18. Apr.
Die Preußen erstürmen die Düppeler Schanzen(118 Geschütze erobert). Die Dänen ziehen sich nach Alsen, Fünen und Nordjütland zurück, räumen auch die Festung Fridericia.
12. Mai bis 25. Juni.
Waffenruhe, Verhandlungen zuLondon. Da man sich weder über einePersonal-Unionder Herzogtümer mit der Krone Dänemark, noch über eineTeilung Schleswigsnach den Nationalitäten einigen kann (Dänemark hofft vergeblich auf Hilfe von England und Rußland), so sagt Preußen sich von dem durch Dänemark so oft gebrochenen Londoner Protokoll los, und der Krieg beginntvon neuem. — DiePreußenunter GeneralHerwarth von Bittenfeldbewerkstelligen bei Nacht auf Kähnen den
1864. 29. Juni.
Übergang nach der Insel Alsen, schlagen die Dänen auf allen Punkten und treiben sie nach Fünen hinüber. Auch Nordjütland wird von den Verbündeten besetzt.
Zur See hatten am 17. März drei preußische Schiffe beiJasmund(an der Ostseite von Rügen), am 9. Mai zwei österreichische und drei preußische Schiffe beiHelgolandgegen die Dänen gekämpft; vom 13. bis 17. Juli gelang mit Hilfe der Kanonenboote die Besetzung der InselnSyltundFöhr.
20. Juli.
Waffenstillstand, Verhandlungen in Wien.
22. Aug.
Genfer Konventionzum Schutz der Verwundeten und Kranken im Kriege, von den meisten europäischen Staaten unterzeichnet (das Rote Kreuz).
30. Okt.
Friede zu Wien: König Christian IX. von Dänemark tritt die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg anÖsterreichundPreußen ab.
Die Bundestruppen verlassen Holstein; Österreich und Preußen setzen für die Herzogtümer einegemeinschaftliche Regierungein. Mißstimmung darüber in den Herzogtümern und vielfach in Deutschland; man wünscht einselbständiges Schleswig-Holstein. Österreich begünstigt die Einsetzung des Prinzen Friedrich von Augustenburg; der preußische Ministerv. Bismarckverlangt (Febr. 1865) für den Fall, daß zu den in Deutschland vorhandenen Kleinstaaten ein neuer hinzutreten soll: 1. Daß dessen gesamte Streitkräfte ein Teil der preußischen Armee und Flotte werden, 2. Seine Eisenbahnen, sein Post- und Telegraphenwesen unter preußische Leitung kommen, 3. Eintritt der Herzogtümer in den Zollverein und Abtretung einiger militärisch wichtiger Orte, namentlich Friedrichsort an der Kieler Förde und Sonderburg.
Um Streitigkeiten zwischen den Regierungskommissaren der beiden Großmächte fernerhin zu vermeiden, schließen Österreich und Preußen den
1865.14. Aug.
Vertrag zu Gastein: 1. Beide Mächte behalten die gemeinschaftliche Oberhoheit überbeideHerzogtümer;Österreichübernimmtvorläufigdie Verwaltung in Holstein,Preußenin Schleswig.Rendsburgsoll Bundesfestung,KielBundeshafen werden; die Benutzung dieses Hafens bleibt gemeinschaftlich, doch erhältPreußendort den Oberbefehl; auch werden ihm zwei Militärstraßen, Telegraphen- und Postlinien durch Holstein zugesichert. 3. Österreich tritt das HerzogtumLauenburg(S. 341) an Preußen ab gegen Zahlung von 2½ Millionen dänischer Taler.Bald zeigt sich, daß diese Einigung keinen Bestand haben kann. Österreich, entschlossen, eine wesentliche Machtvergrößerung Preußens nicht zuzugeben, verständigt sich mit dendeutschen Mittelstaaten; Preußen, welches eine kriegerische Entscheidung der deutschen Frage als unvermeidlich ansieht, tritt mitItalienin Unterhandlung. Es beginnt einKrieg,der durch das energische Vorgehen der preußischen Heeresmacht schnell zu Ende geführt wird.
VerbündetePreußens: Diekleineren norddeutschenStaaten undItalien(s. S. 379).
VerbündeteÖsterreichs:Bayern, Württemberg, Sachsen, Hannover, Baden, beide Hessen.
Ursache: Das Verlangen der deutschen Nation nach größerer Einheit. Eine Neugestaltung Deutschlands mit starker Bundesgewalt gegenüber den Einzelstaaten war unmöglich, solange sich im Deutschen BundezweiGroßmächte gegenüberstanden, von welchen die eine größtenteilsnicht deutscheBevölkerung undnicht deutscheInteressen hatte.
Veranlassung: Der Streit über die Zukunft der Herzogtümer Schleswig und Holstein.
1866.9. April.
Preußen stellt bei demBundestagein Frankfurt den Antrag aufReform der Verfassung des Deutschen Bundesunter Mitwirkung eines aus allgemeinem Wahlrecht hervorgehendenParlaments.
Die vonFrankreich, EnglandundRußland(24. Mai) angebotene Vermittelung wird vereitelt durch die Forderung Österreichs, daß auf der etwaigenFriedenskonferenzvon keinerGebietsveränderungdie Rede sein solle.
Österreich stellt (1. Juni) die Entscheidung der schleswig-holsteinischen Erbfolgefrage demDeutschen Bundeanheim und läßt durch den Gouverneurv. Gablenzdie holsteinische Ständeversammlung einberufen. Preußen erklärt dies für einen Bruch des Gasteiner Vertrages; Gen.v. Manteuffel,Gouverneur von Schleswig, rückt mit Truppen in Holstein ein. Gablenz mit den österreichischen Truppen zieht sich unter Protest zurück.
