32.

„Hcha, Hcha, Teufel! — Was machst du denn dort, daß du nicht schläfst?“ rief ihm jetzt die Stimme seines Bruders zu.

„Ich weiß nicht, was das ist, ich kann nicht schlafen!“ —

„Nun; ich habe recht gut geschlafen, ich schwitze jetzt gar nicht mehr. Sieh selbst, fühle nur mein Hemd an; kein Schweiß mehr!“ Lewin befühlte das Hemd, ging dann hinterdie Scheidewand, löschte das Licht wieder aus, konnte aber noch lange den Schlaf nicht finden.

Kaum hatte sich ihm nur einigermaßen die Frage geklärt, wie er leben solle, da war schon eine neue, unlösbare vor ihm erschienen — der Tod.

„Er stirbt; er wird im Frühjahr sterben; wie kann man ihm helfen? Was soll ich ihm sagen? Was weiß ich darüber? Ich hatte vergessen, daß es so steht.“

Lewin hatte schon seit langem die Beobachtung gemacht, daß, wenn Einem im Umgang mit den Menschen deren allzugroße Zuvorkommenheit und Ergebenheit peinlich wird, sehr schnell auch ein übermäßig anspruchsvolles Wesen und Streitsucht unerträglich wird. Er fühlte, daß dies auch mit seinem Bruder der Fall sein würde; und in der That, die Sanftmut desselben reichte nicht lange aus. Schon vom anderen Morgen an wurde er reizbar und stritt geflissentlich mit dem Bruder, indem er diesen an seinen empfindlichsten Stellen zu treffen versuchte.

Lewin fühlte sich betreten, vermochte aber die Sache nicht zu ändern. Er empfand, daß sie beide nur, wenn sie sich nicht mehr verstellten, sondern aussprächen, was man „vom Herzen herunter“ sprechen nennt, das heißt, nur was sie wirklich dachten und fühlten, sich gegenseitig offen einander ins Auge blicken könnten, und Konstantin nur zu sagen hätte „du mußt sterben, sterben!“ währen Nikolay ihm antworten müßte „ich weiß es, daß ich sterben werde, aber ich fürchte den Tod, ich fürchte, fürchte ihn.“ — Mehr würden sie nicht sprechen, wenn sie so nur vom Herzen herunter gesprochen haben würden. Aber so war nicht zu leben, und deshalb versuchte es Konstantin, zu thun, was er für sein ganzes Leben hindurch versucht hatte, ohne es zu können, das was nach seinen Beobachtungen viele so vortrefflich zu thun verstanden, und ohne das man nicht leben kann: Er versuchte es, nicht das zu sprechen, was er dachte, fühlte aber beständig, daß dies falsch sei, daß der Bruder ihn hierbei ertappe und davon gereizt werde.

Nach Verlauf von drei Tagen forderte Nikolay seinen Bruderauf, ihm seinen Plan nochmals zu entwickeln. Er begann darauf denselben nicht nur zu verwerfen, sondern ihn sogar absichtlich mit dem Socialismus zusammenzubringen.

„Da hast du lediglich einen fremden Gedanken aufgefaßt, ihn aber verballhornisiert und willst ihn dem Unmöglichen anpassen.“

„Aber ich sage dir ja, daß er durchaus nichts Allgemeines in sich trägt. Die Socialisten verwerfen das Recht des Privateigentums, des Kapitals, der Erbfolge — ich aber, ohne diese wichtigste Stimula zu verwerfen,“ — Lewin selbst war es widerlich, daß er sich derartiger fremder Worte bedienen mußte, aber seit er sich mehr mit seiner Arbeit beschäftigte, begann er unwillkürlich häufig und häufiger nichtrussische Worte zu brauchen — „will nur die Arbeit regeln.“

„Das ist es eben, daß du einen fremden Gedanken aufgefaßt und von ihm alles abgetrennt hast, was seine Bedeutung ausmacht, nun aber versichern willst, es sei dies etwas Neues,“ antwortete Nikolay, heftig an seiner Halsbinde zerrend.

„Aber mein Gedanke hat nichts Allgemeines“ —

„Denn,“ erwiderte Nikolay Lewin mit gehässigem Glanz in den Augen und ironischem Lächeln: „dort liegt doch zum wenigsten ein Reiz darin, ein, wie soll ich sagen, mathematischer — nach seiner Klarheit und unzweifelhaften Richtigkeit. Möglicherweise ist er eine Utopie. Aber zugegeben, daß man aus der ganzen Vergangenheit einetabula rasamachen könnte, daß es kein Privateigentum mehr gäbe, keine Familie, so wird doch immerhin die Arbeit bestehen bleiben. Bei dir aber ist nichts“ —

„Weshalb vermischst du die Dinge? Ich bin nie ein Socialist gewesen.“

„Ich aber war es, und finde, daß die Idee verfrüht ist, obwohl sie klug ist, daß sie ihre Zukunft hat, wie das Christentum in den ersten Jahrhunderten.“

„Ich glaube, daß man die Arbeitskraft nur von dem Gesichtspunkt des Naturforschers aus beurteilen darf, das heißt, daß man sie studieren und ihre Eigenschaften erkennen muß.“

„Das ist aber ganz unnütz. Diese Kraft findet von selbst je nach dem Grade ihrer Entwickelung eine bekannte Form für ihre Bethätigung. Es hat überall Knechte gegeben unddann Vögte; auch bei uns giebt es die Gesellschaftsarbeit, die Pacht, die Arbeit auf Tagelohn — was willst du noch?“

Lewin geriet bei diesen Worten plötzlich in Zorn, da er auf dem Grunde seiner Seele die Befürchtung empfand, der Bruder könne recht haben — recht darin, daß er selbst zwischen dem Socialismus und den Ordnungsformen schwanke — was doch schwerlich möglich sein konnte.

„Ich suche Mittel dafür, mit Gewinn zu arbeiten, sowohl für mich selbst, wie für den Arbeiter. Ich will organisieren,“ antwortete er heftig.

„Nichts willst du organisieren; du willst einfach originell sein, wie du es Zeit deines Lebens gewesen bist; du willst zeigen, daß du nicht mit den Bauern experimentierst, sondern vielmehr mit der Idee.“

„Nun — denkst du so — lassen wir das!“ versetzte Lewin, welcher fühlte, daß ihm der Muskel seiner linken Wange bebte, ohne daß er dies unterdrücken konnte.

„Du hattest nie Überzeugungen, und hast auch jetzt keine; nur deine Eigenliebe willst du befriedigen.“

„Schön so; aber verlaß dieses Thema!“

„Ich werde es lassen! Es ist schon längst Zeit dazu! Zum Teufel auch mit dir, ich wünschte, ich wäre gar nicht hergekommen!“

So sehr sich Lewin nun bemühte, den Bruder zu beruhigen, Nikolay wollte nichts hören und sagte, daß er am liebsten gleich wieder fortfahren möchte; Lewin sah, daß dem Bruder das Leben unerträglich geworden war.

Nikolay hatte bereits alle Anstalten zur Abreise getroffen, als Lewin wieder zu ihm kam und ihn bat, zu verzeihen, wenn er ihn gekränkt haben sollte.

„O, diese Großmut!“ antwortete Nikolay lächelnd. „Wenn du denn einmal recht behalten willst, so will ich dir dieses Vergnügen gewähren. Du hast recht. Aber ich will dennoch fahren!“

Bei der Abreise selbst küßte ihn Nikolay und sprach, plötzlich seltsam und ernst auf den Bruder blickend:

„Bei alledem; gedenke meiner nicht im Bösen, mein Konstantin!“ und seine Stimme schwankte.

Dies waren die einzigen Worte, die aufrichtig gesprochenworden waren. Lewin begriff, daß in diesen Worten der Sinn lag: „Du siehst es und weißt, daß ich sehr krank bin, und wir uns vielleicht niemals wieder sehen.“

Lewin verstand dies und die Thränen strömten ihm aus den Augen. Noch einmal küßte er seinen Bruder, konnte ihm aber nichts mehr antworten, — wußte ihm auch nichts mehr zu sagen. —

Am dritten Tage nach der Abreise des Bruders reiste Lewin nach dem Auslande ab. Als er auf der Eisenbahn mit Schtscherbazkiy, einem Vetter Kitys, zusammentraf, setzte er diesen durch seine Niedergeschlagenheit sehr in Erstaunen.

„Was hast du denn?“ frug ihn Schtscherbazkiy.

„Nichts weiter; es giebt ja so wenig Angenehmes auf der Welt.“

„Inwiefern denn wenig? Komm, fahre mit mir nach Paris, in Gesellschaft eines gewissen Mylus. Da sollst du sehen, wie lustig es auf der Welt ist!“

„Nein. Ich bin schon fertig und möchte bald sterben.“

„Das ist doch dein Spaß!“ lachte Schtscherbazkiy, „ich bin ja erst im Begriff anzufangen!“

„So meinte ich auch noch vor kurzem, jetzt aber weiß ich, daß ich bald sterbe.“

Lewin sprach damit nur aus, was er wahrhaft gedacht hatte in diesen letzten Tagen. In allem sah er nur den Tod oder die Annäherung an denselben. Aber das von ihm unternommene Werk beschäftigte ihn nur um so mehr. Es galt ihm jetzt, sein Leben irgendwie fertig zu leben, bevor noch der Tod kam. Dunkelheit verschleierte für ihn alles, aber gerade mit dieser Dunkelheit fühlte er, daß der einzige leitende Faden in ihr nur noch sein Werk war, und mit den letzten Kräften widmete er sich diesem, klammerte er sich an ihm an.

