Und Peter? ... Er sitzt wie immer schweigend und finster auf der Schwelle des Hauses und vielleicht, ich weiß es nicht, vielleicht tut es ihm leid, daß er auf den Abhängen des Otamor sein Leben damals nicht lassen durfte.
Mit mir ist scheinbar alles zu Ende. Bald werden auch diese Kinder meiner nicht mehr bedürfen. Ich will mir ein Grab errichten — auf der Friedhofinsel.
Nach sechs Tagen ...
Nach sechs Tagen ...
Ich blicke auf die letzten Worte, die ich vor einigen Mondtagen niederschrieb und meine Augen trüben sich, nicht mehr von Tränen, denn die sind längst vertrocknet; nein, es ist, als wenn Entsetzen und Verzweiflung sie mir wie mit heißem Sande geblendet hätten. Nicht für mich habe ich das Grab auf der Friedhofinsel erbaut ...
Weshalb ... weshalb!
Eine ewig stumme, qualvolle Frage — ohne Antwort.
Ich bin allein geblieben.
Allein mit vier Kindern, die nicht meine Kinder sind. Ich bin der letzte Mensch auf dem Monde, der letzte derjenigen, die von der Erde gekommen sind. Die beiden andern, Martha und Peter, sind O’Tamor, den Remogners, sind Woodbell gefolgt. Und ich lebe.
Das ist das Schicksal, das ich am meisten gefürchtet und — am wenigsten erwartet habe.
Und wenn ich bedenke, daß das alles so schnell geschehen konnte! Sechs Mondtage, ein halbes irdisches Jahr! Wer hätte das damals geglaubt! Und zum drittenmal schon ist diese träge Sonne über diesem Meer aufgegangen, seit ich sie begraben habe. Ich bin allein, so furchtbar, so grauenhaft allein, daß ich während der finstern Nächte aufspringe und herumlaufe und am Tage jedes Geräusch und die Schatten der sich im Winde wiegenden Pflanzenungeheuer fürchte.
Ja, ich bin allein. Denn diese Kinder können mir nicht nahe stehen. Das sind Wesen aus einer anderen Welt, in des Wortes wahrster Bedeutung.
Was würde ich dafür geben, wenn auch nur für einen Augenblick, Martha oder Peter hier bei mir zu haben!
Als Martha krank wurde, hatte ich keine Ahnung, daß das so furchtbar enden sollte.
Ich bemerkte zwar schon lange, daß ihr Organismus erschöpft war von all dem, was sie durchgemacht hatte, daß Kummer und Trauer an ihrem Leben nagten, aber dieser Gedanke war doch so fern von mir, so fern!
Am letzten Mondtage begann Martha zu kränkeln. Noch stiller und nachdenklicher wie gewöhnlich, verbrachte sie fast die ganze Zeit mit den Kindern am Meeresstrande. Sie spielte mit Tom und liebkoste sogar die Mädchen, die sehr erstaunt waren über die so seltene Zärtlichkeit der Mutter. Gegen Mittag, als ich zum Strand ging, um ihr zu sagen, daß sie nach Hause zu den Teichen zurückkehren müsse, da die Gewitter im Anzuge seien, lächelte sie mir zu und wiederholte einigemal:
— Ja, es ist Zeit nach Hause zurückzukehren, es ist Zeit, zurückzukehren ...
All diese kleinen Einzelheiten sind mir so lebhaft im Gedächtnis, stehen so klar vor meiner Seele, daß ich sie jetzt beim Schreiben vor Augen habe, jede ihrer Bewegungen sehe, ihre Stimme höre und es nicht fassen kann, daß sie nicht mehr ist und ich sie nie mehr wiedersehen werde ...
Als sie nach Hause ging, nahm sie die Jüngste, Ada, bei der Hand und frug sie, ob sie Tom liebe. Das Kind schüttelte den Kopf:
— Nein, ich liebe ihn nicht.
Martha wurde traurig.
— Warum liebst du ihn nicht, warum, Ada?
— Weil Tom nicht gut ist. Tom will, daß ich ihm gehorche.
— Das ist unrecht, sagte die Mutter, du mußt Tom gehorchen und ihn lieben, denn du bist sein ...
— Nein. Ich gehöre nicht Tom. Lilli und Rosa gehören Tom. Ich bin mein.
Ich lachte laut über diese Antwort des Kindes, aber Martha traten die Tränen in die Augen.
— Es ist unmöglich, sich selbst zu gehören, unmöglich, flüsterte sie mehr zu sich selbst und küßte das Kind herzlich.
Nachmittags sprach sie lange mit Tom. Nachdem sie ihn zu sich gerufen hatte, erzählte sie ihm vom Vater, vielleicht zum tausendstenmal, eine Unmenge Einzelheiten wiederholend, die zusammengenommen ein seltsames Märchen bildeten, eine Hymne für den verstorbenen Geliebten. Tomas war ein tüchtiger, vortrefflicher Mensch, aber in den Erinnerungen Marthas wurde sein Bild göttlich, die Verkörperung von allem, was gut und groß und schön ist.
Sie ermahnte Tom, daß er zu seinen Schwestern gut sein müsse. Das setzte mich in Erstaunen, denn solche Lehren hatte ich nie aus ihrem Munde gehört.
Gegen Abend begann sie über eine allgemeine Schwäche zu klagen, über Schwindel und Schmerzen in den Gliedern. Gewöhnlich ertrug sie alle Unpäßlichkeiten schweigend, so daß wir nur aus ihren Zügen erraten konnten, wenn ihr etwas fehlte; nie kam ein Wehlaut über ihre Lippen, noch suchte sie je bei uns Mitleid oder Hilfe. Selbst wenn wir bemerkten, daß sie schlecht aussah und sie frugen, was ihr fehle, schüttelte sie den Kopf und sagte lächelnd:
— Es fehlt mir nichts ... Oder: Das geht vorüber, ich werde noch nicht sterben, denn ich bin Tom noch notwendig.
Infolgedessen beunruhigten mich ihre Klagen an diesem Abend um so mehr. Ich sah sie forschend an und bemerkte erst jetzt, beim Lichte des erlöschenden Tages, daß Fieberflecke auf ihren Wangen brannten und ihre Augen schwarz umrändert und eingefallen waren. Sie hattennichts von dem früheren Glanz verloren: All die vergossenen blutigen Tränen vermochten nicht den Strahl dieser Augen zu trüben, aber sie leuchteten jetzt in einem ungesunden Feuer, das nichts gemein hatte mit jener früheren sternenklaren Helligkeit!
Als die Sonne untergegangen war, begann Martha, die sich niedergelegt hatte, mehr infolge der Schwäche als aus Schlaflosigkeit, unruhig zu werden. Sie sprang vom Lager auf, es war ersichtlich, daß sie fieberte. Sie rief die Kinder, die schon schliefen, dann rechtfertigte sie sich, kaum hörbar flüsternd, vor sich selbst oder auch vor dem Geiste des Verstorbenen, der ihr scheinbar vor Augen stand, ihres Lebens wegen und klagte sich der Geburt dieser armen Mädchen an, ja sogar wegen ihrer Liebe zu ihnen, die sie nicht hatte ganz unterdrücken können. Ich glaube, daß ihrer Überzeugung nach diese Mutterliebe ausschließlich ihrem Sohne gelten durfte und jede ihrer Äußerungen den Töchtern gegenüber ihr als ein Tom und dem Toten zugefügtes Unrecht erschien.
Nach einiger Zeit beruhigte sie sich ein wenig. Ich saß mit Peter an ihrem Lager, angstvoll und niedergedrückt; vor allem peinigte uns der Gedanke, daß wir keine Arzeneien hatten und dieser Krankheit gegenüber ganz ratlos waren. Martha schaute uns lange mit weit geöffneten Augen an und frug dann plötzlich, ob die Sonne schon untergegangen sei. Ich antwortete ihr, daß die lange Nacht auf dem Monde bereits begonnen habe.
— Ah, es ist wahr! sagte sie, wieder klarer bei Besinnung. Draußen ist es doch finster und hier brennen die Lichter ... Ich habe es nicht gleich bemerkt. Und dort auf demMare Frigoris, was ist jetzt dort?
— Dort ist jetzt Tag. Eben ist dort die Sonne aufgegangen.
— Ja, die Sonne ist aufgegangen und leuchtet jetzt über Tomas’ Grab, nicht wahr? Und dieselbe Sonne über diesem Grabe wird hierher zu uns am Morgen kommen?
Ich nickte schweigend.
— Dieselbe Sonne, sagte abermals die Kranke. Und wenn ich daran denke, daß diese Sonne täglich, so viele Mondtage hindurch, auf das Grab schaute und dann auf mich hier, die Lebende, und dann wieder zu dem Grabe zurückkehrte, ihm zu erzählen, was sie hier gesehen hat!
Sie bedeckte die Augen mit den Händen und begann am ganzen Körper zu zittern.
— Das ist furchtbar! wiederholte sie einige Male.
Peter ließ den Kopf sinken. Es schien mir, daß ich in seinem gelben, verdorrten Gesicht eine dunkle Röte aufsteigen sah, die sich bis in die gefurchte Stirne ergoß. Dies mußte auch Martha bemerkt haben, denn sie wandte sich zu ihm:
— Ich wollte dir nicht weh tun, Peter ... jetzt ... Übrigens bist du nicht schuld daran, wie hättest du mich zwingen können, dein Weib zu werden, wenn ich es nicht selbst gewollt hätte ... für Tom ...
