1817.
Dreihundertjährige Jubelfeier derReformation. Begründung derEvangelischen Uniondurch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Das von deutschen Studenten am 18. Okt. veranstalteteWartburgfesterregt Befürchtungen wegen »demagogischer Umtriebe« gegen die deutscheBundesverfassungund die Souveränität der Bundesfürsten.
1818.
Kongreß zuAachen.Die Großmächte beschließen, die Besatzungstruppen aus Frankreich zurückzuziehen.
Verfassungen (mit Volksvertretung in zwei Kammern, vgl. S. 339) werden 1818 inSachsen-Weimar,BayernundBaden, 1819 inWürttemberg, 1820 inHessen-Darmstadteingeführt; inPreußen1823 nur Provinzialstände.
1819.
Der russische StaatsratKotzebue, der regelmäßige Berichte über die nationalen Bestrebungen in Deutschland an seine Regierung sandte, von dem StudentenSandaus politischen Gründen in Mannheim ermordet.MinisterkongreßinKarlsbad. Auf Antrag des österreichischen MinistersMetternichwird Zensur für Bücher und Zeitungen, Verbot des Turnens, Beaufsichtigung der Universitäten, Verbot der 1815 in Jena gestiftetendeutschen Burschenschaftbeschlossen und vom Bundestag inFrankfurtgenehmigt. Die Bundesversammlung in Frankfurt wird für die oberste Gesetzgebung in Deutschland erklärt. Zentral-Untersuchungskommission inMainzeingesetzt, um die Bundesbeschlüsse gegen widerstrebende Bevölkerungen und Regierungen durchzusetzen.
1820.
Wiener Schlußakte(s. S. 340) gegen die landständischen Verfassungen gerichtet, zur Sicherung der Souveränität der deutschen Bundesfürsten.
InSpanienErhebung der Liberalen für die aufgehobene Verfassung von 1812, welche wiederhergestellt wird (S. 339).
1820.
1821.
Kongreß zuTroppau}
Kongreß zuLaibach} wegen der aufständischen Bewegungen inNeapelundPiemont, wo die Verfassung und alle französischen Einrichtungen nach der Rückkehr der Herrscher wieder aufgehoben worden waren,österreichischeTruppen rücken in Neapel und in das Königreich Sardinien ein zur Wiederherstellung des unumschränkten Königtums.Viktor Emanuelvon Sardinien dankt ab zu Gunsten seines BrudersKarl Felix.
1822.
Kongreß zuVeronawegen der spanischen und griechischen Unruhen (S. 346f.).
1823.
Französische Truppen (95000 Mann) rücken inSpanienein, dringen unter dem Neffen Ludwigs XVIII., Herzog vonAngoulême, bis Cadiz vor (31. Aug., derTrocaderoerstürmt, eine befestigte Landzunge in der Bai von Cadiz) und befreien den dort gefangen gehaltenen KönigFerdinand VII.Absolutismus wiederhergestellt. Grausame Reaktion, zahlreiche Hinrichtungen.
1810–1825.
Befreiungskrieg der spanischen Kolonien in Amerika.
Der Beginn des Kampfes gehemmt durch dasErdbeben von Caracas1812; 1813 ziehtBolivarals Befreier in Caracas ein, muß dann vor den Spaniern nach Neu-Granada entweichen, wird 1819 zum Präsidenten der BundesrepublikColombiaerwählt, befreit 1822Quito, 1823–1824Peru.Chileerklärt sich 1816,Argentina1817 unabhängig, später auchParaguayundUruguay. InMexikotritt 1821Iturbideals Kaiser Augustin I. auf, 1823 wird das Land Bundesrepublik, ebenso die 5 Staaten vonMittel-Amerika. England (LordCanningleitender MinisterGeorgs IV.) erkennt zuerst die neuen Freistaaten an und schließt mit ihnen Handelsverträge. Die Vereinigten Staaten von Amerika (PräsidentMonroe) erlassen 1823 die Erklärung, keine Einmischung Europas in die politische Gestaltung Amerikas dulden zu wollen (Monroe-Doktrin). Colombia teilt sich 1830 (Bolivar †) in die drei RepublikenNeu-Granada(1861 wieder Colombia genannt),Venezuela,Ecuador.
Brasilien, bisher portugiesische Kolonie, wird 1822 unabhängiges Kaisertum unterDom Pedro I., dem Sohne Johanns VI., letzterer kehrt nach Portugal zurück (vgl. S. 327). Sein jüngerer SohnDom Miguelerregt Unruhen inPortugal, um die Cortes zu beseitigen, herrscht nach dem Tode des Vaters (1826) gewalttätig und grausam, wird 1834 vonDom Pedro I.vertrieben. Dieser überläßt die Regierung Brasiliens seinem Sohne Pedro II., in Portugal setzt er seine TochterMaria da Gloriaein, deren Gemahl Ferdinand von Sachsen-Koburg wird (S. 352). Verfassung vom Jahre 1826, abgeändert 1838.
1821–1829.
