Chapter 22

Weh mir! Adelaide ist für mich verloren. Auch das trauliche Du entzieht sie mir. — Du verweisest mich auf die Stuffe der künftigen Großherzogin, und läßt mich dort isolirt stehen. — O Adelaide! das ist nicht der Weg, mich für meine Bestimmung zu gewinnen. So süß die Schaale auch seyn mag, in der du mir deine Ermahnungen darreichst, der Kern ist bitter — bittrer als mir ihn je die Hand der Freundschaft hätte bieten sollen. — Sobald die Arznei widersteht, geht die Wirkung verloren. — Ich soll von einer Schwärmerei genesen, die in dieser sublunarischen Welt weder eignes noch allgemeines Glück gedeihen läßt — noch gefährlicher sey ihr berauschender Duft dem unbefangnen Herzen der Fürstentochter, welche alsdann mit exaltirten Forderungen an das Menschengeschlecht den Pfad zum Throne wandelt; diese Erwartungen getäuscht: folglich sich zur Verachtung, zur Gleichgültigkeit gegen diese Menschen berechtigt glaubt — und was dergleichen sanktionirte Sentenzen mehr sind.

Weh mir! Adelaide ist für mich verloren. Auch das trauliche Du entzieht sie mir. — Du verweisest mich auf die Stuffe der künftigen Großherzogin, und läßt mich dort isolirt stehen. — O Adelaide! das ist nicht der Weg, mich für meine Bestimmung zu gewinnen. So süß die Schaale auch seyn mag, in der du mir deine Ermahnungen darreichst, der Kern ist bitter — bittrer als mir ihn je die Hand der Freundschaft hätte bieten sollen. — Sobald die Arznei widersteht, geht die Wirkung verloren. — Ich soll von einer Schwärmerei genesen, die in dieser sublunarischen Welt weder eignes noch allgemeines Glück gedeihen läßt — noch gefährlicher sey ihr berauschender Duft dem unbefangnen Herzen der Fürstentochter, welche alsdann mit exaltirten Forderungen an das Menschengeschlecht den Pfad zum Throne wandelt; diese Erwartungen getäuscht: folglich sich zur Verachtung, zur Gleichgültigkeit gegen diese Menschen berechtigt glaubt — und was dergleichen sanktionirte Sentenzen mehr sind.

Wisse, gute Adelaide, du beschuldigst mich einer Schwäche, der du selbst unterworfen bist, nur daß du dich größer, erhabener auf deinem stolzen Zelter ausnimmst! — Du schwingst dich mit der Geisteskraft eines Weltweisen zum vollkommensten Erdengeschöpf hinauf, ohne Enthusiasmus für dies glänzende Ziel würde das siebzehnjährige Mädchen dies nicht ausdauernd wollen, nicht vermögen. — Ich lebe nur dem weichen Gefühle meines Liebe und Freundschaft bedürfenden Herzens. — Mein Ideal von Glückseligkeit steht tief unter dem deinigen — aber ich umfasse es mit glühender Seele — während dich das letztere in sokratische Temperatur versetzt. — Bedaure mich, wenn du schlußgerecht Unglück für mich daraus folgerst: um so mehr, da ich dir aufrichtig bekenne, daß ich jenem Ideal treu zu bleiben mir fest gelobt, und noch nichts weniger, als für die Anträge des Großherzogs, mich entschieden habe. —

Gleiches Blut wallt in den Adern meines Bruders, gleiche Standhaftigkeit indem System heißer reiner Liebe, motivirt auch seine Begriffe über das, was er darf oder nicht darf; so sehr diese Begriffe auch die exemplarische Staatsklugheit vor den Kopf stoßen mögen.

Verzeihe der schwesterlichen Liebe den Verrath an der Freundschaft — der nur dir Lebende ist mit deinem Entschluß, dich nie zu vermählen, bekannt. Eine Adelaide beschließt nie, ohne reiflich erwogen zu haben, und Beharrlichkeit ist dann ihr Gesetz — folglich versiegt nie die Quelle süßer Hoffnung für meinen Bruder. Sein letzter Brief überzeugt mich neuerdings, daß, kühn durch diese Hoffnung, er den Zweck seiner Sendung schlecht befördere und uns auf die gehoffte Erbprinzessin vergeblich warten lassen werde. — Verdamme ihn, wenn deine strenge Weisheit auch schon über deine Herzensgüte, ja selbst über die menschliche Billigkeit, gesiegt hat.


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