Sie verstummte und atmete tief auf. Nach einer Weile sagte sie leise:
— Ich möchte den Morgen erwarten. Es ist so furchtbar, in der Dunkelheit herumzuirren und den Weg dort auf der Wüste zu suchen. Wenn hier der Tag beginnt, wird dort über demMare Frigorisdie Erde leuchten.Ich will lieber bei ihrem Lichte an dem Grabe stehen, denn ich weiß nicht, ob ich den Mut hätte, in den vollen Glanz der Sonne zu schauen ...
Martha, was sprichst du? rief ich unwillkürlich.
Sie sah mich an und antwortete kurz:
— Ich werde sterben ...
Gegen Mitternacht stieg eine würgende Angst, daß sie wirklich sterben könne, in mir auf. Eine Krankheit, für die wir nicht einmal einen Namen fanden, raffte sie dahin. Wir bemerkten nur einen außerordentlich schnellen Kräfteverfall, der im Verein mit dem stets wiederkehrenden Fieber nichts Gutes ankündigte.
Übrigens, was bedeuten alle ärztlichen Benennungen! Ich weiß nur zu gut, welch eine Krankheit das ist, ich kenne sie zur Genüge, sie heißt Leben! Sie weckt den Menschen aus dem Nichtbewußtsein, sie kost mit ihm und spielt und tändelt, und während des Spielens reißt sie und zerrt an ihm herum und drückt und überwindet und vernichtet ihn schließlich. Mit dieser Krankheit kommen wir alle zur Welt, und es gibt für sie kein Heilmittel als den Tod!
Peter wich fast keinen Augenblick von Marthas Lager. Ich blickte auf seine finsteren, unbeweglichen Züge und dachte, trotz der tödlichen Angst, die mich erfaßt hatte, darüber nach, was für Gefühle sich unter dieser undurchdringlichen Maske verbergen könnten. Ich sollte es früh genug erfahren!
Am Morgen war Martha sehr unruhig, und erst die Dämmerung brachte ihr ein wenig Linderung.
— Ich werde die Sonne noch sehen! sagte sie und versuchte, mit blassen Lippen zu lächeln.
Jetzt saß ich allein bei ihr, denn Peter, von dem langen Wachen übermüdet, gab schließlich meiner Überredung nach und legte sich in dem benachbarten Zimmer schlafen. Die Morgendämmerung drang durch die Scheiben von dickem Glas, das wir auf dem Monde gefertigt hatten, herein, und das Licht der Lampen wurde immer gelber. Der Schnee lag auf den Feldern, wie immer, und als der Wind die Dämpfe, die sich stets über den Warmen Teichen erhoben, verweht hatte, sah man durch das Fenster eine große glitzernde Fläche.
In diesem scharfen und kalten, vom Schnee zurückgeworfenen Schein des nahenden Tages, der mit dem gelben, ersterbenden Licht der Lampe kämpfte, schaute ich auf Martha und zweifelte nicht mehr, daß sie in kurzer Zeit für immer von uns gehen würde. Ihr Gesicht war lang und blaß; die einst so vollen verführerischen roten Lippen nahmen die blaß-bläuliche Farbe des Todes an. Unter den gesenkten, fast durchsichtigen Lidern sahen erlöschende und über alle Beschreibung traurige Augen hervor.
Ich lehnte meinen Kopf an den Rand des Bettes und biß die Zähne zusammen, um nicht in lautes, unmännliches Weinen auszubrechen, das in meiner Brust zerrte wie ein Tier an der Kette.
Indessen wurde es draußen immer heller. Die bis vor kurzem grauen Nebel glitten jetzt, vom Winde getrieben, an den Fenstern vorüber wie weiße Gespenster. Manchmal verdichtete sich ihr Schleier und verhüllte die Welt; dann dehnten sie sich wieder zu langen, flatternden Gestalten, die plötzlich auftauchten, sich vor den Fenstern verneigten und weiterflogen. Auch schimmerten aus diesem Nebelweiße Felsstreifen und wolkenumhüllte, perlende Säulen der Geiser und weiter oben am Hintergrunde des hellblauen Himmels der Gipfel des Otamor, der sich in den ersten Strahlen der Sonne rötlich färbte.
Martha frug nach den Kindern; als sie hörte, daß sie noch schliefen, ließ sie sie jedoch nicht aufwecken.
— Mögen sie schlafen, flüsterte sie, ich werde sie noch sehen, bevor die Sonne aufgeht ... Indessen ist es gut, daß es so still ist.
Dann wandte sie sich zu mir:
— Du wirst ihnen immer ein Vormund sein, nicht wahr?
— Ja, antwortete ich mit tränenerstickter Stimme.
— Und du wirst sie niemals verlassen?
— Nein.
— Schwörst du mir das?
— Ja, ich schwöre es.
Sie streckte die Hand nach mir aus:
— Du bist gut, mein Freund, flüsterte sie, nun kann ich ruhig sterben, weil ich weiß, daß du sie nicht verlassen wirst.
Ich ergriff ihre Hand und preßte sie leidenschaftlich an die Lippen. Ihre Finger zitterten leicht, als wenn sie meine Hand drücken wollte. Eine so eisige Kälte entströmte ihnen, daß meine heißen Lippen sie nicht mehr erwärmen konnten.
— Ich wollte dir, begann sie nach einer Weile, noch vor dem Tode sagen, daß du mir ... teuer warst. Ich machte mir darüber größere Vorwürfe, als daß ich Peters Weib wurde ... Vielleicht, wenn ich dir angehört hätte, statt ihm, vielleicht wäre mein Leben auf dem Mondein eine andere Bahn gelenkt, glücklicher und länger gewesen ...
Sie sagte das alles ruhig, mit einer sanften, erlöschenden Stimme, in mir aber erhob sich ein Sturm; ich heulte weinend auf und ihre Hände sinnlos mit Küssen bedeckend, brachen aus meiner Brust von Tränen erstickte, unzusammenhängende Worte der Liebe hervor — der Liebe, die ich so lange verbergen und zurückhalten mußte und die jetzt mit Allgewalt überschäumte, gegenüber der Sterbenden.
Sie neigte sich leise zu mir und legte die Hand auf mein Haupt.
Ruhig, sagte sie, ruhig ... Ich weiß ... Weine nicht ... es ist so besser ... Du warst mir teuer durch deinen Edelmut, durch deine Liebe für Tom, ich weiß es selbst nicht, wodurch ... Aber trotz alledem, vielleicht wäre ich nicht gut zu dir gewesen, wenn du zwischen mich und den Verstorbenen getreten wärst, der allein ein Recht auf mich hatte. Ruhig, weine nicht, du weißt es schon. Ich denke, daß Tomas es mir verzeihen wird, daß ich das für dich fühlte und es dir jetzt in der Todesstunde sage.
Ich war maßlos unglücklich.
Sie verstummte erschöpft, und ich, mein Gesicht an ihrer Brust verbergend, zitterte am ganzen Körper, von einem inneren Schluchzen geschüttelt.
Martha versuchte abermals zu sprechen:
— Mag es sein ... ich werde jetzt alles sagen. Ich spreche ja heute das letztemal zu dir ... an jenem Mittag ...
Die Sterbende brach ab, als wenn ein Gefühl der Scham ihre Stimme ersticken machte, aber ich wußte wohl, von welchem Mittag sie sprach!
Sie schwieg eine Zeitlang und bewegte nur leicht die Lippen. Plötzlich rief sie, wie verzweifelt ausbrechend:
— Warum hast du Peter nicht getötet?
In diesem Augenblick hörte ich ein unterdrücktes Stöhnen hinter mir. Ich wandte mich um; in der Tür stand, die Hand an die Pfosten gestützt, Peter, blaß wie eine Leiche, und blickte auf uns mit weit geöffneten Augen. Er mußte schon ziemlich lange dort stehen und hörte wahrscheinlich alles, was Martha zu mir sagte.
Als er sah, daß ich ihn bemerkte, machte er schwankend einige Schritte nach vorn und stammelte etwas Unverständliches.
Martha kehrte sich mit einem unterdrückten Schrei des Ekels zur Wand.
— Verzeihung, wimmerte Peter, Verzeihung; es war unabsichtlich ... Ich wollte nicht ...
Da ertönten im Nebenzimmer helle Stimmen.
— Die Kinder! rief Martha und streckte die Hände aus. Aber die Mädchen waren befangen und blieben in der Tür stehen, nur Tom stürzte zu ihr; sie nahm seinen Kopf in ihre zitternden Hände und drückte ihn an sich.
Peter beobachtete sie und trat an mich heran:
— Du hast ihr versprochen, er deutete mit einer Bewegung auf Martha, für alle Kinder zu sorgen ... für alle! In gleicher Weise ... Bevor ich, durch diese seltsamen Worte überrascht, antworten konnte, war er nicht mehr im Zimmer.
Durch die am Fenster vorübergleitenden Nebel drang schon der erste Sonnenstrahl, verwandelte die obern Scheiben in Stücke leuchtenden Goldes und eilte in hellen Lichtgarben durch die dumpfe Atmosphäre des Zimmers.Martha lag regungslos, mit erlöschendem Blick in den Streifen des Sonnenlichts starrend, der immer tiefer herunterglitt an der Wand und sich wie ein herabsteigender Engel ihrem Bette näherte. Die Mädchen schlichen auf den Fußspitzen heran und schauten erstaunt auf die blassen, unbeweglichen Züge der Mutter.