Griechischer Befreiungskrieg, vorbereitet durch dieHetärieeinen 1814 von griechischen Kaufleuten in Odessa gestifteten Geheimbund zur Befreiung der Griechen von der türkischen Herrschaft. Fürst AlexanderYpsilanti(russischer General und Adjutant Kaiser Alexanders I.) an der Spitze eines Griechenaufstandes in der Moldau und Walachei (März-Juni 1821), wird geschlagen, rettet sich nach Österreich, wird 6 Jahre in Munkacz und Theresienstadt gefangen gehalten, † in Wien 1828.
1821. April.
Aufstand in Morea (Mainoten) und auf den Inseln. Wüten der Türken gegen die Griechen in Konstantinopel. Der PatriarchGregoriosaufgeknüpft.
1822.
Blutbad auf der InselChios, die Türken ermorden über 20000 Griechen.Kanarisverbrennt einen Teil der türkischen Flotte an der Küste von Chios. Der tapfere Widerstand der Griechen (Miaulis aus Hydra. Marcus Bozzaris u. a.) erregt überall Teilnahme. Freiwillige (Philhellenen) eilen aus Deutschland, Italien, Frankreich herbei; der englische Dichter LordByronlandet mit zwei Schiffen bei der bedrohten FestungMissolunghi(1824); der Genfer BankierEynardorganisiert die Hilfsvereine.Wilhelm MüllersGriechenlieder.
1825.
Mehemed Ali, Pascha von Ägypten, sendet dem Sultan Mahmud II. seinen SohnIbrahimzu Hilfe, welcher inMoreagrausam wütet. Aussicht auf russische Hilfe für die Griechen erst nach dem Tode des kinderlosen Alexander I. (1. Dez.). Ihm folgt sein Bruder als
1825–1855.
Nikolaus I., Kaiser von Rußland, nach Verzichtleistung des älteren BrudersKonstantin(S. 295).
1826.
Die Türken erobern die heldenmütig verteidigte FestungMissolunghi.
1827.
England,RußlandundFrankreichschließen auf Betreiben des englischen MinistersGeorge Canningein Bündnis zum Schutze der Griechen.
Juni.
Aufstand derJanitscharenin Konstantinopel; sie werden auf Befehl des Sultans teils getötet, teils nach Asien abgeführt.
20. Okt.
Schlacht bei Navarin.
Die türkische Flotte wird von der englischen, französischen und russischen zerstört (»untoward event«). Französische Truppen landen in Morea, Ibrahim zum Abzug genötigt.
Russische Truppen besetzen 1828 die Donaufürstentümer, GeneralDiebitschüberschreitet 1829 den Balkan und besetzt Adrianopel, während in Asien GeneralPaskjewitschKars und Erzerum erobert.
ImFrieden zu Adrianopel1829 erhält Rußland die Inseln vor der Donaumündung, in Asien das Gebiet von Achalzik südlich vom Kaukasus. Den DonaufürstentümernSerbien,Moldau,Walacheiwird das Recht, christliche Statthalter (Hospodare) unter türkischer Oberhoheit zu wählen, bestätigt. Die Türkei erkennt im voraus die Beschlüsse derLondoner Konferenzan, welche 1830 dieUnabhängigkeit Griechenlandsaussprechen.
GrafCapodistrias(1814–22 russischer Minister) führt vorläufig als Präsident die Verwaltung; er wird 1831 inNauplĭa, dem Sitz der Regierung, ermordet. Darauf erheben die Schutzmächte (England, Rußland, Frankreich) zum König von Griechenland den Sohn König Ludwigs I. von Bayern,Otto I., welcher 1832–1862 regiert, dann durch einen Aufstand vertrieben wird († 1867).Athenerhebt sich als Residenzstadt zu neuer Bedeutung.
Rußlandbeginnt, nachdem 1795Derbent(S. 278) abermals besetzt, 1801Georgien(S. 297) zur Provinz gemacht, 1813 die Südwestküste des Kaspischen Meeres mitBaku, 1827Eriwanden Persern entrissen ist, langwierige Kämpfe zur Unterwerfung derKaukasusvölker.
1829.
InEngland,wo 1820–1830Georg IV.regiert, unter dem Ministerium des Herzogs vonWellingtonnach Aufhebung der Testakte (S. 270)Emanzipation der Katholiken, d. h. Zulassung derselben zum Parlament und zu Staatsämtern. Nach lebhaften Verhandlungen folgt 1832 unter KönigWilhelm IV.(1830–1837) dieParlamentsreform; 56 kleine Orte verlieren das Wahlrecht, eine Anzahl von Grafschaften und größeren Städten wählt dafür fortan mehr Vertreter ins Unterhaus.
Abermals geht vonFrankreicheine Erschütterung der europäischen Verhältnisse aus, die jedoch leichter überwunden wird als die frühere.König Karl X.(1824–1830, Bruder Ludwigs XVI. und XVIII., früher Graf von Artois, s. S. 307) regiert wie sein Bruder, der Talleyrand entlassen, den Marschall Ney zum Tode und alle Mitglieder der Familie Bonaparte nebst den »Königsmördern« zur Verbannung verurteilt hatte, und erregt durch sein Streben nach Herstellung des unbeschränkten Königtums wachsende Mißstimmung, die auch durch einen Erfolg der auswärtigen Politik, die Eroberung des SeeräuberstaatesAlgier(Juni und Juli 1830) nicht vermindert wird.
