Chapter 5

Unter den Alpen, 3° westlicher Länge, 47° 30’ nördlicher Mondbreite, einhunderteinundsechzig Stunden nach Sonnenaufgang des dritten Tages.

Unter den Alpen, 3° westlicher Länge, 47° 30’ nördlicher Mondbreite, einhunderteinundsechzig Stunden nach Sonnenaufgang des dritten Tages.

Unsere Hoffnung Woodbell am Leben zu erhalten wird immer geringer. Wir fahren so schnell es das Terrain nur erlaubt, aber der Pol ist noch weit und Tomas stirbt uns indessen unter den Händen. Wir zittern vor Unruhe und Ungeduld und nun zwingt uns diese vermaledeite Alpenkette, die den Weg versperrt, uns in nordöstlicher Richtung zu halten, so daß wir uns, statt dem ersehnten Pol näher zu kommen, zunächst noch von ihm entfernen müssen. In einigen Stunden werden wir am Ausgang desQuertalssein; wenn man nur wenigstens nach Norden ablenken könnte! Bis jetzt haben wir zur Linken immer nur die steilen Wände derAlpen, neben denen unser Wagen wie ein winziger Käfer hinter der Mauer einer riesigen Festung aussieht. Wir warten mit Sehnsucht, daß sich das Tor dieser Mauer vor uns öffne und mit ihm ein hundertfünfzig Kilometer langer Felsengang, der zumMare Frigorisführt. Schon begegnenwir vereinzelten kleinen, aber steilen Felsen, die wie Säulen vor dem Eingang dieses Tales stehen, ein Zeichen, daß wir uns ihm nähern.

Woodbell fragt fortwährend, ob es noch weit sei. Er möchte so schnell wie möglich auf den Pol gelangen, und dabei haben wir vomSinus Aestuumkaum den halben Weg zurückgelegt! Eine gräßliche Angst befällt mich, wenn ich daran denke! Er hat, scheint’s, die Entfernung ganz vergessen. Er sprach mit Sehnsucht von dem Polarlande, von Luft und Wasser wie von Dingen, die wir schon morgen finden werden! Statt dessen wird der nächste Mondmorgen, obwohl er noch so weit ist, noch immer nichts davon bringen, das ist gewiß! Tomas glaubt immer fester an seine Genesung — je mehr er die Kräfte verliert. Er schmiedet Pläne für die Zukunft und legt sich schon sein Leben mit Martha zurecht ... Mich beunruhigt diese Zuversicht; auf der Erde sagt man, daß das ein böses Zeichen bei einem Kranken ist.

Martha hört all dem geduldig zu, mit dem gleichen traurigen Lächeln. Gott, was muß sie leiden! Es ist doch unmöglich, daß sie nicht weiß, wie es um ihn steht ...

Im Quertal, zweiundachtzig Stunden nach Mittag.

Im Quertal, zweiundachtzig Stunden nach Mittag.

Eine innere Stimme sagt mir, daß alles vergebens ist. Die Verzweiflung packt mich, denn ich will, daß er lebt. Ich will es um so mehr, weil ich in meinem Hirn eine giftige Schlange fühle, die mir trotz meines Aufbäumens dagegen zuflüstert: Wenn er stirbt, wird Martha einem von euch gehören — vielleicht dir. Nein, nein, er muß leben, er muß! Und wenn er sterben sollte, weiß ich, daß Martha ihm folgen wird. Was dann? Was dann? Wozu werdenwir hier bleiben, zu welchem Zweck? ... Ich klagte einst, daß wir zwei diesen beiden dienen und jetzt fühle ich, daß dieser Dienst die einzige Berechtigung unseres Daseins hier ist. Mit ihrem Tode wird unser Dahinsterben beginnen, denn wir werden nicht fähig sein, aus uns selbst etwas zu schaffen, unser Leben und unsere Arbeit werden niemandem etwas nützen, nicht einmal uns selbst! Denn wozu, wozu? ...

Höchstens wenn Martha nach seinem Tode am Leben bliebe, wenn sie einem von uns, vielleicht mir, ihre Arme so um den Hals schlänge, ihre Lippen so auf den Mund preßte wie jetzt Tomas ... Ich habe das Gefühl, als wenn eine Kugel voll heißer Luft mir in der Brust zerplatzte, den Atem zurückhielte und Feuer in alle meine Adern ergösse ...

Fort, fort mit diesem Gedanken! Übrigens könnte dieser Eine auch Varadol sein ... Nein, es wäre besser, wenn diese Frau nicht unter uns wäre. Ich bemerke zu meinem Entsetzen, daß ich den Tod Woodbells herbeizusehnen und Varadol zu hassen beginne ... Und sie sitzt ruhig da und starrt in die Züge des sterbenden Geliebten.

Tomas will nicht sterben, er wehrt sich verzweiflungsvoll gegen den Tod. Jeden Augenblick erzählt er, wie um seiner eigenen Überzeugung zu trotzen, daß er leben wird und läßt uns dem beipflichten. Wir tun es ihm zuliebe, unehrlicherweise; und Martha nickt ihm in festem Vertrauen zu und antwortet wieder und wieder mit tiefer, singender Stimme: „Ja, du wirst leben, du mein Einziger“ ... Dabei verschleiern sich ihre Augen in einem Nebel der Wonne und des Rausches. Kann sie es denn wirklich für möglich halten, daß in diesem ausgetrockneten Körper ohne Kraft,ohne einen Tropfen Blut in den Adern, noch Leben ist!? Und dennoch, was würde ich dafür geben!

Mittags hielten wir nicht an. Die Glut war nicht so groß wie an den vorhergehenden Tagen, infolge der bedeutenden Mondbreite. Wir müssen uns, aus Rücksicht für Tomas, außerordentlich beeilen. Jetzt sind wir in der Mitte desQuertals; vor Sonnenuntergang müssen wir bis zumMare Frigorisvordringen.

Gegen Mittag befanden wir uns, nachdem wir kleinere, auf der Ebene zerstreut liegende Felskuppen passiert hatten, plötzlich bei dem breiten Auslauf der Ebene. Die senkrechte Wand derAlpenbricht hier ab und weicht nach Osten zurück, durch die Gurgel der mächtigen Klamm unterbrochen. Die Fläche desMare Imbriumverengt sich in einem großen Halbkreis zu dem eigentlichen Tal, das anfänglich durch einen terrassenförmigen Abhang verdeckt ist, der spitz hervortritt, wie ein mächtiges, einige hundert Meter hohes Felsenstockwerk. Auf der anderen Seite jenes Halbkreises erhebt sich der Mond-Montblancgegen viertausend Meter über der benachbarten Fläche.

Wir zögerten einen Augenblick, ehe wir in die Ebene einfuhren. Jenes Stockwerk erschreckte uns, denn wir dachten, wenn wir unterwegs mehrere solcher Hindernisse anträfen, würde unsere Reise sich immer mehr verlängern, da wir jedesmal steile Abhänge erklimmen müßten.

