Chapter 16

1521.18. April

Reichstag zu Worms.Luther verteidigt seine Lehre vor dem Kaiser, der ihm das freie Geleit hält. Doch wird er in die Reichsacht erklärt und auf BefehlFriedrichs des Weisenaus Vorsicht auf dieWartburggebracht. DasWormser Ediktverbietet alle Neuerungen. — Luther beginnt dieBibelübersetzung(vollendet 1534). Er kehrt auf die Nachricht vonKarlstadtsUnordnungen nach Wittenberg zurück (Frühjahr 1522) und predigt gegen dieBilderstürmer, richtet dann den Gottesdienst mit deutscher Predigt und Abendmahl unter beiderlei Gestalt in Kursachsen ein. Die Ausbreitung der Reformation in Deutschland wird dadurch gefördert, daß Karl V. bald nach Spanien zurückkehrt und dann durch Kriege mit Franz I. von Frankreich in Anspruch genommen ist.

1522–1523.

Reichstag zu Nürnberg. Die Durchführung des Wormser Edikts für unmöglich erklärt. Die Berufung eines Konzils verlangt.

1522–1523.

Ritterkriegim Rheinlande.Franz von Sickingenan der Spitze eines Ritterbundes gegen die geistlichen Fürstentümer, belagert vergeblichTrier, wird in seiner BurgLandstuhl(bei Kaiserslautern) eingeschlossen und fällt. Sein FreundUlrich von Huttenstirbt als Flüchtling auf der Insel Ufnau im Zürchersee.

1524–1525.

Bauernkriegin Schwaben und Franken, begleitet von furchtbaren Greueln. Die 12Artikelder Bauern fordern Wahl der Pfarrer durch die Gemeinde, Beschränkung der Abgabe des Zehnten auf den Kornzehnt, Aufhebung derLeibeigenschaft, Freiheit der Jagd und des Fischfanges u. a. Luther ermahnt anfangs zum Frieden, schreibt dann heftig »wider die mördischen und raubischen Bauern«. Die Aufständischen werden geschlagen (namentlich bei Königshofen a. d. Tauber) und blutig bestraft. — DieWiedertäuferin Thüringen mit den Bauern verbündet; sie werden bei Frankenhausen geschlagen, ihr FührerThomas Münzermit 25 anderen Anführern in Mühlhausen in Thüringen hingerichtet.

1525.

Kurfürst Friedrich der Weise †. Ihm folgt sein Bruder Johann der Beständige (1525–1532). Reformation inPreußen. HochmeisterAlbrecht von BrandenburgwirdHerzogin Preußen unter polnischer Lehnshoheit.

Luthers Vermählung mit Katharina von Bora. Kirchenvisitation in Sachsen, Sorge für die Schulen, Katechismus 1529.

1521–1526.

Erster KriegKarls V. gegen Franz I. von Frankreich. Karl erhebt Ansprüche aufMailandund dasHerzogtumBurgund (S. 206), Franz auf das spanische Navarra und auf Neapel (S. 235). Die Franzosen werden aus Mailand vertrieben, welchesFranz Sforza(S. 210) 1522 erhält. Der französischeConnétable Karl von Bourbongeht zu Karl V. über. Mißglückter Einfall der Franzosen in Italien (1523–1524, auf dem Rückzuge fälltBayard, S. 235), darauf Einfall der Kaiserlichen in das südliche Frankreich. Franz I. geht über den Mont Cenis, nimmt Mailand wieder.

1525.

Schlacht bei Pavīa, Sieg der Spanier unterPescaraund der deutschen Landsknechte unterGeorg von Frundsberg; Franz I. gefangen.

1526.

Friede zuMadrid. Franz entsagt allen Ansprüchen auf Mailand und Neapel, sowie der Lehnshoheit über Flandern und Artois, willigt in die Herausgabe des Herzogtums Burgund, stellt seine Söhne als Geiseln. Gleichzeitig zeichnet er einen feierlichen Protest gegen den Frieden auf, läßt sich dann vom Papst von seinem Eide lösen und erklärt die in Madrid beschworenen Bedingungen als erzwungen für nichtig. Papst Clemens schließt (Mai 1526) mit Frankreich, Venedig, Florenz und Mailand dieHeilige LigavonCognacgegen Karl V.

1526.

Erster Reichstag zu Speier.Die Evangelischen, an der Spitze Kurfürst Johann der Beständige von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen, erwirken einen der Ausbreitung der neuen Lehre günstigen Reichsabschied.

1527–1529.

Zweiter Kriegzwischen Karl V. und Franz I. Das kaiserliche (nicht bezahlte und aufrührerische) Heer unter dem Connétable von Bourbon nimmt Rom mitSturm, Bourbon fällt, der Papst wird in der Engelsburg belagert (1527), doch erfolgt bald die Aussöhnung mit dem Hofe zu Madrid. Vergeblicher Einfall der Franzosen in Neapel.

1529.

Damenfriede zuCambrai.Margarete vonÖsterreich, Tante Karls, undLuise von Savoyen, Mutter des Königs von Frankreich. Letzterer zahlt 2 Millionen Kronen und entsagt den Ansprüchen auf Italien. Karl verspricht seine Ansprüche auf Burgundfür jetztnicht geltend zu machen und entläßt die französischen Prinzen.

1529.

