Achtzehntes Kapitel.Das Schreckenslager.

Achtzehntes Kapitel.Das Schreckenslager.

Vor uns, nach Nordosten zu, war ein hoher Berg, dann weiter gegen Osten ein schmales Tal zwischen zwei Hügelzügen, während in Westsüdwest ein Fluß durch eine malerische Schlucht floß.

Es war für mich notwendig, durch das Tal im Osten zu gehen, da wir uns damit viel Mühe und Zeit ersparen konnten, obgleich Gefahr bestand, Tibetern zu begegnen, besonders Räuberbanden. Wir mußten vorsichtig vorwärts gehen, da meine Schokas vor diesen Leuten große Angst zu haben schienen. Wir waren noch nicht ein Kilometer über das wellige Terrain gegangen, und ich war eben hinter meinen Leuten stehengeblieben, um mit dem Kompaß einige Peilungen zu machen, als meine Träger sich plötzlich platt auf den Boden warfen und, auf Händen und Füßen kriechend, anfingen, sich rückwärts zu bewegen.

»Dakoit! Dakoit!Räuber! Räuber!« flüsterten meine Leute, als ich ihnen näherkam.

Es war zu spät. Wir waren gesehen worden, und eine Anzahl mit Luntenflinten und Schwertern bewaffneter Dakoit kam schnell auf uns los. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß das Schlimmste in solchen Fällen das Fortlaufen ist; denn nichts ermutigt einen Menschen mehr als zu sehen, daß sein Gegner Furcht vor ihm hat. Deshalb lud ich meinen Mannlicher, und mein Träger tat dasselbe mit seinem Henry-Martini. Ich gab den Schokas Befehl, neben ihren Lasten niederzukauern und sich nicht vom Platze zu rühren. Wir zwei gingen langsam der schnell näherkommenden Bande entgegen, die jetzt kaum hundert Meter von uns entfernt war. Ich schrie ihnen zu stillzustehen, und Tschanden Sing machte ihnen Zeichen, daß sie zurückgehen sollten. Aber sie nahmen vonunsern Warnungen keine Notiz und kamen nur um so schneller auf uns los. Ohne Zweifel dachten sie, wir seien nur Schokahändler, und erwarteten nach ihrer Erfahrung, leichte Beute zu finden. Sie schickten sich an, über uns herzufallen, sobald sie uns nahe genug sein würden, und teilten sich mit der augenscheinlichen Absicht, uns von allen Seiten einzuschließen.

»Duschu! Duschu!Geht zurück!« rief ich ihnen ärgerlich zu, indem ich meine Flinte an die Schulter hob und ruhig auf den Anführer zielte. Tschanden Sing folgte meinem Beispiel und legte auf einen andern an. Dies schien eine heilsame Wirkung auf sie zu haben; sie machten sofort einen komischen Salaam und rissen dann aus. Tschanden Sing und ich verfolgten sie eine Strecke weit, um sie uns ordentlich aus dem Wege zu bringen. Von einem kleinen Hügel, auf dem wir eine gute Ausschau hatten, bemerkten wir, daß in der Nähe eine Anzahl von Genossen waren und dazu ungefähr 3000 Schafe, wahrscheinlich ihre letzte Beute. Wir machten ihnen Zeichen, daß sie uns aus dem Wege gehen sollten, und schließlich zogen sie, ihre Beute vor sich hertreibend, eiligst in der von mir angedeuteten Richtung ab.

Als sie weit genug von uns waren und meine Schokas, die ihre letzte Stunde schon nahe geglaubt, sich von ihrem Schrecken wieder erholt hatten, setzten wir unsere Wanderung fort und betraten das schmale Tal zwischen den Hügelzügen. Daß wir jetzt in einer vielbesuchten Gegend waren, konnte man an den zahlreichen Lagerplätzen längs des Baches sehen. Aber unser Abenteuer vom Morgen hatte unsern Mut gehoben, und wir zogen fröhlich weiter. Ein etwas steiler Aufstieg brachte uns auf ein Plateau von 5000 Meter Höhe, von dem wir eine schöne Aussicht hatten über den schneebedeckten Höhenzug, der von Osten nach Westen vom Mangschanberge bis zum Lippupaß läuft.

