Der Buchtitelfehler

Der Buchtitelfehler

Ein besonders häufiges Beispiel einer fehlerhaften Apposition findet sich auf Buchtiteln. Gewiß auf der Hälfte aller Buchtitel wird jetzt zum Verfassernamen, der ja immer hintervon, also im Dativ steht, das Amt oder der Beruf des Verfassers im Nominativ gesetzt!Noch in den vierziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war diese Nachlässigkeit fast unbekannt; da schrieb man noch richtig;vonJosephFreiherrnvon Eichendorff,vonH. Stephan, kgl. preußischemPostrat. Jetzt heißt es:vonC. W. Schneider, Reichstagsabgeordneter–vonH. Brehmer, dirigierenderArzt –vonF. Kobeker, kaiserl. russischerGeheimrat –vonEgbert von Frankenberg, diensttuenderKammerherr –vonHavestadt und Contag, Regierungsbaumeister–vonDr.Leonhard Wolff, städtischerMusikdirektor –vonJ. Hartmann, königl. preußischerGeneralleutnant z. D. –vonAdolf Zeller, königlicherRegierungsbaumeister –vonAdolf Winds, königl. sächsischerHofschauspieler –vonDr.Friedrich Harms, weiland ordentlicherProfessor an der Universität Berlin –vonL. Schmidt, korrespondierendesMitglied des Vereins usw. Besonders häufig erscheinen derDozent, derPrivatdozentund derArchitektin solchen fehlerhaften Appositionen; es ist, als ob die Herren ganz vergessen hätten, daß sie nach der schwachen Deklination gehen (demDozenten,demArchitekten). Mitunter sind ja die Verfasser so vorsichtig, das Wort, auf das es ankommt, abzukürzen, z. B.:vonHeinrich Oberländer,königl.Schauspieler. Namentlich derordentl.und deraußerordentl.Professor gebrauchen gern diese Vorsicht und überlassen es dem Leser, sich die Abkürzung nach Belieben zu ergänzen. Die meisten Leser ergänzen aber sicher falsch.[105]Hat außerdem noch der Name des Druckers oder des Verlegers eine Apposition, so kann es vorkommen, daß auf einem Buchtitel der Fehler zweimal steht, oben beim Verfassernamen und dann wieder unten am Fuße: DruckvonGustav Schenk, königlicherHoflieferant!

Aber auch in andern Fällen, nicht bloß wo sich der Verfasser eines Buches nennt, wird der Fehler oft begangen. Man schreibt auch: ErinnerungenanBotho von Hülsen, Generalintendantder königlichen Schauspiele.Auf Briefadressen kann man lesen:HerrnDr.Müller, Vorsitzenderdes Vereins usw. Es ist, als ob alle solche Appositionen, die Amt, Titel, Beruf angeben, zusammen mit den Personennamen als eine Art von Versteinerungen betrachtet würden. Daßvonden Dativ,anden Akkusativ regiert, dafür scheint hier alles Bewußtsein geschwunden zu sein. Erst kommt die Präposition, dann der Name, und dann, unflektiert und, wie es scheint, auch unflektierbar, der Wortlaut der – Visitenkarte.


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