Varadol vertiefte sich wieder in die Photographien der Mondoberfläche, obwohl sie uns schon öfter getäuscht haben; das letztemal auf demPlato. Aber es gab kein anderes Mittel der Orientierung in dieser Gegend. Endlich wagten wir, nach kurzer Überlegung, in das Tal einzubiegen.Zu diesem Entschlusse hat auch Tomas beigetragen. Er drängte mit der Hartnäckigkeit eines Kranken, der keinen Widerspruch duldet, daß man sich nach Norden wenden solle, da er wisse, daß die zeitraubende Umkreisung der Alpen und die lange Fahrt durch denPalus Nebularumihn zweifellos töten würde.

Was hat die Krankheit aus diesem Menschen gemacht! Früher ruhig, entschieden, voll Überlegung und von einem unbeugsamen Willen, ist er jetzt ein launenhaftes, trotziges Kind. Er schilt uns wegen jeder Kleinigkeit und dann entschuldigt er sich wieder oder fleht uns an, ihn zu retten ... Jedoch ist uns das lieber als die Zeiten der vollständigen Apathie und Kraftlosigkeit, wo er stundenlang auf dem Rücken liegt, einer Leiche ähnlicher als einem lebenden Menschen. Oft spricht er auch unaufhörlich, als wenn er sich durch den Klang der eigenen Stimme versichern wollte, daß er noch lebt. Nur sobald einer von uns unvorsichtigerweise den unglücklichen Vorfall erwähnt, verstummt er sofort und beginnt am ganzen Leibe zu zittern. Vergeblich zerbreche ich mir den Kopf, was das für ein Geheimnis sein kann ...

Es war schon Nachmittag, als wir unter dem Felsenstockwerk anhielten, das den Eingang zu dem Tal versperrt. Mit großer Mühe fanden wir einen Weg, der es uns zu erklimmen ermöglichte. Als wir auf der Höhe standen, blickten wir noch einmal auf das hinter uns liegendeMare Imbrium, das wir bald für immer aus den Augen verlieren sollten. Was mich betrifft, so muß ich gestehen, daß ich nicht ohne ein gewisses Weh von dieser Ebene Abschied nahm, obwohl sie uns nur Mühen, Qualen und Verzweiflung gebracht hat ... Wieseltsam ist doch das menschliche Herz! Wir durcheilten diese endlose Fläche während voller sechzig Tage, von einem Mondmittag bis zum anderen, nur von dem einen Wunsche beseelt, sie so schnell wie möglich hinter uns zu haben — und jetzt blicke ich fast mit Sehnsucht nach ihr zurück ...

Im Tale kommen wir ziemlich schnell und verhältnismäßig leicht vorwärts; die breiten Stockwerke treffen wir nicht mehr an und kleinere Berge, die nicht seine ganze Breite einnehmen, lassen sich umgehen. Die Sonne steht jetzt so am Himmel, daß sie die Ränder des Tales erleuchtet. Zu beiden Seiten erhebt sich ein mächtiger, gegen viertausend Meter hoher Gebirgswall. Das am Eingang einige Kilometer breite Tal verengt sich gegen Nordosten, was den Eindruck hervorruft, als wenn sich seine mächtigen Wände einander näherten und wir uns in einem enormen, schnurgerade unter den Felsen ausgehauenen Gang fortbewegten. Wir sehen den entfernten Auslauf dieses Ganges, der einer kleinen, aber tiefen Aushöhlung zwischen weißen Felsen gleicht, die durch ein Stück Himmel ausgefüllt ist. Ich weiß nicht, ob mich mein Blick nicht täuscht, aber es scheint mir, daß der Himmel nicht mehr so schwarz ist und die Sterne weniger zahlreich daran erglänzen. Dies würde von dem Vorhandensein einer dichteren Atmosphäre über demMare Frigoriszeugen ... Unser Barometer steigt ebenfalls langsam. Wenn wir nur Tomas lebend bis zu der Zone bringen könnten, wo genügende Luft zum Atmen ist! ...

Im Quertal, einhundertachtundsechzig Stunden nach Mittag, dritter Mondtag.

Im Quertal, einhundertachtundsechzig Stunden nach Mittag, dritter Mondtag.

Wir haben seit Sonnenaufgang schon fünfhundert und einige Kilometer zurückgelegt und nähern uns dem Ausgang desQuertales. Die ungeheure Felsgurgel verengt sich immer mehr und die Wälle zu beiden Seiten werden immer niedriger. Der Ausgang der Klamm auf dasMare Frigoris, deutlich vor uns sichtbar, scheint sich in dem Maße als wir uns ihm nähern zu erweitern und die Felsen, die dieses Tor bilden, wachsen vor unseren Augen. Bei Sonnenuntergang werden wir abermals auf eine Fläche hinausfahren — gebe Gott, daß wirallehinausfahren ...

Oh, welch ein furchtbarer Kreuzesgang war unsere heutige Reise! Wohl dreißig Stunden zitterten wir, bei dem kleinsten Geräusch auf Woodbells Lager blickend: — etwa jetzt? ... Es geht mit ihm zu Ende, darüber besteht kein Zweifel. Er ist still und ruhig geworden und sieht uns nur immerwährend an, mit flehenden Augen, in denen die Sehnsucht liegt, — die glühende Sehnsucht zu leben! Und wir können ihm nicht helfen ...

Die letzte Erschütterung bei der Fahrt durch die Spalte hat ihm den Rest gegeben. Wir hatten fast zwei Drittel des Weges hinter uns, als wir, unter dem 3.° östlicher Länge ungefähr, auf ein Hindernis stießen, das uns beinahe gezwungen hätte auf dasMare Imbriumzurückzukehren. Die Sonne stand schon tief am Horizont und die ganze westliche Seite des Quertales war in undurchdringlichen Schatten gehüllt, der kaum hie und da durch schräge schwache Lichtstrahlen der Erde erleuchtet war. Wir mußten uns am Fuße des östlichen Walls halten,um uns nicht in der Nacht zu verlieren. Der Wall erreicht hier die größte Höhe; er erhebt sich steil und riesenhaft, beinah wie die senkrechteAlpenwand, unter der wir vormittags hindurchfuhren.

Da plötzlich erblickten wir einige hundert Schritte vor uns einen schwarzen Streifen, der uns den Weg auf der ganzen Breite versperrte. Vorher hatten wir ihn infolge der leichten Erhebung des Grundes nicht gesehen. Als wir uns ihm näherten, zeigte es sich, daß dieser Streifen eine Spalte war, die beide Felsenwälle und den Grund des Tales quer durchschneidet. Sie lag bis an die Ränder im Schatten, so daß wir nicht in ihre Tiefe sehen konnten. Tausende Meter hohe Felswände waren bis zum Fuße durch sie zerrissen.

Ratlos standen wir vor diesem neuen, unüberwindlichen Hindernis.

Auf der Karte hatten wir diese Spalte allerdings gesehen, auch daß sie die Hochebene durchschneidet, die dasMare ImbriumvomMare Frigorisbis zu den nördlichen Abhängen desPlato, in südöstlicher Richtung, trennt; aber wir nahmen nicht an, daß sie sich bis auf den Grund desQuertaleserstreckte, das zwei- bis dreitausend Meter tiefer als die Oberfläche der benachbarten Höhen, die sich hinter den Wällen ausdehnten, lag. Ich fühlte, daß mir beim Anblick dieser Untiefe der Schweiß auf die Stirne trat. Peter begann leise zu fluchen.