Auf dem tiefern Teile des Plateaus und dann am Flußlaufe entlang führte ein Weg von Gyanema nach Taklakot über Kardam und Dagmar und ein selten begangener Pfad nach Mangschan. Der Rand des Plateaus lag 4810 Meter hoch, der Fluß 170 Meter tiefer.

Lamakloster in Tucker.

Lamakloster in Tucker.

Es war für uns eine sehr gefährliche Stelle, da es ohne Zweifel den Tibetern jetzt schon wohlbekannt sein mußte, daß ich entkommen und auf dem Wege nach ihrem Lande war. Ich wußte, daß Soldatenund Spione alle Wege bewachen und überall nach uns suchen mußten. Diese Verkehrsstraße, die mehr begangen war als die andern, war deshalb um so unsicherer, und wir mußten große Vorsicht anwenden, um eine Entdeckung zu vermeiden.

Meine zwei schwarzen Jake.

Meine zwei schwarzen Jake.

In Tibet ist die Luft so klar, daß in Bewegung befindliche Gegenstände auf außergewöhnlich große Entfernungen sichtbar sind. Ich durchspähte die Gegend mit meinem Fernrohr, konnte aber niemand sehen. So setzten wir unsern Marsch fort. Meine Leute hielten es indessen für sicherer, zu einem der zahlreichen Bäche hinabzusteigen, wo wir mehr gedeckt sein würden. Kaum hatten wir den Rand des Plateaus erreicht, als wir Geräusche hörten, die aus dem Tale heraufdrangen.

Auf dem Bauche kriechend, schauten meine Träger und ich über den Rand des Plateaus. Ungefähr 160 Meter tiefer unten war ein tibetisches Lager; Jake und Pferde weideten dort. Unbemerkt beobachtete ich sie einige Zeit. Es waren mehrere Soldaten, die ohne Zweifel nach mir Ausschau hielten. Mit meinem Glase erkannte ich einige von den Leuten aus Gyanema. Wir hielten es für ratsam, eine Stelle aufzusuchen, wo wir uns bis zum Anbruch der Nacht verbergen könnten. Dann stiegen wir auf einem weiten Umwege zum Bach hinab, arbeiteten uns mühsam im Dunkeln durch und gingen durch eine enge Schlucht zwischen hohen Wänden, bis wir an ein gutes Versteck kamen, wo ich Halt! rief. Ein Zelt aufzuschlagen wagten wir nicht. Von meinen Leuten gefolgt, kletterte ich an der Wand zu unserer Linken von Fels zu Fels empor und fand eine kleine natürliche Plattform, die von einem großen, sie überragenden Block geschützt wurde. Dies schien ein genügend sicherer Ort. Wir waren vorsichtig genug, für den Fall einer nächtlichen Überrumplung unser ganzes Gepäck zu vergraben. Von ihm nicht belästigt, würden wir jeden Augenblick imstande sein, uns vor unsern Verfolgern zu verbergen oder ihnen zu entrinnen, um wieder zu unsern Sachen zurückzukehren, sobald sich eine Gelegenheit dazu böte.

Gerade jetzt, als alles glatt zu gehen schien, machte ich eine schreckliche Entdeckung. An diesem Punkte unserer Reise, wo es für mich wichtig war, sehr schnell vorzugehen, fand ich, daß wir Mangel an Lebensmitteln hatten. Das war in der Tat eine Überraschung; denn bevor ich den größern Teil meiner Expedition verlassen,hatte ich meinen Leuten Befehl gegeben, Nahrung für zehn Tage mitzunehmen. Der Doktor, den ich beauftragt hatte, danach zu sehen, hatte mir versichert, daß die Lasten genug enthielten, um noch über diese Zeit hinaus für uns zu reichen, und jetzt hatten wir aus irgendeinem unerklärlichen Grund nur noch für eine magere Mahlzeit genügend Nahrung. Zudem entdeckte ich, daß wir nur noch ganz wenig Salz übrig hatten.

»Was habt ihr damit getan?« fragte ich zornig, da es mir sofort durch den Sinn fuhr, daß meine Träger falsches Spiel getrieben hatten. Ich hatte jedem Mann befohlen, ein Pfund Salz mitzunehmen.

