E.Feierliche Ceremonien.
§ 143.1. Der Landesvater.
Der Landesvater, ein mit Feierlichkeiten verbundenes Lied, das ursprünglich mit den Worten anfing: »Landesvater, Schutz und Rater,« wird bei jedem solennen Kommerse gesungen.
Auf Kommando des Präsidiums steigen folgende Strophen:
1) Alles schweige, jeder neigeErnsten Tönen nun sein Ohr!Hört, ich sing' das Lied der Lieder,Hört es, meine deutschen Brüder!Hall es wieder, froher Chor!2) Deutschlands Söhne, laut ertöneEuer Vaterlandsgesang! –Vaterland! du Land des Ruhmes,Weih' zu deines HeiligtumesHütern uns und unser Schwert! –3) Hab' und Leben dir zu geben,Sind wir allesamt bereit, –Sterben gern zu jeder Stunde,Achten nicht der Todeswunde,Wenn das Vaterland gebeut.4) Wer's nicht fühlet, selbst nicht zieletStets nach deutscher Männer Wert, –Soll nicht unsern Bund entehren,Nicht bei diesem Schläger schwören,Nicht entweihn das deutsche Schwert.5) Lied der Lieder, hall' es wieder:Groß und deutsch sei unser Mut! –Seht hier den geweihten Degen,Thut, wie brave Burschen pflegen,Und durchbohrt den freien Hut!
1) Alles schweige, jeder neigeErnsten Tönen nun sein Ohr!Hört, ich sing' das Lied der Lieder,Hört es, meine deutschen Brüder!Hall es wieder, froher Chor!
2) Deutschlands Söhne, laut ertöneEuer Vaterlandsgesang! –Vaterland! du Land des Ruhmes,Weih' zu deines HeiligtumesHütern uns und unser Schwert! –
3) Hab' und Leben dir zu geben,Sind wir allesamt bereit, –Sterben gern zu jeder Stunde,Achten nicht der Todeswunde,Wenn das Vaterland gebeut.
4) Wer's nicht fühlet, selbst nicht zieletStets nach deutscher Männer Wert, –Soll nicht unsern Bund entehren,Nicht bei diesem Schläger schwören,Nicht entweihn das deutsche Schwert.
5) Lied der Lieder, hall' es wieder:Groß und deutsch sei unser Mut! –Seht hier den geweihten Degen,Thut, wie brave Burschen pflegen,Und durchbohrt den freien Hut!
Hierauf singen die Präsiden zusammen mit erhobenen Schlägern und entblößten Häuptern folgende Strophe:
6) »Seht ihn blinken, in der Linken,Diesen Schläger, nie entweiht! –Ich durchbohr' den Hut und schwöre:Halten will ich stets auf Ehre,Stets ein braver Bursche sein!«
6) »Seht ihn blinken, in der Linken,Diesen Schläger, nie entweiht! –Ich durchbohr' den Hut und schwöre:Halten will ich stets auf Ehre,Stets ein braver Bursche sein!«
Dabei durchbohren die Präsiden ihre Mützen mit dem Schläger und schieben sie hinunter bis auf die Glocke, worauf die Corona wiederholt:
»Du durchbohrst den Hut« etc.
»Du durchbohrst den Hut« etc.
Nun gehen die Präsiden zu dem nächsten sich gegenüber sitzenden Paar an der Tafel, reichen den Betreffenden den Pokal und singen dabei:
7) »Nimm den Becher, wackrer ZecherVaterländ'schen Trankes voll!Nimm den Schläger in die Linke,Bohr' ihn durch den Hut und trinkeAuf des Vaterlandes Wohl!« etc.
7) »Nimm den Becher, wackrer ZecherVaterländ'schen Trankes voll!Nimm den Schläger in die Linke,Bohr' ihn durch den Hut und trinkeAuf des Vaterlandes Wohl!« etc.
Während des Gesanges überreichen sie den Schläger, die Betreffenden trinken, durchbohren ihre Mützen, reihen sie auf, kreuzen die Schläger, legen ihre Rechte auf die Klinge dort wo sie sich mit der andern kreuzt und singen dabei:
»Ich durchbohr' den Hut und schwöre« etc.
»Ich durchbohr' den Hut und schwöre« etc.
Die Corona wiederholt:
»Du durchbohrst den Hut und schwörest« etc.
»Du durchbohrst den Hut und schwörest« etc.