Tomas, durch unser Benehmen wie durch das Halten des Wagens beunruhigt, fragte uns, was geschehen sei. Wir wagten nicht, ihm die Wahrheit zu sagen; er jedoch, unseren Ausflüchten scheinbar keinen Glauben schenkend, strengte den Rest seiner Kräfte an, erhob sich und blicktedurch das Fenster. Eine Zeitlang sah er schweigend hinaus, dann legte er sich wieder und sagte fast gleichgültig:

— Sie wollen nicht, daß ich lebe ...

— Wer? frug ich erstaunt.

— Die Brüder Remogner, antwortete der Kranke, verstummte und schloß die Augen, als wenn er den Tod erwartete.

Ich sprach nicht weiter mit ihm und hatte nicht einmal Zeit, über die Bedeutung dieser seltsamen Worte nachzudenken, da ich mit Peter beraten mußte, was jetzt zu tun sei. Wir zogen schon eine Rückkehr auf dasMare Imbriumin Erwägung, als Peter auf die glückliche Idee kam, mit Hilfe des starken Reflektors den Boden der Spalte zu beleuchten und uns über ihre Tiefe zu vergewissern. Nachdem wir uns dem Rand genähert hatten, warfen wir also einen Strahl des elektrischen Lichtes in die Spalte, die an dieser Stelle ziemlich eng und nicht tief war. Ihr Boden zeigte sich ganz von Schutt angefüllt, aus dem mächtige Felsstücke hervorragten, eine Erscheinung, die uns an das ausgetrocknete Bett eines mächtigen Gebirgsstromes gemahnte. Und wer weiß, ob hier nicht tatsächlich einmal Wasser geflossen, den Weg ausnützend, der durch andere Kräfte gebildet ward?

Der Schein des Reflektors glitt über die schwarzen, sich wild übereinandertürmenden Felsen, flammte auf und verlor sich in tiefen, unregelmäßigen Zerklüftungen. Wir standen immer noch ratlos, ohne zu einem Entschluß zu kommen, als sich Martha uns näherte.

— Warum fahrt ihr nicht weiter? fragte sie in einem Tone, als wenn sie uns einen Befehl erteilte.

Und dann fügte sie, auf Tomas deutend, hinzu:

— Ich muß leben, für ihn ... Um meinetwillen braucht ihr jetzt nichts zu befürchten ...

Wir sahen sie erstaunt an. Was ist mit ihr geschehen? So hatte sie niemals zu uns gesprochen. Ihre Augen leuchteten seltsam; in der ganzen Gestalt, in den Worten und in der Bewegung lag eine Würde, eine selbstbewußte Hoheit. Oh, wie schön ist dies Weib und wie begehrenswert! ... Varadol betrachtete sie mit flammenden Blicken! Da packte mich plötzlich eine rasende Wut. Ich rüttelte ihn brutal bei der Schulter und schrie:

— Siehst du nicht, daß wir keine Zeit zu verlieren haben! Fahren wir zurück oder vorwärts?

Peter wandte sich hastig zu mir und wir maßen uns eine Weile, wie bereit, uns gegenseitig an die Gurgel zu springen. Ein halblautes, höhnisches und verächtliches Lachen Marthas ließ sich vernehmen. Ich hatte das Gefühl, als wenn sich mir ein Igel mit hundert Stacheln ins Herz bohrte. Wir ließen beide beschämt den Blick sinken. Mir scheint, daß ich dies Weib zu hassen beginne.

Endlich beschlossen wir, uns in die Spalte hinabzulassen und sie, die am Boden zerstreuten Steine benützend, zu überklettern. Das war freilich leichter gesagt als getan. Nachdem wir an einer Stelle dicht unter der östlichen Wand des Quertales einen schrägen Abhang entdeckt hatten begannen wir den Wagen mit der größten Vorsicht dort hinabgleiten zu lassen. Die Hauptschwierigkeit jedoch wartete unserer auf dem Boden der Spalte. Bis hierher konnte weder das Licht der Sonne noch das der Erde dringen, so daß wir uns in vollständiger Nacht befanden. Es ist mir unmöglich, die Mühen zu schildern, die uns der Weg über diese paar hundert Meter kostete. Der Reflektor der elektrischenLampe erleuchtete nur einen schmalen Streifen vor uns; es war fast ausgeschlossen, sich zu orientieren. Abwechselnd ging einer von uns zu Fuß voraus, während der zweite beim Steuer blieb. Der Wagen schaukelte, sprang in die Höhe, schlug an die Felsen oder senkte sich; einmal blieb er sogar so stecken, daß wir daran zweifelten, ihn wieder loszubekommen. Endlich gelangten wir an die gegenüberliegende Seite der Spalte. Zum Glück neigte sich hier der Boden ein wenig, so daß wir auf der so entstandenen Senkung mit Hilfe der „Tatzen“ hinaufklettern konnten.

Ungefähr in der Mitte des Aufstiegs kamen wir schon ins Licht der Sonne.

Der Übergang vom Schatten zum Licht war nach einem Ruck des Wagens so plötzlich, daß ich vor der uns überflutenden Welle die Augen schließen mußte; als ich sie wieder öffnete, hatte ich das Gefühl, daß der ganze fürchterliche Weg durch diese Schlucht nur ein Traum gewesen. Einige hundert Schritte hinter mir sah ich eine sich jäh in den Boden senkende Wand, die durch einen Streifen absoluter Schwärze von uns getrennt war. Ich hatte nur eine unklare Vorstellung, daß wir uns vor wenigen Augenblicken dort befanden, auf der Tiefe dieser, wie es schien, grundlosen Zerklüftung, in undurchdringlicher Nacht, daß wir uns hindurchgearbeitet haben durch schwarze, mächtige Felsen, die vor uns im elektrischen Licht aufleuchteten, als wenn sie, aus dem Nichts herausgewachsen, in Nichts wieder zerfließen würden — aber an die Wirklichkeit dieser entsetzlichen Fahrt konnte ich gar nicht glauben.

An der Oberfläche desQuertalesangelangt, blieben wir stehen, um die „Tatzen“ abzunehmen und den Wagenzu untersuchen, ob er nicht etwa beschädigt sei. Alles war in Ordnung, und wir konnten weiterfahren. Alles — mit Ausnahme der Gesundheit Woodbells. Die erlittenen Erschütterungen hatten ihn so geschwächt, daß er ein paar Stunden wie tot dalag, nur manchmal leise stöhnend.

Wir waren schon ein gutes Stück Wegs gefahren, als Tomas plötzlich aufsprang und sich auf das Lager setzte. In seinen weit aufgerissenen Augen brannte wieder das Fieber. Peter war am Steuer des Wagens beschäftigt, aber Martha und ich eilten sofort hinzu. Er schaute uns mit irren Blicken an, dann rief er plötzlich:

— Martha, ich werde sterben!

Martha erblaßte und neigte sich zu ihm:

— Nein, du wirst leben, sagte sie leise, aber deutlich, und eine Röte übergoß ihr Gesicht.