10. Juni.
Preußen legt den deutschen Regierungen den Entwurf einer neuenbundesstaatlichenVerfassung unter preußischer Leitung mit Ausschluß Österreichs vor. Der Bundestag zu Frankfurt beschließt auf Österreichs Antrag
14. Juni.
Mobilmachungder gesamtenBundesarmeemit Ausnahme der drei preußischen Bundesarmeekorps. Austritt Preußens undAuflösungdesDeutschenBundes.
1866.15. Juni.
AufforderungPreußensanSachsen, HannoverundKurhessen, von dem Bundesbeschluß zurückzutreten, ihre Truppen auf Friedensfuß zu setzen und sich dem vorgeschlagenen neuen Bunde unter preußischer Leitung anzuschließen. Diese Aufforderung wird abgelehnt.
Preußen:Erste Armee(Prinz Friedrich Karl) i. d.Lausitz,93000 M.Elbarmee(GeneralHerwarth v. Bittenfeld) i. d. ProvinzSachsen, 46000 M.Erstes Reserve-Korps(Generalv. d. Mülbe) beiBerlin, 24000 M.Zweite Armee(Kronprinz Friedrich Wilhelm) inSchlesien, 115000 M.
Österreich:Nordarmee(Feldzeugmeister v. Benedek) inBöhmenundMähren, 240000 M.
Sächsische Armee (Kronprinz Albert)24000 M.
16. Juni.
Einmarsch der preußischen Elbarmee in Sachsen. König Johann begleitet seine Truppen nachBöhmen; nur die FestungKönigsteinbleibt von sächsischen Truppen besetzt.
19. Juni.
Die Elbarmee besetztDresden; bei ihrem weiteren Vormarsch bleibt die 1. Division desKorps v. d. Mülbeals Besatzung in Sachsen.
23. Juni.
Die preußische Elb- und die erste Armee überschreiten dieösterreichische Grenze ohne Gefecht,die zweite Armee folgt am 26. Juni; gemeinsames ZielGitschin.
Erstes Zusammentreffen an derIser: Siegreiche Gefechte der Preußen am 26. Juni beiPodol(Teile derersten Armee) und beiHühnerwasser(Teile derElbarmee); dann gewinnen beide Armeen Anschluß und sind beiMünchengrätz(28. Juni) undGitschin(29. Juni) siegreich.
Das zur preußischenzweiten Armeegehörige Korps v. Bonin wird am 27. Juni von den Österreichern beiTrautenaugeschlagen, aber die preußische Garde dringt siegreich vor beiSoor(28. Juni) und besetztKöniginhof(29. Juni). Vereinigung mit dem Korps des Generals von Steinmetz, welcher drei österreichische Korps beiNachod(27. Juni),Skalitz(28. Juni),Schweinschädel(29. Juni) zurückgeschlagen hat.
König Wilhelm I.trifft am 1. Juli in Gitschin ein und übernimmt denOberbefehlüberalle preußischen Heere; Chef des GeneralstabesGeneral v. Moltke.Es wird beschlossen, mit vereinten Kräften die Österreicher anzugreifen, welche hinter dem FlüßchenBistritzauf den Höhen vonChlum, im Rücken gedeckt durch die FestungKöniggrätz,ihre Aufstellung genommen hatten (206000 Mann mit über 500 Geschützen).
1866.3. Juli.
Schlacht bei Königgrätz.Harter Kampf der ersten preußischen Armee beiSadowaundBenatekgegen die Österreicher; große Verluste erleidet die Division des Generals v. Fransecky im Walde vonMasloved. Auf dem rechten Flügel kämpft dieElbarmeebeiNechanitzgegen Sachsen und Österreicher. Am Nachmittag kommt die zweite (schlesische) Armee unter demKronprinzennach anstrengendem Marsche von links her den Österreichern in die Flanke; das Gardekorps erstürmt die Höhe vonChlum. Rückzug der Österreicher nachKöniggrätz, die Preußen erbeuten 5 Fahnen, 161 Geschütze, machen 20000 Gefangene. Weiterer Rückzug nachOlmütz.
KaiserFranz Josephruft Frankreichs Vermittelung an und trittVenetienan Napoleon III. ab; der von Frankreich begehrte Waffenstillstand wird jedoch vonPreußenund vonItalienzurückgewiesen. Ein großer Teil der österreichischen Südarmee wird aus Italien zum Schutze der bedrohten HauptstadtWienherangezogen. Die Preußen besetzenPrag(8. Juli) undBrünn(12. Juli); die erste Armee rückt von Brünn aus rasch gegenWienvor, während die zweite nach dem Treffen beiTobitschau(15. Juli, General v. Bonin) durch Besetzung vonPreraudie Eisenbahnverbindung zwischen Olmütz und Wien abschneidet.
Benedek führt seine Truppen über dieKleinen Karpathen, um Wien auf dem Umwege durch das Waagtal zu erreichen. Das preußische Hauptquartier wird am 18. Juli nachNikolsburg(südlich der Taya) verlegt. Das Treffen beiBlumenau(unweitPreßburg) am 22. Juli (Generalv. Fransecky) entscheidet sich bereits zu Gunsten der Preußen, als es um 12 Uhr abgebrochen werden muß infolge der mittlerweile abgeschlossenenfünftägigen Waffenruhe. Darauf
26. Juli.
Waffenstillstand zu Nikolsburg, nachdem ohne Frankreichs Mitwirkung, aber mit Rücksicht auf seine Forderungen, dieFriedenspräliminarienunterzeichnet worden sind.
a) Preußen gegen Hannover und Kurhessen.
