlīchensīn armen friunde rīchenund trōste ouch frömde armen,daȥ sich got erbarmen255geruochte über der sēle heil:gotes hiusern viel daȥ ander teil.alsus sōtet er sich abebescheidenlīchen sīner habeunz an ein geriute:260dar flōch er die liute.disiu jæmerlīchẹ geschihtdiu was sīn eines klage niht:in klageten elliu diu lantdā er inne was erkant,265und ouch von vrömden landendie in nāch sage erkanden.Der ē ditz geriuteund der eȥ dannoch biute,daȥ was ein frīer būman270der vil selten ie gewandehein grōȥ ungemach,daȥ andẹrn gebūren doch geschach,die wirs geherret wāren,und sī die niht verbāren275beidiu mit stiure und mit bete.swaȥ dirrẹ gebūre gerne tete,des dūhte sīnen herren gnuoc:dar zuo er in übertruocdaȥ er dehein arbeit280von frömdem gewalte leit.des was deheiner sīn gelīchin dem lande alsō rīch.zuo deme zōch sichsīn herrẹ, der arme Heinrich.285swaȥ er in het ē gespart,wie wol daȥ nū gedienet wartund wie schōne er sīn genōȥ!wan in vil lützel des verdrōȥswaȥ im geschach durch in.290er hete die triuwe und ouch den sindaȥ er vil willeclīche leitden kumber und die arbeitdiu ime ze līdenne geschach.er schuof ime rīch gemach.295Got hete dem meiger gegebennāch sīner ahte ein reineȥ leben.er hete ein wol erbeiten līpund ein wol werbendeȥ wīp,dar zuo het er schœniu kint,300diu gar des mannes fröude sint,unde hete, sō man saget,undẹr den kinden eine maget,ein kint von ahte jāren:daȥ kunde wol gebāren305sō rehte güetlīchen:sī wolte nie entwīchenvon ir herren einen fuoȥ:umb sīne hulde und sīnen gruoȥsō diente si ime alle wege310mit ir güetlīchen pflege.sī was ouch sō genæmedaȥ sī wol gezæmeze kinde deme rīchean ir wætlīche.315Die andern heten den sindaȥ sī ze rehter māȥe inwol gemīden kunden:sō flōch sī zallen stundenzuo ime und niender anders war.320sī was sīn kurzewīle gar.sī hete gar ir gemüetemit reiner kindes güetean ir herren gewant,daȥ man sī zallen zīten vant325undẹr ir herren fuoȥe.mit süeȥer unmuoȥewonte sī ir herren bī.dar zuo sō liebte er ouch sīswā mite sō er mohte,330und daȥ der meide tohtezuo ir kintlīchen spil,des gab der herre ir vil.ouch half in sēre daȥ diu kintsō līhte ze gewenenne sint.335er gewan ir swaȥ er veile vant,spiegel unde hārbant,gürtel unde vingerlīnund swaȥ kinden liep solte sīn.mit dienste brāhte er s’ ūf die vart340daȥ sī im alsō heimlich wartdaȥ er sī sīn gemahele hieȥ.diu guote maget in lieȥbelīben selten eine:er dūhte sī vil reine.345swie starke ir daȥ gerietediu kindische miete,iedoch geliebte irȥ aller meistvon gotes gebe ein süeȥer geist.Ir dienst war sō güetlich.350dō dō der arme Heinrichdriu jār dāgetwelteunde im got gequeltemit grōȥem jāmer den līp,nū saȥ der meier und sīn wīp355unde ir tohter, diu magetvon der ich iu ē hān gesaget,bī im in ir unmüeȥekeitund begunden klagen ir herren leit.diu klage tet in michel nōt:360wan sī vorhten daȥ sīn totsī sēre solte letzenund vil gar entsetzenēren unde guotesund daȥ herters muotes365würde ein ander herre.si gedāhten alsō verreunz dirre selbe būmanalsus frāgen began.Er sprach ‘lieber herre mīn,370möht eȥ mit iuwern hulden sīn,ich frāgte vil gerne,sō vil ze Sālernevon arzenīen meister ist,wie kumet daȥ ir deheines list375ze iuwerme ungesundeniht gerātenkunde?herre, des wundert mich.’dō holtẹ der arme Heinrichtiefen sūft von herzen380mit bitterlīchem smerzen:mit solher riuwe er dō sprachdaȥ ime der sūft daȥ wort zerbrach.‘Ich hān disen schemelīchen spotvil wol gedienet umbe got.385wan dū sæhe wol hie vordaȥ hōh offen stuont mīn tornāch werltlīcher wünneund daȥ niemen in sīnem künnesīnen willen baȥ hete dan ich:390und was daȥ doch unmügelich,wan ich enhete niht gar.dō nam ich sīn vil kleine warder mir daȥ selbe wunschlebenvon sīnen gnāden hete gegeben.395daȥ herze mir dō alsō stuontals alle werlttōren tuont,den daȥ saget ir muotdaȥ sī ēre unde guotāne got mügen hān.400sus troug ouch mich mīn tumber wān,wan ich in lützel ane sachvon des genāden mir geschachvil ēren unde guotes.dō dō des hōhen muotes405den hōhen portenærẹ bedrōȥ,die sælden porte er mir beslōȥ.dane kum ich leider niemer in:daȥ verworhte mir mīn tumber sin.got hāt durch rāche an mich geleit410ein sus gewante siecheitdie niemen mag erlœsen,nū versmæhent mich die bœsen,die biderben ruochent mīn niht.swie bœse er ist der mich gesiht,415des boeser muoȥ ich dannoch sīn.sīn unwert tuot er mir schīn:erwirfẹtdiu ougen abe mir.nū schīnet ērste an dirdīn triuwe die dū hāst,420daȥ dū mich siechen bī dir lāstund von mir niht enfliuhest.swie dū mich niht enschiuhest,swie ich niemen liep sī danne dir,swie vil dīns heiles stē an mir,425du vertrüegest doch wol mīnen tōt.nū wes unwert und wes nōtwart ie zer werlte merre?hie vor was ich dīn herreund bin dīn dürftige nū.430mīn lieber friunt, nu koufest dūund mīn gemahele und dīn wīpan mir den ēwigen līpdaȥ dū mich siechen bī dir lāst.des dū mich gefrāget hāst,435daȥ sage ich dir vil gerne.ichn kunde ze Sālerneeinen meister niender vindender sich mīn underwindengetörste oder wolte.440wan dā mite ich soltemīner sühte genesen,daȥ müeste ein solhiu sache wesendie in der werlte niemanmit nihte gewinnen kan.445mir wart niht anders dā gesagetwan ich müeste haben eine magetdiu vollen manbæreund ouch des willen wæredaȥ sī den tōt durch mich lite450und man sī zuo dem herzen snite,und mir wærẹ niht anders guotwan von ir herzen daȥ bluot.nū ist genuoc unmügelichdaȥ ir deheiniu durch mich455gerne līde den tōt.des muoȥ, ich schemelīche nōttragen unz an mīn ende.daȥ mirȥ got schiere sende!’Daȥ er dem vater hete gesagt,460daȥ erhōrte ouch diu reine magt:wan eȥ hete diu vil süeȥeir lieben herren füeȥestānde in ir schōȥen,man möhte wol genōȥen465ir kintlīch gemüetehin ze der engel güete.sīner rede nam sī warunde marhte sī ouch gar:sī enkam von ir herzen nie470unz man des nahtes slāfen gie.dō sī zir vater füeȥen lacund ouch ir muoter, sō sī pflac,und sī beide entsliefen,manegen sūft tiefen475holte sī von herzen.umbe ir herren smerzenwart ir riuwe alsō grōȥdaȥ ir ougen regen begōȥder slāfenden füeȥe,480sus erwahte sī diu süeȥe.Dō sī der trehene enpfunden,si erwachten und begundensī frāgen waȥ ir wæreund welher hande swære485sī alsō stille möhte klagen.nu enwolte sīesin niht sagen,wan daȥ ir vater aber tetevil manege drō unde betedaȥ sī eȥ ime wolte sagen.490sī sprach ‘ir möhtent mit mir klagen.waȥ möhte uns mē gewerrendanne umb unsern herren,daȥ wir den suln verliesenund mit ime verkiesen495beide guot und ēre?wir gewinnen niemer mēredeheinen