Die Karenin, Gatte und Gattin, fuhren fort in einem Hause zusammen zu leben; sie sahen sich wohl alltäglich, waren aber einander vollständig entfremdet.

Aleksey Aleksandrowitsch hatte es sich zum Gesetz gemacht, sein Weib alltäglich nur deshalb zu sehen, daß die Dienerschaft kein Recht haben möchte, Vermutungen zu hegen. Die Mittagstafel daheim mied er jedoch. Wronskiy war nie im Hause Aleksey Aleksandrowitschs erschienen, Anna sah ihn aber außerhalb desselben und ihr Gatte wußte dies.

Die Lage war für alle drei peinvoll; und niemand von ihnen würde die Kraft besessen haben, auch nur einen einzigen Tag in derselben auszuhalten, wäre nicht die Erwartung dagewesen, daß sie sich ändern werde, daß alles dies nur eine zeitweilige, bittere und schwere Lage sei, welche vorübergehen würde. Aleksey Aleksandrowitsch wartete, daß diese Leidenschaft vergehen sollte, wie ja alles vergeht, daß alle die Sache vergessen möchten und sein Name nicht geschändet würde. Anna, von welcher diese ganze Situation abhing, und für die dieselbe peinlicher war, als für alle sonst, ertrug sie, weil sie nicht nur wartete, sondern fest überzeugt war, daß alles dies sehr bald zur Entwickelung und Klärung gelangen müsse. Sie wußte freilich nicht im geringsten, was denn eigentlich die Schwierigkeit lösen solle, aber sie besaß die Überzeugung, daß etwas jetzt und sehr schnell eintreten müsse.

Auch Wronskiy, der sich ihr unwillkürlich fügte, erwartete etwas, das von ihm unabhängig, alle Schwierigkeiten klären müsse.

Inmitten des Winters hatte Wronskiy eine sehr langweilige Woche durchlebt. Er war einem ausländischen, inPetersburg zugereisten Prinzen zubeordert worden, und hatte die Aufgabe, diesem die Sehenswürdigkeiten Petersburgs zu zeigen. Gerade Wronskiy war es, welcher vorgestellt wurde, denn abgesehen davon, daß dieser die Kunst, sich mit Würde und zugleich Ehrerbietung zu benehmen, besaß, war er es auch gewohnt, mit Männern ähnlichen Ranges umzugehen; allein diese Pflicht wurde ihm zu einer sehr schweren. Der Prinz wünschte nichts zu übergehen, bezüglich dessen er in der Heimat gefragt werden konnte, ob er es in Rußland gesehen, ja, er wünschte auch selbst, soviel es möglich war, russischen Vergnügungen beizuwohnen. Wronskiy war nun verpflichtet, ihn hier und dorthin zu führen, und des Vormittags fuhren sie nun, um die Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen, des Abends, um an nationalen Vergnügungen teilzunehmen. Der Prinz erfreute sich einer selbst unter Prinzen ungewöhnlichen Gesundheit; sowohl durch leibliche Übungen wie durch gute Pflege seines Körpers hatte er eine solche Kraft erworben, daß er trotz des Übermaßes, mit welchem er sich den Zerstreuungen hingab, frisch aussah wie eine mächtige, grüne holländische Gurke. Der Prinz war viel gereist und hatte gefunden, daß einer der vorzüglichsten Vorteile der modernen Verkehrsbequemlichkeiten die Möglichkeit, nationalen Vergnügungen beiwohnen zu können, bilde.

Er war in Spanien gewesen und hatte dort Serenaden veranstaltet und sich einer Spanierin genähert, welche Mandoline spielte. In der Schweiz hatte er Gemsen gejagt. In England im roten Frack unter Wetten zweihundert Fasanen erlegt. In der Türkei war er in einem Harem gewesen, in Indien hatte er auf Elefanten geritten und in Rußland jetzt wollte er alle echtrussischen Vergnügungen kennen lernen.

Wronskiy, der bei ihm eine Art erster Ceremonienmeister war, kostete es große Mühe, alle die Zerstreuungen, die dem Prinzen von verschiedenen Seiten vorgeschlagen wurden, zu sichten. Da waren die russischen Trabrennen, und die Bärenjagden, die Troiken und die Zigeuner, wie das Topfschlagen. Der Prinz accomodierte sich dem russischen Geiste mit außerordentlicher Leichtigkeit; er beteiligte sich am Topfschlagen, setzte sich eine Zigeunerin auf das Knie und frug, wie es schien, ob dies alles sei, ob nur darin der ganze russische Geist bestehe.

Am meisten von allen diesen russischen Vergnügungen gefielen allerdings dem Prinzen die französischen Schauspielerinnen, eine Balleteuse und der weißgesiegelte Champagner.

Wronskiy hatte Übung im Umgang mit Prinzen, aber — kam es davon, daß er selbst sich in letzter Zeit verändert hatte, oder von der allzu großen Nähe, in welcher er sich zu dem Prinzen befand — diese Woche erschien ihm als eine furchtbar schwere.

Die ganze Woche hindurch hatte er ohne Unterbrechung ein Gefühl empfunden, ähnlich dem eines Menschen, der zu einem gefährlichen Wahnsinnigen gesteckt wird, um zu erproben, ob er diesen wohl fürchtet und infolge der Nähe bei ihm, auch für seinen Verstand fürchten müsse.

Wronskiy empfand beständig den Zwang, nicht eine Sekunde den Ton strenger offizieller Ehrerbietung sinken lassen zu dürfen, damit er keine Schlappe erleide. Die Umgangsweise des Prinzen gerade mit denjenigen, welche zur Verwunderung Wronskiys darüber aus der Haut fuhren, daß man ihm russische Vergnügungen biete, war eine souveräne. Sein Urteil über die russischen Frauen, die er kennen zu lernen gewünscht hatte, ließen Wronskiy mehr als einmal vor Unwillen erröten, aber der Hauptgrund, weshalb der Prinz für Wronskiy außerordentlich lästig war, war der, daß er in dem Prinzen unwillkürlich sich selbst wieder erkannte, und daß das, was er in diesem Spiegel erkannte, seiner Eigenliebe nicht eben schmeichelte. Der Prinz war ein sehr beschränkter, sehr eingebildeter, sehr gesunder und an sich sehr eigener Mensch, weiter aber nichts. Er war Gentleman, das war er in Wahrheit, und Wronskiy konnte das nicht in Abrede stellen. Er war gleichmütig und nicht kriechend vor Höheren, ungezwungen und einfach im Verkehr mit Gleichstehenden und gutmütig herablassend gegenüber den unter ihm Stehenden. Ganz genau so war aber auch Wronskiy, der das für einen großen Vorzug hielt; in der Umgebung des Prinzen war er doch der tiefer Stehende und die herablassend gutmütige Behandlungsweise ihm gegenüber regte ihn auf.

„Das ist ein dummer Stier; bin ich das auch?“ dachte er bei sich.

Wie dem nun sein mochte, als er sich am siebenten Tagevon ihm verabschiedete, vor der Abreise des Prinzen nach Moskau, und dessen Dank entgegennahm, war er glücklich, aus dieser peinlichen Lage und von diesem unangenehmen Spiegel erlöst zu sein.

Er verabschiedete sich von ihm auf der Station, bei der Rückkehr von der Bärenjagd, an welcher während einer ganzen Nacht russische Bravour eine Galavorstellung gegeben hatte.

Heimgekommen, fand Wronskiy ein Billet Annas vor.

Sie schrieb: „Ich bin krank und unglücklich. Ich kann nicht ausfahren, kann aber auch nicht länger ohne Euren Anblick sein. Kommt am Abend zu mir. Um sieben Uhr wird Aleksey Aleksandrowitsch zum Rat fahren und bis zehn Uhr dort bleiben.“

Nachdem er eine Minute lang über den seltsamen Umstand, daß sie ihn so direkt zu sich berufe, ungeachtet der Forderung ihres Gatten, daß sie ihn nicht empfangen dürfe, nachgedacht hatte, entschloß er sich, der Einladung zu folgen.

Wronskiy war im Lauf dieses Winters Oberst geworden, aus dem Regiment ausgetreten und lebte jetzt frei. Nachdem er gefrühstückt hatte, warf er sich sogleich auf den Diwan und in fünf Minuten vermischten sich die Erinnerungen der unangenehmen Scenen, wie er sie in den letzten Tagen gesehen hatte, und verbanden sich mit dem Gedanken an Anna und an die Bärenjagd, und er schlief ein. Erst in der Dunkelheit erwachte er wieder, bebend vor Entsetzen. Sofort zündete er eine Kerze an. „Was war das? Wie? Was habe ich Furchtbares im Traume gesehen? Der eine Bauer auf der Bärenjagd, klein, schmutzig, mit wirrem Barte, hatte gearbeitet, indem er sich niederbeugte, und dann plötzlich einige seltsame Worte auf französisch gesprochen. Nun, weiter war es nichts mit dem Traume,“ sprach er zu sich selbst. „Aber weshalb war dies nur so furchtbar gewesen?“ Lebhaft stellte er sich wiederum den Bauern vor und jene seltsamen französischen Worte, die derselbe gesprochen hatte — und Entsetzen überlief kalt seinen Rücken.

„Welcher Unsinn!“ dachte er und schaute nach der Uhr.

Es war bereits halb neun. Er schellte seinem Diener,kleidete sich hastig an und begab sich zur Treppe hinab, seinen Traum völlig vergessend und nur noch von der Besorgnis gequält, sich zu verspäten.