Nun nehmen die Präsiden die Schläger zurück und treten zum nächsten Paar; und so wiederholt sich die Ceremonie in der gleichen Weise wie beim ersten Paar, bis die Mützen aller Commersierenden aufgespießt sind. Dann singen die Präsiden:
8) »Komm du blanker Weihedegen,Freier Männer, freie Wehr!Bringt ihn festlich mir entgegen,Von durchbohrten Hüten schwer!«9) »Laßt uns festlich ihn entlasten,Jeder Scheitel sei bedeckt!Und dann laßt ihn unbeflecktBis zur nächsten Feier rasten!«
8) »Komm du blanker Weihedegen,Freier Männer, freie Wehr!Bringt ihn festlich mir entgegen,Von durchbohrten Hüten schwer!«
9) »Laßt uns festlich ihn entlasten,Jeder Scheitel sei bedeckt!Und dann laßt ihn unbeflecktBis zur nächsten Feier rasten!«
Hierauf gehen die Präsiden mit den Schlägern wieder die Reihen hinab, setzen paarweise den Eigentümern die Kopfbedeckungen wieder auf, legen den Schläger auf deren nun bedecktes Haupt und singen:
10) »So nimm ihn hin,Dein Haupt will ich bedeckenUnd drauf den Schläger strecken:Es leb' auch dieser Bruder hoch!Ein Hundsfott, der ihn schimpfen soll!«
10) »So nimm ihn hin,Dein Haupt will ich bedeckenUnd drauf den Schläger strecken:Es leb' auch dieser Bruder hoch!Ein Hundsfott, der ihn schimpfen soll!«
Die Corona fällt ein:
»So lange wir ihn kennen,Woll'n wir ihn Bruder nennen!Es leb' auch dieser Bruder hoch!«
»So lange wir ihn kennen,Woll'n wir ihn Bruder nennen!Es leb' auch dieser Bruder hoch!«
Dies wird so lange wiederholt, bis alle Häupter bedeckt sind. Dann schließt die Ceremonie mit folgenden allgemein gesungenen Strophen:
11) »Ruhe von der Burschenfeier,Blanker Weihedegen nun,Jeder trachte, wackrer FreierUm das Vaterland zu sein!«»Jedem Heil, der sich bemühteGanz der Väter wert zu sein!Keiner taste je ans Schwert,Der nicht edel ist und bieder!«
11) »Ruhe von der Burschenfeier,Blanker Weihedegen nun,Jeder trachte, wackrer FreierUm das Vaterland zu sein!«
»Jedem Heil, der sich bemühteGanz der Väter wert zu sein!Keiner taste je ans Schwert,Der nicht edel ist und bieder!«
NB.Je öfter eine Mütze den Landesvater mitgemacht hat, je mehr sie durchbohrt ist, um so größern Wert hat sie – wie bei den Kriegern die zerfetzten Fahnen. Davon zeugen die alten Verse:
»Am großen Hut prangt feierlichDie Landesvaterei,Er schätzt ihn mehr bei jedem StichAls wär er gut und neu.«
»Am großen Hut prangt feierlichDie Landesvaterei,Er schätzt ihn mehr bei jedem StichAls wär er gut und neu.«
§ 144.2. Der Salamander.
Der Salamander ist die höchste studentische Ehrenbezeugung, die einem Mitglied der Biertafel oder auch einem Abwesenden erwiesen werden kann. Er geht folgendermaßen vor sich:
Auf Kommando des Präsidiums werden die schäbigen Reste vertilgt und durch Blumen ersetzt, dann heißt es: »Silentium! Präpariert euch zum Salamander auf N. N.«
Der weitere Verlauf ist dann:
Präsidium: »ad exercitium Salamandri, sind die Stoffe präpariert?«
Corona: »sunt!« resp. »non sunt!«
Präsidium: »ad exercitium Salamandri!1, 2, 3!«
Alle erheben sich und reiben bis 3! mit den Gläsern auf dem Tisch.
Präsidium: »1, 2, 3!«
Auf 3! trinkt die Corona.
Präsidium: »ad exercitium Salamandri1 … 2 … … 3!« (langsam).
Während dieses Kommandos wird bis 3! mit den Gläsern auf dem Tische getrommelt.
Präsidium: »1, 2, 3!«
Bei 1! werden die Gläser gehoben und bei 3! auf den Tisch niedergeschlagen.
Präsidium: »1, 2, 3!«
Bei 3! wird nochmals auf den Tisch geschlagen.
Präsidium: »Salamander ex!«
Die Corona singt nun das Lied:
»Cerevisiam bibunt homines,Animalia cetera fontes;Absit ab humano gutturePotus aquae!Sic bibitur, sic bibiturIn aulis principum!«
»Cerevisiam bibunt homines,Animalia cetera fontes;Absit ab humano gutturePotus aquae!Sic bibitur, sic bibiturIn aulis principum!«
Das Kommando des Salamanders ist stets dem Präsidium vorbehalten, kann jedoch auch einem andern Mitglied der Kneiptafel übertragen werden.