Tomas schüttelte leicht das Haupt, aber sie bückte sich noch tiefer zu ihm herab und begann halblaut malabarisch zu ihm zu sprechen. Ich verstand die Worte nicht, aber ich sah, daß sie einen großen Eindruck auf Tomas machten. Zuerst erhellte sich sein Gesicht, dann glitt ein unendlich trauriges Lächeln darüber und schließlich füllten sich seine Augen mit Tränen. Wimmernd küßte er das üppige Haar des auf seine Brust gebeugten Mädchenkopfes.

So lag er einen Augenblick ruhig, Marthas Finger in seinen ausgetrockneten gelben Händen pressend. Bald jedoch versuchte er von neuem sich aufzusetzen. Es fehlte ihm, scheint’s, der Atem.

— Martha, ich werde sterben! wiederholte er immer wieder angstvoll, und sie antwortete unermüdlich: „Du wirst leben.“ Für gewöhnlich verstummte er darauf wieein kleines weinendes Kind, das die Mutter tröstet. Aber diesmal antwortete er verzweifelt auf ihre Worte:

— Was hilft es mir, wenn ich es nicht erlebe ... Und dann fügte er hinzu: Sie werden mir nicht erlauben, zu leben ... die Brüder Remogner ...

Ich konnte die Neugierde nicht mehr zurückhalten und fragte ihn, alle Rücksicht auf seinen Zustand vergessend, was die Brüder Remogner mit seiner Krankheit gemein hätten.

Er zögerte, dann sagte er schmerzlich:

— Es ist ja doch einerlei ... jetzt werde ich es euch sagen ...

Und er begann zu erzählen, mit leiser Stimme, die durch sein Herzklopfen und die Atemnot unterbrochen wurde.

— Erinnert ihr euch, sagte er, an diese Totenstadt, dort in der Wüste hinter den „Drei Köpfen“? Heute noch sehe ich sie vor mir, mit ihren zertrümmerten Türmen und halbzerfallenen Toren ... Ich weiß, daß ich sterben muß, und doch tut es mir noch immer leid, daß ich sie nicht aufsuchen konnte. Aber seht ihr, das war so ... Als ich den Wagen verlassen hatte, mußte ich über viel aufgehäuftes Gestein klettern, das dem zerstörten Pflaster eines alten römischen Kastells irgendwo in der Schweiz oder im italienischen Apennin ähnlich war ... Endlich kam ich an eine etwas gleichmäßigere Stelle. Jetzt hatte ich die Stadt vor mir wie auf der flachen Hand. Ich sah schon deutlich das mächtige Tor mit dem halben Bogen und den hohen Säulen, als plötzlich, plötzlich ...

Er griff nach unseren Händen und erhob sich etwas vom Lager. Die Augen hatte er weit geöffnet, das leichenblasse Gesicht wurde jetzt grün.

— Ich weiß, sagte er, euch scheint es, und auch mir schien es so ... einst ... daß die einzige Wahrheit das Wissen ist, das sich auf die Erfahrung stützt und sich in mathematische Formeln fassen läßt. Und dennoch gibt es unfaßbare und seltsame Dinge ... Ihr mögt über mich lachen, aber das ändert nichts an der Tatsache ... Wir wissen bis jetzt sehr wenig, oh, sicherlich, sehr, sehr wenig ...

Er verstummte einen Augenblick und sah uns an, als wenn er sich vergewissern wollte, ob wir nicht etwa über seine Worte spöttelten, aber wir saßen still und in Nachdenken versunken. Er atmete tief auf und fuhr in der unterbrochenen Erzählung fort:

— Da ... erblickte ich ... zwei Schatten — nein, zwei Menschen, Leichen oder Gespenster. Sie kamen aus dem Tore direkt auf mich zu ... Die Knie wankten mir. Ich schloß die Augen und wollte das Hirngespinst verjagen, aber als ich wieder aufblickte, sah ich ... keine fünf Schritte vor mir — die Brüder Remogner! Sie standen beide da, sich bei der Hand haltend, entsetzlich, aufgedunsen, blutig, wie wir sie gefunden haben. Und beide starrten mich so gräßlich an ... Ihr kennt mich, daß ich nicht ängstlich bin und nicht zu Phantastereien neige, aber das sage ich euch, sie standen wahrhaftig vor mir und die Angst versteinerte mich und das Blut gerann mir in den Adern. Ich konnte mich nicht rühren — mich nicht abwenden ... Da begannen sie zu sprechen, ja, zu sprechen! Und ich hörte ihre Stimmen wie ich euch höre, obwohl dort keine Luft war ...

— Und was haben sie gesprochen? stieß ich unwillkürlich hervor.

— Wozu sollt ihr das wissen, sagte er. Es ist genug, daß ich es hören mußte, oh, mehr wie genug, mehr wie genug! ... Sie sagten mir wie ich sterben würde und wie ihr sterben werdet, ihr — beide ... Sie bezeichneten Tag und Stunde ... Und sie sagten weiter, daß man nicht ungestraft die Erde verläßt und in die Geheimnisse zu dringen versucht, die dem menschlichen Auge verborgen sind. Sie sagten, es wäre besser gewesen, wenn wir dort gestorben wären, auf demMare Imbrium, statt ihnen, den Toten, die Luft zu stehlen, um unser Leben der Qualen zu verlängern, ja, der Qualen ... „Wir sind euch gefolgt,“ sagten sie, ich hörte es ganz deutlich, „und ihr seid an unserem Tode schuld, aber auch ihr“ ... Bei diesen Worten blinzelten sie haßerfüllt mit den erloschenen Augen und verzogen die geschwollenen Lippen zu einem boshaften Lächeln. Da bemerkte ich, daß hinter ihnen O’Tamor stand, blaß und vertrocknet ... Er lächelte nicht und sagte nichts, er war nur traurig und blickte voll Mitleid auf mich ... Ich schrie vor Entsetzen laut auf, und die ganze Willenskraft zusammennehmend, riß ich die erstarrten Füße vom Boden los und stürzte davon. Ich dachte nicht mehr an die Stadt — an gar nichts. Ich lief und lief und stolperte; ich wollte mich erheben und aufstehen, aber da fühlte ich, daß ich keine Luft hatte und verlor das Bewußtsein ...

Er verstummte erschöpft, und uns erfaßte eine seltsame Beklemmung. Ich bin in tiefstem Herzen überzeugt, daß das alles nur eine Täuschung war, wie jene Stadt selbst, die ich heute ebenfalls für eine Täuschung, hervorgerufen durch eine seltsame Gruppierung der Felsen, halte, aber ich wagte nicht recht, ihm das zu sagen.

Und übrigens ... weiß ich es? ... Uns umgeben so unlösbare Rätsel — so unerforschliche Geheimnisse! ... Auf diesen erloschenen Globus sind Menschen gekommen, ist der Tod mit ihnen gekommen; vielleicht ist dem Menschen und seinem unzertrennlichen Begleiter, dem Tode, auch jenes Etwas, jenes Unbekannte, das seit ewigen Zeiten auf Erden jedem Wissen, jeder Forschung getrotzt hat, gefolgt ...

Tomas schlief nach dieser Erzählung ein. Als er aufwachte frug er wo wir seien. Ich sagte ihm, daß wir uns dem Ende desQuertalesnäherten und bald auf dasMare Frigorisgelangen würden. Er hörte zu, als wenn er meine Worte nicht verstünde.