Preußische Westarmee: GeneralVogel v. Falckenstein; sie ist zunächst noch getrennt: Division Goeben beiMinden, Division Manteuffel inHolstein, Division Beyer beiWetzlar, zusammen 48000 M.
Hannoveraner21000 M.,Kurhessen8000 M.
1866.16.–18. Juni.
Die preußische Westarmee besetztHannoverundKurhessen.
Abmarsch derhannoverschenTruppen überGöttingennachHeiligenstadtzur Vereinigung mit den süddeutschenBundeskorps, die aber nicht erreicht wird. KönigGeorg V.begleitet sein Heer. DieKurhessengewinnen durch schleunigen Abmarsch Anschluß an die Süddeutschen, finden im Laufe des Feldzuges als Besatzung vonMainzVerwendung.Kurfürst Friedrich Wilhelmvon Hessen kommt als Gefangener nachStettin.
1866. 27. Juni.
Gefecht beiLangensalzazwischen 20500Hannoveranernund 8500PreußenundKoburg-Gothaern(Gen.v. Flies). Die Preußen müssen sich nach 7stündigem, hartem Kampfe zurückziehen; aber durch schnelles Herbeiziehen von Verstärkungen (Generalev. Manteuffelundv. Beyer) wird der Zweck erreicht, der hannoverschen Armee den Weg zu ihren süddeutschen Verbündeten zu verlegen.
29. Juni.
Kapitulation von Laugensalza. Das Heer wird aufgelöst und entwaffnet (mit Ausnahme der Offiziere); KönigGeorg V.begibt sich nach Österreich.
b) Preußen gegen die Süddeutschen.
Die preußische Mainarmee,bisher Westarmee (S. 377) 45000 M. Bei dem später eintreffenden Korps des GroßherzogsFriedrich Franzvon Mecklenburg-Schwerin die Truppen von Mecklenburg, Sachsen-Altenburg und Braunschweig.
Nach Langensalza erhält dieMainarmeeden Auftrag, über Fulda auf Schweinfurt zu marschieren, um die Vereinigung der beiden süddeutschen Korps zu verhindern und zunächst die Bayern zu schlagen.
Für Österreich: Das VII. Bundes-Armeekorps (Bayern-Versammlung bei Schweinfurt) 40000 M. und das VIII. Bundes-Armeekorps (Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Nassau und eine österreichische Brigade-Versammlung beiFrankfurt a. M.) 46000 M. Oberbefehl: PrinzKarl von Bayern.
DieMainarmeebesiegt dieBayernbeiDermbach(4. Juli) und an der Fränkischen Saale (Kissingen 10. Juli), dieHessenbeiLaufach(13. Juli) und dasVIII. Korps beiAschaffenburg(14. Juli). Dadurch werden die Verbündeten (dauernd getrennt) auf daslinke Mainufergedrängt; am 16. Juli besetzt Generalv. FalckensteinFrankfurt, von wo sich der Bundestag nachAugsburggeflüchtet hat.
Fortsetzung des Feldzuges unter dem Oberbefehl des Gen.v. Manteuffel. Gefechte beiTauberbischofsheimgegen die Württemberger und beiWerbachgegen die Badener (24. Juli), beiRoßbrunngegen die Bayern (26. Juli). Die Bayern behaupten noch die Citadelle vonWürzburg, aber das von Leipzig her vorrückende Reservekorps des Großherzogs von Mecklenburg (25000 M.) besetztNürnberg(31. Juli). Waffenstillstand am 2. August.
Italien zum Bündnis mit Preußen veranlaßt durch die günstige Gelegenheit,Venetienzu gewinnen.
Die österreichische Südarmee (138000 Mann) unter ErzherzogAlbrechtsammelt sich bei Verona. Von den Italienern (210000 Mann) rückt ein Korps von Bologna her gegen den Po vor, der größte Teil überschreitet unter Führung des KönigsViktor Emanuelden Mincio, wird aber am 24. Juni beiCustozzageschlagen. Neues Vorgehen der Italiener, nachdem ein großer Teil der österreichischen Truppen zum Schutze Wiens abberufen ist. Die italienische Flotte wird am 20. Juli bei der InselLissavon der österreichischen (AdmiralTegethof) geschlagen. Waffenstillstand am 25. Juli.
1866.23. Aug.
Friede zu PragzwischenPreußenundÖsterreich: 1. Der Kaiser von Österreich erkennt dieAuflösung des Deutschen Bundesan, gibt seine Zustimmung zu einerNeugestaltung Deutschlands ohne Österreich, erkennt im voraus die in Norddeutschland vonPreußenvorzunehmenden Gebietsveränderungen an, bedingt aber dem Königreich Sachsen unveränderten Bestand (als Glied des neuen Norddeutschen Bundes) aus. 2.Österreichüberträgt seine Rechte aufSchleswig-HolsteinanPreußen, nur soll der nördliche Teil Schleswigs mit Dänemark wieder vereinigt werden, wenn die Bevölkerung den Wunsch dazu durch freie Abstimmung zu erkennen gibt (aufgehoben 1878). 3.Österreichzahlt 20 Millionen Taler Kriegskosten. 4.Preußenbedingt die ÜbergabeVenetiensan Italien aus.
Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassauund die freie StadtFrankfurtwerden mit der preußischen Monarchie vereinigt. Die süddeutschen Staaten und Sachsen müssen einzeln Frieden schließen und Kriegskosten zahlen. — Von den beabsichtigten Gebietsabtretungen der Südstaaten wird in der Hauptsache Abstand genommen (nur Bayern und Hessen müssen Grenzstriche abtreten, jenesOrbundGersfeld, dieses die eben geerbte LandgrafschaftHessen-Homburg), weil Napoleon III. Deutschland gegenüber das Verlangen nach einer»Grenzberichtigung«zeigt (s. S. 377).
ZwischenPreußenund denSüdstaatenwerden Schutz- und Trutzbündnisse geschlossen: Gegenseitige Garantie des Gebiets, die süddeutschen Staaten stellen für den Fall eines Krieges ihre gesamten Streitkräfte unter den Oberbefehl des Königs von Preußen. Das Verlangen Napoleons III. (Abtretung der bayrischen Rheinpfalz und des linksrheinischen Hessen mitMainz) wird zurückgewiesen.
3. Okt.
Friede zu WienzwischenÖsterreichundItalien.Venetien wird mit dem Königreich Italien vereinigt.
1866.3. Sept.
Beilegung desVerfassungsstreitsin Preußen (S. 372) durch ein vom Landtage angenommenesIndemnitätsgesetzwegen der seit 1862 ohne Staatshaushaltsgesetz geführten Verwaltung.
DerNorddeutsche Bund, gebildet vonPreußen, den im Kriege mit ihm verbündet gewesenen Staaten, dem KönigreichSachsenund der nördlichen Hälfte des GroßherzogtumsHessen.ErsterReichstagdes Norddeutschen Bundes 1867 inBerlin; die Verfassung wird vereinbart. Bundesleitung bei der KronePreußen, welche den Bund völkerrechtlich vertritt, in seinem Namen Krieg erklärt, Frieden und Bündnisse schließt, Gesandte beglaubigt. Die Vertretung der Regierungen bildet derBundesrat, in dem Preußen 17, die übrigen 21 Bundesglieder zusammen 26 Stimmen haben. Reichstag ausallgemeinenunddirektenWahlen. Einheitliches Heer unter dem Oberbefehl des Königs von Preußen (allgemeine Wehrpflicht), einheitliche Zoll-, Post- und Telegraphenverwaltung. GrafBismarckBundeskanzler.
1868.
DeutschesZollparlament. Abgeordnete aus den süddeutschen Staaten erscheinen im norddeutschen Reichstag, um die durch Vertrag zwischen den Regierungen 1867 angebahnte Wiederherstellung desZollvereins(S. 361) durchzuführen.
Die preußische Flotte (S. 361) wird zurnorddeutschen Kriegsflotte; Kriegshäfen werden inKielundWilhelmshavenangelegt. Bestand der Flotte 1870: 3 Panzerfregatten, 2 Panzerfahrzeuge, 9 Korvetten, 2 Avisos, 22 Kanonenboote.
1867.
Streit über Luxemburg. Napoleon III. unterhandelt, um für Frankreich doch eine Vergrößerung zu gewinnen (S. 379), mit dem König der Niederlande überAbtretung des Großherzogtums Luxemburg an Frankreichgegen eine Geldentschädigung und verlangt, daß die früher zum Deutschen Bunde (S. 341), nicht aber zu dem neuen Norddeutschen Bunde gehörende Festung Luxemburg von derpreußischen Besatzunggeräumt werde.
Ausgleich durch Beschluß einer Konferenz der Großmächte zu London (Italienals sechste Großmacht anerkannt): 1. Die Neutralität des Großherzogtums wird von den Großmächtengemeinsamgewährleistet; 2. Die preußische Besatzung räumt die StadtLuxemburg, deren Festungswerke geschleift werden.
Ende des Kirchenstaates.ItalienischeFreischaren machen mit stillschweigender Gutheißung ihrer Regierung 1867 (Sept.) einen Angriff auf das päpstliche Gebiet. Napoleon III. erklärt den früheren Vertrag (S. 370) für gebrochen und schickt dem Papste Hilfe. Die Freischaren werden beiMentanageschlagen; ihrFührerGaribaldiwird nach kurzer Haft wiederum nachCapreraentlassen.Romerhält von neuem einefranzösische Besatzung(S. 363, 370).
1869.8. Dez.
Eröffnung desVatikanischen Konzilsin Rom, durch welches das Ansehen des Papsttums nach der Einschränkung seiner weltlichen Herrschaft gesichert und erhöht werden soll. Verkündung desUnfehlbarkeits-Dogmasam 18. Juli 1870. Am 20. Sept. 1870 wird Rom von den italienischen Truppen besetzt, da die französische Besatzung zurückgezogen ist (s. S. 385).Aufhebung des Kirchenstaates.Rom wird Hauptstadt des geeinigten Italiens.
Ursache: Die Meinung der Franzosen, daß ihrer Nation auf dem europäischen Festlande eine herrschende Machtstellung zukomme. Letztere hatte die Schwäche der Nachbarstaaten, vor allem Deutschlands zur Voraussetzung. Die Begründung des italienischen Einheitsstaates und die Entstehung eines mächtigen deutschen Bundesreiches erschien den Franzosen wie eine Schmälerung ihres Ruhmes.