Mir war es schwül; im Munde fühlte ich eine trockene Bitterkeit. Dieser anbrechende Tag kam zu mir wie ein erbarmungsloser, schmerzlicher Hohn, denn ich wußte, daß mit ihm eine endlose Leere und ein Bangen nach der Vergangenheit beginnt. Die Minuten flossen in Schweigen dahin ...
Plötzlich schrie Tom:
— Onkel, Onkel, ich ängstige mich! Mütterchen blickt so furchtbar!
Ich wandte mich um: ein Lichtstrahl, der auf das Kissen fiel, erleuchtete Marthas Züge; die verglasten, erloschenen Augen starrten in die Sonne.
— Eure Mutter ist gestorben, sagte ich mit einer würgenden, mir selbst fremden Stimme zu den Kindern, die sich erstaunt und verängstigt um das Lager drängten. Dann beugte ich mich über sie, um ihre Augenlider zu schließen.
In demselben Moment ertönte ein Schuß.
Ich stürzte zur Tür: Peter lag im benachbarten Zimmer am Boden, mit zerschmettertem Schädel, den rauchenden Revolver in der Hand.
Ich wankte wie ein Betrunkener.
Heute liegen beide schon im Grabe ... Ich habe ihnen den letzten Dienst erwiesen: Ihre Körper wickelte ich in große, aus Pflanzenfasern gewebte und mit Harz getränkte Tücher und trug sie auf meinen Armen in das Boot, dassie auf die Friedhofinsel fahren sollte. In dem Boot saßen neben mir und den Leichen vier Kinder. Die drei älteren drängten sich um die Mutter. Tom, durch den Anblick des Todes betroffen und verschüchtert, saß schweigend zu Füßen der Leiche; Lilli und Rosa griffen mit den Händchen nach dem Tuch und riefen weinend nach der Mutter, als wenn sie noch die ihnen gebührenden Liebkosungen verlangten, mit denen sie die Mädchen im Leben so spärlich bedachte. Die Leiche Peters lag verlassen in dem Boote. Nur die Jüngste näherte sich ihr, und das Tuch streichelnd, flüsterte sie leise:
— Armes Väterchen, armes ...
Unserer traurigen Fahrt war ein günstiges Wetter beschieden. Die Sonne, die noch nicht hoch über dem Horizont stand, erleuchtete golden die mächtige, ruhige, kaum von einem leichten Winde in zarte Furchen gepflügte Meeresfläche, auf der vor uns, in der Ferne, die Inseln auftauchten, in durchsichtigen blauen Nebel gehüllt. Und niemals im Leben empfand ich so bitter diese erbarmungslose, grausame Ironie, die in der sich immer gleichbleibenden Schönheit der Natur liegt, der Freude wie dem Schmerze des Menschen gegenüber gleichgültig! Denn ich fuhr doch in diesem Kahn die zwei letzten menschlichen Wesen, die mit mir auf diesen Globus gekommen waren und wie ich meine heimatliche Erde kannten; ich fuhr sie hierher, um sie in dem Grabe zu betten, das ich für mich gebaut hatte, um dann für immer allein zu sein! Und trotzdem leuchtete die Sonne erhaben und herrlich, genau so wie damals, da ich als glückliches Kind auf jenem in diesem Augenblick so weit von mir entfernten Planeten in ihrem warmen Scheine sorglos spielte.
Von dem Boote aus trug ich sie beide auf dem Rücken zum Grabe, das ich auf der Höhe in der schönsten Gegend der Insel erbaut habe. Die Leichen waren leicht, sechsmal so leicht als sie auf der Erde sein würden, und ich beugte mich dennoch unter ihrer Last ... Das war freilich kein Wunder! Trug ich doch das letzte meines bitteren Glückes zu Grabe!
Martha habe ich in dem Grabe gebettet, das ich für mich bestimmt hatte. Für Peter errichtete ich eine andere Ruhestätte, etwas tiefer gelegen.
Und ich muß weiterleben ... Manchmal zwar, wenn mich die Last der Sehnsucht zu Boden drückt, packt mich die Versuchung, von diesem Globus fortzugehen, auf dem Wege, den schon die andern sechs vor mir gegangen sind: O’Tamor, die beiden Remogners, Woodbell, Varadol und Martha; aber dann denke ich an den Schwur, den ich der Sterbenden geleistet habe, daß ich die Kinder nicht verlassen werde. Für sie muß ich leben. Ich bin jetzt zum Leben verurteilt, wie ich — so lange sie lebte, zur Liebe verurteilt war. Und diese zwei höchsten Güter des Menschen sind mir zur Qual, zur namenlosen Qual geworden.
Meine Tage gehören diesen Kindern. Ich bemühe mich mit allen Kräften, stets an sie zu denken, beschäftige mich mit ihnen, lehre sie, nehme sie mit mir, schütze und pflege sie, denn, bei Gott, auf mir Kinderlosem lastet die geistige Vaterschaft des Mondgeschlechtes.
Aber während der Nächte kehre ich auf die Erde zurück und spreche mit den Toten.
Etwas ist wohl in meinem Hirne zerstört und unterbrochen, oder die Trauer hat mein Denken in Nebel gehüllt,denn die Wirklichkeit erscheint mir als Traum, und die Träume de Schlafes sind für mich wirkliches Leben.
Ich sehne mich nach den Träumen. In ihnen wandle ich auf der Erde und küsse voll Rührung ihre Bäume und Blumen, sogar den Staub und die Steine, und es ist mir dann, als hätte mich niemals das wahnsinnige Verlangen nach Erkenntnis, der Wunsch, die Geheimnisse des sternenbesäten Weltenraumes zu erforschen, von ihr fortgerissen.
Manchmal auch kommen sie zu mir, die verstorbenen Kameraden. Voran geht der greise O’Tamor und beschuldigt sich, er, der die Güte selbst war, daß er uns leichtsinnig auf diesen öden Globus, der wie eine Lampe für die Erde zwischen den Himmeln hängt, hinausgeführt hat. Dann sehe ich die Remogners. Sie beklagen sich, daß sie uns gefolgt sind und dadurch den Tod gefunden hätten. Woodbell erscheint blaß und fragt, was wir mit Martha getan haben. Ob sie glücklich mit uns war. Und Peter erzählt mir im Traum alles, was ich in den letzten Jahren seines Lebens aus seinen Augen gelesen habe: von seiner wilden, leidenschaftlichen Liebe zu Martha, die ihn verzehrte wie das Feuer eine Handvoll Holzspäne, von dem furchtbaren Schicksal, das ihm nicht einen einzigen Augenblick des Glücks gegeben hat! Wie er die langen Jahre hindurch nur Ekel, Widerwillen und Verachtung in dem angebeteten, so heiß begehrten Weibe erwecken konnte. Wie er all seine Liebe in sich ersticken, allen Schmerz hinunterwürgen mußte, wie sich die beleidigte Manneswürde in ihm aufbäumte. Er erzählt mir, was in jener letzten Nacht in seiner Seele vorgegangen ist, als er mich, das Gesicht an ihrer Brust verborgen, sah, und später, als er den Revolver an die Schläfe setzte.
Diesen traurigen Geisterreigen beschließt Martha. Sie erscheint mir — still, mit einem schmerzlichen Lächeln auf den Lippen — und dankt mir, daß ich ein Mensch war, und manchmal will es mir wieder scheinen, als mache sie mir einen Vorwurf, daß ich es nicht war ... Mein ganzes Innere ist ein Abgrund von Leid und Trauer ...
So sprechen die Geister mit mir. Und obwohl sie mir nichts Frohes zu sagen haben, ist es mir doch heimatlich mit ihnen und heimlich und gut zumute, weil sie meinem Herzen nahe stehen.
Das neue Mondgeschlecht, das um mich heranwächst, ist so anders. Es sind noch Kinder und dennoch fühle ich, daß sie schon jetzt eine besondere Welt für sich bilden, die mir, dem von der Erde Gekommenen, immer fremd sein wird, wie meine Welt ihnen, den auf dem Monde Geborenen, verschlossen ist.
Und doch muß ich, der Bruder dieser sechs Gräber, die auf dem Monde verstreut liegen, mit denen leben, für die dieser Globus die Heimat ist — und wer weiß, wie lange noch ... wie lange ...
Ende des zweiten Teiles.
Das neue Geschlecht.
Im Polarlande.
Im Polarlande.
Es reift schon heran, dieses Geschlecht, und ich bin ihm immer weniger nötig und immer trauriger ... Ich bin nach dem Polarland gegangen, um auf die Erde zu schauen und allein zu sein.
Seit unseremEXODUSvon unserer verlorenen Erde sind schon zweihundertneunzehn Mondtage verflossen und siebenundsechzig seit dem Tode Marthas und Peters.
Ich wundere mich, daß ich nicht sterbe ...
*
Ich wohne also wieder auf dem Pol. Die grenzenlose Sehnsucht nach meiner Heimat, der Erde, quält mich immer mehr. Sie läßt mich sogar dieses Geschlecht vergessen, das mir von Martha in ihrer Todesstunde übergeben wurde, aber es lebt dort am Meere und ist glücklich. Als ich fortging, erwachten Frühlingsgefühle der Liebe in mir! Zu wonnig und zu ... schmerzlich war es für mich, auf diesen Frühling zu schauen ...
Hier ist Stille und Einsamkeit und Erinnerung ...
*
Es war wiederum eine Sonnenfinsternis und die schwarze Erde wie eine verkohlte Leiche über dem goldenen Regenbogen und Güsse und Überschwemmungen ...
Seit unseremEXODUSzweihundertsechsundzwanzig Mondtage.