herren alsō guotder uns tuo daȥ er uns tuot.’Sī sprāchen ‘tohter, dū hāst wār.500nū frumet uns leider niht ein hārunser riuwe und dīn klage:liebeȥ kint, dā von gedage.eȥ ist uns alsō leit sō dir.leider nū enmuge wir505ime ze keinen staten komen.got der hāt in uns benomen:het eȥ iemen anders getān,der müese unsern fluoch hān.’Alsus gesweigẹten sī sī dō.510die naht beleip sī unfrōund morne allen den tac.swes iemen anders pflac,diz enkam von ir herzen nieunz man des andern nahtes gie515slāfen nāch gewonheit.dō sī sich hete geleitan ir alte bettestat,sī bereite aber ein batmit weinenden ougen:520wan sī truoc tougennāhe in ir gemüetedie aller meisten güetedie ich von kinde ie vernam.welch kint getete ouch ie alsam?525des einen sī sich gar verwac,gelebetẹ sī morne den tac,daȥ sī benamen ir lebenumbe ir herren wolte geben.Von dem gedanke wart sī dō530vil ringes muotes unde frō,und hete deheine sorge mē,wan ein vorhtẹ diu tete ir wē,sō sīȥ ir herren sagte,daȥ er dar an verzagte,535und swenne sīȥ in allen dringetæte kunt, daȥ sī an inder gehenge niht enfundedaȥ mans ir iht gunde.Des wart sō grōȥ ir ungehabe540daȥ ir muoter dar abeunde ir vater wart erwahtals ouch an der vordern naht.sī rihten sich ūf zuo irund sprāchen ‘sich, waȥ wirret dir?545dū bist vil alwæredaȥ du dich sō manege swærevon solher klage hāst an genomender niemen mac zeim ende komen.war umbẹ lāstu uns niht slāfen?’550sus begunden sī sī strāfen.waȥ ir diu klage töhte,die niemen doch enmöhteverenden noch gebüeȥen?sus wānden sī die süeȥen555gesweigen an der selben stunt:dō was ir wille in vil unkunt.Sus antwurte in diu maget.‘als uns mīn herre hāt gesaget,sō mac man in vil wol ernern.560zewāre, ir welt mirȥ danne wern,sō bin ich ze der arzenīe guot.ich bin ein maget und hān den muot,ē ich in sihe verderben,ich wil ē für in sterben.’565Von dirre rede wurden dōtrūric unde unfrōbeide muoter unde vater.sīne tohter die bat erdaȥ sī die rede lieȥe570und ir herren gehieȥedaȥ sī geleisten möhte,wand ir diz niht entöhte.Er sprach ‘tohter, du bist ein kintund dīne triuwe die sint575ze grōȥ an disen dingen.du enmaht es niht für bringenals dū uns hie hāst verjehen.dū hāst des tōdes niht gesehen.swenn eȥ dir kumet ūf die frist580daȥ des dehein rāt ist,dū enmüeȥest sterben,und möhtest dūȥ erwerben,dū lebetest gerner dannoch:wan dun kæme nie in leider loch.585dā von tuo zuo dīnen munt:und wirstū für dise stuntder rede iemer mēre lūt,eȥ gāt dir ūf dīne hūt.’Alsus sō wānde er sī dō590bēdiu mit bete und mit drōgesweigen: dōenmohter.sus antwurt ime sīn tohter.‘Vater mīn, swie tump ich sī,mir wonet iedoch diu witze bī595daȥ ich von sage wol die nōterkenne daȥ des lībes tōtist starc unde strenge.swer ouch dannẹ die lengemit arbeiten leben sol,600dem ist iedoch niht ze wol.wan swenne er hie geringetund ūf sīn alter bringetden līp mit michelre nōt,sō muoȥ er līden doch den tōt.605ist ime diu sēle dannẹ verlorn,sō wære er beȥȥer ungeborn.eȥ ist mir komen ūf daȥ zil,des ich got iemer loben wil,daȥ ich den jungen līp mac geben610umbẹ daȥ ēwige leben.nū sult ir mirȥ niht leiden.ich wil mir unde iu beidenvil harte wol mite varn.ich mag iuch eine wol bewarn615vor schaden und vor leide,als ich iu nū bescheide.ir hānt ēre unde guot:daȥ meinet mīnes herren muot;wan er iu leit nie gesprach620und ouch daȥ guot nie abe gebrach.die wīle daȥer leben solsō stēt iuwer sache wol:und lāȥe wir den sterben,sō müeȥen wir verderben.625den wil ich uns fristenmit alsō schœnen listendā mite wir alle sīn genesen.nū gunnet mirs, wan eȥ muoȥ wesen.’Diu muoter weinende sprach,630dō sī der tohter ernst ersach,‘gedenke, tohter, liebeȥ kint,wie grōȥ die arbeite sintdie ich durch dich erliten hān,und lā mich beȥȥern lōn enpfān635dan ich dich hœre sprechen.dū wilt mīn herze brechen.senfte mir der rede ein teil.jā wiltū alleȥ dīn heilan uns verwürken wider got.640wangedenkest dū an sīn gebot?jā gebōt er unde bat erdaȥ man muoter unde vaterminne und ēre biete,und geheiȥet daȥ ze miete645daȥ der sēle rāt werdeund lanclīp ūf der erde.dū gihst, dū wellest dīn lebenumb unser beider fröude geben:dū wilt uns beiden650daȥ leben vaste leiden.daȥ dīn vater unde ichgerne leben, daȥ ist durch dich.awaȥ solte uns līp unde guot,bwaȥ solte uns werltlich muot,cswenne wir dīn enbæren?ddune. . . . . .jā soltū, liebiu tohter mīn,unser beider fröude sīn,655gar unsers lībes wünne,ein bluome in dīme künne,unsers alters ein stap.und lāstū uns über dīn grapgestēn von dīnen schulden,660dū muost von gotes huldeniemer sīn gescheiden:daȥ koufest an uns beiden.’a‘wiltu uns tohter wesen guot,bsō soltū rede und den muotcdurch unsers herren hulde lān,ddie ich von dir vernomen hān.’Si sprach ‘muoter, ich getrūwe dirund mīnem vater her ze mir665aller der genāden wolder vater unde muoter solleisten ir kinde,als ich eȥ wol bevindean iu allertegelich.670von iuwern gnāden hān ichdie sēle und einen schœnen līp.mich lobet man unde wīp,und alle die mich sehende sint,ich sī daȥ schœneste kint675daȥ sī zir lebene haben gesehen.wem soll ich der genāden jehenniuwan iu zwein nāch gote?des sol ich ze iuwerm geboteiemer vil gerne stān:680wie michel reht ich des hān!muoter, sæligeȥ wīp,sīt ich nū sēle unde līpvon iuwern genāden hān,sō lāntȥ an iuwern hulden stān685daȥ ich ouch die beidevon dem tiuvel scheideund mich gote müeȥe geben.jā ist dirre werlte lebenniuwan der sēle verlust.690ouch hāt mich werltlīch gelustunz her noch niht berüeret,der hin zer helle füeret.nū wil ich gote genāde sagendaȥ er in mīnen jungen tagen695mir die sinne hāt gegebendaȥ ich ūf diz brœde lebenahte harte kleine.ich wil mich alsus reineantwürtẹn in gotes gewalt.700ich fürhte, solt ich werden alt,daȥ mich der werlte süeȥezuhte under füeȥe,als sī vil manegen hāt gezogenden ouch ir süeȥe hāt betrogen:705sō würde ich līhte gote entsaget.gote müeȥe eȥ sīn geklagetdaȥ ich unz morne leben sol:mir behaget diu werlt niht sō wol.ir meiste liep ist herzeleit710(daȥ sī iu für wār geseit),ir süeȥer lōn ein bitter nōt,ir lancleben ein gæher tōt.wir hān niht gewisses mēwan hiute wol und morne wē715und ie ze jungest der tōt.daȥ ist ein jæmerlīchiu nōt.eȥ enschirmet geburt noch guot,schœne, sterke, hōher muot,eȥ enfrumt tugent noch ēre720für den tōt niht mēredann ungeburt und untugent.unser leben und unser jugentist ein nebel unde ein stoup,unser stæte bibent als ein loup.725er ist ein vil verschaffen gouchder gerne in sich vaȥȥt den rouch,eȥ sī wīp oder man,der diz niht wol