Zweiter Reichstag zu Speier, wo Ferdinand (S. 225) und die katholische Partei infolge der siegreichen Machtstellung des Kaisers energischer auftreten. Der Reichstagsbeschluß von 1526 wird aufgehoben. Strenge Durchführung desWormser Ediktsin den evangelischen Territorien beschlossen. Hiergegen protestieren die evangelischen Stände (daher Protestanten genannt). DaraufReligionsgespräch zu Marburgzwischen Luther und Zwingli. Einigung über 14 Artikel, doch nicht über die Lehre vom Abendmahl.

1526–1532.

Krieg mit den Türken.SultanSoliman II., welcher 1522 die Johanniter (S. 219) aus Rhodus vertrieben hat, fällt in Ungarn ein; König Ludwig II. von Ungarn und Böhmen † in derSchlacht bei Mohacz(1526). Eine Partei des ungarischen Adels wähltFerdinand, Karls Bruder, die andereJohann Zapolyavon Siebenbürgen, zu dessen Schutze Soliman abermals erscheint, jedochWienvergeblich belagert (1529).

1530.

Karl V. inBolognagekrönt; letzte Krönung eines deutschen Kaisers durch den Papst.

GlänzenderReichstag zu Augsburgunter persönlichem Vorsitz des Kaisers. Überreichung der vonMelanchthonverfaßtenAugsburgischen Konfession(Confessio Augustana). Der Reichsabschied gebietet die Aufhebung aller Neuerungen. Deshalb

Dez.

Schmalkaldischer Bundder meisten protestantischen Fürsten und Reichsstädte.

1531.

Treffen beiKappel; die Züricher von den katholischen Waldkantonen geschlagen, Zwingli †, doch behauptet sich seine Lehre.

Karl V. läßt seinen BruderFerdinandin Köln zum römischen König wählen und in Aachen krönen. Der Kurfürst von Sachsen protestiert im Namen der Evangelischen dagegen. Infolge der von neuem drohenden Türkengefahr kommt zustande der

1532.

Religionsfriede zu Nürnberg.Den Protestanten wird bis zu einem allgemeinen Konzil freie Religionsübung zugestanden.

Soliman II. fällt verheerend in Ungarn ein. Heldenmütige Verteidigung vonGüns. Ein großes Reichsheer sammelt sich bei Wien, Soliman geht zurück. Karl V. reist wieder nach Spanien.

1534–1535.

Unruhen derWiedertäuferinMünster(Jan Matthys aus Harlem, dannJohann Bockelsonaus Leyden, »König von Zion«).

1534.

Landgraf Philipp von Hessen führt den 1519 vom schwäbischen Bunde vertriebenen (lutherischen) Herzog Ulrich vonWürttembergin sein Herzogtum zurück, mit welchem der Kaiser seinen BruderFerdinandbelehnt hatte. Dieser verzichtet im Frieden zu Kadan auf den ferneren Besitz Württembergs, wird dafür von den Evangelischen als römischer König anerkannt. Landgraf Philipp leistet darauf dem Bischof vonMünsterHilfe zur Unterwerfung der Stadt; Johann von Leyden nebst anderen Anführern grausam hingerichtet.

Württemberg, Pommern, Anhalt und mehrere Reichsstädte treten dem Schmalkaldischen Bunde bei (1536).

1535.

Karls V. Zug gegenTunis(SeeräuberChaireddin Barbarossa). Tunis erobert und alle Christensklaven befreit.

1536–1538.

Dritter Kriegzwischen Karl V. und Franz I., letzterer erneuert seine Ansprüche aufMailandnach dem Tode des Herzogs Franz Sforza. Er verbündet sich mitSoliman II., der Ungarn bedrängt und durch seine Flotte die Küste Italiens plündern läßt.

1538.

Waffenstillstand zu Nizzaauf Grund des Besitzstandes. Darauf reist Karl V., um einen Aufruhr in seiner GeburtsstadtGentzu bekämpfen, durch Frankreich, wo er von Franz I. ausgezeichnet empfangen wird.

Einführung der Reformation imHerzogtumSachsen (Herzog Georg † 1539), im Kurfürstentum Brandenburg (1539), im Herzogtum Mecklenburg (1540).

1540.

DerJesuiten-Orden, von dem SpanierIgnatius von Loyōla1534 gestiftet zur Ausbreitung der katholischen Lehre, wird von Papst Paul III. bestätigt.

1541.

Reformation in GenfdurchJohann Calvin.JeanCauvinaus Noyon in der Picardie, geb. 1509, tritt 1532 in Paris als Reformator auf, findet Schutz bei Margarete von Navarra, Schwester Franz’ I. (S. 236). Aus Frankreich 1534 vertrieben, lebt Calvin abwechselnd in Basel, Genf, Straßburg, von 1541 bis zu seinem Tode 1564 inGenf. Die Anhänger Zwinglis schließen sich ihm allmählich an. CalvinischeKirchenverfassung: Die Gemeinde von den erwählten Geistlichen undÄltesten(Presbyterium) regiert, mehrere Gemeinden durch dieSynode; strenge Kirchenzucht. Der Arzt Servet 1553 als Irrlehrer (De trinitatis erroribus) verbrannt.

1541.

Verlängerung des Religionsfriedens auf dem Reichstag zuRegensburgin Gegenwart Karls V.