Die Sorge um Marthas Kinder lastet auf mir. Ich werde zurückkehren müssen an das Meer und sehen, ob sie mich brauchen.
Ich schlief so unruhig und sah Martha im Traume ...
*
Ich war in dem Lande der Warmen Teiche, nach siebenmondtägiger Abwesenheit. Die Sorge um Marthas Kinder hat mich hingeführt.
Tom ist der Mann seiner Schwestern Lilli und Rosa.
Es ist erstaunlich, wie diese Menschen auf dem Monde degenerieren! Tom ist schon erwachsen, reicht mir aber nicht einmal bis an die Schulter. Ada, glaube ich, wird noch kleiner.
Während meines Aufenthaltes am Meere war ein furchtbarer Ausbruch des Otamor, der größte von allen, an die ich mich erinnern kann. Die südliche Seite des Kraters ist ins Meer gesunken. Es war dies der zweihundertachtunddreißigste Mondtag seit unseremEXODUS— vierzehn Stunden nach Mittag hat der Ausbruch begonnen.
Als ich fortging, erwartete Rosa Nachkommenschaft. Ada habe ich mit mir genommen — sie war dort so verlassen. Sie bedarf jetzt meines Schutzes mehr als je. Es ist furchtbar, daß es mir noch immer nicht erlaubt ist, zu sterben!
Ich kam zum Polarland zweihunderteinundfünfzig Mondtage nach unseremEXODUS. Tom bemühte sich, mich zurückzuhalten, aber ich fühlte trotzdem, daß er froh war, als ich fortging. Tom ist selbstherrlich und sieht ungern meine Achtung seinen Frauen gegenüber. Es ist ihm auch lieb, daß Ada mit mir gegangen ist, denn er mag sie nicht leiden, weil sie sich ihm nicht ergeben will, obwohl sie fast noch ein Kind ist.
*
Fahl und kühl ziehen die Stunden vorüber, wie dieses Licht der unsichtbaren Sonne auf dem Pol — eine lange, lange, unendliche Reihe von Stunden ...
Nur mit Mühe halte ich die Rechnung der Zeit aufrecht; ich spreche nicht viel und Ada ist immer schweigsam. Sie sitzt ganze Stunden auf dem grünen Moos und ihre traurigen Kinderaugen irren über die rosa beleuchteten Gipfel der Berge.
Und ich? ...
Seit langem habe ich aufgehört der Gegenwart zu leben und noch mehr der Zukunft. Ich sehe zurück und schaue unaufhörlich meinen Erinnerungen in die Augen. Eine trübselige Gesellschaft! Traurig bin ich dort am Meer und traurig hier, wo ich die Erde sehe am Horizont.
*
Eine lange Zeit ist vorübergegangen, seit ich die letzten Notizen niederschrieb. Ada wird größer und beginnt sich nach den Geschwistern zu sehnen. Ich merke ihr das an, obwohl sie selbst es nicht zugeben will.
Auch ich denke, daß es trotz allem Zeit ist, an das Meer zurückzukehren. Ich werde älter, und wenn ich in dieser Einsamkeit sterben sollte, wäre Ada zum Tode verurteilt. Ihretwegen will ich zurückkehren, obwohl Gott weiß, wie gern ich hierbleiben und sterben möchte, auf die Erde schauend!
Und ich fürchte fast, daß dieses Kind schon zu lange mit mir, dem Schweigenden, traurig Einsamen, gelebt hat. Seltsam ist dieses Kind — und auch das ist seltsam, daß wir uns in dieser Einsamkeit, statt uns zu nähern, gegenseitig immer fremder werden. Sie blickt auf mich mit weit geöffneten Augen, und ich fühle, daß sie vieles denkt, worüber sie nicht zu mir spricht.
Ich muß es mir selber eingestehen, so lange ich auch mit diesem Mädchen zusammen bin, es ist mir unmöglich,mich an sie zu gewöhnen, im Gegenteil, sie reizt mich durch ihre Gegenwart. Allein möchte ich sein und ungestört über die Vergangenheit nachdenken ... über die Erde ...
Und dennoch muß ich zurückkehren ... zu Tom, zu Toms Kindern, die mit Staunen und Furcht auf mich schauen werden, auf den alten Menschen, der einstmals von der Erde gekommen ist und jetzt lange in der Einsamkeit lebte. Ich muß zurück ... wir müssen zurück — Ada ...
Es ist mir noch nicht vergönnt, zu sterben ...
Am Meere bei den warmen Teichen.
Am Meere bei den warmen Teichen.
Seit unseremEXODUSsind vierhundertzweiundneunzig Mondtage verflossen, das heißt, fast achtunddreißig Erdenjahre. Schon lange habe ich nichts mehr auf diesen Blättern niedergeschrieben, heute nehme ich sie zur Hand, um den Tod Rosas zu notieren.
Sie ist gestorben, es ist furchtbar, durch die Schuld ihres Mannes und Bruders, meines geliebten einstigen Zöglings Tom, der sie im Zorn mit einem Stein erschlagen hat!
Die zweite Frau Toms und seine älteren Kinder haben diese Tat schweigend hingenommen. Anscheinend glaubt er, das Recht zu haben, alle zu töten, die ihm nicht gehorchen. Die einzige, Ada, die sich stets von der Familie Toms ferngehalten hat, ist gegen diesen Verbrecher aufgetreten. Ohne Worte, ohne einen Gefühlsausbruch, nur mit drohender Miene und erhobenen Händen ging das Mädchen auf ihn zu, und er wich ängstlich zurück, obwohl er sie mit einem Faustschlag hätte niederschmettern können,weil er größer und stärker ist. Sie blieb zwei Schritte von ihm entfernt stehen, und mit der einen Hand auf die Leiche der Frau zeigend, erhob sie die andere über seinem Haupte und rief:
— Für das Blut dieser Frau verfluche ich dich im Namen des Alten Menschen!
(„Alter Mensch“ ist der Name, den dieses neue Geschlecht mir gegeben hat.)
Tom erschrak zuerst; dann sah er mich mit einem finsteren Blick an und sagte zu Ada, indem er sich bemühte, seinen Worten einen harten, herrischen Klang zu geben:
— Rosa war mein Weib. Es stand mir frei, mit ihr zu tun, was ich wollte ... sie zu ernähren oder zu töten. Warum war sie unfolgsam?
Dieser entsetzliche Vorfall und dieses unfreiwillige Verbrechen, denn ich glaube bis zu diesem Augenblick nicht daran, daß Tom seine Frau mit der Absicht sie zu töten getroffen hat, haben mir plötzlich drei Dinge klar gemacht, über die ich mir bis jetzt keine genügende Rechenschaft gab.
Ich sehe vor allem die Brutalität Toms und glaube, daß ich sie verschuldete, denn ich habe ihn erzogen und es nicht verstanden, seinen Charakter anders zu formen. Ferner hätte ich nicht einsame Jahre auf dem Pol verbringen und diese Menschen hier allein ihrem Schicksal überlassen dürfen, und endlich versetzt mich Ada in Staunen. Ich sehe jetzt aus ihrem ganzen Auftreten und aus vielen Dingen, an die ich mich erst nachträglich erinnere, so manches, worauf ich nicht genügend achtgegeben habe, vor allem ihre sonderbare Beziehung zu dem Bruder und seiner Familie. Es scheint mir, daß sie sich gegenseitig hassen, und trotzdem fürchten jene dieses Mädchen,das jüngste aus dem ersten Geschlecht dieser Menschen. Sie hält sich fern von ihnen und lebt unter ihnen wie eine Priesterin, obwohl ich nicht weiß, ob dieses Wort ihr Verhältnis zu den andern richtig ausdrückt. Ada tut mir leid, denn sie ist einsam und wird, glaube ich, immer einsam bleiben auf dieser Welt, so wie ich, sie tut mir um so mehr leid, weil ich ihr nicht das sein kann, was ich ihr eigentlich sein müßte: ein Vater und guter Freund. Aber auch in ihrer Beziehung zu mir liegt mehr eine abergläubische Verehrung als Liebe. Auch daran scheine ich selbst schuld zu sein ...
Und das dritte, was mich am meisten entsetzt hat, weil es mich am nächsten angeht: sie halten mich für ... Aber nein, vielleicht täusche ich mich nur! Was ist’s, daß Ada Tom inmeinem Namenverflucht hat? Ich bin doch der Älteste, also wahrscheinlich nur deswegen ... Und dennoch, wenn es so wäre? Sollte ich auch dieses ... Götzentum verschuldet haben?
Wie seltsam sie alle diesen Namen aussprechen, mit dem sie mich belegten: „Der Alte Mensch“ ...
*
Ich hatte heute wieder einen Traum, der mich schon seit Jahren unaufhörlich quält und es mit sich bringt, daß ich mich in dieser Welt immer fremder fühle ...
Ich träumte, daß ich auf der Erde war.
Aber heute war das ganz besonders seltsam.
Ich war in der Gesellschaft von Menschen, mit denen ich über die Angelegenheiten des Staates, der Völker, des Fortschritts sprach. Man sagte mir, daß sich die Grenzen einiger Länder veränderten, seit der Zeit, da ich die Erdeverlassen habe, daß jetzt andere Rechte herrschen und vieles von dem früheren Glauben hinfällig wurde. All das hatte mich interessiert und ich wollte nach langer Abwesenheit die Erde mit eigenen Augen besichtigen, um mich zu überzeugen, wie es dort aussieht.