— Ah, ja! antwortete er endlich, ja, ja ... ich träumte, daß ich auf der Erde war ...

Dann wandte er sich zu Martha:

— Martha, erzähle mir, wie es auf der Erde ist.

Und Martha begann zu erzählen:

— Auf der Erde ist blaue Luft und über sie dahin wandeln die Wolken. Auf der Erde ist viel, viel Wasser, ganze mächtige Meere. Am Strande der Meere ist Sand, und verschiedenfarbige Muscheln liegen dort verstreut, und dann gibt es Wiesen, auf denen süße, wonnige Blumen blühen, und Vögel singen in den Wäldern. Wenn der Wind sich erhebt, so heult das Meer auf, und die Wälder brausen, und die Blätter säuseln ...

So erzählte sie ihm mit kindlicher Einfachheit, und wir hörten ihren Worten zu, wie dem schönsten Zaubermärchen ... Der Kranke bewegte langsam die Lippen, als wenn er wiederholen wollte: und die Wälder brausen, und die Blätter säuseln ...

— Wir werden nie mehr dort sein, sagte er endlich laut.

Ein herzzerreißendes Schluchzen Marthas antwortete ihm. Sie konnte sich nicht mehr beherrschen. Die Stirn an den Rand des Lagers gedrückt, erbebte sie in krampfhaftem verzweifelten Weinen.

— Ruhig, ruhig, sagte Tomas, leicht mit der Hand ihr Haar berührend.

Aber auch ihn packte die Furcht. Er wandte sich mit dem Gesicht zu uns und begann wieder mit abgebrochener Stimme, die wie mit großer Anstrengung aus der Brust hervordrang, zu sprechen:

— Rettet mich, habt Mitleid, rettet mich! Ich will nicht sterben! Nicht hier! Hier ist’s so entsetzlich! Rettet mich! Ich will ... leben, noch ... leben ... Martha ...

Er weinte wie ein Kind und streckte jammernd die dürren Hände nach uns aus.

Was sollten wir ihm antworten? ...

Wir nähern uns dem Ausgang des Tales, und die Fläche desMare Frigorisliegt schon vor uns. Ich habe die schmerzliche Gewißheit, daß wir sie allein zurücklegen werden — ohne Tomas!

Auf Mare Frigoris, dritter Mondtag, dreiundzwanzig Stunden nach Sonnenuntergang.

Auf Mare Frigoris, dritter Mondtag, dreiundzwanzig Stunden nach Sonnenuntergang.

Ich sehe auf die letzten Worte, die ich niederschrieb; sie haben sich bewahrheitet. Auf die EbeneMare Frigorisfuhren wir allein. Tomas Woodbell ist heute bei Sonnenuntergang gestorben.

Eine fürchterliche Leere! Wir werden immer weniger; nur mehr drei sind geblieben ... Ich kann an nichtsanderes denken als an diesen stillen, entsetzlichen Tod Woodbells.

Die Sonnenscheibe berührte bereits mit dem unteren Rande den Horizont, als wir endlich, nach einer Woche Weges, aus dem Felsengang fuhren. Vor uns erstreckte sich eine glatte, von den letzten Sonnenstrahlen vergoldete Flachebene. Ich sage vergoldete, weil die Sonne, was wir bei ihren früheren Untergängen nicht bemerkt haben, sich dem Horizont zuneigend, eine gelbliche Farbe annahm und das Rund des schwarzen Himmels um sich herum ein wenig erleuchtete. Das ist ein zweifelloses Zeichen, daß die Atmosphäre hier dichter ist. Wir stellten auch einen zweiten, sehr günstigen Umstand fest: DasMare Frigorisist ganz mit Sand bedeckt, was darauf schließen läßt, daß diese Ebene tatsächlich einstmals Meeresgrund gewesen ist.

Unsere Herzen waren voll Zuversicht, vor allem, weil Tomas sich scheinbar ein wenig besser fühlte. Wir wurden schon hoffnungsvoller; es schien uns, daß wir im Fluge diese Ebene durcheilen, und ehe die neue Sonne aufgeht, mit Tomas zusammen im Reiche des Lebens sein würden! Daß wir das Wehen des Windes fühlen, das Rauschen des Wassers hören, das Grün der Wiesen wiedersehen sollten ...

Allein wie anders wollte es das Schicksal!

Wir waren kaum einige Meter auf der Fläche gefahren, als Tomas uns bat, den Wagen anzuhalten. Die kleinste Bewegung quälte ihn unsagbar ...

Ich will ausruhen, sagte er mit schwacher Stimme, und auf die Sonne schauen, bevor sie untergeht.

Wir hielten also an und er blickte mit glanzlosen Augenzur Sonne, die ihre letzten goldenen Strahlen auf sein totenbleiches Gesicht herabfließen ließ. Er starrte eine Zeitlang unbeweglich in ihr Leuchten, dann wandte er sich zu Martha:

— Martha, wie ist das: „Sonne, du lichter Gott“ ... Wie geht das weiter?

Und Martha stellte sich, wie bei dem ersten vom Monde aus gesehenen Sonnenuntergang, in den vollen Glanz, streckte die Hände aus und die tränenvollen Augen zu dem schwindenden Lichte erhebend, begann sie halb sprechend, halb singend eine seltsame, in Rhythmen tönende Hymne:

Sonne, du lichter Gott, du wandelst von uns zu Ländern, die wir nicht kennen!Sonne, du Leuchte des Himmels, du Wonne der Erde, du gehst, unsere Augen in Trauer zurücklassend, um denen zu leuchten, die schon aus der irdischen Hülle erlöst sind ...Die, aus den Körpern erlöst, noch keine neue Gestalt annahmen, wie Gefangene, die man für eine Spanne Zeit freiließ, damit sie einen Tag der Stille und Ruhe genießen, ehe sie zum Gefängnis, in ihre Ketten zurückkehren.Gut ist ER, gut ist der Urewige, Unfaßbare, der einen Tag der Stille zwischen Kampf und Sorgen geschaffen hat ...In Ihm ist der Ursprung und der Ausgang aller Dinge; in Ihm sind die Seelen derjenigen erlöst, die den Kampf schon beendethaben, dahin heimkehrend, von wo sie vor grauen Zeiten ausgegangen sind.Oh, Sonne, lichter Gott, du gehst von uns, und wir bleiben in Trauer zurück — mit unserer Sehnsucht ...

Sonne, du lichter Gott, du wandelst von uns zu Ländern, die wir nicht kennen!

Sonne, du Leuchte des Himmels, du Wonne der Erde, du gehst, unsere Augen in Trauer zurücklassend, um denen zu leuchten, die schon aus der irdischen Hülle erlöst sind ...

Die, aus den Körpern erlöst, noch keine neue Gestalt annahmen, wie Gefangene, die man für eine Spanne Zeit freiließ, damit sie einen Tag der Stille und Ruhe genießen, ehe sie zum Gefängnis, in ihre Ketten zurückkehren.

Gut ist ER, gut ist der Urewige, Unfaßbare, der einen Tag der Stille zwischen Kampf und Sorgen geschaffen hat ...