Soliman II. setzt inOfeneinen türkischen Pascha ein. Karls V. unglücklicher Zug nachAlgier.

1542.

Vertreibung des HerzogsHeinrichvon Braunschweig-Wolfenbüttel durch den Schmalkaldischen Bund.

1542–1544.

Vierter KriegKarls V. gegen Franz I., der wiederum mit Soliman II. verbündet ist. Der Kaiser unterwirft den Herzog vonCleve, der sich an Frankreich angeschlossen hat, und dringt bisSoissonsvor.

1544.

Friede zuCrespy(spr.Crépi): Der Herzog von Orléans, zweiter Sohn des französischen Königs, soll eine kaiserliche Prinzessin heiraten und Mailand erhalten. Da er aber schon 1545 stirbt, so bleibtMailanddem Kaiser, der es seinem SohnePhilippzu Lehen gibt.

1545.

Hermann von Wied, Erzbischof vonKöln, welcherMelanchthonzu sich berufen hatte, um in seinem Erzstift die Reformation einzuführen, wird vom Kaiser verwarnt und sucht Hilfe beim Schmalkaldischen Bunde.

1545–1563.

Kirchenversammlung zu Trient(Tridentum) in Tirol, von den Protestanten nicht beschickt, vom Papste zweimal vertagt. Kirchliche Reformen, zugleich genauere Feststellung der katholischen Lehre.

1546.

18. Febr. Tod Luthers in Eisleben.

1546–1547.

Schmalkaldischer Krieg.Karl V. will die reichsständische Selbständigkeit in Deutschland brechen und zugleich im Bunde mit dem Papste, der ihm Geld und Truppen sendet, die kirchliche Einheit wiederherstellen. Die Häupter des Schmalkaldischen Bundes,Johann Friedrich, Kurfürst von Sachsen, und LandgrafPhilippvon Hessen werden in die Acht erklärt. HerzogMoritzvon Sachsen, Philipps Schwiegersohn, schließt sich der Sache des Kaisers an.

1546.

Unentschlossene Kriegführung der Verbündeten an derDonau. Johann Friedrich wird durch einen Einfall des Herzogs Moritz in sein Land zur Rückkehr veranlaßt. Die süddeutschen Protestanten (Ulm, Augsburg, Straßburg, Herzog Ulrich von Württemberg u. a.) unterwerfen sich, Hermann von Wied wird aus Köln vertrieben. Karl V. zieht mit seinem aus Spaniern (HerzogAlba) und Italienern gebildeten Heere nach Sachsen, geht über die Elbe, schlägt in der

1547.24. April.

Schlacht bei Mühlberg(auf der Lochauer Heide, bei Torgau) den Kurfürsten von Sachsen, nimmt ihn gefangen und zieht als Sieger inWittenbergein. Vergleich unter Vermittelung Joachims II. von Brandenburg. Die Kurwürde und die Kurländer kommen an dieAlbertinischeLinie des Hauses Wettin (Herzog Moritz); die Ernestinische Linie behält nur die thüringischen Gebiete (Weimar,Jena,Eisenach,Gothau. a., S. 227).Philipp von Hessenunterwirft sich inHalleund wird, obgleich sich Moritz und Joachim II. für seine Freiheit verbürgt hatten, gefangen gehalten.

1548.

Auf demReichstagzuAugsburgdekretiert der Kaiser, da das Tridentiner Konzil vom Papste nach Bologna verlegt ist, dasInterim,welches den Protestanten aufgezwungen werden soll. Einstweilen wird ihnen die Priesterehe und das Abendmahl unter beiderlei Gestalt zugestanden. Sonst soll Lehre und Kirchenverfassung im wesentlichen katholisch bleiben. Die StadtMagdeburg, als Mittelpunkt des Widerstandes in die Reichsacht erklärt, wird vom KurfürstenMoritz von Sachsen1550–51 belagert, unterwirft sich ihm, ohne Glaubenszwang zu erleiden. Moritz, erbittert über die Behandlung seines Schwiegervaters und besorgt für seine Stellung und die »Libertät« aller deutschen Fürsten, rüstet heimlich gegen den Kaiser und nötigt ihn, nach Abschluß eines Bündnisses mitHeinrich II.von Frankreich, zur

1552.

Flucht ausInnsbruck. Das inTrientwieder versammelte Konzil vertagt sich und tritt erst 1562 wieder zusammen. In Passau tritt ein Fürstentag zusammen. KönigFerdinandvermittelt den

Passauer Vertrag: Das Interim abgeschafft. Freilassung Philipps von Hessen, der Religionsfriede soll auf dem nächstenReichstagefestgestellt werden. Auch Kurfürst Johann Friedrich wird freigelassen.

1552.

Karl V.zieht mit Heeresmacht gegenHeinrich II.von Frankreich, welcher als Moritz’ Verbündeter dielothringischen BistümerMetz,ToulundVerdunbesetzt hat. Vergebliche Belagerung vonMetz, welches Franz von Guise mit Erfolg verteidigt. Frankreich bleibt im Besitz der drei Bistümer, während dasHerzogtumLothringen nach wie vor beim deutschen Reiche bleibt.

1553.

Moritz siegt beiSievershausen(unweit Hannover) über seinen bisherigen VerbündetenAlbrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach(der den Passauer Vertrag nicht anerkennen will), wird aber tödlich verwundet.