bedenken kanund ouch der werlt nāch volgende ist.730wan uns ist über den fūlen mistder pfeller hie gespreitet:swen nū der blic verleitet,der ist zuo der hellẹ gebornunde enhāt niht mē verlorn735wan beidiu sēle unde līp.nu gedenkent, sæligeȥ wīp,müeterlīcher triuweund senftent iuwer riuwedie ir dā habent umbe mich:740so bedenket ouch der vater sich.ich weiȥ wol daȥ er mir heiles gan.er ist ein alsō biderber mandaȥ er erkennet wol daȥ irunlange doch mit mir745iuwer fröude mügent hān,ob ich joch lebende bestān.belībe ich āne man bī iuzwei jār oder driu,sō ist mīn herre līhte tōt,750und kument in sō grōȥe nōtvil līhte von armuotdaȥ ir mir alsolheȥ guotzeinem man niht mugent geben,ich enmüeȥe alse swache leben755daȥ ich iu lieber wære tōt.nuverswīgẹ wiraber der nōt,daȥ uns niht enwerreund uns mīn lieber herrewere und alsō lange lebe760unz daȥ man mich zeim manne gebeder rīche sī unde wert:sō ist geschehen des ir dā gertund wænent mir sī wol geschehen.anders hāt mir mīn muot verjehen.765wirt er mir liep, daȥ ist ein nōt:wirt er mir leit, daȥ ist der tōt.wan sō hān ich iemer leitund bin mit ganzer arbeitgescheiden von gemache770mit maneger hande sachediu den wīben wirretund sī ze fröuden irret.nū setzt mich in den vollen rātder dā niemer zergāt.775mīn gert ein frīer būmandem ich wol mīnes lībes gan.zwāre, dem sult ir mich geben,sō ist geschaffet wol mīn leben.im gēt sīn pfluoc harte wol,780sīn hof ist alles rātes vol,da enstirbet ros noch daȥ rint,da enmüent diu weinenden kint,da enist ze heiȥ noch ze kalt,dā wirt von jāren niemen alt,785der alte wirt junger,da enist frost noch hunger,da enist deheiner slahte leit,da ist ganziu fröude ān arbeit.ze dem wil ich mich ziehen790und solhen bū fliehenden daȥ fiur und der hagel slehtund der wāc abe tweht,mit dem man ringet unde ie ranc.swaȥ man daȥ jār alse lanc795dar ūf gearbeiten mac,daȥ verliuset schiere ein halber tac.den bū den wil ich lāȥen:er sī von mir verwāȥen.ir minnent mich: deist billich.800nū sihe ich gerne daȥ michiuwer minne iht unminne.ob ir iuch rehter sinnean mir verstān kunnentund ob ir mir gunnent805beide guotes unde ēren,sō lāȥet mich kērenze unserm herren Jēsū Krist,des gnāde alsō stæte istdaȥ sī niemer zergāt,810unde ouch zuo mir armen hātalsō grōȥe minneals zeiner küniginne.ich sol von mīnen schuldenūȥ iuwern hulden815niemer komen, wil eȥ got.eȥ ist gewisse sīn gebotdaȥ ich iu sī undertān,wan ich den līp von iu hān:daȥ leist ich āne riuwe.820ouch sol ich māne triuwean mir selber niht brechen.ich hōrte ie daȥ sprechen,swer den andern fröuwet sōdaȥ er selbe wirt unfrō,825und swer den andern krœnetund sich selben hœnet,der triuwen sī ze vil.wie gerne ich iu des volgen wildaȥ ich iu triuwe leiste,830mir selber doch die meiste.welt ir mir wenden mīn heil,sō lāȥ ich iuch ein teilē nāch mir geweinen,ich enwelle mir erscheinen835wes ich mir selber schuldic bin.ich wil iemer dā hinda ich volle fröude vinde.ir hānt doch mē kinde:diu lānt iuwer fröude sīn840und getrœstent ir iuch mīn.wan mir mac daȥ nieman erwern,zwāre, ich enwelle ernernmīnen herren unde mich.muoter, jā hōrte ich dich845klagen unde sprechen ē,eȥ tætedīmeherzen wē,soltest dū ob mīme grabe stān.des wirst du harte wol erlān:dū stāst ob mīme grabe niht.850wan dā der tōt geschiht,daȥ enlāt dich niemen sehen:eȥ sol ze Sālerne geschehen.adā sol uns viere der tōtblœsẹen von aller slahte nōt.des tōdes des genese wir,und ich doch verre baȥ dan ir.’855Dō sī daȥ kint dō sāhenze dem tōde sō gāhen,und eȥ sō wīslīchen sprachunde menschlich reht zerbrach,si begunden ahten under in860daȥ die wīsheit und den sinniemer erzeigen kundedehein zunge in kindes munde.sī jāhen daȥ der heiliggeistder rede wære ir volleist,865der ouch sante Niklauses pflacdō er in der wagen lacund in die wīsheit lērtedaȥ er ze gote kērtesīne kintlīche güete:870und bedāhtẹn sich in ir gemüetedaȥ sī niht enwoldensī wenden noch ensoldendes sī sich hete an genomen:der willẹ sī ir von gote komen.875von jāmẹr erkalte in der līp,dō der meiger und sīn wīpan dem bette sāȥenund vil gar vergāȥendurch des kindes minne880der zungen und der sinnesā ze der selben stunde.ir enwederȥ enkundeeinic wort gesprechen.daȥ gegihtẹ begunde brechen885die muoter von leide.sus gesāȥen sī beideriuwic unde unfrōunz sī sich bedāhten dōwaȥ in ir trūren töhte:890sō man ir doch niht enmöhtebenemen ir willen unde ir muot,sō enwære in niht alsō guotsō daȥ sī irs wol gunden,wan sī doch niht enkunden895ir niemer werden āne baȥ;enpfiengen sī der rede haȥ,eȥ möhte in umbe ir herrenvil harte wol gewerren,und verviengen anders niht dā mite.900mit vil willeclīchem sitesprāchen sī beide dōdaȥ sī der rede wæren frō.Des fröute sich diu reine maget.dō eȥ vil kūme was getaget905dō gie sī dā ir herre slief.sīn trūtgemahele ime rief,sī sprach ‘herre, slāfent ir?’‘nein ich, gemahele, sage mir,wie bistū hiute alsō fruo?’910‘herrẹ, dā twinget mich derzuoder jāmer iuwerr siecheit.’er sprach ‘gemahelẹ, daȥ ist dir leit:daȥ erzeigest du an mir wol,als eȥ dir got vergelten sol.915nune mag es dehein rāt sīn.’‘entriuwen, lieber herre mīn,iuwer wirt vil guot rāt.sīt eȥ alsus umbe iuch stātdaȥ man iu gehelfen mac,920ichn gesūme iuch niemer tac.herre, ir hānt uns doch gesaget,ob ir hetent eine magetdiu gernẹ den tōt durch iuch lite,dā soltent ir genesen mite.925diu wil ich weiȥgot selbe sīn:iuwer leben ist nützer dan daȥ mīn.’Dō gnādẹte ir der herredes willen harte verre.und ervollẹten im diu ougen930von jāmer alsō tougen.er sprach ‘gemahelẹ, ja ist der tōtiedoch niht ein senftiu nōt,als dū dir līhte hāst gedāht.du hāst mich des wol innen brāht,935möhtestū, dū hülfest mir.des genüegẹt mich wol von dir.ich erkenne dīnen süeȥen muot:dīn wille ist reine unde guot.ichn sol ouch niht mē von dir gern.940dū maht mich des niht wol gewerndaȥ dū dā gesprochen hāst.die triuwe die du an mir begāst,die sol dir vergelten got.ditz wærẹ der lantliute spot,945swaȥ ich mich für dise stundearzenīen underwunde,und mich doch niht verviengewan als eȥ doch ergienge.gemahele, dū tuost als diu kint950diu dā gæhes muotes sint:swaȥ den kumet in den muot,eȥ sī übel oder guot,dar zuo ist in allen gāch,und geriuwẹt sī sēre dar nāch.955gemahele, alsō tuost ouch dū.der rede ist dir ze muote nū:derd evon dir nemen wolte,sō manȥ danne enden solte,so geriuweȥ dich vil līhte doch.’960und daȥ sī sich ein teil nochbaȥ bedæhte des bat er.er sprach ‘dīn muoter und dīn vaterdie enmugen dīn niht wol enbern.ich sol