Wie, wo, worin, womit, wobei

Wie, wo, worin, womit, wobei

Daß Präpositionen in Verbindung mit dem Relativpronomen durch die hübschen relativen Adverbiaworin,woraus,womit,wobei,woran,wofürusw. ersetzt werden können und in der lebendigen Sprache sehr oft ersetzt werden, wenn sich das Relativ auf eine Sache (nicht auf eine Person!) zurückbezieht, daran denken beim Schreiben die wenigsten, und wenn sie daran denken, so wagen sie nicht, Gebrauch davon zu machen. Am ehesten getrauen sie sichs noch da, wo sie auchwasstattdassagen würden. Aber ein Brief,worin– eine Fläche,worauf– ein Messer,womit– ein Mittel,wodurch– eine Regel,wobei– ein Geschenk,worüber– eine Gefahr,wovor– (auch: der Grund,weshalb) – wie wenigen will das aus der Feder! Sie halten es womöglich gar für falsch. Irgendein Schulmeister, der sich nicht vom Lateinischen hatte losmachen können, hat ihnen vielleicht einmal in der Jugend davor bange gemacht, und so schreiben sie denn: diese beiden Punkte sind es,an welchenGrimm aufs strengste festgehalten hat – der innige Zusammenhang,in welchemGlaube, Recht und Sitte stehen – das einfache, schmucklose Gewand,mit welchemuns die Natur wie eine Mutter umfängt usw.Und doch heißt es in dem Bürgerschen Spruch: Die schlechtsten Früchte sind es nicht,worandie Wespen nagen. Nun gar das einfachewo: das Gebäude,wo– ein Gebiet,wo– in einer Stadt,wo– in allen Fällen,wo– eine Gelegenheit,wo– eine Ausgabe,wo(z. B. der Sopran die Melodie hat), und vollends dieses einfachewovon der Zeit gebraucht: wir gedenken an jene Zeit der Jugend,wowir zuerst auszogen – die Eltern sind genötigt, über den Bildungsgang ihrer Kinder schon zu einer Zeit Bestimmungen zu treffen,woderen Anlagen noch zu wenig hervorgetreten sind – seit dem 29. März,wodie neue Bewegung begann – seit dem Jahre 1866,woer sein Amt niedergelegt hatte – wie wenige wagen das zu schreiben, wie wenige haben eine Ahnung davon, daß auch das grammatisch ganz richtig und hundertmal schöner ist als das ungeschickte: seit dem 29. März,an welchem Tage– seit 1866, in welchem Jahre usw.[64]Ist es nicht kläglich komisch, in einem Manuskript sehen zu müssen, wie der Verfasser erst geschrieben hat: die Depesche gelangtean demselben Tagein seine Hände,alsusw., dann dasalswieder durchgestrichen und darübergesetzt hat:an welchem, aber auf das gute, einfache, natürlichewonicht verfallen ist? Und genau so ist es mitwie. Die Art und Weise,wie– in dem Grade,wie– in jenem Sinne,wie– in dem Maße,wie– über die Richtung,wie– wie wenige getrauen sich das zu schreiben! Die alten Innungen waren Produktivgenossenschaften in jenem vernünftigen Sinne,in welchemjeder Staat es ist – man war im Zweifel über die Art und Weise,in welcherdie soziale Gesetzgebung vorzugehen habe – ein Bier, das in demselben Grade ungenießbar wird,in welchemsich seine Temperatur über den Gefrierpunkt erhebt – in dem Maße,in welchem(wie!) sich die Partei dem Augenblicke nähert,in welchem(wo!) sie ihr Versprechen erfüllen soll – anders schreibt der Papiermensch gar nicht.

Das relative Adverbiumwobedeutet keineswegs, wie so viele glauben, nur den Ort, es bedeutet, wie das ihm entsprechendeda, ebensogut auch die Zeit. Merkwürdigerweise hat man noch eher den Mut, zu schreiben: die Zeit,da– als: die Zeit,wo. Manche lieben sogar diesesda, ziehen also hier das Demonstrativ in der relativen Bedeutung vor, während sie doch sonst immerwelcherfürderschreiben. Aberdaals Relativ klingt uns heute doch etwas veraltet (man denke nur an den Bibelspruch: seid Täter des Worts und nicht Hörer allein,damitihr euch selbst betrüget), es kann auch leicht mit dem kausalendaverwechselt werden, z. B. mitten in einer trüben Zeit,daihn ein Augenleiden heimsuchte. Fürin welchemsollte man, wo es irgend angeht, schreibenworin; beiin dementsteht der Übelstand, daß es mit dem Fügewortindemverwechselt werden kann: der Aufsatz,in demihm vorgeworfen wird, er heuchle Frömmigkeit. Auf dem Papier natürlich nicht, aber das Papier geht uns auch nichts an; beim Hören kanns verwechselt werden – das ist die Hauptsache!


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