Chapter 25

1848–1850.

Versuche, Deutschland zu einigen.

1848.31. März.

Mit Zustimmung des Bundestages tritt inFrankfurt am Mainein aus Mitgliedern deutscher Ständeversammlungen gebildetesVorparlamentzusammen und beschließt die Berufung einerdeutschen Nationalversammlungzur Feststellung der deutschen Reichsverfassung.

April.

Eine republikanische Erhebung inBaden(Hecker, Struve, Herwegh) wird durch deutsche Bundestruppen schnell unterdrückt.

18. Mai.

Deutsche Nationalversammlung (Parlament)in Frankfurt am Main (Paulskirche). Auf des PräsidentenHeinrich von GagernVorschlag wirdErzherzog Johannvon Österreich zumReichsverwesererwählt; der Bundestag löst sich auf. Erzherzog Johann ernennt ein Reichsministerium; doch zeigt sich bald, daß die neu geschaffeneZentralgewaltweder denEinzelstaatennoch demAuslandegegenüber wirkliche Macht hat.

18. Sept.

Volksaufstand in Frankfurt, veranlaßt durch die Annahme des Waffenstillstandes mit Dänemark (s. S. 362). Zwei Mitglieder der Nationalversammlung, FürstLichnowskiund Generalv. Auerswald,von Volkshaufen ermordet.

1849.März.

Vollendung derdeutschen Reichsverfassungnach lebhaften Parteikämpfen in der Nationalversammlung (»Großdeutsche«, welche Österreich an der Spitze Deutschlands erhalten wollen, und »Kleindeutsche«, welche Ausschluß Österreichs und engeren Bund unter PreußensFührung anstreben). An der Spitze des Reichs soll ein erblicherKaiserstehen, neben ihm ein Reichstag, bestehend ausStaatenhaus(zur Hälfte von den Regierungen, zur Hälfte von den Volksvertretungen der Einzelstaaten zu ernennen) undVolkshaus(aus allgemeinen und direkten Wahlen hervorgehend). Kaiserwahl am 28. März.

1849.3. April.

KönigFriedrich Wilhelm IV.von Preußen erklärt die ihm angetragene Würde einesKaisers der Deutschennur mit Zustimmungallerdeutschen Regierungen annehmen zu können. Endgültige Ablehnung am 28. April, nachdem inzwischen 28 kleinere Staaten zugestimmt haben.

Mai.

Aufstand inDresden,um die Einführung der Reichsverfassung zu erzwingen, mit preußischer Hilfe niedergeworfen.

InBadenund der bayrischenPfalzrepublikanischer Aufstand unter Beteiligung des Heeres. Preußische und deutsche Bundestruppen rücken ein unter dem Oberbefehl des PrinzenWilhelmvon Preußen. Die Aufständischen in mehreren Treffen besiegt, die FestungRastatt(22. Juli) zur Übergabe gezwungen. Abberufung und Austritt einer großen Zahl Abgeordneter aus der Frankfurter Nationalversammlung. Das »Rumpfparlament«, welches seinen Sitz inStuttgartnimmt, wird (18. Juni) von der württembergischen Regierung aufgelöst.

Dez.

ErzherzogJohannlegt die Würde des Reichsverwesers nieder.

Die Fürsten vonHohenzollern(Hechingen und Sigmaringen) legen die Regierung nieder; ihre Gebiete werden mitPreußenvereinigt.

1850.6. Febr.

In Preußen wird die revidierte Verfassung von dem Könige und den Kammern feierlich beschworen. Die gesetzgebende Gewalt wird fortan »gemeinschaftlich durch den König und die beiden Häuser desLandtagsausgeübt«. Der König ist unverantwortlich und wird von verantwortlichen Ministern beraten. Jeder Regierungsakt des Königs muß von einem Minister gegengezeichnet sein. An Stelle der »ersten Kammer« tritt 1854 dasHerrenhaus, bestehend aus Mitgliedern, welche der König erblich oder auf Lebenszeit ernennt. DasAbgeordnetenhausgeht aus öffentlichen, indirekten Dreiklassenwahlen (Wahlmänner) hervor. Jetzt 433 Mitglieder. Die Legislaturperioden früher dreijährig, seit 1888 fünfjährig. Die Abgeordneten erhalten Tagegelder und Reisekosten.

Preußens Versuch, einedeutsche Unionmit Ausschluß Österreichs zu schaffen (Generalv. Radowitz), gestützt auf den am 26. Mai 1849 mit Sachsen und Hannover geschlossenenDreikönigsbund,gefördert durch eine Versammlung von Mitgliedernder früheren erbkaiserlichen Partei des FrankfurterParlaments zuGotha(Juni 1849) und durch den Beitritt der meisten kleineren Staaten, führt zu dem

1850.20. März.

Erfurter Parlament, welches die Beratung über die Verfassung der deutschen Union schnell zu Ende führt. Darauf

Mai.

Fürstenkongreß zu Berlin, aber keine Einigung, zumal da Sachsen und Hannover sich schon vorher von dem Dreikönigsbund losgesagt und auf Österreichs Betreiben mit Bayern und Württemberg den »Vierkönigsbund« geschlossen haben.

Den preußischen Unionsbestrebungen tritt Österreich nach der Niederwerfung des ungarischen Aufstandes (S. 357f.) entschlossener entgegen durch Berufung einer Konferenz der ihm anhängenden Staaten nach Frankfurt (10. Mai) und Einladung zur

1. Sept.

Wiedereröffnung des Frankfurter Bundestages.