Veranlassungen: 1. Die inneren Verlegenheiten der Regierung Napoleons III., welcher, für seinen Thron fürchtend, dem gesetzgebenden Körper (S. 355) erweiterte Rechte zögernd zugesteht; 2. Die Ablehnung der seit 1866 wiederholt verlangten Ausgleichungen für die Vergrößerung Preußens an Land und Macht (S. 379, 380). Der von Napoleon durch Benedetti 1867 schriftlich in Berlin eingereichte Vertragsentwurf, nach welchem Napoleon Luxemburg und Belgien besetzen und dafür Preußen die Aufnahme der süddeutschen Staaten in den Norddeutschen Bund gestatten wollte, war von Bismarck »dilatorisch« behandelt worden.
Vorwand: Die Übertragung der spanischen Krone an den Prinzenvon Hohenzollern(s. u. § 16), die in Paris als einepreußische, Frankreich gefährdende Intrige dargestellt wird.
Das durch den französischen BotschafterBenedettiin Ems (9. Juli) an König Wilhelm I. gestellte Verlangen, »dem Prinzen von Hohenzollern die Annahme der spanischen Krone zu verbieten«, wird zurückgewiesen. Nach dem freiwilligen Rücktritt des Prinzen verlangt die französische Regierung eine Erklärung des Königs, »daß er die Bewerbung des Prinzen um die spanische Krone in Zukunft niemals wieder zulassen werde«. König Wilhelm weist den französischen Botschafter ab (13. Juli); Graf Bismarck läßt die Nachricht davon gebende »Emser Depesche« in verkürzter Form alsbald durch die Zeitungen verbreiten. Darauf Kriegserklärung Frankreichs (19. Juli). Diesüddeutschen Staatenschließen sich unverzüglich auf Grund derbestehenden Bündnisse (S. 379) der Kriegsrüstung des Norddeutschen Bundes an.
Deutsche Streitkräfte, Oberbefehl König Wilhelm I.
Chef des Generalstabes: Generalv. Moltke.
Am 31. Juli stehen bereit:
I.Armee (Generalv. Steinmetz)südlichvonTrier, 60000 M.II.Armee (PrinzFriedrich Karl)südlichvonMainz, 194000 M. einschl. Reserve.III.Armee (hierbei zwei Bayr. Korps, sowie Württemb. und Badische Div.;Kronprinz von Preußen)zwischen LandauundSpeier, 130000 M.
Drei Armeekorps (100000 M.) werden Anfang August zur Verstärkung herangezogen.
ZurKüstenverteidigung: General-GouverneurVogel v. Falckenstein, 17. Division und Landwehr.
Zusammen (einschl. aller Besatzungs- und Ersatztruppen) nahezu eine Million Mann.
Feldzugsplan: Eroberung von Paris, auf dem Wege dahin Abdrängen des Feindes von dem reichen Süden in das engere Hinterland des nördlichen Frankreichs.Angreifenunter Zusammenhalten der Kräfte, wo sich der Feind stellt.
Französische Streitkräfte: 300000 M., vorläufig als Rheinarmee unter Oberbefehl des MarschallsBazaine. Davon stehen:
MarschallMac-MahonbeiStraßburgmit 100000 M.,
MarschallBazainebeiMetzmit 150000 M.,
Reserven beiNancyundim Lager von Châlons-sur-Marne,
zusammen 50000 M. Außerdem können noch 115 Bataillone ins Feld rücken, sobald dieNationalgardesie im Innern des Landes ersetzt.
Auch der französische Feldzugsplan geht aufüberraschenden Angriffaus, wird aber zu langsam ausgeführt.
Einefranzösische Flotteerscheint in derOstsee, bald darauf eine zweite in derNordsee; es kommt aber zu keiner Landung. Dienorddeutsche Flottebewacht die Flußmündungen; 17. Aug. Gefecht derGrille, von 3 Kanonenbooten unterstützt, beiRügengegen 8 französische Schiffe. Im Sept. ziehen beide französische Flotten sich zurück. 9. Nov. Kampf des KanonenbootsMeteorbeiHavannagegen ein größeres französisches Schiff, das zum Rückzug in den Hafen genötigt wird. Im Januar 1871 nimmt die KorvetteAugustain derGirondefranzösische Transportschiffe weg, muß dann aber in einem spanischen Hafen Schutz suchen.
Bismarckerreicht (29. Juli) durch eine aktenmäßige Enthüllungder Anerbietungen Napoleons auf Kosten Süddeutschlands,Luxemburgs und Belgiens, daß England, Dänemark,Österreich und Italien neutral bleiben. Rußland tritt diplomatisch für Preußen in Wien ein.
1870.2. Aug.
Die Franzosen, vonMetzher vorrückend, besetzen durch ein Armeekorps in Gegenwart des Kaisers Napoleon die nur von 1500 Mann preußischer Truppen verteidigte StadtSaarbrücken
4. Aug.
Treffen beiWeißenburg. Die Vorhut derIII. Armee(Preußen und Bayern) erstürmt Weißenburg und den stark befestigtenGeisberg.
Mac-Mahonvereinigt seine Truppen und erwartet den Feind in starker Stellung, erleidet aber in der
6. Aug.
Schlacht bei Wörthdurch das Heer des KronprinzenFriedrich Wilhelmeine vollständige Niederlage.Mac-Mahonzieht sich auf das befestigte Lager beiChâlonszurück.
Daselbst trifft bald auch KaiserNapoleon III.ein und überträgtMac-Mahonden Oberbefehl über die neugebildete Armee.
6. Aug.
Schlacht bei Spichern(Saarbrücken). Teile der I. und II. Armee (Gen. v. Kameke, v. Alvensleben, v. Goeben) erstürmen die stark verschanzten Spicherer Höhen.