Als er vor der Freitreppe der Karenin anlangte, schaute er wieder nach der Uhr und sah, daß es zehn Minuten vor neun war. Ein hoher, schmaler Wagen mit einem Paar grauer Pferde bespannt, stand unter der Einfahrt; er erkannte das Geschirr Annas. „Sie fährt zu mir,“ dachte Wronskiy, „und das wäre auch besser gewesen; denn es ist mir unangenehm, dieses Haus zu betreten. Doch gleichviel, ich kann mich nicht verstecken,“ und mit jenen ihm von Kindheit an eigenen Manieren eines Menschen, der sich vor nichts scheut, stieg Wronskiy aus dem Schlitten und schritt zur Thür hin.

Die Thür öffnete sich und der Portier, ein Plaid auf dem Arme, rief den Wagen heran. Wronskiy, nicht gewohnt, Kleinigkeiten zu bemerken, gewahrte gleichwohl jetzt den verwunderten Gesichtsausdruck, mit welchem ihn der Portier anblickte.

In der Thür selbst wäre Wronskiy fast mit Aleksey Aleksandrowitsch zusammengestoßen. Die Gasflamme beleuchtete das blutlose, eingefallene Gesicht unter dem schwarzen Hute und die weiße Halsbinde, die aus dem Biberpelz des Überrocks herausschimmerte. Die unbeweglichen, dunklen Augen Karenins richteten sich auf das Gesicht Wronskiys. Dieser verneigte sich und Aleksey Aleksandrowitsch, den Mund ein wenig bewegend, hob die Hand an den Hut und ging vorüber. Wronskiy sah, wie er, ohne aufzublicken, sich in den Wagen setzte, das Plaid und Augenglas durch das Wagenfenster nahm, und sich zudeckte.

Wronskiy betrat das Vorzimmer; seine Brauen waren zusammengezogen und seine Augen erglänzten in bösem und stolzem Glanze.

„Ist das eine Situation!“ dachte er, „wenn er kämpfte, seine Ehre wahrte, dann könnte ich handeln, meine Empfindungen äußern; aber diese Schwäche oder vielmehr Erbärmlichkeit — er versetzt mich in die Lage eines Betrügers, während ich dies doch nicht sein wollte und auch nicht sein will!“

Seit der Zeit seiner Aussprache mit Anna im Park derWrede hatten sich die Ansichten Wronskiys geändert. Sich unwillkürlich den Schwächen Annas unterwerfend, die sich ihm ganz gegeben hatte und nur noch von ihm die Entscheidung über ihr Geschick erwartete, indem sie sich von vornherein allem unterwarf, hatte er längst aufgehört, zu glauben, daß dieses Verhältnis so enden könne, wie er damals dachte. Seine Träume voll Ehrgeiz waren wieder in den Hintergrund getreten, und er ergab sich, aus dem Kreise einer Wirksamkeit tretend, in welchem alles begrenzt war, ganz seiner Empfindung; diese Empfindung aber fesselte ihn fester und fester an sie.

Schon vom Vorzimmer aus vernahm er sich entfernende Schritte. Er erkannte, daß sie ihn erwartet hatte, gelauscht hatte und jetzt in den Salon zurückkehrte.

„Nein!“ rief sie aus, als sie seiner ansichtig wurde, und beim ersten Tone ihrer Stimme traten ihr die Thränen in die Augen, „wenn das so fortgehen soll, so wird das Unglück noch viel, viel früher eintreten!“

„Was denn, mein Kind?“

„Was? Ich warte und martere mich, eine Stunde, zwei, — aber nein, ich will, ich kann nicht mit dir hadern. Du konntest wahrscheinlich nicht früher. Nein, ich will es nicht thun!“

Sie legte beide Hände auf seine Schultern und blickte ihn lange mit tiefem, verzücktem und zugleich forschendem Blicke an. Sie prüfte sein Gesicht nach der Zeit, seit welcher sie ihn nicht gesehen hatte. Wie bei jedem Wiedersehen, so verglich sie wieder ihr innerliches Bild von ihm — das unvergleichlich besser, und in der Wirklichkeit unmöglich war — mit ihm, wie er wirklich aussah.

„Bist du ihm begegnet?“ frug sie, als beide am Tische hinter der Lampe Platz genommen hatten. „Da hast du ja deine Strafe dafür, daß du dich verspätet hast.“

„Ja, aber wie ist das? Er müßte doch im Rate sein?“

„Er war dort und kam zurück, worauf er wieder fortgefahren ist. Doch das thut nichts; sprich nicht davon. Wo bist du gewesen? Stets mit dem Prinzen?“

Sie kannte alle Einzelheiten seines Lebens. Er hatte ihrsagen wollen, daß er die ganze Nacht nicht geschlafen habe und eingeschlafen sei, als er aber ihr aufgeregtes und glückliches Antlitz sah, fühlte er Gewissensbisse, und er teilte ihr mit, daß er hätte Rapport erstatten müssen über die Abreise des Prinzen.

„Jetzt aber ist alles vorüber und er ist fort?“

„Gott sei Dank, es ist vorbei. Du kannst nicht glauben, wie unerträglich mir das gewesen ist.“

„Weshalb denn? Dies ist doch das gewöhnliche Leben von euch jungen Männern allen?“ sagte sie, die Brauen ziehend, und nach einer Häkelei, die auf dem Tische lag greifend, ohne Wronskiy anzublicken.

„Ich habe dieses Leben schon lange aufgegeben,“ sagte er, verwundert über die Veränderung im Ausdruck ihres Gesichts und sich bemühend, die Bedeutung derselben zu erforschen. „Ich gestehe,“ fuhr er fort, lächelnd seine engstehenden weißen Zähne zeigend, „daß ich in dieser Woche mich wie in einem Spiegel gesehen habe, indem ich dieses Leben schaute, und es ist mir unangenehm geworden.“

Sie hielt ihre Arbeit in den Händen, häkelte aber nicht, sondern schaute ihn mit seltsamem, glänzendem und freundlichem Blick an.

„Heute morgen ist Lisa bei mir auf Besuch gewesen — man scheut sich noch nicht, mich zu besuchen, trotz der Gräfin Lydia Iwanowna,“ begann sie, „und sie erzählte mir von Eurem athenischen Abend. Welche Abgeschmacktheit das doch war!“

„Ich wollte nur erzählen, daß“ —

Sie unterbrach ihn.

„War es nicht Therese, die du früher gekannt hast?“

„Ich wollte erzählen“ —

„Wie ihr Männer doch häßlich seid! Wie könnt ihr euch denken, daß ein Weib dies je vergäße,“ sprach sie, mehr und mehr in Erregung geratend, und ihm damit die Ursache ihrer Aufregung zeigend, „und besonders das Weib, welches dein Leben nicht kennen kann. Was weiß ich davon? Was habe ich davon gewußt?“ sagte sie, „nur das, was du mir selbst davon erzählst. Aber woher könnte ich wissen, ob du mir die Wahrheit damit gesagt hast?“

„Anna! Du kränkst mich. Glaubst du mir denn nicht?Habe ich dir denn nicht gesagt, daß ich keinen einzigen Gedanken hege, den ich dir nicht entdeckte?“

„Ja, ja,“ antwortete sie, offenbar im Bemühen, die Regungen der Eifersucht von sich zu weisen, „aber hättest du gewußt, wie schwer mir zu Mute ist. Ich glaube, ich glaube dir ja — doch was sagtest du?“

Er war nicht imstande, sich sofort dessen zu entsinnen, was er hatte sagen wollen. Diese Anfälle von Eifersucht, die sie in der letzten Zeit immer häufiger und häufiger überkamen, erschreckten ihn, und so sehr er sich auch mühte, es zu verbergen, stimmten ihn kühler gegen sie, obwohl er recht gut wußte, daß die Ursache dieser Eifersucht ihre Liebe zu ihm war. Wie vielmal schon hatte er sich gesagt, daß ihre Liebe für ihn ein Glück sei; und nun, da sie ihn liebte, wie ein Weib nur lieben kann, für welche alle Güter im Leben von der Liebe überwogen werden — fühlte er sich bei weitem ferner von jener Glückseligkeit, als damals, da er ihr von Moskau aus nachgereist war.

Damals hatte er sich für unglücklich gehalten, aber das Glück kam noch; jetzt fühlte er hingegen, daß das höchste Glück bereits dahinten liege. Sie war durchaus nicht mehr die Nämliche, als welche er sie in der ersten Zeit gesehen hatte; innerlich und äußerlich hatte sie sich zu ihren Ungunsten verändert. Sie war dicker geworden, und als sie von der Schauspielerin sprach, lag ein schlimmer, verderbenschwangerer Ausdruck auf ihren Zügen, der sie entstellte.

Er blickte sie an, wie ein Mensch auf eine durch ihn selbst abgerissene und nun welk gewordene Blüte schauen mag, an welcher er nur mit Mühe noch die Schönheit wiedererkennt, wegen deren er sie brach und dem Untergange weihte.

Außerdem aber fühlte er auch, daß er seine Liebe damals, als sie noch stärker war, wenn er ernstlich gewollt hätte, aus seinem Herzen zu reißen vermocht haben würde. Jetzt aber, da ihm, wie in dem gegenwärtigen Augenblick, schien, als ob er gar keine Liebe zu ihr empfinde, jetzt erkannte er, daß sein Bund mit ihr nicht mehr gelöst werden könne.