Verfassungskampf imKurfürstentum Hessen; KurfürstFriedrich Wilhelmsucht durch seinen MinisterHassenpflugdie Verfassung von 1831 zu beseitigen. Wiederholte Auflösung der Ständeversammlung; Kriegszustand über das Land verhängt (7. Sept.). Widerstand der Behörden und Gerichte. Der Kurfürst verläßt das Land und erhält die Hilfe des von Österreich wiederhergestellten, von Preußen und seinen Bundesgenossen nicht beschickten Bundestages zugesagt.

Bruch zwischenÖsterreich und Preußen, das die Intervention des Bundestages in Hessen nicht dulden will. Kaiser Franz Joseph hat inBregenzeine Zusammenkunft mit den Königen von Bayern und Württemberg, darauf inWarschau(28. Okt.) mit Kaiser Nikolaus von Rußland, der den preußischen Gesandten Graf Brandenburg zum Nachgeben ermahnt. Bundesexekution gegenHessendurch bayrische und österreichische Truppen wird in Frankfurt beschlossen. Auch preußische Truppen rücken in Hessen ein, ziehen sich aber nach einem Zusammenstoß der Vorposten beiBronnzell(8. Nov.) zurück. Friedrich Wilhelm IV. entläßt den Minister v. Radowitz und gibt die Unionsbestrebungen auf.

29. Nov.

Vertrag zu Olmütz(ManteuffelundSchwarzenberg). Preußen fügt sich allen Forderungen Österreichs.Schleswig-Holsteinwird den Dänen überlassen, inHessendie unumschränkte Herrschaft des Kurfürsten wiederhergestellt. Preußen verzichtet auf seine Pläne hinsichtlich der Neugestaltung Deutschlands; für die deutsche Verfassung werden Konferenzen inDresdenanberaumt, welche die

1851.

Wiederherstellung des deutschen Bundesbeschließen. Österreich hat in den deutschen Verhältnissen ebenso wie in seinen inneren Kämpfen gegen die nationalen Aufstände gesiegt. Doch hält Preußen denZollverein(S. 351) aufrecht, welchem nun auch Hannover und Oldenburg beitreten, und begründet allmählich einepreußische Kriegsflotte, indem es mehrere von den 1852 im Auftrage des Bundestages versteigerten Schiffen übernimmt, welche die deutsche Nationalversammlung 1849 alsdeutsche Flottegegen Dänemark zusammengebracht hatte (S. 361). Ein Gebiet an derJahdemündungwird 1853 durch Vertrag mit Oldenburg erworben zur Anlage des KriegshafensWilhelmshaven, an der Nordsee.

1848–1850.

Schleswig-Holsteins Erhebung gegen Dänemark.

Veranlassung: »Offener Brief« des Königs Christian VIII. (1839–1848) vom 8. Juli 1846, welcher den Fortbestand der Union derHerzogtümermitDänemarktrotz des in den beiden Staaten verschiedenen Erbfolgerechts (s. S. 268) verfügt. Ein Aufstand in Kopenhagen (30. März 1848) zwingt seinen Nachfolger Friedrich VII., dieEinverleibung Schleswigsin Dänemark auszusprechen. Nach der bis dahin nie bezweifelten Thronfolge mußten die Herzogtümer nach dem Aussterben des Königlichen Mannesstammes an den HerzogChristianvon Sonderburg-Augustenburg fallen. Daher Aufstand in den Herzogtümern und Bildung einerprovisorischen Landesregierung.

1848.April.

Preußische und andere deutsche Bundestruppen kommen den Schleswig-Holsteinern, welche sich eine Armee neu bilden müssen, zu Hilfe. Generalv. Wrangelvertreibt die Dänen aus demDanewerkbeiSchleswig(23. April) und dringt bis nach Jütland vor. Aber die Verluste des Ostseehandels durch die dänische Blockade und englisch-russischer Einfluß bewirken den Abschluß eines Waffenstillstandes zuMalmö. Eine»gemeinschaftliche Regierung«wird für die Herzogtümer eingesetzt. Unzufriedenheit mit diesem Waffenstillstand in ganz Deutschland; die Nationalversammlung zu Frankfurt genehmigt ihn nach heftigen Verhandlungen.

1849.März.

Einsetzung einerStatthalterschaftfür Schleswig-Holstein durch die deutsche Zentralgewalt.

BeiEckernfördewird das LinienschiffChristian VIII.in Brand geschossen und die FregatteGefiongenommen (5. April). Erstürmung der Düppeler Höhen durch bayrische und sächsische Truppen (13. April). Das schleswig-holsteinische Heer, geführt von dem preußischen Generalv. Bonin, besiegt die Dänen beiKolding(23. April). Doch wiederum wird die Weiterführung des Krieges durch die Drohungen Englands und Rußlands gelähmt. Die neu gegründetedeutsche Flotteliefert den Dänen ein Seetreffen beiHelgoland(5. Juni), ist aber dann genötigt,untätig in der Wesermündung zu bleiben. Das schleswig-holsteinische Heer belagert die FestungFridericia, erleidet aber durch einen glücklichen Ausfall der Dänen bedeutende Verluste.

1849.Juli.

Waffenstillstand zwischenPreußenundDänemark; Schleswig soll im Norden von schwedischen, im Süden von preußischen Truppen besetzt und von einer dänisch-preußischen Kommission verwaltet werden. Die schleswig-holsteinische Armee geht über die Eider zurück; Holstein bleibt noch unter der Statthalterschaft. Nach Abschluß des Friedens zwischen Preußen und Dänemark (Juli 1850) werden alle preußischen Offiziere aus der schleswig-holsteinischen Armee abberufen.