Der Kronprinz mit derIII. Armeerückt, nach Absendung eines Korps unter General v. Werder zur Belagerung vonStraßburg, durch die unverteidigten Pässe desWasgen-WaldesnachNancy. DieI. Armeemarschiert aufMetz, dieII. ArmeeaufPont à Moussonmit der Absicht, das französische Heer in und bei Metz von Paris abzuschneiden.
Um dem zuvorzukommen, beschließtBazaineden Rückzug überVerdunnachChâlons-sur-Marne, zur Vereinigung mitMac-Mahonund neu herangezogenen Truppen.Napoleon III.eilt voraus nach Châlons.Bazainenimmt, als ihn unweit Metz die Vorhut der I. Armee angreift, den Kampf auf demrechtenMoselufer an. Durch die
14. Aug.
Schlacht bei Colombey-Nouillywird deutscherseits der Zweck erreicht, den Abzug des Gegners auf Verdun zu verzögern. Der Abmarsch wird gänzlich vereitelt durch die
16. Aug.
Schlacht bei Vionville — Mars la Tour, in welcher PrinzFriedrich Karlmit Teilen der II. Armee (die Brandenburger unter Gen. v. Alvensleben) die weit überlegenen feindlichen Streitkräfte bei Metz festhält. Verlust 16000 Mann, ebensoviel auf französischer Seite.
Nachdem die übrigen Truppen der I. und II. Armee herangekommen sind, werden die Franzosen in ihrenbefestigten Stellungenwestlich von Metz von neuem angegriffen.
1870 18. Aug.
Schlacht bei Gravelotte-Saint Privat.180000 Deutsche unter dem OberbefehlKönig Wilhelmsgegen mindestens ebensoviel Franzosen. Mörderischer Kampf auf dem linken Flügel; die preußische Garde, von den Sachsen unterstützt, erstürmt die Höhen vonSt. Privat. Verlust der Deutschen 20000, der Franzosen 13000. Bazaines Armee wird in die FestungMetzgedrängt und daselbst eingeschlossen.
PrinzFriedrich Karlleitet dieBelagerung von Metz,während die III. Armee (Kronprinz) von Nancy her gegenChâlonsvorrückt. Mit ihr wirkt zusammen eine von der II. Armee (die vor Metz bleibt) abgetrennte IV.(Maas-) ArmeeunterKronprinz Albert von Sachsen.
Mac-Mahonverläßt, von Napoleon III. begleitet, Châlons und versucht auf dem Umwege über ReimsMetzzu erreichen, um sich mit Bazaine zu vereinigen. Dies Unternehmen wird deutscherseits rechtzeitig entdeckt; die III. und IV. Armee schwenken deshalb vom Vormarsch gegen Paris rechts ab; dieIV. Armeeerreicht die Franzosen an derMaas, greift an und verhindert durch die siegreiche
30. Aug.
Schlacht bei Beaumontden geplanten Entsatzversuch von Metz, drängt auch die Mac-Mahonsche Armee in eine äußerst ungünstige Lage.
Bazaineversucht die Einschließung von Metz zu durchbrechen, wird aber durch die
31. Aug. u. 1. Sept.
Schlacht bei Noissevillezurückgetrieben.
Gleichzeitig wird Mac-Mahon von der III. und IV. deutschen Armee beiSedanan der Maas eingeschlossen (über 200000 Deutsche gegen 124000 Franzosen).
1. Sept.
Schlacht bei Sedan.Heftiger Kampf der Bayern beiBazeilles, der Sachsen beiDaigny, der Preußen beiGivonne,IllyundFloing. Die Franzosen werden in die Stadt hineingedrängt. Nach Beginn der Beschießung wird in der Stadt die weiße Fahne aufgezogen.Napoleon III.gibt sich gefangen, verläßt die Stadt am 2. Sept. früh. Zusammentreffen mit Graf Bismarck beiDonchery, wo während der Nacht über die Bedingungen der Übergabe verhandelt war (Moltke,Bismarck,Wimpffen,Mac-Mahon war verwundet).
2. Sept.
Übergabe von Sedan,39 Generale, über 2300 Offiziere, 83000 Mann (außerdem schon während der Schlacht über 20000 M.) kriegsgefangen, 419 Feld- und 139 Festungsgeschütze erbeutet.
3090 Mann erreichen die belgische Grenze und werden dort entwaffnet; das Korps Vinoy entkommt von Mézières nach Paris.
Zusammenkunft zwischen KaiserNapoleon III.undKönig Wilhelm I.in dem SchlosseBellevuebeiDonchery; Napoleon als Kriegsgefangener nachWilhelmshöhe(bei Kassel) gebracht.
1870. 4. Sept.
Frankreich Republik(Dritte Republik). Provisorische »Regierung der nationalen Verteidigung«:TrochuPräsident und Gouverneur von Paris,FavreAuswärtiges,GambettaInneres. Für den Krieg »bis aufs Äußerste« wird die ganze Nation zu den Waffen gerufen, die Flotten werden aus der Nordsee und Ostsee zurückgezogen. Die Kaiserin Eugenie flieht mit ihrem Sohn nach England.
Alle deutschen Truppen, welche bei Sedan gekämpft haben, marschieren gegen Paris und erreichen bis 19. Sept. die Einschließung (S. 387ff.).
In zahlreichen Festungen Frankreichs stehen noch kaiserliche Truppen, die sich aber den Geboten der Republik fügen. Nach dem Sturz des Kaisertums zunächst Friedensverhandlungen inFerièreszwischen Bismarck und Favre. Sie bleiben erfolglos, da Frankreich jede Gebietsabtretung verweigert.Thiersbereist die europäischen Höfe, findet aber keine Unterstützung (S. 382f.). Besonders aus England erhält Frankreich starke Zufuhr an Waffen und Munition.