1830.
Pariser Julirevolution.Durch das ultraroyalistische MinisteriumPolignacwird der König am 25. Juli 1830 zur Unterzeichnung von 5 Ordonnanzen (Verfügungen) bewogen, welche 1. die letzten oppositionellen Kammerwahlen für ungültig erklären, 2. dasWahlgesetzzu einem Privilegium der reichsten Grundbesitzer machen (262 Abgeordnete statt der früheren 430) und 3. diePreßfreiheitaufheben. Diese Verletzung der Verfassung erregt einen Aufstand in Paris. Nach dreitägigem Straßenkampf (27.–29. Juli) ziehen die Truppen sich zurück. Karl X. dankt ab zu Gunsten seines Enkels, des 1820 geborenen Herzogs Heinrich von Bordeaux,Graf von Chambord, dessen Vater, der Herzog von Berry, 1820 (Febr.) ermordet worden war; aber durch Beschluß der Pairs und Deputierten wird auf den Thron erhoben der Sohn Philipp Egalités,Herzog Ludwig Philipp von Orléansaus der jüngeren Linie des Hauses Bourbon (s. S. 349) als
1830–1848.
Ludwig Philipp I.,König der Franzosen.
1830.
Belgischer Aufstand.Das vom Wiener Kongreß geschaffene Königreich derNiederlandehat keinenBestand; die Belgier, durch Sprache, Konfession und Beschäftigung verschieden, fühlen sich unter der holländischen Regierung zurückgesetzt und hoffen auf Frankreichs Hilfe.
Häuser Bourbon älterer und jüngerer Linie (Orléans).Heinrich IV., erster König aus dem Hause Bourbon, †1610.|Ludwig XIII.,†1643.|___________________...|Ludwig XIV., †1715.|Ludwig, Dauphin, †1711.________________|_________________| |Ludwig, Hz. v. Bourgogne, Philipp V., K. v. Spanien,†1712. Stammvater der Bourbons| in Spanien, Neapel u. Parma, †1746.|Ludwig XV., †1774.|Ludwig, Dauphin, †1765.______|___________________________________| | |Ludwig XVI.,Ludwig XVIII.,Karl X.,†1793. †1824. †1836.| |Ludwig (XVII.), Karl Ferdinand,†1795. Hz. v. Berry,†1820.|Heinrich V.,Graf v. Chambord,†1883.Heinrich IV., erster König aus dem Hause Bourbon, †1610.|Ludwig XIII.,†1643....__|______________________|Philipp, Hz. v. Orléans, †1701.Gem. Elisabeth Charlotte v. d. Pfalz, †1721.|Philipp, Regent, †1723.|Ludwig, †1752.|Ludwig Philipp, †1785.|L. Philipp (Égalité), †1793.|Ludwig Philipp,K. d. Franzosen, †1850._____________________________________________________________| | | | | |Ferdinand, Ludwig, Klementine, Franz, Heinrich, Anton,Hz. v. Orléans, Hz. v. Gem. August Hz. v. Hz. v. Hz. v.†1842. Nemours, v. Koburg, Joinville, Aumale, Montpensier.| †1896. †1907. †1900. †1897. †1890.| |______________ |__ |__|__________________ __|___________ | |Ludw. Philipp, Robert, Gaston, Ferdinand, Peter, Anton,Graf v. Paris, Hz. v. Graf v. Eu. Hz. v. Hz. v. Infant v.†1894. Chartres. Alençon. Penthièvre Spanien.| __|___________ || Johann, | _________|__________| Hz. v. Guise. 1. Pedro, Emanuel, Alfons. Louis Ferdinand.| 2. Ludwig, Hz. v.__|__________________________ 3. Anton. Vendôme.Ludw. Philipp, Ferdinand, 3 Kinder.Hz. v. Orléans. Hz. v. Montpensier. Karl Philipp.
25. Aug.
Aufstand inBrüssel, bald auch im ganzen Lande. PrinzFriedrich, der zweite Sohn König Wilhelms I., wird gezwungen, mit den holländischen Truppen Brüssel zu verlassen; GeneralChassébehauptet die Citadelle vonAntwerpen, indem er die Stadt beschießen läßt. 18. Nov.Unabhängigkeitserklärungdes belgischen Nationalkongresses. Provisorische Regierung.
DieLondonerKonferenz der Großmächte (LordPalmerstonenglischer Minister) bewirkt Einstellung der Feindseligkeiten und erkennt den neuen Staat an (Jan. 1831), der sich eine freisinnige monarchische Verfassung gibt. NachdemLudwig Philippdie auf seinen zweiten Sohn gefallene Königswahl abgelehnt hat, wird zumKönig der Belgiergewählt
1831–1865.