1850.

Die von Deutschland verlassenen Schleswig-Holsteiner kämpfen allein weiter. Der ehemalige preußische Generalv. Willisenübernimmt den Oberbefehl über ihr Heer. Er wird beiIdstedt(24. und 25. Juli) geschlagen, Schleswig von den Dänen besetzt. In dem Gefecht beiMissunde(12. Sept.) werden die Schleswig-Holsteiner ebenfalls besiegt, auch beim Sturm aufFriedrichstadt(4. Okt.) mit Verlust zurückgeschlagen.

Der inzwischen wiederhergestelltedeutsche Bunderzwingt unter dem Einfluß Österreichs die Einstellung der Feindseligkeiten. Holstein wird mit preußischer Zustimmung von österreichischen Truppen besetzt (Jan. 1851) und den Dänen gegen das Versprechen »die Rechte der Herzogtümer zu wahren« überlassen (Febr. 1852).

1852.8. Mai.

Londoner Vertrag(Protokoll), unterzeichnet von den fünfGroßmächten,SchwedenundDänemark. Um den Bestand des dänischen Gesamtstaates zu wahren, wird eine neue Thronfolgeordnung für das KönigreichDänemarkund dieHerzogtümerfestgestellt. PrinzChristian von Sonderburg-Glücksburg, Gemahl der PrinzessinLuisevonHessen-Kassel, einer Schwestertochter Christians VIII. von Dänemark, wird zum Erben des kinderlosen Königs Friedrich VII. für die gesamte Monarchie bestimmt. Der Herzog Christian von Augustenburg verspricht, der neuen Erbfolgeordnung in Dänemark nicht entgegentreten zu wollen, überträgt 1863 seine Erbansprüche auf seinen SohnFriedrich(Vater der KaiserinAuguste Viktoria).

Die deutsche Nationalität in den Herzogtümern wird von den Dänen fortan schwer bedrückt.

König Karl Albert vonSardinienverleiht seinem Staat im Februar 1848 eine Verfassung, ebenso der Großherzog Leopold II. vonToskanaund Papst Pius IX. (1846–1878) demKirchenstaat.Sicilien erklärt seinen Abfall vom KönigreichNeapel, obgleich König Ferdinand II. daselbst schon im Januar 1848 eine Verfassung verkündigt hat. Nach dem Siege der Schweizertruppen im Straßenkampf zu Neapel (Mai) wird Sicilien mit großer Härte unterworfen (5tägige Beschießung der StadtMessinaim Sept.), darauf die Verfassung des Königreichs wieder aufgehoben. — Papst Pius IX., in dem manche vorübergehend den Schöpfer der Einheit Italiens gesehen hatten, flieht im Nov. 1848, als in Rom sein Minister Rossi ermordet worden war, nach Gaëta.Römische Republikerrichtet (Mazzini), welcher sich auch Toskana nach Vertreibung des Großherzogs anschließt. AberösterreichischeTruppen besetzen Toskana und die zum Kirchenstaat gehörige Romagna,französischeTruppen stellen in Rom die weltliche Herrschaft des Papstes wieder her.Französische Besatzung in Rom.

SpanienundPortugalwerden von den Erschütterungen des Jahres 1848 wenig berührt. In Spanien neue Parteikämpfe nach dem Sturz des Ministers Narvaez (S. 351) 1851, der 1856 zurückkehrt und noch öfters die Leitung des Ministeriums übernimmt († 1868, sein GegnerO’Donnell). In Portugal Revision der Verfassung 1852; auf die Königin Maria (S. 346) folgt 1853 ihr SohnPedro V., für welchen bis 1855 sein VaterFerdinanddie Regierung führt (S. 352).

Das Königreich derNiederlandeerhält im November 1848,Dänemark1849 eine repräsentative Verfassung. InSchwedenbleibt dieständischeVerfassung (Adel, Geistlichkeit, Bürger, Bauern) vom Jahre 1809, inNorwegendie repräsentative von 1814. Zweikammersystem in Schweden 1866 eingeführt durch König Karl XV. (1859–1872), Enkel von Karl XIV. Johann (Bernadotte).

InEnglandwird der Versuch der Chartisten, durch eine Massenpetition das allgemeine Wahlrecht einzuführen, durch die entschlossene Haltung der Londoner Bevölkerung (10. April 1848) vereitelt.

Neues Aufblühen derbildenden Künstedurch Vereinigung der Künstler aus verschiedenen Nationen inRom, besonders Carstens aus Schleswig (1792–1798 †), Thorwaldsen aus Kopenhagen (1797, † 1844), der Italiener Canova († 1822), die deutschen Maler Overbeck († 1869), Cornelius († 1867) und Schnorr von Carolsfeld († 1841).

Nachblüte der Malerei inFrankreichwährend des ersten Kaiserreichs: David († 1825), Horace Vernet, Delaroche, Prudhon, Gérard, Isabey, Mme. Lebrun; in Belgien Wappers, L. Gallait, Alma Tadema (lebt in England).

Französische Maler nach dem ersten Kaisertum: Delacroix, Scheffer, Jugres; der Bildhauer Carpeaux. Maler der neuesten Zeit: Millet, Cabanel († 1889), Meissonier († 1891), Baudry († 1886). In derSchweiz: Calame († 1864).