Karl V. zieht sich verstimmt nach den Niederlanden zurück, überläßt die Herstellung des Friedens in Deutschland seinem Bruder Ferdinand.

1555.

Augsburger Religionsfriede. DieLandesherrenundfreien Städte, welche sich zurAugsburgischen Konfessionbekennen, erhalten Religionsfreiheit und das Recht, in ihren Gebieten die Konfession ihrer Untertanen zu bestimmen: cuius regio, eius religio. Den andersgläubigen Untertanen solldas Recht auszuwandern gewahrt bleiben. Zu Gunsten der katholischen Kirchegeistlicher Vorbehalt(Reservatum ecclesiasticum), daß geistliche Reichsstände, welche protestantisch werden, Amt, Gebiet und Einkünfte verlieren sollen (S. 232). Die Evangelischen fügen sich dieser Bestimmung gegen eineDeklaration, daß evangelische Untertanen geistlicher Reichsstände bei ihrer Religion gelassen werden sollen. Die Reformierten sind von dem Frieden ausgeschlossen.

Die von Deutschland ausgehende religiöse Bewegung führt in den meisten europäischen Ländern 1. zurAbschaffung kirchlicher Mißbräucheund Vertiefung des religiösen Lebens, 2. zu erhöhter Pflege der von den Fesseln der Kirche befreitenWissenschaften, Verbesserung des Schulwesens, Verbreitung geistiger Bildung, 3. zur Stärkung der Gewalt der Territorialfürsten und durch den Gegensatz der Konfessionen zupolitischen Kämpfen, in denen das europäischeStaatensystemsich ausbildet.

Luthers Lehreverbreitet sich nach Dänemark, Schweden, Norwegen und den Ostseeprovinzen,CalvinsLehre (diereformierte Kirche) nach Frankreich, den Niederlanden, Schottland; in Deutschland findet sie namentlich im Kurfürstentum Pfalz (Heidelberger Katechismus 1563), in Hessen und Bremen Eingang.

Hebung des Wohlstandes in Deutschland, namentlich in den oberdeutschenReichsstädten; die Kaufmannshäuser Fugger und Welser inAugsburg. Aufblühen derdeutschen Literatur: Hans Sachs († 1576) inNürnberg, Joh. Fischart inStraßburg(† 1591); das protestantische Kirchenlied. Die Maler Lukas Kranach, Vater und Sohn, inWittenberg, später in Weimar († 1553 bezw. 1586).

1550.

Abdankung Karls V.in Brüssel. Die KroneSpanien(mit den Kolonien), dazuNeapel,Mailand, FreigrafschaftBurgundund die Niederlande kommen an seinen SohnPhilipp, die Kaiserwürde an seinen BruderFerdinand I.(s. S. 225). Karl lebt in der Nähe des Klosters S. Just (in Estremadura, nördlich vom Tajo) als Privatmann (nicht Mönch), stirbt 1558.

1498–1589.

HäuserOrléansundAngoulême.

Nebenlinien des Hauses Valois (s. S. 208), deren Zusammenhang mit der Hauptlinie die folgende Stammtafel darstellt.

Karl V.(dritter K. aus dem HauseValois) †1380.___________________|_______________________Karl VI.†1422.            Ludwig, Hz. v. Orléans.|               Gem. Valentine Visconti.|               ______|__________________Karl VII.†1461.           Karl, Hz.      Johann, Graf|               v. Orléans.    v. Angoulême.|                     |                 |Ludwig XI.†1483.Ludwig XII.Karl, Graf v. Angoulême.|              †1515. Gem. Anna v.   Gem. Louise v. Savoyen.|              d. Bretagne, Witwe       ||              Karls VIII.              ||                  |                    |Karl VIII.†1498.         Claudia.Franz I.†1547.Gem. Anna v. d. Bretagne.  _____________________________|Heinrich II.†1559.Gem. Katharina v. Medici._______________________________|____________________________________________|                     |          |               |                |          |Franz II.Elisabeth,Karl IX.Heinrich III.Franz,      Margarete,†1560. Gem.       Gem.       †1574.         (Hz. v. Anjou)      Hz. v.     Gem.Maria Stuart.     Philipp II.                K. v. Polen.       Alençon.   Heinrich IV.K. v. Spanien.             †1589.

Die französische Monarchie, nach Zeiten schwerer Erschütterung wieder erstarkt, beginnt schon unterKarl VIII.(S. 209) eine gegenItaliengerichtete Eroberungspolitik, doch ohne dauernden Erfolg.

1498–1515.

Ludwig XII.heiratet Anna von derBretagne, Karls VIII. Witwe, um dieses Herzogtum bei der Krone zu erhalten, macht Ansprüche aufMailandals Enkel vonValentine Visconti, verjagt den HerzogLudovico Moro(aus dem HauseSforza, s. S. 211), der, als er nach Mailand zurückkehrt, gefangen wird (1500).

1501.

Ludwig XII.erobert im Bunde mitFerdinand dem Katholischen, König von Aragon, das KönigreichNeapel. Spanier und Franzosen bald uneinig, die letzteren von dem spanischen FeldherrnGonsalvo de CordŏvaamGariglianogeschlagen (1504). Ludwig XII. verzichtet auf Neapel, behauptet aber die Schutzherrschaft überGenua. Neapel und Sicilien bis 1713 in spanischem Besitz. Gonsalvo erster Vizekönig.