Das Korps desGroßherzogs von Mecklenburg(s. S. 378), bisher zum Schutz der deutschen Küste tätig, sichert dieEisenbahnverbindungnach Deutschland durch Einnahme der FestungenToulundSoissons. Demselben Zwecke dient die nach und nach folgende Einnahme der Festungen Schlettstadt, Verdun (8. Nov.), Diedenhofen, Montmédy, Mézières u. a. Schwieriger Schutz der Etappenstraßen gegen Überfälle französischerFranctireurs. Das besetzte französische Gebiet wird in 4 General-Gouvernements eingeteilt.
27. Sept.
Übergabe von Straßburgnach längerer Belagerung (bei der die wertvolle Bibliothek zerstört wurde) durch preußische und badische Truppen unter Gen.v. Werder.Besatzung von 17000 Mann kriegsgefangen. Die preußische Garde-Landwehr zieht gegen Paris; mit der badischen Division und einigen preußischen Regimentern marschiert Gen.v. Werderdurch den Wasgau nach Südwesten (Epinal — Vesoul — Dijon, S. 387ff.).
Gambetta, welcher Paris im Luftballon verlassen hat, übernimmt (9. Okt.) die Diktatur inTours.Seinem Organisationstalent gelingt es, im Laufe der nächsten vier Monate etwa 800000 M. ins Feld zu stellen: aus Resten der alten Armee, Zuzügen aus Algier, Marinetruppen und durch Massenaufgebot. Es entstehen vier neue Heere; dieLoire-Armeebei Orléans, dieWestarmeebei Rouen, dieNordarmeebei Lille, dieOstarmeebei Besançon.Eroberung oder Rettung von Paris bleibt Hauptziel des Krieges.
1870. 27. Okt.
Übergabe von Metz(belagert seit 19. August). Nach mehreren vergeblichen Ausfällen ergibt sichBazaine, durch Hunger gezwungen, mit seiner großen Armee; 6000 Offiziere, 187000 Mann kriegsgefangen, 622 Feld-, 876 Festungsgeschütze erbeutet.
Prinz Friedrich Karlmit der II. Armee marschiert gegen die französischeLoire-Armee, Generalv. Manteuffelmit einer neu eingeteilten I. Armee gegen diefranzösische Nordarmee(S. 387).
Okt.
DieLoire-Armee(etwa 30000 M. stark und noch nicht kriegsbereit) ergreift in den ersten Oktobertagen vonOrléansaus die Offensive aufParis.Gegen sie marschiert südlich von Paris Generalv. d. Tannmit dem I. bayrischen Korps und der 22. Division, drängt die Franzosen nach empfindlicher Niederlage beiArtenay(10. Okt.) zurückund besetzt Orléans(11. Okt.).
Nov.
Zweite Offensive der auf 200000 Mann verstärktenLoire-Armee, welche den General v. d. Tann beiCoulmiers(9. Nov.) zum Rückzug auf Artenay und zurRäumung von Orléansnötigt, v. d. Tann gewinnt (nicht verfolgt) Anschluß an denGroßherzog von Mecklenburg, tritt in den Verband der diesem unterstelltenArmee-Abteilung(50000 M.), welche die Einschließung von Paris gegen Westen und Süden sichern soll. Sie drängt zunächst ein von Westen her anrückendes französisches Korps in beschwerlichem Kleinkriege gegen Freischaren nachLe Manszurück.
Inzwischen hat dieLoire-Armeesich befestigte Stellungen nördlich von Orléans geschaffen; von deutscher Seite aber rückt PrinzFriedrich Karlheran, und derGroßherzog von Mecklenburgkommt von Westen her zu gemeinsamem Angriff. Das erneute Vorrücken der Loire-Armee wird durch die
28. Nov.
Schlacht bei Beaune la Rolande(II. Armee) und die
2. Dez.
Schlacht bei Loigny-Poupry(Großherzog von Mecklenburg) rechtzeitig vereitelt.
Nach weiteren harten Kämpfen der beiden deutschen Heere wirdOrléansvon ihnen besetzt.
Von der Loire-Armee entweicht ein Teil nach Süden, woGeneral Bourbakineue Streitkräfte organisiert (vgl. S. 388), der andere wird durch GeneralChanzynachWestenzurückgeführt und auch durch Verstärkungen neu gefestigt. Chanzy versucht, überVendômeauf Paris zu ziehen; dies vereitelt die deutsche Armee-Abteilung durch schwere Kämpfe
7.–10. Dez.
beiBeaugency-Cravant. Chanzy geht hinter die Loir aufLe Manszurück. Deutsche Erkundungsgefechte: Das DetachementBoltensternbeiMontoire(27. Dez.). Die Regierung von Tours wird nachBordeauxverlegt. (Gambetta in Bourges.)
1871.Jan.
Die Armee-Abteilung wird aufgelöst und findet teils bei der II. Armee, teils bei Orléans und Paris Verwendung.Prinz Friedrich Karl, unaufhaltsam vorrückend trotz der Winterkälte, vernichtet die Armee des GeneralChanzy(150000 M.) in der
10.–12. Jan.
Schlacht vor Le Mans(20000 Gefangene). Die deutsche II. Armee bleibt bei Le Mans und an der Loire, das Korps des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin marschiert nach Rouen.