Kunsttätigkeit inMünchenunter König Ludwig I. (reg. 1825–1848): Cornelius, Kaulbach, v. Schwind, Schwanthaler, v. Klenze. Neuere Münchener Malerschule: Piloty, Makart († in Wien 1884), Piglhein, Defregger, Lenbach († 1904).

InBerlinunter Friedrich Wilhelm III: Schinkel, Gottfr. Schadow, Rauch; unter Friedrich Wilhelm IV.: Cornelius, Kaulbach, Stüler; unter Wilhelm I. und Wilhelm II. Ad. Menzel, Reinhold Begas, Anton v. Werner.

InDresden: Gottfried Semper († 1879), Rietschel († 1861).

Malerakademie inDüsseldorf: W. Schadow, Bendemann, K. F. Lessing, Achenbach, Camphausen.

Die deutschenStilisten: Böcklin († 1901), Thoma, Klinger.

Musik: Vollendung der klassischendeutschen Musik(S. 292) durch Beethoven († in Wien 1827). Ausbildung derOperdurch K. M. v. Weber († 1826), Spohr, Cherubini, Spontini, Rossini, Meyerbeer, Auber, Berlioz, Gounod, Bizet, Richard Wagner († 1883), Verdi († 1901). F. MendelssohnsOratoriumPaulus 1836, Elias 1846; Franz Schubert († 1828), Robert Schumann († 1856), Joh. Brahms († 1897).

Dichterdes Befreiungskrieges: E. M. Arndt († 1860), Th. Körner († 1813), v. Schenkendorf. —Romantische Schule: A. W. Schlegel, L. Tieck, Heinr. v. Kleist, Ad. v. Chamisso. — Platen, Heine, Rückert, Uhland, Geibel, Scheffel, G. Freytag († 1895), Grillparzer, Hebbel, E. v. Wildenbruch († 1909).

FranzösischeLiteratur: Mme. de Staël († 1817), Chateaubriand, Courier, Lamartine, Béranger, Scribe, Victor Hugo, Delavigne, Musset, George Sand, A. Dumas, Augier.EnglischeLiteratur: Byron (s. S. 347), Keats, Shelley, Wordsworth, Walter Scott († 1832), Thomas Moore, Tennyson, Swinburne, Bulwer, Dickens, Thackeray, Meredith, Stevenson, Kipling.

NorwegischeDichter: Ibsen († 1906), Björnson († 1910).

RussischeDichter: Alex. Puschkin († 1837), Turgenjew († 1883), Graf Leo Tolstoi († 1910). (Der Maler Wereschtschagin.)

Geschichtschreibung: In Deutschland Quellensammlung derMonumenta Germaniae, 1819 vom Freiherrn v. Stein begründet; Niebuhr († 1831), Schlosser, Dahlmann, Ranke († 1886), v. Sybel, v. Treitschke († 1896), Mommsen († 1903). In Frankreich: Barante, Guizot, Mignet, Aug. Thierry, Thiers, Tocqueville, Taine. In England: Grote, Buckle, Carlyle, Macaulay.

AltertumsforschungundSprachwissenschaft: Franz Bopp, Wilh. v. Humboldt († 1835), Gottfr. Hermann, Aug. Böckh, E. Curtius, Th. Mommsen († 1903); H. Schliemann. —Deutsches Altertum: Jakob und Wilhelm Grimm, K. Müllenhoff.

Preußisches Archäologisches Institut inRom1829 begründet, 1871 vom Deutschen Reiche übernommen. Deutsches Archäologisches Institut inAthenseit 1874 (vgl. S. 30).

Philosophie: Fichte († 1814 in Berlin), Schelling, Hegel († 1831 in Berlin), Herbart, Schopenhauer, J. S. Mill, Lotze, Wundt.

ProtestantischeTheologie: Schleiermacher († 1834 in Berlin), Neander, David Strauß (1835 Leben Jesu), Tholuck († 1877 in Halle), Beyschlag († 1901 in Halle), Harnack.

Naturforschung: Laplace († 1827), Ampère, Arago, Cuvier († 1832); Berzelius, Nobel († 1896); Wöhler, J. v. Liebig, Bunsen, Pasteur, Curie (Radium); Alex. v. Humboldt († 1859 in Berlin). Darwin († 1882), Wallace, Virchow, Robert Koch († 1910); Volta, Faraday, Mayer, Helmholtz, Röntgen, Edison.

Astronomie: Gauß, Bessel, Herschel, Leverrier, Schiaparelli.

Erdkunde: Karl Ritter († 1859 in Berlin); die Entdeckungsreisenden Livingstone († 1863), Burton, Baker, Stanley († 1904), Barth, Rohlfs, Schweinfurth, Nachtigal († 1885), Emin Pascha (Schnitzer), Wißmann († 1905). Die Nordpolfahrer Roß († 1856), Parry, Franklin: Nordenskjöld (Umsegelung Asiens), Nansen, Peary; die Südpolfahrer Borchgrevink und Shackleton; der Erforscher Zentralasiens Sven Hedin.

Napoleon III., 1853 vermählt mit der spanischen GräfinEugenie von Montijound Teba (1856 Geburt des Thronfolgers Louis, † 1879), beschließt, den PlänenRußlandsin der Türkei entgegenzutreten (s. S. 296). KaiserNikolaus I., stolz auf seine Erfolge in Ungarn (S. 357f.) und gegenüber Preußen (S. 360), sendet den FürstenMenschikownach Konstantinopel und fordert die Schutzherrschaft über alle griechischen Christen im türkischen Reiche; dagegen einigen sichFrankreichundEnglandzur Unterstützung des Sultans.