1508.

Teilnahme Ludwigs an derLiga zu Cambraigegen Venedig, aber Papst Julius II., Ferdinand der Katholische und Venedig verbinden sich 1511 zurHeiligen Liga, um die Franzosen aus Italien zu vertreiben. Diese führen den Krieg unterGaston de Foix, Neffen Ludwigs XII., anfangs glücklich, nehmen 1512Bresciamit Sturm (Bayard, der Ritter ohne Furcht und Tadel, S. 229), schlagen mit Hilfe von 5000 deutschen Landsknechten das spanisch-päpstliche Heer beiRavenna, werden aber 1513 von den Schweizern beiNovārageschlagen und räumen Italien.

1515–1547.

Franz I.

1515.

Er erobertMailandwieder durch den glänzenden Sieg über die Schweizer beiMarignano.

1520.

Zusammenkunft mit Heinrich VIII. von England (Camp du drap d’or) in der Nähe von Calais.

Kriege mitKarl V.(s. S. 229–232):Mailandverloren. Künste und Wissenschaften werden gefördert durch den Verkehr mit Italien. Schloßbauten: derLouvrein Paris.

Erhöhung der königlichen Macht durch ein Konkordat mit dem Papste (1516), welches die Wahl der Bischöfe und Äbte im wesentlichen dem König überläßt; dagegen Wiedereinführung derAnnaten(Gebühren für die Bestätigung durch den Papst in der Höhe eines Jahreseinkommens) und Verzichtleistung auf den Grundsatz des Konstanzer und Baseler Konzils, daß ein allgemeines Konzilüberdem Papste stehe (s. S. 203). Verfolgung der Protestanten und grausame Hinrichtungen.

1547–1559.

Heinrich II.Wachsende Macht derGuisen, eines Nebenzweiges des Hauses Lothringen, (Franz, Herzog von Guise, undKarl, der »Kardinal von Lothringen«). Verfolgung der Protestanten in Frankreich, aber Unterstützung derdeutschenProtestanten. 1552Metz,Toul,Verdungewonnen, Krieg mit Karl V. (s. S 233).

1556–1559.

Krieg mitPhilipp II.von Spanien. Die Franzosen von den Spaniern (mit Hilfe der Engländer) beiSt. Quentin1557 und durch den GrafenEgmontbeiGravelingen1558 geschlagen.Franz von GuisenimmtCalais, die letzte Besitzung der Engländer in Frankreich (S. 209).

1559.

Im Frieden zuCateau Cambrésisgeben die Franzosen alle Eroberungen, außerCalais, heraus. Philipp II. heiratet Elisabeth, älteste Tochter Heinrichs II. Auf Heinrich II., der an einer Turnierwunde stirbt, folgen hintereinander seine drei schwachen Söhne.

1559–1560.

Franz II., erster Gemahl derMaria Stuartvon Schottland, einer Nichte der Guisen. Verfolgung der Protestanten, grausame Hinrichtungen (Chambres ardentes). Des Königs MutterKatharina von Medicimit den Guisen verbündet, während die Prinzen aus dem HauseBourbon, Anton, König von Navarra,[44]und Ludwig von Condé, sich der Protestanten annehmen.

1560–1574.

Karl IX., 10 Jahre alt, ebenfalls unter der Leitung seiner MutterKatharina von Medici,

1562–1598.

Hugenottenkriege.[45]

Die Verletzung eines den Reformierten gewährten Toleranzedikts durchFranz von Guise(Blutbad zuVassyin der Champagne 1562) und grausame Verfolgungen in mehreren Städten veranlassen eine bewaffnete Erhebung der Reformierten unter Führung des Prinzen vonCondéund des AdmiralsColigny. Sie erkämpfen indrei Kriegen(bis 1570) das Zugeständnis bedingter Religionsfreiheit, welches durch Einräumung von 4 Sicherheitsplätzen (namentlich der HafenstadtLa Rochelle) gewährleistet wird.

1572.23.–24. Aug.

Die BartholomäusnachtoderPariser Bluthochzeit.Bei Gelegenheit der VermählungHeinrichs von BourbonundNavarra, der nach Condés Tode an die Spitze der Hugenotten getreten war, mit der Schwester des Königs Karl IX., Margarete von Valois, zuerst ein Mordanschlag aufColignygemacht, dann Ermordung aller in Paris anwesenden Hugenotten, geleitet vonHeinrich von Guiseund der Königin-MutterKatharina von Medici. Heinrich von Navarra rettet sein Leben durch Übertritt zur katholischen Kirche. In der Hauptstadt werden über 2000, in ganz Frankreich gegen 20000 Hugenotten ermordet. Diese Bluttat entzündet denviertenKrieg (1572–1573). La Rochelle, von HerzogHeinrich von Anjou, Bruder des Königs Karl IX., belagert, verteidigt sich tapfer (Graf Montgomery). Die Wahl des Herzogs von Anjou zum König von Polen bewirkt einen Vergleich.

Karl IX. stirbt 1574. Sein Bruder, der aus Polen entweicht, wird König von Frankreich als

1574–1589.

