Das und was

Das und was

Ein häßlicher Fehler ist es, statt des relativendaszu schreibenwas, wenn sich das Relativ auf einen bestimmten einzelnen Gegenstand bezieht, z. B.das Haus, was–das Buch, was–das Ziel, was. Nur die niedrige Umgangssprache drückt sich so aus; in der guten Schriftsprache wie in der feinern Umgangssprache istwasals Relativ auf ganz bestimmte Fälle beschränkt: es wird nur hinter substantivierten Fürwörtern,Zahlwörtern und Eigenschaftswörtern gebraucht, z. B.das, was–dasselbe, was–etwas, was–alles, was–vieles, was–das wenige, was–das einzige, was–das erste, was–das letzte, was–das meiste, was–das Gute, was–das Beste, was. Doch ist auch hier, namentlich bei den substantivierten Adjektiven, wohl zu unterscheiden zwischen solchen Fällen, wo es sich um ein Allgemeines handelt, und solchen, wo etwas Besondres, Bestimmtes, Einzelnes vorschwebt. Fälle der zweiten Art sind z. B.:etwas Ungeschicktes, dasmich in Verlegenheit brachte –das Bittre, daszwischen uns getreten ist –das Besondre, dasdem Allgemeinen untergeordnet ist –das Schiefe und Hinkende, dasjeder Vergleich hat –das Moralische, daseinem doch nicht gleichgiltig sein kann –das Erlernbare, dassich jederzeit in Büchern wieder auffinden läßt – wenn andas Gute, dasich zu tun vermeine, gar zu nah was Schlimmes grenzt (Lessing). Hinter dem Superlativ von substantivierten Eigenschaftswörtern ist in den meisten Fällenwasdas richtige, aber doch nur deshalb, weil gewöhnlich ein partitiver Genitiv zu ergänzen ist (von dem, von allem), der daswasverlangen würde. Wenn ich sage:das Erhabenste, wasBeethoven geschaffen hat – so meine ich nicht das Erhabenste überhaupt, sondern eben das Erhabenstevon demodervon allem, wasBeethoven geschaffen hat. Der Superlativ für sich allein bezeichnet hier noch gar nichts, der Relativsatz ist die notwendige Ergänzung dazu. Wenn ich dagegen sage:das Erhabenste, daswir Gott nennen, so ist gar nichts zu ergänzen, der Relativsatz kann auch fehlen, es ist das Erhabenste schlechthin gemeint. Beispiele der ersten Art sind:das Höchste, waswir erreichen können –das Schlimmste, waseinem Staate widerfahren kann –das Ärgste, wasMenschen einander antun können –das Beste, wasdu wissen kannst, darfst du den Buben doch nicht sagen (Faust) – er preistdas Höchste, das Beste, wasdas Herz sich wünscht,wasder Sinn begehrt (Schiller). Hier wird denn auch meist richtigwasgesetzt. Nach dem Positiv gebrauchenaber auch gute Schriftsteller blindlings balddas, baldwas. Sieht man sich die Beispiele näher an, so sieht man, daß sie viel öfter das Falsche als das Richtige getroffen haben.

Endlich istwasfürdasauch da notwendig, wo sich das Relativ auf den Inhalt eines ganzen Satzes bezieht, z. B. der Mensch,das Tiermit zwei Händen,dasauch lachen kann,wasder Affe immer noch nicht fertig bringt. In einem Satze wie: es ist kein freundliches Bild,wasder Verfasser vor uns aufrollt – wird nicht deutlich, ob sich was auf Bild beziehen soll; man kann den Relativsatz auch als Subjektsatz auffassen:wasder Verfasser vor uns aufrollt, ist kein freundliches Bild. In diesem Falle wäre natürlichwasrichtig, im andern müßte esdasheißen.


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