ouch niht ir leides gern965die mir ie gnāde tāten.swaȥ sī dir beide rāten,liebẹ gemahele, daȥ tuo.’hie mite lachete er dar zuo,wan er lützel sich versach970daȥ doch sider dō geschach.Sus sprach er zuo der guoter.der vater und diu muotersprāchen ‘lieber herre,ir hānt uns vil verre975geliebet und geēret:daȥ enwærẹ niht wol bekēret,wir engültenȥ iu mit guote.unser tohter ist ze muotedaȥ sī den tōt durch iuch dol:980des gunne wir ir harte wol.eȥ ist hiutẹ der dritte tacdaȥ sī uns alleȥ ane lacdaȥ wir ir sīn gunden:nū hāt sīȥ an uns funden.985nū lāȥe iuch got mit ir genesen:wir wellen ir durch iuch entwesen.’Do im sīn gemahele dō bōtfür sīnen siechtuom ir tōtund man ir ernest ersach,990dō wart dō michel ungemachund jæmerlīch gebærde.manc mislīchiu beswærdehuop sich dō under in,zwischẹn dem herren unde in drin.995ir vater unde ir muoter dieerhuoben michel weinen hie:des weinens tet in michel nōtumb ir vil lieben kindes tōt.nū begunde ouch der herre1000gedenken alsō verrean des kindes triuwe,und begreif in ein riuwe,daȥ er sēre weinen began,und zwīvelte vaste dran1005weder eȥ beȥȥer getānmöhte sīn oder verlān.von vorhten weinte ouch diu maget:sī wānde er wære dran verzaget.sus wārens alle unfrō.1010sī gerten keines dankes dō.Ze jungest dō bedāhte sichir herrẹ, der arme Heinrich,und begunde sagen ingrōȥe gnāde allen drin1015der triuwen und des guotes(diu maget wart rīches muotesdaȥ ers gevolgẹte gerne),und bereitẹ sich ze Sālernesō er schiereste mohte.1020swaȥ ouch der megede tohte,daȥ wart vil schiere bereit:schœniu pfert und rīchiu kleit,diu sī getruoc nie vor der zīt:hermin unde samīt,1025den besten zobel den man vant,daȥ was der megede gewarit.Nū wer möhte volgesagendie herzeriuwe und daȥ klagen,der muoter grimmigeȥ leit1030und ouch des vater arbeit?eȥ wærẹ wol undẹr in beidenein jæmerliīcheȥ scheiden,dō sī ir liebeȥ kint von ingefrumten sō gesundeȥ hin1035niemer mē ze sehenne in den tōt,wan daȥ in senftet ir nōtdiu reine gotes güete,von der doch daȥ gemüeteouch dem jungen kinde quam1040daȥ eȥ den tōt gerne nam.eȥ was āne ir rāt kōmen:dā von wart von ir herzẹn genomenalliu klage und swære,wan eȥ anders wunder wære1045daȥ in ir herze niht zerbrach.ze liebe wart ir ungemach,daȥ sī dar nāch deheine nōtliten umbe ir kindes tōt.
Ein ritter sō gelēret was
daȥ er an den buochen las
swaȥ er dar an geschriben vant.
der was Hartman genant,
dienstman was er ze Ouwe.
er namimmange schouwe
an mislīchen buochen:
dar an begunde er suochen
ob er iht des funde
dā mite er swære stunde
möhte senfter machen,
und von sō gewanten sachen
daȥ gotes ēren töhte
und dā mite er sich möhte
gelieben den liuten.
nu beginnet er in diuten
ein rede die er geschriben vant.
dar umbe hāt er sich genant,
daȥ er sīner arbeit
die er dar an hāt geleit
iht āne lōn belībe,
und swer nāch sīnem lībe
sī hœre sagen oder lese,
daȥ er im bittende wese
der sēle heiles hin ze gote.
man seit, er sī sīn selbes bote
unde erlœse sich dā mite,
swer über des andern schulde bite.
Er las ditze mære,
wie ein herre wære
ze Swābengeseȥȥen:
an dem enwas vergeȥȥen
deheiner der tugende
die ein ritter in sīner jugende
ze vollem lobe haben sol.
man sprach dō niemen alsō wol
in allen den landen.
er hete ze sīnen handen
geburt und dar zuo rīcheit:
ouch was sīn tugent vil breit.
swie ganz sīn habe wære,
sīn geburt unwandelbære
und wol den fürsten gelīch,
doch was er unnāch alsō rīch
der gebürte und des guotes
sō der ēren und des muotes.
Sīn name der was erkennelich,
und hieȥ der herre Heinrich,
und was von Ouwe geborn.
sīn herze hāteversworn
valsch und alle törperheit,
und behielt ouch vaste den eit
stæte unz an sīn ende.
ān alle missewende
stuont sī ēre und sīn leben.
im was der rehte wunsch gegeben
ze werltlīchen ēren:
die kunde er wol gemēren
mit aller hande reiner tugent.
er was ein bluome der jugent,
der werlte fröude ein spiegelglas.
stæter triuwe ein adamas,
ein ganziu krōne der zuht.
er was der nōthaften fluht,
ein schilt sīner māge,
der milte ein glīchiu wāge:
im enwart über noch gebrast.
er truoc den arbeitsamen last
der ēren über rücke.
er was des rātes brücke,
und sanc vil wol von minnen.
alsus kund er gewinnen
der werlte lop unde prīs.
er was hübesch und dar zuo wīs.
Dō der herre Heinrich
alsō geniete sich
ēren unde guotes
und frœlīches muotes
und werltlīcher wünne
(er was für al sīn künne
geprīset unde geēret),
sīn hōher muot wart verkēret
in ein leben gar geneiget.
an im wart erzeiget,
also ouch an Absolōne,
daȥ diu üppige krōne
werltlīcher süeȥe
vellet under füeȥe
ab ir besten werdekeit,
als uns diu schrift hāt geseit.
eȥ spricht an einer stete dā,
‘mēdiā vītā
in morte sumus’:
daȥ bediutet sich alsus,
daȥ wir in dem tōde sweben
sō wir aller beste wænen leben.
Dirre werlte veste,
ir stæte, unde ir beste
unde ir grœste magenkraft,
diu stāt āne meisterschaft.
des muge wiran der kerzen sehen
ein wāreȥ bilde geschehen,
daȥ sī zeiner aschen wirt
enmitten dō sī lieht birt.
wir sīn von brœden sachen.
nūsehentwie unser lachen
mit weinen erlischet.
unser süeȥe ist vermischet
mit bitterre gallen.
unser bluome der muoȥ vallen
so er allergrüenest wænet sīn.
an hern Heinrīche wart wol schīn,
der in dem hœhsten werde
lebet ūf dirre erde,
derst der versmæhete vor gote.
er viel von sīme gebote
ab sīner besten werdekeit
in ein versmæhelīcheȥ leit:
in ergreif diu miselsuht.
dō man die swæren gotes zuht
gesach an sīnem lībe,
manne unde wībe
wart er dō widerzæme.
nū sehent wie genæme
er ē der werlte wære,
und wart nū alse unmære
daȥ in niemen gerne an sach:
alse ouch Jōbe geschach,
dem edeln und dem rīchen,
der ouch vil jæmerlīchen
dem miste wart ze teile
mitten in sīme heile.
Unddō der arme Heinrich
alrēst verstuont sich
daȥ er der werlte widerstuont,
als alle sīne gelīchen tuont,
dō schiet in sīn bitter leit
von Jōbes gedultikeit.
wan eȥ leit Jōb der guote
mit gedultigem muote,
do eȥ ime ze līdenne geschach,
durch der sēle gemach.
den siechtuom und die smācheit
die er von der werlte leit,
des lobet er got und fröute sich.
dō tet der arme Heinrich
leider niender alsō:
wan er was trūrec unde unfrō.
sīn swebendeȥ herze daȥ verswanc,
sīn swimmendiu fröude ertranc,
sīn hōchvart muoste vallen,
sīn honic wart ze gallen,
ein swinde vinster donreslac
zerbrach im sīnen mitten tac,
ein trüebeȥ wolken unde dic
bedaht’ im sīner sunnen blic.
er sente sich vil sēre
daȥ er sō manege ēre
hinder im müeste lāȥen.
verfluochet und verwāȥen
wart vil ofte der tac
dā sīn geburt ane lac.