Heinrich III.DerfünfteKrieg, während dessen Heinrich von Navarra wieder zum reformierten Glauben übertritt, wird 1576 unter Bedingungen beendigt, die für die Hugenotten günstiger sind als die früheren Friedensschlüsse. Daher Unzufriedenheit der strengen Katholiken; dieHeilige Liguebeabsichtigt im Bunde mitPhilipp II.Vernichtung der reformierten Partei und Erhebung der Guisen auf den Thron. Der König erklärt sich aus Furcht vor der Ligue zum Haupt derselben und verbietet den reformierten Gottesdienst in ganz Frankreich.

Daher nochmalsdrei Kriege, der letzte (1585–1589) genanntKrieg der drei Heinriche(Heinrich III.von Valois,Heinrichvon Navarra,Heinrichvon Guise). In Paris bildet sich dieLigue der Sechzehn, welche die Absetzung desschwachen Königs bezweckt. Volksaufstand, Tag der Barrikaden 12. Mai 1588. Heinrich III. entflieht nachBlois, wohin er die Reichsstände (États-généraux) zusammenruft. Da er bei diesen keinen Beistand gegen die Ligue findet, läßt er den HerzogHeinrich von Guiseund dessen Bruder, denKardinal Ludwig, ermorden. Aufstand der Katholiken, an dessen Spitze sich der Bruder der Ermordeten, HerzogKarl von Mayenne, stellt. Heinrich III. flieht zu Heinrich von Navarra in das Lager der Hugenotten, wird vor Paris, in St. Cloud, von dem MönchJakob Clémentermordet (1589).

1589–1792.

Haus Bourbon(stammt ab von einem jüngeren Sohne Ludwigs IX., des Heiligen).

1589–1610.

Heinrich IV.Die katholische Partei verweigert ihm die Anerkennung. Heinrich IV. siegt über Karl von Mayenne beiIvry1590, belagert aber vergeblich Paris, welches von Mayenne und dem Herzog von Parma (s. S. 243) entsetzt wird. Erst nachdem Heinrich in St.-Denis abermals seinen Übertritt zur katholischen Kirche erklärt hat, öffnet ihm Paris die Tore (1594). Darauf Aufhebung des päpstlichen Bannes, Friede mit Philipp II. von Spanien. Die Religionskriege werden beendet durch das

1598.

Edikt von Nantes, welches den Reformierten gleichebürgerlicheRechte mit den Katholiken gibt, aber keineswegs vollständig freie Religionsübung. Es gestattet den reformierten Kultus denEdelleutenmit selbständiger Gerichtsbarkeit (seigneurs hauts justiciers) und denBürgernin einerbestimmtenAnzahl von Städten und Flecken, untersagt ihn aber in allen bischöflichen und erzbischöflichen Städten, am Hofe des Königs, in Paris, sowie im Umkreise von 5 Meilen um die Hauptstadt. Die Reformierten werden zu öffentlichen Ämtern zugelassen und behalten ihre Sicherheitsplätze. Das Edikt wird erst nach langer Weigerung von den Parlamenten (d. h. höchsten Gerichtshöfen) registriert.

Heinrichs IV. Minister, der Herzog vonSully, trifft Maßregeln zur Wiederherstellung des zerrütteten Wohlstandes und der Finanzen. Förderung des Ackerbaues und Gewerbes, des Seehandels; Kolonien inKanada(Quebec 1608). Der König beabsichtigt, als Verbündeter der protestantischenUnionin den Jülich-Cleveschen Erbstreit (S. 252) einzugreifen, wird aber von dem Fanatiker FranzRavaillacin Paris ermordet. Sein Sohn

1610–1643.

Ludwig XIII., 9 Jahre alt. Regentschaft seiner MutterMaria von Medici. Sully vom Amte entfernt; an die Spitze der Geschäfte tritt der ItalienerConcini(Maréchald’Ancre), nach dessen Ermordung 1617 der Herzog vonLuynes, endlich der große StaatsmannKardinal Richelieu(Armand-Jean du Plessis, geb. 1585 in Poitou, 1607 Bischof von Luçon, 1616 Staatssekretär, 1622 Kardinal, † 1642). Von 1624–1642 verwaltetRichelieueigentlich allein das Reich; nur einmal (11. Nov, 1630,journée des dupes) glaubt Maria von Medici ihn gestürzt zu haben, doch beherrscht er von da an den König sicherer als je.

Richelieus Ziel ist die Erhebung Frankreichs zur ersten Macht Europas und die Begründung der Allgewalt des Königs. Er bricht die Macht des Adels, macht die Krone unabhängig von denReichsständen, die nicht mehr berufen werden, besiegt die Hugenotten (Belagerung und Einnahme vonLa Rochelle1628), welche fortan nicht mehr eine bewaffnete politische Partei, sondern einegeduldete Sektesind. Unruhen, erregt vonGaston von Orléans, Bruder des Königs, enden mit dem vollständigen Siege Richelieus; die Königin-Mutter wird verbannt, Gaston entflieht nachLothringen, versucht vergebens gewaltsame Rückkehr mit Hilfe des Herzogs vonMontmorency, des Statthalters von Languedoc; dieser wird 1632 in Toulouse hingerichtet.

1633.

Das HerzogtumLothringen(vgl. S. 206, 233) von französischen Truppen besetzt (bis 1659). Der Dreißigjährige Krieg bietet Gelegenheit, Frankreichs Macht auf Kosten Deutschlands zu erhöhen.