»Ja, Sahib, aber wir vergaßen es mitzunehmen«, sagten die Leute wie im Chor.

Nach all den schrecklichen Mühsalen und Anstrengungen, die wir durchgemacht hatten, nach all der Sorge, meine kartographischen Aufnahmen sowie das Photographieren, Skizzieren, Schreiben, Sammeln usw. auch unter ungewöhnlich gefahrvollen Umständen fortzuführen, war es ein harter Schlag für mich, alle meine Pläne so plötzlich vereitelt zu sehen; denn wir waren noch drei oder vier Tagemärsche vom Mansarowar entfernt, wo ich hoffte, neuen Proviant erhalten zu können. Sollte ich, nachdem ich so weit vorgedrungen war, zurückgehen oder mich für besiegt erklären und von den tibetischen Soldaten gefangennehmen lassen, denen ich bisher mit so viel Glück ausgewichen war?

Ich fühlte mich krank und niedergedrückt. Zu meiner Seelenqual kam noch körperliches Unbehagen: ich war im Halbdunkel über den Gakkonfluß von Stein zu Stein gesprungen, ausgeglitten und der Länge nach in ungefähr 1½ Meter tiefes Wasser gefallen. Der Wind ging gerade sehr stark, und das Thermometer war auf 3 Grad unter Null heruntergegangen. Als ich in meinen nassen Kleidern dasaß und mit meinen Leuten unsere augenblickliche Lage besprach, wurde es mir plötzlich kalt, und ich fühlte mich so matt, daß ich dachte, ich würde zusammenbrechen. Es trat ein heftiges Fieber ein, das so schnell zunahm, daß ich trotz meines verzweifelten Strebens, nicht nachzugeben, fast in Delirium verfiel. Meine Zähne klapperten, meine Temperatur war aufs höchste gestiegen, und ich sah meine ganze Not in übertriebener Gestalt vor mir; der Mißerfolg schien mir unvermeidlich.

Plötzlich, als ich fast in Verzweiflung war, kam mir ein Auskunftsmittel in den Sinn, eine Idee, die vielleicht mehr für einen Roman als für das wirkliche Leben geeignet war.

Vier meiner Leute sollten verkleidet, zwei als Händler, zwei als Bettler, nach Taklakot gehen und Lebensmittel von meinen Feinden kaufen. Wir im Lager Zurückbleibenden wollten uns inzwischen, bis sie zurückkämen, gut verborgen halten. Ich sprach mit meinen Begleitern, und nach einigem leichtbegreiflichen Widerstreben unternahmen es vier Schokas, die gewagte Aufgabe auszuführen. Eine Entdeckung würde für sie den Verlust ihres Kopfes bedeuten, dem wahrscheinlich noch grausame Torturen aller Art vorangehen würden. Ich kann daher, trotzdem mich diese Männer schließlich verrieten, doch nicht umhin, den Mut und die Treue anzuerkennen, die sie in dieser schwierigen Lage bewiesen.

Meine Leute waren nachts außerordentlich gesprächig. Aus Furcht, von den tibetischen Soldaten überfallen zu werden, schliefen wir nicht und verbrachten Stunde auf Stunde mit dem Anhören von haarsträubenden Geschichten von Räubern und tibetischen Martern, die schrecklich genug waren, um uns wach zu halten.

Als es hell wurde, sammelten wir Nesseln, die sich beim Lager im Überfluß vorfanden, und nachdem wir sie auf verschiedene Weise gekocht hatten, verwendeten wir sie zu einem allerdings nicht besonders leckern Mahl. Sie schmeckten uns damals nicht sehr schlecht, nur war es ein Unglück, daß wir nicht mehr Salz hatten, denn dieses würde gewiß zur Verdaulichkeit unserer Speise beigetragen haben. Wir halfen diesem Mangel dadurch ab, daß wir sie mit einer doppelten Portion Pfeffer vermischten. Es war eine Beruhigung zu wissen, daß, solange es bei unserm Lager Nesseln gab, wir wenigstens nicht Hungers zu sterben brauchten.

