Wie sich im Blumenstrauß, der den Busen eines liebekranken Mädchens schmückt, der schwärmerisch duftende Jasmin sich um die, mit purpurnen Streifen durchbrochene Knospe des nachbarlichen Rosenzweiges umschlingt, so schmiegte sich Zynthio an Adelaiden; und Mathilde flehte so süß, auch sie — das duftende Veilchen in diesem Blüthengewinde — aufzunehmen, daß Zynthio den seligen Blick gefühlvoller Mittheilung auch auf ihr ruhen ließ, wann er das fromme Entzücken, die himmlischen Erscheinungen des in heiliger Schwärmerei aufgelößten Johannes, dessen überirrdische Gefühle in den Armen, an der Brust seines göttlichen Freundes sang. — Wann er sich aber dem Zaubereiner Aufopferung für Adelaiden überließ, seine Einbildungskraft den Engel, der ihn wachend und träumend umschwebte, in menschliche Hülle formte — o dann haftete sein schwarzes glühendes Auge nur auf der holden Schwester; sie war sein Genius; an sie richtete er seine seligsten Wünsche. Der Zweck seines Daseyns schien ihm, für sie zu leben; und so wie der fromme Klausner, die durch Büßung und mühvoller Wallfahrt errungene Reliquie mit Gefahr seines Lebens für profaner Berührung oder Entwendung bewahren würde — so spähete er jedes trübe Wölkchen zu verscheuchen, das Adelaidens kindliche Heiterkeit drohete, jedem physischen Mißbehagen ihres zarten Körpers vorbeugen oder durch die liebevollste Aufmerksamkeit lindern zu können.
Wie sich im Blumenstrauß, der den Busen eines liebekranken Mädchens schmückt, der schwärmerisch duftende Jasmin sich um die, mit purpurnen Streifen durchbrochene Knospe des nachbarlichen Rosenzweiges umschlingt, so schmiegte sich Zynthio an Adelaiden; und Mathilde flehte so süß, auch sie — das duftende Veilchen in diesem Blüthengewinde — aufzunehmen, daß Zynthio den seligen Blick gefühlvoller Mittheilung auch auf ihr ruhen ließ, wann er das fromme Entzücken, die himmlischen Erscheinungen des in heiliger Schwärmerei aufgelößten Johannes, dessen überirrdische Gefühle in den Armen, an der Brust seines göttlichen Freundes sang. — Wann er sich aber dem Zaubereiner Aufopferung für Adelaiden überließ, seine Einbildungskraft den Engel, der ihn wachend und träumend umschwebte, in menschliche Hülle formte — o dann haftete sein schwarzes glühendes Auge nur auf der holden Schwester; sie war sein Genius; an sie richtete er seine seligsten Wünsche. Der Zweck seines Daseyns schien ihm, für sie zu leben; und so wie der fromme Klausner, die durch Büßung und mühvoller Wallfahrt errungene Reliquie mit Gefahr seines Lebens für profaner Berührung oder Entwendung bewahren würde — so spähete er jedes trübe Wölkchen zu verscheuchen, das Adelaidens kindliche Heiterkeit drohete, jedem physischen Mißbehagen ihres zarten Körpers vorbeugen oder durch die liebevollste Aufmerksamkeit lindern zu können.
Adelaidens unaussprechlich zart besaitete Seele mußte unumgänglich unter den Händen eines Jünglings, dessen Empfindungen und Imaginations-Fähigkeiten die überspanntesten waren, welche nur je unter italischem Himmel erzeugt wurden, eineStimmung erhalten, die — wiewohl um vieles sanfter — dennoch mit der Seinigen im schönsten Einklang harmonirte. Mathilde bestrebte sich aus Liebe zu ihrer Gespielin alles zu seyn, was diese war — und ohne die reichhaltige Quelle hoher Geistesgaben, den Keim der edelsten Seelengröße, der Empfänglichkeit für jede erhabene Tugend einer Adelaide zu besitzen, hatte sie doch reine Güte und edle Reizbarkeit genug, um die Strahlen der glänzenden Eigenschaften ihrer so sanft schimmernden Freundin aufzufangen, und deren Wiederschein zu seyn. So tönte denn dieses Kleeblatt drei unschuldsvoller Seelen bei der leisesten Berührung ihrer Genüsse — die an diesem kindlichen Engelsverein ihren wonnigsten Genuß zu haben schienen, gleich Aeolsharfen in das Gesäusel des lieblichen West’s.
