Eine feine Nase für Modewörter hat gewöhnlich der Student. Die Studentensprache wimmelt von Modewörtern; sowie ein neues aufkommt, wird es ihr sofort „einverleibt“. Aber der Student spricht sie fast alle mit Gänsefüßchen, er macht sich lustig über sie, während er sie gebraucht. Die Sache hat nur nicht bloß eine lustige, sie hat auch eine sehr ernste Seite. Jedes neu aufkommende Modewort verdrängt eine Anzahl sinnverwandter Wörter mit ihren fein abgetönten Unterschieden, und schließlich wird es gedankenlos auch für Wörter gebraucht, die einen ganz andern Sinn haben. So ist mit jedem neuen Modewort eine zunehmende Verarmung der Sprache und eine zunehmende Oberflächlichkeit und Unklarheit des Denkens verbunden.
Wie alle Modedummheiten haben aber auch die Sprachmoden ihre Zeit. Sie verschwinden alle wieder, die einen früher, die andern später. Darum ist ein Kampf gegen sie eigentlich überflüssig.[165]Verteidigt werden sie immer nur von solchen, die darauf hineingefallen sind, ohne es zu merken; die ärgern sich dann über den, der es gemerkt hat, und bestreiten die Berechtigung seiner Angriffe. Jeder gute Schriftsteller aber wird sich vor ihnen hüten. Denn jeder gute Schriftsteller hat doch den Wunsch, nicht gar zu schnell zu veralten. Dazu gehört aber, daß das, was er schreibt, nicht bloß einen dauerhaften Inhalt, sondern auch eine dauerhafte Form habe.