Leopold I.von Sachsen-Koburg (S. 352), der sich mit einer Tochter Ludwig Philipps vermählt. Fortgang des Kampfes mit Holland bis 1833. Einmarsch eines französischen Heeres. Belagerung und Einnahme der Citadelle vonAntwerpen. Friede 1839.
InDeutschlandwird 1830 Herzog Karl vonBraunschweigvertrieben († 1873 in Genf); sein Bruder Wilhelm übernimmt nach einem Beschluß des Bundestages die Regierung. Unruhen inSachsenundKurhessen; in beiden Ländern wird 1831 eine neue Verfassung verkündet, inHannover1833.
1830–1831.
Polnischer Aufstand.Erhebung in Warschau (1830, 29. Nov.). Ein Mordversuch gegen den GroßfürstenKonstantin, Bruder des Kaisers Nikolaus (S. 347), mißlingt. Provisorische Regierung mit FürstAdam Czartoryskian der Spitze. Kaiser Nikolaus durch den Reichstag abgesetzt (1831, Jan.). Ein russisches Heer von 118000 Mann unter GeneralDiebitschdringt in Polen ein; blutigeGefechte bei Grochow(19.–25. Febr. 1831), wo die Polen der russischen Übermacht lange Widerstand leisten, sich aber doch zuletzt auf Praga zurückziehen müssen. Der Aufstand verbreitet sich über Litauen und Podolien. Diebitsch siegt in der Schlacht beiOstrolenka(26. Mai), stirbt aber bald darauf an der Cholera. Uneinigkeit der Polen, Bluttat der demokratischen Partei in Warschau. Dadurch wird dem neuen russischen OberfeldherrnPaskjewitschdas Vordringen erleichtert, er erobert Warschau (Sept. 1831). Bald wird der Aufstand im ganzen Lande unterdrückt. Polen verliert die von Kaiser Alexander I. 1815 verliehene Verfassung und wird fortan als russische Provinz mit Strenge regiert.
1831.
Aufstände inModĕna,Parmaund derRomagna, mit österreichischer Hilfe unterdrückt.
1833–1840.
InSpanienBürgerkrieg nach dem Tode Ferdinands VII. DurchEsparterosiegt nach blutigem Kampfe dieVerfassungspartei (Christinos) für die unmündige KöniginIsabella II.(1833–1868) und deren MutterMarie Christine(von Neapel) über die »Karlisten«, d. h. die Anhänger des Prinzen DonCarlos(Bruder Ferdinands VII.), welcher 1839 zur Flucht nach Frankreich genötigt wird († 1855 in Triest). Verkündigung einer Verfassung.
1837.
EsparteroRegent (1841–1843), dann sein persönlicher FeindNarvaez; dieser ruft die von Espartero vertriebene Königin Marie Christine zurück und verstärkt durch die abgeänderte Verfassung (1845) die königliche Gewalt.
1833.
Aufstandsversuch inFrankfurt a. M.gegen den deutschen Bundestag. Hierdurch und durch das im Jahre vorher von der demokratischen Partei in Rheinbayern veranstalteteHambacher Festwerden wiederum (S. 345) die Einsetzung politischer Untersuchungskommissionen, Verhaftungen und Verurteilungen herbeigeführt.
1833.
Gründung desdeutschen Zollvereins,angeregt durch daspreußische Zollgesetzvon 1818, welches alle Zollgrenzen im Innern des Landes aufhob und alle Zollstellen an die Grenzen verlegte. Besondere Vereine der kleineren Staaten, namentlich der 1828 gegründete mitteldeutsche Handelsverein haben keinen Bestand. Nach und nach werden Verträge mit Preußen abgeschlossen.
Österreich, wo 1835–1848Kaiser Ferdinand I.regiert, bleibt ausgeschlossen. Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Mecklenburg-Strelitz und Schaumburg-Lippe bilden 1834 denSteuervereinund treten dem deutschen Zollverein erst 1851 bei. Der Zollanschluß der Hansestädte Bremen und Hamburg erfolgt erst 1888.
1837.
Nach dem Tode Wilhelms IV., Königs von England (1830–1837), folgt inHannovernach dem salischen Gesetze (s. S. 207) sein BruderErnst August(1837–1851), welcher die 1833 für Hannover verkündigte Verfassung aufhebt, weil sie ohne seine, des damaligen Thronerben, Zustimmung zustande gekommen sei. Absetzung der 7 dagegen protestierenden Göttinger Professoren (JakobundWilhelm Grimm,Dahlmann,Gervinus,Ewald,AlbrechtundWeber). Abgeänderte Verfassung 1840.
1837 u. 1838.
Streit der preußischen Regierung mit den Erzbischöfen vonKölnundGnesen-Posen, besonders wegen der konfessionellen Erziehung der Kinder aus gemischten Ehen.