Ich machte mich also auf den Weg und ging durch mir einst bekannte Gegenden und Städte. Es hatte sich tatsächlich vieles geändert. Wie ein Vogel durchflog ich die Länder und wunderte mich, daß an Stelle der alten Metropolen Trümmer waren, an Stelle blühender Fluren sah ich Wüsten und Brandstätten, und dort, wo sich einst Wüsten ausdehnten, traf ich Wasser an oder bestellte Felder und Wiesen, die neue Residenzstädte umgaben, in denen starkes Leben pulsierte. Ich machte manchmal halt, um mir bekannte Häuser und Menschen aufzusuchen; ich frug nach Dingen, die sich zu meinen Zeiten zugetragen hatten, aber niemand konnte mir darauf antworten. Man schüttelte nur die Köpfe und sagte: „Wir wissen nichts davon“, oder: „Wir haben es vergessen.“
Entsetzen packte mich und ein unaussprechliches Leid, denn ich sah, daß diese Erde anders geworden ist und der nicht mehr ähnlich sah, die ich gekannt habe.
Scheinbar, so dachte ich im Schlafe, sind nicht nur Jahre, sondern Jahrhunderte verflossen, seit ich von hier gegangen bin; auf dem Monde ist es schwer, die langen, einander ähnlichen Tage zu zählen, ich habe ihrer wohl viele aus dem Gedächtnis verloren ... Ich komme auf die Erde, die ich nicht kenne und die auch mich nicht mehr kennt.
Und plötzlich fühlte ich mich so namenlos unglücklich! Fremd auf dem Monde, auf dem ich mich nicht einlebenkann, und fremd auf der Erde, auf die ich durch irgendein Wunder zurückgekehrt bin — zu spät! Wo ist noch Raum für mich, wo werde ich Ruhe finden?
Ich eilte also weiter durch die Lüfte, eine grenzenlose Leere im Herzen — und nach dem kurzen Tage sank schon die Nacht hernieder. Die ersten Sterne erglänzten am Himmel, als ich mich, durch einen inneren Drang vorwärtsgetrieben, schon über der uferlosen Fläche des Ozeans befand. Unter mir wälzten sich die Fluten wie sich in Windungen schlängelnde Seeungeheuer mit glatter schillernder Haut. Und die goldenen Himmelslichter spiegelten sich in den durchsichtigen Wogen.
Meine Blicke irrten rings umher: hier allein hatte sich nichts geändert. Das Meer war unermeßlich wie früher und ebenso wild bewegt und veränderlich.
Aber während ich noch darüber nachdachte, bemerkte ich, daß sich das Wasser seltsam zu dehnen begann und seine Fluten zu mir emporsandte. Jetzt erst sah ich auch, daß direkt über mir der Vollmond stand. Ich erschrak über die Erscheinung dieser Mondwelt dort in der Höhe und wollte fliehen, irgendwohin, wo ihr Glanz mich nicht erreichte; aber plötzlich fehlten mir die Kräfte. Ich fühlte, daß ich auf die sich immer höher hebenden Fluten hinabfiel; sie aber stiegen und stiegen, warfen mich nach oben, dem Monde entgegen, streckten sich zu ungeheuren, endlos langen Hälsen, heulten in einem wilden Lachen und wurden höher und immer höher. In wahnsinnigem Entsetzen blickte ich nach dem Monde: Er wuchs vor meinen Augen, dehnte sich, nahm schon den halben Horizont ein; der ganze Himmel war von ihm bedeckt, wie mit einem silbergrauen Schleier. Es schien mir, daß in seiner Scheibedie sich herausneigenden Köpfchen der degenerierten Nachkommenschaft Marthas sichtbar wurden und ich ihr boshaftes Rufen hörte:
— Kehre zu uns zurück! Kehre zu uns zurück! Alter Mensch, du bist nicht von der Erde!
Verzweiflung, Entsetzen, Ekel und ein grenzenloses Verlangen, auf der Erde zu bleiben, wenn sie mich auch nicht mehr kennen wollte, alles das durchlief im Sturme meine Seele. Ich stieß einen gellenden Schrei aus und strengte meine ganzen Kräfte an, um gegen die mich in den Weltenraum schleudernden Fluten anzukämpfen. Ich griff mit den Händen nach dem Wasser, schlug mit den Füßen die Luft ...
Vergebens! Ich fühlte plötzlich, daß die Erde statt unter meinen Füßen schon über meinem Haupte war und ich wieder auf den Mond zurückfalle ...
Ein furchtbarer Traum! Eine furchtbarere Wirklichkeit ...
*
Seit unsermEXODUSfünfhundertundein Mondtag.
Tom hat mit seinen beiden ältesten Söhnen zu Schiff die Fahrt nach dem Süden angetreten. Aus seinen Erzählungen schließe ich, daß sie fast bis zum Äquator vorgedrungen sind. Von der weiteren Fahrt hielten sie furchtbare tropische Meeresstürme zurück. Und so mußten sie resultatlos umkehren.
Tom redete nach der Rückkehr lange mit mir. Er sprach viel von seiner Mutter und von Rosa und bedauerte ihren Tod. Dann erzählte er mir von der Expedition und schilderte die Kämpfe und Mühen, die er zu bestehen hatte. Schließlichverfiel er in Nachdenken und sagte, er fürchte, daß dies seine letzte Fahrt gewesen sei.
Ich sah ihn an und konnte es nicht begreifen. Dieser junge Mensch, kaum halb so alt wie ich, ist schon ein Greis. Auf der Erde wäre er jetzt in der Blüte der Jahre. Hier werden die Menschen bedeutend früher reif und altern früher. Desto erstaunlicher ist es, daß ich lebe.
Ich sagte ihm das; er blickte mir in die Augen und antwortete nach einer Weile des Zögerns:
— Ja, aber Ada und meine Kinder sagen, daß du der Alte Mensch bist.
Seltsam klangen diese Worte aus seinem Munde.
— Aber du, entgegnete ich, du, der du mich von deiner Kindheit an kennst, was sagst du über mich?
Tom konnte mir keine Antwort geben.
*
Vierzehn Mondtage nach dem Tode Rosas starb Tom. Er hinterließ zwölf Kinder, fünf von der verstorbenen Frau und sieben von Lilli. Ich habe ihn selbst auf der Friedhofinsel begraben neben den andern Gräbern. Dort ruhen nun schon Martha, Peter, Rosa und Toms jüngstes, dreizehntes Kind, das kurz nach der Geburt gestorben ist.
Lilli ist verzweifelt über den Tod ihres Mannes. Es scheint mir, daß auch sie ihm bald folgen wird.
Nur Ada ist still und gleichgültig.
Der Patriarch des Mondvolkes ist jetzt Jan, der älteste Sohn Rosas und Toms, verheiratet mit der Tochter Lillis.
Ada sagte mir heute mit tiefer Überzeugung, daß ich niemals sterben würde ... Ich weiß nicht, ob sie wahnsinnig geworden ist und mit ihr dieses ganze Mondgeschlecht,das auf sie hört und ihr scheinbar glaubt, oder bin ich wirklich eine seltsam unerhörte Ausnahme zwischen diesen Menschen? ...
Denn in der Tat — woher lebe ich noch?
*
Lilli ist gestorben.
Von dem ersten Mondgeschlecht lebt nur noch Ada.
Seit unsermEXODUSfünfhundertsiebzehn Mondtage ...
*
Die Angst packt mich, denn um mich herum geschieht etwas, das ich nicht verstehen kann und nicht verstehen will, nicht will! ... Dieses Völkchen kam während des Sturmes, der heute noch furchtbarer tobte als gewöhnlich und zu dem sich ein drohender Ausbruch des Otamor gesellte, dieses Völkchen kam zu meiner Behausung mit Opfern, die wahnsinnige Priesterin Ada, der scheinbar der lange Aufenthalt und die Einsamkeit damals im Polarland die Sinne verwirrten, an der Spitze. Schon seit dem an Rosa begangenen Mord, der sie furchtbar erschütterte, bemerkte ich eine Verstörtheit an ihr, jetzt sehe ich, daß sie wirklich geisteskrank ist. Aber ich bin der einzige, der das bemerkt! Die andern verehren sie und halten sie für geheiligt! Und heute, unter ihrer Führung, — es ist furchtbar, es auszusprechen! — beteten sie zu mir, daß ich die Stürme niederwerfen und die unter ihren Füßen wankende Erde beruhigen sollte! Also sie halten mich wirklich für ... Oh, wie grauenhaft einsam bin ich in dieser Gemeinschaft der Irrsinnigen und Degenerierten!
*
Ich habe mich heute an das Ordnen der seit lange verstaubten Bibliothek und meiner Papiere gemacht, und plötzlich überkam mich der Wunsch, alles zu verbrennen — auch dieses Tagebuch.
Ich habe nichts verbrannt. Aber die Bücher und Papiere blieben zerstreut auf dem Boden liegen, und ich habe keine Lust, auch nur die Hand auszustrecken, um sie aufzuheben.
Mögen sie so liegen bleiben. Wenn ich sterbe, wird sie wahrscheinlich niemand mehr anrühren ...