Ein wēnic fröuwet er sich doch
voneimetrōste dannoch:
wan im wart dicke geseit
daȥ disiu selbe siecheit
wære vil mislich
und etelīchiu gnislich.
des wart vil maneger slahte
sīn gedinge und sīn ahte.
er gedāhte daȥ er wære
vil līhte genisbære,
und fuor alsō drāte
nāch der arzāte rāte
gegen Munpasiliere.
dā vant er vil schiere
niht wan den untrōst
daȥ er niemer würde erlōst.
Daȥ hōrte er vil ungerne,
und fuor gegen Sālerne
und suochte ouch dā durch genist
der wīsen arzāte list.
den besten meister er dā vant.
der seite ime zehant
ein seltsæne mære,
daȥ er genislich wære
und wære doch iemer ungenesen.
dō sprach er ‘wie mac daȥ wesen?
diu rede ist harte unmügelich.
bin ichgnislich, sō genise ich:
und swaȥ mir für wirt geleit
von guote oder von arbeit,
daȥ trūwe ich vollebringen.’
‘nū lāt daȥ gedingen’
sprach der meister aber dō:
‘iuwẹrre sühte ist alsō
(waȥ frumet daȥ ichȥ iu kunt tuo?):
dā hœret arzenīe zuo:
des wæret ir genislīch.
nu enist ab nieman sō rīch
noch von sō starken sinnen
der sī müge gewinnen.
des sint ir iemer ungenesen,
got enwellẹ der arzāt wesen.’
Dō sprach der arme Heinrich
‘war umbe untrœstent ir mich?
jā hān ich guotes wol die kraft:
ir enwellent iuwer meisterschaft
und iuwer reht ouch brechen
und dar zuo versprechen
beidiu mīn silber und mīn golt,
ich mache iuch mir alsō holt
daȥ ir mich harte gerne ernert.’
‘mir wærẹ der wille unrewert’
sprach der meister aber dō:
‘und wærẹ der arzenīe alsō
daȥ man sī veile funde
oder daȥ man sī kunde
mit deheinen dingẹn erwerben,
ich enlieȥe iuch niht verderben.
nu enmac des leider niht sīn:
dā von muoȥ iu diu helfe mīn
durch alle nōt sīn versaget.
ir müesent haben eine maget
diu vollen ērbære
und ouch des willen wære
daȥ sī den tōt durch iuch lite.
nu enist eȥ niht der liute site
daȥ eȥ iemen gerne tuo.
sō hœrt ouch anders niht dar zuo
niwan der megede herzen bluot:
daȥ wærẹ für iuwer suht guot.’
Nu erkantẹ der arme Heinrich
daȥ daȥ wære unmügelich
daȥ iemen den erwürbe
der gerne für in stürbe.
alsus was im der trōst benomen
ūf den er dar was komen,
und dar nāchfür die selben frist
hāt er ze sīner genist
dehein gedinge mēre.
des wart sīn herzesēre
alsō kreftic unde grōȥ
daȥ in des aller meist verdrōȥ,
ob er langer solte leben.
nū fuor er heim und begunde geben
sīn erbe und ouch sīn varnde guot,
als in dō sīn selbes muot
und wīser rāt lērte,
da erȥ aller bestẹ bekērte.
er begundẹ bescheidenlīchen
sīn armen friunde rīchen
und trōste ouch frömde armen,
daȥ sich got erbarmen
geruochte über der sēle heil:
gotes hiusern viel daȥ ander teil.
alsus sōtet er sich abe
bescheidenlīchen sīner habe
unz an ein geriute:
dar flōch er die liute.
disiu jæmerlīchẹ geschiht
diu was sīn eines klage niht:
in klageten elliu diu lant
dā er inne was erkant,
und ouch von vrömden landen
die in nāch sage erkanden.
Der ē ditz geriute
und der eȥ dannoch biute,
daȥ was ein frīer būman
der vil selten ie gewan
dehein grōȥ ungemach,
daȥ andẹrn gebūren doch geschach,
die wirs geherret wāren,
und sī die niht verbāren
beidiu mit stiure und mit bete.
swaȥ dirrẹ gebūre gerne tete,
des dūhte sīnen herren gnuoc:
dar zuo er in übertruoc
daȥ er dehein arbeit
von frömdem gewalte leit.
des was deheiner sīn gelīch
in dem lande alsō rīch.
zuo deme zōch sich
sīn herrẹ, der arme Heinrich.
swaȥ er in het ē gespart,
wie wol daȥ nū gedienet wart
und wie schōne er sīn genōȥ!
wan in vil lützel des verdrōȥ
swaȥ im geschach durch in.
er hete die triuwe und ouch den sin
daȥ er vil willeclīche leit
den kumber und die arbeit
diu ime ze līdenne geschach.
er schuof ime rīch gemach.
Got hete dem meiger gegeben
nāch sīner ahte ein reineȥ leben.
er hete ein wol erbeiten līp
und ein wol werbendeȥ wīp,
dar zuo het er schœniu kint,
diu gar des mannes fröude sint,
unde hete, sō man saget,
undẹr den kinden eine maget,
ein kint von ahte jāren:
daȥ kunde wol gebāren
sō rehte güetlīchen:
sī wolte nie entwīchen
von ir herren einen fuoȥ:
umb sīne hulde und sīnen gruoȥ
sō diente si ime alle wege
mit ir güetlīchen pflege.
sī was ouch sō genæme
daȥ sī wol gezæme
ze kinde deme rīche
an ir wætlīche.
Die andern heten den sin
daȥ sī ze rehter māȥe in
wol gemīden kunden:
sō flōch sī zallen stunden
zuo ime und niender anders war.
sī was sīn kurzewīle gar.
sī hete gar ir gemüete
mit reiner kindes güete
an ir herren gewant,
daȥ man sī zallen zīten vant
undẹr ir herren fuoȥe.
mit süeȥer unmuoȥe
wonte sī ir herren bī.
dar zuo sō liebte er ouch sī
swā mite sō er mohte,
und daȥ der meide tohte
zuo ir kintlīchen spil,
des gab der herre ir vil.
ouch half in sēre daȥ diu kint
sō līhte ze gewenenne sint.
er gewan ir swaȥ er veile vant,
spiegel unde hārbant,
gürtel unde vingerlīn
und swaȥ kinden liep solte sīn.
mit dienste brāhte er s’ ūf die vart
daȥ sī im alsō heimlich wart
daȥ er sī sīn gemahele hieȥ.
diu guote maget in lieȥ
belīben selten eine:
er dūhte sī vil reine.
swie starke ir daȥ geriete
diu kindische miete,
iedoch geliebte irȥ aller meist
von gotes gebe ein süeȥer geist.
Ir dienst war sō güetlich.
dō dō der arme Heinrich
driu jār dāgetwelte
unde im got gequelte
mit grōȥem jāmer den līp,
nū saȥ der meier und sīn wīp
unde ir tohter, diu maget
von der ich iu ē hān gesaget,
bī im in ir unmüeȥekeit
und begunden klagen ir herren leit.
diu klage tet in michel nōt:
wan sī vorhten daȥ sīn tot
sī sēre solte letzen
und vil gar entsetzen
ēren unde guotes
und daȥ herters muotes
würde ein ander herre.
si gedāhten alsō verre
unz dirre selbe būman
alsus frāgen began.
Er sprach ‘lieber herre mīn,
möht eȥ mit iuwern hulden sīn,
ich frāgte vil gerne,
sō vil ze Sālerne
von arzenīen meister ist,
wie kumet daȥ ir deheines list
ze iuwerme ungesunde
niht gerātenkunde?
herre, des wundert mich.’
dō holtẹ der arme Heinrich
tiefen sūft von herzen
mit bitterlīchem smerzen:
mit solher riuwe er dō sprach
daȥ ime der sūft daȥ wort zerbrach.