1853.Juni

Eine französisch-englische Beobachtungsflotte wird am Eingang der Dardanellen, später im Bosporus aufgestellt.

Juli.

80000 Russen gehen über den Pruth und besetzen die Donaufürstentümer.

Sept.

Zusammenkunft des Kaisers Nikolaus mit dem Kaiser vonÖsterreichin Olmütz, dann mit dem König vonPreußenin Berlin, doch erreicht er nicht das gewünschte Bündnis, sondern nur Versicherung der Neutralität unter bestimmten Voraussetzungen.

Okt.

Die Pforte erklärt den Krieg an Rußland.Omer Paschageht bei Widdin über die Donau und behauptet sich gegen die Russen beiOltenitza(4. Nov.). Die russische Flotte überfällt und vernichtet ein türkisches Geschwader beiSinōpe(30. Nov.). Auf die Weigerung des Kaisers, die Donaufürstentümer zu räumen, folgt, nachdem in England ein Whigministerium (Palmerston) ans Ruder gekommen ist, ein Bündnis der Westmächte (Frankreich und England) mit der Türkei (1854, März).

1854–1856.

Krieg der Westmächte gegen Rußland (Krimkrieg).

Der russische FeldherrPaskjewitschüberschreitet die Donau, belagert aber vergeblichSilistria. Frankreich und England schicken Truppen nach der Türkei, welche beiGallipoliundVarnalanden.Österreich, mit Preußen verbündet, verlangt, daß die Russen die Donaufürstentümer räumen; Kaiser Nikolaus befiehlt die Räumung aus »strategischen Gründen« (1854, Juli). Eine zweite französisch-englische Flotte erscheint in der Ostsee, vermag jedoch nichts gegen die FestungKronstadtauszurichten und nimmt nur die kleine FestungBomarsund, auf einer der Alands-Inseln.

1854.14. Sept.

Landung der Franzosen und Engländer (zusammen 55000 Mann unter Marschall St. Arnaud und Lord Raglan) an der Küste derHalbinsel Krim; auch 6000 Türken nehmen an dem Feldzuge teil.

20. Sept.

Schlacht an der Alma, Sieg über die Russen.

1854–1855.Okt. Sept.

Belagerung von Sebastopol, welches die Russen unterMenschikowmit neuen Befestigungen (unterTotlebensLeitung) umgeben, während der Hafen durch Versenkung von Kriegsschiffen gesperrt wird. NachdemMenschikowVerstärkung erhalten hat, greift er die Verbündeten von neuem an, wird aber nach blutigem Kampfe in der

1854.5. Nov.

Schlacht bei Inkermanzurückgeschlagen. Langsamer Fortgang der Belagerungsarbeiten während des Winters.Österreichtritt trotz der früheren Dienste Rußlands in Ungarn und gegen Preußen (Dez. 1854) dem Bunde der Westmächte bei und stellt ansehnliche Streitkräfte an der russischen Grenze auf, ohne jedoch wirklich den Krieg zu beginnen. SeitdemSpannung zwischen RußlandundÖsterreich. Preußen verharrt (trotz Olmütz) in seiner neutralen Stellung, gewinnt damit ein Anrecht auf Rußlands Dank. KönigViktor Emanuel II. von Sardinienschließt ein Bündnis mit den Westmächten und schickt 15000 Mann unterLamarmoranach der Krim. Die Belagerungsarmee wird bis zu 174000 Mann verstärkt (28000 Türken).

1855, 2. März.

TodNikolaus’ I., Kaisers von Rußland. Sein Sohn

1855–1881.

Alexander II.läßt die Verteidigung Sebastopols durch FürstGortschakowweiterführen. GroßeVerluste der Belagerer durch Krankheit, Entbehrungen und tägliche Kämpfe. Endlich nach dreitägiger starker Beschießung

1855.8. Sept.

Erstürmung des Malakowturmsdurch die Franzosen (unterPélissier), desRedandurch die Engländer, die aber von den Russen wieder hinausgeschlagen werden.

11. Sept.

Die Russen ziehen sich mittels einer Schiffbrücke in den nördlichen Teil der Festung zurück. Besetzung der StadtSebastopoldurch die Verbündeten.

In Asien Einnahme der FestungKarsdurch die

28. Nov.

Russen.

1856.30. März.

Friede zu Paris: 1.Rußlandtritt dieDonaumündungenmit einem kleinen, am linken Ufer der untern Donau gelegenen Teil vonBessarabienab. 2. Es entsagt der besonderen Schutzherrschaft über die Christen in der Türkei (deren Gleichstellung mit der mohammedanischen Bevölkerung von der Pforte zugesichert wird) und über die Donaufürstentümer (deren Verhältnis später geregelt werden soll). 3. Es gibtKarszurück und verspricht, am Schwarzen Meere keine Waffenplätze anzulegen und dort nicht mehr Schiffe als die Pforte zu halten. 4. Die Westmächte gebenSebastopolnach Zerstörung der Hafenbauten und Befestigungen an Rußland zurück. — Die Moldau und Walachei werden 1859 vereinigt als FürstentumRumänienunter Oberhoheit des türkischen Sultans. Seit 1866 FürstKarl von Hohenzollern(1881 König).

Daszweite französische Kaiserreichgelangt durch diesen Krieg zu hohem Ansehen in Europa. Zugleich Sorge Napoleons für die innere Verwaltung. Glänzende Bauten inParis, 1855 Weltausstellung daselbst (nach dem Vorbilde der Weltausstellung in London 1851).