NB.Der »Salamander« scheint mit dem Glauben an die Feuerbeständigkeit des Salamanders zusammenzuhängen: auch die Freundschaft soll die Feuerprobe bestehen.
Nach andern soll er ein Anklang an die Trankopfer unsrer heidnischen Vorfahren sein. Scheffel schildert in seinem »Ekkehard« ein alemannisches Trankopfer folgendermaßen: »Die Männer ergriffen ihre Krüge und rieben sie in einförmiger Weise dreimal auf dem geglätteten Fels, daß ein summendes Getön entstand, hoben sie dann gleichzeitig der Sonneentgegen und tranken aus; in gleichem Takte setzte jeder den Krug nieder, es klang wie ein einziger Schlag.«
§ 145.3. Die Rezeption.
Die Aufnahme von Füchsen findet unter sehr verschiedenen Ceremonien statt. Einheitlich ist nur folgendes:
Die Corona stimmt das Lied an: »Was kommt dort von der Höh',« währenddessen reitet der Fuchsmajor mit den zu Rezipierenden auf Stühlen in der Kneipe herum. Nachdem dann später das Fuchsenexamen und sonstiger Ulk in Scene gegangen sind, findet die eigentliche Rezeption unter folgender Formel statt:
Der Fuchsmajor spricht: »Ego N. N., pro tempore vulpium maior, te recipio in nomine cerevisiae in civitatem amicitiae et in locum fidelitatis, ut sis vulpes in oboedientia, tabacum cigarrosque semper tecum portans burschibusque liberaliter offerens.«
§ 146.4. Die Brandung.
Die Brandung der Füchse findet am Ende ihres ersten Semesters statt. Einheitlich ist:
Unter Absingung des Liedes: »Was kommt dort von der Höh'?« reiten die Füchse in die Kneipe ein, während die Burschen sich in zwei Reihen aufstellen und den Durchreitenden das Gesicht anschwärzen (mit zu Kohle gebrannten Holzstäben). Nachdem die Füchse in ulkiger Weise examiniert sind, vollendet der Fuchsmajor die Brandung mit den Worten: »Ego N. N. pro tempore vulpium maior, te vulpem N. N. grandissimum nomino, nominatum declaro, declaratum proclamo.« Zum Schluß folgt das Lied: »Ich war Brandfuchs noch an Jahren.«
§ 147.5. Die Burschung.
Wenn ein Fuchs, gewöhnlich am Ende seines 2. Semesters, alle ihm gestellten Vorbedingungen erfüllt hat, erfolgt unter großen Feierlichkeiten seine Aufnahme ins Burschentum.
Der Schwerpunkt dabei liegt darin, daß sich der zu Burschende mit Ehrenwort auf die Prinzipien und Zwecke der betr. Korporation verpflichtet. – Die Burschungsformel lautet:
»Ego N. N. ex auctoritate et dignitate te N. N. burschium nomino, nominatum declaro, declaratum proclamo.«
§ 148.6. Die Totenfeier.
Ist ein Mitglied der Corona gestorben, so findet ihm zu Ehren eine Trauerkneipe statt. Es werden 101 Gläser getrunken; das Glas des Verstorbenen wird gefüllt und steht mit einem Trauerflor behangen rechts vom Präsidium an einem leeren Platze. Als Lieder werden gesungen:
1.
Es hatten drei Gesellen ein fein Kollegium;Es kreiste so fröhlich der Becher in dem kleinen Kreise herum.Sie lachten dazu und tranken und waren froh und frei,Des Weltlaufs Elend und Sorgen, sie gingen an ihnen vorbei.Da starb von den Dreien der eine, der andre folgte ihm nach,Und es blieb der dritte alleine in dem öden Jubelgemach.Und wenn die Stunde gekommen des Zechens und der Lust,Dann thät er die Becher füllen und sang aus voller Brust.So saß er einst auch beim Mahle und sang zum Saitenspiel,Und zu dem Wein im Pokale eine helle Thräne fiel.»Ich trink euch ein Smollis, ihr Brüder! Wie sitzt ihr so stumm und so still?Was soll aus der Welt denn werden, wenn keiner mehr trinken will?«Da klangen der Gläser dreie, sie wurden mählich leer;»Fiducit, fröhlicher Bruder!« – Der trank keinen Tropfen mehr.
Es hatten drei Gesellen ein fein Kollegium;Es kreiste so fröhlich der Becher in dem kleinen Kreise herum.