Um die Einschließung vonParisgegen Truppenansammlungen im Norden Frankreichs zu sichern, rückt die I. Armee, drei preußische Korps unter Generalv. Manteuffel, von Metz aus in nordwestlicher Richtung vor (S. 386). Sie schlägt die aus Marinetruppen und Mobilgarden gebildete französischeNordarmee in der
1870.27. Nov.
Schlacht bei Amiens, nimmt diese Stadt ein und besetzt dannRouen(5. Dez.); die dort auftretende französischeWestarmee (S. 385) weicht ernsten Kämpfen aus. DieNordarmee, von GeneralFaidherbewieder gesammelt und verstärkt, rückt wieder gegenAmiensvor.
23. u. 24. Dez.
Schlacht an der Hallue(Nebenfluß der Somme). Die Franzosen ziehen sich unter Mangel und Kälte aufArraszurück. Die Deutschen belagern darauf die FestungPéronne; Faidherbes Versuch, diese zu entsetzen, wird vereitelt durch die Schlacht beiBapaume(3. Jan. 1871); Péronne ergibt sich 9. Jan. Die bei Rouen verbliebenen Ostpreußen (I. A.-K.) zerstreuen eine Ansammlung der Westarmee durch das Gefecht beiRobert-le-Diable(4. Jan.).
Am 8. Jan. hat für den zum südöstlichen Kriegsschauplatz abberufenen Gen. v. Manteuffel Gen.v. Goebenden Oberbefehl übernommen. Der Plan der Franzosen, überSt. Quentin und Reims auf Pariszu marschieren, wird rechtzeitig erkannt; sie werden durch das Gefecht beiTertry-Poeuilly(18. Jan.) aufgehalten.
1871. 19. Jan.
Schlacht von St. Quentin, in welcher General v. Goeben die Nordarmee entscheidend schlägt. DieNordfestungenverhindern ausgiebige Verfolgung.
1870(Okt.).
Generalv. Werderwendet sich nach der Einnahme von Straßburg (S. 385) gegen die Franctireurs in denVogesenund die französischeOstarmeeinOber-Elsaß und Burgund, insbesondere um den Heeren vor Paris und Metz die Verbindung nach Deutschland zu sichern. Die Ostarmee will den Abstieg aus den Vogesen beiSt. Diéverwehren, wird aber auf Besançon zurückgedrängt. Die badischen Truppen besetzenDijon(31. Okt.); die aus dem Elsaß nachrückende Landwehr-Division v. Tresckow schließt die FestungBelfortein (8. Nov.).
Die Franzosen verstärken sich durch Heranziehung der vor Orléans (S. 386) geschlagenen und bei Bourges wieder gesammelten Loire-Truppen; den Oberbefehl übernimmt Gen.Bourbaki. Gen. v. Werder tritt den von Süden her anrückenden Feinden beiNuitsentgegen (18. Dez.), räumt dann aber freiwilligDijon, um die Belagerung von Belfort zu decken, und vereinigt sein Korps in starker Stellung beiVesoul(30. Dez.). Bourbaki, von Gambetta getrieben, aber durch mangelnde Ausrüstung der Truppen gehemmt, beginnt seinen Vormarsch. Dijon wird von den unterGaribaldis(S. 370, 381) Befehl stehenden Freischaren besetzt.
1871.9. Jan.
Treffen beiVillersexel, anfangs glücklich für die Franzosen, aber bei Abbruch des Nachtgefechts ist die Stadt in deutscher Hand.
General v. Werder durchkreuzt die Absicht Bourbakis, ihn von Belfort abzudrängen, durch Abmarsch hinter dieLisaine(Nebenfluß des Doubs) und schiebt sich in einer Stellung Héricourt-Montbéliard zwischen die französische Ostarmee und Belfort.
15.–17. Jan.
Schlacht an der Lisaine.In dreitägigem Kampfe bei strenger Kälte gelingt es den Franzosen (140000 M.) nicht, die deutschen Linien (43000 M., Badener und preußische Landwehr) zu durchbrechen; in voller Auflösung strömt die Ostarmee auf Besançon zurück.
Zu derselben Zeit erreichen die zur Unterstützung gesandten deutschen Truppen (II. und VII. A.-K.) unter Generalv. Manteuffeldie Gegend westlichVesoul. Auf die Nachricht von Werders Sieg wendet sich Manteuffel sofort südlich nach Besançon; Werder schließt sich diesem Vormarsch an. Weitestes Vordringen einer deutschenSüdarmee.
Hierdurch ist für Bourbaki der Rückzug nach Westen oder Süden abgeschnitten; nach seiner Absetzung führt GeneralClinchantdie Ostarmee auf Pontarlier, in der Hoffnung, längs der Grenze zu entkommen. Durch denJuradrängen aber die Deutschen kräftig nach, und unter letzten Gefechten beiLa CluseundPontarliertritt die Ostarmee (80000 Mann) aufSchweizer Gebiet(1.–3. Febr.) über und gerät damit in Kriegsgefangenschaft. Nur Teile der Division Cremer entkommen nach Südfrankreich.
Beim Vormarsch auf Belfort (Vesoul) hatte General v. Manteuffel die Brigadev. KettlergegenDijongeschickt. Das dort stehende KorpsGaribaldi(20000 M.) beschränkt sich darauf, die Angriffe dieser 5 Bataillone am 21. und 23. Januar abzuwehren (Verlust dereinzigendeutschen Fahne — aufgefunden unter Leichen). Als Verstärkung für General v. Kettler anrückt, ziehen sich Garibaldis Scharen mit Benutzung der Eisenbahn nachLyonzurück.