‘Ich hān disen schemelīchen spot
vil wol gedienet umbe got.
wan dū sæhe wol hie vor
daȥ hōh offen stuont mīn tor
nāch werltlīcher wünne
und daȥ niemen in sīnem künne
sīnen willen baȥ hete dan ich:
und was daȥ doch unmügelich,
wan ich enhete niht gar.
dō nam ich sīn vil kleine war
der mir daȥ selbe wunschleben
von sīnen gnāden hete gegeben.
daȥ herze mir dō alsō stuont
als alle werlttōren tuont,
den daȥ saget ir muot
daȥ sī ēre unde guot
āne got mügen hān.
sus troug ouch mich mīn tumber wān,
wan ich in lützel ane sach
von des genāden mir geschach
vil ēren unde guotes.
dō dō des hōhen muotes
den hōhen portenærẹ bedrōȥ,
die sælden porte er mir beslōȥ.
dane kum ich leider niemer in:
daȥ verworhte mir mīn tumber sin.
got hāt durch rāche an mich geleit
ein sus gewante siecheit
die niemen mag erlœsen,
nū versmæhent mich die bœsen,
die biderben ruochent mīn niht.
swie bœse er ist der mich gesiht,
des boeser muoȥ ich dannoch sīn.
sīn unwert tuot er mir schīn:
erwirfẹtdiu ougen abe mir.
nū schīnet ērste an dir
dīn triuwe die dū hāst,
daȥ dū mich siechen bī dir lāst
und von mir niht enfliuhest.
swie dū mich niht enschiuhest,
swie ich niemen liep sī danne dir,
swie vil dīns heiles stē an mir,
du vertrüegest doch wol mīnen tōt.
nū wes unwert und wes nōt
wart ie zer werlte merre?
hie vor was ich dīn herre
und bin dīn dürftige nū.
mīn lieber friunt, nu koufest dū
und mīn gemahele und dīn wīp
an mir den ēwigen līp
daȥ dū mich siechen bī dir lāst.
des dū mich gefrāget hāst,
daȥ sage ich dir vil gerne.
ichn kunde ze Sālerne
einen meister niender vinden
der sich mīn underwinden
getörste oder wolte.
wan dā mite ich solte
mīner sühte genesen,
daȥ müeste ein solhiu sache wesen
die in der werlte nieman
mit nihte gewinnen kan.
mir wart niht anders dā gesaget
wan ich müeste haben eine maget
diu vollen manbære
und ouch des willen wære
daȥ sī den tōt durch mich lite
und man sī zuo dem herzen snite,
und mir wærẹ niht anders guot
wan von ir herzen daȥ bluot.
nū ist genuoc unmügelich
daȥ ir deheiniu durch mich
gerne līde den tōt.
des muoȥ, ich schemelīche nōt
tragen unz an mīn ende.
daȥ mirȥ got schiere sende!’
Daȥ er dem vater hete gesagt,
daȥ erhōrte ouch diu reine magt:
wan eȥ hete diu vil süeȥe
ir lieben herren füeȥe
stānde in ir schōȥen,
man möhte wol genōȥen
ir kintlīch gemüete
hin ze der engel güete.
sīner rede nam sī war
unde marhte sī ouch gar:
sī enkam von ir herzen nie
unz man des nahtes slāfen gie.
dō sī zir vater füeȥen lac
und ouch ir muoter, sō sī pflac,
und sī beide entsliefen,
manegen sūft tiefen
holte sī von herzen.
umbe ir herren smerzen
wart ir riuwe alsō grōȥ
daȥ ir ougen regen begōȥ
der slāfenden füeȥe,
sus erwahte sī diu süeȥe.
Dō sī der trehene enpfunden,
si erwachten und begunden
sī frāgen waȥ ir wære
und welher hande swære
sī alsō stille möhte klagen.
nu enwolte sīesin niht sagen,
wan daȥ ir vater aber tete
vil manege drō unde bete
daȥ sī eȥ ime wolte sagen.
sī sprach ‘ir möhtent mit mir klagen.
waȥ möhte uns mē gewerren
danne umb unsern herren,
daȥ wir den suln verliesen
und mit ime verkiesen
beide guot und ēre?
wir gewinnen niemer mēre
deheinen herren alsō guot
der uns tuo daȥ er uns tuot.’
Sī sprāchen ‘tohter, dū hāst wār.
nū frumet uns leider niht ein hār
unser riuwe und dīn klage:
liebeȥ kint, dā von gedage.
eȥ ist uns alsō leit sō dir.
leider nū enmuge wir
ime ze keinen staten komen.
got der hāt in uns benomen:
het eȥ iemen anders getān,
der müese unsern fluoch hān.’
Alsus gesweigẹten sī sī dō.
die naht beleip sī unfrō
und morne allen den tac.
swes iemen anders pflac,
diz enkam von ir herzen nie
unz man des andern nahtes gie
slāfen nāch gewonheit.
dō sī sich hete geleit
an ir alte bettestat,
sī bereite aber ein bat
mit weinenden ougen:
wan sī truoc tougen
nāhe in ir gemüete
die aller meisten güete
die ich von kinde ie vernam.
welch kint getete ouch ie alsam?
des einen sī sich gar verwac,
gelebetẹ sī morne den tac,
daȥ sī benamen ir leben
umbe ir herren wolte geben.
Von dem gedanke wart sī dō
vil ringes muotes unde frō,
und hete deheine sorge mē,
wan ein vorhtẹ diu tete ir wē,
sō sīȥ ir herren sagte,
daȥ er dar an verzagte,
und swenne sīȥ in allen drin
getæte kunt, daȥ sī an in
der gehenge niht enfunde
daȥ mans ir iht gunde.
Des wart sō grōȥ ir ungehabe
daȥ ir muoter dar abe
unde ir vater wart erwaht
als ouch an der vordern naht.
sī rihten sich ūf zuo ir
und sprāchen ‘sich, waȥ wirret dir?
dū bist vil alwære
daȥ du dich sō manege swære
von solher klage hāst an genomen
der niemen mac zeim ende komen.
war umbẹ lāstu uns niht slāfen?’
sus begunden sī sī strāfen.
waȥ ir diu klage töhte,
die niemen doch enmöhte
verenden noch gebüeȥen?
sus wānden sī die süeȥen
gesweigen an der selben stunt:
dō was ir wille in vil unkunt.
Sus antwurte in diu maget.
‘als uns mīn herre hāt gesaget,
sō mac man in vil wol ernern.
zewāre, ir welt mirȥ danne wern,
sō bin ich ze der arzenīe guot.
ich bin ein maget und hān den muot,
ē ich in sihe verderben,
ich wil ē für in sterben.’
Von dirre rede wurden dō
trūric unde unfrō
beide muoter unde vater.
sīne tohter die bat er
daȥ sī die rede lieȥe
und ir herren gehieȥe
daȥ sī geleisten möhte,
wand ir diz niht entöhte.
Er sprach ‘tohter, du bist ein kint
und dīne triuwe die sint
ze grōȥ an disen dingen.
du enmaht es niht für bringen
als dū uns hie hāst verjehen.
dū hāst des tōdes niht gesehen.
swenn eȥ dir kumet ūf die frist
daȥ des dehein rāt ist,
dū enmüeȥest sterben,
und möhtest dūȥ erwerben,
dū lebetest gerner dannoch:
wan dun kæme nie in leider loch.
dā von tuo zuo dīnen munt:
und wirstū für dise stunt
der rede iemer mēre lūt,
eȥ gāt dir ūf dīne hūt.’
Alsus sō wānde er sī dō
bēdiu mit bete und mit drō
gesweigen: dōenmohter.
sus antwurt ime sīn tohter.
‘Vater mīn, swie tump ich sī,
mir wonet iedoch diu witze bī
daȥ ich von sage wol die nōt
erkenne daȥ des lībes tōt
ist starc unde strenge.
swer ouch dannẹ die lenge
mit arbeiten leben sol,
dem ist iedoch niht ze wol.
wan swenne er hie geringet
und ūf sīn alter bringet
den līp mit michelre nōt,
sō muoȥ er līden doch den tōt.
ist ime diu sēle dannẹ verlorn,
sō wære er beȥȥer ungeborn.
eȥ ist mir komen ūf daȥ zil,
des ich got iemer loben wil,
daȥ ich den jungen līp mac geben
umbẹ daȥ ēwige leben.
nū sult ir mirȥ niht leiden.
ich wil mir unde iu beiden
vil harte wol mite varn.
ich mag iuch eine wol bewarn
vor schaden und vor leide,
als ich iu nū bescheide.
ir hānt ēre unde guot:
daȥ meinet mīnes herren muot;
wan er iu leit nie gesprach
und ouch daȥ guot nie abe gebrach.
die wīle daȥer leben sol
sō stēt iuwer sache wol:
und lāȥe wir den sterben,
sō müeȥen wir verderben.
den wil ich uns fristen
mit alsō schœnen listen
dā mite wir alle sīn genesen.
nū gunnet mirs, wan eȥ muoȥ wesen.’