1856–1857.

Zerwürfnis zwischen dem Könige vonPreußenund derSchweizinfolge einer Erhebung der königlich gesinnten Partei inNeuchâtel(Neuenburg) gegen die daselbst 1848 eingerichtete republikanische Verfassung (S. 274, 354). Unter französischer Vermittelung wird durchFreilassung der Gefangenenseitens der Schweiz undVerzichtleistung auf Neuchâteldurch den König von Preußen der Streit beigelegt.

1857.Okt.

Wegen schwerer Erkrankung KönigFriedrich Wilhelms IV.übernimmt sein BruderWilhelm, Prinz von Preußen, die Stellvertretung, ein Jahr darauf dieRegentschaft.

Dänemarkverzichtet auf Verlangen der am Ostseehandel beteiligten Staaten auf die fernereErhebung desSundzolls(S. 250) gegen eine Entschädigung von 30 Mill. dän. Talern.

1857–1858.

Aufstand in Ostindien, erst nach furchtbarem Blutvergießen von den Engländern unterdrückt. Die einheimischen Truppen (Sepoys), geführt von dem GroßmogulMohammed Bahadur Schah, verteidigen sich hartnäckig in der alten ResidenzstadtDelhi, belagern die Engländer inLucknow. Delhi wird erstürmt, Lucknow entsetzt. Nach Herstellung der Ruhe wird die Ostindische Kompagnie (S. 300) aufgelöst und die Verwaltung der englischen Krone übertragen; seitdem steht ein Vizekönig an der Spitze des Landes. 1876 nimmt die KöniginViktoriaden Titel »Kaiserin von Indien« an.

1857–1860.

Englisch-französischer Krieg gegen China.

Veranlassung: Verletzungen des englisch-chinesischen Handelsvertrages von 1842 seitens der Chinesen führen im Oktober 1856 zu Feindseligkeiten zwischen den Engländern und den chinesischen Behörden vonKanton. Die französische Regierung, welche ebenfalls eine Änderung ihrer Handelsverträge mit China wünscht, schließt sich den englischen Forderungen an.

1857.

Dez.Kantondurch die Verbündeten besetzt.

1858. Juni.

Vertrag vonTientsin, welcher dem europäischen Handel und den Missionen Zutritt in das Innere von China gewährt und stehende Gesandtschaften in der HauptstadtPekinggestattet.

Da die Ratifikation dieses Vertrages von den Chinesen unter nichtigen Vorwänden hinausgeschoben wird, während die Forts vonTakuam Peiho befestigt werden, landen französische und bald auch englische Truppen und dringen (Sept. 1860) gegenPekingvor. Schlacht beiPalikao; der kaiserliche Sommerpalast vor Peking geplündert und verbrannt. Darauf Friede vonPekinggeschlossen; der Vertrag von Tientsin wird erneuert, China zahlt an England 60 Mill. Franks, an Frankreich 30 Mill. als Entschädigung für die Kriegskosten. Für die auswärtigen Angelegenheiten wird eine besondere Behörde (Tsunglijamen) eingesetzt und dieser auch das von den Europäern geleitete Seezollamt unterstellt.

Japanöffnet sich dem Verkehr mit anderen Staaten williger als China. Handelsverträge mit den Vereinigten Staaten und mit England 1854, mit Rußland 1855, mitPreußen1861 (ostasiatische Expedition unter Führung des GrafenEulenburg1859–62, der auch mit China und Siam Handelsverträge schließt). Seit Anfang 1867 MikadoMutsuhito(geb. 1852). Widerstand der Großen (Daimios) gegen die Zulassung der Fremden (S. 220, 251), 1868 unterdrückt. Schon 1867 Abdankungdes Shoguns (S. 251) und Wiederherstellung der Macht des Kaisers (S. 220); Berufung einer Volksvertretung 1869. Der Mikado verlegt seine Residenz von Kioto nach Tokio. Beginn der neuen Ära für Japan. Regelmäßige Parlamente seit 1890. Viele Einrichtungen europäischer Kultur eingeführt; erste Eisenbahn 1872. Das Heerwesen zuerst nach französischem, dann nach preußischem Muster eingerichtet.

Frankreichnimmt 1862 das Mündungsgebiet desMekonginHinterindienin Besitz (Cochinchina). Napoleon III., bemüht, die Kolonialmacht seines Reiches zu entwickeln, ordnet 1865 persönlich die Verhältnisse der KolonieAlgier(S. 348, 354); General Mac-Mahon 1864–1870 Gouverneur daselbst.

Rußlanderwirbt 1860 von China dasAmurgebiet, unterwirft 1859 dieKaukasusvölker, nimmt 1865–68Turkestan(Städte Taschkent und Samarkand) in Besitz, verkauftAlaska1867 für 7 Mill. Dollar an die Vereinigten Staaten von Amerika. Im InnernAufhebung der Leibeigenschaft1861 durch weise Maßregeln Kaiser Alexanders II. begonnen.

Polenverliert nach Niederwerfung des Aufstandes von 1863 (S. 372) seine letzten Freiheiten. Seitdem russische Sprache und Gesetze eingeführt (S. 350).

Napoleon III.unterstützt das KönigreichSardinienzu erneutem Angriff auf die HerrschaftÖsterreichsin Oberitalien (s. S. 356). (OrsinisAttentat und »Testament«.) GrafCavour, Minister des Königs Viktor Emanuel II., verfolgt zugleich den Plan, den trostlosen Zuständen in den andern italienischen Staaten ein Ende zu machen und Italien politisch zu einigen.

