Derer und deren

Derer und deren

Die Genitive der Mehrzahldererundderensind der alten Sprache überhaupt unbekannt, sie hat nurder; beide sind – ebenso wie die Genitive der Einzahldessenundderen– erst im Neuhochdeutschen gebildet worden und als willkommne Unterscheidungen des betonten und lang gesprochnen Determinativs und Relativsder(dēr) von dem gewöhnlich unbetonten und kurz gesprochnen Artikelder(dĕr) festgehalten worden.Derersteht vor Relativsätzen (und verdient dort den Vorzug vor dem schleppendenderjenigen);derenist Demonstrativum: die Krankheit undderenHeilung (d. i.ihreHeilung) und Relativum: die Krankheiten,derenHeilung möglich ist. Falsch ist es also, wenn Relativsätze angefangen werden: in betreffderer, vermögederer.

Ein ganz neuer Unsinn, den man jetzt bisweilen lesen muß, istdessemundderem: der Dichter,dessemlöblichen Fortschreiten ich mit Freuden folge – die Geschäfte werden inzwischen vondessemStellvertreter besorgt – die fremde Kunst, beideremStudium der Deutsche seine eigne Kunst vergaß – für die Behörden zuderemalleinigen Gebrauch ausgefertigt. Der Dativ, der in diesen Sätzen steht, hat gleichsam den vorangehenden abhängigen Genitiv angesteckt und dadurch die Mißbildungen geschaffen. Die Verirrung geht aber wohl öfter in den Köpfen der Setzer als in denen der Schriftsteller vor; bei der Korrektur lesen die Verfasser überden Unsinn weg, und so wird er mit gedruckt. Auchdergleichemfindet sich schon: er ist zu Verschickungen unddergleichemgebraucht worden.[31]


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