Georg III.,K. v. England u. Hannover,†1820._____|_________________________________________________| | | |Georg IV.,Wilhelm IV.,Eduard,Ernst August,K. v. E. u. H., K. v. E. u. H., Hz. v. Kent, K. v. Hannover,†1830. †1837. †1820. †1851.| | ||Viktoria,Georg V.,| K. v. England, K. v.| †1901, Hannover,Charlotte, Gem. Albert †1878.†1817, v. Koburg, |Gem. Leopold I. †1861. Ernst August,v. Koburg, Hz. v.†1865. Cumberland._____|______Georg Wilhelm. Ernst August.Albert,†1861,Gem.Viktoriav. Engl.,†1901._______________________________________________|___________________|Viktoria,Eduard VII.,Alfred,Arthur, Leopold†1901, †1910. Hz. v. Hz. v. Hz. v. Albany,Gem. K. v. England, Koburg, Connaught. †1884.Friedr. III. Gem. Alexandra †1900. |v. Preußen. v. Dänemark.Karl Eduard,| Hz. v. Koburg.Georg V.,|Gem. Mary v. Teck. Johann Leopold._______________|___________________________________Eduard, Prinz v. Wales; Albert, Heinrich, Georg, Johann.Franz,Hz. v. Koburg,†1806._______|___________________________________________________| | |Ernst I.FerdinandLeopold I.,Hz. v. Koburg, Gem. Fürstin v. Kohary, K. d. Belgier,†1844. †1851. †1865.__|_______________ __|_____________________ __|__________________| | | | | | |Ernst II.,Albert,Ferdinand II.,August,Leopold II.,Philipp,†1861, †1885, G. Gem. K. d. Belgier, G. v.Gem. Maria da Klementine †1909. Flandern,Viktoria Gloria, K. v. †1905.v. Engl., v. Portugal, Orléans,†1901. †1853. †1907.________________________|__ || | _______|________Pedro V.,Ludwig I.,| |K. v. K. v. Philipp,Ferdinand,Portugal, Portugal, Prinz v. 1887 Fürst,†1861. †1889. Koburg. 1908 K. v.| Bulgarien.Karl I.,|K. v. Portugal 1. Boris,†1908. Prinz v.| Tirnowa.| 2. Kyrill.Manuel II.,K. v. Portugal,vertrieben 1910.Albert I.,K. d. Belgier._________|________| |Leopold. Karl.
Georg III.,K. v. England u. Hannover,†1820._____|_________________________________________________| | | |Georg IV.,Wilhelm IV.,Eduard,Ernst August,K. v. E. u. H., K. v. E. u. H., Hz. v. Kent, K. v. Hannover,†1830. †1837. †1820. †1851.| | ||Viktoria,Georg V.,| K. v. England, K. v.| †1901, Hannover,Charlotte, Gem. Albert †1878.†1817, v. Koburg, |Gem. Leopold I. †1861. Ernst August,v. Koburg, Hz. v.†1865. Cumberland._____|______Georg Wilhelm. Ernst August.Albert,†1861,Gem.Viktoriav. Engl.,†1901._______________________________________________|___________________|Viktoria,Eduard VII.,Alfred,Arthur, Leopold†1901, †1910. Hz. v. Hz. v. Hz. v. Albany,Gem. K. v. England, Koburg, Connaught. †1884.Friedr. III. Gem. Alexandra †1900. |v. Preußen. v. Dänemark.Karl Eduard,| Hz. v. Koburg.Georg V.,|Gem. Mary v. Teck. Johann Leopold._______________|___________________________________Eduard, Prinz v. Wales; Albert, Heinrich, Georg, Johann.Franz,Hz. v. Koburg,†1806._______|___________________________________________________| | |Ernst I.FerdinandLeopold I.,Hz. v. Koburg, Gem. Fürstin v. Kohary, K. d. Belgier,†1844. †1851. †1865.__|_______________ __|_____________________ __|__________________| | | | | | |Ernst II.,Albert,Ferdinand II.,August,Leopold II.,Philipp,†1861, †1885, G. Gem. K. d. Belgier, G. v.Gem. Maria da Klementine †1909. Flandern,Viktoria Gloria, K. v. †1905.v. Engl., v. Portugal, Orléans,†1901. †1853. †1907.________________________|__ || | _______|________Pedro V.,Ludwig I.,| |K. v. K. v. Philipp,Ferdinand,Portugal, Portugal, Prinz v. 1887 Fürst,†1861. †1889. Koburg. 1908 K. v.| Bulgarien.Karl I.,|K. v. Portugal 1. Boris,†1908. Prinz v.| Tirnowa.| 2. Kyrill.Manuel II.,K. v. Portugal,vertrieben 1910.Albert I.,K. d. Belgier._________|________| |Leopold. Karl.
1840–1861.
Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen,bei seinem Regierungsantritt mit großen Erwartungen begrüßt. Amnestie für politische Vergehen, Freilassung der verhafteten Erzbischöfe von Köln und Gnesen-Posen. 1847 Berufung desersten vereinigten Landtagsnach Berlin (s. Anhang).
1837–1901.