Sie lachten dazu und tranken und waren froh und frei,Des Weltlaufs Elend und Sorgen, sie gingen an ihnen vorbei.
Da starb von den Dreien der eine, der andre folgte ihm nach,Und es blieb der dritte alleine in dem öden Jubelgemach.
Und wenn die Stunde gekommen des Zechens und der Lust,Dann thät er die Becher füllen und sang aus voller Brust.
So saß er einst auch beim Mahle und sang zum Saitenspiel,Und zu dem Wein im Pokale eine helle Thräne fiel.
»Ich trink euch ein Smollis, ihr Brüder! Wie sitzt ihr so stumm und so still?Was soll aus der Welt denn werden, wenn keiner mehr trinken will?«
Da klangen der Gläser dreie, sie wurden mählich leer;»Fiducit, fröhlicher Bruder!« – Der trank keinen Tropfen mehr.
2.
Integer vitae, scelerisque purusNon eget Mauris jaculis nec arcu,Nec venenatis gravida sagitisFusce, pharetra.Sive per Syrtes iter aestuosas,Sive facturus per inhospitalemCaucasum, vel quae loca fabulosusLambit Hydaspes.Namque me silva lupus in Sabina,Dum meam canto Lalagen, et ultraTerminos vagor curis expeditis,Fugit inermem.Quale portentum neque militarisDaunia in latis alit aesculetis:Nec Jubae tellus generat, leonumArida nutrix.Pone me, pigris ubi nulla campisArbor aestiva recreatur aura,Quod latus mundi, nebula malusqueJupiter urget.Pone sub curru nimium propinquoSolis, in terra domibus negata:Dulce ridentem Lalagen amabo,Dulce loquentem.
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Sive per Syrtes iter aestuosas,Sive facturus per inhospitalemCaucasum, vel quae loca fabulosusLambit Hydaspes.
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Quale portentum neque militarisDaunia in latis alit aesculetis:Nec Jubae tellus generat, leonumArida nutrix.
Pone me, pigris ubi nulla campisArbor aestiva recreatur aura,Quod latus mundi, nebula malusqueJupiter urget.
Pone sub curru nimium propinquoSolis, in terra domibus negata:Dulce ridentem Lalagen amabo,Dulce loquentem.
3.
Vom hoh'n Olymp herab ward uns die Freude,Ward uns der Jugendtraum beschert;Drum traute Brüder, trotzt dem blassen Neide,Der unsre Jugendfreuden stört.Feierlich schalle der JubelgesangSchwärmender Brüder beim Becherklang!Versenkt ins Meer der jugendlichen Wonne,Lacht uns der Freuden hohe Zahl,Bis einst am späten Abend uns die SonneNicht mehr entzückt mit ihrem Strahl. etc.So lang es Gott gefällt, ihr lieben Brüder!Woll'n wir uns dieses Lebens freun,Und fällt der Vorhang einstens uns hernieder,Vergnügt uns zu den Vätern reihn. etc.Ist einer unsrer Brüder dann geschieden,Vom blassen Tod gefordert ab,So weinen wir und wünschen Ruh' und FriedenIn unsers Bruders stilles Grab.Wir weinen und wünschen Ruhe hinabIn unsers Bruders stilles Grab.
Vom hoh'n Olymp herab ward uns die Freude,Ward uns der Jugendtraum beschert;Drum traute Brüder, trotzt dem blassen Neide,Der unsre Jugendfreuden stört.Feierlich schalle der JubelgesangSchwärmender Brüder beim Becherklang!
Versenkt ins Meer der jugendlichen Wonne,Lacht uns der Freuden hohe Zahl,Bis einst am späten Abend uns die SonneNicht mehr entzückt mit ihrem Strahl. etc.
So lang es Gott gefällt, ihr lieben Brüder!Woll'n wir uns dieses Lebens freun,Und fällt der Vorhang einstens uns hernieder,Vergnügt uns zu den Vätern reihn. etc.
Ist einer unsrer Brüder dann geschieden,Vom blassen Tod gefordert ab,So weinen wir und wünschen Ruh' und FriedenIn unsers Bruders stilles Grab.Wir weinen und wünschen Ruhe hinabIn unsers Bruders stilles Grab.
Nachdem die 101 Gläser getrunken sind, wird ein kurzer Nekrolog gesprochen.
Dann werden die Lichter ausgelöscht und ein Salamander in der Luft (mancherorts auch auf der Erde) gerieben, bei dem das Präsidium das Glas des Verstorbenen trinkt. Beim letzten Schlag des Salamanders wird das Glas des Verstorbenen zu Boden geschmettert, womit die Feier beendet ist.