In Ihm ist der Ursprung und der Ausgang aller Dinge; in Ihm sind die Seelen derjenigen erlöst, die den Kampf schon beendethaben, dahin heimkehrend, von wo sie vor grauen Zeiten ausgegangen sind.

Oh, Sonne, lichter Gott, du gehst von uns, und wir bleiben in Trauer zurück — mit unserer Sehnsucht ...

Woodbell hörte zu und schien einzuschlafen. Plötzlich rief er angstvoll:

— Martha, O’Tamor ist gestorben?

— Ist gestorben.

— Die Remogners sind gestorben?

— Sind gestorben.

— Ich werde auch sterben ... und sie ... sie ... er deutete mit den Augen auf uns.

— Du wirst leben, sagte sie wieder mit dieser seltsamen tiefen Überzeugung.

— Ah, ja ... flüsterte der Kranke, aber was hilft es mir ...

Eine Zeitlang herrschte Schweigen. Selena legte ihre Vorderpfoten auf das Lager und leckte die herabhängende Hand ihres Herrn. Er blickte auf sie und machte eine Bewegung, als wenn er das treue Tier streicheln wollte, aber scheinbar fehlten ihm schon die Kräfte.

— Meine, meine Hündin ... flüsterte er nur.

Dann sagte er, daß er auf die Erde schauen wolle. Wir legten ihn so, daß er sie vor sich hatte. Sie stand gerade im ersten Viertel über den Felsen im Süden. Er blickte lange, die Hände ausstreckend, in heißem Verlangen auf diesen am Himmel leuchtenden Halbkreis, den gerade der Schatten des Indischen Ozeans, mit dem hellen, sich in seine Fluten erstreckenden Dreieck Indiens langsam durchglitt.

— Sieh, sieh, dort ist Travancore! rief der Kranke.

— Dort ist Travancore, wiederholte Martha wie ein Echo.

— Dort waren wir glücklich ...

— Ja, glücklich.

Der Kranke begann wieder unruhig zu werden.

— Martha, werde ich dorthin kommen, nach dem Tode? ... Denn sieh, ich will nicht ... hier herumirren ... auf dieser Wüste ... in dieser Totenstadt ... Martha, werde ich dorthin kommen ...

Martha schwieg und ließ den Kopf sinken, Tomas drängte wieder und wieder ...

— Martha, werde ich dorthin kommen ... nach dem Tode ... auf die Erde?

Ein krampfhaftes Schluchzen erschütterte ihren Körper, aber sie überwand sich und antwortete mit tränenerstickter Stimme:

— Du wirst hinkommen, auf einen Augenblick, für einen Tag der Stille ... aber dann wirst du zu mir zurückkehren.

Seine Augen verschleierten sich; die schlaff herunterhängenden Hände waren bläulich und kalt. Er zuckte noch einmal und flüsterte kaum hörbar:

— Martha, wie ist es auf der Erde? ...

Und Martha erzählte von neuem vom rauschenden Meer, von blühenden Wiesen, von duftenden Blumen!

Um seine Lippen lagerte sich ein schmerzliches, aber ruhiges Lächeln und die Augen begannen sich langsam zu schließen. Noch einmal öffnete er sie für einen Augenblick, schaute auf die Erde und auf die Sonne, von der nur noch ein schmaler Streifen über der Wüste sichtbar war —seufzte leise und verschied mit dem letzten Leuchten des erlöschenden Tages ...

In der Dunkelheit haben wir ein Grab gegraben und ihm die Augen mit Sand bedeckt.

Und wiederum sind wir seit fast zwanzig Stunden unterwegs.

Wir fahren auf ebener, sandiger Wüste und passierten schon beim Ausgang aus demQuertaleden fünfzigsten Parallelkreis; die Erde erhebt sich nur noch 40° über dem Horizont, aber zum Glück gibt es auf dieser Fläche keine schattenwerfenden Erhöhungen. Wenn es geht, wollen wir die ganze Nacht ohne Unterbrechung vorwärtseilen.

Eine namenlose Trauer bedrückt uns. Martha sitzt ganz erschlafft da, fast wahnsinnig vor Schmerz, und zu ihren Füßen heult Selena nach ihrem verstorbenen Herrn. Wir geben dem Tier zu fressen, um es zu beruhigen, aber Selena nimmt nichts; sie war gewöhnt, nur von Tomas gefüttert zu werden.

Auf Mare Frigoris, 0° 6’ östlicher Länge, 55° nördlicher Mondbreite, nach Mitternacht, zu Beginn des vierten Tages.

Auf Mare Frigoris, 0° 6’ östlicher Länge, 55° nördlicher Mondbreite, nach Mitternacht, zu Beginn des vierten Tages.

Wir wenden uns direkt nach Norden, zum Pol. Seit hundertsiebzig Stunden, das heißt, seit dem Tode Woodbells, bewegten wir uns in nordwestlicher Richtung. Jetzt ist sein Grab schon weit zurückgeblieben, sehr weit ... Auf der Erde ist bereits eine Woche verflossen, seit wir ihn begraben haben.

Die ganze Zeit über fließt der Sand durch die Räder unseres Wagens, während nur das Zischen des Motors dielautlose Stille und das bleierne Schweigen unterbricht, das auf uns lastet. Martha weint nicht; sie sitzt da, stumm, mit zusammengepreßten Lippen und weit aufgerissenen Augen, in denen die Tränen schon vertrocknet sind.

Selena lebt nicht mehr. Seit Woodbells Tod wollte sie nicht mehr fressen, heulte stundenlang und lief im Wagen herum, alle ihm gehörigen Gegenstände und was seine Hand nur einmal berührt hatte beschnüffelnd. Schließlich legte sie sich in eine Ecke, wurde schwach und knurrte, wenn einer von uns sich nähern wollte. Wir fürchteten, daß sie die Tollwut bekäme, und mußten sie töten, obwohl es uns unendlich leid tat. Übrigens bin ich überzeugt, daß sie auch so nicht mehr lange gelebt hätte.

Ach, es ist so entsetzlich still in unserem Wagen, denn wir — was können Peter und ich miteinander sprechen? Es ist etwas Furchtbares geschehen. Der Tod Woodbells bedeutet in diesem Falle nicht nur den Verlust eines Menschen, eines treuen und teuren Freundes: nein, dieser Tod ist ein unermeßliches Unglück, — eine wahnsinnige Ironie des Schicksals, das zwischen uns beide diese Frau geworfen hat, die wir in gleichem Maße heiß begehren. Ich kann nicht auf sie sehen, ohne daß mich ein Schauer erfaßt und gleichzeitig empfinde ich den ganzen Ekel dieser — Schändung, gegenüber dem frischen Grab des Freundes. Es scheint mir, daß Woodbells Geist uns noch nahe ist, daß er mir ins Herz sieht, diese meine Gedanken lesend, aber ich kann dennoch nicht widerstehen — ich kann nicht! Das Fieber verzehrt mein Hirn, das Blut rast wild durch alle Adern, und mein Inneres ist so ganz voll von ihrem Bilde, daß ich sie vor mir sehe — immer — mit einer furchtbar unerhörten Deutlichkeit, auch wenn ich die Augen schließe.Ich versuche meine Gedanken von ihr abzulenken, sie mit Gewalt zurückzudrängen wie eine Meute toller Hunde, aber sie reißen sich los von der Kette meines Willens, werfen sich auf sie, reißen ihr die Kleider herunter, reiben sich an ihren Formen, schlängeln sich um ihren Leib und beschmutzen ihn mit den lüsternen Schnauzen, und da sie sehen, daß sie unnahbar und kalt ist, beginnen sie zu bellen, mit den Zähnen zu fletschen, nach ihr zu beißen und sie hin und her zu zerren ... Oh, diese schändlichen Gedanken, wie sie mich peinigen und quälen!

