Kaiser Wilhelms
Tritt vollends der Herrschertitel dazu, so pflegt alle Weisheit zu Ende zu sein. Wie dekliniert man:Herzog Ernst der Fromme,Kaiser Friedrich der Dritte? Bei einer vorangestellten Apposition wieKaiser,König,Herzog,Prinz,Graf,Papst,Bischof,Bürgermeister,Stadtrat,Major,Professor,Doktor,Direktorusw. kommt es darauf an, ob die Apposition als bloßer Titel, oder ob sie wirklich als Amt, Beruf, Tätigkeit der Person aufgefaßt werden soll oder aufgefaßt wird. Im ersten Fall ist es das üblichste, nur den Eigennamen zu deklinieren, den Titel aber ohne Artikel und undekliniert zu lassen, alsoKaiser Wilhelms,Papst Urbans,Doktor Fausts Höllenfahrt,Bürgermeister Müllers Haus. Der Titel verwächst für das Sprachgefühl so mit dem Namen, daß beide wie eins erscheinen.[9]Im achtzehnten Jahrhundert sagte man sogarHerr Müllers,Herr Müllern, nicht:Herrn Müller. Im zweiten Falle wird der Artikel zur Apposition gesetzt und die Apposition dekliniert, dagegen bleibt der Name undekliniert:des Kaisers Wilhelm,des Herzogs Albrecht, ein Bilddes Ritters Georg. Freilich geht die Neigung vielfach dahin, auch hier die Apposition undekliniert zu lassen, z. B.des Doktor Müller,des Professor Albrecht. Treten zwei Appositionen zu dem Namen, eine davor, die andre dahinter, so ist für die voranstehende nur das erste der eben besprochnen beiden Verfahren möglich, also: die TruppenKaiser Heinrichs des Vierten, das DenkmalKönig Friedrichs des Ersten, eine UrkundeMarkgraf Ottos des Reichen, die BullePapst Leos des Zehnten. Beide Appositionen zu deklinieren und den Namen undekliniert zu lassen, z. B.KönigsChristiandes Ersten,des KaisersWilhelmdes Siegreichen, wirkt unangenehm wegen des Zickzackganges der beiden Kasus (Genitiv, Nominativ, Genitiv).[10]