Diu muoter weinende sprach,
dō sī der tohter ernst ersach,
‘gedenke, tohter, liebeȥ kint,
wie grōȥ die arbeite sint
die ich durch dich erliten hān,
und lā mich beȥȥern lōn enpfān
dan ich dich hœre sprechen.
dū wilt mīn herze brechen.
senfte mir der rede ein teil.
jā wiltū alleȥ dīn heil
an uns verwürken wider got.
wangedenkest dū an sīn gebot?
jā gebōt er unde bat er
daȥ man muoter unde vater
minne und ēre biete,
und geheiȥet daȥ ze miete
daȥ der sēle rāt werde
und lanclīp ūf der erde.
dū gihst, dū wellest dīn leben
umb unser beider fröude geben:
dū wilt uns beiden
daȥ leben vaste leiden.
daȥ dīn vater unde ich
gerne leben, daȥ ist durch dich.
waȥ solte uns līp unde guot,
waȥ solte uns werltlich muot,
swenne wir dīn enbæren?
dune. . . . . .
jā soltū, liebiu tohter mīn,
unser beider fröude sīn,
gar unsers lībes wünne,
ein bluome in dīme künne,
unsers alters ein stap.
und lāstū uns über dīn grap
gestēn von dīnen schulden,
dū muost von gotes hulden
iemer sīn gescheiden:
daȥ koufest an uns beiden.’
‘wiltu uns tohter wesen guot,
sō soltū rede und den muot
durch unsers herren hulde lān,
die ich von dir vernomen hān.’
Si sprach ‘muoter, ich getrūwe dir
und mīnem vater her ze mir
aller der genāden wol
der vater unde muoter sol
leisten ir kinde,
als ich eȥ wol bevinde
an iu allertegelich.
von iuwern gnāden hān ich
die sēle und einen schœnen līp.
mich lobet man unde wīp,
und alle die mich sehende sint,
ich sī daȥ schœneste kint
daȥ sī zir lebene haben gesehen.
wem soll ich der genāden jehen
niuwan iu zwein nāch gote?
des sol ich ze iuwerm gebote
iemer vil gerne stān:
wie michel reht ich des hān!
muoter, sæligeȥ wīp,
sīt ich nū sēle unde līp
von iuwern genāden hān,
sō lāntȥ an iuwern hulden stān
daȥ ich ouch die beide
von dem tiuvel scheide
und mich gote müeȥe geben.
jā ist dirre werlte leben
niuwan der sēle verlust.
ouch hāt mich werltlīch gelust
unz her noch niht berüeret,
der hin zer helle füeret.
nū wil ich gote genāde sagen
daȥ er in mīnen jungen tagen
mir die sinne hāt gegeben
daȥ ich ūf diz brœde leben
ahte harte kleine.
ich wil mich alsus reine
antwürtẹn in gotes gewalt.
ich fürhte, solt ich werden alt,
daȥ mich der werlte süeȥe
zuhte under füeȥe,
als sī vil manegen hāt gezogen
den ouch ir süeȥe hāt betrogen:
sō würde ich līhte gote entsaget.
gote müeȥe eȥ sīn geklaget
daȥ ich unz morne leben sol:
mir behaget diu werlt niht sō wol.
ir meiste liep ist herzeleit
(daȥ sī iu für wār geseit),
ir süeȥer lōn ein bitter nōt,
ir lancleben ein gæher tōt.
wir hān niht gewisses mē
wan hiute wol und morne wē
und ie ze jungest der tōt.
daȥ ist ein jæmerlīchiu nōt.
eȥ enschirmet geburt noch guot,
schœne, sterke, hōher muot,
eȥ enfrumt tugent noch ēre
für den tōt niht mēre
dann ungeburt und untugent.
unser leben und unser jugent
ist ein nebel unde ein stoup,
unser stæte bibent als ein loup.
er ist ein vil verschaffen gouch
der gerne in sich vaȥȥt den rouch,
eȥ sī wīp oder man,
der diz niht wol bedenken kan
und ouch der werlt nāch volgende ist.
wan uns ist über den fūlen mist
der pfeller hie gespreitet:
swen nū der blic verleitet,
der ist zuo der hellẹ geborn
unde enhāt niht mē verlorn
wan beidiu sēle unde līp.
nu gedenkent, sæligeȥ wīp,
müeterlīcher triuwe
und senftent iuwer riuwe
die ir dā habent umbe mich:
so bedenket ouch der vater sich.
ich weiȥ wol daȥ er mir heiles gan.
er ist ein alsō biderber man
daȥ er erkennet wol daȥ ir
unlange doch mit mir
iuwer fröude mügent hān,
ob ich joch lebende bestān.
belībe ich āne man bī iu
zwei jār oder driu,
sō ist mīn herre līhte tōt,
und kument in sō grōȥe nōt
vil līhte von armuot
daȥ ir mir alsolheȥ guot
zeinem man niht mugent geben,
ich enmüeȥe alse swache leben
daȥ ich iu lieber wære tōt.
nuverswīgẹ wiraber der nōt,
daȥ uns niht enwerre
und uns mīn lieber herre
were und alsō lange lebe
unz daȥ man mich zeim manne gebe
der rīche sī unde wert:
sō ist geschehen des ir dā gert
und wænent mir sī wol geschehen.
anders hāt mir mīn muot verjehen.
wirt er mir liep, daȥ ist ein nōt:
wirt er mir leit, daȥ ist der tōt.
wan sō hān ich iemer leit
und bin mit ganzer arbeit
gescheiden von gemache
mit maneger hande sache
diu den wīben wirret
und sī ze fröuden irret.
nū setzt mich in den vollen rāt
der dā niemer zergāt.
mīn gert ein frīer būman
dem ich wol mīnes lībes gan.
zwāre, dem sult ir mich geben,
sō ist geschaffet wol mīn leben.
im gēt sīn pfluoc harte wol,
sīn hof ist alles rātes vol,
da enstirbet ros noch daȥ rint,
da enmüent diu weinenden kint,
da enist ze heiȥ noch ze kalt,
dā wirt von jāren niemen alt,
der alte wirt junger,
da enist frost noch hunger,
da enist deheiner slahte leit,
da ist ganziu fröude ān arbeit.
ze dem wil ich mich ziehen
und solhen bū fliehen
den daȥ fiur und der hagel sleht
und der wāc abe tweht,
mit dem man ringet unde ie ranc.
swaȥ man daȥ jār alse lanc
dar ūf gearbeiten mac,
daȥ verliuset schiere ein halber tac.
den bū den wil ich lāȥen:
er sī von mir verwāȥen.
ir minnent mich: deist billich.
nū sihe ich gerne daȥ mich
iuwer minne iht unminne.
ob ir iuch rehter sinne
an mir verstān kunnent
und ob ir mir gunnent
beide guotes unde ēren,
sō lāȥet mich kēren
ze unserm herren Jēsū Krist,
des gnāde alsō stæte ist
daȥ sī niemer zergāt,
unde ouch zuo mir armen hāt
alsō grōȥe minne
als zeiner küniginne.
ich sol von mīnen schulden
ūȥ iuwern hulden
niemer komen, wil eȥ got.
eȥ ist gewisse sīn gebot
daȥ ich iu sī undertān,
wan ich den līp von iu hān:
daȥ leist ich āne riuwe.
ouch sol ich māne triuwe
an mir selber niht brechen.
ich hōrte ie daȥ sprechen,
swer den andern fröuwet sō
daȥ er selbe wirt unfrō,
und swer den andern krœnet
und sich selben hœnet,
der triuwen sī ze vil.
wie gerne ich iu des volgen wil
daȥ ich iu triuwe leiste,
mir selber doch die meiste.
welt ir mir wenden mīn heil,
sō lāȥ ich iuch ein teil
ē nāch mir geweinen,
ich enwelle mir erscheinen
wes ich mir selber schuldic bin.
ich wil iemer dā hin
da ich volle fröude vinde.
ir hānt doch mē kinde:
diu lānt iuwer fröude sīn
und getrœstent ir iuch mīn.
wan mir mac daȥ nieman erwern,
zwāre, ich enwelle ernern
mīnen herren unde mich.
muoter, jā hōrte ich dich
klagen unde sprechen ē,
eȥ tætedīmeherzen wē,
soltest dū ob mīme grabe stān.
des wirst du harte wol erlān:
dū stāst ob mīme grabe niht.
wan dā der tōt geschiht,
daȥ enlāt dich niemen sehen:
eȥ sol ze Sālerne geschehen.
dā sol uns viere der tōt
lœsẹen von aller slahte nōt.
des tōdes des genese wir,
und ich doch verre baȥ dan ir.’