Richelieulegt den Grund zur Machtstellung Ludwigs XIV. Frankreich verdankt ihm die Segnungen einer geordnetenVerwaltungund das Aufblühen seiner klassischenLiteratur. Stiftung der französischen Akademie 1635, der maßgebenden Behörde in Sachen der Sprache und des Stils;CorneillesCid 1636.

Das HerzogtumMailandist seit 1556 (s. S. 234) ein Nebenland vonSpanien, dem Namen nach deutsches Reichslehen. InMantuaherrscht seit 1328 das HausGonzaga; nach dessen Aussterben der Mantuanische Erbfolgekrieg 1628–1631.Richelieuzieht persönlich gegen die Kaiserlichen zu Felde und setzt die Ansprüche der französischen NebenlinieNeversauf das Herzogtum durch.

Glänzender Hof der Herzöge vonFerrara(S. 210). Nach dem Tode Alfons’ II. 1597 wird Ferrara als päpstliches Lehen mit dem Kirchenstaate vereinigt;Modenaund Reggio verbleiben einer Nebenlinie des HausesEste.

Parmaund Piacenza früher zu Mailand gehörig, 1512 vom Papst Julius II. für den Kirchenstaat in Besitz genommen, bilden seit 1545 ein selbständiges Herzogtum im Besitz des HausesFarnesebis 1731.

Venedigist 1508 gefährdet durch die Liga vonCambrai(Papst Julius II., Kaiser Maximilian I., Ludwig XII., Ferdinandder Katholische); doch wendet sich der Krieg bald gegen Frankreich (S. 235). Während der folgenden Kriege ist Venedig meist mit Karl V. verbündet. Gegenüber dem Vordringen derTürkenschließt es sich an Spanien an, muß aber trotz des mit den Spaniern gemeinsam erfochtenen Sieges bei Lepanto (S. 242) 1573 den TürkenCypernabtreten; es behält von seinem Inselbesitz nurKandiaund dieIonischen Inseln.

Genuamacht sich 1529 unter dem DogenAndrea Doria, welcher der Republik eine neue Verfassung gibt, frei von der französischen Schutzherrschaft (S. 235). Verschwörung desFiesco1547.Giannettino Doria, der Neffe des Dogen, wird ermordet, Andrea Doria muß flüchten. Schon sind die Verschworenen im Besitz fast der ganzen Stadt, als Fiesco durch Zufall ertrinkt. Rückkehr des Dogen, Wiederherstellung der Verfassung.

Die Herzöge vonSavoyen, welche auchPiemontbesitzen (S. 210), sind unter den einheimischen Fürsten von Nord-Italien die mächtigsten. Doch verlieren sie 1536 dasWaadtlandan Bern und geraten während der Kriege Frankreichs mit Karl V. und Philipp II. in Bedrängnis. Nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis (1559, S. 236) wirdEmanuel Philibertin sein Herzogtum zurückgeführt.

InFlorenzwird 1494 Pietro von Medici, Lorenzos Sohn, weil er mit dem erobernd vordringenden Karl VIII. von Frankreich (S. 209 f.) einen Vertrag geschlossen hatte, vertrieben. Haupt der demokratischen Partei der DominikanerSavonarōla. Er bewirkt auf kurze Zeit eine Wendung zur Sittenstrenge, verfällt aber dem päpstlichen Bann und wird 1498 hingerichtet. Infolge des Sieges der Heiligen Liga (S. 235) werden 1512 dieMediciwiedereingesetzt. Zweite Vertreibung 1527, die Republik auf kurze Zeit wiederhergestellt. Karl V. setzt 1531Alessandrovon Medici als erblichen Herzog ein. Dessen NachfolgerCosimovereinigt die RepublikSienamit seinem Gebiete und wird 1569 vom Papst Pius V. zumGroßherzog von Toskanaerhoben (bestätigt von Kaiser Rudolf II. 1576). Unter Cosimos II. Regierung lehrt in FlorenzGalileo Galilei, der 1633 von der Inquisition in Rom gezwungen wird, dasKopernikanische Sonnensystemabzuschwören († 1642 in Arcetri bei Florenz).

DiePäpstedieser Zeit sind mit Erfolg bestrebt, den Kirchenstaat zu vergrößern und ihr geistliches Ansehen zu erhöhen.

1492–1502.

Alexander VI.aus dem HauseBorgia, durch Ausschweifungen berüchtigt; sein SohnCesar Borgiaherrscht grausam in der Romagna.

1503–1513.

Julius II., kriegerisch und kunstliebend, beginnt den Neubau der Peterskirche, beruft dazu den Baumeister Bramante, den Bildhauer Michelangelo (an Julius’ II. Grab Statue des Moses) und den Maler Raffael nach Rom.

1513–1521.

Leo X.,Sohn Lorenzos von Medici (S. 211), kunstliebend und gelehrt.

1521–1523.

Hadrian VI.,aus Utrecht, früher Lehrer Karls V., auf Abstellung kirchlicher Mißbräuche bedacht.

1523–1534.

Clemens VII.,Neffe Lorenzos von Medici, klug, aber nicht tatkräftig.

1555–1559.

Paul IV.,streng kirchlich, hat 1542 als Kardinal unter Paul III. die Herstellung derInquisition(S. 186) und die Einrichtung des Index librorum prohibitorum bewirkt.