So viele Tage, so viel unendlich lange Tage und Nächte ... Ich glaube, daß ich die Zeitrechnung verloren habe ... Es ist so schwer, die Tage zu zählen, die einander so ähnlich sind wie Wassertropfen; Tage, denen meine alte Erdenuhr nicht nachkommen kann und im Laufe stehen bleibt, ehe die Sonne sich zum Mittag erhebt. Nur mein Herz zeichnet mit seinem Pochen jeden kleinsten Abschnitt der Zeit und wenn ich es frage, welche Stunde es ist, so antwortet es mir: die Stunde der unermeßlichen Sehnsucht! Und wenn ich es frage, wieviel solcher Stunden vorübergegangen sind, antwortet es nur: zu viel! zu viel! So ist es, du mein banges, einsames Herz! Zu viel dieser Stunden, zu viel der Sehnsucht, zu viel schon des Lebens ...
Meine Haare sind lange grau ... Wie lange? Ich weiß es nicht. Dort auf der Erde müssen wohl zwanzig oder mehr Jahre verflossen sein, seit ich die Gräber aufder Friedhofinsel grub und Peter und Martha darin bettete. Dieser Gräber sind es nun schon mehr geworden. Ich habe Ruhestätten für Tom, für Lilli und Rosa gegraben, die noch Kinder waren, als ich mich bereits beugte unter der Last der Jahre. Um mich herum wachsen Urenkel derjenigen auf, die einst mit mir von der Erde auf diese Welt kamen, und ich lebe noch immer.
Das ist so erstaunlich, daß ich mein Wesen schon selbst nicht mehr begreife und fast fähig wäre, mit an diese unter dem Mondgeschlecht verbreitete Legende zu glauben, daß ich niemals sterben werde ...
Ich erinnere mich, auf der Erde, auf meiner geliebten, für immer verlorenen Erde, las ich einmal in dem Buche eines bekannten Naturforschers, daß der Tod eine unbegreifliche und zufällige Erscheinung sei, die sich nicht absolut aus den Bedingungen des Lebens ergeben muß. Die Angst schüttelt mich, wenn ich denke, daß er mich vielleicht vergessen hat und nicht kommen könnte.
*
Wenn ich recht zähle, sind schon fünfzig Jahre vorübergegangen, seit ich mit den verstorbenen Kameraden die Erde verlassen habe.
Von den Menschen, die ich kannte, leben heute wahrscheinlich nur noch wenige; diejenigen, die in der Kindheit von den Wahnsinnigen, die auf den Mond gefahren sind, hörten, werden längst grau sein und die Namen jener Reisenden vergessen haben, die man damals schon für tot und verloren hielt.
Fünfzig Jahre! Wie vieles muß sich seit dieser Zeit auf der Erde geändert haben! Vielleicht würde ich mireinst vertraute Gegenden nicht mehr erkennen. Auch mein Gedächtnis wird schwächer ... Es hat eine Unmenge Einzelheiten aufbewahrt, mit denen ich in den langen Stunden des Nachdenkens spiele, aber ich sehe, daß die Bilder der Erinnerung immer loser werden, einer Mosaik wertvoller, durch meine Sehnsucht glänzender Steine gleich, die schon zerbröckelt und auseinanderfällt.
Ich lege diese Mosaik in Gedanken immer wieder von neuem zusammen; die Steine, die ich im Lauf der langen Jahre verloren habe, ergänze ich durch irgendein trauriges Traumgebilde, und wiederum verändere ich die Bilder und spiele im Alter mit diesen Schätzen der Erinnerung wie ein Kind mit einem Kaleidoskop.
Und wie schimmernde Perlen sind diese Erinnerungen, wenn ich durch meine Tränen auf sie blicke!
Oh, nur ein Tag, eine Stunde dort, auf der Erde! Nur einmal noch Menschen sehen, wirkliche, mir ähnliche Menschen! Gott, wenn ich das Rauschen der Wälder hören könnte, der Tannen und Eichen; noch einmal die im Winde flatternden Blätter der Birke sehen, das Gras auf den Wiesen, den Duft irdischer Pflanzen und Blumen einatmen, dem Gesang der Vögel lauschen, wenn ich nur ein einziges Mal noch die grünen Fluren im Frühling oder im Sommer die goldene Ährenflut sehen dürfte!
Ja, vieles muß sich auf der Erde geändert haben, aber die Menschen sind dieselben geblieben und auch die Bäume, die Blumen und die Vögel!
Manchmal erinnere ich mich an das goldene Märchen, daß die menschliche Seele, vom Körper befreit, nach Gutdünken in den Welten herumwandern könne, auf Sternenund Sonnen. Als ich noch ein kleiner Knabe war, der auf der Erde wohnte, träumte ich davon und dachte an die Reisen im sternenbesäten Weltenraum. Jetzt möchte ich nur noch auf der Erde sein, ewig, ewig auf der Erde! Und wenn mich manchmal die Angst überfällt, daß die Erde heute so anders ist als da ich sie vor fünfzig Jahren kannte, dann erinnere ich mich, daß dort doch auch jetzt noch Menschen sind und Wälder und singende Vögel, daß es dort blühende Fluren und duftende Blumen gibt! Das genügt meinem Geiste, dorthin zu ziehen, wenn er die Freiheit erlangt hat.
Wie lange habe ich den Gesang der Vögel nicht gehört! Und ich erinnere mich an wonnige Maienmorgen, die ganz von Vogelgesang erfüllt waren ... Die Dämmerung beginnt, der Himmel verblaßt, dann färbt er sich allmählich im Osten in zartes Rosa. Eine tiefe, andächtige Stille! Nur das Geräusch der von den Blättern der Bäume herabfallenden großen Tauperlen ist vernehmbar. Da plötzlich das erste kurze, abgebrochene Gezwitscher; das zweite von einer anderen Seite, das dritte, vierte ... Noch eine kleine Weile der Ruhe und dann, als wenn alle Bäume und Sträucher erwacht und lebendig geworden wären: rings umher ein Pfeifen, Singen, Schlagen, Jubilieren! Zunächst kann man die einzelnen Laute noch gar nicht unterscheiden; hier läßt sich die Amsel vernehmen, dort aus dem Walde tönt das Schreien des Habichts, wieder näher die Meisen, die Bachstelzen und Drosseln, die ihre Stimmchen erheben. Hoch oben die Lerche, die in den Lüften schmettert, und in lauschigen Büschen schlägt die Nachtigall. Ein jubelnder Chor, und die Luft, die Blätter und Blumen und Gräser erzittern ... Die Welt hat sich indessenerhellt, der Himmel wird röter und röter, bis endlich die goldene Sonne am Firmament emporsteigt ...
Hier schleicht sie langsam und träge, diese Sonne! Man könnte fast glauben, daß sie sich nicht beeilt, weil keine süßen Stimmen sie rufen. Die mehrstündige graue Dämmerung, während der die Gegend in Frost und Schnee erstarrt und traurig daliegt, belebt kein Vogelgesang ... Hier erhebt sich die Sonne über einer toten Welt, die in eine grauenhafte Stille gehüllt ist. Nur der Mensch, der von einem fernen Gestirn gekommen, unterbricht die bange Lautlosigkeit durch seine Gegenwart; ein Kind, das erwacht, weint leise, oder ein verwilderter Hund heult in der Höhle, aus der er irgendein kleines Mondungeheuer verjagt hat, um vor der Kälte Schutz zu suchen. Still ist es, still, während des ganzen langen, unendlich langen Tages! Ein Sturm, der sich erhebt, das Meer, das um die Felsen braust, oder das entfernte Dröhnen eines Vulkans, sonst nichts, nichts ...
*
Heute steht mir alles, was ich erlebt habe, so klar vor der Seele! Ich durchwühle die vergilbten Blätter des Tagebuches, und wenn ich für eine Minute die Augen schließe, so scheint es mir, daß ich das Geräusch des Wagens höre, der uns durch die fürchterlichen Mondwüsten fährt, daß ich diesen grundlosen Himmel über mir sehe und die in seiner Dunkelheit leuchtende Erde. Die mächtigen Berge, die sich im Schatten im tiefsten Schwarz der Kohle malen und im Glanz der Sonne, die strahlenlos zwischen den verschiedengefärbten Sternen zu der eine immer engere Sichel bildenden Erde wandelt, in allen Regenbogenfarben spielen. Und dann tauchen die ersten Jahre, die ich hieram Meeresstrande verlebte, vor meiner Erinnerung auf. Durch die geschlossenen Augenlider sehe ich Martha, traurig und blaß, und Peter und diese wonnigen Kinder, die heute schon nicht mehr sind. Nur Ada ist noch am Leben, aber sie scheint sich nicht mehr an die Eltern zu erinnern, obwohl sie das, was sie durch mich von ihnen gehört hat, mit phantastischen Zutaten vermischt, dem neuen Geschlecht erzählt. Sie war noch so klein, als sie gestorben sind. Heute ist sie nach mir die älteste auf dieser Welt, und diese Zwerge verehren sie fast ebenso wie mich, nur mit dem Unterschied, daß sie mich auch noch fürchten, obwohl ich, Gott ist mein Zeuge, nicht weiß weshalb, denn ich habe ihnen niemals etwas zuleide getan.
Eins ist wahr. Ich kann nicht mit ihnen umgehen wie mit mir gleichen Geschöpfen. Manchmal machen sie sogar den Eindruck von seltsam einfältigen Tieren auf mich. Schon das erste hier geborene Geschlecht war von uns, den von der Erde Gekommenen, grundverschieden. Tom und seine Schwestern sahen als erwachsene Menschen neben mir wie Kinder aus. Ihre Größe wie ihre Kräfte haben sich schon den Bedingungen dieser Welt angepaßt: ihren kleineren Maßen und dem verringerten Gewicht der Dinge. Dem heutigen Geschlecht gegenüber bin ich ein wahrer Riese. Die Enkel Marthas, schon erwachsene Menschen, die hier erstaunlich früh reifen, reichen mir kaum bis zu den Hüften und beugen sich unter der Last von Gegenständen, die ich mühelos mit einer Hand aufhebe. Trotz des überaus zarten Körpers sind sie jedoch von robuster Gesundheit und gegen Hitze und Kälte abgehärtet.