„Ah, du wolltest mir doch wohl vom Prinzen erzählen? Ich habe den Satan verjagt, ich habe ihn verjagt,“ fügte sie hinzu. Satan nannten sie beide unter sich die Eifersucht.„Also was begannst du denn vom Prinzen zu erzählen? Weshalb ist es dir bei ihm so lästig geworden?“

„O, unerträglich!“ sagte er, sich bemühend, den Faden zu dem ihm entfallenen Gedanken wieder zu erfassen. „Er gewinnt nicht im näheren Umgang, und soll man ihn näher bezeichnen, so ist er ein vorzüglich gepflegtes Tier, für das man auf den Ausstellungen die Preismedaillen zu erhalten pflegt, weiter nichts,“ sagte er mit einem Verdruß, der bei ihr Interesse hervorrief.

„Wie, in der That?“ fiel sie ein. „Er hat aber doch so viel gesehen, ist so gebildet?“

„Es ist eine grundverschiedene Bildung — die Bildung solcher Leute. Er ist offenbar nur deswegen gebildet worden, damit er ein Recht besitzen möchte, die Bildung von oben herab anzusehen, wie sie überhaupt alles verachten — mit Ausnahme der Gegenstände ihres Vergnügens.“

„Ihr liebt aber doch auch diese Gegenstände des Vergnügens!“ sagte sie, und er bemerkte wiederum jenen düstern Blick, der ihn mied.

„Warum nimmst du ihn in Schutz,“ frug er lächelnd.

„Ich verteidige ihn nicht; es ist mir alles vollkommen gleichgültig; aber ich glaube, daß du, wenn du selbst diese Zerstreuungen nicht liebtest, wohl hättest absagen können. Dir aber machte es Vergnügen, Therese zu sehen im Kostüme der Eva.“

„Wieder und wieder der Diabolus,“ erwiderte Wronskiy, die Hand ergreifend, welche sie auf den Tisch gelegt hatte, und sie küssend.

„Ja wohl, aber ich kann nicht anders! Du weißt nicht, wie ich mich gemartert habe, indem ich deiner harrte. Ich denke wohl, daß ich nicht eifersüchtig bin; ich bin nicht eifersüchtig und glaube dir, wenn du hier bei mir bist; aber sobald du anderswo allein dein Leben, das mir unverständlich ist, führst“ — Sie wandte sich ab von ihm, sich wieder mit ihrem Häkelzeug beschäftigend, und begann mit Hilfe des Zeigefingers eine Masche der im Schein der Lampe hellschimmernden weißen Wolle nach der anderen aufzunehmen, wobei sich die zarte Hand mit nervöser Hast in dem Ärmel umwendete.„Aber, wo trafst du denn mit Aleksey Aleksandrowitsch zusammen?“ erklang plötzlich ihre Stimme in fast unnatürlichem Tone.

„Wir trafen an der Thür zusammen.“

„Grüßte er dich?“

Sie zog das Gesicht in die Länge, schloß die Augen halb, schnell den Ausdruck ihrer Züge verändernd und die Hände ineinander legend. Wronskiy gewahrte auf ihrem schönen Antlitz plötzlich den nämlichen Ausdruck, mit welchem ihn Aleksey Aleksandrowitsch gegrüßt hatte.

Er lächelte, sie aber lachte heiter auf mit jenem lieben, herzlichen Lachen, welches einen ihrer Hauptreize ausmachte.

„Ich begreife ihn entschieden nicht,“ antwortete Wronskiy. „Wenn er noch nach deiner Erklärung auf der Villa mit dir gebrochen und mich zum Duell gefordert hätte — aber dies verstehe ich nicht. Wie vermag er eine solche Lage zu ertragen? Er leidet ja; das ist offenbar.“

„Er?“ sagte sie lächelnd, „er ist vollkommen zufrieden.“

„Weshalb aber martern wir uns dann alle, wenn alles ganz gut werden könnte?“

„Nur er martert sich nicht. Soll ich sie etwa nicht kennen, diese große Lüge, in welcher er großgezogen ist? Ist es möglich, — wenn man nur ein wenig fühlt, — so zu leben, wie er mit mir lebt? Er versteht nicht und fühlt nicht. Kann denn ein Mensch, welcher nur einigermaßen fühlt, mit seiner verbrecherischen Frau in einem Hause leben? Kann er mit einer solchen sprechen? Sie mit ‚du‘ anreden?“ Unwillkürlich stellte sie sich sein, „du,ma chère, Anna,“ vor. „Er ist kein Mann und kein Mensch, er ist eine Puppe! Niemand weiß das, als ich. O, wäre ich an seiner Stelle, ich hätte längst gemordet, ich hätte in Stücke zerrissen dieses Weib, das so handeln konnte, wie ich, — aber ich hätte nicht gesagt ‚ma chère, Anna!‘ Das ist kein Mensch, sondern eine Maschine des Ministeriums. Er begreift nicht, daß ich dein Weib bin, daß er mir ein Fremder ist, ein Überflüssiger. Aber wir wollen nie mehr miteinander davon sprechen!“ —

„Du bist im Unrecht, ganz im Unrecht, meine Liebe,“ sagte Wronskiy, sich bemühend, sie ruhiger zu stimmen. „Aber immerhin sprechen wir nicht mehr von ihm. Erzähle mirlieber, was du bisher gethan hast? Wie geht es dir selbst? Wie steht es mit deiner Gesundheit und was hat der Arzt gesagt?“

Sie blickte ihn spöttisch und voll Freude zugleich an. Offenbar hatte sie lächerliche oder ungeheuerliche Seiten in diesem Manne da vor ihr entdeckt, und wartete nun nur auf den Augenblick, da sie dies mitteilen konnte.

Er aber fuhr fort: „Ich vermute, es ist kein eigentliches Leiden, sondern nur deine Situation, welche dich krank macht. Wann wird dann die Krisis eintreten?“

Der spöttische Glanz ihrer Augen erlosch, aber ein anderes Lächeln, das Kennzeichen eines ihm unbekannten, verborgenen Schmerzes, löste den früheren Ausdruck ab.

„Bald, bald. Du sagtest, daß unsere Lage peinlich sei, daß wir ihr ein Ende machen müßten. Wüßtest du doch, wie mir dies schwer wird, was ich darum geben möchte, dich frei und kühn lieben zu dürfen. Dann würde ich weder mich noch dich mit meiner Eifersucht quälen. Jene Krisis wird bald eintreten, aber nicht so, wie wir denken.“ Bei dem Gedanken daran, wie es kommen würde, erschien sie sich selbst so beklagenswert, daß ihr die Thränen in die Augen traten und sie nicht weiter zu sprechen vermochte. Sie zog ihre in der Lampe weißschimmernde beringte Hand in den Ärmel zurück. „Sie wird nicht so eintreten, wie wir denken. Ich wollte es dir nicht sagen, aber du veranlaßtest mich dazu. Bald, bald wird sich alles lösen und wir alle, alle werden ruhig werden und uns nicht mehr quälen.“

„Ich verstehe nicht,“ sagte Wronskiy, sie recht wohl verstehend.

„Du frugest mich, wenn die Krisis käme? Nun bald! Ich selbst werde sie nicht überleben. Unterbrich mich nicht.“ Sie fuhr hastig fort zu sprechen, „ich weiß das, ich weiß es gewiß! Ich werde sterben, und bin sehr froh, daß ich sterben und mich und euch erlösen werde.“ Thränen rannen ihr aus den Augen; er aber beugte sich auf ihre Hand herab und küßte sie, um seine Bewegung zu verbergen, die — er wußte es — zwar keinerlei Grund hatte, aber gleichwohl nicht zu beschwichtigen war. „So wird es kommen, und so wird esam besten sein,“ sagte sie, seine Hand mit heftiger Bewegung pressend; „das ist das Einzige, was uns geblieben ist.“

Er kam zu sich und hob das Haupt.

„Welch eine Thorheit! Welch sinnlose Thorheit du da sprichst!“

„Nein, nur Wahrheit.“

„Was, was für eine Wahrheit?“

„Daß ich sterben werde. Ich habe einen Traum gehabt.“

„Einen Traum?“ Wronskiy fiel sofort der Bauer in seinem eigenen Traume ein.

„Ja, einen Traum,“ sagte sie. „Schon vor Langem habe ich ihn einmal gehabt diesen Traum. Ich träumte, daß ich in mein Schlafzimmer eilte, weil ich dort etwas holen, nach etwas sehen wollte — du weißt ja, wie das im Traume ist,“ sagte sie, vor Schrecken die Augen weit aufreißend, „im Schlafzimmer aber stand etwas“ —

„Thorheiten, wie kann man glauben“ —

Doch sie ließ sich nicht unterbrechen; das, was sie erzählte, war viel zu wichtig für sie.

— „und dies Etwas bewegte sich. Ich sah, daß es ein Bauer war, mit wirrem Bart, klein und furchterweckend von Aussehen. Ich wollte davon laufen aber er beugte sich über einen Sack und wühlte mit den Händen darin.“ Sie vergegenwärtigte sich, wie die Erscheinung in dem Sacke gewühlt hatte, und Entsetzen spiegelte sich in ihren Zügen. Wronskiy empfand in der Erinnerung an seinen eigenen Traum einen gleichen Schrecken, der ihm die Seele erfüllte. „Er wühlte und hatte französisch gesagt ‚il faut le battre le fer, le broyer, le pétrir!‘ Ich wollte voll Entsetzen erwachen und erwachte — aber ich war nur im Traume erwacht. Ich frug mich nun, was das zu bedeuten habe. Korney sagte mir ‚das bedeutet, daß Ihr an einer Geburt sterben werdet, Matuschka, an einer Geburt.‘ — Dann erwachte ich wirklich.“ —

„Thorheiten, was für Thorheiten!“ sagte Wronskiy, fühlte aber selbst, daß nichts Überzeugendes in seinen Worten lag.

