Chapter 32

Das Grab ist nicht tief, es ist der leuchtende Fußtritt eines Engels, der uns sucht. Wenn die unbekannte Hand den letzten Pfeil an des Menschen Haupt sendet, so beugt er vorher das Haupt, und der Pfeil hebt blos die Dornenkrone von seinen Wunden ab.Jean Paul.

Das Grab ist nicht tief, es ist der leuchtende Fußtritt eines Engels, der uns sucht. Wenn die unbekannte Hand den letzten Pfeil an des Menschen Haupt sendet, so beugt er vorher das Haupt, und der Pfeil hebt blos die Dornenkrone von seinen Wunden ab.Jean Paul.

Das Grab ist nicht tief, es ist der leuchtende Fußtritt eines Engels, der uns sucht. Wenn die unbekannte Hand den letzten Pfeil an des Menschen Haupt sendet, so beugt er vorher das Haupt, und der Pfeil hebt blos die Dornenkrone von seinen Wunden ab.

Jean Paul.

Karoline schrieb ihren Eltern: Nachdem Sie uns gestern verlassen hatten, vermehrte sich die Fieberhitze unsrer theuren Kranken. Ihre Gedanken verwirrten sich; die Brust arbeitete ängstlich — jede Nerve zuckte; wir all vergingen vor Jammer! — Doch tröstete uns Doktor Weidenbach mit der Versicherung, daß die Leidende selbst wenig empfinde, und ihr Nervensystem zu schwachsey, um bey diesem convulsivischen Bewegungen sich anders als leidend zu verhalten. Je weniger Widerstand die Natur leiste, je geringer wäre das Gefühl. — Gegen Mitternacht wurde sie ruhiger. Ach! — ein Nervenschlag hatte die Krisis entschieden. Abwechselnd mit Schlafen und Wachen hat sie diesen Morgen hingebracht; auch wir sollen uns durch einige Stunden Schlaf zu erholen suchen! dies war ihre dringendste Bitte, und wir müssen wenigstens scheinbar ihrem Willen nachkommen.

Ich verließ sie, um Ihnen, theure Eltern zu melden, wie es hier mit uns steht. Julius liegt in dumpfer Verzweiflung vor Adelaidens Bildniß in der Gallerie. — So eben trägt man ihn außer sich in Theodors Zimmer auf ein Bett; Theodor bedarf selbst des Trostes und soll meinen unglücklichen Vetter zur Vernunft bringen! — Eine Wohlthat war es, daß Sie Doktor Weidenbach zu uns brachten. Adelaide sagt: es ist mir lieb, meiner Mutter wegen! sie wir seiner bedürfen. — Ja wohl, der Zustand der alten Gräfin kann bedenklich genug werden! meint selbst Weidenbach; er fürchtet für ihren Verstand. Sie hatte gehört, daß er zu Camillo gesagt: kaum könne Adelaide noch vier und zwanzig Stunden leben, und seitdem scheint sich ihre Vernunft verwirrt zu haben; bald weint, bald lacht sie; bald fragt sie: ob Adelaide aus der fürstlichen Gruft schon glücklich herausgekommen — bald ob ihre Tochter schon als Braut geschmückt sey, und zur Trauung gehen werde? — Man läßt sie nicht ins Krankenzimmer; auch hat sie heut dahin noch nicht verlangt. — Sie wird mich schon rufen; sagte sie vor einer Stunde — ich kenne meine Tochter: sie überrascht mich gern; ich muß ihr die Freude nicht verderben!


Back to IndexNext