Der Vorrat an Lebensmitteln für meine Leute war jetzt auf vier Pfund Mehl, zwei Pfund Reis und zwei Pfund Satu zusammengeschmolzen. Wir gaben ihn den vier Leuten mit, die versuchen sollten, nach Taklakot zu gehen, denn ihr Weg war lang und anstrengend, während für uns reichlich Nesseln vorhanden waren, zu denen wir unsere Zuflucht nehmen konnten.

Ich instruierte die vier Schokas sorgfältig, wie sie in ihren Verkleidungen einer nach dem andern in die tibetische Festung gehen und wie sie die Lebensmittel nur in kleinen Mengeneinkaufen sollten. Wenn sie eine zu einer Last genügende Menge beisammen haben würden, sollte sich ein Mann sofort auf den Weg nach unserm Lager machen; die andern sollten ein paar Tagemärsche voneinander einzeln folgen, um sich an einer bestimmten Stelle alle vier zu treffen und zusammen zu uns zurückzukehren.

Es war eine aufregende Arbeit, die verschiedenen Verkleidungen herzurichten und alles vorzubereiten. Nach wiederholtem Lebewohl und Worten der Ermutigung verließen uns unsere Boten endlich, um ihren gefahrvollen Auftrag auszuführen. Alles um uns schien ruhig, so ruhig und sicher, daß ich es wagte, meinen Sextanten und den künstlichen Horizont auszugraben, und eben dabei war, Längen- und Breitenbestimmungen anzustellen, als zu unserm Schrecken eine Herde von über 100 Jaken auf dem Paß im Norden von unserm Lager erschien und langsam auf uns zukam.

Waren wir entdeckt, kamen die Leute des Tarjum hinter ihren Tieren her? Es war keine Zeit zu verlieren. Instrumente und Decken wurden schnell fortgeräumt und versteckt. Dann krochen wir auf allen vieren den Tieren entgegen, die bei unserm Anblick stehengeblieben waren, und warfen mit Steinen nach ihnen, um sie zum nächsten Bach hinunterzutreiben. Zu unserm Glück taten wir dies gerade zur rechten Zeit, denn aus unserm Versteck konnten wir an der andern Seite eine Anzahl Tibeter sehen, die den von uns fortgetriebenen Jaken folgten. Sie gingen nur ein paar hundert Meter unter uns vorbei; sie ahnten augenscheinlich von unserer Gegenwart nicht das geringste. Sie sangen lustig und schienen nach irgendwelchen Spuren zu spähen, denn sie bückten sich oft, um den Boden zu untersuchen.

Am Nachmittag schlug ich zum Rekognoszieren den Weg nach Gyanema ein, in der Hoffnung, selbst ungesehen, die Tibeter auf ihrem Wege nach und von Taklakot vorbeikommen zu sehen.

Ich sah keine Soldaten. Aber eine starke Bande von Jogpas oder Straßenräubern, die Tausende von Schafen und Jaken vor sich her trieben, bot einen interessanten Anblick.

Sie ritten auf Pferden und schienen ihrem Anführer stramm zu gehorchen, wenn er mit heiserer Stimme, sein Gebetrad drehend, Befehle gab. Sie ritten flott dahin, die Frauen ebensowie die Männer rittlings auf den Pferden. Die Männer hatten Luntenflinten und Schwerter, und jedes Pferd trug außer seinem Reiter Säcke mit Lebensmitteln, die hinter dem Sattel angebunden waren.

Hinter Felsen hervor beobachtete ich den langen Zug und fühlte mich einigermaßen erleichtert, als die letzten Reiter, die nur einige zwanzig Meter von mir entfernt vorbeikamen, davonritten. Ich ging zurück, und da mir schien, daß dieses Lager nicht ganz so sicher sei, als ich zuerst vorausgesetzt hatte, machte ich mich mit meinen Leuten daran, eine rohe Schanzmauer vor unserer hohen Plattform zu errichten. Dieses Bollwerk entsprach dem doppelten Zweck, uns gegen einen Einblick seitens der Tibeter zu schützen und für den Fall eines nächtlichen Angriffs als Befestigung zu dienen.