„Doch lassen wir das. Klingle, ich will Thee geben lassen. Oder warte noch, ich habe noch nicht lange erst“ — plötzlich hielt sie inne. Der Ausdruck ihres Gesichts veränderte sich momentan; Schrecken und Aufregung wechselte mit dem Ausdruckeiner stillen, ernsten und verzückten Aufmerksamkeit. Er war nicht imstande, die Bedeutung dieser Verwandlungen zu begreifen. Sie hatte in sich die Bewegung eines neuen Lebens wahrgenommen.

Aleksey Aleksandrowitsch fuhr nach seiner Begegnung mit Wronskiy auf der Freitreppe, wie er beabsichtigt hatte, nach der italienischen Oper. Er wohnte dieser zwei Akte hindurch bei und begrüßte alle die, welche er sehen mußte. Nach Hause zurückgekehrt, besichtigte er aufmerksam den Kleiderhalter, und begab sich, nachdem er wahrgenommen hatte, daß ein Uniformrock nicht mit dahing, wie er zu thun pflegte, in seine Gemächer. Entgegen seiner Gewohnheit aber legte er sich nicht zur Ruhe nieder, sondern ging in seinem Kabinett auf und ab, bis drei Uhr nachts.

Das Gefühl des Zornes über das Weib, welches den Anstand nicht wahren, und die einzige ihr gestellte Bedingung, die, ihren Liebhaber nicht bei sich selbst zu sehen, nicht erfüllen wollte, ließ ihm keine Ruhe. Sie hatte seine Forderung nicht erfüllt und er mußte sie nun bestrafen, seine Drohung zur Ausführung bringen — die Trennung fordern und ihr das Kind nehmen. Er kannte alle Schwierigkeiten, die mit dieser Aufgabe verbunden waren, aber er hatte einmal gesagt, daß er dies thun werde, und jetzt mußte er seine Drohung ausführen.

Die Gräfin Lydia Iwanowna hatte ihm zu verstehen gegeben, daß dies der beste Ausweg aus seiner Lage sein werde und in der jüngsten Zeit hatte man auch die Praxis der Ehescheidungen zu solcher Vervollkommnung gebracht, daß Aleksey Aleksandrowitsch die Möglichkeit erkannte, die formellen Schwierigkeiten überwinden zu können. Hierzu kam indessen, wie ja ein Unglück nie allein kommt, daß auch die Angelegenheiten bezüglich der Lage der Ausländer und der Bewässerung der Fluren im Gouvernement Zaraisk für ihn so viele dienstliche Unannehmlichkeiten im Gefolge hatten, daß er sich in letzter Zeit stets in einem Zustande äußerster Gereiztheit befand. Er konnte die ganze Nacht kein Auge zuthun, und sein Groll, in einer Art ungeheurer Progression anwachsend, hatte bis zum Morgen die äußerste Grenze erreicht.

Hastig kleidete er sich an, und eilte, gleichsam eine Schale voll Wut tragend und befürchtend, von ihrem Inhalt zu verschütten, und zugleich damit an Energie einzubüßen, deren er zur Auseinandersetzung mit seinem Weibe bedurfte — zu ihr, sobald er gehört hatte, daß sie sich erhoben habe.

Anna, welche stets geglaubt hatte, ihren Mann so genau zu kennen, geriet in Bestürzung bei seinem Anblick, als er zu ihr ins Gemach trat. Seine Stirn war finster gerunzelt, seine Augen blickten düster, gerade aus, ihren Anblick meidend; sein Mund war fest und mit verächtlichem Ausdruck zusammengekniffen. Im Gang, in seinen Bewegungen, dem Ton seiner Stimme lag eine Entschlossenheit und Festigkeit, die sein Weib noch nie an ihm wahrgenommen hatte.

Er trat ins Zimmer und schritt, ohne ihr einen Morgengruß zu bieten, geradenwegs auf ihren Schreibtisch zu, ergriff die Schlüssel und öffnete das Schubfach.

„Was wollt Ihr!“ rief Anna Karenina.

„Die Briefe Eures Liebhabers!“ antwortete er.

„Hier giebt es keine,“ versetzte sie, den Kasten schließend, doch er erkannte an dieser Handlung, daß er richtig vermutet habe und riß, ihren Arm rauh wegstoßend, schnell eine Brieftasche an sich; in welche sie, wie er wußte, ihre notwendigsten Papiere zu legen pflegte. Sie wollte ihm die Brieftasche entreißen, allein er stieß sie von sich.

„Setzt Euch! Ich habe mit Euch zu reden,“ sagte er, die Brieftasche unter den Arm nehmend und sie so heftig mit seinem Ellbogen klemmend, daß sich seine Schulter hob.

Erstaunt und scheu blickte sie wortlos auf ihn.

„Ich habe Euch gesagt, daß ich Euch nicht gestatten könne, Euren Liebhaber bei Euch selbst zu sehen.“

„Ich mußte ihn sprechen, um“ —

Sie hielt inne, da sie keinen Vorwand fand.

„Ich werde mich nicht auf Einzelheiten darüber einlassen, wozu ein verheiratetes Weib ihren Liebhaber bei sich sehen muß.“

„Ich wollte, ich war nur“ — sagte sie, in aufsteigender Gereiztheit. Diese Rohheit erzürnte sie und gab ihr Mut, „solltet Ihr nicht fühlen, wie leicht es Euch fallen muß, mich zu beleidigen?“ sagte sie.

„Beleidigen kann man nur einen Mann von Ehre oderein ehrenhaftes Weib, aber einem Diebe sagen, daß er ein Dieb sei, ist nur dieconstatation d'un fait!“

„Diesen neuen Zug von Härte hatte ich noch nicht in Euch gekannt.“

„Ihr nennt es Härte, wenn ein Mann seinem Weibe die Freiheit giebt, ihr den Schutz ihres ehrlichen Namens nur unter der Bedingung lassend, daß sie den Anstand beobachtet? Das nennt Ihr Härte?“

„Das ist schmählicher als Härte: das ist Niedrigkeit, wenn Ihr es denn wissen wollt!“ rief Anna in einem Ausbruch der Wut und wollte aufstehend das Zimmer verlassen.

„Nein!“ rief er mit seiner dünnen Stimme, welche jetzt noch eine Note höher klang, als gewöhnlich; er ergriff sie mit seinen langen Fingern am Arm, so hart, daß rote Spuren von ihrem Armband darauf blieben, welches er mit gepreßt hatte, und setzte sie gewaltsam wieder auf den Stuhl. „Eine Niedrigkeit? Wenn Ihr das Wort einmal brauchen wollt, so ist es Niedrigkeit, daß man einen Gatten verläßt und einen Sohn, für einen Liebhaber, und dabei das Brot des Gatten ißt!“

Sie senkte den Kopf. Sie sagte nicht nur nicht, was sie gestern dem Geliebten gesagt hatte, nämlich daß jener ihr Gatte, dieser hier aber ein Überflüssiger sei — sie dachte gar nicht daran, denn sie empfand die ganze Wahrheit seiner Worte, und so antwortete sie nur leise:

„Ihr könnt meine Lage nicht schlimmer darstellen, als wie ich selbst sie kenne; aber weshalb sagt Ihr das alles?“

„Weshalb ich das sage? Weshalb?“ fuhr er fort, noch ebenso wutentbrannt. „Damit Ihr wüßtet, daß ich, da Ihr meinen Willen bezüglich der Beobachtung der Regeln des Anstandes nicht erfüllt habt, Maßregeln ergreifen werde, um diese Situation zum Abschluß zu bringen!“

„Bald, bald wird sie ihr Ende auch so erreicht haben,“ antwortete sie und wiederum traten ihr die Thränen bei dem Gedanken an den nahen, jetzt erwünschten Tod in die Augen.

„Es wird schneller vorbei sein, als Ihr mit Eurem Liebhaber gedacht haben mögt! Ihr bedürft der Befriedigung einer materiellen Leidenschaft.“ —

„Aleksey Aleksandrowitsch! Ich will nicht sagen, daß esnur wenig großmütig wäre, es ist nicht einmal in der Ordnung, einen Gefallenen noch zu schlagen!“

„Ihr denkt eben nur an Euch! Aber die Leiden eines Menschen, der Euer Gatte war, interessieren Euch nicht. Es ist Euch ganz gleichgültig, daß das ganze Dasein desselben vernichtet ist, daß er unsagbar gesi — — gesitten!“ — — Aleksey Aleksandrowitsch sprach so überstürzt, daß er sich verwickelte und nicht imstande war, das Wort „gelitten“ herauszubringen. Dies erschien ihm komisch, ja selbst beschämend, weil es ihr in diesem Augenblick lächerlich erscheinen konnte.

Zum erstenmal empfand sie für eine Sekunde etwas für ihn, sie versetzte sich in ihn und er that ihr leid. Aber was konnte sie sagen oder thun? Sie senkte das Haupt und schwieg. Er schwieg gleichfalls einige Zeit, und sprach dann mit weniger pfeifender, kalter Stimme weiter, einige willkürlich gewählte Worte sprechend, ohne daß sie eine besondere Wichtigkeit besessen hätten.