Viktoria, Königin von England,NichteWilhelms IV., 1840 vermählt mitAlbertvon Sachsen-Koburg (prince-consort, † 1861). Vgl. die Stammtafel S. 352. In Irland vergebliche Bestrebungen für den Widerruf (repeal) der seit 1801 bestehenden parlamentarischen Vereinigung mit England (O’Connell,† 1847). In England Bewegung für den Freihandel (RichardCobdenin Manchester); die Abschaffung der beschränkenden Korngesetze wird 1846 erreicht.
Krieg gegenAfghanistan1839–1842; durch zwei Kriege gegen dieSikhs(1845–1849) wird das Pendschab-Gebiet unterworfen. Krieg gegenChina1810 wegen Verbots der Opiumeinfuhr aus Indien (Opiumkrieg); 1842 werden fünf chinesische Häfen den Europäern geöffnet, der Opiumhandel gestattet, die InselHongkongan England abgetreten. InHinterindienerwirbt England durch Kriege gegen das ReichBirma1826 die Küste von Arakan und die Landschaft Assam, 1853 das Mündungsgebiet des Irawadi (Pegu), 1886 ganz Birma (s. § 13).
InFrankreichversucht während der Regierung Ludwig Philipps der Neffe Napoleons I.,Louis Napoleon,[57]1836 inStraßburgund 1840 inBoulogneeinen Aufstand. Er wird das erstemal auf einem französischen Kriegsschiff nach Amerika geschickt, das zweitemal zu lebenslänglicher Haft verurteilt, entkommt aber 1846 aus der Festung Ham.
1840.
Beginn derBefestigung von Parisunter dem MinisteriumThiersaus Anlaß einer Kriegsgefahr, welche dadurch entstanden war, daß Frankreich sich des aufständischenMehemed Alivon Ägypten (s. S. 347) gegen den Sultan annahm. Frankreichs Kriegsdrohung gegen Deutschland erregt das Nationalgefühl gewaltig. Nik.BeckersRheinlied,Schneckenburgers»Wacht am Rhein«. Bündnis der 4 anderen Großmächte; Frankreich gibt nach, an Stelle von Thiers trittGuizot(Okt. 1840). Mehemed Ali, dessen Sohn Ibrahim die Türken 1839 beiNisibin Syrien besiegt hatte, muß auf Verlangen Englands (LordPalmerston) Syrien räumen und behält nur dieerblicheHerrschaft überÄgyptenunter Oberhoheit der Pforte.
1840.15. Dez.
Die Überreste Napoleons I., durch den Prinzen von Joinville, dritten Sohn Ludwig Philipps, von St. Helena nach Paris gebracht, werden dort im Dom der Invaliden feierlich beigesetzt.
Langwierige Kriege inAlgier(S. 348) zur Eroberung des inneren Landes (MarschallBugeaud, General aus Napoleons Schule).Abd-el-Kader, Anführer der Araber und Kabylen, wird 1847 gefangen, 1852 nach Kleinasien entlassen.
1846.
Der FreistaatKrakauwird wegen erneuter polnischer Aufstandsversuche durch Beschluß der Schutzmächte (S. 341) dem KaiserreichÖsterreicheinverleibt.
1847.
Sonderbundskrieg in der Schweiz.Sieben katholische Kantone sagen sich von der Eidgenossenschaft los, werden aber von den Bundestruppen unter General Dufour besiegt. Darauf (1848) Umgestaltung desStaatenbundes(S. 341) souveräner Kantone zu einemBundesstaat(Föderativrepublik von 25 Staaten, vgl. S. 302). An die Stelle der bisherigen Tagsatzung, in der abwechselnd Zürich, Bern und Luzern Vorort gewesen war, tritt dieBundesversammlunginBern, bestehend aus 1.Ständerat(44 Vertreter der einzelnen Kantone), 2.Nationalrat(Vertreter der ganzen Schweizer Bevölkerung, nach Maßgabe der Volkszahl gewählt). Die vollziehende Gewalt übt der von der Bundesversammlung gewählteBundesrat(7 Mitglieder, auf 3 Jahre gewählt). Bundesgericht, einheitlichesMilitär-, Post-undMünzwesen(s. § 14).
In Frankreich führt die Unzufriedenheit mit der Politik des MinisteriumsGuizotund den noch bestehenden Beschränkungen desWahlrechtszur
1848.22.–24. Febr.
Pariser Februarrevolution.Straßenkampf gegen die Truppen; Barrikaden erbaut. Die Nationalgarde bleibt untätig, die Truppen geben den Kampf bald auf.Ludwig Philippflieht nach England († 1850). Seine Thronentsagung zu Gunsten seines Enkels, desGrafen von Paris(S. 349), wird nicht beachtet, sondern die Republik proklamiert. Die Deputiertenkammer wählt eine provisorische Regierung.Lamartineals Mitglied derselben hindert Verwüstung und Plünderung. EineNationalversammlungwird nach Paris berufen, um die Verfassung der Republik festzustellen. Die Forderungen der Sozialisten (Louis Blanc) führen zur Einrichtung vonNationalwerkstättenin Paris, in denen jedem französischen Bürger vom Staate Arbeit und Lohn geboten werden soll. Diese erweisen sich jedoch bald als kostspielig und zwecklos.
