Hocherfreut oder hoch erfreut?
Leipziger Geburtsanzeigen werden nie anders gedruckt als: Durch die glückliche Geburt eines Knaben wurdenhocherfreutusw. – auch Zeitungen schreiben: das gesamte Personal der Firma ist durch Jubelgabenhocherfreutworden – Gutenberg ist dieses Jahr in vielen deutschen Städtenhochgefeiertworden – und auf Buchtiteln liest man: in dritter Auflageneubearbeitetvon usw. Welche Verirrung! Ein Partizip kann Verbalform sein, es kann auch Nomen sein.[79]Aber nur dann, wenn es Nomen, also Adjektiv ist, kann ein hinzugefügtes Adverb damit zueinemWorte verwachsen: wie man vonhochadligen Elternreden kann, so auch vonhocherfreutenEltern. Wie soll aber ein Adverb mit dem Partizip zusammenwachsen, wenn das Partizip Verbalform ist? Wir sindhocherfreut worden– so könnte man doch nur schreiben, wenn es ein Zeitworthocherfreuengäbe: ichhocherfreue, duhocherfreustusw. Dasselbe gilt natürlich vom Infinitiv und bei intransitiven Zeitwörtern vomVerbum finitum; esist töricht, wenn Zeitungen schreiben: der Kronprinz ließ das Brautpaarhochleben, der Vortrag wirdhochbefriedigen,feststeht, daß der Minister nicht zurücktreten wird, denn es gibt kein Zeitwort: ichhochlebe, ichhochbefriedige, ichfeststehe.
Ebenso wie mit den Adverbien ist es auch mit den Objekten. Man kann wohl schreiben: dienotleidendeLandwirtschaft, aber falsch ist es, im Infinitiv zu schreiben:notleiden; denn es gibt kein Zeitwort: ichnotleide.
Es handelt sich hier durchaus nicht bloß um einen „orthographischen“ Fehler oder gar bloß um eine gleichgiltige orthographische Abweichung, sondern in der falschen Schreibung verrät sich ein grober Denkfehler.