„Ich bin gekommen, Euch zu sagen,“ — begann er.

Sie schaute ihn an. „Nein,“ dachte sie, sich den Ausdruck seines Gesichts vergegenwärtigend, wie er sich verwickelt und nicht richtig zu sprechen vermocht hatte, „nein, es schien mir wohl nur so; sollte dieser Mann mit den matten Augen, mit dieser selbstzufriedenen Ruhe, etwas fühlen können?“

„Ich vermag nichts zu ändern,“ flüsterte sie.

„Ich bin gekommen, Euch zu sagen, daß ich morgen nach Moskau reisen und nicht mehr in dieses Haus zurückkommen werde. Ihr werdet Nachricht über meine Entscheidungen durch meinen Rechtsanwalt erhalten, dem ich die Führung des Ehescheidungsprozesses übergeben will. Mein Sohn wird zu meiner Schwester übersiedeln,“ sprach Aleksey Aleksandrowitsch, mit Anstrengung sich ins Gedächtnis zurückrufend, was er betreffs des Sohnes hatte verfügen wollen.

„Ihr braucht Sergey, um mir ein Weh zuzufügen,“ sprach sie, ihn von unten herauf anblickend. „Ihr liebt ihn nicht! Laßt mir daher Sergey!“ —

„Ja, selbst die Liebe zum Sohne habe ich verloren, weil mit ihm sich mein Ekel vor Euch verbindet. Aber gleichwohl will ich ihn nehmen. Lebt wohl!“ —

Er wollte gehen, doch jetzt hielt sie ihn zurück.

„Aleksey Aleksandrowitsch, laßt mir Sergey!“ sprach sie noch einmal leise. „Nichts weiter habe ich Euch zu sagen. Laßt mir Sergey bis zu meiner — ich werde bald niederkommen — laßt ihn mir!“ —

Aleksey Aleksandrowitsch fuhr auf, riß seine Hand aus der ihren und verließ stumm das Gemach.

Das Empfangszimmer des berühmten Petersburger Rechtsanwaltes war gefüllt, als Aleksey Aleksandrowitsch dort eintrat.

Es befanden sich darin drei Damen; eine alte, eine junge, und eine Kaufmannsfrau; ferner drei Herren, ein deutscher Bankier, mit einem Ring am Finger, ein anderer, ein Kaufmann mit einem Barte, und der dritte war ein grimmiger Beamter in Uniform mit einem Stern am Halse. Alle schienen offenbar schon lange zu warten. Zwei Diätisten schrieben am Tische, mit den Federn schnarrend. Die Schreibutensilien, für welche Aleksey Aleksandrowitsch eine gewisse Vorliebe besaß, waren ungewöhnlich gut, er konnte nicht umhin, diese Wahrnehmung zu machen. Einer der Diätisten wandte sich, ohne aufzustehen, mit den Augen blinzelnd schroff an ihn:

„Was wünschen Sie?“

„Ich habe mit dem Rechtsanwalt zu thun.“

„Der ist jetzt beschäftigt,“ antwortete der Diätist schroff, mit der Feder nach den Wartenden weisend, und fuhr dann fort zu schreiben.

„Kann er nicht etwas Zeit für mich finden?“ frug Aleksey Aleksandrowitsch.

„Er hat keine freie Zeit, er ist stets in Anspruch genommen. Wollt doch gefälligst warten.“

„Dann macht Ihr wohl keine Schwierigkeiten, ihm meine Karte zu bringen,“ fuhr Aleksey Aleksandrowitsch würdevoll fort, die Notwendigkeit erkennend, daß er sein Inkognito fallen lassen müsse.

Der Schreiber nahm die Karte und ging, offenbar dem Inhalt derselben nicht trauend, zu einer Thür hinein.

Aleksey Aleksandrowitsch befand sich im Princip im Einverständnis mit der mündlichen Rechtskonsultation, dochin einigen Einzelheiten ihrer russischen Adoptation fühlte er sich nicht vollkommen in Übereinstimmung, zufolge der ihm bekannten höchsten Dienstverhältnisse, und er verwarf diese Einzelheiten, soweit er eine Institution von oben überhaupt verwerfen konnte. Sein ganzes Leben war in der administrativen Thätigkeit verflossen, aber seine Unzufriedenheit, wenn er mit etwas nicht übereinzustimmen vermochte, wurde daher durch die Anerkennung der Unvermeidbarkeit von Irrtümern herabgestimmt in der Erkenntnis der Möglichkeit von Verbesserungen bei jeglicher Sache. In den neuen Rechtsinstitutionen mißbilligte er die Grundsätze, auf denen die Advokatur beruhte, aber bisher hatte er noch nicht mit dieser zu thun gehabt, und sie daher nur in der Theorie verworfen — jetzt aber verstärkte sich seine ablehnende Haltung noch durch den unangenehmen Eindruck, den er in dem Empfangszimmer des Advokaten erhalten hatte.

„Man wird sogleich erscheinen,“ sagte der Diätist, und in der That zeigte sich nach Verlauf von zwei Minuten in der Thür die schmächtige Figur eines bejahrten Klienten, der sich mit dem Rechtsanwalt beriet und die Erscheinung des letzteren selbst.

Dieser war nicht groß von Gestalt, untersetzt und kahlköpfig, mit schwärzlich rotem Bart, blonden langen Brauen und übertretender Stirn.

Er war wie ein Bräutigam gekleidet, von der Halsbinde an und der doppelten Uhrkette bis zu den Lackstiefelchen. Sein Gesicht sah klug und grob aus, die Kleidung war geckenhaft und geschmacklos.

„Ist es gefällig,“ sagte der Rechtsanwalt zu Aleksey Aleksandrowitsch gewendet, und ließ diesen mit ernstem Gesicht an sich vorüber eintreten, worauf er die Thür schloß. „Ist es gefällig?“ Er wies auf einen Sessel am Schreibtisch, der mit Schriftstücken bedeckt war, und ließ sich selbst auf seinem Konsulentenplatz nieder, die kleinen Hände mit den kurzen, von weißen Härchen bestandenen Fingern reibend und den Kopf auf die Seite neigend. Kaum war er indessen in seiner Pose zur Ruhe gekommen, als über dem Tische eine Motte aufflog. Der Rechtsanwalt riß mit einer Schnelligkeit, die man von ihm nicht hätte erwarten sollen, dieHände auseinander, fing die Motte und nahm dann seine frühere Lage wieder ein.

„Bevor ich von meiner Angelegenheit zu sprechen beginne,“ sagte Aleksey Aleksandrowitsch, der mit verwunderten Blicken den Bewegungen des Rechtskonsulenten gefolgt war, „muß ich bemerken, daß die Angelegenheit, in welcher ich mit Euch zu reden habe, ein Geheimnis bleiben muß.“

Ein kaum bemerkbares Lächeln bewegte die roten, hängenden Schnurrbartspitzen des Advokaten voneinander.

„Ich müßte kein Advokat sein, wenn ich die Geheimnisse nicht zu bewahren wüßte, die mir anvertraut werden. Aber wenn ich Euch versichern darf“ —

Aleksey Aleksandrowitsch blickte auf sein Gesicht und gewahrte, daß die grauen klugen Augen lachten, als ob sie schon alles wüßten.

„Ihr kennt meine Familie?“ fuhr Aleksey Aleksandrowitsch fort.

„Ich kenne Euch und Eure verdienstvolle“ — er fing abermals eine Motte — „Wirksamkeit so, wie jeder russische Unterthan,“ sagte der Advokat mit einer Verbeugung.

Aleksey Aleksandrowitsch seufzte und faßte sich; da er sich einmal entschlossen hatte, so fuhr er fort mit seiner pfeifenden Stimme, ohne in Verlegenheit zu kommen oder stecken zu bleiben, und gewisse Worte besonders hervorhebend.

„Ich habe das Unglück,“ begann Aleksey Aleksandrowitsch, „ein betrogener Ehegatte zu sein und wünsche auf dem Wege des Gesetzes die Beziehungen zu meinem Weibe abzubrechen, das heißt mich von ihr scheiden zu lassen; jedoch in der Weise, daß mein Sohn nicht bei der Mutter verbleibt.“

Die grauen Augen des Advokaten bemühten sich, nicht zu lachen, aber sie hüpften förmlich in nicht zu verhaltender Freude, und Aleksey Aleksandrowitsch sah, daß es sich hier nicht allein um die Freude eines Menschen handelte, welcher einen guten Auftrag erhalten hatte, sondern daß hier ein Triumph, ein Entzücken, ein Glanz wahrnehmbar wurde, der jenem bösartigen Feuer ähnlich war, wie er es in den Augen seines Weibes gesehen hatte.

„Ihr wünscht nun meine Mitwirkung für die Vollziehung der Ehescheidung?“

„Allerdings, doch ich muß Euch zuvor darauf hinweisen, daß ich mir erlaube, Eure Aufmerksamkeit zu mißbrauchen. Ich bin zunächst nur gekommen, um mich vorläufig mit Euch zu beraten. Ich wünsche die Trennung, aber für mich sind die Formen wichtig, unter denen sie zu ermöglichen ist. Es könnte leicht der Fall sein, daß ich, wenn die Formen mit meinen Forderungen nicht zusammenfallen, von einer gesetzlichen Ehescheidung absehen würde.“

„O, das bliebe ja immer in Euer Ermessen gestellt,“ antwortete der Rechtsanwalt, und senkte dabei die Augen nach den Füßen Aleksey Aleksandrowitschs in dem Gefühl, daß er mit dem Ausdruck seiner unbezähmbaren Freude den Klienten verletzen könnte; dann schaute er nach einer Motte, die vor seiner Nase tanzte und machte eine Armbewegung, fing sie aber nicht, aus Achtung vor der Lage Aleksey Aleksandrowitschs.