Wieder war ein banger Tag verstrichen! Wir hatten unser letztes Salzkorn verbraucht; noch ein Tag mit Nesseln als einzige Speise; ein dritter Tag, ein vierter mit derselben Kost!

Wie die Nesseln uns zuwider wurden! Die Tage schienen endlos, wenn ich, lang ausgestreckt auf einer Höhe über unserm Lager liegend, Stunde auf Stunde das lange Plateau über dem Gakkonflusse mit dem Fernrohr durchspähte, um nach unsern zurückkehrenden Boten auszublicken. Jedesmal, wenn ich in der Ferne Menschen bemerkte, hüpfte mein Herz vor Freude, aber wenn ich sie mir genauer besah, waren es Jogpas (Straßenräuber) oder Dogpas (schmuggelnde Nomadenhorden) oder reisende Humlis auf dem Wege nach Gyanema und Gartok. Und wie oft horchten wir nicht und sahen ängstlich durch die Spalten in unserer Befestigung, wenn irgendein ungewöhnliches Geräusch unser Ohr traf! Als dann die Zeit dahinging und meine Leute immer noch nicht erschienen, fingen wir an, Sorge um ihr Geschick zu hegen. Sollten sie uns verraten haben und nie wieder zurückkehren? Oder waren sie vom Jong Pen, dem »Herrn der Festung«, gefangengenommen und gefoltert worden?

Mein Träger, der etwas von einem Bonvivant an sich hatte, weigerte sich, noch etwas zu essen; es sei besser, gar nichts als beständig dasselbe zu essen. Er schwur, er könne zehn Tage lang fasten, und er ersetzte die mangelnde Nahrung durch Schlafen.

Meine befestigte Wohnung war morgens, wenn die Sonne darauf schien, recht behaglich, obgleich sie oft so warm wurde,daß wir sie verlassen mußten, wenn das Thermometer bis 49, 50 und sogar 51 Grad anzeigte. In einer Nacht hatten wir einen furchtbaren Sturm mit Schneegestöber. Die Gewalt des Windes war so groß, daß unsere Mauer umgeweht wurde und auf uns fiel, während wir unter ihrem Schutze schliefen. Die Stunden, die wir der Ruhe zugedacht hatten, mußten nun damit zugebracht werden, die Schäden wieder auszubessern, die der Sturm verursacht hatte.

Am Morgen sammelten wir gerade Nesseln zu unserm Mahl, als wir das ferne Klingeln von rasch näherkommenden Pferdeglocken hörten. Schnell löschten wir unsere Feuer aus, versteckten unsere Sachen und eilten hinter unsere Verschanzung. Ich ergriff meine Büchse, Tschanden Sing lud seinen Henry-Martini. Einer meiner Schokas, der zu weit entfernt war, um unsere befestigte Wohnung noch zu erreichen, versteckte sich hinter einigen Felsblöcken. Es war die höchste Zeit!

Ein halbes Dutzend Soldaten mit Luntenflinten über den Schultern, an denen rote Fahnen befestigt waren, schlenderten nur einige Meter vor uns lustig den Hügel hinauf. Nach der Art und Weise zu urteilen, wie sie nach jeder Richtung ausschauten, suchten sie ohne Zweifel nach mir; aber glücklicherweise wandten sie sich nie nach dem Felsennest um, hinter dessen Mauern wir verborgen lagen. Sicher erwarteten sie, in einem der Täler ein großes europäisches Zelt zu sehen, und ließen es sich nicht träumen, daß wir da sein könnten, wo wir in der Tat waren. Wir nahmen sie fest aufs Korn, hatten aber keine Veranlassung, auf sie zu feuern. Sie ritten weiter, und der Ton ihrer Pferdeglocken wurde schwächer und schwächer, während sie hinter dem Paß verschwanden. Sicherlich konnten die Reiter nur Soldaten sein, die der Tarjum ausgesandt hatte, um diesen Weg zu bewachen. Wahrscheinlich waren sie jetzt auf dem Rückweg zu ihrem Herrn und Meister, sehr zufrieden, daß der Sahib nicht im Lande zu finden war.

Wir nannten diese Stelle »Schreckenslager«, denn schrecklich waren die Prüfungen, die uns hier widerfuhren.


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