1859.

Krieg Frankreichs und Sardiniens gegen Österreich.Napoleon III. übernimmt selbst den Oberbefehl über die französischen Truppen, zieht nach dem Siege beiMagenta(4. Juni, Gen.Mac-Mahon) zusammen mit Viktor Emanuel in Mailand ein.

24. Juni.

Schlacht bei Solferino(südlich vom Gardasee), 111000 Franzosen und 50000 Sardinier gegen 140000 Österreicher unter Kaiser Franz Joseph. Die feste Stellung der Österreicher wird erstürmt; sie ziehen sich in dasFestungsviereck(Mantua, Peschiera, Verona, Legnago) zurück. Der Prinzregent von Preußen zur Hilfeleistung bereit, verlangt aber für sich den Oberbefehl über diegesamte deutsche Streitmachtund völlige Selbständigkeit. Österreich dagegen fordert von ihm Unterordnung unter die Befehle des Bundestages. Zusammenkunft der beiden Kaiser in Villafranca, dann Waffenstillstand vonVillafranca(Juli) und (10. Nov.)Friede zu Zürich: 1. Österreich tritt dieLombardei(mit Ausnahme vonMantuaundPeschiera) anNapoleon II.ab, der sie anSardiniengibt. 2. Italien soll einenStaatenbundbilden unter dem Ehrenvorsitz des Papstes. 3. Die während des Krieges vertriebenen Herrscher vonToskanaundModĕnasollen wieder eingesetzt, die aufständischenLegationen(Bologna usw.) dem Papst zurückgegeben werden, aber »ohne fremde Intervention«.

Trotz dieser Bestimmungen des Züricher Friedens werden durch Volksabstimmung

1860.

Toskana,Parma(wo der Herzog gleichfalls hatte fliehen müssen),Modĕnaund die päpstlichenLegationenmit der Monarchie Viktor Emanuels vereinigt, wogegen dieserSavoyenundNizzaan Frankreich abtreten muß.

LandungGaribaldisinSicilien(11. Mai) mit 1000 Freiwilligen, deren Zahl sich schnell vermehrt. Palermo und Messina ohne großen Widerstand eingenommen. Er setzt nach dem Festlande über (20. Aug.); König Franz II. verläßt seine HauptstadtNeapelund zieht sich mit 40000 Mann hinter denVolturnozurück. Unterdes warensardinischeTruppen in Umbrien und die Marken eingerückt. Der in päpstliche Dienste getretene französische GeneralLamoricièrewird in dem

18. Sept.

Treffen bei CastelfidardovonCialdinigeschlagen.

Der Kirchenstaat mit Ausnahme des Gebietes um Rom (Patrimonium Petri) wird von Viktor Emanuel besetzt, der alsdann in das neapolitanische Gebiet einrückt und sich mit Garibaldi vereinigt. KönigFranz II.zieht sich mit seinen Truppen nachGaëtazurück. Belagerung dieser Festung; sie ergibt sich Febr. 1861.

1861.17. März.

Viktor Emanuel II. König von Italien.Mit Ausnahme vonVenetienund dem Gebiet umRom(Patrimonium Petri) ist die ganze Halbinsel untereinemScepter vereinigt. Die meisten der vertriebenen Fürsten wenden sich nach Österreich. TodCavours6. Juni 1861.

1862.

Neuer FreischarenzugGaribaldis, um gegen den Willen der Regierung Rom zu befreien. Er wird amAspromonte, der Südspitze Italiens, verwundet und gefangen, zieht sich dann nach der InselCaprera(bei Sardinien) zurück.

1864.15. Sept.

Vertrag zwischenFrankreichundItalien: die Dauer der französischen Besetzung Roms (s. S. 363) auf noch 2 Jahre festgesetzt, zur Hauptstadt Italiens wirdFlorenzbestimmt; die italienische Regierung übernimmt den Schutz des Patrimonium Petri gegen jeden fremden Einfall.

1861–1867.

Krieg in Mexiko.Der 1861 in den Vereinigten Staaten von Amerika ausgebrochene Bürgerkrieg (s. u. § 18) veranlaßtNapoleon III.zu einem weitausschauenden Unternehmen. Frankreich verbündet sich mitEnglandundSpanien, um die RepublikMexiko(PräsidentJuarez) zur Erfüllung vertragsmäßiger Verpflichtungen gegen Kaufleute dieser Länder zu zwingen. Nach Besetzung der HafenstadtVeracruzkommt ein Vertrag zustande; die französischen Truppen aber dringen weiter vor. England und Spanien nehmen an dem nun beginnenden Kriege nicht teil.

1863.

Die Franzosen erobernPuebla, dann auch die HauptstadtMexiko; eine dorthin berufene Nationalversammlung wählt den ErzherzogMaximilian, Bruder des Kaisers von Österreich (S. 282), zumKaiser von Mexiko. Dieser erscheint 1864, kämpft gegen die republikanischen Truppen, unterstützt von den Franzosen unterBazaine, kann aber des Landes nicht Herr werden. DieVereinigten Staaten, wo mittlerweile der Krieg zu Ungunsten der Südstaaten entschieden ist, schreiten zu Gunsten der Republik ein, nach dem vonMonroe(S. 346) ausgesprochenen Grundsatz.

1867.