„Obgleich mir in allgemeinen Umrissen unsere gesetzlichen Bestimmungen über diesen Gegenstand bekannt sind,“ fuhr dieser fort, „so würde ich doch im allgemeinen diejenigen Formalitäten zu erfahren wünschen, nach welchen in der Praxis Angelegenheiten ähnlicher Art zur Erledigung gelangen.“

„Ihr wünscht,“ antwortete der Rechtsanwalt, ohne die Augen zu erheben, und nicht ohne Vergnügen auf den Ton der Rede seines Klienten eingehend, „daß ich Euch die verschiedenen Verfahren nach denen eine Erfüllung Eurer Absicht möglich wird, angebe.“ Auf das bestätigende Kopfnicken Aleksey Aleksandrowitschs fuhr er fort, nur bisweilen verstohlen auf das mit roten Flecken sich bedeckende Gesicht Aleksey Aleksandrowitschs schauend —: „Die Ehescheidung nach unseren Gesetzen,“ — er sprach mit einem leichten Anflug von Mißbilligung der russischen Gesetze — „ist möglich, wie Euch bekannt, in folgenden Fällen“:

— „Warten!“ — wandte er sich zu dem in der Thür erscheinenden Diätisten, stand aber gleichwohl auf, sprach einige Worte und ließ sich erst dann wieder nieder; —

„In folgenden Fällen: Dem der physischen Unfähigkeit der Gatten; in dem einer fünfzigjährigen Verschollenheit des einen Teils;“ er sagte dies, den einen kurzen mit Haaren bewachsenen Finger ausstreckend, „ferner bei Ehebruch;“ er hob dieses Wort mit sichtlichem Vergnügen hervor, „die folgenden Unterabteilungen,“er fuhr fort, seine dicken Finger auszustrecken, obwohl sich die drei Hauptfälle und die Unterabteilungen offenbar nicht fortlaufend mit Ziffern bezeichnen ließen, „physische Unfähigkeit des Mannes oder des Weibes; ferner Ehebruch seitens des Mannes oder des Weibes,“ als alle Finger ausgestreckt waren, spreizte er sie auseinander und fuhr fort: „Dies ist die theoretische Anschauung, doch glaube ich, Ihr gebt mir die Ehre, nochmals zu mir zu kommen, damit ich die thatsächliche Lage kennen lernen kann. Dann muß ich, an der Hand der Antecedenzfälle, Euch noch mitteilen, daß die Ehescheidungsfälle alle von den letzteren abhängen. Physische Unfähigkeit ist nicht vorhanden, wie ich annehmen darf? Auch nicht Verschollenheit.“ —

Aleksey Aleksandrowitsch nickte bestätigend mit dem Kopfe.

„Es handelt sich also um den dritten Punkt, den Ehebruch des einen der beiden Gatten und die Überführung des verbrecherischen Teils unter gegenseitiger Einräumung, oder auch in Ermangelung einer solchen Einräumung — die zwangsweise erreichte Überführung. Der letztere Fall, muß ich bemerken, findet sich in der Praxis allerdings selten,“ sagte der Rechtsanwalt und schwieg dann, verstohlen auf Aleksey Aleksandrowitsch blickend, wie ein Pistolenverkäufer, der die Güte dieser oder jener Waffe beschrieben hat und die Wahl des Käufers nun erwartet.

Aber Aleksey Aleksandrowitsch schwieg und der Anwalt fuhr daher fort, „das gewöhnlichste, einfachste und verständigste ist, meine ich, die Ehebruchsklage unter gegenseitigem Einverständnis. Ich würde mir nicht gestatten, mich einem Ungebildeten gegenüber so auszudrücken,“ sagte der Anwalt, „glaube aber, daß dies für Euch verständlich ist.“

Aleksey Aleksandrowitsch war indessen so zerstreut, daß er nicht sofort den Begriff Ehebruch mit beiderseitigem Einverständnis erfaßt hatte, und dieses Unvermögen in seinem Blicke zeigte; der Anwalt kam ihm daher sogleich zu Hilfe.

„Es können zwei nicht mehr miteinander leben — das ist das Faktum. Und wenn beide darin einverstanden sind, dann werden die Einzelheiten und die Formalitäten die nämlichen. Dies ist das einfachste und sicherste Mittel.“

Aleksey Aleksandrowitsch hatte jetzt vollständig begriffen.Aber er stand unter dem Einflusse religiöser Grundsätze, welche ihn an der Gestattung dieser Maßregel verhinderten.

„Das steht außerhalb der Frage im gegenwärtigen Falle,“ sagte er. „Hier ist nur ein Fall möglich, die zwangsweise Überführung, gestützt auf Briefwechsel, den ich besitze.“

Bei der Erwähnung von Briefen kniff der Advokat die Lippen ein und ließ einen feinen, Kondolenz und Indignation ausdrückenden Ton hören.

„Da müßte ich Euch darauf hinweisen,“ begann er, „daß Angelegenheiten dieser Art, wie Euch bekannt sein wird, von dem geistlichen Ressort entschieden werden. Die Herren Protopopen aber sind in derartigen Sachen große Liebhaber der kleinsten Einzelheiten,“ sagte der Rechtsanwalt mit einem Lächeln, welches seine Übereinstimmung hierin mit dem Geschmack der Protopopen dokumentierte. „Die Briefe können unzweifelhaft die Thatsache teilweise bestätigen, aber die Beweisgründe müssen auf direktem Wege erlangt werden, das heißt durch Augenzeugen. Wenn Ihr mir indessen im allgemeinen die Ehre erweisen wollt, mich mit Eurem Vertrauen zu bedenken, so überlaßt mir die Auswahl derjenigen Maßregeln, die erforderlich sein würden. Wer Resultate wünscht, muß sich auch zur Anwendung von Mitteln verstehen.“

„Wenn es so steht,“ — begann Aleksey Aleksandrowitsch, plötzlich erbleichend; doch im nämlichen Moment erhob sich der Rechtsanwalt und ging abermals zu seinem in der Thür erscheinenden Schreiber.

„Saget der Dame, daß wir nicht in billigen Sachen machen,“ rief er diesem dann zu, und kehrte zu Aleksey Aleksandrowitsch zurück.

Auf seinem Platze wieder angelangt, fing er ganz unmerklich noch eine Motte, „da wird mein Rips gut werden für den Sommer,“ dachte er dabei ärgerlich.

„Ihr wolltet vorhin sagen.“ — wandte er sich an Aleksey Aleksandrowitsch.

„Ich werde Euch meinen Entschluß brieflich mitteilen,“ antwortete dieser, und stand auf, sich am Tische festhaltend. Nachdem er eine Weile schweigend so gestanden hatte, hub er an: „Aus Euren Worten kann ich schließen, daß eine Ehescheidungfolglich möglich ist. Ich würde Euch nun bitten, mir auch mitzuteilen, wie Eure Bedingungen hierfür lauten.“

„Möglich ist alles, sobald Ihr mir Vollmacht zu handeln gebt,“ antwortete der Anwalt, ohne auf die Frage zu antworten. „Wann kann ich darauf rechnen, Nachricht von Euch zu empfangen?“ frug er weiter, sich nach der Thür wendend, während seine Augen und seine Lackstiefeln dabei glänzten.

„In acht Tagen. Eure Antwort, ob Ihr die Vermittelung der Angelegenheit auf Euch nehmt und zu welchen Bedingungen, seid Ihr wohl so gütig, mir mitzuteilen?“

„Sehr wohl.“

Der Rechtsanwalt verneigte sich voll Ehrerbietung, ließ seinen Klienten aus der Thür hinaustreten und gab sich dann, allein geblieben, seinen angenehmen Empfindungen hin. Er war so zufrieden mit sich, daß er gegen seine Grundsätze der Kaufmannsfrau einen Nachlaß in den Kosten bewilligte und aufhörte Motten zu fangen, da er sich nunmehr fest entschlossen hatte, im nächsten Winter sein Meublement mit Sammet zu beziehen, wie es bei Sugonin war.

Aleksey Aleksandrowitsch erlangte einen glänzenden Sieg in der Kommissionssitzung vom siebzehnten August, aber die Folgen dieses Sieges untergruben seine Stellung. Eine neue Kommission zur allseitigen Untersuchung der Lage der Ausländer wurde eingesetzt und ging mit einem ungewöhnlichen, von Aleksey Aleksandrowitsch erweckten Eifer schnell nach den Örtlichkeiten ab. Binnen drei Monaten wurde der Bericht vorgelegt. Die Lage der Fremden war nach der politischen, administrativen, ökonomischen, ethnographischen, materiellen und religiösen Seite hin untersucht, und auf alle Fragen waren wohlgesetzte Antworten gegeben, Antworten, die keinen Zweifel mehr zuließen, da sie nicht das Ergebnis einer stets dem Irrtum ausgesetzten menschlichen Gedankenarbeit, sondern sämtlich das Resultat amtlicher Pflichterfüllung waren.