1848.23.–26. Juni.
Blutiger Straßenkampf in Paris nach Schließung der Nationalwerkstätten. GeneralCavaignacerhält durch Beschluß der Nationalversammlung diktatorische Gewalt und wirft den Aufstand der Arbeiter nieder (gegen 10000 getötet, viele deportiert).
10. Dez.
PrinzLouis Napoleon(S. 353) wird infolge der Furcht aller Besitzenden vor dem Sozialismus und unter dem Einfluß der Geistlichkeit durchVolksabstimmung(Plebiscit) mit fast 6 Millionen Stimmen zumPräsidentender französischen Republik erwählt. Seine Regierung findet Beifall, doch weigert sich die Nationalversammlung, die Verfassung abzuändern, welche die Wiederwahl desselben Präsidenten erst nach 4 Jahren gestattet.
1851.2. Dez.
Staatsstreich Louis Napoleons.Er läßt die angesehensten Mitglieder der Nationalversammlung verhaften, erklärt diese für aufgelöst, fordert wiederumVolksabstimmung, läßt Aufstandsversuche in Paris am 3. und 4. Dez. blutig niederwerfen. Er wird mit mehr als 7 Mill. Stimmen zumPräsidenten auf 10 Jahreerwählt. Am 14. Jan. 1852 verkündet er eine neue, der des ersten Kaiserreiches ähnliche Verfassung (Senat, gesetzgebender Körper, s. S. 318). Feierliche Friedensversicherungen gegenüber den europäischen Staaten, besonders durch eine Rede in Bordeaux (»L’Empire c’est la paix«). Auf Grund eines Senatsbeschlusses und einerdritten Volksabstimmungbesteigt er als
1852.2. Dez.
Napoleon III., Kaiser der Franzosen(1852–1870) den Thron und wird bald von allen Mächten anerkannt.
1848.Frühjahr.
Revolutionäre Bewegungen in Deutschland und Österreich.Eine badische Volksversammlung beiMannheim(27. Febr.) fordert Preßfreiheit, Schwurgerichte, Vereinsrecht, Volksbewaffnung, deutsches Parlament. Ähnliche Versammlungen finden in Württemberg, Hessen-Darmstadt, Nassau u. a. Staaten statt. Die Regierungen zeigen sich nachgiebig; derBundestag in Frankfurthebt die Zensur für Druckschriften auf.
13.–15. März.
Aufstand in Wien. Metternich, seit 1809 leitender Minister Österreichs, wird vertrieben.BürgerwehrundStudentenherrschen in der Stadt.
18. März.
Straßenkampf in Berlin, obwohl der KönigFriedrich Wilhelm IV.schon aus freien Stücken eine Verfassung und Preßfreiheit versprochen hatte. Dieunbesiegten,aber ermatteten Truppen verlassen auf Befehl des Königs am 19. ihre Stellungen und marschieren aus der Stadt. Bildung einer Bürgerwehr. Berufung einerpreußischen Nationalversammlungnach Berlin. PrinzWilhelmgeht auf Befehl seines Bruders nach England.
1848.20. März.
Infolge wiederholter Unruhen inMünchendankt KönigLudwig I.(† 1868) zu Gunsten seines SohnesMaximilian II.(1848–1864) ab.
15. Mai.
ZweiterAufstand inWien, welcher die Einberufung einesösterreichischen Reichstagserzwingt. Kaiser Ferdinand I. verläßt Wien und geht nachInnsbruck.
Juni.
Slavenkongreßin Prag, von denTschechen(Palacki) ausgeschrieben, um die Bestrebungen der slavischen Völker Österreichsgegen das Deutschtumzu vereinigen. Im Anschluß daran tschechische Erhebung inPrag, besiegt durch FürstWindischgrätz.
31. Okt.
Einnahme des aufständischenWiendurch kaiserliche Truppen (Windischgrätz,JellachichBan von Kroatien).Robert Blum, Mitglied des Frankfurter Parlaments, und viele andere werden erschossen. Der Reichstag wird nachKremsierverlegt. Fürst FelixSchwarzenbergübernimmt das Ministerium.
9. Nov.
Die preußische Nationalversammlung inBerlinwird auf Befehl des Königs (MinisteriumBrandenburg-Manteuffel) vertagt und zum 27. Nov. nachBrandenburgberufen.
10. Nov.
GeneralWrangelrückt, ohne Widerstand zu finden, inBerlinein. Erklärung des Belagerungszustandes, Entwaffnung der Bürgerwehr. — Da die Nationalversammlung in Brandenburg nicht in beschlußfähiger Zahl zusammenkommt, befiehlt der König
5. Dez.
Auflösungder Nationalversammlung und Verkündigung einer preußischenVerfassung, welche nach Beratung durch die neu zu wählenden Kammern in Gültigkeit treten soll.
1848–1849.
Aufstand in Oberitalien gegen Österreich.
