Am lodernden Kaminfeuer, auf seinem mit Leder beschlagenen Armstuhl sitzend, und unzufrieden mit dem Schneegestöber des angehenden Aprills aufs Fenster hinblickend, blies der Landrath von Elfen formidable Wolkensäulen von Tabacksrauch um sich — die, je mehr ihm, außer dem Kitzel des angenehmen Brandopfers Virginischen Kanasters, noch etwas Wichtigeres auf der Zunge lag, immer dicker und undurchdringlicher wurden.
Am lodernden Kaminfeuer, auf seinem mit Leder beschlagenen Armstuhl sitzend, und unzufrieden mit dem Schneegestöber des angehenden Aprills aufs Fenster hinblickend, blies der Landrath von Elfen formidable Wolkensäulen von Tabacksrauch um sich — die, je mehr ihm, außer dem Kitzel des angenehmen Brandopfers Virginischen Kanasters, noch etwas Wichtigeres auf der Zunge lag, immer dicker und undurchdringlicher wurden.
Graf Hochburg ergriff jetzt auch die Beilage zum hamburgischen Korrespondenten.
„Lass das nur weg;“ sagte der alte Herr. „Mir liegt dermalen etwas näher, als jene Ediktalien, Citationen und Ankündigungen wunderthätiger Arkane. — Höre, Neffe! Ich verstehe mich nicht auf das verfängliche Betasten des guten Gewissens eines ehrlichen Kerls — also ohne Umschweife: Freund, wie stehst um dein Herz? — wem gehörts?“
Lieber Onkel! — Karoline ist mit Ihrer Einwilligung meine Verlobte —
„Um die seit einer gewissen Zeit dein Leichnam wie eine Gliederpuppe herumstationirt, während deine Liebesgedanken meilenweit von der Verlobten Posto gefaßt haben? — Getroffen! das zeigt dein Erröthen, das verrät dein Stammeln.“
Nicht allemal sind dies überführende Beweise —
„Sey ehrlich, Bursche! — Antworte offen, wie es meine gutgemeinte Frage verdient. Ist dir Karoline noch das, was sie dir vor einem halben Jahre war? — wünschest du heute noch eben so herzlich: der Tag eurer Verbindung wäre auf morgen festgesetzt, als dazumal, da ich ihn noch auf ein Jahr hinaussetzte?“ —
Lieber Onkel! — warum sollte ich nicht — —
„Pfui! mit diesem armen Sündergesicht, mit diesem stotternden Behelf würdest du selbst von der jungen Wallersee kaum ein bedauerndes Lächeln über den Seelenbanquerouten Schächer gewonnen haben; um derentwillen du dich doch in dieser preßhaften Lage befindest.“
Noch verstehe ich nicht ganz. — Sollten Sie Verdacht auf mich und die Gräfin haben? — —
„Verdacht? — Ueber den steht die vortreffliche junge Gräfin zu erhaben, und Er — junger Herr — noch zu weit unten.“
Herr Landrath! — —
„Was beliebt?“ —
Sie sind meiner Mutter Bruder, und dürfen mir freilich manches sagen — —
„Was einem Andern eine blutige Nase kosten würde, so recht er auch übrigens hätte. Genug, du siehst, daß ich zu alt bin, um nicht vom Blatte wegzulesen, was unter deinem Brusttuche geschrieben steht. Seit du die Wallersee kennen gelernt, seitdem ist dir dein Verhältniß zu Karolinen lästig.“
Auf Ehre! ich liebe meine Kousine —
„Als Vetter, und würdest dich aufrichtig freuen, sie am Arm eines andern braven Mannes zum Traualtar treten zu sehen. — Du wünschest doch ihr Glück?“ —
Hätte ich so viel in Ihrer Meinungverloren, daß Sie auch daran zweifeln könnten? —
„Nun dann, eine frostige Ehe würde sie unglücklich machen, sie hat Hang zur Eifersucht, und du kaum ein halbes Herz für sie. — Folglich, aus der Heirath mit Karolinen kann nichts werden.“
Julius sank an des Landraths Brust. Guter, theurer Onkel! mein zweiter Vater! — entziehen Sie mir Ihre Liebe nicht! —
„Halt, so klingt’s? — Ich habe mich also nicht geirrt. Der ehemalige Liebhaber würde mit Sturm und Donnerwetter gegen die Bräutigams-Entlassung protestirt haben; der erkaltete Bonjourmacher fällt mir dankbar gerührt über den erhaltenen Abschied um den Hals. Gut, gut — die Sache ist abgemacht, unter uns beiden, heißt das. Aber noch nicht mit deinem Vater, mit Karolinen — die schonende Behandlung und Achtung zu fordern hat; doch auch das wird sich finden.“
Aber — schließt und geht mein guter Onkel auch nicht zu eilig? —
„Erspare dir die unnöthigen Schnörkeln; ich kann die Proforma’s nicht leiden. An mir ist’s, dich zu fragen: gehst du auch nicht zu eilig? — Was soll’s werden mit dir und der Wallersee? — Du zwar bist der allezeitfertige Freier, aber sie? — und für dich?“
Ich glaube noch für Keinen. — Adelaide ist noch frei —
„Und nichts weniger als zu zärtlicher Neigung für dich gestimmt.“ —
Sie betrachtet mich als Karolinens Verlobten.
„Gut, dahinter will ich bald kommen. Das Mädchen ist ohne Verstellung; sie hat Vertrauen in mich.“
Bester Onkel! was wollen Sie?
„Das Eis probiren, auf dem du eingebildeter Thor vielleicht zu zuversichtlich deine unwiderstehliche Herrlichkeit produziren willst. — Würde sie auf dich reflektiren, wenn sie dich frei weiß, so überlaß das Weitere mir.Für Karolinen findet sich schon noch Entschädigung; besser den Brautstand aufgehoben, als den Ehestand mit Wehe zerrissen, oder verzweifelnd bis zum Grabe fortgeschleppt.“
Aber mein Vater wird —
„Seine podagraischen Beine verfluchen, daß sie ihn abhalten, dich selbst auf die Zinne des Straßburger Thurms zu schleppen, und seinen Stammhalter mit eigner Hand herunter zu stürzen. — Doch auch aus ihm hoffe ich den bösen Geist zu treiben, wenn nur die Wallersee den zärtlichen Schäfer zu erhören sich geneigt findet.“
„Heisa! trabe der Herr nicht so übermüthig einher!“ — raunte der Landrath seinem Neffen in’s Ohr, als dieser Tages darauf die Nachricht des jungen Baron Milken: Adelaide habe an dem Grafen Bendheim einen eifrigen Bewerber, aber dieser schien in seinen Bemühungen nicht glücklich zu seyn, und habe Wallersee vor ein Paar Tagen wieder sehr aufgebracht verlassen — mit fröhlichem Lachen aufnahm,und seinen Witz über den abgewiesenen Seladon spielen ließ. „Morgen wird sich’s entscheiden, ob er über Bendheim triumphiren, oder sich mit ihm werde trösten müssen.“