Varadol ergeht es ebenso; ich weiß, ich fühle, ich sehe es! Und er weiß ebenfalls, was in mir vorgeht. Daher dieser stumme, verbissene Haß zwischen uns. Weshalb soll man sich täuschen, weshalb die Dinge mit schönen Namen belegen, wir sind beide schlecht und gemein, denn sie steht zwischen uns. Wir sind nur zu zweit auf dieser fürchterlichen Welt, und es schreit etwas in der Tiefe unserer Seele, daß einer von uns zu viel ist. Wir sprechen nicht miteinander und sehen uns nicht in die Augen. Manchmal nur begegne ich verstohlen Varadols Blick, seinem entsetzlichen Blick, aus dem der Tod leuchtet wie ein Brand durch die Fenster eines im Innern flammenden Hauses.

Ob ich ihn fürchte? Nein, nein, tausendmal nein! Obwohl ich weiß, daß er mich jeden Augenblick, ohne zu wissen, was er tut, hinterrücks niederschlagen und morden kann, wie zum Beispiel jetzt, während ich schreibe und er hinter mir steht und meinen entblößten Nacken sieht. Ein Schauer durchläuft mich, aber ich wende mich nicht um, ich will seinem Blick nicht begegnen, in dem ich, wie in einem Spiegel, meine eigene Gemeinheit sehe.

Im übrigen fürchte ich mich absolut nicht vor einem plötzlichen, unerwarteten Tode! Der Tod ist nur dann über allen Ausdruck furchtbar, wenn er sich langsam nähert und unabwendbar. Ich weiß das aus Erfahrung. Ich fürchte nur eins, daß er diese Frau besitzen könnte, auf die er kein größeres Recht hat als ich; daß er vielleicht ihre vom Kummer noch bleichen Wangen durch Küsse röten, ihre Brust, die noch in ungestilltem Schluchzen bebt, zu schnellen, leidenschaftlichen Seufzern zwingen kann. Ah, ich darf nicht daran denken! Wir verfolgen uns gegenseitig so mit unserer Eifersucht, daß sie, solange wir beide leben, ohne jegliche Gefahr ist!

Aber manchmal packt mich die Wut. Ich möchte mir ins Gesicht speien und dann vor ihn hintreten und sagen: Komm, schlagen wir uns um sie! Beißen wir uns, wie zwei tolle Wölfe um eine Wölfin, unsicher des kommenden Tages, unsicher des Lebens, verbannt auf diese entsetzensvolle Welt, kämpfen wir um die Geliebte unseres toten Freundes, die für uns nichts fühlt als Gleichgültigkeit und Verachtung. Komm, schlagen wir uns heute um sie, ehe wir morgen sterben!

Aber ich bin zu sehr Hypokrit und zu feige, um das zu tun. Oh, wie ich mich verachte!

Und ich verachte und hasse auch sie! Es gibt Augenblicke, in denen ich fähig wäre, mich auf sie zu werfen und ihren schweigenden, traurigen Mund durch Schläge zum Schreien zu zwingen, um dann diesen Schrei zugleich mit dem Leben zu ersticken! Vielleicht wäre das besser ... Wir würden allein bleiben, ohne Ziel, ohne Verlangen zu leben, am Ende dann sogar freiwillig sterben, aber zum wenigsten würde nichts zwischen uns sein ...

Wozu lebt sie? Was hält sie hier? Wie kann sie noch leben, wenn sie diesen Menschen so geliebt hat, und wenn er für sie alles gewesen ist und mit ihm für sie alles geendet hat? Wir sind gemein, aber auch sie ist gemein! Das Tier, die unvernünftige Hündin, hat mehr Anhänglichkeit gezeigt, denn sie konnte den Tod ihres Herrn nicht überleben. Und diese Hündin hat doch nicht den hundertsten Teil der Liebkosungen gekostet, hat nicht den tausendsten Teil der Liebe genossen, mit der er diese Frau überhäuft hat! Aber die Frau lebt ... und wer weiß, wer weiß, vielleicht wirft sie aus diesen Augen, die scheinbar im Schmerz erkaltet und erloschen sind, schon auf einen von uns verstohlene Blicke, vielleicht keimt in ihrem Hirn, das noch voll ist vom Bilde jenes Toten, schon der Gedanke: Welchen von diesen zwei Lebenden soll ich wählen, um das ewige Werk des Weibes zu erfüllen? ...

Vielleicht, vielleicht ist in alledem irgendein ursprünglicher, elementarer, durch die Natur in unser Wesen gelegter, also heiliger Trieb des Seins und des Zeugens, der uns nicht zurückblicken, mit der Vergangenheit nicht rechnen, noch an die Zukunft denken läßt. Und dennoch ist für mich das alles so ekelhaft — so widerwärtig — ungeheuerlich! ...

Ah, warum lebt dieses Weib? Warum?

Und ich fühle, daß ich trotz alledem ihren Tod niemals verwinden könnte.

Auf Mare Frigoris, 0° 30’ östlicher Länge, 61° nördlicher Mondbreite, vierter Tag, einhundertzweiundsiebzig Stunden nach Mitternacht.

Auf Mare Frigoris, 0° 30’ östlicher Länge, 61° nördlicher Mondbreite, vierter Tag, einhundertzweiundsiebzig Stunden nach Mitternacht.

Martha hatte recht, als sie zu Tomas sagte: Du wirst leben! Ach, daß ich das damals nicht gleich verstanden habe!

Es waren fast drei Viertel der Nacht verstrichen, als ich, am Steuer sitzend, bemerkte, daß Peter sich fortgesetzt um mich herum zu schaffen machte, mit einer Miene, als wenn er eine Unterredung beginnen wollte. Mich wunderte das, weil wir immer nur das Notwendigste besprachen, aber gleichzeitig freute es mich auch. Ich fühlte, daß die Zeit endlich gekommen war, dieser unerträglich drückenden Situation durch eine Aussprache ein Ende zu machen.

Ich frug ihn also so höflich wie nur möglich:

— Wünschst du etwas von mir?

— Ja, ja, sagte er schnell, sich neben mich setzend, ich wollte mit dir reden ...

Ich bemerkte, daß er sich zu einem Lächeln zwang, aber seine Züge zuckten krampfhaft dabei. Unwillkürlich blickte ich auf seine Hände. Und er, als wenn er meinen Blick verstanden hätte, errötete und zog die Hände leer aus den Taschen, sie auf seine Knie legend. Dann begann er etwas stockend:

— Ja, ja, siehst du, ich wollte mit dir ... denn es scheint, daß wir diese Nacht nicht anzuhalten brauchen, da die Kälte nicht so empfindlich ist und der Weg eben und hell genug, obwohl die Erde niedrig am Horizont steht; im übrigen wirst du zugeben, daß man sich eilen muß, also ...