Beginn der Erhebung inMailand(18. März 1848) die österreichischen Truppen ziehen sich nach der FestungVeronazurück. KönigKarl AlbertvonSardinien(1831–1849), welcher Italien befreien will, wird beiCustozza(25. Juli) von dem FeldmarschallRadetzkivollständig geschlagen.Mailandvon den Österreichern wieder eingenommen.
Waffenstillstand bis 20. März 1849, darauf erzwingtRadetzkidurch die Siege beiMortara(21. März) undNovara(23. März) den Frieden.Karl Albertdankt zu Gunsten seines SohnesViktor Emanuel(1849–1878) ab. Einnahme vonBrescianach furchtbarem Straßenkampf; Grausamkeit des GeneralsHaynaugegen die Gefangenen.
InVenedignach Abzug der österreichischen Besatzung (1848, März) erstprovisorischeRegierung im Namen desKönigs von Sardinien, dann nach der Niederlage des italienischenHeeresRepublik(PräsidentManin). Belagerung und Einnahme Venedigs durch die Österreicher (August 1849). Das ganze lombardo-venetianische Königreich ist der Herrschaft Österreichs wieder unterworfen.
1848–1849.
Aufstand der Ungarn gegen Österreich.Die Ungarn (Magyaren) verlangen und erhalten ein eigenes Ministerium (1848, April). GrafBatthyanyMinisterpräsident,Kossuth(spr.Kóschūt) Finanzminister. Reichstag in Pest unter Vorsitz des ErzherzogsStephanalsPalatin. DerWiderstandderslavischenBevölkerung und derNebenländerder Krone Ungarn (Kroatien, Siebenbürgen) gegen die magyarischen Ansprüche, ihre Forderung politischer Gleichberechtigung werden vom Wiener Hofe unterstützt.Jellachich, zumBan von Kroatienernannt, fällt mit Heeresmacht in Ungarn ein; ErzherzogStephanlegt sein Amt nieder. GrafLamberg, kaiserlicher Statthaltervon Ungarn, wird in Pest ermordet (Sept.); der Kaiser verfügt die Auflösung des Reichstages.
Nach AbdankungFerdinands I.(2. Dez. 1848) besteigt den Thron sein Neffe (S. 282)
Seit 1848.
Franz Joseph I., Kaiser von Österreich. Der ungarische Reichstag erkennt den Thronwechsel nicht an. FürstWindischgrätzrückt mit einem österreichischen Heere in Ungarn ein.Kossuthzieht sich mit den magyarischen Behörden nachDebreczinzurück, Windischgrätz besetzt Pest (1849, Jan.), besiegt ein ungarisches, von dem polnischen GeneralDembinskigeführtes Heer beiKapolna(Febr.). In Siebenbürgen ist der polnische GeneralBern, welchem Kossuth ein Kommando übergeben hatte, siegreich gegen österreichische Truppen und die von diesen zu Hilfe gerufenenRussen. Der ungarische GeneralGörgeyüberschreitet mit 50000 Mann die Theiß, entsetzt die belagerte FestungKomorn. Windischgrätz von der Regierung in Wien abberufen, Pest geräumt; inOfenbleibt eine österreichische Besatzung. Infolge der Verkündigung einer
1849.4. März.
Gesamtverfassung für Österreich, welche die alte ungarische Verfassung aufhebt, spricht auf Kossuths Antrag der Reichstag die Absetzung des HausesHabsburg-Lothringenaus.Kossuthwird als »Gouverneur« zum Haupt der magyarischen Regierung ernannt.GörgeyerstürmtOfen(21. Mai); Kossuth und der Reichstag halten einen pomphaften Einzug in Pest. Unterdes wird bei einer Zusammenkunft derKaiservonÖsterreichundRußlandinWarschaudierussische Interventionverabredet und ein gemeinsamer Kriegsplan für die Unterwerfung Ungarns festgestellt.
Ein russisches Heer von 80000 Mann unterPaskjewitschüberschreitet die Karpathen (Juni), ein zweites rückt von der Walachei aus vor, von Westen her die Österreicher unterHaynau. Die magyarische Regierung zieht sich nachSzegedinzurück.Kossuthlegt bald darauf die Regierungsgewalt nieder, die Diktatur wirdGörgeyübertragen. Dieser entschließt
1849.13. Aug.
sich zurKapitulation von Vilagosund streckt mit 25000 Mann vor dem russischen GeneralRüdigerdie Waffen. Die meisten andern ungarischen Führer ergeben sich auf Gnade und Ungnade; nurKlapka, der Komorn verteidigt, erhält eine ehrenvolle Kapitulation.Kossuth, Bem, Dembinskiretten sich auf türkisches Gebiet. Haynau verhängt über die gefangenen Häupter des Aufstandes ein furchtbares Strafgericht. Graf Batthyany nebst vielen anderen hingerichtet, ihre Güter eingezogen. Aufhebung der ungarischen Verfassung, Siebenbürgen und Kroatien werden von Ungarn getrennt.
DieGesamtverfassung für Österreich,welche nie wirklich ins Leben getreten war, wird am 31. Dez. 1851 für aufgehoben erklärt.