Abzug der Franzosen aus Mexiko. Kaiser Maximilian setzt allein den Kampf fort, wird nach tapferer Gegenwehr inQueretaroeingeschlossen, durch Verrat gefangen, auf Juarez’ Befehl vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen.Juarez, 1871 als Präsident wiedergewählt, hat mit Parteikämpfen zu ringen, † 1872. Geordnete Zustände stellt der Präsident PorfirioDiaz(1877–1911) her (s. u. § 18).

Napoleons III. Ansehen in Frankreich durch das Fehlschlagen der Expedition nach Mexiko schwer erschüttert; er versucht es durchEinmischung in die deutschen Verhältnissewiederherzustellen.

1861.26. Febr.

InÖsterreichwird eine neueGesamtstaatsverfassungverkündigt (engerer Reichsrat für die deutsch-slavischen Länder, weiterer Reichsrat durch Hinzutritt der ungarischen Abgeordneten für die gemeinsamen Angelegenheiten). Widerstand gegen diese Verfassung besonders von seiten derUngarn, welche die Wiederherstellung ihrer besonderen Verfassung mit eigenem Ministerium und die politische Wiedervereinigung der seit 1849 abgetrennten Länder Siebenbürgen, Kroatien, Slawonien und der Militärgrenze mit dem Königreich Ungarn verlangen (S. 357 f.)

2. Jan.

InPreußennach dem Tode Friedrich Wilhelms IV. KönigWilhelm I.;[58]Krönung inKönigsberg18. Okt. Bald darauf bricht infolge der von der Regierung auf Veranlassung des Königs durchgeführtenVerstärkung des Heeres(Kriegsministerv. Roon) einVerfassungsstreitaus.

1862.

Auflösung des Abgeordnetenhauses. Die oppositionelle Mehrheit kehrt infolge der Neuwahlen verstärkt zurück.

23. Sept.

Ministerpräsidentv. Bismarck.[59]Die Verstärkung des Heeres wird aufrecht erhalten; dasStaatshaushaltsgesetzkommt in diesem und den nächsten Jahren nicht zustande.

Der Kurfürst vonHessen(S. 360 [III.D§4]) wird genötigt, die vom deutschen Bundestage nunmehr gebilligte Verfassung von 1831 anzuerkennen.

1863.

Aufstand in Polen.Intervention der drei Mächte England, Frankreich, Österreich zu Gunsten der Polen ohne Erfolg. Preußen schließt einen Vertrag mit Rußland und sperrt seine Grenzen für die Aufständischen aufs strengste ab. Damit erwirbt es sich ein weiteres Anrecht auf Rußlands Dank (S. 366 [III.D§6]).

Aug.

Fürstentag zu Frankfurt am Mainunter Vorsitz des KaisersFranz Joseph,zur Beratung einerReform des Deutschen Bundes(Direktorium von 5 Fürsten und Bundesrat unter Österreichs Vorsitz, Parlament aus Abgesandten der Landtage der Einzelstaaten). Die Beratungen bleiben erfolglos, daPreußendie Beteiligung ablehnt.

Durch die wiederholte Verletzung des Londoner Protokolls, besonders aber durch das dänische Patent vom 30. März 1863 und die in Kopenhagen von den »Eiderdänen« durchgesetzte gemeinsameVerfassungfür Dänemark und Schleswig, welcheSchleswigmitDänemarkvereinigt, also von Holstein trennt und die Rechte der holsteinischen Stände (S. 362 [III.D§4]) auf ein geringes Maß herabdrückt, wird die seit 1852 gegenüber den Übergriffen der Dänen oft bewährte Geduld des deutschenBundestageserschöpft; er beschließt (1. Okt. 1863)Bundesexekutiongegen Dänemark.

1863.15. Nov.

Tod Friedrichs VII.; nach dem Londoner Protokoll (S. 362) folgtChristian IX.(† 1906). Dieser bestätigt die Gesamtstaatsverfassung. Große Aufregung in Deutschland; man fordert vollständigeTrennungSchleswig-Holsteins von Dänemark und sofortige Besetzung des ganzen Landes durch deutsche Bundestruppen. Aber auf AntragÖsterreichsundPreußens, welche sich durch das Londoner Protokoll gebunden erklären, bringt der Bundestag nur seinen früheren Beschluß zur Ausführung und läßt 12000HannoveranerundSachsenin die zum Bunde gehörigen HerzogtümerHolsteinundLauenburgeinrücken. In Holstein wirdFriedrich VIII.von Augustenburg (S. 362) als Herzog ausgerufen.

1864.

Krieg gegen Dänemark.

ÖsterreichundPreußenverlangen (Jan. 1864) die Aufhebung der neuen dänischen Verfassung, weil sie den 1852 übernommenen Verpflichtungen widerspreche. Da Dänemark sich weigert, rücken 37000 Preußen und 23000 Österreicher unter dem Oberbefehl des preuß. Feldmarschallsv. Wrangelin Schleswig ein. Holstein bleibt von den Bundestruppen besetzt. Die Österreicher rücken auf dasDanewerklos; die Preußen gehen nach einem vergeblichen Versuch beiMissundebeiArnisüber dieSchlei. Darauf Rückzug der dänischen Truppen (35000 Mann) aus dem Danewerk; der größte Teil zieht nachDüppel. Generalv. Moltke[60]trifft beim Oberkommando der Verbündeten ein. Die Österreicher unterGablenzdringen nach siegreichem Kampfe beiÖversee(6. Febr.) vereint mit einem Teil der Preußen inJütlandein; die preußischen Hauptkräfte übernehmen die Belagerung der Düppeler Schanzen.


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