1572–1585.

Gregor XIII.ordnet 1582 denverbesserten Kalenderan (Ausfall des Schaltjahres am Ende des Jahrhunderts, mit Ausnahme jedes vierten Jahrhunderts).

1575–1590.

Sixtus V.unterdrückt das Räubertum im Kirchenstaat; Vollendung der Peterskirche.

Neapelist von 1504–1713 ein Nebenland Spaniens (s. S. 235). Der Aufstand des FischersTommaso Aniello,genanntMasaniello(1647), wird schnell unterdrückt.

Blütezeit der italienischen Kunst und Literatur.

Maler:Leonardo da Vinci(† 1519),Raffael Santi(† 1520),Antonio Allegri,genanntCorreggio(† 1534),Michelangelo Buonarotti(† 1564), zugleich Bildhauer und Architekt,Tizian(† 1576),Paul Veronese(† 1588). Musiker:Palestrina(† 1594). Dichter:Ariosto(† 1533),Torquato Tasso(† 1595). Unter den Prosaschriftstellern ragt hervor der PolitikerMacchiavelli(† 1527 in Florenz: Il Principe, Buch vom Fürsten).

1479–1516.

Ferdinand der Katholische,König vonAragon,übernimmt 1504 nach dem Tode seiner GemahlinIsabella(S. 215) die Regierung inKastilienfür seine abwesende TochterJohanna, Gemahlin des Erzherzogs Philipp von Österreich (S. 225). Philipp und Johanna kommen 1506 nach Kastilien; Ferdinand tritt in einem Vertrage die Regentschaft an Philipp ab, aber bald darauf stirbt dieser plötzlich 1506. Johanna, schon früher schwermütig, verfällt in Wahnsinn, lebt im SchlosseTordesillasin Haft bis zu ihrem Tode (1555). Ferdinand übernimmt wieder die Regentschaft, erweitert 1512 das Reich Aragon durch Eroberung des kleinen KönigreichsNavarra; nur der nördlich von den Pyrenäen gelegene Teil desselben bleibt dem französischen GrafenJean d’Albret(S. 236). Befestigung der Monarchie in dem nunmehr vereinigtenKönigreich Spanienmit Hilfe des staatsklugen KardinalsXimenez.

1516–1556.

Karl I.(als deutscher KaiserKarl V.,s. S. 228) begründet nach Niederwerfung eines Aufstandes inKastilien (1521) die unbeschränkte Königsgewalt inSpanien; die Cortes fortan ohne Bedeutung. Durch Erwerbung großer Gebiete inAmerika(S. 223) gelangt Spanien zu hoher Machtstellung.

1556–1598.

Philipp II., viermal vermählt, mit: 1.Mariavon Portugal (Mutter des Don Carlos), 2.Maria der Katholischenvon England (S. 246), 3.Elisabethvon Valois (S. 236), 4.Anna, Tochter Maximilians II. Unter seinem starren Despotismus erschöpfen sich die Kräfte des spanischen Reiches.

Krieg mit Frankreich (S. 236). Blutige Verfolgung der Moriskos und der Protestanten in Spanien; die Schrecken der Inquisition (S. 215) dauern fort. Zwist zwischen dem König und seinem ErbenDon Carlos; dieser wird verhaftet und stirbt im Gefängnis 1568. Über dieTürken, welche 1565 vergeblich die dem Johanniterorden (S. 178) gehörige InselMaltaangreifen (tapfere Verteidigung durch den GroßmeisterLa Valette), erfichtDon Juan d’ Austria, Karls I. (V.) natürlicher Sohn, den großen

1571.

Seesieg bei Lepanto(Naupaktos, S. 44). In demselben Jahre werden diePhilippinen-Inseln in Besitz genommen (1898 an die Union abgetreten).

1568–1648.

Freiheitskrieg der Niederlande.

Veranlassung: Die seit Karls V. Abdankung an Spanien gekommenen niederländischen Provinzen (S. 225) waren seit alter Zeit im Besitz bedeutender Privilegien; dieStände(Staaten,États) hatten Steuern und Truppen zu bewilligen. Aber Druck der spanischen Besatzungen, Strafedikte gegen die Ketzer, die geplante Gründung neuer Bistümer, Furcht vor Einführung der spanischen Inquisition bewirken unter der StatthalterinMargarete von Parma(1559–1567), der Halbschwester des Königs Philipp II. (ihr Ratgeber BischofGranvella), heftige Erregung. Bund des Adels (Kompromiß zuBreda) zur Verteidigung der Privilegien. Im Staatsrat sind GrafEgmont, Statthalter von Flandern, und Wilhelm vonNassau-Oranien[46], Statthalter von Holland und Seeland, um Erhaltung des Friedens bemüht.

1566.

Überreichung einer Bittschrift an die Statthalterin inBrüsseldurch 300 Vertreter des niederen Adels (Geusen, Bettler, ihr Parteiname, entstanden durch den verächtlichen Ausruf des Grafen von Barlaimont:Ce n’est qu’un tas de gueux). Volksunruhen, veranlaßt durch calvinische Prediger; Bildersturm und Plünderung der Kirchen. Egmont und Wilhelm von Oranien treten diesen Unordnungen entgegen.

Obwohl die Ruhe schließlich wiederhergestellt war, wird


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