Ich wendete keinen Blick von ihm ab, und er wurde immer verwirrter. Plötzlich änderte er den Ton und schrie heftig:

— Zum Teufel! Wir fahren ohne Unterbrechung nach Norden?

— Ja ... pflichtete ich bei, mich zur Ruhe zwingend.

Dann folgte ein Augenblick qualvollen Schweigens. Varadol sprang auf und begann unruhig auf und ab zu gehen. Ich war mir klar darüber, was in ihm vorging; ich wußte, wovon er mit mir sprechen wollte, und daß er über gleichgültige Dinge redete, weil er das Wort nicht hervorbringen konnte, das uns Auge in Auge der Entscheidung gegenüberstellte, die früher oder später schließlich fallen mußte. Eine Zeitlang empfand ich eine boshafte Freude über seine Hilflosigkeit, aber dann tat er mir plötzlich so unendlich leid, daß ich fähig gewesen wäre, mich ihm an den Hals zu werfen und ihn bei unserer alten Freundschaft zu beschwören, ihm alles mögliche zu sagen, daß ich ihm das Weib abtreten wolle, — oder ihn zu bitten, sich mit ihrem Tode einverstanden zu erklären — ah, ich weiß selbst nicht mehr, was ich beginnen wollte, aber ich beherrschte mich sofort; das führt absolut zu nichts. Ich fühlte indes, daß es unmöglich war, die endgültige Auseinandersetzung noch weiter hinauszuschieben.

— Wolltest du weiter nichts, fragte ich ihn unvermittelt.

Er blieb stehen, scheinbar durch den freundlichen Ton in meiner Stimme betroffen, und sah mir forschend in die Augen. Dann lächelte er traurig und fuhr mit der Hand über die Stirn. Ich bemerkte, daß seine Hand wie im Fieber zitterte.

— Ja, in der Tat, ich wollte — überdies ...

Er brach ab und blickte auf Martha; nach einigem Zögern sagte er mit abgebrochener, rauher Stimme in deutscher Sprache, damit sie ihn nicht verstehen konnte:

— Was werden wir mit diesem Weibe tun?

Ich erwartete diese Worte, aber trotzdem trafen sie mich wie ein Keulenschlag! Ich bremste gewaltsam den Wagen; das Blut klopfte mir in den Schläfen und verschleierte mir die Augen. Mein Herz schlug zum Zerspringen; die Lippen waren wie ausgetrocknet. Der entscheidende Augenblick war gekommen.

Ich sah auf Varadol. Er stand vor mir, blaß wie eine Leiche und starrte mir hartnäckig in die Augen. Diesen Blick werde ich bis zu meinem Tode nicht vergessen! Es lag eine Angst darin und ein fast hündisches Flehen — und gleichzeitig wieder eine entsetzliche Drohung.

Ohne zu antworten, schob ich ihn beiseite und ohne mir klar darüber zu sein, was ich tat, trat ich an Martha heran, die still dasaß und irgend etwas nähte. Er folgte mir.

— Warum lebst du, Weib? Diese unerhörte und, wie mir jetzt scheint, lächerliche Frage, obwohl ich damals keine Lust zum Lachen hatte, stieß ich ganz unvermittelt hervor.

Martha schaute uns erstaunt an, dann wurde sie feuerrot und sagte langsam mit leicht zitternder Stimme, als wenn sie sich rechtfertigen wollte:

— Ich warte auf Tomas’ Rückkehr ...

Eine rasende Wut packte mich.

— Genug der albernen Redereien! schrie ich, ihr die Arbeit, über die sie sich neigte, aus den Händen reißend. Ich weiß nicht, was weiter geschehen wäre, wenn ich nicht in diesem Moment einen Blick auf das Stück Leinwand, an dem sie nähte, geworfen hätte: Es war ein Kinderhemd.

Ich verstand plötzlich alles. Unfähig, ein Wort hervorzubringen, streckte ich nur die Hand aus, Peter daraufaufmerksam machend. Er schrie leise auf und ging schnell zum Steuer des Wagens.

Also darum sagte sie zu dem sterbenden Tomas mit einer solchen Überzeugung: Du wirst leben! Darum folgte sie ihm nicht!

Nach dem Glauben ihres Volkes geht in das nach dem Tode des Vaters geborene Kind die Seele des Verstorbenen über. Sie wartet also, fest überzeugt, daß Tomas in dem Kinde zu ihr zurückkehren wird, nachdem er als Geist die Erde umkreist, die ihn beim Sterben mit so namenloser Sehnsucht erfüllte! Sie mußte ihm die „frohe Kunde“ gebracht haben, daß sie in diesem Kinde seiner warten werde, wohl damals, als sie kurz vor seinem Tode malabarisch zu ihm gesprochen hatte. Das alles durchfuhr mich wie ein Blitz.

Ich blickte auf sie: sie weinte still, das Gesicht in dieses kleine Hemdchen verborgen, das aus der Wäsche des Verstorbenen zurechtgeschnitten war.

Und plötzlich geschah etwas Seltsames mit mir. Ich hatte das Gefühl, als wenn in meinem Herzen etwas zersprungen wäre, irgendein widerwärtiges Geschwür und gleichzeitig fiel es mir wie ein Schleier von den Augen. Martha erschien mir als ein anderes Wesen. Ich schaute auf sie mit einem Staunen, als wenn ich sie zum erstenmal sähe! Das war nicht mehr das Weib, um dessen Besitz ich noch vor einem Augenblick mit meinem Freund und einzigen Kameraden auf dieser einsamen Welt ringen wollte. Das war die Mutter des neuen Geschlechts, der siegende Tod durch das große Geheimnis des Lebens und der Liebe.

Eine unaussprechliche Dankbarkeit erfüllte meine Seele; Dankbarkeit dafür, daß wir durch sie nun hier nicht mehrallein sein werden, und daß sie sich mit der Heiligkeit der Mutterschaft vor uns schützte, vor uns, die wir — blind! — in ihr nur das begehrenswerte Erbe des Toten gesehen haben. Ich neigte mich, ohne es zu wissen, und küßte ihre Hand. Sie zuckte zusammen und verstand anscheinend meine stumme Huldigung, denn sie erhob ihr Gesicht, das noch verweint war, aber schon von Stolz über die neue und anerkannte Würde aufleuchtete.

Wie unbegreiflich ist doch die Seele des Menschen! Das alles löst ja die uns quälende Frage durchaus nicht, sondern rückt sie nur für eine bestimmte Zeit in die Ferne und trotzdem sind wir beide jetzt so ruhig, als wenn die ganze Angelegenheit erledigt wäre. Wir haben die Überzeugung, daß dieses Weib keinem von uns Lebenden gehört, sondern demjenigen, der gestorben ist, und wir ehren und achten sie, ganz vergessend, daß vielleicht die Zeit wieder kommen wird, wo ...

Aber nein, nein, ich will nicht daran denken!

Jetzt nur nach Norden, immer nur nach Norden!


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