Die langen Nächte verschlafen sie zum größten Teil, aber wenn es nottut, arbeiten sie auch bei der empfindlichstenKälte mit einer Ausdauer, die meine Bewunderung erregt.
Die geistige Entwicklung dieser Zwerge ist gänzlich zurückgeblieben. Die armseligen Brocken der Zivilisation, die wir von der Erde mit hierhergebracht haben, was ist aus ihnen geworden? Ich blicke um mich und habe den Eindruck, mich unter Wesen zu befinden, die auf die Bezeichnung „Mensch“ kaum einen Anspruch mehr haben. Sie können lesen und schreiben, aus Erz Metalle schmelzen und Fallen stellen und Kleider nähen; sie bedienen sich des Feuers, wissen sogar mit der Verwendung verschiedener Meßinstrumente Bescheid, sprechen mit mir in ziemlich reinem Polnisch und verstehen so leidlich den Inhalt französischer und englischer Bücher, aber untereinander reden sie ein erbärmliches Kauderwelsch, das sie sich aus polnischen, englischen, malabarischen und portugiesischen Worten zusammenwürfeln. Unter ihren engen Schädeln fließen die Gedanken träge und schwerfällig und es scheint, daß sie sie nur mit der größten Anstrengung zu Worten formen, dabei mit den Händen gestikulierend und Grimassen schneidend, wie Wilde irgendwo im Innern Afrikas oder auf den südlichen Grenzen des amerikanischen Kontinents ...
Und eine unermeßliche Trauer erfüllt mich, wenn ich auf diese dritte Generation der von der Erde hierhergekommenen Menschen blicke! Und diese Trauer wird dadurch um so größer, daß ich mich in dem Gefühl des eigenen Höherstehens einer gewissen Nichtachtung diesen armen Halbmenschen gegenüber nicht erwehren kann und mich gleichzeitig als Mitschuldiger an dem hier begangenen Verbrechen betrachten muß. Denn wir haben tatsächlich verbrecherisch die Würde des Menschengeschlechts geschändet,indem wir ihm erlaubten, sich auf diesem für seine Entwicklung nicht geeigneten Globus fortzupflanzen. Die Natur ist ebenso unerbittlich da, wo sie im Triumphzuge vorwärtsschreitet und, ihr Werk des Emporstrebens erfüllend, immer neue und immer höhere Formen schafft, wie auch dort, wo sie beleidigt zurückweicht und das widerruft und verneint, was sie geschaffen hat. Vergeblich habe ich mit ihr gerungen, vergebens versucht, dieses Mondgeschlecht auf der geistigen Höhe zu erhalten, die die Menschen auf der Erde erklommen haben. Das einzige und unerwartete Resultat all meiner Bemühungen ist diese mit heiliger Furcht vermischte Verehrung, die sie mir entgegenbringen. Ich bin für sie nicht nur ein Riese, sondern ein geheimnisvolles Wesen, das weiß, was sie nicht wissen, und versteht, was sie zu verstehen nicht fähig sind.
Und dabei erzählt ihnen Ada immer wieder von neuem, daß im Norden ein Land liegt, wo die Sonne nicht untergeht, daß sich eine grenzenlose Wüste dort erstreckt und über dieser Wüste ein mächtiger goldener Stern leuchtet, von dem ich auf den Mond gekommen sei. Ist das nicht genug, um die Köpfe dieser armen Degenerierten zu verwirren? Sie waren niemals dort und haben die leuchtende Erde nie gesehen, aber Ada war mit mir im Polarlande und erzählt ihnen Wunder, und sie hören ihr mit angehaltenem Atem zu und blicken ängstlich auf mich, auf meine im Verhältnis zu ihnen riesenhafte Gestalt.
Und so bin ich vereinsamt unter ihnen!
*
Es ist Nacht. Ich kann leider nicht dreihundert Stunden hintereinander schlafen wie diese Mondleutchen, und bin nun allein mit meinen trüben Gedanken.
Ich sitze verlassen in dem alten Hause, das ich einst mit Martha und Peter erbaut habe; am Tage schleichen diese Zwerge um den Teich herum und schauen mir neugierig zu. Obwohl sie mich seit ihrer Kindheit kennen, wagt es keiner von ihnen, zu mir hereinzukommen. Nur Ada erscheint regelmäßig zu bestimmten Tageszeiten, bringt mir meine Nahrung, ordnet was notwendig ist, und wenn sie mich zu Hause antrifft, stellt sie mir immer dieselben gleichgültigen Fragen; dann sitzt sie noch einige Stunden schweigend auf der Schwelle und entfernt sich, mich wieder meinen Gedanken überlassend.
Es scheint, daß sie diese Besuche als eine Art Pflicht mir gegenüber und gewissermaßen als Zeremonie, die dem „Alten Menschen“ gebührt, auffaßt.
Diese Frau, die scheinbar vollständig klar und bei Sinnen ist, lebt in einem seltsamen Wahn. Sie hält mich für ein übermenschliches Wesen, das diese Mondwelt beherrscht, und bildet sich ein, meine Priesterin und die Prophetin dieses Volkes zu sein, das unerschütterlich an sie glaubt.
Sie verkündet den Kindern Toms eine neue phantastische Religion, die sich aus der Heiligen Schrift, meinen Erzählungen von der Erde und unserer Ankunft hier zusammensetzt. Anfangs versuchte ich, auf alle erdenkliche Art der Verbreitung dieser Irrlehren, in deren Mittelpunkt ich selber stehe, entgegenzuarbeiten, aber ich überzeugte mich schließlich, daß ich in dieser Beziehung vollständig machtlos bin. Ich setzte Ada lang und breit auseinander, daß ich genau derselbe Mensch sei wie all die andern auf dem Monde und wie auch ihre Eltern es gewesen, an die sie sich ja noch erinnern müsse. Ich versuchte ihr klar zumachen, daß meine der späteren Generation überlegene Kraft und Körpergröße nur darin ihren Grund haben, daß ich auf einem anderen, größeren Planeten, nämlich auf der Erde geboren bin. Sie hörte aufmerksam und schweigend zu, und als ich endlich ungeduldig wurde, flüsterte sie, mich mit einem flüchtigen Lächeln streifend:
— Und wie konntest du, Alter Mensch, von der Erde hierher gelangen und meine Eltern hierher bringen, was kein anderer gekonnt hätte? Woher weißt du, was kein anderer weiß? Und vor allem, warum stirbst du nicht wie die andern?
Ich schalt sie und verbot ihr ein für allemal, derartige Märchen von mir zu verbreiten, aber alles war vergebens. Einige Stunden später hörte ich, wie sie zu Jan, der jetzt der Mondpatriarch ist, und der gerade zu mir gehen wollte, sagte:
— Der Alte Mensch ist unwillig; der Alte Mensch will nicht, daß man wisse, daß er ... ein Alter Mensch ist.
Jan wurde traurig.
— Das ist schlimm, das ist sehr schlimm, denn ich wollte ihn gerade bitten, einen Stein unter mein Haus zu schieben, den ich mit meinen Söhnen zusammen nicht von der Stelle bringen kann.
— Man muß ihn durch Bitten umstimmen, sagte Ada. Bringt nur viel Schnecken, Salat und Bernstein, das werde ich ihm geben. Und vor allem, — hier legte sie den Finger an den Mund — sprecht nichts vor ihm! Wehe! Denn er will es nicht.
Ich trat aus der Ecke, von der aus ich der ganzen Unterredung zuhörte, hervor, machte Ada abermals Vorwürfe und begab mich zu Jans Haus, um ihm den Dienst zuerweisen, von dem er gesprochen hatte. Beim Fortgehen hörte ich noch, wie Ada dem bekümmerten „Patriarchen“ zuflüsterte:
— Siehst du, er hört und weiß alles!
Wie ist in Adas Gehirn dieser Wahnsinn entstanden? Ich weiß es nicht, bin aber fest überzeugt, daß er den Inhalt ihres ganzen Wesens bildet und der Grund des großen Ansehens ist, das sie unter dem Mondvolke genießt. Rosa und Lilli fürchteten sie, so lange sie lebten, ja sogar Tom, der ihr gegenüber nicht immer zum Nachgeben geneigt war, zitterte vor ihr. Heute würden seine Kinder es nicht wagen, sich irgendeinem ihrer Befehle zu widersetzen. Mich empört es, daß sie diese Verwirrung in den armen Köpfen der bedauernswerten Zwerge anrichtet und gleichzeitig empfinde ich das innigste Mitleid mit ihr, denn ich fühle, daß sie in ihrem Irrsinn lichte Momente hat, während deren sie sich anscheinend klar darüber ist, daß sie in Hirngespinsten lebt, und dadurch entsetzlich leidet ...
Ich erinnere mich an einen Vorfall, der mir das so recht zum Bewußtsein brachte: Es war bereits nach Mitternacht, als Ada zu mir kam. Ich staunte über ihren Besuch zu so ungewöhnlicher Zeit, vor allem der empfindlichen Kälte wegen, während der man das Haus des Nachts nicht gut verlassen konnte.