Dō sī daȥ kint dō sāhen
ze dem tōde sō gāhen,
und eȥ sō wīslīchen sprach
unde menschlich reht zerbrach,
si begunden ahten under in
daȥ die wīsheit und den sin
niemer erzeigen kunde
dehein zunge in kindes munde.
sī jāhen daȥ der heiliggeist
der rede wære ir volleist,
der ouch sante Niklauses pflac
dō er in der wagen lac
und in die wīsheit lērte
daȥ er ze gote kērte
sīne kintlīche güete:
und bedāhtẹn sich in ir gemüete
daȥ sī niht enwolden
sī wenden noch ensolden
des sī sich hete an genomen:
der willẹ sī ir von gote komen.
von jāmẹr erkalte in der līp,
dō der meiger und sīn wīp
an dem bette sāȥen
und vil gar vergāȥen
durch des kindes minne
der zungen und der sinne
sā ze der selben stunde.
ir enwederȥ enkunde
einic wort gesprechen.
daȥ gegihtẹ begunde brechen
die muoter von leide.
sus gesāȥen sī beide
riuwic unde unfrō
unz sī sich bedāhten dō
waȥ in ir trūren töhte:
sō man ir doch niht enmöhte
benemen ir willen unde ir muot,
sō enwære in niht alsō guot
sō daȥ sī irs wol gunden,
wan sī doch niht enkunden
ir niemer werden āne baȥ;
enpfiengen sī der rede haȥ,
eȥ möhte in umbe ir herren
vil harte wol gewerren,
und verviengen anders niht dā mite.
mit vil willeclīchem site
sprāchen sī beide dō
daȥ sī der rede wæren frō.
Des fröute sich diu reine maget.
dō eȥ vil kūme was getaget
dō gie sī dā ir herre slief.
sīn trūtgemahele ime rief,
sī sprach ‘herre, slāfent ir?’
‘nein ich, gemahele, sage mir,
wie bistū hiute alsō fruo?’
‘herrẹ, dā twinget mich derzuo
der jāmer iuwerr siecheit.’
er sprach ‘gemahelẹ, daȥ ist dir leit:
daȥ erzeigest du an mir wol,
als eȥ dir got vergelten sol.
nune mag es dehein rāt sīn.’
‘entriuwen, lieber herre mīn,
iuwer wirt vil guot rāt.
sīt eȥ alsus umbe iuch stāt
daȥ man iu gehelfen mac,
ichn gesūme iuch niemer tac.
herre, ir hānt uns doch gesaget,
ob ir hetent eine maget
diu gernẹ den tōt durch iuch lite,
dā soltent ir genesen mite.
diu wil ich weiȥgot selbe sīn:
iuwer leben ist nützer dan daȥ mīn.’
Dō gnādẹte ir der herre
des willen harte verre.
und ervollẹten im diu ougen
von jāmer alsō tougen.
er sprach ‘gemahelẹ, ja ist der tōt
iedoch niht ein senftiu nōt,
als dū dir līhte hāst gedāht.
du hāst mich des wol innen brāht,
möhtestū, dū hülfest mir.
des genüegẹt mich wol von dir.
ich erkenne dīnen süeȥen muot:
dīn wille ist reine unde guot.
ichn sol ouch niht mē von dir gern.
dū maht mich des niht wol gewern
daȥ dū dā gesprochen hāst.
die triuwe die du an mir begāst,
die sol dir vergelten got.
ditz wærẹ der lantliute spot,
swaȥ ich mich für dise stunde
arzenīen underwunde,
und mich doch niht vervienge
wan als eȥ doch ergienge.
gemahele, dū tuost als diu kint
diu dā gæhes muotes sint:
swaȥ den kumet in den muot,
eȥ sī übel oder guot,
dar zuo ist in allen gāch,
und geriuwẹt sī sēre dar nāch.
gemahele, alsō tuost ouch dū.
der rede ist dir ze muote nū:
derd evon dir nemen wolte,
sō manȥ danne enden solte,
so geriuweȥ dich vil līhte doch.’
und daȥ sī sich ein teil noch
baȥ bedæhte des bat er.
er sprach ‘dīn muoter und dīn vater
die enmugen dīn niht wol enbern.
ich sol ouch niht ir leides gern
die mir ie gnāde tāten.
swaȥ sī dir beide rāten,
liebẹ gemahele, daȥ tuo.’
hie mite lachete er dar zuo,
wan er lützel sich versach
daȥ doch sider dō geschach.
Sus sprach er zuo der guoter.
der vater und diu muoter
sprāchen ‘lieber herre,
ir hānt uns vil verre
geliebet und geēret:
daȥ enwærẹ niht wol bekēret,
wir engültenȥ iu mit guote.
unser tohter ist ze muote
daȥ sī den tōt durch iuch dol:
des gunne wir ir harte wol.
eȥ ist hiutẹ der dritte tac
daȥ sī uns alleȥ ane lac
daȥ wir ir sīn gunden:
nū hāt sīȥ an uns funden.
nū lāȥe iuch got mit ir genesen:
wir wellen ir durch iuch entwesen.’
Do im sīn gemahele dō bōt
für sīnen siechtuom ir tōt
und man ir ernest ersach,
dō wart dō michel ungemach
und jæmerlīch gebærde.
manc mislīchiu beswærde
huop sich dō under in,
zwischẹn dem herren unde in drin.
ir vater unde ir muoter die
erhuoben michel weinen hie:
des weinens tet in michel nōt
umb ir vil lieben kindes tōt.
nū begunde ouch der herre
gedenken alsō verre
an des kindes triuwe,
und begreif in ein riuwe,
daȥ er sēre weinen began,
und zwīvelte vaste dran
weder eȥ beȥȥer getān
möhte sīn oder verlān.
von vorhten weinte ouch diu maget:
sī wānde er wære dran verzaget.
sus wārens alle unfrō.
sī gerten keines dankes dō.
Ze jungest dō bedāhte sich
ir herrẹ, der arme Heinrich,
und begunde sagen in
grōȥe gnāde allen drin
der triuwen und des guotes
(diu maget wart rīches muotes
daȥ ers gevolgẹte gerne),
und bereitẹ sich ze Sālerne
sō er schiereste mohte.
swaȥ ouch der megede tohte,
daȥ wart vil schiere bereit:
schœniu pfert und rīchiu kleit,
diu sī getruoc nie vor der zīt:
hermin unde samīt,
den besten zobel den man vant,
daȥ was der megede gewarit.
Nū wer möhte volgesagen
die herzeriuwe und daȥ klagen,
der muoter grimmigeȥ leit
und ouch des vater arbeit?
eȥ wærẹ wol undẹr in beiden
ein jæmerliīcheȥ scheiden,
dō sī ir liebeȥ kint von in
gefrumten sō gesundeȥ hin
niemer mē ze sehenne in den tōt,
wan daȥ in senftet ir nōt
diu reine gotes güete,
von der doch daȥ gemüete
ouch dem jungen kinde quam
daȥ eȥ den tōt gerne nam.
eȥ was āne ir rāt kōmen:
dā von wart von ir herzẹn genomen
alliu klage und swære,
wan eȥ anders wunder wære
daȥ in ir herze niht zerbrach.
ze liebe wart ir ungemach,
daȥ sī dar nāch deheine nōt
liten umbe ir kindes tōt.
The exact dates of his birth and death are unknown. His chief poems were written between the years 1187 and 1230.
The best edition of his works is: Walther von der Vogelweide, herausgegeben und erklärt von W. Wilmanns, Halle, 1883 (2nd edit.).