Die Bescheide waren sämtlich das Resultat offizieller Daten, von Gouverneuren und Bischöfen, die sich ihrerseits stützten auf die Darlegungen der Kreisoberhäupter und Inspektoren, die auch wieder erst auf den Berichten der Bezirksleitungenund Pfarroberhäupter beruhten, erstattet und infolge dessen keine Anzweiflung duldend. Alle diese Fragen, zum Beispiel die, weshalb Mißernten eintreten, weshalb die Bewohner an ihrem Glauben festhalten &c., Fragen, welche nicht ohne einen glatten Gang der Maschine der amtlichen Thätigkeit zu lösen sind, und in Jahrhunderten nicht gelöst werden können, erhielten eine deutliche unanfechtbare Klarstellung. Diese Klarstellung aber lag zu Gunsten der Meinung Aleksey Aleksandrowitschs. Stremoff indessen, der sich in der letzten Sitzung bei seiner schwachen Seite getroffen gefühlt hatte, wendete bei dem Eingang der Darlegungen der Kommision eine für Aleksey Aleksandrowitsch unerwartete Taktik an.

Stremoff, seinerseits gestützt auf einen Anhang von mehreren Mitgliedern, trat plötzlich zu der Richtung Aleksey Aleksandrowitschs über und verteidigte nicht nur die Einführung der von Karenin vorgetragenen Maßregeln, sondern er schlug sogar noch weitgehendere in dem nämlichen Sinne vor. Diese Maßregeln, welche im Gegensatz zu der Grundidee Alekseys noch stärker waren, wurden angenommen und nun zeigte sich die Taktik Stremoffs, denn bis aufs Äußerste gespannt, erwiesen sie sich plötzlich als so thöricht, daß zu gleicher Zeit die Beamten, wie die öffentliche Meinung, die klugen Damen und die Zeitungen alle über sie herfielen, ihren Unwillen darüber ausdrückten und gegen die Maßnahmen selbst und den anerkannten Urheber derselben, Aleksey Aleksandrowitsch, zu Felde zogen, während Stremoff auf die Seite trat und sich den Anschein gab, als ob er nur dem Plane Karenins blind gefolgt, jetzt aber verwundert und bestürzt sei über das, was angerichtet worden wäre.

Dies untergrub Karenins Stellung; aber trotz seiner sich mehr und mehr verschlechternden Gesundheit, und der traurigen Verhältnisse in der Familie, ergab er sich nicht. In der Kommission entstand eine Spaltung. Einige Mitglieder derselben, Stremoff an der Spitze, entschuldigten ihren Irrtum damit, daß sie der von Aleksey Aleksandrowitsch geleiteten Revisionskommission, welche den Vortrag vorgelegt habe, vertraut hätten, und sagten, daß der Bericht dieser Kommission Unsinn sei und nur unnütz Papier vollgeschrieben worden wäre.

Karenin mit der Partei derjenigen, welche die Gefahr einersolchen revolutionären Stellungnahme zum Aktenwesen erkannten, fuhr fort, die von der Revisionskommission ausgearbeiteten Daten aufrecht zu erhalten, und infolge dessen geriet in den höchsten Kreisen wie in der Gesellschaft alles in Verwirrung. Obwohl jedermann im höchsten Maße von der Frage interessiert war, vermochte niemand mehr zu erkennen, ob die Fremden denn in der That Not litten und untergingen, oder ob sie sich in günstigen Verhältnissen befänden. Die Stellung Karenins wurde infolge hiervon und teilweise auch infolge der durch die Ehrvergessenheit seines Weibes auf ihn fallende Geringschätzung, eine sehr erschütterte. In dieser Lage aber faßte er einen wichtigen Entschluß. Zur Verwunderung der Kommission erklärte er, daß er persönlich sich Urlaub erbitten werde, um nach Ort und Stelle zur Verfolgung der Angelegenheit abzureisen. In der That reiste er nach erlangtem Dispens nach den fernen Gouvernements ab.

Die Abreise Karenins verursachte viel Aufsehen, umsomehr, als er bei dieser selbst offiziell die Vorspanngelder, die ihm für zwölf Pferde bis an den Ort seiner Bestimmung ausgesetzt worden waren, zurücklieferte.

„Ich finde das sehr vornehm,“ sagte hierüber Bezzy zur Fürstin Mjachkaja; „wozu Vorspanngelder geben, da doch jedermann weiß, daß es jetzt überall Eisenbahnen giebt?“

Die Fürstin Mjagkaja jedoch war hiermit nicht einverstanden, ja die Meinung der Twerskaja erzürnte sie sogar.

„Ihr habt gut reden,“ antwortete sie, „da Ihr Millionen besitzt, ich weiß nicht einmal wie viele; ich aber habe es sehr gern, wenn mein Mann im Sommer auf Revision reist. Er befindet sich dabei sehr wohl und es reist sich angenehm. Bei mir ist es so eingerichtet, daß von diesem Gelde die Equipage und der Kutscher bestritten wird.“

Auf der Reise in jene entfernten Gouvernements blieb Karenin drei Tage in Moskau. Am zweiten Tage nach seiner Ankunft begab er sich zur Visite zum Generalgouverneur. An einem Straßenübergang, an dem sich stets Equipagen und Mietkutschen drängten, hörte Aleksey Aleksandrowitsch plötzlich seinen Namen mit so lauter und heiterer Stimme rufen, daß er nicht umhin konnte, sich umzuwenden. An der Ecke des Trottoirs, im kurzen modernen Überrock mit ebensolchemKrempenhut stand mit feinem Lächeln und den schimmernden weißen Zähnen zwischen den roten Lippen, heiter, jugendlich, strahlend, Stefan Arkadjewitsch, energisch und beharrlich rufend und zum Stehenbleiben auffordernd.

Er hielt sich mit der einen Hand an eine an der Ecke stehende Kutsche an, aus welcher ein weiblicher Kopf im Samthut mit zwei Kinderköpfchen erschien; er lächelte und winkte dem Schwager mit der Hand. Die Dame lächelte gleichfalls freundlich und winkte ebenfalls Aleksey Aleksandrowitsch; es war Dolly mit ihren Kindern.

Karenin hatte niemand in Moskau besuchen wollen, am allerwenigsten den Bruder seines Weibes. Er lüftete den Hut und wollte weiter fahren, allein Stefan Arkadjewitsch befahl seinem Kutscher zu halten und lief selbst zu Karenin durch den Schnee hin.

„Aber welches Verbrechen, Euch nicht einmal anzumelden! Schon lange da? War ich da gestern bei Dussot und sehe wohl am Brett ‚Karenin‘; daß du das aber wärest, habe ich nicht vermutet“ — sagte Stefan Arkadjewitsch, den Kopf in das Wagenfenster hineinsteckend. „Sonst wäre ich ja zu dir gekommen. Wie ich mich freue, dich zu sehen,“ sagte er, mit den Füßen aneinanderklappend, um den Schnee von ihnen zu entfernen, „aber welch ein Verbrechen, mich nichts wissen zu lassen!“ wiederholte er dann.

„Ich hatte gar keine Zeit übrig und bin sehr in Anspruch genommen,“ versetzte Aleksey Aleksandrowitsch mürrisch.

„Aber komm doch einmal mit zu meiner Frau; sie möchte dich so gern einmal sehen.“

Karenin schlug sein Plaid zurück, unter dem seine kalten Füße eingewickelt waren und begab sich, den Wagen verlassend, durch den Schnee zu Darja Aleksandrowna.

„Was ist das, Aleksey Aleksandrowitsch, warum umgeht Ihr uns so?“ frug ihn Dolly lächelnd.

„Ich bin sehr beschäftigt gewesen; freue mich aber sehr, Euch wiederzusehen,“ antwortete er in einem Tone, der deutlich verriet, daß er über das Zusammentreffen mißgelaunt war. „Wie befindet Ihr Euch?“

„Nun; was macht meine liebe Anna?“

Karenin murmelte einige Worte und wollte dann gehen, doch Stefan Arkadjewitsch hielt ihn zurück.

„Was machen wir morgen? Dolly, bitte Karenin doch zum Essen! Wir wollen Koznyscheff und Peszoff noch einladen, damit wir ihn mit Moskauischer Intelligenz bewirten können.“

„Also kommt, bitte,“ sagte Dolly, „wir werden Euch für fünf Uhr oder sechs Uhr erwarten, wenn Ihr wollt. Aber was macht denn meine gute Anna? Wie lange“ —

„Sie befindet sich wohl,“ murmelte Aleksey Aleksandrowitsch verbittert. „Sehr angenehm gewesen!“ Mit diesen Worten wandte er sich nach seinem Wagen um.

„Kommt Ihr denn?“ rief Dolly noch nach.

Aleksey Aleksandrowitsch sagte etwas, was Dolly im Lärm der rollenden Equipagen nicht verstehen konnte.

„Morgen werde ich dich besuchen!“ rief Stefan Arkadjewitsch.

Karenin ließ sich in seinem Wagen nieder und beugte sich tief in ihm herab, um niemand zu sehen und von niemand gesehen zu werden.

„Ein seltsamer Kauz,“ sagte Stefan Arkadjewitsch zu seiner Frau, und nachdem er nach der Uhr geschaut, machte vor seinem Gesicht eine Handbewegung, welche seiner Frau und den Kindern gelten und sie grüßen sollte und schritt elastisch auf dem Trottoir hinweg.

„Stefan, Stefan!“ rief Dolly errötend.

Er wandte sich um.

„Ich brauche aber doch neue Paletots für Grischa und Tanja. Gieb mir Geld!“

„Nicht nötig, daß ich dir Geld gebe. Du brauchst nur zu sagen, daß ich zahle!“ Er ging hinweg, einem vorüberfahrenden Bekannten mit dem Kopfe zunickend.


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