Sie traf mich über ein Buch geneigt und da sie mich nicht zu unterbrechen wagte, setzte sie sich still auf eine Bank in der Ecke des Zimmers. Ich sah, daß sie mit mir sprechen wollte, aber ich tat absichtlich, als wenn ich sie nicht bemerkte. Ada saß eine Zeitlang schweigend da, bis sie sich mir endlich näherte und leise, ganz leise meine Schulter mit der Hand berührte:
— Herr ...
Ich wandte mich schnell zu ihr; so hatte sie mich noch niemals angeredet. Sie nannte mich immer nur „Alter Mensch“, und als ich jetzt das Wort Herr hörte, stiegen geteilte Empfindungen in mir auf. Halb war es Freude darüber, daß jemand in altgewohnter menschlicher Weise zu mir sprach, und andererseits empörte mich wiederum diese Anrede.
— Herr ... kam es von neuem von Adas Lippen.
— Was willst du, Kind? fragte ich so sanft ich nur konnte. Ich mußte diese Frage einige Male wiederholen, bis sie mir endlich antwortete.
— Ich wollte fragen, ich wollte wissen ...
— Was?
— Herr, ich weiß nichts! rief sie plötzlich mit einer Verzweiflung in der Stimme und in den auf mich starrenden Augen, daß ich die Vorwürfe, die ich ihr abermals wegen ihrer dem Mondvolk erteilten falschen Lehren machen wollte, gewaltsam zurückdrängte. Sie indessen fuhr fort:
— Ich weiß absolut nichts ... und ich wollte dich bitten, daß du mir endlich sagen mögest, was das alles bedeutet; wer du eigentlich bist und was wir sind? Ich sehe dich unter uns, einsam und alt, stark und groß, aber ich glaube, soweit ich mich noch an meine Eltern erinnere, daß sie ebenfalls anders waren als wir heute, dir ähnlich ....
Sie verstummte, und nach einer Weile wiederholte sie, mir in die Augen schauend:
— Sage, wer du bist und was wir sind?
Und in meiner Brust drängten sich die widerstreitendstenGefühle. Es schien mir zwar, daß ich ihr auf diese Frage schon oft und vor langer Zeit geantwortet habe, aber trotzdem gärte in mir ein Verlangen, zu sprechen, menschlich zu sprechen zu diesem Weibe, das endlich einmal menschlich denkend und fühlend vor mir stand. Eine tiefe Rührung kam über mich; mein Herz wurde weich, und Tränen traten mir in die Augen und schnürten mir die Kehle zu, daß ich zunächst keinen Laut hervorbringen konnte. Nach einer Weile wiederholte ich ihre Worte wie ein Echo:
— Wer ich bin! ...
Es schien mir, daß ich es eigentlich selbst nicht mehr recht wußte ... Und Ada fragte abermals:
— Ja, wer du bist, Herr ... Wir nennen dich alle der „Alte Mensch“, aber ich dachte heute lange nach ... und bin zu dir gekommen, dich anzuflehen, sage mir die Wahrheit, ob du wirklich der Alte Mensch bist?
Diesen meinen Namen, den sie selbst hier verbreitet hatte, sprach sie jetzt mit einer abergläubischen Furcht aus und dämpfte dabei geheimnisvoll ihre Stimme.
— Ich will wissen, sagte sie weiter, ob du wirklich vondort, von jener Erde, die ich gesehen habe, hierhergekommen bist und du alles tun kannst, was du willst. Und ob du niemals sterben wirst und wir, wenn du uns, auf die Erde zurückkehrend, verläßt, der Vernichtung anheimfallen, so wie wir es denken?
Sie sagte das alles fast in einem Atemzug, und ihre glänzenden, unruhig flackernden Augen starrten auf mich.
Und was sollte ich ihr antworten? Vor einem Augenblick noch wollte ich ihr mein ganzes Innere enthüllen, noch einmal so recht von Herzen sprechen, ihr alles sagen, wasich schon so oft gesagt hatte, und von der Erde reden, von unserer Ankunft hier, von meinen verstorbenen Kameraden, aber als ich ihre Worte hörte, stieg plötzlich die Überzeugung in mir auf, daß alles vergeblich sein würde. Sie will nun einmal in dem Glauben bestärkt sein, daß ich der „Alte Mensch“ sei, das heißt, nach ihren Begriffen ein übernatürliches Wesen.
Ich suchte und konnte lange keine Worte finden.
— Warum fragst du mich, sagte ich endlich. Ich habe es dir doch schon so oft erklärt.
— Ja ... aber ich möchte, daß du mir ... die Wahrheit sagst!
Ich erinnerte mich, daß vor vielen, vielen Jahren der kleine Tom ähnlich zu mir gesprochen hatte, als ich ihm die Erde zeigte und erzählte, daß ich von dort gekommen wäre. „Onkel, sage mir jetzt die Wahrheit!“ hatte er mir damals geantwortet.
— Sage mir, drängte Ada weiter, sage, ob es wahr ist, daß du mit meinen Eltern von jenem mächtigen Stern gekommen bist, den du Erde nennst.
Sie faßte mich bei der Hand und starrte mich mit flammenden Augen an. Niemals hatte ich sie so gesehen.
— Sage es mir! rief sie, denn ich wiederhole es diesen Leuten und sie glauben an dich!
Die letzten Worte stieß sie wie einen Angstschrei hervor, der mich geradezu entsetzte. Ich hätte niemals gedacht, daß in diesem stillen, halb geisteskranken alternden Mädchen noch derartige Seelenkämpfe toben und ein so heißes Gefühl flammen kann. „Sie glauben an dich!“ Darin faßte sie in diesem Augenblick die ganze Tragödie ihres Lebens zusammen. Sie hat dem Mondvolkeeinen neuen phantastischen Glauben geschaffen, und jetzt, da sich in ihr plötzlich der Zweifel an dem regte, was sie selbst verkündete, kam sie zu mir, um aus meinem Munde die Bestätigung ihrer Lehre zu hören. „Und sie glauben an dich!“ In diesem Schrei lag etwas wie eine Klage darüber, daß diese Menschen so arm und so elend mir gegenüber sind, und zugleich auch die flehentliche Bitte, ihnen nicht das Höchste, ihren Glauben, zu nehmen.
Ich blickte sie lange an und es schien mir, daß in ihren Augen Tränen glänzten.
— Ada, willst du daran glauben, was ich dir jetzt sagen werde?
— Ich will glauben, ich will glauben!
Ich zögerte einen Augenblick: Sollte ich vielleicht die irdische Herkunft verleugnen? Wenn ich in ihnen den Glauben erweckte, daß ich auf dem Monde geboren bin wie sie, würden sie am Ende aufhören, mich für ein höheres Wesen zu halten? Aber plötzlich erschien es mir als etwas so Ungeheuerliches, die Erde zu verleugnen, daß mir bei dem bloßen Gedanken daran der Schweiß auf die Stirne trat. Mag kommen was will; ich beschloß, Ada auseinanderzusetzen, daß ich zwar ein alter Mensch bin, aber durchaus nicht „derAlte Mensch“, wie sie es verstehen, und daß sie das endlich begreifen müßten, wenn ihnen auch der Verlust ihres Glaubens oder besser des unter ihnen verbreiteten Aberglaubens schmerzlich wäre.
— Ich bin in der Tat von der Erde hierhergekommen, begann ich, aber Ada ließ mich nicht zu Ende sprechen.
— Also das ist wahr, rief sie, das ist wahr?
Ich nickte schweigend mit dem Kopfe. In diesem Augenblick warf Ada sich mir zu Füßen und umschlang meine Knie.
— Ich danke dir, Alter Mensch, und bitte dich, mir zu verzeihen, daß ich es wagte ... jetzt weiß ich, daß du der Alte Mensch bist!
Ich sah sie erstaunt an. In ihren Augen, die eben noch klar und verständig auf mir geruht hatten, brannte jetzt wieder dieses unheimliche Feuer; ihre Hände zitterten, und ihre Wangen bedeckten rote Fieberflecke.
— Ich danke dir, Alter Mensch, wiederholte sie, ich werde gehen und es dem Volk verkünden ...
Ehe ich mich noch von dem Erstaunen über diese unerwarteten Worte Adas erholen konnte, war sie verschwunden. Es blieb mir keine Zeit, sie zurückzuhalten oder zu rufen.
Diese Frau ist zweifellos wahnsinnig, und ich wundere mich nur, daß die Nachkommenschaft Toms ihren Worten so bedingungslos glaubt; ich wundere mich, daß all diese Märchen einen so ergiebigen Boden bei diesen Degenerierten gefunden haben.
Ich denke oft darüber nach, wie das alles gekommen ist. Ich bin wohl auch zum Teil selbst daran schuld: Ich hatte mich zu sehr von dem neuen Mondgeschlechte zurückgezogen, und als ich bemerkte, daß es meine Person mit einer Legende umgab, hielt ich das zuerst für eine Kinderei und bemühte mich nicht genügend, sie im Keim zu ersticken. Als ich endlich die Tragweite zu ermessen begann und dagegen auftreten wollte, war es zu spät.
Schon zu Toms Lebzeiten bemerkte ich, daß unter seinen Kindern phantastische Gerüchte über mich herumgingen. Aus zufällig gehörten Worten entnahm ich, daß sie mein Wissen und meine im Verhältnis zu ihnen ungewöhnliche Kraft für etwas Übernatürliches hielten. Ich galt in ihrenAugen zum wenigsten für einen mächtigen Gaukler. Tom hat zwar diese Ansicht nicht verbreitet, ihr aber, soviel ich weiß, auch nicht widersprochen.