Die Gruppe selbst, in allen ihrem Leben und Wirkungen schien ein Gemälde in ätherischen Tinten zu seyn, und in einem Zauberspiegel, den Vorschmack einer himmlischen kaum mit Sinnen zu fassenden Zukunft eines Jenseits zu geben. Alles was sich zum Hof und der schönen Welt in der Residenz zählen durfte, staunte diese kleinen Wundermenschen an. Es wurde Ton, sich der Nachahmung des idealischen Schwunges der Gedanken und Ausdrücke, des bewunderten Sicilianers, und der wirklich idealischen Liebenswürdigkeiten, seiner ihm durch Sympathie verschwisterten Gespielinnen zu befleißigen. Als diese Kopien gewöhnlich sehr schlecht ausfielen, ja nicht selten Karrikaturen bildeten, zu denen sich kein Verleger und kein Lobpreiser fand, so sah man wohl endlich ein, daß Originale dieser Art, wie sie nur selten aus der Hand des Schöpfers gehen — Pracht-Ausgaben sind, an die sich kein Nachdrucker auf seinem Löschpapier wagen darf, ohne auf sich selbst das bitterste Pasquil zu machen. — Man begnügte sich demnach sehr bald, diese rührende Schwärmerey, diese hinreißende süße Naivität zu bewundern, ohne fernere unglückliche Versuche der Nachahmung — hingegen der eingerißnen Wuth, singen,Guitarre spielen, und den italienischen Dichtergeist auch auf sich herabzuziehen, desto mehrern Spielraum zu geben. Alles sang und wurde besungen, das Wie? — kam nicht in Anschlag, man that nach seinen Kräften. Die Instrumentenmacher kamen in Flor, denn die Guitarren-Bestellungen überhäuften sie mit Arbeit.
So sehr es Graf Wallersee und seine Gemahlin schmeichelte, ihre liebliche Knospe Wunderhold schon als Kind Epoche machen, und sie von allen Hofleuten, ja von der ganzen Residenz bewundert zu sehen, und Zynthio, der zu dieser Celebrität nicht wenig beitrug, zu ihrem zweiten Liebling erhoben, und demselben ihren leiblichen Sohn Theodor nachsetzten — so hätte doch diese exaltirte Stimmung der kindlichen weichen Gefühle sowohl für Adelaiden, als auch selbst für Mathilden nachtheilige Folgen in der Zukunft haben, und ihre jetzt überspannten Seelenkräfte, im wirklichen Leben bis zur Unbrauchbarkeit für die wesentliche Tendenz edler Weltbürgerinnen erschlaffenkönnen; wenn nicht auch hier der Schutzgeist frommer liebenswürdiger Unschuld sie an der Hand einer so klugen als trefflichen Führerin diesen Gefahren ausweichen ließ. Baronin Treval, die Gouvernante der kleinen Prinzessin, welche von ihren Zöglinginnen wie eine Mutter geliebt und verehrt wurde, wußte diese bebende Erhöhung ihrer weichen Gefühle, diese glühende Mittheilung des Wohlwollens — das mit unverständlicher Sehnsucht in dem kleinen Kreise ihrer Imagination umherirrte, und sich von der erhitzten Phantasie ihres Sicilianers im unsichern Fluge mit fortreißen ließ — bald wieder in die Gränzen wahrer schöner Menschengefühle zu führen.